Indiana Tribüne, Volume 13, Number 114, Indianapolis, Marion County, 12 January 1890 — Page 2

Ein muthigeS Mädchetti

In AmKndam brach am 0. Decbr. in den nebcncinanderlieqcnden Gebäuden des Hotel Suiffc, der Besitzung Kattenburgs und den Waarenfchuppen der Firma Schravendiek Feuer aus. Ein Nachbar bemerkte zuerst die Flammen nus dem Hause des Herrn Kattenburg emporschlagen und eilte, denselben zu benachrichtigen. Der Besitzer und seine Gattin schliefen mit einigen Kindern im zweiten, ein Dienstmädchen mit den zwei jüngsten Kindern im vierten Stock deS Hauses. Kaum bekleidet eilten sie hinab und nur mit Mühe gelang es ihnen, ins Freie zu kommen. Unten angelangt, bemerkte die Älteste 15jährige Tochter, daß ihr kleiner acht Jahre alter Bruder nicht mitgckommm war. Entschlossen stürzte das MLdchen in die Flammen zurück, aber auf halber Höhe angelangt, mag sie durch die zunebzncnde tölurfi lurnckaetrieben mark ' u bin sein und fast ohnmächtig langte sie auf der Straße an; aber nur um ein ivenig Athem zu schöpfen, dann stürzte sie wiederum die Treppe hinauf und verschwand in öiaüch und Flammen. Einige Minuten vergingen. Dann erschien sie wieder, aber ohne den Bruder ; mit arg rerbrannten Händen machte sie sich m:t Mühe Bahn durch rechts und links um sie niederstürzende Trümmer; Haar und Kleidung waren versengt, Kopf, Brust, Hände nnd Füüe mit schweren Arandwur.den bedeckt. Unten angelangt, brach sie zusammen und man rnßte ÜY in einer Tragbahre nach dem städtischen Krankenhause BinnenGasthaus' bringen, wo man aber ihre Aufnahme unter dein Verwände verweigerte, sie sei Jüdin und müsse in das jüdische Hospital gebracht werden. Man schasste sie deshalb zu Verwandten, wo ihr ein rasch herbcigernfencr Arzt die erste Pflege angc'deihcn ließ. Ihr kleiner Bruder war indessen ein Opfer der Flammtn geworden. Die Verweigerung der Aufnahme im VinnenGasthause" wird vielleicht dem Arzte, der augenscheinlich mix aus Aerger über die Störung seines Schlafes so gehandelt hat, seine Stelle kosten, um jo mehr als bei dieser Gelegenheit auch ein früherer ähnlicher Vorfall zur Sprache g:komnien ist, wo der Arzt die Anfnalnne eines ans der Straße verunglückten Arbeiters, welcher durch Lltleivige Personen in einem Wagen zum Äinnen:Gastha::s" gebracht w'orden, verzvcigert, weil die Hansordnnng nur von Personen rede, die unter polizeilicher Begleitung auf einer Tragbahre" eingebracht würden. ($ttvo$a& regierende Fürsten. Eine Uebersicht der zur Zeit in Europa regicrendltt Fürsten, und zwar sowohl nach dem Lebensalter als nach der Leit des Regierungsantritts, gibt der neue Gothaische Genealogische Hofkalender für 1690 in zwei Tabellen. Der älteste der regierenden Fürsten ist zur Zeit Papst Leo XIII. mit 7iK Jahren. Ihm folgen Wilhelm 111., König der Niederlande und Großherzogvvn Lurcmbürg. 72Z Jahre alt; Adolf. Fürst von Schaumbur Lippe, 72 Jahre alt ; Christian IX., König von Dänemark, 7l4 Jahre alt: Ernst II.. Herioa von Sachfen-Coburg und Gokha, 7l Jahre j alt; Karl Alerander, Grouherzog von EachsenlWeimar-Eisennch. ist nur um drei Tage jünger als derVorheraebende: Victoria, Königin von England. 70 : Jahre alt; Friedrich Wilhelm, Groß'! yerzog von 'iealenvurg-trelitz, 70 Jahre alt; Karl 1., König von Württemberz, üü Jahre alt ; Woldemar, Fürst zu Lippe (Detmold, 054 Jahre alt; Georg II., Herzog von Sachsen-Meiningen-Hildburghanjen, ü3 Jahre alt ; Friedrich, Groszherzog von Baden, 03 Jahre alt ; Ernst. Herzog von Sach-sen-Altenbura. eine Woche iünaer als der vorgenannte Herrfcher, kam mit 20 Jach; ren zur Regierung ; ettT, Grofiherzog ! wiiunivuitj, u-;s; juyic uii , 'mau, König von Sachsen Gll Jahre alt; Oö: cnr II., König von Schweden und Norwegen, tt0y Jahre alt ; Karl, Fürst von Schwarzdurg-Sondershansen. 50 Jahre alt ; Franz Joseph I., Kaiser von Oesterreich, U Tage jünger als der Vorgenannte, kam mit 1 Jahren zur Regierung ; Georg Victor. Fürs: von Waldeck, 5w Jahre alt; Friedrich, Herzog von Anhalt. 58z Jahre alt ; Heinrich XIV., Fürst von 9kijj jüng?re Linie (Schleiß), 57z Jahre all; Leopoldll., König der Belgier, M Jahre alt; Ludwlg IVr., Grof:herzog von Hessen, 51 Jahre alt ; teoig, Fürst von Echwarzburg-Nudolstadt, 50 Jahre alt; Karl, König von Rumänien, 50 Jahre alt; Johann II., Fürst von Liechtenstein, 49 Jahre alt; Nikolaus, Fürst von Montenegro, 48 Jahre alt ; Abdul Hainid, Großsultan, 47 Jahre alt; Hum bert l., König von Italien. 4o Jahre alt; Alexander III., Kaiser von Rußland, 44Z Jahre alt; Georg I., König von Griechenland, 44 Jahre alt; HeinXXII.. Fürst Neuß ältere LinikjGrciz). 4;j Jahre alt; Otto 1., König von Aaiern, 41 j Jahre alt; Albert, Fürst von Monaco, 4t Jahre alt; Friedrich Franz 111., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, 38 Jahre alt. Diesem schließt sich Wilhelm 11., Deutscher Kai ser und König von Preußen, mit 30 50 Jahren an ; er war bei seiner Thronbesleigung 25) Jahre alt. Sodann folgen noch: Carlos I., König von Portugal, der im Alter von 26 Jahren am 19. Octoöer 3880 zur Regierung kam, Aleranttx I., König von Serbien, der im Alter von 13-Jabren am . März 1889 den Thron bestieg, und Alfons xin., König von Spanien, 3 Jahre 0 Monate alt. Der St 0 n k u r r e n t. In eier Universitätsstadt lebte ein biederer Kondikortneister, der sehr von der Konknrrenz zu, leiden hatte und mit ' Geistet'gaden gerade nicht besonders gesegnet war. Als der Landesfürft tint die Stadt besuchte, veranstalteitn die Studenten ihm zu Ehren ...-. f.... y". YA. lnihitr 'il I I . IiUll.... einen, ijiotir oomiiiciB. Slaven kok auch gehört, so fragte man den biederen Meiner, dak die Studenten aus dem ' Kcmnurse einen Salamander gerieben Haben? Natüt lich, erwiderte der Gefrag-. it, kann mir denken, daß sie den von meinem Konkurrenten bezogen haben. . denn von mir hätten sie denselben gleich , gen'eben bekommen.

