Indiana Tribüne, Volume 13, Number 46, Indianapolis, Marion County, 3 November 1889 — Page 7

QrinnerungensusdemKaura. sus. Eine Entführung. Jen N. . vsuttner. Vochssa, das Haupt der Familie, ist flörveienö ; er mußte nach Zugdidi. um an oer Wahl des Adelsmarschalls theilzunehmen. Sein Leibdiener ManutIcharjat ihm das Geleite gegeben, ebenso in roß HeruNlungerer, n?ie sie in jedem Herrensitze zu finden sind: Pferdejungen, Hundewärter und noch andere jolche Würdenträger, die unter keiner Bedingung Hand an eine Arbeit legen wurden, welche über die Grenzen ihreS Berufszweiges geht, obwohl sie denselben auch me gewissenhaft versehen; Hungermder, Lumpe, Schmarotzer, die gleich den herrenlosen Hunden sich dort imNudel zussmmcnthnn, w es den Magen zu füllen gibt; wird die Kost schmal, so geht der Zug um ein Haus weiter. 3?nr die Frauen sind zurückgeblieben, sowie der Koch und dessen Gehilfe. Das einstöckige Herrenhaus, aus dlkken Eichenbohlen aus steinernem Unterbau errichtet, oben und unten von einer Veranda umfaßt, ist nicht groß; es bietet je ein Wohngemach für Vater, Mutter, Tochter, ein Eßzimmer, einen Empfangsraum und Kammern für die dienenden Frauen; das Dutzend männlicher Dienerschaft ist in der Küchenhütte, im Stalle, im Maiöfchober einquartiert. Vom Hause führt eine breite, hölzerne Freitreppe in den großen grünen Hof, wo herrliche Linden und Eichen ihre Kronen zu einer tiefschattigen Domwölbung vereinen, wo sich der Weinstock mit seinem schlangenglatten Leibe an den mächtigen Stammen emporwindet, um dann in alkerlei verschlungenen Guirlanden vsn Ast zu Ast zu klettern. Den Grasplatz schließt ein Dickicht von Buschwerk ab, mit weißen Schlingrosen allenthalben überwuchert, und hinter diesem dehnt sich die weite Ebene bis gegen die abehasische Kette aus, hie und da mit Mais bebaut, zum größten Theile aber mit wilden Azaliensiauden übersäet, deren gelbe Blüthenbüfchel zur Frühjahrszeit die ganze Gegend in Duft hüllen. Die Natur hat hier ihr Mögliches gethan, um den Ort anziehend zu machen ; Alles ist allein ihr Werk, denn keine Hand rührt sich, um ihr in einer Sache beizustehen, die nichls einträgt, und Niemand weiß ihr Dank dafür, denn von Kindheit ist der Eingeborene daran gewöhnt, sein Auge vermag den wohlbekannten Dingen, die seit Mcnschengcdenken sind, keinen besonderen Reiz abzugewinnen. Annussia, die Herrin, und Putzu, die Tochter, sitzen auf der Freitreppe, von einigen dienenden Frauen und der unvermeidlichen Amme umgeben, welche in Gesellschaft der Gebieterin di: letztgeerntete Seide abhaspeln. Es ist das mehr ein Zeitvertreib, um nicht ganz müjsig zu sein und für Manche auch eine gute Gelegenheit, die Schönheit und Zierlichkeit der Hand zur Geltung zu bringen. Die Herrin hat sehr edel geformte Hände, ebenso auch die Tochter: schmal, wohlgepflegt, mir kleinen rosigen Nägeln, die gewissenhaft jeden Freitag zugeschnitten werden. Das lange, schwarze Haar, von einem zarten Schleiergewebe umgeben, hängt in zwei Zöpfen über den Nükken herunter, die dunklen Kleider f. umschließen enge den Oberkörper und wallen in reichem Faltenwurfe weit herab, so daß kaum die schmalen Fußspitzen hin und wieder sichtbar werden. Tschaia, die Amme führt das Wort ; sie weiß allerhand Geschichten: Erinnerungen ans ihrer Vergangenheit, Ereigniffc aus der Gegenwart - Vorkommnisse in der Nachbarschaft nämlich oft bitterböse Dinge über Diese und Jene, und ihre eintönig, etwas näselnde Vortragsweise ist ganz geeignet, ihre Zuhöre rinnen in jenen träumenden, geistesabwesenden Zustand zu versetzen, dem sich die Mingrelicrinnen gerne hingeben. So scheint eS wenigstens bei Putzu der Fall zu sein, denn iyr Blick ist aus nichts Bestimmtet gerichtet, er schiebt gewissermaßen in weiter Ferne, wenn sie auch hie und da bei den Ausführungen. der Anderen miteinstimmt - wenn auch die Finger tu größter Emsigkeit die seinen Seidenfäden drehen und den Quirl tanze? machen. Die Sonne ist schon seit längerer Zeit im Sinken begriffen; erst hat sie Alles goldgelb überfluthet, jetzt werden rothe Dichter vorherrschend, welche die GraSfläche wie mit sehr großen Blutflecken besprengen, dann an den Stämmen hiuaufgleiten, das Laubwerk überziehen, die Wipfel, um nach und nach zu bläulichem Schatten abzusterben. Der Uebergang ist in jenen Gegenden sehr rasch ; die Erdkugel scheint ganz plötzlich in den Abgrund der Nacht hinabzurollen, um dort von der Tageswanderung auszuruhen ; ihrem Körper entsteigen nach dem heilen Tage angestrengter Arbeit roeiße Ar. p r t " r s r r

Dämpfe, die bald alelch Schweißperlen über Gras und Laubwerk ivl sickern be- " ' 1 ginnen Annussia gibt das Zeichen, sich zu erheben ; Fieber ist die Folge, wenn man sich diesen Erddünstungcn aussetzt. DaS Abendmahl steht bereit: warmer Hirsebrei, vor jedem Platz in Tellern ausgetheilt, weißer, frischer Käse, Hüh, ner, an Stäbchen über der Gluth gebraten. TsÄaia hat das Recht, am Tische der Herrschaft zu sitzen; die übrigen Frauen wohnen der Mahlzeit stehend bei, um dann ne Neste sür sich abzutragen. Die Amme plaudert unverdrossen weiter, nur hier und da von den Einwürfen der Herrin unterbrochen, während Puhus Blick noch immer in fernen Regionen zu schwimmen scheint. Hin und wieder zuckt sie zusammen, dann forscht sie verstohlen nach allen Ztichtungen, ov man sie nicht etwa beobachtet hat. Vom Esten hat sie fast nichts berührt, woyl ist sie aber bedacht gewesen, um keine Aufmerksamkeit zu erregen, von Allem zu nehmen und in langen Zwifchcnräumen winzige Stück chen zu den Lippen zu nihren, bis schließlich &r Nest geschickt unter Brotabfällen binter Messer und Gabel verborgen liegt. Tschaia hätt endlich erschöpst inne und gähnt; rasch macht sie über die Lippen das Kreuz zeichen, denn es soll öfter vorgekommen sein, daß der lauernde Teufel diese Gelegenheit benutzte, um beim Mund hinein in den Körper zu fahren, dort sein Unwesen zu treiben und hartnackig das neue Quartier für sich zu be Häupten.

