Indiana Tribüne, Volume 13, Number 46, Indianapolis, Marion County, 3 November 1889 — Page 2

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Amerikanisches Bier.

Hovfen und Malz Kott erhalt'S! siein Erzcugniß der Gewerbthätigkeit unseres Landes hat wohl mehr Anfeindüngen erfahren, als das amerikanische Bier, und zwar nicht allein von Tempe renzwcibern mit und ohne Unterrock. Es gibt hier zu Lande eine Klasse von Pharisacrn, welche hochmütbig die Nase rümpfen, uzenn von amerikanischem Gersienjaft die Rede ist, für welche dagegen das in der .guten, alten Zeit" gebraute Vier und Imporlirtes" die Inbegriffe von Nektar und Ambrosia sind. Diefe Vicr-Pharisäer" werfen den amerikanischeu Brauern Unehrlichkeit und Schwindel bei der Ausübung ihres Gewerbes vor und jammern über die angebliche Panscherei derselben. Die größte Sünde, welche die Brauer unseres Landes bcgehen, besteht nach dem Dafürhalten jener Franks in der Benutzung von Neis over Mais in ihrem Betriebe. Kein Brauer wird ein Geheimniß daraus machen, daß für gewisse Sorten von Vieren, und zwar die hellen und glanzfeinen, 3!eis ovcr Mais mit Hopfen und Malz verwendet werden. Dadurch wird nicht der Gehalt sondern nur der Geschmack des Bieres verändert, da stets 70 bis 8u Procent reines Gerstenmalz Verwendung finden. Warum aber sollte Reis oder Mais bei der Erzeugung guten Bieres nicht benutzt werden? Es wird nur Reis der besten Qualität verwendet und der Mais wird nicht mit dem Kolben in die Maische gebracht, sondern ist dasselbe entölte, geschälte und auf das Sorgfältigste zubereitete Pro duct, welches vielen Taufenden alltäglich in Brod, feinen Puddings und anderen Gpeisen zur Nahrung dient. Daß Reis und Mais auch l Deutschland im Braue; reibetrieb auS-' ehnte Verwendung sinden, ist noch keinem deutschländischen Brauer zum Vorwurf gemacht worden. Der Geschmack des großen Puvlicums ist für die Brauer die Richtschnur in ihrem Betrieb gewesen und der allgemeine Geschmack bevorzugt die hellen Biere, welche nach Pilfener Art gebraut sind. Sehr zahlreiche Versuche, ausschließlich ein reines Malzbier zu brauen, sind eben fast immer an dieser Abneigung des Pnblicums gegen die dunkeln Biere gescheitert. Auch an Hopfengehalt steht daS amerikanische dem deutschländischen Bier in keiner Weise nach. Es gibt nämlich kein einziges opfenersatzmittcl, dessen Preis demjcnigen des reinen Hopfens nachsteht. Im ltebrigen ist durch chemische Analysen längst festgestellt worden, daß die anierikanischen Biere dem deutschen nicht nur nichts nachgeben, sondern sie durch: schnittlich übertreffen. Die einheimischen Viere sind meistens stärker eingebraut d. h. bei ihnen ist mehr Material zur Verwendung gelangt, als beim Jmportirten". So stchr z. B. das importirte Pilsener Bier an Wnrzegehalt den meiste:i amerikanischen Bieren nach. Auch die Vierpanscherei" blüht in manchen Gegenden des alten Vaterlandes. Unsere Bcltern aus der anderen Seite des großen Heringsteiches beziehen von uns Atais, welcher schlechter ist, als der von den amerikanischen Brauern verwendete; sie färben das Bier mit Zuckercouleur und das viel gerühmte Biei land Bayern erlaubt für ('rportbler logar dle Verwendnng von Salicylsäure. Zum 'Nutz' und Frommen der VierPharisäer", welche dem Biere der guten allen Zeit" eine Thräne nachweinen, mögen die folgenden Auszüge aus einen: im Jahre 1588 geschriebenen Buche über Vicrpanscherei hier Platz finden. Es heißt in demselben wörtlich: .... geschweige deß anderen Aetrugs der mit vnderlauffet, als daß etliche anstatt der Hopfen Weidenbletter nernen, viid elliche Caminruß. . . . die ander Leuth nicht allein vmb ihr Geldt bescheißen, sondern sich als heimliche Mörder vmb jhr Leib vnd Leben bringen, derwegen auch die Oberkeiten solche Dieb vnd Mörder an Leib vnd Leben straffen solle." Ferner: Die aber so mit Lulchsamen, Ruß, V'isensamen, indianischen Kockelkernen und anderen dergleichen schadtlichen Dingen das Vier stärken " Wie würde einem Verehrer des Bieres d x guten alten Zeit die Blume eines Stosses munden, von dem in demselben Buche gesagt wird: Obwohl die besten vnd beständigsten Brere auß altem faulen Wasser gemacht wrrden, so seindt sie darumb uit alle gesuudt vnd zu trinken nützlich. . . . derwegen fol man zur erhaltung der Gesttnsheit die wüsten vnsaubern Wasfer, darinn mistlachen lauffen, der Menschen vilö des Viehes Harn. . .. zum Biersieden nicht nernen. Die moderne Chemie mit ihren großartigen Errungenschaften hat in die von Schmutz starrenden Sudhäuser und Keller die größte Sauberkeit gebracht und iu dem Braugewerbe geht jetzt Theorie und Wissenschaft mit der Praxis Hand in Hand. Das Bier der Neuzeit hat sich die Welt erobert und von diesem gilt das geflügelte Wort. Das Vier, welches nicht getrunken wird, hat seinen Beruf verfehlt." Eine Urgroßvater l i ch e Nachtrampe. In einem alten Familienkalender findet sich, von der Hand des Hausherrn geschrieben, ein Versahrett zur Herstellung einer billigen und praktischen Nachtlampe angegeben, das wohl die Prüfung von sachverständiger Seite verdient. Man nehme ein langes weißes Glasftäschchen, thue ein Stückchen Phosphor von der Größe einer Erbse hinein und gieße darauf bis zum Aufwallen erbitztes Provencerol, biö die Flasche etwa bis zum Dritte! voll ist. Dann stopfe man sie sorgfältig zu. So oft 'sie leuchten soll, öffne man ne, damit etwas Luft hinzutreten kann, und rerftopfe sie wieder. Der leere Theil der Fische erscheint dann leuchtend und verbreitet so viel Licht wie eine kleine Lampe. Verschwmdet das Licht, so öffnet man den Stöpsel und cS erscheint sogleich wieder. Bei kaltem Wetter erwarme man die Flasche ein wenig in der Hand, ehe man sie aufmacht. Eine solche Leuchtflasche laßt 'sich sechMonate lang jede Nacht gebrauchen. Wesentlich dabei erscheint auch, daß jede Feuersgesahr ausge-schloffen.

