Indiana Tribüne, Volume 13, Number 81, Indianapolis, Marion County, 8 December 1889 — Page 2

:t'' Kl, :

it

srCT3rsws

Künstliche Teide Fachleute haben sich schon lange Zeit mit Versuchen zur Herstellung eines künstlichen ProÄucteS beschäftigt, welches den von den Seidenraupen erzeugten Faden gleichen soll. Waren diese Versuche anfangs auch vergeblich, so gelang eS in , . 4.' f:j. V i : 4,

UIJlCT Jen CllÜlIUf K'DUJ, lUUi"t wiivi ""&u. bereiten. Vielleicht wird sogar in nicht allzu ferner Zeit auf diesem Gebiet ein neuer Industriezweig entstehen. Dr. Otto N. Witt gibt im Prometheus interessante Ausklärungen über das neue Farkcat, aus dem wir Folgendes entnedmen : Die natürliche Seide tritt bekanntlich in halbflüssiger Forin ans den Spinn- ' öffnungen der Seidenraupe hervor und erhärtet sofort an der Lust zu einem - -. . I- c r r v . fZ.

äuperii leiten coirnonicgcn efaoe. hat nun nahegelegen, diesen schon frühzeitig in seinen Einzelheiten bekannten Proceß aus künstlichem Wege nachzuahnun und so ein Gespinnst zu erzeugen, das der Seide ähnlich wäre. Der erste Versuch dazu bestand bekanntlich in dem Ausziehen geschmolzenen Glases zu ganz feinen, zarttn Fäden, welche zu Un verschiedensten Gegenständen verarbeitet werden. DaS so gesponnene Glas zeigt nämlich in hohem Grade seidenartigen Glanz, und auch seine Tragfähigkeit kommt der der Seide sehr nahe. Leider ist die Zerbrechlichkeit des Glases, obschon in der Form von Gespinnst erheblich herabgemindert, dennoch nicht völlig aufgehoben. Man hat daher schon seit lange sich bestrebt, das gleiche Problem durch Anwendung geeigneter organischer Substanzen zu lösen. Seit Jahrzehnten taucht immer und immer wieder die künstliche Seide ans, und eS sind schon ganz erhebliche S-rinmen in der versuchten Verwerthung 'lcher Producte verloren gegangen. Aber gerade derartige Problcmedie lcitS eine gewisse Popularilät erlangt haben, reizen viele Er sinder, und so kommt es, daß die künstliche Seide nie von der Tagesordnung verschwindet. ES scheint, daß diesmal das Problem wirklich mit .Erfolg, wenn nicht gelöst, so doch seiner Lösung stark genähert werden ist. Der Erfinder, Graf Ehardonnet, bcnutzt als Rohmaterial für seine Fabriktion die Cellulose, jenes merkwürdige Produkt deö Pflanzenreiches, welches die Natur zum Ausbau ihrer wunderbarsten v-. m - . i tf .A. .... Ä cyLpsUNgen verwenoer uno rvczmrv uns auch in Form von Papier, Aanmwolle, Leinen und anderen Fasern die unschähbärsten Dienste leistet. Wenn man EellulofeindicFsrm eines zusammenhangenden Fadens bringen will, so bedarf es vor Allem eines LSsungs- oder Schmel;prozesses. der die ihr von der Natur ertheilte organische Form umzugestalten erlaubt. Cellulose ist indessen unlöslich in so ziemlich allen uns bekannten Lösungsmitteln, und an ein Schmelzen derselben ist schon deshalb nicht zu denken, weil sich die Eellulöse bei saug über 100 Gr. vollkommen chne jede vorherige Erweichnng zerfetzt Der Erfinder hat sich nun einer seh? geistvollen Methode zur Nebcrwindnng dieser Schwierigkeiten bedient. Wenn man nämlich Cellulose mit Salpelerjäure behandelt, so geht sie in Körver über, kür welche es passendc Lösungsmitttl $U. Eine vorsichtig nitrirte EeÜnlose löst sich mit Leichtigkeit in ein nt ::x. vii'ttt.t s)f tn.V X " r - i V " ' die entstandene dickliche Flüssigkeit ist da S wohlbekannte Kollodion, die Grundlage der alleren photographischen Processe. DeftiÜirt man ans einer solchen Losung den Alkohol nd Aether ab, so hinterbleibt eine hornartige Masse, welche, mit Kampher und einigen anderen Körpern gemischt, das ursprünglich von Packes erfundene Celluloid bildet. Dieser selbe Körper ist es auch, anS dem Graf Chardonnet feine künstliche Seide formt. Er preßt ein durch Auflösen nitriter Cellulose in einem Gemisch aus :!8 Theilen Archer und 42 Theilen Alkohol enthaltenes dickeS Kollodion durch ein zu einer feinen Spitze ausgezogenes Glasrohr in Wasser hinein, welches durch ein Rohr O lmf Ij.f ftaCslvfcfct W j J J CX 4 J. st J t 11:1 iiii.i . iLiiitiii. lillu ililili . unu

IL'l.UilUUlIVy jUjllCb' ? VU5Ulti llUjlll dem entstandenen Faden das Lösungsmittel. so daß er erhärtet und zu einem ziemlich zähen Gebilhe erstarrt. Dieser Faden hat indessen noch nicht die nöthige Feinheit, muß durch Strecken verfeinert werben, eine Operation, zu welcher er sich i:i dem frischen halbflüssigen Zustande treMch eignet. Do so erhaltene scidenmaterial ist indessen noch nicht ganz fettig. In dem Austande, in welchem eOiV Maschine verläßt, ist eS noch auße'rordenttich entzündlich und aus diesem Grund für ÄekleidnngSlnaterial nicht zu verwenden. Das Produkt muß daher einer chemischen 9achbehandlung unterwerfen werden, welche die Entzürdlichkeit sowohl wie die Loslichkeit in Alkohol wesentlich . verringert. Diese Nachbe Handlung wird vom . Erfinder geheim gehalten, besteht aber sehr wahrscheinlich m der Einwirkung, reduzirender Mittel. w:e z. B.Äinnsalz u. dgl. Leider ist dkser Tenitrirungsproceß, wie es scheint, doch recht unvollkommen. Ein Muster des Ehardonnet'schen Fabrikates, welches wir zu sehen Gelegenheit hatten, verpnsste noch ziemlich hestig bei Annäherung an eine Flamme. Der Apparat arbeitet ganz regelmäßig und ?roduzZrt etwa ' 2000 Meter Faden . per Austrittsössnung und Stunde. Die künstliche Seide ähnelt in Glanz und Aussehen vollkommen der natürlichen. (Berliner Fr. Ztg.)

