Indiana Tribüne, Volume 13, Number 101, Indianapolis, Marion County, 29 December 1889 — Page 7
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Kein ton Gesrg Höcker. Ist I. An einem sonnigen Julimorgen deS ! Jahres 1883, als gerade d!e öffentlichen führen in Berlin du achte Stunde ver,5 kündeten, öffnete das Zimmermädchen eines der ersten Prioathotels in der Do- ! rotheenstadt die No. 17 führende Thür in der ersten Etage und trat behutsam in den geräumigen Salon ein, dessen Fensterjalousien noch, geschlossen waren kund in welchem demzufolge nur eine . dämmernde Helle herrschte. , Sie trug ein kleines Präfentirbrett mit zwei Gläsern darauf, angefüllt mit . heißem Waffer und heißer Milch und ; wendete sich zur Rechten nach der einziV gen Nebenthür des Salons. GeräuschloS glitt ihr leicht beschwingter Fuß über den schwellenden Teppich des Geniaches, bald stand sie an der Thüre zum Nebtnzimmer und klopfte an, nachdem sie eine kurze Weilö gehorcht hatte. Alles blieb still. Herr Vrown!" rief das Mädchen dann mit zagha fter Stimme. Ich komme mit der Milch. Wiederum erfolgte keine Antwort. Auch auf stärkeres Klopfen und Rufen blieb Afe still. Das Madchen schürtelte feinen Kopf und blieb noch einen Augenblick unschlüssia stehen. Alsdann aber ein letzter Versuch ebenfalls mißlangen war, wendete sie sich mit ihrer leichten Last und verließ eilfertiger, al? sie .ekommen war, den Salon. Draußen auf dem Csrridor begegnetes lyr der Zimmerkellner der klage, vcun Sie kommen ja wieder zurück? fragte er, einen Augenblick stehen bleibend. Mister Brown ist doch sonst so pünktlich.... will er heute nicht Milch mit Wasser trinken?" Ja, ich weiß auch nicht, was ich dazu sagen soll ! meinte das Zimmermädchen kopfschüttelnd. Der Herr hat mir strengstens aufgciragen, ihm unter allen Umständen pünktlich morgens acht Uhr das Frühstück zu bringen. Er versprach mir eine hübsche Belohnung ,m Falle meiner Pünktlichkeit nun habe ich aber wiederholt geklopft und gerufen. . . ohne Erfolg!" Der Kellner lächelte. Das matz seine Ursache haben," sagte er. Mister Brown hat ja gestern Abend lange mit .seinem Freunde, dem Varon von Sencken, getafelt ich mußte vier Flaschen Johannisberer Cabinet nach und nach herausbringen, und außerdem noch ein' kleines, fernes Souper. . . .ich wunderte mich zwar darüber, weil Mister Vromn doch am 9!achmittage noch so unwohl war, .aber " Ich glaube nicht, doß er des Guten zuviel gethan hat," wendete wiederum kopfschüttelnd das Zimmermädchen ein, oer Herr schaut so solide und streng nüchtern ans.... mein Gott, wenn ich ' nur wüßte, was ich thun soll!" Je nun, ich würde es schon einmal ersuchen," meinte der Kellner.. Kom men Sie mit, Nannette, ich will für Sie ' rufen. . . .wir Manner haben allemal bessere Stimmen! Er lachte Nannette vertraulich an ; 'dann begaben sich die Beiden in den Salon an die zum Schlafzimmer süh?ende Thür zurück. Aber auch die Versuche des Kellners , rwiefen sich als vergeblich. Hm, das ist ja schon 4i:ehr ein Barenschlaf," l rneinte der Schwarzbefrackte darauf nach1 : denklich. , Sonst ist Mister Brown immer leicht t: i! ausgemacht. .... .ich brauchte höchstens . zweimal zu pochen, dann rief er sofort Herein! und ich brachte ihm das Frühstück an'S Bett." . V. Unwillkürlich hatte der Kellner die Hand ans die Thürklinke gelegt und dieselbe niedergedrückt. Die Thür war um verschlossen gewesen und öffnete sich nun durch die leichte Berührung ein wenig. Ich werde einmal einen vorsichtigen Blick hineinwerfen ! flüsterte er in fast unhörbarenk Tone. Leise neckte er den Kopf durch den schmalen Thürspalt, aber in demselben Augenblick fuhr er auch schou mit einem Aufschrei entsetzt zurück. Gottts Barmherzigkeit!" stammelte er, sich ersichllich verfärbend, da ist ein Unglück geschehen!" Jesus Maria!" flüsterte das Mädchen, an allen Gliedern zu zittern beginnend. Was hat sich ereignet?" Der Kellner öffnete statt jeder Antwort weit die Thür und deutete nun schreckend bleich in das Nebenqemach. Mit angstvoller Scheu lugte das Ziminermädchcn in dieses und wurde ebenfalls leichenblaß im Gesicht. Dem Freinden war augenscheinlich ein Uuglüe! zugestoßen, denn der stattliche, fast schön zu nennende Mann mit dem großen, schon, stark melkten, Völlbarte und dein ausdrucksvollen, tiefernsten Gesicht lag nur noch mit den unteren Gliedmaßen im Bette; der Oberkörper dagegen hing über den Bettrand hinab, sodaß der Kopf beinahe den Bodenteppich berührte. Ein leiser, schmerzlicher, dabei aber doch wunderbar friedlicher Ausdruck lag um die bleichen, festzefchlossenen Lippen ausgeprägt,, wahrend die Augm "' halb offen standen und mit seltsam gebröchemm Blick zu den beiden Neugierigen hexüberzustarren schienen. Entsetzlich ! " murmelte das Zimmer- ; !; manchen, so heftig erbebend, daß