Indiana Tribüne, Volume 13, Number 74, Indianapolis, Marion County, 1 December 1889 — Page 6

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VlristokratiZÄe Heiratyen von Künstlerinnen. , Wir wollen mit der unvergeßlichen Rochier einer unvergeßlichen Mutter be'ginnen. Fru Amalie Haitzinger, die ' fvättre classische komische Alte" des Wener HöZdnratheaters. hatte 1837 die gehabt, ihre Tochter erster Ehe. die geniale .Luise Neumsnn, den, Brettern zuführe zu können. Zwanzig Jahre lang war dann diese Letztere, eine zweite . Charlette von Hagn ihrer Tsientrichtunz undEndlMuaUtät'nsch, dös vergöttette 'schelmische Wrzie..der. Hofburg. Ber thölWueDach, Welcher es zwar der Zzr ,5Örj ,tptytin . niemals verzeihen konnte, 'daß sie ohne sdne Erlaubniß seine Frau Professonn" für d!e Bühne zurechtgej chnitten zchych der dramatischen Lerkörz?eruttg feines ?iWe, als einer sttnerWblinZ's schöpsüngcn stets das regste Interesse entJegentrug, bezeichnete einmal isttii Schreidcr dieser Zeilen unier Kohl Püszzg Lorle'S, die ex kenne, Luise '"Neutt:aN IS die vollendetste iciib tost Uichste. Und es schien dem Wiener Publikum noch immer viel zu früh, als diese liebenswürdige Künstlerin sich von der Liebe dem Theater entführen ließ: sie reichte 1S58 dem damaligen Rittmeister Grasen 5arl Schönseld Herz und Hand, und hat an dessen Seite in verjchiedenen, auch recht obscuren und langeiligen österreichischen Garnisonsstädten durch zusühlen Gelegenheit gehabt, nias .bas Weib dem Manne seiner Wabk zu cpscrn, was es sür ihn dahinzugeben vermag in diesem Falle eine der glänHendsten Bühnen-Enstenzen, die unser Jahrhundert aekannt.bat. Eine solche Entsagung brauchte ein -anderer Stern des Hofburgtheatcrs nicht -zu üben; Charlotte Wolter verlor im '-vorigen Jahre ihren Gatten, den belgischen Grafen Carl O'Sullioan de Graß, -durch den Tod. Er. war als Attach seines Vaters, des damaligen belgischen 'Gesandten sür Wien, in den fünfziger .Jahren nach der Kaiserstadt gekommen mnd dort auch nach der Abberufung des lim Grasen, und nachdem er für seine Werlon aus dem divlomatiscben Dienst geschieden, wohnen geblieben. Seine Beziehungen zu der tragischen Muse" , der Hofburg waren seit Langem allbettännk:' Abet erst als beim hundertjäh--,, riaen Jubiläum des acnannten kaiserllchen Kunstinstikuts Frau Wolter mit dem goldenen Verdienstkreuz mit der Krone decorirt werden sollte und deshalb " ' mit muuiuc ivuijfc i vt lyiuü -cty nenstand an sie erging, erstattete das gräfliche Paar die nachträgliche Anzeige seiner Vermähluna. Auch die Gräfm - f . 't er . ! t..i- ..-.2- - vuutvuii yuuc nie uuijc;juu, vic je feierte darstellende Künstlerin zu sein, mnd als der Graf starb, war es ein letzter Beweis seiner Liebe und Verebruna ... -r ' ? o uc sie, uuy Kl vxi Kinain jtuica uuci)uz lichen Vermögens Zestamentarisch den Wunsch anöfxrach, sie möge auch nach seinem Tode der Bühne treu bleiben. Der Edle sprach damit ja nur den eigenen Herzenswunsch der Gattin aus. " Weiter ist Friederike Goßmann zu -nennen, die kleine Grille", die im kleinen Finger mehr Genie hatte, als manch eine emporge'chraubte Aühnengröße in ihrem ganzen Sein