Indiana Tribüne, Volume 13, Number 107, Indianapolis, Marion County, 5 January 1890 — Page 2
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Nochmals vte Grippe
, Ta die Grippe jetzt wirklich in den Wer. Staaten epidemisch auftritt, so möge hier nochmals eine Beschreibung der eigenthümlichen Krankheit erfolgen. Wir enlnehmen der von Professor Dr. A. Enlenburg herausgegebenen NealEncyklopädie der Heilkunde folgendes: Die Grippe, Influenza, ist eine unter noch nicht genau bekannten, allem Anschein nach atmosphärischen Einflüssen epidemisch auftretende Allgemein krankheit, dieHch zuzeiten schnell über kleinere ode? größere Länderstrecken verbreitet und deren Anzeichen vorroiegcnd in einem Katarrh der AthmungÄ-Organe und des Darmcanals bestehen, begleitet von startau, allgemeinem Kräfteoersall. Die Influenza ist nach der Anschauung der meisten neueren Beobachter nicht ansteckend. Wenigstens hat eine Uebertragung von einem Menschen zum anderen l:n Allgemeinen nicht nachgewiesen werden können. Ueberhaupt ist kein Zusammenhang der Ausbreitung der Grippe mit dem menschlichen Verkehr nachzuweisen ; das Uebcrspringcn der Krankheit m Slädten und Landern hielt sich niemals an die großen Verkehrsstraßen. Auch das gleichzeitige Auftreten der Erkrankung bei Hunderten und Tausenden spricht gegen ihre Verbreitung durch Ansteckung. Nur ausnahmsweise sind sporadische Falle als Vorläufer ihres Erscheinens in Städten beobachtet. Dieselbe Bedeutung hat das Fehlen einer nachweisbaren Jncubation (EntwickZungszeit) bei der Influenza. Außer der gleichzeitigen Erkrankung so vieler Menschen wird dieser Punkt dadurch bewiesen, daß nach verschiedenen Angaben Fremde in durchfeuchten Orten wenige Stunden nach der Ankunft erkranken können. Zu? Erklärung i.'r Entstehung und Ausbreitung der'.tt.ankheit können wir nicht die Annähn incs Miasma entiehrcn welchem die Einwohnerschaft großer Aezrrke plötzlich gleichzeitig ausgefetzt wird, und als Transportmittel dieser Schädlichkeit uns kein anderes Medium als die Atmosphäre denken. Welcher Natur diese atmosphärische Schädlichkeit sein mag, ist aber noch un bekannt. Einiges Licht haben wir für diesen Punkt vielleit aus den Befunden Jo:i Mikroorganismen bei InfluenzaKranken zu erwarten, welche in letzter Seit mitgetheilt sind: Seifcrt fand bei einigen Würzburger Fällen im Nasensekret und Speichel Mikrocokken von bestandiger Große, die in den gleichen Ausscheidungen von Sch nupfen-, Masernkranken,, :c. fehlten. Als diese Beobacht tur-.gen' bestätigt und erweitert sind, wird eö jcroch richtig fein, die Influenza, wie bisher, zu den akuten Jnfektionskrankheilen unbekannter Ursache zu zahlen. Der Beginn der Krankheit wird meist plöyiich ohne Vorboten (daher der populärc Rsme: Blitzkatarrh) durch einen starken Schüttelfrost oder längeres Fröstcln eingeleitet. Daran schließen sich in den meisten Fällen zunächst die mnptome eines heftigen Katarrhs der Nasenschleinchzut, der Luftröhre, des KehlkopfeS und der Bronchien sich kennz-ich-ncn'o in eine? dunklen Nötbung der fichtbaren Schleimhäute und Schwellung der Mandeln, ferner Schnupfen mit reichlichem, dünn flüssigem Sekret, Thränen? träufeln, brennendem Halsschinerz, Schlingbeschwerden und Husten. Namentlich der Husten pflegt auffallend und quälend zu sein; er ericheint häufig in krampfartigen Anfällen, der Auswurf ist dabei sehr i'pärlich und schleimig, oft auffallend glasig. Daneben verlaufen in vielen Fallen die Erscheinungen eines Msgensarmkatarrys, bestehend m ApVA Ztopfnng) mitunter Erbrechen. Niemals fehlen intensive nervöse Allgemeinerfcheinungen. Hierher gehört vor Allem Kopfschmerz, der meist in der Stirngegend. oft in der Tiefe der Stirnund Llugenhohlen empfunden wird und bisweilen äußerst intensiv ist. Dazu j kommen GUeder,chmerzen, de entweder r...... s.,.. 4.2 fc r t I über den ganzen Korper verbreitet sind. oder sich besonders auf Beine, Stücken und Kreuzbein localisiren. Sie sind begleit Ut von intensivem Gefühl der Zerschlagcnhcit; in sehr heftigen Fallen gesellen sich Muskelzuckungen, Wadenkrampse hinzu. Dabei besteht meist große Unruhe, Sch'iisiosigkeit, Neigung zu Schwindel und Ohnmacht beim Aufrichten; in schweren Fällen Delirien, seltene? Schlafsucht. Das gieber, welches alle diese, Symptome begleitet, ist im Allgemeinen mäßig. Der Puls ist häusig sehr unregelmäßig, feine Frequenz meist gegen 100. Schweiße sind sehr häustz, besonders vor und beim Fieberabia'ä. Der Verlauf der reinen Fälle ist ein kurzer, das Bestehen der schweren Erschclnungm pflegt gewöhnlich 3 5, in leichten Fallen nur 2 3 Tage anzuhalten, woran sich eine mehr oder weniger schnelle Krise schließt, sodaß in 8 10 Tagen die Krankheit gewöhnlich abgelausen ist ; bisweilen zieht sich die Genefung länger hin. Nückfälle sind häusig. Der Ausgang der Grippe ist meist in Genesung. Viele große Epidemien , zeigten keinen Todesfall ; andere eine nicht unbedeutende Mortalität, z. B. eine Epidemie auf Island 1862 2 Procent. Die meisten Todesfälle betreffen Greife, kleine Kinder, oder durch andere Krankheiten Geschwächte. ' A u s g e spräche ermaßen um seinem zukünftigen Biographen die Arbeit zu erleichtern, hat Gladstone in den letzten Jahren verhältnismäßiger Muße seine gesammten Papiere sorgsam geordnet. Lord Beäconssield war äußerst nachlässig in dieser Beziehung und bei feinem Tode befanden sich feine Papiere in eitlem fast unentwirrbaren Ehaos. M ü t h e n ' der ' Drucke? U a r x e. Ein mit einem unheilbami Leiden behafteter Mann beging cinm SrNflmoch. Darüber berichtete die stä: tische Zeitung: Nach Aussage der W-r? ti r mir rrnÄ iiipi ?a4,,n .111 i V mm? J , fc l. .... .f ntx '-n itmi: beoauernsirerlye mann u also vierzehn Tage vor seinem Tode gestorcen! (5 i u S von Beiden. Jt der Bauer em Huhn, so ist entweder daS Huhu krank oder der Bauer.
