Indiana Tribüne, Volume 13, Number 53, Indianapolis, Marion County, 10 November 1889 — Page 3
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Aie arme Schneiderin.
OriZa!C?zVuRA tut! dem Sr-Its AAssSlebe. Con Arthur vo Z5oy. (3. Fortsetzung.) Allzulange beschäftigte sich indeß Elfe nicht mit bei Buchhalter. Sie schlug ihr Gedkchtbüchlein auf und versuchte z lesen. Doch ihre Gedanken schweiften 5.. -c t.fcn. r.. rt u.Uiiti luittci UV, ci jjciuujuc; zchworene ytofcench vermochte sie heute ., nicht zu trösten und zu zerstreuen. Ein Gemüth, rselches die Sorge hetzt, ist eben in traurigster Weise ausgesüllt, und vermag meistens keine anderen Eindrucke mehr aufzunehmen. Das Gespenst der Noth, dem sie gezwungen roar, immer wieder in'S Auge zu schauen, hatte ihr !slHfi WplTTIfTlimfpm iTrtsMrtsf iifiori'!' uiiitvvuuviki,, und wenn Elfe auch immer versuchte sich zu sagen, daß Frau ZuSerns falsche lreundUche ismtw kelverter eigentliche Bedeutung für ihr Schicksal hatten, so roaren dieselben doch noch die letzten bit tcren Tropfen aewesen. welche den schon w r. . w i'x, e allzu vollen Becher ihres Leides überfließen machten. Elfe konnte die ärgerliche Einsicht nicht ganz niederkämpfen, daß sie in den meisten Fällen ihre? Vergangenheit an'bers und klüger hätte Handel können. Der Druck der Gegenwart und die Aussichtsloskgknt der Zukunft vereinigten sich, um ihre sanguinische Natur, die leicht bosiend, aber auch ebenso rasch wieder niedergeschlagen war, bis an die Grenzen der' Verzweiflung zu dringen. Welch' ein Leben sühne Elfe! . . .Durfte sie hoffen, das; sich jemals ihre Sorgen mindern wurden?. . . . Wenn sie sich jetzt in der Vollkraft ihrer Jahre nicht einmal genugend zu ernähren vermochte, was sollte dann später werden? Gott, wie traurig war das Alles! Wohin sie blickte, trar ihr Fuß auf steinigen Boden, eine Kette von mühseligen geuußarmen Tagen rMNele sich vor ihr aus, die voraussichtlich Mangel und ii?ankheit begleiten würden. 21a gibt es aber in der Seele der meistcn heiratsfähigen Unvermählten, weß Stand (5 nnd Alters sie auch sein mögen, stets einen geheimen Punkt der Hoffnung, das ist die Rechnung auf die Ehe. Diese soll wie eine Glücksgöttin das oft schon ganz verfahrene Schicksal in neue angenehme "Bahnen lenken, alles verschönern, ebnen, und zum Besten N'enden, die Wünsche verwirklichen, die Untenstehenden erheben, die erduldete Kränkung ausloschen u. f. w. Es ist ganz außerordentlich, welche Macht die weibliche Phantasie dem Zanberstab der Liede.... und demjenigen einer guten Partie bcimißt! Leider war der kleinen Elfe im genannten Falle eine recht fatale Vernunft eigen. Sie besaß nicht genug Eitelkeit und Selb st täusch ungsvermözen, um sich mit lieblichen ZunkunftSträumen in den Schlaf zu wiege. Das brauchte ihr die Portiersfrau nicht erst zu sagen, daß ein armes Mädchen schwer, eigentlich beinah nie einen Mann bekommt. Freilich, in er eilten ugeno geyr oics i?ecgarc rn allen Ständen etwas leichter als später . . . . ! aber das war ja eben auch eine arge Schattenseite ihres schwarzgelockten Buchbinders, daß er alle anderen Freier von ihr verscheuchte und sie die Zeit mit lhm vertrödelt hatte, wie man zn sagen Pflkkt.... fTL rv C . s i l f et . t t 1 1 . Wie konnte ich auch nur ein solches Gänschen sein, und indem ich mich aufopferte, fast aufdrängte, mir meine ohnehin geringen mädchenhaften Aussichten auch noch so gründlich zu verderben?" dachte jammernd Else auf ihrem Eckplatze. .Ja .... und wie konnte ich bei meinen Jahren denn wohl noch so ein Gimpel fern und mich kopfüber in das trügerische Netz hineinstürzen, welches die schöne falsche Wittwe für mich so lockend ausgespannt hatte? Warum mußte ich auf eine Schlange treten, wo ich einen Engel zu sinden hoffte? Ich bin ein thörichter, eitler Schmetterling gewesen, den ein Irrlicht blendete und der sich leider für alle Zeiten die Flügel verbrannt hat!" Das dachte der Buchhalter eben auch, der noch immer den anderen Eckplatz der Bank inne hatte. Die Gedanken der beiden Leutchen, die hier in der Hosjägerlllee gemeinsam ihr Psingstoergnügen suchten, ähnelten sich überhaupt, indem sie freilich zugleich theilweis auch grundverschieden waren. Weide'waren tiernnzufneden mit ihrem Schicksal und keinesweas durchweg von ihren eigenen Handlungen erbaut. Doch während Elses Seele der Ruf stets von Neuem zerschnitt: '.Wovon soll ich leben? Herr Gott, gib mir Arbeit und Brot!" so empfand des Buchführers Gemüth trotz allen Liebeskummers und der Selbstvorwürfe, die er sich im Zusammenhänge damit machte, doch jene angenehme Beruhigung. welche der Besitz acht. Er . -,v er IfrHUIh lVHT in i i r ii i i i nr ri iini i " Aller naoe, was iang;r -u zeyr an? Kam k M')lr entwcoer em arones Cfu.B fX .iX. .X.TT..4tl ts..f.. IUIICV WlfkUt vtlWtll V". .V &aTi itnS f?nhTfiiTrtftr tn dessen 1?mkr,,s "S"'3 w"7 g --" Dein halbes Leben verrann, und Dein erster, hoffentlich einziger Noman sich abspann oder hangst Du den ganzen ßrani eine 3eit laa an den Naael.
