Indiana Tribüne, Volume 13, Number 32, Indianapolis, Marion County, 20 October 1889 — Page 3

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V i o l a. Äj!trtenijS CttailM, tret nach dem Schwedische? V dou Emil Jonaö. (3. Fortsetzung und Schluß.) er Arzt sah Viola mit mitleidsvollen 'tn an. Er bat um Feder und Paund schrieb ein Recept. Der Vater tiKindes, der in Angst und Erregung ant Bettchen stand, nahm es selbst zur Gesorgung aus des Doctors Hand entgegen. Es muß sofort bereitet und angewendet werden," sagte dieser leise, ob oh! es dennoch zu spät sein dürfte." Cs ist also Gefahr vorhanden?" stammelte der Vankdircctor tödtlich erschrscken. .Mehr als das," erwiederte der Doclorm gedämpftem Tone, Oswald bis ur Thüre begleltend, ffta) furchte das chlrmmlte. Es ist die voll ausgedtlzcte Diphtheritis, und die Wiederstandskraft des Kleinen nur schwach. Er ist ftätitä halb erstickt." I' e- il .x . o. r ÄjsiBiiio roaniie zur yur mncius. .Auch das noch!" murmelte er aram:rfüllt, o, die Hand des Schicksals sallt Hwer auf mich!" I In das von Angst und Jammer erKUte, vom Todesgrauen überschattete Haus trat ahnungslos und zufrieden lächelnd Fritz Hennings. In der einen V i . , j . ( cm. f

yano yiett er einen WlrauyÄergtnmelNI i-n K tiSrr k,

uvi, li vt.v uuviiwt vittttt y topf. Er stieg die Treppe hinan und nzunderte sich, ie Corridorthür offen zu ftnfcut irr imt tirt harte Am Ringers j ;i j. ! V w -m zimmer, wohin er sogleich seine Schritte

Vleime, fremde ttmmen und wazte m 7 , .

mqi ymem. Einerlei ! " faate er bei sich selb st. !zÄgehe einstweilen in den Salon hinsMk und warte: Viola wird schon komM ' men. Gedacht, gethan. Dort angekommen, setzte er sich unter den großen Kronleuchter, zog sein Notizbuch hervor und sing an zu rechnen. Die Blumen stellte er vor sich auf den Tisch. Drci Mark nahm er für. die Droschke," monologisirte er, ftine Not!zen als gute? Oekonsm machend, der r ti" ri -i ' "e r i jni niiaj gewiß oerroge?!, er jag oyi, oaß tcy zrems yter bm. ;ja, die lZenscken in der aroken Stadt ick Möchte hier nicht leben. SchlechtesVolk! r. J mm . . .m i rno etc Ammen mo nrcyt zu theuer ür Viola " fuhr er fort und rock an der Hvazinthe, roic köstlich sie duftet! lf ; .i . rr . . t ! . . üioia neoic vic wekßen yazmlyen trn mer ganz besonders. Und Vergißmeinnicht hat sie nun auch sie wird sich freuen, das; ich welche fand." Während er weiter schrieb und rechnete. öffnete sich die Thür, und der Nendant kam herein. 1 Mit dem alten Herrn war eine große Veränderung vorgegangen ; all feine fu.aendliche Beweglichkeit war aeschwunden. Ü)ie losige Frische seiner Wangen warum ein Erhebliches verblaßt, und er sah aus, VTfi rtti i tt i0!itVtMi ... . ayre aller geworoen wäre. Er bemerkte den iunaen Landmann am Tische gar nicht, fo versunken war er in feine Gedanken schmerzlichster Natur. Mit müden, langsamen Schritten ging er ans Fenster und legte seme schmerzcnde Stirn an die kühlen FenfterscheiA 4M A t. m M Mu .4 f 1 . A uiuf lüyutiti rnuiiaciic; Nein, ich ertrage es nicht länger, ihre Verzweiflung mit anzusehen. Ich bin zu aU für solch schreckliche GemüthsH bewegungen sie gehen mir ans Leben. Was habe ich heute Abed Alles horen und sehen müssen ! O, mein Kopf schwindelt!" Er schleppte sich zu einem Seitentischchen, auf dem eine Erystallflafche mit Wasser stand. Er goß sich ein Glas voll ein. aber seine Sand ntterte so bek tig. daß das Glas, als er es ergriff, mit Hellem Ton vibrirend geen die Marmorplatte des Tisches aufschlug und die Hälfte des Wassers überfloß. Fritz Hennings, der mit seinen großen runden Augen verwundert dem Gebühren des alten Herrn gefolgt war, trat nun lheilnahMÄvoll heran und fragte: .Was fehlt Ihnen, Herr RendantZ" Dieser blickte überrsfcht auf und sah den jungen Oekonomen vor sich stehen. Ah, Herr Hennings, Sie hier?" sagte er, ich sah Sie nicht." Fritz Hennings entgegnete, nach dem Tische denkend: Ich habe Blumen für Viola geholt. Es hat etwas lange gedauert, ehe ich fand, was ich suchte." Der IZcudant faßte seine Hand und fah ihn trübselig an. indem er sagte: Ach, mein junger Freund, Sie sind in ein Haus des Unglücks zurückgekommen Z Wie fo?" fuhr Fritz Hennings erschreckt auf. was ist gefchehen?" Der alte Herr sprach langsam und bedeutungsooll weiter: Habcn Sie schon einmal gesehen, wie ein sanfter und stiller Bach durch unsichtbare Kräfte, die Niemand ahnte, dt? ren Wirken und Schaffen Niemand achtete, plötzlich zu einem wilden, zauschenden Strome wird, dessen rafendes Ueberschäumen schrecklich anzusehen ist, und der Verwirrung und Verd5rben mit sich bringt?" Der junge Landmann nickte. Bei uns zu Hause der Fluß," sagte er, wnrn Thauwetter kommt und das Eis schmilzt! Nrnt sehen Sie," fuhr der Nendant fort, fchmerzerfüllt die Hände zusammenschlagend, das ist eö, was ich erlebt habe!" Fritz Hennings verstand iZn nicht recht. Sber das ist noch nicht Alles," fetzte Jener hinzu, Kurt liegt im Sterben!" Jetzt verstand Fritz Hennings und führ verstört auf. .Und Viola?" rief er. Viola?" sagte der Nendant, und schwere Thränen rannen ihm über die Wangen, ach. ihr wäre besser, sie läge ebenfalls im Sterben! Aber ich fürchte, sie ist auf der Grenze zu etwas Schlimmc:em." hFrktz Hennings stürmte davon. JQü wollen Sie hin, immer Mann?" Viola I .Niemand darf drüben hinein." O, hindern Sie mich nicht darant Ich will nicht hineingehen, ich werde im

