Indiana Tribüne, Volume 13, Number 60, Indianapolis, Marion County, 17 November 1889 — Page 7

' iiwtiiiii-iifiyiühjn'

-."W S!,!S!,I!,G?!!!?!!!SZ!!!?B1,,!s mmm'mmwmM!'i . , ...,- ,..., .. ' 7"; ' ,!, .: l1: ": i ' ' ' - :vü 1

V J 1. K. 4 k I w - sj 'i' 1 , f I

& t ''"i

blcaSCKMÄCZHnZBnC

5tujJ) Worte Havxn ihre SchiG sttle. Tertsz Tnchsien. dinieHMch NkH Gnsmi WdrterbuH. Jüngst brachte ein: unserer illnstrirten Zeitungen die ildnisfe der Mitarbeiter an dem fvr geschichtliche Behandlung nnferer Muttersprache so bedeutsamen Wör: verbuch, welches einst von den Gebrüdern Grimm angeregt und in Angriff genoms men worden. Voraussichtlich gelangt dasselbe in unserer Zeit zum Abschluß. Mustert man es, so überzeugt man sich bald, daß man nicht nur von Büchern sagen kann, sie baben ihre Schicksale, ihr Erlebtes, sondern auch von Worten. Da findet man. wie in der Bücherwelt, vor Allem in der menschlichen Gesellschaft hier einen glücklichen Emporkömmling, dort einen Heruntergekommenen. Vei : manchem Worte laßt' sich die Zeit ange, ben, 0 es zuerst erscheint, bei diesem und jenem auch, wer eZ kn Aufnahme gebracht. Es gewahrt ein deutschsprach li ches und in gewissem Sinne selbst ein knltnrgeschichtlicheZ Interesse, nach solcher Richtung einmal kleine Streifzüge durch unseren Sprachfchah, vornehmlich aus Grund der ersten Lieferungendes Grimm schen Wörterbuchs zu unternehmen. : - Zu den glücklichen Emporkömmlingen gehört das Wort Kartoffel. Es entstand aus Tartttfsel, dem italienischen Namen der Trüffel, mit der man die neue Frucht wegen großer Aehnlichkeit mit einigen Arten zusammenwarf ; da die beiden Bnchstaben und t für rasches Aussprechen unbequem waren, so sprang das erste T in K um. Kartoffel kam im Laufe der Zeiten gegenüber landschaft licher Zersplitterung der Bezeichnung Erdapfel, Erdbirne, Grundbirne, Knol; len immer mehr zur-Geltung. Eine aufsteigende Lebenskraft wohnt auch dem Worte Kneipe" inne, das als WirthsanS" durch ganz Deutschland bekannt ist. Wenn eö zur Zeit, führt unser GewahrSmaan auS, von den Wirthen auch nicht auf ihre Firma gesetzt werde (wo noch Icestanration u. dergl. gelehrter klinge), so sei im Munde der Leute die . Kneipe doch entschieden die Herrin des Tages. Wie altfränkisch klingt dagegen Wirthshans, wie dörfisch Schänke! Und doch sei das Wort eigentlich schlechter als Stinke und habe einen ziemlich schlimmen Ausgangspunkt. Adelung hade es zuerst (in seinem Wörterbuch) als kleine schlechte Schanke gegeben, Kindleben in seinem 1781 zu Halle erschienenen Studentenlexikon als ! schlechte Vierkneipe, und nur so habe cS! bis vor Kurzem im allgemeinen Brauch gegolten. Red) 1347 habe man es in veröchtlichcnl Sinne angewandt. Aber die, Sttidcntcn haben das mißliche Wort als ' willkonlinenes Kraftwort (wie sie ihrer fortwahrend bedürfen) aufgenommen und gepflegt etwa seit der Zeit der BefreiunZZkrieze. Neber das Studentische hinaus gelaugte das Wort durch den att?n Zug. der andere Lebenskreise reizt, sich die Frische und Kraft von dort anzueignen B. Bursche) und durch das Äereinswefen unserer Zeit sich besonders kräftig geltend macht. So haben denn schon lange auch die Turner,, änger, Künstler u. A. ihre Kneipe, wie ihren Kneipabend,- ihre Knciplieder ; 11. s. w." Selbst von Frauen werde das ' ursprünglich garstige Wort gebraucht. Als Beleg hierfür kann unsererseits ein von einer Dame herrührendes Inserat angeführt werden, welches im Leipziger Tageblatt. Mitte 1637 erschien: Eine junge Dame, dem besseren wohlhabenden Stande attgehortg, gebildet, lebhaft und heiter, von tadellosem Ruf, deren Mann jeden Abend in die Kneipe geht, sucht Leidensgefährtinnen, um die Abende mit diesen zu verbringen." Am Schluß des einschlagenden Artikelchens in unserem Wörterbuch wird bemerkt: Es sei bereits möglich, daß das fragliche Wort mit dem Namen eines Fürsten öffentlich erwähnt wird " mtot die Münchener Künstlerkneipe bei Schast'roth." Freilich hange ihm noch jetzt ein Nest seiner Herkunft an, doch der werde wie eine pikante Würze e'.xsnnden. Mährend der Ausdruck Kneipe im ' Laufe der Zeiten emporgekommen, sind die Worte Frauenzimmer" und Fräulein" gesunken. Ersteres bedeutete ursprunglich ein Gemach, sodann die darin wohnhaften Frauen, die weibliche Dienerschaft, das Gefolge der Fürstin (wie der Hof, die Hofleute, das Dorf die - Bauern), weiterhin weibliche Wesen insgemein, in der Regel vornehme, zum ; Mindesten wohlgesittete. Als Beleg dient ein Vers Goethes: t Ich kam hierher und fand das grauenzimmer Ein Bischen, ja man sagt's nicht gern, wie immer. Kühner war, daß zuletzt aus dem Collcctioum wieder die Vorstellung des Individuums hervortrat. In der zweilen Hälfte des 18. Jahrhunderts greift der Ausdruck allgemein um sich ; er möcht sich unentbehrlich, weil er tn'eVorstellunten Jungfrau, junge Frau, Ehefrau und Matrone zugleich umfaßt.' Frauenzimmer schloß den Vücgerstand nicht aus und bezeichnete etwas Feineres, GebildeteS; es' kann emer rohen Vanerin nicht zustehen, wie solche unter Frauensperson, Weibsperson, Weibsbild mitbegrissen " Wird.' Heutzutage heißen die Frauen nicht gern Frauenzimmer; die Zeit hat das eigentlich vornehme Wort heruntergebracht." ; u 'U'i ll i Fräulein" bezeichnete ursprünglich in vornehmes edles Mädchen. Neuhochdeutsch hießen ehemals die Töchter der Konige Und Fürsten, gleich denen des Adels, FrauleZn, ,. noch , nicht Princeß z. B. des HerzogSIvon Liegnitz Töchter in des Ritters von Schweinichen DenknürdigkeitenAZDer 'vbgedachten Bedeuiung des sraglichenWorteS entspricht! es? daß in Goethes Faust ., Gretchen des kecken Verehrers Anrede mit Fräulein" V als ihr nicht gebührend zurückweist. 1 Da das Wort sich mit der Zeit auch auf unedle Madchen ausdehnte und heute allgemein geworden ist, so fügte der Adel gnädig" hinzu, und was sonst Fräulein allein, muß nun gnädiges Fräulein heitzenlBJn ieuer Beziehung enthalten die Warnhagen'fchen Denkwürdigkeiten aus , ' der Mitte der zwannaer Jahre ein Kurlofum Mu' Berlin i wurde die Streitfrage, ob die seit der französischen Zeit üblich gewordene Sitte, auch bürgerliche Mädchen Fräulein" zn nennen, gedul-

