Indiana Tribüne, Volume 13, Number 88, Indianapolis, Marion County, 15 December 1889 — Page 7

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WT-j5iifcrf. ,', Prinz Orestes. tt-ft Nützen geschlchieailS Venkd'g. In Venedig steht das KatzenMchlech! m hohem Ansehen und verdrängt Iqi Hund als Gesellschafter deZ Menschen -Vft L. , ' ' . ' ? . f rouiianoig. Änderswo erkennt man rnc ! Katzen gleichfalls als nützliche Thiere an. ber man erhebt sie nicht zu seinen Gefellschaftern, man räumt ihnen keinen bevorzugten Platz im Haufe ein, man betrachtet sie nicht als Stubengenossen, Spiel- und Tischgefährten seiner Kinder. Dic Vemdiger Katze hat vielleicht sogar etwas von der Pariser voraus, sie 'ist salonfähig, hat Schliff, Bildung aber such (Gemüth und läßt sich keine jener störenden Unarten p, Schulden kommen, die den Verkehr mit ihr unleidlich machen tvürben. Letzteres hängt allerdings mit der hiesigen Art zu wohnen zusammen. Die Katze sindet allerwärtS leicht ihren Weg auf Dächer und Terrassen, hinaö in Hofräume oder auf die Gasse. Ihre Kultur ist so alt, wie die Geschichte Venedins selbst, und hatte volles Anrecht, von einem Thierfreunde erforscht zu werden. Die Katze fühlt es, daß sie in Venedig nicht blos geduldet unrd, wie an ruelen anderen Orten. Sie weiß, daß' rhre Eristenz eine Nothwendigkeit ist. Dieses Bewußtsein aber, das sich durch zahllose Katzengefchlechter fortgepflanzt hat, verleiht ihr jenes Selbstgesühl, das man den venetianischen Katzen nachrührnen kann. Dies vorausgeschickt, komme ich nun zu meiner Katzenaeschichte. , Der Palazzo Poggio, an dem jeder Fremde in der Gondel unzählige Male vorüber gefahren fein mag, hat einen Landzugang, der an Nnheimlichkeit selbst in Venedig seinesgleichen sucht. Zwei lange, hole Gassen, welche die unverkennbarste Achnlichkeit mit Felsspalten aufweisen, führen, wie durch das Knicrohr eines Ofens, zu Zwei colossalen Hausthoren. In diesen beiden felsspaltalt!gen Oäßchen herrscht weder Handel' noch Wand l dafür ist es ewig feucht darin, weil auch am hellsten Sommertage kein Sonnenstrahl andringt. Es gehört eine gewisse Vertrautheit mit Veneöig dazu, um ohne Zagen des Abends bei dem Scheine von nur trüben Lampen diesen kataksmbenartigen Zugang zu betreten, wiewohl jeder Gedanke an Unsicherheit in Venedig ausgeschlossen ist. Die Häuslichkeit in diesem alten Palaste ist eine unverfälscht vcnetianische, und zwar von jenen, die jetzt allmälig einer besseren Einsicht weichen müssen. Das heißt : ein paar Menschen bewohnen eine Unzahl Gemächer, die sämmtlich so gut wie nicht möblirt sind ; in denen von keinerlei Teppich bedeckte Steinböden Kalte und Ungemüthlichkeit ausströmen, wo der Ofen ein unbekannter Gast und die B .euchtung spärlich ist; wo die Küchi 'ox von Kupfer blinkt und spiegelt, , massenhaft aufgestapelt, als gelte es, in Königsmahl darin zu kochen und auf dem offenen Feuerherde doch nur ein paar Köhlchen dürftiglich glimmen, über denen elne Cocoma Kleine kupferne Kanne) mit schwarzem Kaffee brodelt; wo die Zwei Hennen, welche auSerschen sind, ten Hausbedarf an Eiern zu legen, in den mit verblaßten Gemälden ge- , schmückten Sälen auf- und abtrippeln, j wie anderswo auf dem Kehrichthaufen, und unter dem Speisetische, oder wo es fönst eben ist, ihren Korb stehen haben, darein sie die Eier deponiren dürfen. Kurzum die Verkörperung echt venetianischer Bsdürfnißlosigkeit und Toleranz, eine jener Häuslichkeiten, ia welchen sich nur der um so vieles anspruchslosere und frugalere Sudländer wohl suhlen kaun Häuslichkeiten, die den Eindruck mächen, als seien die Leute, welche darin wchnen, eben im Ein- oder Ausziehen begriffen, indeß man mit Staunen vernimmt, daß sie diese Trostlosigkeit schon ein Vicrteljahrhundert hindurch verguüglich weiter schleppen. Signora Martirio, eine Dame, die einst auf den Brettern, welche die Welt bedeuten, als Gefangskünstlerin gewirkt, viele Städte Italiens bereist unv Lorbeeren, grüne sowohl wie silberne, wenn auch nicht gerade goldene auf ihren Weaen ausZclesen hat, lebt als Besitzerin des Palazzo Poggio nun schon feit einer Reche von Jahren in Gesellschaft einer hübschen hcirathssähigen Nichte und einer alten Magd in dieser Festung zu Venebig. Wie Fama berichtet, hat die Ersängcrin eine unglückliche Liebe zu bemeinen, und dies mag der Grund sein, weshalb sie die hübjche Nichte blos alle vierzehn Tage einmal auf die Straße, . . r'v -m. jt . f . oas ijeiRi QUs oen uearrusplay suyrr, wo Signora Mtirio, umgeben von etlichen alten V' )rern ihrer Kunst, im ' ' Cafs Florriar. 