die ' Glaser auf ihrer Tablette zu erklirren i ansingen. Er ist todt... nicht wahr?" :: Der Kellner trat einige Schritte näher , !; heran. Da ist keine Rettung mehr t; möglich," meinte er dann, nachvem er f , zaghast mit der Hand auf die Stirn des Niederlieaenden gefühlt hatte.' Mr ist schon ciseskalt.... sicherlich ist er schon viele Stunden todt!" Emßlich!" murmelte da3 Zlmmermädchen wieder. Freilich, wie fein Freund, der Herr Baron, heute Nacht um zwölf .Uhr bei seinem Weggehen sagte, fühlte der Aerinste sich ernstlich unwohl Hätte ich doch Ueber Noch einma l nach . ih in .,: gesehen wn ber er hatte esl mir durch den Herrn Baron fireng verhieien lassen ihn zn stören. vas machen wir nun?" Wir müssen so schnell wie möglich Herrn Schurich benachrichtigen 'meinte der Kellner. Hier dürfen wir selbst nichts thun. . . .es muß Alles so unoerändert liegen bleibt?, bis der Ant daaees: ist!" . . 1 '
Die beiden zogen leise die Thür zum Nebenzimmer wieder .ü. Dann aber eilten sie hastig wieder durch'den Salon, sofort das gesammte HausperZonal in Alarm versetzend. Auch Herr Schurich, der Besitzer des Hotels, horte erblassend die Mittheilung des Kellners. Mein Himmel, mitten in der Saison, das ist ein unerhörter Schaden für mich!" murmelte er. Dann aber war sein Erstes, dem gestimmten Personal bei Strafe sofortiger Dienstentlaffung strengstes Stillschweigen einzuschärfen und den Hausdiener zum nächstwohnenden Arzte zu schicken. Dieser kam und begab stch in Begleit tung Schurichs nach dem eleganten Salon in der ersten Etage hinauf. Nach einer kurzen Weile schon kehrte er mit sehr ernst gewordenem Gesicht zurück. Wie gesagt, ich kann hier aus eigener Machtvollkommenheit nichts thun," versetzte er. Sie müssen Alles oben belassen, wie wir es vorgefunden haben bis das Gericht hier gewesen ist. . . . es liegt unzweifelhaft Selbstmord vor!" Der Hotelier schlug verzweifelt die Hände zusammen. Mein Himmel, welch' ein herber Schlag für ein renommirteS Haus!" stammelte er verstört. Die Gäste werden in hellen Schaaren ausfliegen, wenn das Gericht den Fuß über meine Schwelle setzt!" Ach, das kommt in einer Weltstadt häusig vor!" suchte ihn der Arzt zn beruhigen. Bitte, machen Sie sofort Anzeige, ich muß es pflichtgemäß auch thun. In ein paar Stunden kann die ganze Angelegecheit geregelt sein, ohne daß irgend Jemand von Ihren Gästen das Geringste erfahrt!" Der Arzt verabschiedete sich von Schurich. Dieser aber stieg mit bekümmertem Gesicht die mit weichen Teppichen belegte Steintreppe zur ersteu . Etage wieder hinauf, begab sich nach 3to. 17, öffnete die Thür leise, zog .den innen steckenden Schlüsiel heraus, schob ihn von außen wieder in das Schlüsselloch hinein, schloß ab und steckte den Schlüssel in seine Tasche. Einige Stunden spater hielten zwei
Droschken vor dem Hotcl. Der herbeieilende Portier öffnete den Schlag der ersten, nicht wenig verwundert, daß die Ankömmlinge keinerlei Ge pack bei sich jährten. - Aber seine Miene nahm sofort einen Verständnißvollen Ausdruck an, als dem Gefährt zuerst ein bebrillter, klug und ernst drein schauen der Herr, der ein beginnender Vierziger sein mochte, in gewählter schwarzer Klei: dung entstieg. Ein ebenfo würdig dreinschauender, nur in weit vorgerückterem Lebensalter stehender zweiter Herr 'folgte ihm. Inzwischen waren der zweiten Droschke ebensalls zwei dunkelgekleidete Männer, denen man die Gehennpolizisten instinctio ansah, entstiegen und schloffen sich den Voranschreitenden an. . Die Herren vom Gericht?" frug der Portier alsbald mit achtttligsvoller Verbeugung in: Tone halber Vertraulichkeit. Der erste Herr nickte mit dem Kopfe. Melden Sie mich Ihrem Herrn.... ich bin der Untersuchungsrichter Lindemann", sagte er kurz, während er in das Vestibül des Hotels eintrat. Wieder verneigte sich der wohlbeleibte Portier und bat dann die Herren, ihm nach dem rückwärts, dem Hofe zu gelegn ner Kontor zu folgen. Der Unters suchungsrichter und feine Begleiter fchritten unter seiner Führung nach dem Kontor, wahrend die beiden Geheimpolizisten im Vestibül zurückblieben. Da und dort that sich wahrend des Dahinschreitensder Beamten eine Thür auf und mit neugierigem Ausdruck erschien der Kopf eines mättnlichen oder weiblichen Bediensteten, um, sobald ein Blick aus den klugen, strengen Augen des Untersuchungsrichters ihn traf, verlegen und blitzesschnell wieder zu verschwinden.' Im Kontor eilte Schurich mit allen Anzeichen tiefinnerlicher Erregung auf die Eintretenden zu.- Ein schrecklicher Fall nicht wahr?" rief er allsogleich, ohne sich auch nur die. nöthige Zeit zu lassen, die Herren förmlich zu begrüßen. Ich' bin ganz außer mir. . . . so ein seiner, würdiger und dabei allem Anschein nach lebenslustiger Herr. .. . und solch' ein tragischer Ausgang. .'