ISSKSiMEyfrWaft

Mutter. LIizze von B. Herwt. Gönne mir Zeit, Erich, glaube m!r nur, daß ich sie von ganzem Herzen liebe, und daß es mir unbeschreiblich eh thut, ihr meine Empfindungen nicht so zeigen zu können, wie Du es gern sähest. . . . aber siehst Du, Erich. . .. sei mir nicht böse." Ich verstehe Dich nicht, Kind, Dein ganzes Sein und Denken liegt fönst klar vor meillem Auge, von dem Moment an, wo ich um Dich warb bis zum heutigen Tage jede Falte Deines Innern glaubte ich zu kennen, und stehe nun einem Räthsel gegenüber. Ich kann Dir ja nicht den Vorwurf machen, daß Du nnfreundlich oder gar lieblos gegen meine Mutter bist, aber es kränkt mich doch, daß Dn ihr noch nicht einmal den thenren Mutternamen gegeben! Vielleicht weißt Dn es kaum selbst, meine Wanda, wie geschickt Du es umgehst, Mutter zu der geliebten alten Frau zu sagen: Nun weilt die Theure zum ersten Mal seit unserer Verheirathung bei uns; sie freut sich meines, nnseres Glückes von Herzen, aber doch liegt ein Schatten auf uns fernr Zusammensein. Sie muß es ja fühlen, daß Du Dich einer Mimose gleich bei jeder Berührung zurückziehst; nimm Dich zusammen, Wauda, ich bitte Dich, nimm Dich meinetwiLen zusammen, mein liebes Herz!" Innig hatte der junge Gatte die Hände seines Weibcs ersaßt, das sich erregt vom Stuhle erhob. Schilt' mich nicht eigensinnig, Erich!" bar sie. Du roeißl, ivas ich Schweres erduldet, ehe Du mich liebend an Dein Herz nahmst." Du hast meine geliebte, theure Muttcr in der langen Krankheit liebend bchandelt, mit mir sie treu gepflegt Du weißt, mit welch' aufopfernder treuer Zärtlichkeit die Gnte mich, ihr einziges Kind, geliebt, wie ihr Sein und Denken nur meinem Wohle galt, wie ihr das Scheiden aber auch erleichtert wurde, da sie mich iu Deiner .'iebe gcborger wußte." Und als ich dann zusammenbrach nach deut schrecklichen Verlust 0 Erich, da waren es zwar Deine Arme, die mich hielten, ich mußte mich ja auch an den fürchterlichen Gedankekl gewöh: neu, lein eben ohne die Heißgeliebte, an der tttem Herz mit tausend Fäden hing, weitem pi leben, das Glück kehrte mir ja auch an Deiner Seite zu? rück, ober Erich hier brach die Slimme der jungen Fran und aufschluchzend, glcichnnn um Verzeihun, bittend, warf sie sich an seine Vrust Mutter" kann ich zu keinem lebenden Wesen mehr sagen ; eS würde mir wie eine Versündigung erscheineit an meine? geliebten unvergeßlichen Dahingegangenen, ich kaun nicht, Erich verzeih mir, ich kann nicht." Düster starrte der junge i'lrzt vor sich hin, wußte er doch; daß seine Mutter bei all' ihrer icbc für die junge Frau diesen Mangel kindlicherZuncignng schmerzlich empfand. Tief anfathmend strich er mit der Hand über die traurig blickenden Augen und murmelte leise: Ich glaubte, mir zu Liebe würdest Du Dich überwinden; doch es war wohlzn viel verlangt! Eine bange Pause entstand, still ward's int traulichen Gemach, nur das Ticken der Nhr hörte man und das Vöglein zwitscherte leise im Käfig. Ich muß nun fort, nach meinen Kranken zu sehen!" unterbrach endlich der junge Arzt die unheimliche Stille, hast Du irgend etwas für den Vormittag vor, Wanda?" Ja, lieber Erich, ich möchte mit Deiner Mutter eine Spazierfahrt durch den Park machen-? die Luft ist so schön, daö wird die gute Frau erquicken!" Du bist so in Gedanken," sagte wenige Stunden später beim gemeinsamen Mittagsmahle die alte würdige Frau Pfarrerin zu ihrem Sohne, hast Du' Sorge uur schwere Kranke, oder was bekümmert Dich? Du bist bleich, die Augen matt, noch hast Du keinen Bisien genossen, reichen Sie einmal die Schüssel, liebe Wanda, von Ihrer Hand wird er'S gewiß nicht ausfchlagcn!" Vang schauten die Blicke der jungen Frau zu dem auch sie zurückweisenden Gatten hinüber, fehlt Dir etwas, Erich?" fragte,sie liebevoll, Du bist nicht wohl, Du athmest schwer." Es wird vorübergehen, meine Lieben, die Hitze des TagcS, viel Krankheit in der Stadt, ich mag mich wohl etwas angestrengt haben, wodurch ein heftiger Kopfschnierz entstanzen; sorgt nicht, es wird bald vorübergehen!" Aber es ging nicht vorüber! Von Tag zn Taz ward daö Befinden des jungen Arztes schlechter ; eö stellten sich drohende A?zeichen schwerer Krankheit ein und bald konnten sichs die beiden, ihm mit treuster Liebe anhängenden Frauen nicht mehr verhehlen, daj; dem theuren Haupte schwere Gefahr drohe. Welch' tiefe Angst beschlich ihre Herzen, welche Qual erlitten sie, wenn in den Fieberphantasicn irre Reden dem h?ißen Munde entströmten, wenn der alte Hausfreund und berühmte Arzt sorgcnd den Kopf schüttelte, wenn kein erkennender strahl aus den lieben Augen drang. Erhalten Sie uns das theuere Leben, was sollten wir anfangen ohne unsern Erich!" bat die treue Mutter mit bebenden Lippen stumm, mit zuckendem Munde, mit flehenden Augen drückte Wanda des alten Freundes Hände. Kann es denn möglich sein, daß Gott ihn mir nähme?" 'flüstert sie still für sich in den schweren Nächten, die sie am Krankenbette des Theuren zubrachte, während sie in der Pflege nnr mit der treuen Mutter abwechselte; keine fremde Hand durfte den Theuren berühren, schon drohte die Kraft zu erlahmen, da verhieß der Arzt die Krisis für die kommende Nacht, da sollte es sich entscheiden, ob der pflichttreue Erich als Opfer feines Berufs dahingehen oder den sorgcndetl Seinen erhalten bleiben würde. Stumm, mit schwerem, zagenden Herzen saßen die beiden Frauen am Lager. Liebevoll lehnte die Mutker den Kopf der jungen Fran an ihre Vrnst, sanft strich sie mit der welken Hand, über Ue abgehärmten, bleichen Wangen. Muth, Muss), mein liebes Kind." flüsterte sie, Erich scheint einzuschlaftn vielleicht

