Indiana Tribüne, Volume 13, Number 121, Indianapolis, Marion County, 19 January 1890 — Page 4
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3rtana Tribüne. I SonntngS-Auögabe. Ofstee, 120 fl Maryland Otr. M'.j , in . . wmmmmmmmmammmmtmmmmmmmmmm I im I I Li'1 Erstaunliche Geschworcncnsp räch c. ). Das Scknzuraericbt in Reuscbatel Kat die rozen des bekannte?: AnarchiftenManifestes Angeklagten freigesprochen, Hobwohl die letzteren sich selbst beim Verbör der Urheberschaft r-.nd Verbreitung Kur schuldig erklärten. Es liegt also hier ein ganz gleicher Ceschworemnfpruch J:fcnc derjenige cor, welcher in dcm Falle Wer Saffulitsch das Erstaunen der aesammteu ciriliürten Welt bervorruien l Mußte. Zum ersten Male War es in ... t iiuianu CDvgeiuiU7iicn oag j;ciu)ivüMrKc ein NicötscbÄdiä ausforstn, obaleich die verbrecherische That nicht abgeleugmt sondern snsorucuzcy zugesianoen werDe. Der Fall blieb in Rußland nichr rerein;elr. Ändne die Geschworenen. 'ent.gegen Zcdein staatlichen Nechtsbcgnss, eine geschehene verbrecherische Thet un5aefübnt liemn. spräche?: sie. vielleicht sich - der Traaweite ihres Entschlusses nicht 'k ganz bczvußr, dem Einzelnen die Befugt in zu. sich mit allen Mitteln geen eine H unerträgliche Tyrannei der Staatsi aewal: m Zvebren. Die schlichten Männer us dem russischen Volke griffen ' .Plötzlich-zurück aus das wedlet des natur?l ticken Rechtes des Einzelnen, sich egebe?n.FalleS in der 9!oth nach Kräften , semer Haut zu wehren. Daß man durch s derartige Urlheilssxrüche die Grundlage $i einer zjeden staatlichen Ordnung lockert, jn babeniene naiven .UrtheilsfchZpfer" aus M dem russischen Volke ganz und gar nicht bedtken können. ' Das barbarisch regierte Nußland dur?te nch über diesen Stückfall nicht wun- , dern. Auch von Frankreich her erfuhr die Wett von .ganz gleichen beschwöre-ne.-zsprüchcn. Swr handelte es sich hier : um Verbrechen, die im Eifersuchtsafsekt begck'en wurden. Ehemänner, die mit !;,, ihren :rtmoim Frauen kurzen Proceß ' znachken ; verlassene Geliebte, die sich an ; ihren Berräthern auf die grausamste Welse gerächt hatten, gingen straffrei 1 aus,''Sbwohl sie ihre Verbrechen prahlefrisch eingestanden. Es fehlte nur noch, daß die. moralischen Urheber" jener Verbrechen verurtheilt wurden. Hier wie in Rußland setzten sich die Manner aus dem Volke, welche das Recht sinden, das Recht schöpfen- sollten, wie man ehedem ! ,izu sagen .pflegte, über die Schranken l;i der herkömml'ichen Rechts- und Gesetzes- ! begriffe hinweg. Sie sprachen ein Richt- ?;;!; schuldig" aus, weil sie der unbewußt im n , Volke schlummernden Empfindung AusDbrurÄNd Geltung verschaffen wollten. 1 Und 'jetzk Hören wlr von einem gleich erstaunlichen Geschworenenspruch aus der Schweiz. Auch Hier erklären Geschworene ! t eine Anzahl von Angeklagten für nichtI schuldig, CDUich (icallesstmint die im gesetzlichen Sinne strafbare That beganz gm zu haben rund eingestanden hatten. j Siekstellten also auch in diesem Falle die 'allgemeine VolkSempsmdung über das Udeschrieene Gesetz. Wir haben es mit- ! Hin Wit sehr bemerkenswerthen Erscheinnngm im Leben der Völker zu thun, ' und man wird sorgfältig auf die etwaigen HWtednholungen zu. achten haben. Vorläusig verdient hervorgehoben zu werden, daß in germanischen Ländern bislang von derartigen Geschworenenfprüchen noch .nichts, gemeldet werden konnte. Das Elfenbein Emw Paschas. Emin Pascha hatte ebenso wie der in kOmdurman verschwundene Lupton Bey !Zm Laufe der Jahre eine beträchtliche Menae von Elfenbein aesammelt. Eine genaue Angabe, wie groß dieser Schatz Zwar, ist nicht bekannt, eine ungefähre chechung ist aber, nicht möglich, wenn man bedenkt, daß Lupton Bey ein Jahr vor .seiner Gefangennahme durch den Mahdi'seinen Elfenbein-Vorrath, den er in der Provinz Bahr-el-Ghafal gesammelt, auf 2500 Elr. schätzte, der im Ganzen einen Werth von nahezu 4 Millionen.Franken darstellte. Da man einen solche Äorrath unmöglich durch Kara- , ,wane 'fortbringen könnte, denn eö hät- , teil dazu 8 S000 Mann verwendet werden müssen, so ersuchte Lupton Bey die ägyptische Negterung, ihm einen Nildampfer zur Verfügung zu stellen,; er wolle d?für von seinen Einnahmen aus dem Verkauf des .Elfenbeins I Million Franken .an .sie abliefern. Er erhielt aber das Schiff nicht, wahrscheinlich, weil schon damals 'der Ril durch die Mahdlsten gesperrt war. Daß Emin Pascha einen ähnlichen Vorrath .aufgespeichert hatte, ist wahrscheinlich, einmal wegen der ähnlichen Verhältnisse in seiner Provinz, dann aber auch deshalb, well Elfenbein dort wie in allen afrikanischen Staaten, als Regal der Regierung gilt und theils als Abgabe, theils .zu bestimmten Prisen. an .dieselbe abgeliefert werden muß. Oefters. hat Emin feiner Elfenbein - Vorräthe in' seinen Briefen erwähnt. Wahrscheinlich hat er einen nicht geringen Theil derselben in den letzten Jahren wieder ausgegeben, da er seinen Bedarf an Kleidungsstücken. Munition, Waffen und sneren 'Bedürfnissen von den arabischen, durch lUgandU iUndUnioro -ziehenden Händlern entnehmen mußte und dafür nur mit Elfenbein bezahlen konnte. Trotzdem muß er noch vor seinem .Abzüge aus seiner Provinz eine betrauliche Menge gehabt haben. Es fragten) nun, was daraus Heworden ist Aus cn eingetroffenen Briefen geht hervor, daz die Karswaue nur nrit Mühe sich selbst fortbrachte, beinahe die Hälfte aller Träger ist unterwegs umgekommen. Der Schluß ist daher naheliegend, daß "5 .... : . .tr man jiq nri oer orrzcyassung ?er auernothwendigsten Bedürfnisse begnügen znußle und kklm Elfenbein ht beachtenswerther MeiiC hat mitsührm können. Wahrscheinlich dürften diese Elfenbein--Massen deWahdisten,' ebenso in die Hände gefallen sein, wie vor fünfJahren diejenigen von LuMn Aen. In England glaubt man aber, Kaß es gelungen sei, einen großen Theil ZtNkZ Elfenbeins in Sicherheit zu bringe, obwohl -in den Briefen Stanlelzs und Emins nicht mit leni "Btt die Rede UtHXfc Man
schätzt lttn Werth des fraglichen ElfenbeinS uuf ungefähr anderthalb Millionen M7, und ein Londoner Bankhaus soll bereits ein Schiff nach Sansibar abgeschickt haben, um die kostbare Waare abzuholen. Bestätigung für diese letztere Mittheilung bleibt denn doch abzuwart'N.