l?!n CTornini ' in einer Klei derbandlnna hatte heimlich einen Mantel an sich genommen. Drr Principal hatte es aber bemerkt und ihm beim Ge-Halt-Ans;ahlen 1 Mark avgezooen. AlS der Eommis wegen dieser fehlenden tnntne fein &e fremden ausdrückt, erklärt ihm fein Eh:f, das; er einfach den Preis des aestoblenen Mantels in Ab'rrchnung gebracht hätte. - Ad er, Herr Skiiuisai". laut der Eommis. .wir lie fern dock diese Mäntel an unsere Kunden ' fiwM 'Mar.V Ja", entgegnet der Principal, wenn wie 12 Vtua auf einmal gestohlen hätten.' konnte ich Jhneu auch den enz;ros-PretS verecynen l' x Unglücklich sind die, die qe tob: so viel Verstand haben, u rn i hr e t ' f,t, I': .. U)untmoeiien einzuzren.

Die Wunderlampe

Von Dkerre Tale flJariS). Die Familie Perronnet, bestehend aus öem Herrn Jules Perronnet früher Mützenmacher feiner Frau Leontine und der bereits im heirathsfähigen Alter befindlichen Tochter Amelie, hatte soeben ihr Nachtmahl beendet. Amelie Perronnet, die von ihrer Mutter sehr winhschastlich erzogen war, half dem Dienstmädchen beim Äbräumen des Tisches. Frau Pcrronnet griss nach ihrem umfangreichen Contobuch, in welches sie die Ausgaben des TageS gewissenhaft zu verzeichnen pflegte, indeh der Hausherr nach einem Dchtigen Blicke auf den Courszettel sich mit seiner Zeitung in den Winkel am Kamine setzte, um sich dort in die Politik zu versenken. Bei Perron,:ets blieb man nach dem Essen noch im Speisezimmer; nur am Dienstag, dem Jo?, zog man sich in den Salon zurück. Während der übrigen Tage der Woche blieb er mit feinen sorgfältig überzogenen Möbeln geschlossen, und wenn man ihn einmal betreten mußte, so geschah dies nur auf den Fußspitzen, um den theuren Tcppich zu schonen. Daraus jedoch den Schluß zu ziehen, daß die Perronncts geizig selen, wäre verfehlt gewesen. Es waren im Gegentheil brave Menschen, die sich durch harte Ärbcit ein hübsches Sümmchen erspart und die Gewohnheiten ihrer früheren Tage auch während ihres Wohlstandes beibehalten hatten. Sie hatten früher keinen Salon gehabt, und so benutzten sie denselben auch nicht, als sie das HauS bezogen, das Herr Perronnct in der Nue dc la Coudamine gekauft hatte und das an zwölftausevd Francs jährlichen Miethzins brachte. Bereits dreimal, hatten sich Bewerber um die Hand ihrer Tochter eingestellt, aber sie waren mißtrauisch. Sie glaubten. die Bewerbungen gälten mehr den hunderttausend Francs Mitgift und dem Haufe in der Nue de la Londamine, als ihrer Tochter, sowie den weiteren Zweihunderttausend, welche die Kleine, um ,m Stile der H.irathsvermittler zu sprechen, einmal erwarten" dnrfte. Sie wollten weife und sicher ihre Wahl treffen. Aber dennoch hatten sie Eile amit, denn sie sehnten sich beide danach, sobald als möglich Enkelkinder zu haben, die sie verhätschcl.l konnten. Amolie war t::it dem Abräumen des Tisches fertig. Sie brachte ihrem Vater ein Glaschen Ecnac und vertiefte sich in die Lcctüre ihres Modejournals. Von Zeit zu Zeit, wenn sie ganz davon in Anspruch genommen zu fein schien, wechselten Herr und Frau Perronnet mit halblauter Stimme ein paar mysteriöse Worte. Sobald sie aber den Kopf hob und zuhörte, schwiegen sie oder sprachen von im Hause nothwendigen Neparaturen. Gegen halb zehn Uhr wurden alle Drei aus cillmal. still und schienen aus etwas zu horchen. Dieses EtmaS war das Geräusch von Schritten ans der Treppe, festen und regelmäßigen Schritten, die sie vom nuterstcn bis zum scch stcn Stocke verfolgten. Sie sagten nichts, aber alle Drei dachten mit einer gcwnzcn Aesriedigung: Er ist heimge kehrt. Gleich daraus jagte Am6lke den Eltern gute Nacht und zog sich zurück. Als ne allcltt .waren, laqte de?!bater: Welche Pünktlichkeit!" Und die Mutter stimmte ihm b:i: Ja, es scheint ein sehr ordentlicher Mensch zu sein." Um zehn Uhr klopfte eS an der .hure. Es war die Hansmeisterin, die daS Gas ausgedreht hatte und nnn kam, um dem Hausbesitzerpaar den Bericht über die Vorkommnisse des Tages abzustatten. Dieselben waren so geringfügiger Art, daß man sofort von dem neuen Miether im sechsten Stock zu sprechen begann, aber fehr leise und nachdem man sich davon überzeugt hatte, daß die Thür 'zu Amöliens Zimmer fest verschlossen war. 5mm, krau Mayeur?" Ja wohl, er hat mir noch hcute morqen seine Petrolcumkaune qeaeben mit dem Auftrage, sie ihm für den Abend zu füllen. Das ist unerhört, sagte rau Perrönnet. Herr Perronnet schob den Fenstervorhang zur Seite .und blickte zu einem kleinen Fenster im sechsten Stocke deS Seitenflugels empor. Es M schon hell," sagte er. Welche Energie!" bemerkte Fiau Perror.net bewundernd.. Wie sieht denn eigentlich die Lampe aus?" ;ch sah t:e, als er emzoa. erwiderte die Hausmeistcrin. Es ist eine einfache nmpe von blauem Porzellan. .Die Lampe des Arbeiters!" sagte Herr Perronnet freilich. Ah, dort ist er; er schöpft Lust am Fenster jetzt steckt er uch eine Etgarette an. .Nun. das wird er sich doch wohl gonneu dürfen, bevor er die Nacht an feinem Arbeitstische zubringt!" warf Frau Perrönnet fast gekrankt em. Und was tch