und Wesen. In den Tagen des Goßmann-Enthusiasmus" war es, daß der Schreiber dieser Zeilen einmal ein (Äcsvracd Katte mit der kleis W f2-L k.:.s nen großen unitterm. orcyre neu um ein lebenslängliches Engagement, das ihr angeboten worden, sie aber : rrrif in srtf Ant T1FirÄTftttftr s5rrtrtrtrt VfrMfct VVV V W Ment müsse sich Darsteller und Publimm IslnaiDfilifi erden, wie sie denke. daß man na) in oer Vjge langwellig werde. Wir dachten bei dieser harmlos mädchenhaften Bemerkung an Jean Pauls weise Sentenz: Jeder Jüngling hat eine Zeit, wo er kein Amt, und jedes Mädchen eine, wo sie keinen Mann neh- . vnr . ii.n 1.- t t cur. t ' " r mcn roiu, aoer uiecueu uuücixi jiu; uuu oft nehmen sie Beide einander dazu." Also ist's auch der Münchener Professorstocher, die eine der berühmtesten und gefeiertsten Künstlerinnen geworden, err r r r tt n c gangen: t yar uta jcioit uno gern zu gen gestraft, indem sie das beste lebenslanaliche Enaaqement anaenommen hat, , das ein Weib annehmen kann, d. h. sie ist eine der glücklichsten Gattinnen und Mütter geworden. , Ihr Erwählter war Graf Anton Prokesch von Osten, der AltesreSohn des bekannten osterreichi- , , schen Staatsmannes und Gelehrten, der . : m . IM. 's JTl. M öelonvers als raizerilazer mernuntlus bei der hohen Pforte eine wichtige politische Rolle zu spielen hatte. Aus ihrem von allen freundlichen Genien des LebenS iimhfsraefcten Dabeim in (5Z munden. w: r yr jrrrx " n r.. . rr r. . !ZHi, )ray ooer vien ii rau ?ogs mann nur noch dann und wann wieder herausgetreten, wenn eS eine Wohlthutigkeitsoorstellung in aristokratischen Nebhabertheatern galt. Sie hat in dieser Hinsicht sich in dev Wiener Gesellschast ähnlich gerirt und hervorgethan i5. ?-.-. mk.tt.,zc. n , TülZ . UlC lUi l(U iUiUHMUUy, UH Illil : p Will. 'i.uikut - i,vi.vyvM ,u, t-ttiv And zetzt ist die kleine Grille eine Her Eottbegnadeten, die man sich eigentlich gar nicht gealtert vorstellen kann auch schon mehrere Jahre glückliche Großmutter von ein paar reizenden Grasenkindern, denn die Tochter haben naürlich wieder in den Stand hineingehe!rathet, dem der Vater Von 3ebuzt 4naehoct und welchem auch die Mutter i' V.- ' , - . .- f 1 f ' Y. . wV Kl,. "hiCii 4U1( UHk ... "---7J--7" ' Eigenschaften so viel Ehre gemacht hat. Von einem unseren Gesichtskreise ent , chwündeüen , Sterne müssen wir nun , iit' rTT . iirrrPTT TnpnmiTmrn sprechen, lntonie anizcy, vie lempe, :, T.m : ,i'-rj-' ,.-.. M:.jik-- .-'l'i''., f 4 .. .1 ''C "' CYH 'T""? : "i tuinurtwui. vkimnHHj wv jvttf.....i V ViVAt Vt. r A?ftt Vtt At .r 1 1 m nTirnfTTrnir iir imi i nnnu?' JPiUltlC UU -CUiit, uik ,ui vvvm vm ''. neiße Äoft von seltenstem Duste war , schien sie nicht ein Kind des Glücks, X.::tieharm. um lücklicü :u lein und u be- . !,Tl v T " T ----- Vj''",1 f f ' ; '.ii,. .i. ff .. r. ' . o '.UiaCli VilCl C C4l tU II Vfc -"Ä,ruJlMZSNü!yr-, wie es vei .eine ! f i ii - !' . Z r .r r.r... H?ihl . .'IC .svJitit.i4;tVVVV.v, j btie,, die Glückocrwohnte, hat es mit ihrer Z.?ubermacht schließlich auch' dem unMelmlichm Geist des Unglücks angethan, , "r. . 5 ,,1 ?:,?,K I f jl ht!t' Vv l , srt.iV. H)ritAl .'.VlTtriHv fAttl