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Daß Vochosa nicht zurückgekommen ist!" sagt Annussia im Tone der Verwunderung. 0lj, Herrin," beschwichtigt die Alle, bei diesen Wahlen geht es immer hitzig zu ; und dann giebt es zum Schlüsse einen Trunk,dem man nicht leicht auowcichen kann. Der Herr wird woh! die Nacht drüben verbringen." ' Mag sein, da wollen auch wir zur Nuhe geheu." Endlich ! Putzu athmet auf, sobald sie in ihrem Zimmer allein ist; ein paar Minuten bleibt sie gedankenverloren inmitten dcS Raumes stehen, dann rüttelt sie sich hastig auf, eilt zu den verschiedenen Truhen, wählt aus ihnen das Schönste und Beste, was sie besitzt, und rollt Alles In einen Pack zusammen. Sobald diese Arbeit besorgt ist, fetzt sie sich an's Fenster. Draußen huschen noch die Dienerinnen treppauf, treppab, raumen die Ueberbleibsel der Mahlzeit istn weg ; leises Glaserklirren und Tellerklappern läßt sich vernehmen, gedämpft dringen die Stimmen der Frauen herauf, die sich noch unten an den Gerichten güt lich thun, und allmälig verfällt das Haus in tiefe Nuhe, während draußen der Liebessang der Nachtigallen ertönt, von den Chören der Grasfröfche begleitet, die wie feines Glocken-, wie Schellengetöne aus der Ferne herüberklingen. Die schmale Mondsichel hangt drüben auf den Wipfeln- des Buschwerks ; sie hat noch einen weiten Weg zu machen, bis sie oberhalb der dritten Linde angelangt ist, und erst dann ist der verabredete Augenblick gekommen Stunde um Stunde vergeht; unbeweglich sitzt Putzu am offenen Fenster, lauscht dem nächtlichen Singsang und schaut zum silbernen Gestirn empor, das sich immer mehr der bezeichneten Stelle nähert. Unten ist Alles in tiefe Finsterniß gehüllt ; die Sichel, kaum stärker, als die Schneide eines Winzermesscrs, hat nicht die Kraft, Licht über die Gegend zu ergießen. Berauschend strömen die Düfte von der Ebene herein, und je kräftiger die Frühlingsblüthen ihre Wohlgerüche entsenden, um so lauter jubelt das verliebte Sängeroolk in den Büschen. Jetzt! Ein leiser Psiff ist an ihre Ohren gedrungen! Sie schnellt vom Sitze empor, rafft ihr Päckchen zusammen, macht dreimal das Kreuzeszeichen und ösfnet geräuschlos die Thür. Es bedarf großer Vorsicht, um d'e Stufen der Treppe nicht knarren zu machen, und ebenso heißt cö sehr langsam. Stück für Stück, den Niegel zurückschieben, der die üble Gewohnheit hat, kreischende Tone von sich zu geben, wenn man zu eilig daran zieht. Sie hastet über den Grasplatz dahin, kaum berühren die kleinen Füße den Boden. und nach wenigen Minuten ist sie am Eildc des eingehegten Naumcs angelangt. Leises Gestufter läßt sich hinter dem Gebüsche vernehmen und sie hemmt ihre Schritte: Bist Du kS. Chritu?" Statt aller ?lntwort umfangen sie ein paar Arme und ein heißer Kuß brennt ihr auf den Lippen. Oh, mein Gott!" Im Schreck ist ihr das Bündel entfallen, vielleicht auch, weil er sie so heftig an sich gepreßt, aber da sie nicht am 3tande eines Abgrundes stehen, so hat Chritu den Pack schnell wieder gefnnden: Schnell, mein Herz, wir haben keine Zeit zu verlieren!" Er fchlingt seinen Arm um ihre Mitte und führt sie ein paar Schritte weiter: Hier Totia, binde das auf Deinen Sattel." Der Vertraute nimmt die Rolle in Empfang, und Chritu hilft der Geliebten zu P ferde ; dann besteigt er sein eigenes Thier und langsam geht es gegen die Ebene zu, da, horch: von jenseits, von der steinigen Straße her, hallt Hufgeklapper herüber und sogar Stimmen lassen sich unterscheiden. .Der Vater!" flüstert sie bebend, schnell, der Vater!" Sie braucht Chritu nicht erst zur Eile zu drängen ; schon hat er den Zügel ihres Pferdes erfaßt und in gestrecktem Galopp geht es nun weiter.... Bochosa kehrt in fröhlicher Laune heim. Die Wahl ist auf ihm gefallen, eine zroße Ehre, die er zu schätzen weiß, und wofür er feinen Dank nicht schuldig blieb: Drei Schläuche Wein hat man bis auf den letzten Tropfen geleert und näesten Sonntag soll noch obererem em großes Gelage bei ihm stattsinden. Er hat bei der Versammlung Nico Pan tadze, den Sohn eines langverstorbenen Freundes, kennen gelernt, einen jungen Mann, der in Petersburg erzogen worven und eine schöne Stelle im kaiserlichen Jngenieurscorps einnimmt. Der Bursche wäre etwas für meine Putzu", hatte er sich sogleich gesagt, und da war es ihm aanj willkommen gewesen, daß ycico chm seinen Besuch für die nächsten Tage in Aussicht stellte. Putzu gilt - f - ' , ' ... C ... ,! .f. ja als Schönheit unter den Schönen des Landes, es müßte dann nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn der Versucher vom Zauber unangefochten blieb! Der Wein war dem neuen Würdenträger etwas in den Kopf gestiegen ; nach einer Stunde Ülitt in der frischen ?cachtluft hatten sich die Geister jedoch wieder beruhigt und jetzt schwatzt er gutgelaunt mit seinen Leuten, gibt einige weise Aussprüche über den Feldbau, über die Pferdezucht, über die Falkenjagd zum besten, als Manutschar plötzlich dazwilchen ruft: Hört Ihr nichts. Herr? Sie sind in der Nähe ihres Zieles angelangt und Vochosa halt mit einem kräftigen Nuck sein Pferd zurück, um in die Nacht hinauszuhorchen. Gewiß Hort er fetzt auch den gedämpften Hufschlag, Galopp von Pferden! Sind die verdämmten Diebe wieder in mein Gehege gebrochen, um den neuen Hengst zu entsübren?" ruft er besorgt und gibt gleich- '. r. ? s?ctii;vi;;E; Äb V I M Kf CnMAI-tt liber den Grasplatz heranaesprenat, und n silrrtßnsslh hfrnr, it in wenigen Minuten ist das ganze Haus auf den Beinen. Der Hengst ist da, Gott sei Dank, aber bald geht das Gemurmel von Mund :u Mund: Putzus Zimmer ist leer, die Truhen sind geöffnet, sie ist verschwunden!" Auf, zu Pferde, hinter den Flüchtlin-