schickt GoH die Genesung." Thränen, schwere Thränen rannen Wanda über die Wangen, leise führte sie die Hand der alten Fran an ihre Lippen uud küßte sie innig. Und immer stiller ward's im Zimmer, kaum waren die Athemzüge deS Franken ;u hören. Nnhe, Nnhe," batte der Arzt geboten, nur Ruhe und Schlaf können retten!" Und der Schlaf senkte sicb auch auf die müden Augen der jungen Fran. die seit dem Ansbruch der Krankheit sich keine Nuhe gegönnt ; fester umschlungen von den Armen der sie stützenden Matrone war sie eingeschlummert und bald kündeten tiefe Athemzüge, daß sie für kurze Zeit ihren schweren Sorgen entrückt war. Stunden gingen dabin, noch immer waltete beilige Ruhe im Krankenzimmer, da plötzlich regte sich der Kranke, tief, tief anfathmcnd fchlu? die Augen ans und sab verwundert um sich, lein Blick siel erkennend auf die stumme Gruppe an seinem Lager, ein glückliches Lächeln spielte um seinen Mund, Wanda, meine Wanda!" kam cS von seinen Lippen. Der Ruf erweckte die Schlafende, sie fuhr empor, sie glaubte noch zu träumen, sah sie dock die klar blickenden Angen deS geliebten Mannes auf sich in Liebe ge: richtet ! Zitternd streckte er ihr die abgemagerte Ncchte entgegen, mein Weib" flüsterte er, meine Mutter." Da jauchzte Wanda auf, Thränen entströmten ihren Augen, sie warf sich laut schluchzend vor dem Vett in die Knie, dann umschlang sie die vor Nübrung bebende Gestalt der Pfarrerin. nnd wie ein Juöelsturm entrang eS sich ihrem Munde : Mutter, geliebte Mutter, er ist ge, rettet!" Llösnlener einer ünstlerin.

Fran Wilbrandt-Vandius kommt in Wien aus den Aufregungen nicht heraus : ihr Künstlernaturen hat ihr die neuen Triumphs auf der Bühne verschafft, aber auch die Kämpfe hinter den Coulissen zugezogen, welche letzthin die Spalten der Tagesblätter füllten und, wenn nicht alle Zeichen trügen, ist es wiederum daö rnsche Vlut dieser begabten nnd liebenswürdigen Künstlerin, welches eine Ileihe von Abenteuern hervorgerufen, die vermuthlich viel ergötzlicher zu lesen sind, als zu erleben gewesen. Die Künjtlerin sollte sich jüngst, so erzählt das Neue Wiener Tageblatt, nach Theatcrschluß u einer befreundeten Familie zum Souper begeben. Sich abschminken, sich zn tzaufe uuikleideu, diese Proceduren entsprachen weder ihrer Ungeduld, noch ihrem Appetit, und sie ließ alle Schminke, öeren sie in ihrer Itolle bedurft hatte, lnta:r,legte einen zufällig in ihrer Garderobe befindlichen schwarzen Seidenrock und dazn ein gesticktes rumänisches Oberhemd an uud ließ sich also zu den sie Erwartenden befördern. Als sie das Theater verließ, trug sie eine Vaarschaft von 3.99 Gulden bei sich. Hiervon bezahlte sie einen Gulden dem Comfortable, )er ihren Transport übernommen hatte, blieben 2.00 Gulden übrig. In der Gesellschaft, wo sie gleich beim Eintritt dir Originalität ihres äußeren Menschen begründete und entschuldigte, verliefen vie Stunden gar rasch, es war zwei Uhr Morgens, als die Gäste sich zum Aufbluche rüsteten. Die Fran vom Hause bot der Künstlerin Nachtquartier an, zbcr diese lehnte ab, sie wolle am Vcorzen gründlich ausruhen und das könne sie doch wohl nur in ihrem eigene Hause. Man machte sich auf den Weg. ein freundliches Ehe paar gab der Künstlerin in einem Wagen das Geleit, und der galante männliche Theil besagten Paares ;og die Glocke vor dem Hausthore, aber :r zog vergebens, cS wurde wackcr darauf ioSgeläutel, das Thor giug nicht auf. Da nahte sich ein Sicherheitswachmann und betheuert? den Harrenden, des Laukcns Mühe sei umsonst. Jemand habe den Glockendrath abgerissen, der Hausineister höre mithin nichts. Was nun? wieder das Angebot pnvater Gastfreundschaft, wieder eine Ablehnung mit der schon obenerwähnten Begründung. Das Ehepaar führte die Künstlerin in ein Hotel auf der Wieden. Dort allerdings öffnet sich daö Hansthor, ein schläfriger sortier erschein:, mißt mit verwunoerrcn Blicken die phantastische Gestalt im rumanischen Od?rheind, und es bedarf lanzer Unterhanolungen, bis er erklärt, er Vcrde ein Zimmer im zweiten Stockwerke ;ur Versügnng stellen. Daö Ehepaar verabschiebet sich, die Künstlerin wird die treppe cmporgcsührt, nachdem man'ihr bedeutet hat, geheizt könne in so später Stunde nicht mehr werden. Ein kaltes Zimmer so calculirt sie ist noch immer besser als keines. Nun bringt der Portier etwas verlegen noch das Anliegeil vor, der Preis für das Zimmer möge im Voraus erlegt werden. WaS :s koste? Zwei Gulden. Die Künstlerin hatte dort, wo. sie zu Gaste gewesen, einen GulSen Trinkgeld zurückgelassen L lieben ihr 1 fl. 90 kr., fehlten genau ;ehn Kreuzer zu den uothwendigen zwei Sulden. Es bleibt ihr nichts Anderes übrig, als dem Portier die Sachlage inselnanderzusetzen, und dieser hat ein Jinsehen und läßt die zehn Kreuzer nach. Hmt kann sie, die Aermste, endlich einschlafen uuö von ihren Lorbeern trännen. Am Vormittag läßt sie einen 'Sagen holen, fährt heim das Hans, vo ic wohnt, liegt derart, daß der Wazen nicht hart an das Thor hcranfahren kann, sie muß -also vorher aussteigen lnd bei Hellem Tageslichte noch immer zefchminkt und mit dem bewußten rumänischen Oberhemde, über die Strazen gehen . . . Seit diesem Abenteuer steckt sie allabendlich den Hausschlüssel zu Sch und versieht sich mit mehr als 3 i. 00. kr. Betriebsfonds. Sie huldigt tzt eben der Devise: Man kann nicht Wissen." An e i n e n F a u l e n z e r. ilm Sonntag Christ, am Montag Grieche, klm Dienstag möchtest dn Perser sein, Zlssyrer Mittwochs und Aegvpter !lm Donnerstag das wäre fein ! !lm Freitag Turf, am Samstag Jude ' Der Wechjcl siele dir nicht schwer. ' ilöenn nur an jedem Tag der Woche zür dich ein Tag der Muhe wär' ! , ,

