Indiana Tribüne, Volume 13, Number 121, Indianapolis, Marion County, 19 January 1890 — Page 5
Wer das GZüS hat. Ein Schnkllzuaz.RoAan. Bon Jr. V. V.
Sie waren genugsam von einander verschieden, die Beiden, die der Schaffner für volle fechI Stunden in den engen maum emes durchgehenden" toqncu ,uar?aciens zufammenaebracht hatte. Der Nelterc mochte den Vierzig naher Itehen, als den SDreigtg. ur neigte zur Beleibtheit. Im Uebriqen hatle er sich vorzüglich erhalten, so daß er noch jetzt für einen bildhübschen Menschen gelten mutzte: rruses Haar, kurze Stlrn, schelmische Augen, keckes Schnurrbärtchen und volles Kinn, dazu das Blühen der Gesundheit auf den Wangen. Vorgestellt datte er sich als Gustav Wegeweit, Director einer Fabrik von flüchtigen Oelm, aus Sachsen. Der Andere war ein norddeutscher Großstädter, Ende der Zwanzig, oder Anfang Dreißig, mit scharfen Zügen, grauen mit Brillengläsern bedeckten Augen und einem Ausdruck von Uebermüdung. Er gehörte dem Gelehrtenstande an und nannte sich Albert Erichson, doch was btbtültt der Name in unserem gesegneten Lande der Titel ? Die Reisenden redeten einander mit Herr DiTecxot und Herr Doktor" an, was vsn angenehmer, vertrauenerweckender Wirkung auf gelegentliche Dritte war. Die Kosten der Unterhaltung trug der Beherrscher der flüchtigen Oele fast ausschließlich. In seinem behaglichen, das Lächerliche eben nur streifenden sächsischeu Accent gab er Anekdoten aus seinem Leben zum Besten, die dem Norddeutschen anfangs ein halb widerwilliges Lachekn, haV aber herzliche und unterhaltende Heiterkeit abnöthigten. Es handelte sich zumeist um mehr oder minder harmlose kleine Erlebnisse mit dem schonen Geschlecht, aus welches sich der biedere Sachse trefflich zu kennen schien. Lachend nannte ihn der Doctor einen Schwerenöther über den andern, welches Epitheton dem Director der flüchtigen Oele behagte. Rissen Sie," meinte er ich bin eben ein guter Lutheraner: Wer nicht liebt Wein. Weib, Gefang :c. Und was die hübschen kleinen Mädchen anbetrifft, da weiß ich Ihnen ans dem sf, wie. man sie. anzufassen hat." Um Mitternacht erscholl des Schaffners Ruf: Dte Herrschaften nach Kassel, Bebra, Eifenach ?c. anssteigen! Eine Stunde Aufenthalt." Gleichzeitig wurden die Wagenthüren aufgerisien. Etwas verdrießlich betraten ixt hecken Reisenden den Nestaurattonsaal, setzten stch und bestellten Bler. VDie Schänkmamfell aäbnte hinter ih&m Büffet, der Kellner sah übernächtig aus, die wenigen Reisenden, die den Anschlug hier erwarten mußten, dehnten sich fchlasverlangcnd auf den unbequemen Rohrbänken. Da schlug der Sachfe plötzlich mit der flachen Hand aus den Tisch. Poh Wetter noch mal ! Das ist ja ein verteuselt hübsches Frauenzimmerchen, da vor der Glasthür!" Der Andere wandte kaum den Kopf. Reitet Sie schon einmal wieder der Teufel?" entgegnete er schläfrig. Welß Knäppchen !" fuhr der Enthnsiast unbeirrt fort, ,,das ist ein wundernettes Dnrg! Die kann so bleiben! Wenn sie doch 'mal "reinkäme ! Sie wird doch nicht mutterseelenallein da drantzen bleiben sollen?" Aber schon öffnete sie die Thür und trat ein. Es war ein schlankes, dunkeläugiges Mädchen von höchstens achtzehn Jahren und lrug einen englischen Neisemantel von großearrirtem Cheviot und von gleichem Stoff ein keckes, äußerst kleidfames Mützchen. Zierliche Knopfstiefelchen, dänische Handschuhe und einum die Schulter gehangtcs