Indiana Tribüne, Volume 13, Number 107, Indianapolis, Marion County, 5 January 1890 — Page 7
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Drei Tauben um eine Bohne. Zkdüetle ve? Lnigi Eapuaua. f Die Wehmutter und die Nachbarinnen, bii Beistand geleistet hatten, waren heimgegangen. Die Wöchnerin, bleich und hshlällgig. lehnte die Schultern wider einen. Stoß von Kiffen und schaute jetzt lächelnd dcrn Manne zu, wie er eine Deck? über das Kindchen breitete, das in einer Ecke des mächt-gen Ehebettes pm Schlafen hingelegt war. In der nachtlichen Stille horte man das Athemholen der behaglich auf einem Stuhle spinnenden Katze. Mit einem Male sagte die Frau: Gib Acht, daZ Licht geht aus!" Und ehe er noch hatte erwidern können : Ohn! schrie die Arme: Oh! Oh! Ich ersticke! Ich sterbe!" Schone, heiligste Gottesmutter! stammelte der Mann und eilte schnell herzu. Santa! Santa!" rief er sie an und schlug sich vor die Stirn, da er sie die Augen verdrehen und nach Lust ringen sah. Ihre Hände griffen in's Blaue, sielen kraftlos nieder, der Kops sank schwer in die Kiffen zurück. ,,Sata liebste, beste Santa!" Nino stürzte wie besessen die Treppe hinunter, riß die Hausthür auf und brüllte: ,,Zu Hilfe, fromme Christen! Muhme Sepha. Base ix'iaa, Meister Paul zu Hilfe.'" Muhme Sepha kam an's Fenster. ,, Eilt hin um Gotteswillen! Metnem Weibe gehts schlimm! Ich fliege zum Dottor !" rief er und schoß weiter, als wolle er in dem engen Gaßlein der Halö brechen. , H ' So war d?r unglückliche Nino Spass Wittwer geworden mit vier kleinen Kindern auf dem Hals. Er begriff gar nicht, wie es zugegangen. Die Entbindung war doch so glücklich verlaufen. Noch vor wenigen Stunden hatte Santa ihm die Suppe angerichtet und die Kinder zu Bette gelegt ; hübsch, frisch und heiter, wie gewöhnlich, hatte sie mit den Kleincn,die nicht einschlafen wollten, gescherzt: Wenn Ihr hübsch artig seid; bescheer' ich Euch morgen ein Brüderchen oder ein Schwesterchen!" Und nun lag sie dorten ausgestreckt, todt, ols ob sie schliefe, die Hände über der Brust gekreuzt, zu Häupten eine brennende Kerze, zu Füßen das wenig Stunden alte Waislein, das seine Mutter nie kennen sollte! Ach schöne, heiligste Gottesmutter! Wie denn? Wie denn nur? Ach schöne, heilige Gottesmutter! Wie grausam, die Mutter von vier armen Wirrmlein zu Euch in's Paradies zu holen ! Welche Grausamkeit, schone heiligste Jungfrau ! . . . . . . Die Nachbarinnen saßen herum, weinten, ab und zu sich schneuzend, still vor sich hin und ließen den Armen jammern nd mit der Madonna und Jesus Christus hadern. Man mußte Nachsicht mit ihm haben, er wußte ja nicht, was er redete, der arme Tropf, der, außer sich, nicht einmal weinen konnte vor Schmerz. Ruhelos wanderte er in der Stube herum, immer auf die Leiche starrend, der sie das Gesicht mit einem Tüchlein bedeckt hatten. Santa, liebe Santa! rief er, als hätte sie ihn hören und der Tod, durch feine Klagen erweicht, ihr ein Wiedernwachen verstatten können'. Dafür waren die drei Kinder in der Nebenkammer munter geworden und fragten, ob die Mama das Brüderchen oder Schwesterchen schon, wie sie versprochcn, hinter der Hausthür im Korbe gefunden habe. Arme, ur; schuldige Geschop scheu ! Sie sprangen nackt aus dem Bettchen, xe Augen noch voller Schlaf, die Haare rerzanst, und jubelten über das Brüderchen; sie küßten, befühlten es, faßten es sn den Händchen und wußten nicht, daß sie verwaist waren. Auch morgen wärden sie eö nicht verstehen, wenn e die Mutter nicht mehr sähen, wie r a auch die Wuth des Vaters nie? standen, der mehrere Male unter ' . üre getreten war und gerufen l)r Böser Ebristus da oben! War, dt Ihr Euch nicht diese da geholt . mir das Weib gelassen? So rast, r noch nach zwei Tagen und konnte es nicht fassen, daß sie wirklich gestorben sei. Mutt, Gevatter Nino!" Und wer wird auf diese Würmlein achten, wenn ich hinaus muß Brod zu verdienen?" antwortete er jedesmal, den Kopf zwischen den Handen, wie geknickt af feinem Stuhl, wenn die Nachbarinnen ihn? Trost zuzusprechen versuchten. Sind denn wir nicht da? erwiderten sie im Ehor." In der That, sie waren da vom Morgen bis zum Abend. Besonders Nela, Muhme Sepha'ö Tochter, braun, mager, mit großen schwarzen Augen; Ciccia, des Meisters Paul seine, blond, bleich, dicklich, dlauäligig, ernst und langsam; und Carmkla, der Gevatterin Fina ihre, ro!h und rund, mit tücbtigen Schultern und Armen. Drei Madchen voller Mitleid, die die Kinder wuschen und anzogen, ihm das Haus aufräumten und Mittagessen und Abendsuppe kochten; als woll ten sie ihn überzeugen, daß er statt einer einzigen Frau deren dreie habe, eine im- . r . . . c Ii. L - 9 mer veszer