' " bringst Deine Staatspapiere zum Banciiicr und mackst erst eine bÄbsche Reise
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ivi üwuv .xrmu ;utavi 1 .; der Luftgennß in der schönen HofjagerAllee an einem vom prachtigsten Wetter "'begünstigren Pfmgstsonntag allerdings . st ein ennafliq bescheidenes Vergnügen.
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Xranrgcit qeyaor, uns oer iiiHyatter -, e f , .. ms r . t a . durste cit tn na isocgc wieder ausgehen. Aber statt einen Entschluß zu fassen, versiel Noderlch Storzing immer wieder, genau wie seine junge Nothbarirl ,Else Frank, auf, dem entg?gengifetzten EckPlatze, in'S alte Grübeln zurück. ,Wie hatte denn Alles nur so kommen können? War es denn nicht einfach narjirlich, daß ein Mensch wie er, der, von Kindesbeinen auf hart Arbeitet, hatte, uyr durchS ; ,;::! ? " " . j ä : 5 j ! ' : ! I ! 1 1 ; j slrrll ""i!"', I'1;' f'V 'psf'f p V i' i I ! j j ! 1 1 ! 1 1 1 1 j ! ! ! 1 : ! H ! ! i i
Leben zu kommen, der Anfangs noch eine alte Mutter und eine junge Schwester ernähren mußte vsn denen die erstere nunmehr schon lange gestorben und die andere später ausgewandert und leider in Australien verschollen war wenn ein sslchea Mann, nachdem er des Lebens ärgste Ütetj zwar endlich durch eigenes Verdienst überwunden hatte, aber dennoch trotz aller Anstrengung doch sich kaum schmeicheln durste, jemals über das bescheidenste Maß der Verhaltnisse hinaus zu kommen, wenn dem also plötzlich wie ein Geschenk aus Hkmmelshöhen eine Erbschaft zufällt von einem ganz ' tfernten Verwandten, dessen Dasein überHaupt Störung nicht ' einmal ganz klar bewußt gewesen war und der glückliche Erbe dann sich einige harmlose Wunsche erfüllt, etwas der warmblüthigen Dichternatur in seinem Busen Äkechnung tragt, die, zum Schonen, Poetischen und Prächtigen drängend, so ewig lange in den Banden der prosaischen Nothwendigkeit geschmachtet hatte.... War das im mindesten seltsam, erstaun, lich oder gar strafwürdig ? Was hatte er denn eigentlich gethan? Keineswegs warenihm die veränderten Lebensverhältnisse etwa gleich zu sehr zu Kopfe gestiegen, er hatte die natürliche Nüchternheit feines Charakters keinen Augenblick verloren. Ja, er war nicht einmal beeilt gewesen, seinen Kassirerund Vuchhalterposten sofort aufzugeben, wozu freilich der Umstand beitrug, daß dazumal als Storziug eben die Erbschaft machte, gerade fein "alter hochverehrter Chef starb, und dessen junger etwas leichtlebiger, und sich sehr vornehm dünkenver Neste das Geschäft übernahm, ohne die kaufmännischen Kenntnisse und die ausreichende Solidität zu besitzen, um die Interessen desselben genügend wahren zu können' So hatte Storzing also in einer immerhin subalternen Stellung ruhio; ausgehalten, den Befehlen eines viel jüngeren Mannes gehorchend, ievlgllch aus Liebe zur Arbeit und zum Althergebrachten, und weil er für sich felbst noch keinerlei, andere feste Lebens basiS so rasch zu erschaffen vermochte war das Alles aber nicht höchst gutartig und stockoernünftig gewesen? Daß er sich daneben eine größere Wohnung gemiethet, und sich wundervoll eingerichtet atte, konnte ihm doch eigentlich auch kein Mensch verdenken? Welches Vergnügen hatte er nicht dabei cmpfunden, wie er nun so ohne Weiteres in die großartigsten Läden gehen durfte, und forderte, prüfte, nahm und bezahlte gleich elneui Grandstngneur! Ein Prachtstück nach dem andern hatte er so gekauft, auch maucherlei fchoue Kunstwerke gesammelt, und endlich war sie fertig gewesen, die herrliche Einrichtung mit Gobelin - Tapeten, Smnrna-Teppichen, geschnitzten Schränken, Voule-Tischen und seidenen Möbeln .... besonders die königsblaue Atlasgarnitur, wie hatte sie geleuchtet und geprahlt aber darin steckte der Teufel! Ja, Stotzing besann sich noch darauf, wie just eben das verführerische schone Blau ihm keine Ruhe gelassen, er mußte es zeigen ! Er begann sich danach zu sehnen, Mensche bei sich zu empfangen und zu bewirthen, seine schöne Wohnung vor bewundernden Blikim entfalten zu dürfen. Ein PorzellanServiee, ein köstliches Damastgedeck.edle Krnstallsachen, kurz alles was zuIeinex Tasel für zwölf elegant dinirendeund Ioupirende Personen gehört, ward auch osort noch a!?geschafst. Und nun gab der Neichgewordene Gefcllschasten, aber feine, anstandige, keine
Champagnersoirees, dle m Orgien auZarteten, wie ic znr Gründerzeit so vielfach vorkamen. Nein, Storzing war ein Mann des Maaßes und der geschmackoollen Sitte, er lud lauter ernsthafte Charaktere ein, Beamte, angesehene Geschäftsleute und dazu die wenigen wohlwollenden Redakteure, die sich dem Dichterling" während einer kurzen literarischen Periode einst freundlich erwiesen hatten. Aber er mußte doch selbstverständlich seinen neuen jungen Chef einladen! Der kam, aß sehr viel und trank noch mehr, kurz amüstrte sich vrächtig bei seinem Buchhalter, dessen Verfjältnisse soviel glänzender waren, als eine eigenen. Natürlich revangirte sich der junge Chef, und lud seinerseits Storzing ebenfalls ein. Was war natürticher, als daß derselbe mit Vergnügen und nicht ohne Neugier die Feste einer Welt besuchte, deren exklusive Pforten sich ihm erst neuerdings erschlossen batten? Er kam dort in eine ganz andere Gesellschaft als er gewohnt war, zweifellos weit vornehmer, aber auch leider sich? viel frivoler! Doch was konnte dies dem streng moralischen wohlgesetzten Storzing noch schaden? Einfach garnichts! Aber das Schicksal wollte, daß der junge Ches eine Cousine besaß.... die Verführerin wie sie im