Indiana Tribüne, Volume 13, Number 107, Indianapolis, Marion County, 5 January 1890 — Page 6
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Von dcn Sonntagöjügcrn. Wenn man am Morgen einen Jäger "blickt, der, in ein Lohnfuhrwerk hingestreckt, mit hohem wxiclhahnschmue, Gemsbart und Geierflaum prunkt, der en blankem Riemenzeug die zierliche Patronentasche und eine Znnkelnagelmue Büchse trägt, dessen modische Stiejelchen viel mehr die Bekanntschaft mit dem Ackerfelde verrathen, dann darf man Zehn gegen Eins metten, daß der Mann in die Kategorie der Gefährlichen" oder Sonntagsjäger gehört. Nicht alö ob solcher Wachmann de:n Gethier deS Waldes und Feldes gefährlich wäre Gott Lcmahre ! Selbst der dümmste Hase eiß heute schon, daß er die Kette gerade unter den Geroehrläufcn dieses Art Schützen durchbrechen muß, will er seinen Balg unbeschädigt weiter tragen. Das gerade ist ja das charakteristisch Erkennungszeichen an einem echtes Sonntagsjäger: er trifft niemals. Eine nette Geschichte aus dem Sonntagsiägerleben wird aus einem Orte deS Kantons Aargau in der Schweiz gemel der. Brachen da zweiWaivmänner auf, um auf der Wildfchweinpürsche ihr Glück zu versuchen. Es schien ihnen auch in der That zu lächeln, denn zwei Säue, welche ihnen in den Weg gekommen waren, standen fest wie bis Sägeböcke, offenbar um in volle? Ergebung der Kugeln zu warten, die da kommen sollten. Und dennoch ereignete sich das Unglaubliche : die treffsicher ren Schützen fehlten! Wie kam das? Es ist eine merkwürdige Geschichte wildschweinliHer Hinterlist ! Die Jäger hat ten sich nämltch in weiser Besonnenheit verabredet, welcher der Säue ein Jeder " den Garaus machen wollte. Denn wie der Sonntagsjäger äußerlich die Attribute des echten Waidmanncs führt, ss sucht er es ihm auch in der Geradheit und Biederkeit des Wesens, welche an jenem bekannt sind, nachzuthun. Dazu gehört vor Allem, daß man dem Andern die Beute, welche ihm vor das Rohr gekommen, nicht fortlistet. So wählt nun auch diesmal der eine von unseren Sonn-tags-Niemrods die Sau mit dem geraden, der andere die mit dem geringelten Schwan;!:". Als sie aber losdrücken wollten, geschah etwas Uncrhöhrtcs selbst für einen Sonntagsjäger. Die Sau mit dem geraden Schwäi'.zli ringelte dasselbe und die mit dem geringelten streckte das Ihrige. Die Nimrods wurden vollkommen konfus, fehlten beiderseits und die Säuli" liefen freudig grunzend ob des gelungenen Schaber nacks von dannen. Glücklich, wenn es noch so abgeht. Denn so häusig die Gefährlichen" Hasen,Füchje und Hühnerzu fehlen pflegen, ebenso gerne sieden sich die Beine oder das Gesicht des Nachbarn, welchen sie im Elfer des Gefechtes nicht früher bemerken, bis sein Wehegeschrei an ihr Ohr dringt. Die Zahl der Opfer, welche alljährlich das Nohr des Sonntagsjägers fordert, ist größer, als man gemeiniglich annimmt. Aus dem anscheinend fo Harmlosen WaidmannSvergnugen wird ostnials eine Tragödie, denn die Ungeschicklichkeit der Gefährlichen nimmt zu mit der Freude, welche alle Welt an diesem gesunden Sport empfindet. Vor einigen fahren wurde Paul von Eassagnac, der bekannte parlamentarische Heißsporn und Randalmacher, durch die Büchse eines Sonntagsjägers dieser seiner Thätigkeit auf längere Zeit entzogen. Einer seiner Freunde, welchen er auf die Hasenjagd .begleitete, war so liebenswürdig, ihm eine ganze Ladung Schrot in den Leib zu schießen, (jrn Korn verirrte lich an das obere Augenlid und riß dasselbe der gan$en Lange nach auf, so daß bei einem Haare das Auge selbst verletzt worden wäre. Bei dieser Gelegenheit offenbarte sich der große Unterschied zwischen einem Sonntagsjäger und dem echten Waidmann auf das Deutlichste. Eassagnac, velcher die Büchse zu handhaben versteht wie Feder und Papier, sah, trotzdem ihm das-Blut in Strömen über oaS Gesicht lief, wie der Lampe, auf welchen der gesährliche" Schütze gezielt halte, dicht bei ihm vorüberlief und streckte ihn im heilkgen Eifer der Jagd nieder. Sonntagsjäger gibt es in Deutschland, aber in keineswegs geringerer Zahl, als jenseits der Vogescn. Sie finden sich auch in allen Ständen. Vornehmlich übt das edle Waidwerk eine besondere Anziehungskraft aus auf solche ältere Herren, welche es Gott sei Dank dazu haben, in Ruhe und Gemüthlichkeit zu leben, aber dennoch hin und wieder den Drang nach Thaten in sich spüren. Zeigt dann ein guter Freund noch daS stattliche Geweih eines Hirsches, eichen er angeblich selber erlegt, dann ' hilft Mutterns Abreden nicht mehr. Ein Jagdschein wird gelöst, und wohlausgerüstet