Indiana Tribüne, Volume 13, Number 60, Indianapolis, Marion County, 17 November 1889 — Page 3

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Aic arme Schneiderin.

digital CrjQfcaa auZ im Vnlinir AlltsMeSe. Pint Wfct k..... UaW . .VJ. (4. Fortsetzung.) Mit einem so alten Henn mit ich, der wahrscheinli fast Ihr Vater sein könnU, dürfen Bit es schon einmal wagen. Niemand kann etwas daran finden, roenn Sie an meiner Seite eine Spazierfahrt machen." Elfe eirZchete geschmeichelt. Wenn ihr auch Storzrng offenbar etwas Verbindliches hatte sagen wollen, so merkte sie doch ebenfalls, daß er sie sär viel nrnaer hielt, als sie war. 3ch fürchte, Sie gehen in Ihrer Güte zuwnt.... ich habe auch kein warmes .uch mit, und Zum Abend mochte es noch viel kühler werden," stammelte die kleine Schneiderin halb ablehnend. Ach, wenn es blos das ist?...'. Dann nur flink eingestickten! Sie sagen mir die Straße und die Nummer Ihrer Wohnung, wir fahren dort rasch vor, und holen uns das Nothige," meinte Storzing. . Es war an einem Psingstsonntag, und das Schicksal hatte Elfe seit langer Zeit svstematisch ausgehungert im Punkte des Vergnügens. Außerdem trachtete ihre sanguinische Natur schon ganz von selbst darnach, sich mit allen Kräften dem Druck der Sorge zu entziehen, wie einem eingeborenen Gesetz des Erhaltungstriebes gehorchend. Doch noch ein Anderes war wesentlich mitwirkend zu einer freundlichen Folgeleistung der eben empfangenen Einladung. Wenn Elfe den Buchhalter jetzt vor den Kopf stieß, dann näherte sich ihr derselbe wahrscheinlich niemals wieder im Leben, und nur durch ihn vermochte sie Authentisches von Noderich" zu erfahren. Kurz, die junge Schneiderin wußte kaum, wie es zugegangen war, aber auf einmal saß sie neben Storzing im Wagen, der mit elegantem Schwünge umdrehte, die Hofjägerallee hinauffuhr, durch die Friedrich-Wilhelmstraße über die neue Brücke des Landwehrkanals seinen Weg nahm und dann bald vor Fräulein Franks Wohnung" hieft. Elfe stieg hurtig aus und es glückte ihr, ungesehen und unbehelligt durch die sämmtlichen Pforten, über den Hof und die vielen Treppen zu gelangen, die zuvor zu passin waren, ehe sie ihr Heim erreichte. Oben nahm sie rasch ein warmes Jaquet und ein kleines Tuch aus dem Schrank, gönnte sich aber trotz der Eile doch noch einen kurzen Blick in den Spiegel. Ach, sie hatte heute gar nicht ihren guten Tag! Und wie berente sie es, daß sie, ihrer traurigen Stimmung nachgebend, so unforgfältig ihre Feiertagstoilette beschickt hatte! Sie fand noch eine Broche, die sie sich vorsteckte, und eine bunte Ami-Schlcife, die sie 0o schief" als möglich um den Hals schlang, versuchte auch mittelst Kamm ihren zahm herabhangenden Stirnhaaren einige romantische Kräuselung zu geben, doch alle Bemühungen vermochten keineswegs die Schlichtheit ihrer Erscheinung wesentlich zu verbessern. Als die kleine Schneiderin abermals die gesammten Entfernungen und Engpasse ihres Rückwegs ungehindert überwunden hatte, und wieder glücklich neben Storzing unten im Wagen saß, da konstatirte sie mit einer gewissen instinktloen Genugthuung, daß der Stuhl, den Frau Zubern Nachmittags bei schönem Wetter für sich herauszustellen pflegte, und der stets dicht neben der Hausthür seinen Platz hatte, von wo aus die Portiersgatlin ihren Wächterdienst angenehm mit ihrer Neigung verbinden konnte, die Vorübergehenden zu mustern und über sie zu klatschen, jetzt und vorhin unbesetzt war. Auch hinter den Kellersenftern der Portierwohnung, die wie neugierige Augen aus dem mannShohen Epheugrundstrich des Vorderhanses hcrausstarrtcn, den gärtnerische Hand, .vom gitterumrandeten Vorgarten geschützt, dort in hübscher Art erzogen hatte, bemerkte Elfe keinerlei Mitglieder der Familie Zubern. Doch die Haus- und Sittenwach ter! war nur auf kurze Zeit im tiefsten Innern ihrer Wohnung beschäftigt gewesen. Als sie die Abfahrt eines herrschaftlichen Wagens borte, erschien sie sofort wieder uf der Oberwelt, und kam noch eben recht, tlm mit grenzenlosem Erstaunen die kleine Frank" neben einem Herrn sitzend, in einer stolzen Equipage um die nächste Ecke biegen zu sehen! Den Buch Halter Storzing vermochte sie freilich nicht mehr zu erkennen, und auch die eigenartig getigerten Pferde waren bereits durch das vorspringende Eckhaus ihren Augen entzogen. Sonst hatte sie sich vielleicht rascher orlentiren können, denn ebenso gut wie Elfe und besser noch als diese, hatte sie einst den Dichterling und fein Kohlengefchäft nebst der aussät ligett dazu gehörigen Equipage beobachtet und studirt. zumal als dies Alles noch in der Nahe ihrer Wohnung gewesen war. Frau Zubern tröstete sich damit, daß wahrscheinlich irgend welche menschenfreundliche Kundin der armen Schneidenn, die nicht in der Lage war, sich selbstständig ein Vergnügen zu bereiten, ihren unbenutzten Wagen geschickt hatte, um Elfen die Wohlfahrt einer sottntäg lichen Spazierfahrt zu gönnen. Und bn dieser Gelegenheit mochte elli Vaters Gatte oder Bruder mitgekommen sein; der entweder eine, Bestellung in der inneren Stadt auszurichten hatte oder vielleicht demselben Ziel wie Elfe zuzueilen beabsichtigte das muthmaßlich in einem der neuen VillenterrainS von Schmargendorf. Westend, Pankow oder Moabit zu suchen war. Mit Schneiderinne brauchte man ja eben keine 'besonderen Umstände zu machen . . , . , aber was so junge Mädchen doch "zuWeilen taktlos , fein konvtenw . . Frau Zubern nahm sich ernstlich vor, .morgen ?Else gleich deshalb in's Gericht zu nehmen wie bur sie sie " es denn wagen, ! sich in den Fond des Wagens zu fetzen? , Das verstieß ja gegen alle Erziehung und allen Fkefpekt,, dennrden Pordexsitz bliebz jiet der geheiligte- Platz der Eigenthümerin der Equipage.' Vermuthlich hatte der Herr die junge Schneiderin dazu aufgefordert, sichr.eben ihn zu setzen-Män-ner waren ja zu Allem fähi g aber Elfe mußte klug genug sein, nicht Folge zu leisten. Es that überhaupt .nicht gut. Saß ;!