'ein Täßchen Mokka nippt. Fama will ferner wissen, daß sie einst bei einem Haare Fürstin geworden cuare, denn sie liebte einen Prinzen und er liebte sie wieder, aber die fchwärzeste Melancholie hatte sich des jungen Jvea- " listen bemächtigt und trieb ihn dem Tode in die Arme, ehe er sich noch Gott Hymen ausliefern konutc. Seitdem hat Signora Martirio Trauer angelegt und lebt abgeschieden von der Welt, ohne darum l gerade betrübt zu sein, ein stillbeschauliches Dasein. Die Weitläufigkeit deS Palastes Poggio. die geplanten Ausbessemngen. welche infolge der fchlgegangenen Heirath unkcrblieben, waren, machten es . zur dringenden Nothwendigseit, einige Katzen mehr in's Haus zu . nehmen, als selbst , das kstzensreundllche Venedig deren in der Regel vorschreibt. JedcrMensch muß irgend einen Sport', eine Passion, einen Daseinszweck haben. c?ignsra Martini hatte deren zwei: Xytt Katzen und den Glauben an die SeelenwaNderung. Sie hielt einen förmlichen Hofstaat von Katzen, deren ' Sklavin jedoch sie war, denn jede Katze i hatte ihren Beobachtungen zufolge andere. .Gewohnheiten und andere Eßgelüste. i;! ?s kostete die Signora viel Kopfzerbre- ; chens, wenn sie allmorgendlich ihr Z Wenerin Modesta die rcrschiedenen Befi - sorgungen auftrug: für vie weiße Viola j Fts&?, für den braunen schwarzgefleckten I WellMio Kaldauneu, für Nighetta. die j Gestreifte, das Eingeweide der Hühner vom Geflügelhändler und für ihr Lieblingökätzchen Eenerino das Schwanzstück eines Etocksilches. Cenerino, ein reizendes uud seinem Namen entsprechendes, , .einfarbiges, lapisgraues Thier mit r r 1 M,i-t ktnll , laioüraen ;ineijiuu ,7l I .ii mw ... y y ; r .(.ÜX. nrititin 1 n3.trrt siwt-imjmiwimv - !i i1'" "iiri;, ' .' "' i? r ;r."-.jf....'i. j:ljH .:"-;ff.!,1 ilt;!"'.! ;;m . -tiN; -

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Emfinffamii

das sich ein mit Seide überspennencS Knöpschen ansah, war der erklärte Liebling der katzensrcnnd'.ichen Crsängerin. Sie, die an die Seelenwanderung glaubte, ließ eS sich nicht nehmen daß Eenerino in anderer Hülle einst bessere Tage c;csehen hatte. Wie er mich ansieht !" sagte sie unzählige Male zu ihrer Fechte Olimpia. wenn Eenerino neben ihrer Kaffeetasse auf dem Tische saß und, ganz Wohlgezogenheit, mir geschlossenen Vorberpsoten nur den denkbar knappsten Raum einnahm, um die mit Butter bestrichenen Weißbrodabfälle in Empfang zu nehmen, .Siehst Du, genau so sah mich Principe Oreste an." . Die Nichte lächelte gefälligkeitshalber, hing sie doch von der Tante ab und befand sich am besten,' wenn sie die Dame von dem sprechen ließ, was einst gewesen. Thatsache war es übrigens,, daß Eenerino von der ersten Stunde seines Erscheinens an eine bei Katzen ganz ungewöhnliche Zutraulichkeit an den Tag gelegt hatte, die sich noch steigerte, als dies' svdaritisch angelegte Kätzchen, welches sich von den Dächern über die Terraffe eingeschlichen tatte, den Versuch wagte, sich's au? emem weichen, mit altem Damast überzogenen Tabouret, das unter dem einzigen hohen, in der Wand eingelassenen Spiegel stand, bequem zu machen und zu seinem Erstauuen ohneweiters darauf geduldet wurde. Signora Martirio, die eben am Piano stand, wahrend ihre Nichte sie zu den Solfeggien begleitete, die sie nicht unterließ von Zeit zu Zeit herunterzugurgeln, faßte auf der Stelle eine lebhafte Neigung zu dem zutraulichen Thicrchen, das sich zu einem Knäuel zusammengerollt hatte und mit großer Behaglichkeit die Augen schloß. Diese im Fluge gewonnene und erwiderte Neigung schien Signora Martirio wieder einmal so recht ihre Theorien über Sympathien und Seelenwanderung zu bestätigen. Die Brücke zu Oreste, dem unglücklichen Prinzen im Jenseits, ward im Kopfe den phantasievollen Dame rasch aufgebaut, zumal das süße Thier", wie sie es nannte, ihren Gesangsübungen lauschte, ohne zu miauen und seine schwärmerisch - demüthigen Blicke (die vielleicht vom Hunger herrühren mochten), unverwandt auf sie richtete. Es war vielleicht sündig auszusprechen aber was vermag der Mensch gegen Empsindüngen Cenerino gemahnte sie an ihn! Hätte ein Nest von Pietät , ihrer Phantasie keine Zügel angelegt, Signora Martirio würde nicht davor zurückgeschreckt sein, das ob seiner Farbe zu dem Namen Cenerino herausfordernde Kätzchen, in Oreste umzutaufen. Wie dem sei, sie pflegte und hegte eS als richtiges Nestheckchen und je größer und stattlicher, ie schwärmerischer und zärtlicher eS heranwuchs, dsto überzeugter wurde die Signora, daß es zwischen Himmel und Erde so manche Dmge gebe, von denen sich unsere chulwershelt mchts träumen läßt. Unterdessen schlief Cenerino auf seidenem Psühl und speiste nur dasjenige, wonach er eben Verlangen bekündete. Auch trug er ein silbernes Gköckchen an einem rothen Seivenbande um den Hals, damit man sein Kommen und Gehen kontroliren könne. Ostmals nahm Cenerino Reißaus und sprang von der Terasse hinaö aus das darunterliegende Dach und von da auf ein zweites', f. ro. Signora Martirio überkam alsdann jederzeit ein Gefühl der Bangigkeit, das sie lebhaft an die Empsindung gemahnte, die ihr vor vielen Jahren auemal das Herz zusammeuae schnürt, wenn Prinz Oreste Abends von lhr amg. Gestand sie es auch mit os fenkundig ein, so war sie doch auf dem Punkte angelangt, in dem zuth'lnlichen Cenerino mit dem melancholischen Plntzchaestcht emen Beleg für die Nkch tigkcit ihrer Ansichten über Seelenwan? derung zu crbUcken. Nrmer Prmz!' sprach sie oft ganz unbewußt zu Cene rino und streichelte sein dichtes, graues mir if . m e t eu uevevou avwarls, wayreno cme sanfte