Speeiattsten in der Verbrcher welt. Es ist bereits bei vielen Gelegenheiten darsus hingewiesen worden, daß sich im Verbrecherthum bestimmte Specialisten ausbilden, die immer genau nach demsclden System .arvetten," t genau, valz l . " a ri t'A... cm oer gewiegte jcnrnrnauir iciucn iutaun an der Arbeit sofort zu erkennen vermag. Im Anfang der sechziger Jahre war wie ein älterer Pollzeibeamter und Ossieier a. D. aus feinen Erinnerungen erzählt in der Citadelle von Magdeburg ein alter eisgrauer Sünder als Baugefangener internirt. Er war als dreimaliger Deserteur und Raube? zu lebenslänglicher Bauaefanaenschaft verurtheilt. seln came war encce, ooer viezmcyr der alte Gcricke", der 1862 bereits 70 Jahre zählte. Seine besondere Specialität war das Ausbrechett". Um iln dies nach menschlichem Ermessen unmöglich zu machen, hatte die fürsorgliche Mutter Gerechtigkeit ihm die starkcKette, welche die gewöhnlichen Baugefangenen in ihrer schwarzgelben Kleidung zwischen den beiden Füßen trugen, genommen und sie durch eine starke, etwa zwei Fuß lang: eiserne Stange ersetzt, die, durch die Viinge an den Fußbändern und ein Charnier in der Mitte, dem alten Gefangenen das Gehen gestattete. An dem Charnier in der Mttte war eine vier Fuß lange, schwere eiserne Kette besestigt, die an ihrem Ende eine 5iipfündige Bombe hielt. Diese Bombe hatte Gericke zu tragen, wenn er sich fortbewegte, er schleppte diese Kugel so lange, bis seine vom Arzt bescheinigte Gebrechlichseit ihm dies unmöglich machte. Dann bekam er eine Schiebkarre und fuhr nun in dieser seine Bombe spazieret. An ein Durchbrennen war natürlich unter diesen Verhältnissen nicht zu denken, das heißt, so dachte man! Arzt und Geistlicher befürworteten Schonung letzterer aus dem Grunde, weil Gericke tief und aufrichtig zu bereuen schien. Es wurde nun nicht nur die Bombe ganz los, sondern er avancirte zum Kalefaktor im Lazareth der Baugefangenen, das damals über die Thorwache und der Wohnung des Platzmajors Sachistal. den nach der Stadt zu belegenen Wall y Vr W .c !.f..-t krönte. Emes Morgens war der brave Gericke verschwunden, seine Fesseln lagen zerbrochen oben auf dem Wall, wahrend unten im tiefen Wallgraben, am Fuße der Contre-Escarpe, das Attribut seines Amtes im Lazareth, ein starker Reisbesen, aufgefunden wurde. Er war, auf dem Stiele des Besens reitend, wahrend er den Reisbesen selbst gegen das Mauerwerk fest anstemmte, in dem Winkel, den die. Courtine mit der Bastion bildet, auf den Fittigen seineS Freiheitsdranges langsam binabgerutscht. Einer meiner Kameraden Lieutenant o. H., jetzt Oberstlieutenant und etatsmäßiger Stabsossiner im Elsaß, war an dem Unglückstage in der Citadelle aus Wache, und als der Drang nach einem kostenlosen Frühschoppen mich zu ihm führte, war Jener, eben im Begriff, sein so schon spärliches Haupthaar sich gänzlich auszuraufen. Aber das half Alles nichts, Gericke war verschwunden, und blieb es auch, trotzdem ganz Magdebürg auf den Beinen war und der Telegraph bis nach Sibirien hin spielte. Etwa sechs Monate später wurde in der Nähe von Genthin ein Pfarrer ermordet. Der Mord war ein räthselhafter, denn die Fenster indem Mordzimmer waren geschlossen, ebenso wie die Thür zum Schlafzimmer nicht nur verschlossen, sondern auch der Nachtriegel inwendig vorgeschoben war. Wie war der Mörder hinein, wie hinausgekommen? Die Prooincialbehörden standen vezblüsst vor einem unlösbaren Räthsel, und man wandte sich nach Berlin. Damals wirkte bei der Berliner Criminalpolizei das Vierblatt Worrman, Weber, Pick und Roggenstein, und wie aus einem Munte hieß es bei diesen: das war Gericke," denn hier zeigte sich dessen zweite Specialität" ! Eine Recherche an Ort und Stelle durch Berliner Kozamissäre löste sosort das Räthsel. Der Schlüssel, der inweildig im Schlüsselloch steckte, war du,ch einen sogenannten Vierkant durch das Schlüsselloch hindurch gefaßt und herumgedreht, das Schloß mithin erschlossen worden. Zwei Zoll vom Schlüsselloch seitwärts war unterhalb des Kastenschlosses in muthmaßlicher Höhe des Riegels ein Loch gebohrt. Durch .dieses hindurch hatten zusammengedrehte mit einer Schlinge , versehene Pserdehaare den Knauf des Riegels erfaßt, denselben zurückgezogen und so die geräuschlose Oeffnung der Thür ermöglicht. Nach vollbrachter That hatte die Pferdehaarschlinae, diesmal mit entaeaenaesetztem ua. den Riegel wieder vorgeschoben und der Vierkant gleichfalls seine Schuldigkeit .. . i r . mir oem cytUM gelyan. 