Amerika jagte sie das Mißgeschick, spa- Freisrauen" sind durch Hcirathen gk- , ter kebrte sie nach Wien wieder, wo sie worden: Wilhelmine Birch die Tochter jetzt zurü.k -ke-,oen lebt. ,! Ihre Ehe mit der Frau Eharlotte sie' hat als sietzt

jlt j VtlUb-t .( einem Sprossen des begüterten GrasenaeschleÄks Derer von Arco - Ballen zollte ' i, . ' ä r . nur von kurzer Dauer sein irren wir

nicht, so erfolgte schon nach zwei Jahren die Scheidung und wenn sie dann aiii auf die Bretter zurückkehrte und lWaf,S- ,.. . -,.i-.4i ;i::vi'.::;

noch ; geraume Zeit der eigenthümliche Nimbus, den sie anstrahlte, ihr treu blieb, so hielt das Mlück doch nicht mehr lange bei ihr au. Ihr romantischer Sinn, ihre unvernünftige Herzeusette und Opferwilligkeit erhöhte die Schwierigkcit ihrer Luge. Wenden roir uns einem heitereren Bil oe zu, dessen Hauptfigur Luise Erhmkt ist, die ehemalige tragische Heldtt: und Liebhaberin des berliner toniglichen Schauspielhauses. Die schöne, durch ihre vornehme Haltung auch im Astect 1 , . ' . p- .. ...

aeworden ilt Karl von de? Goltzlder seine militärische Carriere ufgab, als er das Weib seiner Wahl heimführte. Die Ehe wurde 1803 in England geschlossen und mit einem Stammhalter gesegnet. In der Bühnenweit blieb aber nach wie vor die eiufnch bürgerliche Frau Erbardt thätig, und erst als sie nach einer Reihe von Jahren i den Pensions stand trat, erschien die Gra sin von der Goltz als solche nun auch ixt Gesellschaft. Der Gemahl hatte gleich. zeitig feine soldatische Lausbahn wieder aufgenommen, und er ist zum Major aoancirt, dessen jüngster GarnisonSort Gotha war. Ob die Frau Majorin" wohl manchmal noch an die Frau Ma form" zurückdenkt, welche sie 1L70n,ährend des Krieges in einer so betitelten vatriotischen Soloscene von Karl Heigcl darstellte, und mit der sie in jenen Tgen der allgemein gehobenen Stiminnng eben so aufrichtigen Jubel als tiefstes Mitc: fühl weckte? Daß eine Ballerina der Berliner Hof- ' r t ' -l . r oper eine yoHarisiotraukcye eirary ist in unserem oben angezogenen srüheren Artikel die Rede gewesen ; hier abe? ist nun zu erwähnen, daß unsere tresfliche und bildschöne Solo-Tän;erin Katharina Friedbcrg 1SS4 die Gattin dcS Grafen Joseph August Wcstphalen zu Fürstenberg wurde, durch welchen Schritt sie. wie leicht zu denken, für die Kunst verloren ging. Die Westphalen sind ein reichbegütertes rheinländischeS Geschlecht, daS seine Abkunst auf das nralte Herzogshaus Billung zurückführt. Ein ganz eigener Zufall will, daß drei Sängerinnen mit dem Namen Jäger, die, wenn wir anders uns nichts irren, miteinander nicht verwandt waren, hocharistokratische Ehebündnisse gesch!gssen haben. Nicht nur die Gattin des in der Presse noch fortwährend als SensaliollSfigur eine Rolle spielenden Fürsten Joseph Maria Sulkowski ist die geborene Jda Jäger denselben Familiennamen trug und denselben künstlerischen Berns hatte von Haus auS erzriffeu jene Wittwe eines Grafen Henckcl von Do.i nersmarck, welche als alte Da:ne voriges Jahr in Stuttgart starb, wo die Erinnerung an sie und ihre Bühnenvcrgangenheit durch die Kunde ihres Toöcs nochmals ausgesrischt wurde. Clementine Günther, die jüngere Schwester der verstorbenen tresflichen Frau Eünther-Bachmann in Leipzig und in ihrer ersten Jugend selbst auch dem Theater angehorig, ist Gräsin Flcmming geworden, die Gemahlin des Grasen Edmnnd auf Krossen in der Provinz alionl mit Prinz 2rolesitt0lZchqray Sachsen, jüngeren Bruders des t,mg sährigcn preußischen Gesandten in Karlsruhe. Grasen Albert Flcmrning. Der Vater. der Beiden war Chef-Präsident der Regierung zu Erfurt, die Mutker ?ine Nichte des StaatskanzlcrS Fürsten hardenberg. Graf Esmnnd gehörte mehrere Sessionen dem deutschen Rcichsi tag an, legte dann aber sein Mandat freiwillig nieder. Die bekannte Ssnbrette Laura Schubert ist Gemahlin eines böhmischen Grafen Bnbua. Marie Verg, die Heldenmutter der Meininger, Gemahlin eines kärntner Grafen Christaleigg. Und so wären wohl noch eiaige Andere zu nennen wir schließen diese "Reihe der Gräsinnen mit Johanna Luska, dtt gegenwartigen Frau des bekannten .Waaner-DirectorS" Anaelo ZZeumann. In einer ersten, bald durch ten od des Gatten getrennten Ehe mit dem ls Sportsmann, Mäcen nnd liebensürdiger Lebemann in der Wiener Gesellschaft hochgeschätzten alten Grasen örök . hätte die kleine Bnöka- das ihr gewiß heute noch zur inneren Herzensbefriedignng gereichende Loos, das flehte Glück" eines Edlen zn bilden. Eine Gruppe internationaler Künstlerinnen mag sich hie? dazwischen schieöen. Schon außerhalb unseres Zeit rah'mens stand Henriette Sonntag, Webers erste und unvergleichliche Agathe, zls Grasin Rosst, die Gattin des damaligen italienischen Gesandten in Pctcrsbürg. Und strenIgenommen gilt Jenes auch von den drei Schwestern unseres ftligen Paul Taglioni, den Tanten unserer Marie Taglioni, die , sämmtlich von Sprößlingen italienischer respl französischer Grasen familien gefreit worden waren. Die berühmtesten von ihnen. Marie Taglioni, die ältere, von der die Nichte den Vornamen trug, wurde a!3 Mutter einer febr schonen Tochter die Schwiegermama des Zeichen Fürsten Trubetzkoi in Paris, und trat dadurch anch in Verwandtschaft mit dem Napoleonide;l Grafen Mornn, dessen Geniahlin eine Fürstin Trubetzkoi war. Sophie Couvelli ist Baronin Vigier geworden. Daß Adeline Patts die gefchiedcne Frau des französifchm Marquis de Eaur, ist all--bekannt. Ehristine Nilsson, die Wittwe des Börsianers Eazaud, ist ncuvermählle Gräsin Ä!iranda. " Wilhelmine Schrö-der-Deorient reichte schließlich' einem livläudischen Edelmann, Baron v.'Bock ihre Hand, die Ehe der genialen Frau gestaltete sich indeß nicht glücklicher als dieZenige Eharlotte von. Hagns, der Königin des deutschen Lustspiels", des ungezogenen Lieblings der Grazien", wie er im Buche steht, mit einem JtitterautSbesitzer Alcrandcr von Oven ein Bund, welcher nur fünf Jahre, von 1831, bestand dann wieder gelöst wurde. l ' schon verwittwcke) Baronin v. Hillern 'sich einen kchriststellert,chen Ruhm errun- ' 1 c r r , - f gen, der ihren früheren schauspielerischen

