Indiana Tribüne, Volume 13, Number 32, Indianapolis, Marion County, 20 October 1889 — Page 2
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Das statistische Jahrbuch des Deut, schett Reiches für I SSO, bringt wiederTabellen über die überseeische deutsche Auswanderung, soweit dieselbe über deutsche Häfen, Antwerpen und holländische Hafen erfolgt. Darnach sind im Jahre 18 s8 ausgewandert aus Westpreußen 12,01(3, Posen 12,434, Pommern 7243, Hannover 157, Brandenburg mit Berlin 4651, Schleswig-Holstein 4433, Rheinland 4297. Hessen-Nassau 3202. Schlesien L368, Ostpreußen 2111, Westfalen -002, Sachsen ISIS, Hohenzollern 70, zusarnnien auS dem Königreich Preußen 63,103, aus Bauern 12,249 (Bayern rechts Nh. 10,108, Nheinpfalz 2081), Württemberg 6 4 45,' Baden 3360, Königreich Sachsen 2297, Hessen 2220, Hamburg 1821, Mccklenburg-Schwerin 1144, Bremen 1060, Oldenburg 1033, Elsaß-Lothrin-gen 937, Sacüsen-Weimar 303, Mccklen-durg-Strclitz'241, Koburg-Gotha 234, Meiningen 212, aus den übrigen Staaten je antet 209, zusammen aus Deutschland 98,515 Personen. Von den Auswauderern gingen wie immer weit aus die Meisten nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika, 94,304. Auf die Eolonien fällt glücklicher Weise nur ein sehr geringer Theil der Auswanderer. Aus der obigen Zusammenstellung ergiebt sich, daß ii Jahre 1888 aus den drei Provinzen Westpreußen, Posen und Pommern mit 32,293 über die Hälfte der preußischen und fast ein Drittel der gefalnmten deutschen Auswanderer fortzogen. Die alte Erfahrung bestätigt sich immer wieder, daß aus den schwach bevölkerten Provinzen die Auswanderung am stärksten ist, namentlich wenn die schwache BevcIiVrung auf der ungleichen Vertheilung i $ Grundeigentums beruht. Der B icht, den die nordamerikanischen Konz.iln in Deutschland ihrer Regierung .im vorigen Jahre über die Ursachen der deutschen Auswanderung erstatteten, hat darin Recht ; nicht wegen Nebcroölkerung, sondern vorzugsweise, weil sie wünschen, mit ihren Ersparnissen Land unter günstigeren Vedingnngen erwerben, als ihnen daheim möglich ist, wandern die meisten Deutschen nach Nordamcrika, darum stellen die schwach bevölkerten Provinzen mit großen Gütern und Herrschaften die größte Zahl der Auswanderer. Die Auswanderung aber schädigt gerade die Landwirthschast am meisten, die unter den Folgen der Wirthschaftspolitik, von der sie das Heil erwartet, schwer zu leiden hat. Tcr Zaubertrank. Gibt es ein Mittel gegen Untreue? Die gelehrtesten Weiber verflossenerJalzrHunderte haben sich mit dieser bedeutzamen Frage eingehend beschäftigt, und cs soll auch in unseren Tagen noch vorkommen, daß dieselbe zum Gegenstande leb- j haftcr Erörterungen unter älteren oder auch jüngeren Damen, wird. . . . Und in der That, es pflegt auch vorzukommen, daß solch' eine Dame ein Mittel gegen Umreue entdeckt, eine Ersindnng, die doch zu::: Mindesten ebenso bedeutsam ist, als ob endlich Jemand den berühmten Stein der Weifen entdeckt hätte. Frau Klara Schitzer in Budapest zum Beispiel fchülcichelte sich, einen Zaubertrank gegen Uttli'cue brauen zu können, und sie genoß darum in den Kreisen jugendlicher Liebe?.abenteurerinnen bedeutendes Renommec, sie galt förmlich als Profcssorin" in Licdesgeschichten und Heirathsfachen. Ein kleines, verliebtes Stubentatzchen, Marie Szendc, erschien vor weragen Tagen bei Madame Schiher und schüttete ihren Liebeskummer in den Busei', dieser ehrwürdigen Dame aus. Ihr Herzensfreund, ein Honocd, vernachlässuic sie gar arg. klagte Mariechen. Die Professorin" lächelte und versicherte der Kleinen, sie möge sich darob kein graues Haar wachsen lassen, es solle ihr geholfen werden. Vor Allem aber mußte der Frau Schiher selbst durch Verabreichung des einsprechenden Honorars geholfen werden. Nachdem diese Angelegenheit zur Zusriedeicheit der Professorin" geordnet war, vertraute sie dem Mädchen folgendes gelzcimnißvolle Recept an: Kaufen Sie in der Apotheke für drei Kreuzer Gll)ceriu. gehen Sie dann ruhig nach Hause, stehlen Sie von Ihrer Frau ein Glas so st baren Weines und mischen Sie diesen mit der Hälfte des Glycerins. Diesen Trank lassen Sie einen ganzen Tag stehen und verehren ihn dann Ihrem Geliebten, wobei Sie aber darauf zu achten haben, daß er das Alles bis auf den Grund leere." Armer Honved ! Er leerte diesen niederträchtigen Zaubertrank" bis zur Neige wie ein echter Soldat; dann aber kam es fürchterlich über ihn! ... Als er von seinen jammervollen Schmerzen sich halbwegS erholt hatte, prügelte er seine Donna fürchterlich durch und verließ sie zur selben Stunde. Marie erstattete nun gegen die Professorin" die Anzeige, und diese wird si$ demnächst vor Gericht zu verantworten haben. Die Censur in O e st e rreich ist immer noch so geistreich, wie sie es in den vierziger Jahren war. Eineu neuen Beweis hat sie wieder mit der Ccnfnrirung von Wilhelm Tell" gegeben, welches Schiller'fche Werk zur Äusführung für das soeben in Wien neu eröffnete Deutsche Volkstheater" bestiünni war. Die Wiener Censur verbicttt den Schweizern von Tyrannei" zu sprechen, aber auch die Freiheit" dürfen sie nicht im Munde fübren Rüden.;, dcuk bekehrten Junker, wiro die Keckheit benommen, mit derer vor Geßlerhintritt; er darf die kühne Aeußerung nicht wagen: Und stündet ihr nicht hier in Kaisers Namen, Den ich verehre, selbst wenn nign ihn schändet." Ebenso wurde dem alten, sterbenden Attinghanscn daö Seherauge geblendet, und er darf in seiner Todesstunde blos von einem 1. ?. Publikum, nicht aber such von einem hohen Adel sprechen. Der .Adel steigt von feinen alten Burgen Und schwört den Städten sein Bur gereid". Auch daß des Adels Blüthe fällt und die Freiheit siegend ihre Fahne erhebt", gefällt der Wiener Censur nicht, und sie streicht es. Schließlich wurde ASüßi, der vorlaute Flurschütz, gemäß"regelt. Er darf nicht sagen: ,,Das Opfer liegt - die Raben steigen nieder?!?" O, Du mein Oesterreich!
