Indiana Tribüne, Volume 13, Number 95, Indianapolis, Marion County, 22 December 1889 — Page 6

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Der WaÄsengel. Giue WMnachtZ.Seschlchte von Tftftß

DsS rege Leben und Treiben, da5 den oanzrn Tsg über in der Stadt geherrscht datte, ließ endlich nach. Nur noch Einkelne liefen1 eilenden Schrittes durch die Straßen, etwas Vergessenes noch' herber zm holen, oder es waren Gatten und Dater, die heimkehrten aus ihren Geschuften, zu den sie heute so sehnsüchtig erwartenden Frauen und' Kindern. Es war heiliger Abend" heute. Weihnachten! Welches Herz schlagt nicht höher bei dem Wort ; welches Auge sieht ,hn nicht Plötzlich vorezaubert,den strahs senden Christbaum in seiner bunten, schillernden Pracht: wer hsrt nicht im Geiste das Jauchzen und Jubeln der froh beschenkten Kleinen?! Weihnach ten! Das Fest der Liebe, des Friedens und der Freude für Alle! Mochte man an diesem Tage nicht alles Leid und allen Schnisrz bannen vom der Erde, möchte man nicht Jeden glücklich sehen? Es ist ein so wehmüthiges, die Freude vermindernveS Gefühl, wenn man sich an dem Abend im schönsten, stetigsten Glück dabei:, vorstellt, wie viel arme Menschen jetzt zur selben Stunde einsam, elend und verlassen sind! Und gerade der heilige Abend ist am meisten dazu angethan, die höchste Freude, aber auch den tiessten Schmerz zu emxsinden. Das Gesühl der Einsamkeit, des Alleinstehens, der Sehnsucht nach lieben Angehörigen in der Ferne, der Schmerz um theure DaS Hingeschiedene alles das packt uns so ehr am Weihnachts-Abend. Und gar die Erinnerung an andere längst entschwundene Weihnachten! Ja die Erinncrung umspannt die Einsamen an diesem MeMsest. ' - " ' ' . . Sie that es auch mit dem alten einsa-. nun Manne, von dem ich erzäh'ea will ; sie entrückte ihn ganz seiner traurigen Gegenwart. Da um ihn her war nichts zu sehen von LichterglanA, kein Jubel zu hören, kein Dust zu verspüren von Tannenzweigen und Honigkuchen. Eine kleine, düster btennende Lampe stand auf dem Tisch und warf ihren matten Schein auf ein altes, vergrämtes Antlitze auf weiß: Haare und einen langen, weißen Bart. Aber es lag doch nicht die Milde und der Friede in dem Gesicht, den wir uns zusammen denken mit dem silbernen Haal! Im Gegentheil, es lag ein harter, bitterer Zug um die fest zusammengekniffenen Lippen und ein düsterer Blick tu den braunen Augen. Das Schicksal mußte hart verfahren sein mit diesem Manne. Aber nein, der Mann selbst war noch härter gewesen, als das Schicksal, er hatte sich nicht beugen lassen, aber er hatte auch das Glück und den Frieden nicht einziehen lassen in sein Herz, wie es ihm geboten ward. Darum saß er auch jetzt, am Weihnachtsabend, so einfam und allein. Aber die Erinnerung hatte Mitleid mit ihm, leise und schmeichelnd umsing sie ihn, entrückte ihn der traurigen Gegenroart und versetzte ihn in seine glückliche Jugendzeit. Und die kleine, düster brennende Lampe vor ihm wurde zum hellstrahlenden Wcihnachtsbaum, unter S CS"'S rT. . tr.trx- fX.tz x..t f.i.. rti.. er.. .tt iiHW H, Uf IV VWMU, springen in ausgelassener Freude. Das Jubeln feiner Geschwister um ihn her hörte er wieder, und die Klänge des L!ebes: .Stille Nacht, heilige Nacht" das seine Mutter mit schöner klarer 'Stimme fang. Mehrere solcher Weibnachten zogen vor seinem Auge vorüber, alle schon, alle gleich glücklich und voller Freude. Er kam weiter und weiter in semer Erinnerung und nun stand er vor der einen, unvergeßlichen Weihnachtsziacht. Es war ein weit kleinerer Baum els der in seinem. Elternhause, den er vor sich sah. und oben an der Spitze schwebte ein kleine? Wachsengel mit ausbreiteten Flügeln. Neben ihm stand sein junges geliebtes Weib und hielt feinen Knaben hoch, der mit beiden Händchen nach de,n glitzernden Aaume und vor allem nach dem Engel da droben verä langte. Und so lange bat und bettelte sein Liebling, bis er den kleinen Engel herunter langte und seinem Kinde gab, ihm erklSreno, das sei der WeibnachtsEngel, der ihm all die schönen Sachen gebracht batre. Der Kleine küßte und liebkost? den Wachsengel und wollte ihm danken für Alles. Auf diesen, schonen 'glücklichen Abend folgte eine schreMche, ausregende Nacht. Er erwachte von einem starken aasigen Geruch und mit Migem Kopsschmerz; gleich weckte er seine Frau und sie standen auf, die Ursache zu ergründen. Kaum hatten sie d!e Thür-geöffnet, wo die Wärterin mit dem Kinde schlief, als sie entsetzt zurückprallten Das ganze Zimmer war angefüllt mit Kohlengas. Die Wärterin lag schwer athmend. , röchelnd in ihrem Bett. Sein und seines WeibeS erster Ruf war: Das Kind." Den Tod im Herzen vor Anast stürzten sie aul das Bettchen zu. Es. war leer , er riß das Fenster aus, öffnete die verhäng Nißvolle Klappe des Ofens. Die Warterin lag ohne Besinnung, das Kind war niraends im Ulm ... Sie riefen, suchten. e? ar nicht da. In der entsetzlicheit' Angst und Ausreauna lies er durch , alle Zimmer. Da was war das im vorWft ma maot "tUmnt am 3r. HH tblUl, Wf VU V Vimijl ItUil den der Mristbaum aestrablt. nnd noü Alles vor der, Pescheerung stand, kauerte : eine kleine weiße Gestalt, am,, Bsden. f . . . i rr. . ixt .n i rr r KSein Kind! In dem einen Handchen 'fhm Wachsengel, jetzt an seine Brust gedrückt schlafend. Mit einem lauten ,, Schrei, halb Todesangst, halb Jubel, hob er das Kind vom Boden auf. Es ' erwachte. Papa, Engel holen, Engelchen fürchtet sich," sagte es schlaftrunken und hielt feinen Weihnachtsengelfest uNk,kammert.Äer Kleme.war auf-4 gewacht, batte au seinen Engel gedacht fn"k tvrt1si iit rttiS Virn tmnlTm 'ütmmi" '::.WIfV fcV VVft VHI HW-. n-. in sein Bett holen, war aber dann, noch ehe er zu znnem Äettchen zurückkonnte, wieder einaeschlasen. ' Er wäre unfraalick dem Tode versallen aewesen. wenn er nicht, noch , eye das oytenaas ausae-

