Indiana Tribüne, Volume 13, Number 60, Indianapolis, Marion County, 17 November 1889 — Page 6
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fl Vttdcd ZAs dem ?5s:ttlgen Dakottt. EmCrrtO Wurfler. E i n 3t 0 n ch ,n a n'S B a l l." Dks Leben dcs Rauchers besteht jährvtii(.lt U4lV HUillf UHU ViUlViyruna ; fein freudiger Moment erheilt sein Dasein, feine sorgenvolle Stirne liegt i i. ; . . ... s rv : .. st..it.t. stets in tfiuqen; er harr: t$ . kommerrim Sturmes, der flammenden Prairie und Her anderen iljin stets drohenden Gefahren. Sein Sinn für Festlich kelte und Lustbarkeit muß unterdrückt werden und erstirbt an mangelnder Nahrung. Im Herbste jedoch und auch im angehenden Winter, wenn alle Vsrbereitung?u getroffen find, um feinen Stürmen zn trotzen, dann macht der Ranchman sich auf einige Stunden frei, um sich nach seinem Sinne zn rgötzen. Auf der und der Nanch ist ein Tanz angesagt. Es werden t:ne kostbar gedruckten Karten als Einladung auSaefandt. Der Nachdar ssgt's dn Nachbarn, es geht von Ohr zu Ohr, sie find Alle ingeladen, sie kommen Alle. Vielleicht bedeckt mehrere Fuß tiefer Schnee die Erde an dem festgesetzten Tage, oder e5 ist ein Blizzard im Anzug. Doch dies schreckt keinen Ranchman, der zum Tanze will, mit Frau und Kind im Wagen eder selbstgezimmertem Schlitten eilt er dem Orte der Lustbarkeit zu. Je nach der Entfernung, welche oft bis fünfzig Meilen beträgt, verläßt er seine Nsnch schon am frühen Morgen und ist den ganzen Tag über unterwegs, in bitterem Sturme, den kalten Dakota - Wind im Antlitz. Bei Sonnenuntergang kommt er ani Ziele an und sindet schon eine lustige Gesellschaft versammelt. In dem warmen Raume angelangt begrüßen, ihn laute Rufe: Hall oh, Bill!" schallt es von allen Seilen, doch er achtet ihrer kaum, schnell entledigt er sich seines Bus-fel-Msnte!s und nimmt an der reichlich bssetzten Tafel Platz. Er laßt es sich vor allen Dingen gut schmecken nach der langen Fahrt und erst nachdem dieser Pflicht genüge gethan, findet er Zeit, sich nach seinen freunden umzusehen. Die Gebäude auf einer Dakota-Nanch sind klein und der Nanm ist beschränkt, muß jedoch für den Ball herhalten. Das Schlafzimmer des Hausherrn und seiner Frau ist ausgeräumt und zum Tanzboden hergerichtet worden. Ueber die rohen Holzwände sind weiße Tücher gehängt worden, welche dem Raume ein frisches, festliches Ausfehen verleihen. Die Männer machen eS sich hier gemüthlieh, während dem die Frauen in einem anderen Zimmer die Kinder zur Ruhe bringen. Das vergangene Jahr wird nochmals durchlebt; der Nachbar will wissen, ob fc;e schwarze Stute ein Füllen hatte, wie viel die Zunahme des Viehes betrage, was Heu in der Stadt bringe und alle diese Fragen werden von Dutzenden Stiminen zugleich erörtert; alte Freundschaften werden erneuert, alle Feindschaften genährt. Bill hat Jün seit dem letzten Tanze ror'm Jahr nicht gesehen. Dies ist seit zehn Jahren so. Und jedes neue Jahr, wenn sie sich wieder treffen, erzählt Bill, wie betrunken Jim war und wie er ihm einst daö Leben rettete, als French Kid ihm das Licht ausblasen wollte. Die alten Pioniere haben das Wort und der junge Zeitungsmann, der das CountyOrgan verlegt, hört andächtig zu, um jedes irern" zu erHaschen. 1 Ich sehe mir die bunt zusammengewürfelte Gesellschaft an. Ach, und wie bunt! An den Wänden hängen Cowboybüte mit den glitzernden Metallbändern, Mützen aus allerlei Fellen, Vüsselmäntel, lederne Neithosen und andere Eewänder. Hier ist es einem zu heiß geroorden, er hat sein buckskin shirt" ausgezogen und an den Nagel gehangen. Er besitzt ja außerdem noch ein neues Cattunhemd. Der Ranchman ist kein dude". Er besitzt einen besseren Anzug für besondere Gelegenheiten: Tanz, Vegrabniß, oder um nach der Stadt zu. fahren. Besitzt er nicht einmal diesen Ertra-Anzug, dann wird das alltäglich: Costüm durch ein buntes Halsband oder eine neue Weste ausgeputzt. Auf einem leeren Bierfaß in der Ecke des Nauines sitzt die Tanzmusik, der fiddler". Sein Arm schwingt den Bogen, und kaum lassen sich die ohrenzerreißenden Klänge der Visline vernehs rnen, als sich fchon die tanzlustigen Paare hereinstürzen und Aufstellung nehmen. Die Frauen haben ihren besten Staat angelegt und sehen im Gegensatz zu den Männern recht schmuck aus. Die VioLne ächzt, ein stämmiger Cowboy ruft die Figuren ah, der Tanz hat begonnen. Der Janchman kennt keinen Walzer, er tait nur square-dances", eigenthümliche Quadrillen. Sie drehen sich rechts, sie drehen sich links, machen ein Complüuent und schwingen sich im Kreise herum. Mit welcher Grazie sich jener Riese dreht, und wie galant er seiner l&csnc die Hand hebt! Ja, er weiß auch, wie man mit wornen folks umzugeben hat. Und die laute, die Geige übertönerche Stimme eommandirt: Swing ycmr partners, and rigut, and lest, aluro and .alum and back." Der erste Tanz ist zu Ende. Mit schweißbedecktem Antlitz entfernten sich, die Tänzer um neuen Paaren den . Boden zu überlassen. Sie stürzen wie eine Heerde Kälber in den Raum herein,, sie ollen alle tanzen, tanzen ! Dem I idd ler wird keine Zeit zum Ausruhen aegeben, er muß geigen, bis daß die Sau im platzen. Und erst, wenn er ganzlich erlahmt, bringt ein talentvolles musikalifches Genie eine Mundharmonika zum Vorschein, damit der Tanz keine Unterbrechnng leidet. 1 ,t Plötzlich lassen sich im Raume nebenan laute Stimmen vernehmen, "A fightl ie Tanzenden lassen sich nicht stören, h, die oh den Wänden herumsitzenden en sich wie lektrisirt nach dun ng. " ' : tiic fiht Hai begonuen. Aus Anlaß, weiß, wie gewöhnlich, u sagen. Zei baumlange in HemdSermeln )Iarqni3 ,,v rules". Ein Kreis ist den gebildet, und laute 'J einen guten Hieb, "ft zu Boden gehauen der Kleinere, hat mm vzuluoerJoe aus die