I IMI .llls1fc 323 Vorzimmer warten vielleicht wird sie meiner bedürfen." Er rannte davon. Der alte Herr sollte nicht lange allein sein; der Bankdirector flüchtete, Trost und Hilfe suchend an feine Brust. Er schlang die Arme um den guten Alten und rief aus seinem angst- und qualerfüllten Herzen heraus: Ach, Ontel Malte!" i Armer Junge!" flüsterte der Rendant, der sich eiues innigen Mitgefühls nicht erwehren konnte ; hatte er ihn doch nie für schlecht, sondern nur für leichtsinnig und schwach gehalten. Was glauben, was fürchten Sie, Onkel?" flüsterte Jener, nach einem Funken von Hoffnung haschend. Ich fürchte das Schlimmstewar die leise Antwort. Und mein kleiner schöner Knabe muß sterben? O, es ist entsetzlich ! Wie weh mir das thut Vialas wegen sie bedürfte eines Ersatzes für Alles das, was sie erlitten bat. Für mich ist ja doch bald Alles einerlei! Ich gehe jetzt auf mein Zimmer, Onkel. Wollen Sie mich rufen, wenn wenn Alles zu Ende sein wird?" Der Vankdirektor wollte gehen. Onkel Malte hielt ihn am Arme fest. Bleibe, Oswald!" rief er. Was beabsichtigst Du zu thun?" Der Vankdirektor hob müde den blei. chen Kopf. Ich?" sagte er, nichts." Da ergriff der alte Mann seine beiden Hände, sah ihm ernst und durchdringend ins Auge und svrach in beinahe feierlichemTone: Wenn einem ein Schatz anvertraut war, und man hat ihn durch Schuld und Leichtsinn in einen bodenlosen Abgrund sinken lassen, sühnt man dann sein Vergehen, wenn man sich selbst in den Abgründ stürzt?" Der junge Mann schwieg sinsteren Angesichts. Antworte mir, Oswald! Glaubst Du dann Deine Schuld gesühnt?" Das freilich nicht," gab dieser zur Antwort, aher ich bezahle sie mit dem Höchsten, was ich besitze." Onkel Malte runzelte die Stirn. Schlage Dir solche Gedanken aus dem Sinn, sagte er ernst, fast streng, .sie sind eines Mannes unwürdig!" Oswald fah zu Boden, und mit eine? Stimme, die wie eines Fremden klang, so hohl und heiser kam sie aus seiner Brust, entgegnete er: Und wenn auch der der Verdacht, den Sie hegen, begründet wäre was dann? Ohne Gattin, ohne Kind, ohne Mutter, ohne Zukunft entehrt erschüttert in meiner innersten Seele was konnte mich dann noch im Leben zurückhalten?" Die Pflicht!" tönte eS langsam und bedeutungsschwer von des Acndanten Munde. Sterben kann jeder Stümrer, der erste beste Feigling, wenn er dazu getrieben wird. Hingegen zu leben unter schwierigen Verhältnissen, Stück für Stück den Schatz aufzusammeln, den er verloren hat, und ihn langsam und mühsanl zu einem einzigen Ganzem wieder zusammenzufassen, das vermag nur der wahre Malm, der, wenn er auch freilich gefallen ist, doch einen unheilba, ren Schaden von feinem Falle nicht davongetragen hat. Der Nendant hatte, während er sprach seine beiden Hände auf die Schultern des jungen Mannes gelegt und Mang ihn dadurch, seinein Ange zu begegnen, das groß leuchtend auf dem Schwergebeugten ruhte. Sie vergessen, Onkel," antwortete dieser nach einer bangen Pause, ,dß meine Zukunft binnen wenigen Stunden von dem Gutöesinden Anderer, Fremder abhangt." Jch vergesse nichts, aber ich sage Dir nur, Oswald, Du hast zu schmer gefehlt, um so leicht sühnen zu können. Deine Schuld gegen Viola ist groß und wird durch Deinen Tod nicht gutgemacht, wohl aber kannst Du sie viclletcht nach und nach durch Dein Leben sühnen." Oswald hatte seinen Kopf gebeugt uni antwortete schwerbeklemmt : Ja, es ist wahr. Meine einzige Entschuldigung ist, daß ich nie daran gedacht habe daß ich nicht ahnte " Das ist wohl kaum eine Entschuld!gung," bemerkte der Nendant ernst, doch magst Du in Zukunft Deine Neue und Buße fn den Tag legen." Der Bankdirektor richtete sich empor, als ob er eine schwere Last von sich würfe, und ein Strahl der Entschlossenheit blitzte in seinem Äug? auf, indem er jetzt erwiderte: Ja, Onkel Malte. Sie haben Recht. Ich habe zu viel gefehlt, um so leicht versöhnen zu können. Ich werde leben! Das ist die schwerste Sühne, die ich mir auferlegen kann." Der alte Herr zog den blonden Kopf des Mannes, der soeben den schweren Sieg über sich errungen hatte, an feine Brust und küßte ihn auf die Stirn. Ich danke Dir, mein Sohn," sagte er gerührt. Da drang ein verworrenes, eigenthümliches Geräusch von drüben an ihr Ohr. Es war kein Schreien, kein Weinen, kein Rufen, kein Hasten und Laufen, sondern von Alledem etwas eS war wie das Raufchen des Schicksals, das mit schwerem Flügelfchlag durch die glänzende, reich geschmückte Wohnung zog. Die beiden Männer sahen sich an, und von einem gemeinsamen Impulse getrieden, eilten sie hinaus. Aus dem Eorridor draußen kam ihnen der Arzt. entgegen, welcher sich entfernen wollte; sein Gesicht war sehr ernst. Doktor, wie steht es?" rief ihm Oswald entgegen. Der Arzt rückte seine Brille und ant wartete nicht gleich. Ist mein kleiner Knabe todt?" Der Gefragte nickte. Es kam, wir ich befürchtete," sagte er leise und suchte seine Rührung zu verbergen, der Athem erlosch, wie die erstickte Flamme eines Lichts. Welch' schreckliche Krankheit!! Gehen Sie nicht hinein, lassen Sie die arme Mutter in Ruhe." Oswald stand starr und,, stumm, der Nendant tastete mit der Hand nach der Wand, um einen Stützpunkt zu sinden, die Beine zitterten ihm so sehr. Jedenfalls widersprechen Sie ihr uicht," fuhr der Arzt fort, sie ist in ei, nem traurigen Zustand und bedarf vor Allem der Ruhe." Dann ging er.

