Indiana Tribüne, Volume 13, Number 32, Indianapolis, Marion County, 20 October 1889 — Page 7

LM Dic Hängelampe. TsiW. dSn Bonln. Martha hatte noch gar nicht Zelt gefunden, sich ibrer HochzeitsFschenke zu freuen. Nur ' flüchtig, nur wie im Traume hatte sie alle die hübschen Dinge gesehen, welche Freunde und Verwandte ihr darbrachten. Sie vergaß die Hoche!tSgeschcnke, über der Hochzeit, über dem großen, Prachtigen Geschenk, welches ihr der gütige Himmel machte, den schmucken, braven Bräutigam. Wunderbar" erschien ihr dies Glück und wie ein Wunder" war es ihr gekommen. Auf einer Sängerfahrt, an welcher sie' mit ihren Brüdern theilnahm, hatte sie ihn gesehen und unter all' den jugendlichen Sängern nur ihn. Und bevor einige Wochen in's Land gegangen, war sie seine Braut, nun seine Frau. Ach, es war so schon, unfaßbar schön! Aber, nun die Hochzeitsreise mit ihrem Wonnerausch vorüber, uun Martha sich darüber klar geworden, ihr Glück sei wirklich, sei kein Traum unter den Hunderten, die jenes Fest besuchten, hatte, wie durch geheimnißoolle Magie, sie wirklich ihn" für immer gefunden nun packte sie denn doch ihre Hochnitsaeschenke aus und freute sich auch darüber. Ja, sie be-! . ; t t r i i rnctiic sogar, oazz vie Woynung ein wenig zu klein war. Erich hatte sie schon als Junggeselle bewohnt ; nun sollte sie mit den Errungenschaften der jungen Häuslichkeit geschmückt werden. Die drei Bierservice erhielten eine decorative Verwendung auf dem Bufset ; auch die vier Lampen diese starken Wiederholungen waren ärgerlich brauchte man nicht zur Erleuchtung der kleinen Wohnung. Eine sehr hübsche Hängelamj?e in Bronze war darunter und Martha' wünschte diese zu verwenden, über den Eßtisch zu hängen. Aber da hängt ja Zchon eine, liebes Kind," bemerkte Erich. Ein geschmackloses Ding ganz billige Waare," meinte Martha; nimm mir's nicht übel. Liebster, doch nicht von Deiner Wahl?" 1 Nein, ein Geschenk", erwiderte Erich. Du hast auch nicht unrecht ; dieser bläuliche Porzcüanknollen ist nicht schon. Dennoch möchte ich die Lampe behalten." Ei, warum denn!? DaS heißt, be halte sie wir verwahren sie irgendwo auf dem Boden." So meinte ichs nicht, liebe Martha. Jch bin an die Lampe gewöhnt, möchte sie da sehen, wo sie hangt." Aber Erich, so sieh doch nur, wie viel hübscher die von Tante Marie ist ! Du wirst Dich rajch an die bessere Lampe geroöhnm." Es ist wahr dennoch sieh ich bitte Dich ; . . . . " Genug, Erich blieb ! bei fernem Verlangen. Martha wurde jetzt ärgerlich, mißtrauisch. Sie waren im besten Zuge, sich zu zanken, zum ersten Male. I"" ' tlL'lfJ&WBI HP MH Wenn Du schon auf Deinem Willen beharrst", entschied Martha, so mochte ich doch den Grund hiersür wissen. Was hast Du an der ordinären Lampe? Sprich j ooch mcht von Gewohnhett, Du hast Dich an manches Neue gewöhnt zum Beispiel an mich !" Die alte Lampe ist mir nun einmal 1 lieb und ich dächte " Gut, die Lampe bleibt hangen. Aber I Du wirst ukir doch vielleicht sagen, wer Dir sie geschenkt hat." Frau Witte, bei der ich als Chambregarnist wohnte." Die alte Witte, die mit dem schlechten Kaffee und dem unausstehlichen Mopse, der Dir immer zwischen die Beine fuhr? i Höre, Erich, du haltst mich zum Besten! Es muß noch irgend eine Vewandtniß mit der Lampe haben." DaS ist auch der Fall ; aber die Geschichte ist zu harmlos, zu unbedeutend, ird Dir so wenig gefallen, Martha. Du wirst dannselbst entscheiden, ob die Lampe da hängen bleibt oder nicht. Aber lasse sie vorher anzünden." Du machst mich neugierig, Erich." Wahrlich kein Grund, wirst Dich überzeugen." Die Lampe brannte; das junge Paar saß nebeneinander, er mit verlegener Miene, sie unruhige Spannung in den Zügen. WaS ich Dir zu erzählen habe, ist wirklich gar keine Geschichte, auch kein Berwandtnitz, es ist nein, ich finde kein Wort dafür Nun, so sprich doch endlich!" Sei es denn. Also: Ich wohnte einige Jahre hindurch bei Frau Witte in einem möblirteu Zimmer, wie sie allents halben vermiethet werden. Kaum hätte ich auswendig zu sagen gewußt, roas darin stand, fo gleichgiltig war mir der Raum. Auch ärgerte ich mich täglich über den schlechten Morgenkaffee, den ich von meiner Wirthin erhielt, und über den kläffende Mops derselben, der mir noch immer zwischen die Beine fuhr. Aber an eine Veränderung dachte ich nicht, derlei war nicht nach meinem Gefchmack. So hatte sich immerhin eine Art von freundschaftlicher Beziehung zwischen mir und meiner Wirthinherausgebildet, welche darin gipfelte, daß wir einander zum Geburlstag befchenkten. Einmal überraschte mich Frau Witte mit einer Hängelampe .dieser hier! Es war mir anfangs ganz unbegreiflich, wie die Frau auf diesen Gedanken gekommen war nachher i'am ich dahinter. Sie hatte selbst zwei Lampen zum Geburtstag bekommen und eine davon verwendete sie sehr praktisch als Geschenk für mich. Was sollte ich mit dem Dinge beginnen? Frau Witte hatte die Lampe gleich an einen Haken gehängt, der zufällig im ' Plafond steckte, sonst hätte ich das Prä- , sent in einen Winkel gestellt. Als ich des Abends nach Hause kam, brannte die Hängelampe ; meine Wirthin hatte sic anaesteckt und jetzt gesiel mir das Geschenk! "Meine Stube war so freundlieh, so gastlich erleuchtet, während sie sonst beim Lichte Meiner Studirlampe im Wesentlichen dunkel geblieben war. Es war wirklich ganz hübsch so ! Ich rückte meinen Tisch in die Mitte des Zimmers unter die Lampe und das machte sich ganz gut so. Am folgenden Abend kamen zufällig zwei Freunde zu mir nd die neue Einrichtung erwies sich als rastisch. Man faß bequem an dem freistehendcn Tische und hatte reichliches Licht. Nur fehlte mlr derTisch an seinem Platze, aber ich konnte mir doch einen Neuen