strömt war. das Zimmer verlassen hätte, raus erschallen. Endlich hielt er an vor . ii i- 'rm 'tv l::r : i nn:t"1ii'.:;'t.!'sri:i::.;,ft'?!..f" ' '::' ",!!" :"i

dauerte Ävocyen lang, eae ole Warre- klnrm yuvjcyen au,e, es war yeu ers rin sich ganz erholte. Der WachSengel j leuchtet und man horte fröhliche StimIkzi flintiY Utn' ftinb ftertiUll sAimtrt- Vrr fslttnfe khteS JRftiia ?NNO

ittitV VM "V V' j) - j 'W "..-M.,.W mmw . M sne deutlicb stand das Alles vor seiner Hatte es in seiner Phantasie so oft schon

Seele. Es zuckte eigenthümlich , über sein schmerzerfülltes Gesicht.' Wo war ! it V rr.. t aci.ii..u das jtino, ?uroelienwunoervaie jicuunij er damals so inbrünstig Gott gedankt?

Sein einziges Äinv, sein Augapfel, für den er Alles gethan? Den er erzogen hatte mit aller Liebe und Sorgfalt, der ihm das Leben noch werth machte, nachdem ein Schicksalsschlag nach dem andrn ihn getroffen. Nachdem er fein Weib verloren, seine Eltnn und Geschwister ! Der Sohn war für ihn mehr als gesterben, trotzdem er ngch lebte, er war verloren sürihn. Das Resultat-seiner Erziehung war gewesen, das er ihn, den alleinstehenden Vater, verlasien und lieblos aufgegeben hatte. In die Welt hatte es ihn getrieben, die dem Alten so yerhcßte. Die Künstler-Lauföahn hatke er eingeschlagen. Der Vatr wollte nichts, hören, wenn man ihu auf das große Talent seines Sohnes aufmerksam machte, er wollte die flehenden Bitten des jungen Mannes nicht hören, ihn seiner geliebten Kunst leben zn lassen bei ihm sollte er bleiben, in seinem alten, einträglichen Geschäft, das schon sein Vater vor ihm mit Erfolg betrieben, das war sein ein ziger Wunsch und Stolz, den kräftigen strebsamen Sohn ganz dafür vl gewinnen. Er wollte auch nickt einjchcn, wie der junge Mann verkümmerte unter den drückenden Verhältnisied, wie der Trieb und das Verlangen nach etwas Höherem, nach seiner geliebten Kunst, ihn verzehrten. Er war blind dagegen, bis er eines Tages sehen mußte, daß es zu spät sei. Vater, leb' wohl, ich kann nicht mehr so Üben, eS zieht miK mit sausend Armen fort. Verzeihe mir, ich hübe lange genug dagegen gekämnst! Das waren hie Worte, die der Vater eines Morgens anfgesch rieben in seinem Zimmer vorfand, sein Sohn war fort. Da war der ganze Sorn,. das niederschmetternde Gesühl der Undankbarkeit und. wie er- qlaub.e' Gleichailkiakelt

seines Sohnes über ihn gekommen, und : cr hatte ,ym geflucht, ihn verztoßen für immer.' Kein Brief von ihm wurde geöffnet, keine Zeile an ihn mehr geschrieben, als die, er soll; sich nie mehr vor seinen Augen blicken lassen. So niarcn Jahre vergangen. ... Der einsame alternde Mann würd härter und verschlossener von Jahr zu Jahr. ES war ein freudloses, verbittertes Leben, was er führte. Nur eir.e Unterbrechung hatte eS gehabt ein Tag war gekommen, Ui ihn erschüttert hatte, bis in's Inerste, und dem dann eine lange Zeit der Unruhe, des erneuten Grolles folgte. Er hatte seinen Sohn wiedergesehen. Dieser hatte nach der langen Zeit der Trennung, beseelt von dem innigen Wunsche, feinen Vater wieder zu versöhnen, gewagt, sich ihm zu nähern. Mit dem Be.onßtfein, es in seinem Talent zu etwas gebracht zu haben, und ohne Mit-, tel. nur durch Fleiß und Ausdauer ein tüchtiger Mann gen orden zu sein, trat er vor seinen Vater. Doch nicht die erflehte Verzeihung wzrd ihm ! Erneuter Fluch, ein "nochmaliges Ausstößen sür immer. Da ging er von feinem Vater, den herbsten Schmerz in seiner Brust. Dock das Verhängniß wollte es, daß er gerade nach seinem alten Heimat hsort eine Berufung bekam. Er mußte mit fernern Vater an einem jn leben, ohne ih Urnen zu dmkk. h., sich ihm iezu ( i ' , t r , So waren wieder Jahre vergangen der ulte Mann da in dem Lehnstuhl vor der mattbrennenden Lampe war bald zu Ende mit seinen Gedanken, nur ems noch, es wnrde ihm gemeldet, daß ihm k Enkel geboren sei. Em Sohn sei, es Sohnes ! Das war auch schon em ?aar Jchre her - er hatte mchis darauf geantwortet. Jetzt mußte das Krnd so lt sein, wie damals das seme war-alS es ibm auf so sonderbare Weise gerettet !?urde. Obeswohlso suö'ausjah, wie ln klemer Knabe dazunial? V Warum ollte das Vüd mcht von ihm das liebe, rosige Kmdergesichtchen; er sah es vor 54, J deutlich, als habe er es gestern &m n, . , . , Der harte Ausdruck semes Gesia)teS ließ nach, es zog fast ein wchnuthtaeS, Lächeln um seme L,P?en. Dachte eer harmlosen Plaudereien semes KmdeS, denen er so gern gelauscht? Es zuckte und zitterte über das Gesicht die Hände begegneten ,Kunruh!g hm und her, sie tasteten vor sich, als wenn er etwas greif wollte, etwas an sich ziehen; sie grsf- . fen ,n leere Lust, Mes war leer um.ihn hl Er stand auf. Schwankenden Schrittes ging er an den alten Schrelbtisch m der Ecke des Zimmers. JHxt Uernder Hand zog er eme kleine Schublade auf er hielt plötzlich :nnc nachdenkend sollte er eö thun? Doch die zitternden Hände thateneS schon, ehe . noch wußte, ob er es wollte odet nicht 7" wickelten aus vergilbtem Papier ' Gegenstand auS -jetzt lag es offen da ein WachSengel mit ausgebreiteten , Vögeln! Und der alte Mann war auf einmal ' nicht mehr im Stande zu stehen, -feine ganze Gestalt waykte, fest klammerteer, sich an den Stuhl vor dem Schreibtisch r.:t t c i'c.r . ü 1. r . cy.V er siez oaraus nleoer, oicyl vor seinen ttu geu lag jetzt der Wachsengel. Und das Gesicht sank tiefer uns tieser daiauf, bis eS hart daraus lag; dann g:ng eme Erschüttern a dnrch den aan?.en Körper, ein ! eigenthümlich - klingender Ton rang sich i fnfi rtr ' 4i m - Rn ff niVi Ktn - tim ' vw vv Mtm -vjv V vuitii um die Erlösuna: der alte Mann weinte. ! weinte, als ob ihm das Herz , brechen sollte. So lag er lange, lange ! Dann erhob er sich plötzlich, einen Moment stand er sinnend ; wie schienen die Züge gemildert, das Harte' losgelöst von der wohlthuenden Macht ' der Thränen, Dann ging er in das Zimmer, daneben und kam gleich darauf im Mäntel und Hut zurück. Und nun wickelte er den Wachsöngel wieder ein und steckte ihn in die Brusttasche feines UeberziehersZ' ES lag so ein eigenthümlicher Schimmer jetzt fllif feinem (pv5-fit t i? yVftrrtfiimtirr auf seinem Gesicht, wie die Vorahnung m jk mm großen Gtuaes. t Er ging hastigen Schrittes forteille öurch viele Straßen, sah manchen Ebristbäum in den Häusern leuchten, und vorie mancyes auazen ver Ziindcr daiw betreten, und war in Wirklichkeit doch i -Je u..- "'--i ül" -i.- -"Sivi ,.- noch nie, auch nur bis an die Schwelle gekommen. Auch jetzt zögerte er, eS war, alö ob er mit einer unsichtbaren Macht

