Indiana Tribüne, Volume 13, Number 121, Indianapolis, Marion County, 19 January 1890 — Page 2
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Ein StückMomantik aus demWan verlebe.,
.Neulich so berichtet cift Gewährsmann dem Berliner Tageblatt", sah ich einen Trupp Auswanderer zum Bahnhöfe marschiren. Jeder trug sein bischen Hab' und Gut, der Eine ein Äüudelcheu. der Andere einen großen Packen. Ein großer, düster blickender Mann trug außer seinem Bündel ein kleine) Slück von einem Balken im Arme. Was hatte das für einen Sinn ? Fürchtete der Euroxamnde drüben einem Mangel an Brennholz zu begegnen? Weugurig näherte ich mich ihm und befragte ihn geradezu. Aber seltsam der ßroße starte, Man wurde roth; mit ichsuem Blick und verlegener Miene stammelte er in gebrochenem Deutsch einige anscheinend Abweisende Worte und rvich bei Seite. Hat der Herr vleuncht nne übrige tZigarre?" wurde ich auf einmal von ' bem Nebenmanne befragt, und zwar in österreichischem Dialekt, Ich verstand, u?aö der verschmitzte Galizier bezweckte, Urilchte ihm gleich zwei keiner Eigarreti und stellte nun an ihn die Frage, ivas ' der Balken sein s Nebenmannes bedeute. Bereitwillig erzählte mir der Mann die -Geschichte seines Neisekameraden. Stefan iJXsi0tiyMtt9t tief unten MDedenburger Eomirat als Weinbauer gelebt und war ein unendlich glücklicher Mann gewesen. Seine Äecker, sein Weinbzrg, feine Frau und sein kleiner Knabe Alles war gewissermaßen in der ganzen Gegend berühmt. Da geschah es im Sommer dieses Iahres, daß der bildschone Knabe, der aber v.:ch ungemeinwild und unvorsichtig war, von einem Baume stürzte und an schmeren inneren Verletzungen starb. Als der Knabe eben begraben worden war, wurde die Mutter wahnsinnig, und in der solenden Nacht legte sie Feuer an das Hans und schnitt sich die Pulsadern durch. Als das Zimmer sich mit Nanch füllte, er01 wachte der Mann aus schwerem, dumpfen Schlummer ; rasch suchte er sein Weib und trug eö'dnrch öiauch und Flammen ins , Freie. - Aber nur eine blutüberströmte .Leiche hatte er gerettet. Nun kanten die 'Nachbarn und wollten loschen. Aber 'Stefan hielt sie mit Gewalt zurück ; diesei Haus sollte nicht mehr stehen bleiden. tzr verkaufte fein Anwesen, und , nun will er nach Ealifornien. Aus seinem alten Hanse ljat er sich das Stückchen Balken, das vom Feuer verschont geblieben ist, mitgenommen ; wenn er sich druben em neues Haus baut, will er dieses Stück Holz mit hineinbauen. Er ist eben seit jener Aeit ein bischen närrisch, der arme Kau;." Eine durchgevranme Loeomotive. In .Bukarest hat jüngst eine Güterzugs - Lokomotive dein Personenbahnhof ohne jede Anfforderung einen Besuch abgestattet und dabei durch ihr Benehmen den deutlichen Beweis geliefert, daß sie sich in Kreise gegränzt, in die sie absolüt nicht hineingehen. Die saumselige Maschine hatte sich auf dem Wege nach dem I Kilometer vorher belegencn Güteröahnhof, von wo sie einen Zug nach Kitila bugsiren sollte, bereits vcrspnttt; der Führer hall? vergeblich versucht, durch größte Eile vor einem von Kitila kommenden Güterzuge die Weiche zu gewinnen und war im letzten Moment, nachdem er Eontredampf gegeben, sammt dem Heizer abgesprungen und glücklich daoonAekomnzcn. Die tolle Maschine aber fuhr doch noch gegen die Weiche, chokirte den dritten Wagen des einlausenden Zuges und warf einen Bremser zu Boden, ohne ihn jedoch ernstlich zu verletzen. Der Train war indessen zum Stehen gebracht worden: nicht so die verteufelte, führerlose Locomstive, die sich jetzt erst ihrer veränderten Directive zu erinnern schien, ihr aber auch mit voller Schnelligkeit folgte. Rückwärts, rückwärts nach dem Personenbahnhof hin. ws die Signalbeamten dem kommendln llngcthüm alle möglichen Zeichen znm Stillstand gaben, ohne daß dieses in seinem Unverstand davon Notiz nahm. Das tückslchlslose Geschöpf fuhr mit voller Wuth auf einen Postwagen und eine Locomstive los, warf den einen mit zerbrochenen Nippen rechts, die andere mit zerschmetterten Gliedern links vom Geleise und raste znm . Schrecken der Beamten und des Publikums bis zum Einganz der Halle, wo es die Puffer am Xtznde der Geleise wie ein lastiges Spielzeug zur Seite schleuderte. Noch ein Krach und die entfesselte Bestie stürzte über den Perron in das vorstehende EmpfangSgebaude, dessen Mauer wie morsches' Fachwerk zerbarst. An dieser Stelle des Gebäudes aber befand sich ein Saal, in dem die Eisen-bahn-Jagenieurfchule ihre Unterrichts -'wnden abhält. Just in dem Angenblick saut sich in demselben nur ein drei'?nj ähriger Schüler, der an seinem l ißbretk zeichnete. Bei den ersten w5ric:i, die er vernahm, saß er bereits Maschine bereinstürzte. da sank er be wub'llös zn Boden. Nnnmehrwar freillch auch d!e Kraft der Locomotive a,eKrochen, und inmitten einer beispiellosen Verwüstnng stürzte auch sie nieder, den Na;:ni mit einem schwarzen, fast undnrchdrmglt'chen Ranch anfüllend. Den Schüler aber hatte ein guter Stern ,beschuht; man zog ihn nur leicht verletzt unter feinem niedergestürzten Schreibtisch hervor. t Bescheiden. Mich reizt nicht jenes schöne Landaut. TaS Mancher hält des Strebens werth : 1 Mich reizt nicht jener hohe Postens ; ? .en mancyer Vimcx tVQyi begehrt ; Mich reizt auch nicht, der hohe Orden, Den jüngst erhielt der Bankier Eohn I.b will cs nur gleich offen sagen: Mich reizt nur eitle Million. r"j "' ' " ii. ; N i i ni d e m H n n d seinen Floh irob Annimmst ihm seinem Zeitoerlrcib.
starr und glaubte wohl an tut Erdbeben ; üUs sich nun aber die Wand des Saales anfthat und die Nanch und Feuer speiende r . ...
