Indiana Tribüne, Volume 13, Number 74, Indianapolis, Marion County, 1 December 1889 — Page 2

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Uevc? ÄustralifHe Geschäfte" schreibt man der Frkf. Z." aus Sydney Jolgeudes; Im Jahre 1820 kaufte ein in England lebender Dr. Glichrist ein Stück Land in Sydney für 350 M. Gi!christ hatte sich zu dem Ankauf durch einen Freund bereden lassen, der in Australim gewesen war, ärgerte sich aber bald über seine Speculation und hatre seine überseeische' Besitzung" mit Freu: den wieder losgeschlagen, wenn sich nur ein Abnehmer gestmden hätte. Ein folcher fand sich aber nicht,, und so mußte Dr. Gilchrist sein Land behalten. Jeder aber, der es hören wollte, konnte von dem würdigen Hmn vernehmen, daß er seine schönen goldenen G:ineen ebenso gut in die Themse hätte werfen können. Jahre strichen dahin und Dr. Gilchrist blieb der glückliche Besitzer eines Grunde fiücks in dem schönen Sydney. Hochbe tagt verstarb er endlich, worauf sich seine Nachkommen und Erben beeilten, feine vielbeklagten überseeischen Besitzungen unter den Hammer zu bringen. Dies geschah. Meist bietend wurde das GrundDck dieser Tage versteigert und ergab 1,000,000 M. Fälle, wie der vorstehende, gehören nun allerdings schon seit langen Jahren zu den Seltenheiten;, imHierhin aber ist hier vielleicht der Platz, an die großartigen Erfolge zu erinnern, welche einem der bekanntesten englischen Staatsmänner, Lord Sherbrooke, der als Robe Löwe vielleicht noch besser beannt ist, zu Reichthum und Ansehen verhalfen haben. Lord Sherbrooke war kinfichcr Lehrer in einer englischen Schulanstalt, ließ sich iif der Folge jedoch auf Landspemlationen in Australien ein und mit einem solchen Glücke, daß der ehemalige, in den bescheidensten Verhältnisjai lebende Schullehrer heutigen Tages über ein Vern'-'gen von nicht weniger als 40;: Millionen Mark verfügen soll. Auch Lord Sqüöbry hat bekanntlich in seiner Jugend sein Glück aus den Goldfeldern von Victoria versucht, als einfacher Digger; cher, heutige Minister des vereinigten Königreichs hatte jedoch, wie der Franzsse, zu sagen i r siegt, pas de cbange, und gab die Goldsucher bald wieder auf. Ein noch schlechteres (3t schZst" haben dieser Tage die Gläubiger des in Eonkurs gerathenen Melbourne? Ban Unternehmers Douglas gemacht. Der Genannte machte nämlich kürzlich mit 4,000,000 Mark Fallit z es gelang indessen doch, och so viel aus der Masse zu retten,,, daß den freudestrahlenden Gläudtgern für jede 20 Mark baare 30 Pfc!:nißs ßtwährt werden konnten. Per chinesische Schneider. Di5 Chinesen sind anerkannte Künstler im Copiren; sei es nun, daß sie ein Stück Möbel, ein Bild, ein KleidungH stück oder fönst irgend einen Gegenstand nachzuahmen haben, nie ist die von ihnen verfertigte Copie von dem Original zu unterscheiden, denn auch nicht das Geringste fehlt, noch ist ein Jota Hinzugelug. ; Vor ungefähr fünf Jahren weilte ich längere Zeit in Peking, woselbst ich die Bekanntschaft des englischen Gesandten machte und von diesem auf einen Vall, den er gab, eingeladen wurde. In China ist es Sitte, daß man auf einem solchen in weißen Beinkleidern erscheint; am Tags vor dem Vall ging ich an den Schrank und holte meine weißen Hosen ans demselben hervor, wurde jedoch von einem heillosen Schrecken ergriffen, als ich bemerkte, daß dieselberr durch einen abscheulichen Oelflcck verunziert waren, der aus eine mir unerklärliche Art daran gekommen war. Zum Glück sind die Chinesen nicht nur geschickte, sondern auch sehr fleißige Arbeiter, weshalb ich mich sofort mit meinen Hosen zu einem Schneider begab und denselben aufforderte, mir eine neue Hose bis längstens den andern Tag, aber genau so die alte paßte mir näinlich brillant wie diese zu verfertigen. Der bezopfte Mcister versicherte mir, daß ich das Beinkleid bis morgen um 12 Uhr bei ihm abholen könne, worauf er sich auf eine Pritsche schwang und seine unterbrochene Arbeit wieder mit aller Emsigkeit ausnahm. Ich war froh, daß es mir dnrch die Flinkheu des Schneiders ermöglich! würd?, . auf dem Aalle heS englischen Gesandten nun doch mit einer weißen Hose erscheinen zu können, nnd legte mich deshalb an diesem Abend sehr zufrieden und glücklich aufs Ohr. Am anderen Tage eilte ich zur fest; gesetzten Stunde zu dem Schneider Po-hi-ho, der mich wie 24 Stunden vorher, mit einem tiefen Bückling emvsing und mir wenige Seeunden später mit triumphircndcr Miene die neuen, weißen Hosen zur Prüfung vorlegte Das Tuch, der Schnitt war genml dasselbe wie bei dem alten),,, aber man denke sich meinen Schrecken! auch der Oelfleck sigurine auf denselben, ebenfalls auf das Taufchendfle nachgeahmt. Der , Schneider, welcher mein Erharren für stille Bewunmig hielt, lächelte überselig ob seiner Gesch'-cklichkeit; ich aber eilte, nachdem ich mich einigermaßen gefaßt hatte, aus der Werkstatt des genialen Meisters und verwünschte die immense, GeschicklicZhkeit der Chinesen in der Nachahmung, die es mir unmöglich machte, dem Ball des brttlschen Gesandten betwohnen zu konnen. W. Hügel. . Ei ne viermal Separirte! Die kurioseste Unterschrift, die wohl jemals geleistet worden ist, wurde dieser Tage bei der Neichsbank in Berlin dipotritt. Daselbst erschien eine etwa 45 jährige Dame, welche eine Summe behob und auf der Quittung folgende Unterschrist gab : Frau Amalie Z., scparirte B., vorher,geschiedene F.. früher verehrlicht gewesene und durch Siichterausspruch getrennte H. und ganz früher verehelichte P., geborene K. Der Kassiret glaubte anfänglich, daß die Dame sich mit ihm s emen Scherz machen wolle, doch bewies Frau Azalie Z. auch durch ihre Prxiere, daß sie: in der That nicht weniger als p rierma! geschieden worden fei. Mehr als genug. ( Aber, ' 'gnädige? Herr, Sie werde mir doch Dnscht wegen des bischen Fluchens den 1 Abschieb geben! Sie fluchen ja selbst ost. DMtadc deswegen geschieht's. Wenn Meiner im Hause flucht, ist's mehr als get