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gen drein! . In wildem Gejage fliezt ic: Troft über die Ebene, die Nojje schnauben und keuchen und ihre Kräfte reichen gerede noch, um bis an den Jngur zn gelangen. Der Fährmann liegt in tiefem Schlafe ; man zerrt und pufft ihn heraus, denn man glaubt, er wäre im Einverständnisse mit den Flllchtlingen gewesen, jeyt aber findet man sein Fahrzeug von frevelnder Hand durchlöchert ilnd halbverfunken. Sie haben also den Fluß durchschwömmen, dir 'agniß auf Leben und Tod, denn das Wzser ist durch den Gebirgsschnee angeschwollen und fuhrt große entwurzelte Ääu:ne in feinen reißenden Wellen mit sich. Da können nur Narren einen Uebcrgang versuchen! Mogen sie ihre Wege gehen und verdammt sein ! . Vochosa hat feine Tochter feierlich rerflucht; bis auf die Kiudeskinder hat er den Zorn des Himmels herabgcrufcn, die Ernte ihrer Felder verwünscht, den Pferden und Vüsseln Krankheit und Tsd in Aussicht gestellt. Er ist unerbittlich; die Amme, welcher ein zerlumpter Junge, ein Bote von Putzu, ein Briefchcn zugesteckt, verbringt ihre Tage mit Gegenbeschwörungcn, um das Unheil abzuhatten, den Fiuch auszugleichen ; sie wagt es auch, dem Herrn gütlich zuzureden, allein er schickt sie zum Ätschikotschi, zum schwarzen Teufel, der in den Bergen haust. Er hat keine Tochter mehr, er will nichts von ihr wissen ; wie ein dürr Ast soll sie vom Stamme hangen und in Moder zerfallen. Selbst Tatiki, die Muhme, die sonst eine gewichtige Stimme besitzt und für das junge Paar gewonnen ist, vermag nichts über den schmerbeleidigten Mann, der sich in seinem Ansehen gekrankt, in seinen Wünschen, in seinen Absichten und Hoffnungen getäuscht sieht. Er ist nicht reich und der Adelsmarschall kann es bei gewissen Gelegenheiten nicht vermeiden, Aufwand zu machen, standesgemäß aufzutreten ; da hat ihm der bettelarme Burfche Chritu einen argen Strich durch die Rechnung gemacht, und darum verflucht er ihn und dessen ganze Sippe, fo oft sich dazu Anlaß findet. Eines Tages kommt die Muhme wieder herübergeritten ; sie ist sehr aufgeregt, man merkt es am Zittern ihrer ötasenflügel und an der Art, wie sie mit dem linken Auge blinzelt. Denkt euch Chritu", hebt sie endlich an, nachdem sie zu Athem gekommen ist. Daß ihn der Blitz treffe! daß das bimmlische Feuer," der Zorn hat Bochosas Stirn geröthet daß er und die elende, pflichtvergessene Dirne" . . So laß mich doch ausreden!" unterbricht ihn Tatiki unwirsch, Du wirst sogleich anders denken." Ich? Nie!" Sie zuckt gleichmüthig mit der Achsel: Ehnrn har aus seinem Besitze schwarze Steine gefunden und Die möge er sich an den Hals hängen, bevor er sich in den Jngur crsäusen geht! Nein, daS wird cr nicht, denn er hat sie so ein paar närrischen Engländern gzeigt, die von Zeit zu Zeit herüber kommen und bei uuö den Boden durchwühlen. Wrt sie in dem Stein gefunden haben, weiß ich nicht, aber sie wollen ihm das Stück Land so groß wie Dein Vorhos, um zwanzigtaufeud öiubcl ab? kaufen." Bochosa starrt die Sprecherin sprachlos an. Ja, aber Chritu ist schlau;" fährt die Atuhme fort, er begehrt das fünffache." Er ist ein Narr!" braust der Andere auf. Er ist kein Narr; er ist weiser als Du, als wir Alle, denn sie willigen ein; sie zeben was er verlangt." Vochosa ist von seinem Sitze aufgesprungen und durchmißt einige Male den Raum. Schließlich geht er zum Fenster. Manutschar!" ruft er in den Hof hinab: Sattlo mein Pferd und mach Dich bereit!" Dann mit einem Lächeln, als wenn nie etwas vorgefallen wäre: Muß doch einmal nachsehen, was meine kleine Putzu macht und der Teufelsjunge der Chritu" .... Scherz und Humor sind die beste Medicin und werden von Jüngern Aeskulaps gerne gepflegt. Professor Frerichs, ttv bedeutende Kliniker, war den lustigen Geistern besonders gewogen. Ein Mitglied des Königlichen Hauses sprach ihm einst seine Anerkennung aus: Sie müssen doch alle Krankheiten heilen können, da Sie den menschlichen Körper so genau kennen." Den menschlichen Korper kenne ich zwar," lautete die Antwort, aber es geht uns Merzten wie den Nachtwachtern; die kennen wohl die Straßen, aber Sie wissen nicht, was in den Häusern passirt." Einem Trinker gegenüber meinte der große Arzt cinnml: DaS Wasser, welches