'oas Bohrloch war mit einer Mischung von Brod .und Wachs ausgefüllt, die Außenflächen waren mit schmutzigem feuchten Finaer 5 . C !!. . t verrieoen uno vie an oe? roe ilegenoen feinen Bohrspäne entfernt worden. Die Sache war also ungeheuer einfach nachdem erst die Berliner den Weg gezeig. ! Aber Gericke war und blieb ver'schwun den ! Etwa ein halbes Jahr später ertapPte irgend ein Dorfnachtwachter wo, weiß ich nicht mehr genau einen alten, eisgrauen Kerl bei dem Versuche eines nächtlichen Einbruchs und hielt ihn glücklick fest. Hätte der Mensch nicht inen veruntzläckten Fluchtversuch gemacht und bei Weser Gelegenheit den nachtlichen Hüter der dörflichen Ordnung blutrünstig geschlage, so hätte man ihn, da man eigentlich keinen Beweis gegen ihn hatte, wähl wieder entlassen, so aber wurde er geknebelt auf einem Bauernwagen ,nach Magdeburg gebracht und siehe da Gericke war's ! Gericke bekam zu seiner frühere lebenslänglichen Strafe noch 15 Jahre Vaugesangenschaft oder Suchthaus, und er starb hinter Schloß und Niegel als ,SvÜJlist", wie er gelebt hatte.
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Thester-Publikum. Won isvrfter Frey. Die Malibrsn, die berühmte Schwester tx berühmten' Sängerin ViardotGavc'ia, wurde einst gefragt, weshalb sie die ersten Scenen einer Oper in der Regel so kalt spiele. .Das Publikum," enoiderte sie, erscheint mir wie ein Korb voll ausSelöschter Kerzen. Fährt man sofort iit einem Brand darüber her, so zerschmelzen sie; zündet nmn sie aber vorsichtia und allmälia an. so gibt es eine vräcktiae Veleucktuna. Ich sür meinen Theil zünde meine Kerzen uach und nach an." Man mag diese Desinition für zutreffend halten oder nicht: in ledem zvalle rührt sie von einer unltlerin her, welche einerseits durch die Erfolge, die sie auf beiden Hemisphären davontrua. den sichern Beweis lieferte, daß sie sick in ihren Berechnungen nicht getäuscht hat, anderseits aber so genial angelegt, so 4ief gebildet war, daß man ihrem Urtheil beinahe blindlings Mau ben schenken darf. Es ist ferner eine Thatfache, baß unsere bedeutenden Künstler auf des Studium des Publikums mindestens eine ebenso große Sorgfalt verwenden, wie aus daszemge ihrer viol len. Sie werden vielleicht nicht insge sammt zu demselben Ergebniß kommen, wie die oben erwähnte Prima-Donna; aber sie haben gewiß sämmtlich eine scharf assgeprägte, eigens construirte Methode, nach welcher sie die Stimmung des Publikums bis m jenen Beifalls stürmen beeinflussen, ohne welche die Olympier der Bretter nun einmal nicht tu leben vermögen. Allerdinas darf man auch die Nachtheile nicht aus dem Auge lassen, welche aus eluer ubergrokzen mucksichtnahme entspringen. Jenes Huschen nach Essekt, das ubermalZlge yeraus arbeiten starker Momente und Leiden schastm. wofür der Bühnen-Jargon die Bezeichnung Coulissenreißerei" erfunden, sind doch im Grunde nur darauf zurückkuführen. daß der Schauspieler einem Publikum, welchem die Gesetze der nt r. 1 c jf.f...i ..IJti Aeuuekir aoyanoen ooer uoeryaupr mi zum Verständniß gekommen sind, zu sehr zu Willen ist. Der echte Künstler wird sich niemals zu solchen Concessionen bewegen lassen. Je weniger absichtlich er sich zum Publikum kehrt, um so stärker e . etr ? r Js. - "i wlro vle Llrrung ein, weicye er erziel. Nach der ursprünglichsten und uatürlichsten Auffassung von der modernen Bühne bildet sie doch wenigstens in den meisten Fällen einen cefchlossenen Zimmerraum. Wo die Rampe beginnt, haben wir uns demnach die vierte Wand zu denken ; wo sich das Publikum besiuder, ist darum eigentlich Nichts! Freilich ist das eine geradezu ideale Anschauung, welche sich mit den Erfordernissen der Wirklichkeit schwer in Einklang dringen ließe. Ueberall hat es Augenblicke gegeben, wo der darstellende Künstler aus den erdichteten Vorgängen der Bühne heraus Beziehungen zum Publikum suchte. Sie waren oft unvermittelt und standen in absolut keinem Zusammenhang mit der Rolle, , welche, er gerade spielte. Die große Tragödin Crelinger hatte durch Vorgänge, welche aus ihrem Privatleben in die Oessentlichkeit gedrilngen waren, den allgemeineu Unwillen derselben erregt. So beliebt sie sonst in Berlin war, wagte sie es gleichwohl nicht, vor dem Publikum des Schauspielhauses aufzutreten. Eine Zeitlang ließ man die Rücksicht