Unter dem Siegel der Verschwiegenheit. SsnW-lsgang Klrchbach.

Solange die Welt besteht, hat eS wobl och keinen Menschen gegeben, der nicht wenigstens einmal etwas weitergesagt" haben sollte, waS er klugerweise oder bei näherer Ueberlegunz verschwiegen haben würde. Das erste Menschenxaar machte schon im Paradiese den Anfang mit Verletzung der Schweigsamkeit, mit einem Mangel an geschäftlicher Verschwiegenhcit, denn nachdem die Schlange Eoa zugeflüstert hatte, daß der Genuß des Apfels gewisse bedeutsame Folgen! haben würde, benutzte Eoa die nächste Gelegenheit, um ihrem Gemahl davon Mittheilung zu machen, während es jedenfalls klüger gcwefen wäre, vorläufig diese Sache für sich zu behalten. Als dann, nach dem Genuß des 3tU, Adam zur Rede gestellt wurde, hatte er gleichfalls nichts Eiligeres zu thun, als die. Thatfache auszuplaudern, dalß feine Frau ihm gewisse Dinge unter dem sclbstverständ lichen Siegel der Verschwiegenheit zur Kenntniß gebracht habe. Seit der Zeit ist es eine Angewohnheit aller Abkömmlinge dieser beiden Stammeltern geworden, vieles zu sagen und weiterzureden über das eigene Thun wie über das Thun und Treiben der lieben Mitmenschen, was weitergesagt zu haben manchmal gewisse Unannehmlichkeiten für die Betheiligten mit sich bringt. Es hat sich daraus die Vorstellung der gefell schaftlichen Forderung der Verschwiegenheit, der Schweigsamkeit, gebildet, welche einige Menschenclassen, wie Kaufleute und Beamte als eine hohe und wichtige Tugend an ihren Untergebenen schätzen und für sich selbst als eine Art von Verpflichtung in Anspruch nehmen. Im sonstigen gesellschaftlichen Leben aber betrachtet man es als eine Ausdauer natürlichen Anstandes, als eine perönliche Ehrensache jeden Mannes zum min, desten, Mittheilungen über andere Menschen und deren Verhältnisse, soweit sie etwa nicht harmlos und ohne geschäftlichen oder sonstigen Belang sind, nicht ohne Noth zu machen. Einen Mann, der die Fähigkeit bat, in diesem Sinne immer zu wissen, was man über die VerHältnisse anderer saen kann und was nicht, nennt man mit einem Fremdwort einen diskreten" Mann, und so spricht man auch von seiner Diskretion" als von einer seiner fchatzenswerthen Eigenschaften. Von Frauen pflegt man diese Verschwiegenheit weit weniger als eine Ehrensache zu fordern; man traut fälsch licherweise dem schönen Geschlecht, im Hinblick aus die große Redseligkeit mancher Vertreterinnen desselben und die Klatschsucht, die man hier und da bei Frauen findet, einen besonderen Ehrenpunkt hierin nicht zu und fordert ihn nicht. Dennoch ist gerade das weibliche Geschlecht vielleicht im Großen und Ganzcn in seiner Schweigsamkeit weit verläßlicher ; eine wirklich gebildete und kluge Frau plaudert nicht so leicht etwas ans, wovon fie weiß, daß es Geheimniß bleiben soll, und eine gute Ehe beruht nicht zum wenigsten weit mehr auf der getreuen und verläßlichen Verfchwiegenheit der Frau, als auf der Verschwiegenheit des Mannes. Ja, vielleicht haben die Männer sich genöthigt gesehen, unter einander aus der Diskretion" einen Ehrenpunkt noch ausdrücklich zu machen, weil ihre Natur weit mehr zur Mittheilsamkeit neigt, zu einer gewissen Offenheit, welcher das Verschweigen schwerer wird, als der Frau. Die Gesetze der sogenannten Diskretion", der Verschwiegenheit, sind, alles in allem betrachtet, nicht Gesetze einer besonderen sittlichen Verpflichtung oder sittlichen Forderung an den Gelst und Charakter der Menschen, sondern nur Nothstandsgesetze des Lebens, hervorgegangen aus Nützlichkeitserfahrungen, Nützlichkeitsrücksichten. Bei Völkern und in Zelten, wo nur der Geist einer Sucht nach dem äußeren Vortheil herrscht, wo die Nühlichkeilsrechnung die einzige Nechnung ist, die große Menschenmassen auf das Leben machen, da kann wohl ein folches Nothstandsgefetz mit einer höheren sittlichen Forderung verwechselt werden, und es kann, wo das ganze Leben zum Geschäft wird, auch die Forderung um gelogen werden. Aber selbst, wenn wir vielfach in einer solchen Zeit leben sollten, so würde doch gerade der Staat uns immer wieder daran erinnern, ganz abgesehen von den urewigen sittlichen Wahrheiten, welche unsere Neligionsbücher enthalten, daß Schweigen nicht die höchste Tugend eines Menschen sei, auch wenn wir einen Wilhelm von Oranien und andere berühmte Männer wegen ihrer Schweigsamkeit mit einer gewissen Ehrsu:cht betrachten sollten. Weit höher, als die Kunst zu schwergen, ist die Kunst zn reden achtbar, wenn es eine Kunst ist, die Wahrheit mit Weisheit zn sagen und durch diese Weisheit der Wahrheit niemals etwas zu bergeben. Den Mund geschlossen zu halten und die Lippen selten zu bewegen, würde nur für den eine Kunst sein, der einen großen Drang zu reden hat. Wer diesen Drang nicht fühlt, nun für den ist Schweigen auch eben keine besondere Kunst, in der etwas zu erlernen wäre, denn Schweigen ist nur ein Nichtsthun, ein Unterlassen, ein duldender Zustand, kein Handeln. Eine