Indiana Tribüne, Volume 13, Number 114, Indianapolis, Marion County, 12 January 1890 — Page 3
. ii V :jMl;iit JES ,r- !i - r- -tv wäeVT j :; i! ..; "'fi! ;,..''!:il,M'M !lf"KE hK "i;;:;.;;!!-':;::!;!,.:!:!':!!;;;';!;:,! j:"; Sii 'i-iijii--Mif-!- ' ' -'"-i' !.Mi i,;i;; V ' ! fifc w tK.- :;.! !- w" .''''-K.-'V'V! , ":' - . ,, ) .:,!, i:,"" ' i : ;,;;:;ti, n 4 y Ü
3
Sli:
(: :i; 's: v t.l , 3 Ä-ii-" l ': Ir V-1-'-, h
Rscilgif!.
RöQZn toa Gesrg Hötker. (3. Fortsetzung.) Ltndemann zog seine Brieftasche l:erBor, entnahm diese? ein Formular, füllte es hastig aus und unterschrieb e3 alsdann. .Sie liefern diesen Herrn hier in daö Moabiter Untersuchungsgefängnis ab!" sagte er in befehlendem Tone. Ich erjuche Sie nochmals, Herr Varon, Ihren beiden Begleitern keinerlei SchmierigkeiUn zu bereiten.... Die Verantwortung für die Zwangsmaßregeln, welche die Herren zur Sicherung Ihrer Person an dernfalls zu ergreifen genöthigt seindürfim, fallt auf Sie allein zurück!" Er machte eine verabschiedende, kurz: Verbeugung. Die beiden Beamten näherten sich Arno, welcher schreckensbleich, an allen ' Gliedern zitternd, sich willenlos von ihneu aus dem Zimmer führen lieh. Dann trat er an das Fenster und schaute durch die geschlossenen Scheiben uf die Straße hinab. Erst als unten der Wagen anzog und in raschem Trabe das Non von dannen eure, trat er m s Zimmer zurück. Der KreisphysikuS trat auf ihn zu. .Mein Gott.... mein Gott! sollte e3 löalkch sein!" murmelte er. das ergraute Haupt schüttelnd. .Das sieht aus, wie ein furchtbar düsteres Familienirorna..'.. In das Klarheit hineinzubringen ich mich bemühen werde!" ergänzte LindernanNi. Abc? sagen Sie mir nur, verehrter .Herr, glauben Sie wirklich, dajj " Ich glaube es nicht nur, sondern bin fest überzeugt davon, daß roir den Mörder gefunden haben," entgegnete der Untersuchungsrichtcr. Der Widersprüche sind zu viele der überschlaue Fuchs hat sich in seinem eigenen Nee gcsanen t Er athmete tief aus und wendete sich dann an den Hotelier. Unsere? AmtsPflicht in diesem Hause ist vorläufig Genüge geschehen!" sagte er. Die beiden Zimmer hier aber haben vorläufig unter amtlichem Verschlüsse zu bleiben, Herr Schurich. ES ist furchtbar!" jammerte dieser verstört. Jetzt gar ein Mord....' Denken Sie sich den Verruf, in den mein Hotel zur Hochsaison kommt .... ich bin ein geschlagener Mann ! Seien Sie unbesorgt. Herr Schurich .4 ich werde jedes unliebsame Äufsehen nach Möglichkeit zu vermeiden issen ! Neberdies könnten Sie ja diese Zimmer vorläusia überhaupt nicht vermicthen schließlich können Sie sich ja auch in materieller Hinsicht ganzlich schadlos halten an dem bei Ihnen hinterlegten Depot was dann noch dio Wcgschaffung der Leiche anbetrifft Ja freilich, das ist der heikelste Vunlt!" stammelte der Hotelier, der in verzeihlicher Welse uur an seinen eigenen Schaden dachte. Llndemaun sann eine 5:rrze Weile nach. Ich werde Befehl ertheilen daß der Leichnam nach Mitternacht aus Ihrem Hotel abgeholt und nach dem Leichenhause verbracht werden wird!" entschied er dann. Schurich athmete erleichtert auf. Ich bin Ihnen sehr dankbar dann läßt s sich wohl einrichten, daß Niemand um die leidige Geschichte erfährt. Die beiden Herren rerabjch redeten sich von dem Hotelier. Unten auf der Straße angekommen, trennten auch sie sich. Der Arzt ging feinen täglichen Verufsgefchäften nach, während Lindemann eine Droschke herbeiwinkte und in diese? nach dem Justizralaste fuhr. Den Schlüssel zn Simmer Nummer 17 hatte er mitgenommen. DaS Schlafzimmer mit dem Todten blieb verlassen zurück. Die Gardinen waren eng niammengezogen und das 3!culeaur zwischen den -eöffneten Fensterflügeln herabgelassen. Draußen aber auf der Hauptverkehrsade? der Weltstadt fluthete warm und verheißend die Sonne auf die uuermüdlich auf und nieder durcheinander wandelnde Menschenmenge herab. Lust und Fröhlichkeit Glück und Freude athniete der glnihheiße, wonnige Somlnertaz. Auch auf den vom leichten Winde bewegtcn. niedergelassenen Vorhang in der ersten Hotel - Etage leuchtete der goldene Sonnenstrahl neckisch huschte er hinin bis in die abgeschlossene, tiefe Stille des Gemaches. Dort küßte er das marmorstarre, denoch aber so wundersam friedlich nznuthende Gesicht des todten Mannes, dem die Sonne gestern auch noch ver'cißend gelacht, und der nun dorten hlicf .... fernab von den Jrrgängen w Enttäuschungen des Menschenlebens, Xtm Hoffen nnd Haffen, dem Lieben und Sehnen armer, irrender Menschenherzen. Ungefähr zwei Wochen vor Eintritt der ln den ersten beiden Kapiteln unserer Erzählung geschilderten Ereignisse lehnu Baron Arno von Sencken mit verdrießlicher Miene, einerschweren Haoan nacigarre lange bläuliche Rauchwolken. entloaend, in dem Nuheiovha temeö WohuziinnerS, welches er neben . einem chlafeadmet ist der zweiten Etaae eine im vornehmsten Theile des Potsdamer Ärertels gelegenen Hauses mobhrt be wohnte. ' - ... ., Der Baron hatte augenscheinlich Soraen. Einige nebelt ihn auf dem Kre denztischchen liegenden, eröffneten Briefe mochten erheblich zu seinem verdrossenen MienenauSdrucke beigetragen haben,, denn cm ftüchtkger Bück des Beobachters gemißte, um erkennen tu lassen,. daß es zu meist Rechnungen mit am Fuße derselben stehenden dnngllchen canungen areu. Arno von Senken gehörte zu jenen Existenzen, wie sie die Großstadt allein ,,, L " I, zelitgcn uno eryalren rann, rzpruttglich aus einer guten, wohlangesehenen, wenn auch nur mäßig begüterten Familie ltammend, hatte er als lunaererÄoyt feines Hauses keine Hoffnung auf den einstmaligen Besitz der amlienguter machen dürfen, welche der Tradition zu fol- ' ge dem älteren Bruder Werner' hätten zufallen missen. - i'--J-:.y Sein Vater indessen hatte ihm dasür