walten, welche die Intendanz einem so unentbehrlichen Mitgliede schuldig zu sein glaubte; aber schließlich verlangten doch die Repertoire - Verhaltnisse entschieden, daß Stücke und 3!ollen. welche, so lange geruht, wieder auf die Bretter kamen. Eines Tages verkündeten die öffentlichen Ankündigungen das Wiedcrauftreten der Madame Crelinger. Die Spannung in Berlin hatte den höchsten Grad erreicht; man sprach von Skandalscenen, welche bevorständen ; das Publikum wollte der Künstlerin zeigen, daß es durch allerdings unleidliche Vorfälle ihres Privatlebens, bei welchen sogar Blut geflossen, beleidigt sei. So kam der Abend es kam die Scene, wo die Crelinger erscheinen sollte. Im Hause herrschte atbemlose Stille, die Stimmung war schwül, drückend wie vor einem Gewitter., Da stürzt die Künstlerin, ohne sich an die Mitspielenden zu kehren, ohne das Stichwort zu sprechen, welches ihr der Souffleur zuraunte, dicht vor die Rampe, indem sie mit flehender Geberde die Arme gegen das Publikum ausstreckt. Das Gesohle, dessen unwirsche Laute eben ertönten, ver stnmmt, der Scandal, welchen man in Scene gesetzt hatte, kam nicht zum Ausbruch. Man hatte die Abbitte der Künstlerin verstanden und war dadurch ent waffnet worden. Als sie dann in ihrer unvergleichlich schönen Plastik, mit jenem Organ, denen Wohllaut alle Herzen vestrickte, ihre Rolle zu Ende gespielt, war auch der Groll wider sie verraucht, und der Abend, welcher ihr die schmählichste Jciederlage bereiten sollte, endete mit einem Triumphe. Andererseits kann der Künstler solchen Zusammenhang mit dem Publikum auch gezchlckt mit seiner Rolle verbinden. Das köstlichste Beispiel dafür hat wohl der Komiker Helmerding geboten. Es war im Jahre 1833, zur t -.f v t . eir oes clillarconflicis, m oer lcywulsten Atmosphäre desselben. Bismarck hatte eben, als einer der Redner im Abgeordnetenhause feinem Unwillen darüber lusdruck gab, daß er den Mann, an dessen Adresse vorzugsweise seine Rede gerichtet sei, nicht am Ministertische erblicke, indem er plötzlich hereintrat, die vielbesprochenen Worte gesprochen: Es ist nicht nöthig, mich zu rufen; ich höre auch im, Nebenzimmer eine so laute Stimme wie diese!" Einige Tage spater war er mit Herrn von Beu'st. welcher damals die Geschicke Sachsens lenkte, im Wallner-Theater. Hier wurde gerade ein Soloscherz, betitelt: Eine neue Bluetke," gegeben, welchen Helmerding ausführte. In dieser Rolle hatte er eine inmitten der Bühne freistehende Theater-Flügelthüre anzubohren und sich hinter dieselbe , zu begeben, um den Auftritt eines Schauspielers anzudeuten. Kurz vorher sang er ein origineöes -und damals höchst, wirksames Couplet, welches die strengen Maßregeln der Regierung wider die Presse geißelte. Der Beifall war frenetisch. Als man de Komiker Immer wieder zu , sehen be-
gehrte, weigerte er sich lange, dem Hervorruf Folge zu leisten. Unbeweglich verharrte er hinter der Theaterthür. Ltf'. . I 4 ?tf.!
nmicy trat er hervor und jag mir w. nem Sarkasmus : Es ist nicht nothig, mich zu rufen! Ich höre auch hinter der Thür Alles, was hier vorgeht!" Die Beziehung, welche in diesen Porten tag, war zu deutlich, als daß nicht Jedermann wußte, wem sie gelten sollten. . Aller Augen richteten sich ans die Loge, wo Bismarck saß. Damals brach von Neuem der Beifallssturm los. in welchen übrigens Nieinand im aan:en Pubilkum herzhafte? eingestimmt haben ou, als der Mann, gegen welchen er im Grunde . . . . M docy gerichtet war. Selbstverständlich hat auch das Theaterpublikum seine Unterschiede; anders ist es bei diesem oder jenem Anlaß und erst recht anders hier öder dort in den Staaten und Städten. Die heilige Flamme derBeaeisterunq sührt dcn wlnziasten Bruchtheil in die Tempel der darstellenden Kunst, einen größeren der rein realistische Unterhaltungstrieb, die Mehrzabl die Mode. Emen jolche yeaterbesucher schildert ein sorgsamer Beobachter auf folgende treffende Weise: Voi Allem komme man zu spät ; dadurch erzielr man mannigfache Vortheile: erstens braucht man den Anfang des Stückes, die sogenannte Erposition nicht mit anzuhören, die gewöhnlich langweilig ist; zweitens bekommt man Gelegenheit, seinen Scharssinn zu erproben, indem man Zusammenhang und Verwickelung der Handlung errathen muß. Sollte dies aber auch nicht gelingen, so lernt man doch über ein Stück urtheilen, welches man gar nicht kennt, und das ist stets modern". Beim