Indiana Tribüne, Volume 13, Number 114, Indianapolis, Marion County, 12 January 1890 — Page 6

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Philosophie des Geldes. tastet von Hiersnqmu orn, (SwS&tt). Man ?ann über jeden Gegenstand eine uf ihn allein bezügliche Philosophie schreiben, oder mit anderen Worten, man kann sich bestreben, jeden Gegenstand mit Weisheit zn betrachten. Philosozzhie, der pompöse Terminus, vor roelchem den Laien ein doppeltes Erbeben ergreift, das der Ehrfurcht und das der Langenweile, ist doch ,im Grunde nur ein sehr armes Wort für eine sehr armselige Sache. Philosophie drückt nach seiner echymologischen Bedeutung nichts weiter als Streben. Streben ist gleichbedeutend mit Nichtbesitzen. Da hatte man sich nun, um eine Philosophie des Geldes zn schreiben, vor einer komischen Verwechslung des Begriffes mit der Sache zu hüten. Denn wenn Streben Nichtbesitzen ist, so hatten wir in Gestatt der Millionen armer Schlucker, welche mühselig über die, Erde laufen und nach einem Besitze streben, eben so viele PHZlosoxhen. EZ handelt sich aber für jede Philofoxhie nicht darum, nach einem Besitze zu streben, sondern nach dem Erkennen einer Weisheit, die in den Dingen liegt, und zwar hauptsächlich in dem Falle, wenn man sie nicht besitzen, vielmehr auf sie verzichten will. Beim Gelde are nun freilich das Verzichten die größte Weisheit, die nur den Fehler hätte, daß sie ausgelacht würde. So müßte sich denn eine Philosophie des Geldes darauf beschränken, seinen Besitz in das rechte Licht zu stellen, in das rechte Verhältniß Zur Cultur, zur Moral, zur Schönheit des Lebens nnd zum individuellen Glücke. Das wäre eine Beschrankung, mit der man so Ziemlich eine alerandrinische Bibliothek ausfüllen konnte. Unsere Zeit aber hat den Segen der Zeitung mit ihrem Verufedas Licht der Weisheit von Jahrtausenden auf die kleinsten aktuellen Tagesereignisse fallen zu lassen. In Wien ist soeben ein alt:S Bankhans. gerade nachdem ein Jahrhundert feit seiner Begründung abgelaufen war, den Weg des KracheS gegangen. Ausfuhrliche Berichte in den Localölättern bezeichnen den Fall nicht als eine Folge auderniärtiger ZahlungseinstellunZen und euch nicht als das Ergebnis verfehlter Börsen - Spekulationen, diesen beiden Hauptquellen modernen kaufmännischen Untergangs, welche, ein altes Geschäftshaus überströmend, dem Unglück den Charakter aufprägen, als ob die materielle Verschuldung doch zugleich tint verhältnißmäßige moralische Schulslosigkcit in sich schlösse. In dem erttZhnten Falle prägt sich vielmehr Nach den angeführten Berichten eine falsche Aussyssung der kanfmännifchen Lebensstellung, das Scheitern eines .unberechtigten "EhrgeizeS aus, womit der Philosophie des Geldes in der schon angedeuteten Aeschränkung die richtige Grundlage für ihre Betrachtung gegeben wäre. gamKnegsühnn gehört bekannttiZ in isreisacher Anhäufung das Gcld der Mächte düZ Gedeihen einer FrirdtnsFeit aber hängt ausschließlich vou den . Mächten des Geldes ab. Unter diesen ist nicht die größte das große Kapital, sondern die kleinbürgerliche kaufmännische Rechtfchssfmheit. die schlichte Einfachheit im Handel und Wandel als Typus einer sittlichen und sitkigenden Bedeutung. Aus dieser erwächst die Ehrsurchr vor den großen geschichtlichen Handelsstätlen fcer Welt, das Bewußtsein, das; der Credit nicht blos eine materielle Angelegenheit ist, daß sich vielmehr in ihm, mitten "im Schwanken und der UnzuverlässigZeit silier Dinge dieser Erde, das mor'alischc Vertrauen auf felsenfeste Treue And nn?erbrüchliches Worthalten im Verkehr der Menschen ausspricht. Dieses Ethische Gewicht war die Grundlage, auf Welcher sich einst die materielle Macht der Hansasiadtc erst Zum Stolz der Nation erheben konnte, und in weiterer geschichtlicher Fortpflanzung gestaltete sich dieselbe sittliche Kraft zum Charakter des deutschen Lebens bis zn den kleinsten Städten herab und wurde vom Volksmund indem Liede gefeiert: lieb im mer Treu' und Lieblichkeit bis an dein kühles Grab." Eigenthümliche Verhältnisse und vor Allem die Leichtlebigkeit der Bevölkerung haben gerade den Wiener Platz dazu ausersehe, erschütternde Beispiele zu liefern, wohin der merkantile Reich thnm geführt wird, wenn ihm das höchste Ziel alles kaufmännischen Ehrgeizes : die nur durch Wefchränkung auf einen engen ge sellscha strichen Kreis mögliche Behaüvjung und Erhaltung seiner materiellen Kraft, aus den Augen gedrückt wird. 5Die Leichtigkeit, mit welcher fort ehedem "das Geld den Jiitter- und Freiherrstand erwarb in Gestalt det Ordens der eisernen Krone dritter und dann zweiter Klaffe, verführte hänsig genug den kaufzuännischen Reichthum, sich in die großartigen und koftspiclicjen Lebensformen des wirklichen alten Adels zu kleiden und darüber den oben geschilderten, den eigentsichen sittlichen Stolz des wirklichen alten Kauf- und Handelsherrn in Vergessenheit gerathen zu lassen. Es war namentlich in der Zeit deS GründungsschwindelS so weit gekommen, daß man ' von Jedem, der sich an der Börse ßerei- . ' -chert hatte, die Behauptung wagen durf- ' tt, es fehle ihm zur. eisernen Kroue zwar der eiserne Kopf, aber nicht die