5"""'!"'' j1 O""ge. aa$i-1 herbst Ui, dennoch wärmt die Sonne und und elblckmerzen llnregelmaßigkeil des Ux Himmel ist ganz rein. Vom Morgen, wtnhlcs (öfter Diarrhöe, seltener Ver- bis :umAöend üben wir auf dem Nalkän.
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Die Schwester.
Eine Skizze vom Schlachtfelde. Zül dem Ed:lchen von Aarko ZTkiradinovicZ. Schwester NaZewska ist erwacht... Uebcrrafcht sieht sie um sich. Sie träumte j lebhaft, wie sie jung, gesund und luilig j en den Usern des mrttellandlfchen Meeres lustwandelte, sie lauschte im Traume dem schönen Liede des Mailänder Gondoliers und sie genoß die warmen Strahlen der Südsonne. Da erwachte sie und anstatt am Mailänder User befand sie sich unter dünnem Zelte auf feuchtem Strohs bette an der höchsten Spitze des hohen Balkons. Zu ihren Ohren dringt das Stöhnen der Verwundeten und das Nöcheln der Sterbenden. Die Najewska war vor dem Kriege ein schönes goldlockiges Mädchen mit vollen rothen Wangen. Und jetzt? Die gol: denen Haare waren weg. an dem eingefallenen bleichen Gesichte kreisten bläuliche Flecken. Niemand könnte sie meht erkennen. Sie 'hat den Typhus überstanden, und dieser hat ihre goldener Haare geraubt und Spuren am blasser Gesichte zurückgelassen. Aber kaum haltt sie sich von der Krankheit erholt, so voax sie schon wieder auf ihrem Platz. Denn sie, sowie ihre Eolleginnen die Schwe? stern Krankenpflegerinnen warer wirklich gewohnt, dem Tod in die Augen zu blicken. Ihr Heldenthmn vergiß! man, ausgenommen, daß sich dieser ode, jener Soldat ihrer dankbar erinnert und sie iu Gott betet. Ohne ihre Pflege schlief schon Maneher den ewigen Schlaf. Sie waren echte Schwestern der Soldaten. Sie empfingen ihn. der vom blutigen Kampfplatz kam. sie wuschen seine Wunden aus, sie pflegten, sie warteten, sie trösteten ihn. Sie haben ihr Vaterland und ihre Augehörigen verlassen, um den Leidenden ba HÜflich zu fein, und wenn das Schicksal es will, auch nebe?: ihnen im fernen Land zu sterben und sich in ein ungeweihteS Grab zu legen, auf das nie eine Thrän ihrer Angehörigen fallen wird. Sie warcn dem Soldaten mehr als Schwestern sie waren feine Schutzengel. G Ein kalter, unangenehmer Tag. ... Der Icegen riefelte und in der Ferne hörte .man das Kampfgetöse. Im Spital gab es viele Verwundne. Schwester Najewska ! ES ist angeordnet, daß sie nach Nußland zurückkehret: sollen," sagte der Arzt eintretend. Jch habe es schon gehört." Machen Sie sich bereit, morgen bre chen Sie auf. Doch ich muß Ihnen ernstlich andeuten, daß Sie längere: .Ruhe bedürfen Aber auf keine Weise in Petersburg. Ich rathe Ismen den Süden." Die Najewska erinnerte sich des Traumes in der vorigen Nacht. Sie sind reich," fuhr der Arzt fort, Jhre" Mittel erlauben es. Ich glaube, es würde am besten sein, Sie reisen nach Algier." Die übrigen Schwestern sahen sie fast neidisch an. Sie hatten schon lange daS Verlangen nach einem warmen, trockene Zimmer und reinem Bette. Die Najewska bereitete sich für den Ausbruch vor. Nachdem sie ihre Sachen eingepackt, fetzte sie sich und sann nach. Gestern Abend hat sie von der Tant, einen Brief erhalten. Die Tante wax in Neapel, wo ihr Mann Eonful war, der Olga Petrowna (Najewska) schon längst zu sich geladen hatte. Sie nahm den Brief und sing an, ihn wieder zu lesen : Hur ist es schön, obgleich es Spät Vor uns breitet sich das Meer aus und m der Ferne sieht man den Capn. Zur linken Seite ragt der Vesuv himmelhoch hinauf. Wunderschön! Ich stehe Dir gut dafür, daß Du Dich binnen einem oder zwei Monztn Bstllfommm erhrfen wirst. Auch Antonius Damona ist hier, Mir scheint. Du wirst roth. Skbald . ' . . wir von Dir sprechen, nimmt er Dein, Photographie heraus und lange, lang, t.i Xi,i ' r. om ß"'.'. , vcuatgiei er ue. Ware oer zerleg Nlcyi ausgebrochen, der Dich von uns trennte, aus Euch zwei wäre schon ein glückliches Eheparchen. Uebrigens, das wird auch kommen " Das wird auch kommen!" lispelte sie und ihre Gedanken flogen weit. Vor die Augen kam ihr das Bild eines schonen jungen Manneö, es schien ihr, als horte sie feine wohlklingende, liebliche Stimme .... ) Schwester, Stepanow liegt im Sterben ! Er röchelt schon Olga erwachte aus ihren angenehmen Träumereien. . ..Der Brief entsiel ihren M e 1 Handen. Wie? Er stirbt? Es war ihm dcch besser!" Aber hier genest man nicht so leicht. Die Wunde verschlimmerte sich und der Arzt ließ ihn auf die Abtheilung, wo Diejenigen liegen, für die keine Rettung mehr besteht, übertragen. Ich muß zu ihm gehen. . . .der Arm, hat sich so gefreut, daß er genesen und nach Hause gehen wird." . , Die übrigen Colleginnen wollten st, zurückhalten. Du wirst so wie so fortgehen, deSme-. gen überlasse uns .die ganze Sorge. Gieb Acht, daß Du nicht wieder krank wer dest! Aber die Raiewska hatte kein Gebor ! sür ihre Worte. Sie war schon weg. t . Gan; einsam stanv eine Baracke. Rock dieseu Sommer hat man sie gemacht und wilde Weinreben umflochten sie. Hier lagen jene Kranken, für die keine Hoffnun mehr war. Von da führte nun ein einzlgcrlVeg, und zwar in das kühle Grab Und hier war die Schwester Nafewska.' Sie hatte keine Scheu vor i verstümmelten Verwundeten und mutbia ' brachte .sie Tage und Nächte bei den ; Sterbenden zu. Der Arzt kam dann m:d wann und mur von der Thürschwelle l r!e? er bineitt! 