Kunst, welche daS Leben schult, ist hierin nicht ; wohl aber wird es für den größten Schweiger eine Kunst heißen müssen, da er hier und da doch einmal reden muß, zur rechten Zeit zu reden und daS rechte Wort zu sagen. Und so liegt denn der eigentliche Begriff der .gesellschaftlichen Discrction" nicht in dem, was man zu sagen unterläßt, sondern in denk, was knan sagt und wie man es sagt. ,,Discret" nenne ich nicht den Mann, der unter allen Umstand, den Mund hält, sondern denjenigen, der mit Weisheit und Zurückhaltung das Wahre zu sagen weiß und der vor allem zn unterfcheiden versteht, waS es heißt, das rechte Wort zur rechten Zeit zu sagen. In Freundschaft und In Liebe, im Staate wie im Geschäfte ist nicht derjenige der vertraucttswürdmste Mann, der eine stumme Puppe ist, sondern derjenige, der die Wahrheit am rechten Orte zu sage? weiß. Damit ist gesagt, daß eS schon vom Standpnnkte der Erhaltung der StaatsOrdnung- aus weit wichtiger ist, daß in

allen Dingen die volle und ganze Wahr-! i . . r . . t. r . t . . At f . i C . I

heit gesagt werde, als das ein Gesetz des Schweigens oberzte Nlchtzchnur sem könne. Aber auch sittlich ist derjenige Mann höher zn achten, der die Wahrheit sagt, als derjenige, der schweigt, weil zum Besinnen der Wahrheit, zum Ueberwinden der Verschwiegenheit fast immer ein gewisser Mutb gehört, eine Tapferkeit 'dcs geistigen Lebens, ein Glaube an die Macht der Wahrheit als einer edelsten Pflicht des höchsten Seelenlebens. Denn die Verschwiegenheit ist wohl nützlich, um die augenblicklichen Vortheile des Lebens zu hüten; die Aussprache der Wahrheit aber entspricht dem edelsten Bedürfniß aller reingesinnten Seelen, aller Erkenntniß und mit der ausgcfprochenen Erkenntniß deS Wahren, nicht mit verschwiegener Erkenntniß desselben, ist jedes höhere geistige Gut des menschlichen Lebens verschwistert. Denn die Aussprache eines wahren Wortes vom Menschen zum Mitmenschen verbindet die Geister und knüpft die Seelen aneinander; di? Verfchwiegenheit, daS verfchwiegcne Wort dagegen trennt die Me.ifchen und hält sie auseinander. Während die Sprache, als das Vers ständigungsmittel der Men fchen untereinander, dazu dient, um die Geister zu verbinden und ihre Wechselwirkung herzustellen, ist das Schweigen, das heißt die künstliche Unterdrückung des Wortes, im Grunde nur ein Rückfall in die Zustände, welche der Kampf um's Dasein, der Naubzustand des Lebens aufnöthigt. Die Thiere vermögen noch wett ber zu schweigen, als die Menschen, en es gilt, mit List ein Opfer zu überraschen. Lautlos stellt die Katze der Maus nach, lautlos schleicht der Löwe, der sich sonst auf sein erderschütterndes Gebrüll nicht wenig zu Gute thut, an sein Opfer heran und seine Lautlosigkeit ist der Ausdruck seiner Verschwiegenheit, seiner Absicht, das Opfer nichts wissen zu lassen von seinem Nahen. Es ist Geschästsgeheimniß; würde ein Lant das Nahen deS Löwen und seine Absicht verrathen, so wäre auch der gehofste Gewinn des zu raubenden Nindes in Frage gestellt. Und nicht nur die Löwin, auch die Jungen wissen das Geschäftsgeheimnis zu wahren ; die kleine Gesellschaft, die erst geknurrt und geheult hat, späht lautlos umher, wenn der Hausherr auf den Anstand geht, um seine Beute zu erjagen. Durch das gesammte Thierreich ist dieses Gesetz der Verschwiegenheit aus List, um Vortheil zu erjagen, als ein Nothstandsgesetz im selben Sinne zu verfolgen, wie es als solches im menschlichen Leben gilt. Der Mensch hat hierin nicht das Geringste voraus und wer in solcher Verschwiegenheit eine besondere Tugend sehen sollte, der würde von der eigentlichen Würde des Menschengeschlechts nur einen geringen Begriff haben. Wenn also im ganzen Thierreich die Discretion" nicht nur des einzelnen Thieres, sondern auch gemeinsam auf Beule ausziehender Thiere sich in der Unterdrückung der thierischen Laute und ihrer Sprache äußert, so ist es demgegenüber das höhere geistige Erbe deS Ntcn'schen, daß er diefe natürliche Anlage überwinden lernt, daß er die Feigheit, welche in solcher Verfchwiegenheit liegt, die feige ' Art, den Vortheil zu suchen, überwindet in einem Muthe, das Wahre, das er erkennt oder thnn will, auch auszufprcchen. Das Thier ist hinterhältig ; Menschen, welche ohne Noth sich in eine künstliche Uebung deS Schweigens um geschäftlicher oder sonstiger Vortheile und Vorsichten willen bringen, werden ebenso leicht hinterhältig und ihre Charaktcreigenschaften sind in dieser Hinsicht nicht besser zu achten, als die Hinterhältigkeit des Thieres, welche jenem feigen Muth und jener muthigen Feigheit entspringt, die dem Menschen, der einen höheren Muth besitzt, eS möglich machte, auch zum Herrscher über diese Thierwelt zu werden. Wenn der stolzeste Löwe auch der verschwiegenste ist zu seinem Vortheil, so würde er doch niemals den Muth haben zu dem. was ein wahrer Mensch kann, nämlich auch nur die geringste Wahrheit zu bekennen gegen seinen Vortheil. Es gehört zu den verbreitetsten