Indiana Tribüne, Volume 13, Number 18, Indianapolis, Marion County, 6 October 1889 — Page 7
Ein rSthselhasier Menschen, schlag. CNu von Juliu H. Startmann. '
Ein eigenartiger Menschenschlag beohnt seit ungemessener Zeit die im wirthlichen Schluchten und felsigen Abh?nge des südlichen Cmnberland-Gebir-geÄ und einiger demselben ostwärts liegenden Ketten da, wo dieselben, daä Westliche Nord-CaroZina durchschneidend, sich südwärts nach Alabama hineinzie? hen. Es sind das nicht nur hinter dem Fortschrit! der Zeit zurückgebliebene, sondern riellnehr geistig verkommene, in mancher Hinsicht als decivilisirt zu bezeichnende, blutarme Weiße, welche erst in neuerer Zeit allgemeineres Interesse erregt haben und zum Gegenstande wissenschaftlicher Forschungen geworden sind, deren Ergcbnisse anzuveuten scheinen, daß ihre Vorfahren dereinst aus Wales eingewandert sind. Sie haben keine nennenswerthen Traditionen, welche weiter als zwei Menschenalter zurückreichen und wähnen, daß ihre Ahnen von jeher dort seßhaft gewesen seien. Vielleicht sind diese der Welt so lange entfremdet,-ja ihr fast gänzlich unbekannt gewesenen Gcbirgs'bewohner die Nachkommen der verfcho llenen Colonisten, welche Sir Walter Nsleigh im April 1585 unter dem Comrnandö des Sir Richard Grenoille von Pkumouth in England nach Virginien sandte, und die, ihren Bestimmungsort verfehlend, spat im Juni desselben Iahres auf der Insel Noanoke landeten. Als John White 1590 dort eintraf und sich nach den vernachlässigten, Ursprunglich 180 Kopse zählenden Ansiedlern umsah, fand er nur noch dürftige Spuren einer Niederlassung und die in die Ninde große? Bäume eingefchnittene Rachrichi i vor. daß jene vom Hennathlande lm Stich gelassenen Colonisten westwärts nach Croatan, im County Craven des jetzigen Nord'Carolina, gezogen seien. Wahrscheinlisind jene weißen Wanderer durch den edlen Jndianer-Häupt-ling Manteo, einen treuen Freund der Bleichgesichter, vor der gerechtfertigten Wuth seiner von Naleigh und anderen goldgittigen Abenteurern grausam mißhandelteit Stammesgenossen geschützt und in die ihnen sichere Zufluchtsstätten biereute;: Pamlieo-Sümpfe geführt worden, von wo, sie nach und nach bis in die oben bezeichneten Gebirgsgegenden vorgedrungeil sein mögen. So viel steht fest: in ihren Sitten und Gebräuchen haben die heute in der vrimitivsten Weise lebenden Bewohner jener sterilen Schluchten und Berghalden gar wenig mit den Bewohnern der benachKarten Fußniederungen sowie der breiten, furchtbaren Thäler gemein, von denen sie sich auch in Sprache und religiöser Anschauung wesentlich unterscheiden, und mit denen sie nicht mehr, als durchaus nothwendig ist, verkehren. Auch geben ihre weißen Nachbarn zu, daß jene Niederlasiungen im Gebirge schon weit länger, als man weiß, existiren. Die Wenigsten jener vom Zeitgeist vergesienen Menschen verknogen ihren Namen zu schreiben; auch ist die Zahl Derer, welche nothdürftig lesen können, sehr gering, denn Särnlen hat es dort niemals gegeben. Vom Leben in den Städten haben sie keinen Begriff, selbst BacksteinHäuser haben nur Wenige zu Gesicht be-; kommen. Sie selbst wohnen in armseligen Blockhütten. Die Bauart und Ausstattung der Blockhäuser, deren weite Fugen mit Lehm ausgefüllt sind, ist höchst einfach. Selten enthält eine solche Behausung mehr als ein unteres Gemach, über welchem sich ei niederer Bodenraum zu befinden pflegt, in den man mittelst einer Leiter gelangt. Dort schlafen die Bewohner in einer großen, gemeinsamen Bettstelle, zu deren Anfertigung kein anderes Werkzeug alsArt, Säge und Messer verwendet wurde. Das Lager besteht aus Maisstroh und Laub, worüber einige alte Decken und Felle gebreitet sind. Im unteren Raume steht ein roh gezimmerter Tisch; einige Klotze und ähnliche Sitzgelegeuheiten pflegen die Stühle zu ersetzen, deren Anfertigung der Mehrzahl zu mühfam ist, und welche auch für unnöthigen Lurus erachtet werden. Ein von außen sngeöamer jcainm, der aus steinen oder, gleich den Wänden des Hauses, aus in einander gefügten Blöcken besteht, spendet Wärme und dient auch zur Bereitung der Speisen, welche sich auf MaisBrod Und Hominy, Schweinefleisch und Wildpret beschränken, und denen, wenn es hoch kommt, eine dunkle Brühe, aus Kaffee der einem einheimischen Surrogat desselben bereitet, beigefügt wird. Ein geräumiger, von einer Generation auf die andere vererbter eiserner Topf, mit einem zum Aufnehmen- glühender Kohlen bestimmten und deshalb gerändenem Deckel aus gleichem Metall, nebst einer P saune und einigen. Blechbechern genüg? als Küchen- und Eßgeräth. Bis vor kaum einem Jahrzehnt s kümmerte sirb Niemand um jene seitwärts der Hcerstraßen wohnenden, von der Welt niche beachteten und daher glückliHeu Menschen, welche erst unlängst ers fabreu haben, daß sie wahlberechtigte Bürger einer großen Republik sind, und die schwerlich dadurch beglückt worden sind, daß seither spekulative Politiker sich ihre JSahlstimmen nutzbar machen. , Von noch zweifelhafterem Werkbe als die ienen anfvruchslofen Gebirasbemobnern bescheerte politische Ausklärung" i ist ihre Bekehrung von einem innigen , und lebendigen, kindlichen Gottesglauben zum Baptismus und Methodismus. Seither vereinigte sich alljährlich ? im Herbst eine Anzahl Gemeinde 1 1 ner Association, d. i. eineLaerversamV lung ohne Hütten und Zelte ' uuö dann ' wird mehrere Tage hindurch gepredigt, bekehrt, gesungen, bereuet und Buße getban, daß eine Art hat. , Als Kirche 'vient der ' ZruneWMeZdow mit den uralten GebirgSkuvpeN lnrHZntergrunve'' -1 flsf .zrv-. , rrs.a vl iauunjcmuiuc u9 ii uu ciuiyt gemeinsame Fest, welches selb stoerstand? " r t ' :-: ' fv tlch auch in:t Eirer gesetert wlrd. NeuerdingS sind auch , Mormonensendboten dort thätig gewesen und haben, auf Kopen der bereits etablirten Sekten, fehri viele Eonoertiten gemacht. In einigen Gegenden der Coünties Swaim und Hanwood ist neuestens eine wunderliche Secte ein Produkt der vielartiaen Bekehrungen erstanden, die Castelll- (