93fl3 fislfim fett kenn ---j - ff -w ' -mj ' -m wmw Cn....9 0 O.TL Cfft-o ! -s. na. Tfi wum l uev ln zronuna 5 ile Antwort erwartete er nicht, sondern er ging weiter von diesem grausigen Orte, wo der Tod herrscht. Schwester Najewska erzählte den Echweroerwundeten von dem fernen Va, terlande. sie sprach mit ihnen von ihren
Angehörigen, sie schrieb für sie Briefe ar dieselben. Alles mit einem Lächeln um die Lippen, diesen aufgegebenen Leiden, den Hoffnung und Nuhe einflößend, Schon Mancher ist auf ihren Händen entschlummert, bis zum letzten Seufzer ihrer trostenden Stimme lauschend. W geht 's, Stepanow !" sagte die Najewska, an das Sterbebett herantretend. Dn Verwundete verlor schon allmählig dik Besinnung, aber fobald er diese Stimm vernahm, erwachte er und es schien, als ob er den dichten Schleier, der über sein Augen gefallen war, zu beseitigen si bemühte. Sie setzte sich in's Vctt neben ihn und legte ihre welke Hand auf seine brennende Stirne; der V:rwundete öffnet die Augen, mit kindlicher Bewunderung Olga Petrowna betrachtend. 0 Schwester Täubchen, " stöhnte er mii größter Mühe und jedes Wort kaw schwer über seine Lippen. Liebe Schwester Alle haben mich verlassen All sind fort nur Du bist noch bei mir. Gott foll Dir verqelten. Er soll
Dir Geh, geh. Wer hat Dich verlassen? Sie haben gesehen, daß es Dir befse, gehe und sind fort zu den Anderen deneiz ! es viel schlimmer geht. Und ich bh hierher gekommen, um mich ein wenie auszuruhen und mit Dir zu plaudern. Jch danke Dir, ich danke," fagte der Krieger freudig. Ich danke Dir. unfer gutes Mütterchen. Du hast Dich mit uns geplagt. ..." Und sie erzählt, ihm lächelnd von dem fernen Vaterlande, sie sprach zu ihm von feinem Vater unl Mutter, die ihren lieben Sohn unge: duldig erwarten. Und horchend ihren Trostworten starb Stepanow glücklich und selig. Als ihn der schwarze Tod langsam wegrafft, und das Herz nach und nach zu vochev aufhörte, da strahlte auf seinem Gesich! die Seligkeit.... Er hat seine Liebes um sich gcsehen, und ihre Dtimme schie ihm die Stimme seiner Mutter zu sein. Nach Hause, schnell nach Hause seufzte er, zu Haufe ist gut!" Es war Alles vorüber, sie drückte sein, Augen zu, sie bekreuzte uud küßte ihn, als wäre sie seine Mutter. Alle habek; mich verlassen .... Alle sind fort nur Du bist bei uns ! " Es kam ihr vor. als hörte sie die Stimmen ter übriger Verwundeten und Krauken. Wie könnt, sie sie verlassen? Wie .konnte sie in dn warmen Gegend unter zufriedenen Men, schen genießen, wenn sie denken würde ar diefe Welt der Qnalen und des Leidens, wo sie ein Schutzengel war, wo ein Blick, ein Wort von ihr grausame Qualen lim derte und das schwere Stöhnen mildertet Auf keinen Fall werdeich sie verlassen wiederholte sie, Thränen des Mitleid! vergießend. . Und sie war nicht fortgegangen, son: dern sie ging auf's Neue an die Arbeit. Sie ist nicht an das Meer gegangen, welches sie so liebte; sie ging nicht zu ihren Angehörigen, die sie so warm ein: geladen haben, sie opferte auch den Mann, der sich so heiß nach ihr sehnte. Si, ging nicht fort aus der Gegend des Todes, sondern sie blieb, Ilm die Dulder ziz pflegen Der Schnee bedeckte das Gebirge. Eine Naabenfchaar kreiste in der Lufj krächzend, und hoch über ihr schrieen di großen Adler. Von hohen Felfen, tot sich die schwarzen ötedouten befanden, vom Morgen früh bis zum späten Aben donnerten die Kanonen und knatterten di, Gewehre. Einen bitteren Kampf kämpfte man ununterbrochen. Die Menschen fieley auf allen Seiten. Der Tod, der unerbittliche Tod herrschte hier. Allüberall trugen die Lebenden die Todten, nicht wissend, ob man sie nicht auch in ein paar Minuten ebenso tragen werde. Das war der Schipka-Paß. Di, dunklen, schmalen, unbequemen und i den Erdboden gegrabenen Winterquartiere waren überfüllt mit Verwundeten und Kranken. Das waren Spitäler. Wer auf dem Schlachtfelde nicht gefallen ist, der mußte hier eines langsamen To: des sterben. In einem kleinen Zlmmerchen lag eine Schwester Krankenpflegerin. Di, Augen, welche