zieht der korpulente alte Herr in srohlicher Gesellschaft hinaus in dengrünen Hag. Diesmal waren es wieder ih- . rer Vier, welche das Coupö in der Eisenbahn theilten und von denen Drei einen ; ältlichen Herrn sehr eifrig in den Künsten der Jägerei unterrichteten. Die Reise , ging bis zu einer Station in der Nähe , Berlins und von drt aus noch einig? Meilen zu Wagen. Dann aß man noch etwas sehr spat, aber sthr gut zu Mittag, 1 nnd mit einbrechender Dunkelheit ging es ',' hinaus auf den Anstand. Am Rande 1 deS Waldes waren in zweckmäßigen Entfernungen vier Gräben errichtet, von de- ; ; nen jeder einen der Jäger aufnahm. Alle machten sichs in diesen Lochern mittels "f. der mitgebrachten Decken so bequem wie ' , möglich und warteten in Sehnsucht auf dieHirsche, welche bier aus dem Waloe , herauskommen uns zur Tränke gehen ,' sollten. Auch der dicke Herr machte sich'? bequem. ,!,,' Aber so ein Hirsch ist ein sonderbare? Thier, das ost stundenlang vergebens auf sich warten läßt. Wie es nun im1 nrer später und finsterer wurde und drei ; ron den Jägern ihre Augen in lautlosesier Stille anstrengten, um den Hirsch zu sehen, ließ sich plötzlich jene kräftige Athembewegung vernehmen, wele man als Schnarchen bezeichnet; sie ging von dem dicken Herrn aus, welcher, sanft mit dem Kopf zurückgesunken, den Schlaf des Gerechten fchlief, ?ur gßen Verzrseifluug der übrigen Jäger, denen er ans diese Weise die Hirsche wegschnarchte. Dnn, daF tiefe von dem leisesten Geräusch verjagt werden, weiß Jedermann, nur nicht ss ein Sonntagsjäger. Als
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sich schließlich die Drei kaum noch helfen mußten, unternahm es Einer von ihnen, den Schnarcher anzurufen. Mehrmals geschah das vergeblich, bis dieser doch schließlich aus dem festen Schlafe auffuhr, die juchze ergrl,; und in die Lüft hinein feuerte. Fluchend und ärgerlich krochen die übrigen Jäger aus ihren Löchern, ourn nun war an ein Herankommen des Wildes überhaupt nicht mehr zu denken. Der dicke Herr fuhr noch an demselben Abend nach Berlin zurück. Von dem Aufenthalt in dem Erdloch hat er en'.e heftig Erkältung und Heiserkeit mitgebracht, und als ihm später seine Jagdkameradc Vorwürfe wegen seines Einschlafens machten, entgegnete er mit heiserer Stimme: Von sieben bis zehn Uhr habe ick gewartet, wo konnte ick deu denken, dett en Hirsch so lange dürschtcn kann!" Es mag ja vorkommen, daß jclcV: Vorfalle einem Sonntagsjäger oic Lüst am edlen Waidwerk gründlich verleiren können ; meist geht sie aber so in Fleisch und Blut über, daß derjenige, welcher davon betroffen, saun mehr davon $ii heilen ist. In Wlsn kamen vor ctliait r Zeit einige Professoren der Universität auf den Gedankensich an diesem Sport zu betheiligen. In heiteren Kreisen erzählte man sich, daß sie diesen Entschluß nach gemeinsamer sorgfältiger Ueberlegung vorzugsweise deshalb faßten, um die überaus lästigen Folgen ihrer sitzenden Lebensweise mit Erfolg zn bekämpfen. Das soll denn auch gelungen fein, dafür traten aber nunmehr andere llebelstäne zn Tage. Einer der Herren vflegke seine Vorträge niemals frei zu halten, da ihm die Natur leider die Rednergabe vollkom; men verweigert hatte. Er bediente sich stetö feines Kollegienheftes und war ohne dasselbe schlechterdings nicht im Stande, der wissensdurstigen Jugend den Born seiner Beredtfamkeii zn erschließen. Eines Morgens suchte er, im Horsaale angelangt, vergebens nach dem bedeutung: vollen Hefte. Die Situation war überaus peinlich, denn alle Bemühungen des gelehrten Herrn, den Vortraz frei aus dem Gedächtniß zn halten, scheiterten an der Widerspenstigkeit desselben. Als auch die nächsten Tage de Professor keine Vorlesungen veranstaltete, ahnten di Zuhörer desselben, was sich zugetragen. Es war nicht anders möglich, als daß er sein so werthoolleS Kollegienheft beim Putschen verloren hatte. Da faßten sie einen kühnen Entschluß. Nachdem sie in diskreter Weise in Erfahrung gebracht, wo sich das Revier des im AUgemeiaeu so beliebten Lehrers befinde, begaben sik sich auf die Suche. Nach allen Richtungen durchstöberten sie dasselbe; eine leichte Aufgabe mai das keineswegs ; aber die Mühe wurde belohnt, ne fanden das ollegtenhest in noch leidlich gutem Zustande hinter einem dichten Buschwerk, wo eS der gelehrte Herr wabrscheinlich auf dem Anstand liegen gelassen. Seine, Freude kann man sich denken, als er wievcr im Besitz der so wichtigen Aufzeichnungen gelangt war. Aber dem edlen Waidwerk foll er trotz dieses Vorfalls in inniglicher Treue er.geben