ai& oie anocre: ineinicn vorhast einige Spaßvögel. Was MS? Dem Gevatter Nina schafft die Wahl noch Qual!" fragte psifsig die Base Nofa die Kohlenhandlerin gegenüber. Wie Z Der arme Gevatter IZino, er sollte, mit dem großen Schmerz auf der Seele, so schnell an's Wiederheirathen denken? Er faß daheim, wemte und jammerte vor sich hin und dachte nicht einmal an sein Maulthier und den Kar- ,, tm, die ihn und die Kinder nährten, als wären ihm Arme und Beine gebrochen und der Kopf ganz leer, als wäre es ihm Genuß, in seinen: Unglück ss faul Hinzudämmern. .H Uebriycns war es wahr: statt einer Frau hatte er deren dreie im Haus, eine immer besser als die andere; ohne Ner benzcdanlen, versteht sich, denn er ach? tete kmttn aus die drei Mädchen, die sich um ihn tummelten und in jeder Weise Zu? ihn sorgten. Er gewahrte es auch nlcht, der Arme, daß sie nach zwei Tai gen einander grimmige Blicke zuschössen, , lö wäre zwischen ihnen ein Kamps um
ihn entbrannt, in dem jede der Anderen den Naug abzulausen trachtete. Jede aufmerksamer, umsichtiger, flinker fein, ihn besser bedienen, seinen Wünschen mehr zuvorkommen wollte als die Am bete. Es war schon viel, wer.n er nur bemerkte, daß das Bett viel besser aufgeschüttelt schien, als vordem, da die zute Selige noch lebte, daß die Wäsche weißer und duftender war, die Kinder besser gekämmt und Hitta- und Abendbrot Gott möcht' es lhm verzeihen! schmackhafte? als ehemals. Die Vorsehung stand ihm bei im Mitleide der guten Nachbarinnen." Und darum segnete er die Hände, die das Bett aufschüttelten, die frommen Hände Itela's, und die schönen Hände Ciccia's, die wuschen und bügelten, und die Hände Earmela's, die Kinder und Haus so trefflich in Ordnung hielten. Und wenn Ciccia das Bett machen wollte und Nela sie bissig anfuhr: Laß das!" und wenn Nela die Kinder waschen und anziehen wollte und Earmela sie ihr ohne Umstände wegriß: Sorg' für Deine Sachen!" und wenn Earmela sich wollte in der Küche zu schassen machen und Nela sie knurrend hinauswies: Hier bin ich genug!" dann lächelte der Wittwer trübselig. Und wenn Earmela morgens zeitig znerst antrat und nie versäumte zu sagen: Wozu kommen eigentlich die Andern? Ich habe starke Arme" und ihm klar machte, wie Ciccia mit ihrem trägen Schneckenwesen überall im Wege, und wie Nela noch nicht einmal zwei Bohnen zn rosten geschickt sei so zuckte Nino die Achseln und gab ihr im Stillen Jcecht. Ebenso wie er Ciccia Necht gab, wenn sie auf jenes Trumm" von Carmela schalt, bic- sich abfchnaufe und herumfahre, ohne doch das Geringste zu Stande zu bringen; und wie er auch Nela Necht gab, wenn sie ihm in die Ohren summte, die beiden Anderen wären ganz unnütze Klatschbasen und hätten keine Ahnung, was Haushalt sei, und nur Staat und Putz im Kops: sich herzurichten, zu frisiren, sich aufzutakeln mit ihren paar Fetzen auf dem Leib ! Was konnte er thun, der Arme, als allen Dreien Necht geben, wollte er in Frieden leben ! Aber Ciccia und Carmela, sahen si Nela allzu geschäftig um den Wittwcr, zischelten mit einander: Wie kokett!" Und ebenso einmüthig zogen Earmela und Nela über Ciccia loö, wenn diese mit dem Wittwer in einerEcke saß und ein Langes und Breites mit ihm tuschelte, als wäre sie die Hausfrau, und sie hatten Geheimnisse mit einander! Geradeso ließen Nela und Ciccia nichts Gutes an Carmela, wenn diese, um sich das Ansehen einer Hausfrau zu geben, in Hemdsärmeln herumging und ohne sich zu schämen ihre schönen Arme und das Uebrige sehen ließ, oder eigentlich ihm recht eindringlich unter die Au: gen hielt. Doch Gevatter Nino küm:
merte sich keinen Psisf darum. ,. In Wahrheit genoß Vater Nino diese Sunst Gottes mit vollem Bedacht. Er sprach nicht mehr von der Todten, el seufzte nicht mehr, ob er gleich auch nach Ablauf der Trauertage noch zu Hause blieb. Er saß zusammengekauert In einem Winkel oder streckte sich mit unterm Hals verschränkten Händen auf dem Bette aus und ließ sich den Kopf krauen, so zur Zerstreuung, denn er empfand eim Art Trost, wenn er jene Mädchensinger einerlei, ob sie Nela, Carmela ode? Ciccia gehörten zwischen seinen Haaren krabbeln fühlte. Dann schloß er dii Augen, als versuche er einzuschlummern, um seinen Kummer einzuschläfern. Eines Tages nach dem Äcittagessen fragte Nela, während sie ihm mit den Fingern im Haar herumstreichelte, plötzlich: Gevatter Nino, was gedenkt Jh, jetzt anzufangen, mit vier Kindern au dem Hals? Nino machte die Auaen weit auf un starrte sie an, ganz verwundert übel diese Frage. Ja, maS gedachte er am zusangen? Jenen Tag schienen ihm Nela's Fin: gcr die zartesten und geschicktesten, ihn auf dem Kopf zu kratzen. Aber als am anderen Tage die Reihe