Indiana Tribüne, Volume 13, Number 88, Indianapolis, Marion County, 15 December 1889 — Page 2
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Trauerspiel auS Schriftsteller treisen. Vor Kurzem hat der Schriftsteller Franz Hedrich eine Bryshüre erscheinen lasten, in Welcher er nZtchnzies, daß die meisten Romane des ver vier Jahren ver-
storbenen Schriftstellers Alfred Meißner von ihm ccrrugrcn rnb daß UJcagner ihn um den Nnhni, socrie um die Honorar: betrogen habe. Die Hedrich' sche Schrift hat ungcheures 'Aufsehen erregt, die Beweife, welche H. beibringt, sind fehr Lberzeuzend nnt? durch Briefe Meilers unumstnßlich gemachte. .Jetzt hat Robert Vyr ZNittmeister Beyer) ier Schwager MeißnerL eine VertheidigZsschrift herausczegeben. Es geht da?zus hervor, daß Meißner, beständig gehetzt und gedrängt von Hedrich Selbstmord begangen hat. By?1behai:Ptet, es habe ein Wund zwifchen Meißner, und Hedrich bestanden. Sie hätttn Stosse ausgetauscht und sich gegenfektg in ihren Arbeiten unterstützt. Meißner war berühmt, seine Arbeiten fanden rasch Verleger m:d trugen hohe Honorare ein, dagegen rsoAten die unter HedrichK eigenen Namen gedruckten Schriften keine Abnahme finden. So sei 3 gekommen, daß manche unter Meißner'S Namen 'erschienenen Werke thatsächlich von Hedrich verfaßt und nur von Meißner gefeilt' werden find. Auf feimm Todtenbette suJte Meißner zu rai-. uVt. . ' .Weißt Du, wes(Hedrich) mir gesagt hat? Sie wissen, ich habe einen durchdrinaenden Verstand und einen eisernen Willen. Ihre Bücher müssen meine werden Ihr Geld mein Geld ! Du siehst, ich mutz Serben, denn meinen Kindern soll ihr Vermögen nicht genommm werden. Ich kann nicht kämpsen, ich bin sterbensmüde. So ist es gekominen." In Meißner'S 'Mappe sand Vyr fol genden unter den größten Seelenqualen geschriebenen Brief : ES bleibt nach dem, was in der Luft hangt, nichts übrig, als das Ende. Die Sache ist so: Er war ganz arm und ich, kurz gehalten hatte auch nicht viel. Ich hatte ihn so gern. Es galt, schneller zu vroduziren. Mit einer geringen Zuthat sing es an. Immer wollte ich nmkehren, er trieb rorwärts: es geht nicht anderS, es muß sein ! So n?ürd ich sein Gefangener. So entstand Buch um Buch. Ich mcg nicht rechten um Mein und Sein in jenen Büchern. Legt man sie nebeneinander, wird mans merken. Die jahrelang herumgetragene Last drückte indeß auf mein Talent, ich hatte Jemand durch's Leben zu tragen, das zog mich nieder. Nie eine herzhast frohe Stunde selbst Weib und Kinder sah ich zuletzt wie hinter einem Schleier. Als ich auf Davos war, sing er von Monaco aus plötzlich in anderem Tone mit mir jtt sprechen an, drohte, drohte, drohte lmmer wieder anit Enthüllung". Er war der Jäer, ich das Wild. Fieberhaft mühte ich mich, für seine Sachen zu wirken ; nur zeue Bücher, an die ich mit Hand gelegt, reussirten. Da begann er mir zu mißtrauen F Und er forderte in einemfort. Und ich mußte lügen, um das Vermögen -.meiner Kinder intakt zu erhalten. Ich wollte den Bund brechen er zwang mich nur noch grimmiger. Ich muß aber auch geistesgestört gewesen sein, sonst hätte ich nicht thun können, was ich that. Das Auch, woran ich seit Jahren schrieb, habe ich vernichtet.... Es lebt kein Mensch so hart wie er ans der ganzen Welt. Gott weiß, was er Alles noch aufwühlt Arme Kinder, arme Kinder! Wenn nur nicht die arme Mama Heute, in Lindau, ist mir der Gedanke gekommen, vor der Apotheke. Ach, warum'chale ich doc die ganze 'Geschichte, die ich zur Papier gebracht, 'Meder vernichtet!! Wenn ich mich vor ihm arm stellte der feine Erpressungen stets steigert WaS soll man denn einem Räuber gegenüber thun? Das Vermögen gehört dcn Kindern! Es ist schlimm, wenn man in der Jugend die Bekanntschaft mit einem Teusel Macht. Man will ' sich seiner erwehren, cr umgarnt, er läßt nicht loS. Man ist an ihn gebunden, ich war seit 1854 an ihn gefesselt. Nein, im ganzen "Leben habe ich Niemand wissentlich SeMnkt, vollends Niewand Böses gethan. Nur in letzter Zeit. ar ich verrückt. lind so muß ich i Abgrund sinken, und die Sache aufzuklären, habeich nicht die Zeit mehr. Wie ird man jetzt Meinen Namen heruntcrnißcn! Die "Lüge in Allem suchn i nichts Gute? mehr an mir sinden! :Thue, Karl, ich .beschwöre Dich, was ffethan werden ckann, versuche es, die Mama zu trösten, bei den Kindern, den Weisen. Vater und Vormund. Lasp ÄcS Attdettken ZZ Unglücklichen nicht zu 'sehr beflecke!! Wird H. mich los!a;sen,enn ich nichtWehr bin? Vielleicht. Mein Ächt erlischt. Der Morgen graut kaum. Hugo, Ktmchen, Mama, lebt woh!'.' V:rzeihk! , Hedrich hat. bekanntlich .uch den Todten nicht .losgelassen. Ob .erdamit erreicht hat, .was er anstrebt, ist sehr die Frage. Auf das Grab des vieenannteu Dichters fällt nse?-.Vlick voll Mitleid, aÄZhrend wir uns roit seinem Peiniger, der ja jedenfalls aus einer groben Wuschung des Publikums Nutzo zog und noch ziehen wÄ, .mit einem ganz andren iGefühle banden. L:N Wien ast xin v ierZL.Hrig. 'Mädchen beim Spielen mit eine? KasfeeboÜ-:e dadurch verunglückt, daß dieselbe oecn Kinde i die Luftröhre gerieth. Zur Nettung des ilinoes mu'ßte derLuftröhrcnschnitt vorgenommen werden, welcher normal serlief und begrünr dete Alussicht auf die WicdcrMfung des lKmdeL hoffen löißt. DaS Klnd hatte inzwlfche'i den ganzen Tag liier unser heftigen ErKlckungsaMllkn zu leiden Dle Oxeratiou konnte nicht früher susgesührt werden, als bis die Oohne in der röhre j tfcn g5iZn Höhe gklg.uzt war,