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Füße, und man sieht i'yn blitzschucll ach der hinteren Hosentasche greifen. Puff und eine Kugel sauft an Frenchus Kopf vorbei und räbt fich in der Hol.zwl:nd ein. Wie schnell ist nun der ,Kre:S gclichtet., eine "sampode" nimmt Platz und d'ie Kämpfer sind sich selbst überlassen. Doch renchy ist auch Nicht faul und knallt mit einem mörderischen N?- j volocr aur Joe los. Eine Zeit laug Hort man 'nur noch das schnelle Annitagen der Hämmer, daS Platzen der Pat nen und, daS Zischen der Kugeln. Hmts.r der Thüre tteht der Hausherr und ifthlt die Kugeln, als der zwölfte - v cyn?: avaeccocn woroen. vrin: er Zwischen dle Kämvfcr. ,Er wein., da dle öLolver leer und. leine heu tuve erscheinen nun auch ans der Bild stäche rnd helfen ihm die wackeren Kämpen ins Frei.e befördern, wo sie, je nach Gefallen, ihre Revolver laden und weiter kätupfen, od-r in der kalten Lnft abkühlen können. Dies Mal ist der "itefct." ohne Unfall ! verlaufen, doch, in den meisten c st. ..'" fY ... I ftaue treffen einige der Kugeln, und wäyreuddem. die anderen Paare tanzen, wlnde ein Mann sich im Todeskampse. MDer kleine Zwischenfall ist schnell vsu gessen und thut der Lustbarkci: keinen Eintrag. Der junge Zeitungsmann tadelt mit lauter Stimme das uinökhigc Tragen von Schießwasfen, wozu man solche beim Tanzen brauche? Gerade hier sind sie dem Rancher ost am nothwendigsten, wenn nicht zur eigenen Ver theidigung, so zu der seiner Freunde. Beim Tanze, wo sich Alle treffen, werden die meisten Fehden zum Nuötrage gebracht. Wie beklagen die Rauchers die guten, alten Zeilen, wo man dcn Revolver an einem mit Patronen wohlgespickten belt" osscn und ehrlich zur Schau trug; damals war auch dessen Gebrauch mehr zum Sport und wilder Ausgelassenheit in Ordnung; man schoß nach Flaschen, Gläsern, nach der Geige des Violinisten u. s. w. Heutigen Tages tragen sie den Schießprügel vcrborgen, uud kommt er zum Vorschein, dann bohren sich die Kugeln in warmes Mcnschcnfleisch. Ach, die guten, alten Zeiten!" Da sahen der Tanzboden und die Decke am nächsten Tage wie ein Sieb aus. Jim weiß hiervon ein Stück zu erzählen. Jim" hatte für den Tanz an demselben Moraen den whiskey" von der Stadt nach öem Ranch gefahren; als er am Ziele ankam, das Spundloch mochte nicht gut geschlossen haben, war er in sehr müdem Zustande uud suchte sein Lager auf. Wie lange er gcschlafen, wußte er selbst nicht, doch will ich seine eigenen Worte miedcrgebcn : Wißt Ihr, boys, ich träumte von Kolleg Brown, als ich die Schießerei mit ihm hatte und ihn: daS Lebenslicht inSbiies. Wir waren eben bei der ersten Ladung begriffen. Und wie Ihr wißt, bei dem dritten Schuß streifte mich des Lumpen Kugel am rechten Arm. Dieser Streifschuß brannte mich im Trance ss sehr, daß ich aufwachte. Wo ich mich befand, wui;te ich nicht. Wachte oder träumte ich? Heiliger Moseö! Wie das knatterte! Um mich herum summte eö wie in einem Wespennest; hisch, hisch paff ! Da saßen die Kugeln in der Decke, der Schmerz in meinem linken Arm ließ nicht nach. Jetzt wußte ich aber, was los war. Der Tanz ! Wie dumm von mir; die verdammten Cowboys llnter mir schössen durch die Decke, ich lag über ihnen auf dem Dachparterre im Bett! Und, wie ich war, sprang ich mit einem Satze durch den Kugelregen hindurch nach der Thür und hinunter in den Tanzsaal. Ich hatte keine Toilette gemacht. Der Teufel, wie die Frauenzimmer schrieen und die Männer sich vor Lachen wälzten! Auf einmal sagt mir so ein Grünhorn, als ob ich es nicht gewußt: Wliy, Jitn, you'rc shot! Im linken Arm saß die Kugel. Sie haben sie mir herausgebutchert" und mir Whisky als Medicin gegeben. So ein? Cur lalZ ich mir gefallen. Seht her!" Er streifte den Aermel auf und zeigte eine ekliche Narbe. Der Teufel, waren das lnstig? Zeiten!" so beendete er seine Erzählung. Der Ranchman ist durch die Verhältttisse zu mäßigem Leben gezwungen. Geht er zur Stadt oder zum Tanze, dann haut er gern über die Schnur. Was wäre ein Tanz ohne Getränke! Wer trinken will, bezahlt einen Dollar und erwirbt sich damit das Recht, so viel Lhisky oder Bier zu vertilgen, als Stoff orhanoen ist. Alle Augenblicke sieht man einige Durstige nach der Quelle außerhalb eilen. Der vorsorgliche Wirth hat den stärksten und