eiserne s t ix i e. Was wirb anS dem reichen Kaufmann, wenn er sich nicht a.nz und gar und einzig nnd allein mit dem sittlichen Stolz feines Standes erfüllt, wenn er die Daseinsgestaltnngen des sogenannten hoch- " sien Standes mit dem Aufwand verfchwenderifchcr Mittel uachpfufcht? Ans fangs nichts weiter als eine Null unter feinen Millionen und spat die 9tull,die nicht mehr Zu den Ziffern einer Million Mgchörr. ",'" Tcr Untergang des Hauses Kendler fc (icrnp. gibt zu dieser Darlegung die tresflichste Illustration. Zum Begründer 179(1 hatte das HauS einen schlichten Arbeiter,- und seine Nachfolger waren ehrenfeste Bürgersleute, denen es nieHnW eizlczefallen war, in der Gesellschaft köderen: Hanfe den Kreis eines einfachen kleinbürgerlichen Lebenswandels zn über--schreiten" Dadurch gründete sich die Firma einen Ruf, auf den die kaufmän nifche Welt Oesterreichs stolz war und der ihm Künden weit über die Grenzen MOesterrelchS hinaus, in, der Schweiz, in iüii'ii!:: ::,liÜl!lli!'!:ll!i'!i'.'.-"-" - . , 's,. li'illlfivfii!11'''',:: ' - : , " ' " ' .i.' J'iSfM

SSES Belgien u. s.w. versSafste. Der letzte Träger der Firma ist Niner der eisernen Krone dritter Klasse, Besitzer eines großen Adelgutes und eiuer herrschaftlichen Liegenschaft kleineren Umfangs. Auf diesen Aesitzthumern lastet fält ihr gatn zer Werth als Hvpothekenfchuldf wahrend das Leben in Wien die glänzenden und übermüthigen Formen annahm, die schon mit dem üppigen Wiener Leben an und sur sich verbunden sind, aber zu ihrer Aufrechterhaltung die größten materiellen Anstrengungen erheischen, wenn sie den Lebensformen der höchsten Stände nachgebildet sind. Wer Nitter der eisernen Krone ist, kann doch nicht leben wie der Handelsmann von 1790 und sich höchstens dazu hersblassen, statt in seinem Pakte im Hotel Stadt Frankfurt" zn speisen. Stadt Frankfurt" l In diesem Gast: Hof, im Mittelpunkt der inneren Stadt, in der Seilergasse, nahe dem Neuen Markt, sanimelten sich zum Mittagessen die Vertreter des behaglichen und üppigen Wiener Lebens, Cavaliere, Finanz: leute. gut angestellte und noch besser pensionirte Beamte, Lebemänner mit vor: nehmen Manieren. Unvergeßlich bleibt mir aus der Zeit, da ich, selbst noch junx und lebensfroh, das heitere Getriebe WienS nach allen Richtungen beobachtete, das tägliche Erscheinen eineS hochbetitelt:n pensionirten Beamten in der Stadt Frankfurt". Auffallend war zunächst seine beispiellose Magerkeit. Das bartlose, sanft geröthete Gesicht thronte übe, einer weißen Halsbinde, unter welche, eine ebenso tadellose weiße Weste glänzte, so daß es stets den Anschein hatte, als käme der Mann soeben von einer Audienz beim Minister. So segelte er wie eir weißer Schwan durch das Meer der ziu drängende Gäste, und wenn Borne's Eßknnstler" beim Weißen Schwan" ir der wirklichen Staöt Frankfurt a. M. sich produzirte, so schwamm hier, ebenfalls als Eßkünstler, nur in ganz andere, Manier, ein weißer Schwan durch du symbolische Stadt Frankfurt". Der Mann trat so verwundert ein, ali wäre er aus den Höhen bureankratische, Erhabenheit nur zufällig und nnver: sehens, gauz ohne fein Bewußtsein, in die niedrige Sphäre eines Speisesaales gerathen. So blickte er wie hilflos um: her, zögernd und anscheinend bereit, den Raum, der tief unter seiner Würde z liegen schien, wieder zn verlassen, bis bet unvergleichliche Zählkellner" sich feine, annahm, mit unterwürfiger Mlene, viel, versprechender und sanfter Handbewegung ihn zu dem Tische geleitete, welchen bei magere Herr doch täglich unter derselben Einleitung von Verwunderung und Hilf: losigkeit mit seiner würdigen Person be: setzte. . Sobald er sich niedergelassen hatte, reichte ihm der Zahlkellner" die Speisekarte. Einen Augenblick sah der altt Herr, als wüßte er absolut nicht, was dieses Blatt Papier bedeuten sollte, dem Anfwartendett erstaunt ins Gesicht; dann fügte sich der Gasi wie restanirt in das Unvermeidliche, indem er sich in die Mysterien des lockenden Verzeichnisses wie ein Mitglied der Akademie der Jnschriften in einen Palimpsest vertiefte. Das nahm keine geringe Dauer in Anspruch, gleichwohl wartete der vielbeschäftigte erste Kellner, geduldig - hinter dem Stuhle des Gastes, aushorchend zu ihm, vorgebeugt und dazwischen dem untergeordneten Personal nur stumme Winke mittels der Serviette ertheilend. Als endlich der alte Herr das rnonu" für sein ganzes äinsr" in Gedanken cht in seine Lippen wieder h einstießen sollte, da lauschte der unvergleichliche Zählkellner wie auf Ofsenbarungkn. Jede einzelne Aeußerung des GasteS nahm er mit einer merkwürdigen Miene auf. die Ueberraschung nnd zugleich Beistimmung ausdrückte. Er nickte, ix billigte, er verbeugte sich ; Aefriedigung undNebereinstimmung glänzte unter fortwährend bejahendem Neigen des Kopses auf feinem Antlitz. DaS war ganz der Virtuose der Gasthausbedieinnig, wie er nur in Wien zn sinden ist. Und nun wurde aufgetragen in nnabsehbarer Reihenfolge. Nach dem Gennsse eineS jeden Gerichts, das sehr schnell abgethan war, schob der alte Herr die Schüssel verächtlich von sich, fodaß ich glauben mußte, er hätte nichts davon genießen können. Die Kellnerjungen stürzten