sagen wollte,, Frau Maneur, Sie richten, es ihm ganz bestimmt aus, baß er morgen bei uns vorspricht, um seinen Miethskontrakr zu unterzeichnen. Gute Nacht!" Eine Stunde später war das ganze Haus Perronnet in tiefes Dunkel gehüllt bis haüf , das kleine Fenster im sechsten Stock, das bis zum Morgen hell erleuchtet blieb. . ... ;. Als am frühen Morgen die Ssnne durch das Fenster schien, lag Herr StanislausMenorval nach in tiefern Schlaf. Er erwachte endlich und stand auf. Seine erste Sorge war, die brennende Lampe zu löschen, dann machte er sich an die Bereitung seines einfachen Frühstücks. Er war, zu arm, um sich dasselbe von der Hausmeisterin besorgen zu' lassen. Mit Befriedigung blickte er lauf 5 seine Lampe und sagte:. Sie brennt doch ausgezeichnet. Ich kann mit dem neuen System ;anz zujrieden sein." Dann stieg er frisch und vergnügt die Treppen hinab, um sich in sein Comptoir zu begeben, denn er war Angestellter eines großen Geschäfts, von dem er einhundertachtzig Francs monatliches Gehalt bezog. ' K::V Als die Hausmeizterin ihm mittheilte, daß eS im Hause Sitte sei, den MietSvertrag beint Besitzer selbst zu unterzelchntf, erwiderte er: Es ist gut, ich werde hlte Abend hinkomm etttHM i ::m II I . I , ,. . ,1!.. - -- : , -LiS 0"Frf ."

CTSECTSfS! Und er ging, ohne daran zu denken, sich umzuschauen. Hätte er sich nämlich umgeschaut, so hatte er bemerkt, daß ihm aus dem Fenster von Fräulein Amelie ein braunes Köpfchen nachblickte. Und wenn er gemußt hätte, was dies braune Köpfchen von ihm dachte, wäre er wohl sehr stolz geworden, denn Fräulein Amelie sprach vor sich hin: Wirklich, ein hübscher junger Mann!" Das war er in der That. Groß und schlank gewachsen, brünett, mit .einem zierlichen Schnurrbärtchen. Das Schönste an ihm aber waren seine, ruhigen Augen, !n denen eine ganze Welt von Gemüthlichkeit lag. Auf seinem Bureau warler der Erste. Als seine College eintrafen, fragten sie ihn, wie er mit seiner neuen Wohnung zufrieden fei. Ausgezeichnet", erwiederte er. Ein stilles Haus, und wahrend der Nacht vollkommene Nuhe." Er arbeitete den Tag über unoerdrossen, ohne an etwas anderes zu denken, als an feine Arbeit. Das einzige, was ihm,wie auch an anderen Tagen,durch den Kopf ging, war die Hoffnung, daß am Ende des Jahres sein Gehalt auf zweihundert Francs erhöht werde, wenn er fleißig sei. Das war im Augenblicke sein einziger Ehrgeiz. Am Abend, nachdem er sein einfaches, aber kräftiges Essen eingenommen hatte, sprach er bei der Familie Perronnet vor in dem Glauben, daß er nichts weiter zu thun habe, als durch seine Unterschrift den Miethscontract' zu vollziehen. Er hatte keine Ahnung davon, daß ex die Neugierde der drei Familienmitglieder in so hohem Grade erregt hatte. Man sührte ihn In den Salon, der aus diesem festlichen Anlasse hell erleuchtet war. Herr und Frau Perronnet, die ihn dort bereits erwarteten, und Amelie, die' hinter dem Vorhange lauschte, fanden, daß sein Austreten an einnehmender Gewandtheit nichts zu wünschen übrig ließe. . ;:. . Er wurde sorgfältig ausgefragt über sein Leben, seine Eltern, die in der Provinz wohnten, über seine Arbeit. Herr Perronnet , sagte ihm ein Eompliment über den Eiser, mit dem er seine Studien betriebe, und Frau Perronnet gab ihm den Nath. feine. Gesundheit zu schonen. Er dankte höslich zwar, aber doch etwas erstaunt über dieses väterliche Ent'gegenkommen, an das seine früheren Hauswirthe ihn nicht gewöhnt hatten, unterzeichnete den Contract ' und stieg dann in seine Wohnung hinauf. Bald strahlte dort seine Lampe in gewohntem Glänze und leuchtete beharrlich bis zum hellen Morgen. Ein Monat ging vorüber, die Neuierde der Familie Perrsnnet stiea auf den Gipfel. Man sprach sogar, offen darüber in Gegenwart von Amelie. Die Arbeitslampe hatte StaniSlaus Menorval in einen ganz wunderbaren Ruf gebracht. Man nahm an, daß er für den Unterhalt seiner armen Eltern zu sorgen hatte, oder stellte ihn sich vor als einen Forscher, einen Ersinder, als einen zukünftigen Wohlthäter dnr Menschheit, und Herr Perronnet rief ein über das andere Mal. mit dem Ausdruck grenzenloser Bewunderung: Er besitzt einen 5lörper von .Eisen. ' Die ganze Nacht zu arbeiten und am Morgen so frisch auszusehen - eS ist erstaunlich!" Denn es muß gesagt werden, trotz seiner Arbcitsmenge crfreure sich Stanislaus Menorval des blühendsten Aussehens. WaS war da naheliegender, als der Gedanke, daß er der geeignetste Mann für Fräulein Perrcnnet fei? Llmelie wurde zwar nicht gefragt, und, . . nr x f y :: ' . UM die Wahrheit zu sagen, ihr imponlrte die wunderbare Lampe nicht sonderlich; aber sie wußte stets einen Vorwand zu finden, um ans die Treppe hinauSzugeHeu, wenn der Miether aus dem sechsten Stecke in seine Wohnung hinausjticg. Er kam sehr regelmäßig heim enn er hatte kein Geld, um dranßen seinemVergnugen nachzulaufen. Und Ameue fand seine Art, sie zu grüßen, entzüksend. Als der Erste kam, dachte Madame Perronnet im Stillen, er würde plcllelcht die Miethe schuldig bleiben, aber nein, er erschien pünktlich und zahlte. Es war eln geradezu volttomrner Mensch. Endlsch eines Abendß sagte Pmelie, oer die Sache zu lange dauerte, zu ihrer Mutter: Liebe Mama, der Herr muß sich -doch all' die Abende in seiner Einlamkeit fürchterlich langweilen".. . . Frau Perronnct ging ein Licht auf. Sie sprach zu ihrem Gatten: Perronuet, das Herz unserer Tochter hak gesprochen!" , ,,, ,. , , , fT 1 , , StaniSlaus Menorval war anf's Höchste überrascht, als er am nächsten .Tage eine .Einladung erhielt, Mjßtx: rokinet's mit noch einigen Freuno'en" zuin Thee zu erscheinen. , Er kam, war sehr liebenswürdig, sang einige Lieder begleitete Umelie auf dem Klavier und macyte dabetd:e Bemerkung, daß dieselbe ein sehr nettes junges Mädchen sei. Frau Perrönnet glaubte ihren Ohren nicht , zu trauen : dieser ernste Mensch, dieser Arbeiter, dieser unermüdliche Forscher sätig'' schwärt der ! Er wurde in ihren Augen zu einem wahren Nomanhelden, und zärtlich blickte sie auf ihn und ihre Tochter. Herr Perrönnet konnte von seiner siren Idce nicht lassen und murmelte nur vor sich hin: WaS muß dieser Mensch für eine Constitution, haben!" Nach diesem kleinen Feste aber, so dachte er, würde der junge Mann ! sich doch etwaS , Nuye gönnen. Aber er hatte sich geirrt; in , dieser, wie in den anderen Nachtu, blieb das Fenster dlesesmnermuolichen! ArbeNrslhellZblS ?r.n' , , ? ::: iett 7 9T ''$ i i,w ,,li!!,8.;ri'"cl r? im n . Amelie aina alückselia nl Bette und i,, ,, , 'fy. V v nuM iam , i hatte wunderbar juße Traume. -f .,,. , Diesem . ersten amilicnabend, folgte bald ein , zweiter und noch andere mehr. Amelie und Stanislaus übten' Duette ein, .spielten vierhändig, einmal gingen sie sogar in die komische Oper, bei welcher Gelegenheit Stanislaus Frau Peri -i i , " il m ii '. V fnt " ' : " ' iTs '-"tl rönnet .: ein , Bouquet. Amelie, eine Dut, mit Bonbons überreichte. ' : ' Unterdessen zog Herr. Perronnet als vorsichtiger Geschäftsmann Erkundigungen über StanislanS ein. E' erfuhr, dak derselbe in seiner aeschäftliln Aufsührung ebenso tadellos war, 'stlt in seiner häuslichen, und daß ihm rlchtS fehle,