Sein Bursche. 4tt dem Italienische frei ssm-ndo U AmlklZ. Vier Jahre waren eS schon, daß sie zm sammen lebten, und niemals hatte auch
nur für den geringsten Augenblick der Eine vergessen, daß er Ofsicier, und der Andere, daß er einfacher Soldat sei. Der Eine war soldatisch streng, der. Andcre soldatisch gehorsam. Und doch liebten sie sich, freilich mit der rauhen, unbehilflichen, stummen Zuneigung, welche kein Aufsehen von sich selbst macht, welche sich niemals ausspricht, welche die geringste Anwandlung von Zärtlichkeit unter einer derben Manier verhüllt, die sich nur im Schweigen beredt zeigt, beim Sieden aber schüchtern im Hintergrunde bleibt, die allen Schmeicheleien feind ist und die sich daran gewöhnt hat, die Zähne auf einander zu beißen, wenn ihr das Weinen ankommt und die Thränen zurückzudrängen, um nicht schwächlich und übersüß nach Außen zu erscheinen. Es bestand zwischen ihnen stets eine äußerst lakonische Ausdrucksweise; sie verstanden sich schon durch einzelne Silben, durch Winke mit den Augen, durch Gcberden: der beiden gemeinsamer Dolmetscher war die Uhr, welche Alles, auch ihre Schritte und ihre Worte, mit mit der größten Genauigkeit regelte. Befehlen der Herr Lieutenant noch etwas? Nein ! So kann ich gehen? Geh! Das war die tägliche Abschiedsformel ; niemals ein Wort mehr. Und so waren die Tage, die Monate, die Jahre vier Jahre in der Garnison, im Quartier, im Manöoerfeld, auf dem Marsche, im Kriege dahingegangen, und es war nach und nach in den Herzen Beider eine tiefe, ernste und doch sich selbst gleichsam unbewußte Zuneigung empor gewachsen, und dieselbe bestand während dieses unabänderlichen Schweigens, während dieser kuiicn, rein foldatifchen Gespräche, während dieses flüchtigen Austausches von Blicken, von denen der eine befahl: thue das! und der andere aehorsamte: zu Befehl! Sie bestand m solcher Herzlichkeit, solcher Hingebung, daß, wenn Einer in die Herzen Beider hätte schauen können, ihm im Vergleich zu ihr der feurigste Austausch von Zärtlichkeiten matt erschienen sein würde. Sie hatten sich in den gewichtigsten Augenblicken im Felde Seite an Seite gefunden, wenige hundert Schritte vor den feindlichen Kanonen und bei jedem Vorbeisausen einer Granate hatte der Eine rasch seine Augen nach dem Andern umherschweifen lassen und hatte, wenn sie ihn gefunden hatten, aufseufzend bei sich selbst gedacht: Auch diesmal ging es glücklich vorüber. Sie hatten mehr als eine regnerische und kalte Nacht zusammen auf Vorposten durchwacht, mit den Füßen im Sumpf und das Gesicht dem Sturm preisgegeben, und wenn dann am Morgen das ablösende Bataillon in die Stellung einrückte, hatten sie einen lächelnden Blick gewechselt, gleichsam als wollten sie sich gegenseitig zurufen: Jetzt geht's zum Lager zurück: freue Dick. nun kannst Du ausruhen! Viele Male auf einem langen, heißen Marsche hatten Beide zu gleicher Zeit sich umgedreht, um nach den Kilometersteinen am Straßenrande zu schauen, und viele Male hatten sie deren mehr als vierzig gezählt; dann tauschten sie, roeun sie bei dem letzten angelangt waren, einen Blick des Trostes und des Mitleides aus, in welchcm zu lesen war: Noch zwei noch r t . ... ' emer dann sind wir dort! Und dann. w:e oft im Lager hatte in der Abendstunde, in der sich das Gemüth auf den Lärm des Gewehrfeuers einrichtet, das wohl die Schläfer wecken wird, sich der Eine in dem Zelte hingestreckt und der Andere hatte es ihm bequem gemacht und ihn mit dem Mantel gegen die Nachtluft bedeckt. Gute Nacht, Herr Lieutenant hatte dann der Soldat beim Weggehen gesagt und dem Lieutenant hatte es geschienen, als wenn Jenes Stimme leise gezittert hätte, und als wenn daö letzte Wort nicht in gleicher Stärke herausgekommen wäre ; und mit demselben Ausdrucke hatte er ihm den Gruß erwidert. Wie oft, wenn der Eine einen Brief brachte und der Andere die Hund ungeduldig danach ausstreckte, war über beider Mienen ein leises Lächeln dahingeflogen. Es ist ein Brief ans dem Elternhanse; ich kenne die Schriftzüge; er ist von Deiner Mutter hatte der Eine sagen wollen. Danke! hätte ihm der Andere gern geantwortet Du hast mir die frohe Botsehnst mit Deinen Augen gebracht. Nach folchen stummen Scenen kehrten Beide zu ihren gewöhnlichen schweigsamen und strengen Gewohnheiten zurück. Niemals hatte der tüchtige Soldat, sei eö beim Eintreten in das Zimmer seines Ofsicierö, fei es beim Verlassen desselben, versessen, die Hand mit strammer Geberde an sein Käppi zu legen, das Haupt aufzurichten und dem Ofsicier aufgerichtet und unbeweglich xC Gesicht zu schauen, und wenn er weg ging, hatte er immer seine Wendung an der Thür ganz vorschriftsmäßig gemacht. Sie hausten erst seit vier Jahren zus?mmen ; aber der Soldat, welcher gleich nach dem ersten Jahre seiner Dienstzeit