qefürch testen, mit dem Beinamen Tue ivid gerufenen, zum Bareeper ernannt. Joe. der sich das Blut aus dem Ge? sich: gewafchen hat, will Whisky haben. Xot a damned drop," wird ihm zur Antwort. In Joe's Zügen roetterleuchtet eS. Ich habe meinen Dollar bezahlt," ruft er trotzig aus. Ja," antortet Tha Kid, und auch genug Whisky dafür getrunken; hier," und er reicht ihm ein Glas Bier, dies sür den Durst, uud wenn du über deinen Rausch und Kampflust weg bist, kannst du wieder Whisky haben." Joe, ohne ein Wort zu sagen, trinkt das Vier und macht sich dünne. Mit Ihc Kid ist nicht anznbinden, Her Kift zu gut, wenn er schießt. Nachdem zwei oder drei Stunden mit Tanzen verbracht worden sind, wird in dem Na'nme nebenan das Feuer ange facht, Kessel: auf den Ösen gerückt nnd für den Magen der Tanzenden Sorge getragen. Es wird kein Delmouics Supper", und würde dies dem Magen eines Rancher's niä)t Halb so gut bcha gen, als dle krastlge Mahlzeit, welche hier bereitet wird. Große, saftige Steaks" eines selbst gezogenen Ochsen braten in den Pfannen, selbst gezogene Karte sieln schmoren daneben uud die Tische sind mit eingemachten Früchter der Prairie bedeckt. ' : : ' , Wiederum macht sich der Mangel an Ranm geltend.. Die Tafel kann nur den dritten Theil der Gäste beherbergen, es ' müssen drei Auflagen folgen. Den Aelteren rri& der Vorzug cgeben, e!n Jeder händigt dem Hausherrn, ehe er sich niederläßt,' einen Dollar ein ; dies deckt die Kosten der Mahlzeit, und deö Tanzes überhaupt. Es ist dies Sitte, denn ttv Rancher kann keine Gesellschaften 'ae5enflDieIKdsten,.z, würden zn groß sein; doch ubermmmt aus Gesälligkeit Dieser oder Jener das Besorgen der
Fefilkchkett, vnd der DollLr deckt nur in wenigem Fällen seine Auslagen. Einmal bei Tische, fällt kein Wort, eS sind Alle z:: sehr mit den guten, vorgel sehte Sachen bcschästigt; man hort nnr die Fraae: 'I'ea vr (?Tee. please?
Die Essenden werden durch keine Toaste eder akdor d inner speeenes belästigt. Die Schüsieln sind schnell g?lecrt, die Hausfrau kocht uenen Vorrath, während dem die Gesättigten sich vom Tische erheben. Run h-cißt es vor allen Dingen ,.Gejchtrr wa?ch:n". Die zungencaochen theilen sich in d!? Arbeit und die Tafel ist für die zweite Attaque schnell , f. -j c. " V f. t.!i veren, . Ist dicselt vollzogen, so heißt fedrniiu Geschirr waschcn, und die es w Arbeit wiederhol: sich, bis Alle gespeist sind. Auf einer Ranch ist nur wenig Geschirr vorhanden und muß mansch so helfen, obgleich feder vorhandene Tel ler und Schüssel' auf der Tafel stehe. Die Letzten an der Reihe sind die Kinder; sie lacken, weinen und theilen sich unten 4?. r fi. - uviigcii üuciieiircne. Im Raume nebenan sind sie ununter, brochen am Tanzen. ,,AIum and Aluinn and riglit and lest" läßt sich die Stimme des Ausrufers vernehmen. Die Mütter der sich balgenden Kinder tanzen mit fchweißtriefendem Antlitz. Sieht man den Tanzenden zu, so meint man, eS sei schwere, harte Arbeit; die rothen, erhitzten Gesichter sind in Schweiß gebadet, und alle blicken eru st drein. Die Lnft in dem Raume ist zu einer uuglaublichen Temperatur uud einem schanderhafteik Aroma gestiegen; die starken Pfeifen der- Staucher, der Tabak der Kauenden, die Düfte der Mahlzeit und die Ausdunstung der -vielen Aenschen in dem kleinen Raume brauen eine un glaubliche Atmosphäre. Doch es beklagt sich Niemand, sie scheinen es nicht zu bemerken. .Will" zieht feine Weste aus und hängt sie an den Nagel zu dem Rock; ei hat ja ein reines Hemde an. In einer Ecke hat sich ein Cowboy zur Ruhe bcgeden. Ihm folgen bald Mehrere nach. Der Tanz und das Getränk überwälti? gen sie. Die Lampen brennen trübe und niedrig. Vielleicht sinden noch ein oder mehrere fightss" mit mehr oder minder blutigem Ausgange statt. Am Horizont wird es hell. Der Fiddlcr" packt seine Geige ein, er will nicht mehr. Er hat seit Einbrechen der Dunkelheit bis jetzt den Bogen geführt. Run reichen sie beii Hut sür ihn herum, er läßt sich hierdurch erweichen, noch einen Tanz aufzuspielen. Die Lustbarkeit hat ihren Höhepunkt erreicht. Laute Rufe, Gesang, Stampfen mit Händen und Füßen übertönen die ächzende Violine. Es ist zn Ende. Die Pferde werden aus dem Stall geholt und vor den Schlitten oder Wagen gespannt. In ihre Büsselmänkcl und Decken wickeln sie sich ein. Hier wird einer eingewickelt. Was für eine gute Zelt er hatte! What a gbod tirnc wc liave liad! Good bje Joe, Will, Bill, Jack und wie sie alle heißen. Bei aufgehender Sonne fahren sie nach Haufe, anf dem Heimwege halten sie Wettrennen ab. Wenn der Ranchman nach Hause kommt, dann kocht seme Frau, wahrenddem er die serde und das Vieh besorgt, Frühstück. Ist dieö verzehrt, dann gehen sie Alle zu Bett und'' träumen von dem letzten vergnügten Tanze. Bildet derselbe doch den Stoss der Unterüaltnna für das nächste Jabr. Und halb im Schlafe dreht sich die ehrbare Frau des Rauchers um und fragt ihn: Hast du anch gesehen das häßliche Frauenzimmer von Joe, sie hat eine wirkliche, echte Sealskin-Kappe