mtötn versuchten Mordes. En Studie au? dem Gerichtksaal von Hellmuth Wille. Termine Brunner wegen versuchtek Mordes" so lautete die Angabe in dew Wochenverzeichniß der Verhandlungel, vor dem Schwurgericht. Eine irau und angeklagt wegen ver. suchten Mordes wie sonderbar ! Ha! sie einem treulosen Meliebten oder einem allzu eifersüchtigm Gatten Gift gemischt hat sie eine lästige Nebenbuhlerin u3 dem Wege zu raumcn versucht? Wie dem immer sei das muß interessant werden! ' Und jene Müßigen und Neugirrigen, welche neben den an der jeweiliFcn VerHandlung näher oder ferner Vetheiligten die Habituös des Gerichts saales bilden, hatten sich zahlreich eingefunden. Es war ein Frühlingstag, aber was für einer : Die schmntzig grauen Wolken hingen förmlich aus die feuchten Dächer herab; die Straßen waren schmutzig, die Lust feucht, naßkalt, mit wem Nebel geriesel erfüllt, vor welchem kein Schir:, kein Ueberzieher schützte. Auch sah der
Verhandlungssaal düsterer und trauriger aus als je eine graue Atmosphäre von Melancholie schien m demselben zu vruten. Die Gaskronen, die man wegen des trüben Wetters entzündet hatte, schwelten in röthlich-gelbem Schein und verbreiteten ein häßliches Zwielicht. Die Herren vom Gerichtshofe erschienzn in demselben verdrießlich, hlt Geschworenen finster und übelgesinnt, der Staatsanwalt verbissen, 'der Schriftführer gelangweilt. Als die Angeklagte an der Seite eiueS Gesangmßaufkehers emtrat, gmg eine Bewegung durch das Publikum. Die e . iri . . . t . r r i . c sourc emen Äcoro verjucyr yaoen vics blasse, junge Wesen mit dem'sasnten, schönen, obwohl ganz verweinten Gesicht? Sie war ein Bild des Jammers aber eine Verbrecherin? Das war doch undenkbar! Sie zitterte sichtlich am ganzen Leibe; sie verbarg daS Gesicht in emem Taschentuch.'. Ihre ielduttg die einer besseren Arbeiterin zeigte von weiblicher Sorgfalt ihre ganze Erscheinung war die einer wohlerwogenen ehrbaren Frau aus Vürgerkreisen, welcher Name und Wegrisi des Gerichtes schon einen Todesschreckinflößen. Und dieses arme, bebende, 'verschüchterte Geschöpf sollte einen Mord versucht haben? Mit gleichgiltiger, eintöniger Stimme verlas der Schriftführer die .Anklage. Es ergab sich aus derselben, daß Hermine Brnnne? am so und so vielten Februar den Versuch gemacht hatte, sich mit ihrem Kinde im Sxreecanal zu ertränken. Man hatte Mutter und Kind gerettet. Laut Paragraph so und so des Strafgesetzes erhob nun die Staatsanwaltschaft gegen Hermine Brunner die Anklage wegen versuchten Mordes an ihrem zweijährigen Kinde Therese Brunner. Sie heißen Hermine Ärunner? Sind geboren am 3: April .1803 zu Berlin, haben sich im Jahre 1634 mit dem Maschinenschlosser Karl Brunner verheirathet? Die Angeklagte beantwortete diese Fragen mit einem kaum vernehmlichen .Ja". Sie haben die Anklage gehört? Bekennen Sie sich schuldig?" Herminc Brunner sah zum ersten Male auf aus großen, blauen Augen blickte sie den Vorsitzenden an. And mit fester Stimme erwiderte sie: Schuldig? Nein! Ich und mein Kind morden? Mein Kind mein Alles meine einzige Freude .... mein wer könnte das sagen?!" Die Staatsanwaltschast behauptet es. Sie haben sich Ihr Kind mit einem Tuche fest um den Leib gebunden und sind so in's Wasser gesprungen!" Ja das habe ich gethan!" Nun, das ist doch vorsätzliche Todtung sehen Sie das nicht ein?" Mich wollte ich tödten und mein Kind mitnehmen.... Wo sollte ich'S denn lassen? Was sollte fcerf daraus werden? Ich mußte eS ja mit mir nehwen.... Das kann doch kein Mord sein das ist nicht möglich l" Erzählen Sie uns, . wie Sie zu dem verzweifelten Schritt getrieben wurden!" Und mit stockender Stimme, vielfach unverständlich und durch kauin versiegende Thränen unterbrochen, erzählte die Angeklagte: Ich habe den Brunner aus Liebe geheirathet. Er hatte guten Verdienst und wir waren zuerst ezauz glücklich. Bald aber bemerkte ich, daß er Hang zum Leichtsinn hatte gerne trank er und spielte. Das störte unser Glück. Ich habe mir aber Gott ist mein Zeuge! alle Mühe gegeben, ihn durch Güte auf den rechten Weg zu bringen. Obgleich er viel verdiente, so wnrde das Geld doch immer knapp. Denn, er brauchte auch viel -und wir hatten ein Kind. Ich hatte mit der Wirthschaft und mit der Kleinen genug zu thun, trotzdem verfertigte ich noch Wsllarbeiten, um etwas zu unserem Bedarf beizusteuern. Am Anfang des Winters wurde es schlimmer 'mit uns. Mein Mann blieb immer mehr on Hause fort, kehrte manchmal im Rausche heim, und die Nachbarn versicherten mir. sie hatten ihn wiederholt in Gesellschaft .eines leichtfertigen Frauenzimmers gesehen. Ich war in Verzwelsluug und .wußte mir nicht helfen, denn unsere Wirthschaft ging tmm mehr zurück, aind ich Hatte den Karl ja auch so. gern gehabt.. . . Wenn .ich ihm Vorwürfe machte, so lange er .nicht ganz nüchtern war, wurde er roh g-een mich. Wartete ich jedoch, bis der Äausch völlig vorüber, so sah er' sein Unrecht ein und versprach mir Besserung. Nachher aber war er immer nieder der We. Die 9!achbarinne:r riethen mir. ich sollte ihm nachgehen, ihn Bus der Kneipe holen, Skandal machen. Wer das konnte ich nun einmal mcht.