Melancholie sich über ibr etwas veraltvtcs Geklcht eraon. Auch d Nichte mußte zugestehen, daß, seit Cene rino durch seine Herzigkeit und bei Kar en ungewöhnliche Sanftmuth das Herz ihrer Tante gewonnen hatte, diefe im Allgemeinen weit milder und nachsichtiger gejtlmmk war. So standen die Dinqe, als es sich zu trug, daß Signora Martirio von der ", ff. ,f mitOQjt einer emMigen 5oueg,n ausge fordert wurde, einer Opernvorstelluna anzuwohnen, bei welcher diese Letztere mttwtrkte. Eenenno, armer Pnnz! flüsterte sie dem niedlichen Tbiere ni, indem sie sich über dasselbe liebkosend beugte. Ich sane surwahr lieber ber Dir!" Und sie blickte ringsum, ob auch Niemand ihre Worte belauscht habe, denn sie hielt es für angemessen, ihre zartesten Empnndungen lederzett für nch zu behals ten. Cenerino wurde auf das beste Sofa gelegt und wider Willen mit einem weichen Wollfhawl zugedeckt. Das Thier ,fchlen thatlachUch dujterer gestimmt, als je zuvor, was seiner Herrin sehr nahe ging. 3ch sage es ja immer, Cenerino rann ohne mich nicht mehr leben:" sprach Sianora Martirio zu ihrer Nichte, als sie die Gondel bestiegen, welche sie nach dem Theater bringen sollte. Und im Geiste setzte sie hinzu: Ganz wie der selige Oreite Als sie um ein llhr Nachts aus dem Teatro Mahbran heimkam, wo sie der langathmlgen Oper Dle Asnkanenu und einem ein gelegten Ballet angewohnt hatte, kämpfte .der Hunger, welchen der lana entbehrte Kunltaenun rn lhr erregt hatte, alle anderen Gcsühle nieder. Erst als sie die innere Leere elNtgcrmaßeu aüsgefüllk hatte sie, de Nichte und in alter freund, den f;e zu iäau geoetcn, saßen an einem ngewöhnlich gut gedeckten Tische siel ihr Eenerinos Abwesenhert au? und die Fraae: Wo t er? schwebte auf ihren Lwpen, als sich eine lebhafte Debatte über " den Nkedngaüg der italienischen Oper entspann, welche fiiPM PiKTirrt .in pinnin tthhttrtm Q' Urtheile über die jetzige Art zu singen herausfordene. Die Unterhaltnng wurde lebhaft, die Signora gedächte Ifytyt der gangener fröhlicher Abende, und' stieß endlich in gehobener Stimmung mlt vollem Glase auf das Künstlerleben ' an. Prinz Oreste uns scin Nachfolger Cenerino traten für den Augenblick ganz in l den Hintergrund.

LS! lackidem die Sianora ior Glas au! oas Wobl des in Allem mit ihr übereinstimmenden Gastes geleert hatte, wurde .'?... .f- L 4.a Z..t uc no i o e en kUsgeioroeik. va& vcuci ans Robert der Teufel" vorzutragen, l ,-?z i rrx ftesi r " ..Vi : s....W ' c?le lyi'igruc jiai civiiücijiuuytHif uuhw aber doch alsogleich auf, um sich in den .aal ;u begeben, wo das lamer ltand. Gleichzeitig ui ihr der treue Eenerino ein, welcher friedfertig auf dem Sofa schlief und um eine qute Mahlzelt verkürzt worden war. mit, lch null nur eine olseggie av: singen, doch ich weiß, ich bin nicht bei .kk',, " rVhf trdhrn iTi ftn?it er H . V . f t f - ' Leuchter vom Tische und eilte, schier verguü",t, hinaus. Es wahrte nur.Mnuten, als ste, das brennende Lickt weit von lick gestreckt. die linke Hand auf das Herz gepreßt, mit verstörten Zügen und wantenoen Schrllten zu der klernen Geselllchast zu: rück kehr l e. Was ist Ihnen, Signora, Sie sind sa lodlenblaß?" sragte ihr Gast er staunt. ES ikr mir m diekem Auaenbliae uns möglich auch nur eine Note zu singen!" sprach sie in dramatischem Tonfalle. Jch kann wlrkllch n,cht. ' ,,as llt Dlr. ante?" .Nichts, nichts, Du wirst Alles hö ren." Der Freund erhob sich. Gnädige rau sind ostenöar leidend, aestatten Sie. daß ich mich zurückziehe, ich werde morf0ir t-v Vt irt 4&f0r tw O tfrivi';vs Sianora Martirio machte keine Miem ihn zurückzuhalten. Sie stützte sich mit der linken Hand auf den Tisch und sireckte wie im Drama, die rechte Hand, welche noch immer rrampsyast oen eucyker mm, weit von sich. Tante, um Gotteswillen, was ist Dir, Du ängstigst mich!" Komm'," sprach Signora Martirie tonlos, und zog die Nichte mit sich fort. Aus dem schonen Vamastsosa lag Cenerino von fünf, saae fünf Kätzchen umgeben. Der verwunschene Prinz hatte flJL .r. C-J- st.!!.!.. ...4 .i nist ciiifue jtum ciupuppi. Signora Martirio sah ihr letztes Jdeat versinken und ihr Glaube an die Seelen Wanderung war für immer erschüttert. Henry Perl. 21: menschliche Bestie. ffin' neuer Roman von Zola ist e?: schienen. Sein Titel ist: Die mensch.lichc Bestie' ( Bete humaine). Die Geschichte spielt auf der Eisenbahn id entwickelt sich dramatisch bewegt ..ut Mord und Todtschlag. Die Thatsachen, die ihr zu Grunde liegen, sind den Pae risern noch in lebhafter Erinnerung. An einem Jannarabend des Jahres 1886 fand man auf der Eisenbahnbrücke, die bei Maisons-Lafsitte über die Seine führt, die Leiche eines feingekleideten Herrn. Es war der Prüfest des EureDepartement Barreme, der mit einer Kugel im Schädel dalag. Er war kurz nach der Absahrt des 7 Uhr-Schnelliuges von. Parks im Eoupce ermordet uno sodann auf die Bahnstrecke gestürzt worden. Wer hatte das Verbrechen begangen? Der Mörder hatte, wie spatere Erhebungen zeigten, den Wagen kurz nach dem Präfektcn bestiegen und die Gelegenheit abgewartet, daß Barreme ermüdet sich