MÄSWWM

det oder das historische Demoiselle wieder hergestellt werdet sollte, bei Hofe, wie in der Stadt mit leidenschaftlichem Eiser discutirt. Ministerien müssen ihr Gutachten darüber abgeben, und Herr v. Kamptz macht die wichtige Controverse zum Gegenstande einer besonderen Denkschrift." Gegenwärtig wird in un serer guten Gesellschaft die Anrede gnä: digeS Fräulein" seitens der Herren wohl jeder gebildeten jungen Dame gegeben. Bei dem Nebergnnae von Substanti: vtn zu Verben" führt uns die dort, wie in Romanen, so oft auftauchend Frage, ob er und sie sich kriegen, auf die: ses neuerdings herabgekommcne Zeitwort, dessen Geschichte in SO Spalten unseres Wörterbuches eingehend dargestellt wird. Der erste Abschnitt behandelt unter Vorgeschichte, ,Verwandtschaft die starke Form (kriegen), die schwach? Form (kriegen), das entsprechende mittelhochdeutsche Wort als zwischen niederdeutsch und hochdeutsch vermittelnd, zuletzt die Grundbedeutung, mit Armen und Beinen arbeiten" und die Verwandtschaft'init .strampeln", klettern". Der zweite Abschnitt beleuchtet unter der Ru brik kriegen, streiten" die Bedeutung von handgreiflichem Streit, Wortstreit, Rechtsstreit, fehden. befehden und Kriea führen. Unter der Rubrik .kriegen, be- k n,.. u ...l 4. 1 'ii. tr ' . , C '' I iuiuincii" rrorrerr oer ornre rcoscnnll! oen Zusammenhang mit dem vorhergehenden, die Heimath des Wortes, seine , Gestalt tung, Gebrauch und Sinn, endlich den auf ihm ruhenden Bann. 1 " Das malerische, kräftige Worl mit feinem reichen Leben" heißt es da, ist doch von der Bildung mit einem Bann gelegt ; es gilt für niedrig, unanständig ; in Schrift und Druck ist es jetzt der Theorienach u.nn?glich, auer,,mo es darauf ankommt, die Farbe des Volkslebens und des Alltagslebens, genau zu treffen. Im 5llltagsleben, im Haufe, im Familienkreise gestatte man sich das Wort, wird im Wörterbuch bemerkt, noch weit über die Kreise des Volkslebens hinaus. Aber selbst im Verkehre gehe man ihm aus dem Wege, wo man Grund habe, seine Bildung nicht in Zweiscl kommen zn lassen, und auch wo mau's denke, übersetzt manS im Sprechen oder Vriefr schreiben zuvor hauptsächlich in bekommen", zum Theil in empfangen", erhalten", was dann freilich oft wunderlich genug herauskomme, wenn dabei Fügungen von kriegen" auf jene Worter mit übernommen werden, die ihnen nicht auf dem Leibe gewachsen sind. Dies ist eine Illustration" zn der iin Grimm'schen Wörtcrbnch auftauchenden Klage: die Kluft zwischen uuserer Schriftsprache und unserer Haussprache sei viel zu groß, weit größer als bei den Franzosen und Engländern, wovon gar viel zu sagen wäre; wir müßten sie kleiner mtchen, nicht größer. Gleich kriegen" ist das Z,it.oort klccken" zurückgekommen. Dasselbe erscheint in mehrfacher Bedeutung: 1. bersten, 2. tönend schlagen, auffallen, klappen, klopfen. 3. Klecks anwerfen, 4. in einer von den vorigen ganz verfchiedenen Bedeutung: genügen, ausreichen. Es wird gegen die neuere Zeit hin sichtbar seltener, hat jetzt den Klang eines mehr gemeinen Wortes, ist auch untcr'm Volk hier und' da, . B.! in Sachsen und Thüringen, im Vergehen ; nur erklecklich" ist noch beliebt, aber mehr fcherzhafr. Kosen war in den älteren Wörterbüchern eigener Weise eine Zeit lang verschwunden gewesen ; spater wird es darin erwähnt als alt und aus gestorben, oder zur Erklärung von liebkosen" oder als landschaftlich, so von Adelung als schwäbisch. Ohne das liebkosen" wäre cß der gebildeten und Schrift-Sprache wahrscheinlich geblieben ; erst die Dichter des 18. Jahrbunderts haben es wieder in Gang gebracht. Vei uns gilt aber, wie einst bei den Rammt, der Horazische Auöspruch : Manches veraltete Wort lebt auf und manches veraltet, Welches in Ehren besteht znr Zeit. Die Mitarbeiter des Grimm'schen Wörterbuches waren nicht in der Lage, auf den Zusammenhang zwischen der Entstehung eines belangreichen Wortes und gewissen kulturgeschichtlichen Ver Hältnissen elnzugehenV wie ' das seitens dieses Und jenes Gelehrten gelegentlich geschehen. Ein besonders entwickelter Sinn für Höflichkeit werde, macht ein namhafter Philologe (in einem kleinen Aufsatz: (frVoni Schicklichen") geltend, nur auf den höheren Kulturstufen angetroffen werden; so fänden wir auch das Wort Höflichkeit" in un ferer Sprache erst im Menschenalter in der Zeit der Kreuzzüge. Seit jener Zeit singen unsere Vorfahren, wenigstens die vom ritterlichen' Stands an, eine feinere Sitte auszubilden ; hösigen Brauch zu erlernen, wurde nun jedes edlen Mannes wichtige und gar oft schwere, Aufgabe." Interessanter noch ist, was ein innger ulturgeichlchtssorscher, (in elnem Aussatze Gesellige Unterhaltung") in Bezug auf die Entstehung von Langemeile" ansgeforschelt hat. Diese sei dem Alterthum unbekannt gewesen, bei uns erst im endenden Mittelalter crsunden worden ; damals auch erst kam 1 das Wort aus." Sie sei durch die Erfindung der Uhren genährt und großgezogen worden. Freilich habe es schou seit dem' 12. Jahrhundert in den Klöstern Schlaguhren gegeben; aber erst seit dem 14. wurde die Zeitmessung durch Thurmuhren überliefert, und um 1600 t durch die Taschenuhren die Ermittelung der Tageszeit denn auch Jedem an die Hand gegeden worden; nun erst habe man gese' hen, wie lange eine Stunde sein könne. Das Grimm'sche Sammelwerk enthält künere, auf die Wortbildung bezügliche! Vermerke, ' welche z u in Siachdenken anregen. Es weist uns darauf hin, daß das Hauptwort Dauer" fxt im 14. Jahrhundert erscheint obfchon das Zeitwort dauern" sich bereits im Mittelhochdeutschen zeigt daß die Redensart guter Dinge" sein (bei Goethe sehr beliebt) im 15. Jahrhundert auftaucht, das Hauptwort Fundgrube" ans der Bergmannöfprache früh im 16. und das heute gebräuchliche beobachten" erst im 17. aufkommt. Das 18. Jahrhundert brachte uns die Hanxtworte Elub (ins der zweiten Hälfte), Dasein, Denkweile (welche letzteren beiden der Altmeister sehr Uebte), Durchsicht, Füllhorn :m 17. Jahr,