geblieben sein. Wie unser Sonntagsjäger in jede, Hinsicht das Gebühren deö wirklichen WaidmanneS oft bis zur momentanen Unterschiedslosigkeit nachahmt, so ist auch die Sprache, in welcher er seine Gescheh: nisse mittheilt, das JäZkrlatein. Nur daß es natürlich in seinem Munde den Beigeschmack ausweist, welcher seinem gesammten Auftreten entsprechen muß. Wenn uusere Nimrods das Ohr eines Dritten fern wissen, sprechen sie zwar ziemlich unverhohlen von dem Mißgeschick, welches ihrem Nohr anhaftet. Es muß doch ein eigenes Gefühl sein," sagte einmal ein junger Sonntagsjäger nach dem so und so vielten Fehlschuß, wenn man sein erstes Wild erlegt hat Mag sein " erwiderte fein Freund. ein schon ergrauter Sonntagsjäger; mit der Zelt ergkbt man sich aber auch darein, daß man überhaupt nichts trifft." Selbst seiner besseren Hälfte gegenüber fühlt sich der Sonntagsjäger unter 11, ständen noch immer zn solcher Offenheit verpflichtet. Was hast Du mir mitaebracht, lieber Theodor," fragt ihn seine Gattin, als er eben heimkehrt. Nichts," erwidert dieser empört; siehst Du denn nicht, daß ich von der Jaqd komme!" Umsomehr weiß er von dr Sicherheit seines Rohres zu erzählen, sobald er hoffen darf, gläubige Zuhörer i t r r rr . . . . ! " . gesunoen zu yaven. Wie waren le denn mit der gestrigen Treibjagd zufrieden. Herr Piepke?" Und dieser, ein Sonntagsjäger, welcher auf dem Boden Spree-Athens sein klassisches Latein ge lernt hat. entaeanet: Nu, sie war gerade nsch übel! Aber Sie sollten mal bei uns eene sehen ! Da kommen oft die Hasen so massenhaft angestürzt, daß mau sie erst vom Gewehrlauf herunterputzen ? u " . . mun, um vios zteien zu können !- tm dem übrigens der EolonliatlonLttleb in dem Deutschen rege geworden, begnüg er sich nicht mehr mit den heimathlicher Tristen, sondern sucht sogar überseeisch, auf. Für Denjenigen, welcher von einem solchen Revier heimkommt, ist die Situation dann allerdings oft ziemlich fchwiett . . rtg. 'er vsonrnagszager, welcyer n der Nähe von Wien und Berlin auf Beute ausfllegt, kann sich, wenn en Rohr, wie gewöhnlich, nicht trifft, fon der Mühe das Nebhuhn oder den Hasen ! r i. verwaisen, weicye er zu Hauze atS rophäe seines NuhmeS in die Küche schickt. Aber das Löwen- oder Leoparden scll, welches der Afrikareisende heimzubringen hat, ist nicht immer so bequem m erlan gen. Ein echter Sonntagsjäger weiß l'.ch zedoch unter allen Umnanden ans der Schlinge zu befreien, Freut mich," sagte ein erlauchter Herr unter denen, welche in Deutschland ein Krönlein tragen, zu einem hochgebornen Nimrod, welchen die Waidmannslust in den schwarzen Erdtheil gesübrt hatte freut mich aufrichtig, Sie wiederzusehen! Gut gefallen?".... Zu Befehl, Hoheit!" Auf Löwen geschossen?" .... Nein, Hoheit!"...! Warum nicht? Soll doch Hauptspaß sein!". . . ..Hoheit geruhen," erwidert unser Sonntagszager, ohne auch nur einen Augenblick die Fassung zu verlieren, es war gerade Schonzeit!" Wir wissen nicht, wer der erste Sonntagsjäger gewesen ist. Jedenfalls ist tt
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I der StemÄvZler eines Menschenschläge, 1 mrf&rr eine liernlir?! absonderliche und V 41 ? f - J vereinzelte Stellung in der modernen Gesellschaft einnimmt. Am echten Waidmannsstande eingenistet wie eine Schmarotzerpflanze, rankt und klettert sie empor an diesem allen Stamme. Sie isiro ihn nicht ridrüken. cikr sie verbreitet sich in demselben Maße, wie die Lust am Waidmannöleben unter den Dentscheu zn:,immt. Auö Amerika, dem Lande der Patente, kam jüngst übrigens die Kund;?, daß Jemand eine Angel conNruirt habe, welche genau die Größe und Anzahl der gefangenen Mische anzugeben vermag. Wofern es möglich wäre, diese Vorrichtung auf das Nohr des Waidnianus zu übertragen, würde somit aller Sonntagsjägerei mit einem Schlage Hartes geschehen. Doch inzwischen wirb och vom Wildhändler mancher Hase erstanden werden, welchen unser Sonntaqszäger als von ihm geschossen mit sie'gesslcherem Blick Muttern" in der Küche abliefert. Silvester Frey. mn schneidlaer Major. Der Major a. D. v. H. führte im Jahre 148 auf feinem Rittergute ern stilles, beschauliches Leben und stand bei seinen Dorfbewohnern in hohem Ansehen ; Leytcre behaupteten zwar, daß es bei dem Major nicht ganz richtig im Kopse fei, aber sie fürchteten sich dock, diese Vermuthung laut auZzniprechen. In Wahrheit' hatte der stramme alte Herr zwar seine Schrullen, aber er war sehr klar im Kopf und wußte, was er wollte. Als die Bewegung rcS angcgedenen Jahres bis in jci?e stilleGcgend gedrungen war und Auswiegler den Keim der Unzufriedenheit mit Erfolg ansael'äet batten. oa eines Taaes ein ' ' - ,j I w ,J w Trupp ausrükrerizcher Baneru nach dem Gutshof und v.': langte unter lautem Brüllen Freiheit und Gleichheit. Un. I erschrocken trat Major v. H. ans die Schloßrainpe und fragte nach dem Vcgehr der Bauern. Es muß Alles getheilt werden !" rief man ihm ektgegen. Ganz meine Meinung", erwiderte zustimmend Major n. H.. aber ich sehe, daß noch viele von Euch fehlen; holt daher Eure Kameraden und kommt h.'