allzu familiär mit dem männlichen Zubehör der Kundschaft zu verkehren und sich wohl gar von demselben die Cour machen zu lassen! Denn dergleichen verzieh der weibliche Theil der Kundschaft natürlich selten oder nie. 4. Capitel. Unterdessen fuhr Elfe feekenvergnügt in den schonen Abend hinaus, angenehm umfächelt vom Reiz der Situation. Aus Gummirädern durch die Welt dahin zu rollen, das war ihr wirklich etwas ganz Neues! Sie benahm sich wie Quecksilber, bald wiegte sie sich auf den schwellenden Volstern und amüsirte sich über die nicht ihren Dienst dersagendcn Sprungscdcrn, bald betrachzete sie mit allerliebster Kokctterie irc auffallend hübschen, kleinen Füße aus dem eleganten Teppich des geschweiften Wagenbodens, die allerdings mehr für's Fayren al8 'für's Gehen gcschaffen schienen. Das stuckerte" doch nicht wie im billigen Omnibus oder in der schäbigen Droschke zweiter Güte, und man war hoch erhaben über die volksthümliche Pferdebahn, wo man neben Kreihi und Plcthi sitzen mußte, und in der die Menschen namentlich heute gleich einem summenden FliegenschWann einund ausschwirrten. Das junge unverwohnte Ding vergnügte sich ebenfalls eine ganze Zeit lang damit, zu beobachten, wie die wüthigen, feurigen Tigerrosse fast alle anderen Wagen in scharfem Trabe überholten, und Else wurde schließlich so heiter, daß sie am liebsten laut gejubelt und in die Hände geklatscht hätte! Hinter Westend wurde die Atmosphäre reiner und würziger. Denn der Dunstkreis war erst jetzt durchbrochen, den die psingstfestliche Völkerwanderung von Berlin, staubaufwühlend und luftverpestend zu Wagen und zu Fuß. in ihrer Massenhaftia.keit alle Wege, Plätze und S!ejtaurationen übersckwcmmend, heute noch mehr als gewohnlich ausgedehnt und weitergetragen hatte. Die Landstraße steigt ziemlich steil bis zum.Charlottenburger Rennplatz über den Spandauer Berg empor, oben wehte eine kraftfge Brise, und Else genoß feit Jahresfnst zum ersten Male wieder den Anblick eines weiten, freien Horizontes. Da. kam endlich Ruhe über ihre Seele, und ihr ward zu Muthe, als löste sich korperlich und moralisch ein Bann von ihren Nerven. Träumerisch sank sie in die schwellenden Kissen des WaczenS zurück und war sehr zufrieden, sich nicht den Genuß dieser Spazierfahrt durch über0.tk-: fx.(.

ukvciic myeiic verklagen zu naven. Doch mit dieser Erkenntniß und nach Vergessen der ersten Eindrücke kam ihr anch Noderich" wieder zwingend in den Sinn. Seinetwegen war sie ja ekgcntlich überhaupt nur artig gegen Storzing! Sie versuchte nun, ihre Zeit auszunutzen, und den Verwandten Nodcriäs" gehörig nach demselben auszuforschen. Storzing wendete und drehte sich in dem Krenzfeuer ihrer Fragen recht geschickt. Er mußte wohl ein großer Eonverfationskünstler sein, denn es gelang ihm. feineu jungen Gast in bester Laune zu erhalten und doch gründlich zu tanschen. Der Dichterling ÜSit die List, Elö'chen zum Ncden zu bringen, und anstatt, daß sie ihn aushorchte, entlockte er ihr ihre sämmtlichen Geheimnisse. Er hatte noch nicht zwei Stunden lang mit der jungen Schneiderin im Wagen gesessen, da wußte er schon Alles! Er wir in iyre Aengfte und Befürchtngen wegen des langen brot- und arbeitstosen Sommers eingeweiht, und sie hatte ihm ihre ganze Liebes- und VerlobungSgeschieht? mit dein hübschen langgclockten Buchbinder erzählt. In feiner ruhigen bestimmten Haltung, fast Dreiviertel des Sitzes mit seiner mächtigen Gestalt allein ausfällend, thronte Stortzing neben feiner jchmächtigen Nach barin, nur weun es gerade nothwendig war, mit leichtem Anstoß deren 5tedeschleußen welt öffnend. Zweifellos lag etwas Wahres in Elses Behauptung, daß Brillen den'Ansdruck des meufchlichen Antlitzes verhüllten. Der Dichterling faß hinter den seinigen da wie mit einer Larve bekleidet, man vermochte nicht zu ermessen, ob er nur aus Freundlichkeit zuhörte, oder ob ihn der Noman der jungen Schneiderin wirklich ernstlich interesstrte. Es ließ sich ja auch uicht leugnen, daß dieselbe eigentli nur eine alltägliche Herzensenttäuschung erfahren hatte, wie sie überall, im Salon wie in der Dachkammer gleichmäßig oft sich ereignen. Im Uebrigen aber entbehrte ihr mädchenhafter Roman aller starken Effecte, ihm fehlte namentlich ganz jene drastische, fast elementare Ausprägung der Leidenschaft, die sonst den Liebesgeschichten des Volkes zu eigen zu fein pflegt, welche meist mit Entsetzen und Verbrechen enden. Elfe's armes, kleines Frauenhcrz war in höchst anständiger Weise gebrochen worden, ihre Geschichte hatte keinen anderen Nc,z, als den Reiz deS Selbsterlebten. Doch ihre Mittheilungen erzielten ein sehr bemerkenswerthes Resultat Störzing übte Wiederoergeltungl Äorlausig schien es indeß der BuchHalter passend zu sinden, baß ein kleiner Imbiß , zwischen den gegenseitigen Austausch ier Gedanken geschoben würde. Er ertheilte dem Kutscher die nöthigen Befehle, der Wagen fuhr die Charlottenburger Chaussee zurück, durcheilte dann die SiegesaUee und Vellevue straße, um bald darauf vor Iosty's Konditorei zu halten. ' 1 Diese liegt an einem der schönsten und belebtesten Punkte Berlins, am Potsdamer Platz, und ist sowohl bei den Einheimischen als bei den Fremdcir ein sehr beliebter Vergimgungsort, übcrsüllt oft selbst an' gewöhnlichen Tagen. Heute nun konnte im Garten der Conditorei buchstäblich keinApfelzurErde fallen. Die Gaste, nameMllch die buntgeputzten Ga-' stinnen) saßen und standen dicht gedrängt in häufig recht malerischen Und charakte-" ristischen Gruppen, vom Doppellicht der ; Gasflammen und : der elektrischen Beleuchtung tageshell überfluthet. Auswärls rings um das 'Gitter wogte das Straßenpublikum, durch den Festtag und das schone Wetter gleichmäßig angeregt Die zahlreichen? Ertrazüge welche aus dem ' Potsdamer Bahnhof einliefen, ergössen ine kömmli während die Flämmchenketten der Droschken sich wie Perlenschnüre durch das Ge- ,