hundert nannte man dieses schon den Alten bekannte Sinnbild des UebcrslujseZ und der Fruchtbarkeit einfach das Horn Fühllosizkeil, sowie die Äeiworte ko misch und kostspielig. Habgier wird im Grimm'schen Wörterbuch als ein neues gnt gebildeieS Wort ' bezeichnet, welches noch nicht hundert Jahre im Gebrauch sei. Big in'S 18. J:llirhundert habe Geiz die Begierde, et!vaS für sich zusa'.nmcnzuhalten, aber auch Zll erwerben, ausgedrückt; Kant unterscheidet kargen Geiz und habsüchtigen Geiz ; indem sich aber Geiz um: die Mitte des vorigen JahrHunderts ausschließlich zur ersteren Bedeutung zu verengern beginnt, wird für die letztere Bedeutung ein neues Wort nöthig." An Entwicklung des Verkehrs zwischen bcniDcutscben unv anderen Völkern gemahnen uns einige Hindeutungen : daß Dolmetsch" ' gcgen'Ende- des 1Z. JahrHunderts aus dem Slavischen aufgenommen Goethe gebraucht daneben die

Form Dollmetscher" daß Dolch" 11 ;oumcijuvI yay cuiiy im 10. Jahrhundert zu uns gekom: und daß .das französische kokett" 1700- bei ö uns' emnekübrt n sein erst tm men um 1700 bel uns emgekuhrt zn scheint. Dclicat" AöZctiv und Adverb habe sich in der zweiten Halste des 18. Jahrhunderts in Unsere Sprache ohne Noth so eingedrängt, daß es dort nicht übergangen werden könne. Es heiße 1. wohlschmeckend, lecker, 2." schwächlich, zart, y. was mit Vorsicht und Behutsamkeit mußbchaMlt, nicht hart darf angegriffen werden es ist wohl unser heikel", kitzlich" , 4. feinfühlend, empfindlich. Hierbei drängt sich uns die Erinneruug daran auf, wie Lcssing einst einem Ucbcrfetzer von Jorcks Lentimontat zourno zu einer guten Verdeutschung jenes Beiworts, vcthalf, für ihn die mit der Schöpfung eines trefflichen AnsdruckS verbültdene geistige Mühsal freundlich übernahm. Es kommt darauf an," vernünftelt er in seiner Antwort an Bode, Wort durch Wort zu übersetzen, nicht eines durch mehrere zn umschreiben. Bemcrken Sie, daß sentimental ein neues Wort ist. War es Sterne dem Verfasser des bewährten Buchs erlaubt, sich ein neues Wort zu bilden, so muß es eben darum auch seinem Uebersetzer erlaubt sein. Die Engländer hatten gar kein Adsektiv von sentimeub, wir haben von Empfindung mehr als eines, empfindlich, empfindbar, empsindungsreich, aber diese sagen alle etwuö Anderes; wagen Sie empfindsam. Wenn eine mühsame Reise eine Reise heißt, bei der viel Mühe ist, so kann ja auch eine empfindsame Reise eine Nei'e heißen, bei dem viel Empfindung war. Ich will nicht sagen, daß Sie die Analogie ganz auf Ihrer Seite haben dürften; aver was die Leser vor's Erste bei dem Wort noch nicht denken, mögen sie sich nach und nach dabei zu denken gewöhnen." Wahrend Lessing mit jener wohlerwogenen Verdeutschung mittelbar einen durchschlagenden Erfolg erzielte, war das bei Goethe mit seinem Vorschlage, das französische Wort faiseur durch Mächlcr wiederzugeben, nicht der Fall; denn der gewöhnliche Sprach: gebrauch hat dafür Macher". Hosfent!ich hat Dr. von Stephan mehr Glück mit dem neuerlichen, lvrachgchichtlich trefflich lf begründeten ; Vorschlage, das Fremdwort Sauce nicht durch Brühe oder Tunke, sondern durch den früher sehr gebräuchlichen Ausdruck Salse" zu setzen. In dem Grimm'schen Wörterbuch wird der Ursprung zweier neuerer Ausdrücke, eines Zeitworts und ei.es zur Vezeichnung eines deutschen Abdera dienenden Hauptworts, auf volksbeliebte Dramen zurückgeführt. ES wird erwähnt, daß Kannegießer" aus Holbergs Stück Den pölitiskeKandestöber" in Gebrauch gekommen, welches zuerst 1722 zu Kopenhagen aufgeführt ward. Der Rnhm desselben verbreitete sich bald über ganz Deutschland, und das allgemeine Sprichwort Kannegießern" für albern politifkren zeugt von dem durch jenes Drama hervorgernfenen Eindruck. : Von Krähwinkel" wird gefagt: Kotzebue lasse seine Deutschen Kleinstädter" dort spielen; er habe auch ein Lustspiel Des Esels Sä)atten oder Proceß in Krähwinkel" geschrieben. Durch , ihn sei wohl der Name des nur gedachten Orts als Musterbild beschrankter Kleinstädter in Gebrauch gekommen, viilleicht von ihm erfnnden worden. Indeß macht Jean Paul schon früh m seiner komischen Geschichte", betielt Der Komet oder Nikolaus Margras" darauf aufmerksam, daß er selbst )ie ersten Nachrichten von Krähwinkel in einer dört' spielenden Gefchlchte gegeben: Kotzebue hatte nun heißt es dann weiter, die Gefälligkeit, das von mjr zuerst beschriebene Städtchen mit seinen 5tlelnstädtern zu bevölkern und sie darin handeln zu lassen, als waren sie darin geboren. 5ndeß hätte er wohl irgendwo anmerken mögen, daß ich zuerst ihn in das Städtchen gebracht; an sich zwar eine Kleinigkeit sowohl für den Kotzebueschen Ltachruhm, als für den melnigen ; aber die kritische geographische Welt will doch genau wissen, wer von Beiden Amerika zuerst aufgefunden, ob eigentlich Columbus o)er ob Vesputtus Amerikus, der zu deutsch Emmerich heißt, und ich berufe mich hier auf Herrn Eapitän Kotzebue, der ja selber entdeckte." 1 So legte derjenige Dichter, welcher in der Folge ein genialer Kleinstädter" genannt worden, einen großen Werth auf die Urheberschajt von Krähwinkel". ? , ' "., ? -:- ( n,"b '' - - - - --... , - - 1 . jv Dankcnswerth erscheint eS, wenu ein Fachmann einen ihm. berufsmaßig naheliegenden z kleinerenl abgegrenzten Theil unseres Wortvorraths einer besonderen geschichtlichen Betrachtung unterzieht, hierdurch Ergäuzungen -znm Gnmm'schen Wörterbuch liefert, dessen Bcarbeiter sich bei Aufnahme , der aus fremden Sprachen stammenden Ausdrücke begreiflicher Weife sehr spröde zeigen. So hat Lothar Bucher in einem durch eine Monatsschrift' veröffentlichten . Aufsatz Untersuchungen pXtbit politische Kunstausdrücke" angestellt. Wir lernen daraus daß der 'Ausdruck international" von 5 seinem angeblichen ! Bildner, dem Engländer Bentham, für deusenigen Zweig des Rechts, welchen wir Völkerrecyr nennen, geicyatsen woroen. arauf.' indessen u st i Zas fAeiwortt in seiner Verpflanzung nach Deutschland bekanntfr r ? r lieg ntazr oejcyranrr gevtieoen: wir ya kt geblieben: wtr haAusstcllunen.Schlafi benrnternatiouale