so viele Verwundete trö: stend anblickten, waren starr. Stumw war jene liebe Stimme, die so lange aus dem Schlachtfelde die Stimme' eines Engels war. Sie hatte alle ihre Kräst, für ihre dnidenden Brüder geopfert un zuletzt auch ihr Leben selbst. Sn gitig nicht fort, sie verließ sie nicht. Si, blieb bei ihnen. A rn D o es z u L i ve rp o o l lag jüngst ein Cunard-Dampfer zur Abfahrt bereit. Unter den vielen Nreunden uud Verwandten der Reisenden, die zum letz: ten Abschied auf das Schiff gekommen waren, befand sich, wie das Dr. I." erzählt, ein ältlicher, anscheinend dem Kaufmanns stände angehöriger Herr, elcher eine Dame, die mit dem Schisse abzureisen gedachte, hastig umarmte und darauf schnell das Deck verließ. Am Ufer wandte er sich einem müßig dastehenden Manne zu und fragte ihn, ob er sich 5 Schillinge verdienen wolle, was Jener natürlich bejahte. Hieran schloß sich nun folgendes Zwiegespräch:' Sehen Sie dort die Dame in Schwarz auf dem Schisse?" Ja,- sagte der Arbeiter. Gut! Das ist meine Frau, die nach New York reist. Sie erwartet, daß ich mindestens 20 Minuten hier stehen bleibe und mein Taschentuch schwenke, bis das Schiff außer Sehweite ist. Sie verstehen mich, nicht wahr?" O, ich verstehe." Gut, ich habe dazu aber keine Zeit; denn ich bin beschäftigt. Meine Frau ist etwas kurzsichtig, es wud deshalb nichts auf sich haben, wenn ich Sie dazu miethe, daß Sie mein Taschentuch schwenken!" Ja, aber wenn sie durch ein Fernrohr sieht?" In diesem Falle werden Sie Ihr Gesicht in dem Tafchcntuche verbergen müssen, so daß es aussieht, als wenn Sie weinten." Das wird aber zwei Schilling. und sechs Pence Mehrkosten." Thut nichts, Zeit ist Geld, passen Sie nun aber genau auf. Sie können auch einige Kußhändchen werfen,"Hloß der Geschäftsmann, sagen wir drei Pence für eins." Dann sah er nach der Uhr und ging eiligst fort. Warn nng. Willy, nimm gleich das Pulver, sonst gehen die, Schmerzen vorüber und Du hast keins genommen.
Liebesfrühling. Sie versicherte, sich aus den Mannern nichts, gar nichts zu machen, sich über Haupt ganz und gar nichts zu machen. Bekanntlich betheuern diefcs die meisten jungen Mädchen ; man hortdaö lächelnd an : wenn die Mädchen hübsch sind, so lächelt man verheißend, vielsagend, wenn sie unhübsch sind, spottisch oder mitleidig. Mina's Freundinnen lächelten spöttisch zu ihrer Versicherung, ältere und ersah: rene Personen mitleidig. Das arme Ding hatte es leicht, sich aus den Man, nern nichts zu machen, denn die Männer machten ihr gegenüber wohl den Anfang damit ; wer hätte sich in Mina verlieben sollen? Sie war ein mageres, unansehn liches Geschöpf von eckiger Gestalt, mit einem kleinen, unbedeutenden, farblofen, sommersprossigen Gesicht, hellgrauen, kleinen Augen, charakterlos braunem, glanzlosem Haar. Sie war auch nicht geradezu häßlich, aber sie hatte so ganz und gar nichts Hübsches, so daß man das Mädchen einfach übersah. Ihr einziger Reiz war eine sanfte, wohlklingende Stimme, aber dieser Reiz fand in ihren Kreisen keinen Anklang. Zudem war Mina eine arme, knbekannte, kleine Näherin mit einer mäßig
großen, maßlg vornehmen Kundschaft; sie hatte ein recht gutes Auskommen, be, eine Partie", wie manche ihrer Colle, ginnen, war sie nicht. Es wäre klüger gewesen, wenn sie nicht gerade bei jeder Gelegenheit versichert hätte: Ich mache mir nichts aus den Männern," denn dieser Ausruf erinnerte zu sehr an den bekannten des Fuchses von den saueren Trauben. Aber Mina in ihrer Unschuld und Ahnungslosigkeit wiederholte so gern ihr Sprüchlein, weil es ihr, gewiß ganz ausnahmsweise, aus dem Herzen kam. Sie fühlte sich zufrieden, fast glücklich in irer einsamen, wohlgeordneten Existenz ; se träumte nichts weiter, ihr Herz schlug ruhig, gleichmäßig - so wie es war, mochte Alles gut sein. Sie war klug genug, um völlig zu begreifen, daß kein Mann sie lieben würde, aber es ging auch ganz gut ohne Mann und ohne Liebe. Sie war eines jener auf den Strand geworfenen Kinder, ohne Vater, ohn, Erbe, ohne Familie; ihre Mutter war todt. Mit zweiundzwanzig Jahren stand das Mädchen allein im Leben, ohne Barn gen, ohne Zagen, wie ein echtes Kind der Noth und Arbeit, welches schwimme lernte, weil man es in's Wasser warf. Mina bewohnte ein kleines Zimmer chen, nach wiener Sitte Cabinet ge, nannt, mit eigenem Eingang durch die Küche, weil manchmal Damen zu iht kamen. Sie arbeitete bisweilen außer Hause, bisweilen bei sich, wie es sich eben traf; das letztere zog sie vor, obgleich sie dann die bessere und reichlichen Kost ihrer Prioathäuser entbehren mußte, Aber sie war gerne, sehr gerne bei sich zu Hause. Sie hielt ihr Cabinet in muster bafter Ordnung, pflegte