dränge wanden, und die Pferdebahnwagen mit ihren weithin sichtbaren grnnen üd rothen Lampen unaufhörlich die warnende Stimme ihrer Klingel ertönen lassen mußten üno nur iM Schriti führen konnten. Ueber rill' dem Getümmelstaud am hochgewölbten Himmel in ewiger Ruhe der mattgoldene Mond, und schon umrahmt- das Gesamrntbi'.d nach Norden hin die volle, dunkle Wand der herrlichen Kastanienbältme aus bei Bellcvuestraße, die sich schon mit ihren steilen, weiß-ge! bett Blüthenkerzen gleich wie mit Weihnachtölichtern geschmückt hatten. Unter diesen Kastanienbäumen und neben dem imZenith des elektriscken Llchtes strahlenden BelleoucHotcl, hielt eine lange Reihe von leeren Equipagen und Droschken mit ihren verfchlasinen Lenkern auf den Kutschersitzen. Es waren die Fuhrwerke Josty'scher Gäste, und die Wagen wechselten unansgesetzt. Nnr ein Gefährt verweilte wie angenagelt auf dem eingenommenen Platze, alle seines Gleichen überdauernd das mär die schone Equipage mit den weißen Tigerpferden! Denn Storzing und Elfe saßen Schulter neben Schulter an einem Tische zusammengedrängt, woselbst ihnen fremde Höflichkeit Platz gegeben hatte, und der Buchhalter erzählte seiner jungen Partnerin den großen Noman seines Lebens. Ganz dicht, Wange an Wange, , Ohr an Ohr,Auge inAuge mußte sich dasPärchcn dabei zu ander halten, denn erstens war ja der Platz überhaupt im Garten in das Minimum beschrankt, zweitens hätten aber auch leicht die Nachbarn zu unliebsamcn Lauschern werden können, und überdies dürfte man dem leidigen Znfall schon zutrauen, das er bei diesem Massenpadtikum ivotl sicherlich einige gute Bekannte von alias Frau Nodeck 'und und ihrem nunmehrigen Gatten, der ja noch immer Storzings zeitweiliger Chef war, in den Garten geführt hatte, welche nicht zögern würden, jedes hier etwa aufgefangene Wort an entsprechender Stelle wieder zu berichten. Nie ist man mit einer zweiten Person besser allein, als in einer unbekannten gleichgiltigen Menschenmenge. Störzing vergaß, vielleicht hatte er auch nie gemußt, das wenn zwei Unverheirathcte von der Liebe sprechen, dieselben stets falls nicht beide schon Methusalems Alter besitzen vulkanischen Boden betreten. Denn es ist etwas Seltsames um die wahre große Leidenschaft, es steckt ein förmliches Eontagium in ihr, und das