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kaufen! DaS war elne Kleinigkeik. Ich kaufte mir wirklich einen Tisch, um ihn unker die Lampe zu stellen ; es war mein erstes eigenes Möbelstück. Und cS machte mir Freude warum sollte ich nicht etwas eigene Möbel haben? Ich besorgte mir eine hübsche Decke auf den Tisch und nun sah mein Zimmer wirklich mohnlich aus, es heimelte mich förmlich an. Vorher hatte ich nicht daran gedacht, daß man sich zuhause auch leidlich behnglich fühlen könne; nun fand ich daS Gast:, das Kaffeehaus bisweilen unbequem, ging lieber nachHaufe, lud mir auch ein oder daS andere Mal ein paar Freunde ein. Dabei stellte es sich jedoch herans, daß zu we,uig Stühle da waren. Dem war wohl abzuhelfen. Ich wollte welche kaufen und so schaffte ich zwei kleine Fantenilu an und auch einen Dioan dazu; plötzlich war ich auf den Gefchmack gekommen, ohne recht zu wissen wie. Die Wohnlichkeit meines Zimmers machte mir Freude und ich brachte immer mehr Zeit zuHaufe z. Doch machte sich in meine? Stube ein llebelstand geltend. Sie war zu klein für die neuen Möbel, vor Allem zn klein für den Tifch unter der Hängelampe. Da meine Wirthin eben ein anstoßendes Cabinet frei hatte, fo miethete ich dasselbe, um es zu meinem Schlafzimmer einzurichten. An Stelle des Bettes placirte ich einen Bücherschrank. Und nun war ich beinahe stolz auf meine Wohnung. Die Hängelampe brannte an jedem Abend und beleuchtete die kleine Herrlichkeit. Tagsüber war ich ja doch zumeist im Bureau ; nur Abends hatte ich Maße, um mich zuhause zu beschäftigen oder einen Freund zu empfangen, nnd das Geburtstagsgeschenk meiner Wirthin war mir unentbehrlich geworden. Es war ein Jahr nach jenem Geburtstage, als ich mir diese Wohnung, in die ich Dich heimgeführt habe, mietbete. Ich war inzwischen vorgerückt und hatte eine namhafte Gehaltsausbesserung erhalten. Der schlechte Morgenkaffee und der klafsende Mops der Frau Witte behagten mir nicht mehr, ich wollte von keiner Wirthin mehr abhängig sein und miethete mir eine eigene Wohnung, die ich von meinen Ersparnissen möblirte. Der Sinn für ein tranliches, hübfch eingerichtetes Heim war nun eiumal in mir erwacht. Ich hatte jetzt ein Schlaf-, ein Arbeits- und ein Empfangszimmer, das letztere, weil ich gerne Freunde bei mir sah. An dem Gasthausbesuch hatte ich fast allen Geschmack verloren. Zur Einweihung meines Salons" hatte ich mir einige College geladen, zu einer sclöstbereiteten Bowle. Wir was ren recht heiter, man brachte natürlich auch einige Trinksprüche aus. Da lic einer der Gäste meine Braut" leben! Ich sah sehr verblüfft darein. Meine Braut! Aber Kinder, was fällt Euch ein! So leugne doch nicht länger!" rief mau, Du willst Dich verhcirathen, wozu sonst die große Wohnung, die eigeneu Möbel!? Ich leugnete, aber man glaubte mir nicht, ich mußte eine Braut haben! Das Gespräch, die Neckereien machten mir eigenthümlich warm. Und als meine Freunde gegangen waren, kam mir meine Wohnung unheimlich verödet und still vor. Die Hängelampe brannte und zeigte mir, wie leer es in allen Ecken war. Das erleuchtete Zimmer schien auf Jemand zu warten. Mein Blick fiel auf den kleinen Divan, auf dem wir jetzt nicht selten zu Zweien plauderten. Wie von einem süßen Traum befangen stand ich da. Warum sollte ich nicht heirathen? Brachten es nicht fo viele Andere zu Stande ? Ich hatte mir diese Frage noch nicht ernstlich gestellt, weil ich noch nicht eigentlich geliebt hatte. Jetzt berückte diese süße Möglichkeit weinen Sinn : Wenn eine junge, reizende Frau hier walten würde, es wäre zu schön, zu schön! Und auf einmal war mir, als sähe ich auf dem kleinen Divan eine holde Gestalt sitzen, ganz deutlich sah ich sie im Scheine der Hangelampe, und diese Gestalt warst Du ! Ich hatte Dich kurz vorher bei dem Sängcrfesie gesehen!" O, sagte Martha enttäuscht, und Du hattest nicht gleich gefühlt, daß ich die Rechte" wäre?" Nein", gab er verlegen zu, erst zu Hause unter der Hängelampe wurde es mir klar. . O, diese dumme Hängelampe; Du brauchtest nur eigentlich eine Frau, weil Du schon eine Lampe und einige Möbel hattest." Liebe Martha, ich sinde, es ist die richtige Wunderlampe. Sie hat mich

von einem gemüthlichen Junggesellen, zum lugenoyaslen Hausmenjcyen gemacht und ss zu Deinem Gatten! Und darum ist mir die Lampe fo lieb!" Martha war sehr nachdenklich gemorden. Die Hängelampe, der Tisch, die Tischdecke, "die Fauteuils, zuletzt die Frau; man darf diese magische Kette nicht Zerreißen, sonst.. .." Ench lachte laut auf und sie konnte nun nicht umhin, auch zu lächeln. Nein, mein Schatz", rief er, sieh die Lampe nicht mit so abergläubischer Scheu an. Das Wunder ist vollbracht, ich habe Dich, und wenn Du willst, mag sie auf den Beden wanderu, die Lampe." Nein, nein!" rief Martha, sie mag uns leuchten. Zwar, das Wunder" . sieht ein bischen alltäglich aus, aber ich glaube daran. ' Und ich will mir Mühe geben, daß die magische Lampe niemals erlösche, daß sie immer unser Glück bescheine." Als ein Nemento hält die Deutsche Momanztq." unseren vielen. vielen Schriftstellerittnen ein schönes und wenig bekanntes Wort dew geistreichen Tochter des Popularphilofophew Moses Mendelssohn, der Gattin Friedrich von vchlegelS vor. toie wohnte . damals in Rom und bildete , mit ihrem Gatten den Mittelpunkt der deutsche Schongeister. Einst machte ihr einer dieser Herren einen Besuch und fand sie ? mit häuslichen Arbeiten beschäftigt. Er gerieth vor Erstaunen ganz außer sich und rief mit Emphase: Aber Madame, wie ist es j möglich, daß Sie sich mit einer so profalschen Sache beschäftigen können, was rum jchrelbcn 'sre nicht jn Köxt sah sich den Frager verwundert an, dann sagte sie: Ich habe schort oft gekört, daß zu viel Bücher in der Welt sind, aber noch nie, daß es zu viel Hemden giebt!"