auf." Die Squaw:Men halten ihre Tänze unter sich ab. Sie haben den SquawS daS Tanzen beigebracht, und die rothen Damen sinden ebensoviel, wenn nicht mehr Vergnügen daran, als ihre weißen Schwestern. Doch geht es hier bedeutend wilder zu, und der Tanz ist sür einen eivilisirtcn Menschen etwas ungcmüthlich. Frec iiglits"'siitb an der Tagesordnung, die ganze Gesellschaft löst sich in Trunkenheit auf ; die Revolver sind in fortwährender Arbeit begriffen, wenn auch nur fr fun". Es ist jedoch kostbar, eine Squaw, wie sie gekleidet ist, tanzen zu sehen. Die Komik der Betvequngen spottet jeglicher Beschreibung. Ohne die Squaw zn fragen, packt sie der Tanzlustige bei dem Arm und zieht sie mit sich fort. Ich mochte sie, wie mein Freund Büfselkopf" sagt, nicht mit einem den kvot polo" anrühren. Den Gebrauch von Wasser und Seife scheinen sie nicht zu kennen, letztere nur, um sie durch die Gurgel . in den Magen gelangen zu lassen. Originelle Predigt. Ein excentrischer Geistlicher in Eornwall hat te sich schon lange darübet geärgert, daß seine Gemeinde jedesmal umschaute, so oft Einer zn spät in die Kiiche kam. Eines Tages sagte er daher anf der Kanzel : Liebe Brüder, ich benierke mit Bedauern, daß, ihr von Euren religiösen Pflichten immer dnrch den begreiftlichen Wunsch abgezogen werdet, zn sehen, was nach euch noch kommt. Ich werde da her, um dies zu vermeiden, in, Zukunft Euch die später Kommenden namhaft machcu." Dann begännet seine Predigt, bald aber mußte er !'sich unterbrechen - als er eben gejagt batte: Der Herr sprach zu Farmer Stubbins mit Frau und Tochter. Smbbius mit Frau und Tochter setzte sich etwas überrascht nieder und die Predigt ging weiter.. JZach einiger 3Cl rsicbcrljoUc fu bn Ui6e : So kam das Lanv, worinnen Milch und Honig fleußt, in die Hände von Sam EnrtiS und William , Diggle-..Die beschämte Gemeinde horte ,m:t gespanntester Aufmerksamkeit zu, wie di'e.,Predigt fortging und der Pfarrer sich ab und zu unterbrach, diencuen Ankömmlinge zu melden. Einen Mißgriff macbte er aber doch ; denn als er sagte: Fran Symans vom Nothelr "Löwen . ülft' nnenr neuen Hut",, ehttitt.IÄSvle zäufMommaNbs alle weiblichen Mitglieder .der Gemeinde ,,,-'' ''" ' " ,,,n:'sii!:l' "'7ntm : r14 1, ,,, ...,.,.,:.,:,, .;" ..".,. , U W "4 v 4 K V i : i-i ' : "L 'i f:' 1 i Falsche Auffazsun g:, Was für hübsche Hände Sie haben, Anna! DaS sagt die gnädige Frau auch. Wieso denn? Ja, erst 1 ntuüty faqtc !sie,f wie der: Der Anna muß iusn den ganzen er- . ("-' ' rv ... " k Tag aus die Finger sehen.
?l2ncai22J?ia3t?u.
Wke Volkötteder entfieye. Volkslichcr haben meistens dZ Schick, sal, daß, wenn nicht ihr Dichtr, doch ihr Eomponist der Vergessenheit anheimfällt. und zwar, e beliebter, populärer ne werden, desto mehr verhüllt sich ihr Urspruug. Wer z. B. kenni den Eomponisten deö StLiterliedes aus Wallenstcm's Lager", während seine feurige Weise heute jedem Schnlkindc bekannt ist? In encr ammcnarpe nnoen wir ww;n Brief am Münüen vom Jahre 18 t5. in welchem dc? Musiker genannt ist, desscn Nalnen aber, im Gegensatz zu seiner Melodie, dem Ohre vollltandig fremd klingt. &in juugcr Sänger schreibt tu 5:cr Mutter: .Unter den musikalischen Größen, für welche mein verehrter Meyerbcer mir Empfehlungsbriefe nach München mitgegeben, gehörtauch ein alter Herr Kapellmeister, da' eigentlich schon zu den Todten gehört, die einst berühmt mit ihm in Weimar lebte. Doch gerade deshalb intercssirte mich der alte Knttstvkteran; ein Mann, den Schiller umarmt hat, ist immelhin eincS Besuches und Zeitopfcrs werth. Ich wurde auf meine Empfehlung hin mehr als freundlich aufgenommen; ein fröhlicher, wenn auch stiller Greis, der lieber hört als spricht, empsing mich. Doch lud er mich zum Wiederkommen ein u..d beim zweiten Mal ward er gesprächiger. Er erzählte mir u. A., daß Schiller eines Tages nach der Probe zu ihm an daS Dirigeutcnpult trat, ihm eines jener gefürchteten undeutlichen Zettelchen in die Hand drückte uud in feiner zuversichtlichkindlichen Weise bat: Lieber Herr Kapellmeister, componircn's das rcrht charaktervoll, eS ' ist der Gipselpuukt muß packen und zünden". Es war das Reiterlied aus Wallen stein Frisch auf, Kameraden, auf's Pferd, auf's Pferd." Der Tert war mir nicht ganz neu, da ich, um die Musik dazu zu componiren, schon Einsicht vom Ganzen genommen hatte; so aus dem Zusammenhang gerissen, fessel-. ten mich die Verse wunderbar. Doch mehr als vier Wochen vergingen, Schiller frug schon ungeduldig eiu paar Mal: Noch nichts gefunden?" Ich hatte auch ein paar Ideen, aber sie genügten mir nicht. Da besuchte mich eines Tages der Herr Hofpredigei Herder, dem ich eine Motette componirt hatte, wofür er mir persönlichen Dank brachte. Ich mußte ihn ein paar Augenblicke warten lassen als ich eintrat, stand er am Fenster und tronimelte gegen die Scheiben. Und aus diesen tonlosen Tönen, diesen uurhythttlischen Rhythmen heraus hörte ich plötzlich die gesuchte Melodie. Ich ging schnell -wieder in mein Nebenstübchcn zurück, notirte