Eintritt in das Theater ermähne man den Logenschließer, daß er beim Oeffncn Thüre nicht zn leise verfahre, damit daö bereits anwefende Publikum von der ankommenden Person gebührend in Kenntniß gesetzt werde. Auch ist es nobel, kurz vor dem Eintritt noch ein möglichst lautes Gespräch anzuknüpfen und ja nicht aus den Fußspitzen zu gehen, sondern die Absätze gehörig zur Geltung zu bringen Hat man seinen Platz in seiner Loge, so werse man zum Zeichen seiner Ankunft ein paar Fußschemel um, rücke sich seinen Stuhl so vernehmlich wie möglich zurecht ; sitzt man aber im Parquct inmitten Anderer, so suche man erst recht bei offener Scene anzukommen. Man bleibe jedoch nicht etwa bescheiden am Eingange stehen, bis der Act zu Ende, sondern geht stracks auf sein Ziel los und lasse mit möglichst vielem Geräusch die Nachbarn aufstehen, bis man seine Sitznnmmer gefundeu hat. Ruft nun das in seiner Andacht gestörte Pubikum St! 'St!" und ziehen die Umsitzenden verdrießliche Gesichter, so hat man seine Sache gut gemacht. Aus dem Platze- angelangt, ziehe man den Operngucker heraus,' wobei man jedoch mit dem Futeral einigemal tüchtig klappern muß, damit der Umgebung auch dieser Vorgang nicht unangezeigt bleibe. Dann richte man die also bewaffneten Augen auf die Damen der nächsten Nachbarschaft, von wo sich die Jnspektionsreife weiter fort setzt, bis sie, an den Freundschastsinseln der Logen und Valtone und den Engpässen der Parterres vorbei, in die höheren Regionen der Galerien gelangt ist. Wird das Intereffe nicht auf diesem Wege länger gefesselt, so kann man die Blicke schließlich auch einmal aus die Bühne fallen lassen. Bei Goethe, Schiller, Lessing oder Shakespeare murmelte man etwas von unverwelklicher Klassicität" und halte jedesmal die Hand vor, wenn man gähnt. Bei neueren Stücken deutscher Poeten lobe man Talent und Streben, werde aber nicht zu warm dabei. Ist das Stück jedoch aus dem Franzosischen übersetzt, so vermeide man seine unbedingte Hochachtung, lobe die pikante Charakteristik, den sicheren Aufbau der Handlung, den prikkelnden Dialog und bedaure mit Achselzucken, daß deutsche Schriftsteller so entsetzliche Stümper dagegen sind. Es ist ein Glück, daß nicht das gesammte Theaterpublikum aus solchen Mode-Feren besteht, sonst wäre es um die dramatische Kuust wirklich so arg bestellt, wie oftmals Klage geführt wird. Aber gefährlich sind diese Zuschauer im Allgemeinen nicht; der Künstler braucht ihr Urtheil nicht zu fürchten, uud das Publikum bringt sie bei etwaigen Ueber griffen zum Schweigen.' Weit belangvoller ist dasjenige, welches sich zu den Erstvorstellungen einzu sinden pflegt, ohne daß es jedoch in seiner Zusammensetzung den Einfluß verdient, welchen es sich vor der öffentlichen Meinung noch öfter anmaßt, als es. ihm eingeräumt wird. Denn neben dem wohlwollenden und verständigen Kritiker, der das vorgeführte Stück gewissenhaft nach den urewigen Gesetzen der Schönheit und Natürlichkeit prüft, sitzt auch der blasirte TheaterFeinschmecker, dessen Streben allein dahin geht, den überreizten Sinnen neue Spannung zuzuführen. Der. Claque nicht zu vergessen, welche, vorlaut und beeinflußt, ihren Willen dem übrigen Publikum aufzuzwingen sucht.' Richt mit Unrecht sagte darum Herr v. Hülsen, der nunmehr verstorbene Generalintendant der preußischen Hoftheater: Ich gehe grundsätzlich nie zn ersten Vorstellungen, wenn es sich darum handelt, daß ich mir ein Werk zum Zcheck der eoentuellen Annahme ansehen soll. Denn erst bei der zweiten und dritten Aufsührung kann man einen wahren. Eindruck gewinnen. . Die Sicherheit der auf der Bühne stehenden Personen bedarf, um sich zu bethätigen, ebensogut der Proben vor versammeltem Publikum, wie zuvor solcher, bei denen die Zuschauer gänzlich fehleu." Diese Ausführungen eines so alten Bühnenpractikers erscheinen um so glaub hafter, wenn man erwägt, wie selb'st darstellende Künstler, welche, auf den Bret-
lern heimisch sind, vom Lämpensieber erzrisfen werden. Es liegt eine Iieihe von Aussprüchen vor, welche diese Schen vor dem Publikum auf eine Weise bekräftigen, welche man kaum für möglich ,halten sollte. Sarah Bernhardt tagte: Ich zittere allabendlich beim Anblick des Publikums wie ein Galgencandidat" ; Marie Seebsch: Wenn ich das Publikum sehe, erfaßt .mich die Angst stets wie ein Wirbelwind"; Marie Geijtinger: Ja ,der Heimath fühle ich mich ?l!'f::il:!!