Won ?!. v. Taunus. Woher die wunderliche, schier uner klarliche Bezeichnung Blaustrumpf"? Man berichtet uns von einem Club ge lehrte? Frauen und Männer, welcher im vorigen Jahrhundert in London eristirte und den Namen Blae Stockings" (Blaustrümpfe) führte.' Die Mitglieder hatten den Blauen Strumpf als Merkmal gewählt. Wenn die Sache richtig ist, o haben zweifellos die Männer sich viel stärker auszeichnen können, denn die damalige Tracht ließ den Strumpf neben der Kniehose als seh? wesentlichen Bestandtheil der männlichen Toilette erscheinen ; die Frauen trugen wohl ausgeschnittene Schuhe, aber lange Kleider ihre blauen Strümvse mögen daher we nig aufgefallen sein.- Dennoch ist ihnen, gerade ihnen so fern 'sie sich gelehrten und' literarischen Bestrebungen Hingaben, der Blaustrumpf" als Spottname geblieben, in alle Sprachen übergegangen. Bis heute. Wir glauben, daß der uralte Spott über die gelehrten Frauen, an welchem die erlauchtesten Geister sich betheiligten (siehe Goethe's Epistel"), heute so ziemlich abgethan und überwunden ist. Es gibt heute kaum mehrFrauen, welche aus bloßer Eitelkeit Wissenschaften nndKünste betreiben ; es gibt deren wenigstens nicht mehr, nicht anderer Art, als Männer. Wie unbedingt achtunggebietend , ihre Leistungen sind, wie uneingeschränkt und bedingungslos diese Leistungen anerkannt werden, das hat uns neuerdings wieder der Tod der Fanm) Lewald-Stahr gezeigt. Was diese begabte Frau geschassen, ist eine wirkliche Bereicherung unserer Literatur, Schatz für die Mitwelt und nicht zu vergleichen mit den Leistungen berühmter Frauen früherer JahrHunderte. Uns wenigstens haben die Lorbeeren der hypergelehrten Olympia Morata trotz akademischen Preise, welche sich diese berühmte" Frau errungen, niemals imponirt und auch die Verdienste der Versemachernr Corinna erschienen uns zweifelhaft, obgleich dieser weibliche Versifer auf dem Capital gekrönt wurde. Ohne das Buch der Staez noch immer ein Erbauungsbuch für .höhere Tochter wäre Corinna der wohloerdienten Vergessenbeit verfallen. Ebenso wenig ernsthast zu nehmen ist die gelehrte Nonne Aoa m7r ihren lateinischen Trauerspielen und die Karschin" mit ihren Knittelversen. S oft diese Frauen unS auch als bewährte Beispiele weiblicher Leistungsfähigkeit vorgeführt werden sie haben für die Menschheit nichts, absokut nichts geleistet. Eine neue sociale Ordnung bat hier, wenn auch nur mittelbar, eiueIeränderung hervorgebracht. Jener Zug der Zeit, welcher Sklaven nnd Leibeigene befreite, welcher das allgemeine Stimmrecht, die Gleichheit vor den Gesetzen und den Begriff einer allgemeinen Volksbildüng schuf, derselbe demokratische Zug der Zeit schuf eine höht Ausbildung der Frau, eine bisher kaum gekannte Antheilnahme dcrfelbrn am öffentlichen Leben. In Folge dessen entwickelte das weibliche Geschlecht eine nie voransgesehene Leistungssähigkeit. Beinahe aus allen Gebieten selbstständigen Wirkens, wo man Frauen zuließ, haben sie sich als tüchtig und unbedingt brauchbar erwiesen am meisten jedoch auf dem ihnen leicht zugänglichen, sehr homogenen literarischen Gebiete. Der Blaustrumpf", die femme savante'', ist heute ein überwundener Standpunkt. Die ardeitende Frau hat sich Achtung erworben. Diejenigen, welche etwas gelernt haben, machen sich nützlich als Lehrerinnen, 'als Aerzte, in Amerika auch auf anderen wissenschaftlichen Gebieten. Was die schreibenden Frauen betrifft, so sind swar keine bahnbrechenden Genies unter ihnen, aber sie behaupten sich erfolgreich neben den tüchtigsten männlichen Collegen ; sie haben einen entscheidenden Antheil an der Production, sie nehmen keine Ausnahmestellung mehr ein, zeigen auch keine Besonderheiten von Belang neben nichtschreibenden Frauen denn auch die letztere beschäftigen sich geistig und füllen ihr Leben nicht allem mit Kochen und Strümpfestopfen aus ; es hat ein Ausgleich stattgefunden, in Folge dessen gibt es keine Blaustrümpfe" mehr. Wir mochten im Allgemeinen die schreikenden Frauen in drei Klassen eintheilen : Diejenigen, welche wie Männer schreifo. Diejenigen, welche als Schriftsteller weibliche Eigenart entwickeln und durch diese- zu sesseln verstehen, und endlich Solche, welche in ihrer Schreibart weibliche Schwäche und Einseitigkeit verrathen. Die verstorbene Fanny Lewald-Stahr geHorte zu der ersten Art; George Sand, mit welcher man die Lewald 'sehr irrthümlkch zu vergleichen pflegt, zur zweiten Art. Fanny Lewald hatte als Schriftstellerin nichts Weibliches. Ihre Dichtungen zeichneten