ten genannt wird und sich in ihren Versammlungen so toll gebcrdet, daß e8 dort heißt, wcr sich den Capelliten anschließe, der. komme, um seinen Verstand. Dasselbe läßt' sich übrigens auch von nicht wenigen Sekten in den Centren unsere? heutigen Civilisation mit Fug und Recht sagen. Wie aber diese in der Kultur zurückgegangenen Menschen die Segnungen einer höheren Civilisation nicht kennen, so wissen sie auch nichts von , deren Krebsschaden. Habgier und Geiz, Diebsiahl, Lug und Trug und ihnen fremd ; deshalb haben sie auch für Thürschlosser keine Verwendung, und da sie sehr friedfertig leben, so kommen sie mit den Gerichten nicht in Conflict. Advocaten würden unter ihnen nicht enstiren können. Obwohl mißtrauisch gegen Fremde, sind diese Naturmenschen doch sehr gastfrei, und wer unter ihrem Dache Obdach gefunden, der ist dort obsolnt sicher. Geld hat für sie geringen Werth und cirkulirt auch höchst spärlich, denn ihre Ge-schäfts-Transaktionen beschränken sich auf einen in höchst primitiver Weise vermittcltcn Tauschhandel, der kaum nennensmerth ist, weil sie so ziemlich Alles, dessen sie bedürfen, selbst anbauen und verfertigen. Wer erfahren will, wie wemg der Mensch zum Leben bedarf, der kann in jenen Gegenden erfolgreich Studien machen. Die Frauen und Mädchen spinnen und weben auf Spinnrädern und Webstühlen uralter Konstruktion ; auch ist die der Vorzeit angehörende Spindel bei ihnen noch stark im Gebrauch. Die Sprache jener eigenartigen Menschen ist ein Gemiscb von sehr altem und neuerem Englisch, ourchwoben mit schier verschollenen Ausdrücken, welche, aus grauer Vorzeit stammend, sich in wenigen Theilen von Wales als dürftige Neste der uralten Kymerischen Sprache erhalten haben. Ein seltsamer Marchem und Aberglaube ist dort eingewurzelt, und daS Volk hält zäh daran fest. So erzählt man in jenen Gegenden allgemein, am Vorabend des WeihnachtZfestes salter Zeitrechnung. 6. Januar) kniee das Vieh iu seinen Schuppen nieder und bezeige dem neugeborenen Heilande seine Ehrfurcht; auch erwachen dann die Bienen und thun desgleichen. Die Kinder versäumen niemals, ihre Strümpfe in den Kamin zu hängen, damit das Christkinds lein, wenn es in der heiligen Nacht über die Dächer schwebt, seine ihnen zugedachte Aescheerung hineinfallen lasse. Sehr behutsam muß man am Neujahrstage fein, denn wer dann recht handelt, der wird auch das ganze Jahr hindurch sich nichts zu Schulden kommen lassen. Kirchliche Feste werden nicht eigentlich gefeiert; mit Ausnahme der Weihnacht wird ihrer kaum gedacht. Feen und das gute kleine Volk" der Waldgeister, Elsen und Zwerge eristiren dort nicht im Volksglauben; wohl aber erzählt man sich von bösen Geistern, damonischen Unholden und anscren unheimlichen gespenstischen Wesen, sowie von Zauberern und Hexen, zu denen die Leute in schlimmerBedrängniß wohl ihre Zuflucht uehmen. Daß auch jene Wei sen" weit hinter der Cultur zurückgeblieben sind, erhellt daraus, daß ein solcher Zauberer, welcher den Geist des verstordenen Mannes thtt Frau beschwZren sollte, damit derselbe ihr enthülle, wo der Selige" eine ererbte alte silberne Tajchennhr versteckt habe, zu einem dort Land und Leute studierenden Reisenden mit der Bitte kam, derselbe möge ihm behilflich sein, denn er könne nicht Geister beschwöre möchte aber die ihm zugesicherte Belohnung sich nicht entgehen lassen. Anderen Zaubers sei er mächtiq, fügte der naive Hexenmeister selbstbcwnßt hinzu. Dort könnte das Gesindel, welches in unseren großen Städten als Hellseher, Medien, Wahrsager und andere Zauberschwindle? sich breit macht, ein unbcfchranktes Feld für seine Thätigkeit sinden; aber besser stehen diese verbrecherischen Humbugger sich unter den erlenchtetcn, christlichen GeisteSarmen unserer CioilisationS-Centren, die in Palästen wohnen und den Schwindlern gegenüber mit ihrem Mammon nicht zu geizen pfle gen. Der erwähnte, naive Hexenmeister rcpräscntirt seine College, deshalb möge hier noch eine dem "sonst sehr fremdenscheuen Marnic abgerungene Schilderung seines Heilverfahrens mittelst Auflegen der Hände Platz siuden. Rüst man chn beifplelswelse zü einer am Rhema leidenden Person, so wird dieselbe auf eine Lagerstätte gelegt, der Hcilkünfllcr berührt ihre Brust tnit seinen Handflächen und streicht damit am Korper abwärts, bis er empfindet, daß der auszutreibende Nhemnatismus durch seine Fingerkpilcn in den eigenen Körper übergeht. Dann schlenkert er ihn ab, was sich anfangs noch thun