Ich dachte, wenn ich's nicht tu Mte .mache, so wlrb's nicht und es wurde wirklich schlimm! Einmal kam .mein Mann zu ganz ungewohnter Stunde nach Hluse und sagte, er se! zum AuShelfen -ach der . Hauptfabrik beordert. DaS ist einige Meilen weit von' Berlin. Er raffte Kleider und 'ijamlinT aber er wich dabei meinem Blicke aus. Es kam mir 'Alles recht sonderbar vör: er hatte etwas auf dem Gewissen. ,Geh', kcle mirein ElaS Bier," - r.. ,r ,,-, ':, . ;--- '- ii ,! !, .n.il 'ifc.uiMr.;, .
sagte er. Ich gehe, und wie ich wiederkomme, ist er fort ohne ein Wort des Abschieds. Mir war so angst ich kann nicht sagen, wie. Ein paar Tage vergingen er schreibt nicht, rührt sich nicht. Da übergeb' ich meine Kleine einer Nachbarin und fuhr hinaus naäz der Fabrik. Dcrt wissen sie nichts von ihm. Ich aber gehe von da nach dem Stadtgeschäft und hier sagt man mir. er wäre seil so und so lange fort. Die Einen meinten, er wäre entlassen worden die Anderen, er sei ur so fortgeblieben. Mir war um soviel klar: er haNe mich nd das Kind verlassen schmählich, herzlos verlassen Da stand ich allein , mit dem hilflosen Würmchen und ich hatte der. Karl doch gern gehabt. . . . Wenn er mir gestorben wäre, das wäre niÄts oaeeaen aewesen. Und als ob
mich auch der Himmel verlassen hätte d erkrar.kte mir auch noch das Kind. Ich glaube, es hatte sich 'an dem Tage erkältet, als ich fort war.; es war Tiphteritis. und einige T-age schwebte es zwischen Tod und Lebn, Und zu dem Jammer um Mann ur.d Kind kamen auch noch die , Krankhcits kosten, und die Miethszahlung war 'vor der Thür. Was wir aber für die Miethe zurückgelegt .hatten, daS hatte mein Mann mitgenommen. An dem Abend, da mein Thereschen wieder hinaus durfte, da nahm ich es auf den Arm, um mir neue Arbeit zu holen und die abzuliefern, die ich vor der Krankheit fertiggestellt hatte. Ich hakelte Tücher und Kavotten für ein großes Wollgeschäft. Wie' ich da hinkomme, machen sie mir Vorwürse, daß ich so spät liefere. Ich sagte, daß lnein Kind krank gewesen. Das wäre ja recht traurig, aber ich hätte doch liefern müssen. UebngenS waie die Arvett für drese al? son zu Ende ; die Arbeiterinnen würden auf die Hälfte reduzirt, um auf Lager zu arbeiten. Dazu wählt man aber jene, wllche zuverlässig und pünktlich sind. Und ich hatte auch schon vorher wegen der Wirthschaft und des Kindes Mancher!eircrsä"mt. . .. Da stand ich nun auf der Straße ein Gefühl der Vcrlassenheit und des Elendes' kam über mich ich kann gar nicht sagen wie. Ich wußte gar nicht, wo hinaus mit mei? nem Lämmer! Hatte ich doch gar nichts verschuldet ich war mir keines Unrechts bewußt nnd doch hatte mich der liebe Gott gänzlich verlassen. Mir war. alsmüsse ich nun zum Himmel schreien vor lauter Norb und Angst bis irgend etwas geschehe, ich wußte selbst ttjcht was! Aber ich dachte noch immer nicht an das Schlimmste. Ich dachte nur: Mein Gott, was wirst du beginnen. . . .Ich hatte ein paar Mark für die gelieferte' Arbeit bekammen, aber ich war dem Grünkrämer schuldig und wovon sollte ich die Miethe bezahlen? Da dachte ich an eine Tante wenn sie mir die Miethe borgen wollte, so'konnte ich mich vielleicht über Wasser haltm, bis ich neue' Arbeit bekommen. Und ich ging zu meiner Tante es ist eine wohlhabende Kaufmanns frau im Westen. Wie ich hinkam, war das ganze Haus in Alarm. Ihre beiden Tochter, mit denen ich zur Schule gegangen, sollim hmte ein? Nnl? hehtrhen linh mnr Alles aus Den Vemen, um me ern Manien Mutter und Töchter zu putzen. Meine Tante zog gerade ihr lila Seidenkleid an und horchte dabei mit halbem Ohr aus das, was ich ihr sagte, rief da-, zwischen immer nach der anderen Stube, wo die Töchter sich ankleideten. Ja, siehst Du, Herminchen, ich habe Dir immer abgerathen, den Brunner zu hei rathen; es ist ein leichtsinniger Patron, das war stets meine Meinung. Du hast Dein Unglück nur selbst verschuldet! Und Deine Kleine ist krank gcwefen! Wärst Du doch zu mir gekommen! Ich hätte unsern Hausarzt gebeten, hin, zugehen, es isteinSanitätSrath. Ja, was ich sagen wollte, die Menschen sind immer anihrem Unglück schuld.... Julchen, sitzt denn Dein Kleid an den Schultern? Jch muß doch einmal selbst nachsehen. . UndMu, Mariechen, achte doch mehr aus Deine Frisur. ..." Lum Schlüsse sagte mir die Tante: Baares Geld könnte sie mix nicht geben der Ball heutt koste zu viel der Winter überhaupt, aber man könne sich dem nicht entziehen. Aber ein gutes Abendbrot könnte ich haben es hätte heute ohnehin Niemand im. Hause essen können. Ich nahm einige Löffel Suppe für ThereIchen an und ging. In der Straße unten rollten Wagen mit Ballgästen, Damen in hellen Kleidern, Pelzen und Blumen im Haar, und die Schaufenster der Potsdamerund Leipzigerstraße strahlten noch in vollem Lichte, angefüllt mit Ballstaat, Blumen und Federn aller Art. So lange mein Karl bei mir war, hatte ich mir nichts gewünscht und Niemand beneidet hente aber, wo ich so allein und verlassen mit meinem Kinde durch, die Straßen lief,' da kam mir Alles ganz anders vor. Die Anderen können tanzen und sich freuen," sagte ich mir. und du bist zum Elende verdammt. Und du kast doch nichts verbrochen! Wenn's