schlon, hat sich wlederyolt ereignet. 'Don der Vermahlung der vergötterten Marie . ' r . k. m . t . . am

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weit uberstngelte; Marie Baycr-Bnrck, die dresdecr Partnerin des göttlichen Emil", jetzt Baronin Falkenstein; 'rani; :h: - C ''.!: I ... v !!: fl:.

ziska Ellenrclch, Freifrau von FwchSö Nordhoz Mcgda Jrschick, Freinnu v. VerfaN. Gattin deÄ als NoMMchrift-

ste.Uer- und Jpurnaklst öetanni gewore, ncn Nesien des münchencr JaKnJantcn ; S:ella HohcnsclS. Freifrau v. Berger, Gattin des Fmherrn v. Bergender die icht aanl cinm n wir unter den GräsinncZi oder hier unter den Baroninnen classlficiren sollen Auguste Ltudloss von der. Hosburg, weiche di: Gattin des srähenn, Gouverneurs von Helgolaud, Lord Marse, wurce; chermine Meyerhofs,, die eine Zeit laug ..". - n-.t ... c?-.:.. irni oem ripiia;cii juipiomaic riu schew verbunden war, und Auguste Arens, die Wittwe von Theohor, Formet, die, wenigstens einem oa dit zufolge, später noch die Frau eines rnssifchen GeueralS v. Wemnarn. dan:alS Militär-Gouver-uenrö von Finland, geworden fein soll. Pauliue Luccä, uuzer ewiger L:eblinz", ist er auch treulös, war. wie allvclannt. inau v. icatzven UNO ijk nrau v. Lhallhoocn, Mathilde Mallinger ist Frau Schimmclpfennig o. d.Ohe; Minnie Hauck ist. Frau v. Hcsse-Wartegg. hie Gattin des amerikanischen Reisejevriftk stellers. Das liebliche Fräulein Driei'e vom Operuhauze ist Frau v. Alanrew bürg. (Äerltner .Äorsen-ourlcr".) i Die Kunst zu toasten. ES sind die Brodlosen Künste", welche Julius tettenyelm tn jeinem neuesten Büchlein , verspottet. Die neue Sammlung, Stettenheimscher Satyren gemährt uns Blicke hinter hie Coulissen der Gestllschafts-Komodie. Zn den brodlosen Künsten zählt der Schalk Die Kunst verheirathet zn sein' die Kunst zu? zuhören, die Kunst Gast oder Wirth zu lein" und was dergleichen gesellschastliche Kuttstübunc,en" mehr sind. ' Aus der Kunst zu toazten" wollenwir einige Stellen als Prob? der würzigen Kost mittheilen, die der geistvolle Herausgeber der Wespen" dem xefcpulutk um zu die ren har : .Der ungemüthliche königliche Gast. welchen Potykrates sich zugezogen und der diesem mit vergnügten Sinnen aus das beherrschte Samos hinschauenden Herrn, wenigstens nach dem Wortlaut der Schiller'schen Ballade, fortwährend etwas Unangenehmes sagl, versichert auch, daß des Lebens ungemischte Freude keinem Jrdnchen zu heil ward. Dte pessimistische Erklärung, mit welcher der unerfreuliche Besucher aus Aegypten während seines Ausenthaltes an dem gastfreien Hof seine zahlreichen UnglücksProphezeiungen unter Dach und Fach dringt, enthalt eine Wahrheit, die selbst jchon un Paradies ihre Bestatkauna e funden hat und in der Unvollkommenhcit des menjchlichen Dazeins tief begruu der ist. 7r . , Wenn nun schon naturgemäß jeder ir dische Freude etwas Bitteres beigemischt llk, jo muy es als geradezu Uttdcgrcistich bezeichnet werden, van die Men?chen alltt Mögliche unternehmen, um eine Freude. die sie sich und Anderen bereiten, kirnstlich zn gefährden und meist unuttbar zu vernichten. So u. A. die Freuden fast eder Tafel durch-, das Toasteu. Der Toast hat eln dia5olischeZ Wefcn zeschassen. um die Freuden der Tafel zu erhöhen: pflegt erdicfclben unbarmherzig 1 zerstören, und ich möchte ihn xarodirend als einen Theil von jener Kraft deannziren, die ltels das Gute will mir stets das Böse schafft.. .. In einer sehr animirr plaudernden. zeräufchvollen Gesellschast,. befand' sich David Kalisch, der ine toastete, wie er Aberhaupt ein Schweiger, ein witziger 'coltke war. Da plötzlich fp rang er af and gab das Zeichen, daß er sprechen lvoüe. Es war ein Ereigniß. Niemand traute seinem Ohr. Kalifch wollte sprecken. Eine Mäuschenstille ' trat ein, Zllles blickte gespnnt auf den kleinenbe rühmten Schöpfer der Berliner Locasposse, der jktzr sagte: Meine Herren, hier ist kein Nothwein!" und sich unter dem stürmend herosrörechenden Gelächter der Gesellschaft rasch wieder setzte. Dieser Toast" , Kalisch's K mich und jeden inderen Hörer mehr belustigt, als , hnndert andere- die ich über niich ergehen lassen mußte. Er ist auch wohl der einlige, den Kalisch gehalten hat. Er, der Meister des originellen .Einsalls, toastete nie, weil er fühlte, daß er kein Redner sei, und er wqr, somit einer der wahren Liriuosen des Toastes. ' Wie viele, die viel weniger als er zn reden verstehen, ergreifen in allen Gesellschaften das löort, durchaus nicht fürchtend, sich 'als öaststümper ersten Ranges bloßzustel len! . . . . - -tDer Toastkünstler wird niemals einen .angen Speech halten. ' eine doppelte our,. wie solcher von einem Gesellschafts menschen, der Kreise besucht, in welchen viel geredet wird, schaudernd genannt wird. Er faßt sia) kurz, erspart dem Hörer eiue lange Einleitung, erleichtert auch das Ernste, was er zu sagen! hat, durch Humor uno, kommt, dann rasch zur Pointe seines Trinksprnchs Der Laie des Toastks ist weitschweist'?, bringt Wiederhölunge i .. an und ermüdet sich und den Htrer durch , Seitensprüna.e. Selbst der geduldigste Tischgast erträgt das Ucberflüksige nur mit Mühe uns rerliert jede, Aufmerksamkeit, was, er dadurch verräth, daß er zu' frül, trinlt, trockenes Brod kaut, die Frnchtfchalen plündert, hustet und, Sebnsucht nach der, Cigarre laut werden läßt. '' ' ' Ein gefährlicher Gast ist iich' der Redners welcher nur einen einzigen Teast auf der Walze hat und denselben überall mit kleinen 1 Veränderungen andringt. Mit diesen bezicht er seinen Trintsry je nach! Bedarf auf die Wirthe, auf ein Brautpaar auf den abwesenden Groß-, vater, , kurz alle, die ihm zu öctoasten übrig bleiben und wer zu den Kreisen gehört, in denen d!eserToast:Handwcrler arbeitet, weiß , sehr bald ganz genau, wann er, ausgelitten hat und mit drei? maligem Hochrufen seinem gepreßten )ht ; Luft machen ,kannHßSIZtzgLzzzz, d: De Der Toast künstle? wird auch nkchl Iprech ' en, roenn die (eieUichaft ichon , mehrere , Toaste erduldet hat. Gegen

rrchte Hand des Ho,durgdircctorS V.r, August Forster ist u,w den die Wiener beziehungsrcich den Erbforstex" nennen. Nickt aa,n cinia mir uns sind wir, ob

, oas nde zeder atel tritt ein Larm ein, ! den auch , der interessanteste und stimmbegabteste, Redner nicht mehr zu besiegen j,.j:jfj;iitf.ir.;jy:;;;.