in die' Ecke lehnte, um ihm aus nächster Nähe eine Nevolverkugel in die Schläse zu schießen. Et hatte sodann, um den Blutstrom zu hemmen, ein Taschentuch fest um die Wunde gebunden und den Unglücklichen, der jedenfalls noch am Leben war, aus der Thür ge? warfen. Um acht Uhr, als die Leiche entdeckt wurde, verweilte der Mörder noch in Nantes, der nächsten Schnellzugsstation, wo er ausgestiegcn war, um sich nach' dem anderen Bahnhof des Städtchens zu begeben, wo er einen bald daraus nach Paris zurückfahrenden Zug nahm. Er wurde dabei mehrfach beobachtet. Die Beamten der Billetkontrole schilderten ishn übereinstimmend als einen Mann 'in der zweiten Hälfte der Zwan-ziger,-mit schwarzem Schnurrbart und glattem, schwarzem Haar, geschmacklos stutzerhaft und zweideutigen Aussehens. Daß der Beobachtete der Thäter war, stand nicht in Zweifel, denn auf der Achsel trug er die Neisedecke des Ermordeten, die er, um die Entdeckung der That zu verzögern, mitgenommen hatte und alsdann in Nantes auf der Straße fortwarf. Die Langsamkeit der Justiz vereitelte die Verfolgung. Der Mörder entkam, und bis heute waltet noch ein tieses Geheimniß über der Thäterschaft. Man kennt nicht einmal den Beweggrund des Verbrechens. Von Naub konnte nicht die Ncde sein denn in 'der Tasche des Präfektcn fand man eine bedeutende Summe Papiergeld unangetastet. Zola hat diese sogenannte Affaire Barreme" zum Gegenstand seines Romans gewählt, um sie in seiner Weise aufzuklaren. Er stützt sich dabei auf die Untersuchungen des berübmtenKriminalisten Professor Lombroso, der die erbliche Anläge zum Verbrechen dargestellt ünd die U vermeidlichkeit der That aus physiologischen Gründen klargelegt hat. Dies paßt durchaus in den Nahmen der Erblichkeitsthcorie, welche Zola in seinem Nomancyklus, der Familie Nougon Macqusrt zu begründen versuckt. Natürlich ist es wieder ein Sprößling dieser Familie, der den Mord, begeht: der aus dem Nssommoir" und anderen Geschichten wohlbekannte Lautier. Sein Opfer ist nicht, wie in der Affaire Barreme. ein Prasekt, sondern ein Untersuchungsrichtet. Zola will uns zeigen, daß im Menschen eine Bestie fteckt die nur auf die Gelegenheit, lauert, die Fesseln der Moral zu durchbrechen und allen gesellschastlichen Banden zum Trotz auszutoben. . Der P h o n ograph in der Berliner Urania" wird bisweilen auch von. ÄerühmtheitkN besucht. So hatte letzthin auch Emil Nittershaus ein, kleines Plauderstündchen mit ihm, M welcher Gelegen t1eik der liehenSwurdige Dichter demsetben folgenden sinnigen Spruch anvertraute: ' ' Das Wort ist längst unsterblich schon, Nun wird unsterblich auch der Ton. .Geschrieben steht," so , heißt's schon lang, '. Nun steht gesprochen" auch der Klang. Gefesselt von der Riesenkraft ' ' Des Geistes und der Wissenschaft."

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rarasAiuxik zaasemagm Nelherisches. MHeilungen übkr ein w'.siekchastliZilZ kreZMt Die Entdeckung deö Professors H. Hertz in Bonn bildet das größte wissenschaftlicke Ereigniß unserer Tage. Was der geniale englische Physiker Maxwell vor einem Älerteliavrhunvert adnend auZgesprochen hatte, dl?s gnang Hertz auf'dem Wege des physikalischen Verfuchcs endgiltig festzustellen die Bcziehnngen zwischen Elekrricität und Licht. Was ist Licht? Eine Empsindung in unserem Auge, welche wir uns angeregt denken von gewissen Erzitterungcn mder Netzhaut, im Sehnerven und im Gehirn. Aber wodurch werden diese Erzitterungen veranlaßt? Zwischen der Sonne, der Quelle des Tageslichts, und unserem Sehnerven ist doch ein ungeheurer Naum fliegen etwa Lichtstäubchen gleich Ge-' wehrkugeln von ber Sonne auf unsere Sehnerven, so daß die letzteren dann zu erzittern beginnen?. .. .Als so eine Art von Lichtkattone hat man sich einst die Sonne und jeden leuchtenden Körper wirklich vorgestellt. Aber viele Lichtekfcheinungen ließen sich durch eine solche Annahme nicht erklären. Da tauchte in der WisseUschqft der kühne Gedanke anf. daß der ganze Weltraum uud alle Zwischenraume zwischen den Atomen, aus welchen die Körper bestehen, mit einem unendlich feinen Stoss erfüllt feien. Man nannte diesen Stoff den Weltäther. Eine Glocke, welche geläutet wird, erzeugt in dem Luftmeer Bewegungen, die, an unsern Hörnnven anschlagend, ihn zum Erzittern bringen und in uns die Empsindung des Schalles hervorrufen. Denken wir uns dieselbe Glocke glüh:nd, so erzeugt das Eluhlicht sehr rasche Bewegungen, aber nicht der Lufttheilchen, wie beim Schall, sondern der Actcrtheilchen, die zwischen den Lufttheilchen liegen, wie Schrotkörner, welche unter Erbsen gemischt werden. Diese Erzitterungen der ?!eihertheilchen fetzen sich fort bis in's Auge, bis zu dem Sehnerven und in's Gehirn und rufen, hier angelangt, die Empfindung hervor, welche wir Licht nennen das Glühen der Glocke. Der Aether ist überall. Er erfüllt den Wel räum jenseits unseres Luftkreises, er ist eingepackt zwischen die Thcilchen aller lustsörmigen, aller flässi: qen und aller festen Körper. Und sobald seine Theilchc, unmeßbar klein, erzittern in irgend cinktn lebenden