Jennys Beichte. Der Privatdocent Dr. Mar F. in Qerlin stand in seinem Studierzimmer und machte sich zum Ausgehen fertig. Er war ein ser gelehrter, sehr hübscher, sehr kurzsichtiger und liebebedürstlgcr junger Herr. Die letztere Eigenschaft hatte ihn mit vorläufiger Hintansetzung der landesüblichen heirathsfähigen Töchter in das Haus eines Mannes geführt, dessen junger und schöner Frau er seine Huldigungen zu Füßen legte. Nach sechsmonatlicher Bekanntschaft dünkte ihm das Parket in der ... .Straße, zu welchem er täglich seine Schritte lenkte, interessanter, als alle wissenschaftlichen Brochüren der Welt zusammcngcnommen. Im Laufe des Sommers brachte das Schicksal diesem .Glück kurze Unterbrechung, die Angebetete reiste rn'S Bad. Für gleichgestimmte Seelen indessen gibt es keine Trennung, die Feder huscht über das Papier, und die Post vollendet, was die Sehnsucht begann. Auch heute hatte Dr. Mar eine vier Seiten lange Epistel zu Stande gebracht, welcher er, aus Furcht, noch nicht deutlichgenug c;eworden zu sein, vier weitere Seiten hrnzuzufügen beabsichtigte. Aber es kam ihm eine Abhaltung dazwischen, und er steckte den unvollendeten Brief, als er ausgehen wollte, der Sicherheit wegen, in seine Tasche. Der junge Gelehrte streicht gewohnheitsmäßig vor dem Spiegel den schwarzen Vollbart, fann verlaßt er da? Zimmer. Nachdem er bei Professor F., wie er beabsichtigte, vorgesprochen und diesen alten Herrn in einer Universitätsangclegenheit um Aufschluß gebeten hat, streift er ziellos durch die Straßen. Der Abend ist prachtvoll, dr Mond sendet sein nebelhaftes Licht hernieder. Mar F. schreitet träumend weiter. Hente ist bereits der zehnte August, in drei bis vier Tagen wollte die Geliebte zurück fein und er malte sich mit feurigen Farben das Wiedersehen aus. Unter solchen In

rischen Betrachtungen ist er ganz nahe in eine gewisse Straße, an ein gewisses Haus aelangt. Er w$ gerade, lächelnd über die Unfreiheit des Willens", seinen Schritt zurückwenden, als ihm auf dem Trottoir eine weibliche Gestalt entgegen? kommt. Dieses baretsörmige weiße Sporthütchen mit dichtem weißen Schleier, dieser helle, lange Sommermautcl, diese graziöse Art sich zn dcwcgen, das giot's nicht zum zweiten Mal das Weib seines Herzens kehrte früher heim, jetzt ist sie nur noch zwei Schritte entfernt. In diesem Augenblick sieht er, wie sich jene bekannte Hausthür össnet und eine Männcrgestalt hervortritt. Für eine so kurze Entfernung reicht fein Pincenez aus, es ist der Gatte in höchsteigener Person. Blitzschnell saßt Dr. Mar in die Tasche, zieht den unvollendten Brief hervor und drückt ihn der Be wußten, die soeben dicht heranfchreitet, gleichsam als WillkommenSgruß heimlich in die Hand. Dann geht er gemächlich weiter, als hatte er die Dame gar nicht bemerkt. Sein belastetes Gewissen hat ihm dieses Manöver eingegeben, um auf den Gatten, der noch immer vor der Hausthür steht.einen möglichst harmlosen Eindruck hervorzurufen. Eine Dame, die man nicht erkennt, für die intcrcssirt man sich auch nicht. Punktum! Als d" Dozent an der Hausthür angelangr ist, bemerkt er zu seinem Erstaunen, dav cr sich getäuscht hat, es ist gar nicht der Gemahl, der sich dort die Handschuhe, anzieht, es ist ein Miether des dritten Stocks. An der nächsten Straßenecke, wohin er gegangen ist, um nicht ausfällig zu erscheinen, kehrt der Doktor um und geht den ganzen Weg zurück, vonihr" keine Spur, die Erde muß sie verschluckt haben!" Aeroberlich über solches Pech wandelt er schließlich nach Hause nnd beschließt die theueren Schriftzüae abzuwarten, die ihn morgen zu einem traulichen Beisammensein Herheirufen werden. Als Frau Bankier H. sich mit ihrem Manne auf der Ztückreise von Norderney befand, waren die Gedanken, denen sie in dem elegauteu Kupee nachhing, keine angenehmen. Schon ehe sie Berlin verließ, hatte sie gegründete Ursache, mit ihrem Hausmädchen unzufrieden zu sein. Es w .ren mehrere Unregelmäßigkeiten vorgekommen, welche den Entschluß in ihr befestigten, der Dame am 15. August zu kündigen. Somit trat an sie die Sorge eines .Ersatzes heran und der Zweifkl oY das Neue weniger Fehler haben rvüroe, als das Alte. Unter folchen unerquicklichen Betrachtungen fuhr Frau H. in die Residenz ein. Am nachsteu Vormittag es war der fünfzehnte, nachdem die nothwendigsten Neijereminiscenzen iu die Schränke plazirt waren, schloß Frau H. ihren Schreibtisch aus und entnahmdemselben ein kleines Buch. Jenny erschien. Hier," sagte die Gnädige, ist Ihr Buch. Sie können sich für den ersten Oktober einen anderen Dienst suchen?" Das Mädchen verzog keine Miene und streckte keine Hand aus, um das Dargereichte entgegenzunehmen . Sratt dessen trat Jennr zwei Schritte vor inib sagte mit einem rührenden, einschmeichelnden Ton: O, meine gnädige F,an, bevor 'S!t,mich"so rt schiäm, möchte ich Ihnen eine Beichte ablegen. Ja, ich .fühle es, ich tauge nicht allzu viel. Auch Si?, gnädigste Frau, sind immer recht unzufrieden mit mir gewesen. 