..! Der Verblichene wohnte .schon einige Zeit be: Ihnen?" sragte Llndemann. Ja, ganz recht!- entgegnete der Ho, telier und wendete sich nach dem Schreibpulte, auf dem das dickleibige Fremdenbuch lag, in diesem einige Seiten zurückblätternd. Hier steht dcr Eintrag: Am 1. Mai Mister Lemis Vromn aus New Z)ork, Zimmer 17 und 18 der ersten lLtage.... er wohnte also beretts seit mehr als vierzehn Tagen im Hotel." .Was für einen Eindruck machte der Verblichene auf, Sie? - Sie sagten bereits vorhin, -daß derselbe ein leöenslüstkger Herr geniesen sei?" .Sicherlich war er nach meiner Ueberzeugung ein Mann, dem man eine solche Verzweislungslhat . njcht gut zutrauen konnte." Vielleicht eine der vielen dunklen Enstenzen, welche wegen Mangels der nöthigen Unterhaltsmittel sich das Leben freiwillig nehmen." , Nein nein, Herr Untersuchungsrichter, muß ich entschieden widersprechen. . . . Mzster 7 Brown war ein durchaus solidsr und ehrenwerther Mann und versagte Außerdem über reichliche Geldmittel. . . .er hat allein mir bei seinem Eintritt in das Hotel zehntausend Mark gegen Depotschein in Verwahrung übergeben. Davon ist noch nicht ein' einziger Pfennig erhoben. . . .und außerdem habe ich bei jenem Herrn verschledene Creditbriese gesehen, welche auf hiesige Bankstrmen lauteten." Sie können sich nicht entstnnen, aus welche?" warf der Untersuchungsrilbter Mn: Da müßte ich lügen. . . . aber doch lch entsinne mich wenigstes auf eine derselben.... auf das Bankhaus Noberi Spindler in der Nktterstraße. . . ." Mine ehrenwerthe Firma!" meinte her Untersuchungsrichter während es im Gegensatz zn seinen Worte eigenthümlich in seinen Augen aufblitzten Also Nahrungssorgen können es nicht gewesen sein, welche den Verblichenen in den Tods getrieben haben .... und sein Benehmen machte auch auf Sie und Ihr Personal keinen, verdächtigen Eindruck?" Durchaus nicht! Mister Brown war ein Mann von feinstm UmgangSs
, formen, liebenswürdig und zuoorkom-', nt .N.t f 1. -I.
meno aeaen nue . . . . aoei woic ei i nen feinen Tisch) ein gutes Glas Wein erst gestern Abend hatte er zwei Soupers dinatoirs i zehn Mark bestellt nnd außerdem einige Flaschen feinster Auslese...." Jwei Eouverts. saaen Sie?.... so hat er also Besuch aus seinem Zimmer gehabt?" fragte der Untersuchungsricyter. , Wie fchon oft!" kovfnickte der Hotelier. Lauter et)renwerthe, hochfeine Herren sprachen ber ihm vor. . . . gestern zum Beispiel der Herr Baron von Sencken. ..." Ein leises Zucken alitt über Lindemsnns Gesicht. Sencken... Sencken?" murnulte er. Dec Name kommt mir bekannt vor.... ah, richtig!" setzte er . t ' c e k , ' ... C X 91C119 oaraus reicylen ones mnzu. mn$uf. kannte einst, wenn auch nur oberflächlich. zwei Thüringer Landsmänner von mir, welche Werner und Arno von Sencken hießen. . . . Den letzteren glaube . lch sogar wiederholt m yleugen vielenichastskrelien seither w:edergetrotten zu haben. - Ganz richtig . . . .Arno von sencken 1 " siel Schurich ein. Ein Herr. Ende der dreißiger Jahre. vielleicht im selben Lebensalter wie ich stehend?" So ist es. Herr Untersuchungsrichter. Die Herren waren gut bekannt mit einander, ja, sie schienen sogar sehr bekannt., unt einander!" I Nun. wir werden vor allen Dingen ' an eine Besichtigung des Thatortes gehen ' Ä .5 ? m-. mit en titer, err zcrelspyonrus Dr. Pznthe? wird die Güte, haben, uns zu begleiten."' Der Hotelier verneigte sich. tief vor dem anderen Herrn. Wenn es mir gestattet ist, Sie zu führen. . . . ich habe gleich nach der EntDeckung das Zimmer geschlossen." Da haben Sie auch recht daran gethau!" Wenn ich mir nün eine Bitte erlauben dürfte," wendete zaghaft der Hotelier ein. Wir stehen mitten in der kaut Laison. . . .wenn es möglich wäre, ohne besonderes Aufsehen. . . .daß von meinen zahlreichen Gasten Niemand etwas erfährt, denn ." Seien Sie unbesorgt!" versetzte Linbemann. Ich glaube nicht, daß irgend Jeinand Notiz von unserer lnwesenheit nehmen wird ...... also, wenn ich bitten darf." Schnrich verneigte sich abermals und, den Herren die Thür öffnend, fchritt er mit denselben nach dem ersten Stockwerk. Er athmete erleichtert auf, als auf der zn demselben führenden Treppe ihnen Niemand begegnete. Gleich darauf maren die Herren in Nummer 1 7 eingctre- , ten und die Thür hatte sich hinter ihnen geschlossen. In dem Salon war noch Alles beim Alten geblieben. Prüfenden Blickes betrachtete der UntersnchungZrichter die mit der gewöhnlichen schreienden Hoteleleganz ausgestattete Einrichtung: Die unoermeidliche rothsammetne Garnitur, die beiden hohen Trumraur, die Teppiche und die typisch gewordenen Oelbilder. Dann zog er mit einem Mal prüfend die Luft ein. Es riecht hier offenbar nach verbranntem Papier!" meinte er nachdenklich. Unzweifelhaft, Herr Scath!", sagte einer der beiden Gehcimpolizssten, die