wagm :r. dgl. Man , fühle bei nns ein Bedürfniß für einen sschn Ausdruck, bemerk." Bucher, unv die rbeutschung mache Schwierigkeiten. Sx' 1L64 sei auch daS Hauptwort die Aternatisnale" nämlich Arbeiters ssociatZot entstanden. Jenem Politiker ist ein verdienstrxoer Schulmann mit einem einigermaßen tV . cw : :ir t ' r. t

leinen zcrus einlagenoen eoanrcn hier beizugesellen. Mit Recht erklärt Dr. L. Wiese in seinem gedruckten Vortrage Von 'ebeuSidealen", es wäre eine interessante und für die Geschichte der Geisteskultur fruchtbare Untersuchung, wann die jetzt gebräuchlichen Fremdwor ter zur Bezeichnung geistlicher und sittlicher Verhältnisse in allgemeinen Gebrauch, gekommen und an die Stelle welcher deutschen Wörter sie getreten sind. Das Wort Ideal , sei erst por hundert Jahren bei uns he'misch geworden. Bei Lejsing und Kant finde es sich bereits, ohne daß es sich mit einem vorhandenen Deutschen völlig deckt. Es sei eine Bereicherung der Sprache gewesen, aber für welchen Begriff? Dtese geht dann, unt zur Bedeutung von Ideal" zu gelangen, auf dasjeuige Lehnwort ein, für das die Holländer den Ausdruck Denkheld haben. In wie verschiedenem Sinne dieses Fremdwort von Leuten aus allerlei Ständen gebraucht wird, vergegenwärtizt Heine uns in seinen Reisebildern. Madame," heißt es dort, haben Sie überhaupt eine Jvee von einer Idee? Was ist eine Idee?" Es liegen einige gute Ideen in diesem Rock, sagte mein Schneider, indem er mit ernster Anet kennung den Ueber: ock betrachtet, der sich noch aus meinen Berlinerischen eleganten Tagen herschreibt und woraus jetzt ein ehrsamer Schlafrock gemacht werden sollte. Meine Wäscherin klagt: Der Pastor habe ihrer Tochter Ideen in den Kopf gesetzt, und sie fei dadurch unklug geworden und wollte keine Vernunft an: nehmen". Der Kutscher Pattensen brummt bei jeder Gelegenheit: Das ist eine Idee, das ist eine Idee." Gestern aber wurde er ordentlich verdrießlich, als ich ihn fragte, was er sich unttr einer Idee vorstelle. Und verdrießlich brummt er: Nu, nn, eine Idee ist eine Idee; eine Idee ist alles dumme Zeug, was man sich einbildet", Heine wirst uns Deutschen vielleicht nicht mit Unrecht vor, keinen recht ausgiebigen Gebrauch vor dem Reichthum unseres Wort-Vorraths zu machen. Lehrreich wäre es, wenn unsere Amts: spräche einmal geschichtlich von einew Sachverständigen behandelt würde. Wii wissen, daß unsere Gesetzgebung sich in neuerer Zeit (zumal feit dem Kriege von 1870 und 71) einer möglichsten Meidnng von Frcmdworten, einer thunlichst gemeinverstandlichen Ausdrucksweise befleißigt. Daß Letzteres früher nicht immer geschah, beweist ein Gcschichtchen aus der Zeit vor Einführung der neuen Erimi-nalproeeß-Ordnung, wo ein Schwurge-richts-Vorsitzer den ausgelosten Geschwornen vor ihrer Vereidigung vorznhalten hatte, darj sie ihren Wahrsprach abgeben sollten getreulich und ohne ft -ff. C 11 . A stV i-l V2?eiujrcc eine cinji in cnriicicii gewöhnliche Klausel. Es wird nun "erzählt, wie ein wißbegieriger Geschworener in Berlin auf dem Flur des GerichtSgebäudes während einer Frühstückspause den ihm begegnenden Vorsitzenden nach der Bedeutung des Wortes Gesährde" fragte und von diesem ihrer unkundigen, sonst vielseitig unterrichteten Herrn in der VerlegenheU ausweichend auf den Schluß der Sitzung vertröstet wurde. Beide hätten durch das Grimm'sche Wörterbuch ermitteln können, daß jener Ausdruck im Wesentlichen Arglist bedeutet. Während in unserer Amtssprache die Hauptwort eine größere Rolle spielen, als die Aeiworte, läßt sich von der Umgangssprache vieler Männlein und Weiblein beinahe das Umgekehrte behaupten. In diesem und in dem conservationell" angehauchten Theil der hauptstädtischen Presse nehmen gegenwärtig bespielsweise schneidig" und riesig" einen hervorragendcn Rang ein. Da lasen wir jüngst in einem kleinen Berliner Blatt von der Anwesenheit des schneidigen Rechtsanwalts F." in der glanzcnven Abendge-, sellschast eines Großindustriellen, vernahmen in einem Ostseebade, wie eine elegante junge Fran zn einem Herrn, von welchem sie auf ihr am Strande grabenhes Söhnchen angeredet ward, an ßerte: Ja, das Buddeln macht den Kindern so riesigen Spaß." Manche jüngeren Damen unserer Hochwelt scheinen gleich solchen der englischen, nur zwei Belwörte zur Beurtheilung von Ihresgleichen zu haben: scharmant' und eigenthümliche Halbgebildete Berliner lieben das Wort direct" sehr, wie wir denn einmal auf einer Dampfschiffahrt von Charlottenburg nach Potsdam ein junges Mädchen beim Passiren des Juliusthurmes sagen hörten: DaS ist also direct Spandau." Man erhält den Eindruck, daß nicht wenige Personen gewisse Lieblingsausdrucke sehr Käusig selbst an minder oder gar nicht passenden Stellen deshalb anwenden, weil i: nur über einen aeringen Wortvorrath gebieten. Da gllt es denn,- die Mahnung Goethes zu beherzigen. Was Du ererbt von Deinen Vätern C . hast. Erwirb es, um es zu besitzen. , Von den geistreichen Menschen werbe das Zarte, Gehörige der Gegenwart, be-, merkt der Altmeister an einer anderen S? i " , r . -r ' t leue nicht nur jchneu, levyasl nno eigenthümlich ergreifen, sondern, auch mit Leichtigkeit ansgedrückt, wogegen die Dummkopfe sich bei jedes legenW mit" sch om gestempelten , hergebrachten Phrasen, wie ' wir kleiner fremden Sprache thun.- bebelken mußten. ,)le Muttersprache zugleich reinigen und bereichern sei das Geschäft der besten Köpfe. SüoamerikanischeJndiancrstammeünterhalten sich bei geselligen Zusammenkünfr..s 0". - ." . 1. 5 zusolj etzeoerlcyren gern oamn neue Worte w finden oder schon: ae bräuchliche umzuwandeln ; glückliche Einfälle werden dort ebenso belacht und beklatscht, wie auf anderen Kulturstufen eta etn neues Lled oder ein neuer Wltz, und kommen, von der Gunst der öffentUchen Meinnng getragen, oft rasch in t allgemeinen Gebrauch. Vielleicht könnte