kämpfte, er that e!n paar Schritte vor, dann wleder zurück. Plötzlich griff er mit der Hand in die Arusttasche seines Ueberziehers,. schritt hastig vorwärts ergriff die, Glocke an der Hausthür und zog sie. TJ!e ihn der Klang, erbeben ließ!. Ein, Mädchen öffnete und ließ , ihn eintreten. Sie fragte ihn etwas er. wußte nicht was er hatte ja auch nicht antWorten können. jEc, wußte nicht, was er wollte, cr fühlte nnr, daß e? sich kaum noch aufrecht erhalten konnte. Da trat eine hohe Mannesgestalt aus dem Zimmer, der alte Mann griff ,mit der Hand nach feine'm,,izcke'dttlHeenFinttck. eine Secünoe nnd der große Hlanke Mann breitete beide Arme aus und' "riß den Zitternden an, seine B?ust.'? Vater l: Meiy Vater !.M so fest und heftig hatte er ihn an 'sich gepreßt, daß der kleine Wachsengel in dcr.Ärusttaschelin Stücke brach er hatte ginügcthän zum zweiten Maie hatte er dem Vater , sein, Kind zurückaeaeben. . 0 tfäf ,';. f " J; . . r . i, V' i V Der Mutter zu Weihnachten.

Wem sie in seiner Kindheit Tagen Die Mutter in die Gruft gesenkt, Der ist von Herzen zu beklagen, Was ihm auch sonst, das Leben schenkt. Der Blumen in dem Kindergarten, Gedeihend selbst in dürrem sad, So gut kann keine? ihrer warten. Wie eine treue Mutterhand. Ward tücht'gem Streben seine Krpne, Des Mutteraugeh Donnenglanz Die schönsten Vlnmen zengt dem Sone In seinen schwer errungenen Kranz, Doch wurden ihm der Täuschung Schmer- . '.i ' ,...,,.. v i - 's;::! -s-'r Ward Spott und Hohn', dem heißen Müh'n,, Gesegnet ist er, wenn zum Herzen Der treuen Muttcs cr darf slieh'n. Wer ruhelos die Welt durchstreifte, Weil ihm zu cng die Heimath war Wem keine Hofsnungsknospe reifte, Nur Täuschung jder Tag gebar Legt sich die Hand der Mutter nieder Auf's Haupt ihm, das so früh ergraut, Zum frommen Kinde wird er wieder, as gläubig zu den Sternen schaut. O Muttername l Gibt'ß hinieden Wohl einen kostlicheren Laut? Er heißt Versöhnung, Himmelsfrieden, Bringt Licht, wenn uns die Nacht um- - graut. Du darfst hinieden nicht verzagen, Wie auch des Lebens Gluth Dich sengt, Kannst Du Dein Leid der Mutter kla, gen, . Die Dich mit treuem Arm umfangt. NuS dem Schaufpielerlcvett. rjn Das Geschick, welches den Schauspieler Ferdinand Dessoir in Wien ereilt hat, ruft eine Menge Ennnernnen wach.. Man weiß, daß der arme Matras, dieser treffliche Komiker, das gleiche Unglück gehabt hat, daß Emil Scaria, einer der berühmtesten Sanger des Wiener Hofopcrnthcaters, genau unter denselben Zeichen geistiger Gestortheit wie Dessoir die Äühne verlassen mußte. Allein nicht immer äußert das Theater - Mall)eur" sich so erschütternd, und in Künstterkrelsen erzählt man sich gern, welches Unheil harmlose GedächtNlßfehler Und. Versehen allerArt hier 'hekannteund gerühmte Schauspieler' angerichtet haben. Im! Wiener S'adttheater z.? A. begegnete Friedrich Mitterwurzer einmal Folgen des: In meinem Kopfe toben Kämpfe" hatte er in dem Ferraifchen Schauspiel Ein Selbstmord" zu sagen; aber cr stieß, sich krampfhaft die Stirn reibend, die Worte hervor: Jn meinem Topfe kochen Dampfe! - " Und das bei titüx Generalprobe vor geladenen Gasten. Daß Debütanten unter der Einwirkuuz des furchtbaren Lamvensiebers den größten Unsinn zusammenschwahen, darf nicht Wunder nehmen. Ein Kunst jünger trat zum ersten Male in einer Nitterkomödie auf; cr hatte dem finstern Ritter zu melden ; Gnädigster Herr, Burgfräulein Kunigunde ist entsührt!" Bevor aber 'dieser Auftritt an k die Reihe kam, hatte des jungen Mannes Vater, welcher als Theaterfrifeur angestellt war, , mit einem Lampenanzünder einen Wortwechsel, , der schließlich in Thätlichkeiten Ausartete. ZchFeW Augenblick war' das Stichmort gefallen; der Debütant stolperte auf die Aühne. Der Ritter" herrscht ihn an: Scun, was gibt es. ,Thkoha!d , Der, Angeredeie berichtet' skötterndr Gnädiger Herr der Lampenputzer hat 'meinem Vater hinter die Ohren gehauen!" worauf der überraschte Ritter mit der Apostrophe : So kommt und laß uns die cira ng tCll rt f dhul b ret tcit I , fortstürzte. . . . Ans eine Suggestion in gewissem Sinne, der ein nervöser Schauspielcr leicht zum Opfer fallen kann, ist t t t ' ' - rn W ,solgendkKM!rkjameMZerehett,zuruckztt führen : Bernhard Baumeister spielte zum crsteu Male den Miller" in Kabale und ,Liebe. Mille? M ,!n seiner großen Scene dem Präsidenten die Worte zuzuschleudcrn: Wenn -ich denn schon ln's Zuchthaus , muß.... ,9!un ljt, es bekannt, daß Baumeister em Verehrer guten bäurischen Bieres ist. . Fritz Krastel sagte scherzhast zu dem in Folge des Debütö" aufgeregten , Künstler:' Du. paß' mal auf! Wetten wir, Du sagst ,n Deiner großen Scene: ,Wenn l ich denn schon in's Wirthshaus muß.." Baumeister war , wüthend, 'allein als er draußen auf der Sceue stand und' die verhattgnZßvolle 'Stelle kam, -gaben "ihm die dnnklen ! Mächt: der Bretter richtig das fchreckliche Moxt auf die Zunae der MusikuS Miller sagte zur allgemeinen Verblüffung: t ;Weiut ich denn Motz in's Wirthshausrmußzi:'?Z':ÄSA6 y, 1 4i u ii jicmu U. 4. JIUUC bes Hauses : ?!un, Herr Llentenaut, wie gefällt Ihnen denn meine jüngste Tochter, die eben aus der Pension zurückgekehrt ist ? I Nicht wahr, ein schneidiger Backsifch ? Lieutenant : In der That, gnädige Frau ! Fräulein Anna kolottal aufgeweckt.!! Riesig viel Mamawitz! ? Tm ihr' r ; . . m Der k ur z e Proc e tz. Lehrer: Kain erschlug seinen Bruder Abel. Warum that er das? Schüler (Sohn eines Advokaten): Er wollte eben kurzen Pro, reß mit ihm machen! 1 f I , .. 'st r ? : . "jä" " rr --:f MV