sich ihnen angeschlossen und vorhin zugleich mit in das Zimmer eingetreten waren. Es muß ein großer Borralh Papier verbrannt worden sein .... da das Fenftcr noch immer nicht geössne, ist der ganze' Dunst im Zimmer geblieben." Auf einen Wink des Untersuchnngsk richterö össnete einer der Geheimpolizisten die Jalousie und warmer, Heller Sonnenschein fluthete nun in das stiilc'Ge-, mach herein. Auf dem Tisch stand noch eine zur Hälfte gesüllte Weinflasche. Johanttisberger Kabinet!" las der Untersuchungsrichter und schaute dann flüchtig in das einzige, gänzlich geleerte Glas, welches sich auf dem Tische befand. Mister Brown hat gestern Abend mi dem Herrn Baron von Sencken hier gefpeist," erlaubte sich der Hotelier aufmerksam zu machen. Ganz recht ! . . . .und dort. ..." Der Untersuchungsrichter deutete auf die Thür zur Ncchteu, besindet sich das Schlafzimmer dks Verewigten?" So ist es, .Herr Untersuchungsrichter.". GroßertSchrittes aina Lindemann auf die Thür zu, öffnete dieselbe und, die Schwelle überschreitend, warf er einen prüfenden Blick ans den Todten, der. von dem ihn zuerst untersuchenden Arzt in eine andere Lage gebracht worden war, und nun mit sriedlkch verklärtem Ausbrücke einem Schlafenden gleich, im Bette ausgestreckt lag. Der Kreisphysikus , war Zugleich mit eingetreten. Hastigen Schrittes grng er auf den Entseelten zu, schob dessen Auqeudeckel ein wenig in die Hohe, beugte stch zur Brust herab, horchte einige Se:nnden lang und meinte dann,, sich wieder erhebend: Der Tod kann spätestens um II Uhr gestern Abend erfolgt ssin. Die Leichenstarre ist schonvolllg etngetre ten." ' .. : . - Inzwischen hatte sich der Untersuchungörichtcr prüfend in dem Schlafraum umgeblickt. Alles befand sich in tadelloser Ordnung.. Aus dem Nachttische stand ein. geleertes Weinglas. Ünwillkürlich nahm Lindemann, während' der Arzt sich wieder mit dem Todten sorgsam zu beschäftigen hegann, den Kelch zur Hand und roch daran. Sonderbar", meinte er dann köpfschüttelnd. Aus dem Glase ist unzweifelhaft getrunken worden und doch ist kein einziger Tropfen Rückstand in demselben. . . . es ist sicher ausgewischt worden . . ah, da sind jct auch einige kleinen Leinenfäserchen an dem Rande...." Er unterbrach , sich unh fch hin. Bitte, lieber Herr KreisphvsikuS, .kommen Sie doch einmal hierher," rief er dann ln hastigem Tone. Täusche tch mich nur.., oder sind das wirklich kleine, weiße Krystallkörperchen, die sich? auf dem Grund des Glases angesetzt ihV ben?" ' Der Arzt schaute einen' Augenblick hin. Das sind ünzzoeifelhaft verschwindende Ueberreste irgend einet nie
tallischen Substanz versetzte er bestatt end, einen bedeutungsvollen, vielsagenden Blick dem Andern zuwerfend. , Dieser schüttelte den Kopf. Sonder, bar!" murmelte er, einem der GeheimPolizisten den Auftrag gebend, nach dem Tuche zu such, welches zum Auswischen des Glases verwendet worden war. Sem Befremden wuchs, als der Mann trotz eifrigen Suchenö mchtS dergleichen sinden konnte. Es ist doch eigenthümlich! sagte er, mehr zu sich selbst gewendet Der Verblichene hat unzweiselhaft, schon im Bette liegend, noch einen Trunk aus dem Glase gethan.... Wenn er daSselbe ausgemischt Hatte der Grund hierzu ist mir übrigens unerfindlich so müßte sich daS Tuch doch irgendwo sinden .... Er schritt gedankenvoll in den Salon zurück, es dem Arzte überlassend, eine genaue Untersuchung deS Todten nunmehr vorzunehmen. Wir werden jetzt an eine Sichtung des Nachlasses gehen müssen," versetzte er, halb zu dem Hotelier gewender. Vielleicht, daß sich irgend eine nennenswerte Handhabe findet." Auf einen Wink begannen die GeheimPolizisten die Durchsuchung des Zimmers. Sie öffneten sämmtliche Behälter deS Schreibtisches und die Schubladen und Thüren der übrigen Schränke, aber so sorgsam auch alles'abgesucht wurde. .. nicht eine einzige geschriebene Zeile wollte sich vorfinden. Das ist mehr als seltsam!" sagte der Untersuchungsrichter nach einem mehr als halbstündigen vergeblichen Suchen. Sie sprachen doch von einem Portefeuille, das der Verblichene besessen haben soll?" Jch kann es beschwören.... erst gestern habe ich es noch in seinem Besitze gesehm!" entgegnete eifrig Schurich. Auf einen Wink deS Untersuchungrichters begannen die beiden Geheimpos lizisten auch im Schlafzimmer Alles abzusuchen, aber ebenfalls vergebens. Sie sagten außerdem," wendete Lin bemann sich wieder an den Hotelier, daß der Verblichene Kreditbriefe, sowie eine größere Summe Geldes bei sich geführt '. . ..auch sprachen Sie von einem Depotschein, welcher...." Ganz richtig.... weichen ich über den Betrag von zehntausend Mark ausBestellt habe!" entgegnete Schurich, den Beamten mißverstehend, ein wenig ein psindlich. 3ch bitte, die Versicherung aenehmrgen zu wollen, daß ich auch ohne