so ist, so wäre es besser, garnicht auf der Welt n sein nicht ahr, mein Nescen und wer weiß, ob es Dir nicht einut! -ebenso schlecht geht, wie Deiner Mutter !" Und da guckte mich die Kleine so verständig an aus ihren blauen Augen, alS ob sie alles beariffen da drückte t m r V ich das Kind an mich:: Nicht wahr. Neschen, es ,jt am Besten so......" und da war aus einmal der Gedanke da : du wachst ein Eude es ist das beste für dich und das Kind da kam ich an die Getraudienbrücke, und nurdaö Eine war lebendig in mir: 's ist das Beste für dich und das Neschen. . . . . . Und blindlings mit. geschlossenen Augen aus ti&tn Nuck bin ich hineiLZesprunz gen!" Mit dem Kinde," sie! der Vorsitzende ein. Sie wollten dasKind also todten!" , Jch Hab's ' mitgenommen, weil ich seine Mutter war. " Ich konnte es doch nicht verlassen. Aber todten so ist's mir garnicht vorgekommen daran hab' ich auch ine gedacht ! Hatte ich f. mir's doch mit so heißer Mühe vom Tode gerettet ! Todten! Nein das kann doch nicht toszelbei de und sah flehend zu dem Nichter auf. Er machte geh'" emtge ' Kuzf und Querfragen, aber sie blieb dabei, sie wollte iM tödten, und man tonnte sie nicht über
zeugen, daß es ein Versuch vorschliche? 1 Tödtuna gewesen. Manschritt zumZeugenverhor. Durch bie vorgeladenen Zcrlgcn wurde Alles bestätigt. was die ?lnge'klagte erzählt, und der Schiffer, der Mutt?r und Kind ans dem Wasser gezogen hatte, gab an, sie habe das Kind immer hochzuhalten, so daß sein blondes Köpfchen stets über dem Wasser war, so h&xk man euch das Kleine zuerst gebonn. Waö dachken Sre sich denn hob der Präsident wieder any als Sie das Kind immer hoch hielten und doch ftlbst ertrinten wollten?" Die Angeklagte schluchzte herzzerbrechend, wußte aber keine Antwort. Das Verhör war geschlossen. Der Staatöanwait beantragte die geringste,
ge,ehllch zulässige Slrafe. Nun nahm der Vertheidiger das Wort. Er war ein zunger Mann von ganz kleiner Statur und seine Stimme klang ziemlich reizlos. Er hatte sich erhoben, und schon bci seinen ersten Worten schien seine kleine Gestalt immer, mehr zu wachsen. Angeklagt im Sinne des Gesetzes, in aller Fonn, ist Hermine Brunner, aber kein fühlend' Mensch, welcher der Heutigen Verhandlung beigewohnt hat, zweifelt mehr, wer der allein Schuldige ist es ist Karl Brunner. der Gatte der Beschuldigten. Sein Vergehen geHort zu jenen., welche sich der Strenge de3 GesetzeS entziehen. Er hat ein braves Weib von tadellosenl Lebenswandel, er hat sein Kind treulos verlassen. ILlelletcht war das arme W:ib eine von jenen Epheunaturen.. 'welche nur leben und gedeihen, wenn sie sich anlehnen kennen. Da der Mann, der'Gaite. sie verließ, mußte sie z Grunde gehen. Vielleicht hätte es aus dem Elend, in welches sie gerieth. noch irgend einen Ausgang gegeben, aber sie fand ihn nicht. Sie war allein, sie zitteNe vor den Schrecknissen des Lebens sie wußte sich keine Hilfe sie stürzte in den Abgrund. Zeitungslectüre und Erzählungen haben Jedem das finstere Nachtbild einaerraat: der Fluß, die kalte, verschwiegene Todesfluth, welche bannherz, d,e Armen und blenden ausnimmt. Und die Verlassene ging in dcn Fluß. Ohue weiter zu überlegen, nahm sie das Kind mit. Wie sollte sie ander's ? Sie wunte es nicht fre ier. Das Natur band, das Mutter und Kind zu einem einziaen Wesen verbindet, war noch ganz in ihr lebendig wo sic war, da mußte das Klnd auch sein, gehörte untrennbar zu ihr. Die Beschuldigte behauvtet. ite wollte das Kino nicht todten, und wirklich, sie hatte keine klare Vorstelluna davon : es mußte sterben, weil sie starb. Sie hielt eS im Arm, als man ihr Arbeit verweigerte sie hielt es im Arm, als ihr die kaltsinnige Verwandte im Ballputz eine Bettelsuppe reichen ließ sie hielt es im Arm. als sie von der Brücke sprang! Wie ,d wann hätte sie es loslaZjen louen? wäre graujam und unmenschlich, das schuldlose, tchmerzbeladene Wcib zu strafen für eine That der Verzweiflung, welche jix ,n amtes verwirrtem Znstande, einem blinden Instincte folgend, beging und deren indirecter Urheber der treulose Gatte ist. Ich plaidire für gänzliche Freifprechung, weil sie in momentaner Geistesverwirrung und unter einem unwiderstehlichen Zwange gehandelt hat." Der Präsident stellte an die Beschuldkgte die Frage, ob sie noch etwas vorzu bringen habe. Sie bat mit erstickter Stimme Am Gnade damit sie ihr Kind wiederhaben könne. Man Habens ihr genommen. Mit dem Kmde wurde ste auch aern rn s Gefänanl gehen. Nach kurzer Berathung verkündeten die Geichworenen das Verdict: Sie fan den die Angeklagte unschuldig. Dieselbe wurde freigesprochen und sofort aus der Hast entlassen. Ihr Antlitz strahlte. Sie dachte mch an das Elend, das ihrer wartete sie dachte nur daran, ihr Kind wicderzusehen. Zwei von den Geschworenen hatten sich inzwischen an den Vertheidiger gewendet. Der Eine von ihnen, ein Eorsettsabrikant. wollte der mau Brunner Arbel geben, der Andere ihr eine Nähmaschine schenken. Der iunae Anwalt verlle befriedigt das Gerichtsgebäude, indem er Frau Vrunner tur morgen tn ein Au reau bestellte. Auch er wünschte ihr noch etwas zuzuwenden, denn scm Erfolg machte ,hm aufrichtige Freude. Eber