oder nicht lebenden Körper, sagen wir, daß der letztere leuchtet. Längst ahnte man, daß auch die Elektricität mit diesem Acther in irgend einer Beziehung stehe, daß' sie sich in diesem unsichtbaren Meere ähnlich wie das Licht, d. h. wellenartig fortpflanze. Aber es waren eben nur Ahnungen, den Köpfen weitblickender Männer entsprungen, die jedoch noch kein Experiment zu stutzen vermocht hatte. Die 3!iesenaufgabe ist durch H. Hertz, Professor der Physik in Bonn, gelöst worden in einer Weise, .welche sich die wissenschaftliche Phantasie nicht hatte träumen lassen. Nach den Untersuchungen von Hertz leiten also die elektrischen Vorgänge ebenfalls ihren Urspruug von Bewegungen jenes Aethers her und in ganz ähnlicher Weise wie das Licht. Es ist nur ein Größenunterschied, kein Wesensunterschied vorhanden Vollziehen nämlich die Aethertheilchen nur kurze Hin- und Herbewegungcn, so entsteht Lichtempsindüng; erstrecken sich dagegen diese Bewegungen (Schwingungen) durch einen größeren Naum, so tritt die Erscheinung auf, welche mir Elektricität - nennen. Der Aether ist' also die Mutter beider Erscheinungen, sowie das flüssige Meer bald murmelt, bald braust, je nachdem eS schwache oder starke Wellen wirft, oder, wie, um ein anderes Bild zu gebrauchen, auf einem und demselben Gesichte die Mienen fortwährend wechseln, je nach der Thätigkeit, in welcher sich die. unter der Haut liegenden Muskeln bestm den. Vom Lichte wissen wir, daß es von festen Wänden nach bestimmten Gesetzen urückgeworfeu wird, daß seine Strahlen im Hohlspiegel eine Verdichtung ersahren, daß es beim Passiren geeigneter Substanzen eine Brechung erleidet alles dies hat Prosessor Hertz auch bei den elektrischen Erscheinungen nachgewiesen. Die Elektricität verhält sich wie das Licht. Ihre (unsichtbaren) Strahlen werden zurückgeworfen, concentrirt, gebrachen gleich denen deö Lichtes. Ja, als der Entdecker daran ging, die Geschwindigkeit der Elektricität zu messen, fand er auch sie gleich der Geschwindigkeit, mit welcher das Licht sich im Naume fortpflanzt, 300,000 Kilometer in der Zeitsekunde. Nachdem nun Professor Hertz die wisfenschaftliche Welt mit seiner erstaunlichen Entdeckung überrascht hat, gehen wir einen- großen Schritt weiter. Wir dürfen jetzt mit großer. Wahrscheinlichkeit behaupten, daß auch die Elektricität, diese uns heute am meisten in Spannung haktende Naturkraft, ihren Ausgangspunkt von einer bestimmten Art von Vibrationen nimmt, in denen die Thcilchen feeS Aethers begriffen sind und dieS nach Ge setzen, welche denen des Lichtes gleichen. Die Elektricität, welche unserer Zeit unVerkennbar ihren Stempel aufdrückt, ist also auch allgemein theoretisch, wenigstens ' theilweise bezwungen und unser, Interesse für sie muß sich umsomehr steigern, je vielseitiger die Beziehungen sind, m welchen sie zu den anderen Erscheingen der Natur steht. Es ergibt sich aber zwischen ihr und den letzteren eine merkwürdige Differenz. Die durch einen tönenden Körper angeregten Luftwellen nimmt unser Ohr als Schall wahr ; kein anderes Organ kennt diese Empfindung. Stoß- und 'Druckbewegungen nehmen wir mittels der Tastapparate der Hände, Füße und der Haut wahr. Der Empsin' dung der Wärme dienen eine Entdekkung der neuesten Zeit ausschließlich besondere Stellen und Punkte 'der LeibeSoberflache, sogenannte Wärme- unb Kältepnnkte. Die riechenden Substanten, welche auf chemische Kräfte zurückführen, werden als solche nur Mittels bestimmker Geruchsneroen wabraenommen und Säuren Salze, Bitterstoffe, eben-' t .Tf N7 ? , r t 'j , i laus Wirkungen cyemizcyer Kräfte, unterscheiden wir nur mit Hilfe besonderer j Veseymacksapparate. , Das Licht endlich j bat sein Organ in dem Auge sammt des,en ganzer wunvervaren specifischen Einrichtung. So hat jede dieser Natur,

Zräfte sozusagen ihren ganzen bestimmten

Ort, wo sie zu Hause )t, ihr Organ, aus welches sie wirkt. Wo aber ist das oesondere Organ, njtt welchem wir emvun? den. was wir Elektricität nennen? Das

Auge ist s mcht; denn em elektrischer soeben in die Kegelbahn begeben wollten, Strom hinelngeleltct, erzeugt die Em- heute möchte ich Ihnen ein ganz besonsindung von Licht, ,n dem Ohre aber heres Amüsement vorschlagen !" , em Knistern, also Schall auf der Zunge s fassen Sie hören!" scholl es ihm Saure, al,o Ge,chmack,an den Finger-; sofort aus mehreren Kehlen zugleich entt44A. . .-W m I Allj T I. V A ' v w

ipllt liUClU, UlV JCUiCUllilUUIllj : welches ist also der Sinn der Elektri cität? Die Antwort ist einfach: für diese merkwürdigste und vielleicht umfasT . . . c (1 " . i "... a r . if r . . r r icnojic zcaiurrrasr yaven wlr rekn oeon deres Organ. Die Elektricität ruft ; iiiui cuicu cuijcinen, djiüciii jici& eine Mannigfaltigkeit von Sinneseindrücken hervor. Wenn wir die Elektrisirmaschine m Bewegung setzen, sehen wir den Funken, hören den Knall, fühlen die mecha: ' r st.u i nische Erschütterung, riechen das sich entwickelnde Ozon, empfinden mit der Zunge die chemischen Stromwindungen. iejt . i i n ? -n. Die Elektricität ist also mit einem Organ !