einige Blumen, stocke und fühlte sich, allein mit ihre: Arbeit beschäftigt, ganz behaglich. Dieses hausliche Gefühl that ihr wohl ; sii hatte kein Bedürfniß, zu reden, sich mit zutheilen. Es ist gut, wenn Niemand da ist, um Einen zu ärgern oder zu necken," dachte sie, denn sie kannte kein, andere Gesellschaft, als die einer launi schen Gnadkgen" oder muthwlUkger, verzogener Kinder und hochmüthigcr Dienstboten. Am Sonntag, wenn alle Welt zu Zwei spazieren ging, wurde Mina manch, mal etwas schwer um's Herz ; sie dacht dann an ihre Freundinnen, welche sich jetzt herausputzten, um mit ihren Gelieb; ten auszugehen. Aber auch das kämpft Mina nieder. Sie lieh sich irgend etwaZ ' zu lesen aus, die Gartenlaube" oo Das Buch für Alle", und las, oder sit ging mit ihren Quartiersleuteu aus oder auch aueui. lind wenn der Sonntag Abend herannahte, fühlte das Mädchen in seiner Brust ein, den Andern gewiß unbekanntes Hochgesühl das Gefühl, so ganz aus sich selbst gestellt zu sein, Niemandem etwas zu danken zu haben.! le fetzte sich dann wohl nochmals ans Fenster, stieß es auf, sah hinad in die dunkle Straße mit den geschlojsenen Laden, mlt dem Trottoir voll Sonntags bummlern, die jetzt müde, abgehetzt, be- - rauscht vielleicht, mit zerrissenen, ver j staubten Kleidern, enttäuscht, katzenjäm. merllch gestimmt, nach Hause gmgen. Da unten spazierten liebende Paare, die sich vielleicht bei diesem Sonntagsausgange gezankt, an einander Verdruß gefunden hatten, Jünglinge, die den Keim einer Treulosigkeit, eines Verra, tbes in sich ausgenommen batten. Und j Mina warf einen seltsam klaren Blick . it Stat f W , krtff A&ort Itl 1 VIII WiViHlU WiljJVlf V1V VvU vvn !. einsamer Hkhe unbeachtet von dem Sonntagspuvllkum, bllnzelten. Mina suhlte sich so ganz erhaben, so ganz un angefochten von den Leiden und Freuden der Menschen dort unten aus dem Trottolr, und mit ruhiger Seele begab sich das arme, einsame Mädchen zur Ruhe. Es ging auf den Sommer zu. Mina arbeitete immer zu Hause an einigen Toiletten sür eine Braut ; ihre fleißigen Finger hatten schon oft geholfen. Brautstaat und Aussteuertoiletten zu verser, tigen, ohne daß eine Regung von Neid in ihrer Seele wachgeworden wäre. Es schien ihr ganz natürlich, daß die Anderett Wehten unk hthnihtien und sie. Mina nicht. Sie klapperte veranüat mit ihrer Nähmaschine und übersah mit einem Feldherrnblick das Schlachtfeld ,'!, r c i'T t uf dem aroßen Zufchneidetifch. Sie hatte ihr Ztouleaur hinausgesteckt, die Sonne lugte in leuchtenden Streifchen herein. Es arbeitete sich sehr gut bei dieser schonen Frühlingsluft, es flog nur eoen s. Mm Mina den Kok
hob, sah sie genau gegenüber im dritten zu und verhängt der schlaft m den Stock das hübsche, dunkelblonde Haupt hellen Morgen hinein. Ste suhlte, das; eines jungen Mannes, der ein großes, sie ihm gur war, gut bletben wurde, auch gelbbrofchürteö Auch vor der Nafe hielt, wenn er sie nie wieder emes Blickes wurSeit das Wetter schön genug wa?, um digte. Nach ueun Uhr machte er auf, t. . n ff ' V . , r l e tIfJL i.j.n f.f.iX ... srn
oie ivenner zu o mm. vane ue ole en r r '.. l i. 'tr . . . liches Haupt hob, sich anmuthig ab von dem dunklen Hintergründe des Zimmers, Unwillkürlich sah sie eine kleine Weile hinüber nun blickte auch er auf und zu ihr hinüber; natürlich klapperte sie nun sogleich mit der Maschine weiter, Nach einer Weile sieht sie ganz zufällig auf. und er er sieht immerfort Hers
ops jmoii lvleoeryoll vemerrr, aoer rmrtt uV V "..5 v..... nicht welter beachtet. Heute faß der ! man sich ja nicht. Sie hatte doch tix iunae Mann amnü und sein iuaend, - Bischen hinübergelugt, und er wart lhr
üer. Sie wird unwillkürlich roth; olickt tiefer auf ihre Arbeit nieder. Dann wieder blinzelt sie, diesmal ganz verstöhlen, hinüber. Er schaut unaufhorlich nach ihr sie thut, als ob sie es nicht merkte, aber das Herz beginnt ihr zu pochen, und wie zu pochen l Dieses Spiel, das sich unaufhörlich wiederholt, wo es jugendliche Vis a-vis und offene Fenster gibt, ist ihr etwas Neues, Unerbörtes. Soll sie noch einmal schauen? Aber nein! Indessen, das Gefühl ist stärker als sie, schon sind ihre Augen drüben. Er, er lächelt jetzt, lächelt sie freundlich an. Wie hübsch er ist mit feinem Zungen, frischen Gesicht, dem blonden Barlflaum, den blauen Augen; er hat daS Buch vor sich auf das Fensterbrctt gelegt er hat nur noch Interesse für sie! Ein Schwindel kommt über sie, ein süßer Schreck, es ist etroaS so Fabelhaf,tcs, das sie erlebt ihr ist, als träume sie: dieser hübsche, liebe junge Mann kokettirt. wirklich mit ihr! Sie vergißt sich, sendet ihm einen dankbaren, wonnestrahlenden Blick hinüber, erschrikt