letzte unkchen emer wirklichen Pajlion, die längst zu Asche brannte, kann noch im Ersterben eine neue Leidenschaft ent? fachen, gerade wie von einer Feuersbrunst ebenfalls der kleinste weithinvcrstreute Funke lichterloh wieder auflodert, wenn er nur auf die geeignete Stelle fällt. Soöald Storzing merkte, daß man ihn nicht beobachtete, und daß er seine Worte in ein thcilnehmendes Herz ausschüttete ließ er sich von seinem Stoff hinreißen. Er war ein Mann und ein Dichter, der erstere hatte in ihm empsindlich gelitten, der zweite lieh nnn den verletzten Gefühlen des ersteren den schwunghaftesten Ausdruck. Dazu kam noch, daß Storzing überhaupt heute zum ersten Male von seiner Liebe länger und zusammenhängend sprach. Einmal hatte er sich unwillkllrlich vor Indiskretionen gefürchtet, zweitens blutete die Wunde noch zu frisch, als daß er bislang darüber reden mochtet Nun baute sich fein Liebesroman vor ihm selber ans, mit überraschender Objektivität, und mit erschreckender Wahrheit und Folgerichtigkeit. Storzinz verhüllte keineswegs seine eigene Schwache und Thorheit, schilderte aber auch drastisch die Hinterlist und Treulosigkeit der Andern, zog mit sicherem Slifr die Eonturen der handelnden Charaktere, und. malte fein die kleinen und großen Züge in das Bild hinein, die ausschlaggebend gewesen waren für das verlaufene Drama Und dessen Akteure. Seiner zungen Zuhoherin enthüllte er eine völlig unbekannte Welt, der Saülum der Leidenschaft berauschte ihr unschuldiges Gemüth wie mit süßem Gisthauche. Bor Elfe's staunenden Augen wuchs die verführerische Erscheinung des schonen, rothblonden Weibes leibhaftig empor, sie begann den Reiz zu verstehen und zu begreifen, der Storzing gefesselt hatte. Ihr ward ztt. Muthe, als hätte sie Frau Adelaide Nodeck ganz genau gekannt, selbst das eigenthümliche Parfüm aus Nesedaduft und Sandelholzgeruch gemischt, ohne welches die berükkende Sirene undenkbar war, bewegte ihre Nerven derartig, als ob ihr neug'ienges Naschen es höchstselbst wahrgenommen hätte. Sie sah auch den 1uäre äs tiz liegen auf dem prachtvollen Nakken und den nicht minder schönen Armen der verlockenden Gestalt! Storzing beschrieb die reizende Wittme, wie sie ihm zuerst entgegengetreten war, vornehm wie eine Fürstinhalb Madonna, halb Helena den märchenhaften Stern der weißen Cleinatis über der Stirn im wallenden Nothgelock, gleich dem Zeichen der Luna, womit sich die keusche Diana fchnmckt. Ja. wie vermochten sich diese Frauen anzuziehen! Mit dem Styl der Nobc tauschten sie den Charakter ihrer Schönheit ! " Namentlich Adelaide Nodeck war darin Meisterin gewesen, , ihre Erscheinung konnte in Ausdruck und Farben gleich einem Chamäleon wechseln. - Heute erschien sie als Puritanerin, Askese in jeeer Kleiderfalkc, genau dem Muster einer titelreichen Dame aus der 'TrtmöikS"''siöVmelLBrüchtheilS der Berliner Hofgesellschaft nachgebildet. Morgen bekränzte sie sich mit Rosen, und 'stellte eine geistvolle Vertreterin des verfeinertcn Lebensgenusses, eine bestrickende Priesterin der'' ausgelassensten Freude dar. Auch in die Toilettengeheimnisse des Gesichts wurde Elschen eingeweiht. Sie erfuht ihrer Ueberraschung wie ausgezeichnet es die schone Zauberin verstanden hatte, der bereits etwas schwankcndenIagend ihreS zwjir nochlfthrHübschen. aber doch sch on etwas rech t sch arf markirten 'Antlitzes nachzuhelfen, wie kluc; sie mit TüscheZund Pinsel umgegaugen war! -Doch das ernüchterte keineswegs l das k athemlos fonschend Mädchen. . ..bewahre, eS reizte erst recht ihr Interesse. In ihrem unerfahrenen Sinn dämmerte sch on die Erkenntniß, daß nur folche Frauen so tolle Leidenschaftcn erregen konnten, nur sie verstanden e ' k so g rnndl ich u nd a ndauernd das Eesühl.bkSM

zu fälschen. Diese Weibersorte fand mit Sicherheit in allen männlichen Altersllassen ihren Nomeo, und es schien fast, als fei das Gemisch von Dichtung und Wahrheit, welches beinah immer die Neußerlich keit kennzeichnet, nicht nur keineswegs hinderlich, sondern sogar forderlich bei ihren Eroberungen. Denn Storzing hatte ja doch Alles richtig bemerkt und gesehen . . . .er wär es ja, der diese unverblendete Schilderung machte! Aber der Liebe auf den ersten Blick" mußten wohl alle anderen nachfolgenden und gewöhnlich bedeutend klarer sehenden Blicke nicht mehr zu schaden vermögen! Und wie Else erst den jungen Chef haßte. . . . ! Dieser leichtsinnige haltlose Mensch, der nichts hatte wie sein glattes Gesicht und seine' hübschen Locken! Ihr Auge flog unwillkürlich prüfend über 'Storzing's Erscheinung hinweg, der ohne Hut mit wcißleuchtcnder Glatze neben ihr faß und im Eifer des Redens die Brille abgenommen hatte. Das stand ihm aber sehr gut, mit seinem erregten durchgeiftigten Gesicht sah er in diesem Augenblick ganz aus wie ein berühmter Wtann. Pluto und Cäsar waren ja doch auch kahlköpfig gewesen. . . . Else erinnerte sich bestimmt, dies entweder irgendwo gelesen oder noch in der Schule gelernt zu haben. Sie begriff nicht, wie man Storzing verschmähen konnte einen so interessanten stattlichen Mann ,. . . .mit Geld ! Auch ohne Geld hätte 'man den wahrhaftig auf der Stelle heirathen mögen ! Aber diese schönen eitlen Weiber, die beteten nur sich selbst an und machten sich nichts ans treuer Liebe, sie verachteten Alles, was sonst ihrem Geschlecht schätzenöwerth und begehrungswürdig dünkte ! Elschen genoß von Zeit zu Zeit einen Bissen Vanilleeis aus dem vor ihr siehenden Schälchen, um ihrer Ausregung Herrin zu werden, und sich ihre glühenden Wangen'zu kühlen. Storzing wollte nicht müde werden, ibr einzelne Vor'gänge zu wiederholen, diejenigen Combinationen, die ihn am meisten interessirten, auseinanderzusetzen. Dabei steigerte er sich fortwährend im Affekt die Blick