an Ciccia war, und diese sagte: Gevatter Nino, w weiß, welche Hände Ench in einem hab ben Jahre krauen werden?" sperrte erdn Augen auf und starrte sie an, genau wu bei Nela ja wer weiß, welche Händi ihn in einem halben Jahre krauen würden? Und wenig fehlte, so hätte er ge: antwortet: Konnte ich bessere sinden, wie diese hier?" Aber wie froh war er, daß ihm daZ nicht entwischt, als am folgenden Taq .Carmela mit ihren Fingern ihm in den Haaren herumsuhr, sie verstruwelte und wieder glättete und ganz leis die Köpft haut kratzte und dabei ihre schönen ack; ten Arme seine Backen und Ohren streif-, ten. Sie fegte nichts. Sie fragte nicht, was er anzufangen gedenke mit vier Kindern auf dem Hals, noch beschäf tigte sie sich zum Voraus mit den Handen. die ihn in einem halben Jahre krauen würden ; aber sie kraute, kratzte und krabbelte wunderbar und legte ihm manch: mal vielleicht unbeabsichtigt den Arm auf, die Backe und er fühlte, wie zart und frisch das Fleisa) war. Der arme Wittwer lieg sie gewähren, öffnete die Auczen nicht und jagte die Gewissensbisfe, dle in ihm emporstiegen, aus den Herzensgrund hinab. Es waren kaum acht Tage, daß die Arme ausgehaucht, hier gerade auf dem Fleck, und er vergaß sie bereits. Ä Er hatte es vorgezogen, die Dinge im mer so weiter gehen zu lassen. Doch eines Morgens kam Muhme Sepha, Nelas Mutter, herauf mit Kunkel, Spindel und ernsthafter Miene: Gevatter Nino, ich nenne mich nach der heiligen Klara. Klare Nede darf Euch nicht verdrießen." Nedet nur. Base Sepha!" Seid Jhrein Mann von Ehre und der Wille Sankt Josephs, des Patriär chen Weiter kam sie nicht. Meister Paul trat herein, die stinkige Pfeife im Mund. Er wollte mal nach dem Gevatter sehen, dem es ja fegn' ihn Gott wirklich gut ging. Er nahm ihn bei Seite und entschuldigte Ciccia's Außenbleiben, sie könne nickt mebr kommen: Das unverschämte Pack Mjcht und lästert soll ::: :
Ich E.inen umbringen, bei der a ? Freilich, wenn Ihr, Gevatter, che Absichten habt...." Und so kam diesen Tag nur Carmela. sie streifte die Aermel auf, wie sie gs wohnt war, o?dn?te das Haus, fchüttelte das Bett und kochte das Mittagessen. Stillschweigend kniete sie den Brotteig, bereitete die Wecken sür die Kinder, uns als später die Amme kam, die das jüngste Waislein stillte, nahm sie eö ihr vom Arm, band die Wickel auf und legte neue Windeln unter, als wäre sie schon daran gewöhnt, gerade wie eine Mutler. Dann fragte sie: Gevatter Nino, soll ich der Amme eine Handvoll Bohnen geben?" Muhme Sepha rümpfte die Nase uud ging; zuerst aber sagte sie dem Nino noch in's Ohr: was kosten ihr die Bohnen? Auch Meister Paul erhob, sich verstimmt, klopfte feine Pfeife an der Stuhllehne anstund brummte: Hab's verstanden, Geiatter! Euch behagt's von Schüsseln zn speisen, von denen vor Euch Andere gespeist. Wohl bekomm's Euch !" Carmela, die Alles gehört hatte, heftete ibr Fürtuch an und sagte: Gevatter Nino, der Kinder wegen thut'ö mir leid" Und ein heftiges Schluchzen preßte ihr die Kehle zusammen, daß sie nicht weiter konnte. Laßt sie plappern; ich weiß, daß nichts d'ran ist; sie schwatzen so aus Wuth," entgegnete Nino. Thut's den Kindern zu Lieb, Gevatterin Carmela!"
Am anderen Tag indessen waren alle drei wieder da ; sie sprachen kein Wort zusammen ; voller Wuth uud Unverträglichkcit riß Jede der Anderen fortwährend die Arbeit aus der Hand. So mißrieth das Essen uud brannte an. Die Kinder blieben schmutzig und ungekämmt. Im Haus ging Alles drüber uud drunter. und das Bett wurde so schlecht gemacht, daß die Matratzen mit Steinen aefüllt schienen. Nela zerbrach zwei Teller und sing mit Eiccia und Carmela, zwei ungefchickten Schmutzlappcn," zn zanken an. Ciccia stieß den Waschnapf um und überschwemmte die Stube; bei einem Haar hätte sie sich mit Carmela, dieser Schandperson", geprügelt. Und Carmela steckte ihr's mit gehörigem Mundwerk, die Hände auf die Hüftengestemmt, und schrie, der Nino sei eine Schlashaube" und lasse sich von den zwei Weibsbildern auf der Nase herumtanzen. Ja, was soll ich dabei thun?" fragte Gevatter Nino. Und nach diesem geräuschvoll aufgeregten Tage des Nachts auch noch ein Bett voller Buckel und Hocker! Der arme Wittmauu that kein Auqe zu. Und da behaupten sie, daß ich anstatt eines drei Weiber habe! Zu viel Gnade, heiliger Antonius!" rief er nach zwei weiteren Tagen ähnlichen Wirrwarrs. Ich muß mich entscheiden. So kann's nicht weitergehen ! Wären nicht die Kinder weg damit ! Aber Christus hat's nun einmal so gewollt!" Und er entschied sich den folgenden Abend. Jene frischen, festen Arme mit der garten Haut, die ihm Ne Backen gestreichelt, er hatte sie nicht mehr vergessen ; , uud