I ff 'm'y.JtMfJt

Üändkg zu machen und ein stattliches Vermögen zu erwerben. DcrZ führte den Guten naturgemäß zu dem Gedanken: Die Mitgift von Amelie ! Alle Freunde der Familie, deren tt?theil man einholte, fanden den jungen Mflnn entzückend. Man hatte sie auA von feiner nächtlichen Arbeit in Kenntnin gesetzt, aber Niemand machte in seiner Gegenwart eine Anspielttng darauf auS leicht begreiflichem Zartgefühl; man glaubte ziemlich sicher 'zu wissen, daß er für feine armen Eltern so angestrengt thätig war. Im Uebrkgen bewies er auch wirklich einen hohen Grad von Selbstlosigkeit Er hatte zu Amelie eine starke Zuneigung gesaßt. Da er aber wußte, daß sie reich war. wagte er es nicht, ihr seine Liebe zn gestehen. Amelie selbst mußte ihm daher zu Hilfe kommen. Sie merkte wohl, was in seinem Herzen vorging, und eines Abends, als sie gerade ein Lied gesungen hatten, sagte sie ganz unvermittelt zu ihm: ,, Weshalb eigentlich Heiruthen wir uns beide nicht?" : : : Er, erröthete lebhaft, erwiderte jedoch ohne Zögern, dies sei fein lebhaftester .Wunsch ; da er aber nicht mehr hätte als seine bescheidene Anstellung Diese Freimüthigkeit zusammen mit den, zärtlicheii Blicke, mit dem er Amelie in die Augeii sah, gewannen ihm vollständig das Herz des jungen Mädchens. - Die Hochzeit wurde beschlossen. Während der nun folgenden Vorbereitungen, während des EinkanfcnS der Ausstattung, ja, selbst in der Nacht vor dem Hochzeitsfeste brannte immer die , Lampe. Das ist zu viel," grollte Herr Perrönnet, jetzt hat er kein Nechr mehr, seine Gesundheit so zu untcrgraden." Nach der sehr fröhlich gefeierten Hochzcil begab ( sich das junge Paar auf die Reise und Herr Perronnct konnte nun endlich in das Zimmer seines Schwiegersohneö eindringen. Er war zwar einigermaßen überrascht, dort nur einige wenige Bücher, ein Paar verrostete Fcde n und ein cingetrocknctcs Tintenfaß zu sindcn, erklärte sich jedoch diese auffallende Thatsache damit, daß Herr Menorval wohl nur mit dem Kopfe" gearbeitet habe. Dann ergrisj er mit einer Art von Respect it wunderbare Lampe und trug sie vorsichtig hinab in dasjenige Zimmer der zukünftigen Wohnung 1e Kinder, das er zur Studierstnbe" bestimmt hattet , Dann wartete er ungeduldig aus du