läßt, und hebt wieder an zu streichen. Nach und nach wird die Ueberiragnng des Leidens jedoH stärker es erfüllt ben; gänzeii Körper 'dekZ Heilkünstlers und verursacht schließlich demselben solche Pein, daß er spornstreichs zum ilächftiN' Bache läuft, wo er sich durch wiederholte Waschungen des aus - dem Körper des Patienten gezogenen KrankheitsstsskeZ'entledigt. Diese Operation ist sehr anstrengend und muß natürlich entsprechend vergütet werden. Ganz ähnlich ist die Heilmethode der WakanMänner des Volkes der Dakotah. welche die Krankheit eins dem Leibe des Patienten aufsaugen und bann aussveitn. Gegen bösen Zauber hilft uur Feuer; aber nicht die mulhmaßlichen Hexen oder exnlmeier. werden verbrannt, fondern' Väsjinkge,' woran der böse Zauber zuerst sich kundgibt. So wurde unweit Asizville ein wetthvoller Zuchtstier von einer den Leuten räkhjelhasteu Krankheit befallen uuv deshalb für verhext erklärte VMlk nun der bsse 'Zauber nicht auf andere Thiere oder wohl gar aüf Menschen überkragen werde, bauete der Eigen,tüttler,des, erkrankten Thieres mit Hilfe, sekner ' Nachbarn einen Schelterhaufen auf welchem dasselbe bei lebendigen Leibe verbrannt' ilide ' Derselbe barbarische Blauch bestand in (Zagkaud und Schottland ; in Irland dagegen sonderte man ;: wf aüf räthselhafte Weife erkranktet Thier ab, ließ es verenden, schnitt von dem Kadaver den zuerst erkrankten Theil ab und ratkcherte denselben km Schorn-
stein, wodurch der Zauher,vernichteh werden sollte. Unter den zahlreichen Schutzmitteln gegen Zauberet und Uebel jeglicher Art Neyt die Hasenpfote obenan, welche auch Glück bringt ; jedoch sind nicht alle Hasenpfoten gleich wirksam. Am kräftigztcn erweist, sich der linke Hinterfuß eines um Mitternacht auf einer Vegrkbnißstätte lebendig gefangenen Hafen, den man, nachdem ihm der betreffende Lauf abgefchniit 'n worden ist, wieder laufen la&t. Kann nicht ein lebendig gefangener Hafe bcschaft worden, so thut es auch die Pfote eines in der Geisterstunde aus dem Gräberfelde, erlegten Hasen. Mindestens ebenso wirksam ist der Fuß elneS Lampe, welcher auf einer Nkchtsiätte erwischt würde. ' " Dieser Aberglauben ist übrigens fast im ganzen Süden der Union verbreitet. So heißt es in der Ausgabe der Atlanta Constitution vom 8.' Februar dieses Jahres: zwischen Himmel und Erde hängender Mensch, der im Todeskämpfe sich krümmt und windet 3000 Zuschauer auf den Abhängen derHügel und in den Wipfeln der Bäume, sowie an tausend Männer und Buben, welche einen armen Hasen lachend, schreiend, heulend jagen, das ist ein Anblick, der wohl wewgen Sterblichen zu Theil wird. In Cobb County wnrde heute solch' ein Schaustück aufgeführt." Das Häslein war durch das Fallen der Galgcnklappe unter einem dicht neben dem Schasfott stehenden Busch ausgeschreckt worden und werd auch erwischt. Richter Winn," heißt es in dem angezogenen Bericht weiter, bot dem Knaben, 'welcher den Hasen erbeutet hatte, fünf Dollars für ckne Pfote, aber der Bursch schlug das Geld aus. Um den Hasenfuß mehr zauberkräftig zu machen, muß man ihn heimlich in der Tasche tragen, bis man in einem hohlen Baumstumpf stehendes Negenwasser sindet. Dort hinein taucht man die Pfote und besitzt dann ein Amulet, das sich gewaschen hat. Nebst anderen Amuletkcn und Talismanen ward dem Präsidenken Cleveland auch eine Hascnpfote von einem feiner Verehrer in Texas zügesandt. Den Weibern ist es von höchster Wichtigkeit, daß ein an einem Mittwoch oder Samstag in Arbeit genommenes Kleid an einem gleichnamigen Wochentage fertig gemacht werde; sonst wird die Betreffende sterben, ohne es getragen zu haben. Sonntags darf man nicht nähen ; es fei denn, daß man den Fingerhut nicht braucht, sich also gewissermaßen kasteiet. ; Das Nmdvich legt sich im Frühjahr nienials mit vollem Magen zür Nachtruhe nieder, bis das Siebengestirn aufgegangen ist. Wenn es regnet, dann prügelt der Teufel sein Weib (?), daß es weint. Federbetten und Hunde ' ziehen den Blitz an ; deshalb bleibt man nicht im Bette, wenn es gewittert, und sagt auch den Huitd aus dem Hause. Liegt cm Hund auf der Thürfchwelle und sieht hinaus, dann stirbt binnen Jahresfrist ein Freund feines Herrn. Katzen aus dem Hause schassen, bringt Unglück ; es gilt jedoch für ein schlimmes Zeichen, daß die Katze einem Kh'.de zugethan ist, und man soll dasselbe sorgfältig hüten, denn ihm drohet Unheil. Nachts soll man nicht Katzen in Räumen dulden, wo Menschen schlafen, weil sie demselben den Athem aussaugen. Man soll sich hüten, daß man den neuen Mond zuerst durch Büsche oder Baumwipfel scheinen sieht. Dai Mais nur bei zunehmendem Monde gepflanzt, und Schindeln nur bei abnehmendem Monde auf das Dach genagelt werden sollen, damit deren Nänder sich nicht aufwärts biegen, wird euch' anderswo geglaubt. Es steckt noch sehr viel anderer Aberglauben in jenem urwüchsigen Volke, der jedoch nachweisbar demselben nicht eigen ist. Zwciselsohne herrscht unter dcmseö ben jedoch auch noch mancher jVrauch und mancher Wahn, welcher dem Forscher werthvotte Anhaetspunkte zur Ergründung des Ursprungs jener Gebirgöbewohne? gewähren mag ; aber es ist schwer, das Vertrauen der Leute in sol chem Maße zu gewinnen, daß sie ihreGeheimnisse kund geben. - ? , -.