Unser WeiynachtSkarpfen

HumoreLke vo Fritz Luftig. Wir hatten einen strengen Winter, und mein Geldbeutel wüßte schon im Monat December ein Lied von den Kohlenrechnuttgen zu , singen; nun kam noch der Weihnachtseinkauf hinzü-und zu Neujähr gab es erst Gehalt. Meine Frau kam am heisigen Abend ganz außer sich vom Markte nach Hause,, das Pfund Karpfen sollte 75 Pfennig kosten, für unsere StaU ein unerborter Preis, und ich sagte kurzwea : , , ,., '.. ; " --0 i ,.ul . '43 renken wir uns diesmatte yiicye 'und essen nurMaiwutst. ' ,3 1 riit - , t! !' . n" e : . t . :? zcy oin einverjtanoen," zaglc meine Frau, bci solch em Preise vergehWluem i: ftf "if ii-i'T'iw1" !it,lfe der Appetit." - - g & wär,,, zehn Uhr Morgens-7 als wir nus zu dieser Entsaauna entschlössen hatten... Gegen halb Elf klingelte es und un ere zcariine o nnete. a -... t , Frali MänMg, sagte 'sZe, Mhzdarauf, ist Jemand mit einem Karpfen da!" Meine Frau ging hinaus.', und' kam .mch fünf Minuten mit einem prächtiger Spiegelkarpfen zurück. . V Das nenne ich Glück! Die Wunschsee muß uns belauscht haben 'und sendet uns das als Weihnachtspräsent. . H Präsent saast Du?" frug ich. . ' i Nun ja, waö denn sonst? Freue nmZ ' - , . ' , ' f. nannte, nun kommjt 'u zu Karpfen!" n Mir aina vor Verwunderung fast die Pfeife aus, unb ich sprang auf und anl --' ' . .- i . ,rt(..,....jr... '-''W: ven licy, Uktt oas v)0llergeeni,, in Augenschein zu nehmen. Bier Pfund konnte der Fisch wiegen, .doch begriff ich immer noch nicht, wie ich zu diesem Geschenk kommen sollte. . " : Von wcm mag er sein?" frug ich. 3, der Boie sollte es nicht sagen," entgegnete meine' Frau. Merkwürdia! Noch nie. haben wir dergleichen geschenkt bekommen." Ich sann hin und her. konnte aber nicht oegreifen, wer uns die Freude bereittt haden solle. Dem Bruder, ist doch in Lübeck, wie er uns schrieb, sollte er bei einer hiesigen Fifchhandlung den Karpsen' bestellt haben?" Das wirst Du ja sehen, wenn er zum Fest schreibt,", erwiederte meine Frau, denn verschweigen will er es nicht und jedenfalls anfragen, öh wir uns an dem Ungeheuer nicht den Magen verdorben haben. , Meine Frau machte sich nun gleich darüber her, den Fisch regelrecht zum Kochen zuzurichten, während ich mich in Tabakswolken hüllte und Zeitungen studirte. Wir pflegten den Fisch stets des Mittags zu essen, und um einUhr stand das köstliche Gericht so appetitlich wie möglich auf dem Tisch, daneben Vratrourst, Sauerkohl und Kartoffeln, das übliche Bier nicht zu vergessen. Wir schmausten seelenverguügt unser Geschenk und gedachten bei jedem Bissen aerührt des Gebers. 4' ' r . Nach den Feiertagen ging ich wie all abendlich den üblichcn Schoppen trinken.' Der Steuereinnehmer und Kantor des Ortes sowie clu Vamensvetter von mir bildeten ein vierblättriges Kleeblatt und saßen, stets, an einem besonderen Tischs Bald drehte sich die Unterhaltung um das Fest. Der Eine 'erzählte von dem Aerger mit seinem Dienstmädchen, welchem das Geschenk nicht gepaßtHaNe der Andere hatte bei seiner grau nicht das Nichtige gesoffen, uW mein "Mmen5vetter Mannig seufzte laut auf. Diefe Weihnachten," sagteer, werde ich lange nicht vergessen und meine Frar ebenfalls nicht. . Was hat es denn gegeben? Doch kein Unglück? Ein Unglück nicht, und dennoch traf es uns ha'rt. Wir hatten an diesemheiligen Abend keinen Karpfen, Und sind so tehr daran gewöhnt. Andere Jahre bekamen wir regelmäßig vom; Stadtmüller einen großen Spiegelkarpfen zum Geschenk und kaufen deshalb keinen Fisch. Doch es wurde Mittag, und der Fiso war noch nicht da. Er wird schon noc, kommen, tröstete meine Frau wir wol len ihn Abends essen." Doch auch der Abend kam, der Karpfen aber nicht. Um fünf Uhr wollte meine Fruu ' noch ' einen Fisch kaufen? es'war aber Alles ausverkaust. Nun mußten wir auf deu Genuß i. i ' Kt'1 II' " - . - ).,: ;. verzichten und waren den ganzen Abend verstimmt. Was die Gewohnheit nicht Alles thut! Wie :mclc Leute haben keinen Fifch am Weihnachtsabend und vermissen ihn auch nicht; uns war es nicht festlich in Muthe, und soaär die Kinder waren verstimmt und frkgen beständig nach dem Karpfen. ' Dafür werden wir uns am Sylvester entlchadlgen." Mir dämmelte es, doch ich hütete mich, .,,. . -i-' .!,,,'- .," ,. . ..L' wrfi-' - . 'i in- -d-ß etwas zu sagen. ;: , Der Stadtmüller war an unseren Tisch getreten uno yatte den Sermon meines Namensvetters mit angehört. Wie würd mir,' als er irnr aus denf Nächhaüseweq c x...ix i us vic ötiuiicr liypzle uno lkije zrug: Wie hat denn der Spieaelkarpfen aeschmeckt? 'Ha? ha ha, -haben Sie nur ... . v . ir i meinem neuen ul,cyer zu oanren, der, wie ich heute Abend erst erfuhr, die Verwechselungi besorgte. Aca,' sollen ' alle Weihnachten einen haben, nur essen Sie Hhrem,'AalmnsvetterZ,nH I rn r..'. '" V JV - . ncg i vuic caeyl!" Vpracys uno ilen nncy verneinerk tteyen. j Me Erinneruna an den lebten Weib nachtskarpsen ist etwas bitter, hossentlich , -v , r ' ' ' jcaiDCia vci avlmuuer ! WW en n Z wei d asselbe besingen, ist es nicht dasselbe. Hebel feiert t T"" l.i C' t 'A -'"v ,;: ' " rfV vie vmui ttlvurg in einem auemannt schen Gedichte mit folgender Strophe: .r r':" ' 'S'' , -3 Frlburg in der Stadt , mm suser ijchs u nd " g U i ff1 f0" richt Here, Geld und Gut,fR . 1 Jungfere wie Milch und Bliil: ; ,; Snbutg iltiifc':lStstfct;:1,1; Dagegett scheut sich 'ein'altH mden angrenzenden Gauen heute noch gekanntes utld . gesungenes Kpottlied ZnjchtDzü ,!, ! i"'",'it'' 'H'1., i i,. .:.. .IC " il'1 ',., -,W. "' imf veyauplen: . tf , . Mtxf 5)ui &ol?ir?6ura liegt? '" . 'rf' '':!' '' Hl!' Yjjf '"' .M , . - HU , Frelburg liegt im Thäte, Wo es , vieleMädchen, gibU W Aber auch brutale. ?" u MgelkröpseHabestZe MMWie die Pommeranzen, Schmieren sie mit Eiergelb Dab sie bls:r glanienl"

DaS Museum der Religionen. Man schreibt aus Paris, ,8. Nov.: Uebermoraen wird der Präsident - der