Rückkehr seiner Kinder. - Sie kamen endlich wieder, ltraylcnd vor Glück. Sie ein bischen müde von der Reise, er frisch wie immer. Nach einem vergnügten! Abende im Kreise der Familie, zog das junge Paar sich zurück. Stanislaus fragte nach seiner Lampe. Was." rief der Vater entrüstet aus, Du willst doch nicht schon wieder arbekten?" Arbeiten ?"jerwiderte Stanislaus inst dem Ausdrucke grenzenlosen Staunens. Ja, wie kommst Du auf diesen Gcdanken? Nun, daS ist doch naheliegend genug weil Du wieder nach Deiner Arbeitslampe fragst!" Nach meiner Arbcitslampe?" Ueber das Gesicht des jungen Ehemannes glitt ein Schimmer des aufkeimenden Verständnisses. Er begann fürchterlich zu lachen. Aber das ist ja gar keine Arbeitslampe sagte er endlich, sondern eine ganz gewöhnliche Lampe." Eine ganz gewöhnliche Lampe?" Nun ja, nenne sie meinetwegen eine Nachtlampe, denn als solche hat sie mir gedient. Ich kann nämlich im Dunkeln nicht schlafen. Und dann," fuhr er fort, hat eine solche Lampe, die Nachts über brennt, nicht zu unterschätzende VorZüge." Papa Perronnet stieß einen grunzen den Laut aus, der etwa wie eine Frage gelten konnte. Ja, gewiß," erwiderte sein Schwiegersohn. Einmal ist man sicher vor etwaigen Spitzbuben und Einbrechern und zweitens kommt man bei seinen Nachbarn in einen guten Ruf. Sie hakten einen für einen fleißigen Menschen, der die Nächte über studirt und Gott weiß, welche schwierigen Arbeiten ausführt, indeß man ruhig in seinem Bette liegt und den Schlaf deS Gerechten schläft." ta m Ein Bienen freundn G., so schreibt man dem Koburger Tgbl.", trug zufällig an seinen Kleidern eine Biene , heim, zu Hause , fetzte er , sie ,"üu den Tisch und bewirthete sie mit einem Tropfen Honig. Die Äien Zieß' sich' den Honigschmecken und flog dann fort: Nach eini? Viertelstunde aber kam sie wieder und brachte noch eine Freuirdin" mit; Beide wurden wieder gehörig bewirthet,. die Gäste sprachen der süßen Gabe tapfer zu und verschwanden dann. Nach einer weiteren Viertelstunde kam abermals ein Besuch, aberjetzt von sechs Bienen, und dann immer mehr. Der Bienen freund hatte längere Zeit seine (v . . ... v r. . r tt irr r i tfreuoe an oiqcT icueiien jciuiojcaair, denn es waren ja ohne Zweifel seine Arbeiterinnen ; , schließlich, wurde ihm die Sache aber doch zu bunt, denn nach und nach hätte er den aanzen Schwärm bekommen, und er verschloß das Fenster, das dann noch lange , von den Bienen belagert wnrde. ergibt sich aus dieser , Geschichte ein weiterer Beweis für zwei den Naturforschern bekannte Thatfachen: für den Ortssinn der Bienen und für ihr Mittheilungsvermogen. , Ei n b e, k a n n t e r ,,, N om a nschriftstellcr war jüngst so ernstlich erkrankt,chaß eine Särterrn für ihn genommcn werden mußte. ' Um Mitternacht kam seine Frau in das Krankenzimmer und fand die Wärterin , lesend. .Wer hat ihr das Bück aeaeben?" fraat sie. Ich selbst, meine Liebe-, erwidert der Kranke. Es ist mein letztes Werk." Ja. um GotteSwilleu!" ruft entsetzt die Hausfrau: i,Wie unvorsichtig ! Du weißt doch, es, ist unbedingt noth: wendig, daß sie wach bleibt!" " z,.MIE uttauscht. Herr ; (der bei strömenden Regen eine ihm unbekannte Dame unter seinem Schirm nach Hause geleitet): Wann werde ich das Vergnugen yaren, 'gnädiges Fraulem wiederzuzeyen" Dame: .Am nächsten Ne gentage, mein Herr'.-