herbei, um abzutragen,und erst, als sie m t den Schüsseln an mir vorübergingen, bemerkt? ich, daß nichts darauf zmuckgeblieben war. Das ausführliche Speisen deS alten Hurn schien beend:! zn sein, aber das war nur meine laienhafte Einbildnng. Jetzt erst band er sich die lange weiße Serviette unter dem Kinue fest, fodaß die steifen Zipfel wie Ohren in die Höhe reichten. Ein feierlicher Moment! Denn jetzt erst erschien, vom Zählkellner in eigener Person hnbeigetragen, das Hauptgericht. daS Spanserkel" mit den ebenfalls in die Höhe gerichteten Ohren, eine gewisse Gleichgesinntheit mit den Empsunger ausoruaend. , Ich scheute daS Zeitopfer nicht, um das Ende abzuwarten. Die lange, hagere Gestalt erhob sich endlich vom Tische und erregte mein unwillkürliches Erstaunen, daß die große Magerkeit noch immer diess'be geblieben war. Wie ein Aal wand sich der alte H?rr zwischen den Tischen hindurch zur Thüre hinaus, die Bücklinge des begleitenden Zählkellners äugenscheinl gar nicht gewahrend und dennoch mit einem Lächeln erwidernd. Dieser erste Aufwärter hatte aber, so lange ein Rockzipfel des Gastes sichtbar war. noch immer die Miene, als ob jetzt erst der Geist, die Poesie, der wahre Sinn der Speisekarte offenbart worden wäre. Ich verweilte bei diesem merkwürdigen Kellner, weil er in den Berichten über daS , neueste Wiener Falliment zur Sprache gekommen ist. Wenn alle Stricke zn reißen beginnen, dann verschmäht man auch nicht, in der Seilergasse eme Stütze zu -suchen, wie problematisch sie auch sowohl in moralischer, als sinan;ieller Beziehung sei. Der Kaufherr laßt sich herab, wenige Monate vor seinem in Aussicht stehenden Sturze dem liebenswürdigen Zahikellner gnädig anzubieten, dessen Erjparuisse nach vier": X i g j 5 pi cjc ir u ri sl l ei ji u n 3 " i t " c t r cl c i Verwaltung zu nehmen, nnd der durch .Huld des mächtigen Finanzmannes be-:-rim ll ',11 ,1 .1,1 ,h!;-.!s i.;;;! ? Ü MKZ

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feztgejtelltchatte und von fernen L'.ppen zu fliegen begann, was gleich darauf verwirklicht in feine Lippen wieder hin-

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glückte Diener überbringt ihm ein Depot von fl 23.000. Das ist schon das letzte Loch, aus dem mrt pfeift, ehe man flöten" geht, nachdem man noch als adeliger Herr von der Biederkeit und Rechtlichkeit des Haus in Flötentönen viel gesprochen hatte. Vielleicht hatte eine weife Einschränkung der Lebenssührung zur rechten Zeit helfen können, allein ihr widersetzt sich ge wöhnlich der eine Wahn, man müsse dnrch falschen Glanz den echten Glanz wieder herbeiführen, und man sagt: .Ich- bin nicht reich genug, um mich einzuschränken." Bei diesem spröden Schicksal, auf Eröen Geld zu erhalten, ist gemeinhin mehr Glück als Verstand; das Geld einfach zn behalten und dadurch zu vermehren, ist weniger Verstand als Geiz ; das Geld richtig zn verwalten, daß es eine dauernde Schönheit des Lebens begründe, ist eine über den gewöhnlichen Verstand hinausgehende Weisheit, die wahre, noch unersorschte und ungeschrie, bene Philosophie des Geldes.

U Jeituttgsnachrichlen 'mitunter entstehett. Als das große Hotel Baner in Jfchl noch unter der persönlichen Leitung seines Begründers stand, hatte der Letztere, als eifriger SportSman, im Badeort große Cf.. 4 M w.t1kJ VlA A -üjtuituucu uciuuiuuti, vii., wi. yitt Bauer selbst und sein Hotel, Weltruf besaßen, nach seinem Weggang aber wieder aushörten. Auch einen prächtigen Schimmel -angeblich echtes Halbblut hatte Bauer in seinem Stalle stehen, nnd als der Kaiser von Brasilien vor Jahren in Bauers Hotel längeren Aufenthalt nahm, bediente er sich bei femen Ausflügen und Bergpartien nur des sicheren Thieres, das der Hotelbesitzer ihm zur Verfügung gestellt hatte. Knrz vor. der Abreise des Kaisers erbat.sich Herr Bauer von demselben die Erlaubniß, den Schimmel zum Andenken an seinen Zceiter Dom Pedro" nennen zu dürfen, nnd diese Erlaubniß würbe ihm ertheilt. Als Bauer sich durch die Verhältnisse gezwungen sah, sein Hotel in Jschl aufzugeben, ging anch Dom Pedro" in andere Hänse, und zwar in den Besitz eines DoctorS in Gmunden über. Die Seelust schien dem edlen Thiere osfcubar nicht '0 gut zu behagen, wie der würzige Walddust bei Laufen ; cö ward störrisch und warf seinen neuen Herrn bei einem Spazierritt in einen Graben. Seitdem hat Do:n Pedro" vielfach seine Herren gewechselt; er sank von Stufe zn Stufe, Niemand wollte sich seiner annehmen, und das edle Noß wlnbe zuletzt nur durch die milden Beiträge aristokratischer Frauen, die sich feiner glorreichen Vergangenheit erinnerten, unterhalten. Im Gmnndener Theater war's kürzlich, als sich zwei Damen der Gesellschaft im Logengauge trafen. Nun, was fügen Ske, nes die eine, ,ch be für Dom Pedro" prächtige Unterkunst gesunden. 