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Humor im (Zerichtösaar. Eine feine Firma. Der Nuntius des Berliner Gerichtshofcs rief die Herren" Probst und Klingbeil auf. Es waren ein Paar echt Vassermann'sche Gestalten, welche dem Rufe folgten uud auf ihren absatzlosen uud vom Regen dnrchwcichten Schuhen unhorbar durch den Saal schlichen, um den gewohnten Platz auf der Anklagebank einzunehmen. Wenn man nicht ans den ersten Blick gesehen hätte, daß es ein Paar echter Schnapsbrüder waren, so würde ihr heruntergekommenes Aussehen Mitleid haben erwecken können. Sie schienen aber auf derartiges Gefühl auch gar keinen Anspruch zu machen, denn sie lächelten felbstcntfchicden und verschmitzt, als Klingbcil seinem Genossen mit den Worten: Ausust, jch Du voran,Dn bist ja doch gewissermaßen der Prinzipal" den Vortritt in den Anklagcraum ließ und ihm dabei eine kleine Verbeugung mach: te. Als der Gerichtshof erschien, ergreift der zweite Angeklagte, Klingbeil, sofort daö Wort. Herr' Präsident, erloobcn mal erst ecn Oojenblick, wir möchten jerne noch diese Zeijen jeladen haben, die hier uf'n Zettel stehen, wir wollet! nnlich die Vicewirlhin ineineidig machen. Vors. : Sie haben vor allen Dingen nur zu reden, wenn Sie gefragt werden. Zeugen locrden vorläufig nicht geladen, Sie wissen ja gar nicht, wnö die Vicewirlhin auszagen wird. Angekl. : Jeder Prenße hat ader det Siecht. Vors.: Schweigen Sie! Nachdem die Pcrsonalicn festgestellt und ihre Vorstrafen,' in denen ArbiitSscheu und Betteln eine Hauptrolle spielen, verlesen sind, frägt der Vorsitzende den Angeklagten Probst, ob er sich deö ihm zur ast gelegten Vergehenö gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs schuldig bekenne. Auges l. (mit Emphase): Herr Präsident, un wenn Sie mir uf ecn jlühcndet Tm?ami:faß setzen, id sage nee, un nochmals nee, denn in dieser Stück bin id rein, wie Abrahams Schooß. Vors. : Hören Sie mal, unterlassen Sie gefälligst derartige überflüssige Redensarten, sonst entziehe ich Ihnen daö Wort. Sagen Sie ja" oder nem. Wie ist es denn mit Jh? neu. Klingbeil, bekennen Sie sich säulbig Angckl. : J'c? schliche mir in diese Hinslcht m meinen jeehrtm Herrn Aoncdper an, ick Vorf. - Ich verstehe schon, Sie leugnen ebenfalls. Sie sollten aber doch Ihre vielen Vorstrafen bedenken, und das an und für sich geringfügige Vergehen lieber einräumen. Angckl. Klingbcil: Vorstrafen haben wir, ja, det streiten wir nich, aber Fallen is kecne Schande, blos Liegenbleiben", un wenn der Mensch sich ufrappeln will un en Anlauf nehme dhnt, am cn nützliches Wclkzeug der bürgerlichen Industrie zu werden, den soll man ihn nich jlcich mit allerhand Hausfriedensbruch un sonsiige Strafmandate wieder in'n Schmutz treten. Det is wenigstens meine oojenscheinliche Meinung. Vors.: Sie sollen auch alle überflüssigen öccdensarren unterlasscn, Probst, erzählen Sie den Vorfall, tbcr kurz. Angeklagter Probst: Det soll nich langer dauern wie 'n Jroschensdanz. Ick jche eeneö schccncn Morjens. det war densclbichcn Dag, als det passirt iS, von Schönebcrg nach Berlin, um tucin Jeschüft nackzujehen. Vors. : Wqmit ernährten Sie sich damals? Angckl. : Ick reparirte olle Regenschirme uf'tceic.