Bursche genzcrden war, stand jetztkurz vor seiner Entlassung. Nur einige wenige Worte außer den gewöhnlichen wurden an diesem Tage zwischen dem Ofsicier und dem Soldaten gewechselt, aber ihre beiden Herzen hrelten ein langes Zwiegespräch. Befehlen Herr Lieutenant noch etwas? Nein. . . . heut ist der Entlassungsbefehl für Deineu Jahrgang eingetroffen. In zehn Tagen wirst Du abgehen. ES folate ein langes Stillschmeiaen, ohne daß ihre Augen sich begegnet wä ren. . . . Kann ich gehen? Geh nur. Dieses Mal war dem kurzen: Geh! ein nur hinzugefügt worden, ein großer Schritt vorwärts auf dem Pfade der Zärtlichkeit. Das Herz wurde ihnen schwer, doch nicht für Beide in gleicher Weise. Der Eine verlor einen Freund, ja, mehr als einen Freund, einen Bruder, der ihn mit bttnahe andächtiger Hingebung nebte; der Andere verlor ebenfalls einen Freund, einen Bruder; aber dieser blieb da. Jener kehrte in seine Heimath zurück. Und das mußte für ihn doch eine große Freude seur. In die Heimath! Nach so vielen Jahren, so vielen Gefahren! Wie;
jrrrt oft hatte er Abends im Lager, wenn die langen und melancholischen Töne des Zapfenstreichs sich hören ließen, wenn unter den Zelten die Lichter erstarken und in dieser ganzen Leinwand - Stadt, die kurz vorher noch von so heiterem Leben erfüllt war, die tiefste Ruhe sich verbreitete, wie oft hatte er in diesen Augenblicken einer verzagten Melancholie das Haupt in den Händen geborgen und an seine ferne Mutter gedacht und sich gefragt: Was macht wohl jetzt, in diesem Augenblick, jene arme grau? In die Heimath! Wie oft hatte er im Biwak im Laufe der Nacht hier und dort in den Gruppen feiner Landslcute die ländlichcn Gesänge anstimmen hören, welche sie auch dort, zu Hause im Sommer sangen, am Abend, im Mondcnschein unter den Linden auf dem Dorfplatze; dann läßt sich dort unter den vielen Stimmen der Frennde und Verwandten eine besonders klare, liebliche, silberne schüchterne Stimme vernehinen, welche stets so gnt den Weg zu seinem Herzen fand o, wie freudig hatte er jene Gesänge der Landslcute immer begrüßt als einen Gruß aus der fernen Heimath. Und nun dorthin zurückzukehren! Unerwartet dort einzutreffen ! Jene Gegend, jene Dörfer wiedersehen zu dürfen! Von Weitem fchon wird er das väterliche Dach erkennen, wird den Schritt beflügeln, athcmlos anf dem trauten Hof ankommen; dann wird die schon erwachsene Schwester herauskommen und mit ihr der jüngere Bruder, der damals noch ein Knabe war, und auf ihre Rufe werden alle Anderen herbeistürzen; er wird von ihnen umringt, macht sich los, rennt zum Hause hinein und rust nach der alten Mutter; sie kommt ihm schon entgegen mit offenen Armen und Freudcnthränen im Auge, und er wirst sich ihr an den Hals, wird von ihren lieben Armen eng umschlungen und erlebt das heiligste aller irdischen Freudengefühle sind das nicht Erlebnisse, die, auch wenn man sie jetzt blos für die Zukunft erträumt, jede Bitterkcit versüßen, jede Wunde heilen müssen? Nichtsdestoweniger waltete in der Seele dieses braven Burschen nur der einzige Gedanke an die bevorstehende Trennung von seinem Ofsicier vor. Es trennt sich ja auch ein wackerer Soldat niemals von seinem rauhen Mantel, der ihm während so vieler Jahre als Decke und Kissen gedient und auf den er mit Bürste, Nadel und Seife so viel Mühe verwandt hat, ohne eine gewisse Betrübniß im Innern zu verspüren, eine gewisse unklare und unruhige Zärtlichkeit, wie bei dem Abschied von einem Freunde, mit dem man sich oft überwerfen hat und dem man eigentlich ein wenig gram fein müßte, den man im Grunde aber iinmcr geachtet und ost wird man aus Versehen, und weil man dce alte Slnaewohnhett noch nicht ganz los werden kann, mit den Händen , i. :t. ? - - nuvy iiucu iuujcn. . . .ivie argerlicy, oazz man sie nicht mehr sindet. Der Ossicier war nachdenklich gemorden und hatte nie wicher ein Wortveiter Ztt den gewöhnlich gewechselten hinzugefügt. Und ebenso der Soldat. Aber ihre Blicke beaeaneten sich bäufiaer und hingen länger aneinander, und eö schien, als wollten sie sagen: 'Du leidest, ich mi r a 0. ift.rLi l. . 