20 1 und wo? Ich glaube, er wird in Schloß Qrth gut untergebracht sein." Das im Foyer begonnene Gespräch wurde in der Loge fortgeführt, die beiden. Damen hatten aber nicht bemerkt, daß ein aufmerk? samevLaufcher den Eingang der Unters Haltung aufgefangen nnd den Gegenstand für fehr wichtig gehalten hatte, beider ist der Telegraph zur Nachtzeit in Gmunden gesperrt und so mußte der pflichteifrige Wiener Reporter bis zum nächsten Morgen warten. Aber kanm daß der Morgen graute, meldete der Telegraph, vorläufig nach Linz, daß der Kaiser von Brasilien bleibenden Aufenthalt in Gmunden nehmen werde und Schloß Orth angekauft habe. Wenige Stunden später war die sensationelle Nachricht auch in den Wiener Zeitungen schwarz auf roeiß zu lesen der arme Schimmel hat aber' noch immer keine sichere Unterkunft und ahnt nicht, welches Unheil er durch seinen Nameir aw gerichtet. Das feine Geschenk. Herr Nsbelwitz ist eingeladen, die Silberhochzeit der Schwiegereltern auf deren Gute zu verleben und dadurch in die unangenehme Lage versetzt, ein anständiges Geschenk kaufen zu müssen. Aus seinen schweren Nöthen rettet ihn endlich ein glorioser Gedanke. Er kaust für ein Spottgeld ein echt Meißener Service, daS 'völlig werthlos ist. weil öon den Tassen und Krügen sämmtliche Henkel abgebrochen sind. Wenn das zerbrochene Geschenk ankommt" so kalkttlirt er werde ich tiefbetrübt sein und erklaren, daß das große. Malheur unterwegs auf der Eisenbahn passirt sein nmh ! So bin ich der noble Mann, ohne viel Spesen darauf zn .haben." schärft dem Händler, dedie Absendung übernimmt, nochnralS dringend ein, die Henkel ja beizulegen und reist seelenvergnügt auf'S Gut zn den Schwiegereltern. Dort spielt er gleich von Anfang an, den Besorgten und meint: Der Transport auf den Eisenbahnen lasse jetzt gewaltig viel zu wünschen übrig, sein Geschenk wäre ebenso kostbar als zerbrechlich, wenn nur alles recht fest im. Hcn' läge u. s. w. u. f. w." Die 'guten SchkvieAereltern suchen ihnidie unnöthige Angst auszureden, er läßt sich aber nicht beruhigen und wird immer. aufgeregter, je näher der Ankunststermin der heranrückt. Endlich ist sie da! , Nobelwitz schüttelt sie leise hin und her, macht ein entsetztes Gesicht und meint: ias wäre nicht in Ordnung, da drin hätte irgend wag geklappert V Im Innern aber freut er sich wie ein Schnees könig auf die Entwickelung seiner Intrigue. Die ganze Familie versammelt sich erwartungsvoll nm die Kiste, der gute Schwiegerpapa setzt das Stemmeisen an, krach! fliegt der Deckel in die Hohe und Nobelwitz knickt todtenbleich zusammen, dlutrokh " vor Scham, zitternd , vor Ausregung.' Der Porcellauhändler hatte nämlich die abgebrochenen Henkel zwar beigelegt, aber jeden einzelnen aur oas lorgsatllgne ui torpapler em ge r 'SiH prfiS-IA u f d em O c e a 1eS?Li ist die Pflicht Uhr und Comvaß. : , ,!,' '. .rh:i&J,'; fv " -tsm" Mli,T Iilvl'i ÜP - Z!!!!Z!!Ä

3333 Der Herr Lotterer. Im Jahrgange 1317 von Berthold Anerbach's Gevattersmann" sindet sich folgende kleine Geschichte, die vielleicht auch heute noch mit Nutzen gelesen werden kann: Eö war einmal ein großer, mächtiger Graf, nnd der regierte über ein kleines und schwaches Land, und der GrqZ brauchte fehr viel Geld, und das Land hatte fehr wenig mehr. In dem Lande lehte auch e:n Mann, von dem man nicht sagen konnte, was er l'ür ein Geschäft hatte, und er hatte auch keins. Wäre er ein Baron gewesen, dann brauchte ex nichts zu sein; er hieße dann der Herr Baron; er war aber kein Baron, also war er nicht bloß nichts, sondern gar nichts. Er lotterte in den Straßen und den Wirthshäusern uinher, und darum hieß er der Herr Lotterer Ost aber saß der Herr Lotterer auch bis tief in die Nacht hinein in feiner einsanken Stube und schrieb große Zahlen auf ein Papier und rechnete und rechnete, daß man meinte, er habe über Millionen zu verfügen; dabei hungerte er aber, daß ihm dieSchwarten krachten. Eines Morgens nun bürstete der Herr Lotterer sorgfältig feinen fadenscheinigen Frack. . . ., band eine steife, weiße Halsbinde um, ging auf das Schloß und ließ sich bei dem Grasen melden. Als er vorgelassen war, verbeugte er sich tief, lächelte und sprach : GnadigcrHerr werden verzeihen, es ist allbekannt, wie die Quelle Ihres Staatsschatzes vertrocknet ist, daran ist nicht Ihre allerhöchste Weisheit Schuld, die stets nur das Beste des Landes will. Ihre Diener. . . .haben in unbegreiflicher Verblendung das Ergiebigste übersehen . ..Man kann keine neue Steuer mehr ausschreiben, wenn man sich auch um die daraus, entstehende Erbitterung nicht kümmerte. Bereits wird Alles versteuert: was' man ißt und was man trinkt. Tanzen und Spielen, Sterben nnd Geborenwerden. Heirathen und Scheiden, Alles, Alles. Ich aber will bewirken, daß noch eine freiwillige Steuer gegeben .werde, die alle bisherigen gezwunzcnen übertrifft. Ich hole die Steuer aus den geflickten Taschen der Armen, zwischen Brosamen und ausgerisscncn Knöpfen, ich reiße sie aus den verknüpften Sacktuchenden hervor ! Ja waS die Menschen am meisten nährt, ist noch nicht versteuert; ich meine d'e Hossnung und der Traum." Der Herr Lottcrer überreichte nun einen Plan, der alsbald ausgeführt wurde. Er errichtete eine wohlthätige Anstalt, darin der Acrmste gespeist mit leeren HofsttUNZctt und ci:len Träumen. In Unschuld gekleidete Waisenknaben muß ten Loose ziehen, um der Sache ein recht sanftes Ansehen zu geben. Ein Theil des Gewinnstes wurde , . . . zn nützlichen Zwecken verwendet, und AllcS hatte einen gar frommen Schein. Die Veranstaltung trägt noch heute den Namcn ihres Urhetcrs: Lotterie. . . . Der Herr Lottcrer erlebte es, daß Viele ihm nacheiferten und nichtsthuerisch umherlptterten. 