Irrthümern, daß die Natur wahrer" als der Mensch s?i. Wer dies sagt, hat über den Begriff der Wahrheit im sittlichen Sinne nicht nachgedacht. Nur der Mensch jenes muthigste aller Wesen, das in vielen seiner Vertreter sogar den Muth gefunden hat, den eigenen Vortheil zu Gunsten anderer in die Schanze zu schlagen, nur der Mensch ist im ernstlichen Sinne ein wahres Wesen mit dem Denkermuth und Sittlichkeit der Wahrheit. Hätten die Thiere nicht ein so kurzes Gedächtniß, sie würden noch weit hinterhältiger und verschwiegener zu ihrem Vortheil sein, als sie es so wie so schon sind. Nur einige Thiere, wie der Hund, haben durch menschliche Erziehung etwas angenommen, was mit der Treue und Wahrheit menschlicher Charaktere verglichen werden kann; aber schon di nächsten Verwandten, Fuchs und Wolf, werden gerade wegen ihrer Verschwiegenheit zu ihrem Vortheil zu bildlichen Namen für verwandte Charaktereigenschaften g 'macht. Und so heißt es denn vom Menschen in den Büchern menschlicher Sit.engesctze nicht: Du sollst schwer gc.'t," ,,du sollst verschweigen," sondern es wird gefordert: Eure Nede sei ja, ja, nein, nein ; was darüber ist, das ist von Uebel." Nicht zum Verschweigen erziehen vernünftige Eltern ihre Kinder ; denn das Leben wird später schon selbst lehren, wo Schweigen nützlich ist, sondern erstes Gebot jeder gesunden Erziehung ist, die Kinder zu rückhaltsloser Offenheit zu gewöhnen und in dieser Offenheit gleichzeitig die Wahrheitsliebe und den Muth zur Wahrheit zu bilden. Das englische Volk hat seine Weltherrschajt.ohne große Heere aufgerichtet und feine Macht in sich nicht zum wenigsten durch einen gewissen Todesmuth der Wahrheitsliebe, der großen Mehrzahl der englischen Knaben anerzogen wird, mit einer starken Neigung zur Offenheit. Lügen und Verschweigen verachtet jeder Gentlemans", und doch ist gerade der Engländer schatzenswerth durch die richtige Art, mit der gerade er die sogenannte Diskretion" übt, eine maßvolle Verschwiegenheit. Die Vereinigung dieser Eigenschaften macht den wahren Gentleman" und hat auch noch immer

daS Wesen jedes rechten deutschen Man5 t -i ..... .. X . :.

nes auZaemacht. Wenn auf der einen Seite die Verschw'cgenhei! sich nur als ein Nothstandsgefez) des Lebens erweist, so ist sie auf der Mderen Seite zufolge deS Nothstandes deS Lcbens als der Ausdruck deS Vertrauens, das ehrliche und wahrhcitsliebei.e Menschen in einander fetzen, allerdings auch eine Eigenschaft, der ein gewisse? sittlicher Werth nicht abgesprochen werden kann. Aber auch nur dann, wenn es sich wirklich um das Vertrauen ehrlicher und wahrhaftig Menschen zu einander handelt. Verschwiegenheit von unredlichen und lügnerischen Menschen für einander mag unter diesen selbst ja wohl eine sehr gesuchte und schätzenswerthe Waare sein, das menschliche Sittengcsctz aber bezeichnet dieselbe als Hehlerei und es ist nicht nur ein alter Spruch sondern eine thatsächliche Nechtsübung, baß der Hehler bei fast allen gebildeten Völkern so gut wie der Stehler bestraft wird. Und mit Lcecht. Wie wir im Elde uns verpflichten, nichts zu verschweig?u", weil es ein edleres Gesch ist, daß, um des sittlichen Bestandes der menschlichen Gesellschaft willen, das Wahre vollständig an den Tag gelange, so vcnäth der Staat eine verwandte Auffassung, wenn er den Hehler bestraft, der schuldig wird, nicht dadurch, daß er selbst eine unsittliche Handlung that, sondern vielmehr dadurch, daß er zu seinem Vortheil unterließ zu sagen, waS er weiß, wodurch er milschuldig wird am Verbrechen n.iö Vergehen und einem Umsichgreifen desselben Vorschub leistet. Wie oft kommt ein Mann in den Fall, daß ein anderer ihm etwas im Vertrauen" mittheilt, day er ihm, wie man sagt, sub rosa einen Brief schreibt, daß man einander vertraulich" mündliche und schriftliche Angelegenheilen vermittelt. Es wird ohne Zweifel mit diesen Worten ein großer Mißbrauch getrieben. Ein wahrheitsliebender und charaktervoller Mann wird nur in den seltensten Fällen dazu greifen, daß er eine Mittheilung vertraulich", unter dem Siegel der Verschwiegenheit" macht, und wiro von anderen nicht bei jeder Gelegenheit Verschwiegenheit voraussetzen ans dem einfachen Grunde, daß er überhaupt nichts sagt, waS das Licht des Tages zn sch.'t'ctt ?at. Wer einem anderen eine Mittheilung macht, die er eigentlich geheimzuhalten wünscht, der wird zunächst immer sich selbst zuerst den Vorwurf der Unklughcit zu machen haben. Wenn ich jemand, sei es ein Freund oder GeschaftSgcnosse, mein Geheimniß attvcrtratte, so muthe ich ihm stets eine Verantwortlichkeit zu, für die ich ihn nicht rcrantiortlich machen dürste. Denn was ein anderer weiß, ist amit auch in dessen geistigen Vorrath ubergegangen, und Wahrheitsliebe und Offenhcit werden unter Umständen ihn nöthigtii. seinem Wissen auch Ausdruck zu veNcihcn. Es sind nicht die besten Eharakterc, welche jede Mittheilung über ihre Mitmensch vertraulich" machen oder, wcnlk sie das Wörtchen ,.suli r5a" auch nicht ausdrücklich brauchen, doch alleS n:ner dem Siegel der Verschwiegenheit behandelt wissen wollen hintcnzrein ; es sind Vogel Strauß-Naturcn und man beobachtet, daß sie zumeist nicht nur einem, sondern snnf sechs Personen ihr Geheimniß vertraulich" mittheilen und höchst verivundcrt sind, wenn diese fünf und sechs die Sache eben nicht als v'rtraulich" behandelt haben, weil sie in einer solchen Angelegenheit eine besondere Vertraulichkeit" nicht sinken konnten, die man so vielen sagt. Furchtsame, hasensüßige Menschen, hintethältige Menschen sind es zumeist, welche die Vertraulichkeit" und die damit verknüpfte Verschwiegenheit überall vorzuschützen pflegen und oft sind in dieser Furchtsamkeit unredliche Absichten, die man sich selbst nicht einmal ganz eingesteht. Unter dem Siegel der Verschwiegenheit" ist schon manches redlichen Mannes Ehre und guter Ruf untergraben worden. Nachtheiliges für den Ruf der lieben Mitmenschen wird unter dem Titel der Vertraulichkeit" weitergegeben; LüSen und Verleumdungen und Ehrenabjchneidungen werden sah rosa unter die Leute gebracht und indem regelmäßig einer dem anderen unter dem Siegel der strengsten Verschwiegenheit die Sache mittheilt, weiß zuletzt Jedermann das, was der Betroffene oft selbst nicht weiß und was gar nicht wahr ist. Unter demselben Siegel der Verschwiegenheit ist zumeist auch aller Welt dasjenige Geheimniß bekannt, das der Vogel StraußMensch am ängstlichsten zu hüten pflegt. Man muß nur die Unvorsichtigkeit haben, daß die lieben Mitmenschen auf ein Geheimniß rathen, das man bewahre, so währt esjmch nicht lange, so machen diese ihre Schlüsse, bald haben sie das Geheimniß, wenn auch nicht ganz, so doch zum Theil errathen und was man so errathen hat, das sagt man sicherlich sehr bald aller Welt weiter.' Nichts bleibt in dieser Welt verborgen, die Sonne bringt jedes Geheimniß an den Tag, weil das Menschengefchtecht in der That ein Taggeschlecht, nicht ein Nachtgefchlecht ist und weil Schweigen und Verbergen auf die Dauer aller menschlichen Naturanläge widerspricht. Weil aber die Vertraulichkeit" einer Mittheilung fast niemals gänzlich ohne Hinterabsicht geschieht, ist es für einen vornehm denkenden Mann eine Art von sittlicher Pflicht, vertrauliche Mittheilungen über andere ihr Thun und Lassen am liebsten gar nicht anzunehmen und umgekehrt anderen das sah rosa" womöglich gar nicht zuzumuthen. Da, wo die Kun,t, gut und wahr zufrieden, wirklich gepflegt wird, da bedarf es der Kunst des Schweigens überhaupt nicht, denn sie ist gegenüber einer weisen und wahren Rede nur eine Afterkunst. Was man über seine Mitmenschen Hort, ist zunächst entweder etwas für sie Nachtheiliges öder etwas zn ihrem Vortheil, etwas, was ihnen Ehre macht. Gleichgültige Dinge in dieser Hinsicht ziehen die Hörer nicht an; man spricht über die Mitmenschen zumeist nur gutes oder übls. Etwas Nachtheiliges, das einem über einen anderen gesagt wird, sollte mau aber grundsätzlich nicht unter dem Siegel der Verschwiegenheit anhören, den entweder es ist wahr, dann wird man, sofern man sich zum Schweigen verpflichtet, zum Hehler seinerer Art oder zum Heuchler gegenüber dem Betroffenen, oder man kommt in

d!e Lage, der Wahrheit so oder so nicht ganz ihre Ehre geben zu können ; ist aber das Nachtheilige, das man hört, unwahr, so wird man zu leicht zum unbewußten Verleumder, als das es rathsam sein könnte.der Verschwiegenheit als eine? cdlen Kunst zu vertrauen. Das Gute aber, das man über seine Mitmenschen hört, kann man streng genommen nie genug verkünden, selbst wenn das ihrem Feingefühl nicht lieb sein sollte. Der beste Mensch erfährt auf seinem Lebenswege fo viel Anfechtungen und üble Nachreden, daß man von fernen guten Seiten, von dem was zn feinem Vortheil spricht, nie genug reden kann, selbst wenn ihm das nicht lieb sein sollte. Ein solches Gefühl ist für ihn selber achtenswcnh; für die Mitmenschen ist es ebenso achtenswerth, wenn sie das Gnte verkünden, wovon sie wissen, und das Siegel der Verschwiegenheit erweist sich auch hier als ein solches, das man am allerliebsten garnicht erst anlegt und auf: klebt. Und so ist es denn auch richtig und vernunftgemäß, daß nur der Staat für das, was ihn angeht, feinen Beamten und den zum Staatswefcn und Rechtswesen mitwirkenden Personen, wie den Nechtsanwältcn, Verschwiegenheit zur Pflicht macht. Denn der Staat ist selbst das Ergebniß eines Nothstandgesetzcs unter denMenschen ; Staats- und Rechtswesen sind hervorgegangen und gehen immer wieder von neuem hervor aus dem Kampfe der menschlichen Ansprüche, aus dem Nothstand des Lebens, der hierin liegt, und so ist es denn nöthig, daß der Staat und das Recht seinen Bestand durch ein solches Nothstandsgesetz, wie es die Verpflichtung zur Verschwiegenheit ist, schütze. Auch im Kriege gilt dieses Gesetz in erhöhtem Maße. Hier, wo das Schicksal eines Volkes davon abhängt, ob ein Kriegs- und Schlachtgeheimniß verrathen