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Dem Rathe des DoetorS zuwider, Ixlth es sie doch, nach Viola zu sehen. Sie gingen nach dem 'Kinderzimmer, aber sehr langsam, und nur mit Mühe konnten sie ferwärts. Als sie in das Zimmer traten, lauschten sie nach dem Kinderzimmer, in welchem es todtenflill war, und das nun für immer verödet sein sollte. Plötzlich öffnete sich die öhür desselben, und Fritz Hennings eilte ihnen entgegen. Der junge Landmann sah ganz verstört aus, und die großen runden Augen standen ihm voll Thränen. .Kommen Sie schnell, schnell!" rief er in höchste? Bestürzung, sie will sort." Wer?" Viola. Sie spricht nicht, sie weint nicht sie zieht sich an und Kurt sie will gehen ! Uno da kam sie schon heraus, in der trüben Beleuchtung des Vorzimmers ein schauriges, unheimliches Bild. Viola war so bleich und starr wie eine Geistererscheinung; das große blau Auge blickte glühend und thränenlos vor sich hin, und dc.- kleine Mund war fest wie im Krampf geschlossen. Auf das Haupt hatte sie hastig und nachtassig einen Hut geworfen, unter dem die auf gelösten Flechten hervordrangen, und ein schwarzer Schleier wallte gespenstig von ihm nieder. Sie hatte ein großes schwarzes Tuch umgeschlungen, und in demselben trug sie auf ihren Armen die Leiche ihres Knaben. Kurt war in seinen schönsten Anzug, das kornblumenblaue Sammetröckchen, das ihm noch am vergangenen Tage fo gut gestanden hatte, gekleidet; über ihm tag der Kranz, den Vioia für das Grab ihrer Mutter gewunden hatte, und noch mehr Blumen und grüne Blätter über ihn gestreut. So trat sie den erschreckten Männern entgegen. Viola!" rief Oswald in verzweif lungsvollem Tone aus, wo willst Du hin?" ' Fort!" sagte sietonlos und macht einen Schritt vorwärts. Ihr Mann warf sich ihr entgegen. O bleibe doch!" flehte er. Sie schüttelte den Kops und sah in's Leere. x Ich bin schon vtel zu lange aeblieben", flüsterte sie, wäre ich früher ge gangen, dann lebte mein Kurt noch!" Und wieder bewegte sie sich, ihre lieb-lich-schaurige Last im Arme haltend, langsam und schwerfällig der äußeren Thüre zu. Dort blieb sie einen Augenblick stehen, und jetzt kam ein heißer, leidenfchaftlicher Ton in ihre Stimme, als sie fortfuhr: Sie sagte ja, ich sei es, die ihn getodtet hat! Ist eS so, dann ist Eure Verantwortung doppelt groß. Ihr seid es, die seine Mutter verdorben, ihr Herz vergiftet habt und deshalb mußte mein Knabe sterben!" Jetzt hielt sich Onkel Malte nicht länger. Mit seinen ausgebreiteten zitternden Armen trat er ihr eutgegen und sagte mit schluchzender Stimme: Mn armes, armes Kind ! Beruhige Dich und laß Dich in Dein Zimmer zurücksühren! Sieh, draußen ist finstere Nacht, und Deine Bürde ist schwer. Wohin willst Du gehen?" Zu meiner Mutter!" gab sie zur Antwort, dem alten Manne einen langen Blick zuwerfend. Ach, Viola!" Oswald weinte laut. Ja, zu meiner Mutter!" wiederholte sie. Dort ist Platz für uns Beide. O, er ist nicht schwer," fuhr sie mit einem herzzerschneidenden Lächeln fort und dentete auf den Blumenschmuck, seht seine Neisetracht sie beschwert nicht sehr." Uebergib Deinem alten Freunde Deinen kleinen Liebling!" bat der Nendant weiter. Morgen früh fahren wir, wohin Du willst. Lege ihn jetzt in sein Bettchen; Du willst doch nicht seinen Frieden stören?" Er streckte die Hände nach der kleinen Leiche aus und wollte sie der erschöpften Mutter abnehmen. Berühre ihn nicht!" rief diese jäh auffahrend.' Seinem Frieden, sagst Du? Hier gibt es keinen Frieden für ihn und für mich. Oder glaubst Du Onkel, irgend etwas auf der Welt könne mich in diesen Mauern zurückhalten jetzt, da die Arme meines Kindes mich hier nicht mehr zu fesseln vermögen?!"