ors.: echcnt gut, nnr weiter. .,- t-iiti-gekl.: Dichte bei'n botanischen Iann hole ick meine Pulle rans un werde mir det Sprachorjan en bisken ausrichten, da kloppt nur mtt eenem Utale eener uf die Schnlter un sagt: Prost!" Angckl.: Klingbeil : Nee Aujust, det stimmt nich, oder Du hast mir mißverstanden, Probst" habe ick jesagt. Allenö wat Recht is. Angeklagter Probst! Nee Prost!" hast Du jesagt un dabei bleibe ick. Ich kiele mir denn nm un da steht mein oller Fremd Heinrich Klingbeil vor mir, den ick seit iebern Jahr nich jesehn habe. Der schien ihin man sehre mieß zu sehn, denn er jah jo:tsjämmerlich aus. Der olle Bursche that mir leid. Heinrich, sage ick, wat machst Du denn jeyt? Oh, meent er, wat soll ick weiter machen, ick lange immer noch Hand. So? sage ick, ick denke, du dachtest, Du wolltest erben? Ja, meente er, det wollte ick ooch, aber da jehören doch reine Verwandte zu, die sterben uu ick habe ieberhaupt keene Verwandte nich. Ja, sage ick, die jehören merschtendeelö dazu. Ick frage ihn denn, ob er mir bei meinen Jeschäft helfen will, denn könnte er als Compagnon bei mir eintreten, er ruft die Schirme aus un holt sie zusammen un ick flicke sie denn wieder uf'l Neie, wenn det Jefchaft jut jinge, denn könnte er da leiht eine Mark.bn verdienen. Er war da natierlich mit einverstanden, un bei'n Nordhäuser un 'ne kleene Weiße machen wir Uw) en mündlichen Contract un denn jehn wir los. Wir jehn nach die Waldemarstraße, weil ick in die Jejend lange nich jewesen bin. Ä!ein Heinrich strengt seinen Orjan nf die Höfe wie n Untcrofsicicr, die" Kinder liefen ja ooch zusammen, aber Schirme? Ja, Kuchen! Och nich eine einzige Mußfprihe wollten sie in unsere Klinik jeden. Heinrich, sage ick zuletzt, heite steh'n die Aktien faul. Du bist schon janz rauh in'n Halse, wir wollen man erst frühstücken. So det Andere niuß nu mein Freind Heinrich erzählen, indem er am merfchten dabei an gaschirt ist. Vors.: Aber das hätten Sie doch gleich jagen können, was sollte diese ganze unnütze Einleitung. Klingbeil, Sie gingen nun auch gegen Mitlag in das Hauö, wo Sie den Streit bekamen? Angekl.: Nee, in't Haus nich, blos uf'n Hos. Vors.: Nun gut denn, auf den Hof. Auf dem Flur soll sich ein Schild ' befunden haben, wonach alles Ausrufen uud Hausircn verboten wird. Augekl.: Schilder lese ick jrundsätzlich nich, un außerdem, für't Lesen und Schreiben war ick von meinen Chef nich angenommen, det hadde ick nich kontraktlich. Ick denn also nf'nHof und singe meinen Vers runter. Ick hadde noch vorher zn Aujust jefagt, Dn paß uf, hier haben wir Jlick. mir Zuckt det so in meine linke Hand." Und richtig, mit eenem M;ile jeht een Fenster uf lind nt

leene allerliebste Frau winkt mir mit'ne Finger. Ick sack, sack, die Treppen ruf nn krieje richtig en blauen Sonnenschirm, der oben den Ncjen durchlicß. Mein Aujust besieht sich ihn erst unten uf'n Hof un fagt denn zu mir, weeßte, da mußt Du mir erst sorn Sechser blauen Zwirn holen, denn ick muß mne Sache machen, det sie ooch jut is,un denn kannst Dn ooch jlcicb forn'n Jroschen 3!ordlicht mitbringen. Ick jondclc denn nu los. Als ick uach 'ue Weile retuhr komme, is uf'n Hof jroßer Radau, meine Vizewirthin steht so vor Aujustin un risklrt 'ne jewltige Lippe, det sie son'ne Packasche nich nf'n Hof dulden will, un Aujust sagt immer, erst müßte ick mit den blauen Zwirn kommen, dct er den Schirm ausrepariren kann. Als ick denn nu komme, jehn wir denn och bccde nach en andern Hof, wo die Menschen nich so kiefäthig waren. Aber die Vizcwirthin machen wir meineidig, nich Aujust? August: Allemal. Vors. : Nun sind Sie doch nachher wieder auf den Hof gegangen? Angekl. Klingbeil: Ick? Nun ja, det iö doch stillschweigend. Ick werde mir doch nich an fremdet Jut verjreifen? Ick muß doch den Sonnenschirm wieder abliefern. Als die Frau mir wieder wie sone weibliche Furie entjejentrat, da habe ick ihr eenfach jesagt, die könnte mir in'n Mondschein bejejncn, erst wollte ick den Schirm abliesern un dann ginge ick. Vors. : Wenn die Sache sich so verhält, wie Sie erzählen, dann kann ich eigentlich etwas Strafbares in Ihrem Thun nicht sindcn. Aber der erste Angeklagte hätte sofort den Hof verlassen müssen, als er dazu aufgefsrdcrt wurde. Angekl. Klingbeil: Ick mußte erst den blauen Zwirn haben. Durch die Beweisaufnabme wird nur erwiesen, daß der Angekkagte Klingbeil sich eines Hausfriedensbruchs schuldig gemacht hat, und gegen ihn auf fünf Mark Geldstrafe erkannt. Probst wurde freigesprochen. Vors. : Klingbeil, be ruhigen Sie sich bei dem Erkenntnisse? Angekl. Klingbcil: Wat sagst Du dazu, Heinrich? Angckl: Ick sage, det ick eencn Beruf jcjen inlege, Dn mußt ooch frcijesprochen werden. Vors.: Nun, denn machen ?ie, daß Sie herauskommen. Angekl. Klingbeil (beim Verlassen des Saales): Die Vicewirthin machen wir ahnt meineidig, nich Aujust? August: Allemal. Schlafsucht. Im Sommer v. I., so erzählt das ,.Hirschö. Tagebl.", befand sich unter den warmbrunnerCurqästcn einProfcsfor