zündete er sich eine Cigarre an, als ein zunger Mann in Arbeiterkleidung auf ihn zutrat. Herr Doctor Herr Doctor au nur ein Wortl" Was wollen Sie?" frug der Anwal barsch. Ich bin. der Karl Brunner, Herr Doctor, und ich möchte bitten. ..." Schämen Sie sich nicht? Sie sind heute der Verurtheilte Sie " er wollte in seiner Strafpredigt fortfahren, kber daS verstörte Gesicht des hübschen süngen Mannes entwaffnete ihn. Ich bin nicht ganz so schuldig, Herr Doctor ich hatte nur damals meine Arbeit verloren, weil ich angetrunken in die Werkstatt kam, und ich schämte mich so sehr vor meiner Frau. Nun hatte ich einen Kameraden in Neustadt, der mir Arbeit verschaffen wollte mit dem ging ich. Und ich wollte der Hermine erst Alles sagen, wenn ich nieder neue Arbeit hatte. Das machte sich aber nicht gleich ich i wohnte bei . meinem Freunde in Neustadt er wird Alles bezeugen, daß ich die Wahrheit sprach. . Täglich nahm ich mir vor, zu meiner ' Frau zu gehen ud immer brachte ich'S nicht fertig. Auch dachte ich: morgen bekommst du Arbeit und dann ist'S gut! Endlich hatte ich Brot und an demselben Abend es war schon spät lief ich wie ein Verrückter ne.H Hause. Und das Nest war leer. Die Nachbarn sagten nur: die Hermme ist in'S Wasser gegangen mit der Kleinen und jetzt sitzt sie wegen Kindcsmordes in Hast. Herr Gott, in der einen Stunde habe ich alle meine Sünden abgebüßt meiner Seel ich habe graue Haare bekommen in der Zeit, mit kinuttddrcißig Jljren. Einmal versuchte ich es, mit der Hermine zu sprechen, aber umsonst sie wollte nicht, und heute habe ich mich von der Arbeit freimacht, habe Alles' gehört. , Wenn die Hermine verurtheilt worden wäre, ich hätte mir etwas anetban! So aber" er hobitte
trr Doctor, sehen Sie doch zu, machen sie doch, daß meine Frau wieder ant
mit mir wird. Sie haben ja Allen vor Gericht das Herz weich machen tonnen. Bitten Sie doch für mich bei Hermine!" Sie sind em mchtnnmaer und herz--loser Mensch trotz alledem, Brunner, und ich weiß nicht, ob's nicht besser für Ihre Frau wäre, allein zu bleiben!" Brunner schüttelte -traung den Kops. Ich bin nicht mehr leichtsinnig und ich weiß jetzt, Herr Anwalt, was ich an Frau und Kind habe, ich bin ein anderer Mensch geworden, ich kenne mich selbst nicht mehr! Wenn Sie mir nicht glau, den wollen, Herr Doctor. ..." ,,Nun, ich glaube Ihnen, Brunner' sagte der Rechtsanwalt, vergeblich gegen seine Nührung ankämpfend, ,, kommen Sie morgen Nachmittag um S Uhr in mein Bureau. Jtre Frau wird Ihnen verzeihen, Frauen dieser Art verzeihe immer." Hinter Den Coulissen. Portrsiistudien von I. Wallner. Die komische Alte. Mit dieser Dame habe ich nie aus amem Fuße gestanden. Entweder war sie zu alt, um mich zu interessiren, und doch noch Nicht alt aenuq, um Mir Ehr furcht einzuflößen und sie gehören fast Alle diesem Mittelalter" an oder sie war weder komljch noch alt. Gleichviel, die komische Alte" ist rn unzerem modernen Nepertmr unentbehrlich geworden und so gebührt ihr ein Blatt m unserer Skizzenmappe. Es entspricht dem AU aemeiN-Charakter der Schauspielerinnen, daß es nur verhältnißmäßig wenige unter ihnen bis zur komischen Alten" bringen. Je spater nun der Termin emtrut, an welchem sie freiwillig bekennen, alt geworden zu sein, desto weiter hinaus zieht sich auch der Weg bis zu icner Vtatron, auf welcher wir die komische Alte finden, und desto mehr finden sich auf solcher langen Strecke Ermüdende oder sonst nach rechts oder links Abweichende. Die Eine, der eben ein ehemaliger Freund Alles Gute zum Vierzigsten Geburtstag" wünschte, möchte schon recht gern einlaufen in jenen letzten Hafen, der die humoristischen Mütter vor des Lebens Stürmen schützt, aber sie war eigentlich nie eine Schauspielerin, hat sich nur immer selber dargestellt, und das Un glück will, daß die erste Rolle, die man ihr aus dem neuen Gebiet anvertraut, eigentlich erst dreißig Jahre alt sein soll so mißlingt diese Kunflschopfunct. Entmuthigt ipannt sie aus", um ln aller Eile noch die Stütze eines betriebfamen GastwirtheS zu werden. Sie hat in den meisten Fällen Anlagen zur Soli, dität, wird oft eine sparsame und brave Hausfrau. Eine Andere aua) sie hat Apollo nie geküßt ist schon lm dritten Decennium ihres Daseins so mitgenommen von dieses Daseins Last und Lust, daß es ihr fln Krast, an Halt gebricht. Und an dem Tage, da sie die Nollen der Naiven, die sie noch immer darzustellen meinte, Verbrennt, fällt ihr noch rechtzeitig ein vergilbtes Blatt Papier in die Hand. Ost, oft hat sie mit souveränem Lächeln darauf geblickt oft hat sie's, ein Denkmal ihrer heißbesungenen Schone, Jenem in die Hand gespielt, der eben nachließ, sie so schön zu sinden, wie das Blatt sie schildert; oft auch hat sie der Freundinnen grünen Neid geweckt mit dem noch immer duftigen Geschreibsel . . heute endlich fällt's ihr wieder in die Hände. Wann immer," so heißt es darin, wann immer sich Dein Herz mir neigen möge, zu jeder Stunde wird Dein Nuf mich erreichen, werden meine Arme Dir offen sein!" Lassen wir sie in seine noch immer offenen Arme eilen ihm kein Gewinn und der Kunst kein Verlust! Noch eine dritte ist es, die bei Zeiten marodirt. Selbst