.te Abend um 6 Uhr Alle wieder, da wollen wir die S:?che bei eiilcm Glase Bier besprechen " Verwundert borten die Banern diese unerwarteten Worte. Kopfschüttelnd zogen sie ab, um des Abends in verstärkter Zahl wieder zn kommen. Die Flügelthüren öffneten sich nnd die Diener luden die rebellischen Bauern ciu. in den glänzend erleuchielen Speisesaa zu treten. Aiit einem vertranlichen Guten Abend. Kinder!" begrüßte der ischlopherr dre crianlmetten, welche nicht recht wußten, was sie ans der krache machen jollte, und denen es schon anfing unheimlich zu werden. Nrni steckt Euch auch etnen obak an", fuhr der Major fort und seht Euch!'' Nachdem in dieser Weife die Verhandlung eröffnet war, erktt7.dlgte sich der Major nach den eigentlichen Wünschen der Unzufriedenen, erhielt aber narnrhch nur lehr verworrene Antworten, die dann gipfelten, daß man eben theilen wollte und der Gutsherr sich dem anschließen müsse. Da trat der Major an die Mitte der Tafel und saqte vernehmlich: So, tch wollte Euch Schlingels nur alle bei einander haben! Seh: her, in diesem ß (und dabei zog kr ein Tuch weg. welches bis dahin eine auf dem Tisch stehende kleine Tonne verdeckt hatte) ist Pulver! wenn Ihr Hallunkcn nun nicht mäuschenstill Euch ut-ch Hause be: gebt und Euren unserschämtrn Blödsinn fallen laßt, o wahr ich der Major o. .v. bin, ich werfe dieses brennende Lickl in das Pulver und Keiner von Euch Hat lunken behält noch einen ganzen Knochen am Leibe!" Eröleiche,ld hatten die Bauern den Worten gelausch? ; daß der Sprecher Ernst machen würde, dafür kannten sie ihn zn genau. Mit dem Schreckensruf: Der Major ist wieder verrückt geworden ! " stürzten sie zur Thür und zu den Fenstern hinaus in's Freie und eilten ihren Wohnungen zu. Keiner ließ sich mehr blicken. Am and.'ren Tage kam Militär; cS :var nich mehr nöthig. Stoff und Form. Soll, was Du bringst genießbar sein. Mun stoss und Form zummmenpaz .scn ; Und ich verzichte auf den Wein, Wird er servirt in Kasscetassen. Von einer jedenfalls sehr wirksamen Art der Heirathsvermittlung weiß man aus den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts zu erzählen. Die Cholera hatte auf dem Gute des Herrn v. K. in erschreckender Weise gewüthet ; im Dorfe waren außer mehreren Weibern und Kindern vier kraftige Männer rasch nach einander hinweggerafst worden. Die Frauen und Kinder der Verstorbenen fielen der GutZversorgung anheim Herr v. K. ließ die Wittwen eines Tages auf sein Zimmer entbieten. Weiber", sagte er, Euch ist es schlecht gegangen, und dies thut mir herzlich leid. Hier habtJhr eiue Jede fünf Thaler Schmerzensgeld. Kuh nnd Schwein will ich Euch laffen nnd überhaupt in nächster Zeit für Euch sorgen. Eines aber sage ich Euch: Wer von Euch sich bis heute über ein halbes Jahr nicht wieder einen Mann angeschafft hat und zwar einen gesunden arbeitsfähigen Mann, der baue ich eigenhändig die Jacke voll, und Ihr wißt, was das heißt ! Un nun könnt Ihr geen. Es nel noch mancher iev m Me er vormärzlichen Zeit, aber nicht auf en Rücken dieier Weiber. iQtxx v. K. hatte die Genugthuung., daß noch vor Ablauf der von ihm bestimmten Frist die vier Wciblein stolz durch das Dorf schritten und zwar jedes zu Seiten ine? sittlichen Mannes. . Mutter: Weshalb will sich denn nnn eigentlich Dein Mann von Dir scheiden lassen?" Tochter: Ich glaube, wegen Deiner!" Mutter: .Was? Der Mensch hat die Unvers lchämtheit, mich heirathen zu wollen?!" Entschuldigungszettel. Am 1. Mal konnte mein Sohn Fritz die Schule nicht besuchen, bitte ihn deshalb Um Entschuldigung. ,,