der Plnchiatrie, welcher den größtenTheil ! seiner Erholungszeit auf Ausflügen in ; die Umgebung zubrachte. Besonders zog ihn ein kleines Dorf im Gebirge an; er verbrachte daselbst oft die ganzen NachMittagsstunden. Der Magnet, welcher ihn immer wieder in das Dörflein zog, .' war ein sechzigjäriges Väuerlein, wel-1 ches der Herr Professor stets schlafend auf der Ofenbank fand. Vergebens , waren verzchievene Versuche des Gelehrten. Gottlieb zum Sprechen zu veranlassen : Gotllisb rührte sich nicht. Der Professor wandte sich an die Ehehälfte dcö BäuerleinS und befragte dieselbe, , worauf diese aleichgiltig meinte, das sei sie seit langen Jahren schon so gewohnt, das wäie nun einmal nicht anders und ließe sich ja auch nicht ändern. Nun stand eö bei dem Gelehrten fest, daß es sich hier nm einen noch nicht dagewesenen Fall, von Schlafsucht handle, den wissenschaftlich nicht auszubeuten ein Verbre-, chen wäre. Als er das letzte Mal kam, ' brachte er einen Photographen mit, wcl? cher ihm eine Ausnahme des Hausherrn auf der Ofenbank verschaffte, auch ließ er sich von der Frau über Abstammung und Alter ihres Mannes nähere Anga-; ben machen und erklärte zum Schluß, ' daß er, sobald es die Verhältnisse gestat-' ten würden, in Begleitung mehrerer Freunde wieder erscheinen werde, um ; ihnen Gottlieb zu zeigen. Vor einiger j Zeit erhielt nun die Fran in der That ein Schreiben des Professors, in welchem j derselbe sie um Mittheilung darüber ; ersuchte, ob der Zustand ihres Gatten -inzwischen einer Veränderung ausgesetzt . gewesen und, wenn ntcht, ob es ihr genehm sei, wenn er mit noch drei Collegen, die sich, wie er, höchlichst fpr diesen wunderbaren Fall interessirten, zu Veginn der nächsten Woche erscheine, um denselben ihren der Schlafsucht verfallenen Mann zu zeigen. Indem Briefe kamen verschiedene Ausdrücke vor, wie Lethargie, Katalepsie, hypnotisch u. f. w. Die Frau schüttelte verständuißlos den Kopf, stieß ihren Mann an und zeigte ihm den Brief. Der zuckte mit den Achseln und senkte das Haupt dann wieder theilnahmslos wie gewöhnlich auf die Brust, nachdem er ihr noch gerathen, mit dem Brief im Ortsrichter zu gehen, der vielleicht Aufklärung geben könne. Der Ortsrichter schüttelte auch anfänglich beim Lesen des .Briefes den Kopf, brach aber dann, als Pauline ihm cinige nähere Mittheilungen gemacht, in ein unbändiges Lachen aus. Die Fran verwunderte sich über des Ortörichters große Heiterkeit nnd fragte dann, was denn nun eigentlich der Herr mir der Brille von ihr wolle. Nun, der meint, daß Gottlieb feit Jahren an der Schlafsucht leidet," erklärte er. Nnn ja," meinte die Frau, er schläft halt a bis! gern!" Ja, ja," sagte der Schulze, ab der Herr Professor meint, daß er schon seit sechs Monaten nicht aufgewacht ist." Verwundert schlug Pauliue die Hände zusammen und rief: Garni aufgewacht? Alle Ogenblicke gresst er na der'Schnapsslasck, da sieht ma doch, daß er ni immer schläft. Schreiben Se den Herrn da, daß mei Gottlieb halt a wing' schlofmütz'g ist. ab r mit der Sckloffucht wird es so bald nischiwerden solang es noch Schnaps gibt, wird er halt immer wieder munter!" Ahnungsvoll. Professor: . .Wairn also dürfte dieser Komet wiedttkehren?" Schüler: Jn 2 Jahren." Professor: Wie kommen Sie denn dal ranf ?" Schüler : Ich hab' so eine ge? wisse Ahnung!" , , ; !:i Ungefährlich. A': Sag' 'mal, Deine Fran sieht a heute so blaß aus. Ist sie krank. Was fehlt ihr denn?B. : Unter uns gesagt, weiter nichts als die Schminke!" : ' ,k ' , ' ,

xjrVwoeasiiFitviAJJifi Mamfcüjjr,p' ' ': f TTnrranrxzrr.Tizr.

Tie eingebildete Kranke. Ein bekannter Arzt hatte unter seinen vielen Patienten eine Dame, die an allerhans eingebildeten Krankheiten litt und diescrhalb den Doktor, wo immer sie seiner ansichtig wurde, eingehend consultirte". Ucberdrüssig der ewigen Ueberfälle in seinen Sprechstundeik, unterrichlete er den Diener, der klagelustigcn Madam? A. an der Thür gleich ein Beoaure, der Herr Doktor ist gerade fortgefahren" entgegenzurufen; somit blieb er wenigstens in seinem Heim vor ihr gesi cherC Eines Morgens, als der Viclbeschäjtigte ahnungslos aus seinem Wagen stieg, um in einem belebten Stadttheil einen Krankenbesuch zu machen, tönte ihm aus einem vornehmen Fuhrwerk die wohlbekannte Stimme feiner Gonnerin