Buche steht. . . . klug und schlau, elegant und bezaubernd, üppig schön und rothhaarig! Letzteres scheint eine Hauptbedingung der unwiderstehlichen Frauen zu sein. Eugene Sue fand sie einst in dieser interessanten Couleur, die deutschen Schriftstellerinnen, an ihrer Spitze Fräulein E. Marlitt, setzen das Geschäft mit den roth- und goldhaarigen Heldinnen fort, Makart malte sie bis zum Ueberdruß. Obgleich sie jetzt nun zwar eigentlich fchon etwas aus der Mode sind, so übt doch noch immer jedes geputzte und nur einigermaßen hübsche Frauenzimmer aus die meisten Männer einen wahrhaft dämonischen Reiz aus, wenn dasselbe rothe Haare besitzt einerlei, ob dieselben , echt oder 'gefärbt sind. , - y 1 . - ' Die Wittwe Adelaide Rodeck war ein etwas herabgekommenes Mitglied der höheien Gesellschaft, ursprünglich eine Majorstochter, dabei reif und süß" wie ein Psirstch von Alexander Dumas. Sie hatte auch schon einen recht sichtbaren Stich", und es war nur der plohlich dliud gewordene Storzing, der das nicht bemerkte! Er lernte Frau Adelaide, kennen nach einem , Diner, im Hause seines jungen Chefs. ' Dieser gab nämlich auch zuweilen, Gesellschaften , mit Damen, wobei eine alte Tante in passender Weise die Honneurs machte. ..wenigstens bYt der Kategorie von Festen, zu denen der solide Storzing Einladungen erhielt. ' Anlaßlich eines solchen Diners mußte , einmal sehr lange ,uf eine nicht erscheinende Dame gewartet !, werden. Dann , blieb
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im vit cut ciu jiu uuucjiyi, uv Gespräch drehte sich während des EssenS wiederholt in einer Art und Weise um ; die Ausgebliebene, welche Spannung erweaen ronnle. ußeroem war es zusarlig etwas langweilig, ein Zustand, der sonst wirklich selten vorkam bei den geselligen Veranstaltungen deS jungen Chefs. Nachdem das Mahl zu Ende war,' und die Gesellschaft den Kaffee nahm, wobei sie zwangslose Gruppew bildete in den schön ausgestatteten Zimmern aus niedrigen Sesseln und zahlreichen anderen modernen ebenso eleganten als originellen Sitzplätzen denn der bedeutend ärmere Chef war trotzdem ähnlich großartig wie' Storzing eingerichtet als' man theilmeis Cigaretten rauchte und sich in jener angenehm yehobenen Stimmung befand, welche einmal der befriedigte Magen, zweitens der reichliche Genuß ausgezeichneter Weine, und auch der länger einwirkende Reiz des Zusammenbleibens gleichmäßig zu erzeugen pflegen, da wurden die Flügelthüren plötzlich aufgerissen, und herein rauschte eine Lichtgez:alt, ganz in Weiß gekleidet und mit glitzernden Srmelzkrystallen überrieselt, vor der Stirn in rothem Haar schwebend gleich einem Sinnhild, die mystisch-poetische Clematis, und die nämliche sammetartige mattweiße Sternblume in geschmackvollen Gewinden um die schlanke, hockbusige Figur gelegt eine hinreißende Erscheinung, strahlend in Schönheit und Lebenslust, nach unbeschreiblichem Parfüm duftend, eine Dame, die jede andere Frau in der Versammlung sofort ausstach, auf der sich die Linien des allgemeinsten Interesses vereinigten, wie die Sonnenstrahlen in einem Ärennglase. . . . Das war Adelaide Nodeck, die ein brillanteS Entrce zu machen verstand, wie keine Andere, ja, die überhaupt uudenkbar schien, ohne ein solches Entree, sie konnte gar nicht einfach hereinkommen, wie ein bescheidenes, anderes weibliches Wesen ! Storzing war wie geblendet. . ..Amor zielte wieder einmal so unverständig und rücksichtslos, wie nur er es konnte.... Der launenhafte kleine Gott machte aus dem ernsthasten, ehrenfesten Buchhalter, der trotz jeiner Dichterliligsnatur durchaus sonst kein allzuleicht eraltationöfähiger Geist war, im Handumdrehen einen Romeo, wie ihn selbst Shakespeare nicht seuriger und verliebter ersinden konnte. Das war so auffällig, daß es noch an demselben Abend Jedermann bemerkte, selbstverständlich auch die schöne Wittwe und der junge Chef, ihr gastfreundlicher Consin. Madame Adelaide Nodeck hatte bereits eine andere Einladung angenommen gehabt, was sie 'am rechtzeitigen Er? scheinen bei der Festlichkeit ihres 'Vetters verhinderte. Nun dünkte es der reizenden, siegesgewohntcn Fran wahrscheinlich doppelt fchmekchelhast, noch so spät am Tage nnd so rasch eine Eroberung zu macheu, denn sie lächelte huldvoll.... auch der Cousin lächelte.... selbst die alte Tante äumo 6'konneur schmunzelte mit zahnlosem Munde nun, k h bonne beure, dem Liebenden und dem Kühnen zeigt ja meist die ganze Welt ein freundliches Gesicht! Man wies ihn überhaupt nicht etwa ab. Anfangs hatte Storzmg zwar die Empfindung, als ob feine plötzlich erwachte Leidenschaft sowohl wie seine unmittelbar sich daran schließende Vewerbung ein gewisses elementares Staunen errealen. Das bezog er indeß nur darauf, daß man sich vielleicht nicht ohne Berechtigung wunderte, daß er, der alternde und sonst keineswegs allzn weltliche Mann so zuversichtlich, die Hand ausstreckte nach einer derartig schönen, prächtigen Frauenblume, nach einer vornehmen, großen Dame cornrne ii laut, wenn auch wohl etwas en ääoaäenoe. Doch Storzing hatte sich genau erkundigt und nicht ohne die herzlichste Bestiedigung erfahren, daß dke bezaubernde Wittwe arm war, wenigstens sehr viel mehr ausgab wie sie einnahm. Der reiche Buchhalter verlangte es ja, aber gar nicht anders als sein zukünftiges Glück an dem Ergänzungsprincip auf bauen zu dürfen, er wollte so gern jekn Geld und seine heiße, überquellende Liebe in die Waagschaale werfen, und hoffte damit doch seine mangelnde Jugend und seine fehlenden