sich aus durch richtige, obzective Lebensauffassung, logische Composition, scharfe Charakteristik, durch -einen gewissen strengen Ernst in der Betragtung socialer Zustände, aber t ftlfit einigermaßen an Gefühlswärme, an unmittelbarer Wärme des ErzahlertoneS, an jenem Etwas, a5 den inneren Antheil des Erzählers verrath und das wir von, einer Frau zumeist erwarten. Aehnliches läßt sich von George Elllot sagen, der weitaus genialsten , unter den englischen SchriHellerinr.en. Die Elliot schrieb wie ein Mann, kein Zug in ihren Sazristen verrieth das Weib. Sie stellt Menschen und Verhaltnisse? mit einer großartigen, ganz männlichen Objcctivitat hin, entwickelt mit haarscharfer Logik, ohne sich durch eine con ventionelle Rücksicht, eine sentimentale Regung beirren zu lassen, wie es die deutschen Schriftstellerinnen im Ganzen leicht thun. Im richtigen Gegensatz zu Elliot steht die zunächst berühmteste eng-' lische Schriftstellerin, die Oüida. Man braucht, nur einige Seiten; .irgend .einer ihrer zahlreichen Dchp M,,elesen,,, , "zu . haben, um sofort zu wissen, daß man eS mit einem Weibe zu thun h-tt. So Hass sen, so lieben, wie die Geschöpfe der Ouida, sich so glühend begeistern, solche heroische Frauenscelen, solche jämmerliche' Männer schildern, das kann nur ein Weib. So ist die Welt, so sind die Menschen im Allgemeinen nicht, wie die

Blaustrümpfe

Ouida sie schildert, aber sie schildert sie glühend, so großartig, daß wir ihr ge?n folgen, vielleicht, liebe?, als de? geistesgrößeren, aber phantasiearmeren Elliot. Ein echtes Weib als Sckriflstelle?wa? auch George Sand. Zwar ihre Schilderungen sind voll künstlichen Geistes, aber die Art und Weise, wie sie Leidenschaften und Llebesbeziehungen schildert,als hätte man sonst aus Erden nichts weiter zu thun, wie sie die' Frautn verhimmelt und im Manne kein sociales Wesen sieht, sondern nur den Liebeshelden das ist wieder echt weiblich. Hier sei nebenbei noch der Umstand erwähnt, daß gerade in Frankreich, , bei besonders, hochentwickelten literarischen Verhältnissen, bei allgemeinem hohen Bildungsgrad und sehr beoorzikgter Stellung der Frauen, der Antheil der letzteren am Schristthume ein sehr geringes isi. Eine .einzige weibliche Schriftstellerin hat sich in Paris einen' großen Ruf errungen die Vicomtesse Mirabeau genannt Gup. Sie ist eine Modeschriststellerin - sie schreibt wie ein Mann frivol und witzig scharf realistisch. Sie dichtet nicht, componirt nicht hat weder. Phantasie, noch Emp sindung sie schildert nu?, schildert die Gesellschaft in kleinen Ausschnitten und Bllderchen, die in ihrer Art unübertrefflich sind. In Deutschland gibt es zwei Seitenstücke zur Gyp d. h. berufene, bewährte Schilderinnen deö "High Life1 die im Uebrigen aber keinerlei Aehnlichkeit mit Gyp haben: Ossip Schuhin (Lola Kirschner) und Baronin Vertha Snttner schreiben wie Frauen, und zwar wie deutsche Flauen. Obgleich sie Beide Nealistinnen sind, so zeigen sie doch unaushörlich ihr weibliches Empsinden, waS übri gcnS nicht hindert, daß man auch ihnen gerne folgt. Ossip schubin hat gewisse Typen der österreichischen Aristokratie mit unnachahmlicher Schärfe, ja mit einer Bosheit geschildert, welche an berühmte Satiriker erinnert. Aber sie wird stellenwelse so sentimental so verschwommen gefühlvoll sie verliebt sich offenbar selbst in die schonen jungen Grafen, welche sie uns vorführt, daß man niemals darüber in Zweifel sein kann, man habe es mit einem weiblichen Autor zu thun. Noch mehr Weib und noch viel liebenswürhiger ist die Baronin Suttner. Sie hat die Seele voll Begeisterung für alle Güter 'der Menschheit ein unerschöpflich tiefes Gemüthsleben offenbart sich in ihren Schilderungen; thre Heldinnen sind reizende Geschöpfe, ohne idealisier zu sein jeder ihrer Helden ist ein wahrer Ausbund von Tugend und darin offenbart sich zunächst ihre weibe liche Natur. Neben den Genannten gibt es noch eine Reihe deutscher Schriftstellerinnen von hervorragendem, allgemein anerkanntem Verdienst, denen es an weiblicher Anmuth uud Wärme nicht fehlt, zu allermeist Baronin EbnerEschenbach, dann Sophie Junghaus, Jda Boy Cd und Helene Vöhlan. Daneben haben wir allerdings auch Autorinnen, welche nicht nur weiblich, sonH dern weibisch schreiben und nur von minder gebildeten Frauen gelesen werden, sor die sogenannten Gartenlauben-Schriftstellerinnen. Aber auch diese imponiien durch den großen Leserkreis, den sie errungen und wenn sie auch keine hoheren literarifchen Verdienste haben, so wußten sie doch Abertausende zu ergötzen. Noch stärker, als in Deutschland, ist die Kategorie in England entwickelt, wo der gewöhnliche Unterhaltungsroman fast nur von Frauen geschrieben wird. Unsere italienischen Nachbarn besitzen in Mathilde Serao eu fast europäische Werühmtheit ; sie hatZola'sche Kleinmalere! auf das seelische Gebiet zu übertragen gewußt. Auch die Marcheie Columbi vermochte sich über die Alpen hinaus Anerkennung zu verschaffen. Polen hat seine Elisa Orzesko. Merkwürdigerweise fehlt es den Skandinaviern, welche unseren lesenden Müttern eine Friederike Bremer und Flygare.Carlön bescheerten, an einer weiblichen Berühmtheit. Im Großen und Ganzen ein Fortschritt eine rasche und allseitige Entwickelung, welche in der Kulturgeschichte kaum ihres Gleichen hat ! Der Spott ist längst versiummt der blaue Strumpf" ist be graben, " Auf dem literarischen Gebiet sprechen die Thaten der Frauen für sich selbst. ' ' " Kt dienstfertig. ji.