mir das Nöthigste und dann erst begrüßte ich den verehrten Gast. Verzeihen Sie, Verchrtcster," sagte ich zu ihm, aber Ihr Fenstermarsch gab mir eine gute musikalische Idee, die ich schnell sinren mußte!" Und später hat der Herr Hofprcdiger lächelnd behauptet, der eigentliche Componist dcs ReiterliedeS fei er!" Später hat der liebenswürdige Herr noch die Trauermnsik zu Schillers Vcgräbniß geschrieben, erchat sie alle überlebt, die Heroen von Weimar, aber seine Au gen leuchteten noch, als er mir erzählte, wie Schiller ihn umarmt und geküßt hat, daß er das Lico gar so richtig und schön componirt habe. " In einem zweiten Brief heißt es: Denke Dir, liebe Mutter. der Herr Kapellmeister, von dem ich Dir kürzlich erzählte, ist heute, 73 Jahre alt, gestorben, er ist sanft entschlafen, sast ohne Schmerzen!" Zu den Geistern in Walhall zählt von nun ab auch mein lieber alter Freund, der Comxonist Franz Destouches von seiner Vaterstadt München aufrichtig verehrt und betrauert. Sttzlblüttien. Einen duftigen Strauß von Stylblüthen hat die Wiener Presse" zusammengebunden, aus dem wir für unsere Leser die folgenden herausnehmen: Die Elbingei Äll. Ztg." nennt den Bassisten K. eine lmposante, junonische Erschcinung". Im Leipz. Tgbl." ladet ein Biedermann zum Ankaufe seines Bau, Platzes ein, der so recht idvllifch für Kesselschmiede und sonstige Fabrikanten geeignet ist." In demselben Blatte rei, nigt" M. Saldiö, Kammerjäger,- jedes Ungeziefer". Eine Wiener Zeitung bringt folgende Anzeige: Die Affaire von .iszaEszlar ist nun vollständig in dreizehn Heften erschienen. Das ganze Werk, welches eine der traurigsten Erschcinungen dcs neunzehnten Jahrhunderts bildet, kostet zwei Gulden." Herr E. Hegg empsiehlt sich als Apotheker und Blutegel cn gros". Insbesondere scheint die Musik- und Theaterkritik Neigung zu solchen Ausschweifungen zu besitzen. Am blechmusikalischen Himmel ist deu Dresdenern ein neuer Stern aufgegangen", jubeln die Dresdener Nach richten". -Die Nhein.-Westf. Ztg." bringt folgende naturbeschreibende Ungeheuerlichkeit: Von besonderem Reize waren die Duette des Alt und Sopran. Die silbernen Coloraturen der Frau. Henschel hüpften auf den majestätischen Wögen von Frau Joachims Gesänge wie Möoen auf brandender See; das klang wie Orgelton und Glockenklang, verbrämt mit Nachtigallengefang." Daß aber die Politik hinter der Kritik nicht zurücksteht, beweist uns das Mainzer, Journal", welches schreibt: Wie ein getretener Wurm krümmt sich der Nationalliberä-, lis'mus; er fletscht die Zähne, ballt die eine Faust, mit der anderen flebt er um Rettimg." In ähnlicher Weile wettert die Nheinisch-Wcstf. Ztg., welche in die greihandclspauke blasen". Ueberaus sinnig ist auch die folgende Redensart: Wieder schwingt der Arbeiter Hammer und Ambon." (Pforzheimer Beobachrer".) Das Entsetzlichste an grauenvoller Phantasie aber bietet uns das Marnt heimer Journal", welches 1870, offenbar vor Beginn dcs deutsch - französischen Krieges, schreibt': Wir stehen auf einer Pulvertonne, die. wenn i ihr nicht der Boden herausgeschlagen wird, zum DanaideNkFaß werden und erplodiren kann." Und rnit fbW unnatürlichsten LoyalitSt versichert ein Hofbericht: ' ..Die Entbindung erfolgte nach dem üblichen Ceremo niell um 12 Uhr 27 Minuten Mittags."
rjar zraaassseaaaßEssffi
Gerettet durch die Schwiegermuttcr. Zwei Schoppen!" ächzte derPartiknZrer Heinzelmann und sank dann auf seinen Stuhl in der nun vollzähligen Korona des, Stammtisches mit so schmachtender Grazie und so todesmattem Blicke, wie dle Jungfrau von Orleans am Schlüsse des letzten Aktes zugleich mit dem Boihange ntederzu fallen pflegt. Ja, ja!" hub er zu seinen besorgt drcinblik kenden Commilitonen an. die Jagd ist für mich, der ich dreimal die Schweunin: gerkur ohne Erfolg durchgemacht habe, überhaupt kein Vergnügen; aber wenn man selbst das gehetzte Wild ist und bei 20 Grad Neaumur von einem Menschen verfolgt wird, gegen den der grimmigste mit einem Magazingewehr bewaffnete vctmroo ein reiner Watsenknabe ist, dann, ja dann ist es eben zum Davonlaufe." - Gespannt lauschte alles diesem langen Seufzer, em nccy yoyer fncg me Er wartung, als der Erzähler nach einer kurzen Pause, die er seinem Taschentuche zum Trocknen dcs SchwetneS gewahrte. fast freudig bewegt fortfuhr: Na, Gott 1 Dank, letzt bin tch ia hoffentlich ae borgen uud ungestört an diesem Orte des Friedens und der Erholung ! Und dicS danke ich nächst Gott meiner Schwiegermutter"! Ja, meine Herren, wer hätte das gedacht, daß mir einst als rettender Eugel in Noth uud Gesahr meine Schwiegermutter erscheinen würde!" Nanu fchietz aber ecnmal los", rief der Backermeister Arazlein, Tu mußt ja in eener fchcenen Tunke gesteckt haben, wenn Du Deine Schwiegermutter so hcrausftrelchst". Hab' ich auch", sagte Heinzclmann. Hört nur, wie die Sache sich zutrug." Ich hatte mich eben so nach dem Mittagesscn mit meiner Schwiegermutter verkracht von wegen Herausgabe des Hausschlüssels, dcs letzten Symboles männlicher Wurde. Ich räumte sädleß lich, um nicht ganz pater peccavi zu machen, das Feld und ging, meinen Aerger zu verschnaufen, ins rele, aus die . t yfcvv ' ir m Promenade. 