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Unfälle aller Art im Jahre 188!). Januar. 4. Auf dem Eise des Ludwigs-KanalS bei Nürnberg brachen sieben Schlittschuh läufer ein nnd ertranken. 9. Ein Wirbelwind richtete in Pennsylvanien große Verheerungen an; in Ncading stürzte eine Seidenspinnerei zusammen; 75 Mädchen wurden vcrschüttet und thcilweise aetödtet : Ein Wagenschuppen der Ikeading-Bahn wurde demolirt und gericth in Brand, wobei ein Arbeiter getödtet und zwei schwer verwundet wurden. Ferner brach in Pittsburg ein neues vierstockiges Gebäude in Diamond-Straße zusammen; 17 Personen kamen dabei um. Auch in Sunburn wurde eine Nagelfabrik zcrstört und zwei Personen getödtet. lO.Die Hängebrücke über die Nia. gara-Fälle wurde vom Sturm ebenfalls zerstöit; dieselbe hatte $300,000 gekostet ; in Süd Brooklyn, 0i. Z)., flogen zwei große Gasometer in die Luft. 18. Durch schlagende Wetter wurden in dem Kohlenbergwerk von Hyde, bei Manchester, England, 30 Personen getootet. 0. Bei Spottsoille, Ky,, finden zwölf Bahnarbeiter, die Geleise über eine Eisenbahnbrücke aufreißen sollten, ihren Tod, in Folge Nachgebens der Brücke. Februar. 4. In Omaha, Neb., stürzt bei einem Sturm das Haus von Mar Meier zusammen; sechs Personen werden auf der Stelle getödtet und viele verletzt. . Auf dem Pine Lake in Fulton Evunty, N. V. brechen siebzehn Holzsäller mit dem Eise ein nnd ertrinken. 17. In Chicago stürzt ein im Bau vegriisenes i4irocri9es evauve zuammen ; die Arbeiter können sich rechtzeitig retten. IB. Das Park Central Hotel in Hartford, Conn., stürzt in Folge einer Kessclerplosion ein; zwanzig Menschen werden getödtet und viele verletzt. 24. Das Dorf Nivollet in Savoyen durch Lawinen zerstört. 25. In Plmnouth. Pa., fliegt John Powells Patronenfabrik in die Luft; eine Anzahl der dort beschäftigten Mädchcn getödtet, resp, schwer verletzt. März. 6. yi Zürich erplodiren m einem Laboratorium um eine Anzahl Bomben, wobei ein Student getödtet nnd mehrere schwer verletzt wurden. 12. Erplosion in der Pulverfabrik in 5!ottweil, Württemberg ; sieben Personen getödtet. iü. 2ln oer Brnnaun v yienaruve v.l a r tf i ry r w Wresham, England, wk xi zwanzig Ar beiter durch eine Erplosion von Grubengajcn getonter. t i Ct sii n c -Nt Äek !k? Mtt. -"1 f I? tf ? ltilul' .., bilden fünf Arbeiter ihr Leben P ktN. durch eine Erploston getödtet. 20. In Danton, Tenn.. tritt der Nichmond Creck über seine User in Folge eines Gewittersturmes; ein Mann ertrinkt. 24. Die Verrugas-Vrücke in Peru, 10$ tzuß hoch, durch Hochwasier wegge risien. April. f. . . . . j. lllvaulce verorannte eine Wittwe mit ihren drei kleinen Kindern, nachdem sie selbst ihr Haus in Brand gesteckt. q ;:.. cs. , crr t &. S ÄrU'l Mädchen schwer verletzt wurden. , . 1 i U4. Bei einem Woltendrucy in ?ttlanta, Ga., verunglücken mehrere Feuerwchrleute. 20. sünf Personen in der Nähe von Görlih, Schlesien, vom Blitz erschlagen. rpiosion eines ampsrcMS aus im . 7U8" Vattl V011 luis sieben Arbelter getödtet und viele schwer ""V,. ci : M " l 1. Gruben-Unalück in der 3edic Necklinghausen bei Dortmund; drei Bergleute getödtet. . In der KaSka William-Grube bei Middleport, Pa., verunglücken zehn Arbeiter in einem Fahrstuhl. 14. In Taconm, Wash., stürzt ein Neubau während eines Sturmes ein; eine Aniabl Personen aetödtet. 1. Das Pulvermagazin der Zveste ii . . . '' ' onigslem, wachsen, stiegt in Folge Blitzschlags in die Lust. ' 17. Jn Milwaukee, Wis., ertrinken drei volnische Arbeiter bei einem Neaenstürm.. 20. Nach Nachrichten aus Oesterreich, f t. ? e i ' ' . . . , 7 ' liiio in olge von .ocywasser und ueberschwcmmungen Hunderte von Menschen umgekommen. 28. In Kansas richtet ein Eyclon große Verheerungen an ; mehrere Personen wurden in Elements, Chase Co., getödtet. 1. Das Städtchen Johnstown nnd das ganze Conemaugh-Thal in Pennsylvanien in Folge Berstens eines Dammes unter Wasser gesetzt ; tausend von Menschen umgekommen, Schaden von Millionen. I u n i. 4. In Schlesien richten Wolkenbrüchc große Verheerungen an; viele Menschen verunglücken. O. In der Gegend von Kansas wird dnrch einen Sturm großer Schaden angerichtet; ein Farmer und seine Familie beim Einsturz ihres Hauses getödtet. 12. Ein Schacht einer Kohlengrube, unter Wilkesbarre gelegen, stürzt ein. 1.1. In St. Elair, bei Pottsvillc. Pa., fliegt eine Feuerwerk-Fabrik in die Luft, wobei ein junges Mädchen umkommt. 14. Das Dach des Mercedes-Marktes in Mexico bricht ein, wobei viele Personen getödtet resp, verwundet wurden. - 17. In Kansas richten Negenstürme großen Schaden an ; die Ortschaft Uniontown vollständig zerstört, mehrere Men
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w.i u unäc npsnimn Nielven. Besatzung getödtet. - Durch Erplosion in ,? !k einer Dynamitpatrone in einer Kohlenm einer Kohlengrube tunnehn Per oueu rlUl. uJi r.n.,L.. n