Mich reizen nicht die schönsten Frauen, Bin nicht aus hohen S!ang erpicht. Wünsch' ferne Länder nicht zu schauen, Nach Ruhm und Ebre neu' ick nickt?
Eine Schwiegermutter. Skizze oonöf A n d e r f o n. Dieser Ball, dieser Ball ! Ja. der hatte ihre ganze kleine Welt aus den Fugen gebracht! Sie hatte gejubelt und gesprungen, getanzt und gesungen, nur bei dem Gedanken daran, und dann wieder hatte sie sich vor der Mutter auf die Knie geworfen und gefragt, ob es nicht im Grunde Unrecht sei, sie einen ganzen Abend allein zu lassen, nur um ihrem Vergnügen nachzugehen. Und schließlich war der Augenblick gekommen, wo sie den großen, in hellem Kerzenschiinmer erstrahlenden Ballsaal betrat, irnd' sie hatte getanzt und gelacht und war fröhlich ae-, wesen mit den Fröhlichen, und schließlich hatte ihr Kotillontänzer sie an den Wagen geführt, htte ihr die Hand zum Abschiede ehrfurchtsvoll geküßt und sie gefragt, ob er es wohl wagen dürse, ihrer Frau Mutter einen Besuch abznstatten. Und nun lag sie in ihrem weichem Bett und träumte, daß sie noch im Ballsaale fei und daß er vor ihr stände und ihr eine Verbeugung machte; sie wollte sich eben erheben, um seiner Anfforderung Folge ;u leisten, als plötzlich das Licht der Kerzen im Ballsaal sich in bleichen Schein des Morgenlichts verwandelte; sie schlug die Augen auf und schaute in das liebevoll lächelnde Antlitz der Mutter. Und dann vergingen einige Tage, die sie wie im Traum dahinlebtet Sie kannte sich selbst nicht wieder, ibr einförmiccö Dasein hatte Leben und Farbe gewonnen. Eines Vormittags schellte cS ganz leise, Agnes errölhete, sie wußte, daß er es sein mußte. Aber so offne doch, Kind," sagte die Mutter. Agnes erhob sich hastig, ließ aber ihre Näharbeit fallen und bückte sich, um sie aufzunermen. Da ging die Mutter hinaus und öffnete. Er war es wirklich. Und er saß da und sprach, er war in ihrem Zimmer, wie sonderbar war das! Während er mit der Mutter redete, schaute sie verstohlen zu ihm hinüber, als wolle sie sich jetzt erst so recht davon überzeugen, wie er eigentlich aussah. Mit der Unterhaltung ging eS nicht fo ungezwungen wie auf dem Balle, es war gar nicht leicht, denn im Grunde wußten sie alle Drei nicht, was sie sagen sollten. Schließlich siel st in Auge auf ein Bild an der Wand. Welch schönes Bild Sie dort haben!" rief er aus, auf eine alte Radirnng zeigend, die eine Wirthsstube darstellte. tm ytsv$Hmrftrs0 ff fr Iit Ttr TOflnit
fJ "VIVHJIHIV MV M dem Beschauer halb mit dem Rücken zugewendet, und spielte Violine, die anderen im Zimmer Befindlichen lauschten seinen Tönen. Ist das nicht amüsant?" fragte sie. Aber das ist ja ein Ostade !" rief er aus. Ein Ostade?" Ja, das Bild stammt von dem alten holländischen Künstler, der im 17. Jahrhundert lebte. eZ ist ein Schatz, Fräulein Kaas. DerAlte ist Uttübettresfllch, wohl Niemand hat so viel Verständniß für das Volksleben gehabt, wie der alte holländifche Maler, er kannte es aus- und inwendig." Und er fuhr fort zu sprechen, er entrollte den beiden horchenden Frauen ein Bild ans jene? Zelt, er schilderte ihnen, wie die Leute sich damals kleideten, wie sie lebten und dachten ; plötzlich schwieg er, ganz verlegen über die eigene Beredtsamkeit. Er blickte auf die kleine Uhr, die so geschastig an der Wand tickte, und sagte, daö er jetzt gchcnmüsfe; wenn dieDamen es gkstgttcten, würde er aber gern ein anderes Mal wiederkommen und ihnen noch einige Bilder von demselben Künstler zeigen, - Frau Kaas antwortete, daß es ihr eine'große Freude fein würde, und Agnes hatte ein Gefühl, als beginne erst jetzt ihr Leben. Nachdem er gegangen war, saßen si, eine Welle schweigend da; sie hatten ber de jhre eigenen Gedanken. Endlich begann Agnes : Denke doch. Mutter, daßer vor mehr denn M Jahren gelebt hat!" Wer mein lind?" Der holländische Maler Ostade, vor dem Herr Schmidt uns erzählte." .A'hss--Herr Schmidt scheint sehr belesen zu sein, nnd er erzählt gut findest Du das nicht auch?" ? jlt Agnes? .,Aber Du hörst ja garnicht zu, Mutter! Weißt Du, waö ich eigentlich sinNun?" Ich sinde, feit Herr Schmidt hier war, wissen wir mehr von dem alten Holländer, von ihm selber wiffen wir aber garnichtö. Nun. lachte auch Frau Kaas. Das waren auch gewiß bedeutendere Männer, Kind!" Agnes schwieg einen Augenblick. Ja, aber sie hatten die schlimme Gewohnheit, ins Wirthshaus zu gehen," sagte Herr Schmidt, und das - thut er doch gewiß nicht." Die Mutter erwiderte nichtsundAgneS betrachtete daö Bild noch lange. f. , Zwei Wochen vergingen, und er kam nicht. In den ersten Tagen sprachen sie hjn und wieder von ihm, dann aber schrolkg Agnes, und die Mutter berührte das yema nlcyr. Als Agnes eines Morgens an einem Buchladen vorüberkam, blieb sie, ganz acgen ihre Gewohnheit stehen und betrachtete die ausaestellten Bücher und' Kunstgegenstände. Da erblickte sie plötzVch eine Photographie des alten Bildes, k 14 5 zu HanZe hatte. nd während sie noch dastand und rn mXt wen versunken war, ertönte eine e neben ihr: Guten Morgen, 25 Fräulein, guten Morgen! Sie WN. '1 um nnd erblickte ihren ung, p Freund'. 'hend erwiderte sie seinen ief CXXA
Gruß. Darf ich? gehen?"