Republik das Musöe Guimet. in feierlichcr Weise eröffnen. ES ist am Ende der Stadt, jenseits der Seine dem Trocadero zunächst gelegen, aber die Panser wie die Fremden werden den weiten. Weg nach dem Jena-Platze nicht scheuen dürsen, und" dem schmucklosen, mit einem tr....... ?.!...... t?-L-i--r- ... t. j . '. jcunnc vfuunicu vleinoan, ver jcine Pforten Jedermann öffnet, einen Ve uch abstatten müssen. Denn in seinen vier Wänden ist eine .Sammlung vereinigt, die ihres, Gleichen auf Erden nicht hat, die nen m ihren Beständen, in ihren Zieen, und Abnchten- ist: eme Sehenswurdigkeit ersten , Ikanges, aus welcher die cutturgejchlchtltche Forschung eine Fülle bisher ungekanntcr Anregungen schöpfen wird. ' , . I Diese Sanimluna ist nicht mehr und nicht weniger .als ein Museum der Religionen. Nhrcn vcamen fuhrt sie nach iyrcln Hopser, Stifter und Vlrector, Yerr Gulmet, einem lvoner GroJnonztneuen, der Hanoeisbezicyuncn - zum Orient unterhält und, wie cr leibst be scheiden laat, durch ei Unaefaur zur Ausübung , seines, wissenschaftlichen JJU venberUses gelangte. Dieses Ungefalzr bestand in einem Besuche, den Herr Guimet vor mehreren Jahren dem egyptischen Museum in Bulaque abstattete. Herr Gulmet bcqcanete - bei dieser Gcleaenheit dem berühmten Egyptologcn Mariette? icn, der ihm elniae. neue Funde, den Cultus der Isis betreffend, erläuterte. Die MittheilunJM des Gelehrten erregten die Phantasie Gnimets derart, daß er beschloß, seine Mckcnhaften'Keniltnisje aus dielem Gebtete zu vervolljtandlgen. Er begann mit jngendllchcm Feuereifer zu lernen und hatte sich bald, gefördert durch einige Reisen nach dem Osten, einen tiefen Einblick ins all morgenländifchen Formen der Gottesvcrehrung verschalst. Dabei blieb Gmm'et nicht tteyen; cr gab seinen Forschunzen eine breitere Grundlaae. stiea von den Einzelerscheinungen zur Idee auf, erweiterte Hie archäologischen Hilfsmittel seines Studiums, das er in'Weziehung zu den verwandten Dlscspitnen zu bringen, verstand und auf diesem Wege ist er dahin aelanat. heute der größte Kenner aller religiösen Culte, der vergangenen wie ver gegenwärtigen, der östlichen wie der westlichen, der barbarischen wie der eivillsirten zu se,n. Herr Gmmet, der heute in den Vierzigern steht, chat somit' als noch junger Mann durch seine Arbeiten, die er in der, Uevue le rhistöire ' des religions und in den (vor Eröffnung des Instituts begründetem .nnales äu muLQS Ouimst vor allem aber durch seine Sammlungen! und Funde einen Platz in der Wel)rten Welt erreicht, der ihn in die öcahe chllemanns ruckt.,, Wie Schliemann ist er, unbeirrt von zünftiam Bedenken, in die dunkle Welt der Vergangenheit geschritten;- wie Schliemann hat er semen melchthnm und seine Zeit ganz in den Dienst seiner Entdek- , , . . n i . . e ' fi rungen gesieur uno wie.a)iiemann ii ach Guimet aus dem Kaufmannsstande hervorgegangen. Wenn man sieht-, was beide Männer lediglich aus eigener Kraft und geleitet von ihrem Idealismus gezchassen haben, ist mün ' fast versucht, zu glauben, daß auch in der Wissenschaft die illeaitlmen Kinder mehr Talent besitzen'als die-legitimen. !! , MM mir bisher unr.vergönck gcwesen, einen flüchtigen Blick durch hatbgeöffnete Thüren in die Raume zu werfen, die erst übermorgen der Besichtigung freigegebeii sein - werden: Allein schz n die Ahnnjig der'chahe, t unserer harren, genügte, uns mit staünender Neugier zu erfüllen. Voü den wunderlichsten Ciiit gerathen der primitiven Völker im Innern Afrikas