kaum war Carmela gerade allein im .Haus, als sie ihn mit dem Karrcn anfahren sah ; als sie in den Stall j herunterkam,bettnAusschtrren des Maulthieres zu helfen, faßte ti sie bei der Hand: Hort, Gevatterin Carmela " Laßt mich gehen, Gevatter Nino!" Hört, Carmela: wenn Ihr mir schwöret, daß das. was die Leute von Euch sagen, eine Niederträchtigkeit ist " Und wenn ich schwöre, werdet Ihr mir glauben?" Das werde ich, bei der frommen Seele der Verstorbenen!" Dann schwör' ich's Euch bei diesem Kreuze Gottes!" versetzte Carmela und küßte ihre übereinandergekreuzten Daumen. Als am Hochzeitstag die Gatten, nachdem sie auf dem Rathhause getraut, von der Kircye heimgingen, standen Nela uud Ciccia, die schon längst wieder gute Freundinnen geworden waren, jener Andern zum Hohn mit den Nachbarinnen auf der Straße und bemühten sich, frohlich anszusehen. Muhme Rosa warf Hände voll Gerste wider die Neuvermählten: Gesundheit und Söhne!" Wird mcht fehlen!" brummte Metstcr Paul boshast, die Probe ist gemacht!" Nela und Ciccia brachen in ein unbändiges Gelächter aus. Carmela that, als siele sie ein Husten an, spie dreimal hinter sich und trat über die Schwelle: vorspringt, ihr Gesindel ! " Wunsch. Die Grabschrift, nach der ich immer ge strebt. Gern wußt' ich, ob ich sie erworben: Hier ruht Einer, der hat lange gelebt Und ist jung gestorben. . Ueber Duft und Färbung der in Europa gezogenen Blumenarten theilt Möller's Deutsche Gartmrzeituug" Folgendes mit: Es werdeii gegenwärtlg in Europa 4200 Blumenarten gezogen, von denen nur etwa 420 ein!n angenehmen Duft entwickeln. Am meisten sind unter ihnen die weißen Blumen mit 1101 Arten, darunter 187 duftende, vertreten. Dann folgen die gelben Blumen mit dpi Arten, einschließlich 77 duftenden. In dritter Reihe stehen die lothen Blumen mit 823 Arten und 84v mit Duft, in vierter Reihe die blauen Blumen mit 594 Arten und nur 3l duftenden. Bei den violetten Blumen gibt es nur 303 Arten und nur 13 angenehm riechende, wahrend unter 230 Arten mit verschiedenfarbigen Blumen 23 einen angenehmen Duft aushauchen. Um so größer jedoch ist die Zahl derjenigen Arkm. welche bei Reibung oder auch ohne solche einen unangenehmen Geruch verbretieu. Banquier: Also Sie wünschen die Hand meiner Tochter; Vermögen haien Sie wohl keins? Lieutenant: Noch nicht, obcrdoch zn erwarten. Banquier: h!un, das läßt sich hören, von wem kenn? Lieutenant: Von meinem - r ..... - .lunsliJenc?wlkgervaier
Dcr historische Vrobirsaal. Ctudcnlenhumereik vml Th. mary.
Mutter, Mutter!" ritt der biedere Landwirth Festing imd l'n it der dicken Frau den eben aufgerissenen Brief vor das gutmüthige Gesicht, in dem all' das Fett, daß sie in den dreißig Jahren ihres Küchenregiments zu Schnitzeln und anderen guten Dingen verbraucht haben mochte, zn glänzen schien. Ich muß doch hinfahren und schauen, was der Bursche, der Karl, eigentlich treibt. Nun habe ich ihm in diesem Jahre schon zu einer sechsbändigen und zwölfbändigen Weltgeschichte das Geld geschickt, dann hat er für große Summen eine in 16 und 21 Bänden angeschafft und eben schreibt er mir wieder, er brauche 173 Mark für eine 24bändige Weltgeschichte; die solle ich ihm nur ja gleich mit Postanweisung schicken, sonst werde das Werk am Ende in einiger Zeit noch viel mehr kosten. Das geht ja doch nicht mehr mit rechten Dingen zu. Wie kann denn der Junge in sclner Stube noch Play sür die vielen Bücher und in seinem Gehtrukastcn noch Raum haben für alles Das, waö er aus ihnen lernen sollte?" Die gute Frau war nun von dicfem Ansinnen des Sohnleins, daß auf der berühmten Universität sich mit so viel Eifer historischen Studien ergab, auch ihrerseits ein wenig überrascht, sprach aber nichts desto weniger dem eindrinlichen Vater bald eindringlich zu, doch ja das Geld nicht zu sparen, da ja der Karl, wenn er so viel Bücher sich aneigne, nothwendigerweise ein großer Gelehrter werden müsse. Aber so nachgicbig sich Festinz auch sonst seiner Gattin gegenüber bewles, diesmal wollte er dem stürmischen Angriffe auf seinen Geldbeutel nicht ohne Weiteres weichen. Er schimpfte zunächst arg auf die Neuzeit, die den jungen Leuten so viel unnütze Weisheit eintrichtere, daß sie darüber sich in den einfachsten Dingen nicht mehr auskennen. Das wäre doch des Teufels, wenn man aus einer sechs- und zwölfund achtzehn- und einundzwanzigbändigen Weltgeschichte nicht auch eine zn vierundzwanzig Bänden herstellen könnte, und wenn der Junge sich nicht zu helfen wüßte, er werde die Sache mit einem ordentlichen Buchbinder schon ins Reine bringen. So fuhr er denn auch richtig am nachsten Tage, zu größerer Vorsicht jedoch mit einer wohlgefüllken Geldkatze