agen, welchen Weg Si
Agnes nannte die Richtung und Herr Schmidt eatgegnete: , Das trifft sich ja gut, dann darf ich Sie vielleicht ein Stück Weges begleiten?" Agnes warf unwillkürlich einen Blick auf das Bild er sprach heute gar nicht von den alten Holländern, mit keinem Wort! und als sie ihn dann wieder ansah, wurde er ganz roth, i Wie herrlich las Wetter heute ist," sagte er hastig, ach,Fräulein Agnes, Sie ahnen nicht, wie schwer es nur oft wird, bei so schönem Frühlingssonnettscheinen lieben langen Tag bei den Rechnungsbüchern zu sitzen! Wenn Sie Zeit haben, könnten wir auch einen kleinen Umweg mache, ich möchte Ihnen gern das Ban?gebäude zeigen, wo ich arbeite!" Sie ging auf den Vorschlag ein und machte den kleinen Umweg. Dort an dem Fenster sitze ich," erklärte er.
Aber das ist ja gar nicht so traurig, dort können Sie ja anch den Sonnenschein sehen," meinte sie. Jq, aber keine Blumen . und keinen Baum!" entgegnete er. Sehen wir Sie nicht bald einmal wieder bei uns?" fragte sie, als sie ihr Ziel erreicht hatte. Ich komme bald," antwortete er. Auf Wiedersehen also ! Auf Wiedersehen und vielen Dank für den schönen Bcorgenspaziergang ; ich hosse, daß ich Sie nicht zu lange äufgehalten habe; wollen Sie, bitte," er blickte vor sich nieder, wollen Sie mich, bitte, Ihrer Frau Mutter empfehlen?" Schon am nächsten Tage kam tv und brachte alle die alten Holländer mit ; er sagte Gnädige Frau" und Gnädiges Fräulein" bei jedem dritten Wort, wußte eine Menge Jahreszahlen auswendig, legte auch gute geographische Kenntnisse an den Tag, erwähnte jedoch mit keinem Worte ihrer gestrigen Begegnung und empfahl sich, als er ging, auf das Hoflichste. Abermals verging eine Woche, ohne daß er kam, da konnte sie nicht länger widerstehen, sie machte sich eines Morgens abermals auf und schlug denselben Weg ein, auf welchem sie ihm damals begegnet war. Und wirklich, sie hatte sich nicht getäuscht, sie erblickte ihn bald aus der anderen Seite der Straße. Freudig überrascht kam er zu ihr hinüber, und sie gingen eine Strecke nebeneinander her. Er glaubte, daß sie wieder dahin sollte, wohin er sie das erste Mal begleitet hatte, und sie folgte ihm widerstandölos. Als sie bei dem Hause anlangten, machte er Halt, ganz besangen gab sie ihm die Hand, denn sie war ja gezwunaen, auf sein Mißoerständnin einzuaehen. Als er sich entfernt hatte, lief sie die Treppe hinauf, blieb aber plötzlich stehen, stützte den Kopf gegen das Treppengekänder nnd weinte bitterlich. Sie konnte nicht begreifen, weshalb er so ganz anders war, sobald er stch mit ihr allein befand, dann war er voller Lust und Leben; war er dagegen zu Hause bei der Mutter, so nahm er ein kühles, gemeffenes Wesen an. Sie wußte mcht, was sie aus ihm machen sollte. Eines Tages kam er, als Agnes allein zu Hause war. Er blieb stehen und schaute sich im Zimmer um, Agnes mußte lächeln, plötzlich sagte er: Sie haben so eine harmonische Häuslichkeit, Fräulein Agnes, ein wahres Heim!" Agnes erröthete. Und diese Blumen!" fuhr er fort. Wie sie sich des Sonnenscheins frenen! Sie fühlen, wie gut sie eö haben!" Agnes schaute ihn an, erstand fo frisch und noh vor ihr, wie sie ihn hier nie im Hause gesehen hatte. Um . sie her war alles sill, sie hörte nur den Klang ihrer Stimme, aller Unfriede, jedes Geräusch war erstorben plötzlich schlang er den Arm um ihre Taille, sie schmiegte den Kopf an seine Brust und schloß die Augen. Da hob er ihren Kopf in die Hohe und küßte sie. Vr Als er gegangen war, stand sie noch lange in Gedanken versunken da; fo recht kam sie erst wieder zur Besinnung, als sie die Schrille der Mutter auf der Treppe vernahm. Fran KaaS sah es der Tochter sofort ,n, daß ihr etwas begegnet sein mußte. Ist hier Jemand gewesen?" fragte sie. Agnes blickte errathend nieder : ,Herr Schmidt war hier." Herr Schmidt ?" Die Mutter schaute sie verwundert an, das war ja nichts Ungewöhnliches plötzlich aber wurde ihr der Zusammenhang klar. Agnes!" rief sie aus. Agnes schaute noch immer zu Boden, dann aber warf sie sich um den Hals der Mntter: Mutter, Mutter, ich bin so glücklich." Frau Kaas preßte die Tochter fest an ihr Herz und sah sehr ernsthaft aus. Bist Du erzürnt?" flüsterte Agnes. Nein, mein Kind!" Sie strich mit der Hand über den Scheitel ihres Lieblingö. Fmist Du Dich denn nicht, Mutter?" Freilich freue ich mich, Agnes ! Gott gebe, daß ihr glücklich mit einander werdet." Aber Du sollst auch glücklich sein, Mutter, Du auch ! In Zukunft werden wir alle Drei zusammen leben." Fran Kaas beugte sich hinab und küßte sie-auf die Stirn, .und Agnes sah nicht die Wehmnthsthane, die ihr im Auge, glänzte. .. Agnes war selig bei dem Gedanken, daß fortan bie Schrankewelche sich zwischen der Mutter und dem Geliebten befunden hatte, hinweggeräumt war, jetzt. wurde sie a auch seine Mutter, nun lag kein Schalten mehr über ihrem Glück. Aber darin irrte sie. Der Schatten wich nicht, im Gegentheil, er wuchs von Tag zn Tag. Ihr Verlobter war von ausgesuchter Höflichkeit gegen die Mut-, tcr, hielt sich ihr gegenüber aber stets znrück. Agnes merkte bald, daß er am liebsten mit itr allein war, am liehsten mit! ihr ülleinl 'spazlcren,Hmg. Sie fühlte daß die Mutter darunter litt, nnd that Alles, was in ihrer Macht lag, um die Leiden geliebten Menschen zu einander zu führen. , Z,'..