stark lmd sicher; um so größer ist jedoch
mcuie vurr einem fremden Publikum gegenuoer. Gleiche Stimmungen, abgetönt oder stärker, sind wohl einem zeden Schauspieler geläusig ; . sie wissen nämlich insgesammt, daß die viclknopsige .'cenge, genannt Publikum, 1.0 wandelbar in ihrer Meinung und unberechenbar in den Aeußerungen derselben ist, daß sie, denen der Weihrauch des Beifalls die Luft bedeutet, in welcher sie athmen müsseä, mit vollem Recht vor der Ungewißheit zittern dürfen, welche über den Zuschauerraum gelagert erscheint. Da lag mit R'e'oÄ die Frage nahe, welche Stadt oder welches Land ein Theaterpublikum besitzt, vor welchem die darstellenden Künstler am Liebsten auftreten. Antwort darauf gibt, wenn das übcrhauvt möglich ist, eine Episode aus dem Leben der Lucca. .Saaen Sie mir," wurde die berühmte Sängerin von einem Interviewer aeleacntlich emcs AufentHaltes in London gefragt, welches vri.. fve Pttvllluni zynen am Wympalylicyuen ist? Ach," erwiderte sie schnell, das ist leicht gesagt; in Berlin und : i i .tr ?. 1 . . . msizu jmgc iaj never atö rgenowo anders in der Welt! Wie. rief ick. so erzählt der Interviewer selbst, Sie singen vor dieser kühlen, skeptischen Menge lieber als bei uns, wo man Sie mit Beifall geradezu überschüttet! Ganz abgesehen davon, daß wir uns in der angenehmen Lage befinden, Ihnen weit höhere Honorare zu zahlen, als diesemgen es sind, welche Sie in jenen beiden Hauptstädten erhalten." Mag sein," versetzte jie; aber das deutsche Publikum ist gleichwohl wärmer, ja enthusiastischer als anderswo. Vor Allem hat es ein tieferes Verständniß für die Musik überHaupt. Wenn ein Künstler einmal etwas außergewöhnlich Gutes leistet, so läßt das Publikum es sofort merken, daß ihm das Nicht entgangen ist, wahrend anderswo die Beifallskundgebungen ziem lich gleichmäßig bleiben." Und wo steht London in Ihrer Gunst?" fragte ich, wie ich fürchte mit etwas verdutztem Gesicht. Nirgends," antwortete sie mit verblüffender Offenheit. Ich verstehe nicht, wozu die Engländer überHaupt in die Oper gehen. Der Musik wegen kommen sie nicht, das steht fest, denn sie sitzen da und hören zu, unbe wegt und unbeweglich, als wären sie alle aus Holz geschnitzt." Aber," warf ich ein, das ist sicherlich zu weit gegangen. Es ist unsere Gewohnheit, uuzere Gefühle nicht zur Schau zu tragen. Daß man gute Mnsik schätzt, können Sie aus den Wallfahrten sehen, welche allabendlich zn dem Theater hier stattfinden, wo Sie auftreten." Nein, nein," unterbrach sie mich; nur die Gewohnheit führt sie her; man kommt, weil es Mode ist. über die Oper zu sprechen. Wenn das Publikum Londons wirkliche Liebe zur Musik hätte, so würde es dieselbe auf eine ganz andere Weise zum Ausdruck bringen. Denken Sie nnr," sie wurde jetzt sogar heftig und redete sich in einen kleinen Zorn hinein jte stehen aus und laufen zum, Hause hinaus, ehe der Vorhang gefallen ist! Man sollte es nicht für möglich halten, daß selbst in der Schlußscene der Lugenotten, deren Gewalt sogar die ausführcudcn Künstler immer wieder von Neuem packt, in der die Sänger vergessen, daß sie auf der Bühne stehen daß selbst nach dieser Scene die Hälfte des Londoner Publikums stumm und theilnahiuslos davon geht. So ist's im Figaro', so ist's in jeder Oper. Das ist zu arg und dabei nicht einmal klug! Wenn sie wüßten, was sie , dabei verlieren, würden sie auf dieses Vergnügen ganz gewiß nicht verzichten. Ich kann hier in London niemals mein Bestes, weder im Gesang, noch im Spiel, geben. Sie denken, ich brauche nichts als die einhundertnndfünfzig Pfund, welche man mir für den Abend bezahlt. Wir sind Künstler und keine Drahtpuppen! Unser Publikum beeinflußt uns. Wenn es nach tüchtiger Leistung Beifall zollt, fo fpornt uns das an. Geld allein kann uns niemals zu unseren höchsten Leistungen begeistern. Da ist mir das Theaterpublikum in Wien oder Berlin viel lieber, weil es in dem geheimnißvollen, innigen Conner mit nns steht, dessen wir unter allen Umständen bedürfen, wenn uusere Künstlerfchast nicht zum Handwerkerthum crnicdrigt werden soll." Eine vornehme Hochzeit. Ein Ereigniß war für Paris die Hochzeit des jungen Herzogs von Luunes mit der Tochter der Herzogin von Uzes, geb. Cliquot. Die Kirche St. Philippe war außen mit Rosa und wcißgestreiften Draperien umgeben. Ein Baldachin aus Goldstosf, von vier bronzenen Genien getragen, war über der' Eingangsthür angebracht. Das Innere der Kirche glich einem blühenden Orangenhain. Der Altarplatz war von Palmen überragt und zeigte eine Umrandung von Orchideen. Die Braut sah äußerst lieblich und majestätisch zugleich aus in ihrer Silberbrokatrobe, die Verzierungeu von indischer Mousscliue und Brüsseler Spitzen .zeigten Orangenbouqets, die' durch Diamautschnallen befestigt waren. Die Schleppe hatte eine Länge von 8.ty Meter und wurde von sechs weißgekleideten und gepuderten allerliebsten Pagen getragen. Der Brüsseler Spitzcnschleier war zurückgeschlagen, halb die Orangekröne verdeckend, halb das Herzoginnendiadem zeigend. Die rothhaarige Schönheit der Braut kam dadurch recht zur Geltung. Eine Neuheit war ein GretchentLschen. ganz mit Edelsteinen bedeckt, in dem Sxitzentaschentuch, Gebetbuch und Rosenkranz aufbewahrt waren. Das Taschentuch zeigte ausgemalt die Schlosser, auf denen die Braut ihre Jugcnd verlebt hat, und Ansichten von den Orten, die sie auf Reisen besuchte, jede umgeben von , einem Kranz feinster pui'nt-laoa-Stickerci. Der Deckel des Gebetbuches stellt in Silber (nautrcltef) die Kathedrale von Reims dar, in der die Prinzeß UM gelaust ist. und das Innere der. Schloßkapelle von Plalsance, wo t die erste heilige Communion empsing. Kleine Herzogskronen aus Diamanten dienen als Schloß. Der Rücken zeigt ' auf weißem Sammetgrunde die
Worte tN Gold gestickt: Gott schütze Luynes." Das Lesezeichen ist von Niemandem Geringeren als Meissonier selbst