- - ij Ein Erkrazug hat gelegentlich einer Truppenübung das Regiment eben an den Ort seiner Bestimmung qebracht. Man richtet sich in der Nähe des Bahnkörpers zum Bivouakiren ein., Der Herr Oberst hält eine Cigarre in der der Hand, aber er hat kein Feuer. Dem Fähnrich von Vlitzheim entgeht das nicht. Stets bereit, die Gunst seiner Vorgesetzten, die seinen mangelhaften dienstlichen Leistungen nicht zu Theil werden will, durch außerdienstliche Artigkeit zu erringen, eilt er aus einen wohlbeleibten Sergeanten zu, den er in der Nähe rauchen sieht : Der Herr Oberst hat kein Feuer ! " ruft von Blitzheim und reißt dem Sergeanten den halb aufgekauten Cigarrenstummel aus dem Munde. Wie der Blitz eilt er zum Regimentscommandeur zurück und bietet ihm in strammer Haltung Feuer an. Der Oberst, der dem Herrn Fähnrich nicht sehr grün ist, hat den ganzen Vorgang beobachtet und nach einem absichtlich mißlungenen Versuche, seine Cigarre an dem Stummel anzuzünden, gibt er diesen dem Fähnrich mit den Worte zurück: .Nee, lieber von Blitzheim, so geht es nicht! , Ziehen Sie erst noch ein paar Mal an der Cigarre!" Von' Vlitzheim weiß, wie stramm der Herr Oberst auf den Vollzug seiner Befehle sieht, .und mit einem raschen Zu Befehl!" nimmt er den unappetitlichen Stummel des Sergeanten zwischen die Lippen und setzt ihn mit Todesverachtung in lebhaftere Gluth. Dann reicht er denselben wieder dem Herrn Oberst, dessen Cigarre nun glücklich Feuer sangt. Kaum aber ' hat der Herr Oberst den Stummel : dankend zurückgegeben, entfernt sich Fähnrich von BUtzheim mit raschen Schrttten! und den Stummel von sich werfend, ergibt er sich zur Heiterkeit der Herren Ossiciere einem gewaltsamen Ausbruche seiner Empfindungen mit dem

' stillen Vorsatze, nie mehr durch besondere , Dienstfcrtigkeiten bei feinem Vorgesetzte ) sich einschmeicheln zu wollen. Kli

Glückliche Zufälle. , Von H. p. Nemaaeu. Wer mit der Geschichte der Ersindungen vertraut ist, dem ist es eine wohlbekannte -Thatsache, daß die nützlichsten Entdeckungen gewöhnlich ein Ergebniß des Zufalls find. Selten hat sich Jemanh mit dem festen, bestimmten Enlschlusse hingesetzt, einen neuen Grundsatz zu entdecken oder ein neue s Verfahren zu ersinden. höchstens i Ti rin unklarer, versteckter Begriff dessen vorhanOen, was man will, oder von der Art und Weise, wie dasselbe am leichtesten zu nreichen wäre. Kurz, cö kommt ein Etwas in'S Spiel, das wir aus Mangel einer besseren Bezeichnung Zufall nennen, es tritt eine Erscheinung auf, öderes kommt eine Wirkung zu Stande, welche der Beobachter weder berechnete oder noch erwartete sein Zufall allerdings, soweit er persönlich in Frage kommt), sei es nun die bis dahin unöekannte Offelcharung einer Naturkraft oder Naturcigeuschast oder eine für die Praris verwerthbare Wirkung eines Stoffes auf einen andern. Hierin liegt zugleich, kurz gesagt, der Unterschied zwischen einer Entdeckung und einer Erfindung. Allein ein wohl zu beachtender Punkt ist der, daß eS in Hinsicht auf den Werth des Zufalls darauf ankommt,' welcher Art der Menschengeist ist. der ihn zuerst wahrnimmt. Wenrt der Boden nicht hinreichend vorbereitet ist, kann der Same nicht wachseng Tausende hatten das Licht durch entfernte Fenster zurückgeworfen und je nach' dem Neflcctionswinkel wechseln sehen, allein ein wohldisponirter Geist leitete Ve! einer besonderen Veranlassung aus dieser 'Erscheinung einen Gedanken her, welcher 'den Grund der schönen Wissenschaft, der Polarisation des LichtcS, legte, Es ist ein Vergnügen, zu lesen, in welcher Weife kluge Köpfe eine zufällige Beobachtung praktisch verwer thet haben. Der Neslcctiravparat für Leuchtthür, ine entstand durch eine Wette, weon wir recht berichtet sind. Vor etwas mehr als hundert Jahren erbot sich Jemand in Liverpool zu eiuer Wette, daz er den kleinen Druck nner-Zeiinng auf 30 Fuß Entfernung beim Scheine eines Pfenniglichtes lesen wollte. Da die Wette angenommen wurde, bekleidete er die Seite eines Brettes mit einigen Stückchen Spiegelglas, indenl er so ein plumpes Ersatzmiltcl für einen concaven Spiegel herstellte, nnd brachte ein kleines brennendes Licht diesem Spiegel gegenüber; die znrückgeworsencn Ächt strahlen vereinigten sich j zu einem Brennpunkte 30 Fuß'auf der anderen Seite .des Lichtes, und das Licht an diesem Brennpunkt reichte hin, nin dem Erpernnentirettden das Lesen der Zeitung zn ermöglichen. Ein aufmerksamer Fachmann war zugegen. ES durchblitzte Up der Gedanke, daß, wenn der Schein erneS Pfenniglichtes auf diese Weise auf eine Entseruuttg geworjen werden kann, der Schein einer großen Lampe aus gleiche Weise meilenweit geworfen werden kottne. Dieser Gedanke nahm Gestalt an und führte zur Ersindung des Neflectiravparates für Leuchtthürme. !: Eines Tages trocknete Lundyfoot, ein Tabakhandler, - Schnupftabak. Durch eine lMe Vernachlässigung wurde derselbe erhitzt, bis er verkohlte. Da er die Stärke des Schnupftabaks wahrnahm nnd wohl wußte, daß manche