Sie so hassen, wird sich bitter an Ihnen rächen. Sie trinken zu viel Wein und werden deshalb an der Wassersucht sterben." Wenn Frerichs in Gesellschaften venveNte, so ließ er den Arzt zu Hause und brachte nur den Menschen mit. Daher kam es auch, daß er nassäuernde" Patienten mit Vorliebe abfcrtigte. In einer Gesellschaft hatte ein solcher Kunde- ihm eine lange Krankengesäilü:e erzählt, welche mit den Worten am soll ich dafür thun, Herr Geheimrath" endigte. Nur eins," ailtwortete er knrz und trocken, einen Arzt befra;en!" Jüngst fragte in Berlin bei einer Eittjährig-Jrciwilligen-Ptüfung der Examinator in englischer Sprache und Literatur einen Prüfling, ob dieser ihm nicht Einiges über Washington Jrving mittheiltt könne. Der Prüfling blieb stumm. Der Eraminator forschte weiter: Haben Sie denn noch nie etwas mm i:i amwoncic V VtUä, Uyuip ton habe er zwar schon etwas gehört, von Jrving aber noch nicht. Wissen Sie denn gar nichts vom .Sketchbook?" Nein." Was würden Sie sich eiaentlich unter einem Sketchbook" den km? Ein Skatbuch." Geboren werden ist der erste Schritt zur Unsterblichkeit.

NttS dem Leben.

Er bescrß keinen Cent. Und sie eben fo wenig. Aber er war ein geschickter Arbeiter, hatte eine feste Stellung" gefunden und verdiente nun täglich zwei Dollars. DaS ist heute ein ganz schöner" Lohn, auch für einen geschickten Arbeiter. EZ gibt qualifizirte geistige Arbeiter, die mit weniger vorlieb nehmen müssen. Mit zwei Dollars täglich, so dachte er, können wir wohl auskommen, und so drang er also aus Trauung. Sie aber zögerte. Heirathenl Ja, das ist ganz schön ; aber einen Hansen Kinder zu haben und mit diesen Mangel zu leiden, wenn einmal eine Unterbrechung im Erwerb eintreten würde der Gedanke machte sie zittern. Sie hatt, in der eigenen Famille genug Erfahrung darin gemacht. Sie sagte das ihrem Geliebten, dem sie benlick waetban war, nicht, da sie ihm nicht wehe thun wollte. Aber sie stellte ibm alle sonstigen Gründe vor. welche eine Verschiebung der Hochzeit rechtfertigen sollten. . . ' . - . rr , t Sie würde m blStzenger vxtt m,t !ym verkehren, das Heirathen sei ant für reiche Leute, die stets Brod im Schrank haben; wenn der Hunger zur Thüre hereinkäme, flöge die Liebe zum Fenster hinaus. Sie war ein anstSndig.es Mädchen. Er aber drana weiter m sie. Erwürbe fleißig arbeiten, nicht ins Wirthshaus gehen. Er versprach es ihr bei allem, ' n was OOch unv yemg izr. Sie aab dem stetenDrängen ihres Geliebten und ihres eigenen Herzens schließlich nach ; sie wußte, daß er eiu braver Bursche war, daß, soweit es von ihnen und nicht von den übermächtigen Verhältnissen abhing, ihre Ehe eine glücklrche sein werde. So kam es,daß dte Betven yeiratyeten. Alles war einfach, aber sauber eingerichtet ; sie legten es verständig an, um sich nicht in Schulden zu stürzen. Ihre Einnahme reichte zum Leben hin, und da sie keine große Ansprüche machten, konnten jie jogar nocu erwas zurucrtegen für Doctor und Apotheker im Falle der Krankheit. Er hatte nicht gelogen ; er hielt viel von seiner Frau und zeigte das durch seine Thaten. Nie spielte er, sondern brachte seinen Lohn unverkürzt nach seinem Hause. Sie beaann :u alauben, daß die Ehe auch nicht schlimm für die Armen sei. Sie war glücklich und zufrieden unö zeigte sich als eine thätige und sparlame Hausfrau. too vergingen drei ahre. Eines Taacs stand sie an der Wäsche. Ihre Kinder spielten um sie herum; sie belustigten sich damit, Seifenblasen fliegen zu laen und lauchzten, wenn eine hoch emporstieg und zum Fenster hinaus schwebte. Da kamen einige Männer an, welch eine Tragbahre trugen, die mit einem schwarzen Laken überdeckt war. Sie errieth, was geschehen war. Mit cincm Schrei stürzte sie zur Erde. Ihre Kiilder weinten im Chor und starrten auf die fremden Männer. DaS jüngste, neugierig wie Kinde; sind, hob das Laken auf, um zu sehen, was darunter sei. Die Mutter hatte sich nicht getäuscht: es war ihr Maiin, den man da gebracht, mit zerschmettertem Gehirn. Der Treib, rieinen einer Maschine an der er währcnd des Laufens eine Reparatur vorneh: men mußte, hatte ihn gepackt und gegen die Decke geschleudert, den augenblicklis chen Tod herbeiführeitd. So war auf grausame Weise ihrem ganzen Glück ein Ende gemacht. Ijach dem Begrabnitz kam ein Herr zu der Wittwe, der ihr Trost zusprach: ihl Mann sei nicht der erste gewesen, dem so etwas passirt sei, solche Dmge passirten häusig und man müsse sich in das Um vermeidliche" sügen. Der Fabrikant habe ihren Mann sehr geschätzt, wolle auch die Begräbnißkosien bezahlen, ja, seiner Wittwe außerdem hundert Dollars schenken. Er zog ein Papier aus der Brnsttasche und erklärte, daß er ihr das Geld auszahlen würde, daß sie den Empfang aber unter der Schrift quittiren müsse. Sie roar dankbar für all diese Güte und unterzeichnete ; sie würde in diesem Augenblick alles unterzeichnet haben, und wenn es ihr TodeSurtheil gewesen wäre. Was hatte sie unterschrieben? Sie wußte es nicht. Was