Sie lachte laut und hysterisch, so dafH nvi c i " w f oic er Scanner, vle ic !N vanger matylosigkeit umstanden, erschrocken aus sie zutraten. O, fürchtet nichts," sagte sie, dies bemerkend, ruhig und fest, ,ch bin nicht wahnsinnig und ich werde es auch nicht. Aber laßt mich gehen! Laßt mich gehen, oder ich weiß nicht, was geschieht!" Ihre Augen flammten und ihre Stimme war laut und schneidend geworden. Da sank Oswald bitterlich weinend auf die Kniee und drückte sein schmerzdurchzucktes Antlitz in die Falten ihres Gewandes, Ach, Viola!" schluchzte er uud der Schmerz schüttelte leine starke Gestalt, meine arme', arme Viola!" Sie blickte auf ihn nieder, eine lange Weile. Lebe wohl, Oswald!" hauch ce sie dann. Ich wünschte, daß ich Dir vergeben könnte aber ich vermag, nein, lch vermag es nicht!" Uud sich schnell aufraffend, wollte sie weiter. Bleib!" tönte ihr da eine Stimme entgegen, und eine hohe Gestalt stand vor ihr. Die Rektorin war, von Allen unbemerkt, eingetreten. Ha. da bist Du wieder, böser Geist!" schrie die junge Scan außer sich. Da mon meines Lebens, was willst Du jetzt noch von mir?" Dich zurückhalten. Du hast nicht das Necht, auf diese Weise das Haus Deines ManneS zn verlassen!" U::d wer kann mich daran hindern?" Das Gesetz!" Die Rektorin sprach eS mit der ganzen Wucht ihrer sonoren Stimme. ' Die junge Frau lachte laut un grell auf. F)as Gesetz?" rief sie. Mich?!" Ja," erwiderte Jene, ruhig und be,timint. Das Gesetz kann und wirb' solch wahnsinnige Frauen, wie Du,, zur Ordnung und Vernunft bringen." Damit streckte sie die Hand nach ihrer

Schwiegertochter aus, als wollte sie dieselbe mit Gewalt, wenn eS sein mußte, zurückhalten. Mutter!" rief ter Bankdirector außer sich und suchte die alte Frau wegzudrängen. Still, mein Sohn," sagte diese schnell, laß mich gewahren. Willst Du sie in diesem Zustande, in welchem sie sich besindet. auf die Straße hinaus, unter andere Menschen lassen?" Nein," stammelte er, aber" Wenn Alle den Verstand verloren haben," fuhr die Nectorin, sich im Kreise umsehend, fort, muß ich ihn bewahren. Ich habe die Dienstboten entfernt und dasür gesorgt, daß diese unerhörte Scene wenigstens keine Zeugen hat. O, Mama!" Al'0 laß mich handeln!" Und sich wieder zu der jungen Frau wendend, welche schwerathmend und mit der über sie kommenden Schwäche kämpfend da--stand, fuhr sie fort : Das Gesetz verbietet einer Ehegattin, ohne die Einwilligung ihres Mannes sein Hans zu verlassen." Das Haus eines Diebes!" schrie Viola auf. Ter Bankdirector zuckte mit einem Verzweisiungsschrei znsammen, feine Mutter aber sprach ruhig: So lange er nicht verurtheilt ist, ist es sein Recht. Du bleibst!" Fritz Hennings hatte schon längst mit geballten Fäusten und Entschlossenheitim Blick bereit gestanden, der Jugendsreundin beizuspringen. Jetzt trat er rasch vor die Rektorin und rief mit funkelnden Augen: Fort von ihr ! Lassen Sie sie gehen ! " Die alte Frau, die sich einen neuen Feind erstehen fah, flüsterte ihm schnell und leise zu: Ruhig, junger Mann! Es ist zu Violas eigenstem Besten, was ich thue!" Sie neigte sich dicht an Violas Ohr, und eS war mehr ein Zischen als ein Flüstern, mit welchem diese jetzt die Worte vernahm : Kaufe Dich frei!" Die junge Frau hob den Kopf und sah ihre Gegnerin mit großen, fast irren Augen an. Unterschreibe dieses," fuhr Jene ebenso raunend fort, und Du bist für immer vor jedem Anspruch von Oswalds Seite geschützt das schwöre ich Dir bei meinem Seelenheil!" Und da zog sie auch schon das verhängnißvolle Documcnt hervor, das sie in den Falten ihres Kleides verborgen gehalten hatte, und streckte eS vor Violas Augen. Sie verkaufen also JhreN Sohn?" fragte diese tonlos. Und Du erkaufst Deine Freiheit!" war die ruhige Antwört. Meine Freiheit!" Noch ein tiefer Athemzug, und die junge Frau haschte nach dem Papier. Geben Sie her!" sagte sie fest. So mag zh denn sein." Ein Heller Schein des Triumphes flog über der Rektorin Antlitz. Mit erstaunl icher Eile hatte sie auch fchon Feder und Dinte herbeigeholt, und nun geleitete sie die schwankende Gestalt der Schwiegertochter zum nächsten Tische. Fest mit dem linken Arm ihre traurige Bürde an die Brust drückend, ergriff Viola mit der freigemachten rechten Hand die schnell dargebotene nasse Feder, und ohne sich auch nur noch einen Augenblick zu besinnen, setzte sie mit fliegenden Schriftzügen ihren Namen aus das Dokument. Nun ist es geschehen!" sagte sie. Endlich!" ertönte es tief und voll, wie im Posaunenton, von den Lippen der Rektorin. Der Vankdirektor, von unbeschreiblichen Gefühlen bewegt, war mit großen, trockenen Augen den Vorgängen um ihn her gefolgt und wollte sich im letzten Augenblick dazwischen stürzen, um das Papier wegzureißen aber fchon war es unterschrieben, und es gelang ihm nur noch, Violas zurückweichende