versehen, in die Universitätsstadt ab und klopfte um 11 Uhr an die Zimmerthür seines fleißigen Sohnes. Da sie sich aber nicht austhun wollte, begann er mit beiden Fausten so energisch zu trommeln, daß endlich eine Fran sich im Gange zeigte und ihm auf seine Erklärung, er sei der Vater deS Studiosus Festiug, mit elncm Schinn die Räumlichkeiten eröffnete. Ein durcheinander geworfenes Bett, daß augenscheinlich erst vor ganz kurzer Zeit verlassen worden war, über demselben zwei gekreuzte Rapiere mit Fechthandschuhen, ein Trinkhorn, unordentlich herumliegende Kleidungsstücke, aus dem Tische alle'Utensilicn, deren man zum GroKbrauen benothigt, und eine mächtige fast geleerte Numflasche, das war der wenig erfreuliche Anblick, der sich ihm hier darbot; von Büchern bögegen war trotz seines eifrigen Spähens auch in den entlegensten Winkeln nichts zu entdecken. Aber wie ward ihm erst zu Muthe, als ihm die Frau in das Zimmer nachkam, eine säuberlich geschriebene Rechnung vorlegte und um die Begleichung, die sie seit längerer Zeit von dem Herrn Studiosus vergeblich verlangt hätte, in höstichen, aber immerhin dringenden Ausdrücken bat. Es war dem guten Mann nicht zu verargen, daß er, nachdem diese Angelegenheit geordnet und er wieder auf die Straße gelangt war,, in einen etwas raschen ßckritt versicl und ganz unversehenS mit "einem jungen Mann, den Kappe und Band als Studenten kenn? zeichneten, hart zusammenstieß. Alter Schwede!" rief ihn dieser an, Ihr habt wohl den letzten Rausch noch nicht ausgeschlafen! Oder wollt Ihr vtelleicyt die ganze Stadt mit Euren Elephantensüßen in Grund und Boden trampeln?" Diese rüde Ansprache brachte den Aergerlichen zum Stehen und er erklärte gemessenen Tones, daß er kein alter Schwede, sondern der Festing.' Bürgermeiste? und Oekonom zu Herrenfeld, auch nicht betrunken, sondern blos aufaebracht, daß er seinen Sohn, den er besuchen wollte, nicht zu Hause getroffen. Den Karl Festing suchen Sie?" antwortete Jener etwas freundlicher, der wird wohl gestern arg gekneipt habest und jetzt Hundshaare auflegen. Ist ein patenter Kerl und säuft wie ein Loch. Doch kommen Sie mit, ich will ihn Ihnen aus der Kneipe citiren." Unter ähnlichen Loösprüchen auf den Sohn, die aber sämmtlich dem Alten wenig erfreulich dünkten, führte er ihn durch einige Gassen in einen Gasthof bis zu einem Raume, aus dem fröhlicher Gesang zu hören war und hieß ihn hier warten. Durch die geöffnete Thür war ne ziemliche Anzahl, der Sänger zu sehen, die, mit Kapze und farbigem Bande geschmückt um einen Tisch herumsaßen, ein jeglicher eine gewaltige Pfeife in der Hand und einen Humpen schaumenden Bieres vor sich. Als das Lied, das sie mit großer Lungenkrast zum Besten gegeben hatten, beendigt war, hielt ein Einzelner eine Rede, von der jedoch der Harrende wegen der unter dessen wieder verschlossenen Thüre nichts verstand; er vernahm nur nach ihrem Abschlüsse laute Zurufe und sah, als eben ein Kellner heraustrat, wie sie alle auf den an der Spitze der Tafel Sitzenden losstürzten, ihn umringten, unter stets heftigerem Geschrei mit geschwunacnen Gläsern auf ihn eindrangen. Bei diesem Anblicke glaubte Festing nichts Anderes, als daß es dem armen Menschen an das Leben gehe und eben war er im Wegrisse voll Entsetzen Zeter irnd Mordio zu schreien, als er noch im letzten Augenblicke durch seinen herbeieilenden Sohn zurückgehalten wurde. . Was geht hier vor ?" schrie er diesen an. Was hast Du in dieser Räuberhohle zu thun?" Fine Räuberhöhle?" rief Karl, der auf die Benachrichtigung von der unvermutheten Ankunft de?VaterS hin seinen
Vertheidigungsplan entworfen hatte. Was meinst Du nur. Vater? Das ist ja unser historischer Prodirsaal.
Damit zog er een noch immer ängstlich j tu? den arm Hlnhsrchenden mit jich fort auf die Gasse und aab endlich, als sie dem verdächtigen Hause den Rücken gekehrt hatten, auf die dringenden Fraaen des Vaters Bescheid. Die Theilnehmer des historischen Seminars an der Universität," so sprach der lustige Kumpan, müssen von Zeit zu Zeit über die von den Professoren ge stell; ten Themata liefern und felbstständtg einzelne Epifoden der Geschichte behandeln. Um nun möglichst naturgetreue und lebhaste Schilderungen geben zu können, haben die fähigsten - und eifrigsten Jünger unserer Wissenschaft aus gemein iame Kosten dieses Lokal, den . yisto:ischen Probirsaal", gemiethet und treffen nun hier zu dramatischer Ausführung des geschichtlichen Ereignisses,, das gerade Vorwurf für die Abhandlung des' Einen oder des Anderen fei, zusammen: aus diese Weise kommt Jeder in die Lage, längst Vergangenes gewissermaßen nach eigener Anschauung zu bescurnben. Ein Bei piel. lieber