'des Pärchens begegneten sich, sein Hauch ' L C . ? rreuzie iico uno man war oocy cvon längst nicht mehr gezwungen, so nahe bei einander zu sitzen, denn nach und nach gab eS Platz genug im Garten! Ueberhanpt wurde der Straßenverkehr schon merklich geringer, das bunte Bild des feiertäglichen Abends verschwand allmählig, die Nacht trat in ihre Itechte. Mich lächelte der Vollmond am klaren Himmel auf die stiller werdende Millionenstadt herab, und goß feine Strahlen, perlen in leuchtender Herrlichkeit übe: Gerechte und Ungerechte aus. Da plötzlich schwebte ungesehen doch von Vielen nicht unempfunden ein Göttcrknabe mit lichten Flügeln durch die reine Atmosphäre. Es war Amor, der, nachdem er seinem alten Frennd und Helfershelfer,, dem Mond, vertraulich zugenickt hatte, sich in den blühenden Kastanienwipfeln nebenan aufhockte, um von dort ans noch eine Umschau über den Garten zn halten. Der lose Knabe hatte heute viel zu thun gehabt, war auch schon hier bei Josty thätig gewesen und gedachte sich jetzt auszuruhen. Er spannte den' Bogen, schraubte ihn sorglich zurecht, und holte dann seinen Köcher vor, um nachzusehen, wie viel Pfeile ihm noch geblieben waren, die er in nächster Zeit verschießen konnte. Nachdenklich rührte Amor in seinem arg zusammengeschmolzenen Vorrath umher, und schob die Binde ein wenig über das linke Ohr zurück, die er sonst nur leider so selten zu lüften beliebt. Da blinzelte er plötzlich mit den Augen, und des kleinen Gottes Stirn faltete sich. Irrte er nicht, so saß da unten im Garten ein Paar, das er kannte, und welches er wohl unlängst ein Bischen gesoppt hatte! Denn anders stellte sich der leichtsinnige Bub' die beiderseitigen Liebesgefchichten von Else Und Storzing gar nicht, vor, er glaubte denen da unten nur eine ganz unerhebliche und sehr liebenswürdige kleine Neckerei zugefügt zu haben. Von Schuldbewußtsein ,st überhaupt bei Amor nicht so leicht die Neu, er stürzt achtlos die Menschen von der Höhe in die Tiese, und ist fest überzeugt, daß das Geschlecht der Sterblichen im Punkte der Liebe einen gehörigen Puff verträgt. Sinnend wurzelte aber nun sein Blick auf den beiden jetzt wieder Neuentdeckten wie ' kam denn dieses Paar nur überhauptzusammen? Sollte er dem Zufall, seinemeifrigsten Geleaenheitsmacher, etwa freundlich nachhelfen ? . . . . Sorgsam wählte er zwei niedliche Pfeile, legte den einen auf den Bogen, nahm den andern zwischen die Lipven, wendete sich, und schlüpfte behutsam m das tiefste Dunkel des Kajtanienbaumwipfelö hinein, auf dem er eben faß . . . denn Amor liebt eS nun einmal nicht, sich bei feinen verschwiegensten Handlungen beobachten zu lassen. Es war schon fast zwolk Uhr Mitternacht, als Storzing aufstand und seiner Begleiterin den Arm bot. Erhobenen Hauptes ging Else an feiner Seite aus dem Garten, und es war immerhin eine Merkwürdigkeit in Bezug auf ihre individuelle Veranlagung, daß sie die fragenden Blicke heute nicht beängstigten, die das zurückbleibende Publikum, welches trotz der späten Stunde noch : ziemlich zahlreich war, ihnen nachsandte. . .. denn der Berliner hat einen ganz außerördentlichen Spürsinn für die Legitimität oder Nichtlegitimität derjenigen Pärchen, die seinem Auge so vielfach aufstoßen. In jeder anderen,! Stimmung würden die neugierigen Mienen, ihrer Umgebung daS Mge Mädchen arg Verletzt haben, da sie doch Elfen vergegenwärtigen mußten, wie gewagt sie handelte,? indem sie sich am Arme eines ihr fast unbekannten Mannes der erstaunten-Welt zeigte, mit demselden allein im Wagen fuhr und am ösfentlichen Orte sich von ihm, mit Kuchen und Eis bewirthen ließ.-, Doch heute schwebte ihre Seele so ganz in höheren Regionen, daß sie gefeit , gegen d , alle: anderen unangenehmen Eindrücke war. i Storzing und Else stiegen wieder in den Wagen und befanden sich schon fast am Ziel,chas heißt diSt vor der Letzteren zusammen, wie Jemand, der etwas Pitiac öergaf j pd aßet boc erinnert MLlebeSMrSulein Sie sich wohl entschließen: mir auf atDaS.f leihen?. .; . Es würde meinen Freund

, : ,.p l ; -"1!,, in '" iLä'-''i i ;sll-v .: , ' v:;:; -0: iir' )h t:.:i

Noderich doch sehr interessiren, zu sehen und zu erfahren, wie schön er verstanden und gewürdigt wurde! Wenn ich ihm sein Werk gehe! gekennzeichnet durch Ihre Striche UM .Anerkennungen, so erfolgt daraus dann sicherlich die von Ihnen so gewünschte Bekanntschaft...." . Storzing war! wieder arg ins Slottern gerathen. Doch Elschen zog ohne Zogern ihren. geliebten Band aus der Tajche und reichte in dem Bcgehrcr. Schalten und walten Sie darüber wie Sie wollen... meinetwegen können Sie ja auch das Buch dem Dlchtcreigen, er wird mich hoffentlich nicht mißverstehen. Doch die Hauptjache ist mir. . . . daß Sie es lesen ! Zwischen und ; neben den Zeilen find Sie mein innerstes Sein .mein ganzes Herz! Möge Sie das überzeugen, daß Sie Ihr Vertrauen und Jre Freundlichkeit an ke!ue ganz Ungebichete, an ' keine Gefühllose verschwendete!!. . . . .'. Else hatte mit einem sehr beredten Lächeln angefangen, das ßnde ihre? Auslassung drohte dagegen in Thränen auszukliygen. Storzing nahm das Buch mit stummen Danke in Empfang. Dann herrschte tiefes Schweigen zwischen den beiden, bis der Wagcn vor der Thür der jungen Schneiden hielt, die? selbe sich empfahl undauSstieg. S.Capitel. Wenn Else abermals gehasst hatte, unberirrt den ötubicon überschreiten zu dürfen, der sie von ihrer Wohnung trennte, so mußte sie sich jetzt leider üben zeugen, daß sie ihre Rechnung gan lich ohne den Wirth gemacht hatte. Im Vorderhause glänzte noch heller Li iK tschein hinter den meisten, theilwcis 'weit sgeöff neten Fenstern. Die meisten Familien saßen mit ihren Lampen auf den Valkons, und offenbar waren auch noch Gesellschaften vereinigt, denn Klavierspiel, und lebhaftes Geschwirr von Stimmen ertönten in der Stille der Nacht vernehmlich über die Straße hinweg. Else schloß hie stolze Pforte des Haufcs der Vornehmen mit eigenem Hausschlüffel auf, und eilte allerdings zuerst unbehindert über den siiescnbelegken und mit Marmorwänden geschmückten Flur desselben Aber dann, als sie den Hof 'betrar, fand sie dort noch Alles voll ' Leben, gesellig versammelt die große Schaar der klatschlustigen Bewohner des HinterHauses, pikant vermischt mit den dienstbaren Geistern deS Vorderhauses. Der Feiertag und das schone Wetter mochten gleichmäßig diese späte Assemblöe veranlaßt haben. Mit einem kurzen Gnte Nacht" wandte sich die kleine Schneiderin durch der lieben Bekannten Menge, deren Fra-