1 Aber . das fchummste, was tch gethan habe, das wissen Sie nicht. Vor einigen Tagen, die gnädige Frau waren noch im Bade, da hatte mich m:ir Vetter, der Sergeant zum Ausgehen eingeladen. Um inich nun recht hübsch und feilt zu machen, habe ich mich nicht gescheut den Muht l Ul.d das weiße rctt der i'i f."' i 'i'lto1' ! 's' ' ' pt " ""' 'li'1 '''''!Vj rfNt gnadrgcu Frau zu HenItzeu?.chD Dame cnlsncr in Ausruf de? U nwi lleu s l in c tl i t 0 c ii6 i es, gnädige Frau, ich d in alei ch zu Ende. : Mit diesem Man tel und diesem Barett betrat ich die. Straße, und hier jteckte mir ein junger Herr, der mir bekannt vorkam", hier räusperte , sich Jenny einen osfenen Brief in die Hand, aus dem ich nicht klug geworden vin. Vielleicht gelingt es der' anädiqen Frau besser. Der Schluß läutet" Jenny holte ein Blatt hervor und las Wie grausam die Trennung ist! Wann endlich, Geliebte .Halt" erklingt in diesem Moment Madames Stimme, geben Sie mir den Brief, das ist drollig, das scheint ein Lleoesbries zn sein. Ich werde ihn ge

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legentlich selbst lesen. Und wa5 Sk selbst betrifft, mexn Kind, so haben , Sie durch Ihre offenherzige Beichte bewiesen, daß Sie bereuen. Neue aber istder Anfang zur Besserung. A!ogen Sie fernerhin in meinem Haufe bleiben!" Jenny erwiderte nichts, sie machte einen tiefen Knir und ging. An der Thür wendete sie sich noch einm' l um und begegnete den Augen der Gebieterin. Die zwei Frauen hatten sich verstanden. Dietrich von Quilzow. Vor einigen Tagen wurde, wie bis .Nordd. AUg. Zrg.' mittheilt, in Fehr, bellin eine alte Handschrift aufgefunden, die Aufschluß giebt über einen Sufam: menftoß Dietrichs von Quitzow mitbran, denburgijchen Neitern im Dorfe Dechtow, als Ersterer sich auf der Flucht von der Burg Friefack nach Pommern befand. Genannter Handschrift zufolge war es Dietrich mit acht seiner Leute gelungen, am Abend des 10. Februar 1414 bei einem Ausfall sich durchzuschlagen und unbemerkt zu entkommen. Sie ritten durch das festgefrorene Luch, den Zootzen, dann wieder aus Wiesengrund und sahen gegen elf Uhr nach Osten zu Licht schiiw mern, das vom Dorfe Dechtow hez blinkte. Vor dem Eingange des Dorfes hielten die Flüchtlinge an, und Dietrich fragte seine Reiter, ob man im Orte nicht ein wenig rasten wolle, denn habe großen Durst und ihnen und den Pserden werde wohl auch an einem Trun! etwas gelegen fein. Darauf gebot er, daß aber Niemand in den Krug gehen solle, um nicht erkannt zu werden, bei Krüger müßte Vier und Wasser herausbringen. Als die Reiter vor dem Gast, Hause hielten, rief man nach dem Wirth: dieser kam und hatte einen Knecht bei sich. Nachdem ihm Auftrag geworden, ging er mit seinem Begleiter wieder in'j Haus, das Verlangte zu holen. Bald kamen sie mit Bier und Wasser vor di Thür, aber mit ihnen zugleich ein Mann, der im Harnisch war. Der Mann fragte, ob die Reiter in's Lager vor Friejacl wollten, worauf Dietrich mit: Nein! antwortete. Jetzt kam aus dem Krug eine Perfon mit einem brennenden Kiehn, span und beleuchtete die abgesessenen Neiter. Der im Harnisch sah sie scharf an und trat in's Haus zurück, worauf es in kurzer Entfernung lebendig wurde; Huf: tritte waren hörbar und schienen sich zu nähern. Schnell saßen die Reiter auf, wurden aber gleich darauf gewahr, daß sie umzingelt feien. Hierauf wurde ihnen zugerufen, sich zu ergeben, weil sie als Anhänger Quitzows : erkannt wären. Wüthend darüber schrie Dietrich : '. Wer wagt es, uns anzufallen?" worauf ge, antwortet wurde: Wir sind Branden burger und wollen in's Lager von Frie sack ergebt Euch oder wir rennen Euch nieder!" Dietrich von Quitzow ergikbt sich nicht so schnell," rief dieser, heran, meine Leute, daß wir den Vrandcubur gern zeigen, wie man zu mir spricht l Schnell wichen die Brandenburger einial chrltte zurück, als, sie horten, wen in j vor sich hatten. Doch bald ftanden yu wieder da und wehrten sich gegen die wuchtigen Schwerthiebe der Rebellen. Die Kampfcsscene war in der Dunkel, heit durch den Kiehnbrand nur schlecht beleuchtet, kaum konnten sich Freund und Feind unterscheiden. Deshalb gebot Dietrich einem seiner Leute, das Haus anzuzünden. Der schlug sich bis zum Kruge durch, riß dem dort stehenden Mann die Kichnfackcl aus der Hand und hielt sie an's Strohdach, das schnell in Flammen stand. Nach kaum zwei Minuten brannte daS Dach zu beiden Seiten ; der Feuerruf