Unser gröunv, d er Schlaf

..i' Ton Smll Maxriot. Als Kind sagte ich einmal zu meiner Mutter: Es wäre doch viel besser, man brauchte gar nicht zu schlafen." Es war dies eine Aeußerung eines phantasievollen und lebhaften Kindes, dem der Tag für das, was es sagen und unternehmen, mochte, immer zu kurz wird. Fast jeden Abend that es mir leio, meine köstlichen Spiele, an welchen meine Einbildungskraft und Erfindungsgabe den Löwenantheil hatten, des dummen Zubettgehens halber unterbrechen zu müsieN. Weit schöner und weiser eingerichtet wäre es mir erschienen, wenn wan Tag und Nacht hätte spielen dürfen, anstatt einen großen Theil des so werthvollen Daseins dem Moloch Schlaf opfern zu müssen. Damals hatte ich eben Schopenhauer noch nicht gelesen ' ich war beiläufig s!chS Jahre alt hatte auch keine Ahnung davon, daß im Lcbeu Zeitpeiloden eintreten können, wo man sich Abends mit dem tröst- und nutzlosen Gedanken niederlegt, am Morgen nicht wieder aufzuwachen ; wo man den jungen Tag mit einer Verwünschung begrüßt und ihn wie die folgenden Tage am liebsten in lauter Nächte verkehren möchte, um schlafen zu können und nichts mehr zu wissen von all' dem Leide, das uns die Tageszeit schon gebracht hat und noch bringen kann, wohl auch bringen wird. Nein, damals wußte ich nichts von alledcm. Ein paar Jahre später die Schulzeit mit ihren uns Großen gering scheinenden das Kind jedoch ost schmerzhaft drückenden Sorgen war gekommen hatte ich über Tag und Nacht schon anders denken gelernt. Und seitdem ist vS mir niemals, mehr widerfahren, den Tag auf Kosten der Nacht zu loben. Wenn jemals ich mir einfallen ließ, die Nacht zu verketzern, so war es, weil sie mir das, was von ihr zn empfangen ich gewohnt bin, vorenthielt, weil ich, aus Krankheit oder einer anderen Ursache,- keinen Schlaf sinken konnte. Die Nächte hingegen, welche das waren, was Nächte sein "sollen, und die mir zu einem erquickenden Schlase verhalfen, habe ich immer geliebt und hoch in Ehren gehalten. Der Schlaf ist oft der beste, ja nicht selten der einzige Freund, welcher uns bleibt, oder doch der einzige, der uns wirklich hclftn kann. WasTrosteswortc, Liebkosungen, mitfühlende Thränen, was Ermahnungen, Vernunftgründ oder Selbstöorwürse, welche gegen die eigene Schwäche eifern, nicht vermögen, gelingt dem Schlafe, der uns mit sanften Armen umfängt unb uns Allem, was uns quält A i. .fi a I - - r . uno anzligij wenigiiens aus ?inc inr Spanne Zeit entrückt. ,Löar oer, Tag recht schwer und heiß, hast Du Hofsnunqen bearabett, izt einer lener Schlage atts Dein Haupt gefallen, mit welchen daS Schicksal uns arme Menschen zu Boden schmettern; ist daö wonach Du Dich gesehnt hast, ausgeblieben und sind Dinge eingetreten, welche Deine schönsten Plane zu chznden machen: lajz es gut teln, der schlimme Taa oeht vorüber, die Nacht mit ihrem milden Dnnkel bricht herein, der Lärm deS Tages verklingt, , v t - r t jnu wlro es um ajiq) yer, inner rouo es auch in Dir, und, von Niemandem gesehen voll Niemandem gehört, magst Du in Deinen Kissen weinen, bis Deine schmerzenden Angen sich schließen und Dein treuer Freund, der Schlaf, Dich in fricsvolle.3 Vergessen wiegt. Das Leben wäre nicht zu ertragen, wenn selbst : . , 5 . r x ' i . t t : & wenn unsere pymlzcye carur oen cyias entbehren könnte wir diesen wundcrihätigen Frennd nicht kennten; wenn uirsere Gedanken und Gefühle, wenn Alles, was uns beschäftigt, hetzt, , an.,1;. m . 1 In ! ' . ,tt treibt, freut ooer pemlgt, , niemals zur Nühe käme. Nicht umsonst ist dem Menschen der Schlaf gewissermaßen l)tu lig. Wir scheuen unswett mehr davor, einen Schlafenden zu wecken, um ihm eine schlimme Knttde zu bringen, als wir thaten, wenn wir den schlafenden wachend angetroffen hätten. Lassen wir ihn ruhen, wecken wir, ihn nicht, sprechen wir mitleidvoll: Er wird es immer noch früh genug erfahren. Wir treten leise auf, wir dämpfen den Klang unserer Stimmen, wir bemühen uns ängstlich, jedes Geräusch, zu verhüten, wenn ein schlafender Mensch in unserer Nähe ist.' Und haben wir ungeschickter Mise und gegen unsere, Absicht einen Larm verursacht, der ihn jählings aus dem Schlafe reiß t, w i e e h r l i eh er fchre cke n w i r a n n als 06 wir eine Missethat begangen hätten. Ost ist es auch nicht viel weniger als eine Missethat. Das jähe Erwachen ist Vielen bitter. Laßt die Schlafenden schlasen !, und ' weckt ' sie ; nur dann, wenn ihr es thun müßt? Wer .1, weiß, , was Alles sie im Schlafe vergessen wollen Und vergessen. Störksie Uichr! ' ? Interessant ist ,s, l die Miene , eines eben erwachenden zu beobachten.. In solHen Angenblicken vermag anch der cri -r . n. fjci hr. ... Iiari(c uuy 4c;cüiiuchic jutyi, zu beherrschen oder sogar zu verstellen. Drückt rh n 1 schweres jLeid,z so wird dies sich allsogleich in seinem Gesichte auöprägen. Der Gedanke an sein Leid ist immer derl erste, welcher dem Unglücklichen beim Erwachen vor die Scele tritt. Ans seinen ba ngen Seu szern, sei n em trüben Blicke, 'aus der Art, wie er sich, widerstrebend und widerwillig,, in die Höhe richtet, " wirst Du erkennen, was ihm das Erwachen bedeutet: Wie ganz anders hingegen, erwachen glückliche oder Koch zufriedene Menschen! Sie lächeln Dich an. ihr Blick ist hell uild im Nu haben sie den Nest vou'Schlaftrunkenheit abgeschüttelt... . sie lieben ja das Leben und freucu sich, daß sie es noch ihr Eigen nennen. """"" " I Doppelt geheiligt muß uns der Schlaj sein; nicht blos darum, weil er dem Menschen fuße Ruhe spendet, sondern auch der Wehrlosigkeit halber, in welche er uns versetzt. Einem Schläfer ein Mds zufügen daS 'vermag uur ein verruchter und feiacr Bösewicht. Selbst dem Mord:r Macbeth graut davor, im Schlafe zu morden, und oa er eS dennoch thut. daS naat an seiner Seele. Othello küßt sein Opfer wach er will es nicht rm Schlafe würgen. Der iergheit, einen Schlafenden zu berauben, zu verletzen oder zu ermorden, kommt keine andere aleich. Jedes Kind, selbst daS kleinste und schwächste, kann sich in seiner Weise zur Wehre setzen ; eö kann durch lein Geschrei Helfe herbeipifen. es kann

seinen Peiniger rühren durch seinen klSgF lichen Blick und sein jammervolles Wei' nen. Der schlafende Mensch ist jedoch vollkommen schuh- und wehrlos. Wehe Demjenigen, welcher sich an einem völlig Wehrlosen vergreift. Wenn, je ein Frevel keine Gnade und kein Erbarmm verdient, so ist es dieser ! Aber auch der Schlaf, dieser bewährte Freund, wird uns manchmal untreu. Nicht nur physische, auch seelische Krankheiten vermögen, daß er uns mitleidlos im Stich läßt. Bange Erwartung. Sorge, Unruhe und Neue, aber auch Freude, sind die Gegner, welchen er bereitmillig das Feld zu räumen pflegt. Hält eine große Freude uns wach in Gottes Namen! Da verlohnt es sich wohl, den Schlaf einige Nächte zu entöehren. Diese Schlaflosigkeit wird uns auch nicht beschwerlich fallen. Schier unerträglich aber ist es. wenn schwere Sorge oder bittere, fruchtlose Neue über Dinge, dre wir gethan oder anch nicht gethan haben, (das, was wir zu thun verabsäumten, q'uält uns ost am scharfsten) wenn also diese bösen Geister den Schlas von unserem Lager scheuchen. Das, was uns wachhält, die Sorge, die 9!eue ist's, woran wir denken müssen, so lange unsere Schlaflosigkeit anhält; ununterbrochen, mit grausamer Beharrlichkeit nagen Sorge und Neue an unserem Hirn und Herzen, es gibt keinen Wafsenstillstand, es gibt keine Pause, sie lassen uns nicht los, wachsen im Dunkel und der Stille der Nacht an zu riesengroßen Gestalten und schwanken, gleich boshaften Geschlechtern, hohnend und beängstiaend, vor uns hin und her. Da freilich sehnen wir den Tag herbei, aber auch nur dann. Der unglückliche Mensch fühlt sich sonst niemals unglücklicher, als im