Depotschein die mir anvertraute Summe bei Heller und Pfennig auszahlen werde!" Sicherlich, lieber Herr Schnrich ! meinte Lindemann, freundschaftlich abwehrend mit der Hand winkend. Wer denkt denn gleich an so etwas aber ci ist Doch ausjällig, daß der Depotschein fehlt! Ja, offen gestanden, wundere ich mich auch im höchsten Grade darüber!" Es roch vorhin nach verbranntem Papier!" wagte einer der Geheimpolizisten zu bemerken. Vielleicht, daß . . Ganz recht!" kopfnickte, ihm ins Wort fallend, Lindemann. Sehen Sie einmal im Ösen nach!.... Aber es ist doch undenkbar, daß man Documente von solchem Werthe verbrennt !".... Der Polizist, der vor dem prächtigen, kaminartigen Ofen uiedcrekniet war und dessen Feuerungsthür geostnet hatte, stieß setzt einen kurzen Ausruf aus. tfs liegt eine Unmasse verbrannten Papiers im Ofen, Herr Rath!" sagte er, mit der Hand in den Ofen greifend. Vorsicht !" niahnte Lindemann, bringen Sie die Asche nicht durcheinander." O, das ist bereits geschehen, Herr Untersuchungsrichter!" meinte der Pollzist wieder. Hie? mit dieser Feuerzange . . . . " Dabei wies er auf das uiessingene Instrument, welches neben dem Ofen an der Wand hing und deutliche Spuren jüngster Benutzung auswies iji die ganze Asche tüchtig durcheinander gerührt worden .... aber es war zu viel Papier. . . . cs scheint fast. Lls ob es fest auf einander gebündelt gewesen wäre. . . . es sind noch einige Ueberreste vorhanden." Wieder mahnte Lindemann den Beam: ten zur Vorsicht. Den angestrengten Bemühungen des Letzteren gelang es endlich, einige an den Rändern ringsum verkohlte, vergilbte Papierreste aus der Asche zu sammeln. Sie waren beschrie ben und einzelne Schristzüge sogar noch deutlich erkennbar. Sorgsam nahm sie Lindemann in Empfang und breitete sie auf dem Tische aus. Lange Zeit stand er darüber gebückt. Endlich hielt er kopsschüttelnd in seinen Bemühungen inne Es gebricht uns jetzt an Zeit, die Fragmente gründlich, zu studiren," versetzte er zögernd. Es sind nur noch einzelne Worte. . . . Da steht Werner" .... da wieder bis in den Tod".... hier wieder Angelisa".... Dieser Name ist vollkommen zu lesen und darüber stand, wie noch deutlich ersichtlich , treuliebende". . . . der obere Theil ist zwar weggebrannt.... aber man kann es noch genau entziffern! ... .Es sind vermuthlich Liebesbriefe gewesen und hier ist sogar noch eine Jahreszahl .... 1867" .... Ist dies da? Datum eines Briefes oder eine nur zufällig .vorkommende Jahreszahl?.. . . Hm hm....' Er hielt inne und winkte den einen Polizisten heran. Nehmen Sie die Papiere sorgfältig auf und liefern Sie dieselben auf meinem Bureau ...... . , , öch stehe vor einem Räthsel 1," murmelte er dann zu sich' selbst gewendet, nachdenklich dabei zu - Boden niederIchauend. Es will mir Manches bei der Geschichte nickt gefallen .... man gibt sich doch nicht die Mühe, ein Glas, aus dem man unzweifelhaft den Todestrunk ' gethan, noch auszuwischen .... zudem noch das Verbrennen der Papiere . . . .einen Depotschein, über zehntausend Mark . . . . mehrere Kreditbriefe und dergleichen mehr...." - Dann wendete er sich an den Hotelier, der mit gespannter Aufmerksamkeit " feinen Amtshandlungen gefolgt war. Herr, Arno von Sencken war gestern Abend, wie Sie vorhin sag ten, zu Besuch bei dem Verblichenen?" 'Jawohl!- : - ' ' " Wann kam er denn?" Das kann ich Ihnen so genau nicht ssgen, aber jedenfalls wird der Etagen fellner eS genau wissen 1" 1 !
Bitte, dann, lassen Sie ihn hierherrufen l Aus SchurichsIlingeln erschien schon nach Ablauf , einer halben Minute der Schwarzbejrackte. - Treten Sie nähert" gebot Linde mann. Sie seroirten auf dieser Etage?" Jawohl, Herr Untersuchungsrichter." Sie haben vermuthlich heute Morgen ivch die Entdeckung gemacht. .. .wemg stenS bin ich ahnlich berichtet worden." So ist es," versetzte der Kellner wie, der und gab eine gedrängte Schilderung des Vorfalles. Gestern Abend kam Herr v. Sencken zn Besuch?" meinte Lindemann wieder, als dtt Kellner mit fernem; Bericht zu Ende war. O, es war noch Nachmittags. . . .es Mochte kaum fünf Uhr vorüber sein, Herr Untersuchungsrichter." Und der Herr Baron blieb?" DaS weiß ich selbst nicht, genau. . .. es muß aber schon sehr spät gewesen sein, da ich mich bereits zur Ruhe begeben hatte, was in der Regel um halb zwölf Uhr. geschieht. Das Zimmermädchen aber hat den Baron beim Fortgehen an der Thür getroffen." Nun, das Mädchen können wir nachher befragen. Sie servirten gestern Abend das Essen und den Wein?" Zwei Soupers h, zehn Mark und im Ganzen vier Flaschen Johannisberger Cabinet." Und waren die beiden Herren lustig und guter Dinge. . . .ich meine, standen sie in gutenl Einvernehmen mit einander oder...." Im besten Einvernehmen von der Welt.. ..sie waren soar sehr vertraut miteinander...." Woraus schließen Sie das? Mister Brown war ja, soviel ich weiß, erst seit' etwa vierzehn Tagen in Berlin ?" Jawohl, versetzte der Wirth auf den fragenden Blick Lindemanns, 'noch mehr sogar!.... Mister Brown hat mir ausdrücklich erklärt, daß er schon über ein halbes Menschenalter nicht mehr in Deutschland gewesen sei." Nun sehen Sie Leute in solch gesellschaftlicher Stellung schließen doch nicht so schnell Freundschaften mit einander!" Aber ich bleibe bei meiner Behaupt tung!" entgegnete der Kellner. Die