Hand auf einen Moment zu erfassen. Er drückte einen glühenden Kuß darauf. Viola schien es kaum zu bemerken. Verzeihe mir doch, Viola!" flüsterte er innigen Tones. .Zu spät!" sagte sie. Es war das letzte Wort, das er aus ihrem Munde vernahm. Im nächsten Augenblick schritt sie, das große, schwarze Tuch dicht um sich und ihren todten Liebling hüllend, langsam über die Schwelle. Ihr Gatte, den Übermäßig auf ihn einstürmenden Empfindungen erliegend, war zusammengesunken. O, wer wird sie schützen?" jammerte er, einsam, krank an Leib und Seele, ihr todtes Kind im Arm!" Fritz Hennings trat hervor, die Hand wie zum Schwur erhoben. Ich werde sie schützen so wahr mir Gott helse !" sagte er laut und vernehmttch, aber wehe über Euch !" Damit ging er eilend der unglücklichen Jugendfreundin nach. Ein tiefes Stöhnen rang sich ans der Brust des Nendanten Malte, der, das schneeweiße Haupt auf die Brust gesun ken, von ein:r lähmenden Schwäche übermannt in einem Stuhle lag. Hilf mir auf, Oswald!" ächzte er, mir ist nicht wohl. So. ich danke Dir, mein Sohn Wo ist sie, wo? Ich muß ihr nach mein armes, armes Veilchen!" . Und fo schnell er es vermochte, eilte er hinaus, der Davonschreitenden nach. Im Hausflur unten holte er sie ein. Und in den Armen der beiden Männer, des alten Freundes ihrer Mutter und des.- treuen Jugendgefahrteu, verließ Piola das elegante, glänzende Haus, um nie wieder dahin zurückzukehren. Oben aber waren Mutter und Sohn allein mit einander geblieben. Ohne daß längere Zeit ein Wort zwischen ihnen gesprochen worden war, richtete sick? die Nektorin endlich hoch auf und schritt in ihr Zimmer hinüber. Wie auf Verabredung folgte ihr der Vankdirektor. ?i Dort angelangt, wandten sie , sich in der hellen Beleuchtung des Zimmers einander zu, ' nd die alte , grau erschrak fast, als sie ihren Sohn betrachtete, so verändert sah er aus. Mutter!" begaun er mit eigenthümlich trockner Stimme, zwischen uns sind heute Worte gewechselt worden, hie sich

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nie wieder vergessen lassen. Und Du hast ewe Handlung vollbracht, die nicht gesühnt werden kann." .Ich habe meinen Sohn vor Entehrung gerettet !" rief sie, das inhaltsreiche Papier in die Höhe hebend. Er schüttelte langsam, traurig den Kopf. Nein, Mutter." sagte er, Du hast mich für immer entehrt!" Sie starrte ihn an, so daß ihre Lider sich ganz in die Höhe zogen. Jedes andere Band als das der Pflicht," fuhr der Sohn fort, ist zwischen unS zerrissen. Ich werde von heute ab allein leben ! " Du jagst mich sort?" rief sie mit dröhnender Stimme uud entsetztem Blick. Nenne es nicht so!" erwiederte er leise und schmerzlich, aber es ist mir nicht mehr möglich, Deine Gemeinschaft zu ertragen. Wir müssen uns trennen !" Ihre Brust arbeitete schwer. Es ist gut," sagte sie nach einer Weile, wie Du willst. Sobald es ohne Aussehen geschehen kann, werde ich Dein Haus verlassen." Dank!" murmelte er. Denke, was Du willst, meine, was Du willst," rief die Nektorin, Eins ist gewiß: Du bist gerettet gerette durch mich!" Oswald taumelte hinaus. Ja, ich bin gerettet," brach es aus seinem verstörten Innern heraus, aber zu spät ja, zu spät!" Ende. - Geisteskrankheiten. Sehr ungleich ist die Geisteskrankheit auf der Erde vertheilt, in sehr verschiedener Gestalt tritt sie in den einzelnen Ländem auf. Man begegnet oft der Meinnng, daß Geisteskrankheiten bei primitiven Völkern nicht vorkommen und nur eine traurige Prärogative der Cultur bilden. Nachdem man aber in den Geistesstöruugen nur eine Erkrankung des Gehirns erkannt hat, so müssen solche Erkrankungen überall dort vorkommen können, wo dies Organ vorhanden ist, also auch bei den wilden Nassen ja in gewissem Sinne selbst bei den höher organisirten Thieren. Wenn wir bei einer der primitivsten Nassen, den Nothhauten Brasiliens, beginnen, so sinden wir bei ihnen, abgesehen von der Well des Hasses, der Eisersucht und der Nache, die trotz ihres tobsüchtigen Charakters doch nicht als eigentliche Geisteskrankheit angesehen werden kann, den, sogenannten TupiPya. . Der davon Betroffene bricht nach kurzem deprimirtem Vorläuferstadium in die tollste Wuth und Zerstörungssucht aus, wobei er ziel- und zwecklos durch die Orte stürmt und jeder Vorübergehende seinem mörderischen Anfalle ausgesetzt ist. Eine Analogie mit gewissen W-th-anfällen bei Thieren mutz sich hier unwillkürlich aufdrängen. Uebriqens foll Alkoholismus die Hauptursache dieser Krankheit bilden. Dagegen leiden die Nothhäute Nordamerikas sehr an einer Form der Melancholie, welche nach deren gewaltsamer Transportirung in entlegene Gegenden (zu Colonisationszwecken) beinahe immer eintritt, und durch ihren Nefier auf die Ernährungssphäre alsbald die Abmagerung zum Skelett und frühen Tod zur Folge hat. Es handelt sich hier um schwere Falle