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fchen umgekommen. Hagel stürme verheeren einen großen Theil Deutschlands ; in Schlesien werden fünf Theilnehmer einer Procession vom Blitze erschlagen. 13. Hochwasier und Ueberschwcmmungen in New ?)ork und Pennsvlvanien 20. Das Städtchen Vermillion, Dakota, durch einen Sturm theilweise zerstört. 21. In Boston bricht in einem Feuerwerksladen Feuer aus; sünf Personen büßen ihr Leben ein. 23. Sechs Personen wurden in einem berüchtigten Hause in Paterson, N. I., in Folge Einathmen? von' GaS erstickt gefunden. In Minnesota und Wisconsin richten Gewitter- und Hagelsturm große Verheerungen an. Juli. 2. In Aubervilliers bei Paris fliegt ein Feuerwerks - Laboratorium in die Luft, wobei sieben Personen ihren Tod fanden. 3. Mehrere hundert Bergleute kommen bei einem Gruben-Unglück bei St. Etienne, Frankreich, um. Abermals Hochwasser m Pennsylvanlen. 9. Wolkenbruch und Dammbruch bei Johnstomn, N. I.. mehrere Personen verunglückt. 15. Pnnceton, O., durch einen Sturm verwüstet. 16. Orkan in Oesterreich ; viele Menschen veruualuckt. Aus Ehtna treuen iachnchten über furchtbare Ueberschwemmungen ern. 600 Menschen sollen umgekommen sein. 19. Bei Parkeröbury, W. Va., aeht ein Wolkenbruch nieder ; viele Personen finden den Tod in den Fluthen. 21. In Salllly. Meuco. bncht e,n Zollhaus zusammen; drei Perzonen ge lostet. lleber ganz Ungarn. Siebenbürgen :c. zieht cm furcytvarer Wlrbelsturm; .Yunderte von Menzchen getödtet. 30. In San Francisco trifft die Nachricht von der Wegnahme britischer Nobvensangcr im Behrmaö-Meer ein. Aus Japan kömmt die Nachricht von furchtbaren Erdbeben aus der Insel Km Sin, wobei viele Menschen umgekommen lelen. 31. Milburn, N. I., in Folge eines Dammbruches überschwemmt. Auf den französischen Schulschiffe La Eourr,ene", bei Hyöres liegend, werden acht MatroJeu durch eine Erplosion getödtet. A U g U st. 2. Sechs Arbeiter und drei Knaben in einer Mme bei Marquette, Mich., durch eine Erplosion von Sprcngpulver gelovlet. 5. Bei einem 3!eaensturm kommen eine Anzahl Personen in der Nähe von Mitchell, Ind., um. W JWVUl iMIWllt I Vussal,N. ?)., erplodirt eine Quantität Naphtha, wobei vier Menschen ihren ob rjxtit f v Aus der Slacht Eedar Nidae" in der Kcsvon der Arbeiter getödtet. Waldbrände richten m Michigan ungeheuren Schaden an. 21. Mehrere Personen in Oesterreich durch Hagelsturm getodtkt. 3. Stach 3!achrichten aus Japan ist die Stadt Wakayama durch eine Sturm: sluth zerjtort worden; 10,000 Menschen sollen umgekommen sein. September. 3. Hochwasser in Ungarn : S;eaedin wieder bedroht; viele Menschen umgekommen. At -,tk , nrtT,".. k: flm:kr-r.:... vyiwvi m iuu vn jwiiuiviuiuu, Sr Bg.cu.e b.1ßm ih'r Le! :.. i u. viviviuum 3 uuviiui nuviu in Antmerven Nieat in die 9it- hrfcim, dert Menscken aetödtet. 9 5!n der QZhite Wh - s?s,l,,in5 llalaradn. kämmen ithn m,rnUutr in Folge Eindringens von Wasser um. 10. Sturm und Hochwasser richten an der atlant eben Kutte aroüe Nerheerungen an; viele Schisse stranden. 11. mem Wort iheilmtUe überl ? schwemmt. l Von der Küste von New Jersey, Pennsylvanien, Delaware etc. werden weitere Unfälle in ffolqe der Sturmfluth gemeldet; viele Menschenleben verloren. 17. Coatesville, Pa.. in Folge eines Vammoruchs unter Wasser gesetzt. In Quebec stürzen groue Z?elsmafsen auf die Ehamplainstraße hinab und zerschmetterten sieben Häuser; mehI , . t ...i em...rjr. ... c . : . . e yunoerr tcn,cyen weioen ge:ootcr. Bei einem Wolkenbruch in Ecrro Zordo, tzstaat Jallsco, Menco, ertrm kcn viele Menschen. 23. In Florida wird durch einen Orkan und Wolkenbruch großer Schaden X. 4 IW - Oli l. tv' . angencyter. irone Wavranoc in Californien. 25. An der Küste von Neapel wütbet ein Orkan ; Crispis Villa überfluthet. 20. Ein Ofen der Carnegie'schen Stahlwerke in Vraddock, Pa., crplodirt, wobei mehrere Personen tödtlich verletzt werden. In Cressona, Pa., stiegt eine Pulverfabrik in die Luft; drei Arbeiter werden getödtet, viele vermundet. 28. In der Grube Nheinpreußen bei Homberg werden zehn Arbeiter bei einer, Erplosion getödtet und viele verwundet. Oktober.. 6. Auf Sardinien wüthet ein furchtbarer Orkan; dreißig Personen in Caghiari in Folge Einsturzes von Hausern getödtet. 11. Im Departement deS Jura, Frankreich, richtet Hochwasier große Verheerungen an. Hochwasser in Süd-Tirol; Tnentunter Wasser. 15. Aus der Drathscilöühn nach Mount Auburn, Cincinnati, stürzt ein Waggon den Berg hinunter; fünf Personen getödtet, mehrere schwer verletzt. 16: Sechzig Bergleute in einer Kohlengrube bei Longton, England, durch eine Gasexplosion getödtet. Novem be r. 1. In Glasgow stürzt ein Neubau in ; dreißig Personen getödtet.