Vater, wird Dir das verständlicher machen. Ich selbst bin gerade mit einem historischen Essai) über Julius Cäsar beschäftigt und fast schon bis zum Abschlüsse desselben gekommen. Heute haben meine Commilitonen die Vorgänge bei Cäsar's Tode vorgeführt, vierzehn stellten die römischen Senatoren vor, die sich unter Cäsars Vorsitz zu einer Senarvoersammlung zusammenßkfsndkn iind sich dann auf Cafcas Rede insgesammt auf den Dietator gestürzt hätten. Ich aber, lieber Vater, habe aufmerksam zugeschaut und würde, wenn ich Dich nicht getroffen, eilends auf die Bibliothek gegangen fein, um das Gescheut bort zu Papier zu bringen. So, so," meinte der Alte, vcrwun? dert den Kopf schüttelnd, das waren also römische Senatoren. Aber was ha: ben denn diese nur für ein schreckliches Lied gesungen, bevor sie dem armen Ca sar zu Leibe gingen ? Das ist das Gaudeamus", war die aufklärende Antwort, die altrömischk Volkshmnne, welche immer vor E.öff nung der Sernnssitzung abgesungen wurde. Das fand der patriotische Festing gan; begreiflich. Aber," sagte er nach einer Weile, von neuen Zweifeln erfaßt, haben sie denn im römischen Senat auch Bier getrunken und aus so unmenschlich langen Pfeifen geraucht?" . Wo denkst Du hin, Vater ! Das ist freilich ganz unhistorisch. Abc? Du mußt dbch bedenken, daß .die braven Bmschen nach den anstrengenden Collegien kir noch viele Stunden ihrer kost? baren Zeit zur Forderung meiner Stu dien opfern. Da ist es denn nur eine ganz geringfügige Entschädigung, wenn ich sie zu iyrer Erholung und Aneiferung mit Bier und Tabak rcgalire. Ueberdies müssen ja die langen Pfeifen die Stäbe darstellen, welche die Senatören als Abzeichen ihrer Würde in der Hand führten, und wie die Bl'ergläfer die Mordwerkzeuge dcr Verschwörer vertra- : ten, das l ast Du mit eigenen Augen ge, sehen." ! 3, !, haben ganz wüthend da: mit hcrumgestozzen, daß mir angst und bange geworden ist," stimmte der Batet bei; aber rohe Gesellen sind cs dach; und Du solltest lieber ihre Gesellschaft meiden. Der eine hat mich fogar einen ! alten Schweden genannt und von Dir gesagt, u saufen wi ein Loch." Daß darfst Du ihm nicht übel nehmen", entschuldigte Karl den Freund; er befaßt sich so eingehend mit dem dreiigjährigen Kriege, daß er sich ganz das ungeschlachte Betragen und die Sprache iener Zeiten angeeignet hat. Ja, cs ist sogar Aroße Gefahr vorhanden, daß fein wissenschaftlicher Eifer ihn noch zu Grunde richtet, denn um die Kulturzustände jener Epoche genauer und aus eigener Erfahrung kennen zu lernen, beginnt er schon so ungeheure Quantitäten zu trinken, wie es die Leute damals thaten." Der alte Festing versank lange Zeit in ein tiefes Nachdenken und ging stumm an der Seite seines Sohnes einher, bis endlich die Nähe der Wohnnng desselben ihm die unerfreulichen Erfahrungen, die ihm dort geworden wieder in das Gedächtniß zurückrief. Nun ergoß sich eine heftige Strafpredigt wegen 'des Schul, denmachens und des Aussehens der Stube, die ja durch den völligen Mangel an Büchern gar nicht der eines Gelehrten glich, über den hoffnungsvollen Junger der Wlnenjchaft, und m cnergischein Tone, verlangte er über alle diese Punkte genaue und wahrheitsgetreue Rechenschaft. Vater, Vater!" verantwortete sich dieser mit dem Tone gekränkter Unschuld. Du thust Mir mit Deine Vorwürfen arges Unrecht an. Meine Bucher traae ich wie alle steinigen votu denten zur Bibliothek, wo wir Einer dem Anderen mit unserem Besitze aushelfen können ; so braucht nicht ein Jec ... . k r ver aue anzulassen, uno wir sparen dabei unser Geld. Komme mit mir, und ich will sie Dir alle dort zeiqen. Und nun bedenke nur:ier Stunden höre ,ch tagltch die Vortraae.dcr Professoren, vier Stunden lese oder schreibe ick auf der Bibliothek und drei Stunden mindestens bringe ich im Probirsaale zu: wann soll ich nun über alles Das, was ich geHort, nachdenken? Dazu bleibt nur noch die Nacht übrig. und damit ich nicht 'von so fortgesetzter geistiger Anstrengung zu früh in Schlaf verfalle, imiß ich in später Nachtswnde dann undsiantt ein Glas Grog tunken Und die Schulden bei meiner Quartiers frau wirfst Du mir vor ? Ich mußte sie aber machen ; da$ war em unumgänglich nothwendiger Studienbehels. Cäsar, wie Du aewkß weißt, hatte aar ttxcä j Schulden, und nur durch sie wurde er zfc t .. ..ft rv . ' seinen uin yalett augemevcn. soll ich das richtig zur Darstellung brins gen rönnen, wenn ich mcht weiß, wie Einem zu Muthe ist, der Schulden hat? Das kann doch kein vernünftiger Mensch von mir verlangen. Das Geld aber ist alles wohl anaewcndet, denn davon habe ich , die Kosten der historifchen Proben, Miethe für den Probirsaal und manches ! Mdere vatM.