'Viele arbeitsame Handwerker, die .... sich früher emsig rührten und ihr eigentliches Vertrauen auf die Thätigkeit ihrer Hände fetzten, schleuderten nutt nichtsthuerijch umher, entzogen ihren Kindern das wenige Brod und fetzten in die Lotterie ; sie liefen in beständigem Dusel umher und hingen den Träumen nach, was sie beginnen sollten, wenn sie das Große Loos gewönnen. Sie bezahlten mit ihrem letzten Heller die leeren Träumt: und Wünsche, die sie ehedem umsonst gehabt, und sie träumten und hofften. biZ sie als Nieten in das Grab verscharrt wurden. Der Herr Lotterer aber wurde . .hochgeehrt. . . . Viele meinen nun, der Herr Lotterer sei der leibhaftige Teufel gewesen, der sich nur als armer Schelm verkleidet habe: das ist aber nicht wahr: er war nicht mehr und nicht weniger als ein psisigerMensch. Der Teufel braucht sich die Mühe nicht mehr zu geben, selbst zn kommen; es giebt Leute genug. .. . die sich eine Ehre daraus machen, dem Teufel gern und pünktlich seine Geschäste zu besorgen.", Die unverdiente Ohrfeige Zwei Reisende kamen einst in ein Städtchen, bezogen nebeneinanderliegende Zimmer desselben Hotels und gingen dann den ganzen Tag ihren Geschäften nach. Der eine mußte am nächsten Tag, schon um sechs Uhr früh abreisen, während der andere erst um zehn Uhr Vörmittag reisen sollte. In' aller Frühe würde der eine von dem Höteldiener geweckt und es verdroß ihn ungcmein, daß sein Kamerad noch beqm weiterfcklasen konnte. Doch halt! dachte er ber sich, ihm soll die Ruhe nicht fo leicht bekommen. Eilig begab er sich au die nächstliegende Thür und klopfte dort an. Wer ist denn da !" tonte es verdrießlich heraus. Der Frlieur, der hinaus bestellt wurde!" aab es draußen zur Antmnrf siXJ T)..t !.'. ist Jt ivvi ,,vvvfc vn , tyivfc i f v n Friseur bestellt worden," schrie der Gestörte. Nach einer halben Stunde pochte her Reisende abermals an die Thür und gab aus. die gleiche Frage die bereits erwähnte Antwort. ' Aber zum Teufel noch einmal, ich brauche käuen Friseur ; wenn Sie mich nochmals aufwecken, dann gehe ich Ihnen eine Ohrfeige, daß Ihnen' Hören und Sehen vergeht!" schimpfte, der geplagte Reifende unter der Bettdecke. Auf dem Wege zum Bahnhof trat nun der Erstere zu einem Friseur ein und bestellte ihn dringend zn einem Herrn in's Hotel auf Zimmer No. 8. Augenblicklich packte der Friseur sein Werkzeug zusammen und begab sich eiligst vor das besagte Zimmer, wo er ehrerbietigst, anklopfte. Wer ist denn wieder da i" brüllte ht Reisende ungeduldig. Der Friseur, der hinaufbestellt wurde,", gab es draußen zur Antwort. Na! warten Sie, mein Lieber," scürie vor Aufregung zitternd der Reisende, sprang mit einem Satze zur Thürhinaus und versetzte dem ve;blüfften Friseur mit dem Ausrufe: Ich hab' Sie davor gewarnt!" eine schallende , . r ' , - r - i . , . t iyrseige. -4)ie Angelegenheit sand vor ,l i ai.t.L . tk ' -y c dem Richter ihren Abschluß, wobei der Reisende LOMark Strafe zahlen mußte weiter das Mißoerständniß nicht auf''rm'"'f-" ii' ' 1 ;' " ' . i:" '.-'." . ,r -. klaren konnte. , :,: Viele Leute schlagen Fliegen Vir':'U''."i '-"!; '; ) "pi. .,i.. !iW 1 ' :,,,; ipr:: :;,.; todt, um die ijcit lodtzuschlagen.

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ÜZW Der Ilnfang eines großen Künstlers. Am 15. Juli 1741 versammelte sich eine gewaltige Menschenmasse im Theater von Goodman's Fields", eine Bühne zweiten Ranges zu London. Man gab Richard IN." als Antrittsrolle eines noch unbekannten, doch dem Gerücht nach viel versprechenden sungen Mannes. Die Zuschauer harren über eine Stunde, da endlich wird ihrer Ungeduld ein Ziel gesetzt; der Vorhang rollt empor, Nichard von Glochcster erscheint auf den Brettern und erweck! alsbald durch fein edles Auftreten, seine leichten Bewegungen, seine klngen Züge eine günstige Mcinung im Publikum. Doch vergeblich wartet man jetzt auf den Beginn deS Monologs: Nun ward der Winter unseres MißVergnügens Glorreicher Sommer durch die Sonne Yorks :e." Einige Secunden verstrichen und das Stück beginnt nicht. Tiefes Schweigen herrscht, Niemand rührt ein Gtted, Jeder hält den Athem zurilck. Ueber eine Minute ist verflossen, und der Schauspieler steht noch immer hinter dem Sousfleurkästen, betrachtet daS Publikum mit scheuem Blick, öffnet den Mund, doch ohne ein Wort hervorzubringen, geht einige Schritte, bewegt auf's Neue die Lippen, umsonst, die ersten Silben seiner Rolle wollen nicht darüber fort. Die Zuschauer verlieren tie Geduld, man Hort lachen, hört sagen: ,.Nun, Richard ist wohl stumm?" bis endlich ein gellendes Pfeifen den armen Debütanten völlig verblüfft, so daß er verzwciflungSvoll die Bühne verläßt. Alles ist vorbei. mein lieberDoktor", rüst er hinter die Coulissen tretend, ich tauge nichts, bin für immer der Ehre verlustig, und es bleibt mir nichts übrig, als mich in die Themse zu stürzen." Nnr nist Mühe konnte man ihn von diesein unglücklichen' Entschlüsse abbringen und ihn überzeugen, daß er noch nicht unwiederbringlich