sie aber wußte, das war, daß sie nun in der Lage war, vor der Hand sür die Kinder in alter Weise sorgen zu können. DaS weitere würde sich ja sinden. Der Herr steckte das Papier wieder ein und verabschiedete sich mit dem freundlichsten Grinsen, dessen ein Agent, ein solcher war es, fähig ist. Er dachte, das hätte dem Fabrikanten ein theurer Proceß werden können, wenn die Frau eine Schadenersatzklage eingereicht hätte. Unter 5000 Dollars wäre er nicht fortgekommen. ' Nun war alles in Ordnung, Die Frau war zufrieden, der Fabrikant hatte nur hundert Dollars für einen Todten was nicht theuer ist und dieHälfte für die Bemühungen des Agenten zuzahlen, und somit war alles in Ordnung. Als der Fall in den Zeitungen bekannt gemacht, und hinzugefügt wurde, wie nobel sich der Fabrikant der Wittwe ae genüber benommen, da war man über letzteren des Lobes voll. Da konnte man ein is -..fi t u es. ' Abends in den anständigen Kneipen, t c crr t i-? . - - . IN vencn cic Ä)oyill!Ulrlen verreyrten. hören: Da sieht man, wie die Arbeitgeber sich um das Wohl ihrer Arbeiter beküm mern; diese praktische Nächstenliebe ist

doch ganz anders, als die Aufhetzereien ; les unbewohntes Laud und kein Bissen der professionellen Unruhestifter glauben Nahrung in meiner Jagdtasche." machen wollen." Na, da bin ich neugierig, wie Sie sich aus der Affaire gezogen haben?" Ueber ein Jahr war vergangen. Dtt Baron: Seh? einfach. Ich hackte dem Wittwe hatte mit dem Gelde sorgsam ge- armen Hcktor den Schwanz ab, briet wirthschaftet, auch durch gelegenliche Är-; ihn, und dann frühstückten wir." besten soweit sie durch die Sorge für Wir? Baron: Jawohl, ich verdie Kinder nicht behelligt wurde etwas speiste das Fleisch.wein Hund die Knoverdient. Aber diese Gelegenheiten wa-; chen. ren selten, auch war sie kränklich aewor- Geschäftsfreunde. Arzt :

den, so daß, als das erhaltene Geld ver-! ,Na Justizrätchchen, wollen Sie wieder braucht war, der Mangel sehr bald an ! Jemandem den letzten Willen" abnehdie Thüre klopfte. Aus dem kleinen men?" Notar: Ja, Doktorchen, ha,? Raum, den sie nach dem Tode ihres Marn hen Sie wieder Einen so weit?"

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neS bezogen, verschwand ein Werthstuck" nach dem anderen, um zum Trödler zu wandern. Schließlich war nichts mehr übrig als ein paar Matratzen und einige armselige Haushsltungsstucke, wsf.r niemand etwas gegeben hätte. Nach dem Mangel stellte das Elend sich ein. Es war fo kalt in der elenden Kammer. Eng aneinander geschmiegt lagen die Kinder unter der alten, durchlöcherten Decke. Die Mutter stand vcrzweiflnnqsvoll an ihrem traurigen Lager. Sollte eine Mutter ihre Kind leiden lassen? Könnte sie es ertragen, wie sie langsam vor Mangel Verkommen? Im bitteren Schmerz preßte- sie die gefalteten Hände gegen die kalte, feuchte Mauer. Und es kam ihr der Gedanke kann man es Gedanke- nenuen ? dem ein Ende zu machen, die Kleinen vor diesem elenden Dasein durch den Tod zu retten und dann sich selbst auf dem StufenPflaster zu zerschmettern. War doch keine Hoffnung auf Rettung vorhanden ! Unter dem starren Blick der Mutter erwachten die Kinder, schmiegten sich an die zu ihnen auf's Lager Sinkende und liebkosten sie. Da brach sich ein Thränenstrom Vabn, sie konnte die schreckliche That nichd ausführen ! Sie ließ die Kinder sich wieder binlegen, warf ihr altes Tuch um und ging fort. Nach einer Viertelstunde war sie wieder da. Sie trug ein großes Brod, nicht unter dem Arm, sondern mit beiden Händen gegen die Brust gedrückt, als wäre es ein werthvoller Gegenstand. Sie vertheilte dasselbe mir sieberhaster Eile unter die hungrigen Kinder. Sie selbst ißt nichts, sie hat keinen Hunger, sie wird später schon etwas essen. Sie sieht uur zu, wie es den Kindern schmeckt. Wie ist sie froh ! Aber die Freude dauert nicht lange.. Ein Mann tritt in's Zimmer, der sich al3 Geheimpolizist zu erkeuuen gibt. Als sie den Bäckerladen verlassen, ohne das entnommene Brod zn bezahlen, hatte ihr der Bäcker den Burschen nachgeschickt und dieser an der nächsten Ecke den dort ftationirten Beamten verständigt. Dieser war ihr gefolgt und bedeutete sie, daß sie ihm zum Nevierhause zu folgen habe. Die Kinder würden wohl schon am näch sten Tage in einer Anstalt untergebracht werden, tröstete er. Die arme Frau läßt den Kopf auf die Brust sinken. Dann bittet sie, ihr zu gestatten, sich ein warmes Tuch umzuhangen. Der Beamte hat nichts dagegen und sie entfernt sich durö eine am nnderen E??de des Zimmers befindliche Thür. Aber diese führt nicht in ein anderes Gemach, sonderil auf den Gang, uoii dem eine Thür zur Feuerleiter geht. AlS di?m Beamten die Rückkehr etwas lange währte, ging er der Frau nach. DaS arme Weid lag zerschmettert im Hose. Die vier Kinder kamen richtig in Anstalt. die E i n f a ta ler I r r t h u m. In cincm Eoupee zweiter Classe des Frankfurt-Kölner Schnellzuges hat letzthin bei der Durchfahrt durch den Loreley:Felfcn eine komische