Haare wenigstens einigermaßen aufzuwiegen. Seine Empsindungen steigerten sich unglaublich, eine leidenschaftliche Begierde hatte ihn erfaßt, der wahnsinnige Trieb, die Frau seines Herzens zu besitzen um jeden Preis. Goldene Zeiten zogen herauf für den Cousin und die Cousine für den jungen Chef und Fran Adelaide, weniger für Storzings Börse. Dieser begann ein Leben, wie er es nie zuvor geführt, und nie für möglich gehalten hätte, daß er es einmal führen könnte: Von Ve gnügen n Vergnügen eilte er an der Seite der schönen Frau dahin, der Cousin ging immer mit als garäe-äame. Doppelt und dreifach bezahlte Storzing die Thea-ter-und Coucert-Billets an der Abendfasse, dann soupirte man noch in den feinsten Restaurants, nachdem man schon Mittags Champagner-DinerS entweder in einem Hotel oder bei sich zu Haufe genossen hatte. Ach, und erst die wundervollen Geschenke, die der von Amor Ueberwundene der schönen rothaarigen Zauberin machte ! Doch mehr wie Alles legte ihn eS diese an's Herz...., Das Geschäft ihrcS Cousins zu kaufen! Um einen furchtbar "hohen Preis natürlich ! .... Denn der arme Cousin müßte sonst untergehen, eö' war Christenpflicht ihn zn retten ! " Man konnte es rührend finden, wie gut und uneigennützig sich Frau 'Adelaide zeigte, wie mütterlich" besorgt für ihren jungen Verwandten! "Nun ja ; . , Storzing hegte ja auch die redliche Absicht, den armen Cousin" als einzigen nahen. Verwandten seiner Flamme zu retten", so oder so, nämlich entweder durch den Vorschuß eines großen Capitals, mittelst Bürgschaft, oder der Buchhalter konnte sich ja auch in der That selbst zum Chef des Holz- und Kohlengcschästcs machen, dem er bereits jahrelang seine ' Thätigkeit gewidmet hatte. Aber das war ja doch Alles gar nicht eilia.... ! er lief keinesweas fort j mit seinem , Gelde., Jetzt dünkten , ihm doch oorlänsig die, eigenen Liebesangelegenheiten mahrlich weit , brennenderer j Statur zu sein erst , wollte er Gewißz heit haben ! Er schmachtete danach, die
Gluth deS Verlangens in die ruhigere Atmosphäre des Velltzes tauchen zu kön, en. , Gegen die Osterzeit hm stellte Störzmg seinen Antrag. Eine seltsame Angst ergriff ihn, als er auf seine bestimmte Werbung weder ein Ja noch ein Nein, sondern nur lauter ausweichende und hinhaltende Antworten erhielt. Doch er gab nicht nach, wurde dringender zwingender ! Und da platzte endlich die Bombe, ... der Cousin und die Cousine entpuppten sich vor ihm als ein fertiges Brautpaar. ... es dem armen Storzmg überlassend, ob er glauben mochte, nur Elephant" gewesen zu sein, nämlich, daß er mit seinen vielen Theatcrbillets und Soupereinladungendie willkommene Gelegenheit geboten hatte, die beiden jungen Leute sich näher zu bringen, oder daß die Hinterlistigen schon von Anfang an verlobt gewesen waren, und als sie die aufblühende Leidenschaft des wohlhabenden Buchhalters bemerkten, ihn absichtlich im Dunkeln über die Natur ihres Verhältnisses ließen, um seine tolle Verblendung dadurch praktisch für sich auszubeuten, daß sie versuchten, ihm das Kohlengeschäft zum denkbar höchsten Preise zu verkaufen ! Denn der leichtlebige Vetter-Vräutigam war allerdings halb bankerott, falls es ihm nicht gelang, seinen Besitz glänzend loszuschlagen, uns das Paar hatte überhaupt nichts zn beißen und zu brechen, wie man zu sagen pflegt. Beide besaßen nur Schulde roaren überdies noch entsetzlich verwöhnt, auch zählte der jugendliche Verlobte eine nette Zahl von Jährchen weniger, als die schöne, aber schon recht reife Braut. Doch Amor behauptete einmal wieder hier seine Souvcränetät, und die Liebe triumxhtrte über Alles. Die arge Erfahrung, daß man ihn nicht einmal mit seinem Gelde gewollt hatte, sondern nur diesem allein nachstellte, die ganze Aufregung der voran gegangenen Zeit, die ungcwöhnte Lebensart, die er geführt hatte, der Schmerz seines tiefgekränktcn Herzens, das Alles vereinigten sich, um Storzlng auf's Krankenlager zu werfen. Er bekam eln bösartiges Nervcnsieber ganz so wie es den unglücklich Liebenden im Roman zu ergehen pflegt! Doch wem wirklich dergleichen pafnrt, für den ist es wahn lich nicht romantisch, sondern eine recht bittere Strafe für die allzu straffe ilrn spannung der edelsten Seelen- und Körperkräfte, die unabweislich mit der höchsten Steigerung der Leidenschaft verbun: den ist. Nun lag auch das hinter ihm. Ston zing war genesen, aber noch tief nieder; gedrückt. Der junge Chef und dU schöne Wittwe hatten kurz vor Psingsten großartig Hochzeit gemacht, und waren für die Feiertage nach Dresden gereist. Dort amüsirten sie sich prächtig, gaben täglich eine Masse Geld aus, wovon kein Mensch begriff, wo sie es hernahmen. Und Storzing saß währenddem als schwächlicher Icekonvaleszent auf der einfachen Bank in der Hofjägerallee, bemüh! oas Gleichgewicht feines Lebens wiederzuerlangen, und sich öesinnmd, wie er seine Zukunft möglichst wenig trostlos zu gestalten vermochte. Ja, wer ihm in der schönen Jugendzeit prophezeit hätte, er würde einmal später 300.000 Mark besitzen und trotzdem nicht glücklich sein!. . ..Den Wahrsager hätte er schlechtweg ausgelacht! Jetzt sehnte er sich zurück nach dem verlorenen Eden der Jugend, wo die Hoffnung noch Zauberflügel, besitzt, und wo man sich innerlich so stark und glücklich fühlt, daß man die Verneinung des Daseins kanm fühlt. Die Jugend an sich erschien Storzing schon als eine Göttergabc, obgleich die semige doch wirklich nicht auf Rosen gebettet gewesen war. Zuerst, als er noch Mutter nnd SckmeNer ernadren muute.