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4. Fünf Arbeiter eines Hochofens in
Lebanan, Pa., durch herausströmendes, geschmolzenes trz getödtet. S. In einer Kohlengrube bei Bernbürg, Anhalt, werden zehn Bergleute bei einer Elplosion getödtet. Schneestürme in Nen Mexico und Colorado. 7. Bei Bnbar, Spanien, fliegt eine Dynamit-Fabrik in die Luft; vier Arbeltcr getödtet. 19. Hochwasier m Pennsylvarnen, Negenstürme in New Jersey, großer schaden. .Harmlose Neujayrswünsche. Tem junge ALU" gewidmet. Des alten Jahres letzter Tag, DeS Leib- und Seel-verderbten, Verrann ; wir steh'n am Sarkophag In Thränen die Enterbten ! Doch tröstlich regt der Tranerpunsch Uns in den Herzen Wunsch, auf Wunsch Zu Gunst dem jungen Kinde: Ich bring' sie dar Dir, Neues Jahr, Das uns der Zeitcnschoß gebar, Als Pathenangebinde! Ein Augenpaar sei Dir beschecrt Von heiterstem Gefunkel, Vor dessen scharfem Blick sich klärt All' orthodoxes Dunkel; Dem nicht vor jeder Scheuche graut, Das allerwegen vorwärts schaut Und sich maaschließen nimmer, Wenn Sonnenlicht Die Nacht durchbricht, Und das nicht zuckt und blinzelt nicht Beim grellsten Blitzcsschimmer! Für's Halteu" seizugroßDeinMund, Zu klein nicht für's Versprechen" ; Sei echtes Gold fein Schweigen und Sein Reden sei nicht blechen" ; Kurzum, ein Mund, der, ob ihm dräut Ein eisern Schloß auch, sich nicht scheut Das Faule faul zu heißen, Und der, anstatt Vor sich ein Blatt, Hübsch Haare auf den Zähnen hat Und stets etwas zn beißen! Vergönne endlich noch zum Schluß, Dir einen Wunsch zu sagen Ersüllt, spart er Dir viel Verdruß: Hab' einen gnten Magen 'nen Magen gleich dem Vogel Strauß, Sonst wirst Du nimmermehr, o Graus ! Das auszufrcfsen wagen Mit Haut und Haar, Was mitleidbar Dir eingebrockt das alte Jahr Du stürb'st an Mißbehagen! i General Trepow. t In Kiew ist dieser Tage fast in Vergesienheit ein Mann gestorben, an dessen Namen sich blutige Erinnerungen knüpfen. Der Ncoolverschuß, welchen Wera Sassulitsch am 14. Januar 1878 aus den damaligen Stadthauptmann von Petersburg, General Trepow, abgefeucrt, war der ?lnfang des blutigen Kampfes zwischen den Nihilisten und dcn russischen Regierungsbehörden. Trepow war schwer, war töötlich verwundet, die Kugel hat bis zu seinem Tode nicht entfernt werden können. In seinem Amt und Am:slocal war die mörderische Kugel auf ihn abgefeuert worden, während er eine angebliche Bittschrift entgegennahm. Es konnte nicht daran fehlen, daß dem Schwerverwundetcn von Hoch imd Gering Zeichen der Theilnahme und Sympathie zugingen. Da änderte der Proceß vom 31. März 1878, in welchem die Geschworenen die Attentätern: einstimmig freisprachen, mit einem Schlage die ganze Situation. Der Verwundere verwandelte sich plötzlich in den Angeklagten, die Angreiserin, welche in einem ihr ganz Fremden, einem gewissen Vogolsubow, der im Gefängniß körperlich gezüchtigt worden war, angethane Schmach hatte rächen wollen, wurde zur gefeierten Heldin, und laute Veifallcsalven begleiteten die unerhörte FreisxrechunA nicht nur im Gerichtssaale. wo die höchsten Staatsbeamten von dem Enthusiaömus mit angesteckt wurden, sondern auch in der Gesellschaft, in der Presse. Die Freisprechung der Sassulitsch war faktisch eine Veruitheilung Trepows. Der damalige Stadthauxtmann war vermuthlich nicht so schuldig, wie man ihn ansah : er war, wie aus de russischen Schilderungen hervorgeht, eine herrische, rauhe Natur, welche Rücksichtnahme nicht kannte, aber auch keine Ausnahmen zn Gunsten der Aristokratie zu machen geneigt war. Er hat in der ihm untergcdenen Stadt eine3!cihe von Wohlfahrtsmaßregeln in's Leben gerufen, die erst nach seinem Weggang gebührend geschätzt worden sind: wahrend seines Jtegimes aber wurde alle Welt durch sein strengcs, keinen Widerspruch duldendes Auftreten verletzt! Trepow (oder Trcpphof, wie er mfprünglich hieß) stammte aus kleinen Verhältnissen und hatte sich dem Kaiser Nikolaus durch seine Energie bemerkbar gemacht. Von Stunde an stieg er rasch die Dienstleiter hinauf: seit 1831 Ofsicier, war er nach dreißigjähriger Dienstzeit General und mit kaiserlichen Gnadenbezeugungeu überhäust. Nach der Freisprechung der Wera Sassulitsch wurden ihm vom Kaiser Alexander II. neue Ehren zugetheilt, Trepow aber blieb seitdem doch ein physisch gebrochener Mann. Wohl diente er weiter, so weit es seine geschwächte Gesundheit zuließ, aber es war nur auf Gebieten, die eine größere Entfaltung von Energie nicht mehr verlangten. Seine eiserne Natur hat die Leiden, welche die Zersplitterung des Backenknochens und die im Innern stecken gebliebene Kugel zur Folge hatten, noch fast zwölf Jahre ertragen. Jetzt ist er als hochbetagtcr Greis ins Araö gesunken. Quartaner Mar: Mein hat mir eine Uhr für siebzig Mark ae schenkt. Mar: Na, die geht deswegen auch nicht schneller, als meine ! Unbewußte Selbstkritik. Lehrer: Meyer Ihr Aussatz ist ganz jammervoll; drei Mal habe ich die Arbeit durchgelesen, nachher war. ich aber immer just so dumm wie zuvor!