3gaxagjaS5S35S35

in praktischer Kenner des reichen deut, schen Wortschatzes unsere für die Mutter: spräche empfängliche jünger- Welt aus derartige ang'eh:ir - nüvsiche Unterlial. tungen durch Erfindung eines klrincn Gc? scllschaftsspielS hinl-nrsn. welches aus Grund des Grimmschen Sammelwerkei ihren Sinn für Bedeutuna und (5nticke. lung guter alter Worte, wie für trefflich, neue Ausdrücke in ähnlicher Weise weckt. Dann würdm selbst wir älteren Leutl die durch jenes Spiel zu Tage gefördcr: ten Schatze unserer Sprache noch meht als bislang würdig: und für erspricß llche gcjcllige VUXc ausdeuten lernen. (Berliner Post.) EZne HelsenZuttgsrau . aus de: LüneburgerHaidf. Eleonore Prochaska war nrcht d, einzige Jungfrau, welche an den Be: freiunaökrieaeil ihren Antheil hatte. Wi, Dehnittg-Cklle im Hannov. Conr , , r . V . . r m. . mlilyenr. yar aucy lte Dorothea Horn: bostel ihr Geschlecht verleugnet, um qe: gen die Franzosen, welche wiederholt ih, Vaterhaus geplündert hatten, die Wafr sen zn rragen. , Gerade als der zweite Z?eldtua aeaer Frankreich, im Jahre 1815 begann, be, t..W nj. iCir' . , ii. rri n ' , juuv vinc,.y im jjicnj einer engil: schen Herrschaft in Hamburg. In Folg, der wieder drohenden Wirren zog die fta milie nach England nirück. und so wa. das arme Mädchen znm dritten Mali durch die Franzosen ins Elend gerathen. a saute mich", erzählte sie, cm furchtbarer Haß gegen die Unterdrücke, unseres Landes und ich glaubte nichts Vejzeres thun zu können, als selbst mit auszuziehen gegen den Feind, und icZ weip, mein Wille war heilig. Mein Entschluß kam auf einmal und ohn, das Zureden irgend eines Menschen Sie wandte sich deshalb an den Stadt: Commandanten von Hamburg, Herrn v. Benningsen, gab demselben ihr Be: gehr kund, mit in die Reihen der Kric: ger gestellt zu werden, und legte ihm ihre Zenanisse über ihr bisheriges gutes Betragen vor. v. Bennizsen behielt ihn Zeugnisse, aber wegen ihrer Bekannt: r t r r f . . . . - fYi ' f L scyasl tu .yamoulg ivouiz er niuji, oaf sie unter den Hamönrgkrn dienen sollte: er gab ihr vielmehr als Ferdinand Horni bostel und unter Benennung ihrer Abficht einen Paß nach Bremen. Sie ging zu Futj dorthin, als Mannsperjon ver: kleidet. Dort meldete sich beim Ma, jor v. WeddiS. Diese? schickte , sie, wii Alle, welche Dienst verlangten, zum Dr. Wletmann zur Untct suchung ob ihres körperlichen Zustandes. Diesem offen, barte sie ihr Geschlecht, und er versprach ihr auf ihr flehentliches Bitten Ver, schwicgenhk'jt. So wurde sie dem Haupt: mann Frcudenthal bei der zweiten Eompagnie des Bremisch -Hanseatischen In: fanterie-Ztegiments zugetheilt und si machte mit ihem Bataillon den Zug bn tief in Frankreich hinein uud durch Bel gien mit. 'RiemalZ bin. ich auf den Märsche matt geworden, und wie sollte ich bang. geworden sein, wo Alle mit Muth gegen den Feind gingen," erzählte sie. Si, machte mehrere Gefechte und eine Schlacht mit, blieb zedoch unverwundet. In Frankreich war fie gezwungen, ih, Geschlecht auch dem Major v. Weddis zu verrathen. Eines Tages wurde da Bataillon nochmals einer Uttterjuchune unterworfen, welcherder Dr. Wietmann, anch hier Batalllonsarzt, fie wieder ent: hob. Nun bildete sich bei den Soldaten das Gespräch, daß Ferd. H. ein Mädchen sein müsse. Das drang auch zu ihren Ohren, und als sie sich nicht zu helfen wußte, erklärte sie sich dem Major. der ihr das Versprechen des möglichsten Schutzes gab. Als der Friede geschlossen war, kehrt, sie mit dem Bataillon nach Bremen zu: rück. Am 31. Januar 1816 erhielt sie ihren erbetenen Abschied vom Heer. Nun begann eine schwere Zeit für das tapfere Mädchen. Ich kann und mag die traurigen Einzelheiten ihres späteren Lebens nicht einzeln aufführen. Ihr hat das Vaterland schlecht gedankt. Wäre sie doch auf dem Felde der Ehre gestorben! sollte man beim Lesen ihrer späteren Lcbensschicksale ausrufen, dann dächte wohl ihrer früher die Nachwelt. f t - TN t' ' . vinx 10 vier, vruie üjieoin, eine verkommene Küsterstochter aus Nienbnrg, lockte sie unter dem Versprechen, ihr dort einen Dienst zn verschaffen, nach Oldenbürg und beraubte sie dort in der ersten Nacht ihm kleinen Vaarschaft, des letzten Restes von ihrem Solde, und ihrer sämmtllchen Kleidungsstücke. Als sie wieder nach Bremen zurückgekehrt war und sich einige Jahre hindurch redlich und mühevoll ihr Brot durch Tagelohn erworben, verdächtigte sie ein Schurke bei der Polizei, und sie, der von der Stadt Bremen das Bürgerrecht und die hanseatische Medaille für die Vethei- . .. , . ... ' . s r . . c . ligung am erlege veriprocyen, wuroe ohne Verhör und trotz ihres energischer. Protestes des Staates verwiesen. Arm und krank sie hatte den weiten Weg, von Bremen '.nach Schlüpfe bei Her'mannburg in demkalten Winter zu Fuß gemacht kam sie bei ihrer jüngeren Schwester,oie jetzt verheiräthet war, an. Sie erholte sich jedoch bald wieder und suchte sich jetzt einen Dienst. - Aber es hatte sich damals der den dauern Ut Meinung gebildet, mit einem MädchtN. das schon in der Stadt gedient habe sei nichts anzufangen, und so sand sich nichts. Doch cm Hoffnungsstrahl schien ihr aufzugehen. Sie hätte in Bremen den Hanseaten Schmied David Schrader kennen gelernt.'. Ihre, Neigung, zu ein: ander schien echt zu sein und lange schon hatte Schrader ihr die Ehe versprochen. Noch im Winter , 1319, nach, jenem Verhör, das sie wegen ihrer früher erfolgten Ausweisung aus ' Bremen? ii bestehen h atte.l ,0 a sie zn ihm und die Heira th kam zu Stande. , Aber als ob des Elends der Heldin noch nrcht genug, gewesen, die ye wnrd e eine, unglückliche und ihr Lebcr ende eintraursges; , , ' ', I m E d a p 6. Warum behal ten Sie Ihr Binocle auch, während des Schlafes auf? Wenn ich etwas Schones träume, dann will ich es auch deut. lich sehen.

li'te es neuerdings zur ihr Interesse a, wethistorischen Thatsachen durch ein Ge: schichtslotto" mit Erfolg geschehen ist.