Eines Abends, als sie vom Theater heimkehrte, glaubte sie m bemerken, daß die Mutt-r geweint hatte, da beschloß sie denn, bei der nächsten Gelegenheit offen mit ihrem Verlobten über das zu reden, was ihr so sehr am Herzen lag. An einem schonen Herbsttage kehrten die Beiden Arm in Arm von einem langen Spaziergange vor den Thoren der Stadt helw. Sie hatten wie gewöhnlich von ihrer Liebe gesprochen und die schönsten Luftschlösser gebaut. Plötzlich blieb er stehen nnd, mit der Hand auf eine wunderschöne, inmiticn eines Gartens gelegene Villa zeigend, sagte er: Geliebte, dort möchte ich wohnen." Ihr Blick solgle dem seinen, dann entgegnete sie langsam: Nein, mein Geschmack ist das nicht, mir würde es hier zu einsam sein." Daö ist ja gerade das Schönste dabei! So inmitten eines großen Gartenö, den weiten Himmel über sich, in der Ferne das offene Meer weit entfernt von dem elenden Getreibe der Menschen!" Sie sah sich ganz verwundert nach ihm um: Aber, Ludwig, findest Du denn das Leben nicht schön?" Wohl liebe ich das Leben, aber das Leben der Natur in seiner ganzen Fülle nnd Kraft, und dann können auch wohl hin und wieder schöne Gedanken in meiner Seele entstehen, von Zeit zu Zeit kann eine gute That gethan werden, aber das Leben im Allgemeinen " Findest Du denn nichts Gutes an den Menschen, Ludwig?" Er lachte höhnisch auf, so daß ihr ganz ängstlich zu Sinne wnrde. An den Menschen? Nein, an denen sinde ich nichts Gutes ! Du kannst nur so reden, weil Ä)u sie nicht kennst. Freilich gibt es Ausnahmen, aber die sind leider nur sehr selten. Wie schön könnte cs hicr . . - n- r w ' - xw I JL jr
aus vzroen jcin, wenn 01c atcnjcycu jicg entschließen könnten, sich um das Thun und Treiben ihrer Mitmenschen nicht zu kümmern. Aber ich verstehe Dich garnicht, bist Dn denn ein solcher Menschenfeind?" Er sah sie liebevoll an und sagte dann in herzlichem Tone: zEs gibt in Dir keinen Gedanken, über den ich mich nicht freuen könnte. Ich will Dtch lieben und hegen, Dir soll Numand etwas zu Leide thun!" Zärtlich drückte er ihren Arm an sich. Jetzt will ich Dir etwas erzählen," sagte er, langsam weiterschreitend. Ich kannte einst eine unendlich glückliche Familie ; das Zusammenleben zwischen den Eltern und den vier Kindern war so schon, wie man es sich nur denken kann ; die Eltern hatten nur den einen Gedanken, daß ihre Kinde? sowohl für sich selbst als für Andere so viel wie möglich werden möchten. Da erkrankte die Mutter und eine entfernte Verwandte kam zu ihnen ins Haus. Sie schloß sich dem Geit des Hauses und vermied es sorgsältig, eln fumdcö Element in dies glückliche Heim zu bringen. Der Znstand der Muttcr verschlimmerte sich, es war klar, daß nur der Tod ihr Erlösung bringen konnte. Won dem Augenblick an. beschließt die Verwandte, den Platz als Hansfrau einzunehmen, sobald er jrci geworden ist, langsam und vorsichtig letzt sie ibren Plan ins Werk; alSdie Mutter nach zwei Jahren stirbt, nimmt sie ihren Platz ein. Ihre Pflichten aber übernimmt sie nicht: sie bat weder Liebe zu dem Manne, noch zu den vier mutterlosen Kindern, sie macht sich kein Gewissen daraus, mit plumper Hand in das Schicksal dieser Menschen eingegriffen zu haben. Ihren Gatten wein sie vollständig beherrschen, zwischen ihr und den Kindern entsteht ein erbitterter Kampf, indem sich der Vater auf ihre Seite stellt. Die Kinder verlassen das Elternhans nnd der Vater läßt sie ziehen, weil er sich wohl fühlt in ihren Banden. Glaube mir, Agnes, so wie sie war, so sind viele weit mehr, als Du in Deiner Unschuld ahnst!" Er ging in einen lebhaften, scherzenden Ton über: Und schau' die Allee Hinab, fühle den berückenden Frieden in der Natur, und faae nur, ob Du die Menschen hier vermißst? Es ist weit bester, sich die Wenschen zehn Schritte vom Leibe zu halten, denn die meisten leben doch nicht, um von einander zu lernen, um einander das Beste zn geben, was sie selber besitzen. sie leben nur, um zu verlangen' daß .die Anderen fein sollen wie sie. deshalb