da hatte sie die böse Gestalt deS Mangels unaushörlich begleitet. Später ging es dem Buchhalter ja, wie gesagt, besser, aber während die meisten seiner Genossen Und Bekannten emporkamen, zum Theil glänzende Stellungen innerhalb der Gesa)äftswelt errangen, blieb es für ihn ein Object, bisweilen einige hundert Mark zur Sparkasse tragen zu dürfen, wofür er Gott im tiefsten Heizen dankte. Und doch war er so glücklich Damals gewesen .... Wie seltsam? .... Kam es vielleicht daher, daß der enge Horizom seines Daseins alle weitschweifigen, vielsordernden Wünsche von selbst verbot? Denn Storzing hatte ja dazumal selbstverständlich weder links noch rechts sehen dürfen, weil eben der steile Weg, den er gehen mußte, seine ganze Aufmerksamkeit und seine völlige Hingabe erheischte. Ja, das war es wahrscheinlich, denn es ist nun einmal nicht gut, wenn der Mensch die Schößlinge seines Willens und seiner Wünsche allzu stark wachsen läßt.... Aber hatte Storzing denn damals wirklich niemals einen thörichten Wunsch gehegt, nie einer egoistischen Hoffnung nachgejagt? War der Ernst des Lebens völlig ausreichend gewesen, ihn vor allem Nebensächlichen zu bewahren?. . .lNem! einmal hatte er ein Wagniß unternommen, was doch wohl eine Thorheit einschloß'. .'. ; er war nämlichDichter, mächte nach seiner eigenen und mancher guten Freunde Ansicht leidlich hübsche Verse, besaß eine frisch pulsirende poetische Ader.. Und da hatte Roderich Storzing er wurde noch roth bei dem Gedanken sich thci s durch drn Drang oes Talentes", theils von eitler Ruhmbegierde verleiten lassen, die Erzeugnisse seiner Muse zu sammeln und herauszugeben, auf feine eigenen Kosten natürlich.. Gedarbt hatte er fast, um den Verleger bezahlen zu können, unddicscr erfand ihm dafür, freilich nicht' aus bösem Willen, sondern lediglich aus Unverstand,, den sehr gewagten Titel für die Gedichte: Das neue Buch !,der Lieder." Diese arrogante Reminiscenz an Heine verdarb dem Heftchen die ganze Laufbahn denn ste erregte die Ausinerkfamkeit der bösen Kritik. , Storzing , ward , 'unbarmherzig zerzaust, ja man bot Alles auf, 'i'nrn ihn zu einer, lächerlichen Berühmtheit zu machen. Ueberooll luden, die Rezensenten die Köcher ihrer Giftpfeile, welche sie auf den Aermsten hageldicht : abfchossen, die Schalen des Spottes ergossen sich ! strömweis über fein bedauernswürdiges Haupt. Denn unglücklicher Weise hatten ihn just einige derjenigen Schriftsteller entdeckt", die vom Herunterreißen lebten, und deren Feder stets eines Opfers bedürftig war. I welches il)rc geistvolle scharfe Spitze zum
Gaudium,, ,deS Lesepublikums an den Pranger nagelte. Schließlich" jedoch klärte sich die Sache uny die Wahrheit siegte. : - Die. Gedichte waren hübfches Mitteljut, und nur weil der deutsche Dichterwald allzu reichlich sprießt, vermochten sie nicht im guten Sinne durchzudringen, und ihrem Verfasser einen berühmten Namen zu verschaffen. Ihr Inhalt war ja zweifelsohne sehr gemischt und dilettantcnhaft, der Ausdruck vielfach ungelenk, und kleine Geschmacklosigkeiten hatte sich Rodench" auch wohl hin und wieder .zu Schulden kommen lassen, aber neben manchen Gemeinplätzen fanden sich doch anch wohl echte .Goldkörnlein, neben reiner Prosa stieß man auf wahre Poesie, die Empfindung war durchweg edel und erhaben, ja die Leidenschaft schlug zuweilen Töne an. die einen Höheren Klang hatten, und Lord Byrons würdig gewesen wären. Es folgte dann auch ein Rückkchlag in der Presse, das anerkennende Wort hinkteZnach, rnehrere labende Kritiken erschienen später noch. Doch es waren nur kurze Besprechungen, die in der Fluth der Tagesblätter rasch untergingen. Storing's literarisches Schicksal und das seines Buches waren leider längst besiegelt. Von Letzterem wurden keine zwanzig Exemplare verkauft, die ganze Auflage blieb liegen, nur noch Mokulatnr darstellend. Und dem armen Storzing hatte man das Tichten gründlich abgewöhnt, er war so eingeschüchtert, daß seine sonst so reiche lich fließende poetischeAder kaum nur noch trauselte. Zwar nahmen die Zeitungen fortan jedes Gelegenheitsgedicht gnädig auf, welches der Buchhalter ihnen einsendete denn Storzing hatte vom Tadel jetzt etwas gelernt, doch Druckfreuden vermochten ihn vorläusig garnicht mehr zu erheitern, sie erregten in ihm nur noch eine wehmüthige Empfindung. Er gehörte auch wohl wahrscheinlich zu den schwächeren Talenten, die haupsächlkch in der Jugend einen Aufschwung nehmen, und ,,die mit der zunehmenden Reihe der Jahre ihre Produktionskraft verlieren. Von jener Periode war ihm der Spitzname Dichterling" anhaften geblieben, und sie trug die schuld, daß der Fluch der Lächerlichkeit seine Erscheinung wenigstens gestreift hatte, die sonst durch ihre bürgerliche Unschädlichkeit nur den höchsten Respekt erzielt haben würde, wobei die anspruchlose. hochbetagte Persönlichkeit des Buchhalters kaum verfehlen konnte, der Achtung seiner Mitmenschen anch deren Liebe und Sympathie zuzugesellen. Elfe hatte sich unterdessen doch noch in ihre Lektüre vertieft. Ihre Gedanken waren endlich des Umherwanderns müde