T
gri'ünas
Ersatz zu bieten gedacht, ihn darum stn' diren lassen und wohl gehofft, vermöge seiner weitverzweigten Verbindungen ihn später bei- der diplomatischen Karriöre vorthcilhaft unterzubringen. Aber die Trägheit Arno'S. verbnnden mit einer übertriebenen, fast krankhaft zu nennenden Genußsucht hatten den väterlichen Wunsch nicht zu Stande kommen lassen, der junge Mann war vielmehr im Laufe der Jahre, wie man so zu sagen pflegt, verbummelte Nicht wenig zu seiner, jeder geregelten ernsten Thätigkeit abholden Lebcnsführung mochte die Tragödie beigetragen haben, deren Held sein älterer Bruder gewesen war und die mit dessen angebli chem Tode abgeschlossen hatte. Der Vater war kurze Zeit darauf ebenfalls gestorben und nun war Arno unvsrmuthet in den Besitz der Sencken'schen Güter getreten. Aber die Herrlichkeit hatte nur kurze Zeit gedauert. DeS Großstadtlebcns vermochte der junge Lebemann nicht zu entrathen. Den nichtigen Vergnügungen des TagcS nachjlgend, hatte er eS verabsäumt, zu Hause auf seinem Vcsitzthume nach dem Rechten zu sehen. Kein Wunder,' daß es mit diesem immer mehr bergab gegangen war. Untreue Verwalter hatten ihr gut Theil dazu beigetragen, den Ruin zu beschleunigen und auch Arno hatte unverantwortlich leichtsinnig gehaust.Schulden über Schulden gemacht, bis endlich der Tag angebrochen war, an dem er sich hatte ciugestehen müssen, fcasj auch kein Grashalm auf seinen Gütern mehr ihm zu eigen gehörte Seit dieser Zeit wohne er auSschließlich in Berlin. Wovon er eigentlich lebte, da er keinerlei Stellung einnahm und auch kein Vermögen mehr besaß, war fein streng behütetes Geheimniß. Der Welt genügte es. daß er ein angenehmer, liebenswürdiger Gesellschafter war, den man trotz leines nur wenig sympathischen Aeußeren überall gern erscheinen sah und den man in der Gesellschaft wohl auch wegen seiner scharfen Aunge und seiner beißenden, witzigen Bemerkungen und Einfälle ein wenig fürchtete. Der. wenn auch bereits stark verblichene, aber doch noch immer vorhandene Glanz seines alten Namens mochte dann ebenfalls dazu beigetragen haben, den gleich einem tollkühnen Schwimmer trotz der reibenden Strömung geschickt auf der Oberfläche dcS gesellschaftlichen LebenS lavirenden Mann oben zn erhalten. Solche Stunden, wie sie heute an ihn herangetreten waren, wo ihn das Leben ringS um ihn anekelte und er sich ernstliche Vorwürfe wegen 'seiner Verlegenheit machte, waren nur leiten. ie hielten in der Regel nur Einkehr bei ihm, wenn besonders drmglie ötechnungen oorlai r - r m f gen, oie lerne zur gewonuticy gute z.aune zu trüben vermochte. Ein Klopfen an der 'hnre Zchreate Arno aus trüben Nachsinnen auf. Geschwind raffte er die Briefschaften zusammen und steckte sie ein, dann erheb er sich unmuthig halb aus feiner bequemen Lage. Auf sein .Herein!" erschien eine ältliche Frau, seine Wirthin, welche ihm mitthellte, daß ein nnberannter Herr draußen sei, der sich Mister Brown ucune und empfangen zu werden wünsche. Arno zog die Achseln koch und nahm kopfschüttelnd die ihm überreichte Karte in Empfang. Geister Lewls Brown. . laS er. Ich kann mich nicht erinnern, jemals irgend Einen dieses Namens gekannt haben!" Der Herr bittet dringend um ?lnnähme er- will Ihnen persönlich alles Nähere mittheilen!" verletzte die Wirthin unterwürfig. Arno ließ rasch einen prüfenden Blick an seiner Kleidung herabglcitcn, knovstc den Genrock zu, beiay sich fluchtig im Spiegel und nickte dann kurz mit dem Kopfe. So lassen Sie ihn denn eintreten, Frau McrtenS!" beschied er seine Wlrthltt. Einen Augenblick später klopfte eS an die Thür und auf sein Herein" trat ein hochgewachsener, kräftig gebauter Herr in vorgerückten Jahren, dem der lang herabwallende Vollbart im Verein mit ausdrucksvollen, ernsten und mannlich schönen Angesicht etwas Patriarchalisches verlieh, in däs Gemach ein. Arno erwiderte den Gruß desselben durch eine leichte Verneigung. Sie haben m,ck zu sprechen gewünscht Herr. . ..Herr Brown?- fragte er, einen nachlässigen Blick auf die goldumränderte xarte werfend, die ihm vorhin überreicht worden war. T)er Fremde war nahe der wieder geschlosscnen Thür stehen geblieben und schaute in ersichtlicher Bewegung auf den Bewohne? dcL Gemaches. Arno .... Arno. . . . !" rief er mit tiefklingender, leise zitternder Stimme. So kennst Du mich wirklich nicht mehr?.... Freilich, es ist ein Leben vorübergerauscht, seitdem wir unS nicht gesehen haben!" Der Baron stutzte und tratunwillkürlich einen Schritt näher auf den Fremden zu: Jhre vertrauliche Anrede, mein Herr, berechtigt mich zu der Annahme, daß wir uns einmal im Leben sehr nahe gestanden haben müssen aber dennoch ich müßte lügen, wenn ich sagen wollte, irgend ein Zug Ihres Gesichtes käme mir bekannt vor!