spähen sie nach den Fehler?, ihrer Mitmenschen und stellen sich selbst als Muster aus 11 Eine eigenartige Stimmnna hatte sich des jungen Mädchens bemächtigt und zu Hane angezans, ronnre ne nlcyr nmytn, der Mutter, die stets ihre Vertraute gewesen, ihr Herz auszuschütten. Glaubst Du nicht. Mutter, daß er es lernen wird, die Menschen wieder zu lievenL" sragtt sie. Ja, mein Herz, das glaube ich, Du wirst es ihn lehren." Und dabei mußt Du mir helfen, geliebte Mutter?" Ich verspreche 'Dir, das Meine zu thun, mein Kind." erwiderte Frau KaaS mit eigenartiger Betonung. - Ich will das Meine thun Frau Kaas hatte verstanden, was Agnes durchschaute, daß ihr Schwiegersohn feine eigene Geschichte erzählt hatte ! Sie hatte es ihm schon lange angemerkt, daß sich hinter seinem scheuen, verschlossenen Wesen ihr aeaenüber bittere Lebenserfahrungen versteckten. Aber Fran Kaas war auch ganz besonders dazu befähigt, so etwas nachzufühlen, sie selber hatte ähnliche Erfahrungen gemacht. Als sie sich verhciratheke, zog ihre Schwiegermutter zu ibnen in's Haus, eine Dame mit großer Willenskraft und regem Schaffensdrang. Durch " ihre übersprudelnde Kraft erstickte sie jeden anderen Willen, jeden anderen Gedanken in dem jungen Heim, es konnte kein JneinandersebenAstattsinden, das junge Paar konnte sich nicht gegenseitig kennen und verstehen lernen ihre Ehe war in Folge dessen nur ein leeres Nebcneinanverleben. Die Schwiegermntter starb und drei Jahre später starb auch ihr Mann. Eins aber hatte sie doch aus diesem vergeudeten Dasein gerettet: ihre Agnes und ein feines,. wehmüthiges Verständniß dajüc,
was e? sagen will, sein eigenes Leben nicht leben zu dürfen. Sie zog sich von jeglichem Verkehr zurück, sie hatte nur einen Gedanken : über alle die guten Anlagen in dem Charakter ihres Kindes zu wachen, es vor gedankenloser Beeinslussung zu bewahren. Und dann war jener Ball gekommen, der ihrem Veisammenleben ein so plötzliches Ende gemacht. Sie sah, wie sich das LiebeSoerhältniß entwickelte, und sie wagte es nicht zu stören ; eine namenlose Angst hatte sich ihrer bemächtigt. Als sie merkte, daß sich der Schwiegersohn trotz seiner -innigen Liebe zu, Agnes , stets in ängstliche? Entfernnng von ihr hielt, fühlte sie voll tiefen Schmerzes, wie ant) AgneS ihr entfremdet wurde. Eins stand klar in ihrer Seele: der feste Entschluß, sich nicht in die Häuslichkcit der Kinder zu drängen. - Sie verbarg ihre Gedanken, um Agnes nicht zu betrüben ; da kam die Unterredung mit der Tochter, in der sie gelobte, das Ihre zu thun. Zwei bittere Lebenserfahrungen hatten sich gekreuzt, sie wich dem jungen Glück !
Ohne Agnes in ihre Pläne einzuweihen, miethete sie in einer Provinz stadt eine kleine Wohnung. Erst als Alles entschieden war, theilte sie der Tochter ihren festen Entschluß mit. . 5sDie Kastaniettbüume standen in voller Blüthe, als Agnes und Ludwig in ihr Heim einzogen. Es war zwar keine Villa inmitten eines großen Gartens; aber es war eini frenndliche Etage, aus deren Fenstern man einen Blick auf die im ersten Frühlingsschmuck prangenden Wsldanlagen hatte. Auf den Fensterbrettern standen Vlu-. rren, und an den Wänden hingen gute Bilder. Der alte Holländer strich nach wie vor seine Fiedel zum Ergötzen der Wirthshausbefucher. Als Ludwig jeine junge Frau in das neue Heim einführte, sagte er: Werdt Du nun das Leben hier in diesen Näumen, Agnes!" In diese Worte hatte er seine ganze Seele gelegt, denn das war der Kernpunkt seiner jubelnden Liebe zn ihr: sik war für ihn die ganze Menschheit, mit ihr zusammen zu leben, sich ihr ohne einen Schatten von Furcht oder Mißtrauen hingeben zu können, das war du frohe Hoffnuug, die ihm aus diesem Heim entgegenstrahlle, in das kein fremde Macht eindringen sollte. Glückselige Zeiten! Und die Schattmischiencn nie kommen znsollen: Agnes, die an das einsaun Leben mit der Mutter gewöhnt war, schien sich durch das einsame Dasein an der Seite ihres Gatten nicht bedrückt zu fühlen. Die kleinste Begebenheit war für sit ein Ereigniß.; ein Sperling, der zu ihr ins Fenster schaute, eine Knospe, die sich zur Blume entfaltete, waren ihr ein Er lebniß. Und dies Unmittelbare an ih, war für ihn so berückend, hatte er doch bis dahin von den Menschen nur die bit: teren Gedanken gekannt, die er sich selbe! gemacht hatte. Ganz allmälig gewann das wirklich, Leben den Sieg übn; das System, das el sich von der Welt nnd den Menschen g bildet hatte, er fühlte sich wieder hinge zogen zu ihnen, über die er lieber der Stab gebrochen hätte. Sie besaß eine seltene Gabe, das zr finden, was nnter der Oberfläche lag. Im Anfang ihrer Ehe, wenn sie zusam men spazieren