21531c icn uun aus einer Bank meinen trüben Reflerionen nachhänge, kommt so ein windiger Reisender angefchwanzelt. Ich denk mir: wer 6 doch auch so gut hatte und heut h:er morgen dort fern könnte, und dabei sehe ich mir den Schnacker einen Augenblick genauer an. Gleich griuzt er mich durch fein -vconokel mit einer Freundlichkei an, als wenn ich feine Kalle wäre, mach en'n Sprung auf mich zu, zählt mir alle Artikel des Weltgeschäfts Jakobsohn & Com. vom Hemdknopf bis zur completten Zimmereinrichtung aus, packt dabc ein Chaos von Musterkarten und Katalogen aus und ruft, als dies alles keinen Eindruck aus mich mackt, triumphirend aus: Jetzt kommt erst die zweite Abthcilung!" Da aber riß mir die Geduld und ich dem lästigen Schwätzer aus, und erfreut, der zweiten Abtheilung entgangen zu sein, athmete ich nach einer kurzen Strecke erleichtert auf. Allein da tonte cs wieder hinter mir: Die zweite Ab theuung, meiu Herr!" und da war er auch wieder mit dem KLfferchen, dem Monokel, dem tadellosen Cylinder nnd dem freundlichen Grinsen. Entsetzt springe ich auf die vorbeifahrendcPferdebahn. Wer aber mit mir sprang, war mein Quälgeist. Neiu, wie sich das schön trifst, da fahren wir ja dieselbe Strecke," sagte er, da haben wir während der Fahrt vollauf Muße die zweite Abtheilung ." Herr Gott, die ver . . . zweite Abtheilung!" schrie ich und sprang iu der Angst falsch vom Pferdebahnwagen, so daß ich der Länge nach auf die Straße siel. In demselben Augenblicke jedoch sah ich einen bekannten Musterkosscr und Cylinder neben mir auf dem Pflaster kollern. Kein Zweisel, mein Verfolger war mir uachgcsprungen. öiichtig, da erhob sich auch daS verdutzte Gesicht des Oommis voyaour an meiner Seite, und mit blasirt ruhigem Tone fragte er: Mein Herr, Sie wohnen wohl hier? Wollen wir nicht in JhrerWohnung die zmeiteAbtheilung.. ?" Doch da sprang ich mit wunderbarer Behendigkeit wieder auf die Beine und gab Fersengeld. Wirklich erlangte ich, während jener seine Siebensachen zusammensuchte, einen kleinen .Vorfprung, da aber hinderte'mich heftiges Seitenstechen am Weiterrennen. Schon hörte ich seine näherkommende Schritte, schon vernahm ich seine krähende Stimme: Gott, der Gerechte, eilen Sie doch nicht so, sonst komme ich nicht nach!" Ich fühlte, ich mußte ihm als Opfer m die Hände sallcn, wenn mir nicht ein rettender Gedan ke kam. Und er kam. Zwei Dienstmänner sah ich müßig an einer Ecke stehen. Schnell druckte ich zedem 50 Pfen nige in die Hand und beschwor sie, mei nen schrecklichen Verfolger einen Augen blick festzuhalten. Mein Wunsch ward befolgt. Denn alsbald horte ich den 'omun3 voyaZeur: He, meine Herren, was foll denn das? Was halten Sie mich auf? Ah, Sie wollen was bestellen bei dem Weltgeschäfte Jakobsohn & Com?. ! Bitte sehr! Die erste Abtheilnnz enthält alle Herrenartikel, als da sind: Hemdenund Manschettenknöpfe, Hosenträger, Oberhemden, Spazierstöcke, Cigarrenspitzen...." Düs aber hielten auch meine bezahlten Dienstmänner nicht aus. sie ließen' ihn los,' und, wie aus einer Pistole geschossen stürzte er sich auf mich, .sein . erlesenes Opfer. Run hieß es wieder laufen," laufen, um dieselN Teufel zu entrinnen, den Belzebub selber entsandt zn haben schien, um manchen Sterblichen schon hier auf Erden alle Abtheilungen" der Hölle durchkosten zu lassen. Na. ich hatte schon von der ersten genug, vor der zweiten riß ich eben aus. , Als ich aber nun doch einsah, daß ich aus dem Wettlaufe mit diesem Langbeine als, der Besiegte hervorgehen würde, da erfaßte mich eine grenzenlose Wuth, so eine richtige Bejenkchrerwuth", und da kam mir denn der Laden einer Waffenhandlung eben rechten die Quere. ' Sei, Schau- , fensteir znltoenblitzenden . MordiMru-.', mentcn winkte mir jetzt fo freundlich entgegen wie' dem . Hungrigen das Schau? : fen ster eines 'WurstladeNs !l ' iiiL: "'f' ' 1 , In die Wafsenhandlung' stürzen und einen Revolver erhandeln, war das Werk eines Augenblickes." Wenn das nichts half, dann ja dann wollte ich mich 1
geduldig in Gottes Namen noch für die . ?j st r -. .. ?
neue Avlyeuung" opfern, nuni äu Her ren entfchlojien, meinen Revolver krampfhaft umspannend, eilte ich aus dem Laden um vor dem Revolver meines Verfolgers entsetzt zurückzuprollen. Wieder auf das Frenndlichste arin- . t. !.n .. .! t'.