von Nostalgie oder Heimweh, wie sie bekanntlich auch in Europa bei Gebirgsländlern vorkammen. Merkwürdig war der Einfluß der Sklaien - Emancipation. Wenn auch früher vielleicht mehr Neger geisteskrank waren, als man glaubte, indem ihre Herren sie aus Ersparungsrücksichten so lange zu Hause behielten, als sie zur Vewaltigung ihrer mechanischen Arbeiten überhaupt verwendbar waren, so bleibt die Zunahme der Jrrsinnsfälle nach der Emancipation doch immer eine sehr bedeutende. Die Ursache liegt wohl darin, daß die Leute nun für sich selbst zu sorgen hatten, oft in Noth und Elend geriethen, uud leicht in Debauchen verfielen, die ihnen früher nicht geduldet wurden. Die ungewohnte Gehirnanstrengung in obiger Beziehung, sowie bei der Ausübung ihrer Rechte als freie Männer scheint diese üble Folge für sie gehabt zu haben. Die Irrenanstalt in Rio Janeiro liefcrt auch e'nen Beweis für die verschiedene Disposition der Nassen zu Geisteskrankheiten, obwohl dort Alle unter denselben Culturoerhältnissen leben, so kommt doch nur ein Neger und diese machen doch die Hälfte der Bevölkerung aus auf acht Irre, wäbrend sich kein einziger Indianer unter iynen besindet. Die Kreolen zeigen auch im Irrsinne die Uebertricbenheit ihres Charakters. Sie schwätzen beständig von Duellen, Kämpfen und Reichthümern. Bemerkenswerth erscheint es, daß in Amerika der dritte Theil der angemeldeten Geisteskranken auf die Einwanderer kommt, die doch nur den achten Theil der Bevölkerung ausmachen. Man schreibt diesen Umstand theils der bereits nutzebrachten Disposition, theils dem Heimweh und den getäuschten Hoffnungen auf eine zusagende Existenz zu. In Egypten sindet man häusig moralifche Ursachen des Irrsinns, wenn auch der Genuß des Haschisch die meisten Fälle verschuldet. Bei Weibern handelt es sich hier beinahe immer ' um unglückliche Ehe, Verstoßung von deck Manne und Kinderlosigkeit, bei Männern um religiöse Aufregung und Kummer.'Nelkgiöse Exaltation entsteht oft durch angestrengte Studien des Koran und durch däs .Bestreben, ein Heiliger" zu werden. Eü:e eigenthümliche Form ist auch die durch die Monotonie der Eindrücke erzengte Wüsteuhallucination (Nagle). In der Türkei ist es schwer sich über die Zahl der geistigen Erkrankungen klar zu werden. Eine gewisse Verehrung, welche die Bevölkerung und insonderheit die betreffende Familie nach Landessitte dem Irren entgegenbringt, macht, daß die Männer nur dann der ärztlichen BeHandlung übergeben werden, wenn sie gefährlich zu werden beginnen Frauen aber überhaupt sehr selten. Unter den Ursachen scheint der Genuß des Opiums, sowie mancher sonstige Exceß vorzuwalten. Moralische Ursachen verleugnen aber auch bei den Türken, wie den Egyvlern ibre schlimme Wirkung nicht. El

nen Geisteskranken fand ich in der Anstält Solcimanich in Stambul, bei dem eine besondere echt türkische 'Ursache eingewirkt. Derselbe war eln höherer Beamter, dessen Aufgabe darin bestand, im türkischen Kalender die Unglückstage im Vorhinein anzugeben. Diese allerdings schwierige Aufgabe war ihm durch ein paar Jahre vollstän: big mißglückt. Gerade an den von ihm bezeichneten Unglückstagen ereigneten sich Dinge, die für den Sultan und den Staat sehr angenehm und vortheilbaft waren. Die Folge davon war eine Rase von seinem Vorgesetzten, und seinerseits das immer eifrigere Bestreben, in feinen prophtti schen Angaben der Wahrheit gerecht zu werden, welches fruchtlose Vemühen ihn endlich geisteskrank machte. Bezeichnend für die mohamedanischcn Frauen ist cs, daß sie das Gefühl dcS Anftandcs, soweit cö das Verschleiern des Gesichtes betrifft, auch im vorgcschrittenen Stadium des Irrsinnes nicht vcrlieren. Wenn der Arzt in der Irrenanstatt seine Visite macht, gibt er durch ein eigenthümliches Klopsen sein Erscheinen in der Frauen-Abtheilung kund. Auf dieses Zeichen hüllen alle Patientinneu ihr Gesicht in den sogenannten Schleier freilich ganz ohne Rücksicht auf die übrige Toilette, die oft im äußersten Grade sorglos gehalten ist. In Pcrsien hat Dr. Pollak wahrend eines zehnjährigen Aufenthaltes nur acht bis zehn Geisteskranke gesehen, und bei diesen waren körperliche Ursachen nachweisbar. Die angeborene Glcichgilngkeit der Perser bewahrt sie vor moralischen Aufregungen aller Art. Beiden Chinesen herrscht in Beziehung auf Geisteskrankheiten ein sehr großer Unterschied zwischen jenen, die zu Hauie, und jenen, die in der Fremde leben. In Ncu-Südwalcs befanden sich 1870 in den Asylen 47 irre Chinesen, d. h. einer auf 14V der chinesischen Bevölkerung. D'ese erschreckende Anzahl erklärt Dr. Manning daraus, daß die glücklichen, die in den Goldgräbereien ihren Vortheil gefunden, nach China zurückkehren und nur die erfolg- und hoffnungslofe Klasse der Chinesen zurückbleibt. In China selbst sind Geisteskrankheiten sehr selten. Die