AliAWtVtfTTBl

Gin tragikomisches VU'd ans dem nächtlichen Berliner Stra'ßenleben wurde in einer Verhandlung or Augen geführt, die kürzlich die Jnjurienv Abtheilung des Schöffengerichts beschastigte. Es standen sich zwei naturwüchK fige Berliner gegenüber, von denen jeder die Bestrafung des anderen beantragte. Auf der einen Seite ein kleiner, korpnlcnter Herr mit entschieden cholerischem Temperament, der Rentier M., auf der anderen Seite ein lang aufgeschossener, dürrer jrmger Mensch, der Musiker P., sn dem allfs trocken war, selbst der Humor. Der Vorsitzende ersuchie es zu, nächst mit Vergleichsvorschlägen. Dirselben fielen aber auf einen höchst undankbaren Boden. Ick bin hier doppelt vertreten, ließ sich der Rentier vernehmen renmal als Ehrenmann un eenmal als Ehemann, in beede Decle bin ick bisher cen vollia, unbescholtener Mann jewesen, un so will ick durch die VerHandlung ooch wieder injesctzt wer"'." Der' Mann redt nich unübel, det hat Hand un Fuß", sagte der Musiker und machte ein höchst ernsthaftes Geficht. Vorsi.: Sie sollen sich gegenseitig mit Schimpswarten belegt haben und da werden Sie wohl beide bestrast werden." Kläger M. : Ick bin uff meine vollständige Freisprechung jesaßt, denn det wird woll jeder insehen, det man, wenn man verhcirathet iS un hat ne Frau un die wird auf der Straße krank, det det teen Zielpunkt for nächtliche Jtumdreiber is. Da haben ja selbst die wildesten Kameruner Nespekt vor." Mustker P. Die Tonart jesällt mir, aber mir scheint, Ihre Ls-Klappe is undicht geworden." Vors.: Keiner spricht von jetzt ab ein Wort, bevor ich ihm die Erlaubniß dazu ertjcilt habe. Herr M., wollen Sieden Vorfall mal erzählen, eS handelt sich wohl um eine Straßenscene, die sich in der Nacht zum 16. August abgespielt haben soll. Rentier M. : Ick werde die Nacht jewß nich versessen. Ick war mit meine Frau det Abends en bisken bei Müllers in die Köpenickerstraße jewesen. Der Mann is berühmt wejen seine Eisbecne un sein Sauerkohl is immer jradezu jroßartig." Vors.: Ich will Ihnen mal etwas sagen, Herr M., Sie dürfen nicht glauben, daß wir hier anhören wollen wie die Küche dieses oder jenes Restaurateurs ist, wenn Sie nicht bei der Sache bleiben, entziehe ich Ihnen das Wort." Rentier M. : Ick habe jcdacht, ick müßte bei'n Anfang anfangen. Also is jut, so um zwölfe rum zchen wir janz jemicthlich zu Hause. Als wir so dicht bei die Alte Jakobstraße sind, sagt meine Frau mit'n Mal: Mein Iott, sagt sie, ick jloobe, ick krieje wieder meine Majenkrämpfe, ick habe schon so'n Sodbrennen. Sichste, sage ick, det kommt von den Sauerkohl, Du weest doch, det Du ben nich vcrdrajen kannst. Nu mach man schnell, det wir nach Hause kcm:nen. Wir zehn noch en Endeten weiter. Da sagt meine Frau: Willen,, sagt sie, mir wird Allens jrien un jelb vor die Oojcn, ick kann nich mehr, stütze mir hier jejen die Wand un hole mir en Jlas Wasser. In denselben Oojcnblick fällt sie mir ooch fchon hiu mächtig in die Arme. Da stand ick nu un konnte mir nich rühren. Zum Jlück kam en Mann ran, der ooch verheiräthet war. der lief nach die Apotheke un holte ne Flasche Selterwasser, un als meine Frau erst en paar Schluck von jcdrunken, da kriegte sie Lust un kam wieder zu sich. Ick führte ihr nn in eene Ecke un hielt ihr den Kopp. Nu hadden sich aber schon ziemlich ville Menschen angesam: mclt, uu eugierig, wie die Berliner nn mal sind, fragte jeder: Wat is hier los? un ick habe immerzu jeduldig wie'n Lamm jeantwort: Hier is nischt nich zu sehen, oet it blos 'ne kranke Frau. Zuletzt kommt ooch hier der Anje klagte da mit noch een Paar von seine Eollegen an uns ran un reiszt det M und Us uu fragt: wat is hier los?" Ick war mittlerweile örjerlich jeworden, un als eener von die vielen, die rumstanden, den anjenehmen Witz machte un sagde: Det is jcwiß der llfschlitzer Jack", da wurde ick jiftig un ick sagde zu den Anjeklagten, als er fragte, wat da los wäre : Na, wat sollte zier denn jroß los sind? En Faß mit Syntp is kaput jejangcn, da können Sie dran lecken!" Natürlich lachten fie alle, wodruf der Zl?!usiker sagde: Wie so'n ollet Faß, a?at nich mehr dicht is, sieht die Olle zoch aus, wodruf ick natürlich wüthens wurde und mir vor ihm hinstellte und sagde: Herr, nehmen Sie der zurück, wüst soll Ihnen en dreimal destillirtct Aequiuoctium uj'n Koxp fahren." Er aleente. der wäre jarnischt, aber vor eine Olle, da hädde er weit mehr Angst und darum wolle er sich lieber drücken. Ha aber kam en Nachtwächter un ick verlangte, det der Mensch festjestellt würde." Vors. Ich sehe nur noch nicht ein, worin die Beleidigung liegen soll, gewiß hat der Beklagte Sie gehöhnr, aber Sie z alten doch zuerst die höhnende Bemerkung von dem Syrupsfaß gemacht. Herr P., har die Sache sich übrigens so zugetragen, wie der Kläger erzählt?" Musiker P. : Der Mann tritt immer zu zehre det Pedal, wenn er wat erzählen dhut. Als er nur die Antwort jav, d ick mindestens für schnodderig Zestim.'ren muß, da sagde ick blos: Weutt SieJhre, Olle für'n. Faß ansehen, denn kann ick, nich bafor, ein Jeder nac! feinen ena. Lun", aber Syrup scheint det nich zu. sind." Scu wurde er iroo und redte wat oon Kamcelophantc, wo er mir mir mee- . . , t neu dhar, und byat seraoe, als 00 cr mit oerhanen. wollte. Dadruf habe ick aber weiter keeuen Werch nich jelegt." Lör. Sie hatten jich ooch lieber vereu nigcn sollen". Das. Endresultat der VerhandlunI, ar, daß die gegeuseitigen Velcidigungru! für comvensirr erachtet wurden. Die öwfteu wurden zu. gleichen Theilen gnm, zen. , 3 t i e f.": Wie hat dc? Eaüspieler Schwall gestern seine tragische Nölle durchgeführt? Ich finde, daß er damit eine zu, riefe Wirkung hervorgebracht hat. Wieso zu rief? Er wollte das. Herz der Hörer und konnte nur ihr Zwcrgfell erschüttern. y ! !: E i n e n e u e Kran k h e t t. Sie ziehen schon wieder? Ja, w'isstn 1 l c . . - r. 1 üic, 1C9 rann mv)i oajin , wicuic, rau I leidet (iin WohnungZwcchselfieber.