Leute für ihre ö!ase einen stärkeren Kiycl wünschen, als ändere, beschloß er zu versuchen, ob stark ausgetrockneter Schnupftabak guten Absatz sinden würde, und siehe da, eS geschah nicht nur, sondern derselbe wurde für ihn eine Quelle des Reichthums. Eine Hauptursache, zum Gedeihen der Töpfercifabrik in Stasfordshire war die Entdeckung einer wohlfeilen Glasur. DieseEntdeckung verdankte man wiederum einem Zufall. Auf einem Gute, wenige Meilen von Burslem, erhitzte eine Magd eines Tages eine starke Lösung Kochsalz, die zum Einpökeln von Schweinefleisch verwendet werden sollte. Während sie sich aus der Küche entfernte, kochte die Flüssigkeit über. Da das Gefäß ein unglasirtes irdenes war, brachte die sich über die Außenseite verbreitende Salzlösung eine chemische Wirkung hervor, von der die Magd wenig verstand und welche sie nicht für die ihr zu Theil werdenden Schelkworte entschädigte. Einige Elemente der Flüssigkeit verbanden sich mit einigen anderen der stark erhitzten thöneryen. Oberfläche, wodurch ein glasartiger Ueberzua oder Email entstand, der sich . . . t.-. yrr- .e.r:.i

nicyl aoione, als oas 2?qR aogerumr war; das bescheidene braune Thongefäß erlangte historische Berühmtheit. Ein Töpfer aus Burslem, welcher von' dem Vorgänge hörte, begriff, daß glasirte Waare möglicherweise beim- Publikum beliebt werden konnte; er I führte das Verfaßten des Glasirens mit Koch salz ein, ern zugleich wohlfeiles, leichtes und dauerhaftes .Verfahren, und England hat manche Million Pfnnd Sterling aus dieser zufälligen Erfindung gelost. Wenn sich die Damen frisiren, ein wichtiges Stück des Tagewerkes in manchem Hause, ist es' ihnen vielleicht angenehm zu wissen, daß diese Beschäftigung zufällig zn einer sehr nützlichen Ersindung geführt hat. Josua Heilmann, welcher in einer' Bäumwollen sabrZk zu Mühlhausen im Elsaß , thätig war, sann schon lange über die Möglichkeit nach, eine Kämmmaschine für lang faserige Baumwolle zu ersinden. Während' er über diesem Gedanken brütete, sah er seinen Töchtern zu, welche ihr Haar kämmten, und bemerkte, wie sie abwechselnd die langen Strähnen zwischen ihren Fingern hindurch und dann den Kamm durch die Flechten zoen.. Da siel ihm: ein, daß, wenn es ,hm .gelänge,! diese, zmic-l fache Thätigkeit durch eine Mafchine nachzuahmen, so daß die langen Fajern der z Baumwolle ausgekämmt und die kürzeren durch die gegenseitige Bewegung des Kammes zurückgehalten würden, sein langgcsuchteS Objekt so gut wie gefunden sei. M!r dieser NeNen öee ausgerüstet, aina er mit frischnu Muthe wieder an'S x-, ' - , ' . ..i-ri-'? r !l!,v !!'' v Werk und erfand emeWafch,ue, welche ihn in den Stand setzte, wohlfeile Baumvolle , zu mlttelseinem ! Garne zn kam':::'ä- "i il'K. v .;M:iiV -6 1 i..u!' .:, M.ieii; men 4mn, i Im Jahre 1720 ritt ein Töpfer Namens Asiburn von Staffordshire nach London. Er ielt eine Weile ,n Dunstaple an, um jemand rnMen einer ' Au?

Mschwäche seines Pferdes zu Rathe zu ziehen Der Stallknecht des WirthshauseS nahm das Wenige zusammen, was er an thicrärztlichcr Kenntniß besaß, mach te'ein Stück'Feuerstein im Feu-r glühend, zerkleinerte es und blies etwas von dem Pulver deni Pserde ins Auge. Die Verflnderung, die mit dem Feuerstein vorgegangen war, indem aus einem schwarzen Steine ein weißes Pulver geworden, brachte Astbun),auf einen neuen Gedanken. Sollte es nicht möglich sein, aus Feuerstein ein weites Steingut herzu? stellen, das härter und haltbarer als die ganz aus Thon bereitete Waare sei ? Er jammelle einen Vorrath von Feuersteinen auf den Kalkhügeln von Dunsiaple und nahm sie nach Staffordshire. Der Erfolg übertraf noch seine Erwartungen. Das mit Pfcisenthon vermischte Pulver verkalkter Feuersteine ergab eine ganz ausgezeichnete Waare und bildete einen neuen Zweic; der Töpfx?ei, de? in Stufsordshire feste Wurzel faßte. Professor Bernardin in Antwerpen hat übrigens vor einigen Jahren ein eigenes Schriftchen über den Zufall als Entdfcker und Erfinder" veröffentlicht und in demselben darauf hingewiesen, daß unsere Kenntniß der von der Natur gebotenen, gewerblich nutzbaren Rohstoffe noch äußerst mangelhaft sei. und daß es unserer Beobachtung in vielen Fällen gelingen würde, ungeahnte Reichthümer aus der Straße zu finden. Zum Beweife sührt er an, daß, während des letzten Haiben Jahrhunderts etwa zwanzig wichtige Rohstoffe rein zufällig entdeckt worden feien. So traf 1842 de? englische Chi? rurg Montgomery bei einem Spaziergang in der Nähe von Singapore auf einen Holzfäller, der mit einer Art arbeitete, welche einen ganz eigenthümlichen Stiel hatte. Montgomery untersuchte diesen Artstiel und entdeckte in dessen Material das Guttapercha, welches Z844 als Gcttaum" zum ersten Male in Antwerpen aus europäischem Boden gesehen wurde.. 