geworden. Jetzt hielt sie das leuchtend eingebundene Büchlein den Trost ihres einsamen Herzens aufgeschlagen in den Händen und beugt sich ganz versunken darüber, bereits lhr viertes Lieblingsgedicht lesend. Die Insassen der Bank hatten schon unzählige Mal neben ihr gewechselt. Elsc schenkte ihnen längst keine Beachtung mehr. Den Buchhalter hatte sie auch ganz vergessen. Da ward ihr plötzlich zu Muth, als sähe sie Jemand scharf an. Indem sie den Blick erhob, gewahrte sie, daß nun? mehr beinahe die ganze Bank sich geleert hatte. Nur der Unverjtandene" saß noch aus dem alten Fleck, mit seiner voll len Front jedoch Elfen zugewendet, vom bei er beharrlich das Buch in ihren Hän den sirirte. Verzeihen Sie," redete er sie an, näher rückend und artig den Hut ziehend, so daß Else vor seinem beendend weiß ihr entgegenleuchtenden Schädel förmlich zurückprallte, verzeien pk im?, daß ich es wage, Sie mit metner Aufmerksamkeit zu belästigen . . . .aber Sie lesen da in einem Buche. . ..für dessen Autor jfc !..l-f.I I M
tu) miu) iuicuiici Nicht möglich ?.. ..Sie kennen Herrn Roderich?" fragte Elfe wie elektrisirt ....Das freut mich ja ganz außerordeutlich, da kann ich also doch endlich einmal etwas Positives über ihn erfahren! Bitte, sagen Sie mir: Wer ist er? Was ist er? Wo lebt er und wie steht er aus ?...." Das sind gar viele Fragen auf einmal," lächelte' Storzing. Wie denken Sie sich denn den Herrn Noderich?" O, natürlich ganz wundervoll! Er muß ein hochgenialer Mensch fein.... Dabei jung und schön, natürlich brünett, mit einem köstlichen langen Haarwald geschmückt, wie man das so ost beiKünstlern sieht !" antwortete Else mit ahnungsloser Grausamkeit, indem ihre Hand überdies noch dle Bewegung machte, als ließe sie ihre schlanken Finger liebkosend durch die imaginäre Lockensülle gleiten. Des Buchhalters Gesicht verdunkelte sich ein wenig, und er meinte mit einem kleinen Seuszer: Ich glaube, daß es sehr heilsam ist, wenn man seinen Jdealen niemals in Wirklichkeit begegnet." Sind Sie vielleicht mit ihm verwandt?" drängte Else. Nein Ja . . . . ! das heißt nur sehr entfernt; der Herr ist so eine Art Neffe von mir stotterte der Gefragte vcrlegen, und fand es dann an der Zeit, sich seiner Nachbarin als den Buchhalter Storzlng" vorzustellen, wobei er wie ein Jüngling erröthete darüber, daß ihm dies 'Intermezzo wichtig genug dünkte, um eine Verschleierung der Wahrheit daran zu wenden Die Dichterzeit sollte ja eigentlich bei ihm abgethan sein, und nun war er doch nicht stark 'genug, ' um rundweg die kindlichen Illusionen dieser unbedeutenden kleinen Person" zu zerstören, welche ihm hler der Zufall entgegenwarf, trotzdemder Enthusiasmus der? selben leider doch auch gleich wieder einige Dornen für ihn enthielt. Nämlich Storzing war in Folge seines erotischen Mißerfolges neuerdings i,n Jagend- und Haarpunkt sehr empfindlich geworden, da er sich doch sagen mußte, daß, falls er ein Aoonis gewesen wäre, ibn Frau Adelaide doch wohl schwerlich hätte verschmachten lassen! ' Sonst war er wirklich kein, Geck,, hatte einst ! die Jugend ohne eitles Bedauern,, schwinden , sehen, , und , als seine hübschen blonden Haare sich mehr und mehr von ihm ''zu trennen begannen, da hatte er sich damit aetröstet, daß die Kahlköpflgkeit ja nun ? ' c ! 1 1 v --r r z - 1 ; DOch emmar vcl 19m ui vci üiimiuc mijc. ; Jetzt fühlte er, daß die kleine Person" da neben ihm total ernüchtert sein würde, wenn er sich ihr in seiner nunmehrigen Gestalt als Noderich" zu erkennen gäbe, 1 und daß der ganze Eindruck ausgelöscht
erden konnte., den hier offenbar endlich .doch einmal Das neue Buch der Lieder" gemacht zu hahcn schien! Und der Dichterling war in Storzing wohl unterdrückt und bereits halb erstickt, bildete aber doch noch immer eine Seite seines Wesens, die insgeheim schmerzhaft nachzitterte und leidenschaftlich nach Anerkennung ver langte. Darf ich mir wohl das interessante Gedichtbuch für einige Augenblicke ausbitten?" fragte Storzing schmeichelnd, und als es Elfe ihm unbefangen hinreichte, und er darin zu blättern begann, die Zeichen des Viellesens, die Striche, Anmerkungen u. s. w. fand, verklärte sich sein Antlitz so freundlich, daß seine Nachbann dachte: Ei, ei, der HerrVuchhalter Storzing ist eigentlich gar nicht häßlich, und noch keineswegs so alt! Wo hatte ich den nur früher meine Augen!" Doch zugleich kam ihr auch plötzlich die Erkenntniß, daß sie ihm eben einen unverhüllten Spiegel ihrer. Seele in die Hand gegeben hatte, und indem ein heißes Erröthen ihre zarte Wange färbte, entriß ihm Elfe beinahe unartig das Buch, um es in ihre tiefste Tasche zu versenken. Storzing sah mit einem unnachahmlichen Blick das! rothgoldene Vandchen verschwinden. Einen Moment schien er verdutzt, schwieg., und scharrte nachdcnklich mit! seinem Spazierstocke im Sande. Dann that er, als hätte er Else's unverKindliche Regung nicht bemerkt, und begann sehr liebenswürdig und artig seine neue junge Bekannte zu unterhalten. Er sprach von Poesie, Liebe, Mondenschein und Frühling, und je länger er redete, desto