nie ein großes Licht, hat sie doch ihre Tochter bis zu einer ge: wissen Hohe gefordert, und nun sonnt sie sich halb in ihrer Kleinen" Glanz, halb spielt sic Duenna auch sie wird kein komische Alte. Im Gegentheil: sie artet oft aus zu einer widrigen Alten. Wettn nun immer erst die Vierte unter den in's alte Register kommenden Schauspielerinnen den Weg antritt, so gelangt auch von diesen Vierten immer erst die Zehnte an's Ziel; eine Behauptung, die sich leicht dadurch erweisen läßt, daß regelmäßig zehnmal so viel Vertreterin nen anderer Fächer engaementslos sind, das heißt also, daß es viel mehr Liebhaherinnen, Salondamen und Soubretten gibt, als komische Alte". Hierfür ist vielleicht der Umstand Erklärung, daß man dieses Fach sHlechte? als andere honorirt, und daß beispielsweise Provinzbühnen einen Chortenoristen ebenso hoch und höher bezahlen, als die Alte. Wie nun aber der große Haufe von Altwerdenden nur decimirt ans Ziel gelangt, so begreift sich's leicht, daß es relativ nur wenig schlechte komische Alte geben kann. Das erhellt auch aus anderen Gründen. Einmal gehört, wie wir oben andeuteten, ein gewisse? Grad von freiem Urtheil über sich selbst dazu, bei rechter Zeit überzugehen". Und es ist doch gar so schwer, freiwillig zu verzichten auf alle die schmeichlerischen Epitheta, mit denen Dichter, Partner und oft auch der kurzsichtige Kritiker unsere Reize charakterisirt! Wer noch gern, als er von der Scene abtrat, hinter sich her hauchen hörte: Lebewohl, Du Engel!" der mag nur mit schweren Herzen sich darein finden, wenn heute ein wüthendes Klatschschachtel" hinter ihm her ertönt! Endlich e aber ist die , komische Alte" außerordentlich dauerhaft". Man kann sehr bequem zwanzig und mehr Jahre dieses Fach vertreten. , Amalie Hainzinger hat es nahezu ein halbes Jahrhundert gethan ein Zeitraum, der selbst der genialsten Soubrette das Handwerk legen t""'' ' ' "' ' , - wurde. ' Wir haben gesehen, daß nur die besseren Schauspielerinnen es bis zu nnscrem Fach bringen und , daß also wenig reif dafür werden. Versuchen wir nun den TypuS der komischen , Alten festzustellen. Da werden wir wiederum zwei Hauptcharakteren begegnen.' Der alleinstehenden koinjfchrn Alten" ' und Jener. , die mit Kindern gesegnet ist. ,! Die , Letztere hat in der Re$fcl durch ihren Nachwuchs Anschluß an die bürgerliche Gesellschaft gewonnen. Das heranwachsende c
schlechthin;! ihr eine aewisic Stabilitai aus, die es ertiärliM '.:cht. dast die ko
mische Alte zn dcn püichkmrigtrett. brav sten, Mitgliedern der Truppe" ublt. Müßte sie doch, wenn inan sie für die künstiae Saison nicht reenaaairic, ötind und Kegel mit hinaus schleppen in die Welt wohin? Das weiß nicht einmal ber Agent. So sucht sie Jedermanns Freund zu werden. Dem Regisseur ist sie in ebenso treuer Freundschaft ergeben, wie feinem Widersacher, dem Eapcllmei, ster. Aber euch den kleinereu Göttern erweist sie Reverenz. Bis hinunter zur Souffleuse. Denn diese Letztere ist die Mama der Naiven und der Director zeigt neuerdings ein nachdrückliches Faible für das Fach der Jngcnue oder doch für seine Vertreten. Dies aesualae, nach allen Seiten sorgsam vorsichtige Wesen der humoristischen Mama entlcheldet ler der auch über das Geschick ihrer Kinder. Leider! 'Als die Kleinen vier oder fünf Jahre alt waren, verschwor sich unsere Freundin hoch und heilig, daß Keines von ihnen zum Theater aehen sollte. Und das wäle gut gewesen. Denn das Talent vererbt sich nicht, wenn man ichon annehmen will, die Mutter habe welches besessen. Ohne Talent aber erben die Kinder Nichts als das sogenannte Thea terblut, bei Licht besehen wenig mehr. als handwerksmäßige Routine. Fr. 3t. will indessen nach keiner Seite hm an stoßen, und da Frl. I., die Naive, zu ihrem Venesiz die unverwüstliche P? crola" austuhrt und die Zcolle des iaeu nerkindes nicht anders zu besetzen ist, so bricht Frau . ihren Eid und läßt die vleriahrtge Martha mttipielen. Natürlich kann Martha schon mit den vier Zeilen Wolf'scher Poesie darthun, daß sie ein phänomenales Talent, und da nun schon zwei Wochen spater der erste Heldenvater des Kindes für die Schußscene im Tell" bedarf, so ist Marthens r w c r t vscmctjfu oenegen. UNO am vyticc - was zoll ans dem Lilnoe werden ? Ver Vater ist nicht da die komischen Alten sind zumelZt unverhelrathete Frauen die Mutter aber ringt mit dem nächsten Tage, der jedesmal sie zu überwinden droht. Die wenigen Stunden, die ihr der Beruf frei laßt, braucht sie, um ihre Kostüme in Ordnung zu erhalten. Vielleicht wissen es die Leserinnen noch mcht, daß, sich die Damen beim Theater ihren gesammten Garderobebedarf allein stellen müssen. Und sind's auch nur halbseidene Krönungsroben, sind die schweren Stofsschlafröcke auch nur ten l eurelstem Ereton und die Sammetchleppen von verblichenem Manchester immer bleibt genug anzuschaffen von einem Monatseinkommen, das sich bei den Provinzbühnen, von dem hier zunächst die Rede ist, sehr selten auf volle zweihundert Mark beläuft. Und von dem noch ein Spargroschen für die mageren Sommermonate erübrigt sein will. . We soll da Zeit herkommen, um zu erziehen"? Wo die Mittel, um