Wer in Bibiiorhekenzn chun hat, wird oft über den ungeheuren Fleiß von Gekehrten früherer Zeiten erstaunen. Viele Werke nehmen oft fünfzig und mehr Foliobände ein, wie Zedlers berühmtes Wörterbuch, das noch dente nach 1S0 Jahren uns unentbehrlich ist. Einige kleine Mittheilungen der Deutsch. Rom." mögen unseren Lesern einen Begriff von der Vielschreiber srühererJahrhunderte geben. Der Dichter Marolles zählte am Schluß seiner literarischen Laufbahn seine Verse, deren Zahl sich auf 133,120 belief. Der gelehrte Eardanus, der ein leidenschaftlicher und dabei sehr unglücklicher Spieler war, schrieb, um sich aus seiner immerwäh renden Geldnoth "zu retten 'so . viel Schriften, daß 'sie heute zehn gedruckte Foliobände - einnehmen. Freilich sindet sich darunter viel wunderliches Zeug, wie belspielswcise eine Abhandlung, daß man anS den weißeil Flecken uf denHingernägeln Glück oder Unglück vorhersagen konnte ! Ein einziges Wer? des Theologen J'tcob Naupiu, die theologische Handbibliothek", nimmt zehn dickleibige Quart- und einen Folioband ein! Aber was ist das Alles gegen den Dramatiker Spaniens, Lope de "Vega, der von sich selbst sagt, er habe so viel geschrieben, daß auf zeden Tag seines Lebens fünf Bogen kämen! , Ein Spanier hat danach ausgerechnet, daß er 133,225 Bogen geschrleben haben mnß und nach Abzug seiner prosaischen Schriften deren allerdings sehr wenige sind, 1,300,000 Verse l Neben Lope de Vega verdient Naimund Lullo Erwähnung, der, nahe an 1000 Bücher verfaßt hat! Aber worüber wurde auch sruher Nicht geschrieben Professor Hund , in Wittenbcrg ließ als "i...-!f' ,Jß - ., 4't tali. 2rf Decan em cunoes Buch über graue Haare" drucken , und der Kanzler dersel, ben Universität von Ludwig gab ein Perrückeurecht- heraus. - Ja, der berühmte Heidelberger Professor Lampert Pithöpäus verfaßte sogar eine lange und breite Schrift darüber, ob ein anständiger Mann seine Dienstmagd heirathen dürfte!"
I i '! Nach personlichen Mittheilungen Vodenstedt's. Von Nobert nifa). "ff;' I Oftmals ist di:. Frage, aufgeworfen worden: Wer war eigentlich MirzaSchaffn? Oder vielmebr, da so ziemlich alle Welt weiß, daß er als Lehrer Friedr. von Bodenstedt's, diesen zuTiflis in die orientalischen Sprachen eingeführt hat, lauttt die Frage: hat er Gedichte gemacht und ist er in irgend einer Weise an der unter seinem Name? erschienenen Sammlung bctheiligt? Gelegentlich des siebzigsten Geburts. tages, den der Dichter jüngst unter der huldigenden Theilnahme der ganzen civilifirten Welt begehen konnte, ist diese Frage beim großen der Literatur nicht näher stehenden Publikum vielfach wieder aufgetaucht, so daß es dankenswerth erscheint, den historischen Mirza-Schaffy und seine völlige Unschuld an den MirzaSchafsyliedern eingehender zu beleuch-., ten. Ein aroßer Theil der Leser und Käufer des Buches lebt auch noch immer in dem Wahn, es seien zum mindesten einige der Gedichte Uebersetzungen und Umdichtungen aus dem Persischen und Arabischen, trotzdem sich Bodenstedt verschiedentlich in seinen späteren, jedoch Nlcht fö viel gelesenen, Werken bemüht hat, die irrthümliche Anschauung zu berichtigen. Wer und was der riirkliche Mirza Schassy war, wie wo und bei welchen Gelegenheiten die nach ihm benannten Gedichte entstanden sind, all' das sindet man aufs Schärfste und Genauste in einem Vortrag auseinandergesetzt, den Bodenstedt im Jahre 1378 zu Preßburq in einer Freimaurerloge hielt, und den mir die Güte des Dichters zur Verfügung gestellt hat. Neben Vielem, was neuerdings ausführlicher in seinen Lebcnserinnerungen" von ihm behandelt worden ist, besindet sich dort manches noch Unbekannte, speciell auf die obigen Fragen Bezügliche. Wir lasten nundem Dichter selbst das Wort; geben aber nur das sür unser Thema Wesentliche wieder: Ich bin so oft aufgefordert worden", fo beginnt der Dichter, üb das Thema zu schreiben, über welches ich heute die Ehre habe, zu Ihnen zu reden: MirzaSchaffn, das heißt eigentlich ich, und doch wieder, nicht ich. Mit der F?der in der Hand bin ich nie über die ersten Ansänge der Behandlung dieses Themas hinausgekommen. Jeder feinere Geist hat seine Geheimnisse und ein gewisses Zartgefühl gebietet ihm, über Manches, was er ersebt, den Schleier des Schwelgens Zn verciten. Darum singt MirzaSchassy: Die schlimmste Schmerzen sind aufErden, Die ausgeweint nnd .ausgeschwiegen werden. , r , , ....Mein vierundzwanzkgsteS Jahr führte mich nach Tiflis, und da im Orient bin ich Dichter geworden. Der deutsche Generalconsnl v. Rosen und ich hatten dort die Absicht, das Persische zu erlernen. Und da wurde uns MirzaSchassy, der Weise von Gjändsha, einer Stadt in der Provinz Karavah, als Lehrer empfohlen. Mirza (Mirsa zu sprechen) ist ein Titel, der einem Eigennamen