verspielt habe. In? dessen erreichte die Unzufriedenheit im Publikum den höchsten Grad. Geschrei llnd Ausrrlfe vereinten sich zn einem schrecklichen Ecnccrt. Endlich tritt der Dircctor an die Lampen und die Ruhe kehrt zurück. Meine Herren", sagt er, der Schauspieler, dein die Rolle des Richard übertragen ist, fühlte sich bei seinem ersten Auftreten vor Ihnen von so heftiger Gemüthsbewegung ergriffen, 1 das; ,lhm für den Augenblick die Stimme erstarb. In Kurzem kanll er wieder erI scheinen, bittet aber ehrfurchtsvoll um Ihre unbedingte Nachsicht." Diese fürsprechende Nede mtlßte wohl den Zorn des Publikums besiegen, so daß man endlich einwilligte, den Künstler erst zu hören und dann zu richten. Der junge Mann, der feine Rolle nun wieder ansnahltt, weckte durch sein ungckünsteltes natürliches Spiel, seine weiche, wohlklingende Stimme gleich Anfangs im ganzen Haufe ein BeifaUsmurmeln, und als im weiteren Verlaufe des Stücks die Momente der Leidenschaft der pathctifchen Bewegung folgten, kannte die Begeisterung keine Grenzen inehr. Das Hans dröhnte, das Parterre krachte vom Stampfen, Bravo's und Hurrah's crtönten wie Kanonenschläge. Beschämt, ein so großes Tulent mißkannt zu haben, that das Publikum vor dem Genie des Debütanten ehrenvoll Buße. Pope, der sich unter den Zuschauern befand, suchte denAnfänger hinter der Bühneirnd drückte ihm mit Warme die Hand und sagte: Mein Herr, ich begrüße in Jhnen den ersten Tragoden Europas!" Und Pope hatte wahr gesagt, denn der Debütant war Garrick. Ludwig Anzengrnver als Polizei dcamter. Aus der schweren Lebenszeit des Dichtcrs theilt die Wiener NeueFr.Pr." folgende interessante Einzelheiten mit. Im Frühjahre des Jahres 1870 suchte Ludwig Anzengrubcr bei der Wiener Po-lizci-Directton um die Stelle eines Kanz-lei-Beamten nach.. Er scheint sich einer besonderen Protektion erfrent zu haben, denn er erhielt die Anstellung, ohne da ein Mangel an' Kanzleikräften vorhanden gewesen wäre. Ludwig Anzengruber wurde mit einem Gehalt von 50 Gnldm monatlich dem EvidenzsPureau des Si-cherheits-Bureaus als Kanzlist zugetheilt, eine Stelle, die jetzt durch ehentalige Sicherheits-Jnspectoren und 11 terofsiciere, die mit Certificat" aus dem Militärverbande entlassen werden, besetzt wird. Anzengruber erhielt feinen Platz im Vorzimmer des damals räumlich beschränkten Evidenz-Bureaus, inmitten der Amtsdiener, anaewiesen. Seine Thätigkeit bestand im Ausfüllen der Leulmundsnoten. Er verkehrte übrigens mit frtlf ?itttm flttr IVrtTTprt' frtm fast keinem seiner Eollegen-, kam pünktlich in"S Burean, erledigte fein Pensum und ging wieder, ohne auch nur mehr gesprochen zu haben, als es die Nothwendigkeit verlangte. Die ersten Vorstellunacn des Pfarrer von Kilchfeld" waren vorüber, der wahre Name des Dichters bei der Polizei noch unbekannt geblieben, als eines Taczes sein unmittelbarer Vorgesetzterz Ofsicial Weyl ' (als humoristischer Gelegenhcitsdichter bekannt), mit dem'er am meisten verkehrt hatte, ihn im Anreau zur Seite nahm und ihn folgendermaßen avostrophirte: Meine herzlichste Gratulation zu dem großen Erfolge!" Anzengruber starrte ihn eine Weite an, blickte um sich, ob er belauscht werde, und' sagte dann zu Wtnl: Ihnen darf ich es wohl sagen, ich bin der Verfasser des Stückes." - Das Bekanntwerden dieser Thalsache in seinem Amte ' brachte dem Dichter Anzengruber doch ein Avancement. Der damalige Chef des Bureaus Polizeirath iHineiS, schaffte für den Kanzlisten Anzengruber Platz 'in einem Zimmers 'er brauchte nicht mehr im Vorzimmer zu arbeiten eine Auszeichnung, . welche , bei seinen Collegen" Eifersucht hervorrief. Nicht tauge darauf trat Anzengrnber aus dem Polizeidienste aus, es hieß sogar, dem Dichter des 1 freisinnigen Pfarrer, von Kirchfeld" fei nahegelegt worden, feine Demission zu geben, doch ist hiersür keine Bestätigung vorhanden. ,

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Mjt.tMii Mein Wlgttaltt! Aus feiner Praxis erzählt ein früherer Berliner Polizeibcamter eine Episode, die ein überaus charakteristisches Licht auf das Wirken und Treiben der Vigilanten wirft, deren sich die Kriminalbehörde bedienen muß, um mit der Verbrecherwelt die zu ihrer tteberwachung stets nothwendige enge Fühlung zu erhalten. Man schreibt: Es war an einem regnerischen ungemükhlichen Nooemberabend, als es zweimal an meiner Flurthür klingelte. Mein Mädchen machte auf und meldete mir alsdanir es wäre ein Mann draußen, der mich durchaus sprechen müsse, den Namen zu nennen wäre nicht nöthig, ich kenne ihn schon. Als ich mich sodann selbst hinausbegab, um nachznsehen, klang mir allerdings eine sehr bekannte Stimme entgegen: Jut'n Abend, Herr Kommissar, ccnen Oogenblick." Trotzdem ich mir ein für allemal den Besuch meiner Vigilanten iii meiner Privatwohnung verboten hatte, nahm ich den dranßcnstehenden H., mit Spitznamen Töpfer - Karl, eben einen meiner Vigilanten, doch mit in mein Zimmer in der Annahme, er könne diesmal doch etwas Wichtiges bringen. Viel Zutrauen hatte ich eben nicht, denn der Genannte hatte mich , schön zweimal angesetzt", d. h. mir vorgcfadelt, daß da und da ein großer Diebstahl ausgeführt werden