ruhige,, friedliche Lebersweise der Chinesen, der Mangel an Erregungen, ihre gemäßigte und enthaltsame An sich zu nähren, bei welcher Trunksncht kaum vorkommt, die Standigkeit ihrer socialen Einrichtungen bestimmt die Ursachen zu geistiger Störung. Anlaß geben manchmal Begebenheiten, die uns lächerlich erscheinen würden, z. B. Schrecken über das Erscheinen kaiserlicher Soldaten oder Piraten, über eine Fenersbrunst und dcrgl. ; Geldverluste und Liebesgram kommen seltener als Krankheitserreger M ihnen vor, dagegen manchmal das anhaltende Bemühen, ihre Klassiker auswendig zu lernen ! In den australischen Colonien ist die Ursache der nicht seltenen Geisteskranken oft schwer ;u crulren, theils wegen der enormen Entfernungen, aus denen die Kranken in die Anstalten gebracht werden, theils wegen der gemischten Vevölkerunz, 'die aus Chinesen, Wcstiudl.'rn, Südsce-Jnsulanern und drn australisch-n Eingeborenen züsammergeseht ist. Dis in Europa so hausige Subsistenzlosigkcit und Armuth fällt wohl hier weg, dagegen gibt es andere Ursachen, die mit dem Colonialleben innig znfammcnhängen. Ein besonderer australischer KrankheitSerreger ist die Vereinsamung. J.i den arktischen Regionen sind Geisteskrankheiten sehr zahlreich. Die Grönländer, Isländer und Lapplände? sind während der Wintermonate in einem Zustand hochgradiger Depression, die sich leicht zur eigentlichen Melancholie mit größtentheils religiösen Wahnideen steigert. Das lange Entbehren des Sonnenlichtes, die Monotonie der ganzen Scenerie, die Einsamkeit und die lange, durch die Unbilden der Witterung aufgezwungene Unthätigkeit sind schuld 'an dieser' Disposition und den hierdurch bedingten häusigen Erkrankungen. VescheideneWünsche. Drei Berliner Handwerksbnrschen, ein Schneider, ein Schlosser und ein Schuster, bauten auf der Wanderfchaft allerhand Luftschlösse?. Einst jagte der Schneider: Wir wollen doch 'mal fehen, wer sich den jrößten Wunsch aussinnen kann!" Die Andern waren einverstanden. Nach einer Weile machte der Schneider seinen Wunsch kund: Ick wünsche, dah der atlantische Ocean voll Nähnadeln läje und ick zu jeder Nadel vier Wochen lang einen Schneider hätte, der lauter Säcke nähen mußte, und daß diese Säcke voll 20-Maxkstucken läjen, die. mir jehörcn thäten." Hierauf der Schlosser: Bescheiden bist du jerade nich; aber ick übertreffe Dir doch. Ick wünsche nämlich, daß der atlantische Ocean voll lauterTinte wäre und diese zu einer einzigen Zahl verschrieben würde, und diese Zahl wünsche ick in lauter 20Markstücken ausgezahlt zu bekommen." Der Schuster lächelte ein wenig,strich den Schnurrbart und sprach : Ick wünsche, baß Eure Wünsche in Erfüllung jingcn, daß Euch beede dann der Teiwel hole und ick Euer Universalerbe würde!" Neuester Vettelkniff. Zwei Fechtbrüder, ein ehemaliger Geschäftsreis'eader und ein Stubenmaler, haben einen originellen Coup in mehreren Restaurants Berlins mit Ersolg ausgeführt. Der besser Gekleidete geht zuerst in ein Lokal hinein und trinkt in aller Gemüthsruhe sein Glas Bier. Kurz darauf erscheint der Zweite, ein bemitleidenswerth aussehender verschämter Bettler". Der Erstere beginnt sofort den Neuangekommenen im Tone eine? Polizeibeamten zu inguiriren über Herkunft :c. ; alles das aber in fo scharfer lauter Weife, daß sich schließlich Gäste, welche aus den Fechtbruder" aufmerksam geworhett sind, begütigend ins Mittel legen. Nun schlägt der Inquisitor gerührt um, bedauert, daß es dem armen Teufels der Familienvatcr zu sein angibt, schlecht Keht und reicht ihm alsdann einen Nickel, 'Mas regt die Mildthätigkeit an; ein Mcr . fleucrß fein Scherflcin zu der Gabe des rdeldeinenden Beamten" bei, und mit einer oftmals recht anständigen Summe verlädt der Fechtbruder das Local. Der, zwischen denWMnM macht, wie ? der technische Ausdruck M W 1 , Ijj I ' 'l ! jl 9 " . T lautet. ' ''WSW'' :

Die Schönheit vor Gericht. Zwei der bekanntesten Wiener Theaterpractiker werden im Laufe dieses Monats in die gewiß höchst seltene Situation kommen, ihr Gutachten abzugeben, ob eine ehemalige Solotänzerin der Ho fr per noch so viel Anmuih und Grazie besitzt, um im Balletcorps mitwirken zn können. Seit Jahresfrist schwebt zwischen einer einst vielgenannten Solotänzerin n dem Pensions -Institute der Hofoper ein Proceß um die verlorene Anmuth. Eines Tages wurde nämlich der Bolle rina bedeutet, daß sie, vermöge ihrer äußeren Erscheinung und sonstiger Eigenschaften nicht mehr tanzen und mimen dürfe. Die Dame ahm diese Mittheilung resignirt entgegen, verlangte aber aus demTitcl der behaupteten absoluten Unfähigkeit", wie die Juristen zu sagen pflegen, und wie es in den Statuten des Pcnsions-Jnstituts heißt, die Ausöe.;ah lung einer Pension. Die Vertretung des Pensions-JnstituteS verweigerte aber den beanspruchten Scuhegehalt aus dem Titel der