(lll..l... r ..rA icuö, yleil er mir oie utunoung femescevolvers unter die Nafe und sagte: Aber, mein ueoer q)err, , warum yaven Vc mir das nicht gleich gesagt, daß Sie einen Nevolver brauchen? Sehen &u einmal diesen Taschenrevolver an, führe :t : t . . . c .. iyn immer vci mir, er iji aus oer eritten Abtheilung unferes Weltgefchaftes, welf w. t f r cyes aue Vcyuszwazzen " Ntt fchlaat's aber dreliehn. der Zkerl hat noch eine dritte Abtheilung." schrie tcy uno uef nur meinem ccvolver wie wahnsinnig davon. Mein Verfolger war mir naturlich dicht aus den Hacken. eyt wurde fchon das Publiknm und die Schutzleute auf uns aufmerksam, da die tolle Flucht und der ötcvolver mir offenbar deu Anschein eines gcsährlichen Verbrechers geben mußten. Wie weit ich uun so gerannt bin, weiß ich nicht, nur' soviel weiß ich, daß ich verschiedene Leute, die mich aufhalten wollten, über den Haufen rannte und daß ich mich plötzlich vor dem Mehlladen meiner Schwiegermutter befand. Ein dunkles Gefühl sagte mir, daß ich hier gegen alle Dämonen sicher sei, und so eilte ich denn in den Laden meiner Schwiegcrmntter. Als mir aber auch hierhin meiu Verfolger nachfolgte, da flüchtete ich in die Nähe der Frau, zu der ich heute vielleicht zum ersten Mal ein wahrhaft kindliches Gefühl empfand, und mit einer Stimme, iu die ich Schmerz, Verzweiflung, Hoffnung und Ehrfurcht zu legen wußte, stieß ich nur den einen Ruf ans: Schwiegermutter! Die Wirkung dieses einen Wortes war großartig! Wie? .... Schwiegermutter?" murmelte der Ccrnmrn voyageur mit einem scheuen Blicke auf die imposante, mehlbestaubte Gestalt meiner Schwiegermutter, zog er ab wie ein begossener Pudel. Was die eiligste Flucht, zwei handfeste Dienstmänner und felbst ein Revolver nicht vermocht hatten, das bewirkte das einzige Wort: Schwiegermntter." Ich war befreit und erleichtert athmete ich auf. Dann aber umarmte ich (feit meiner Hochzeit das erste Mal) meine Schwiegermutter, gab ihr in überströmendem Dankgefühle einen Kuß und den Hausschlüssel. Da werdet Ihr es mir, werthe Commilitonen, verzeiben, wenn ich mich heut und die nächsten Tage schon um 10 Uhr von unserem Stammtische zurückziehe. Der Phonograph bei Moltke. Ueber die Vorführung dcs Phonographcn in Ercisan, entnehmen wir einem Berichte der Schles. Z." Folgendes: Unlängst traf Herr Wangcmann, der Vertreter Edisons in Berlin, von seiner Gemahlin begleitet, auf dem Schlosse zn Creisan ein. Zu ebener Erde im Schlosse stellte Herr Wangemann auf einem Tische seinen Apparat auf, um zunächst den Mechanismus desselben, der durch eine läiigcre Reise leicht etwas leidet, wieder in rechten Gang zu bringen. Schon diesen ersten Proben, welchen der Herr Phonograph" unterworfen wurde, fehlte es nicht au einer dankbaren Zuhörerschaft. Von den Hausgenossen und den um des Phonographen willen nach Crcisau gekommenen Verwandten des Feldmarschalls (es waren dicS: dessen persönlicher Adjutant Major von Moltke mit seinen beiden Brüdern, dem Major von Moltke vom Gencralstabe dcs 6. Armeccorps und dem Pächter des dem Feldmarschall gehörigen Gutes Wernersdorf. von Moltke, ferner der Kaiserliche Lootscncommandeur von Krohn ans Wilhelmshavcn, Herr von Culmitz aus Saarau diese fast sämmtlich mit ihren Damm sowie eine verwitwete Schwägerin, des FeldmarschallS nnd zwei Frauleins von Moltke) versammelten sich alsbald ein größerer Theil in der Nähe des Apparates. Als dann der commandirende General des 6. Armeecorps, Gcneral-Lieutenant von Lewinski, und der Chefdes Generalstabeö des (!. Armeecorps, Oberst-Lieutcnant von Graberg. ebenfalls' anf dem Schlosse eingetrossen waren, erschien mit diesen Gästen auch der Feldmarschall Graf von Moltke. Herr Wangcmann erläuterte eingehend den Phonographen, wobei der Fcldmar fchau vielfach durch wischenfragen fern lebhaftes Interesse kundgab. Aus dem Vorrathe von Phonogrammcn führte Herr Wagcmann die schönsten vor. Mit einer kurzen Unterbrechung, wahrend wel cher im anderen Flügel des Schlosses ein Frühstück eingenommen wurde, dauerte die Vorführung des Apparats fast vier Stunden. Der Phonograph brachte die verschiedenartigsten musikalischen Aufführungen, die Stimmen Abwesender, u. a. diejenige deS Reichskanzlers und die unseres Kronprinzen, und aller derjenigm unter den Anwesenden, welche in den Apparat bincinsprachen, zu Gehör. Znletzt ließ sich auch der Feldmarjchall dazu herbei, seine Stimme auf eine phonographische Walze zu übertragen. Graf Moltke sprach Folgendes in den Apparat hinein : Diese neueste Erfindung des Herrn Edison ist in der That staunenswerth. Der Phonograph ermöglicht, daß ein Mann, der schon lange im Grabe ruht, noch einmal seine Stimme erhebt und die Gegenwart begrüßt. Ihr Instrumente fpoitet mein, mit Rad und Kämmen Walz und Bügel: ich stand am Thor, ihr solltet Schlüssel sein; zwar euer Bart ist kraus, doch hebt ihr nicht die Ztiegel. Gcheimnißvoll am lichten Tag läßt sich Natur des Schleiers nicht berauben, und was sie deinem Geist nicht offenbaren mag, das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben." Aber der menschliche Geist stellt der Natnr die peinliche Frage. Er zwingt sie auf der Folter des Erpenments, auf die Gesahr hin, daß sie sich zuweilen furchtbar rächt, so manchen Schleier zu lüf ten." Höchste Leistung. Frau Dodl: Mein Sohn hat heute seine erste Bertheidlaunasrede ehalten 'vnd einen Raubmörder frei gekriegte . Diese Rede hatten Si hören sollen ' meine -f '! '" '' V'-1 ir - Äi-1 'H' "-,"" Zainen, ia) versiaere ie, zogar' vle Gendarmen haben geweint!"
Der LresteS der PuLzta.