gingen, - konnte sie plötzlich still stehen, ihn auf eine vorübergehend Erscheinung aufmerksam tnachen und fragen : Sahest Du das Gesicht. Sie konnte das so lebhaft sagen, al sähe sie eine ganze Welt. Dann pflegte er ein bedenkliches Gesicht aufzujetzen und sie daraus aufmerksam zu machen, daß man die Leute nicht so anstarren dürfe. Jetzt kam es vor. daß cr stehen blieb und ihr zurief: Sahest Du wohl die Erscheinung, .Agnes?" Und dann wurde es Winter, und in ihren gemüthlichen Räumen lebten die Beiden in schönster Harmonie mit einander. In der Dämmerung pflegten sie vor dem Kamin zu sitzen und in die Glu? then zu starren, für sie war alles Gluck, alles Friede innerhalb ihrer vier Wände. Sie konnten sich immer nur schwer dazn entschließen, die Lampe anzuzünden, sie hatten stets sc viel mit einander zu bereden. Und wenn sie alle ihre kleinen Erlebnisse erzäblt hatte und schließlich nichts melr wu,te, dann sagte er wohl : Kannst Du nicht eine von Deinen alten Geschichten erzählen?" Und dann begann sie mit dem natürlichsten Ton von der Welt: Mutter er? zählte einmal Alles, was sie wußte, ihre schönsten Gedanken, ihre schönsten Erinnerungen, ihre schönsten Lieder stammten aus den Jahren, die sie in innigem Einverständniß mit der Muttcr verlebt hatte. Und er hörte ihr nchig zu, was that es ihm, daß es seine Schwiegermutter war, die durch Agnes zu ihm redete, da er durch ihr? Augen sehen lernte und in Folge dessen eine liebevollere Anschauung von der Menschheit gewann;, was that ihm das? Das Ganze geschah ja in der Entsernung: . Mutter erzählte einmal " Die Uhr schlug sechs. Ludwig, wir müssen die Lampe anjünden!" ' Ach, laß nns noch ein wenig in der Dämmerung sitzen." Denke nur, wir haben nnr noch drei Wochen bis Weihnacht!" . : Nur noch drei Wochen? Ja, Dn hast Recht ; wie .doch die Zeit vergeht, Agnes!" t , Dann schmücken wir einen Tannen bäum!" ' ' Einen Tannenbaum ? Für uns Weis de? Was sollen wir nur damit?" Muttcr und ich haben jedes Jahr einen Tannenbaum gehabt." f I Ihr i: Beide ? ganz allein ? " r 2 Ja, und wir haben Weihnachtslieder gesungen und P fessernüsse, und Aepfel gegessen und einander Geschickten tu zählt!" Ludwig starrte in die Glnthen. Langt sam stieg eine Erinnerung in seiner Seele
auf, ein kleines gemüthliches Zimmer, ein altmodisches Sopha, in dessen einer Ecke eine Frauengestalt mit milden, liebevollen Zügen saß und ringsumher eine lauschende ' Kinderfchaar, es war seine Mutter, die dort saß und ihnen Märchen erzählte. Es war lange still im Zimmer ; plotzsich sagte Agnes:
Weißt Du, woran ich so oft gedacht habe?" Er sah sie zerstreut an. An wen sollte ich mich wohl wenden, wenn ich einmal der Hilfe bedarf?" Du hast ja Deine Mut" plötzlich stammelte er; er hatte Mutter sagen wollen, aber als er das Wort auf den Lippen hatte, erschrak er und wagte cS nicht zu vollenden. Agnes sah ihn hastig an, beugte sich vornüber und kielt ihre Hand vor di Augen. Er sah zu ihr hinüber nnd wußte, daß sie ihn verstanden hatte, und daß sie ganz überwältigt. Da erhob cr sich, trat ansie heran und nahm ihren Kopf zwischen seine Hände. Oder meinst Du etwa, daß Du i nicht hast, Agnes?" Agnes antwortete nicht. Du kannst ihr ja nun schreiben?" Sie blickte auf. Meinst Du. daß die Muttcr zu uns kommen sollte?" .Ja!" Ach, Ludwig! Wenn sie es nur thut, aber" Aber?" Sie sagte mir einmal, daß eine junge Häuslichkeit sich in Ruhe und Frieden entwickeln müsse, allein und ungestört, sie sei eine Welt für sich, in die kein An? derer störend eindringen dürfte!" Sagte Deine Mutter das?" Ja!" Dann will ich noch heute Abend an sie schreiben!" Und Frau Kaas kam. AlS sie nach der ersten Begrüßung allein waren, sagte sie zu Agnes: Jetzt will ich Dir auch erzählen, weshalb ich mich von Euch zurückzog," und nun erfuhr Agnes, was die Mutter in den Jah ren ihrer Ebe durchlebt hatte, in denen sie mlt ihrer Schwiegermutter zusammen lebte. Durch fo etwas lernt man," schloß sie, aber wir wollen Gott danken, daß so schwere Lebenserfahrungen wie die meinen und die Deines Ludwig sich auf diese Wei kreuzten." Agnes schaute liebevoll zu ihr auf, sie schmiegte ihren Kopf an ihre Brust .wie in alten Tagen und flüsterte: Mutter, weißt Du, was Ludwig gesagt hat? Er sagte, wenn wir Beide einmal Kinder erziehen sollen und dann verschiedener Ansicht sind, so soll Deine MutHr Schiedsrichter zeln, denn so wie sie Dich erzogen hat, so sollen unzer Kinder anch erzogen werden! Erinnerungen eines alten Wennaraners", welche die Saa le-Z" veröffentlicht, bringen harmlofe Geschichten aus dem Lebensgang Karl August's, den niemals, auch nicht in seinen alten Tagen, die Neigung zum Humor