1815 wurden einem Chemiker in Kalkutta aus dem Jnuern Ostindiens einige Gegenstände zugeschickt, deren faserige Verpackung die Aufmerksamkeit eines ihm befreundeten Seilers frregte. Der Faserstoff entpuppte sich als die zur Zeit , in einer Masse von 2)0,000 Tonnen in England importirre Jute, die seit der Londoner Ausstellung vom Jahre 1851 als außerordentlich nutzbarer Stoff allgemein bekannt geworden ist. Ein Bürstenfäbrikannt in Liverpool ging eines Tages am ki spazieren und stieß mit dem Fuße an Klumpen von Pflanzenfasern, welche Schutzgürtel für ein brasiliänisches Schiff gegen die Reibung an den Quaimaucrn gebildet hatten.' Er nahm die Klnmven mit und benutzte vorzugsweise die Fasern zur Herstellung von Bürsten. Dieselben erwiesen sich als d:e zu BorsteN uikd dergleichen ganz vorzüglich sich' eiMchen Blattstielfasern dei Piassavapalme. ' So wahr ist es, daß, wer, sich gewohnt hat, seine Augen Und seinen Verstand jederzeit anzuwenden, und, den sogeuannten Zufall zu benutzen versteht, nicht auf das zu warten braucht, was man Glück zn nennen pflegt, uud was jedenfalls füi die meisten Menschen ein unverstandener Begriff bleibt. . -" n Anekdote aus dem Hörsaal. De? Geheime Medizinal?ath P?osesso? Dr.' Äardcleben, welcher augenblicklich die Würde'des Deeans.der medizinischen Fakultät' an der Berliner Universität bekleidet, hielt jüngst eine Vorlesung über Chirurgie. In interessanter und humoristischer Weises wie es bekanntlich die Art jenes greisen und doch wieder so jugend kräftigen Operateurs ist, hielt er seinen-zahlreichen Zuhörern, für welche das geräumige Auditorium in der Charikö. kaum ausreichte,' einen fesselnden Vortrag über die Bedeutung und Wichtigkeit jenes Faches in der Medizin. Vesonders betonte er, daß eine Trennung der innern Medizin von der Chirurgie sür einen Arzt nicht mehr bestände, wie es früher der Fall war, nd sagte ünte Andern: Folgendes: Noch zu meiner Zeit, meine Herren, so sehr lange ist daS noch gar nicht her, da gab es Aerzte und zwar ganz berühmte Aerzte, die mit Hut und Stock in der linken Hand an das Krankenbett traten und dorr weiter uichts thaten, als daß sie nach dem Pulse des Patienten fühlten und sich von ihm die Zunge zeigen ließen, worauf sie dann ein Mittel verordneten. Ab und zu nahmen sie auch einen Aderlaß vor, indem sie dazu ihren , Schnepper aus der Westentasche holten, doch Hut und Stock ließen sie nicht aus der liuken Hand, bewahre, das durfte unter keinen Umständen geschehen. Zu jener Zeit, meine .Herren, passirte folgende wahre Geschichte hier in Berlin, welche recht deutlich die Zustände jener schönen Zeit carakterisirt. ES lebte hier in den vierziger Jahren ein Arzt, Namens Heim, der mit meinem Vorvorgänger in der chirurgischen Klinik, dem Professor Ruft aus Ungarn, seh? bef?eundet wa?. . Eines Tages nun bat Heim seinen Freund Rüst, doch' einmal zu ihm zu kommen; ich habe da einen Patienten," sagte er, d hat einen böfen A?m, und i ' ' W 'fr ' -i iW j1' j i; . . I ' " - : i , tk. . . 'ji V i:1-! i I; ,. fc . t P - .-w- HI.S-. i.

an vem lu?l?e lcy icyon t lange ye?um und kurire an ihm mezne eigene Schande." Rüst sagte zu, erschien am nächsten Tage und gebot dann in seiner kurzen Manier dem Patienten : , Rock aus, Hemde herunter!" warf einen Blick auf den stark angeschwollenen Arm und sagte: Aber Heini, der Mann hat ja den Arm verrenkt, worauf Heim ärgerlich erwie, derte: Ja warum wendet sich denn de? Ochse an keinen Chirurgen?!" GedankenspiUte, ? ' Auch de? Wu?m krümmt sich , und kriecht aber er hat kein Knopflvch. ' ?t'ß&, niM Drennal Mißbrauch gibt eine Regel. Unsere ge..? sind unser Feinde) und unsere Freunde manchmal unsere Fehler. ,:;'i f - ;r:s "t k W Wenn die Menschen Standesunters ''t'jr'"9 '' t!'"'!1';!' '; ' T 'fc'i-r 1,11 C 1111 ''ii1 Hi ,' W'r schiede unge?echt sinden, meinen sie mt mcr nu? Vxt Stände übe? sich. fy i;,;;'1!!:. . ' , . ' iWillst du deine Krast erlnessen, -Glück und Unglück zu ertragen Dann vergiß nicht, das Vergessen!

VSSSESUtSST.

I der Lehre von de yunetionen deö oehirnö. jat Professor Victor Hsrsley in London einen neuen glänzenden Fortschritt er reicht. Wir erinnern daran, daß man seit den bahnbrechenden Untersuchungen von Fritsch und Hitzig im Jahre 187 weiß, daß die einzelnen Theile der Hirnrinde verschiedene Funktionen haben. Jeder Körpertheil, jede Bewegung, jede Sinncsthätigkeit hat ihr eigenes Eeiu trum" im Gehirn, durch dessen Erregung sie zu Stande kommt. In den CentralWindungen des Großhirns, der söge- , nannten motorischen Region, ist der Sitz sür die Bewegungen de? oberen und unteren Gticdmaßen, der Gcsichtsmuskeln u. s. w. und zwar in der , rechten Hirnhalbkugel der Herd für die linksfeitigen Bewegungen und in der linken Hemisphäte für die rechtsseitigen. Während sich nun bisher unser Wissen auf die Kenntniß der Centren für die größeren Körperthcile, wie Arm, Vein,"KOpf u. s. w. beschränkte, hat Prof. Horsley durch elektrische Ueizung kleinerer Bezirke der Hirnrinde auch dieLocalisationsstellen für die Bewegungen einzelner Körpertheile, wie der Schulter, des Handgelenks, des Mundwinkels u. s. w. festgestellt. Mit geradezu erstaunlicher Genauigkeit hat er daS Centrum einzelner eng umschriebener Muskelgruppen, wie des Daumens, des Zcigesingers, der Zehen, des KinnS, der Augenlider bestimmt. Die Centren für die einzelnen Muskelgruppen liegen natürlich dicht beieinander und es gehört daher außer einer sehr genauen Kenntniß der Orts: Verhältnisse noch ein sehr hoher Grad von Geschicklichkeit im Erperimcntircn dazu, um auf Wunsch nur eine bestimmt Muskelgruppe zu reizen und zur Zusammenzichung zu bringen. Prof. Horslcy hat aber