bis zu', den kostbarUcn Handschriften des Alkoran von der Gebetmaschine aus dem sernisten Osten bis zu den deutungsvollsten Götzenbildern der Azteken im fernsten Westen pon den Uebel resten des Vaaldicnstes bis zu den Symbolen, der .modernen Parsen reicht die Sammlnng unddie FüAe ihrer. Bildüngen. ' Papyrusrollen, Ablaßzcltel, Altarlampen,.Amulctte Idoles ' heiliger Todtensch inuck, gew eihke Hochzeits mün -jciif AndachtbiHer, Priesterornate, Vöt ivgescheiike, . kurz, waö der . gläubige Ssnw aller ,,,, Länder und Volker, zum Ausdruck seiner mpsinduNgen hervorgebracht, was alle Bekenntn'isse durch ihren Gebrauch geheiligt und alle Bekenuer mit scheuem Auge betrachtet, mit zarten Hünden beruhn aben, ist hier in' an schaulichster Weise dargestellt und an 'V . ' ..",.. ',5i - ..K::!'V i f ' "t1 einander gerecht, ; ,S m ii . In der weitaus überwiegenden Mehrzahl sind die Schaustücke Originale; wo aber die Originale nicht zu haben waren oder es sich um Wiedergabe großer Architekturen, wie der Pagoden, dergriechischen Tempel,' der Moscheen u. s. w. handelte, 'stellte Herr 'Guimet Meisterhafte,' an Ort , und Stelle angefertigte Nachbildungen 'von Künsilerhand bei. Man wird sich daher nicht wundern,' daß ihn die Sammlung bis Heute vier Millioneu Francs gekostet hat. Ihr Marktwerth sür den Kunst- und Alterthums- ' V . 'St n i ii' ' if'1'-'! 8 . ri,c"'-'J f . f 'H'f -"' -i. Handel ist ein noch ungleich höherer. 9!ichtsdestomeniger , hat Guimet dem Staate n i tnii r;;i4bl e e hli: 'I o ftS r cn 1SB e ji 'fe' zum Geschenk gemacht. sondern. auch. noch die Hälfte der Baukosten des Mnseums MuselgenerIasche-'-vestritten fürchle andere Hälfte ftm das Unterrichtsministerium auf, nd den Baugrund stellte die Stadt Paris zur Verfügung. . " !f - Selbstverständlich oieaiidt)iSne Religionen dem Unternehmen eine gleich günstige Ausbeute. Der bilderscindliche Mohamedanismus zum Beispiel nimmt einen ,i,n Vergleich '"zNseiner'Bed weit gerjngeren Platz ein als manche arme verschollene Seele, deren Glaubeu ganz im äußeren Apparat aufging. Auch das europälfche' Ubendlo Hinsicht hinter den anderen Abtheilungen zurück. , Am glänzendsten und reichsteii erscheinen der Natur der Sache nach die nichMopnieto Länder vor unserem Auge W iege un serer Cultur, und auch die Wiege des üppigsten religiösen Fanatismus geweseAIstndWDieißivieNv Indiens: der Vcdismus, , der Brahmanismus, der Buddhismus und der Joinismus sind ebenso dollständig und anschaulich vertreten, wie der Eonfucianismuö und der Tavismüö Chinas, und der

Shinkolsmus und ,der Buddhismus Japans. Diese Abtheilungen sind schon 1 wegen des ünfchätzbaren Kunstwerthes einzelner Stücke höchst sehenswerth. Von den christlichen Lehren und der jüdischen wollte Duimet, um empfindliche Gemüther zu schonen, nichts aufnehmen. Merkwürdiger Weise waren es , kathotische, evangelische und jüdische Priester, die Guimet bestürmten, diese Beschränkung fallen zu lassen und ihm ihr eigenes Material zum Geschenk anboten. Guimet gab insofern nach, als" er beschloß, die bestehenden europäischen Eulte eben-falls-in den Nahmen des Museums ein, zubeziehen, jedoch vorläufig nur in ihren bereits historisch gewordenen Phasen. Ans diese Weise wurde in den letzten zwei Jahren eine lehr ansehnliche Sammlung zur Geschichte, des Sectenwesens im Abendlande zusammengebracht, in welcher die Gruppen der Gnostiker und der Manichaer fast lückenlos sind. Das Uebrige kommt nach bis es ebenfalls 11 f Jt. ;.V yr .