derben Herren sind sehr vertraut mlt emander gewesen! Sie haben sich sogar geduzt, wenn sie allein beieinander waren Das wollten sie freilich nicht Wort halten, denn wenn ich ins Zimmer hereintrat, sagten sie wieder Sie" zu einander .... aber unsereiner hat scharfe Ohren .... man gewohnt sich an Beobachtungen und ich kann befchworen, daß sich die Herren, wenn sie allein waren, sogar lci ihren Vornamen genannt haben!" Und wie nannte alsdann der Varon den MisterBrown?" frug der Untersuchungsrichtcr. erner. Lindemann fuhr unwillkürlich zurück. Werner " sagte er betroffen ich denke, Mister Brown hieß Lewis mit dem Bornamrn?" Ja, es kam mir dies auch seltsam vor," entgegnete der Kellner. Ich äußerte solches auch einmal zu dem Portier. aber der meinte, ich solle mir die Finger MO)rverorennen. . . . ..lozcye Herren uatten rmmer ihre Elgenthumuch ketten." Der Untersuchungsrichter schritt nachdenklich einige Male im Zimmer auf und nieder. Seine Stirn hatte sich zu tiefen Fallen verzogen.... Warum war ihm nur der Name Werner so eigenthümlich ausgefallen? dachte er. . .. Beraebens suchte er sich indessen eine Weile Rechenschaft darüber zu geben. Aber endlich fand er doch eine Erkläruna und wunderte sich dann darüber, wie er so lange aus dkeieloe nlcht hatte kommen rönne. Werner' hatte ja Arno von Senckens Bruder aeheiizen. Eine alte, längst verblichene Geschichte dämmerte plötzlich m der Ermne rung des Beamten wieder auf. Werner von Sencken, der etwa sünf oder sechs Jahre älter sein mochte, als er selbst. war vor zwanzig Jahren oder mehr in eme unangenehme Affaire verwickelt gewesen. Lindemann hatte damals noch studirt und für diesen Fall, der damals . ' nt.- ! ein nacyuankges rufieyen in ganz Deutschland hervorgerufen hatte, aus erklärlichen Gründen ein besonders lebhaf1 . - . ' n. I l rcs, reges nlerene empsunoen. . Der ältere Sencken, sonst ein liebens würdiger und offener Mensch, war da: mals durch , einen Nebenbuhler um die Gunst der heimlich Geliebten gebracht oder in deren Besitz bedroht worden so genau konnte sich der Scachsinnende nicht mehr erinnern jähzornig hatte er den Verhaßten über den Haufen gestochen und war bei Nacht und Nebel entflohen. Aber seine Flücht war mißglückt. Hart verfolgt, hqtte er in den von der Fruhjahrsfluth hochaüsgezchwollcnen Hei malhsfluß springe,; müssen und die Wel len hatten ihn mit sich fortgerissen. Der Unglückliche war ertrunken ! . . . . ; Seltsam, daß diese alte, laugst ver gangene Tragödie ibln wieder in Ennnerung kam. Unwillkürlich wußte er sich anch des Namens der damals betheiligten Dame wieder zu. entjmnen: Angelika von Walven hatte das junge, sich des besten Hin fes erfreuende junge Mädchen geheißen. . .s lndefjen fetzt war keine Zelt für derartige Nuckerinnernngen. Hastig wendete er sich vielmehr wieder an den Kellner. Bemerkten Sie gestern irgend welche Gereiztheit oder ppam nung zwischen den beiden Herren?fraate er. tfj i p w -w v . unzemcin lustig... .a.ch Mister Brown schien sich - in recht guter und heiterer Stimmung zn befinden, obwohl er ein klein wenig über Unwohlfein klagte 'und Nachmittags , dort auf, der Chaiselongue lag.... aber zum Abend sah er wiedep ganz srisch und wohl aus. . . . Du lieber Himmel! Niemand hatte ahnen können, daß.. z.? ' r ' - . i Sonst ist Ihnen weiter nichts aufgefallen?" unterbrach ihn der Unterjue chungsrichter. ' : Nicht daß ich wüßte " , , . Dann gehen Sie jetzt und rufen mir ZaS Zimmermädchen herbei." , Sehr wohl, Herr UntersuchungSrichter." . . - t, f$rttt t ffiH Cnvi Attirt
In demselben Augenblicke öffnete sicö