7 i . r i. jcjci viutuui vcorijie jeiuc Obliegenheiten langsamer, um sich länger im Hause aufhalten zu können und tlw jo, in vielen letzten Taaen. für die bevorstehende Trennung zu entschädigen. Anfänglich machte er Alles mit einer noch unaussalltgen Langsamkeit: dann mit emer offenbar ausgeklügelten Langsamkeit; zuletzt gab er sich den Anschein, als wollte er den Staub von den Tischen und i.".,r'... "f-r. ... t n stufen nn iyen. aoer mei nens veweare er, sich ganz einem traurigen Nachsinnen überlassend, das Staubtuch blindlings hin und her, ohne etwas xu berühren. Unterdessen verfolgte der Ofsicier. der aufrecht und unbeweglich, mit gekreuzten Armen vor dem das Bild des Burschen I-t. r fT" r-, r r i. wieoergeoenoen piegez tani, ausmerr sam alle Schritte desselben und jede Bewegung seiner Mienen, vermied aber,, seinen Blicken zu begegnen, indem er dann jedesmal Zerstreuthelt heuchelnd das Gesicht und die Augen zur Decke wandte. .Kann ich gehen. Herr Lieutenant?" Geh' nur!" Und der Soldat ging hinweg. Noch war er sedock nickt mebr. als zwei Stufen hinabgestiegen, als aus l, r r rt a vzm S""incr ein yasllges: omm yerein" ertönte und .zurückkehrte. Was befehlen der Herr Lieutenant noch?" CllljCl X. y i y. r yiuma. cy woule'nr nur jagen, .... nichts, nichts ; ich werde es mor gen sagen; geh' nur!" Und gewiß hatte er ihn zurückgerufen, um ihn zu leycn und, nachdem er um zum zweiten Male hatte davongehen sehen, hafteten seine Augen lange Zeit unverrückt auf der schwelle, uver welche jener hinaus geschritten war. ' . . Es kam schließlich der Tag der Enttaziung yeran. er Usstcr saß zu Hause am kleinen Tische gegenüber der ge,cytojjenen 'hure. Nur noch eme Stunde dauerte es, dann mußte sein Bursch: kommen, um Abschied ron ihm zu nehmen und abzureisen. Er rauchte stark, blies die Rauchwolken in die Höhe und degleltete zerstreut mit jelneu Augen lyren zangjamcn und ttch rmgelnden zug, ä 1s I m m . H eis ic icü m der utt auttölten. Rauch, welcher über seinen Äugen hinwegzog, machte ihm die Augen feucht. und er trocknete sie von Zeit zu Zeit mit der Ztückseite der Hand, verwundert darüber, daß ihm die Thränen so dick herabperlten, als weinte er wirklich. Er gab d;e Schuld daran allein dem Rauche, wollte sich über sein inneres Ergriffent.tl'tm r r i . t- t r vi n ziTi laufen, vasjetve vor n cy icivjr verfehlen und der Cigarre das zuschieben. was doch aus dem Herzen stammte. Und er dachte: Nun, es war ja vorauSzusehen. Was nüjzt es also, es sich zu Herzen zu nehmen? Hab' ich es nicht gewußt, als ich ihn als Burschen annahm, daß ich ihn nicht ewig behalten würde? Hab' ich eL nicht gewußt, daß seine Dienstzeit fünf Jahre dauerte ? Und hat nicht dieser Mann ern Vaterhaus, eine Familie, wo er geboren und aufgewachsen ist, von wo er sich mit Schmers zen getrennt hat und wohin er mit Freuden zurückkehren wird? Sollte ich etwa annehmen, daß er um meiner schönen Uuaen willen Soldat bleiben urre?. Ich würde ein Egoist sein
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getlcvz yat. ene .Ykntertajcben, in denen liiern im Arrest die Tabakspfeife verbarg, wenn der Nonde-Ofsicicr erschien, wie
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Ja, ich bin eS wirklich. Welche
Band der Dankbarkeit fesselt rhn an nick? Was babe ick denn für ihn gethan? 5tn welcher Beziehung ist Jener mir verpflichtet? O, in der That, m vte- . ', ' .i ler Bezlehung. JD yave lym nie eiwa Anderes als Grobheiten erwiesen, wirklich. Immer stehe ich dort vor ihm mit der vermaledeiten Fratze eines Jnquisttors. Es ist so mein Temperament, freilich: was kann ich da machen? Es ist unnük. ick kann die Worte nicht sinden, um gewisse Dinge zu sagen. Aber, wenigstens tin etwas sreunvtlcyeres Besicht könnte ich ihm zeigen. Nun geht er fort. t kehrt nach Hau,e zurucr, um auf seinen Feldern zu arbeiten, um sein früheres Leben wieder auszunehmen; nach und nach wird er alle militärischen Gewohnheiten ablegen, wird Alles vergelten, auch zein Regiment, ancy tixt Kameraden, auch feinen Lieutenant. Was tbut es: wenn er nur zufrieden weiter lebt. Aber ich, werde ich ihn vielleicht auch vergessen? Wie viele Zeit wird erst verstreichen müssen, ehe ich mich an ein neues Gesicht gewöhnt habe, bevor ich Morgens, beim Erwachen, ihn nicht mehr vor mir zu Zehen vermeine, wie er eifria besckäftiat war. dort in der Ecke des Zimmers seine Obliegenheiten zn erfüllen, so still und aleichlam, ohne ich zu bewege und ohne Athem u holen, um mich nicht vor der Zeit zu wecken? Wie r t c. ' -f r i x u. . M, ... vsr weroe icy lyn nicyr nocy, loznn zu, ziwacht bin, bei seinem Namen rufen? So viele Jahre des gemeinsamen Lebens, der hingebenden Anhänglichkeit, des ausopserungsoollen Dienens und dann ihn so fortgehen zu sehen von einem ag auf den anderen. Na! es ist nun einmal unzer Beruf, da lazzt sich nichts welter sagen. Man muß sich trösten.. .. Welch' ein braver Kerl aber war er! Welch' gutes Herz ! Wenn ich so manchmal während des Marsches, auf's Aeur. n. -i. c .Cr". .. !l .l jjciiic ermuoer, von ozi svnnz yciunci, unter dem Staub erstickend, einen Augenblick innehielt und die Augen umherschweifen ließ nach einem Tropfen Wasser, wie rasch wurde mir dann immer eine Feldflasche eutzegeugehalten, wie klang so treu eine Stnume: Befehlen der Herr Lieutenant zu trinken?. . . . Er war es. Heimlich war er aus dem Gliede geschlüpft und war davongerannt, um Wasser zu schöpfen .... vielleicht weit weg, wer weiß wohin; in einem Augenblicke