hallte durch's Dorf, die Sturmglocke ertönte vom kleinen Kirchthurme her. Die Bewohner rannten in Bestürzung nach den Löschgeräthen und räumten ihre Häuser aus, das Gefecht dauerte unterdessen vor dem brennenden Kruggebäude fort, eine Menge Reiter lag bereils todt oder schwer verwundet am BodtN. Die Kämpfenden konnten bei dem Brande ihre Gegner gut untnscheiden. Als Dietrich von Quitzow nun sah, daß ihm die Brandenburger an Zahl bedeutend überlegen waren und er diesmal auf keinen Sieg hoffen konnte, rief er seinen Leuten zu, sich zu retten. Mit der ihm eigenen ungestümen Heftigkeit stürzte er sich auf seine Feinde, schlug sich durch und fprengte die nach Norden führende Dorfstraße entlang, die von den Flammen grell beleuchtet war. Mehrere brandenburgische Reiter verfolgten ihn, konnten ihn aber nicht einholen, weil sein Rapphengst sich den Rossen seiner Feinde an Schnelligkeit weit überlegen zeigte. Wo sich die Dorfstraße nach Earwesee, Fehrbellin, Hackenbera und Linum theilt, bog er nach Osten ein, ritt noch eine Strecke und machte dann Halt. Das Feuer hatte unterdessen mehrere Gehoste ergriffen und flackerte hoch auf in der windstillen Nacht. Dietrich von Quitzow hielt da draußen vor dem Dorfe und wartete, ob vielleicht einige der Seinigen ihm folgen würden. Als aber Niemand erschien, weil Alle entweder todt oder gefangen waren, gab er nach etwa einer Stunde Wartens die Hoffnung auf, einen seiner Mannen wiederzusehen. Dann ritt er in den Wald hinein, der hinter Dechtow begann, verfolgte den Weg nach Linum, lenkte sein Pferd südlich um das Dorf herum, ritt nach Eremmen, mied auch diesen Ort und wandte sich derVötzower Forst zu. Früh am Morgen langte er vor Aötzow an, wo Werner v. Holzendorf den vom Kaiser Slgismund geächteten Freund gern aufnahm und nach Verlauf zweier Wochen nach Pommern entfliehen ließ ch d c m Ausmarsch des österreichischen 35. Jnfanterie-Regiments aus Pilsen haben, wie dortige Blätter meldenrHt,wefl als 150 Dienst Mädchen in der Stadt den Dienst aufgekündigt und sind nach Prag gezogen, um hier in der neuen Garnisonsstadt des vielgeliebten Truppentheils neue Stellungen zu suchen. , Penfionshaberin (zum Metzger) : Ion morgen an bringen Sie vier Psund Rind fleisch weniger." .Haben Sie ein paar. Kostgänger verwen?" Das nicht,; aber es haben sich paar verliebt, . . Ernst in kleinen Dingen ist lacherlich, Scherz in großen ver achtlich.

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UrknndnfSlsehttg unv grapyle. Photo, ES ist bekanntlich eine höchst peinlichi Situation für den Untersuchungsrichter, wenn bei Namensfälschungen die Aussagm des Klägers und Verklagten sich diametral gegenüberstehen und beide Parteien die Aussagen eidlich erhärten. Bis vor kurzer Zeit bedürfte es dann einer äußerst langwierigen und doch nie ;anz zuverlässigen, chemischen UnterBuchung der Tinten, woraus man dann aus einer Verschiedenartigkeit derselben in ihrer Zusammensetzung auf eine Falschung der Unterschrift schließen zu kön: nen glaubte. Es ist wohl das interessanteste Resultat der jüngst geschlossenen Berliner photographischen Ausstellung, daß man mit Hilfe emes einfachen Photos graphischen Verfahrens die Urkundensälschung nachweifen und, was wichtiger ist, ohne Mikroskop und chemische Analusen den Geschworenen ad veulos demonstriren kann. Am Ansang dieses Jahres ereignete sich beispielsweise folgender Vorfall: Zwei Brüder, die sich eben nicht gut vertragen konnten, machten ein Geldgeschäft, fo daß der Eine dem Andern 200 M. baar vorschoß. Da dieser nicht zurückzahlte, so wandte der Gläubiger sich an das Gericht unter Vorlegung des Schuldtitels, der allerdings die Quittung des Schuldners, aber auch einen Vermerk trug, laut welchem der Schuldner miethsfrei bis zur Äbtragnng der Schuld in dem Hause des Bruders wohnen bleiben könne. Der Gläubiger bestritt, diesen Zusatz gebilligt zu haben, da aber die Schriften des Nachsatzes und der Quittung gleich, auch die Tinte dieselbe war, so mußte das Verfahren, wobei Schmurund Schwur sich gegenüberstand, eingestellt werhen. Da drang ein Berliner gerichtlicher Chemiker auf Wiederaufnähme deö Prozesses, und er photographirte den ganzen Schuldtitel aus einer farbenempsindlichen Platte ab. Dann brachte er die Platte in einen photographischen Vergroßerungsapparat und reprodueirte das Bild des Schuldtitels in zehnfacher linearer Größe, wel: ches Bild er den Geschworenen vorlegte. Es lieferte ein wunderbares Resultat: Der Schuldtitel . bis auf den Nachsatz zeigte dieselbe Farbe der Tinte, nur bemerkte man, daß der Nachsatz viel schwä chere, hellblaue Farbe gehabt hatte, weil er später geschrieben und dann nachträglich, um den Tinienunterschied