Verwechslung stattgefunden. Es war sehr dunkel, Niemand konnte seinen Nachbar erkennen, und auch eine Unterhaltung wollte sich auf diese Weise nicht anknüpfen. Da wurde das Schweigen plötzlich durch die naive Frage einer weiblichen Stimme unterbrochen : Karl, wo hast Du den Schnurrbart her?" Ungeheure Heiterkeit folgte diesen nicht mißzuverstehenden Worten. Dieselben waren von einem jungen Mädchen ausgegangenes bisher auf der Reise neben ihren Bräutigam gesessen hatte, welcher jedoch beim Ein- : steigen auf der vorhergegangenen Statiou aus einen anderen Platz gerathen war. Derjenige Passagier, der des Ermähnten Stelle eingenommen hatte, fühlte plötzlich einen zärtlichen Händedruck, wonach twei Lippen mit herzhaftem Kuß aus die seinen preßten und dort den Schnurrbart vorfanden, der jenen Ausruf veranlaßte. Der benachtheiligte Bräutigam tröstete sich mit dem Krastspruch- Wer kann für Malheur," meinte aber, er werde sich keinen Schnurrbart wachsen lassen, damit uch im Wiederholungsfall der Irrthum gleich erkennbar sei. Was ein schwacherMagen gerzehrt. Wenn man einem unermüdlichen Rechenmeister glauben darf, hat ein Mensch, der ein Alter von siebzig Jahren erreicht hat, seit seiner Geburt mehr als zwanzig Waggons mit Lebensr.itteln, also einen ganzen Train, verlehrt. Wenn man nun 4 Tonnen auf den Waggon rechnet, fo macht das 80,000 Kilo, was für ein Totale von 2S,550Lebenstagen einen Durchfchnittskonsum ungefähr 3 Kilo 20 Gramm für den Tag ergibt. Dieser an sich selbst veränderliche tägliche Konsum wird auf Kilo während der Kindheit und des Mters und auf 3 bis 4 Kilo während des reiferen Alters geschätzt. Diese Ziffern scheinen nicht übertrieben, denn die ärztlichen Statistiken konstatiren, daß hie tägliche flüssige und feste Nahrung Ker Soldaten, Seeleute und Arbeiter im Durchschnitt 4j- Kilo überschreitet. Und es ist hier nicht die Rede von Leuten, welche Appetit zeigen, sondern nur von schwachen Essern. Jäaerlatein. Baron Schnepsenthal berichtet über seine Lö- . : . .V. tr'r fi e ma!niHi wemaaden in Afrika: vti meinem - jüngsten Ausflug in die libysche Wüste I ,r ! JL 5. tJ...Z.ii geriech ich in mahrhaft scheußliche Klemme. Wurde in derNachr von oerKarawane getrennt und stehe nun mit meinemHektor allein in unabsehbarer Wüste. Mindestens 50 Meilen trennten mich von der nächsten Oase, um mich her al

Die Furcht im Leben VeS Kindes.

Ein r.ipürt fckr eitern von 439. Otint. Nicht nur in körperlicher, auch in geistiger Hinsicht ist das Kind ein gar zartes, gebrechliches Wesen. Aber diese Wahrheit vergessen Eltern und Erzieher kider sehr oft oder beachten sie doch nicht genug. Wir sollen bemüht sein, unsere Kinder nicht nur vor übermäßiger, körperlicher Anstrengung, sondern auch vor seelischen Aufregungen nach Möglichkeit zu behüten. Man könnte sagen wenn es gestattet ist, ein etwas kühnes Bild zu gebrauchen daß an dem Kinde alles noch im Knorpelzu stände ist. Wie es gef5hrlich ist, ein Kind, das man an der Hand führt, heftig zn ziehen und dadurch eine Zerrung des Schulter- oder Armgelenks zu verursachen, die, dem Anscheine nch, ganz harmlos, doch gelegentlich Gelen kseutzündungen oder andere schwere Zllsälle zu Folge haben kann, so ist es sicher nicht minder gefährlich, sein Denkorgan zu heftigen Eindrücken auszusetzen, die dort ein schmerzliches Echo heroorrufcn. Unter diesen Eindrücken sind keine so sehr zu fürchten, als die von der Furcht erzeugten. Auf ganz junge Kinder üben selbst angenehme Überraschungen mitunter eine unerwünschte Wirkung aus. Die Folgen eines heftigen Furchtgefühls aber können von ganz uuberechenbarer Schwere fein: Wahnsinn und Tod können daraus entstehen.. Lassen wir diese äußersten entsetzlichen Fälle bei Seite, wie viele andere gibt es, die weniger tragisch, aber darum nicht minder beklagenswerth sind ! Die Empfindung der Furcht erschüttert das gesummte Nervensysiem, stört die Verdauugsthätigkeit, verwandelt den Schlaf in qualvolles Alporücken und nur zu oft hat es sich ereignet, daß arme Kinder, die durch lange Zeit solch' unheilvollen Erschütterungen ausgesetzt waren, sür ihr Leben verschüchterte, scheue, jeder Initiative unfähige Geschöpfe geblieben sind. Es gibt Kinder, die von Natur aus furchtsam sind, und man versucht zuweilen, sie dadurch zu curiren, daß man sie gewaltsam gerade in Verhaltnisse verfetzt, die geeignet sind, Furcht zu erzengen. Furcht ist eine unwillkürliche Empsiudung, eine rein physiologische Erscheinung. Darum ist es ebenso absurd, wenn man sich benulht, die Nerven-Or-ganisation eines Kindes plötzlich abzuänder" wie wenn man zum Beispiel versuchn würde, einen sehr kranken Magen von heute auf morgen in einen gesunden umzuwandeln. Die Furcht ist aber nicht nur ein unfreiwilliges, sie ist auch ein unerklarbares und unbezwingliches Gefühl. Vernunftgründe kommen dagegen nicht auf. Das beweist am besten die Thatfache, daß bei gewissen, mit hochgradigcr Furchtsamkeit behafteten Kindern es keineswegs