war er zurückgekehrt, athemlos, schweißtriefend, ermattet und hatte sich hinter mich gestellt und hatte gntrnr tet, bis ich Verlangen nach einem Truuke halte. Wenn ich im Lager unter dem Schatten eines Baumes etwas eingeschlafen war, nnd die Sonne nach und nach meiil Gesicht traf, pflanzte eine s gliche Hand einen Zweig an meiner Seite aus oder spannte eine Leinwand über mir aus oder baute drei oder vier Tornister aufeinander oder breitete über eine Gewehr - Pyramide einen Mantel aus, so daß die Sonne mich nicht weiter belästigte. Wessen war diese Hand? Die seinige war es, immer die seinige. Kaum waren wir nach sechs, sieben, acht Stunde!: Wegs am Halteplatz angelangt, kaum waren die Zelte ausgeschlagen, so verschwand er, nnd ich konnte ihn suchen. mit lauter stimme un ganzen Lager rufen nnd in Wuth gerathen, wo ist er nur? Wer weiß, wo er sich versteckt hat? Seht nur, waö er für ein Mensch ist, ist das eine Art, sich zn betragen? Wenn er kommt, werde ich ihm schon zeigen, ob heute ein Festtag ist ; und so fort in diesem Tone. Einige Minuten später sah ich ihn von Weitem herankommen, tief gebeugt unter einer Strohbürde, mit ungleichen und kleinen Schritten vorwärts schreitend ; nach rechts und links schalt er mit denen, die ihm eine Hand voll des Strohes wegnehmen wollten, stolperte über die Stricke der Zelte, mühte sich über Gräben und Zaune hinweg, trat auf die Tornister und auf die in der Sonne ausgebreiteten Hemden, stieß die Schläfer an und zog sich eine Fluth von Verwünschungen nnd Scheltworten auf den Hals. Als er neben mir angekommen war, warf er das Stroh auf die Erde, stieß einen tiefen Seufzer aus und trocknete sich die Stirn. Der Herr Lieutenant haben auf mich warten müssen, nicht wahr? sagte er dann schüchtern. Nehmen Sie es nur nicht übel, ich mußte so weit darnach gehen. Dann breitete er das.Stroh auf' den Boden hin in der ganzen Ausdehnung einer menschlichen Lagerstätte, schichtete einen Theil davon auf, legte einen Tornister nach Art eines Kopfkissens darunter und wandte sich dann zu mir: Jst eS so recht, Herr Lieutenant? Guter Kerl, dachte ich bei mir. ich war mit Unrecht auf Dich böse. Geh', sagte ich ihm dann, geh', und ruhe Dich aus, auch Du wirst es nöthig haben. Aber ist es so recht? fragte er hartnäckig weiter wenn es nicht genug ist, hole ich noch mehr. Ja. ja, eS ist gut so ; geh' jetzt und ruhe dick aus; geh', verliere eine Zeit weiter. Und manchmal auf dem Nachtmarsche, wenn ich fühlte, daß mich der Schlaf übermannte, wenn ich, wie eö vorzukommen pflegt, schwankend weitermarschirte, von einer Seite des Weges a.kf die andere strauchelnd, wenn ich alsdann allzunahe an einen Graben gerietli, dann legte sich eive leichte Hand auf meinen Arm und zog mich sanft auf die Mitte der Straße, während eine schüchterne Stimme ehrerbietig mir zumurmelte Passen Sie auf, Herr Lieutenant, da ist ein Graben. Immer war er es ! . . . .Aber wag W ich nur diesem Manne angethan, daß er mich mit Sorgsamkeit und Zärtlichkeit, wie eine Mutter, überhäufen zu müssen glaubt?' Welches Verdienst habe ich ihm gegenüber, daß er nur für mich lebt u::d wohl auch für mich, dessen bin ich sicher, sein Leben hingeben würde? Diesei arme Kerl nnt seinen derben Geilchtsügen, seinen dutch den Spaten' schwieliq rp wordenen Händen, seinen durch Mnkse ligkeiten und Entbehrungen aller Art abgehärteten Gliedern, der ohne Vildung, ohne Erziehung durch's Leben schreitet, der in einer ländlichen Hütte geboren und herangewachsen und unerfahren in jedem städtischen Gebrauche jst, auf welchem Grunde und anf welche Weise hat er sich zu einem zartfühlenden. sreundlichen und kindlichen Menschen umgevllver, Verven Atyem anhält um mich nicht aus dem Schlafe zu stören, der mich ängstlich an den Kleidern zupft, um mich vor einer Gesahr zurückzuhal
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rnnrrrc1 WiZ ten, der mir die Briefe mlt der Spltzk feiner Finger überreicht, als fürchte er, sie zu entweihen, und sich beglückt fühl durch ein wohlwollendes Lächeln, durch ein freundliches Wort, durch jeden er munternden Wink und jeden zufriedenen Blick, den ich ihm fpende? Wie geht da3 zu? Ah, man muß wirklich annehmen, daß das menschliche Herz unter diesem Rocke ein neues Schlagen lernt, ganz unbekannt dem, der nicht Soldat ist oder war. Vie eute fetzen rn uns keine anderen Gefühle voraus, als die, welcht unsere Seelen in Kriegszeiten durchbrausen. Aber in Wirklichkeit kennen uns di? Leute wenig. Siewissen nicht, daß das Herz eines echten Soldaten nicht allein nicht altert, sondern sich auch stets verjüngt und sür die freundlichsten Ge, fühle der Jugendzeit empfänglich bleibt, und daß es in den letzteren viel, lieber lebt und sich viel mehr ergötzt, als in den stürmischsten und schrecklichsten