wird, wird Verschwiegenheit zur sittlichen Pflicht und es ist nur recht und billig, daß der Verräther erjchossen wird, und daß ihn die Verachtung seiner Mitmenschen straft. Wo, wie im Kriege ein Nothstand herrscht, da werden Nothstandsgesetze auch immer als sittliche Gesetze zu gelten haben. Aber schon bei den sogenannten Geschäftsgeheimnissen findet die Anwendung dieses Satzes nicht mehr statt. Die geschäftlich: fogenannte Concurrenz", der Wettbewerb um den größten Vortheil im Handel und Wandel ist nicht ein wirklicher Nothstand des Lebens, sondern hochstens ein künstlicher Nothstand, dessen Herbeisührnng um so mehr steigt, je mehr die Redlichkeit dcö Handelserwerbes abnimmt. Je mehr dieselbe sinkt, desto mehr wird alle Geschästsvcrfchwiegenheit zur Gaunermoral, die einen braven und ehrlichen Mann niemals wird binden können. Sittlichen Werth haben nur diejenigen Geschäftsgeheimnisse, in denen sich redliche Männer. Gejchästsherrcn und Untergebene, Erfinder und ihre Mitarbeiter verbinden, um im Jcochstande gcgen den unredlichen Erwerb oder gegen die raubartige Ausbeutung eigener Erfindung durch andere sich durch die Verschwiegenhcit und Geheimhaltung zu schützen. Aber man sieht auch hier, daß die Discretion", gegenüber der allgemeinen Forderung nach Offenheit und Wahrheit der Rede, nur der Ausdruck jenes berechtigten Nothstandes des Lebens ist. Kommt aber das Geheimniß heraus, so wird der Erfinder und Kaufmann, der Schriftsteller. welchem man seine Gedanken stiehlt oder seine Jveen eigenmächtig verwerthet, die Schuld fast immer sich selbst zuzuschreiben haben, da er eben fein Geheimniß nicht ängstlicher hütete und sein Vertrauen solchen Menschen schenkte, die weiterplaudern und ausplaudern. Was man nicht will, daß es unter den Menschen bekannt werde, das soll man vor allem selbst zu verschweigen wissen, das soll man gewissermaßen vor sich selbst nicht wissen und dieses Schweigen, das eben nur ein Schweigen, aber nicht Verschweigen oder gar die Forderung zur Verschweigung an andere ist, steht weder mit der Wuhrheitsliebe, noch der Offenheit in Widerspruch, fchadet weder dem eigenen Gemüihe, noch bringt eö die Seele anderer in Äefahr und ist nur ein Ausdruck der Vernunft und einer vernünftigenErkenntniß des Lebens. Denn Schweigen und Verschweigen ist zweierlei, wie Schweigsamkeit und Verschwiegenheit verschiedene Begriffe von ganz verschiedener sittlicher Bcschaf-' fenheit sind. Schweigen ist in vielen Fällen eine sittliche Pflicht des Menschen gegen sich selbst und als solche des weiteren auch eine Pflicht gegen andere. Durch das Hirn des Menschen schießen unzählige Gedanken über ihn selbst wie über seine Mitmenschen. Gedanken, welche ein regelloses und freies Erzeugniß des Hirnlebens sind. Es ist Pflicht, durch Schweigen und Vergessen dieses wildwachsende Unkraut des Geistes auszujäten. Wie viel Schlimmes und Schlechtes trauen wir in erregten Augenblicken anderen zu, welche unglaubliche Gedankenverbindungen zeugt allein das Mißtrauen ! Ein gutg:arteter Mensch weiß, daß die Aussprache solcher Gedanken eben zumeist zur Unwahrheit würde ; das geistig und sittlich Unwahre und Rea.ellose, welches das Hirn erzeugt, daS joll

das Schweigen sozusagen im Mutterleibe todten, denn das Wort nnd die Sprache sollte immer nur dazu da sein, um das Wahre zu sagen. Was aber wahr gedacht ist vom Geiste und wahr begriffen ist, das hat auch unter allen Umständen das Recht ausgesprochen zu werden und es wird zur Pflicht, das Wahre auszusprechen in allen Verhältnissen des Lebens, wo etwa das Unwahre sich diesem Wahren entgegenstellen sollte. Wer darnach handelt, wird niemals irre gehen; er wird vielleicht seiner Wahrheitsliebe hier und da manchen äußeren Vortheil opfern müssen, aber an seiner Seele wird er niemals Schaden leiden, wenn er eben sich gewohnt hat zn wissen, daß Schweigen und Verschweigen zweien lei ist. Und wenn das Schweigen einen Werth hat, so wird doch der rechtlich denkende Mann stets zu erwägen haben, ob es nicht zum Verschweigen wird, denn es ist ein alter, sehr wahrer Spruch,' der mit allem hier Gesagten im Zusammenhange steht, daß man sagt: Schweigen ist auch

eine Antwort". Und zwar ist eS ein? sehr vieldeutige Antwort, die jeder nach seinem Belieben auszulegen pflegt. Wieviel in dieser Welt gesündigt wird durch Unterlassungen der Antwort auf Fragen. Beschuldigungen, Andeutungen und Änmuthungen, wieviel ungesch.ckt gehandhabtes Schweigen Unheil angerichtet hat und manchen in den Nuf eines hinterlistigen und hinterhältigen Menschen gebracht hat, der nur nicht die Gabe hatte am rechten Orte zu schweigen oder zu reden, das wäre wohl eigener Betrachtung werth. Die Grenze zwischen Schweigen und Verschweigen ist scharfund es bedarf einer gewissenMeisterfchaft deS sittlichen Gefühls, um hierin das Nichtige zu treffen. Ganz wird sie wohl niemals ein Mensch in allen Fällen besessen haben, denn es geHort vor allem Klarheit über den