die Thür zum Nebenzimmer und mit ernster Miene trat der Arzt aus die schwelle. , Darf ich einen Augenblick bitten. HerrNath?" fragteer. Lindemann wendete sich sofort zu ihm: ftfi Yfmtt iSrtf 11 TSiilR.tt r07 v"fc i07'fc' Avvv.gv. g.. 11 ti jtv4t ' haben Sie etwas entdeckt?" Wie man es nehmen will." verfemte der Arzt in gedämpftem Tone. Es ist untwelfelhaft," wate er hinzu, nachdem er die Thür zum Salon geschlossen hatte, daß der Unglückliche an lLtst gestorben ist es ist aber keine gewöhnliche Giftart. mittelst welcher er sich das Leben genommen hat sondern viel mehr, wenn nicht alle Anzeichen trügen mit unfehlbarer Sicherheit kann ,ch eS natürlich erst nach erfolgte? ichenoffnung behaupten liegt dem Todesfalle daS sogenannte indianische Pfeilgist zu Grunde...... es ist dies wohl das verheerendste und schrecklichste aller Gifte und tödtet, in einer großer Dosis, wie es hier unzweifelhaft der Fall ist, genomit. rrtMf r . nr mcn, mir angenviicrucyer Zwirrung. Wieder stutzte Lindemann. Sie meinen, daß der Tod nach Verlauf einer einzigen Secunde vielleicht schon elm .- 4t r , . rrill l- rraare er ae pmr. Sehr richtig!" Würde dann dem Verblichenen Zeit übrig geblieben fein, nach dem Einnehmen des.Gisttrunkes noch etwa ein Glas mszuwischen oder dergleichen?" Nicht daran zn denken," siel eifrig der Arzt ein. Wie ich Ihnen bereits gesagt habe, ist die Wirkung eine schlagflußähnliche, mit elementarer .Gewalt hereinbrechende trinken und wie vom Blitz getroffen zusammenstürzen, das ist das Hauptsymptom dieses grüßlichsten aller-Giste!" Seltsam.... höchst seltsam!" murmelte Lindemann wieder, dessen Gesichtsausdruck sich immer mehr verfinsterte. Aber das ist noch nicht Alles .... ich habe noch eine eigenthümliche Entdeckung gemacht," 'fuhr der Arzt fort.' Der Todte hatte nämlich um den Hals an einer seidenenSchnnr einen kleinen Lederbeutel, den er zu seinen Lebzeiten jedenfalls auf der bloßen Brust verborgen trug ich entdeckte es zufällig bei meinen Manipulationen und fand in diesem Beutelchen zu meinem Erstauneu hier diesen Ring.." Zeigen Sie, bitte!" sagte Lindemann und nahm das Kleinod aus den Händen des Arztes. In demselben Augenblick, aber fuhr er schon wieder ras rück und warf einen bestürzten Blick auf t r . cmr. r-t.-.v . xr. r r . t J vas ,0 srievliu) anzuzeyenoe -esicyl oes Todten. Dieser Ring dieser Ring!" murmelte er mit halblauter Stimme. Wie ist er in den Besitz jenes Mannes gekommen?" Sie setzen mich in Erstaunen, bester Naih!" warf der Arzt ein. Kennen Sie denn den Ning es ist unzweifelhaft der Wappenring eines adeligen i)e,chlechts.Ob ich ihn kenne!" warf Lindemann ein, wie gebannt auf das Kleinod wieder starrend, dessen kunstvoll ausgeführtes Wappen durch einen federgeschmückten Jtitterhelm, auf zwei gekreuzten Aerten ruhend, gekrönt wurde, während die einzelnen Wappemeleer ein springendes Pferd, zwei sich schnäbelnde Tauben und einen Stern zeigten. Ich habe dieses Wappen in meinem Hmnathlande oft m steln ausgehauen gesehen mein Heimathsstädtchen liegt am Fuße eines hochbewaldeken Berges Thüringens, dessen Gipfel heute noch die Trümmer der langst zerstörten Senckenburg trägt. Wie oft spielte ich innerhalb der moosbewachsenen Ruinen und eben dieses Wappen, das fast in allen Steinbrüstungen über den Thoren und Fenstern der Ruine ausgehauen sich vorfand, hat sich mir un...cut.'j; x:.SsX js,..:r. uuaiuujiiu in cvuu?uuß rlllgrprägt!" Das ist mehr als seltsam!" kovf schüttelte nun auch der KreiSvbysikus. Aber das Räthsel lost sich vielleicht auf die einfachste Weise sprachen Sie nicht vorhin von einem Herrn von Senkken, der gestern zumBe,uch bet dem Verstorbenen weilte?. . . . Vielleicht, daß ein Verwandtfchastsverhältniß hier vorliegt . . . . . .oder ein Geschenk vielleicht auch . . . . " ' Wahrscheinlich sogar wirb' es sich so verhalten'" unterbrach ihn Lindemann hastig. Ich werde inzwischen den Ring zu mir stecken !" Dann ging er, gefolgt von dem Arzte, wieder in den Salon zurück. Dort befand sich das Zimmermädchen und wartete schüchtern auf den Beginn des Verhörs. Lindemann warf einen forschenden Blick auf das unschöne, aber freimüthig und gutartig blickende Gesicht des schon älteren Zimmermädchens. Dann ließ er sich dessen Namen nennen. Sie hatten Morgens immer dem Verblichenen Milch und Wasser zu bnnqsti?" . Ja, pünktlich um acht Uhr. . . . Der nrme Herr hatte ferne Eigenheiten. . . . ., Hatte er. Außerdem noch welche? srua Lindemann. Jawohl!.... immer kurz bevor er sich zu Bett begab, sollte ich ihm eine Flasche recht kalten Wassers bringen und' sie ihm auf das kleine Tischchen dicht neben der hur, dort stellen . . ' Haben Sie daS gestern Abend auch gethane-.... 'Ich wollte es thun. Aber gerade, als ich iVs Zimmer eintreten Wollte, kam der Herr Baron von Sencken heraus und. meinte, ich solle es nur unterlassen .... Mister Brown sei wieder recht unwohl geworden und habe sich bereits zum schlafen Niedergelegt.... er wünsche deshalb durchaus nicyr gestört zu werden...." . Ah so! Um w!e viel Uhr war das wohl?-.. ' 'Es war schon Mitternacht vorüber. Wir wunderten uns eigentlich, das Mister Brown so lange ausblieb, da er doch nicht ganz wohl war.. . . er ging sonst immer pünktlich spätestens elf Uhr zu Bette." ' . (Fortsetzung folgt.) Leise Andeutung. Vater (zu cmem jungen Mann, der um die Hand seiner Tochter anhält) Aber, Herr Assessor, können Sie auch eine Fanilit ernähren?" Assessor (kleinlaut): .Ich vünsche ja nur die Tochter!" 1
SUt 5aK neue Jahr.