solle, jedoch kein wahres Wort war daran und ich hatte mit meinem Beamten uns nur die Nacht um die Ohren geschlagen. Karl hatte sich dann mit der treuherzigsten Miene damit entschuldigt, daß das Geschäft jedesmal vorher aufgegeben worden sei. Um aber keinen Verdacht zu erregen, hätte er seine Komplizen in der Nacht, nicht verlassen und mir keine Nachricht geben können. Dat Mal wird det aber 'n feinet Jeschüft, Herr Kommßar. Ick mache nich mit. aber ick hab' et forjanzjcwiß jehört, dat Lude Kaiser nnd Franz Fröhlich, Sie wissen doch, Herr Kommßar, der mit de breite Nase, nich wat sein Bruder is, der Anjust, der is außerhalb, also die Vceden wollen heite Abend, )o 'nen Uhre eens, in de. . . Allee Nr. bei den rächen X. der in't Jartcnhans wohnt, cen Jeschäft knackend Auf meine Frage, von wem er denn diese Mordsgcschichte als so? janz jewiß" geHort habe, meinte Karl, na von Kaisern selbst; ick sagte noch zn ihn. Lude, sagte ick, der hat aber 'ne jroße Töle in seinen Jarten. laß Dir man nich Deine Hosen 'n Endeten kirzer machen. Ach wo. meent er, dasür haben wir 'n biskcn Fleesch und 'n Ende Eisen." Ich kannte zusallm das von Karl bezeichnete Grundstück, kannte auch den Bejitzer sem Namen nach. Da dasselbe fast auf der städtischen Grenze völlig frei gelegen war, auch nnr der Besitzer mit einer alten Haushälterin dort wohnte, so war die Möglichkeit, daß dort wirklich ein Diebstahl ausgeführt werden solle, nicht ausgeschlossen. Ich sagte also dein Vigilantcit. es wäre gut, er könne nun gehen, sollte aber reinen Mund halten. Seine Bezahlung würde er erst, wenn Alles geklappt" hätte, erhalten. Mein Karl stand aber immer lisch an der Thüre nnd dreht verlegen seine Mütze. Ans meine Frage, was er denn noch auf dem Herzen habe, kam er denn endlich damit heraus: Herr Kommissär, nchmen Sie mir't nich übel, ick habe heite noch nischt jejcsscn, ich habe eenen zanz mächtijcn Hunger." Gut," sagte ich. eine Stulle und eine kleine Weiße kann er bei mir vertilgen," da ich sehr wohl wußte, daß es ihm eigentlich nur um baarcs Geld zu thun war. Ich klingelte meinem Mädchen nnd ließ meinem lieben Freunde" das Gewüuschte bringen. Mit dem janzmächtijen Hnnger" konnte es aber nicht weit her sein, denn mein Karl würgte gar sehr und schien froh zn sein, als das unbelegte Buttcrbrod überwunden war. Nachdem ich den Vigilanten entlassen, überlegte ich noch einmal, ob ich ihm wirklich glauben könne, kam aber z dem Entschluß, doch das Erforderliche einzuleiten. Ich bestellte telegraphisch drei meiner Schutzniänner zu zwölf Uhr Nachts nach meiner Wohnung, um mich mit diesen dann zusammen nach dem Thatort zu begeben. Vorher ließ ich den alten Herrn, auf den es abgesehen war, genau unterrichten und bitten, ja Alles beim Alten zn lassen, und nur den Hund mit in seine Wohnung zu nehmen. Es war eine finstere Nacht, ein scharfer Nordwest trieb uns den Regen ins Gesichk, kanm konnte man die Hand vor Augen erkennen,, als ich mit meinen Beamten das Grnndstück betrat. Wir vertheilten uns im Garten nnd warteten ein Jeder in seinem Versteck der Dinge, die da kommen sollten. Ich will noch bemerken, daß wir uns, da wir zweifellos auf Widerstand stoßen würden. Jeder mit einem großen Knüppel bewaffnet hatten. Wir mochten wobl eine Viertelstunde gewartet haben, als ich seitwärts von mir an der Gartenmauer einen dumpfen Ton hörte, als wenn Jemand von der Mauer hinab in den Garten gesprungen wjire. Zu sehen war ja, roie'bercits gesagt, bei der Finsterniß fast Nichts. Kurz darauf vernahm ich denselben dum? pfcn Ton. Angestrengt lauschte ich, was nun erfolgen würde, da ich jetzt die beiden Kerle im Garten wußte. Aber zn meiner Verwunderung hörte ich' noch einen dritten Sprung. Aha, dachte ich, also doch Drei. Jetzt konnte man deutlich ein Zischeln und Tuscheln vernehmen, als ob sich die Drei beriethen, wie sie ihren Plan ausführen sollten ; dann war wieder Alles still. Mir wurde die Sache nun in der That etwas unheimlich, da ich Nichts hören und sehen konnte, und beschloß schon, inich dem Hause mehr zu nähern, in der Annahme, die Kerls seien schon dort bei der Arbeit, als ich plötzlich einen Ton, üi wenn ein hartes Holz unsanft auf einen menschlichen Körper siel, und gleichzeitig die etwas schmerzlich ausge? stoßenen Worte: Au Donnerwetter!" hörte. , Im Nu waren wir Alle nach der .Stelle geeilt,, woher der Lärm kam und wo bereits einer meiner Leute , mit den Spitzbuben zusammengerathen wars, Die Letzteren setzten sich arg zur Wehre, nnd schien es mir, als wenn, sich dieselben noch um einige vermehrt hätten.' Meine Schutzmänner hieben wacker drein, aber