Begriff der Diskretion" dazu, und diesen Begriff haben zumeist am wenigsten diejenigen, welche am häusigsten von ihrer Diskretion" und der Jndiskretion anderer fprechen. Niemand hört freilich gern den Vor? wurf der Indiskretion" oder gar des Bertrauensbruchs", der den höheren Grad darstellt. Denn eine Jndiskretion" und vollends ein Vertrauensbruch" enthalten immer eine böswillige Abficht und werden dadurch zum Verrath. Diese find zu verdammen, nicht weil sie etwa einen Bruch des Schmeigens enthalten, sondern nur wegen der böswilligen Absicht, welcher der Mangel an Verschwiegenheit nur Mittel zum Zwecke war. Indiskrete" Menschen sind nicht diejenigen, die gelegentlich etwas weitersagen, das ihnen anvertraut oder gesagt war, sondern diejenigen, welche aus böswilligen Gründen, sei es Klatschsucht, Schadenfreude, aus niedertt achtiger Gesinnung, aus verletzter Eitelkeit und sonstigen kleinen felbstischen Beweggründen Mittheilungen über das Thun und Lassen Anderer machen. Außer diesen Vertrauensoerletzungen sind die harmloseren gewisser redseliger Geister mehr als ?chwatzhaftigkeit schlechthin zu bezeichnen, bei denen weder eine gute noch eine böse Absicht herrscht und nur der Drang zu reden, um die Zeit auszufüllen, maßgebend ist. Eine Indiskretion herrscht aber nicht, wenn Mittheilungen, selbst wenn sie vertraulich waren, um der Wahrheit willen weitergegeben werden, sondern sie sind dann vielmehr der Ausdruck jenes wahrhaft diskreten" Sinnes, jenes Taktes, jenes Feingefühls, welches über jedem Gesetze der Verschwiegenheit steht und erst zwischen Reden und Schweigen unter allen Umständen zu entscheiden hat. Denn wie für den Staatsbeamten und Rechtsanwalt eine unbedingte Verpflichtung zum Schweigen nicht besteht, sondern anch hier erst der Richter die Beschaffenheit dcZ einzelnen Falles zn prüfen hat. so g '.t dies noch viel mehr für die weiten Kreise des öffentlichen und bürgerlichen Lebens, in denen der Mensch zum Menschen spricht über den Menschen. 9!irgcnd herrscht und darf ein unbedingtes Gcfctz des Siegels der Verschwiegenheit" herrschen, sondern allüberall entscheiden feinere sittliche Gründe über das, was man schweigend zu thun und zu lassen hat. Und erst aus dem Feingefühl, der Treue und der Wahrheitslikbe, welche hierin wirken, bestimmt sich diejenige Handlungsweise, welche man die eines diScrcten Mannes", d. h. im Grunde nur eines Vertrauenswürdigen Mannes nennt. Die Vertrauenswürdigkeit eines Mannes aber bestimmt sich nicht nach seiner Schweigsamkeit, denn Verschwiegenheit kennzeichnet auch die unzuverlässigsten Schurken unter Umständen, sondern die Ver trauenswürdigkeit bestimmt sich nach der Glaubwürdigkeit eines Mannes ; feine Glaubwürdigkeit nach seiner Wahrheitsliebe; seine Wahrheitsliebe aber nicht nach dem. was er verschweigt, sondern nach dem, waS er sagt und wie er es sagt. Darnm ist nicht der Schweiger und Verschweige? der wirklich discrete" Mann, sondern einzig und allein der wahre Mann ist der zuverlässige und vertrauenswürdige. Derjenige, dessen geistige Furchtsamkeit den Umgang mit dem wahren Mann nicht verträgt, der ist sicher, wenn er auch wohl die Lippen zusammenhaltcn kann, doch nicht fähig, echte Discretion" zu verstehen und ist gewiß auch keiner von den Besten. Man sollte daher mit keinem Vorwurf so vorsichtig und sparsam sein wie mit der Judiscretion", denn statt nur die Schweigsamkeit eines Mannes in Frage zu stellen, enthält er vielmehr strenggenommen eine Anschuldigung an das Feingefühl seiner Wahrheitsliebe und seiner Unterscheidungsgabe hierin. Je mehr man sein eigenes Leben darnach einrichtet, daß man für sein Thun und Lassen keiner Verschwiegenheit bedarf und man kann das recht wohl je weniger man von Anderen Verschwiegenhcit fordert, desto weniger wird man auch der schwersten Krankheit des Geistes, krankhaftem Mißtrauen, Verfolczungswahn ausgefetzt fein und die Verschwieg genheit ist daher auch eine einfache Pflicht geistiger Gesundheit nicht nur des einzelnen Menschen, fondern ganzer Vä.ker. Wer wahr und gut lebt, des Thun i'ann offen vor allen liegen; er braucht Nicht das Vogel Strauß-Spiel mitzumachen, das in der Anmuthung allgemeiner Verfchwiegenheit an die Umgebung liegt, die in Wirklichkeit niemals recht durchzuführen ist. Diese Gedanken will ich den freundlichen Lesern nicht unter dem Siegel der Verschwiegenheit" vorgetragen haben, sondern sie mögen offen vcl aller Welt auf ihre Wahrheit angesehen werden, die uns immer daS oberste Gesetz bleiben soll. Wahrheit ist dr Seele nothwendig und es wird Tyrannei ihr in Befriedigung dieses wesentlichen Bedürfnisses den geringsten Zwang anzuthun," sagt Lcssing.

Eö ist nicht Alles Gold, was glänzt. Morgenstunde hat Gold im Munde. Ergo kann man in der Morgenstunde oft bloß ein recht miserables Zahnbürstchen im Munde haben. Der Dumme hat das Glück. Wer das Glück hat, führt die Braut heim. Ergo führt der Dumme die Braut heim.

Neber Ernährung.