Was bringst du, sternengleicher Bote,, Der unsrer dunklen Sphäre strahlt? Bist du ein Theil vom Morgenrothe, Was Weltleid mit Erlölung zahlt? Trägst du Pandorens Büchse? Stillet Kein Unbeilsname werde laut. Du bist wie die verhüllte Braut, ' . Mm . . " m fl Und me die Blatter der pme! t Nicht zeig' uns die Hallen der Zukunft offen. Wir wollen nicht wissen, wir wollen nur hotten 1 Wie ein erlosch'ner Greis im Grabe, Liegt nun dein Bruder, todt und bleich. Du kommst als lichtumstrahlter. Knabe, An Können stark, an Hoffnung reich. D'rum latz auch nicht zu Schanden mt den, - Wer Hoffnung dir entgegenbringt Und tarier kämpft und muthia ringt Im Daseinskämpfe dieser Erden. An's Lan führ' den Schifte? in schwan kendem Aachen, Und leite die Starken und stütze die schwachen. 4 Wer obdachlos und sonder Hülle, . Dem gieb ein Heim, dem gieb eln Kleid, Und auch den kühner' Wunsch erfülle: 3!imm von bedrängter Brust das Leid l Den Wandrer fuhr' zum Zielesorte, Der Liebe jühre zu das Herz ; Verbann' vom Erdettrirnd den Schmerz, Und schließ' des JanuStempels Pforte l Gieb Licht deinen Sonnen und Thau deiner Zolke, Und komme als Fruchtjahr zu jeglichem Volke. Den Armen aieb den vollen Teller. Dem Win;er fülle Berg und Faß; Dein Füllhorn gieß' auf Tenn' und ' Keller. In Thränen mische Nebennatz ! Gieb eine Heimath jedem Streben, Das Gutes oder Schönes schafft! Des schöpferischen Geistes Müst Laß segensreich und wirksam leben ! Dann werden, wenn emst wir zu )rave dich tragen, Wir nicht, daß du kamst, daß du schiedest. Verlagen ! Al fred Friedmann. Die Cremoneser" vom Tandel markt. Na. der hat 'was Rares gekauft. Diefen rlasstschen Ausspruch that jüngst ein auf dem Wiener Tandelmarkt seßhaftes, ansonstkn. höchst respcctables Mitglied der I T. Trödlerzunft. Der Edle ries's und sandte hierbei einen Mitleidsvolle Blick dem jungen Manne nach,' welcher eben, eine alte Zeige unter dem Arm, hinausstürmte. Käufer und Geige, sie beide sahen gleich reducirt aus ; jenem seilte ein Stückchen Rockschoß, dieser hinwieder sämmtliche Därme, nnd doch war das Ding verwünscht theuer gewesen. Drei Gulden das ganze Um und Auf des armen Violinlehrers waren bei ihrem Ankam daraufgeaanaen. drei Gulden, jämmerlich zusammenAefpart als Erträgniß so manches freiwilligen Fasttages, denen noch andere folgen muszten, denn wie viel werden erst die Kurkosten des Instrumentes erheischen. Fast zahneklappernd trat eme Akerkel stunde spater der arme Teufel bei einem Geigenchirur gen ein und erkundigte sich äußerst schüchtern nach der Hohe der Äceparatur kosten. Der Jnstrumentenmacher nimmt den wurmstichigen, beräucherten, bestaubten und berußten Kasten vor, balanclrt ihn vorsichtig zwischen den Fingern, entfernt die Schmutzkrusten, guckt der Geige in den hölzernen Bauch hmem, klopft ihr auf den Jcesonazboden, halt sie gegen das Licht, klopft und kratzt neuerdings dran herum und an den Eigner heraus tretend fragt er: Sie, wie lang Haben's denn do Geig'n?" Seit einer halben Stunde." So, so. Und was hat's denn 'kost'?" Drei Gulden. Habe ich sie etwa überzahlt?" via, um gar so Vieles net. Wissen's was, i' zahl' Jhnenchalt zweihundensünfzig Gulden; es könnt' a Cremoneser" fein. Woll'n's oder woll'n's net?" welhundertundfünfzig Gulden! So viel hatte der sunge Mann sein Leben lang noch nicht gesehen, geschweige denn im Besitze gehabt. Ihm schwindelte förmlich vor solch' ungehosftem Glück, und darum rief er mir einer Hast, als fürchte er. daß Jenem das Angebot reuen könnte: .Was, zweihundertundsünfzig Gulden; Ernst oder Spaß?" Vollkommen ernst," antwortete der Geiaenmacher' leate die zwei Hunderter und den Fünfziger auf den Kassentisch und eine halbe Sekunde später war der papierene Mammon in des ViolinlehrerS r . '!?-. . . n c .ir jr. jr. aogerinenen xeoenaj eggen, oas rncniaia noch solche Schatze geborgen hätte. Glücklich wk ein König ent stürmte er dem Laben. (N. Wiener Tagcbl.) A uch nach dem Lande d e r aufgehenden Sonne ist der Ruf von den weiblichen Führern in London gedrungen, die sich kürzlich ZU emer Gilde zusammenaethan haben. Kürzlich trat ein Japaner in den Geschäftsraum der Cockvurstr. bei Charingcroß und erbat sich eine zunge Dame als Fuhrenn. Die Directorin fragte ihn,' ob eine Dame zu femer Gesellschaft gehöre; als dies Perneint wurde, ei klärte sie ihm kurzweg, daß ein einzelner Herr keine Führerin erhalten könne. Der arme Fremde zog ein langes Gesicht und sah so schrecklich zerknirscht aus, wie er rn gebrochenem y .r'r 1 re- ir . .t '',f. jngiij9 tmt nizcyuioiAungen nammelte, daß der 1 Vorsteherin und ihrem weiblichen Secretär das Herz weich wurde. Sie steckten die Köpfe zusammen: ein Ausweg n,ar gefunden. Könnten Sie sich verstehen, zwei Damen als Führerinnen anzunehmen?" fragte die Dame und hielt zwei Finger Zn die Höhe. ; Der Japaner hatte ein rasches Verstandniß. Er hielt gleich beide Hände mit ausgespreizten Fingern in die Höhe. Ten, if jou pleasel" Die Direktorin schüttelte lächelnd den Kops ; sie berief zwei der hübschesten Damen aus dem Wartezimmer, und n:it einem weiblichen Führer rechts und links trat der Japaner freudestrahlend seine gwße Reise durch London an. - ' ;::-fEin guter Kerl. .Sie haben jetzt schon den sechsten Hasen gefehlt " .Machj nichts . . . wissen Sie, heut' ist mein Geburtstag, und da will ich nu fröhliche Gesichter um mich seh'n!
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