mcht zufrieden, sie nimmt alle Sinne rn j Gastwirths ein und wollten auch die Anspruch, sie dlctirt stets mehrere Briefe : Einsätze gleich erlegen. Der Wirth inzugleich. Und so wie sie alle unsere eß lehnte dies ab, indem er meinte, da71 ? ZL rN T CL . ir" - - J . r .r

ViJinne III iqrcn jfJUU. l aenommen. 10 ; steht sie auch mit anderen Naturkraften in der innigsten Beziehung. Der in einen Stromkreis eingelegte Draht schmilzt, wie in der Weißgluth des Hochofens. Elektricität hat sich in Wärme umgewandelt. Erhitzen wir die Löthstellcn eines Antimon- und Wismuthstabes, so erzeugen wir durch Wärme Elektricität. Indem wir durch ein Drahtgewinde einen Strom leiten, bringen wir einen in dein Gewinde befindlichen Eisenstab zum Tönen wir haben mittels Elektricität Schallwellen erregt. Der Magnet gar verhält sich geradezu wie ein Körper, dessen kleinste Thcilchen beständig von elektrischen Strömen umkreist werden. Den Zusammenhang zwischen Elektricität und Licht hat uns Prosessor Hertz kennen gelernt. Leiten wir endlich den Strom durch die noch nicht erstarrten Glieder einer Leiche, so beginnt ein wunderliches Spiel der Muskeln, es erscheinen die Gesichtsverzcrrungen heftiger Gemuthsanekte, die Mienen des Wahnsinnö, der Wuth, der verzweifelnden Zur Zeit, als Galoani seine berühmten Froschschenkelversuche gemacht hatte, ergriff die Zeitgenossen momentan ein Nausch der Begeisterung, da sie die Zuckungen der elektrisch durchströmten todten Glieder sahen und in der gehnmnißvollen neuen Kraft das Mittel aefuuden zu haben glaubten, den Kampf mit dem Tode selbst aufzunehmen. D:e Nüchternheit der wissenschaftlichen Forschung hat sglchem Wahne bald em Eiue bereitet und mit der Entdeckung des Pro fessors Hertz ist auch die Lehre der Elektricität an dem Punkte angelangt, wo sich unser Geist einstweilen ausruhen zu können glaubt. Aber wenn der telearaphische Taster spielt oder die Schwingngen des Telephons unsere Gehörnerven erschüttern, oder ne die Netzhaut blendende Lichtbrücke sich über zwei Kohlenspitzen hinschlagt oder wenn untere Hände conoulsivisch zuckend an den Endcylindern eines Numkorsf haften, dann beugen wir uns willig vor den Erscheinungen, deren innerstes Welea zu entschleiern der menschliche Geist nicht die Kraft zu haben scheint. Die Naturwlssenschast weist die Speculation über das Wesen der Dinge als fruchtlos ab. Sie schränkt sich auf dasjenige ein, was der menschlichen Forschung zugänglich ist. In dieser Beschränkung liegt der Schlüssel zu ihrer heutigen Größe. Anweisung zum Fang und zur Zähmung der Männer. Im wilden Zustande lebt, so behauptet ein ungalanter Sachverständiger, der Mann zumeist in !)cudeln, die gewöhnlich Abends zur Tränke ziehen. Der Männer LieblingSanterhaltung wird Tarok" gesannt, manche beschäftigen sich auch mit Kegeln und Billard. Ein hohes In- !? . j? k C?. Olerere zeigen ne.sur oie grauen. Vie bemühen sich aber, im besten Licht zu er-' scheinen. Der Mann' apportirt die Dinge, die man fallen -läßt, trägt ohne Murren jede Bürde, die man ihm aufladet, wie Schirme, Mantel, Korbe ?c., und zeigt sich in zeder Hinsicht als treuer Beschützer. Da tritt auch die für den Fang geeignetste Zeit ein. Jetzt muß die künstige Herrin trachten, das Thierchen durch alle ihr zu Gebote stehenden Künste mit allmälig festeren Banden an rr ... r C C c stcy zu rnupsen uno oann, wenn es oauernd aefesselt ist, kann ihm ein 3!ina als Zeichen der Zähmnng nicht durch die Nase, sondern an den Finger gesteckt werden als Mahnung der steten Anhänglichkeit. Den besten Fang erzielt man durch Kesseltreiben;. das geschieht, indem man Kränzchen und Bälle veranstaltet. Hier werden gar viele widerstandslos gemacht ; viele gehen auch von selbst m die alle und siud dann auf immer der Freiheit verlustig. Versteht sich die Herrin auf Liebkosungen, Schmeicheleien und hauvtsächlich auf antes Futter (letzteres ist die Hauptsache), so wird sie, ganz gut mit dem- Männchen auskommen. Körperliche Züchtigung thut selten gut, gewöhnltch genügt der Anblick eines Pantoffels. mS V . c cm ; i C! m.n zmelor oer Mann oisiange in mr iau?l aus. so nützt eine Gardinenpredigt. Jüngere Eremplare sind meist leichter emzufangen, als alle, uiux ote cric Iaad nichts, fo unternimmt man. eine zweite und dritte ; der Erfolg wird nicht ausbleiben. Ei ii S tut t g a rt e r Professor erhielt vor einigen Tagen eine zuerst in Baiern durch Telexhon .an eine bairische Telegraphenstelle beförderte Drahtnachricht: Erwarten Dich morgen, um Hasenselle zü übernehmen." Dem Herrn Professor war der Sinn der Depesche unverständlich. Auf seine schriftliche Bitte um Aufklärung wurde ihm nach zwei Tagen die Mittheilung, daß ihm keine Hasenselle", wohl aber eine Pathenstelle" 'zugedacht gewesen. , - Z eitel nt hei lun g." ' Präsideut: Wie kommt es denn, daß Sie in einer so belebten Straße den Einbruch am hellen Tage vollführten?" Dieb: Weil ich den Abend schon anderweitig vergeben hatte!" , Wer eine Frau wahrhaft liebt, verlangt von ihr gar keine ,, Bor-züge."