On Wo warst Du denn eigentlich. . . . Wie hast Dn Dich heute amüsirt? kurz Lieber Gott, wenn man nach zwölf Uhr zu Hause kommt, und sich am anderen Morgen xunkt fünf schon wieder zum Frühconcert verabredet hat, dazwischen noch einen Hut garniun und sich frische Rüschen ins Kleid einheften will, dann sorgt man doch auch wirklich um sein bischen Nachtruhe! . Elschen verlor also nicht weiter ihre Zeit, sondern begab sich schleunigst nach ihrer Wohnung, die vier Treppen leichtbeschwingt wie eine Sylphe hinausfliegend. Die Hofgesellschaft" blieb ' verdutzt und verschnlsfk zurück. Es sammelten sich Gruppen.. .. ein Jeder hatte ja das Rollen des vornehmen Wagens gehört, die Meisten wußten schon, daß Else Frank diesen Nachmittag und Abend mit einem Herrn" zusammen verbracht hatte!.... Unter den Anwesenden befand sich auch Mariechen Jäckel mit ihrem Schlosserbräutigam. Das gute Kind war erpreß noch aufgeblieben, um Elfe's Rückkehr abzuwarten, und der Freundin die hoch; wichtigen Ereignisse seines Psingstvergnügens mitzutheilen. Das vereinigte Brautpaar hatte dabei gehofft, der kostyerächterischcn Else recht fühlbar zu machen, wie thöricht sie gehandelt, indem sie nicht mitging. Mariechen wollte ihr qar lockend die blauen Seen der Mark jchildern,mit dem jungfräulichen Schleier des ersten Grüns , über den waldig-hüge-ligen Ufern, den klaren Wasserspiegel übersäet mit bunt bewipfelten Booten voller vergnügter Menschen, und besahren von reizenden Dampfschiffen, auf denen Musikchöre lustige Weisen spielten Sie strebtedanach Elfe mitzutheilen, daß ganz Potsdam,Wannsen und Babelsberg eine entzückende Welt von Blüthen'pracht und Blüthenduft gewesen sei, wie man es sich nicht schöner und herrlicher denken konnte. Ach, und nun erst die kleinen individuellen Vorkommnisse eines solchen Ausfluges, die ihm ja erst die charakterifrische Würze gaben!, Auf der Hinfahrt hatte imEisenbahnconz)6 ein junger stattlicher Marssohn Mariechen gegenübergefesten, und sie so seltsam angeschaut! . Na, sie wollte zwar jetzt eigentlich nicht mehr darüber reden, aber ihr Mar der Bräutigam schien doch wirklich eine ganz schreckliche Anlage zur Eifersucht, zu besitzen!.... Und wie hatte man sich dann noch anstrengen müssen! Den ganzen Tag war man im Sande umhergewatet, daß die Braut einen Absatz unter ihrem Schrh verlor und eine Blase, am Faß . hekam. Nirgends hatk man etwas DroeUtlichcs zu essen bekommen können,,, überaß zchon längst vorher Alles aufgegessen und ausgctrünkcn' worden, wsin das ' im Dienste des Vrt nügens' müdgehetzte Pärchen gedrungen war. Die Menschheit war eben gar zu groß gewesen sie hatte gleich einem, Heuschrcckcnschwarm die sämmtlichen ' schönen ' Punkte der weitesten Umgebung B.vlins 'überfluthet und selbst die kühnsten ! Voraussejzungeir der speculatioen Wirthe, ' übcrtroncn: Mariechen ncues Festzewano, wofür sieungefähr'fomcl ausgegeben hatte, als sie in einem halben Vierteljahre verdiente, war angeblich nun' auch , ganz" hin",' denn eines dcr tapfcr vom Bräutigam erstrittenen SeidclHcSleHlewWiere infolge des Stoßes eines sich ungeschickt Vorübcrdrängendeu leider über das Kleid statt in 'den Magen geflossen. .' Zuletzt " fiAll fe-Wan -äarit ö äefn st k i m e'Sr i&en ae ,' ' " 7; ' ' . ( ! V: V' i f J iÜ!; ' -"" ff '.' f J: .,1'V w fc.ff fahr auszustehen gehabt, nämllch auf der Rückfahrt beim Einsteigen in den vorletzten Ertrazug, welcher zwischen PotSdam nnd Aerlin'ging, wäre das junge if i ,

adsertlgend mlt emcm kühlen Vortresf lich ! ... . morgen erzähle ich Euch Alle haarklein, aber jetzt bin ich aar zu müde !

hoffnungsvolle Paar beinah to)t rzedrvS worden. Die Brant hatte daZ den Uebrigen mindestens schon zehnmal er;äh!t man könnte es sich aber auch gar nicht genügend verbellen, wie snrchchar, wie entsetzlich das gewesen war! ,Einzekeilt hatten die Verlobten "in einer großen Henschenmeue gestanden, plötzlich war dieselbe ünwiöerstehlich wie von des Oceans Wellen nach vorwä.ts geworfen worden. Und da vorn war doch absolut kein Platz mehr gewesen ! . . . . Die unverständigen Leute aber hatten doch im mcr starker gedrängelt. Damen schrieen und wurden ohnmächtiZ, Mariechen hatte sich fest an ihren Bräutigam geklammert, derselbe war aber dann doch von ihrer Seite verschwunden. Auf ein mal staute sich die Masse, ein uuheilvoller Gcgenstrsnl kam entgegen .... nein, das war zu arg gewesen, Mariechen verlor die Lust, sie glaubte ihr letz tes Stw'dlein gekommen ! . . . . Aber fit befand sich fa nun jetzt glücklich hier, war mitthin gerettet doch der Schreck steckte ihr noch in allen Gliedern, und es schmerzte sie noch der Brustkasten. Diese zum Theil fast unvermeidlichen Pegleitnlsse eines Berliner Psingstver! gnügenS sollten der jungen Schneiderin mitgetheilt werden, ähnlich wie der Brv! samcn vom Tisch des Reichen fällthier gleichbedeutend mit der Tafel der Glück-lichen-Denn daß Mariechen erfolgreicher und glücklicher war als Elfe, das konnte und wollte die kleine Putzmacherin ja nicht abstreiten. , Sie fand aber doch auch nebenbei, daß sie dies Glücklichsein viel mehr verdiente wie die Freun: din, der sie Mangel an praktischem Sinn, an ruhiger Vernunft und an zäher Ausdauer vorzuwerfen nicht zögerte. Sie bildete sich überhaupt et was darauf ein, daß sie der weltfernen träumerischen Freundin, die so ganz anders" war, wie die meisten übrigen jungen Arbeiterinnen, so unverdrossen und herablassend ihre Neigung zuwendete. Und jetzt war Else achtlos an ihr vorübergcellt, und hatte sie stehen lassen mitsammt ihrem auten Willen. In-