zu vertu: schen, nochmals nachgezogen worden war. So geschickt der Fälscher zu Werke gegangen, hatte er doch'nicht immer dieselben Striche getroffen und ganz deut lich bei den 'meisten Worten vorbeigkzgl gen, daher war der Nachsatz ans blassen und starken Tinten zusammengesetzt, wahrend der sonstige Titel eine gleichmäßige Farbe hatte'. Damit war die Schuld des einen Theils bewiesen. . Es bedeutet dies einen ganz gewaltigen Fortschritt in dem gerichtlichen Verfahren, und Wechselfäschungen, wie das Aendern des Fäld . , . e . r r ! . llglettsrages, stno mit A:etchttgtctt zu emdecken. So war, wie ein anderer letzthin mit diesem Verfahren untersuchter Fall beweist, auf einem Wechsel der Name des Acceptanten Schulze, sehr kunstvoll in Franke verzeichnet. Beider photographischen Reproduction zeigten sich sofort zwei Namen, ein dunkler Name Schulze und ein ganz Heller Name Franke darüber, der erstere hatte also früher dagestanden. Auf dem Original, welches zur Ausstellung gelangte, war diefe Fälschung ganz unkennbar. Die LeidettsgesÄlchte eines Hutes. Die Zwischenakte der jüngsten Ausführung von ,,Maria und MaZdalena- im Deutschen Volkstheater in Wien wurden durch einen interessanten Zwischenfall ausgefüllt, der sich ungefähr in folgender Weife abspielte: I.Scene: VorBeginn des ersten Aktes erscheint eine Dame und nimmt auf einem Orchestersitze Platz. Da entdeckt der Billeteur, daß sie ihren Hut aufbehalten hat. Es ist zwar nur ein kleiner Hut, in seinem Umfange durchaus bescheiden und kaum geeignet, den rückwärts Sitzenden die Aussicht auf die Bühne zu vernehmen; allein der Billeteur hält sich an die Vorschrift und ersucht die Dame, den Hut abzunehmen. Dieses Ersuchen bleibt indeß vollständig unberücksichtigt. 2. Scene: Nachdem ersten Akte intervenirt der pflichtgetreue Billeteur bei der Dame wieder, nunmehr aber energisch, zumal unmittelbar hinter ihr ein Polizeirath sitzt, also ein Organ des Gesetzes. Die Dame verhält 'sich abermals ablehnend, worauf der zur Inspektion anwesende Polizei - Commissär von dem Vorfalle verständigt wird. 3. Scene: Der zweite Akt hat begonnen und, um uicht Aufsehen zu erregen, wird die Amtshandlung verschoben. Kaum fällt aber der Vorhang, fo wird die Dame erfucht, ihren Platz zu verlassen, da der Polizei-Eommissär mit ihr zu sprechen wünsche. Die Dame kommt herbei und nun fordert sie der Vertreter der Behörde auf, den Hut, wie es die polizeilich genehmigte Anordnung heischt, abzulegen. Die Dame erklärt, sie könne dies nicht thun, denn sie habe ein Kopfleiden und müsse den Hut aufbehalten, weshalb sie auch eine solche Hutform gewählt habe; welche die rückwärts plac'ir ten Znsiauer nicht geniere. 4. Scene: Der Polizei-Eommissär läßt schleunigst den Theaterarzt holen, damit dieser nn Jnspektionszimmer den Kopf der Dame bestätige, um zu eruiren, ob ihre Angabe richtig sei oder nicht. 6. Scene: Die Untersuchung hat stattgefunden, der Zwischenakt ist "vorüber und die Dame hat gerade noch Zeit genug, um auf ihren Platz zu eilen, ehe der vierte -der letzte Akt beginnt. Auf ihrem Kopse prangt wieder der ominöse Hut und nun wurde Maria und Magdalena" ohne weiteren Zwifchenfall im Zufchauerraum glücklich zu Ende gespielt. i ii i -fc i ii E ine herrliche Geg end. Fremder: Sagen Sie mal, hier bei Ihnen sollen ja wohl die Menschen weit über hundert Jahre alt werden? Ist das wirklich so?" Allerdings. Sehen Sie mal dort z. B. das alte Mütterchen an, die ist weit über 100 Jahre alt und hat erst kürzlich gcheirathet. Mit 70 Jahren soll sie noch der reinste Aacksisch 5ewesen sein.", . , ,

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DaS Erkennungszeichen. Eine Anzahl Wiener Vergnügung?, zügler, welche Heuer auf die übliche Gebirgstonr verzichtet hatten, um den Eiffelthurm zu bewundern, unternahmen kurz lich von Paris aus einen Abstecher nach Trouville. Die Herren waren bei treff lichcr Laune, die Luft und das Leben des eleganten Seebades wirkten mächtig auf sie aber Eines fehlte ihnen, was ihnen den Aufenthalt verherrlichen sollte, und das empfanden sie, umgeben von dem rauschenden Frou-Frou pikanter Französinnen, umso härter: das Ewig-Weib-liche. In diesem Wirbel von Schleppen, förmlich umflossen von Wolken aus Seide und Sammt, umströmt von Blu, men und Parfum, sehnten sie sich nach dem Anblick einer reschen" Wienerin, deren Anblick und Liebenswürdigkeit dieses gesammten Arsenals weiblicher Ver-. schönerungsmittcl, das sich in dem Kos: fer einer jeden reisenden Französin be findet, entrathen kann. . . . Da stürzte Einer derJhren eines Mit, tags an die tägliche Tafelrunde des HotelS, in welchem sie wohnten, mit dez Miene eines Triumphators, in der Rechten