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Der Alte versank in tiefes Schweigen, aus dem er sich endlich zu der Aussord: rung an seinen Sohn aufraffte, sich ji nicht durch ihn von seinen Studien ab halten zu lassen ; er habe in dieses Stunden so viel Ueberraschendes gesehen und aehort, daß er eine Zeit lanq darüber nachdenken- müsse, und zu diesem Zwecke wolle er ueber gleich wieder in die Heimath zurückfahren, um alles Weitere dann in wenigen Tagen, sei eö persönlich, sei es brieflich, in Ordnung zu bringen. Zarl lien es sich nicht nehmen, dem Zater bis zum Bahnhöfe das Geleite zu qcben, nttb fühlte einen Stein vom Herzen fallen, als der Zug, der den ganz . . -; r ..' r . . ri . r r t t wlver seine sonnige ?ewounyeü schweigsamen und ernsten Mann entführte, seineu Blicken entschwunden war. wei age hindurch wurde er auf seiner Kneipe wegen der Gewandtheit, mit welcher er den Alten hinter das Licht geführt hatte, gefeiert und' gepriesen ;, als er aber am dritten dort ausblieb und von zwei Koni militonen auf seiner Bude heimgesucht wurde, fanden diele ihn verstörten Gestchtcs mit dem Einpacken seiner a'chen beschäftigt. Des Räthsels Lösung gab folgender Brief: Lieber Sohn! Du weißt, daß ich Dich nur nnqern 5N die Universität gehen ließ und es lie-b-r gesehen hätte, rvenn Du ein schlechter Lanswirth geworden wärest, gleich mir. ich aber dachte. Du ergrrnst aus in nerer Neigung einen anderen ehrenhaften Beruf, wollte ich meine Einwilligung nicht versagen. Nun hast Du selbst mir die Augen geöffnet über die Gefahren, denen ich Dich damit ausgesetzt habe. Wenn Dem Freund des dreißlgsahrlqen Krieges wegen ein Säuser werden und Du um deS Cäsar's willen Schulden machen mußt, so wärest Du ja, wenn Dir Dein Professor zufällig den Casca aufgegeben halte, anch genöthigt, ein Atrental aus das Leben des Staatsoberhauptes zu machen, und wolltest Du vielleicht später gar über den römischen Kaiser Nero schreiben, der wie ich einmal gelesen habe, seilte Mutter ermorden ließ, wie könnte ich es vor meinem Gewissen verantwortcn, meinen Sohn durch seinen Beruf zu einem solchen Gräuel gezwungen zu hab?n ? Also muß ich von Dir verlangen, daß Du Deine Studien aufgicbst und allwglcich in Dein Vaterhaus zurückkehrst, wo ich bald aus Dir einen braven Oekenomen wachen will. Dein alter Vater." 55 Das ist er denn auch geworden, ein tüchtiger Landwirth, ohne daß bisher die historische Wissenschaft seinen Verlust sonderlich zu betrauern Ursache gehabt hätte. Künstlerschrullen. . Salvitti, dcr große tragische Künstler, hat sich ein Vermögen von mehr als einer halbe Million zusammengespielt, soll aber dabei doch einen kleinlichen Geiz zur Schau tragen, der unwiderstehlich komisch wirkt. Seine Unternehmer sind noch selten auf einen grünen Zweig gekommen, da er sie wie eine Citrone ausquetscht und Anforderungen an sie stellt, die sie nicht befriedigen können, ohne auf jeden eigenen Gewinn zu verzichten. Von allen seinen hier zn Lande gespielten Rollen bat sich nur eine gewinnbringend erwiesen: Othello", der öfters 4000 Dol-lars-Häuser ergeben. Dagegen sind alle seine übrigen Rollen vor nur theilweise besetzten Häusern in Scene czegangen, ja die Einnahmen sielen mitunter bis auf hundert Dollars, während Salvini für sich allein 500 Dollars per Abend beanspruchte. Mßer einem, sich auf viele Tausende belaufenden Wechsel, hat Salvini von jedem seiner amerikanischen Gastspiele auch noch eine schwere Kiste voll Wachskerzen mit von dannen geführt. JnHcn Garderobe-Zimmern der italienifchen Schauspielhäuser benutzt , man keine Gasbeleuchtung, sondern Wachskerzen, die dem Schauspieler entweder in atura geliefert werden, oder für die er eine Entschädigung erhält. Salvini dehnte diesen Gebrauch auch auf alle feine amerikanischen Gastspiele aus und bebang sich sür jede Vorstellung contractlich vier Wachskerzen aus, während man sich in Italien mit zwei begnügt. Da jedoch die Garderobe-Zimmer aller am rikanischen Bühnen mit Gas versehen sind, benutzte er die Kerzen nicht, sondern reservirte sie für den Gebrauch in Jtalien, wo er die übliche Entschädigung für die Kerzen einstreicht und seine eigenen brennt. Nach jedem amerikanischen Gastspiel wanderte eine schwere Kiste voll Wachskerzen mit über den Ocean zurück, und da er sich, neben eigener freier Reise, auch stets freien Transport feines Gepäcksausbedungen, wurden ihm die Ker!en 'sogar kostenfrei nach Italien geliefert. Nicht alle Künstler besitzen soviel spekulativen Geist, aber nicht alle brinzen's auch zu einer halben Million. E i n e Gu tz k o w e r i n n e r u n g jringt die Neue Landeszeitung". Ich traf so wird aus ihrem Leserkreise geschrieben vor einigen Tagen den Enkel starl Gutzkow's. Wir hatten uns lange nicht gesehen uud freuten uns daher, daß wir einmal recht von Herzen plaudern könnte. Bald vereinigte uns der schäumende Schoppen und nachdem Frage und Antwort hin und wieder gefallen waren, strich sich mein Freund im Gespräch die Haare zurück und ich gewahrte ein paar mächtige Ohren. Mein Gott, hast Du lange abstehende Ohren!" Das ist Geburtsfehler", antwortete mein Freund heiter. Weißt Du aber," fuhr er fort, daß meine Ohren der Gezenstand einer hübfchcn poetischen Corretpondenz zwischen meinem Vater und meinem Großvater, Gutzkow waren. Zlls ich nämlich zur Welt gekommen, waren es vor Ällem meine unförmlichen Ohren, die meinem Alten anffielcn, er telclcgraphirte also an Gutzkow: Ein Junge ward uns heut' geboren Zwar mit etwas langen Ohren, Die Nase scheint gothisch. Die Stimme klingt melodisch." Gutzkow telegraphirte zurück: Laß' die Nase, laß' die Ohren i' An dem Jnngcn ungeschoren, Wiener auf die Welt gekommen, :, Wird er jubed aufgenommen.