tfflaaffiffiszsrnTOi

Ueber die Vorgeschichte deö H Duells, mgm dessen der Wiener Journalist Hermann Karl Wolfs auf Ersuchen deM Wiener Behörden in Berlin verhaftet worden ist, um nach Erledigung der erfocderlkchen diplomatischen Serhands lungen angeliefer. zu werden, bnngtZ das fhut Wiener Tagblatt" folgend interessame Mittheilung: "j Der DueNAegner des Verhafteten der jüdische Nechlsanwalt, wie die hiesige Staatsbürgkr-ZNtung ihn bezeichnete war der Wiener Vertheidizcr in Straffachen DrJaeques Fischer, gegen chen seit dem WLoncte Mai dieses Jahres .4 in derselben Angelerenheit die Vorunterfuchung anhängig macht worden ist. H DaS Duell, um daScS sich hzcr handelt, ha! seine eigene rntereffznte Vorgeschichte. '!! Am 21. Mai d. I. standen vor dem Er-H ksnntnißgerichte in drei Bruppeu zusammen neunzehn Individuen angeklagt, welche sich an den Ercesssn anläßlich des 4 Tramwaystrikes betheittgt hatten. Sämmtliche Angeklagte wurden zn mehr Z oder minder schweren Freiheitsstrafen verurtheilt, bis auf ein vierzehnjähriges Mädchen, dessen Vertheidigung, eben Dr. Jacques Fischer geführt hatte. In seiner Vertheidignngsrede sprach Dr. 1 Fischer von einer einseitig geführten j Untersuchung. Es sei notorisch, führt? er aus, daß Geld unter' die Leute jn-3j Hetzzwecken vertheilt wurde, und daß be- i kannte antisemitische , Agitatoren ihre k Hand dabei int Spiele hatten.. Man müsse es deshalb bebauen?, blos - die ß armen verführten Opfer, und nicht auchH die eigentlich Schuldigen auf der An-1; klagebank zu finden. Für diese Aeußerung wurde am nächstfolgenden Tage Dr. Fischer, der als Anwalt nichts , Anderes als seine Pflicht gethan, in j einem hier erscheinenden Äntisemitenblatte in der niedrigsten Weise beschimpft. Daraufhin schickte er seine Zeugen in die! betreffende Redaktion. H. K. Wolff erklärte sich bereit, dt Verantwortung für den Schmähartikel zu übernehmen, und Dr. Fischer forderte nun diesen znm Duell. Die Heraus- ; fordern g wurde angenommen, und nrt 20. Mai trafen sich' die Gegner summt ihren Sekundanten in Preß bürg, nach? dem einmaliger Kugelwechsel und zwan-H zig Schritte Distanz festgesetzt worden war. DaS Duell verlief insofern un- j blutig, als von den beiden Gegnern kei-. ner den andern verwundete. Einen Vttj wundeten gab es aber dennoch, indem H. K. Wolff beim Feuern sich mit der eigenen Waffe an der Hand eine leidste Verletzung zufügte. Wolff wollte eine Äerjohnung herbeiführen, doch die gegnerischen Sekundanten entschieden dagegen. Die Staatsanwaltschaft erhielt im Wege einer Zeitungsnotiz Kenntniß von dem !! stattgehabten Zweikampfe und zog dich Duellanten in Untersuchung, bei welcher jedoch die bethciligtcn Parteien sich der !j Aussage entschlugen. Aus diese Weise war die Staatsanwaltschaft auch nicht in der Lage, die Sekundanten zu eruiren, bis ihr durch eine einseitige Dennnciation i die Namen der Sekundanten dcö Dr. Fischer namhaft gemacht wurden. Der Eine derselben ist der bekannte Major v. Heydebrandt, welcher nun auch in die Untersuchung einbezogen wurde; der zweite Sekundant