eine Dcpefche schwingend. Edmund L., ein junger Wiener Lebemann, der glückliche Adressat die Drahtnachricht, di, aus Paris kam, las mit lauter Stimme den Inhalt desselben vor: Monsiem Edmund L., Paris. Wenn Sie in dei That jener Herr L. sind, den ich vor vin Jahren - auf dem Semmering kennen lernte, fo telezraphiren Sie Ostbahnhoj durean restand. Sind Sie denn nicht todt? Emma G." Homerisches Geläch, ter der Tafelrunde. Edmund L. todt? Der dicke Edmund mit den feisten Vak? ken, der vor Ueppigkeit strotzte! Ja, wi kommt es denn so frugen ihn di Freunde daß sie Dich für todt hält? Wer ist sie! Ist sie schön? Was treibt s in Paris ? Wieso erfuhr Sie von Deinei Anwesenheit in Trouville? Edmund war schlau genug, die Neugierde seiner Freunde entsprechend auszubeuten. Wenn sie Alles wissen wollen erklärte er ihnen so mögen sie ihm 50 Frs. für ein Auftragetelegramm nach Paris und bezahlte Nückautwort geben,. dann würde in längstens drei Stunden ihre Neugierde befriedigt fein. Nafch wurde der ge wünschte Betrag im Wege einer Sammlung aufgebracht und Edmund telegraphirte an Emma G., Paris, Ost bahnhof restante : Was fällt Ihnen ein, mich todt sein zu lassen! Bin frifch und munter! Freue mich, Sie so nahe zu wissen. Lieben Sie mich noch? Darf ich aus den Flügeln des nächsten Kourierzuges n Ihnen eilen? A propos, wieso wußten Sie von meiner Anwesenheit hier und sind Sie noch immer so schön. so mudelsauber, dieses Wtfrt dürfte von dem französischen Telegraphisten vielleicht verstümmelt worden sein) wie dazumal? Drahtantwort bezahlt. Tausend Grüne, Edmund." Nach drei Stunden kam richtig die Antwort. Sie lautete: Vermuthlich, um Sie aus meinem Herzen zu verdrängen, sandte man mir vor drei Jahren die Nachricht von Ihrem Tode. Daß ich Sir noch liebte, mußten Sie ja aus meiner ersten telegraphischen Anfrage entnehmen. Las Ihren Namen in der Fremdcnliste, die ich aus Langweile studirtc. Kommen Sie, zerstreuen Sie mich. Schmeichle mir, die fescheste Französin noch zu verdunkeln. Porträt brieflich abgesandt. Emma Edmund war überglücklich, und als am nächsten Morgen die Post das Porträt Emmas brachte, bersteten feine Reisegcnosser schier vor 'Neid. In der That, Fräulein Emma eine fchlanke, blonde Wienerin, die nach dem Tode ihrer Mutter, einer wohlhabenden Hausbentzerin in Margarthen, mit ihre: Schwester nachParis übersiedelt war konnte es an Schönheit und Anmuth mit den Veautes von Trouville aufnehmen. Edmund beeilte sich, seine Freunde abzuschütteln und nach Paris zurückzureisen. Noch eine Depesche sandte er an Emma: Ich komme heute Abends mit Erpreßzug: Wo finden wir uns ?" Antwort: Ich erwarte Sie auf dem Bahnhof. Als Erkennungszeichen stecken Sie eine rosafarbene Karte in Ihr Hutbgnd. Emma." Armer Edmund! Er ließ diefe Depefche einen Augenblick lang auf dem Schreibtisch seines Hotelzimmers liegen und das war sein Verhängniß .... Als selbigen Abends der Erpreßzug aus Trouville iu den Pariser Bahnhof einfuhr, entstiegenden verschiedenen CoupöS achtzehn Herren, welche rosafarbene Karten auf ihren Hüten stecken hatten! .... Emma G. erblaßte, als dieser schauerliche Zug an ihr vorüberkam. Es wurde ihr zuerst rosa, dann grün und gelb vor den schönen Augen, sie stürzt davon und versü)wand im Gedränge, ehe Eduard sie einzuholen vermochte .... Der Traum von Trouville war zu Ende. A e n 1 1 ste Entsagung. Lernen soll ich ertragen, entsagen? Wohl! so lehrt mich zuerst zu ertragen, Wie d e r E n t s a g u n g sei zu tnU sagen! Die Leichen beschauen Juries in England werden durch manch Selbstmörder in Verlegenheit gesetzt. Gewöhnlich lautet ihr Urtheil, daß del Selbstmörder zur Zeit der Begehung seiner That' getrübten Geistes" war. Manche Selbstmördcrcandidaten verwahren sich jedoch am Rande des Grabes gegen eine solche Verleumdung ihres geistigen Zustandes. Ein Selbstmörder Namens Shaw z. B., dessen fürchterlich zermalmter Körper vor einigen Tagen im Tunnel der unterirdischen Bahn zwischen den Stationen Gower Street und Kings Croß vorgefunden wurde, hinterließ ei, nen Brief an den Leichenbefchaucr des Bezirks, worin er entschieden bittet, man solle ja kein Urtheil zeitweilige Geistesverwirrung abgeben, denn e wäre in jenem Augenblicke so gcisteskla, wie je in seinem Leben." Die Jury waz jedoch der Meinung," daß Shaw kein maßgebender Nichter seines Heisteszustandes war und erklärte, daß er zur Zeit des Selbstmordes an Geistesverwirrung v,i rr 5' L-. rtvn.- irrt. zur. vjinc unsere niiie vsoaws, ag sein Körper nicht begraben, sondern den Professoren und Studenten der medicinu schen Facultat des Unioersitäts-Hofpitali .nüklicken Dissectionswecken" über geben werde, wurde auch außer, Acht gs I lassen.