solch ein Kind etwas lernen zu lassen? Wenn's die Frau um und Um besieht, dankt sie knieend ihrem Schöpfer, daß er der Martha solch schöne Begabung" verliehen mit anderen Worten: daß er sie nicht buckelig, lahm oder stumm zur Welt hat kommen lassen. In der That, das Proletarierthum beim Theater ist schlimmer, als man gemeinhin glaubt und es muß sich forterden von Geschlecht zu Geschlecht, bis zu jenem senien Tage, da man die Bühnenkunst in ihrer galizen Bedeutung erkannt haben und das gesammte Theaterwefen, etwa wie die Schule, von Staatswegen geregelt haben wird. Darüber kau immerhin noch' der nächste Winter vergehen .... Wir haben noch ffächtiA von der zwei, ten Spezies der Komischen Alten" zu reden, von der seltener auslretenden Kinderlosen. Ob die nähere Betrachtung die Mühe lohnt? Wir glauben's nicht. Denn hier trilt uns gemeinhin eine höchst unsympathische Erscheinung entgegen. Halb Klatschschwester, halb Jntriguan titt, halb Duenna für jüngere Genossin: neu, halb selbst noch zugänglich für des Lebens Iteize katzenfreundlich und neidisch, demüthig und doch hochfahrend, wenn's irgendwie angeht so ist sie, aber eine gute Schauspielerin ! - Und eine gewissenhafte! Freilich, wenn der Herr Regisseur, dieser junge Mensch", ihr etwas sagen will, dann leuchtet unter dem mit Tagcsschminke erzeugten Noth der Wangen der gelbe Zorn aus und wehe dem jungen Menschen", wenn ihn feine liebenswürdige Eollegin einmal ein Wort zu viel an die Naive richten hört morgen weiß es der eifersüchtige Director! Oder wenn (was übrigens selten vorkommt) ein Kritiker sie verreißt" der Arme schwebt in Gefahr des Leibes und der Seele. Eine wüthende komische Alte erinnert sich viel leichter an die Hökerinnen, die sie bereits dargestellt, als an die antiken Heldinnen. Und zur Uebertreibung an sich schon geneigt, wird sie zur Megäre, wenn ihre scheinbaren oder eingebildeten Rechte je verletzt wurden! Man begreift vielleicht, was ich Eingangs sagte: ich habe nie mit der komischeu Alten" auf gutem Fuß gestanden. Ein Duell auf Krebse. Kommt da in Berlin ein Mann von der Thurmstraße und will durch den kleinen Thiergarten nach Alt-Moabit. An seincm Arm hängt ein großer Handkorb, gefüllt mit den schönsten Oderkrebsen. Mitten im kleinen Thiergarten begegnet ihm ein Arbeiter,' der ihn anrempelt und obendrein noch Schafskopf" titulirt. Ohne ein Wort der Erwiderung nimmt der Korbträger den Deckel von feinem Korbe und stülpte den! Andern sammt.liche Krebse über den Kopf. Das xrasi i . t . tu und raizell nun an oem Armen yerum ; einer der Rückschrittler hat, sich mit derSchcere in seine Nase festgeUemmt, an beiden Ohren und Händen hängt ebenfalls je ein Paar roldöesracktcr Gesellen. Der Bestraste aber schrie in einem fort: Meine Nase! meine Nase! thu' doch die imfamigten Dinger weg!" Willste den Schasskopp zurücknehmen?" fragte nun der Krebsbesitzer.. Jmnier zu, ick nehme alles zurück." Großmüthig befreite nun der Sieger den Besiegten von seinen Peinigern, sperrte die Krebse wieder in seinen Korb und trollte sich unter großer Heiterkeit der Passanten von danneNK?VZZ? MpJi.i;i:!:i!!,F!i
lillll1 ''''CB'p'' t' l't i c' ri:cc$'rccmcS'; (f rifec ist der WurstMfangM . j' ':.:!!" ,! i.'i ! l!' S ' ! I I ' I Kl .'rl: liE!;1 I?i I Bl !
2 ins der Kompagnie'öatNtner.
Rekruten .zum Uniformanpassen cn en ! " brüllt der diensthabende Gefreite treten in die mit den jüngsten Marsföhnen be legten MannschaftLzimmer, während itKiM r CTjd .1 . m. St.. ntiTn.nstA4. wn in jcutiwjjc vfci i jjfiMj " Kammer-Untere fsieier, in Erwartung des resp, der Kommanden, seinem Gehilfen ein Donnerwetter über das andere an den Kopf wirst. Bald daraus treten durch die geöffnete Kammerthür die ersten, noch Civil tragenden Rekruten ein, und das Sachenanpassen beginnt. Die zur Verkeilung gelangenden Uniformstücke fünfter oder sechster Garnitur sind nicht nach dem Geschmack der jüngsten Vaterlandsvertheidiger, imd wenn die Auswahl bezüglich ihrer Qualität auch nicht groß ist, sucht jeder Neuling doch für sich das Beste vom Schlechten zu ergattern und macht dein Caxitaine d'armes - Gehilfen die Arbeit recht sauer. Besonders fchwierig stellt sich dabei ein fast stutzerhaft gekleidctcr, etwas korpulenter Jünger Mer kurs, der schon langst die Ausnierksamkeit des Herrn Sergeanten und Kammer beherrfchers auf sich gelenkt hatte. Endlich hat der feine Kerl", wie ihn der Spieß" gleich bei seiner Ankunft benamfete, eine passende Hose gesunden,.da zeigt er sich beim Lcockanpassen noch rabiater", als bisher Na, Sie DuodezHeringsbändiger, noä) nifcht jefunden sor Ihren crrus delictic? Denken Sie etwa, det wir uns hier nur mit Sie zu beschäftigen haben? Mochten wohl eenen Paradekittel uff Ihren Leib kriejen, oamit Sie eoch bei uns den Baren spielen können? N, Kind, is mcht. Nunter mit den Stutzerfrack! Rehmen Sie jütiast Abschied von ihm nach drei Jahren sehen Sie. ihm wieder und nu dalli, rinn in dies Ehrenkleid, det, wenn et ooch jesiickt is, jnt jenug is sor eenen dämlichen Rekruten!" Mit diesen ermunternden Worten zwängte der Gestrenge dem Soldaten einen Stock auf den Leid, den er höchst eigenhändig , e. t ? .