-.... A !.... rief da der Fremde in fast zürnendem Tone. So kennst Du also wirklich und wahrhaftig Deinen Bruder Werner nicht mehr? .... Die Wirkung seiner Worte auf den Varon war ne vcoeutenoe. 'ie er stand einige Sekunden hindurch bewcaunaslos da. wahrend sein sonst so schlaffer nnd blasirter Blick sich unhcimlich belebte. .Werner.' . . .mein Bruder Werner!" . . . .murmelte er dann in unsicher klingendem Tone. Das muß ein Irrthum sein, Verehrtester. ... da mein Bruder Werner nun schon mehr als ein halbes Äenschenalter todt ist!" .So sagt die Welt!" versetzte der Andere mit wehmüthigem Lächeln, während er naher aus den immer noch vor Staunen und Besremden starr Dastehen den zuschritt und ihm die Rechte enlgegen streckte. . Schlag nur immer ein in meine Hand, Bruder Arno! fügte er alsdann m weichklingendem Tone hiinu. Dein Bruder lebt... .. er ist nach mehr denn
AWtLä
einem halben Menschenalter ilmgekehrt aus ferner Fremde, um. . .. .'. Vif erster Gang ist's gewesen, um Dich' nszusu? chen. um Dich zu begrüßen!' Immer noch starrte An: mit vermehrendem Ausdruck in das Angesicht Gegenüberstehenden, das ihm freilich von Sekunde zu Sekunde bekannter nnd vertrauter vorkam, aber noch immer machte er keine Miene, die ihm entgegengestreckte Hand des Hcimgekehrten zu erfassen. Ich begreife Dein starres Erstaunen, mein liebe? Bruder," versetzte dieser nach einer Weile schwcrmüthig. Es wäre vielleicht besser gewesen, ich hätteDir erst geschrieben und Dich vorbereitet. . .aber was soll daS kalte, geschriebene Wort zwischen zwei Herzen, die von der Natur bestimmt worden sind, einander nahe zu stehen. .... .nimm, mich gastlich bei Dir auf. .. .und laß Vergangenes vergessen sein. . . .und ehe Du sprichst, lasse mich Dir sagen, daß mein Kommen Dich nicht betrübt stimmen oder unangenehm berühren darf .... ich bin nicht hier, daS Erbe meiner Väter, das Du sicher schon lange angetreten hast. Dir wieder zu entreißen ich könnte eS ja auch nicht, selbst wenn ich dies thnn wollte!" setzte er nach kurzem, inhaltschwerem Stillschweizem mit wehmüthigem Lächeln binzu. Schon mein Name kündet Dir, daß ich's vermeiden muß, hierorts erkannt zu werden lastet doch immer noch der Bann einer schnellen, jugendlich heißen That auf mir aber gcnng davon, Bruder!" unterbrach c? sich dann, sich mit der einen Hand über die Stirn streichend. . . .Ich werde Dir erklären, warum ich die weite Fahrt gewagt habe mich treibt ein heißer, undezwinglicher Wunsch an, dem ich vergeblich die langen Jahre über Schweilien zu gebieten versucht habe lim Dich zu bitten, mir bei Erreichung dieses heißen Herzenswunsches beizustehcn, steht ich vor Dir! .. ..Ich komme als wohlhabender, ja, reich zu nennender Mann zurück und bin bereit, Alles mit Dir zu theilen. . ..nur um Deiner brüderlichen Liebe willen!" Jetzt endlich löste sich der Bann, der bis dahin auf Arno's Zügen geruht hatte,, und erleichtert athmete er aus. Ja. Du bist es. Bruder Werner... setzt erkenne ich Dich!" stammelte er mit unsicher klingender Stimme. Im nächsten Augenblicke lagen sich die Beiden in den Armen und hielten sich laue fest umschlungen. Dann fetzten sie stch neben einander auf das Sopha, Hand in Hand saßen sie dort und schautcn sich unverwandt an. Du hast Dich sehr verändert !" unterbrach endlich der Heimgekehrt das Schweigen. Du stehst älter aus, als Du eigentlich bist! ....aber freilich," setzte er gleich darauf begütigend hinzu, auch ich bin der jugendlich heißblütige Springinsfeld von ehedem uicht mehr!" Aber sage, wie ist es nur möglich! Meine eigenen Augen sehen Dich .... und dennoch kann ich noch immer nicht an Deine Auferstehung von den Todten glauben ! .... Du lebst, Werner ! . . . . nach mehr als cmcm halben Menschenalter bist Du ins Vaterland zurückgekehrt ! . . . . erkläre mir nur eigentlich, wie. ..." Dies zu thun, bin ich zu Dir gekommen!" entgegnen fein Bruder nach kurzem Stillschweigen, währenddem tx gedankenvoll vor sich nicdergeschaut hatte. Es ist ein: lange, trübe Geschichte, Arno.... Du wirst schon verzeihen müssen, wenn ich Dich über Gebühr in Anspruch nehme . . . aber ich muß aus fuhrllch erzählen, wenn Du cm Verständniß haben sollst für das. was mein Herz mit ' jugendlicher Lebendigkeit wünscht und ersehnt!" Ich bin natürlich ganz Ohr, lieber Bruder!" cntgegnete Arno. Wenn Du aber gestattest, werde ich zuerst der Wirthin Auftrag geben, uns ein paar Flasehen Wein zu besorgen !" . Mache Dir meinetwegen keine Um stände, lieber Bruder." Aber Arno ließ sich nicht znrückhalten. Er eilte hinaus, um der Wirthin Auftrag zu geben. Dann kehrte er wieder in's Zimmer zurück. St wie lange bist Du schon hier Berlin?" Ich kam gestern Abend mit dem Schnellzug von Hamburg an." , So weilst Du kau:n einen Tag auf deutscher Erde!" Gestern Nachmittag