verließ. Eine wahre Herzensfreude gewährte, den Förster Stöcker zu Eisenach fluchen zu hören. Das verstand dieser, übrigens ein braver und tüchtiger Forstmann aus dem ff, und seine Flüche, in denen es von himmelblauen, schwefelgelben und anders gefärbten Donnerwettern regnete, genossen eines weit verbreiteten Rufes. Einmal überlief ihn seine große natürliche Heftigkeit dergestalt, daß er in Gegenwart des Großherzogcs auf der Jagd einen ungeschickten Treiber mit den Worten anfuhr: Ei, Du verdammter Tölpel, so wollt' ich doch, ein grasgrünes Donnerwetter schlüge Dich gleich vierzigtausend Klafter tief in den Erdboden hinein, daß der Teufel Deine verfluchten Knocheit am jüngsten Tage mit der Laterne zusammensuchen müßte!" Ein anderes Mal war auf dem Plateau über der von Eisenach nach Marksuhl führenden Ehaussee ein Treibjagen gehalten worden. Nach dessen Ende stand der Großherzog mit dem General von Seebach bereits unten auf der Chaussee,, währmd die übrige Jagdgesellschaft, meist Herren vom Hofe, sich noch auf dem herab in's Thal führenden Fußpfade befand. H1ren Sie nur, Seebach, wie der Stöcker da oben tobt!" sagte der Großherzig. Und in der That, oben auf dem Waldplateau, über der etwa 50 Fuß hohen senkrechten Felswand, welche neben der Chaussee aufsteigt, horte man den braven Förster wie ein Ungewitter toben und fluchen. Er war ganz außer sich über den . Hergang des letzten Treibens: die schönsten Husche und Rehböcke wacen durch die meist mit ungeschickten Schützen besetzte Linie gegangen. Und gerade von diesem Treiben hatte Stöcker einen glänzenden Erfolg erwartet, und sein waidmännifchcs Gefühl war tief verletzt. Fluchend und schimpfend auf Treibende und Jäger erschien er oben am Rande der Felswand, und der Grog rzoq rief ihm zu: Na, Stöcker, was Jr &v ' p0-- . .' r an- ijm oenn i iiirmrmtai ni laimvs 1 fen?" Gott straf mich, Königliche Hoheit", rief Stöcker hinunter, wenn . v w - l - - ii - J - 1 r 1 Sie nicht dabei wären, so sprach' ich : Jyr könnt nur Alle Mltemander den Buckel "raufsteigen!" Ein Londoner TelephonAbonnent verlangt am Centralbureau mit seinem Arzte in Verbindung gefetzt zu werden. Der Abonnent: Meine Frau klagt über heftige. Schmerzen im Nacken und Schwere rm Magen." Der Arzt: Da hat sie offenbar Fieber ! DerAbonnent: Was ist zu thun?" (In diesem Augenblick schaltet der Beamte die Verbindung um, und der unglückliche Gatte empfängt die Antwort eines Mnschinenfabrikanten, der dem Besitzer einer Dampfmühle seinen Rath ertheilt. Der Fabrikant: Sie ist wahrscheinlich im Innern mit Aufschärfungen von mehreren Millimetern Dicke bedeckt: Lassen Sie sie während der Nacht erkaltet und beklopfen Sie sie des Morgens, ehe Sie dieselbe erwärmen, kräftig mit einem Hammer. Sodann waschen Sie sie tüch-, ' ii 1 ivr n r. f - rlg mllle's eines vazjeri:rayls von siarkem Drucke". , Zn seiner Verwunderung bat der Arzt seinen Patienten nie wiedcrs
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Berliner Gerkchtsseenr. S ch u l z e 's Liebe z u r K u n ft. Vors.: Angeklagter, Sie heisten? Janz akkerat so, wie bet hier uf den Schreibcbrief steht, den Se mir geschickt haben, Herr Prcsedent, sonst hatte ick Ihn jcwiß nich inkommodirt! Vors.:
elen wie nicht nverfchamt und antWorten Sie, wie ich frage! An gell.: Na, ick weeß ja Bescheid, Herr Direktor der Schweinekcn wird sich schon schlachten lck beiße keencn Menschen und wenn Sie mir Schultze nennen mit'n s", denn iö det mchrschlendeels richtig. Vors. : Ihr Vorname? Angeklagter: Aujust! -'bet herßl. hatten Se' mal de Lust, an, det ick kem Meineid schweere Wilhelm hccß ick! Vors. : Wie kommen Sie denn da auf August? Augckl: Aujust heeße ick fo nebenbei! Vors.: Also August Wilhelm Schultze?" Z den Akten stehen Sie aber als Friede rich Wi!helm Schultze verzeichnet. Angekl.: Nu so wat! aber Aujust heetz ick öoch det hceßt, det stimmt, so nennen mir immer die SonNenbrüder da in der Miehlcnstraße, die ick ab nnd zn de Wie cher sichre, det se man wissen, wer dmn is, wenn eener aus de Destille jeholt werden soll! Vors.: Vom Arbeiten scheint auch bei Ihnen wohl nicht groß die Rede zu sein! Wovon leben Sie denn? Angekl. : Wie et kommt, Herr Director , vor jewehnlich drage ick Briefe wcg Se wissen doch kann kecne Liebe bren nen so heiß. Vors. : Na, schweigen Sie nur. Angekl. : Na ob, davor bin ick bekannt, det ick schweige, ick wer' doch so'n Wurm nich' verrathen, wat da liebt! Vors.: Sie sind angeklagt, am 27. October l. I. sich in der Derfflingcrstraße in eine daselbst leer stehende Wohnung cingcschlichen und dem Portier, der Sie hat gehen heißen, nicht Folge gclei, stet zu haben. Angekl. : Machen