gemalt: die stelle aus dem Park von Fontarnebleau, an der sich das lun: Paar verlobt hat. Die Umschrift lautet: Aus dem Park des alten Königthums. ist hervorgegangen das ewige Königthum : der Liebe und des Glücks ! " Der Rosenkranz ist aus Olivenholz kunstvoll geschnitzt, das direct vom Oelberg Lammt. Das Kreuz daran aus Lapis lazult mit dem ChriZtus aus fleischfarbigem Elfenbein ist ein Geschenk des Papstes. Die Braut trug in der Hand ein Orangenbouquct. gänzvcrdecktvon silbergestickten Spitzen und einen prachtvollen Spltzensacher mit edelstembesetztem, Zllbernem Gestell. Der Bräutigam hatte einen Frack aus weißem Plüsch an, dazu malvenfarbene Beinkleider und weiße Atlasweste mit Spitzenjabot und weiße Ledersttefel. Seine Uhrkette bestand aus einer doppelten Reihe von Brillianten. Kostbare Solitaires blitzten auch aus der Halskrause hervor und bildeten die Knöpse des Fracks. Seine Handschuhe waren mit Silber gestickt, während die Braut solche aus seinem Spitzengewebe trug. Die Mutter des Bräutigams erschien in veilchensarbenem Sammet mit Hermelin besetzt und m,t Gold geftlckt. Die Herzogin von Uzes in grancm ge musterten; Plüsch mit Devant aus Zobel Die Herzoain von Chartres in cremefar bener Damastrobe, besät mit Perlenstickereien.' Ihre Tochter, Prinzessin Margaretha von Orleans, in Himmel blauer indischer Mousseline mit Mara bouts und wilden Rosen garnirt, in deren Kelche Brillanten angebracht waren. Die Prinzesnn Blanche von vlt mours in xurpnrfarbenem Sammet mit Schleppe aus Gsldstoff. Die Henogin von LarochcfoucauldDondcauoille in rosa Brocat mit purpurfarbener Sammetschleppe und rosa Marabouts. Die Prinzessin Czartoriski in grünem Plüsch mit Silberfuchs und Rubinenttlckereien zc. 16 Staatskaroffen aus Spiegelscheiben mit vergoldeten Nahmen und gelben Damastpolstcrn, achlspänw'g, Kutscher, Diener und Pagen in Rocococostümen brachten die Gäste zur Kirche. Man zählte nicht weniger als 22 Herzoginnen nnd 19 Prinzeß sinen, 15 Marquisen, 12 Vicomtesses und 7 Gräsinnen, 21 Baroninnen und 18 einfache adelige Damen, oder solche, deren Gatten hohe Stellungen bekleideten, folgten in vierspännigen, einfach ge? schlosseuen Wagen, ebenso die Herren, die sich zum Theil nur zweispanniger Kutschen bedienten. Die Fanfare" von Dampresse, wo das Schloß des Herzogs von Luynes steht, spielte vor der Kirche, die dortige Feuerwehr und die Jagdleute der Herzogin von Uzes bildeten Spalier von deren Wohnung bis zur Kirche. Das Gedränge unter dem Publikum war, furchtbar. Die Ordnung wurde nur mit Mühe aufrecht erhalten. Mehrere Unfälle sind vorgekommen, auch demonstrative politische Rufe, die der bouangistischeu Herzogin von Uzes galten. Neberden hingerichteten Buschiri kommen jetzt hier und da Urtheile zum Vorschein, die auch noch von anderen Gesichtspunkten als denen des Abscheus und des Rachedurstes geleitet sind. Ein Zug fast bestialischer Grausamkeit war dem arabischen Häuptling unzweifelhaft eigen, und hat das Meiste dazu beigetragen, sein Bild zu einer Art von Kinderschreck in Deutschland zu machen. Daß der Charakter des Mannes sich in diesem Zuge aber nicht erschöpfte, darüber herrscht unter sachkundigen Beurtheilen: kein Streit. Buschitt hatte seinen besonderen Haß gegen die Deutschen gerichtet, die Missionsniederlassungen der Franzosen in Bagamoyo ließ er unbehelligt. Was zu jenem Haß gegen die Deutschen Anlaß geboten hat, wird sicy im Einzelnen schwer feststellen lassen; daß aber die Fehler und Mißgriffe der Deutsch-östafrikanischen Gesellschaft" dabei eine hervorragende Rolle fpieltcn, wird jetzt in gouvernementalen Blättern angedeutet, wie sich aus der Post ergiebt, nach welcher ein Mann von der Thatkraft und dem Zielbemußtfein Buschiri's den Deutschen ein unschätzbarer Bundesgenosse" hätte werden können, wenn er bei Zeiten richtig behandelt worden wäre". Wie berechtigt dieser Vorwurf ist, zeigt das Beispiel der Congoregierung, die mit Tippo Tipp, dem berüchtigten Stammesgenossen Bufchiris im Innern Afrikas, anstatt sich im Kampfe gegen ihn anftnreiben, in ein vertragsmäßiges Verhältniß getreten ist. das ihr den Einfluß dieses mächtigen Sklavenhändlers dienstbar gemacht und )ie von einer ihrer schwersten Sorgen befreit hat. 'In der deutschen Colonialpresse sal man zwar veräch:lich auf diese schwächlichen Zugeständnisse der Congoregierung herab und erquickte sich an dem in scharfem Gegensatz dazu stehenden schneidigen" Vorgehen cegm das Arabenhum von deutscher Seite. Anscheinende Erfolge dieses Vorgehens sind, wie zu. erwarten war, denn auch nicht ausgeblieben; ob aber die Zustände in dem deutschen Interessengebiet Ostafrikas überhaupt den jetzigen Grad von Unsicherheit erreicht haben würden, wenn man sich des arabischen Elements für die eigenen Zwecke bedient hatte, anstatt ihm den Kampf auf Tod und Leben zu machen, ist mindestens fraglich. Was Buschiri betrifft, so war er der Typus jenes! unabhänglgen Araberthums, das sich dem Sultan von Sansibar als ebenbürtig betrachtete und dessen Einfluß auf die Eingeborenen Mittclafrikas seit unoordenklicher Zeit ebenso fest begründet war. wie das Handelsmonopolj das feine wichtigste Erwerbsquelle bildete, die mit dem Eindringen der Europäer zu versiegen drohte. Buschiri kämpfte lediglich um seine Eristenz gegen die Deutschen, und wenn man das volle Maß berechtigter Entrüstung über ihn und seine Unthaten ausschüttet, so sollte man dabei weder die Gewöhnheiten seiner halbwilden Rasse, noch den Umstand vergessen, daß es der Kampf um's Dasein" ist, , der dem Arabertbum von den Deutschen und anderen Europäern aufgezmungen worden und der das alte Machtbewußtsein in ihm auch 'gegen einen überlegenen Gegner, der nichts von SchonungundVerständigungwissenwill, lebendig machen mußte.