entgegen. Vergebens legt der Mann vollständige Taubheit an den Tag, vergebcns sucht er im Gewühl der mit Menschen gedrängten Straße zu entkommen. Die Equipage folgt ihm in rafchem Trabe hält wird geöffnet, und hinter ihm ertönt der allzugut gekaunte trippelnde Schritt der Madame A. Herr Doktor! Herr Doktor! Ach - Gott ser Dank, daß ich Sie sinde! Ich bin ja so elend!" Seufzend ergicbt sich der Mann der Wissenschaft in sein Schicksal. Er ist auf eine halbe Stunde gesaßt und sieht voraus, daß die gute Ä., deren Stimme einen ohnehin nervösen hochgeschraubten scharfen Ton hat in der Erregung doppelt laut, dein gestimmten Publikum auf offener Straße die Kennzeichen ihrer Krankheiten mittheilen wird. Er macht einen fchwachenVersnch, dem zu entgehen. Wollen wir nicht eine Stunde bei mir festsetzen," beginnt er, doch sie untcrbricht ihn gleich. Wie können Sie denken." ruft sie, daß mein Zustand öas ertrüge! Lieber, einziger Doktor, ich fahre Ihnen den ganzen "Morgen schon nach, war erst bei Ihnen. Sie waren gerade fort. Ich fage Ihnen, Herr Doktor, ich bin todtkrank. Eö sind ja jetzt Magenschmcrzen dazugekommen Magenschmerzen, sag' ich Ihnen" Vielleicht gestatten Sie mir, daß wir die Sache bei Ihnen besprechen!" unterbricht sie der Arzt, dem die lachenden Gesichter der Vorübergehendendas Gleichgcwichi zn rauben drohen, ich würde mir erlauben, Sie in zwei Stunden ?Ja, ja, gewiß, bester Doktor, nur sollen Sie erst erfahren, wie es um mich steht, Sie ahnen ja nicht, mein Freund, wie ich elend bin mit meinem Schlaf ist es aus mein Appetit ist hin; hin, sag' ich Ihnen ! Wie Sie mich hier sehen, habe ich heute ein einziges Stückchen Hering zu mir genommen." Bedenklich, bedenklich !" ruft der Arzt, dcnr ein bellcr Gedanke gekommen ist, ich halte es für rathsam, daß Sie sich unverzüglich nach Hase begeben ! " Herr Du mein Himmeil" schreit die geängstigste Frau aus, indem sie bebend des Mannes Arm umklammert, ich ahnte ks ja es ist gewiß ein Nervensieber im ülnzuge oder eine Lungenentzündung ach, Du mein Gott diese Schwindel, die ich habe, nnd dieses Fieber dabei lind in den Händen und Füßen klopft es wie rasend und der Magen ! Wenn ich hier drücke, liebster Doktor, habe ich einen Stich einen Stich " Der Arzt ist in Verzweiflung. An ein Entkommen ist nicht zu denken, und die vorüberschicbende Menge belächelt die seltsame Gruppe. Die gute A. sieht von dem Allen nichts. Die hochgeschraubte Stimme dringt schrill deutlich, zu der Menge hin. Ich sehe es Ihnen au, Doktor. Sie befürchten das Schlimmste, und dabei wissen Sie noch nicht einmal Alles. Ich habe es Ihnen verschwiegen, was mir meine Galle zusetzt ich habe einen Geschmack im Munde 0, wenn Sie wüßten, was ich iv. einen Geschmack im Munde habe Hilfesuchend sieht sich der Arzt um. Was sollte er thun? Er fühlt den Spott der Menschen. Er muß'entkommen,wie, das gilt ihm gleich. Der letzte Nest von Nücksicht und Geduld verschwiudct beim erneuten Klang der Stimme seiner Gonnerin. Mein Pulsschlag steht auf hundertzwanzig mindestcns", klagt sie wehmüthig, uud dabei friert mich, und das'Geschwirre, was ich vor Augen habe das entsetzliche Geschwirrs " Der Arzt hat einen schrecklichen Entschluß gefaßt. Machen Sie mal die Augen zn", sagt er, entschlossen um sich blickend, machen Sie sie recht fest zn!" Zitternd gehorcht sie. So, und nun strecken Sie mal die Zunge weit heraus weit so! Bleiben Sie so!" Was die Spaziergänger der belebten Straße sich dachten und sagten, als sie an einer der belebtesten Ecken eine vornehm gekleidete Dame in der angegebenen Stellung: die Augen krampfhaft geschlossen, die Zunge weit hervorgestreckt, stehen sahen, davon konnte der boshaste Arzt nichts nachsagen, er wa? mit einer ihn: fremden Gezchwindigkeit in der Menge verschwunden. Jetzt erträgt er es schweigend, daß der Name der Familie aus seinen Büchern ge strichen ist. Im Brautkleide. Unter dieser Spitzmarke erzählt das .Jllustrirte Wiener Extrablatt" folgendes Geschichtchen: Man könnte über die Geschichte lachen, wenn sie nicht in ihrem Ergebniß herzlich traurig wäre und uns einen verblüffenden Blick in die Verdcrbtheit und Gcmüthslosigkcit eines Manttesherzens von heute thun ließe. Der brave Mann verdiente wahrhaftig um seines sch alkhasten Streiches willen mit seinem ?!amen angenagelt zu werden, allein die Schonung, welche wir dem armen Mädchen schuldig sind, das zur duldenden Hauptrolle in unserer lehrrcichen kleinen Geschichte verurtheilt ist, erwirkt dem Herrn unverdiente Nachsichr. Man soll ans das bedauernswerthe Geschöpf nicht mit Fingern deuten können, deshalb müssen wir dem Herrn d!e Gnade der Namenlosigkeit gewähren. Da gibt es auf, der Landstraße ein junges, hübsches Mädchen, eine arme Näherin, Jojephine ist ihr Borname, welche vor etlicher Zeit von Alfred V. mit Liebesbetheuerungen ethört wurde. Die Kleine verlor den festen Halt in ihrer Neigung und beschenkte ihren Geliebten mit einem Kinde. , Der junge Erdenbürger fesselte die Arme nur noch inniger an ihren Verführer und glaubend, weil hossend, verzweifelie sie nicht ät