konnte aber trotzdem bis soweit nicht ermittelt werden, weil sein Vorname nicht bekannt geworden ist. Die Namen, der Sekundanten de? anderen Partei sind nach wie vor der Staatsanwaltschaft unbekannt geblieben, i Dr. Jacques Fischer hatte dann als Vertreter des Majors V.' Heydebrandt gegen dessen Einbeziehung in die Untersuchung die Beschwerde beim Obergerichte ergrif, ; fen, weil, wie er einwendete, sein K lient, Major Heybcbrandt,.. als Ausländer ' derselbe ist preußischer Unterthan für ein im Auslande begangenes Delikt hier nicht zur Verantwortung gezogen werden könne. Das Obcrgericht wies jedoch? die Beschwerde mit einer höchst interessantcn und ganz neuen Begründung zu-ZZ rück. Ungarn sei zwar, so hieß eS in der i betreffenden Entscheidung, im gegenseitigen Verkehre mit. Oesterreich als Ausland zu betrachte, demAilZehSrigeneinesZ dritten Staates gegenüber tnüffenOestcrreich und Ungarn als Ganzes angesehen werden.- So wird bcnn auch Major Heydebrandt in die Anklage einbezogen werden." '" " Eine Probe von M en schenhandel, wie- er in der guten alten Zeit zu Recht bestand, hat die Münch. Allg. Zeitung" auö amtlichen EchristG stücken zn Tage gefördert. DenncS ivar nicht auf den. Sklavenmarkten irg-nH eines türkischen egyptischen oder mOrokD kanischen Ortes, sondern es war im Konigreiche Baieru, und zwar zu Landshut, als das dortige Stadtgericht ä. L 17; Juli 1815 folgende Bekanntmachung er ließ: Tttl. Herr erdinsnd Freyherr vH P , Gutsbesitzer aus SchoUnach, hat zur Befriedigung feiner Gläubiger unaufgefordert um den gerichtlichen Verkauf der grundzinS- uns zugleich jurisliictionsban demselben nZeuthmlichelr Klebstimischen Untcrthne gebete n Indem., man u. s. w., Verben Kauflustigeuntendev Vedingttiß',es baare: Erlages. de S Kauffchi ll in g S eiuge! ad en :c., woraufman. Bil ratificfciione mjeuigen diese. Unterthanen' käustich ' überla'ien wird,,. welcher bis znr Stunde, Mittags zwo! p Ubr, das aßte An eot zu ,Pxo ' tocell gegeben, (k..b.JnteUiz?n:blatt sür fcta. Izarkreis, Jahrgang 1815 'ntr at. 756). Wa5 diese zu sersteigzrndcir , Lute oyl gebracht habe:?, rnogeix, sall ihnen dieses, schreiben ZuSesicht kar ' und ob sie wchl auch riuen Begriff, xxw censchenrn'de hatten? 2'! och hr-Jben cic;e Zu st änd e, d?.2tu.nbd rci ß iz Jahre gedauert, ' da kam devSlnrm bcJarLS. 133 fegte mrr ikMentarcr Dewysj über UaAt alles da.Ueberkomniß. mxl chfe-ne r seudarerZek wig, ? ' - fg E i n c m Gerücht zu Z l ge soll 'an in Fraykceich) u:it der Absicht um5.?hen, dicht, an der oeu:schcn Grenze " j ' isv- " .J au' einem Punkte der Vogezen eine ric, fthafte'Statue 'dcr Z!achezv:iin aufzu''iieAkn.dZenit brpHMerBchrdgen vranacu isa. " wiszw schlägt man vör. dlkftnRehu:e Sie't gegenüber ans ktsässtzchMBodenrine b. so großes Monument e.nszun.y!en m der Anschrift: Mer hawwe schol"

k,Norbosten.bUckt,nnd.a ;dcicu vnMesteäfZ . . ti ' i , v, 11 'f - . -I in ücIoicu?i!cia.jchi 5icae; v!eme,tS-

Hit ! f .. " 'U. " f :

15, rcx p'rent t

(

i i " Ä M 1 1 '. '' h M ii ? " w 1: u f n 31 n ii jr Jlli , :tm t j

1

I