Aufregungen des Krieges. O, wer nicht Soldat gewesen ist, wird niemals die Hinnei gung begreifen, die mich zu diesem Bur schen erfaßte hat. Ganz unmöglich. Dazu muß man viele Nächte im Biwak zugebracht ha ben, viele Märsche im Monat Juli hinter sich haben, muß viele Male unter hesti gem Regen auf Vorposten gestanden und Hunger und Dnrst bis zum Ohnmächtig, erden verspürt haben, und dazu muß man immer an seiner Seite jenen Freund gehabt haben, der Einem den Mantel umgeschlagen hat, um die Kälte abzuwehren, oder Einem die Kleider getrocknet hat, oder Einem einen Trunl Wasser oder einen Bissen Brod darge böten hat, wobei er sich selbst dessen beraubte, was er darreichte. Diener! Bursche! So nennt man ihn. O (er machte eine Bewegung der Verachtung und des Abscheus),es ist eine Schmäbung. Ja .... denn wenn dieser Mann da an der Schwelle vor mir aufgerichtet dasteht und mich grüßt und mir fest ms Gesicht schaut mit seinem ehrerbietigen, schüchternen, anhänglichen Blicke, so bezeugt der Wink, mit dem sch ihm gehietc, sich zu rühren, ihm gegenüber dieselbe Achtung, wenigstens meinem Gesühle nach, die seine Bewegung des Stillstehens und Grüßens mir gegenüber verräth. Und dieser Mann verläßt mich läßt mich allein geht weit weg und niemals werde ich ihn wiedersehen ! .... Aber warum nicht? Ich werde ihn einmal auf suchen, ich selbst. Ich werde zu ihm hinreisen, wenn ich auf Urlaub bin ; den Namen seiner Heimath kenne ich ja, ich werde mich noch nach dem seines Kirchspiels und seines Dörfchens erkundigen, werde hineilen, ihn bei seiner Arbeit auf dem Felde überraschen, werde ihn bei Namen rufen. Erkennst Du Deinen Lieutenant nicht wieder? Ist eö denn möglich? Herr Lieutenant! Sind Sie es wirklich? ' so wird er überrascht mir entgegen rufen. Ja, ja. ich hatte das Bedürfniß, Dich wieder zu sehen. Komm' her. mn braver guter Kerl, umarme mich ! In diesem Augenblick hörte er auf der Treppe einen leichten Schritt, langsam und ungleichmäßig kam er herauf, wie der Schritt eines Menschen, der zögernd emporsteigt nnd sein Kommen immer noch etwas hinauszuschieben sucht. Er lauscht, ohne den Kops umzuwenden ; der Schritt nähert sich; er fühlt einen Stich ins Herz, dreht sich um dort an der Schwelle steht er der Bursche. Er hatte eine verwirrte Miene und geröthete Augen; er grüßte militärisch, that einen Schritt vorwärts und schaute seinen Ofsicier fest an. Dieser hatte sein Gesicht nach der anderen Seite gewendet. Herr Lieutenant, ich reise ab. Aus Wiedersehen antwortete ihm dieser, die Lippen bei jedem Worte zusammenpressend und immer dabei hinwegschanend. Auf Wiedersehen.... Glückliche Reise.... komm' gut nach Hause. . . .sei fleißig . . .und fahre fort, ein braver Kerl zu sein. .. .wie Du ti immer gewesen bist bis jetzt.... Lebe wohl. Herr Lieutenant! rief der Soldat mit zitternder Stimme aus, indem er einen Schritt weiter anf ihn zutrat. Geh'! geh'! damit Du die Zeit nicht versäumst; geh', es ist schon spät, beeile Dich. ' - Und er streckte ihm die Hand hin ; der Soldat drückte sie ihm heftig. Reise glücklich. . . . und denk' an mich! Ja? Wirst Du manchmal, an Deinen Lieutenant denken? Der Bursche wollte antworten, sirengte sich an, ein Wort hervorzubringen, konnte aber nur einen Seufzer ausstoßen: er drückte noch einmal die dargereichte Hand, machte dann Kehrt, schaute auf die Thür, schaute nochmals zurück auf den Ofsicier, der och immer, das Gesicht abgewendet, dastand, that dann einen Schritt vorwärts.... Herr Lieutenant ! rief er dann schluchzend aus und eilte rasch zur Thür hinaus. Der Andere, allein zurückgeblieben schaute sich um und stand nöch kurze Zeit, die Augen auf die Thürschwelle gerichtet, da, dann stützte er die Arme auf den Tisch und verbarg sein Gesicht in den Händen. Zwei große Thränen bildeten sich ihm in den Augenwinkeln, leuchteten dort einen Augenblick und stürzten dann rasch über die Wangen herab, gleichsam als ob sie sich fürchteten, gesehen zu werden. Er strich sich mit der Hand über die Augen und betrachtete dann seine Cigarre; sie war ausgegangen. Ah, diesmal waren es wirklich Thränen, und die Stirn auf den Arm gestützt, ließ er sie diesmal fließen; es war ihm ein Bei dürfniß. ' 5 Erkannt. Jette wird auf dem Balle von einem Einjährigen zum Tanze aufgefordert. Da sie nicht weiß, wai die Schnüre" zu bedeuten haben, drückt pe ihm ihr Geldtäschchen in die Hand: ,D, Dragoner!" Nee, laß man Kindchen", wehrt der zukünftige Reservelieutenant ad.. Nach dem Tanze zieht sich Jette in einen 'Winkel zurück und jagt schluchzend zu ihrer Freundin: Scheen. is er ja, aber siehst De, det hab' ick doch jleich jemerkt: der ment et nich ehrlich l" i Karlchen so ll mit Main ausgehen. .Was ist Dir lieber, Mj ia", fragte er, soll ich mir die Hän, aschen, oder soll ich Handschuhe .