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ten des VatcrS ihres Kindes, wrlchek nicht aufhörte, ihr zn betheuern, daß er ihrem Herzensbunde endlich vor dem Altar die gesetzliche'Weihe geben werde. Die Näherin war geduldig. Die Geduld ist ja das Wahrzeichen des Weibes, sie ist seine Bestimmung, sein Talent. Und die arme Frau ist das Genie ::niu den Talenten der Geduld. ... Die Näherin war also geduldig und wartete. Die Zeit wurde ihr wohl larsg, was kam dabei heraus? Versprechungen. Alte Zusagen in neuer Gestalt. Endlich endlich geschah ein bedeutsainer Schritt nach vorwärts. Der Erinnerungen nnd Mahnungen der jungen Mutter vielleicht müde, entschloß sich Alfred zu einer txU scheidenden Handlung. Die Vordere!tungen zur Hochzeit sollten getrcfsen werden. Mit jener Kraft, welche die Freude uns verleiht, machte sich die Arbeiterin an'ö Werk. Bei Tag nähte sie für Fremde, bei Nacht für sich srlbst, süc ihr Kind. Dabei bedürfte sie schwerlich der Mithilfe jener gespenstischen drei alten Weiber mt dem großen Daumen, der dicken Lippe inid dem ungeschlachten Fuß, die der Vaucrnmagd in Märchenzcitcn einen Berg Hanf in einer Nacht ausspinncn halfen, damit sie den Königssöhn freien könne. Die Näherin war bald fertig mit ihrer ärmlichen Ansstattnng ; nur noch Eines fehlte, das Brautkleid. Tasfrlbe sollte bestellt werden, dann konnte der Hochzeitstag angesetzt werden. Kürzlich gingen Josephine und Alfred am Abend nach der Arbeit zusammeti ans, um das bescheidene Brautkleid in einem Laden zu wählen. Die überglückliche Jofcphine prüfte, probirte. rief endlich ihren Bräutigam in die Ankleidestube, um ihn zn fragen, ob er mit ihrer Wahl einverstanden sei, und wie ihr Ws Kleid passe. Er war einverstanden und das Kleid, in dem sie sich so sehr gefiel, daö jeder Frau, ob reich, ob arm, ein Gegenstand zartester, pietätvollster Erinnerung bleibt, daö Kleid paßte, wie Alsred nach längerer Betrachtung fagje. Der Bräutigam bezahlte, übergab daö sorgfältig arrangirte Packet einem Dienstmann, damit er es in Alfreds Wohnung trage, und die Vcrtäuscrin culließ die zuuge Araut mit !uck.?nk'chen und vielleicht auch mit unklaren Gefühlen dcö Neides. Josephine hing sich selig an den Arm ihres gclicötcit Alfred, und Beide schritten unter heiteren Gesprächen nach Hause. Mi Taze später schon sollte die Nabnrin erfahren, das; mit ihren heiligsten Gefühlen in barbarischer Weise Spott getrieben worden. Alfred war aus seiner Wohnung rcrschwunden, ,uit ihm das Brautkleid, und war, wie man der bestürzten Josephine gern und schnell erzählte, in eine Provinzstadt gefahren, um dortselbst mit einem wohlhabenden Vürgersmädchcn, deur er seit Längcrein verlobt gewesen, Hochzeit zn halten. Den Angen der fajjungslosen Betrögenen einstürzte ein Strom von Thränen. Alles, Alles schmähliche Komödie! Und gar das Brautkleid! Es war nicht für sie bestimmt gewesen, sondern für die wirkliche Wraut, welche der Herr in der Gestalt der Betrogenen vor sich zn sehen meinte ! Und sie hatte entzückten Hcrzenö nt ihrem Leibe Modell zu dem Braut kleide ihrer Rivalin gestanden, die sie nicht kannte, nnd :nit der sie nichts ver band, als die Aehnlichkcit ihrer Erschein nung ! Der liebe Onkel. In Frankfurt am Main wurde um längst, wie ein dortiges Localblatt erzählt, einem verdienten Manne im Pal mengarten ein Essen gegeben, auf dem eS sehr' fidel herging, Toast folgte auf Toast, und als eS schon nichts mehr zu sagen gab, wurde iminer noch Eins geprunken. Kein Wnndcr, wenn tm znn Amt bekleidet, fortgesetzt nt lieber Dnkcl anredete. Als der sehr auiniirte Neffc" bedenklich zn balanciren und ganz trostloses Zeugen schwatze begann, packten ihn zwei Freundein eine Droschke uud fuhren mir ihm loS. Wcirji Du wo er wohnt?" fragte der eine Nothhelfer. dt bewahre", antwortete der Andere, allein, da der Herr fein Onkel ist, so bringen wir ihn zn Dem." Der Kutscher wurde auS dem Fenster heraus instruirt. Bald war man am Ziel. r Onkel war selbst noch nichterschiene und die Haußtpre daher noch geöffnet. Es stellten sich dem Transporte somit keine Schwierigkeiten weiter entgegen, als der Neffe selbst. Halb schob man ihn, halb trug man ihn die Treppe hinauf, klingelte die auf den Dnkel wartende Magd beraus, und als sie aeöffnet hatte, bugstrte man das fidele HauS" in den dunklen Corridor, wo es mit einem sehr vernehmlichen Plumps Platz nahm. Die Magd schriö. die Tante" fxrang znS dem Bett und die hilfsbereiten Freunde, deren Nüchternheit auch nicht mehr so ganz ,he" war, liefen davon. Der Lärm rief die Hausbewohner helbei die sich mit allerhand Waffen versehen hatten, um den Frauen beizuftehen. Bald umstand man den lebendig Todten. Ma hat uns 'nen Kerl hierher ge-' legt," jammerte die alte Dame und: .Er ist auch noch total roll. Fran Doctor," wimmerte die Magd, das wird eine hübsche Uebcrraschung geben, wenn der Herr nach Hanse kommt." Sein ranzoze. xacn ke Ihre Mnzügllchkellen, bemerkte ltzm ein tm Haujcnoh-. nender Kaufmann, uud schon wollte man nach der Polizei schicken,, als der? Onkel" eintraf. Das Gesicht., das er schnitt, als er den Herrn, der ihltfortwährend lieber Onkel" angeredet hatte, anf feinem Vorplatz wiedersah, läszt,, sich einfach nicht beschreiben. Es war ' czznz grandtos. .Er beruhigte seine rau'und die Leute durch die Äcrsicheru::g. das? man rs nüt einem anställdigrn Manne zu thun habe, dem die Geister rcö Weins einen tückischen Streich gespielt hätten, und brachte ibn'im Fremdenzimmer un? tcr. Der Abschied des Verunglückten von Onkcl" und Tante" soll am anderen Morgen ein sehr rührender und der Dank des Neffen bei ! den hilfsbereiten Freunden ein ungemern inniger gewezcn zein.

ger Mann t o ?o?,g? Stimmung gerieth. daß er seinen Nachbar, der in der Mainstadt ein anaescbenes össcutlickeS

em sehr drolliges Geschlcht," flötete ein in recht fraglichem ööeglio,6 aufgetauchter

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