Spaß mutz smd!" Die Morgen-Jnstruktionsstunde war
vorüber. Die Rekruten begaben sich nach dem Kasernenhofe, wo dicht unter den Fenstern des KompagnicReoiers der älteste von den zu ihrer Ausbildung kommandirendm Gefreiten sie zum Ererzicren antreten ließ. Als bald darauf der gestrenge Herr Sergeant der Abtheilung nahte, stoben die 'Gefreiten, welche sich vor einem Rekrutem postirt hatten, über den Alle lachten, erschreckt auseinander und begaben sich auf ihre Plätze. Na, wat jiebts denn wieder zu feircn?" fragte der Sergeant den ihm die Meldung erstattenden Gefreiten. Der Rekrut Wutfchke. was der Mime ist, hat uns ein Cunststück vorgemacht. Herr Sergeant," anwortete der Gefragte zögernd. Kindereien, nichts als Kindereien ! Und Sie aller Mensch, dulden solche Allotria?" bemerkte der Gewaltige und musterte den Anzug seiner Untergebenen. Vor dem erwähnten Wutschke angelangt, fragte er denselben: Wodurch haben Sie denn eigentlich die janze Jefreitenblase zum Lachen jebracht, Sie Schmierendirekter der Sabberei?" Durch meine Bauchrednerkunst," stieß der Re? krut hervor. Wat, Bauchredner sind Sie ooch? Na, denn riskiren Sie mal. eene Probe!" Kaum hatte der Sergeant dies gesagt, so ertönte die Stimme des Feldwebels: HimmelbombenElement! Sergeant, werden Sie mm endlich mit dem Exerzieren beginnen?" Erschreckt sah sich der Sergeant um, blickte nach den Fenstern des Compagnieöteviers. von wo aus ihm der Rüssel gekommen zu fein schien und antwortete, eine stramme Haltung annehmend: Zu Befehl, Herr Feldwebel." Die Äbtheilnng wurde nun in kleineren Trupps ausgelöst und die vier Gefreiten übernahmeit über die Rekruten das Kommando. Als dem inzwischen elngetrossenen, die Oberaufsicht über das Erercieren führendcii Lieutenant von der Ordonnanz ein Befehl überbracht wurde, trat der Sergeant an den Rekruten Wutzchke heran und sagte: Na, nu jeden Sie mir inal sir eine leise Probe Ihrer Bauchkunst." Das ist vorhin bereits geschehen, Herr Sergeant." Wann?" Als Sie die Stimme des Herrn Feldwebels zu hören geglaubt hatten, die ich zu markiren mir mit Verlaub lzestattete." Herr! Mensch! Komödiantenseele ! Diese Frechheit übersteigt leinen Horizont", wüthete der Gestrenge, setzte dann aber etwas ruhiger geworden hinzu: So was jenchmigen Sie sich nicht een zweites Mal, Sie ! Der düpirte Sergeant war beim Nachmittags - Erercieren in ' sehr schlechter Stimmung, denn bei Tisch im Unterosii-zier-Kasino belachte man die Bauchredneraffaire, und die Kameraden gaben ihm mehr oder weniger verblümt zu verstehen, daß sie wüßte, wer der von dem dämlichen" Rekrutten Genassührte sei. Spaß muß sind!" sagte trostend dieCompagniemuttcr zu dem Verdrießlichen, als auch zu ihren Ohren die drolligeGeschichte gedrungen war. ' Berliner Taabl.). Husten nnd Erkältungen. CS ist eine Frege vZ nicht U: ftuchke VtZmosphSre des m jmmmmkS mt$t Sara u. Hustcz fcrkrk. fcte die kalte Lust stren. is: :y:ss:&JFJ- f. WJ her Vorsichtig 1Zj . Hl y--i.vv .e- .. -f r. l"Ssr:? mvx :is lrclSci eecen solche Leid schNeUe Hülse fcringt. Die $crbge RschlWMt faa sie Erkältuzg hrrMLsen, welch: hlllsis fatale SFslör haben Ura derselben Wttjekoimc ttif L?.ö Hclserkit, zuwcilca Äftha pra, uberhau?! cCc durch ErMtungr enksieZende Leiden. ES sollte ttftr die V flicht eine jtUn sein, em unfch!bkS Mitte! en Hand zu hab, irelcheS jide enzehende Erkältunz lm Ke!e erjlk!. MS daö beste rud sicherste HkiwüttZ, ctU See roehl astn Teutschen bclaLLt ist und 5S Tausenden bcnut wird kenn D.AMstUoems SgMbnrgcr Brustthee e?fthlcn Ottdcn. Ticftr Thce ist arS den kcstknniidizwifchen KrSMrra zusen2cschtVnd ist Nu:rcnd:lnz, da er engtZch schk5. iesondcrS bei Kimbern zu c?fch!eJ. Er ist daö beste Vtittd gtgea tZt Leiden der Lunskn Lud des Halse's und i-r LwbcrLNg & SchmdfüchNze. preis 25 Gtvii ; in enca klpgihkke zzhabn. THE CHARLES A, VOGELER C0 EaUirnort. HL F. VILL. PAIITZER, Apotheker, Frische Arzneien. Mäßige Preise. Recepten besondere Sorgfalt. 54 West Washington Strafe. Unter dem !!3ahlanl. Nabe htt Irttitfft.lEs' A. Oubel's Saloon nebst Kcgclöahn. Prachtvoller Garten für Famlttenaufenthalt. Gute Getränke, ausnierksame Bedienung. No. 33S Süd Meridian . Straße.! Jeden Samstag Abend auSge
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