vorgesetzt, so viel heißt wie Schriftkundiger. Mirza Schafft) heißt also der schriftkundige (weise) Schaffn. Das Studium der Sprachen und Geschichte der Völker unter denen ich lebte, war eben nur eine nothwendige Vorbereitung zum tieseren Eindringen in ihren Geist. Alles Fremde, was ich geboten, ist so in meine Haut hineingewachsen, als ob es darin geboren wäre. Der Unterricht Mirza-Schassys bestand nur darin, daß er uns in wunderlicher orientalischer Weise Lieder vorsang, Geschichten erzählte, die man niederzuschreiben hatte. Da habe ich den Unterschied zwischen orientalischer und occidcntalischer Anschauungsweise an feinem Ursprünge erkennen und begreifen gelernt, uud Mirza-Schassy, ein Mann von lauterem Charakter und weiser Lebenssübruug, ist auf mich damals jungen Mann von größtem Einfluß gewesen. TifliS. die artenreiche, bergvmragte Hauptstadt von Georgien, wo ich ein vaar Jahre unte.' Mirza-Schasfy orientalische Sprachen studirte, wurde Mittel- und Ausgaugspunkt meiner Wanderungen und spätern Schilderungen. Ich lebte da in Wirklichkeit eines der Märchen der Tausend , und . einen Nacht", wovon ich als Kind fo oft gelesen und geträumt, j : Die kleinen Sprüche, ' die Mirza Schassy in seine Verträge flocht, wurden von mir stets gewissenhaft aufgeschrieben, wiewohl ia) von diesen seinen tartarischen und peitschen Liedern nur einen mäßigen Gebrauch gemacht habe, denn es blieb mir noch stets vor Augen, daß das Dichten eine Sünde sei, ' die man heimlich betreiben müsse. Um seine Sprüche besser p. behalten, suchte ich sie in deutsche Vcrje zu bringen, aber ohne mich an die orientalische Form zu brrden, wenn sich diese nicht gleichsam von selbst ergab als naturwüchsige Hülle zum Kerne. In meinem 1850 erschienenen Buche Tausend und, Ein Tag im Orient" habe ich meinen einstigen Lehrer und seine Lehrmethode treu zu schildern gesucht. Ich behandelte ihn da wie ein Modell, und er erschien mir als der Typus eines orientalischen Weisen. In dieses Buch habe ich eine große Anzahl von Gedichten mit hineingeflochten um dem beschreibenden Bnche eine meh? aNsprechende, , poetische Form zu leihen. Das Buch machte schnell die Stande. ES erlebte wegen seiner einer poetischen Auffassung der Menschen und Dinge sich zuneigenden, Art mehrere Auflagen. Endlich redete mir der Verleger zu, die dort eingestreuten k Gedichte Aals , Lieder des Mirza-Schasfy herauszugeben, die denn auch eine ganz merkwürdige, Verbreitung gefunden haben. McineArt, mich darin auszudrücken, scheint eben die rechte gewesen zu sehen. Nun hat man sich seitdem die Mühe gegeben, zu eruiren, , ob Vj": 'fl ' . SJ'. , "' ,:!' IS":-, 'i! :!..... die Lieder wirklich von 1 mir oder von Mirza-Schasfy feien. . Der russische Staatsrath Berger veranlaßte amtliche Forschungen, ob Mirza-Schafsy wirklich Dichter war. Das Ergebniß war: Nein. Daß ei rristirt hatte, war kein Zweifel. Er wa,
Der historische Nirza - Schassy.
'! I 's ' " ' ,z . Lehrer des tartarischen Gymnasiums zu Tiflis und starb im Jahres 18L2 im Al ter von sechszig Jahren. Die Erkund!gungen stellten es klar, daß im ganzen muselmännischen Orient soweit die xersische Rede klingt, nirgends und von Niemandcn etwas über Mirza-Schassn verlautetchat. Er war in Wirklichkeit nientals Poet, wiewohl er gelegentlich blos zum Zeitvertreib, auch Verse gemacht hat. Das gehört zum Handwerk der Lehrer im Orient. Hätte ich ahnen können, als ich noch zu Füßen meines Lehrers zu Tiflis saß zu welcher Berühmtheit er dereinst in der Welt gelangen sollte, ich hätte selbst über ihn die genauesten Erkundigungen eingezogen. Im Privatleben, worin ich ihn ebenfalls kennen lernte, erwarb er 'sich meine volle Liebe durch seine hohe Slttenreinhcit und seine seltenen Herzenseigenschaften. Ich hatte nntcr Anderem auch Philosophie stuoirt mit allen ihren modernen Systemen. Als Anhänger des Susismus gewann er nun großen Einfluß auf mich. Mich fesselte der gelassene Ernst dieses Mannes, dessen bedeutendem Gesichte man es ansah, daß seine Ruhe nicht die Folge einer leidenschaftslosen Natur, sondern das Nesnltat schwerer aber siegreich bestandener innerer Kämpfe war. Er war bedürsnißlos. Seine Weltanschauung wurzelte eben im Susismus. Um es kürz zu sagen: Der Snst erstrebt durch innere Befreiung von allen Dogmen und beschauliche Abkehr von der Welt nichts Anderes als schon hienicden in unmittelbare Vereinigung mit Gott zu gelangen. Das ist keine Lehre, sondern mehr eine innere Erfahrungssache. Nach dem Susismus gibt es kein höheres Glück, als nach Bändigung des Gemeinen in der eigenen Natur, das Gute blos um des Guten willen zu üben ohne Hinblick auf Lohn und Strafe. Der Susismus ist ein orientalisch-religioser Geheimbund ,?on merkwürdiger Organisation. Die