vermag. &ieDa.i f änä t Itj r .f en -.itnn Nube tu sckamn und vermebren dadurch

Nur- die Unruhe: , Man wird vor, dem y- .. - ""'.w-'-ir i:-'11-: ', rri iVifiiä tf..K.' cyiuzz eines größeren Mzanrciis Männer vor ihrem Stuhl stehend U.$ merkt haben, von denen behauptet rokd, und die auch durchWaltung .und este verratheu, daß sie ' toasten. Sie sind allerdings m einem Sclbstgejproch begriffen, das Niemand beachtet Besouders mitleidige Gäste, denen die nutzlose Arhcit leid thut, rusen dann und wann: m ' ' ': lk . fT Bravo l eyr gut: oyne zu Zotten, was sie loben, vcur die dem , Monolog Malze-, sitzenden schreien endlich Hnrrah, in das dann 'von den Anderen mechanisch eingestimmt wird, die entweder schon aufge standen sind, um sich nach den Strapazen der Tafel etwas Bewegung zu Machen, oder sich mit, den Nachbarn laut und rücksichtslos unterhalten. Solche Toastsisyphusse sind ganz gewiß keine Meister unsere Kunst. , ' Redner, welche, den Toast im. Gewände, in die Gesellschaft kommen, um dann ihren Trinkspruch abzulesen, entziehen sich aller Kritik, weil sie an , einem Gebrechen leiden: Sie können nicht toasten und toasten dennoch. Meist sind die Manuscrixte 'auch in einer, der bekannten Toastsabriken angesertiSt. EZ sind rührende Erscheinungen, die. selbst wenn sie etwas , sehr, wirksames vortra, gen, doch niemals für das gelten, wosm sie gelten wollen., Gewöhnlich lesen si auch schlecht.- t - v j : Den Gastgebern, welche Mittoaster wie die geschjlderten unter ihren Gästen befürchten, rathe ich. , Plakate anbringen zu, lassen: Dieser Ort darf nicht verun: toastet werden." Ich schließe, mit einem Hoch auf die Damen, denn die Damen toasten nicht Elüe kleine Bergeblkchkeit. Vor einigen Tagen fuhr vor den. glänzendsten Juwelierladen in Pest ein Wagen vor, dem eine elegant gekleidett : Dame von hübschem und einnehmendem Aeußern entstieg. Sie wünschte einige kostbare Juwelen, namentlich ein Paat Vrillant-Ohrrinae zu kaufen, nnd de, .Gefchäftsinhaber licß 'es sich nicht neh: wen, den dijtmgmrten Gast selbst zu bedienen ; er leate ihr die schönsten Erenn ,vlare seiner Diamnt-Boutons nicht nn, vor, sondern probirte sie auch an dem zierlichen Ort ihrer Bestimmung, den kleinen Ohrläppchen eigenhändig an, se c . r. t. i r . . ? f cc.tT-.i LV 0le öiauscrin IM Spiegel oen sscci der Steine feheii könne. Die Dam wählte, feilschte und kutisirte noch eim aeraume Weile, entfernte sich aber schließ. lich, ohne etwas , gekaust zn haben, mit dem Bemerken, van sie noch einmal kommen werde. Nachdem sich die Damt entfernt' hatte, verpackte der Juwelie, wieder die Etuis, ohne irgend einen Ab gang bemerkt zn haben. Am nächsten Tage unterzog der Geschäftsinhaber zujalitct seine Kostbarkeiten wieder einer seingehenden Besichtigung und bei dieser Gelegenheit machte er die uuangenchmt Entdeckung, daß, ein Paar Ohrringe im Werthe von ca. 4000 Gnlden fehlten. Der Geschäftsmann war ganz consten nirt über diese, Entdeckung, umsomehr, als er sich den Abgang der Pretiosen aw fangs gar nicht zu enträthseln vermochte. Er wußte wohl, daß , sich die BoutonZ unter denjenigen befanden, welche da besondere Gefallen der eleganten Dann von gestern erregten, allein die Dam, konnte sie nicht entwendet haben, da das Etui der BoutonS vorhanden war. . Nach langem Grübeln brachte es der Juw'elie; schließlich doch heraus, daß die kostbarer BoütonS gleichzeitig mit der Dame ver schwunden seien, allein die fremde Dam hatte die Pretiosen weder in der Hant noch in der Tasche, ssndern. in ihren schönen kleinen , Ohrläppchen mitgenom: men, wo er sie eigenhändig zur Prob, angebracht hatte. Im Eifer des Geschaftes vergaß nämlich der Juwelier du letzten Boutons aus den Ohren der Dann wieder herauszunehmen, und so kam es.. daß sich dieselbe ungehindert mit den kost' baren Pretiosen entfernen konnte. Merk würdiger Weise hat sie dse Vergeßlichkeit auch ihrerseits nicht wieder gut gemacht, denn weder ließ sie sich seitdem wieder im Juwelenladen blicken, noch sandte sil die irrthümlich mitgenommenen Voutonj zurück. Den vereinten Bestrebungen bei Polizei , und des Juweliers, dem uatur lich , daran gelegen, seine Abnehmerin wieder zn sehenist es jedoch bereits ge: lungen, die Spuren der Letzteren zu ent, decken, man .vermuthet in ihr eine be: kannte .ochstaplcrin von vornehmer Ge, vurt. , . ., . .. - - ' -' i :. l , ( Die Macht der EinbkI öung. Vor-einigen Tagen kehrte ein' in rri t ,,J''-nrk ... ... 1 . eriln woynenoer mentler von ver zagd zurück - mit geringer ': Beute, aber mit einem furchtbaren Rhrumatismus, der ihn nöthigte, sofort zu Bett zu gehen Der Arzt, welcher herbeigerufen wurde, reichte dem Patienten, der mehrere Tage vor ' Schmerzen nicht geschlafen hatte, zunächst ein Schlafmittel. daS aber nicht recht wirken wollte ; . dasselbe in stärkerer Dosis zuH Bedenken, da die Herzthätigkeit wie das bei Rheü- ":: 'j. .Tf Ltr i.i f Miuiioniu uici er uau zu jciu ffiH1 nicht ganz normal schien was die AnWendung stärkerer Schlafmittel nicht angezeigt erscheinen läßt Da der Kranke nun aber selbst inständigst bat ihm wieder ein Schlafmittel zu 1 geben da er sonst keine Rnhe sinde so ariff de? Arzt zu einer kleinen List: er lieü ein iiemlich barmloses - Pulver herstellen, dessen Hanptbestandihcil das neue Süßmittel Saccharin war. Der Kranke nahm das Pulver und verjicherte am nächsten ,Morgen oem Arzt,, er , bade recht , gut gezchlafcn,. was begreiflicherweise den Arzt einigermaßcn in Verwunderung versetzte, denn. daß das Saccharin auch als SchlafMittel zn gebrauchen sei, war !, bisher in der '.'irzneitunde unbekannt. ..Am , nachste.'i. Aöend, , als der. Kranke wieder ein cyi.asxuiver !vcr!angte..llei; der,Ar;t cm solches aus gc:-oühn!ichem Kochzucker keriteucn. er Kranke nahm's und schlief gur. i?cunmehr erklärte, der Arzt. mit den Schlaspulvcrn aussetzen zu,müssen und am nächsten Taae fand er den Kranken mit übernächtigem Gesichte, der ihm versicherte, die ganze , Nacht kein Auge zugethan zu haben. Es war also klar, daß bei dem Kranken lediglich die Einbildung wirkte, ein Schlasmittel genommen zu baben. WMMWWMz m

M,euntervttedetteNevcrraschung.lEW sensationeller Ervressunas.