nicht nur den Herd für die einzelnen Wwskelgruppen ermittelt, sondern auch für die Art ihrer Bewegungen, z. P. Beugung oder Streckung des Daumens, Hebung oder Senkung der Augenlidcr .; s. w. Weiterhin hat Horsle? die merkwürdige Thatjache gefunden, daß das Centrum für eine gegebene Bewegung zwar an einem bestimmten Punkte der Hirnrinde in stärksten ausgesprochen ist, aber auch in seine nächste Umgebung sich noch weiter erstreckt, so daß man die Auslösung' jener Bewegung am vollkommensten durch Neizung ihres Hauptcentrums erreicht, in abgeschwächter Form durch Neizung ihrer Nachbarschast, und die Bewegung wird um so schwächer und undeutlicher, je weiter man sich von fccnt Hauptcentrum entfernt. Diese Entdeckungen haben nicht nrn ein hervorragendes theoretisches Interesse für die Psyo-Physiologie, sondern auch große praktische Wichtigkeit für die Ehu rurgie, welche sich jetzt kühn an die Qperation von Hirngeschwülsten, Hirneitcr: höhlen u. dgl. m. wagt. Der Ausfall einzelner Bewegungen, z. A. die Läh? mung eines Beines oder der Gesichtsmusleln weist den Chirurgen mit Sicher heit an f deil Sitz des Krankheitsherdes im Gehirn hin. So wird die Physiolo, gie zum Wegweiser der Chirurgie. Seltsame Krankheiten. : Ueberaus seltsame Erkrankungen, wel che dem Genuß des sogenannten Mut terkorns" zugeschrieben werden, sind in der letzten Zeit im Kreise Nollnsk, Gouvernement Wjatka, porgekommen und ihrer großen Seltenheit wegen geeignet, das lebhaste Interesse der Aerztl und der resreidehändler au sich zu len, ken We -Durch den Genu von Mutterkorn (seyal ornutura), einer unter gewissen Witterungsverhältnissen sich aus;; dem Getreide entwickelnden Schmarotzcrpftanze enistehenbe, unter dem Na men Ergotismus bekannte Krankheit, ist in ihren .äußerlichen Bedingungen ein Seitenstück zur Trichinosis, welch, ibrerseits gleichsalls durch den Genug elnes in einem Nahrungsmittel sich entwickelnden Parasiten hervorgerufen wird Während - aber - die dem bloßen Auge unsichtbare Trichine dem Laien entgehen und 'infolge dessen immer noch kleine . r , M . " , , , Eptdeimen heroorrusen kann kennt zetzt auch der dümmste Bauer das Mutterfftm rtpiirtii iinn Mt6". ab er es n de Apotheke sür schweres Geld verkaufen kann. Der Ergotismus, welcher im Mittelalter euch in Deutschland ein häusiger unter dem' Namen heiliges Feuer" wohlgekannter und äußerst ge, sürchteter Gast war, ist deshalb jetzt bei unS im i Gegensatz zur Trichinosis eine überaus selten vorkommende Krankheit geworden. Nicht so aber'bei den russis schen Vanern im fernen Wjatka. Hie, dachte kein Mensch daran, dasMutter korn, welches infolge deS in diesem Som mer reichlich niedergesallenen RegenS heüer sehr gut gerathen ist, aus eigener Initiative sorgfältig vom Get?eide zu entseenen. Die Semstwos mußten den Baue?n das sie ?e?giftende Kraut erst mit 15, dann mit 2S Kopeken das Pfund abkaufen. Die hohen Preise konnten erst bewilligt werden, nachdem die Apo Vfrfft V V " U " m -mm m. mm . äff C . . P theker m Moskau und tzst. Petersburg sich bereit erklärt hatten, für das von . . iriiSv t nw . oen Äterzken als vtuljlluenoes mmti hochgeschätzte Mutterkorn 4156 Nube? pro Centner zu zahlen. p: Indessen griff derböseKrampf" immer weiter um sich und gestaltete sich zuletzt zu einer wahren Epidemie, welche gegen, wärtig bereits 70 Dörfer ergriffen und da besonders unter der Kinderwelt furchtbar aufgeräumt hat. Aus officiellen Berichten, welche jedoch nur aus vier Kirchfprengeln und blos für die Zeit äJ":L a t:. rt w.ü v:. . . fft... vom in vlS oi. iug. voilkegcn, zu ersehen, daß in den 18 Tagen allein in diesem engbcgrenzten Bezirk Wv Erkrankungssalle vorgeksmmen und davo 30 tödltlch. Ueber die vom Mütterkorn rn' den übrigen Dörfern angerichteten Verheerungen fehlt bis jetzt jede nähere. Angabe, und man zvciß nur, daß im g.anzen Kreise Nolinsk eine Panik herrschte wie sie nur noch beim Austreten der CH lera ausbricht. ; Neben der medicinischen Welt muß auch die Handelswelt sich, für die Epidemie lebhast interessiren. Wie Wjatka, hat HffidiesemWommer auch in andern weiten Gebieten des Zarenreiches vielfach geregnet, und eS ist nicht ganz auSgeschlössenDdaß hdaS ' giftige sseIs L -üfixz '' cornnturn auch anderswo reichlich aera then ist und jetzt mit dem Getreide oder dem Mehl nach dem Auslande tranSvor i -i I vi- ? t .."!(!!: iisis, Jti? -V-iaSft..'' :,;. i S"!. -rfSvifVii! äM i" j iin wiio. iililii

S mt Elfier von Thonare. In der Whe von Nantes liegt daS Dorf Thouare, woselbst sich in den zwanziger Jahren eine Elster befard, deren Andenken in dem Pantheon berühmter Thiere aufbewahrt zu werden verdient. Sie war die Tischgenossin dcS Friedensrichters des Ortes und lebte auch mit seiner Magd im besten Elr.vcrständnisse. Der Friedensrichter, der gern Enten aß, besaß eine junge Brüt, die man auf die Felder trieb. Anfangs hatte die Magd in ihren müßigen Stnnden die Aufstcht über die Enten, und Madame Margot so nannte man die Elster begleitete t?eulich ihre Freundin. Da inachte die Magd die Beinerkung. daß die Elster sich immer zur Zeit des Austreibens an der Thür des Entenstalleö befand, und als die Magd eines Tages m's Haus hatte zurückgehen müssen, wurde sie bei - der