größten Dichter des Orients, so z. B. Hasis sind) Susi gewesen. Wenn man sich die Weltanschauung dieser Dichter vergegenwärtigt, dann haben die kleinen Welöheitssprüche MirzakSchafsys inen ganz besonderen, einen tiefen Sinn. Um nun einen Begriff zu geben, wie auch politische Ereignisse sich oftmals zu Liedern bei mu verdichteten, so ist das Manifest" des Königs von Preußen An mein Volk" bekannt. Alles pries damals die Weisheit des Herrschers. Ich faßte damals die Sache in folgende, poetisch-orientalische Form: Es hat der Schah mit eig'ner Hand Ein Manifest geschrieben. Und alles Volk im Farsenland Ist staunend stehn geblieben. Wie klug der Sinn, wie schon das Wort! So scholl es tausendtonig. Man jubelt hier und jubelt dort: Heil, Heil dem Farsenkönig ! Mirza-Schafsy verwundert stand, Das Schreien ward ihzn widrig. Er sprach : Denkt man im Farsenland Von Königen so niedrig? Stellt man so tief im Farsenland Der Fürsten Thun und Treiben, Daß man erstaunt, wenn mit Verstand Sie handeln oder schreiben? In ähnlicher Weise aus äußeren Anregungcn sind alle meine Lieder entstanden, die Mirza Schaffys Namen tragen und denn doch von mir gesungen wurden. Liebe und Freundschaft, Freuden und Schmerzen, Ringen nach Wahrheit und Erkennmiß des Guten, Verehmng des
! Höchsten boten dazu den Anlaß. GeI - .r...i'-J- s . i. i . ix. : je : r:rca tIvvYNtl tlC IUJ UUUJ IU CIU9 VVl Vllil Schlafengehen auf die Galerie meiner hochgelegenen Wohnung, um mit mir über dieempfangenen Eindrücke poetisch in's Reine zu kommen, wobei dann die märchenhaste Stadt nnter mir und der fast sonnenhelle Mond über mir im Kyros spiegelte und fern auf den Eisgipfeln des Kaukasus fchimmerre, mich mit geheimnißvollem Zauber umwoben. DaS war die Scenerie, in der meine Lieder entstanden, die ich wie gesagt Anfangs in mein durch das zierlich ausgestattete Mirza - Schassy - Büchlein fast ganz in Vergessenheit gerathene! größere Werk Tausend und ein Tag im Orient" wie Blumen in einem Garten einHefüHt habe. Ich mußte mich aber ganz in dte Menschen und Dinge des Orient einleben. um künstlerisch kzu wirken.' Meine Art wie ich es freilich erst jetzt sehen . . . . ; (. rann war leine anoere, ais mm vein Auge des P-eten zu schauen, welches sich srüh daran gewohnt, überall das Wesentliche, Charakteristische heraus zu sinden, um es ganz in sich aufzunehmen. So gewann ich eine Menge fruchtbarer Anschauungen und Erfahrungen, die in meinen bescheidenen Liedern poetisch forttönen.".. . . i So wett Bodenstedt! Klarer und kürzer laßt es sich wohl kaum darlegen, daß die berühmten Lieder weder Umdichtungen orientalischer Gedichte sind, noch von Mirza-Schasfy herrühren, sondern den inneren Erlebnissen des Dichters entstammen und nur, der ihn damals bewegenden und umgebenden Gedankenwelt gemäß, in ein orientalisches Gewand gehüllt wurden. Ein Abglanz des Lichtes, das sie ausstrahlen, siel aber für alle Seiten auf,d:u edlen Mirza-Schasfy,. den Susi. ' ,:. Das alte, großartige, schädliche und schändliche .Geheimniß muß offenbar werden. Ein! nützlich Wort für die Reichen. Die nützlichste Wissenfchaft für die Landwirthschaft. Die Frevler an der goldenen Zeit. Der Kälbermord. Die alte Ungerechtigkeit." Unter diesem vielversprechenden Titel hat, wie die M. N. N." mittheilen, ein neuzeitlicher Schriststeller. .Jakob Hohl von Mohren:Nente (Kanton Appenzell), ein Werk erschtt er den Nachweis 1 zu' liefern sucht, daß alles Unheil auf der Welt einzig und allein vom - .Kalbermoldk herrührt. , ? .-"''i.,'- " u . - 1- f ; . i:f i,,,:-; !lg ':: :i m G e me in g es ährli ch t Namen hat :h ein italienischer, Anarchist in Cagli seinem neugeborenen Töchterlein beigelegt. Die junge ukunfts - Petrojeuse wurde unter den drei Vornamen Dynamitc, Melinite,- Panclastiti" in's ,mtliche Register eingetragen. . , 1 1 1 t,l tX k Also Du bist wieder durchgefalleu? Ja, bei so schnell fraenden Examinatoren kein Wunder; ich taae Dir, ich wußte kaum, auf welche n er r.rri. jzrage rcy zuerzr icyweigen ivule.
f :
Die neuen cuttatUn. Es braust ein Ruf wie Donnerhall Wie Schwertgeklirr und Wogenprall Jetzt von. der Weichsel bis zum Nheinz .Die Karten müssen anncrsch sein!" Die Karten der Franzosen hier Die werfen gleich zu Boden wir. Denn deutsche Karten hat erdacht Ein schneid ger Lithograph bei Nacht. Auf ihren Bildern kann man seh'n Die deutschen Stämm' zusammenstehen; Damit spiel jeder deutsche Mann Den Skat, auch wenn er nicht kann. Der Schwur erschallt, das BlcrglaZ rinnt, Die Karten siattern hoch im Wind; Mit deutschen Karten ganz allein Soll deutscher Skat gedroschen sein. Nachschrift. Wenn Einer dann 'nen Grand verliert, Den ohne Vier er hat riskirt, Reicht er den Brüdern froh die Hand Und' spricht? Jch, that's für's Vaterland."