Eine hübsche Episode; die sich in der Zeit der Vorbereitungen zum Empfang des deutschen Kaisers in Konstantinopel zugetragen yaden joll, wird zetzt nachträglich berichtet. Der Sultan Abdul Hamid hatte, so wird erzählt, die Absicht, neben anderen Geschenken seinem kaiserlichen Gaste auch eine besonders charakteristische Erinnerung an Konstantinopel zu verehren, nnd zwar wurde ein anaescf. CV.. rl rn . ' . ycuet luycucr iii Zpera oeausiragr. irgend eine Arbeit der Edelschmiedekunst zu beschaffen, welche diesem Zwecke entsprechen könnte. Das qeschah nur, rW nige Tage vor Ankunft Kaiser Wilhelms und war deshalb guter Rath theuer. In O- tK . V A vier agen ein zoieer yerzuneuen, welches man deinem Kaiser hätte schenken können A- unmöglich. Aber der Sultan hatte es beföhlen, es mußte also c,!.. r?N ,.r. r c n. t - sein, li oezann lim oer Juwelier, yal; er vor längeren Jahren ein Kunstmerk verfertigt hatte, welches, wenn es erhältlich, dem Zwecke des kaiserlichen Geschen? kes am besten Entsprechen ' würde, jii silberner Tafelaufsatz: . den bekannten euerthurm - von Galata darstellend. Er hatte dieses Kunstwerk dem deutschen Gesangverein in Konstantinopel gejlie fert, welcher es seinem Ebormeister einem Oberbeamten der Ottomanbankzum Geschenk gemacht hatte. Er begab sich deshalb sofort zu dem in Fraae kommenden Herrn, einem der. angesehensten und ältesten Mitglieder der deutschen Colonie, und bat denselben, ihm den Tafelaufsatz für einige Tage zu überlassen, damit er ihn copiren könne. Seinem Verlanaen wurde sofort ent sprochen. Kaum aber hatte der Goldarbeiter, ein findiger Armenier den Tafelaufsah in seinen Händen, als er mit der Forderung heräusrückte, Herr X. sollte ihm das Kunstmerk - käuflicb überlassen, denn er brauche es für den Sultan.Diese Forderung lehnte Herr X. ab ;der Juwelier jedoch war der Meinung, daß es ihm doch noch gelingen werde, den Kauf nachträglich zu Stande zu bringen und fuhr mit dem Tafelaufsatz direct in's Palais, .wo man hoch erfreut war. so rasch ein passendes Geschenk aufgefnnden zu habeu. Bei genauer Besichtigung entdeckte man indeß, daß am Fuße des Aussatzes eine deutsche Inschrift eingravirt sei, von welcher der Armenier auf Befragen versicherte, daß sie mir einige geschichtliche Daten über den Thurm von Galata, bekanntlich ein Ueberrest der alten Genueser Festungswerke, enthalte. Das schien eher erwünscht als störend, und der Kauf des Stuckes wurde zu einem höchst ansehnlichen Preise Perfect. Zu Herrn X. zurückgekehrt, versuchte der Juwelier denselben zunächst durch Zureden zur käu flichen' Uebcrlassung des Objects zu veranlassen ; als dies jedoch wiederum auf das Bestimmteste refusirt wurde, erklärte der Armenier, daß er den Thurm beim besten Willen nicht mehr zurückgeben könne, da man ihn im Palais gekauft bäbc. Zum Glück gelang es jedoch Herrn X. auf anderem Wege, den im Palais effectuirteü Kauf, rückgängig zu machen, sonst hätte Kaiser Wilhelm einen silbernen Thurm .von Galata" zum Geschenke erhalten mit der Jnschrist: Der Deutsche Männerchor" in Konstantinope? seinem scheidenden Dirigenten." Die Orientalinnen. Nichts wäre lächerlicher, als eine mitleidige Geringschätzung der europäischen Frauen für ihre orientalischen Genossinnen. Die Vorstellung, die wir uns vom Harem machen, ist eine durchaus falsche.' Sie beruht auf den Erzählungen von Reisenden, welche, durch eine besondere Gunst in den Harem gelangt, . zn einer bestimmten Stünde den Zutritt' erhalten und die ' dort anwesenden Frauen als seltsame Objecte betrachtet chaben Es ist ferner völlig irrthümllch, daß irgend ein' religiöses oder bürgerliches Gesetz die-Frauen verpslichte.. das Gesicht zu bedecken, so oft sie auf die Straße gehen. Sie thun dies ; cjanj nach denselben Grundsätzen, nach denen unsere Damen nicht ohne Hüt und Handschuhe zu promeniren pflegen Wenn man die Damen in Kairo l Teheran :c. stets tief ' verschleiert sieht,so veranlaßt sie hierzu das natürliche Gesühl, ihr Antlitz profanen Blicken zu entziehen. Dadurch haben sich die Frauen im Orient eine gewisse Unabhängigkeit geschaffen; ' sie können ge en wöhin sie wollen, - ohne erkannt zU werden. Man kann ferner, behauptet M.H.Victor im Journal des Debats". die orientalischen Sitten nicht verstehen, wenn man die Religion nicht in Betracht itt)U Dir von Ato!)amed eingeführte Vielweiberei bildet einen Schutz gegen Ehebruch uneheliche Geburten und Prostitulion. Daher kommt es, daß die Fraücn imOrient ein natürliches Scham gesühl besitzen, von' dem sich unsere Da men ' schlechterdings keine Vorstellung machen können, ein Gesühl.welches z.B. verbiete - sich ' einem Fremden zu zeigen oder sich auch nur mit der Hand von' ei-, nem Manne berühren zu -lassen, außer vom Gemahl. ' - - - " " s ,,fete Heiligkeit der Ehe ist mit einer solchen Achtung umgeben.' daß ' ein gewaltsamer Eintritt in den Harem als das schwerste aller Verbreäien gilt!. 'T, Ist es durch Zusall einem Äiorber gelungen, sich' im Harem ! zu, verbergen,' so! wird selbst, die, Polizei nicht , zn jeiner ,'Ergreil fung hineingelassen. ', ",Das ,, Gesetz : gestattet einer Frau im Orient , jc'derzctt, die Ehefcheidnng zu fordern; ' sie.. kann sich foaar, nach drei, Aconaten wieder ver'.f 'K . y i ,' ;i 't 1 T- t '' "Mi'heliathcn. , Man denkt sich ferner, daß es für eine Frau clwas Bedrückendes fein muß, , den Gcmahlmit mehreren Eclleginnen zu theilen ,,Aber durch Gcwoyndeit ' und 'Temperament,, , sind die Orientalinnen durchaus unfähig, sich eine Von stclllingv "en idealer Liebe, ,, zu machen, und infolge dessen kommt,, es isinen nich? daraus an, cb sie öder 10 Rivalinnen haben. ' Die kostspielige ' Unterhaltung eincsHaremö gewährleistet, übrigens der Frau daß. der Mann sie, so länge liebt, als er. sie bewacht. ' ,, Denn die Kosten eines Harems sind nicht gering, , und ein Harem darf auch nach orientalischer Sitte desKomsorts nicht entbchrcnwenu nicht der Besitzer , als ein schlechter Ehe-mann'gÄtenHi

Proeetz.