halb fünf Uhr passirte unser Dampfer den Lcuchtthnrm von Kurhavcu." Ah. das ist hübsch von Dir, daß Du so rasch zu mir gekommen bist ich danke Dir für Deine brüderliche Liebe!" Die Beiden fchüttclten sich die Hände. Ich war selbst überrascht. Dich so leicht und ohne jede Schwierigkeit auffinden zu können," versetzte Werner gedankenvoll. Ich kannte zwar von früher Deine Vorliebe für Berlin, wußte aber freilich nicht, ob Du noch lebtest!" Daß du aber nicht ein einziges Mal geschrieben nicht ein einziges Le benszeichen gegeben hast!" Der Andere strick sich mit der flachen Rechten langsam über die Stirn. Davon später!" mnrmelte er. Ich erfuhr es aus den Zeitungen, daß unser Vater vor langen Jahren gestorben sei wir Bei)e standen weniger gut mit einander. . . .wir verstanden unS in der Jugend n'cht, hoffentlich werden wir uns jetzt um so besser und iuuiger verstehe, lieber Bruder !" , Das denke ich auch, entgegnete Arno in herzlich klingendem Tone. Wie janbest Du mich nun? Einfach genug. . . .ich durchblätterte dabÄdreßbuch und stieß alsbald auf DeincnNamcn. . . .ein Irrthum war nicht gut möglich, da es überhaupt nur wenige Senken giebt. . . .und ich begab mich sofort nach der Mittagstafel hierher.... Meine Ahnung hat mich wie Du siehst nicht betrogen ! " llnd wo wohnst Du?"' Der Hkimgekchrte nannte den Namen eines der ersten Holcls in der Dorotheenstadt. Nun da bist Du gut aufgehoben, meinte Arno schmunzelnd. Man führt dort eine vorzügliche Küche .... auch der Weinkeller soll daselbst sehr gut sein!" Ich hasse, daß Du ihn noch heute mit mir auJproocn wliil, , racyle gurinulyig der Helmakkehrte. Wenn Du gestattest, werde ich während der jedenfalls nur
kurz bcmesienen Zeit meines Hierseins Dich mit Beschlag belegen." Ja) stehe vollständig zu Deiner Versügung!" entgegnete Arno. Ihr Gespräch stockte, da in diesem Augenblick die Wirthin mit einigen Flaschen Wein und zwei Gläsern eintrat. Sie stellte IVeides auf den Tisch, wechselte mit Arno einige scherzhafte Worte und empfahl sich dann mit hoflicher Verbeugnng, nicht, ohne einen neugierig forschenden Blick auf den Fremden geworfer zu haben. 'Arno folgte ihr fast auf dem Fnße. Die gute Frau Merteu hat den Fehler, etwas 'sehr neugierig zu sein," sagte er dann, zu seinem Bruder gewendet. Ich werde das :u meiner Wohnung führende
Wohnzimmer abschließen dann kann sie ohne unzeren Willen auch nicht em Wort von unserer Unterhaltung hören l Nach einem Augenblick kam er wieder in das Zimlner zurück, setzte sich seinem Bruder gegenüber an den Tisch, entkorkte eine der Flaschen, schenkt? ein und t)ob dann sein GlaS. Stoßen wir an!" sagte er. In den Augen des Hcimgekehrten leuchtete eö auf. Ja, stoßen wir an!" wiederholte dieser, dem Bruder innig ins Attge blickend. Aufrirn langes, glückliches Zusammenleben, Bruderherz... . . und. . 7." setzte er mit ganz leiser Stimme hinzu auf eine baldige Erfüllung meines so heißinnigcn Herzcnswunsches!" Diesen zu erfahren, bin ich' aber wirklich recht begierig ..... Du kannst Dir denken, wie sehr es mich interessier, zu wissen, wo Du die langen-Jahre über geweilt, wie eö Dir ergangen kurzum, Alles zu erfahren, waS Deine Perfon anbetrifft!" Der Bruder lächelte. Deine' Theil-, nähme thut mir wohl," versetzte er. Aber ,(zile mit Weile ich erde wohl der Reihenfolge nach erzählen müssen!" Er lehnte sich in seine Sophaecke zurück nnd strich leise mit der Hand über di Stirn. Versetzen wir uns in unsere Heimath zurück!" begann er endlich. Du weißt, unsere nächste Gutsnachbarin war da, malö die verwittwete Frau von Walden, mit der wir keinerlei Verkehr untcrhielten, weil sie damals ihres hochfahrenden, selbstsüchtigen Gcbahrens halber fast beständig in allerlei kleinen Fehden mit ihren Nachbarn, auch mit unseren verstordenen Vater, ich glaube einer Grenzstreitigkeit wegen, verstrickt war. Sie besaß damals eine einzige Tochter von etwa achtzehn Jahren. Namens Angelika, die der Matter in Geist und Gentüth, wie auch schon in der äußeren Erscheinung so unähnlich wie möglich war. . . . Angelika nun war von entzückendem Liebreiz und machte schon bei unserer ersten Begegnung auf mich einen nachhaltigen, tiefen Eindruck. Der Ruf ihrer, Schönheit war, wie Du Dich erinnern wirst, weit und breit bekannt. . .. sah man sie von ferne in ihrem weißen Gewand, die goldenen aufgslöstcN'Haare lang über ihren Nacken herabfluthend, in dem Parke ihrer Mutter am Flussesuhr auf und nieder wandelnd, so glaubte man fast eine überirdische Erscheinung zu erblicken. . . . auf einem unvergeßlich schönen Ballfcste war es dann, wo wir uns näher kennen und lieben lernten. Bei dieser ersten Begegnung aber blieb es vorläufig. . . . während eincö ganzen, langen Jahres hielt ein Jedes von unö fein LieocSgeheimniß gleich einem köstlichen Schatz im tiesin' ncrsten Herzensschreine verborgen..,.. Dann trafen wir uns wieder und hatten Gelegciiheit, einen ganzen Tag beisammen zu sein, als die Kunstschätze aus dem Nachlasse des damals gestorbenen Grafen von Scheydt, auch eines unserer Guts' nachbarn, auf dessen Stammschloß versteigert