Iuchtentäschchen volI endeten die vornehme Erscheinung. Das frische junge Gesicht schien vom Schlafen geröther ; halb verschlafen, halb neugie ri'g und schüchtern blinzelten die Augen, gewiß umer dem Zwang streng anbesohlcner Zurückhaltung, und konnten doch den Muthwillen, die ungetrübte, volle Daseinsfreude nicht ganz verbergen. Sie nahm an einem Seitentischchen Platz und fragte den herzueilenden Kellr?er etwas befangen, ob' sie eine Tasse warmen Kasfe bekommen könne. Es sei keiner mehr da, gab der Kellner nachlassig zur Antwort. Mit gespitzten Ohren, gleichsam auf dem qui vivo, hatte der Sachse dageseifen, ohne die junge Dame aus den Augen zu lasten. Des Kellners Wort vernehmen, in die Höhe schnellen und zwischen jenen und frie hubfch Reisende treten, war eins. Sie sind ja wohl eigentlich Ihres Zeichens ein Votokude, mein bestes Herrchen?!" schrie er den verblüfften Gannrneb an. .Haben Sie gehört, daß die Dame Kaffee wünscht, oder sind Sie etwas taub? Nicht? Keiner da. Na davon, daß Sie ein dummes Gesicht machen, kommt anch keiner! Bestellen Sie mal frischen, Sie! Um Ihren Blüm chenkassee zu siltrirm, Wird die Zeit ja wohl noch reichen." Tief gedeuckthigt, entfernte sich der Kellnerjüngling, und der Meister der flüchtigen Öele blieb als Sieger auf der Wahlstatt. Er machte nun erst seine Verbe-ugung. Das junge Mädchen war dunkel errother. Sie sind sehr freundlich!" sagte sie dankbar. Sehr freundlich i Ja, das war er. Mit recht väterlicher oder onkelhafter Miene blieb er vor ihr stehen, und der 9!eifekamerad jah von feinem Platz us, dsß die beiden in lebhafte Unterhaltung kamen. Es erboste ihn beinahe, das anmutbige G-schopschen ss unbefangen mit bematten Wolf im Schafpelz plaudern zu itUn. Erst als ihr wirklich bej verlangte Kaffe gebracht wurde, kehrte der Sachse m feiten alten Platz zurück. Nun?" begrüstte ihn der Andere achelnd. Der Director der flüchtZgei: Oele strahlte. Erqulsit.' sage ich Ihnen! Prima Qualität! Kommt direkt cius dem Schweizer ErzZehuugsinstiiut ist auf der Reise nach . Hause. Soga.' ihren Namen ht sie verrathen: Mar'e Luise von Werthern! Klingt ein bischer blaublutig, schadet aber nichts. Von Hoch? nastgkeit nicht die Bohne! Süßtr klei-1
ner Käser! N, wir wollen auch noch weiter mit einander reden, wir Zwei!" Dabei zwinkerte der Enthusiast so schalkhast und siegesbewußt mit den Augen, daß der Vkorddeutsche sich bewogen fühlte, in feinem ernstesten Tone zu äußern: Die guten Eltern könnten auch was Gescheidteres thun, als das hübsche Mädchen den weiten Weg allein
uxtn u lassen!" Pedant ! " lachte der achze. uäenn Niemand das riskiren wollte, wo bliebe dann aller Spaß? Du liebe Znt! Wenn man nicht noch hier und da fein Scherzchen hätte, da möchte Keiner mehr leben. Aber ich frage den Kukuk nach allen duck mänserischen Wenns und Abers ! Pflücket die 5tose ! heißt's im Lied." Ab: das ie vergißt der Dornen Erwähnung zu thun." Na, na! Sie schlagen ja nen formlichen Lcichenbitterton an. Doktorchen! Sind wohl 'n iischen eifersüchtig? Ich will Ihnen was fagen : mit der Kleinen madf ich. ehe sie die lieben Verwandten erreicht, ne Extratour nach Kassel, morgen, die alles Dagewesene an Fidelität übertreffen foll ! Was gilt die Wette?" Fällt mir nicht im Traumein, auf so was zu wetten." Na ja; also nicht. Drei, vier Stunden tete-ä-tete, na, man müßte das nicht kennen. Ich fragte ganz beschcidentlich nach ihrem Reiseziel und ob sie gestatten würde, daß ich in einem Eoupee mit ihr sühr'e? Das Mausch?n antwortete wie ein artiges kleines Mädchen: O qewiß, d. h. wenn Sie auch erster Klasse fahren." Er sprach in der Fistel, als er das Mäuschen" redend einführte. Und Sle?" fragte der Doktor. Ich dankte natürlich auf das Höflichste für die aütiae Erlaubniß, -und jetzt will ich mir schleunigst das nothige Zuschlagbillet holen. Morgen sehen wir i, 0li ?? . . . 