, London, 1. November. . Was London an berufsmäßiaen Gründern fein eigen zu nennen das zweiselhaste Gluck geuielzt, drangt sich jetzt in dem Polizeigerichtshofe der Guildhalle wie Haringe m einer Tonne zusammen, um der Verhandlung in einer werdenden cau8c celebre beizuwohnen. Mit der Zunahme des Grundungssiebers und namentlich feit dem Emporschießen der aufie Ausdeutung wirklicher oder imaginärer Goldfelder und des Publikums gerichteter Gründungen, ist eine wahre Flulh von Flnanzblättern" aufgetaucht, die, es sich, ihrer Angabe nach, zur Aufgäbe machen, dem specnlationölustigen Publikum durch eine sorgfältige und unparteiische Prüsuncr der neuen Gründun. gen ein gewissenhafter Berather zu sein, während, der Angabe der Gründer nach. der ganze Zweck ihres Daseins jn nichts Anderem, als der gewissenlosen Ausbreitung neuer Gesellschaften besteht. Der Rmg der wilöm Kassern", wie man aus, der Effecteubörse die Gründer der südafrikanischen Goldmincn nennt, ist insbesondere schlecht ans diesen frisch, .froh und frei, wenn auch nicht fromm emporwuchernden Wust neuer finanzieller Zeitungen zn sprechen, mit dem er es jedoch) aus ihm allein bekannten' Gründen, nicht verderben will. Mit geheimem Zähneknirschen beugte man sich bisher vor der mit Recht oder Unrecht so genannten Revolverpresse" und hoffte, daß endlich der Tag anbrechen werde, wo durch die Statuirung eines Erempels" .der , Bande" heilsamer Schrecken eingejagt und den ehrlichen Kassern das Gründen weniger kostspielig gemacht werden würde. , ' Dieser Tag scheint den Gründern nunmehr angebrochen zu sein und der Jubel ist darob groß in ihrem Lager. Vor etwa vier Wochen erschien, natürlich um einem dringenden Bedürfniß abzuhelfen" (wessen, bleibt fraglich) zum ersten Mal der Mining Record", ein Blatt, das die Gründung von bergbaulichen Unternehmungen zn seiner Specialität machte. Die in Börsenkreisen sehr bekannten Herausgeber waren ein Mr. Woolfe, dann der Bruder des Herausgebers, der Financial News", Mr. Elaude Marks, und 'Herr Jacob Marir, ein Annoncenagent, der sich, seitdem er von Deutschland hecübergekommen, durch sein Geschick zuerst bei der Whitehall Rcview", daun der Financial Times" und der Financial News" eine gewisse Stellung erruugen hat. Gleich die erste Nummer des Mining Rccord ließ keinen Zweifel darüber auskommen, daß es ein sehr schneidiges Blatt sein werde, und das Blatt siel wie eine Bombe , in den Kaffernring. Es nahm offenbar kein Blatt vor den Mund und brachte, was er Enthüllungen" nannte, die sehr unangenehm werden konnten. Sein Leitartikel galt der in Gründung befindlichen Erystal Reef Gold Minmg Company", über welche (Ich sehr schlimme Andeutungen versanden, die in einem folgenden Artikel näher ausgeführt werden sollten. Ehe dieser erschien, kam Herr Marir, 'xo'c die Anklage behauptet, in das Biirean der Gesellschaft und sprach mit dem Vertreter derselben, dem Rechtswalt Rogers, über den erschienenen Artikel. l5r sagte, der nächste Artikel werde weit schlimmer sein; Dir. Marks wisse, daß die neue Gesellschaft nur in's Leben gerufen sei, um einer alten verkrachten Gesellschaft auf die Beine zu helfen und den Gründernein erwiesenermaßen werthloses Schürfgebiet zu einem ungeheuren Preise abzunehmen ; er empfahl angeblich dem Rechtsanwalt, das Erscheinen dieses sürchterlichen, die Gründung unmöglich machenden Artikels" zn verhindern und das Schweigen des Mining Record" zu erkaufen. Mr. ötogers sagte, er müsse zuerst mit den Direktoren und namentlich mit dem hauvtbetheiligtcn Gründer Mr. Bebro sprechen, und bestellte Herrn Marir für den erwähnten Tag (einen Sonnabend.) Der Rechtsanwalt nahm alsbald Rückspräche mit den Directoren, und es wurde auf seinen Antrag beschlossen, das Kleeblatt der Mining Itecord" abzufassen und wegen versuchter Erpressimg, ein nach dem englischen Gesetze nur mit Kerkerhast von ein bis drei Jahren zn verbüßendes Verbrechen, zu verklagen. Als Herr Marir wiederkam, eröffnete ihm Mr. 9!ogers, daß' man nicht aögeneigt sei, sich seiner freundlich angebetcnen Vermittelung zu bedienen und bat ihn, am nächsten Tage (Sonntag) nach Brighton zu. kommen, um mit Mr. Bebro das Nähere zu vereinbaren. Dieses Interview fand auch richtig in Gegenwart der Frau Bebros . und des Nechtsanwalts statt. Mr. Marir verlangte, wie die Kläger behaupten, 500 Pfund Sterling in Gold (nicht in .Banknotcn, die mit ihren Nummeru Verräthcr werden können, versprach aber dahin zu wirken, daß die Herausgeber die Hälfte der Summe in Aktien nehmen. Am Montag kam Marir Vormittag wieder zu Rogers, sagte, der Artikel sei bereits im Satz und die Sache müsse vor fünf Uhr, geregelt sein, widrigenS der vernichtende Artikel am folgenden Morgen erscheinen werde. Mr. Rogers gab ihm nun die Zusage, daß Bebro um vier Uhr persönlich 300 Pfund Sterling und auch den Bezugsschein für 00 Pfnud in Aktien überbringen werde. ', Dies geschah auch ; allein der Rechtsanwalt hakte inzwischen'insgeheim drei Haftbefehle gegen Woolfe, Marks und Marir erhoben und Mr Bcbro folgte ein Geheimpolizist, um die Hafibesehle auszuführen. Bebro saß , mit Woolfe 'und Marks an dem Nedaktionstifchc; ausi demselben lagen drei. Söckchen mi! Sovereigns von denen einer aber geöffnet, und wie Bcbro sagt von Woolfe'auf den grünen Tisch ausgeschüttet' worden war, um die Richtigkeit des Inhalts zu prüfen, als da Polizeibeamte unangemeldet eintrat irnd den beiden Herausgebern, ,die , so mit der Beute in der Hand überrascht !, wurden, die überraschende,, Mittheilung,, von ihrer Verhaftung machte. ,, Der nichts ahnende Marir betrat in demselben Augenblick l.as Zimmer und fand sich bald darauf' mit seinen zwei Genossen in einer Gesängnißzelle der Entscheidung des Alder,MM !:;;; :' ' , '. '; ! -i ?:S??tfiMM$äfi ISi!:'!