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die Kerle ergaben sich nicht, und auf meine ihnen zuZeschriecaen Worte: Merken S'e denn nicht, daß xmr Polizeibeamte sind, lassen Sie die G-n-wehr und ergeben Sie sich." höhnen sie vzctmcyr noch: jawohl, daS kennen wir, wir sind die Polizeibeamten. ergebt Euch nur." Dies war uns denn doch zu arg und munkcr ging die Prügclei weiter. Durch den Lärm und da& Brüllen kam schließlich der Hausbesitzer nüt einer Laterne ian nnd beleuchte die Gruppe, worauf die Schlägerei sofort abbrach und ein allgemeines Oh!" und Ah! hörbar wurde. Das waren ja ist's denn möglich? unsere Gegner waren ja unsere Cvllegen vom xten Bezirk", und in gleicher Weise tönte es von der anderen Seite zurück. Na, das ist ja eine schöne GesSichte", meinte darauf der Wachtmeiste? von drüben, da sind wir schön angeführt. Herr Kommissar! ' TopfcrKarl war gegen 12 Uhr bei mir und erzahlte von einem großen Einbruch, der hier ausgeführt werden sollte, ich solle nnr schnell hereilen, die Spitzbuben würden wohl schon bei der Arbeit sein. In Eile habe ich dann meine Eriminalschutzznänner Zusammengeholt und da sind wir nun." Haben Sie denn dem Karl was gegeben?" fragte ich. Ja, .drei Mark," erwiederte der Wachtmeister. So, fo, na die sind Sie los," konnte ich mich zn bemerken nicht enthalten. ,, Im liebn gen gnten Abend, meine Herren ! " f Etwa vierzehn Tage nach diesem Vorfall begegnete ich dem Töpfe? - 5tarl in der Königsstraße. Er war arg entstellt, trug einen Arm in der Binde, hinkte und konnte vor geschwollenen Backen und ,, blauen Äugen' kaum sehen. ,,Wer hat Euch denn ss zugerichtet? fragte ich ihn. Halb weinend erwiederte er: ,.Een Mal und nich wickcr, Herr Commissar. Aus Kamerun. Premierlieutenant Morgen rom 4, obcrschlesischen Infanterie-Regiment No. 3 in Neiße, welcher nach dem Tobe des Lieutenants Tappenbeck nach Kamerun berufen worden ist nnd seit der Abreife des erkrankten Hauptmauns Kund die beim Dorfe Zonn im kamernncr Hinterlande errichtete Station leitet, hat anä Kan'.ernn, wo er am L7. September ein getroffen ist, unterm 1. October ein Schreiben an seine in Natibor lebenden Angehörigen gerichtet, ans welchem Folgendes von allgemeinem Interesse sein dürste: Das Gouvernement liegt etwa 20$ Meter über dem Wasserspiegel und hat außer dem eigentlichen Gouvernements gebäude, welches sehr schon gebaut ist, mehrere kleinere Beamtenhäuser, in dercn einem ich augenblicklich wshne. Die Factorcicn, dentichcil und englischen Firnun gehörig, liegen unten mn Wasser, teilweise sogar cmf demselben in sogenannten Hills , das sind tzlte, ansrangirte, nicht mehr seetüchtige Schiffe, denen die Takelage abgenommen ist. Die Negcrdorfer (Josy-, Bell-, Akwa- nnd DLido-Town) sind seitwärts nnd etwas. zNrückgebaut. Die vielen Arme und Ericks des K'amerunflußgebicts sind stets belebt von handeltreibenden Negern, und ich glaube, nach dem, waS ich bis jetzt auf weinen Ausflügen gesehen, daß das Kamcrungebiet eine bedeutende Zukunft hat, wenn nur erst der Zwischenhandel aufgehoben ist, nnd die Händler aus dem Innern direct ihre Waaren an der Küste absetzen können. Dies wird jedoch noch viel Zeit iinb Kampf erfordern. Trotz , allcde sind bis jetzt die Resultate schon ganz erfreuliche, indem das Gouvernemcnt von den Einnahmen (nur Einfuhrzolle) sich selbst mit seinen Beamten im terhält ; tne erreichten die Höhe von 200,000 Mark das Jahr, hiervon zahlt allein eine englische Firma etwa ,00i Mark. Es ist bcdancrlich, daß auch hier Old-England obenan steht. Die Hauptausfuhr - Artikel sind hier Elfenbein und Palmenkerne, während unfcre Tanschartikel hauptsächlich Zeugen (möglichst bunten) und Gewehren (nnr Vorderladern) bestehen: Hinterlader einznführen ist verboten. Am L3. v. Mts. hatte ich die Ehre, King Bell vorgestellt zu werden; er ist ein großer kräftiger Mann von etwa 50 Jahren mit jovialem 'Gesichtsausdruck und besitzt neben einem schonen WohnHause etwa zehn Hütten für seine fünfzig Weiber, ein Zeichen von bedeutendem Wohlstandez denn die Frauen werden verkauft uud sind hier an der Küste verhältnißmäßig theuer,etwa durchschnittlich t 20 englische Pfund. Die hiesigen Küsten-' bewohner (Duallas) machen im Allge ineinen keinen günstigen Eindruck, sie sind vcrhältniß'mäßig nicht schön gebaut, find verschlagen und feige. So ist es mir bis jetzt noch nicht gelungen, einen geeigneten Diener sür mich zu sinden, da alle sichMeldenden, sobald sie hören, daß der Master in den Busch, d. h. in das Innere geht, sich unter irgend einem Verwände entschuldigen. Es roird mir somit nichts Anderes übrig bleiben, als mir einen Cruboy zu nehmen. Außer . dieser einzigen Sarge lebe ich momentan 1 noch froh in den Tag hinein, mache Jagdausflüge und besichtiqe die Umgegend, die in allernächster Nähe durch die 1 ausgebreitetenMangrooewaldungen ziemlich eintönig ist. Meine Wohnung .ist bis auf das Vorhandensein von einigen Jeatten, die hier sehr zahlreich sind, an , die man sich jedoch gewohnt, sehr nett, so nett, wie man es in Afrika verlangen kann. Hier warte ich die Ankunst meines ' Eri?editions-Enllegcn, des Hauptmann Kund, ab, welcher augenblicklich noch in , Kl.-Popo S0 Togoleute sür unsere Erpedition anwirbt und in einigen Tagen zurückerwartet wnrd. Dann gebt es von Kribiflug (südlicher Theil des Schutzges bietes) aus in das Innere, wie lange, dasijt nicht abzusehen. -ii! . ' 8if.6';P Man sprach zur Liebe : Schreib?'.' Sie schrieb den eig'nen Namen Man sprach zur Liebe: . Lese!" Sie las den eig'nen Namen. Man sprach zur Liebe: Rechne!" Sie sann und sprach dann lächelnd: Das hab ich nicht gelernt!" n:!il! '!(';' ' :.?t..:

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