dann über sich selbst, springt auf, setzt sich athemlos auf ihr Bett im Hintergründe des Zimmers. sie weiß sich nicht zu fassen. Nach und uach kommt sie zur Besinnung. Es ist ein Student; sie hat deutlich anatomische Abbildungen in seinem Buche erkannt; das junge, leichte Blut hält es schwer bei dem trockenen Buche aus man amusirt sich dazwischen so gut, als nian kaun Welch' eine Thorheit von ihr, sich darüber so aufzuregen! Uud auf einmal fällt es ihr wie Schuppen von den Augen: der gute Junge ist kurzsichtig, er hielt vorhin sein Buch dicht vor die Nase, Mina erschien ihm von serne hübsch, idealisirt. Er hat sich getäuscht. Es ist nichts," sagte sie sich ruhig uno vernünstig, wie immer; sie geht zu ihrer Maschine an's Fenster, arbeitet gleichmüthig fort, blinzelt nur verstohlen hinüber, ohne daß cr's merlt. Der junge Thor macht allerlei Versuche, ihre
Aufmerksamkeit zu erregen, legt sich heraus, lächelt, grimassirt seine Anatomie ist vergessen. Mina hat jetzt Mitleid mit dem armen Burschen, sie thut, als merkte sie nichts, aber im Stillen regt sich eine Vorstellung in ihr: Wenn ich so hübjch wäre, als ich ihm erscheine, ob dieser hübsche Junge mich lieb gej r . JWt m wanne: iwDt es roiniiq cenzcyen auf Erden, die so glücklich sind?" Und sie malt es sich aus, was jetzt werden würde, wenn sie wirklich hübsch wäre warum soll man sich so etwas nicht einmal denken! Sie dachte sich also diese reizende Unmöglichkeit zugleich mit dem vollen Gefühl der Resignation. Ihr Gegenüber reckte sich noch immer den Hals aus, um sich ihr wohlgefällig ' zn machen. Sie lehnte sich jetzt Ml! j gleichgiltiger Miene hinaus in das volle , Sonnenlicht, ohne hinüberzublicken er mochte nun sehen, wie unhübsch sie war, j das Spiel mußte ein Ende nehmen. Es ! nützte aber nichts ; er pfiff jetzt, warf nun sogar eine Rose über die enge Gasse herüber, welche jedoch ihr Ziel verfehlte, Wcnn er nur schon aushörte," dachte sie jetzt, denn sie fürchtete, je länger er ' sich bemühte, desto graumsamer würde " seine Enttäuschung fein, wenn er sie einmal in der Nähe sah. Es kam jetzt die Mittagszeit. Mina ging, ihr frugales Essen rn der Küche der Quarticrsfrau zu bereiten. Der junge Student verschwand ebenfalls, Mina dachte kaum mehr an ihn. Gegen Abend aber begann das Spiel von Neuem da saß er schon, lächelte, winkte. Es ist zu dumm!" dachte Mina, aber sie war nun doch etwas aufgeregt, gespannt. Jetzt steht er auf, geht uach dem Hintelgrund des Zimmers, kommt wieder, hat etwas in der r i ,) C Hano nun lomml vle zcaiallrovye! Denn was er in der Hano yat. ljt ern Operngucker, und während der Jüngling das schwarze Ding an seine Augen legt, geht n;i schneidendes Weh durch das Herz des Mädchens der schone Traum zerstiebt! Wenn sie ihm hätte ! doch ganz entfchwmden können wenn sie sür ihn hätte reizend bleiben können ! Sie senkt den Kopf, aber sie hält still. still die Wahrheit mußte ja doch herauskommen. Sie sieht nicht, welche Grimasse der junge Mann macht, bemerkt nicht, daß er zu Jemandem im Zimmer es scheint ein College aus Besuch achselzuckend spricht, eine Geberde des Mitleids macht sie hat davon nichts gesehen. Sie arbeitet fort, denkt nicht einmal mehr an die reizende Unmöglichkeit, hübsch zu werden das Spiel ist eben aus! Es wird dunkel, sie muß jetzt die Maschine fortrücken, die Lampe anzünden. Sie steht aus, ihr Blick fällt auf das Fenster gegenüber. Der junge Mann steht dort und lächelt noch immer herÜber. Hat er Mitleid mit ihr? Will er sie noch immer feine Täuschungen nicht merken lassen? Es ist doch lieb von ihm. Obgleich sie sich beschämt fühlt, lächelt sie wieder hinüber; er sieht es, bemerkt aber nicht, daß ihr die Thränen in die Augen schießen. Sie arbeitete bis in die Nacht und ging todtmüde zu Bette. Welch' ein Tag war das gewesen! Die Liebe war auf ihrem Wege erschienen, hatte ihr von ferne gelZlt. M!na fünfte tick aeooben. be wegt, wie nie vorher. Sie fühlte zum ' t m . , n . ersten Mal, daß sie ein Weib war, sie ' fühlte, datz auch sie hatte lieven können, ! Mit ahnuugsvollen Schauern dachte sie, i ! ... s JC. X v. -S tm,rt Irt ttt llh JUVW Si jfcil Mp, v t .vvv, blondes Haupt zu umfangen und zu küssen. Schon um sieben Uhr srüb saß sie wieder bei der Maschine. Der junge Schelm drüben hatte natürlich noch sein Fenster :,j,u,, t " I. eine Kußhand herüber! Sie begriff mcht mehr, das Herz pochte rhr zum Zerfprm. gen, ihre Gedanken standen stlll. Er trat wieder an's Fenster, diesmal mit seinem gelben Buche, und das Spiel begann von Neuem. Er lächelte ihr zu. wie einer alten Liebe, als würden sie sich j schon durch und durch kennen und das
ht. mm in. M;nh.n t ft.nil"?