mans gewartiq. welcher die Angeklagten nach einigen Stunden gegen Vürgschast aus der Hast entließ und bestimmte, daß sie während der Untersuchung auf freiem Fuß bleiben sollen. Die Angeklagten, welche die Sache . , . r , tt

scyr lttcy! zu ncymen icyienrn, mmu--ttn sich alsbald der Dienste der geschicktesten drei Vertrete? (Lcwis, Abrahams und Goldberg) und unter einem Massenandränge der' Kaffern und anderer Borsianer begann die Verhandlung, bie alsbald eine sensationelle Entwickelung nahm. . Die Vertheidigung erklärte nämlich, daß nicht Woolfe. Marks und Marir, sondern Bebro und Genossen auf der Anklagebank sitzen sollten. Es handle sich nämlich um eine niederträchtige Verfchwörung, diedarauf abzielt, dieHerauSgeber der Mining Record" zu.ruimren und sich so der ünbeqmmen Kritik des Mining Record" auf billige Weise zu entledigen. Marir wurde von Rogers bestellt um wegen Inserate für die Financial Times" und Financial News" zu verhandeln. Ihm sei nahegelegt, worden. die Heransgeber des Mining Record" zum wchweigen zu bringen, was er jedoch abgelehnt und den Herren selbst zu thun empfohlen habe; sie sollten, so habe er Mr. Bebro und Mr. Scogers erklärt, die Herausgeber nur überzeugen, daß die Reef Company ein solides Unternehmen sei, und der Mining Reccrd" werde dann bestimmt keine weiteren Angriffe machen. Diesen Rath konnten aber die Directoren nicht befolgen und sie halten darum die Erxressungsgeschichte znsammengebraut und in Scene gesetzt. Niemand habe von Bebro Geld verlangt ; er sei ganz unerwartet in die Redaction gekommen, habe dort die drei Säckchen mit Sovereigns ans den Tisch gelegt deu einen derselben geöffnet und ausgeleert und die Herren Woolfe und Marks gebeten, die Kleinigkeit anzunehmen und ihre feindselige Haltung gegen die ReefCompany aufzugeben. Gerade als die Herren Mr. Bebro entrüstet ausfordcrten, sein Geld zusammen zu packen und sich zu entfernen, sei der Detectio gekommen und habe sie zu ihrer großen Ueberraschung wegeu Erpressung für verhaftet erklärt. So steht vorläufig $xt Angelegenheit, welche, wie leicht denkbar, in weiten Kreisen das größte Interesse erregt. Wjörnson, derStrikemacher". In ganz Norwegen so schreibt man aus Kopenhagen bildet das Tagesgespräch der Strike der Arbeiterinnen in den großen Fabriken schwedischer Zündhölzchen zu Ehristiania. der durch das Eingreifen des Dichters Ajornson eine starke dramatische Entwicklung angenommen hat. ES traben augenblicklich über tausend Fabrikmädchen die Arbeit niedergelegt. Ihre Beschäftigung ist außerordentlich schwer, einförmig, gesundheitswidrig und dabei in sehr geringem Maße lohnend. Um daS Nöthigste zum LebettSuNterhalt zn erwerben, müssen diese armen Menschen durchschnittlich in jeder Woche nicht weniger als 00 Schwefelholzdosen verpacken. Zwölf Stunden haben die Arbeiterinnen tagtäglich in giftigen Schwefel und Phosphordünsicu auszuharren. Die meisten verfallen nur zu bald einer unerbittlich fortschreitenden Auszehrung und mit der ' Abnahme der Kräfte geht eine Abnahme des Verdienstes Hand in Hand. Die einzige Heilmittel: kräftige Kost, gesundeWohnungen und ärztlicher Beistand sind bei den unglücklichen tlordischen AtVclteroerhältnissen für die Hinsiechenden tmer--reichbare Ideale. Als der Strikgroßere Dimensionen annahm, trat Ajornson mit leidenschaftlichen! Feuereifer, der ihm eigen ist, für die unglucklichmArbeiterinnen in die Schanze'. Er erklärte, daß niemals ein Strike gerechter gewesen fei, als diese noth gedrungene Ansiehnung hilfloser Frauen und Mädchen gegen gewisscnlos schaltende Fabrikanten, die auS Gewinnsucht keinerlei fanitäre Vorkchrungcn gegen das um sich greisende Siechthum unter der weiblichen Arbeiterwelt getroffen hätten. Merkwürdigerweise bat Bjornson in dieser Agitation eine Scene aus seinem neuesten Roman, der die beschauliche Lebensanschüuung eines buch stabcn glättbigen Priesters mit der Lebens führn g eines werkthätigen Arztes in einen eistigen Eonflict stellt, in die Wirklichkeit ' ! i i . '' . . uverlragen. irr ricyieie namncy an Den norwegischen Bischof Essendrop dZMuf, fordcrnng, in Erfüllung seiner christlichen Liebcspflichtcn für die Arbeiterinnen ösfentlich einzutreten. Der Bischof lehnte das Ansinnen ab. da ihm ein partciischcö Eingreifen durch seine amtliche Stellung versagt werde. Infolge 'dieserMblebnung erschien Björnson '.persönlich m einer großen Strikeoersammlung und hielt eine zündende, stürmisch ; bejubelte Ansprache. Die Verfammluncl wurde von einem Arzte, Dr. Rissen, damit eröffnet, daß er drei, junge Mb Hetz,, die einst völlig gelünd waren, als lehendige Beispiele für die AnkchnttimcjHet ,menZchK lichen Arbeitskrast vönMUWMad chen hatten fast,,, alle ihre Zahne und so? gar einen Theil des Kielers verloren, so daß sie in ihrem afchfalilvr Aussehen als menschliche Karrikaturen erschienen. Ihr Erscheinen erregte die tiefsten Gefühle des Mitleids, man weinte, ",, wie nor-wegisch-dänische Zeitungen, berichten, Thränen der Wuth und des Kummers". Tann, erhob sich Biornfon. Er sagte, daß diesmal die Stimme des Rechtes ge? hört werden solle,, und daß dieser Frauennnd, Mädchenstrike,, nicht resultattos verlaufen, wctde. Er sei ,kc!n, Hetzer, aber, er werde hundert andere Sirikes !,, im Lande swachrufen, bis,, die , Aibeiter itjr billigcS Menschenrechl erhalten hätten irikeuden bes.blosscn,, voilänssg, ,, eine zweite gro'e. avcr nur, von Weibern zu b.sncnde Bc?scmm!ung al;uöattcn, da in ihr hauptsächlich die durch die Fabrikarbeit hervorgerufenen Frauenleiden zur grün: lichen B esprecb un g gelangen sollten. E'r st e Frag e:,! Mcin gnädiges Fräulein, Sie werden wohl längst meine Neigung zu Ihnen bemerkt baben. Darf ich um Ihre Hand bitten?" Können Sie einen zweimonatlicheck Aufenthalt in EmskzahIttl?.P ! .,l:',N:i:!:1!;hS:1:!'lilSt!;I,.'J,(.,. .'.-h Ei;:.!!;:;1!:'?::';,:.;!-,!

und nicht mehr gezwungen ?c:cn, auf jedem Bntterbrod tö!iä.eS Gift zu v?rspeisen.' (Stürmiicr Beifalls' Die