Se so wat ick und injeschlichen ! Nu kuck mal eener so'n Karnickel an ! Ick habe mir bald de Beene zn Schanden jetrampelt, um mir bemerkbar zu machen, weil ick dachte, Aujust, nimm Dir man ja in Acht un trete dreiste uff, det Dir man Keener for so'n Spitzbuben hält und nu will so'n Propxenzieüer Vors.: Enthalten Sie sich aller Beleidigungen, oder ich lasse Sie sofort ak?führcn! Angekl. : Machen Se so war! wenn Se mir aber in cens weg unterbrechen, denn verlier' ick de Eornenankse un weeß ick wabrhaftig nich', wo ick man steh'n jebliebcn bin! Vors. : Sie behaupten, daß sie sich nicht eingcfchlichen, sondern entsprechend stark aufgetrcten.wärcn alss weiter ! Angekl. : So war't richtig nu passen Se mal uff! ich kloppe also alss mit de , Fauste an den Kuckkasten von Fenster. wat da nff'n Flur an de Jardinen hing, aber keen Mensch sagt julen Dag Ällens war bumsstille. Na, denke ick na denn nich', Aujust ; zum zweeten Mal kloppste nich' nachher jeht man blos noch de Scheibe zum Deibel und denn hecßt et, det hat Aujust jedahn und denn is det Ende von weg! Vors.: Seien Sie doch nicht so umständlich und fassen Sie sich kurz! Angekl. : Nu weeß ick man wieder nich. wo ick steh'n jebliebcn bin! Vors. : Besinnen Sie sich nnr schnell, oder ich gebe Ihnen anderweitig Gelegenheit darüber nachzudenken! Singst.: Det hmmt blos von det Unterbrechen m war ick denn man blos stehen jeblicben? Vors. : Sie hatten also an das Fenster geklopft und was weiter? Angekl. ; Weiter nischt, Herr Director. Bors.: Erzählen Sie doch nun weiter, wie Sie in die Wohnung gekommen. Angekl.: Da bin ick rinjejangen, Herr Rath ! Vorf. : Und mit welchem Recht? Angekl. : Dhue Recht und schere Niemand, wie wer det in de Schule jelernt. Det Jesiehl. det ick mir als StaatSbttjer überall bewejen darf, wo mir die Kunst dazu uffordert, det hat mir bejeistert, det ick ihr ich wie'n Buderute man aus'n Weje loofe! Vors. : Entweder sind Sie angetrunken oder im höchsten Grade unverschämt! Was meinen Sie damit, die Kunst hätte Sie aufgefordert? Angekl. : Herr Prcfcdent. ick bin nichtcrn wie'n Krokodill, wat man blos Wasser sauft und wenn ick sage, det mir be Kunst da mit de Oogen geplinkt, denn xat det allemal, wie den Kister der Frack. Wie ick det Haus ui't Jesichte krichte d dachte ick, so wt krauchr uff'n Boden nich' rum und weil ick sah, det keen Mensch da drinn hausirte. da dachte ick, Aujust ekle dir nich' und jeh' dreiste ruff, dct Wz Museum und da kost' et nischt, wenn de dir det ansiehst und ick sage Ihn ick war rne paff, sage ich Ihn;, ick habe Maul und Naf'e usjesperrt und habe mir blos jewundert, wat de Menschen Allens for't Jeld machen! Vors.: Und dann? Angekl. : Denn Kabe ick mir immer mehr jewundert, bis mir der Wirjeengel mit de Filzlatschen, ohne det ick ihn hätte intreten Heeren, an de Binde packte und meente, roat ick da zu suchen bätte mxb darieber war ick fo erschrocken, det ick die Sprache verlor! Vorj. : So! und was thaten Sie nun? Angekl.: Nu mecnte ick. det er da jarnich zu fragen hatte, weil der 'n Museum wäre und da j . , IM f " c" ä KCT.T unLl fslllff imTDriffen oder rt itbeSSttht. Ma machen Se so wat, wenn det keen Mu seuM is, denn wer' ick Ihn' aus den Droonr helfen nnd det Allens miethen und ; det man brocken wohnen und ha schmiß er mir raus und nu beantrage ick Schmerzenöjelder! Vors.: Es scheint mir doch, als wenn Sie unlautere Absichten ge habt hätten und nur durch das Dazu kommen des Portiers erinfcett wiufccn sich da widerrechtlich etwas anzueignen! Angekl.: Machen Sie so wat, Herr Presedent, det jtoben Se ja allene nich', det man aus 'ne leere Stube wat wegdrägt! ick hasse det Stehlen wiede Sinde ! -Vorf.: Na. zu Ihrem Glück ist Ihnen ja euch nichts wester als Haussriedensbruch erwiesen und so kommen Sie noch ' einmal Mit einem blauen Auge davon ! ,j Angekl.:,. In de Oogen hat er mir nich jeschlagen, Herr rcfcöcriß:,, obefjiu wend ije hat, er - nLiVMtzApBeenjelraQltz I i r ":iV!!tt" S J ' : '! pelt, det ick int aller Vertrauen vor deg Menschheit verloren habe! Vors. vschc gut, feie S?vS5!gjötwrd von drei Mark, oder intMtty?rmögens-,i falle einest TaaiHaPZuM ! ,': ' i ' , w- "!l'ly r'.'r--' ' r j-;-'" "f y.-!'!! I, MNjJj M a:1'! - Angekl. : Machen Xe so wat drer Mark na, meinetwegen kann de Kun st $ betteln sehn; ick W in keen Museura Zeder xivixi
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F" i i ' A r-i ii4 rjti. f 4 ,ii I f-'lii f . 3 A, fi 1 1 f l "A 7 , ,! "i' Ms I :sw v, ' "s s -i, V f P r l , 1 1 A 4f!'.ä?. .Wtt 'fli 1 " ''-"Mtf V 'V. f " ik 'lf . " !,., i!.!1,!. f;i m i- ? iilrA
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