Bäte? hat mir eme Uhr geschenkt; si ! Zi'cine Familie vorstellend): Hier, Herr kojrei uierziej Larf. Cluartaner ivrii: Katr)a:tfcDeu, fteffe ich Ihnen rsr mai Das ist noch gar nichts: mein Onkel ! öKammelebm. mal Tatteleben. mai Kalle-
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2ke Gefangenen deS L,litzzugeS. Das Neue Wiener Tageblatt erzählt folgende Begebenheit: Ein Wiener Kaufmann, der einen aus Paris auf der Neise nach Eonstantinopel begriffnen Freund in Wien bei der Durchreise begrüßen wollte, begab sich mit seine? Gattin und zwei Kindern zum Slaats bahnhof, um dort den Blitzzuz zu erwarten. Der Kaufmann und sein? Frau benutzten zur Fahrt auf den Bahnhof einen Fiaker; auf dem Staatsbahiihofe angelangt, ließen sie die Kinder im Wagen zurück, und begaben sich auf den Perron." Der Vlitzzug fähr: in die Station ein, der Kaufmann und seine Gattin eilen zu den Waggons heran, sie irölicken an einem Fenster ihren Pariser Freund und begrüßen ihn herzlich. Ter Fremde fordert sie auf, doch ' ein wenig in sein Coup zu kommen, und Mann und Frau lassen sich nicht bitten, behenden Schrittes besteigen sie den Waagon. Der Kaufmann wendet sich noch nisch an den eben vorüberkommenden Eoadacleur mit der Bitte, ihn aufmerksam zn inachcn, sobald eö cit sei, auözusreigen. Dann entwickelt sich ern lethafrci Gespräch, man plaudert eisrig, man hu sich ja in wenigen Minuten so Vieles zn sagen, nach so vielem zu fragen Und plötzlich was ist daS? Ein Psiif, ein ö!uck, der Zug seht sich in Bewegung, ehe die beiden Gaste deS nach Eonstanzinopel reisenden Franzosen sich dessen versehen, rollt der Zug auch schon in rasendem Tempo dahin, sie sind Gefangene tes Vlitzzuges Reisende ganz wider Willen! Die Frau bricht in Thränen aus, unten vor dem Staatsbahnhofe sitzen ja ihre Ninder im Wagen und erwarten Mama und Papa. Der Mann eilt durch die Waggons, um den Eondueteur zu sinden und ihn zum Anhalten des Zuges zu bewegen, der Fremde geleitet ihn. Der Eondueteur erscheint und eö entspinnt sich nun folgender Dialog: Lasten Sie uns aussteigen, um des Himmels Willen, wir müssen aussteigen!" Ich bedaure, aber das geht nicht mehr ! .Es muß aber gehen! Wo ist denn die nächste Station?" Jn Preßburg!" Als bis Preß bürg sollen wir mitfahren? Nein, unter keiner Bedingung. Ich habe Sie gebeten, uns aufmerksam zu machen, ehe'der Zug abgeht!" D e Dame fällt bei der Nachricht, daß sie d S Preßburg mitfahren müsse, in Ohnmacht. Die Scene erregt Aussehen bei den Passagieren. Einige eilen herbei. Der Kaufmann empfängt übrigens auch noch die Mittheilung, daß er verhalte sei, für sich und seine Gattilk zw.'i Fahrkarten bis nach Preßburg Nachtragtich zu bezahlen. Da kommt dem Kaufmann ein glücklicher Gedanke: Er rrblickt das Nothsignal, er erfaßt dcn Ning und zieht an demselben und nach wenigen Secunden steht der Blitzzug in der Nähe von Staolau stille. Nan spielt sich Folgendes ab: Der Kaufmann und seine Frau verlassen rasch dcn Waggon. Es ist inzwischen schon nnster ccworden und die beiden tappen längs deS Zuges, dessen Passagiere in begreiflicher Aufregung sich befanden, bis Locomotive. Der Kaufmann stellt sich vor die Locomotive hin nnd ruft dem Locomotioführer zu: Jch habe das Noth, signal gezogen. Hier stehe ich nnd weiche nicht von der Stelle, ehe Sie mir nicht einen der Bediensteten des ZazeS mitsenden, der mir mittel't Laterne auf dem Weae bis nach Himbera folgt." WaS sollte der Locomolivsührer thun? Er konnte den aufgeregten Mann doch nicht überfahren. Er rief also dcn Znzfübrcr und dieser wieder eilte zum nächsten Wartcrhaus, von wo nun ein Wärter herbeikam, der die Gefangenen des .BliyzugeS aach Himbcrg geleitete, von ws sie zn iöagcn den StaatSbahnhof und dlc noch unmer wartenden Kinder erreichten. Henrik I b f e n behauptet mergisch seinen Platz nicht nr in der Literatur, sondern auch in seinem Stamm-Eafe. Aus München wird berichtet, daß der nordische Dichter täglich NorgenS in's Eafö Maximilian geht, um dort fein Frühstück einzunehmen und die Zeitungen zu lesen; aber er thut Leides nur auf seinem bestimmten Stuhl, vor seinem bestimmten Tisch. Trotz seiner reformatorischen Ideen ist er in diescm Punkte sehr conservatio, und in der Zcegel sindet er auch seinen Platz frei, weil die Kellner dafür sorgen, daß der Poet seinen Winkel unbesetzt findet. Wird dieser aber ausnahmsweise von Jemandem occuxirt, so wendet Ibsen stetö bie aleicke. biöbcr immer erkolareicüe In tngue zu dessen Wiedererlangung an. Bevor er in'S Eaf6 tritt, wirft durch das Fenster einen Blick hinein, und sieht er einen Eindringling an seinem Platze, so geht er wie eine (childwache draußen vor den Spiegelscheiben auf und ab, gesiiculirt heftig und macht sich in jeder Weise auffällig waS ihm n:u so leichter wird, als seine originelle Erscheinung ohnehin die Blicke auf sich lenkt. Der Eindringling, wenn er nicht blind ist, muß endlich den seltsam sich geberdenden alten Herrn gewahren, und er fragt elnm Kellner natürlich, was dieses Patrouilli ren zu bedeuten habe. Das ist ein Stammgast", lautet die Antwort, dn: hier zn sitzen pflegt, und nicht hereingeht, wenn sein Platz in Beschlag genommen ist. Er wartet draußen, bis Sie sich entfernen." Und wer ist denn dieser Herr?" Der Dichter Ibsen." Ach so, dann setze tch mich wo anders In vif lUn Xrrmtr flfltf Sl?f. ", Ux chnet bisbcr ist im ihm noch nie mißlungen. Allen Stammzästen sei die guterdachte List zur Nach ihlMing empfohlen ; freilich damit sie Tinem glücke, muß man ein so beruhmter Mann sein wie Henrick Ibsen, denn sonst steht der Andere nicht g::tmüthiz ?uf. V orstellnna. M?se5lcwt leben und in der Wiege mai Stillleben. ?cathanleben: Gott, was fcr a schaixeS Familienleben, Herr WsseZleben. S u m m a r i f ch. Professor der Ethnologie: Meine Herren? WaZdie 1 y. r nV m j .(,. ugenös, ltt-uno lLyrzamtttt iniou?, Eng-, Schott und Deutschland anbe lenzt, so......"
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