inner cm aus oem u$t lugenom umformen sür den Dicken ausgesucht hatte. Na, war wollen Sie denn, Sie DAchendreher, det Ding sitzt fein feudal ! " Darauf trat der bärtige Sergeant Schritt zurück, und den Eingekleideten betrachtend, wandte er sich an den neben ihm stehenden älteren Soldaten mit deu Worten: Schwartz, geben Sie mal den kleenen Spiegel hcr." Dies geschah, und dem Iiekruten denselben vorhaltend,, meinte der Kammcrverwalter lächelnd: Nu, wie gefallen Sie sich Ihnen?' Nich wahr, der reene Mars? Jetzt lassen Sie sich noch um Ihren Stierhalö eine Binde anbringen und eene Mütze usf JHren Stroh kopp stülpen und .... die Vogelscheuche ist fertig." Als der Rekrut sich entfernte, bemerkte derSergeant, daß an dessen Nock noch die Abzeichen eineö Gefreiten faßen, und mit einem Taschenmesser bewaffnet eilte er dem jungen Materialisten nach und schnitt ihm die Gefreiten-Distinktion vom Kragen herunter. Weg mit die Abzeichen sor den. höheren Jrad der Jemeinheit, für den Sie nich jcschasfen sind! schrie der lustig gestimmte KamMerunterofsicier, den ob dieser Attacke ganz vcrdutzteu Nekruten an. Inzwischen harrten schon verschiedene andere Neulinge der Vorstellung vordem Kaptaine d'armes, der während dc& ganzen wichtigen Aktes den Humor" nicht verlor. " (Berliner Tagbl.) - - t Ueber den Einfluß von Kaffee und Thee auf die Dauer von Gehirnvorgängen hat Dr. Dehio in Dorpat interessante Untersuchungen angestellt. Durch Messung der Neactionszeiten, d. h. der Dauer der durch die erwähnten 'Reizmittel hervorgerufenen Wirkungen, hat Dehio nachgewiesen, in welcher Beziehung die geistig erregenden Wirkungeu des KasseeS und des Thees sich sowohl untereinander, wie von denjenigen des Alkohols unterscheiden. Alle drei Mittel beschleunigen zunächst die Gehirnthätigkelt; aber der Alkohol übt leine anfängllch beschleunigende Wirkung vesentlich auf die Vewegungseffeet'e, ans die Auslösung von Willenthaudlungen aus, während er die Warnehmungsvors gäuge sehr bald verlangsamt. Koffein, d. h. der im Kaffee enthaltene wirksame Stoff, und im höheren Grade der The, bewirken dagegen eine beschleunigtere und zugleich nachhaltigere Auffassung äußerer Eindrücke, sowie Verknüpfung derselben zu komplicirten Vorstellnngsgruppen, ohne gleichzeitig zu Entladungen im MuIkelsvstcm zu treiben. Wenn der Alkohol die Hemmungen und Sorgen wegräumt, uns muthig und übermüthig, zu unüberlegten Streichen geneigt, aber zu ernster Gedankenarbeit unfähig macht, so erhält uns der Tbcegenuß bci andau, erndcr geistiger Anstrengung wach und aufmerkzam und erleichtert uns die Aufsassung sonst ermüdender. Einzelheiten. Beim chronischen Alkoholmißbrauch sehen wir dementsprechend auch eine fottschreitende Abnahme der seelischen Hemmungen, der Selbstbeherrschung, einen Zerlall des Charakters, des moralischen Haltes, sich herausbilden, während der gewohnheitsmäßige Thcegcnuß niemals derartige Störungen, sondern höchstens Schlaflosigkeit und etwa Zustande von Nervenschwache im Gefolge hat. W i e die Nowöje Wremja" ' Meldet, hat die russische Regierung:, öerfügt, daß die Telephone aus allen Nestauralioncn, Branntweinschenken und Kaffeehäusern (ZuckerbäckereienZ in Warschau und überhaupt im Königreich Po- -len entfernt werden. .Den Anlaß zu dieser Maßregel gab der Umstand, daß durch die Telephons tm Wirth dem anderen verrathen kann, wann die behorv?'. lichen Organe komnun, um in ihren Lokalen Nemsionen vorzunehmen 'Somit erwies sich das Telephon in Polen als staalsgefährlich. Auf das übrige Nuß-. land wurde diese Maßregel Doch nicht ausgedehnt.,'- . - Fein t. N ü a n c i r u n g; ' 1 . Hausfrau: Ich gedenke mir jetzt ein besseres Mädchen .zu nehmen l" 2. Hausfrau : Aber ich; bitt' Sie. die besserell'' Dienstmädcheu sind g'rad',!,die schlechtesten ; da sind die guten noch desjer!" " 7 1 : v;' Berg a 1 0 p v i r t. Hausirer : ....Also, Sie wollen mir nichMabs kaufen, gnä' Frau? Gut, warten SieI nur auf" meinen Koncurrenten de?I schmiert.SirKch :S- , !",:! !1 , shSiii!!!!ii!lii1K'i;i;il;.i!!,yiiil:. f;:r!:ä:,r;.!1':i:1if ' viiä, (! il ! ' i'lpi
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