T)em Titelunwesen lk Deutsche widmet Daniel Sanders im neuesten Heft der?Deutschen öcevne" eine Plan- , dem, welche an eine tresfende Bemerkung Hennicke's über Telegraphie und Sprache" anknüpft: So erwies sich denn der Telegraph als ein Mittel, welches die Trägheit des Verstandes und das Schwanken des Eharakters in gleicher Weise besiegt, wie die Umschweife der Ncdeweise. Auf den Telegraphen ist jene Kürze des Ausdrucks zurückzuführen, jener Telegrammstil , g der, auf allen Ballast verzichtend, in I knappgcschürztcr Form den Kern Ä der Sache zu treffen sucht. Der erste Zopf, der siel, waren die schwulstigen, nichtssagenden Hoflichkeitsredensarten, wie sie im Briefstil leider noch heute fort wuchern" u. f. w. Sanders bemerkt nun, wie lächerlich und 3! unverständlich Ausländern unser wohl- ' ! geboren, hochwohlgcboren" und andere i: Titel erscheinen müssen und zitirt dazu I folgende Stelle aus dem ersten Buch des ? abenteuerlichen Simplicissimi, wo eS ;! heißt: Als wir dergestalt vom Dintenfaß (welches mich allerdings an des Fortu- , ! nati Cäckcl gemahnete) discurirten, j kam mir das Titular-Buch ungefähr in die Hände ; darin fand ich meines damaligen DaoorhaltcnS mehr Thorheiten, als mir bißhero noch nie vor Augen ?m , men. Ich faa.te zum Sekrctario: Die- $ ses alles sind m Adams-Kinder undeineSGemäch ts miteinander und zwar nur von Staub und Asche ! Wo kommt denn ein so großer Unterschied her? AllechcikkP ; Unüberwindlichst, Durchleuchtigst ! Sind daS nicht Götiliche Eigenschaften? Hier ist einer Gnädig, dort ist der ander Ge- : streng, nnd was muß allzeit das Geborn dabei thun? Man weiß ja wohl, daß keiner vom Himmel fällt, auch keiner aus dem Wasser entsteht und daß keiner aus der Erde wächst wie ein Krautskopfj Warum stehen nur Hoch- Wohl- VorGroßgeachtete da und keine genennte? oder wo bleiben die gefünffte, gesechste und gesiebende? Was ist das vor ein närrisch Wort: Vorsichtig? welchem stehen dann die Augen hinten im Kopfs? f Der Sekretarius mußte meiner lachen und nahm die Mühe, mir eines und des andern Titul und alle Worte insonderheit außzulegcn ; ich aber beharrete darausf, daß die Titul nicht recht geben würden; es wäre einem viel rühmlicher, wann er Freundlich titulirt würde als Gestreng. Item, wann das Wort Edel an sich selbsten nichts anders als hochschahbarliche Tugenden bedeute, warum es dann, wann es zwischen Hechgeboren (welches Wort einen Fürsten oser Grafen au? ' zeige) gesetzt werde, solchen Fürstlichen Tirul verringere? Das Wort Wohlgeborn sei eine gantze UttZJahrheit; solches würde eineS jeden Barons Mutter bezeugen, wann man sie fraate, wie eS ihr bei ihres Sohn Geburt ergangen wäre." Das byzantinische Wesen der Deutschen zeigt sich auch darin, daß unsere Sprache zu der Einheit des Hauptwortes die Mehrzahl des Zeitwortes setzt." Die gnädige Frau haben befohlen; der gnadige Herr sind ausgeritten. Friedrich Spielhagen läßt sich in Was will das werden?" gleichfalls über solchen Sprachunfug aus: Jawohl, wenn es wäre! Wie Jeder, hörst du, Jeder, er sei auch, wer er sei. sich wünte und fühlte, faßte und begriffe als Theil des Theils, der Alles ist und eins mit dem All , wo blieben die Unterscheidungen, mit denen man die alleinige Menschheit zerreißt in Allerhöchste und Höchste, in Niedr.'ge und Allerniedrigste? Hoch- und Wohl-und Hochwohlgeborene? und solche, denen besser wäre, sie wären nie geboren?" u. s. w. Und S. 151 findet sich die Stelle: Hoheit wird, oder heißt es vstu den"? Wenn Sie mit Hoheit sprächen, würde es werden" heißen .müssen, in diesem . Falle, da Sie von Hoheit sprechen, ist wird zulässig. Also ! Hoheit wird mich doch deshalb , nickt fortschicken, weil ihm etwa meine Nase nicht gefällt?" Wir hoffen mit Sanders, daß der zopsige, unwürdige Titelkram . von allen unabhängigen Menschen bekämpft werde. Ein wichtiger Zerstörer desselben ist, wie Hennicke sehr richtig bemerkt, der Telegraph. Dieser legt eine Steuer auf die überflüssigen und verlogenen Worte, und sobald die Unterwürfigen für ein Hochwohlgeboren" oder eine Excellenz zahs len müfen, bedenken sie sich, das Wort anzuwenden. , - - ' Gedankensplitter. Die Schmeichelei ist das Schooß Hündchen der Eitelkeit. Hute Blch vor den Leuten, In für Alles nur ein Lächeln haben. Dle Dankbarkelt hat em schwaches Gedächtniß. Sind zwei sich Feind, so reds stets' Mit Jedem so allein. Daß dich kein Wort gereuen müßt', ' Wenn Freund sie würden fein. lg:i:?:: Zur Sprachreinigung. Aus Nürnberg wird geschrieben: Nach- i:i folgend einen heiteren Beitrag Arnr. ?prachreimgung. Em mit dem Bamberger Frühznge fahrendes Ääucrlcin war wahrend der Fahrt, wahrfcheinlich , durch die angenehm schaukelnde Bewegüng etwas eingenickt, und als es er (i, wachte, bemerkte er zu seinem SchreckeN,kD baß der Zug im Begriff war, die klein, Station, aus welcher es ausjteigen wolltee ; , schon wieder AU verlassen. Durch em M paar nnarttkulirte Laute wollte es nch bemerkbar machen, aber vergeblich suchte sein G cd achtn, i; nach dem erlozenden Fremdwort Conducteur." Es wollte ihm nichl bei fallen uud so schrie es denn aus vollem Halse: Hm: Bill.'ttenzwicker. Herr Tbürzumacher, Herr ")cumlafer! " .Dieser Verdeutschung von Eonducteur folgte natürlich ein ungeheures Gelächter seitens der mitfahrenden Pas sagiere. der Mann hatte aber seinen Zweck doch noch erreicht. 'DN' Erster L i e u t en a nt: Sagen Sie mal, Ka:nerad, warum lassen &ic sich denn 'n Backenbart wachsen?" Zweiter Lieutenant: Damen wollen alleHaare von niir haben Kopshaare ui chen dazu nicht aus.

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