entzückter wurde Else. Als es etwas kühler wurde, forderte der Auchhalter sie auf, mit ihm auf und nieder zu wandeln, was Else ohne weiteres annahm. Nachdem man einige Male die Hofjagerallce abgeschritten hatte, führte Storzing seine Dame nach dem Großen Stern, wo eine wundervolle Equipage harrte, deren Schlag der Dichterling mit Besitzermiene einladend öffnete. Elfe erkannte das elegante Geführt auf der Stelle wieder. Das waren ja die ausfallenden weißen Tigerpferde, mit den gesprenkelten schwarzen Flecken, die man nicht so leicht vergaß, und die früher zu dem großen Kohlengeschäft gehört hat ten, als es noch in Elfers Näe ftorirte, und worin Storzing angeztellt war. Selbst der Wagen ein offener Lan-. dauer zeigte noch das nämliche kapi tonirte braune Atlaspolster. In Berlin haben die meisten großen Gewerbetreibenden Equipage, d. h. wenn sie doch Pferde halten müssen, so spenoiren sie sich die verhältnißmäßig geringe Ausgabe für einen Kutschwagen auch noch dazu und dieselben Rosse, welche werktaas arbeiten, schwere Rollwagen. Kut
schenfuhren u. f. w. ziehen müssen, siie-' . , . L. . .. .. L . . r j gen oann sonnlags im mergarle vor dem stolzen Landauer gespannt dahin, die geputzten .Gattinnen und Tochter ihrer Besitzer dem bewundernden Publikum zeigend, und keinUneiugeweleter ahnt die plebejische Beschäftigung der gewöhnlich sehr prächtigen und kostbaren Thiere, welcher sie in der Woche obliegen. Das erklärt auch die verhältnißmäßig wahrhaft erstaunliche Zahl eleganter Ge fährte, die man in Berlin an Sonn und Feiertagen, k.ei großen Paraden, bei den Rennen, Illuminationen und anderen Gelegenheiten bemerkt, und die geeignet ist, dem Fremdling eine fast zu hol) Meinung aufzudrängen von dem großartigen Reichthum und der Liebe zum Luxus, welche in der deutschen Reichsmetropole herrZchen. v Diese Equipage hier hatte Storziug bereits in der ersten Periode seiner BeWerbung um Frau Adelaide Nodeck erstanden. Die Summe, welche der freigebige Käufer baar dafür auszahlte, war eins der vorläusigen Rettungsmittel für den ehemaligen Besitzer gewesen, welches die schöne Zauberin ihrem blind ergebenen Opfer abgerungen hatte. Gar oft war damals der hoffende Storzing in diesem Wagen glückerfüllt an der Seite seiner Angebeteten ausgefahren. Jetzt während der letzten sechs Wochen hatten der Kutscher, die Pferde und der Wagen aber absolut geruht. Auch heute war Storzing weniger der Neigung als dem Drängen seines Kutschers gefolgt der erklärt hatte, die Pferde müßten sich durchaus endlich einmal gehörig austraben worauf der Buchhalter sich den Wagen nach dem Großen Stern zu einer längeren Spazierfahrt für den Abend hinausbestellt hatte. Darf ich Sie bitten einzusteigen, und mir das Vertrauen und die Ehre zu erweifen, Sie zeitweilig entführen zu dür sen? Im Fahren hat man bessere Luft, und es plaudert sich auch leichter," sagte Storzing, den Hut lüftend und mit einer ritterlichen Handbewegung zunr Platznehmen einladend. ; Vi. - rjf.i c mscyen war uoerraicyr uno verlegen. Mit einem fast fremden Manne auszufahren sich mit ihm allein im Wagen zu befinden das dünkte ihr eigentlich doch nicht recht passend! Und doch. ... sie war zunge liebte das Vergnügen, welches sich hier so ungesucht bot. Ja, wenn sie dem Rathe der Zubern gefolgt wäre, und sich gegen alle bessere Ueberzeugung ein theueres Eintrittsbillet gekauft hätte, wenn sie an einem vielbesuchten öffentlichen Orte eine Herrenbekanntschast gemacht hätte, dann 'wäre wohl cinige Zurückhaltung nothwendig gewesen aber so?.... Der Zufall blies vom allgemeinen Freuden feuer ein Fünkchen in ihre dunkle Ecke sollte sie es verweigernd auslöschen? . . 7 Und der Buchhalter galt ja doch allgemein für :inen ehrenwerthen Charakter, war schon kin gesetzler Mann. . . . ! Aber trotzdem,' wenn nur nicht die Leute gleich Böses Sachten? " '. Als ob, Storzing ihre Gedanken errieche, fügte er seiner Aufforderung noch' beruhigend binzu: - "" (Fortsetzung folgt.) Die Macht der Töne. ,Wie kommt es, daß der junge bürgernche Architekt in der hochzräjlichcn Fanilie Geiersbcrg verkehrtM W stch eben durch sein schönes Kkavierfplel )ort richtig eingepiänistet!" ,! . .HöchsteWeis D'tHWeÄi, nit wem Du umgehst und ich werde Dir sagen, wer er ist. MOWU
Der bekannte Anthropolog ?lru.nde öe Quatrefages hat vor Kurzem der Parifer Akademie den zweiten Theil seines Werkes Einleitung in das Studien der Menschenrassen" vorgelegt und dabei einett Abriß von dem Inhalte desselben gegeben. Wir theilen nach diesem Bericht einige besonders bemerkenswcrthc Ergebnisse der Forschungen Quatrefages' mit. Quatrefages zählt mindestens 172 Menschenrasjekr. Alle werden znrückgeführt auf drei Hauxttvpcn: den weißen, den gelben und den schwarzen. Diese drei Grundtypen haben sich in der Umgebung des großen mittleren Gebirgsjtockcg von Asien entwickelt und gesondert. Das den Weißen zugefallene Gebiet war einstens vollkommen zusammenhängend; auch jetzt ist es noch überall so, außer im Norden Asiens, wo es von den Gelben durchbrochen ist. Es scheint, als hätte sich einst im