') BesannMch suSit an TkgenwSrtig tn TeMchland neue .natton m lauarten, rnil ttutftJjlufeUä tatst. läudiskN Bildern, emzukühren und Ue anden zu rerdrüngen. Tsraus bezieht ftS diese launige Parodu. Ein Nangstrelt In feinen Memoiren über die mannigfachen Erlebnisse feines bewegen Lebens schildert der englische Impresario Oberst Mapleson eine kleine Kriegslist, durch welche er dem leidigen Ltangstreit zweier Künstlerinnen in ergötzlicher Weise ein Ende machte. Jch kam," so schreibt er eines schönen Tages in Dublin mit einer Gesellschast an, die unter ihren Mitgliedern Fräulein Salla zählte, welche die ersten Sopranxartien fancj, und Fräulein Anna dö Äesocca, welche m ganz vorzüglicher Weise die wichtigsten für Kontra-Alt geschriebenen Rollen spielte und sang." Die beiden Damen betraten tu gleicher Zeit in dem von uns gewählten Hotel die , fi ' - r tr . oenelmmerrelye, woraus Beioe unisono ausriefen: Diefe Zimmer sagen mir zu." Ihnen?" fragte Fräulein Salla. Die Primadonna hat doch sicherlich das Recht der ersten Wahl und ich sagte ja eben, daß ich diese Zimmer haben will." Primadonna!" hohnlachte nun Fräulein Velocca. Eö gibt überhaupt nur zwei Primadonnen auf dieser Welt und daS bin ich und die Patti." Und sollen ber alledem die Zimmer nicht haben", eiferte der So pran. Wir werden ja sehen," gab der Kontraalt zurück. Ich befand mich in der peinlichsten Verlegenheit, denn die Sache der beiden Rivalinnen hatte stch leider in daö Geoiet der persönlichen Wurde hinubergespielt. Keine der beiden Damen wollte vor der anderen zurücktreten. Ich überließ ste einen Augenblick stch selbst und eilte hinab zum Hotelbesitzer Herrn Maple, den ich alsbald fragte: Haben Sie nicht noch eine zweite Reihe von Zimmern, die ebenso gut oder doch wenigstens beinahe so aut sind, als die, um welche stch die beiden Damen streitin?" Ich habe in ber zweiten Etaae Zimmer, die meiner Ansicht nach denen in ber ersten Etage in keiner Weise nachstehen." Die Zimmer waren auch'dem Fräulein de Vellocca vom Fenster ans o,ezc:t worden, aber sie hatte vest:mmt wqichrn, daß keine Macht der Welt sie bewegen wltrde, nach oben zu gehen nnd handle es sich auch nur um eine Stufe. Kommen Sie denn mit mir nach oben", sagte ich zu Maple, und folgen Sie meinem Winke. Den beiden Damen muß es dnrch scheinbar absichtslose Bemerkung angcbeutet werden, daß die Zimmer der zeiten Etage ausdrücklich für die Lady Spencer reservirt sind Lord Spencer war damals Vicekönig von Irland und daß sie unter keiner Bedingung, auch nicht für eine kurze Zett, irgend wem andern überlassen werden können. Maple ging auf meine Idee ein und folgte mir auf dem Fuße." Was soll denn das bedeuten? herrschte ich ihn an, als wir uns in der Gesellschaft der beiden erregten Sängerinnen besänden. Sind dies die einzigen Zimmer, die Sie nns anbieten können?' Dieselben werden wohl für die eine der Damen ausreichen; aber welche von Beiden die Zimmer auch nehmen mag ; die andere muß zum mindesten ebensogut untergebracht werden." Leider kennte ich keine solche Zimmer frciaalten," versetzte Maple. In der jwelten Etage besindet sich zwar cine Flucht von reichlich so bequem und fein einge richteten Zimmern, aber die sind ausdrücklich für die Lady Spencer reservirt, und eö würde mich mehr schädigen, als das ganze Geschäft werth ist, wenn ich einen Andern Besitz von den Zimmern ergreifen.ließe." Bei diesen Worten riß Franlein de Bellocca ihre schonen Augen weit auf, und es schien !hr plötzlich ein ' guter Gednlke gekommen zu sein. Vielleicht konnten wir die Zimmer wenigstens einmal sehen?" warf ich ein. Sehen können Sie dieselben' wohl versetzte Maple, aber das ist auch Alles. Gut, lassen Sie uns denn einmal gt hen und einen Blick hineinwerfen," sagte ich. Maple und ich gingen nach oben. Die Bellocca .folgte nns schweigend. Wir gaben uns den Anschein, als ob wir sii nicht bemerkten, aber sobald als die Thür der für die Ärasin Spencer reseroirtcr Zimmer geössnet war, schlüpfte die Uh denschafttiche junge Moskowitin hinein, warf dieAhür schnell wieder zu und schloß sie ab, indem sie erklärte, daß man die KadnpkMr irgendwo anders unter, bringen möge." Auf der Reise. Also, mei ne Gnädige, , Sie sind Mutter eine:. Sohnes. Raucht er?" Nein, mein Herr." , ; Kommt er Abends spät nach Hause?" Nein, mein Herr. Ist er verliebt?" Nein, mein Herr." Also ein musterhafter junger Mann. Wie . n -tn l. ,c TTJL ! all i oenn verzelve vscjirn zc, Monate."