Lächeln stand ihm so gut ! Dann rrarf er ihr eine blutrothe Nelke herüber, welche diesmal an's Ziel kam und gerade auf die Maschine siel. Heute studirte er übrigens, sah aber dazwischen ilnmer berüber, lächelte, winkte, machte neckische Gesichter. Acina vermochte der Mückseligkeit nicht mehr zu widerstehen, welche unwiderstehlich wie eine Frühlingssluch ihr Herz überschwemmte. Sie gefiel dem jungen Mann, er hatte sie lieb gewonnen! Es war unwahrjcheinlich, aber doch wahr und wirklich! Und warum sollte es denn auch gar nicht niöglich seilf? Hatte sie nicht immer gehört, daß jedcS Weib denn doch einmal eine Wiunde dcS Glückes findet? Hatte sie nicht oft gelesen, daß die Liebe blind ist, ein Näkhsel, ein Zauber, den wan sich nicht erklären kann! Auch unschöne, ja, haßliche Mädchen werden bisweilen geliebt, und was hatte sie denn auch eigentlich so Haßliches? Ein paar Sommersprossen was liegt daran! Nein, sie zweifele nicht tnehr. Und es begann sür sie ein neues Leden, ein Leben ungeahnter, unerhörter Glückseligkeit. Abends war ihr letzter Gedanke: Ich gesalle ihm, er liebt mich!" Früh ihr erster: Er wird an's Fenster kommen und mich' lächelnd grüßen. Er freut sich jetzt darauf in seinem Neste, wie ich mich freue!" Und sie kräuselte ihr Haar, putzte sich zierlich, steckte die Blume vor, die er ihr gestern hcrübcrgeworfen und die sie gleich in's Wasser gestellt hatte. Dann sehte sie sich an's Fenster, er wachte immer später auf, noch ein wenig verschlafen, aber immer zärtlich herüberlächelnd. Jetzt machte er immer flehende Geberden, herüberkommen zu dürfen. Sie wollte nicht; eine ganze Taubstummensprache hatte sich zwischen ihnen entwickelt. Sie fürchtete noch immer feine Enttäuschung, fürchtete das Glück. . Wenn er sie wirklich an sein Herz ziehen würde konnte sie das überleben? Sie wußte nicht, was werden sollte. Sie war ja schon
überselig, sein liebes, blondes Haupt zn sehen, sich in seinem zärtlichen Blicke zu sonnen. Aber er bat so innig mit Blick und Gcberde sie wehrte ab, doch im mer mit verminderter Energie, und neigte dann errathend den Kopf über ihre Arbeit, ohne jemals zu bemerken, daß er sich bisweilen abwandte, eine Grimasse machte oder auch m den Hintergrund des Zimmers ging und dort lächle, bis er sich die Seiten hielt. Und wenn sie es auch gcsehen hätte, sie würde nichts Bö ses geahnt haben; weshalb sollte er nicht lachend An einem sonnigen, warmen Nachmittag versagte plötzlich ihr ganzer Widerstand. Sie stand am Fenster hinter der grünen, sonnenheißen, hinausgespannten Jalousie und winkte ihm, herüberzukommen. Sie wußte gar nicht, wie das gefchehen war. Sie that es, ohne zu überlegen, ohne zu schwanken unbewußt, unwillkürlich. Sie winkte nur und trat dann in jähem Schreck zurück. Nun stand sie mitten im Zimmer, athemlos, fassungslos, wahrend das Herz ihr zcrspringen wollte. Er wird kommen in wenigen Minuten wird er da sein wird sie umfassen, wird sie küssen! Der Tranm wiro Wirklichkeit eii.e fuße, greifbare Liebeswirklichkeit! Sie kann dem Geliebten nicht mehr widerstreben, sie ist fein ganz fein ! Und ihr ganzes Wesen schmilzt bin in der süßen, vollen, rückhaltslosen Hingebung der Liebe. Nur' einmal an seinem Herzen liegen, ein e:nziges Mal in seinem lieben, weichen, dunkelblonden Haare wühlen und bann mag kommen, was da will Tod, Sch.mie, Weltuntergang es ist ihr gleich ! So steht sie da, bebend, schauernd, wonnezitternd aber er kommt nicht, kommt so lange nicht; er konnte schon da sein. Sie rechnet nach: drei Treppen hinab, über die .Straße, drei Treppen herauf er könnte da sein, aber er kommt nicht! Sie tritt beunruhigt an das Fenster, schaut hinüber sein Fen ster ist geschlossen. Nach einer Welle faßt sie sich, begibt sich wieder an die Arbeit. Er hat ihr Zeichen gewiß nicht verstanden, ist fortgegangen, weil sie vom Fenster ging also ein anderes Mal! Aber das Fenster blieb geschlossen; zwar öffnete man eS am folgenden Tage, aber er war nicht da ; man lüftete die Betten, räumte auf er fchien frt. Sie hatte so viel ausgeforscht, daß er bei der dicken MehlhLndlerin zur Miethe wohnte, welche unten ihren Laden hielt. Man munte nach ihm fragen. Mina trat einmal ein und traf auch richtig die dicke Frau mit ihrer noch dickeren Tochter allein. Mina kaufte Vogelfutter, aber sie brachte die Frage, die ikr auf dem Herzen lag, nicht heraus; doch bemerkte sie. daß Mutter und Tochter sich einen lächelnden Blick zuwarfen sie wußten etwas. Ein nächstes Mal betrat sie wieder den Laden und kaufte Butter; diesmal faßte sie sich ein Herz und frug mit schüchterner Stimme nach dem Zimmerherrn das Zimmer wäre ja leer, wo sei er hingekommen? , .Er ist schon auf Ferien, entgegncte die Frau, früher, als die anderen Studenten. Ein Brief von Hause rief ihn fort, ich glaube, eine Hochzeit findet statt oder sonst etwas." jWarni kommt er wieder?" sruz Mina. Wer kann daS bei einem Studenten sagen!" meinte die dicke Frau, und Mina scharf sirirend, setzte sie hinzu: Sie glauben doch nicht etwa liebes Fräul'n" die Tochter trat plötzlich dazwischen, redete hinein z und während die Alte die Lutter abwog, horte Mina, wie die Tochter flüsterte: .Du sollst es ihr nicht sagen! Der junge Herr hat nicht gewollt, daß " Mina verstand nichts veiter. Sie war gerührt, erschreckt was war es, das man ihr nicht sagen sollte? Hatte er Schulden oder' ein znderes Llebesband? Hatte sie ihn zn nner Untreue verleitet? ArmO Kind er hatte sich ihretwegen noch Bedenken - ge naHt! Sie ging beruhigt, getröstet, zosscnd. Es folgten einsame, stille Tage, aber sie war, glücklich, sie träumte von dem, was gewesen war. Sie hoffte und artete aber er kam nicht wieder kam niemals wieder. Auch die MehlHändlerin wußte nichts von ihm, er vohnte wo anders, verlor sich unter den Maulenden Studenten. Mina beweinte , .