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meint Hunve. int aturhlstorische Plauderei d. O,ear JftiA. Ich weiß nicht, ob ich im Thierbilde des Hundes geboren bin. Es scheint so, denn meine Vorliebe sür den viersüßigen Freund der Menschen hat mich nie verlassen, und ich glaube, diese Vorliebe aus meinen Großvater zurückführen zu dürfen. Dieser beschenkte mich, damit ich ihn auch in seiner Abwesenheit Nicht vergäne, mit einem Hund auf Rädern, mit dem ich mir ungezählte Beulen schlug und durch das Ablecken der Farbe zu verschiedenen Malen den Magen verdarb. So prägte sich der Hund schließlich mit einer andere Eindrücke überdauernden Festigkeit ir mein Kindergemüth. Die Schwärmerei für ungefährliche Hunde köpfe hinderte übrigens nicht, daß ich vor den Originalen einen heillosen Respect hatte. War ein Hund mit mir in demselben Raume, so ging es mir wie dem mit seiner Haushcrrlichkeit prahlenden Ehemann, wenn die Schwiegermutter in Sicht ist: ich verstummte. Die Erinnerung der schwersten Secunden meines Lebens knüpsen sich an einen Holzplatz, auf welchem ich mich eines Nachmittags mit einem gelben, die Kette hinter sich herschleppendcn Spitz allein sah. Das Thier machte allerhand Bewegungen, die vermuthlich dem Wunsche Ausdruck leihen sollten, mit mir ein bischen zu spielen. Mir erschienen sie indeß als heftigste Bedrohung, und ich flüchtete mit richtigem Instinkt nach einem Orte, der als Zuslucbt wenia aeeianet war in die Hundehütte. Das Thier, welches sich durch mich so unerwartet um sein Nach-, Mittagsschläfchen gebracht sah, duckte sich ein ums andere Mal nieder, machte von rechts nach links lebhafte Sprünge und bellte unausgesetzt, a!s wollte es von seinem Hausrecht Gebrauch machen: Ich aber, ein sechsjähriger Knirps, verkroch mich immer tiefer und schrie immer verzweifelte?. Wie ich aus diesem Abenteuer gerettet worden bin, weiß ich nicht mehr, für einen Spitz aber habe ich seit jener Stunde niemals Sympathie fassen können. Er müßte denn sehr klein sein. In meinem Knabenalter legte ich etwas von der mit geheimer Liebe gepaarten Hundefurcht ab. Bei Fußwanderungen im Gebirge suchte ich die Gehöste, vor welchen ein großer, struppiger Hund mit berausgestreckter Zunge lag und den Fremden mit einem Seitenblick argmöhnisch anblickte, mit großen Zickzacklinien zu umgehen. In der That wirken bellende Hunde, von denen man nicht weiß, ob sie Einem im nächsten Augenblick zwischen die Beine fahren werden, nicht gerade beruhigend. Man behauptet zwar, daß der Hund den Bösen vom Guten unterschci'den könne, das scheint mir indeß etwas zweifelhaft.? Wenn der Scharssinn der Juristen und Geschworenen .nach taaelanaen Verhören und Beweisausnahmen oft nicht recht weiß, ob der Angeklagte schuldig oder unschuldig ist, so kann man das doch vo.r einem Hunde nicht erwarten. Als ich um jene Zeit einmal bei einem Maurermeister einen Austrag auszurichten hatte, sprang mir ein großer ungekämmter schwarzer Pudel so ein mephistophelischer entgegen und ließ mich vor Gebell nicht zu Worte kommen. Wissen Sie denn nicht," rief da eine etwas geringschätzende Stimme aus einer Wolke, von Tabakrauch mir zn, Hund die bellen, beißen nicht?" Ich weiß eS wohl," antwortete ich einigermaßen beruhigt, ich weiß doch aber nicht, ob es der Hund weiß!" ' Ich sind?, daß ich mit dieser Entgegnung ganz Recht hatte. .Viele Hunde wissen es in der That nicht. Ihr Charakter ist ganz verschieden nnd stimmt nie mit ihrem änßcren Ausdruck. Die größtcngrimmigst dreinblickenden sind rn der Regel die besten. Anstatt der üblichen Acasscneintheilung würde ich mir folgende Gruppirung vorzuschlagen erlauben: a) Hunde, die nicht bellen und nicht beißen ; b) Hunde, die nicht bellen und beißen; c) Hunde, die bellen und nicht beißen; 6) Hunde, die bellen und beiden. Der erste Hund, mit welchem ich in ein mehr familiäres Verhältniß zu treten das Glück hatte, war Defch. Vielleicht hieß er auch englisch Dash. Er gehörte zu Classe ä. Er bellte und biß. Manchmal machte er es auch in umgekehrter Reihenfolge: er biß und bellte erst, wenn er ?ie dem Verbrechen folgende Strafe ü)r sich erhen lassen sollte. Er schien mir eine Mischung zwischen Schäfer-, Wachtel-, Fleischer-, Jagdund Windhund zu sein. Von allen diesen Voreltern hatte er die unangenehmen Eigenschaften angenpmmcn. Unsere Pächtcrtn hatte ihn mir zum Geschenk mitgebracht: er erwies sich aber als ein Danaergeschenk. Es ist nicht damit abgethan, das man sich einen Hunö annimmt, man übernimmt zugleich gewisse Pflichten: füttern,. waschen, pflegen, erziehen, versteuern, ipazierenführen. Allen Bemühungen, ,hm die unerlaßlichste Elementarbildung beizubringen, fetzte er eine unüberwindliche Ungelehrigkeit entgegen. Eine aristokratische Eigenschaft besaß er aber doch: erspielte leidenschaftlich. Er war dabei bezüglich der Gegenstände gar nicht wählerisch. Mamas seidene Mantille, Papas Schlafschuhe, meine soeben vollendete Reinschrist des Erercitiumshestes genügten ihm. Dadurch lnachte er sich bald zum gehaßtesten aller Hausbewohner. Täglich liefen Klagen über den ewigen Ruhestörer und bissigen Köter ein man verstand ihn nicht. Die Erbitterung war anf den Gipfel gestiegen, als er eines Tages verschwunden war. Voll Verzweiflung durchlief ich die Stadt, fragte Alle, die dakamen," vergebens. Nur mit Mühe brachten mich tiicine Eltern davon ab, bei der Polizei Anzeige zu machen; daß sie der Entführnng" noch Vorschub geleistet haben konnten daraus wäre ich nie gekommen. - Einige Jahre später bemerkte ich einmal auf dem Planenwagen der Pächtersleute einen struppigen Köter umherlaufen der alleVorübergehenden wüthend iYi. o r -. ... rr . f ' anoeuie. vjtic) aucy i war aiy. Ich schämte mich dieser Wandlung meineS einstmaligen Lieblings, that so, als ob ich ihn nicht wiedererkannt hätte, ging meiner Wege und zerdrückte eine Thräne. zu, Bei einer Hundeverlsosung siel eine manische Dogge uf mich. Diese Wen