wurden. Wir interessirten uns Beide in gleich hohem Maße für die berrlichcn Sammlungen, die der alte Sonderling in seiner nunmehr rcrwaisten Be sitzung aukgestapelt hatte. Unbemerkt von Angelika'S Mutter vermochten wir uns zu sprechen und Worte auszutauschcn, welche unser unvermindertes gegenscitigcS Interesse kundgaben... . AbermalS vergingen Monate, bis wir uns wiedersehen konnten. Dann aber kam eine überaus selige Zeit für unS. . . wir hatten am Ufer des die Güter unferer Eltern trennenden FlusseS ein schönes Plätzchen gesnnden, wo wir uns täglich sprechen konnten. .. Arm in Arm schrittcn wir damals die lauge, versteckt liegende und von hochmimpfligen Bäumen eingesäumte Allee längs des FlusseS dahin .... WaS wir mit einander sprachen, lieber Bruder. . . .ich weiß cs nicht mehr! Ich weiß nur noch, daß wir unS liebten.... so liebten, um uns nie wieder vergessen oder gar non einander lassen zu können ! Aber thränenden AugeS mußten wir uns gleichzeitig auch oft cingestehen, daß wir hoffnungslos liebten l In solchen Augenblicken beschlossen ivir wohl, kleinmüthlg an unserem Glücksstern verzweifelnd, uns nie wieder zu sehen. . ..nur noch ein einziges Mal wollten wir unS tresjen. ...so wnrdewelngstens bei einem jeden Ab schiede ' vereinbart. . . .aber immer führte die in unseren Herzen lebende heiße Sehnsucht uns von Neuem zusammen. ... O, Bruder, bei dem Gedanken an jene lüße, unvergeßliche Zeit, wo ich diese reine, tolde Blume liebte, wo ich so heiß und mnig von ihr mit ihrein ganzen, unentwcihten Herzen wiedergeliebt wurde.... fühle ich immer wieder neu, daß es das höchste Glück birgt, welches das Leben nr gespendet hat ! . . . . Die Mntter meiner Geliebten hegte die hochfliegendstenPläne sur die Zukuiift ihrer Tochter, ihr Gut war ziemlich verschuldet . . . . wohl schon auS diesem Grunde wollte sie die schone Tochter möglichst hoch an den Mann zu bringen suchen. . . . weinend erzählte mir Angelika oft von den darüber geäußerten Absichten der Mutter. 1 Im kommenden Winter gedachte sie die Schönheit ihrer Tochter auf den Bällen und den sonst!gen festlichen gesellschaftlichen Veranstaltungen in hellstem Glänze erstrahlen zu lassen. ... der selbstsüchtigen, mir an den eigenen Vortheil denkenden Frau erschien es fast zweifellos, daß die reichsten und angesehensten jungen Männer sich um Angelika bewerben würden. Ueber das Verzweifelte und Aussichtslose unseres Lage waren wir uns klar .. . wir hatten Beide eben mir den einen Gedanken, so lange unS das Geschick nicht von ' einan-
-t
der riß, ganz unserem GW und unserer Liebe zu leben!.... Jede Stunde, jede Minnte, die wir dieser welken durften, beglückte uns unsagbar! . .'. lim traf unS ein harter Schlag ! . Angelika'5 Mutter kündigte dieser an, daß sie in Erbfchafts angelegeuheitcn nach London reifen müsse. Eine fast Monate lang währende Trennung von der Geliebten erschien mir Audenkbar ich glaubte, sie uicht überleben zu können f laß mich kurz, sein, Arns. ... wir waren jung und unerfahren.... und der Gedanke, nimmer von einander lassen zu können, mochteunseren Entschluß entschuldigen.... der nichts Geringeres bezweckte, als eine heimliche Trauung, wie sie ja in England früher spielend nicht au5zusühren gewesen ist. Bebenden Herzens ließ sich Angelika endlich überreden.... Die NnfchuldSreine schreckte anfangs baoor zurück, der Mutter Weh zu bereiten. aber vor meiner siegenden Beredsamkeit wichen ihre Bedenken zurück 5,... Heimlich reiste ich nach London.. .. meine Absichten selbstredend ebenfalls, in den Mantel tiefsten Geheimnisses hüllend, so daß weder Du och der Vater irgend eine Ahnung von meinem Thun hatten.. . . und in einer kleinen Aorstadtkirche ließen wir uns heimlich trauen. . . . Wie ! " , . . . stammelte Arno, der bis dahin mit athcmloser Spannung zugehört hatte, jetzt ihn unterbrechend. Du verheirathctcst Dich mit Angelika von Walden. . . . sie ward Dein rechtmäßig angetrautes Weiö ? . . . . " Der Bruder indessen nahm den lauernden Blick nicht wahr, der zugleich aus den verschlossenen Augen Arnos auf, zuckte; auch die erwartungsvolle, fast; ängstlich zu nennende Spannung in den Gcsichtszügen des Letzteren entging ihm. Leicht das Gesicht mit den Händen beschattend, fuhr Werner vielmehr in weichem Tone fort: O, eö war eine unvergeßlich schone und glückliche Zeit. . wir waren so glücklich in unserer Liebe, diese hatte für uns so etwas Heiliges. Herrliches.... damals blühten zwar keine Rosen mehr in den Gärten, als wir uns fanden, um uns heimlich voll und ganz zu gehören. . . . aber in Uttse? ren Herzen wohnte eitel Frühlingslnst und Glück! Vorüber, vorüber!" murmelte er. Nach kurzem Stillschweigen suhr er in tnibe klingendem Tone fort: Nach unserer Rückkehr in die Heimath fanden unsere heimlichen Zusammenkünfte in altgewohnter Weife statt .... Wir Beide lebten nur der Gegenwart .....an die Zukunft an die schlimmen, trüben Tage, welche diese unzweifelhaft uns bringen mußte, wagten wir nicht zu denken. . . . Dazu lebten wir in dem beseligenden Wahne, daß Niemand gab,, der unser inniges Verhältniß kannte