Westen des erwähnten Gebirgsstockes ein großes ethnisches Kerngebiet des weißen Typus gebildet, das von Norden nach Süden ziemlich auSgedehnt war nnd nach und nach die drei Kerngebiete zweiten Grades gebildet haft das finnische, das.scmitische und das arifche. "Der gelbe Typus hat sich im Wesentlichen im Itorden des mitleren GcbirgSstockcS entwickelt ; er at zwei Kerncedicte zweiten Grades gebildet, und sein Bereich war stets ein zusammenhangendes. Uebcrall da, wo das Bereich der Weißen mit dem; der Gelben zusammenstieß, mischten sich die Völlerfchaften, und es entstand ein breiter Streife:: von Mischraffen, welcher die verhäitnißmaßig icm gebliebenen Kerngebiete trennt. Der schwarze Typus entwickelte sich im Süden des Gebirgsstockes. In Folge dessen befand er sich unter weit weniger günstigen Ausbreitungsbedingungen, als der weiße und der gelbe. Während diesen weite Räume zu Geb,te standen, in welchen sie sich ausbreiten konnten, waren die Schwarzen zwischen Gebirge und Meer eingezwängt. Im Osten und im Norden von den Gelben angegriffen, im Westen von den Weißen aufgehalten, blieb ihnen nichts weiterübrig, als inmitten der Meere die Länder aufzusuchm, welche ihnen fehlten. Die gcographischen Bedingungen nöthigten sie, sich in zwei Hauptwanderzüge zu theilen. Die Einen wendeten sich nach Osten und erreichten die indischen Inselgruppen, deren erste Bewohner sie unbestreitbar waren ; von da aus bevölkerten sie Melanesien, die von negerähnlichcn Völkern bcwobnte Inselwelt Australiens. Die Anderen zogen längs der Küsten in westlicher Richtung, durchkreuzten den Golf von Aden oder die benachbarten Meere und erreichten Afrika. Aber sie wurden im Norden dieses Welttheils von den Sem!ten ausgehalten, und die Berührung dieser beiden Nassen erzeugte die Mischvölker, die man zuweilen Negroide genannt hat. In der Mitte und im Süden war das Land srei; 'die Schwarzen bcmachtigten sich desselben und bewahrten dort ihre ethnische Reinheit, bis sie durch das langsam erfolgende Eindringen anderer Nassen zum Theil eine Umwandlung erführen. Nicht alle Schwarzen übrigens wanwerten aus ihrer Urheimat h ans. Ein Theil blieb an Ort und Stelle, und durch seine Verbindung mit den gelben und weißen Eindring tin gen entstanden die dravidischen Völkerschaften in Indien, welche durch allmähliche Abstufungen in die drei Haupttypcn übergehen. Alle drei Grundtypeu' sindet man in Ozeanien. Sie kamen hierher vom Festlande ans. Die Weißen (zu einem Aste gehörig, welchen QuclrcsagcZ den allophylen" nennt) besetzten wesentlich Polynesien, die Schwarzen Melanesien. In der malayischen Inselwelt besonders haben sich die Gelben mit den beiden anderen Typen verbunden, und sie sind die fmiasten in diesem ozeanischen Gebiete. Die fossilen Menschenrcste, welche man in Aznerika gefunden hat, beweisen, daß daselbst in der quaternären ErdPeriode zwei Rassen vorhanden waren, welche beide dem gelben Typus angchorten. Im Verein mit diesen Rassen haben allophyle Weiße und Gelbe, welche späte? nach Amerika einwanderten, den Grundstock der amerikanischen Bevölkerung gebildet. Die Schwarzen haben nur zu einem geringen Theile sich an der Alldung der amerikanischen Rasse bctheilkgt. Durch die Bewegungen der Bevölkerungen, die plötzlich und in Masse oder friedlich und langsam durch Einsickern" (Infiltration) erfolgten, wurde die Zahl der wirklich reinen Nassen ungemein ht schränkt, und vielleicht gibt es gar keine mehr, die man als solche bezeichnen kann. Nur einige kleine Gruppen, durch itre Abgeschlossenheit geschützt, wie die Mtnkoplcs zn denen namentlich die Bcwohner der Andamanen gehören zeigen eine Uebereinstimmung der Charaktere, welche ihre ethnologische Gleichmäßigkeit bezeugt. Blumen al Nahrungsmittel. Das neue Bulletin aus dem Kew-Garden enthält, wie das W. Frdbl." mittheilt, eine Abhandlung Dvttrie's, des botanischen Dircckors für daö nördliche Indien, über die Verwendung der Blüthen des Ealligcnums als Nahrungsmittel im nordirestlicheu In dien. Die Verwendung ron Blüthen, wie jener der Alle in Chme, als Gewürz lst nichts Ungewöhnliches, aber ganz ungewöhnlich ist deren Benutzung als Nahrungsmittel. Im vorliegenden Falle werden sie, und' nicht ausschließlich von den ärmeren Classen, -genossen, und zwar entweder 'mit Ächl derm'wgt odw für sich mit Salz und Gewürz. Die Vlüthen werden abgepflückt und eine Nacht hindurch in einem geMossenLN.' irdenen Gefäß aufbewahrt so daß sie verwelken. Sie lassen sich lange Zatnjbwahretth Gewöhnlich ißt man .sie als Gemüse doch werden sie auch mit feinem Mehl zu Kuchen gebacken. Eine Analyse der Blüthen zeigt als ihre Haupteigentkümlichkeit vom diätischen Standpunkt ihren Reichthum an SnSstoff-Vcrblndungen nnd daher ihre Wichtigkeit als Zltbüt zu Nahrungsmittel, welche arm an Stickst off sind. Es soll viel Ähnlichkeit bezüglich ihrer Bestandtbeile zwischen ihnen undeS lind Buchweizen-Arten bestehen, nur daß VI. ' .."'? . . -I . "i: 'Oli. "!"".-!: II. -.... bei ihnen Zocker die starke crzeyt
Menschenrasse:
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