Augenblick des Erwachens. Die schwersten Leiden, wenn einmal eingetreten, wenn unabänderlich und nicht wieder gut zu machen, wie der Tod eines geliebten Menschen, plötzliche Brotlosigkcit, eine 'für immer entschwundene Hossnung oder eine jener Enttäuschungen, von welchen ein edles Herz sich niemals wieder ganz erholt, mit einem Wort, alle jene Kümmernisse, die nichts auf dieser Erde mehr von uns nehmen kann, die sind gewöhnlich keine Feinde des wohlthätigen, erlösenden Schlafes. Wir fürchten ja nichts mehr, wir sorgen uns nicht mehr, Unruhe, letztes schwaches Hoffen und Kämpfe aller Art sind verstummt. DasSchlimmste ist eingetreten, es ist nicht mehr zu ändern und wir müssen uns, so gut wir eS eben vermögen, darein ergeben. Unser Herz gleicht einem Schlachtfeld?, auf welchem nur die Todten liegen geblieben sind, und die machen bekanntlich keinen Lärm. Die Schlacht war heiß, der Kampf ein verzweifelter wie viele schlaflose, jammervolle Nächte haben Schlacht und Kampf uns gebracht! nun ist's vorbei, Erschöpfung ist eingetreten, wir fallen hin auf unser Lager, in dumpfen Schmerz und trostlosem Weh ; und siehe da ! leise, leise naht der alte Freund, legt die Hand auf unsere fiebernde &ttnt, aus unsere verwach ten, rothgeroemten Augen, und die Gedanken schweigen, das Herz hört aus zu bluten die Natur fordert ihr unabweisbareS, Necht, wir können wieder schlafen. Lieb Mutter ist todt," sagte r w ' 5 V emmai em rrelncs -vcaocyen zu mrr. Solane sie krank laa und litt und mich brauchte, saß ich bei ihr und dachte nicht an Schlaf. Nun aber will ich wieder schlafen. . . .vielleicht besucht lieb Mutter mich im Traum." Armes Kind ? Du bist nicht die Einzige, die nn verlorenes Glück im Traume wiederfinden will. Aber auch wenn Deine Mutter Dir nicht erschienen ist, so hat öle Mutterliebe dennoch im Tode noch segensreich für das verwaiste Kind gewirkt. Das Kind hat, gehoben durch den Gedanken, das? die Mutter im Traume zu ihm kommen könnte, de lang entehrten schlaf wiedergewonnen. Und das ist das Beste, was uns nach schwerem Leide werden kann. Aber auch in gewöhnlichen Lebenslagen zeigt sich der Schlaf als wahrer Nettungöengel Die Tage sind mit' unter, wenn auch.nlcht traurig oder sturmbewegtj so doch recht ode und reizlos. Nichts geht uns von der Hand, wir vertrödeln den Tag und finden jede Beschäftigung abgeschmackt. Wie erlöst suhlt man sich, wenn solch cm Tag vorüber ist und wir schlafen gehen können! Und wie gut schläst es sich aber erst nach einem nutzlich verbrachten Tage, wie befriedigt begibt der Mensch sich zur Ruhe, wenn er sich bewußt ist, etwas geleistet, die Tagesstunden nutzbringend angewcndct, seine Pflicht erfüllt zu haben. Auch wenn wir uns gefreut, wenn wir, in Angenehmer, uns sympathischer Gesellschaft, unsern Geist und unser Gemüth erquickt und befruchtet haben und wir 1:. r.i y . m.i. r UNS in heilerer llinmuna zu clle.tes "V ' r -' - -i :' qen, wie wohl thut eS dann, vor dem Einfchlafen Alles, waS uns fröhlich ... k ,! :;' '.!' f.. j ' macyte, nocy einmal ourcyzuvenlen ; wie leicht und,! friedlich schlafen wir dann am Ende ein. , Und gar erst nach ausgestandener Langeweile!,, Wer, wäre nicht manchmal gezwungen gewesen, den Abend in einem ihm nicht zusagenden Kreise zu vergähnen? DaS heit, gähnen darf man ja nicht, man muß dieses Bcdürfniß so viel wie möglich zu 'unterdrücken suchen, die gute Sitte erfordert das.. Wie festaenaaelt sitzt man' auf seinem Stuhle, wird bleich und bleicher nnd z. .Xi frM st,....'Ir:. . j.t.st"jt:f:H.l Nlmmr leyen zmgemma niicn uiuu, Wasser oder Wein zu sich, um das lästige Gähnen zu bemänteln. Gebieterisch orückt der Schlaf auf die Augenlider, man wird von Minute zu Minute ieusilbiger und wenn man endlich einmal wieder etwas sagt, ' klingt , die Stimme umflort im k ganzen Körper ' verspürt man Unbehagen und der Geist ü nimmt Zusehends ab. WieHerwünscht man da ,..!.7.Hi.ik , :v 1" , ff Sr '"t Wf't ' ' I. f l' - "" " im Silllcn die Anderen, welche keine Miene machen, ' aufzubrechen und deren Aufbruch inan, aus welchen. Gründen, immer, geduldig abwarten nuß .... EinemGefoltcrlen",denktman, konnte auch nicht viel schlimmer zu Muthe sein, als mir in dieser Stunde". Und dennoch ein süßer Trost ist uns ; geblieben : diese Unterhaltung" .muß ein Ende nehmen, der Moment des Abschieds und der Erlösung kann nicht ausbleiben. Und dann o.Freude uur schnell nach Hause, nur hurtig hinein inS Bett, wo der seufzte Freund unser bereits hartt Im Handumdrehen, wie man fagt ist