oder auch nur ahnte.da meine angebeteteAngelika stets eine Stunde zu wählen gewußt hatte, wo ihre strenge Mutter Besuche empsing, oder wo sie von derselben die Erlaubniß erhalten hatten auf ihr Zimmcr sick zurückzuziehen.... Da sollte unS plötzlich das Verhängnis; ereilen und unserem GlückStraum cin jäheS Ende bereiten .... wie ich erst zu späterfuhr, waren wir nicht die alleinigen Besitzer unseres sorglich behüteten Geheimnisses geblieben, sondern vielmehr schon laugere Zeit von übelgesinnten Nebcnbuhlern beobachtet worden. . ..." Wieder hielt der Erzählende inne und starrte eine Weile in trübem Schweigen vor sich nieder, llnd mm kommt der Wendepunkt unseres Glücks. . . ." hub er endlich wieder an. Unser Licbcstraum war zu schön, zu sonnig hell gewesen, als daß er länger hätte andauern und auch noch fernerhin uns beglücken dürfen. ... Kurzum, eines Mai-AbendS niemals werde ich jene Unselige Stunde zu vergessen vermögen, in der eine rasche That, nn höchstcnAffckt verübt, mich um Weib, Heimath und Namen bringen sollte j trat mit einem höhnischen, verzerrten Lächeln ein von Angelika nnerhört gebliebener Nebenbuhler Namens Stcckow mir und der Geliebten in den Weg. Wir waren, nichtsahnend, gerade in traulich-r Umarmung verstrikt, neben einander durch ein lauschigeZ, eben von dem ersten zarten Grün "belaubtes Geholz geschritten. Da plötzlich, als ob die schadenfrohe Hölle ihn aus der Erde habe erstehen lassen, stand Steckow vor uns. Bruder, noch heute, nach langen, langen Jahren siedet mir das Blnt bei dem Gedanken an die nichtswürdige Frechheit, mit welcher jener Bube meinem angebeteten süßen jungen Weibe zu begegnen wagte. Er benahm sich nicht wie ein Mann, sondern wie ein wüster Unhold, der nie etwas von Frauenwürde und Frauenrcmhelt geHort hat. . . Kurzum, das Blut stieg mir zu Gehirn und als er nun, schreiend und tobend, drohte, die an allen Gliedern zitternde Angelika! in feiger Weise an ihre Mutter verrathen und ihr dadurch ein Höllcnlcbcn bereiten zu wollen, da hielt es mich nicht länger! . . . .Ich sprang vor und stellte außer mir vor Empörung den Freolec zur Rede. Aber er, auf seine weithin bekannte, ungeschlachte Krast vertrauend. wagte eS, auch mir mit beleidigendem Hohn entgegenzutreten .... er bedrohte mich schließlich,' nachdem ein Wort das andere gegeben, mit seiner öccitpcitsche und eh.' ich es verhindern konnte, hatte der elende Feigling mich, den Wehrlosen, kreuz uud quer über das Gesicht geschlagcn. Sinnlos vor Wuth, Schmerz und Scham, stürzte ich auf den brutalen Angreiser und klammerte mich n diesen fest, hie Streiche nicht achtend, die immer von ö!cuem hageldicht aas meinen unbedeckten, Kopf niedcrfaustcn. 9!ur noch wie im Traume hörte ich die schluchzende Stimme der Heißgeliebten flehend und beschwichtigend zu mir jammern .... ich war blind fürAllcs und nur ein heißer, rachsüchtiger Gedanke durchloderte mein Inneres, den Schimpf zu rächen, den mir der Feige angethan. Justinctiv griff ich kaum wissend, was ich that in die Tasche, wm mein Dolchmesser, das ich immer zum Schuhe bei mir zu tragen pflegte, hervorzuholen. Als , ich dann plötzlich meine Faust mit der spitzen Klinge bewehrt fühlte, kam mich Unseligen eine heiße, unbezwingliche Mordlust an!... . Ich stieß aufs Geradewohl zu.. zwei-, dreimal... . ich weiß selbst nicht mehr, ie oft ich den todtbringenden Stahl in die Brust mei-mSeUidige
'jpfiMtitiA tHt WM
tsuznelnd zurückstnken und ächzend den Strom dunklen Lcbensblutes, der haltlos feiner Brust entquoll, ihn vergeblich mit der 5iechtcn. der die brutale Vcitsche kraftlos entsunken war, zurückdrängen sah .... als gleich den Drommeten deS jüngsten Gericht?, der schreckerstarrte Ausruf meiner Angelika mich schrecklich nüchterte: Um Jesu willen, Werner, was- hast Du gethan!".... da wurde mir die verhängn! ßvolle Schwere meiner That erst klar!.... Mein vorschnelles Thun war nicht ohne Zeugen geblieben.. Der Wortwechsel hatte Leugierige in das sonst sc abgelegene Gebüsch gelockt. ... Mordis"" schrie es nun plötzlich von alleu Seiten. Wohin ich euch schaute, von allen Ec5en und Enden schauten mich schreckens bleiche, von Abscheu verzerrte Gesichts- l ..-.. T ' zug5 an. . . . juann siezen meine ugen auf Angelika.. . . mit einem brechenden Blick schaute sie mich noch einmal an .... och einmal klang mein Name über ihre Li?pen. . . . rann sank sie ohnmächtig niedzi; ich woAte ihr zu Hilfe eilen, aber in diesem Augenblick faßten mich schon zehn ?der zwanzig Fäuste. . Mörder lM schrie man mir in die Ohren. ,Fort mit Dir rns Gericht!" In wilder Verzweiflung wehrte ich mich instinitiv' gegen die Uebermacht. ... es gelang mir auch, mich loszureißen. ...Dem Triebe der Sclbstcrhaltung folgend, eilte ich, so schnell mich meine Füße nnr tragen wollten, querfeldein. . . mir auf den Fersen, eiuer bwtdürstigen Menge gleich, folgten unter wildem Geheul meine Verfolger.... ich floh und floh-.... so muß Kain von dannen geeilt sein, als er feinen Bruder ermordet hatte. . . . Morder! Haltet ihn auf schrie es immer wieder xsnw Ncncm hinter mir her. Nur