alaubt. daß das nickt alliulanae dauern ijiiuii.uj zKivviQzn i i, crr Fimmel wird. - Die gewerbömäölg Veitlerzunft , , hinas. Der Betilerches in China ist eine lebendlge Verkörperung der Armenpolmk de Westens ; er verbindet in seiner Person den zweifachen , Beruf,, für das Publikum ern Schutz gegen die Vertlerpesi und an dtrerseits einÄlmosenpfleaer jener arm seligen Individuen zu sein, über die er eine vollständige und wirksame AntorUat ausübt. .. Ueber den ttrspruna dteicr Bettlerchefs und deren Zunft eristirt folgcnde Ueberlieferung: In einem Zeitalter, lange vor unserer christlichen Aera, hatte das Bettler- und Vagabundenthum un Llklche der Mltte so ausgedehnten UMsang genommen und war deshalb rn Landesbcvölkeruna so lästig geworden. daß ein gewisser Satrap einer Provinz des öiclches ans den Gedanken kam, dadurch dem Uebel zu steuern, daß ex sechs Personen aus seiner Ha scherschaar", die ja jedem Pamen (Ämtsgebände) in zahlreicher Menge zugetheilt ist, dazu bestimmte, die Chefs der Bettler zu sein und ihr Angelegenheiten zu reguliren. Es wur den' ihnen gewisse Vortheile gewahrt, wo gegen ihnen oblag,, die Almosen in den verschiedenen Gemeinden des Distncts zn sammeln und den ihnen untergebenen Bettlern sodann einen gewissen Antheil zukommen zu lassen. Diese Etnrtchtuna fand unter den Bewohnern des Dijtricts großen An klang und verbreitete sich auch bald über die verschiedenen Theile des Reiches, in denen man heutigen - agcs die Bettler chess, die man ,an ihrer Klcibuug er rennte uverau vorttnoet. as-iitni ei nes solchen , Almosenconlroleurs" jf echlich, doch mun cr an jeden ilru cr nannten Vorstehcr des Bezirks eine be stimmte Summe Geldes ungefähr kinhundert Dollars als einen bescher denen Tribut zum Welchen seiner reue und seines Gehorjanis gegen den Bean: ten, von dem er sein roenszelcyen" crhalt, zahlen. Hat er dieses gethan, so läßt man ihn ungestört In feinem Bereichechaltett' Und walten. Alle Händler u d Krämer, die sich unter den Schutz des DistnctS-Bektler-chess stellen, wodurch sie vor der Pest der BettlerkBrüderschast acschüht werden it .erkalten ledes Neuiaur einen IIlo'I''A", d. h. einen Sicherheitsk Paß" wofür, sie an den Chef eine Gebsihr zahlen, deren Höhe natürlich von den Verhältnissen des Händlers abhängt; je wohlhabender, desto größer. Leylerer erhält dafür den Paß, welcher das ojsicielle Siegel des Bezirkspräfekten trägt, und dieses Documcnt wird anßerhalb des, Hauses au die Tuüre geklebt. Falls der Inhaber dieses Passes vordem Ablauf Her Urküude m einen anderen Dist riet verzieht, so ninß rr den Paß er neuern 'lassen, da der alte nicht mehr giltig ist ; der neue Chef zieht selbstoerländlich auch seine Gebühren ein. ., "Jmf Volfe ,hat sich der Aberglaube tief ejngcliürqett, daß es für reichte Fami? Nen, !n deren Kreise Hochzeiten statisinden,, oder sür Personen,' welche ein neues Haus haben errichten lassen, oder für solche, die einen neuen Laden oder eine Firma eröffnen, zum Glücke der abickliekenden Ebc bezw. iiirn Gedeihen des Geschäftes unumgänglich nothwcn-. big sei, dem Betilerches N anstandlgeS Sümmchen als Gesten? zu machen. Aber der Wirkungskreis dieses Almosen , Controleurs ist nicht nur beschrankt ixiif: bis günstigen und freudevollen Vorfälle im menschlichen Leben er erstreckt sich auch auf die traurigen. Denn ehe, man im Falle des Todes eines wohlhabenden Chinesen , erlaubt, den Sarg durch die verschiedenen Straßen einer Stadt nach dem Beerdigungsplatze zu tragen, muß dem Repräsentanten der Bettlerzunft eine 5tleinigkeit" in die Hand gedrückt werden, und diese Abgabe wird sogar dünn auferlegt, wenn der Sarg ans' einem entfernt gelegenen Platz in dem ;Distrirte anlangt, .da ja chinesischem Gebrauch gemäß, ein jeder Bewohncr , ,des .Hinimlischett" , Reiches, gleichviel, wo er stirbt, doch, wenn möglich, nach , seiner ekgenen Httmath zur letz ten Ruhe gcschasft'wird. Man irrt sich jedoch, wenn man glaubt, daß der Schutz vor Bettlern, welcher die Abgabe an den Betilerches bedingen soll, den daiu beitragenden Händlern und sonstiaen " 1 Sübscribenlen auch - unbek! . i'ai: u .11 cvn-.j; ' oiNgr 'zu ;: 4, neu iouu a-'iuuuc ou,uu und iuailcher Kranierladen wird dessenungeachtet von Schaaren von hungrigen Bettlern belagert die sich nicht . eher ent. , "tfwm'ibii.'wm münzen zuwirst. Dieses h at seinen Grund darin.' daß der Bcttlerchcf mit -wenigen Ausnahmen- ein Verschwender ist, Per 'sttnV ZöWM Opiumhäufern verbringt, und dort einen großen Theil des Geldes, i .-: -. ii- S!il,.ill;.jil P1' ;:. AC- f "'' r,,'"ii ' (l'M f ''S welches erzur Verthellung 4 an ' seine i:. k si ,:; rfi 'ir '"" i'i: i''S'i'v "' t. -.:,-is. ' ZuNftMltglleder collekttrt, durchbrmgt. Er, macht sich das Leben so angenehm wie MogllH!Kat'''aüßerdeS welcher die Straßen patrouillirt und darau f sehen öff,däßMeMjeM seinem Schutz stehenden Personen nicht von den Bettlern belästigt werden. Seine Hilfe wird in der Regel nur dann in Anspruch genommen, wenn eine , Bettlerschaar, welcher der Kleinhändler Almosen ver-

agt hat. den Laden ni plündern versucht.