1" uns oann IN aan um U!w Ipinen em bischen junges Brautpaar. Vivat dke Eisenbahn!" Er stand auf. Warten Sie!" rief der Doktor, den Davoneilenden am Nockarmel zurückhaltend ; schlägt Sie denn Ihr Gewissen garnicht? Es ist doch ein armseliges, Kunstjlück, solch blutjunges Ding aus seinem bischen Verstand hinaus zu schmeicheln!" Der Sachse lachte fröhlich. Du liebe Zeit! Will ich ihr denn gleich den Hals umdrehen ? Es handelt sich doch blos um einen lustigen Streich! llcbrigens steh' ich für nichls ein. Sie hat mir's wahrhaftig angethan mit ihren Schelmenaugcn, und das gibt am Ende noch eine Verlob 11:13. Warum auch nicht? Ich bin ein freier Mann und hab-s dazu. Brauch' nach Geld nicht einmal zu fragen." Na meinetwegen. Wünfch' viel Glück, Herr Direktor! Soll ich zur Hochzeit kommen?" Topp," meinte der Sachse vergnügt. Sie sind tm für allemal eingeladen." Eine Stunde später konnte Doktor Erichfon dem Rasseln und Summen des Eilznges lauschen. Er saß mit mehreren Anderen in einem von Tabaksqualm ersüllten Nauchcoupö, während der sächsische Eroberer richtig zu dem Pensionsfräulein in die erste Klasse gestregen war. Jetzt mag er schon loslegen, der gottlose alte Fuchs!" dachte der Doktor, und es war ihm, als hätte er das Wagniß doch lieber nicht zulassen sollen. Hab dann zuckte er, über fein Zweifeln ungeduldig, die Achseln. Was gehn mich schließlich anderer Leute Liebesasfairen an?!" Aber die unbehaglichen Empsindungen, die iüm eine gewisse Mitschuld aufnöthigen wollten, ließen ihn nicht los. So mochte er zwei Stunden gefahren sein. Der Zug hielt an einer kleinen Station. Eine Minute!" riefen die Schaffner. Der kleine, dunkle Perron war leer; nur einige brummende Bahnbeamte waren sichtbar. Auf einmal rief Jemand: Schaffner!" Es war eine jugendliche Frauenstimme. Bei dem n der Nacht ganz besonders deutlichen Ruf fuhren etwa zwanzig Kopfe an die Coupesenster, auch der unseres Doktors. Können Sie mich vielleicht in ein anderes Coup bringen?" fragte die Stimme, laut, naiv, als fei der Wunsch nach Luftveränderung zn dieser Nachtstunde etwas durchaus Natürliches. Die zwanzig Halse reckten sich, und man sah. wie der biedere Schaffner, ohne h Wort zu verlieren, eine junge Passagierin der ersten Klajse herausließ und nach einem anderen Wagen führte. Die Thür klappte gelauschvoll, die Signalpfeife ertönte und der antwortende Ruf: Fertig! Vvn Neuem durcheilte der Zug nachtbedeckte Gesilde. Doktor Erichson war in die grau..grünen Plüschpolster zurückgesunken, lachte seelenvergttügt in sich hinein und sagte ein über das andere Mal: Famos!" Aus der Frühstücksstation, die von den Nachjreisenden gewöhnlich sehr freudig bewillkommnet wird, lockten 'dampfende Kasseetassen und appetitliches Gebäck in langen Reihen. War es Zufall efe Absicht, Doctor Erichfon kam neben der jungen Dame zu -sitzen, deren nächtliches Umquartieren den Schnellzugpassagicren Anlast u allerhaub