mechanisch sah ich, wie da und dort sich Fäuste drohend mir entgezenstreckten und mich in meinem rasenden Lauf aufzuhalten verfuchteu ich stieß sie mir nie gekannter Gewalt zurück, . . . .endlich aber mußten meine flüchtigen Schritte noihgcdri:ngcn f;ch hemmen, denn unnnttelbar vor mir schoß sast senkrecht das abschüssige Ufer unseres HeimathflufscS zum Waffcr hinunter. Nur im Traume sah ich, wie drunten in wilder Erregung die Wasser durcheinander gurgelren uvZd schäumtsn. Die Hochflulh des Frühjahrs hatte des sonst so friedliche Gewässer zum reißenden Strome umgewandelt aber immer näher kamen die Schritte meiner Verfolger...... eS blieb mir keine Zeit zum Besinnen übrig ich dachte an unseres Namens Ehre an das graue Haupt deS Vaters nein, nimmernehr dnrfte ein Senken, des Todtschlags angeklagt, vor den Gefchworenen stehe::. . . .... Da gab es kein längeres Zögern mehr mit gewaltigem Satze sprang ich hinunter in di: Fluth. ... gurgelnd umspülten mich die wilderregten Wogen und rissen mich mit rasender Schnelligkeit weiter es würde zn weit führen, Bruder, wenn ich Dir heute schildern wollte, durch welches Wunder beinahe es mir möglich war, dem rasenden Wclleutanze zu entkommen genug, meine FluÄt gelang . .... ich wendete mich nach Hambürg glücklicherweise hatte ich eine kleine Summe Geldes an jenem Unglücksabende bei mir geführt, die mir gestattete, einen Zwischci'.dcckspla zn bezahlen und mich in Sicherheit zu bringen ...... in Hamburg i?$ ich auch mein eigenes Verbrechen in der Zeitung, mitleidlos als Mord bezeichnet! Auch wurde mir nun klar, warum es mir gelungen war, ohne ergriffen zu werden, nach Hamburg zu kommen man hatte mich für todt. ertrunken in den rasenden Fluthen des Hochwassers gehalten. ....... ein bis zur Uncrkenntlichkeit zerschmetterter Leichnam eines Unglücklichen, den man gerade um die Zeit aus den Wellen gezogen, hatte diese ölnnahme noch begünstigt. Trauter Gewohnheit zufolge hatte ich Angelikas Briefe, die sie an mich im Lause der Zeit geschrieben, auch an jenem Unglücksabende bei mir getragen .... hier sind sie noch, Bruder .... ich habe mich niemals von ihnen wieder getrennt und wenn ich dereinst sterbe, sollen sie mir auf die erkaltete Brust noch gelegt werden..." Damit hatte er seine Brieftasche gezogen und dieser ein ziemlich umfangreiches Bündel zusammengebundener Brieffchaftcn, die alt und vergilbt ausfahen, entnommen. Zärtlich drückte er die Papiere an seine Lippen, dann barg kr sie sorglich wieder und und fuhr fort: Nun bist Du unterrichtet über die schreckensoollen Vorgange jener Unglücksnacht, lieber Bruder. . . . Du kannst nun auch ermessen, welches Verschulden mich trifft entfchließe Dich nun, ob Du auch fernerhin mir Bruder .... nein, mehr noch! ... ein vertrauter Freund sein willst und kannst!". . . . Der Heimgekchrte nahm den versteckten bösen Ausdruck nicht wahr, der blitzesschnell um ArnoS Lippen zuckte, um sofort wieder zu verschwinden, sondern umspannte erfreut dessen ihm dargereichte Rechte, dieselbe herzlich schüttelnd. Plötzlich indessen nahm Arno, der inzwischen mit seinen eigenen Gedanken beschastigt gewesen war und nur mechanisch noch auf die Erzählung deS heimgekehrten Bruders geachtet hatte, wahr, wie die.Hand des letzteren in der seinigen hestig zu zittern begann und mit einem Male auch ein leiser, stöhnender Aus schrei laut wurde. Erschreckt schaute der Baron auf und nahm zn seinem Entsetzen wahr, daß der eben noch so sreunds liche, wehiLüthlge GesichtSausd'ruck des Bruders sich voll Grund aus geändert hatte. Die Augen lagen mit einem Male tief in denHöhlen zurück, ihr Blick war matt und unsicher geworden, währeud sich auf d Stirne dicke Schweißtropfen bildeten. Fortsetzung folgt.) Verdeckt. A.: Ihr Nachbar Lustig ist ein seltsamer Gesell! Bei schonem Wetter sitzt er in seiner Klause, und sobald es zu regnen anfängt, stiebelt er durch die Straßen der Stadt ! B. : Hat Alles seinen Grund, alter. Freund. Bei Regenwetter klappt er seinen Itockkragen auf, zieht den Hut in'S Gesicht, spannt den Regenschirm auf und läuft dann keine Gefahr, von seinen Gläubigern er kannt zu erden! , V "1":
kMMhlwa -JMBU
Chinesische NSuve?romantlr. Aus China wild ein Brigantenstrelch gemeldet, welche? sich wie der Äorwurf zu einer Operette liest. In ein budd histischcS Nonnenkloster, welches etwa zehn Meilen von Shanasi entfernt liegt. kamen eines Tages zwei anscheinend sehr vornehme Damen in Sänften und mir großem Gefolge an und drückten den Wunsch aus, am Altare, welche? der Schutzheilige geweiht war, ehre Gebete zu verrichten ; zur gleichen Zelt gaben . sie hundert Tarls an die Vorsteherin des Klosters als Almofen. Die Sconncn waren natürlich über diese Gale übers glücklich, luden die Damm zum Essen ein, und merkten es nicht, daß die Gäste während der Mahlzeit einen Schlaftrunk in den Wein, der bei der Tafel von den Insassen des Klosters getrunken wnrdc goffen.' Der Abend ruckte heran und da schlug die Aebtissin denn vor, daß die beiden jungen DamW die Nacht !m Kloster verbringen sollten während maiv den Sänftenträgern in dem