dung bitte ich wörtlich nehmen. S! stürzte aus dem Holzkästg ihrem glückllchen Gewinner mit einer Gewalt zu, welcher ihn zu Boden warf. Das war unsere erste Begrüßung, und fcndci galt ihre leidenschaftliche Zuneigung gar nicht einmal mir, sondern ihrem frühere Besitzer, der hinter mir stand, und dessen Anwesenheit die Besitzüberrraguikg auf mich ungemcin erschwerte. Hektor weinte förmlich, als er durch den Hunde park nach meiner Droschke geführt wurde. Tausend Hunde stimmten aus ihren hölzernen Ställen in das klägliche Geheul ein, als wir vorüberschritten. Bei dem Transport hatte er seine Rolle mit Ajax vertauscht. Er raste. Er stand die ganze Zeit auf zwei Beinen, schob den Kopf durch das osscne Fenster die Scheiben hatte er zerschlagen und heulte zum Herzerbarinen. Ich kam mir vor wie ein Verbrecher. Er, zerkratzte das blaue Polster und machte verzveifclte Anstrengungen, auf die Straße zu springen. Nach einigen qualvollen Wochen schien Hektor sich in die neuen VerHältnisse zu fügen. Ich hatte allein daS Glück, seine stürmischen Umarmungen auf den ausgeweichten Straßen über mich ergchen zn lassen, und mein Rock glich dann mehr einer Tertiärschicht mit Majtodonfußspurcn als einem' KleidnnZsstücke. Täglich mußte ich mit ihm ausgehen, richtiger, er ging mit .uir aus. Er war so unberechenbar in seinen Ncigungen und Sprüngen, daß inir nichts übrig blieb, als athemlos hinter ihm her zu traben. Trotz feiner Gutmüthig keit
jagte er durch Zeine Große überall chrekken ein er warf Marklköibe um, holte sich alles Eßbare von Verkausstlschen, öffnete Fleischerläden und schnoberte Kinderwagen an. Unsere Sxaziergange waren eine Kette unäüsgcseyter Angst beklcmmungcn. Sah ich irgendwo ein Gedränge, da hatte Hcctor sicher etwas angerichtet, was ich als verantwortliche? Besitzer wieder,,,, auszubadcn hatte "Als er eines Tagcö zwischen zwei schwatzendenalten Damen durchspringend, diese zu Fall gebracht hatte, welcher Scherz mit; einen Proceß zuzog, beschloß ich, ihn . aufzugeben.' Ein Eorpsdruder nahm " mir den kostöaren Rassehund zu einem Verhältniß mäßig guten Preise ab, den er um so eher bewilligen konnte, als er za doch nicht daran dachte, ihn zu bezahlen. Da- glückliche Nachbcsitzer verwendete ihn sofort praktisch, indem er ihn auf Ab' ; fuhr lästiger Gläubiger" abrichtete. I Aller guten Dinge sind drei. P hieß er, und Pintscher" war er von Geburt. Nicht rein .von Rasse. Die t Reinheit gehörte überhaupt nicht zu seinen hervorragenden EigeÄfchaftcn. Alle Monate führte ich ihn 3 einer Huidesriser rin, gegen die er eine unüberwindlicAbneigung besaß.' Ich war .-.uf folgen Weise in seine Besitz gelangt. Eine, kalten Decemberabends fragte mich auf der Straße ein armer Knabe, ob das frierende Hündchen, daS er auf d?:n Arme hielt, mir entlaufen sei. Es habe sie? diesen Morgen bei seinen Eli ern zuge' funden, rniWr sei auögesaädt, den recht mäßigen Eigenthümer anssindig z macken, andernfalls das Tlzier auszi setzen. Die Aussetzung eincS HuudcS i nicht so leicht wie die eines Kindes, du Hund findet sofort den Weg wieder zu- , rück. Die Verlegenheit dcS Knaben -dauerte mich, noch mehr der Pintscher, und so nahm ich beide in die warme ; Stube mit. Ich notirtc die Arreste dcö Knaben, traktirte diesen und den Hund, der, nach seinem Heißhunger zu schließen ) mindestens sechs Wochen, 'nichts Ordent liches gegessen hatte, und entließ Ersteren ; Auf mein Inserat, welches den recht ' mäßigen Besitzer zur Abnahme des Hmi des anssorderte, meldete sich Niemand. Wir waren glücklich mit difer Wem dung ; denn wir hatten uns jetzt bereits an daS ewig geschäftige, beharrlich wedelnde Thjcrchcn gewöhnt, so , daß uns eine Trennung großen Schmerz bereitet hätte. Es bekam bald einen Maulkorb, ein-Aett und zahlte Steuern. Der Hund faß neben mir. wenn ich arbeitete ., schlief, während ich mir den Kopf zerbrach, und weckte mich alle Nacht, damit l ich ihn bei Sternenlicht und Monden schein nach der Straße führte. Er war nicht fehlerfrei. Jede Woche qab es auf , unserer stillen Straße eine Scene, wo die Nachbarn zu Gunsten Putzcnö gegen den Hundefänger Partei nahmen. Jede Woche mußte ich ihn einlösen. Am fatalsten war feine Wachsamkeit. Ein wachsamer Hund ist eine wahre Pein; in seinem Pflichteifer bringt er seine Herrschaften um allen Schlaf. Ohne Unterschied bellt er, wenn Leute plaudernd durch die Straße wandern oder sich der Schlüssel eines Miethers im Schlosse ' dreht; bei Dingen, die mich nicht im Geringsten interessiren, geräth er in heftize Zornesaufwallung. Er war von bescheidenen Anlagen, aber von eim rührenden Anhänglichkeit. Seine qiiiP sehenden Tone wenn er mich von We tcm kommen sah, während er am ossen,' Fenster sau ballten straßenwekt. Rr w wohnten zu ebener Erde, Putz machte unser lichotf zur Bell-Mage. Endlich aber nahte auch hier die Stunde der Trennung. Wir übersiedelten und übergaben Putz unserm Mäd chen, die zn ihrem Bruder, einem Pastc in der Provinz, zog. in lebenslängli Pension. Er lebte sich bald in die neu, maulkorbloscn Verhältnisse ein. gewaU unter den andere Hunden des Landstädtchens binnen Kurzem eine Are Autorität und nahm zn an Weisheit und Körperfülle. Das Letztere war vielleicht sein Verhältniß. Nachdem uns Jahre lang die Pettsionsmutter durch Photograph'eu r j . r . ; r. . und avgescynnlene osen jvroie aussuyr Sie Nachricht von seinem vorzeitigen Hcir, qang. Putz war an kettZuchl gestorb nEr starb hochgeachtet und geehrt vou cht zanzen Stadt. Nach ihm werden e, nie mehr einen Hund haben. Nach .'ten drns keinen König. nen Neulich beZuchten wir unser Mädö er, önd sie söhrte uns stumm nach einer uai. zäunten Gartcnecke. Ein schlichter Stein giebt dort Zeugniß von einer einst kden' tenden Persönlichkeit. Er enthält nichts' als das Datum des Todesund die Worte: .Da liegt der Hund b egrab cn . e r Jemen F t t u schlecht macht, macht sich schlecht. , 'ln
liche Berichterstattung von dem Bcsindef ihres Pfleglings auf dem Laufenden e ballen Hatte, brachte uns ein Schreib ?
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