F den?rinne?ungtn eines fran zöfifchen QeneralstavSofficierS" von Baron de la belle Croir sindet sich eine Stelle, welche eine Episode de, Schlacht bei Sed'an höchst anschaulich schildert, de la belle Croir schreibt: Et war 2 Uhr. Der CaZoalre d'Jllv. In Schlüssel unserer Stellung, war desiniti verloren. Die Fluth der ausgelöste? Massen wälzte sich gegen die Mauerh von Sedan, wo die Trümmer unsern Armee begraben werden sollten. Gra, naten kamen von allen Punkten des Hoi rizonts und faßten diese vor Schrecke rasend Gewordenen von vorn, von bei Seite und im Rücken; in das GcfchreZ des Entsetzens mischte sich das Weh. klagen der Verwundeten; zu meine, Rechten wurde eine Ambulanz vom Feuer ergriffen und stürzte unter den Granate zusammen, weiterhin flog ein Munitions wagen in die Luft und vermehrte die Zahl der Opfer durch den Eisenhagel d eigenen platzenden Granaten; überall saj man einzeln oder in Pulks uncherirrendt Pferde oder Reiter, blutende herrenlos, Opfer der Kavatterieangrifse, welche be reits am Morgen auf diesem blutgetränd ten Gefilde geritten worden waren. Dn Fürst Aibeöco, Adjutant deSGcnerali Douay, kam mir entgegengefprengt. Wo ist die Kavalleriedivision Margm erite?" rief ich ihm schon von Weitem zu. Da vorwärts, wenn Sie eilen, so konu men Sie noch rechtzeitig, um unsen Afrikaner in den Tod reiten, zu sehen. Unnütze Hekatombe von Menschen un Rossen, und Fluch denen, welche dtt braven Regimenter Marguerite's zun zweiten Male heute in das Verderber zagen!" Mit flüchtigen Gruß enteilt ich nach der Richtung, welche mir W Fürst angegeben hatte. Auf der Höhe hielt eine reitende Bar terie, in diesem Moment flog ein Muni, tionswagen bei derselben in die Lust, dtt letzte, den die feindlichen Granaten bis jetzt noch verschont hatten. Mährenr des I. September sind schon allein bei dem 7. Korpö 40 Protzen in die Luft ge flogen.) Nur zwei Geschütze feuerte noch, daß eine bediente der Aatteriechej selbst, am anderen hielten die beiden letz, ten Kanoniere aus, die dem feindlicher Feuer noch entgangen waren. Die Be spannnng war längst von den preußi schen Geschossen zerschniettert.Neben der Batterie hielt der Genera? Marguerite mit wenigen Begleitern. Ich entledigte mich meines Auflreges. Eins nach dem Andern", entgegnen n mir scherzend. Erst habe ich noch mit denen da drüben abzurechnen für die Unliebenswürdigkeit, mit welcher sie heut Morgen unseren Besuch abgewiesen ha: ben, dann stehe ich dem Herrn v. Wimpsfen gern zur Verfügung." Er sollte zn keinem von belden meht Zeit haben. Wenige Augenblicke späte, ereilte ihn die tödtliche Kugel; mit mäch: tiger Energie die schwindende Ltbenskrafl zurückhaltend, mit der Rechtm sich am Sattel anklammernd, ritt er zurück, um dem ihm entgegeneilenden GeneraZ Gallifet das Kommando zn übergeben. Die Augen schon vom Schleier des Tode! umnachtet, nahm er mit einem letzten Winke der Hand Abschied von seiner Reitern, welche mit erschüttertem Herze den geliebten Führer in den Armen zwckel Wachtmeister verscheiden sahen.
Der Marqms von Garniet hatte das Kommando übernommen. Die Zügel nachlässig auf den Hals feines ÄtappenL geworfen, hielt er bewegungslos weit vorwärts vor der Division. Jetzt warf er einen letzten scharfen Blick auf die in dünnen Linien über de Hohenrand vorstürmenden Preußen und eilte dann zurück vor die Front seiner Chasjeurs d'Africuk. Ln avant doric, braves Africains, cn avant!" Mt lauter trium phirender Stimme rief der Marquis diese Worte, seine Rechte schwang kokett das Käppi in der Luft, während ihn der ungeduldige Nenner mit mächtigen Sätzen den in ruhigen Galopp anreitenden Ne-' gimentern voranstrüg. Imme? rasender wurde das Tempo, immer mächtiger ertönte das Getöse der unwiderstehlich vorwärtssagenden Geschwader, aber auch immer, fürchterlicher wurde der Gefchoßregen, der . über uns niederging. An den Leichenhügeln der vordersten Staffeln brach sich das Ungesiüm der Attacke. Vor den, überwältigenden Feuer stockten die bis dahin sieggewohnten Schwadronen und stürzten schließlich zurück. Ganz kürz vor den preußischen Linien parirte der Marquis sein Pferd z ein Blick nach rückwärts hatte ihm das Scheitern seiner Attacke gezeigt, mit unvergleichlicher Todesverachtung lüftete er das Käppi zum Gruße vor den preußischen Schützen, dann riß er seinen schaumenden Rappen herutnund flog den Seinigen nach, um sie von Neuem dem Tode entgegenzuführen. Ich -sollte ihm nicht folgen. Ein Schuß : streckte meine treue Stute zu Boden und gleichzeitig traf mich die Kugel in die Brust, welche meine militärische Laufbahn auf immer beschlossen hat. Mitten in dem verheerendsten Feuer daliegend, sah ich wenige Minuten später die braven Afrikaner nochmals anreiten. V!rs I'emriereur, vivo la Fnince! Ueber mich hinweg ging die tolle Jaab hinein in die Glieder des Feindes. Erne Ohnmacht umdunkelte meine Sinne, aus der ich erst am anderen Morgen im Lazareth' u Floing erwachte. Der Lenker der Schlachten hatte mir den Anblick der Katastrsphe von Sedan gnädigst geschenkte" Ein Phar flfti& Na, Sex? das alte Jahr ifl morgen zu Ende; versprecht mir mit dem neuen ein besseres Leben anzufangen und besonders das ewige Geraufe sein zn lasten! Das will ich thun. Herr Pfarr! (Am folgenden Tage) : M meine'ßrmahttttnz gen' haben schon ge'nützt; schämt Ihr Euch garnicht? habt gestern wieder Einein drei Zähne eingeschlagen ! Aber Herr Pfarr da war das neue Jahr ja noch gar, nich anzefangt! - Ge n , g I huung. Denken Sii sich. Ihr FrenndaWchzinnverschäm , ter. Wekse, überMjch,geäußeri ; er sagte, ich wäre eine amerikanische Abenteurerin. Sie werden mschdochin Schuh nehmen? Gewiß, ichwerde ihm sagen,daß Sie keine Amerikanerin sind. Mancher vergibt lieber sein, Ehre, als seinem Mumksen eine B leidiauna.