Glossen gegeben hatte. Sie schien freilich von der ihr zu Theil gewordenen Beachtung keine A.:ung zu haben. Fröhlich wünschte sie khrem Tischnachbar Guten Morgen und biß in ihren Wecken, daß er all die kleinen, blanken Zähne bewunder konnte. So ist aus der Fahrt nach Kassel doch nichts geworden? fragteer halblaut und sah sie von der Seite an. Es siel ihr offenbar nicht auf, daß er eine Frage stellte, aus d:e er aus sich selbst nicht kommen konnte. Nein, natürlich niHt, antwortete sie halb lachend; man erwartet mich zu Hause." - - - Ich glaubte, Sie seien mit dem sachsischen Fabnkblrector in demselben Kupce gefahren ? forschte er arglistig weiter. Sie wurde ein wenig roth und lachte. Ja, eine Strecke. Aber dann wurde er so so wissen Sie, so koiil.v-;,:;' - .1'.-:
Endlich hatte sie daS bezeichnende Wort gesunden. Und fanden Sie das nicht recht amü sant? Zögernd, aber ehrlich kam die Antwort: Nein." Er verbarg seine Freude, obwohl deren Lebhaftigkeit ihn selbst nicht wenia überraschte. Theil
nehmend erkundigte er sich, ob sie noch weit zu sahren habe? Sie nannte als c ( ' crirrt frt.. inr yccncjiei eine iicinc neiioenz .ynnnaens, wo er Freunde wohnen hatte. An diesen glücklichen Umstand knüpfe er an, um sie zu fragen, ob er woyl geieqentlich einmal ihre Eltern aussuchen dürse? O gewiß! natürlich!" rief sie erfreut. Wir wohnen gerade dem herzoglichen Park gegenüber !. Sie können gar nicht .fehlen. Anch kennt die ganze Stadt den Papa. Fragen Äie nur nach dem Kammerherrn von Werther." Es wurde zum Einsteigen gerufen, und die neuen Bekannten trennten sich. Der komische" Director aber ließ sich nicht sehen. Eben derselbe Director erhielt einige Wochen nach dieser Reise folgende gedruckte Anzeige zugeschickt: Marie Luise von Werthern Albert Erichson. Dr. phil. und Privatdozent. Verlobte." Und darunter stand qanz klein mit Bleistift geschrieben: ein sur allemal eingeladen. Ob er wohl kommen wird? Aus dem Leben eines berühmten Dichters. Als Veitrage zu einer Biographie Alerander Dumas' fils lieferte jüngstAlbert Wolff einige interessante Erinnerungen: Man stellt sich in der ökcgel vor, daß der Sohn des großen Dumaö gestiefelt und gefpornt in die Laufbahn getreten sei, und daß er nur die Hand auszustekken brauchte, um den Ruhm zu pflücken, den sein Valcr für ihn vorbereitet atte. Man wird sogleich sehen, wie weit die Wirklichkeit von der landläufigen Fiction entfernt ist, und datz dieser Mann, gleich den bescheidensten seiner College, alle Entmuthigungen des Anfängers gekannt hat. Alexander war achtzehn Jahre alt, als sein Vater, den er bis dahin nur am Sonntag gesehen hatte, ihm sagte: Mein Sohn, nun bist Du ein Mann ! Höre mich gut an! Wenn man Alcrander Dnmas heißt, sührt man sein Leben in großem Stil ; man dinirt im Cafe de Paris; man ist freigebig gegen Frauen ; man versagt sich nichts. Geh, mein Sohn, und sorge Dich nicht um Deine Zukunst! Mit fünfundzwanzig Jahren, wenn Du heirathen wirst, gebe ich Dir dreihunderttausend Francs für den ersten Ansang." Der junge Dumas, welcher bis zu diesem Tage die einsachsten Gewohnheiten gehabt, der bisher mit seinem ausgezeichneten Freunde Paulin Menicr um drei Francs per Kops dinirte, ließ sich dies gesagt sein. Er warf sich in den Strudel des heiteren Pariser Lebens und wurde freigebig gegen Fraueu.und zwar in solchem Maße, daß er eine Menge Wechfcl für ihre Lieferanten