Rückkehr uf's Feld gewahr, daß ihre friedliche Hccrde wie gewohnlich, aber unter Margots Leitung ihren Weg fortgesetzt habe, und daß Margot mit ihrem Schnabel die znrückbleibendcn Enten au trieb, ihre Schritte zu beschleunigen. Des anderen Tages machte die Magd den -Versuch, die Enten von der Elster allein ans treiben zu lassen, und die Elster übernahm willig den Befehl über ihre Heerde, den sie von nun an ganz erhielt, und hinfort nicht nur die Enten täglich nf's Feld hinaus, sondern auch des Abends zur rechten Zeit nach Hause trieb. Die Enten waren indeß für den Friedensrichter keine Luruöthiere, und als sie ziemlich fett waren, sah die Befehlshaberin Margot täglich ihre Heerde abnehmen. Madame Margot ertrug den Verlust gefaßt, bi'Z ihr nu? noch eine Ente übrig blieb, die sie auf's Feld treiben konnte. AIS aker die Magd auf Befehl des Friedensrichters sich anschickte, auch 'diese letzt Ende zu schlachten, übermannte Margot gerechter Zorn. Wüthend flog sie auf die Msgd los,, zerkratzte ihr mit den Krallen daS Gesicht und hackte wüthend mit dem Schnabel ihre Wangen blutig Dann flog sie davon und , Niemand von den Dorfbewohnern hat die getreue Enten Hirtin jemals wieder gesehen. Tigergeschichten. Trotz der Hinterlader spielen die Tiger kn Jnvien noch heute txnz fast ebenso bedeutende Rolle, wie vor einigen hundert Jahren, und tö'dtcn alljährlich ein? große Zahl von Menschen. Mr. Gilben hielt darüber kürzlich in der natlN'WisseKfchastlichen Gesellschaft zw Aombay.Mm Vortrag, in welchem er namentlich die Meinung bekämpfte, als wären diese sogenannten Manufresser alle und durch irgend welche Verletzungen an der. Jagd und Verfolgung des Wildes verhinderte Tiger. Zuweilen mag mV selch: alter Tiger, hv nicht meh? recht lausen und sp?ingen kann, nothgedrungen sich in die Nähe von Dörfern begebrn, nn dort leichter einen Menschen zu erwischen; indessen ist dicS nicht immer der Fall, und sehr oft gewöhnen sich auch junge Tiger, in voller Blüthe- ihrer Kraft, ön Menfchenflcijch und werden dann ur.gemein gefährlich. So erzählt Sir. William Hunter von einem Wann Fresser, der in drei Jahren 103 Menschen t5dtrte, und von einem anderen, der in derselben Zeit jährlich durchfchnittrich öy Menschen verzehrte.' Ein dritter war die. Ursache, daß 13 Dörfer vollständig verlassen wurden und 2S0 englische Quadratmeilen unbebaut blieben. Ein vierter todtcte binnen Jahresfrist 127 Personen und spente mehrere Wochen lang, vollständig eine große öffentliche Straße. Gilbert berichtet von einer Tigerin in Nagpur, welche einen Bezirk von etwa neun Oua dratmcilen unsicher machte, eine Vorliebe für Eisenbahn-Arbeiterder Linie VengalNagpur zeigte und im ersten Halbjahr 1869 neun Leute getodket und mehrere verwundet hatte. Im Februar trug sie am hellen Tage eine! Arbeiter aus der Mitte seiner Genossen fort. ES ist schon öfte? auf sie geflossen, doch bis jetzt ve?gebltch; nur thre Jungen sind alle ge MkVl" . w.v .i".v. MM Rossen. Eine Tigerin lebte bei Iaun ar Himalaya undlagte in einem Gebiete . . . von S000 bis 10,000 'Fuß Hohe über dem Meere. Sie legte erstaunliche Strecken zurück, mordete in einer Nacht einen Menschen hier, und in der folgen den einen zweiten fünf deutsche Meilen vom ersten entfernt. Sie wurde zufällig von einem Beamten 8000 Fuß über dem Meere c;etödtet: Im Allgemeinen liebt das Thter die Ebene mit ihren Dickichten und ihrer Warme mehr, als die Berge. In der Berliner Nationaloerfammlung des, Jahres ISIS so erzählt de? Zeitgeist wa? ein bekannte?, stets zerstreuter Geheimrath als Sekretär thätig. Bei einer namentlichen Abstimmung, hatte- er die Namen aufund das Ergebniß der Abstimmung se!nen Kollegen zuzurufen. So kam eean , seinen eigenen Jtamen. Er rief ihn, mit Stentorstimme auf : Abgeordneter Z. Keine Antwort. Ungedu'dig rief er zum zweiten Male: Abgeordneter Z. Wie der keine Antwort ; rund um ihn her heitere Gesichter, die er aber nicht bemerkte. Abgeordneter Z... rief er ärgerlich zum dritten Male. Da rief ein Schalk aus der Versammlung zurück : Fehlt! m Und Her? Z. ruft seinem Kollegen $n: ,Z. ' fehlt;. In Folge des unauslöschlichen, Gelächters wurde er endlich nieder an-, esend. ":' Herr v5N Suf flaru xsa?: bekannt dafür, baß er Peru einen guten. k?' ivrn 9 trnX St. 5 ssi1 'VlVVi V HMjf .. Am Stammtisch benutzte er jeden noch fa" . t U , . . . - . i. P."L, "?-'!v " mm,r - , nr Ti ,,r ,i j . 'iiii HuKftPioiArtfit IVrrtiff frnFm "tat ':.!"" & m tu r . in i , a M. iiiiijrwilia 'i i i Ains l" und diesen Mosten ließ er suH püS die -That folgen Eines Abends. ,, verließ er, sein Eckp!ätzchen,,nr sich uniae. Cigarren zu holen; 'ähten'ftlnetKkb Wesenheit , beredeten sich , die anderer: Stammaaste. für den Rest des Abend? , Herrn von Sufslary keine GeleZenheik zu seiner Lieblingsbemerkuna z, aeben ; Vjf'rti i " r -r ,.,,H eS sollte ausnahmZwclse Keiner von ihnen rMfa' Tn W 4 - : r ? '8 tVrr Als der alte uaaarii'cSe (5de!aun seinen .! -Vfcr.iw.,,,: -- ?! ; -f V' M W V.., 'i"','!! l Jr, -,Ei. .!:,' il'itf. (!' m!! H., T',,.. im , mf Sk.W IAAVilX. stkil Platz wieder, einnahm und seine Umge- - F v,:-.:j ,t'- Muß vung ia- Uffauenv7,jtkmm oalltzenay)

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