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khn, trauerte, härmte sich sb, aber f4 war doch glücklich. Sie hatte sich zu lange besonnen, ihn zu rufen, und der arme Junge hatte inzwischen abreisen müssen, wurde gewiß von Anderen fest gehalten. Vielleicht war es auch gut so z er war nicht enttäuscht worden, glaubte an ihren Stolz, ihre Tugend. Em gol diger Schimmer blieb auf ihrem stillen, mühseligen, einsamen Leben: sie hatt geliebt, und ach ! sie war geliebt worden. Sie sprach nicht nrehr geringfchätzig von der Liebe und von den Männern; sii hatte ihr kleines Geheimniß, sie sat sich lächelnd: Für Jeden kommt eine Stunde des .Glückes!" Mit ruhiger Seele sah sie der Zukunft entgegen eine unüberfehbare Reiht von freudlosen Tagen der Arbeit, dn Einsamkeit, des Alters. Sie fühlte sich .nicht allein, nicht verlassen das liebe, blonde Haupt war da in dem Fensterrah men, von dem dunkeln Hintergrund dci Zimmers sich abhebend. Sie war ge weiht, gesegne t, glücklich sie war ge, liebt worden! ' Patentkurett. Der Privatmann Alois Stechhuber so lesen wir im ersten Band der Biblio, thek des Humors", eines ebenso reich? haltigen, wie belustigenden Sammel werkes, das von E. O. Hopp heraus gegeben wird der biedere Sl'echhubtt olso leidet am Zipperlein. Er hat alli Doctoren der Stadt befragt und allerlei Bader gebraucht umsonst. Mit An. ! dacht liest er in der Zeitung täglich dit Anzeigen. Da fällt sein Blick auf d .electrischen Einlegsohlen unfehlba, ,res Mittel gecn Rheumatismus, Gichtj Podagra, Ehiragra und alle verwandte Krankheiten." Die alte Haushälter!, muß sofort ein Paar solcher Sohlen her beischafjcn. Der Erfolg ist wahrhaft großartig. Siechhuber, der sonst nm mit großen Schmerzen und vieler Vor sicht auf dem Straßenpflaster gehe konnte, bewegt sich mit solcher Lelchtig: ?eit, daß er, wenn er einem Bekannt begegnet, mit dem er spreen will, einetz Umkreis beschreiben mun, um stehen bleiben zu können. Durch das raschi Gehen erhitzt sich aber Herr Siechhubeh und zieht sich eine Erkältung rn. welchi
ihn nöthigt, wegen heftigen Brust? tarrhs und Hustens im Bette liegen z bleiben. Da liest er die Anzeige; Mensch! Huste nicht!" und läßt sioj sofort von seiner Haushälterin das ange j?r!esene Mittel holen. ' Schon am andern Morgen ist der Hm sten wie weggeblasen. Wie Herr Siech; huber aber sein Frühstuck verzehrt, fühh er lebhaften Brechreiz und heftige Ma, genbeschwerden. Zum Glück sindet et als ein wirksames Mittel gegen all, Magenlciden einen Kräuterliguor ange, kündigt, den er sofort anwendet. Del Kräuterliquor stillt zwar die Maem schmerzen, aber es stellt sich heftlgel Kopfweh ein. Zu seiner Freude findet Herr Siechhuber einen Artikel, in welchem ein Wiener Doctor darlegt, daß allt Krankheiten nur vom Genusse des StaU fees mit Milch herrühren. Sofort srüh, stückt er statt des gewohnten Kaffees eim Maß Bier. Die Folge ist ein hestig Magenkatarrh. Während Herr Siech huber im Bette fein Blatt liest, siet)t einen Artikel, in welchem ein Dr. Finde, recht mit unwiderleglichen Gründen dar thut, daß nur kaltes Baden im Freie dem Körper die volle Gesundheit er, schassen kann. Trotz aller Bedenken dn alten Haushälterin begibt sich Hen Siechhuber sofort aus dem Hause uni nimmt ein Flußbad. Der Magenkatarrh scheint gehoben, aber Siechhuber ver spürt jetzt einen derartigen Nhenmatis mus, daß er den rechten Arm kaum z bewegen vermag. Der Kranke sieht ein. daß mit dem Vertreiben der Krankheij von einem Ort zum anderen nichts ge, Wonnen ist und entschließt sich infolgt einer Anzeige zu einer Radikalkur", im dem er sich eine Jäger'sche ?!ormal, kleidung anschafft. Der Erfolg ist der großartigste. Siechhuber blüht wie eine Rose, er 'verl zehrt riesige Mahlzeiten, ohne jede Ver dauungsbeschwerde, läuft im Winter nu mit einem Schwimm anzug aus Gesund heitöstoss bekleidet Schlittschuh, geht da: gegen im Sommer bei 30 Grad Wärmi mit dem vollständigen Gesundheitsanzuz in der Sonne spazieren und wundert sich, daß es Menschen giebt, die schwitzen. Aber diese unverwüjlliche Gesundheit ha! tyre schlimme eue für Herrn wlech, huber. Alle seine Freunde und' Bekanm ten, mit Einschluß seiner treuen Haus hälterin, sterben, so daß er dieselben fortwährend erneuern muß. Das macht ihn melancholisch er kommt sich vot wie der ewige Jude und geht tiefsinnig umher. Eines Tages, kurz nachdem die siebente neue Haushälterin in Dienst genommen, hört man, Herr Siechhubcl sei gestorben. Der Fall erregt Aufsehen, man ordnet die Section an. Diese er giebt, daß Alles im normalsten- Zu. ltanoe sich befand und w Gel. und heil Siechhubers eine Mustergiltige war. Die Doctoren zerbrechen sich die Köpfe, bis einer derselben an dem Gcsnndheits: Hemde des Verstorbenen eine gestopftt Stelle entdeckt. Die neue HaMhaltcr! hatte, da sie gerade keine gleichsarbigt Wolle zur Hand hatte, das Hemd, als ek aus der Wajche kam, mit Baumwolle ge flickt und fo den Tod ihres guten Herr' ? verursacht. HH ';, Gedankensplitter, .jfj Daß Eolumbus entdeckt hat d:S ferne Land, PH Deßwegen würde er nicht so viel eD nannt - - h! Wenn er glücklicherweise nicht noch dabei Das Kunststück gemacht hätte mit dlw Ei. , j Kleine Geister deichen den Rake ten; sie steigen in die Höhe, blähen sich auf, platzen und sind todt sür immrrHA Männer von edler und Vornehmer Gemüthsart werden dadurch am leichtesten entwaffnet und bezwunge, aI Äan sich ihnen von der gemeinste:: Seite zeigt ; sie scheuen die Beschmutzung u::d weichen aus. ' ' 'M Auch ein Philosovb. ' Ich begreif' gar nicht, welchen Werth die Leute auf den Reichthum legest!1' j Wenn ich nicht manchmal etwas Schulden zahr len würde, so brauchte ich gar kein Geldl
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