unterzeichnete. Nach zwei Jahren suchte er seinen Vater auf. Ich habe Deinen Nath befolgt," sagte er, ich habe 50,000 Francs Schulden ; Du wirst sie bezahlen, nicht wahr?". Fünfzigtausend Francs?" rief Dumas. fcAb, unglückliches Kind, woher soll ich sie nehmen? Ich, der ich 000,000 schulde?" Alerander sah ein, daß er nur aus sich felbst zählen könne. So begann er denn zu roboten, wie der erste Beste, ganz, als ob er Dingsda oder Soundso geheißen hatte, nur mit dem Unterschied, daß die Dingsda oder Soundso keinen berühmten Namen tragen und daher mit weniger Schwierigkeit an ihr Talent glauben machen, als der Sohn eines großen Mannes. Dieser lange Junge, der kühn genug war, Bücher zu machen, flößte den Freunden des Vaters nur gelindes Mitleid ein ; er mußte sich darauf beschränken, Neuigkeiten zn zwei Sous die Zeile zu sch' . ben, für die Assemblee Natlonale den Kammerbericht zu fünf Centimes die Zeile zu verfassen, oderls Verichterstatter der Presse, wenn ich nicht irre, der Krönung des Königs von Holland ins Haag beizuwohnen. Mit diesen Einkünften durfte er wohl nicht daran denken, feine 50,000 Francs Schulden zn zahlen. In jener Zeit war ein junger Schriftsteller sein Name thut nichts zur Sache der Freund jener Marie Duplessis, welche Alerander Dumas unter dem Namen Cameliendame" unsterblich machen sollte. Dies Verhältniß endete wie alle anderen' der junge Mann war arm, die junge Fran brauchte zehntausend Frnncs; sie setzte den Dichter vor die Thür, das war ganz natürlich ! Der Verliebte erzählte sein Mißgeschick einem Freund und dieser Freund war reiche da er die Verzweiflung des abgewiesenen Liebhabers sah, sagte er: Erwarte mich' hier, ich rcerde das .ausgleichen." Der reiche Freund begab sich zu Marie Duplessis, und indem er zehntausend Francs aus seiner Brieftasche nahm, sprach er: Sie haben einem ausgezeichneten Jungen viel Kummer bereitet. Sie brauchen zehntausend Francs hier sind sie! Das bleibt natürlich unter uns; meinem Kameraden aber sage ich, er dürfe iederkommcn, nicht wahr?" Die Courtisane, obgleich sie von Erecutoren gehetzt warempfand eine Auswallung des Herzens: Ja," versetzte sie, sagen Sie ihm, daß ich ihn erwarte. Allein das Geld behalten Sie, ich will nicht, daß dieser mich bezahle!" An diesem Tage keimte in Alexander Dumas' Gehirn dieJdec zurCameliendamc." Marie Duplessis war todt ünb' noch immer trug , derjenige, den man deu kleinen Dumas" nannte, die .Idee zur ,Ca melkend ame" in seinem Gehirn. I
Eines SommertagS dachte er im Wald von St. Germam so sehr an seinen Noman, daß er den letzten Zug versäumte. Er verbrachte die Nacht im Hotel zum weißen Noß". , Am Morgen als er. erwachte, betrachtete er das Zimmer und die einsame Straße und sagte sich: Wie angenehm ließe sich's hier arbeiten ! Sogleich schickte er nach Paris um Kleider und richtete sich im weißen Noß" ein; er zahlte taglich zwanzig Sous für's Zimmer und schrieb hur den Noman