naheliegen den Dorfe ein Quartier besorgte. Die beiden Damen nahmen natürlich den Vorschlag mit Freuden an, und die Aebttfsin quartierte ihre Gaste in deur .besten Zimmer" des Etabliszcments ein. Neben diesem befand sich dss Zimmer, ?n welchem die Kleinodien des Klosters, die aus Sold- und Silbcrfachen und baarem Gelde bestanden, QAfbcwahrt wurden. Gegen Mitternacht hsttm der Wein und feine Beigabe die Insassen des Klssterö in den tiefsten Schlaf verseht, und die beiden jungem Drnueu , und ihre Dienerinnen machten sich daran und nahmen alles, was der Platz an werthvollen Sachen enthielt. Darauf suchten sie das Weite. Das Erstaunen und den Schrecken der Nonnen, als sie am fol genden Morgen daö Kloster vollständig ausgeraubt sahen, kann man sich weht vorstellen. Es heißt nun daß bic beiden. Damen Männer, und zwar die beiden jüngsten und hübschesten Mitglieder einer weitverzweigten chinesischen öiäuberöande gewesen, ihre beiden Diensttnncn", soie die Sänftenträger nnd Diener br selben Gesellschaft zugchörtcn und da& ihre Beute allein an baarem Gelde über 1500 Dollars betragen habr. Sicher ist, daß es den Behörden iticht slungeu die Spur der Abenteurer zu finden. Gin Scheusal in Menschengestalt. Die Frau Stackenburg, die sich jüngst: vor den Geschworenen der Sine wegc, "! Ermerdlng ihres Töchterchens zu verant- ? Worten hatte, ist eine 9!äherm im Aler ;j von 43 Jahren, und lebte seit acht Iah- ! ren getrennt von ihrem Manne, sie hatte 5 drei Kinder, ein Madien von il Jahren, ; das der grausamen Mißhandlung ihreir Mutter erlegen, und zwei Söhne von 10 und 13 Jahren. In der Nach? vom 12. I auf den 13. Juli o. I. stellte sich die Angeklagte in Begleitung ihrer beiden. ' Söhne bei eiuer Dame Namens Brul in Püteaur in der Umgebung von Paris vor, die ihr Töchterchen in früherer Zeit in Pflege genommen hatte vnd theilte ihr j mit, daß dasselbe am Abend vorher ver storbeu wäre ; sie zeigte ihr zugleich fccir i:j Leich n ahm der kleinen Marie und bat sie, denselben in Verwahrung zu nehmen und zu erklären, daß der Tod in ihrem Haüs? stattgefunden. Madame Brul6 rrsra hierüber und weigerte sich, daS Aneibieten anzunehmen ; als die Frau Stackenbürg hierauf wegging, zeigte die Brul ; die Affaire fofort beim Polizeicommizzac an. Als man Tagö darauf bei der An- K geklagten den Leichnam der kleinmAar!e fand, erklärten die Gerichtsärzte, da jl; daS Kind, welches mit blutunterlaufenen Flecken und mit Brandwunden bedeckt ?eu empfangenen Schlägen erlegen fci. Vor Gericht erreake die- Aussage deS ältesten Knaben der Angeklagten einen . wahren Sturm der Entrüstung. Meine j Mutter", so sagte der Knabe, behan- ', delte die ganze Zeit hindurch Marie auf h eine wahrhaft grausame Weise,, sie wollte- jj immer Recht haben, selbst wenn sie Un- 4 recht hatte, und schlug unsere Ueint-: Schwester mit einem schweren Stückig! Holz. Nicht genug damit, verlangte si Z auch von uns, daß wir aufunftre Schwester anhauen sollten und schlug uns, wenn ir uns dessen weigerten. Eines. TageS hat sie ein Hackemesser genommen , und hat dasselbe auf dem Kopfe der) Marie zerbrochen. Ein andermal hab sie unsere Schwester auf einen Stuhl , steigen lassen und nachdem sie dieselbe aivf die Thür gebunden, fortwährend mid einem Knüppel geschlagen, ss daF d!c selbe aus mehreren Wunden Hütete.; :! Als sie dann immer noch nicht gestorbeitH hat sie der kleinen Marie einen Änebel iiH den Mund gesteckt und sie hiermit crdrosseit. Die Frau Stackcnburg, die während der Gerichtsoerhandluna nicht die mindeste Erregung zeigte, wurde öoiihm Geschworenen zu i.'0zähriger Zwangsarbeit vcrurthcilt. Die zahlreicbe vor dem Gerichtspalaste angesammelte Menge zeigte sich entrüstet darüber Dtf die Angeklagte nicht zur Todesstrafe vcrurtheilt worden war. - rg, '. Roch mehr. Frau Müller (zu chrem von der Reise zurückkehrenden Gatten): O liebes Männchen, ich frius mich außerordentlich, denn Du hast mir sei Deiner Abreise versprochen, zunr mindesten ein. Diamantcollier mitzubringen. Hast Du mir eins mitges bracht? Herr Müller: O, weit mehr, ein 'otterielos hab ich Dir miigebrachr, mit dem Du zehn Colliers gewiiineu .Uill,':::v:'' kannst. v-jJijjr::'. Die s ehler firifl Vater (zum Sohne): Nn aber, ich ver stehe Dich uicht, warum willst Du das Mädchen nicht heirathcn?. Sie ist doch sehr reich und aus guter Familie! Sohn: Aber Vater. Du merkst doch wohl, daß sie sast ' blind ist t-? Äater : Siirn; dann sieht sie nicht alles, was Du thust; das ist doch für Dich ; sehr be, quem ! Sohn: Aber, V ater! sie i st doch taub! Vater: Nun, was izt ta für ein Fehler? Sle wird dann nicht alles hören, was Du sagst und wenn Du. schimpfst. " Zarte Andeutung. Nese rendar : .Gnädige Frau fünf Tochter! Haben sichdenN nie einen Sohn gewünscht sMulter Und wenu's auch nur ein Echnzieae lin lfefeÄfci:,
K .JS!;:;
!: 'Mi: "'0. y :Ä '
-l ; ' i . :!i i -l: - f 1 . , $i ( 4 'I
:?:; M
:-&r. trH,
' i"! ' ' kfbi -n. f x mmm i ' X !;...::, :: ,. T aiSsiäX , , , :, .iV'' , : 1 . is; : is;!?, jj,4j l . ;, !.. m .,!'' b& ii&A Sä' & '!;l!M;'IJt'! m&4 imi-;fw 2 : Vi .,! isk