Wien. 20. Oct. Eine SchickialStragödie. wie sie von Sophokles bis Grillparzer !cines Dichters Phantasie graue hastcr zu gestalten vermochte! Ihr uglücklicher Held ist der Honved-Feldwcbel Josef Moricz. dessen Mutter uud Schwener wo; in ,cvrecnn erfchonen haben. Moriez hat vor etwa zwei Jahr, Vater, einen Wütherich. der cn nncn rau und Kinder mißhandelte, getödtet. DaS f. . 1 f ITk t t i-n - JCAJi vivwuyiii it user oen atermorrer gefällt, die Justificirung steht bevor, und jcnic Mutter und Schwester, welche den Vollzug des todtkündendeu Spruches trotz verzweifelter Anstrengungen nichaufzuhalkcn vermögen, gehen dem Sohn und Bruder im Tode voran. Welch' beispid-lose-Sttlenqualcn müssen die beiden Frauen gelitten haben, ehe sie die Wasse gegen die eigene Brust richteten ! Eine ganze Familie erscheint wie weggefegt vm irdischen Schauplatz. So furchtbar die Schuld des Vatermörders ist, so erscheint sein Schicksal darum nicht minder bcjammcrns- und theilnahmSwnth. wie das dcö ron den Erynnicn verfolgten Muttermöröers. deS OresteS, Sein Unglück erscheint beinahe größer als seine Schuld. Mitleid und Venwmluna drückten ihm seinerzeit die Mordwaffe in die Hand, uud der unselige Schuß zerrrümmerte nicht ein. sondern in der olge vier Menschenleben Das Schicksal des Orestes der Puszta" wirkt so erschütternd, daß selbst die Frage an Bedeutung verliert, ob die Sentenz dcs 'Kriegsgerichtes eine unwiderrufliche bleibt. Der Ueberlcbendc wäre nicht minder bejammernswerth als 'der Eerichtete. Die Tragik in dem 'Geschicke der Familie wird noch dadurch erhöht, daß Mutter und Tochter die Schreckensthat osfcnbar in Folge der falschen Nachricht von der Verhängung eines TodeSunhcilS verübt haben. Josef Moricz, der seinen Vater erschossen hat, befindet sich noch im hiesigen Honoed-Vrigadegefängniß und das Unheil ist noch nicht erflossen. Daß ErzSi Moricz zuerst die Mutter und dann sich selbst erschossen hat, ist unzweifelhaft. Die Waffe wurde in der Hand des Mädchens gefnnden. Doch auch das gegenseitige Einverständniß ist csnstatirt. Abends fchickte Frau Moricz ihre beiden Dienstboten unter einem Vorwande fort. Als sie zurückkehrten, fanden sie das Thor versperrt; selbst auf anhaltendes Pochen wurde nicht geöffnet. Die Mägd liefen zur Polizei, welche die gewaltsame Oessnung des Hausthores verfügte. Gleich im cisten Zimmer fand man die Wittwe Moritz und .ihre Tochter mit durchschossenen: K?pfe auf dem Fußboden liegen. Sie haden nichts Schriftliches hinterlassen, was über die Motive ihrer That Ausschluß geben konnte. Wie die Dienstboten sagen, crhielt am Tage vorher Fräulein Erzsi, ein blühend schönes Mädchni, einen geschlossenen Kartcnbrief. Nach eii:cr Weile sagte die Wittwe Moricz 'weinend zur Köchin: Wie unglücklich ist meine Tochter, nun ist auch ihr Vräutigain gestorben!" Die Absicht ihrer Schreckensthat ließen Muttcr und Tochter öücnkanden ahnen. Der Kartenbrief enthielt die Nachricht, daß alle Aussichten auf Begnadigung für Joseph Moricz geschwunden seien, und um die Ursache ihrer Traue? zu verhehlen, sprach die Wittwe vom Tode dcS Bräutigams ihrer Tochter. Jwei Piontcreti deutscher 5Zaturforschung sollen demnächst Denkmäler zum ewigen Andenken an ihre wissenschaftlichen Großthaten, crrichlct werden ; dem einem, dem berühmten Chemiker Jufius von Liebig in Gießen, der Statte seiner Wirksamkeit, dem anderen, Julius Robert Mayer, dem Entdecker des Gesetzes von der Erhaltung der Kraft, in seiner Baterstadt Heilbroun. Der erstere war im Leben weit glücklicher als der andere, sein Name ist in weiten Kreisen des Publikums bekannt geworden und sei's auch nur durch den Licbkg'schen Fleischertract. Welcher Laie aber kennt Julius 5!obcrt Maycr. Und doch war seine Entdeckung eine der scharfsinnigsteil Erkcntttn'lsse des menschlichen Geistes, die sich dem Kcpler'schcn Gesetz vom Fall, der Lehre deS Kopernikus ron dem hclioccutrifchen System des Weltenbaucs und Jsaac Newtons Gravitationsgesetz würdig an die Seite stellt. Interessant ist, wie Mayer seine große Entdeckung gemacht hat. Er war Schifföarzt in ho!ländischen Diensten, dje an Zahl geringe und von Gesundheit strotzende Bcmannung des Schiffes gab ihm nicht viel zu thun, er hatte also vollauf Zeit zur Beobachtung und zum Nachdenken. Er stand am Bord des Schisfes und nahm wahr, wie des Meerwasser bei erregter Fluth viel wärmer wurde, als bei ruhiger See, und nicht lange darauf, als das Schiff in die tropischen Gegenden gekommen war, bemerkte er, daß dort beim Aderlaß das Vencnblut so .hellroth ausfloß, wie sonst nnr das arterielle. Diese beiden Vcobachtungtn aneinander geknüpft, erschlossen Mayer das Gesetz von der Erhaltung der Kraft, das man auch die mechanische Wärmetheorie" nennt. Der juuge Arzt hatte viel Ungemach seiner Entdeckung wegen zu erdulden ; wo er sie vorbrachte, wies man ihn ab, weil die Physiker zumeist meinten, ein einfacher praktischer Arzt könne nichts Neues von Bedeutung für die Pchysik zu Tage fördern. Prof. Poggcndorf in Berlin, in dessen vietgeleseneiz Annalen der Physik" Mayer seine kleine Abhandlung Bemerkungen über die Kräfte der unbclebten Natur" gern gedruckt sehen wollte, schickte ihm-das Mcnujcript zurück, da es zur Veröffentlichung nicht geeignet sei. Erst Juftus von Liebig fand sich 1842 bereit, der Arbeit in seinen Monutsestett Aufnahme zu gewähren. Indeß, sie blieb viele Jahre hindurch unbeachtet, und als man endlich in den fechZziger , Jahren ihren hohen Werth erkannt hattet wurde ihm seine Entdeckung noch wiederholt von anderen und mit Unrecht streitig gemöcht. Diese trüben Erfahrungen verbittertcn d.-m verdienten' Mann das Leben ; er verbrachte den Rest seiner Jähre
m ,WeltabZeschtedentzettMT Wort' Mommsens läßt sich auf ihn cnwcuden: Der Same, den geniale Naturen streuen, geht langsam auf." ;:v,:3 . :;:,:ir;
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I ?r. V T 1; 1 ,; 1 l 1 m ,. ,i f K W ir i. ' d, -. 'Si n, i;V': 'in JH .:.! il.ilfi-1' 'I 'i., n Mt"W M . HI tv-' t r$,h M 's? ", c "0 . ? sür ii;" rr ' k-J': en Sm& '?:v;VtJ2 .Jhi . .i;,;!:;: lc, ff. .er!., M' iyii :! ..Nicht V- Sr r lgt '" rtl.- ;', CKje' ff-?-:Tt 'ifj 0-- gen jcjkll .!)i"!i mm f!!,:: ' i l Ste ö" ; eben-, ,'xmv 1
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