drohende Gefahren oder fönst fchrcckensvolle Ereignisse sind, die ihnen Angst und Entsetzen einflößen. Ein Beispiel ans dem Leben: Ein kleines Mädchen war allabendlich von einem solchen Furchtgesühl erfaßt, daß es zu weinen begann, sich versteckte und noch andere Zeichen einer unbegreiflichen Angst gab. Aber, was hast Du denn, Kindchen?" fragte die Mutter, warum fürchtest Du Dich?" Doch das kleine, verwirrte und unwissende Geschöpf blieb darauf die Antwort schuldig. Bis es eines Tages plötzlich auf die Mutter zulief, das Gesicht in den Falten ihres Kleides barg und die Worte hervorstammclte: Mama, ich fürchte mich.... vorder Nachtigall!" Furcht vor der Nachtigall ! giebt es ein charakteristi scheres Beispiel grundloser nurcht? Ohne Zweifel hatte das Kind, als es ganz klein war, einmal von der Nachtigall sprechen aehort, die die ganze Nacht im finsteren Walde wach sei und sich mit melancholischen Liedern die Zeit vertreibe. Außer Stande, sich eine richtige Vorstellung von diesem, ihm noch ganz unbekannten ZJesen zu machen, hatte es in demselben alle unbewußten Schreckensvorstellungen, welche sein Gehirnchen erfüllten, gewissermaßen personisicrrt. Well das Kind noch so wenig kennt, läßt es sich von Allem leicht erschrecken. Die verschiedensten Dinge, deren Namen es hört, ohne ihr Wesen kennen zu lernen, bevölkern seme stets lebhaste Phantasie, namentlich in trüber, stiller Dämmerstunde. Zwischen dem Untergange der Sonne und dem Anzünden der Lampe ist eine günstige Zeit für die Entwickelnng schattenhafter Phantome. Und erst die stnltere Nacht mit ihren Momcnten der Schlaflosigkeit! Was machen sich da in der Stille für seltene Geräusche vernehmlich, deren Ursache sich oft das Ohr eines Erwachsenen nicht zu erklären vermag ; da krachen Möbelstücke und Parquettcn, Tritte verhallen in der Ferne, Mäuse rascheln durchs Zimmer oder nagen an emem alten Schuh, von den Dachern onnqt ad cheuliches Katzenqedeut berein, der Wind bläst durch den Rauchfana und wie Stobnen klmgts ,m Kamin,, im oberen Stockwerk wird plötzlich. eine Thür zugeschlagen und weiß der,Himmel wus noch. Zu diesen Schrecknissen mit realem Hintergrund gesellen: sich noch diejenigen, die blos in der ssxl. bildungskraft entstehen. Traumaettalten, deren Welenlosigkeit das Kind noch nicht zu begreifen vermag, werden von ihm für Wirklichkeit gehalten und tnchen es dann anch noch rm wachen Zustande heim. So scheint sich lles zu verschworen, um Verwirrung ;a. stiften in einer Seele, die noch kein Gegengewicht im Gleichgewicht hält Denn dieses Gegengewicht, ist nur zu smden in der physischen Krafd, in durch die Ersahrung gereiftem Urtheil, in der Festigkeit des' Nervensvstes:s. Und gerade diese Dinge fehlen den armen Kleinen, die vertheidigungÄos allen Chimären einer überregen Phaiitasie preisgegeben sind. Die Behandlung derartiger krankhaften Zustände muß zweifacher Art sein: sie mulZ aus den Korper, wie auf den Zeist zu wirken trachten. Körperliche Kräftigung beseitigt fehr oft krankhafte Anlagen des Nervensystems. Doch ist es ebenso wichtig, in dem Maße, als dieVerstandeskrafte des Kin dcZ sich entwickeln, seine UrtheilSfähigkeit yi verbessern. Man muß ihm das I Falsche. Nichtige, Uebertriebene seiner Furchtvorstcllungcn zum Verständniß zu bringen suchen. Doch geschehe dies stets mit Vorsicht und namentlich mit Wohl

wollen, niemals mit Spott und rauhe? Strenge. Verwerflich im höchsten Grsde aber ist eS und die Entrüstung jedes Menschenfreundes herausfordernd, wenn man sieht, wie dumme, brutale Lete sich über die Furchtfamkeit von Kindern in roher Weife lustiF machen, dieselbe zum Gegenstände ihrer Amüsements machen, indem sie sie absichtlich in Angst und Schrecken versehen. Traurige Geschichten erzählen uns da, rübcr die Irrenarzte. Nervöse Krisen, Conoulsionen mitunter dauerde geistige Gestorthcit,treten als Folgen solcher abscheulichen Späße ein. Weniger strafbar, aber nicht minder tadelnswerth ist es, wenn thörichte Leute und es gibt deren nur sehr viele vermeiden, sich des Furchtgefühles als eines Erziehungs mittels zu bedienen. Man hüte sich, Kinder dadurch bnw machen zu wollen, daß man ihnen mit den Wolf, der Noth käppchens Großmutter frajz, droht, oder mit dem Krampus, mit dem Rauch fang kehrer und wie sie somit alle heißen, dit Spukgestalten, welche die Phantasie alte Weiber ersinnen vermag. Einjchüchterungen solcher Art sollen das letzt- aller anzuwendenden Erziehungsmittel fein, wenn sie überhaupt je anzuwenden sind. Sie schließen eine doppelteGcfahr in sich, weil sie auf einer Lüge basirt sind. Entweder das ind nimmt die Lüge für baare Münze, dann wird es kleinmüthig und abergläubisch, oder es schenkt den Vorspiegelungen keinen Glauben, dann bleibt ihm für das Leben die gewiß nicht forderliche Erinnerung daran, daß Vate und Mutter, oder wer sonst seine jungen Jahre zu überwachen hatte, nicht davor zurückfchrecktcn, sich mit einer Lüge zu beflecken. Chinesische Vardlcre.