La Barne aus damonas", von welchem er dem Verleger Cadot für 1000 Francs die erste Auflage und für 200 Francs die zweite verkaufte. Als die beiden ersten Auflagen zu Ende waren, weigerte sich Cadot, eine dritte zu I veranstalten, und so trat Dumas se!nen( cr c r - ' o..:iWi : i lano sur zwanzig iuis cwigni Besitze den Herren Michel Löoy Fröres ab, welche, beeile ich mich hinzuzufügen, diesen lächerlichen Contract vielfach durchlöchert haben. Der Noman trug also seinem Verfasser im Ganzen die Summe voii achtzig Louisd'or ein. Das war für Alerander ein wahres Vermögen, und sicher meinte er, nicht einen rothen Heller mehr aus diesem Werke zu ziehen. Hie und da begegnete er wohl einem Freunde, der ihm sagte: Warum machen Sie aus Ihrem Buche nicht ein Stück?" Ein Stück von Monsieur Dumas fils ! Nachdem sein Vater, der König der Dramatiker, alle Anschlagzettel beherrschte! Der junge Schriftsteller wagte nicht einmal, seinen Ehrgeiz so hoch zu erheben. Allein, gedrängt von den Bedürfnissen des täglichen Lebens, begab er sich zu seinem Vater, um bei ihm Rath zu holen. Der ältere DumaS befand sich damals im ganzen Glänze seines Nuhmes und im üppigsten Flor seiner Gestaltungskraft. Er hatte den Noman seines Sohnes gelesen, er hatte Alerander dazu beglückwünscht. , Aber was bedeutete ein Buch sur dleien großen Erzähler, welcher sernen Namen schon auf hundertfünfzig Bände gesetzt? Einen Zwischenfall von geringer Wichtigkeit, sonst nichts. Der kletne Dumas begab sich alo zu semem Vater: Man redet mir zu, aus der vame aux (am!ias" ein Stück zu machen," sagte er. Was meinst Du dazu?" Es steckt kein Stück darin," antwortete Dumas' Vater Es war ein Winter'abend. Nach dem Diner blieben Vater und Sohn allein vor dem Kamin, z Alerander öffnete sein Manuscript, und mit zitternder Stimme las er: Erster Act. Die Bühne stellt einen u. f. w. Anfangs horte der ältere DumaS nur mit halbem Ohre zu. Bald wurde er aber aufmerksam, seine großen, blauen Augen drückten daS Erstaunen aus, welches er empfand. Am Ende des ersten Auszuges rief er: Aber das ist ja sehr gut, mein Junge ! Das ist sehr gut! Lies mir sogleich den zweiten Act!" In diesem Augenblicke empfand der altere DumaS vielleicht die edelste Nührnng seines Lebens ; das Talent feines Sohnes, dem er bis zu diesem Tage gar keine Wichtigkeit bcigemessen, enthüllte sich diesem ruhmbedeckten Vater. In dem Maße, als Alerander in seiner Lectüre fortschritt, verklärten sich die Zuge des Vaters ; bald flössen dicke Thränen über seine Wangen, und mit einer von Schluchzen unterbrochenen Stimme rief er von Zeit zu Zeit: Das ist sehr schon! sehr schön, wirklich wunderschön, mein Freund!" Als Alexander beim letzten Worte seincs Stückes angelangt war, zog der ältcre Dumas in unbeschreiblicher Aufregung den Sohn an seine umfangreiche Brust, umarmte ihn stürmisch und sagte ihm: War ich dumm, daß ich an dieses Stück nicht glaubte! Das ist geradezu ein neues Theater, was Du erfunden hast, ein herrliches Theater. Ich nehme Dein Stück sür das Thöatre Historique an, Du wirst nächste Woche mit den Proben beginnen!" Die nächste Woche, das war leicht gesagt. Dumas, der. sich nie mit der Zukunst beschäftigte, ahnte nicht, daß sein Theure Historique in Concurs gerathen sein würde, ehe man noch mit dessen Schauspielern die Leseprobe der Cameliendame" abhalten konnte. Und hiermit beginnt die unglaubliche Pilgerschast des Schauspiels von Bühne zu Bühne. d'Ennerv, welcher einen Augenblick daran geoacht hatte, das Thöätre Historique zu erwerben, verzich? tete darauf; .denn," sagte er, ich habe in dem Archiv nichts gefunden, als zwei unmögliche Stücke: La Bamo de Monsoreau und La Barne aux Carnelias!" Holstein, der Direktor des GaitöTheaters, roUchem das Stück vorgelegt wurde antworteten Was soll ich damit anfangen? Das ist Murger's Vie de boherne, doch