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DaS Ende vorn Liede. Meine Herren sagte ein Neftau? eeur in der Odervorstadt zu Breslau zu einer An, akl an Ktammaäsien. die sieb QfstClt. Na. sehen Sie. ich habe da draußen einen alten Hahn, der sich um die Hübner nicht kümmert, nicht frißt und mir deshalb nur ,m Weae ist. Wollen Sie den auskegeln? Der insak soll billia sein.' . J nur zwanzig Pfennige sur leoen der Herren!" Auf einen alten Hahn hatte nun zwar keiner der Herren besonderen Appetit. Aber trotzdem dachte jeder im Stillen: Na, wenn's mir glückt und ich ihn heimbringe meine grau hat jedenfalls 'ne Freude d'ran!" So gingen sie denn ;n keiterster 9aune aus den Worlcklaa deS mit s,i ,s ihm s,,n,n nTtn Kirttnrn aästen nicht so eilig. Die Herren möchten nur loskegeln, er wolle dann auch gleich den Hahn hereinbringen. Die Gesellschaft verfügte sich also in die Kegelbahn, und nun entspann sich ein reger Wettkampf zwischen den Herren. An dem alten war keinem so viel gelegen, wohl aber an der Ehre und an dem vergnügten Gesicht, das die Frau daheim machen würde. Schließlich trug ein zunger Tischlermeister, der sich zum zweiten Male in der Gesellschaft befand, den Sieg über die alten Matadore der Kelgelbahn davon. Er hatte drei alle Neune" geworfen. Nanu bringen Sie mir 'mal meinen Hahn 'rein!" herrschte er mit triumphirender Miene den Wirch an. Dieser lächelte, ging hinaus und kehrte alsbald wieder zurück, dem Tischlermeifter mit schmunzelnder Miene einen alten messingnen Bierhahn überreichend. Ein schallendes Gelächter erhob sich rings um den Sieger, der einen Augenblick mit verblüfftem Gesichte dastand. Dann aber wurde er kirschroth vor Wuth, erhob den Hahn und ließ ihn mit einem schweren Schlage auf das Haupt des humoristischen Gastwirths niedersausend. Der Getroffene taumelte mit einem Aufschrei nach rückwärts und hielt sich mit beiden Händen den Kopf. Die andern Gäste aber, zornig über die verübte Rohheit, warfen sich jetzt auf den Tischlcrmeister und beorderten ihn mit vereinten Kräften zur Thür hinaus. Bor wenigen Tagen hatte sich derselbe wegen Körperverletzung mittelst eines gefährlichen Werkzeuges vor dem Schöffengericht zu verantworten. Sie dem Wirth zugefügte Verletzung hatte zum Glück nur in einer Beule bestanden, da der Restaurateur die etwas zugige Kegelbahn seiner Kahlköpsigkeit wegen nur mit einer wollenen Mütze auf dem Kopfe zu betreten pflegte, und diese die Heftigkeit des Schlages gemildert hatte. Das Urtheil gegen den Tischlermeister Joseph Adalbert N. lautete auf S0 Mark Geldbüße; der Gerichtshof hatte dem Angeklagten die durch sie Fopperei hervorgerufene Erregung, sowie dessen bisherige Unbescholtenhcit zugute gerechnet. D er bellende Hund. Im Dorfe Porochowyje, einige Werst von Petersburg entfernt, ist die Milchwirthschaft außerordentlich entwickelt und die Einwoncr besitzen eine große Rinderheerde. Täglich im Sommer machte diese Heerde den üblichen Spaziergang auf die Weide und zurück ins Dorf und wurde von einem Hunde begleitet, den der Kuhhirt irgendwo gefunden und durch gute Behandlung an sich gewöhnt hatte. Das struppige, zutrauliche Vieh machte bald Bekanntschaft mit dem ganzen Dorfe, in welchem es mit dem Hirten täglich von Hof zu Hof zog und bei jeder Visite irgend was zu fressen kriegte. Als nuu jetzt die Weide aufhörte und der Hirt das Dorf verließ, um für den Winter Droschkenkutscher zu werden, blieb der Hund einsam im Dorfe. Er erinnerte sich jedoch bald seiner guten Bekanntschaft mit den Dorfbewohnern vom Sommer und mackt nun täaliw am Mor gen und am Abend die Besuche von Hof zu Hof auf eigene Rechnung. Die Dorfbewohner sind aber ob der Klugheit des Thieres fo verwundert, daß sie ihm gern was zukommen lassen. Emige wollten sogar den Hund behalten, allein das Fechten" scheint ihm so zu gefallen, daß er es nicht lassen kann und täglich die Vettelreise von Neuem beginnt. Ganz wie menschliche Bettler, die vor der Ausnähme in ein Asyl oder dergleichen eine große Abneigung haben. Eine E n t f ü h r u n g s g eschichtennit dem denkbar verblüffendsten Ausgang ist kürzlich in der brasilianischen 'Provinz Piauhy vorgekommen. Dort liebte ein Junglinz ein Mädchen, dessen Mutter, eine Wittwe, sich der Heirüth widersetzte. Die Liebenden fanden Mittel, Briefe zu wechseln, und schließlich forderte der jnnge Mann die Geliebte auf, sich von ihm rauben zu lassen. Er bestimmte eine Nacht für das dunkle Werk. Pünktlich ist er zur Stelle das Haus thut sich auf die bekannte Gestalt in dem langen Mantel, den sie gewöhnlich trug, tritt hervor, das Haupt verschleiert sie winkt er stürzt auf sie lost zieht sie mit sich zu seinem treuen Roß und hebt sie in den Sattel! Dann springt er selbst hinauf, und bebend vor Wonne unp Erregung, sprengt er, die Angebetete ün Arm durch Rächt und Wind vondannen. Niemand spricht ein Wort.während des stürmischen Rittes. Jetzt sind sie am sichern Ort. Er hebt sie vom Pferde und entschleiert sie, um sie zu küssen. Aber entsetzt fährt er zurück ; vor ihm ' steht seine wuthschnaubende ' Schmiegermutter in spe Sie hatte den Brief aufgefangen, ihre Tochter zu einem ' Bruder gebracht und dann dem frechen Räuder diese angenehme UeberHsHung SUSWrnMI ihrem zärtlichen Vetter im Erker. Aber Arthur!, Welche Frechheit! Wenn das nun Jemand sieht ! " Verzeihe, Elli ! Du hast recht! Wie soll ich meine Unserschämtheit wieder gut machen?" .Zieh' die Vorhange zu!"