ZÄ
Wsssenfefte. In der Festzeitung für dös siebente 1 teutsche Turnfest zu München berichut , Franz Dennerlcm über die 'Wsffessests ' und Leibesübungen deutscher Bürger ivi 15. und 10. Jahrhundert. Groß? Aus merksamkeit wurde damals auf die Kegelbahnen gewandt, die allerdings inStadt und Land noch nicht js häusig bestanden als jetzt. DaS deutsche Kegelspiel zunächst ein Wurfspiel, als welches es m vielen Gegenden Deutschlands, z. B. , in der Oberpfalz noch heute belricben wird hat nach inrock eine eigeuthümliche Entstehungsgeschichte. Es war ' das eindringende Christenthum, dem wir 1 unsere heutigen Kegel verdanken. Der christliche Prediger stempelte nämlich dieheimathlichen Götter zu Dämonen, und als der Sieg der neuen Lehre entschieden, war. feierte man den Sturz der Gotter durch besondere Spiele, wobei mit gutem Geschicke an die althelLmschen Frühlingskämpse angebunden wurde. Im Domhof zu Hildesheim errichtete man alljährlich Holzklötze, welche die Namen alter Götter trugen, und' ließ sie von spielenden Knaben niederwerfen. Auch von Halberstadt ist uns ein Bericht er- ' halten, daß in jedem Jahre ein hölzerner Kegel anstatt deS Abgottes aufgesetzt und danach geworfen wurde. Wenn wir nun hierzu die Neunzahl der Götter, die den neun Tagen der alten Woche entsprechen, in Betracht ziehen, so unterliegtes wohl keinem Zweifel, daß man auf unseren heutigen Kegelbahnen mit dem: Heervater Wnotan und den Genossen. Walhallas zu thun hat. Im 16. Jahrhundert tritt das Kegelspiel bereits in doppelter Form auf. Es wurde hoch im Bogen nach den Kegeln gewotfen und ebenso die Kugel nach denselben gerollt. Auf den Vürgersesten waren auch für diese Thätigkeiten Preise gesetzt. Die Chronik von LandShut verzeichnet bei Gelegenheit des großen Armbrustschies ßens im Jahre 1493 als Bestes auf der Kegelbahn ein 5lleinod von 10 Gulden; in Breslau schob man 1518 einen Ochsen aus, und konnte nebenbei gleißendes Zinn" in Menge gewonnen werden. Aehnliche Preise brachte auch baS Klettern. Man betrieb diele LeibesÜbung im 16. Jahrhundert vorzüglich am glatten Kletterbaum. Dieses Geräch war auf öffentlichen VergnügungSplätzen vorzüglich in den Ucbungsräumen der Schützen, permanent aufgestellt und wurde von Jung und Alt benützt. Beim Waffenfeste sehlten natürlich diese Steigbäume nicht. Oben befanden sich, wie heute noch, die Preise : Kleider, Schmucksachen :c. :c., zuweilen auch ein Hahn in einem Korbe, dcr aus seiner hohen Position geholt werden mußte. Das Sprichwort: Er ist Hahn im Korbe mag wohl daher feinen Ursprung haben. Auch Tanzreioen wurden beim bürgerlichen Wafsenfeste-vorgeführt und hervorragende Leistungen mit Preisen bedacht, so daß dieselben als zum Feste gehörig, also als turnerische Leistung erscheinen. Sie hatten noch vielvon jenen Tänzen aus dcr Zeit des Minnesanges, wo in anmuthiger Verbindung von Ge sang, Musik, mimisch bewegten Gruppenund meist auch gut gewählter laudschast-, lich er Umrahmung ein Bild der lebensvollsten Art geschaffen wurde." Die langsam und wohl bemessen dahin wandelndenSchritttän.ze, bei welchem die Tänzer kaum die Fingerspitze ihrer Damen berührten, sowie die ausgelassenen Hoxpaldei" und Troialdci, die in üppigen Sprüngen ihren Höhepunkt erreichten, hatten sich zum Theil bis kn daS 16. Jahrhundert erhalten. Bei, den Motiven zu den Tanzweisen war aber der Grundton der uralten, volkstümlichen Maifeier mit ihrer ewig nen im Menfchenherzen aufknofpenden Lust um somehr vorherrschend, sie in gerade derartigen Neigen bei dem Wafsenfeste der Bürger, also im Frühjahre, osfenttich zur Vorführung kamen. Als Neigenführer erscheinen uns dabei die lustigen. Pritschmeister und Spruchsprecher. Sie, die in aller Form das waren, was die Herolde und Wappendichter bei den nlterlichcn Turnieren gewesen, forderten, wie sie den Ruf zum Schießen und zu, den anderen Wettkämpfen ergehen ließen, auch zum fröhlichen Tanze auf. DieS geschah in einer Weise, die wohl Viktor Scheffel, der feine Kenner deutscher Vergangenheit, am besten gegeben hat, wenn er singt: Herbei ihr Flinken, Schnellen, Paaret euch den Tanzgesellen, Der Umzug hebt sich an. Tamburer und Floitierer, Harfner und Trombonierer Zieh'n uns mit Schall voran. Merkt wohl, wie ich mich spreite Und schreitet, wie ich schreite, In stolzer Kranichsart: Den Reigenleitstab schwing ich Und wer nicht folgt, den zwing ich Mit einem Kuß zur Fahrt." Einst und jetzt. Schwarz wie die Nacht erglänzte baK Haar, Weiß glänzte die Reihe der Zähne, Jetzt werden schwärzer mit jedem Jahre Die Z ä h n e, und w e i ß e r die Haare. ; Humor vertrieb mir sonsten die Ze ii 1 In trüben wie fröhlichen Tagen Doch jetzt vertreibt mir die Z e i r ! den H u m o r ? Und raubt mir jedes Behagen. Sonst ging ich mit kräftigen L u ns A gen h i ll a u-$ ' D Uvm geht mir täglich die Lu n Mn-i kraft a u?43 ' r Ost b st ch 1 1 ich auch im S ch e x yß':A Freu iiböcrn Is Jetzt stellt sich dieser im E r n st e baw ein! - r -a Vö; Hur Sprachlehre. Lehrer:: Fritz, sage mir einmal einen Satz irc Izt thätigen Form!" Fritz: Ich krinke Bier!" Lehrer: .Sehr gut ! öie lautet dieser Satz in der leidenden sorm ?" Fritz : Ich trinke ' IfCn Nur!" - Auf der Treibzag d. Sonntagsjäger: 'S doch '.erkwürdig, lu die Hasen ziel' ich und ircfs' sie nie. and auf die Treibe? ziel' ich nie unh ttesf sie toter!"'1' .illt-1
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