relativen Unfäbigkeit," das heißt mit der Motivirung, daß Fräulem D...zwar nicht für das BalletcorpS der Wiener Hcfoxer passe, aber für jede andere Bühne, an welcher Ballets gepflegt werden, eine noch immer annehmbare Acquisition wäre. Man siebt, der Gegenstand des Streites ist ein ziemlich heikler und die Entscheidung keine eben leichte. Das Landesgericht in Civilfachen gab der klagenden Solotänzerin unbedingt Necht und verurteilte das Pensions-Jnstitut rundweg in die Ausbezahlung der Pension. Die Behörde ließ nämlich den Einwand der relativen Unfähigkeit nicht gelten uud sagte in puvot äußerer Erscheinung gebe es keine Abstufungen. Wer in Wien nicht als jung und schon gilt, wird diefe fchätzenSwerthen Eigenschasten auch anderweitig nicht zugcjprochen erhalten. Das Oberlandesgericht war anderer Anschauung und verfügt wahrscheinlich von der Erwägung aaSgehend, daß im Streite um die verlorene Anmuth Frau Themis mit verbundenen Augen nicht allein urtheilen könne die Zuziehung von zwei Sachverständigen, welche darlegen sollen, ob Fräulein D.. obfolut oder relativ nnsähig ist, am Wiener Operntheater als Solotänzerin zu wirken. Und wer sind die beiden Sachverständigen im Schönheitsfache? Es sind erprobte Männer, wahre Gelehrte auf dem weiten Gebiete der Frauenschönhcit, nämlich die Theatcrdirektoren Franz von Jcuner und Karl Blafel, welche nach bestem Wissen und Gewissen ihr Gutachten abgeben werben. Dem erstgenannten Schiedsrichter wurde vor einigen Tagen eine Bittstellerin gemeldet, deren Namen ihm noch in guter Eriunerung war. Die Dams, eine arme, kränklich aussehende Person, trat ein und nach der üblichen Begrüßung ent wickelte sich folgende? Dialog: Sie. Sehen Sie mich gut an, Herr Direktor! Er. Ich sehe Sie. Bin ich fchon? Bei Gott, nein! Sie (gerührt). Ich danke Ihnen! Er, Ja, was wünschen Sie eigentlich? Sie. Bin ich anmuthig? Er. Gewiß nicht! Sie. O, Sie sind ein wahrer Wohlthäter. Bitte, sehen Sie mich noch eine Weile an! Habe ich Grazie? Er köpf? schüttelnd. Nicht die Spur! Sie (in Thränen ausbrechend). Vergelts Gott tausendmal! Ich flehe Sie an, mir noch zn sagen, ob ich jung aussehe. Er. Beruhigen Sie sich, ich sehe das Gege.tthril. Sie. Nicht wahr, mein Netter, lch bin alt, häßlich und gebrechlich. Er. Na und ob. sie. Der Himmel segne Sie, Ihre Kinder und Enkelkinder für dieses trostreiche Wort ! Er. Ja, aber ich verstehe nicht. Sie. Glauben Sie, daß ich in diesem Zustande tanzen kann? Er. Na, sein Sie so gut! Sie' (ihm die Hand küssend). Dank, tausend Dank! Ich werde .Ihnen diese Güte, diesen Edelsinn nie vergessen! Die Bittstellen war eben das erwähnte Fräulein D..., die ehcmalkZc Aallettättzerin, welche Herrn Direktor Jauncr kniefällig bat, das ihm übertragene Schiedsrichteramt gütigst anzunehmen. Er sagte zu und so wird er in der allernächsten Zeit im Vereine mit seinem Kotlegen Bafel das Loos des Schonen auf Erden vor Gericht bestimmen. F ü r st l i ch e L i e b l i n g s f p e iM. Der Figaro schreibt: Die Königin Vicwria liebt die schottische Küche. Ihre Mahlzeiten beginnen mit einer Hasermehlsuppe. Sie ißt rohen Schinken, den sie sich aus Granada kommen läßt, trinkt Bier und genießt ein besonders gebackencs Brod. Die Königin von Schweden zieht kräftigere Nahrung vor, zu zeder Mahlzeit Beassteaks, oft rohen, auf schwedische Art konfervirten Lachs, Fleischklöschen mit Bohnen, Eier und Milch in Oel gebacken. Am Berliner Hofe kocht man französisch, nur die Kaiserin Victoria zieht die englische Küche vor und schwärmt für Kuchen. Die Großhcrzogm von Baden, die den besten Tisch in ganz Deutschland führt, kocht den Kaffee selbst in einem russischen Kaffeetopfe von Gold und Nckel. Im Quirinale ißt man auf Goldgeschirr und trinkt heimische Weine. Täglich erscheint eine Frittnra vom Innern der Artischoken, Hahnenkämmen uud EeflüAelleber auf der Tafel. Die Gräsin von PariZ speist englisch, beint Herzog von Anmale wird jeden Mittag Knoölauchfuxpe aufgetragen. Die Königin Jsabella liebt den Eocide Eastiliens und eine Neiss?eisc von Walencia. Die jetzige Königin Spaniens ist an österreichische Küche und Wiener Gebäck gewöhnt und liebt JohannislccrEingemachtes." Eine Rauferei steht zur gerichtlichen Verl and lung. C s i st sch:rcr, Klarheit in die Sache zn bekommen : un tcr den Vetheiligten nnd Zeugen herrscht grenzenlose Verwirrung übe? Ursache, Beginn und Verlauf des erbitterten Kampfes. Der Nichte? verhört einen neuen Zeugen. Ist Ihnen", fragt er, auch etwas von diese? Schlägerei zu Ohren gekommen?" Na ob! eutgegnet der Zeuge.4KWaö denn Ane ganz kolossale Ohrfeiget" erklärte derVer horte, -mi ' HiLäif.eii&iiiB oifen i k st un d e. Lehrer: Was ist da Merkwürdigste hä den Palmen? Schülerin: Daß mau nicht ungestraft unter ihnen roandel kann.

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