stinktiv fühlte die Hofgesellfchaft", daß der jungen Schneiderin etwas passirt" war, daß sich ein Wendepunkt für die selbe bereitet hatte, der - höher hinauf? führen konnte.als man vielleicht wünschte ! Ein dunkler Neid bemächtigte sich Aller, das allgemeine Interesse ccncentrirte sich plötzlich auf Else. Neugierige Fragen schwirrten durcheinander, voreilige Antworten folgten.... man blickte sich an, zuckte die Achseln und Mariechens hübscher, sonst so wohlwollender Mund blieb heut sestgeschlossen zu Esse'S Vertheidigung. Das war der geeignete Augenblick für Frau Zubern, um vorzutreten und eine sehr auslegungsfähige Rede dem rasch um sie sich schließenden Kreise zu halten. Ob die Portiersgattin jemals vom vierten Range des Victoria-Tbcaters aus die Vorfiellung der Meininger von Shakespeares Julius Cäsar einst mitangcsehen hatte, bleibe dahingestellt. Des Antouius berühmte Rede im dritten Akt war wenigsicns gewiß nicht mehr deutlich in ihrem Sinn. Trotzdem aber bildete sie genau ihre Brandrede für dm Sturm im Glase Wasser" nach diefem klassischen Muster. Nur hieß es hier nicht wenn die Reihe der gehässigen Andeutungen und der beinahe nnverhüllten Beschuldigungen erschöpft war doch Brutus ist ein chremverther Mann," fondern: Na, bis jetzt schien ja doch die Else ein ganz unbescholtenes Mädchen zu sein .... wenigstens hielt man sie dafür .... nnd noch weiß man ja ach nichts eigentlich Schlechtes von ihr indeß.. ! Frau Znbern erläuterte unter dem beifälligen Kopfnicken ihrer Zuhörerschaft, wie eben die stolzen am raschesten sänken, nnd daß man meist gerade Denjenigen, die sich so apart hielten" am wentgsten trauen dürfe ! . . . . Aber zum äußersten Scanbat würde sie, die wohlbestallte Portiersgattin, die ebenso wohl für die Reinlich keit der Treppen nnd Korridore, wie für die Untadellgkcit der Sitten innerhalb der ihr vom Hausbesitzer anvertrauten Regionen mit heiligem Ernst zu sorgen gewillt war, es nicht kommen lassen.... dessen könne sich die ganze hochanständige ünb tlesehrenwerthe Jnsassenschaft des Vorder- und Hinterhauses ganz fest versichert halten u. s. w. Nun möge man aber ja nicht etwa glauben, daß Else irgendwie unbeliebt gewesen wäre oder sich leicht Feinde gemacht hätte. Auch war diese Hofgefellfchaft" keineswegs aus hervorragend bösartigen oder verleumdungslustigen Elementen zusammengesetzt. Sie gab eben nur enier Empstndung Ausdruck, welche auch alle anderen höheren und wirklichen Hofgesellschaften getheilt hatten, das ist das Vergnügen darüber. ... wenn der Gerechte strauchelt! (Fortsetzung folgt.) Gedankensplitter. Glücklich ist. wer sein Unglück, unglücklich, wer sein Glück nicht fühlt. Du sindest diesen Stümper da famos! Natürlich ! Neben i h m erscheinst D u groß! ;i. :' ii m m Es geht ni ch ts über den 5 charfsinn der Zu r i st e n. Ein englischer NechlSanwälts so berichten dle Munch. -lr- Nachr." verklagte einen Proceßgcgner, der ihn einen Teufel, genannt, und nach der Ansicht des Anwalts ihn dadurcb in seinem Gewerbe geschädigt hatte. Der Nichter wies jedoch die Klage ab, indem er bemerkte: .Dcr,Auödruck ist zwar keine SchmeicheHei, "berr andererseits schädigt er . den Kläger nicht, mit die Unfähigkeit eine5 Teufels, Anwalt zu fein, nicht erwiesen ist. Will der Kläger den Gegenbeweis antreten, indem eri nachweist, daß je ein Werichtshof ' einen .Teufel als Rechtsanwalt zurückgewiesen hat, so würde ich allerdings k Sache noch einmal ' erwägen. ,: ;' ; :;;?r' Abgefertigt. ; Geck: Sie scheinen mich, überhaupt für. ziemlich dumm zu halten?, Herr: Ich urtheile niemals nach dem Gesicht U ., . , ! Au! Denken Sie, dieser Mensch, der Müller! Erst Pjt er ein Verhältniß mit der Kati und dann mit der Lina ! Na? hab ich nicht immer gesagt, daß er 'ne katilinarische Eristcnz ist!? ! Z ;, lMrM

Crltt Blaubart.