Es ist ja gewiß nicht die Kost lleln, tk den starken Mann macht. Natürlich Veranlagung. Uebung der Kräfte thun wohl das Meiste. Immerhin spielt sicherlich auch die" Nahrung bei der Ansammlung und Erhaltung der Körperstärke eine entscheidende Rolle. Und da ist denn die allgemein zugestandene Thatsache interessant, daß es keineswegs Fleischkost ist. die sich in erster Linie als Quelle ungewöbnlicher Körperkräfte bewährt hat. Die Frage, welche Nahrung die zwecktnäßigste und gesündeste ist, sei sicher noch lange nicht entschieden, und insbesondere der Vegetarianismus hat noch durchaus nicht alle Einwände aus dem Wege geräumt. Der eine Vorwurf aber, daß die Pflanzenkost 'eine Körperkräfte gebe, ist jcdentallS unbegründet. Die römischen Legionssoltaten, welche überall im Nciche ricsenhasie Arbeiten ausführten und eine so stirere Ausrüstung trugen, daß die kräftigsten unserer heutigen Feldarbeiter davon erdrückt werden würden, näkrten sich vonSÄwarzbrot und herbem Wein: Ihre Lebensweise war die denkbar einfachste, und sie trieben regelmäßige Leibesübungen. Der spanische Bauer arbeitet den ganzen Tag, tanzt die halbe Nacht und ißt doch weiter nichts als schwarzes Brot, ein paar Zwiebeln und eine Wassermelone. Die Lastträger in Smyrna genießen weiter nichts als einige Früchte und ein paar Oliven. Dennoch tragen sie leicht und fröhlich di, schwersten Lasten. Der chinesische ckuli ißt nur 3teis und kann viel mehr Strapazen ertragen, als jener Neger, welcher Fleisch ißt. Diejenigen Neger, welche kein Fleisch essen, wie die Ktu. Neger, sind durch athletischen orpebau und große Stärke ausgezeichnet. Fügen wir hinzu, daß die Trappisicn, welche sich die mühseligsten Arbeiten erwählen und keine einzige Nacht ununtcrbrachen schlafen, sich nur von Brot und in Wasser gekochten Gemüsen ernähren und an vielen Tagen sogar vollständig fasten. Jbre Langlebigkeit ist sprichwörtlich. Die großen Arbeiten auf unserem Erdball werden nur von solchen ausgeführt, welche die einfachste und mäßigste Kost haben. Professor I)r. meä. Bälz sprach sich auf dem Anthropologen - Eongresse in Karlsruhe folgendermaßen aus: Das niedere Volk bei den Japanesen, das stark arbeitet, ist weit großer und kräftigcr gebaut ; es genießt weitaus überwiegend Pflanzenkost. Nach meiner Erfahrung ist diese Kost für jede ksrxerliche Bewegung ausreichend, vorausgcsetzt, daß starke Bewegung gemacht wird. Die vornehmen Leute essen weit mehr Fische nnd Fleisch nebst Eiern als die niederen Stände, welche eine bisher in Europa als schlecht" bezeichnete Nahrung haben, aus überwiegend Reis und Gerste, und doch sind die Letzteren sehr kräftig, wie z. B. die Wagenziehcr, deren Leistungen in Europa fehr oft geschildert sind. Ich fand selbst aus eigener Erfahrung, daß, wenn ich im Innern des japancsischenLandes nichts anderes zu essen hatte, als die japanesische Nahrung, ich unmittelbar, nachdem ich mich mit Neis gesättigt hatte, ohne Müdigkeit im Stande war, einen Marsch anzutreten, wenn ich abcreine regelrechte europäische Mahlzeit mit viel Fleisch eingenommen hatte, sich das Bedürfniß nach Ruhe einstellte. Jeder, der Japan kennt, weiß, wie erstaunlich die erwähnten Wagenziehe? laufen können, wie es für eine mäßige Leistung gilt, einer: erwachsenen Menschen bei einer Hitze von 3 35 Grad im Schatten, auf sonniger Straße, in einem Tage 0, 70 und mehr Kilometer zu ziehen. Diese Leute kommen, nachdem sie zwölf bis vierzehn Kilometer, ohne aus dem Trabe zu kommen, gelaufen sind, an die Station, gießen sich einen Eimer kalten Wassers an den Körper, schlürfen rasch ihre ReisMahlzeit in sich hinein und ehe sie noch den Mund leer haben, sind sie bereit zum Weiterlaufen. 1 Ich glaube, daß sie das bei Fleischnahrung nicht thun könnten!" Unsere größte Autorität auf dem Gebiete der Ernährungsphysiologie, Prof. o. Voit in München, sagt: Die Pythagoräer nahmen nur Pflanzen auf, besonders aber waren schon längst ganze große Völker Vegetarier und sind es zum Theil noch, nicht nur im fernen Asien, wie die Chinesen, Japanesen, Siamesen, sondern auch in unserer nächsten Nähe. Die kräftigen Bauern in Südbaiern, in Oberbaicrn und in Schwaben haben bis vor einigen Jahrzehnten Jahrhunderte hindurch fast ausschließlich NahrungsMittel aus dem Pflanzenreiche verzehrt, vorzüglich aus Mehl bereitete Gebäcke, (Nudeln, Knödeln, Spätzeln u. f. w.), höchstens haben sie etwas Milch unö deren Producte dazugenommen ; und noch heutzutage kann man vielfach in jenen Gegenden das Gleiche finden, wo Fleifch nur an hohen Feiertagen in den Topf kommt; die Holzarbeiter im Gebirge, welche zur Winterszeit die angestrengteste Arbeit, die einem Menschen auferlegt werden kann, verrichten, nehmen am Beginn der Woche nur Mehl oder Brot und Schmalz in die Berge mit." Die Münchener neu eingerichtete und vereinfachte Bühne macht Schule: in Nörten hat man 'mit dem Ausstattungslurus auf der Bühne gründlich aufgeräumt. Ein von dorr dem Göttinger Tageblatt zugehender Be. richtübcr Prez,osa" sagt unter Anderm: D Direktion huldigt ganz modernen Ideen: sie hat sich entschlössen, alles Ueberflüssige an Kulissen u. s. .. ebenso an Beleuchtungscffekten fortzulassen und dafür nur einen Tisch mit zwei reizeud daran grnppirten Stühlen hinzusetzen und das Ganze in ein mollig dämmriges Dunkel, ,vetches von mel Petroleumlampen pietätvoll erzeugt wird, einzuhüllen." Begründet. Vater: lörrweshalb wollen Sie gerade meine jüngere Tochter und nicht die ältere?" Freier: .Weil ich glaube, daß die ältere für meine zukünftige Familie eine bessere Tante abgeben wird." . Seine Erwiederung. A.: Mein Herr, Sie beleidigen mich. wissen Sie, mein Haupt ist in Ehrenerraut! V. (ruhig) : Und rnems in Schwarzenbach an der Saale.