ohne dessen Geist. -Der kleine Dumas, in der Gaiiö und im Gymnase abgewiesen, suchte Paul Ernest, den Director des Vaudeoille aus. Dieser las das Stück, fand darin eine Rolle für seine Frau und nahm es an. Vierzehn Tage später war das Vaude-ville-Theater völlig bankerott. Der Nachfolger Paul Ernest's würd? Herr Lecour. Dumas bat ihn, das Stück zu lesen und ihm zu sagen, ob er es zu spielen gedenke. Als der Dichter die Antwort holen kam, gab der Portier des Theaters ihm sein Manuscript, das ganz mit Oelflecken bedeckt war zurück und sagte: Der Herr Director beauftragt mich, Ihnen mitzutheilen, daß das ihm nicht passen könne!" Eines Abends schleuderte Dumas über den Boulevard und dachte an Alles eher, als an die Cameliendame," als Herr Bouffö ihn anrief: Mein lieber Dumas" sagte er. ich weiß, daß Sie ein bezauberndes Schanspiel gemacht haben und daß Niemandes aufführen mag In sechs Monaten werde ich Director des Vaudeoille sein: wollen Sie mir Ihr Stück aufheben? In der That,, sechs Monate später übernahm' Herr Vousfe die Theaterleitung und acceptirte das Stück. Allein die Censur war da, sie verbot äugenblicklich das unmoralische. Schauspiel. Herr von Äeaufort, eines von den Mit-
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! cn : - nguceem ver -piu,ungs ommijZlvN, sagte vem ervlllerren AUtor : Aber ich bitte Sie! wir leisten Jhnen einen großen Dienst, indem wir das Stuck verbieten; Sle waren hübsch ausgepsiffen worden!" Später, da Herr von Veaufort Tireetor des Vaudeoille geworden, nahm er noch recht schone Summen mit dem Werke ein, das er in seiner Eigenschaft als Censor für unmoralisch erklärt hatte. In den Vorreden zu seinem Theatre Komplet" bat Alexander der hungere er t r . 1 tf t .ä zamr, wie me amezlenoame- vom Prinz - Prästdentm Louis Napoleon auf .5- ..r.. - jf n. rm . vie z5ur?prau)e oes errn von vcorny ? c c i ' ? , et . r ' r yln oie nulorlzalion zur ViUfluyrung veram. Wenn ich sage Autorisation" so greife ich eigentlich stark vor. Denn bis zum heurigen Tage ist das Stück niemals von der Censur autoristrt worden, letztere begnügte sich damit, es zu dulden. Die Hauptrolle wurde zuerst Frl. Forgueil angeboten. Nachem sie aber in das Stück Einsicht genommen, sagte die Schauspielerin dem Autor in verachtlichem Tone: Ich habe Ihre Komödie gelesen, Herr Dumas; die Handlung geht in ner Welt vor, die ich nicht kenne." Und er gab die Partie Madame Doche, welche alle Schwierigkeiten ebnete, das Veto der Censur aufheben ließ und dem Verfasser nach Brüssel, wohin er seinen Vater begleitet hatte, schrieb, man erwarte ihn zur Probe. Mit dem nächsten Zug kam Dumas in Paris an und las sein Stück den Schauspielern vor. Es fehlte zum Glück des Dichters nichts als schickliche Decorationen. Aber ach ! obwohl der Director in das Stück unerschütterliches Vertrauen setzte, machte er doch keine Ausgaben dafür, so daß am Abend der ersten Aufführung der Salon der Cameliendame rothe Vorhänge und grüne Portieren hatte. Die Schauspieler der Vühne bchandelten den Debütanten wie einen kleinen Jungen. Eines Tages nahm Dumas einen der Darsteller, Fechter, bei Seite, und fagte ihm: V!ein lieber Freund, in diesem Stück muß man die ansgesahrencn Geleise verlassen. Kühnheit, Kühnheit und och malS Kühnheit ! In Ihrer großen Scene fassen Sie Marguerite beim Arm, werfen sie auf die Knie und heben dann die Faust gegen