"g; j

Alles vergessen Langeweile, Gähn kramxf, Erschlaffung der Glieder nn des Geistes wir sind gerettet, wir sind im Hafen, wir schlafen, und somit ist Alles wieder gut. Manchmal denke ich, daß die verheißenen Himmelsfrcudcn vielleicht in nichts Anderem bestehen, als in unterbrochen nem. friedlichen, von seligen Träumen durchwobenen Schlafe und die Strafen der Hölle in ewiger Schlaflosigkeit. Wenigstens wüßte ich kaum etwas zu ersinnen, waS andauerndere Glückseligkeit verheiße als dieser Lohn oder mir schreck, licher erschiene, als diese Pein. Der Hel: des Llitter Gerstenvrsnd. In der Nähe der Wipplingerstraße in Wien lebte einmal ein Herr, den wir nur Peter nennen wollen. Er heißt eigentlich anders, aber ans Rücksicht für seine unbescholtene Familie wählen wir dies Pseudonym. Dieser Peter ist nämlich reich daS ist gut, er ist ferner pafsionirter Sammler das ist anch gut, aber er versteht von einschlägigen Dingen gar nichts und das ist bös, sclbsiverständlich blos, für ihn. denn für die An-tiquitätcn-und Waffenhändler ist das wieder recht gut, denn unser Peter der alle Wochen seine geschlagenen dritthalb Meterzentner Antiken kauft ist die idealste Würzen". Nun hat ihn zwar der Schaden schon ein klein wenig klug gemacht und er ist nicht mehr so naiv, .sich Abnormitäten wie etwa, die Tabakspfeife Karl des Kühnen" ' oder einen Phonographcu aus dem Einauecento anhängen zn lasse, denn er hat durch Selbststudien die mangelhafte Vorbildung korrigirt und solche Scynitzer, wie sie ihm einst passirten, stoßen lhm nun nicht mehr zu. Nur mit den alten Wafsen, ' für welche er besondere Vorliebe hat und von denen er just so viel versteht, wie etwa ein Mops vom Maschinennahen, geschieht ihm hie und da etwas Menschliches, tr federn er ohne seinen Demin", eine Art Sammlervademecum, nicht auf die Straße geht und ihm die komplizirtesten Fächausdrücke, wie etwa Morion". Glqe, Mordärrli" :c, so geläufig sind, wie einem andern Menschenkind das .Guten Morgcn". Und doch widerfuhr ihm gerade mit solch' einem Marion d. i. einer wälschen Schützenhaube am 9. November ein Malheur, da?, komisch zu nennen wäre, wenn eS unser Herr Peier nicht so tragisch ausfassen würde. Der gute Mann, hatte nämlich in einem von dem Schwarzenbergplatz kaum einen Kilometer entfernten Waffeittrödelladen einen herrlich ziselirten, tausch ten, guillochirten, grkvirtcn und weiß Gott wie noch sonst verzierten Morkon ausczestöbert, der just so aussah, wie der in seinem Demin" ans Seite X ?) B beschriebene Helm. .15 Zeug war rostig, daß cS ein? Freude war, das Futter sah sehr suspekt aus und ,wildetc", daß es eine Art i,akte, von den Wangenkkappen fehlte tt ergo ein weiteres Zeichen von Unverfalfchtheit, und waS das Schönste war, auf dem Helmrand war eine, freilich rostbenngte, über immerhin durch das Schaufenster schon bemerkbare Devise in gothischen Majuskeln eingcäfet. Den Morion muß ich haben," spricht Peter zu sich selbst, tritt dann in den Laden ein, fragt a!S geriebener Sammler zuerst nach allem Möglichen, bis er endlich wie durch Zufall auf den unscheinbaren Eifentopf geräth, sein Herz klopft ihm hörbar, sieht er doch, daß er wirklich'einen heral-. bischen Schatz in seinen Hänben hält, denn jetzt gelingt es seinem geübten Auge, die ersten Worte der Helmumsrist zu entziffern und ein schongezelchnetcS Wappen zu entdecken. WaS kost' denn der Schmorn?" warf er leichthin. 3 Gulden war die Antwort. Peter stutzt, hatte der Trödler doch eine wenn auch nur geringe Ahnung von dem Werthe des Blechungethüms? $nit ist daS Zeugs noch immer spottbillig, er bietet also Zuerst 20, dann 30, dann 40, ja sogar 50 fi., aber der Tandlcr bleibt starr wie einst die Granitkolonne bei Marengo und so ist denn der Alterthümler zu Tode sroh, wie er schließlich netto 2 fi. 50 kr. von deu 5 fl. abhandeln kann. Kurios! Wie er ttus dem Laden herausstürzt, gewahrt er eine gan;e Abtheilung gmer, Freunde? Weiß der Himmel, denkt er sich, was die gottlose Bande hierhergeführt hat und. wie gotteslästerlich die Kerle lachen. Hahaha wer zuleh.t lacht, lacht am besten. Die Freunde lachen immer noch, so daß Vttcr schließlich' wild wird, wie ein vom Töreador yerei; ter Kampfstier und sich nach dem Grund der Heiterkeit seiner Herren Bekannten erkundigt. .Wir lachen nur. weil Tu Dich gewiß wieder hast gehörig üöer'S Ohr hauen lassen." Jm Gegentheil, . Ihr werdet scij: was' der alte Peter für. ein chlaumener, ist. Kommt nur zu mir, ds werdet Ihr über meine neue Acqnifttion , Augen machen, so groß wie Kaffee: Untertassen. Die Freunde kamen zur Besichtigung deS berühmten , Helmes, ex ihnen ,,; lrium phirend gezeigt wurde und dessen Devise Herr Peter mit Pathos vorlas : Mich trueg durch manich fremdes- Land ,Mn Herr, der Haubnnanu Gerrften- ' :. , brand, DeS heiligen romischen Reiches Siltter MeÄBoÄejerp,aÄA ' ' it '! Pf ' '"' " ' rief es im Ehor. Uub wer eS glaubt der zahlt zwölf cwr i i i : WktMestM Schweigen eine wohlthatige Ohmuacht umfing Peter, aber feine Freunds, die von Ver Geschichte mehr wissen mochten, U jener ahnte, sollen eine Stunde spater sehr sidel gewesen und gewaltig auxgchaut" haben. Das Geld soll aus dem Erlös des Marions gestammt haben, den sie sel! in den Tndlerladcn -praklicirt hatten. ' l.N. Wiener Tazebl) 1 -" 'li1 " ' " :iä;ö !r'i: Au 4' 1' il 1 Herr Prinzipal, 45 Mark Gehalt prs Monat ist doch zu wenig. Zu wenig, ich habe Ihnen ' übn boc , feiert ; üoriu!!;;ge?fagt daß einer meiner srüheren Buchhalter in dieser Stellung eine alte reiche Tante be erbt hat. ' ' ' r.,' ',. .to'iMi''"'-. ' i.,-. '' . .M tz.V.r..,el.eg l a ub e n. sie seien lrz.

als ein Anlagekapital, um lelvlt ?f':;---VV-'l'wl

if'fiiÄ l k . .i,;r,,:.-.i f. ' mmim '; iin.ii!.!:;- 's-...