In der Provinz Kran grunz liegt tlu Dorf, dessen Aeltester, ein greiser Blaubart, nicht weniger als sieben Frauen besitzt. Den letztenZuwachs erhielt fein Harem durch eine anerkannte Donschönheit, die Tochter armer Eltern, .welche, durch deu Anblick des glänzenden Sil bergeldes verfuhrt, ihr Kind an den vtx liebten Methusalem verkauften. In befagtem Dorfe lohnte auch ein junger Mann, und manche Dorjschöne schlug verschämt die Augen nieder, wenn dieser Jüngling sie mit seinen feurigen schwor zen Augen anschaute. Der junge Man war der Vetter und Stammesaenosze des alten bezopften Mormonen und vor etwa Jahresfrist war es ihm gelungen, das Herz der Schönheit zu gewinnen, die jetzt durch die Heirath ferne Muhme war, und um deretwillen er schwer gearbeitet hatte, um etwas Geld zu ersparen, damit er im Stande sei, das Mädchnl heirathen zu können. Der june Mann war ein großer Liebling femes reichen, weißköpsigen Vetters, und so kam eS denn, daß er fortan recht ost das Haus besuchte, in welchem die ehemalige Geliebte Herrin war. Lange gelang es dem Paar, Zeglichen Argwohn von dem beschimpften Eheherrn abzuwenden. Endlich erfuhr aber der Dorsälteste dennoch, daß er hintergangen war. Vor einigen Tagen befanden sich nun der jun'ge Mann und der Alte zusammen im Obstgarten. Der .Alte trug ein Gewehr und gab vor, daß ix Krähen schießen wolle, welche von feinen LungrttganlBäumen die schönsten Früchte wegfraßen. Da sah der greise Eheherr eine prächtige LungkNgamFmcht auf einem der Bäume, und er bat den jungen Mann, auf den Baum zu klettern und dieselbe für ihn zu pflücken. Als Letzterer nun oben war, schoß der eifersüchtige Alte sein Gewehr auf ihn ab und der Jüngling siel tobt vom Baume hinab zur Erde. Nachdem der Mörder den Kopf des Erschossenen aogeschnitten und den Körpec in aller Eile verharrt ht!e begab er sich in das Zimmer feiner rau, zeigte ihr den Kopf ihres Liebhabers und hieb sie dann ebenfalls mit einer Art nieder. Dann schnitt er auch ihr den Kopf ab nnd begab sich mit den beiden entsetzlichen Trophäen nach dem nächstFklcgenen Gerichtshofe, wo er sie dem Nichter zeigte und bemerkte, daß er das Paar in facto crinirnb überrascht nud Beide darauf getödtethabe. DaS chinesische Gesetz ordnet in solchen Fällen an, daß man zuerst mit vierzig leichten Schlägen auf die innere Handfläche den beschimpften Ehegatten dasür bestraft, daß er eine Mordwaffe gebraucht ' hat, dann ihm aber eine Belohnung von zwanzig Tael gibt für feine lügendhafte That, den Ehebruch unterdrückt zu haben. Der Richter nahm aber in diesem Falle die Erzählung des Alten nicht für baare Münze und ordnete eine pntersuchung an, die denn auch den wahren Sechverhalt ergab. Der Vorfälteste wurde ergriffen, inö Gefängniß geworfen und wird zweiselSohne seine That mit dem Leben büßen muffen. (Ostasiat. Lloyd.) I n der I uli - Nu m m er des .Pnvttlgttten Chursurltl. üchsizchen Postilion" vom Jahre 1793 findet sich nachfolgende Schilderung Napoleons I.: Er ist in Corsica geboren und in Frankreich erzogen, erwarb sich gute Kenntnisse, ward frühzeitig bei der Artillerie angefüllt nnd gelangte bald zum Nange eines Capitäns. Seine unruhige Thätigkeit, feine Bemühungen, die Hclden des Alterthums nachzuahmen, galten in den Augen seiner Kamerad: blos für unmäßige Ehrsucht. Bei der Belagerung oon Teulon sollte er die Batterien dirigircn, tadelte die An ordn un gen der Generale, ward für einen eingebildeten Menschen erklärt, dann aber drch zu Ftathe gezogen und trug zur Flucht der Engländer bei und zur Wiedererobernng der Stadt. Er ward als Gcmral der Artillerie bei der Ärm in Italien angestellt, mußte dit Pläne, die er unßbiljigte, auZführen helfen und entwarf da,nals den Feldzng, den er jetzt mit so großen! Erfolg auZgesührt hat. Als er zur Vertheidigung der südlichen Küsten beordert wurde, rollsührte er den Auftrag mit gutem Erfolg irnd Sparsamkeit. Zum Löhn Versetzte ihn her damalige Wohlfahrts - Ausschuß zur Infanterie. Hierüber aufgebracht, kam er nach Paris und verlangte dle Erlaubniß, ach Konstantinopel zn gehen und für die Türken zu fechten. Er erhielt sie, als eben die Nebellion im Oct. v. I. usbrach, bei welcher Gelegenheit Barras ihn zu feinem Unterbefehishaber maHte und wo ihm sein kluges Benehmen dte Stelle des Generals der Armee im Innern erwarb. ' Dann machte er die Eroberung einer jungen und reichen Wittwe, die er heirathete und sie bald wieder verließ, um zur Eroberung Italiens zu eilen. Boaparte ist erst 27 Jahre alt, klein von Statur, blaß und mager, aber voll Feuer und Muth. Jn Gefahr ist er kaltblütig, Hindermsie scheinen ihm willkommen zu fein. Man hat ihn als einen Terroristen in Verbacht gehabt, aber ein Mann, wie er, bedarf keiner Partei, um sich emporzuschwingen. Edel se! der Me üsch, hilf reich und gut!. Ein flerZchtnstLÜec des englischen Blattes Ans wer" f schreibt man "aus London trifft Abends auf dem Wege nach der Nedsc tion ein armeS, altes Weib, das einen großen schweren Korb "trägt. Dülleldkg. wie er , ist, erbietet et sia, der Wen ein wemg zu Jelsen'nttd' dzcftr,A::irÄg !rb Art großem'iDMke anginowmkn. Gee meinschäftllch "irüZen Pe'Wn' den Korb bis an 'daS Ziel des getreuen Helfers, worauf die alte Fran ihren Wrg Rein fortfetzt. Am , nächsten Möchen entdeckt der Wohlthater, chaPd!e?WaKclilneLUf feinem Hofe geMndertworben ist, daß die benachbarten HM' in gleicher' Weise abgestraft sind, und j"b'a& ir geholfen hat seine eigere Wäsche wie die ftimt litt den Nachbarn zn stehlen. , MchZßLRgf WKtff,,: Dcnl' L- , : '.. -.rVb H '3C'' fW ' Dir mal, wie., tch nnch in d:e :::c?vcrsicherun fe!1 .. .' man melnecanuz lrp!e NHZultt ap::r:?5tth. ! DbnnGpiljerJÄu abir ein 'f J Lilt- Kli Mm... 7,; ;.. Vi.:-,,-. " bun nicr Meß: gewesen nw, ; tS ' Pa ' ''''f-, s v ?är p.er ist ja vcidcrbenl m i i ''i 1 WiMf iiMfäMs

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