und es ist staunenswerth, welche Controle er über diese Vagabunden auLübt; so bald er in Sicht kommt, zerstreut sich dcr Haufe nach Fllen Himmelsrichtungen. lnmai des 2.'conatS an einem eigens dazu festgesetzten Taae versammeln sich die Bettler an einem bestimmten Orte, , 2 A.. : . s m . i n ii, lyvjcuci, je acg ervlensr, einige ölUpicrmunzen eryatt. o$ auch von den Händlern und Privatpersonen werden diese VeltlerChefs gesurcyier, venn, wennschon das Geld von ersteren alljährlich aus freiem Willen an die Chefs beigesteuert wird, fo würde ihnen doch der Versuch, die Abgäbe diesen Almozen-Controleuren vorzuenthalten, schlecht bekommen. Eine tteine Armee von elenden, von Nngeziefer strotzenden Bettlern würde vom Cbe den Befehl erhalten, auf das Haus deS iinquemcn- .loszumarschiren und dasselbe so lange zu belagern, bis der Insasse den Geldbeutel öffnet. Und wer wurde diese entsetzlichen Bürger willkommcn heißen, wenn Freude und Bclustigungen in einem Haufe in Folge einer Geburt, Hochzeit u. f. w. vor sich gehen, oder wenn die Herzen der Jusasien tief betrübt sind, weil eins der Glieder der F imilienkette dasDiesfeZiige gesegnet hat. Wennschon dieses System, das Beitelund Vagabundenthum zu regieren, gewiß nicht solche Vorzüge besitzt, wie gewisse Maßnahmen socialpolitischcr Art Naturalvcrpflegungs-Stationeu, Arbciter:Colonien, mit welchen Deutschland in jüngster Zeit vorgegangen ist. so muß inan doch zugeben, da) für ein Land nie China, welches gar keine schätzenden Maßregeln wie z. B. eine Polizei kennt, diese Institution, wohl geeignet ist. , Diese Einrichtung einer Bettlermnft. unter der Oberaufsicht eines Chess, ist in gewissem Maßs eine Schutzwehr für die LandesbevölkerunJ, da durch dieselbe eine Menschenklasse , im Zügel gehalten wird, die, wenn an und für sich ohnmächtig und schwach, doch eine sociale Gefahr ist, deren wirksame Bekämpfung trotz energischer Maßregeln bis zur Zeit in vielen Ländern des Westens eine zu losende Frage ist. (Ostas. Lloch.) Turnerel in Italien. Rom, 24. Nov. Seit mehreren Tagen halt hier der Italienische Turnerbund seine erste Generalversammlung ab, und die verschiedenen Künste, die unter der Turnerei hier zusammengeübt werden, außer dem eigentlichen Turnen auch Fechten und Schießen, werden von den berufensten Vertretern im Wettbewerb um Preise und Ehre vor stets zahlreichen Zuschauern in besonderen Leistungen bethatigt. Das Turnwesen ist chier im Gegensatz zu deutschem Herkommen ganz und gar unter der Leitung des S taates, der dasselbe als Vorschule für - das Heer eingerichtet und mit ansehnlichen Zuschüsfen fördert, ähnlich wie man es in England mitden FreiwilligeucorpS macht. Hier in der Hauptstadt wir die eigentliche Turnern nicht mit sonderlicher Wärme getrieben, dafür wird aber desto mehr gefochten, und das Preisiechten zwischen Meistern sowohl wie, Liebhaber zog auch ron Anfang an in diesen Tagen die meisttn Zuschauer an. .Auf diesen! Gebiete wurde aber auch in der That, besonders mit dem Florett, ganz hervorragendes geleistet. Weites noch nicht wustte, der konnte sich da überzeugen, daß die neapölitauische Schule des Stoßfechtens nach wie vor in hoher Blüthe steht. Weniger glänzend thaten sich die Anhänger des Säbels hervor, doch waren auch unter ihnen manche sehr wackere Kämpen. Bei andern that ein gewisser Mangel an Ruhe der Wirkung hoher Geschicktichkeit und Körpergewandtheit Eintrag. Beim Preis- und Schauturnen war die Provinz der Hauptstadt in jeder Bezickunz über. Rom hatte sich nicht einmal dazu aufgeschwungen, eine eigene Riege zu stellen. Gestern Mittag sah - sich der Thronfolger das Schau- rnid Preiöturnenlan. Der Prinz war von seinem Adjutanten General Morra di Lavriano und vom Unterrichtsminster begleitet und wurde von verschiedenen Musikcorps der wetteifernden Vereine begrüßt. Später kam nch König Humbert auf eine Stunde und zeigte besonders lebhaftes Interesse an, den Uebungen der Taubstummen ans Siena, die sich in mancher Beziehung auszeichneten. Der König ließ sich' den Vorsteher der Anstalt in Siena vorstellen und. stellte manche theilnehmende Frügen über den Lehr- und Erziehungmig der Schüler. Im Laufe dieser llnterhaltung ließ Professor Rom! einen seiner Zoglinge vortreten, deutete auf den König und fragte: wer ist das? Der Knabe erwiderte ganz' sicher, laut und verstandlich: ,Das ist Hmnbert l., unser , guter und tapferer König." König Humbnt schien bewegt. 'Er trat vor. drückte dem Taubstummen freundlich die Hand und die Zuschaüer brachen in einen herzlichm Beifallssturm aus, der sich wiederholte, als Köfli und Threnerbe den Echau platz verließen. Heute hatten die Turnvercittt ihren Paradetag. Es war ein prächtiger Sonntag und ungezähltes Volk samtnelte sich auf den .Straßen ?,w,elchh UtaltM Jugend, in, Neiß und DUfy, . das . SpicZ an der Spitze,, ,Mkt,"stiegcnden,Mabnc.i durchzog Auf ,, dem, Moßw. Platze ' sr . - 'r?f' 'S' r 1 1 !l " 1 '" im Botanischen Garten sammelten Zlch die schaaren. MJtt unterrlcytsmlNlZler erschien ebenfalls ' auf jeM ' Playe, wude mit 'deSUläNZtWeRUSnigÄinarschW' begrüßt, und,, ,, nahm am Cotozseum deirprbetmarch ,.ab,,,,,.,worauf da s g an ;e uxnerhtth auf, das Capitol ' ltog zur Preisvertheilung. ' König Humbcrt und der Thronfolger gaben dieser Feierlichkeit durch ihre Gegenwart im-Nalhhaussaale erhöhte Bedeutung. und HcncralPeUour. der mrder Spitzt Turnerei steht, hielt eine kurze, wirksameAnsprache. Es ist l bezeichnend , für die PerhältniM Haß sämmtliche Kreise von Vereinen davongetragen wurden, die um Norden und zum nördlichen Theile VcitI c l i t al i c n g c 0 f c n i c' '-er j n golde'neSlSKcHislen des riegsmmisteriümsKsielen nach Mai land, die dritte,, nach Genua. Die weitern Auszeichnungen fielen V ereinen i n Botögna,ldln Scue'seLioorno, Venedig, Padua, Xv ramoModena und Turin zu.

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