sie." Fechter betrachtete seinen Autor mit einer gewissen Verblüffung. Sie sind toll!" sagte er. Nach kurzer Ueberlegung sügte er hinzu: Ucbrigens, wir beschäftigen uns da mit Nichtigkeiten. Ihr Stück wird nie fo weit kommen !" Der Tag der ersten Ausführung erschien endlich. Abends, als man gerade mit den drei Schlägen das Zeichen zum Anfang geben wollte, wendete sich der Direktor zu seiner Künstlerschaar: Meine Herren und Damen!" sagte er, Sie werden'- niemals diesen Abend vergessen ; denn glauben Sie mir, Sie stehen im Begriff, an einem der größten Erfolge des 'modernen Theaters theilzunehmen ! " Man kennt den Erfolg der ersten Aufführung. Von einem Tag zum andern wurde der verhöhnte Dichter ein berühmter Schriftsteller. Sogleich stürzten sich alle Gläubiger auf Dumas Sohn; dreimal in einer Woche arretirt, wurde er dreimal von Herrn v. Belleyme freigelassen, welcher sich entschieden weigerte, ihn als Kaufmann anzuerkennen. Äber Duma hatte nun von der Sache
genug ; er schwor, er wolle sich nlcht emen Äugenblick Niche gönnen, ehe er nicht seine Schulden werde bezahlt haben. Der gefeierte Autor blieb in feiner kleinen Wohnung zu 400 Francs ; er schrieb in derselben seine Diane de Lys", welche Montiguy ungelesen annahm, und erst als er Alles bezahlt hatte, dachte der schon berühmte DumaS daran, sich passend einzurichten. m mm to Verschiedene Auffassung. Der König von Sambo, dessen Nummcr mir in diesem Augenblick? nicht recht erinnerlich ist, saß, wie erdaS Lster that, wieder einmal auf seinem Throne, und vor ihm stand ein chinesischer Kaufmann, der ihm einen außerordentlich kostbaren Diamantfchmuck zum Kaufe anbot. Dem Könige gesiel der Schmuck sehr. Er ließ seinen Schatzmeister holen und sagte: Mein lieber Cbrom Chiat, ich möchte gern diesen herrlichen Schmuck kaufen, wir haben doch das Geld dazu übrig?" Chrom Chiat verneigte sich 21 Mal bis zur Erde und entgegnete dann: Oh. König aller Könige, ' wenn der Schmuck Dir gefällt, so muß er Dein werden aber der Staatsschatz ist schon halb leer!" Da verfinsterte sich das Antlitz des Königs. Er befahl, den Schatzmeister seines ?lmtes zu entheben Und alle seine Güter einzuziehen. t Zugleich ernannte der König den mitanmesenden Maha Mongkut zum Nachfolger des Chrom Chiat und sprach zu jenem: Mein lieber Maha Mongkut, ich möchte gern diesen herrlichen Schmuck kaufen, wir haben doch das Geld dazu übrig?" Da verneigte sich Maha Mongkut 22 Mal bis zur Erde und entgegnete dann: O Konig aller Konigs-Könige, wenn der Schmuck Dir gesäUt, sa muß er Dein werden; der Staatsschatz ist ja auch noch halbvoll!" ' Da lächelte der König von Sambo befriedigt, kaufte den herrl'chen Schmuck und ließ die Hälfte der eingezogenen Gu. ter des schlechten Schatzmeisters Chrom Chiat dem guten Schatzmeister Maha Mongkut ausliefern. Alb. Noderich. ' Ein n r a l t e s E h e p a a r k st dieser Tage in einem Dorse des Vilajets Monastt? " gestorben. , Der Mann ist 135; die Frau 12 1 Ja e alt geworden. Das Ehepaar wohnte in 'einem Hause, welches es sich gerade vor einem Jahrhundert felbst erbaut hatte. An l das Haus stieß ein kleiner Garten, der sich inzwischen zu einem Walde mit 90-'und ZOOjährigen Bäumen ausgewachsen hatte, mit Bäumen, die der Mann vor einem, Jahrhundert selbst gepflanzt und bis zu seinem Tode auch stets selbst gc; WSMWiä
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