In dem bunten Gedränge, welches die Straßen einer chinesifchen Stadt belebt, bcsttzt für den Ausländer nichts größeres Interesse, als der herumreifende bezopfte Varbier. Irgend eine Straßenecke oder ein kleiner freier Platz genügt dem ost, asiatischen Figaro, um daselbst zeitweilig sein Geschäft zu betreiben. Seine Handwerksgerathe bestehen aus einem Bam-bus-Untersah, etwa drei Fuß hoch, auf welchem ein hölzerner Napf, der Wasser enthält, steht ; in einer Schublade darunter liegen Nasirmesser und kleine Handtucher. Die Nasirmesicr der chinesischen Barbiere bestehen aus einem sehr kleinen hölzernen Griffe rnd einer dicken eisernen Klinge, etwa zwei bis drei Zoll lang und ein und einen halben Zoll breit; in die Schneide dicfer eisernen, artähnlich geformten Klinge ist eine stählerne Schneide eingelegt. Doch ungleich seinem westlichen Berufsgenosscn, gebraucht : der chinesische Varbier welcher, nebenbei gesagt, während der Operation stumm wie ein Fisch verbleibt zum Nasiren keine Seife, sondttn nur Wasser. Er macht den Kopf feines Kunden einfach ein wenig naß und rasirt fo lange, bis fein Messer zu stumpf wird ; er macht dann entweder eine Pause von etwa fünf Minuten, um das Nasirmesser auf einem Lederstrcifen, den er stets mit sich trägt, zu schärfen, oder er tauscht es gegen ein anderes und schärferes Messer um. Dieses Alles thut er auf offener Straße, fortwährend dem Gedränge der Menge ausgesetzt, und doch ereignet es sich nur sehr selten, daß er seine Kunden schneider, wennschon nach unserer Ansicht diese ein ziemlich starkes Nervensystem haben müssen, um das moderne Schwert dcS Damokles" mit völliger Gemüthsruhe über sich schweben zu sehen und auf sich herumkratzen zu fühlen. Nachdem der Kunde rasirt wordeir ist, macht sich der Haarkünstler zunächst daran, dessen Zopf abzumachen und auszukämmen. Dann nimmt er aus seuier Handwerkstasche eine Anzahl von eigenthümlich geformten kleinen Sucheiscn und Schaufelchen, und mit diesen macht er sich daran, die Ohren seines Klienten zu reinigen. Er gebraucht das Schauselchen zuerst und sodann die Sonde, au welche ein kleines Stückchen Schwamm befestigt ist. Hierauf' nimmt der Aarbier eine Art von kleinem eisernen Schraper, mit welchem er die Augenlider abschrapt, nachdem er dieselben zu diesem Zwecke ein wenig umgedreht! hat. Ost hat dieses Ohr- und Augen fchrapen Taubheit und Augenleiden- zur Folge. Sodann wird das- Haar des. Patienten ordentlich getrocknet,- der Zopf geflochten und der Kunde kann feiner Wege gehen, nachdem er dem unvermeidlichen Plagegeist eine ganze Stunde un) 30 Eash, etwa acht Pfennige, geopfert hat. Die E n g l ä n d e r sind praktr fche Leute. Ein Sohn Albions, der mit einigen Freunden zum Besuch der Ausstellung nach Paris gekommen war, hatte diese am ersten Abend bei einem Spaziergang auf den Boulevards verloren. Er hatte die Mresse seines Gasthofes vergessen und irrte die ganze Nacht auf den Straßen von Paris umher. Da c?',auf diese Weise sein Zieb nicht fand, gmg er ruhig zum Nordbahnhof, fuhr nach iicn don, suchte dort in seiner Wohnung die Adresse des, Pariser Hotels und' kehrte am airderen Tage dorthin zu. seinen Freunden zurück, die bereits auf der Po? lizei, in der Morgue und in allen Krankenhä'cksern nach, ihm gesucht halten. A m f r a n z o s i s chz e n 'Hofe war es Sitte so schreibt der Zcit geist"- fettig so ost der Mnig zum er steu Male der Predigt cin:s neuen Hof Predigers, beiwohnte. dicM ihn. auf der Kanzel u:it einer iieaen. Anrede bcwill kommm;: und ihm fern. besondere (5hrs furcht bezeugte. Por Ludwig XIV. betrat einst ein Pater Ssraphim die Kanzel iu'.d begann seine Predigt : .Sne, ich habe die gan;e Wibl durchblättert und ein CompUmcnt gesucht, war aber so uns glücklich, keinö zu sinden." Herr (zn stiner Ersehnten): Sie s. t durjen uve?;eug! sein, mein gramem, daß meine Regung eine durchaus ehr lichc ist. Glsnben Sie nicht den Verlcumdungen, welche mich als flatterhaft darftklleu ; gerade in der Treue habe ich unzählige Male Großartiges zeleistet!" Wahrscheinlich. Unterofstzier: Rekrut Maier, Sie sind nicht nur ein Kamcel, Sie sind ein Büffel, ein Auerochs, ein Dromedar uce. weiter mag ich nicht, sonst bereichert der Stni nur noch leine botamfchen Kenntmm!