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I der guten atttn Jelr, u Anfang dieses Jahrhunderts, hatt m den kleinstaatlichen Heeren alle Vor-' gesetzten,vom Eorxoral bis zum General' hinauf, Strasbefugniß. und von dieser wurde ausgiebiger Gebrauch gemacht, zumal die lästige Einrichtung des StrafbucheS damals noch nicht bestand. Die, jungen Herren Osfuicre verbüßten ihre Arreststrafen auf der Hauptwache, w ein hübsch ausgestattetes Zimmer als sideles Gefängniß diente, aus dem dic Herren Arrestanten rezelmäßiI zu dew abendlichen BierftsilichkeitMhemngezsgen wurden. Dort ging t oft so laut her, daß eingeschritten werden mußte. Der Herzog von soll eines scho nen Abends zum Ofsicier der Schloßwiche mit der Bitte geschickt haben, diei Herren auf Wache möchten sich doch endlich zur Nnhc begeben, denn Ser nissimuö könne nicht schlafen. In größeren Garnisonen mußten die bestraften Ossiriere (wie in Oesterreich) beim Proföße Quartier nehmen, welcher zu diesenr Zweck in der Stadt eine größere Wohnung gemiethet hatte. Dort konnte man für Geld und gute Worte Alles haben;, der schuldbeladene Büßer fand dort sogar sür fein gequältes Herz Trost durch Damenbedienung. Die Glocke der wohl' verschlossenen Hausthür .meldete zeitig: Feind in Sicht' Jtn Gegensatz zu den geschilderte menschenfreundlichen Einrichtungen waren die Strasverhältnisse für die Mannschajt durchaus nicht verlockend. Der strenge oder dunkle Arrest wurde an ein zelnen Tagesstunden durch Antchlkelzem an die Wand verschärft. Der Bestraste wurde ausrechtstehend, bei aigestrcckte. Armen, an den Haiidgelenken mit ei sernen Ringen auf mehrere Stunden fest aw die Wand angeschlossen ; die Folter war so stark, daß der Betreffende meist ohnmächtig wurde. Ein Triumph im Menschlichkeit e es daher, als maanstatt dieser Strafocrschärfuna das Krumm'chließcn einführte sechs Stirn-, den im Tage. Der Missethäter mußte sich auf die Pritsche setzen und dank wurde ihm mittels einer kren Kctte däs rechte Handgelenk und das linke Fußgelenk gebunden. Unbändige Gesellen brachte man in den Lattenarrest. Dieser Raum hatte keine Pritsche; der Fußboden aber war aus scharfkantigem ka ten hergestellt. Heizung bei kalter. Witterung, Mantel, Klingelzug u. s. w. waren unbekannte Dinge. Stock und Hand spielten noch als Zuchtmitiel eine große Rolle. Hier eine Probe. .Em Feldwebel, welcher die Compagnie zum Kirchgang hatte antreten lassen, sragte laut, ob vielleicht Jemand da wäre, der ! nicht :ur Kirche neuen wolle. Unerwartcter Weije trat tm melvestrasttr an vor unter dem Vorgeben, daß er eine kranke Tante besuchen wolle. Kaum hatte er seine Bitte ausgesprochen, als er surch eine mächtige Ohrfeige um seine Zlchse gedreht wurde und hicrourch wieder die 5tichtung auf seinen Platz bekam. Jst vielleicht noch Jemand da. der nicht iur Kirche will?" rief der Feldwebel, lllles blieb still. Ter tolle Graf. In Warschau nannten sie alle ihn den .tollen Grafen",den Grasen Nertschmök. olle Streiche machte er freilich genug.. Aber was verzeiht die Gcftschast nicht alles einem sterblichen, der den TM' Graf führt und jährlich eine halbe Mil-. lion 3!ubel Ziente hat. Diese reichte rot, freilich nicht aus, und das Capital mußte, in die Lücke springen. In zehn Jahren, so berechnete man, würde der Graf sich, ausgetollt, d. h. ruinirt haben. Einstweilen aber war er noch en train irnfc' das g? ÜZte derZlon1." oonWarsÄau, der ganzen und der halben. Gras I!ertschinsk war gewohnt, überall zu domittircn. Nur nn Hause des Fürsten Wulkow gelang ihm das nicht so recht. Die junge Fürstin war sehr stolz und suchte sich iu der Gesellschaft, ein ganz besonderes Air dadurch zu geben, daß sie, fo oft die Gcleqcnhcit dazu sich bot. den tollen Grasen" brüsquirte. Dieser brütete Rache und ward zu solcher lichterloh eutftammt, als auf einem Balle die Fürstin ihm einen Tanz rund abschlug. Und dabei machte sie die böse Beiner kunz man erzähle sich, daß er gestern in einem weiselbafren Locale mit einer, Kellnerin" ge anzt habe, ob er es scho: sinde, wenn sie. die Fürstin, mit eine' Kellner tanzen wolle? Bleich, mitunter drückte? Wuth, hatte der tolle Graf eine höchst ceremenielle Verbeugung gemackzt und war davon gegangen. Direkt i& das fajhicnable Restaurant, in dem, er täglich einige Stunden zu verwetten, pflegte. Der Jean, der erste Kellnco dort, war ein geriebener Burzch. der cU les wußte, alles kannte und alles zu befchaffeu verstand. ' Dem vertraute .Graf Nertschinsk sich an, indem er ihm eine ansehnliche Rubelnote in Nie Hanb drückte. Iwan lächelte. Lassen Sie mich nur machen, Herr Graf! Ich stelle Ihnen das Verlangte." Acht Tage, darauf war beim Fürst X. ein Ball fest. Graf Nertschinsk erschien mit einem hoch ' und schlank gewachsenen distinguirt aussehenden Fremden. Graf", sagte kokett i !: ir . ... heranrauiHeno, vie urnin uiiove boshaft: Sie dürfen Fremde von .solchem Aeußern nicht einführen, Sie verschwinden daneben. 1 Wer ist er?7 Der Graf flüsterte: .Ein hoher ausländischer Diplomat, er muß inkognito bleiben." Das reizte die Fürstin. Sosort zog sie den , Fremden -in eine Unterhalt kung und qlS dieser um einen Tanz bat, sagte sie freudig zu. Fürstin Wulkow und der Fremde schwebten durch den Saal. Da horte plötzlich die Musik auf. Graf Nertschinsk, mitten fta Saale stehend, hatte ihr ein Zeichen geaebcn..' ,, ' Von allen Seiten strömten die Paare herbei, neugierig und gespannt. JcanZ wandte sich der tolle Graf da plötzlich zu dem Fremden am Arme der Fürstin stäuben Sie mir die Schuhe ab!" Und diensteifrig ein Tuch aus der Fracklasche reißend,, gehorchte dieser dem Begehr. Fürstin," 1 wandte sich der tolle Gras, nun mit schneidendem Hohn zu dieser: WollenSie nicht bei Ihrem Tänzer eine Erfrischung bestellen. Er ist gewandt im Bringen derselben Jean der Oberkellner!" Die Fürstin siel in Ohnmacht und nach diesem Streich siel der tells Graf in Ungnade.

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