Indiana Tribüne, Volume 13, Number 18, Indianapolis, Marion County, 6 October 1889 — Page 6

Der Apfelwein.

Wenn der nahende Herbst seine ersten Vorboten sendet und in dem Nhemgau der Winzer hoffnungsvoll oder bangend seinen Blick über das aUmnlig in bunten Farben sich kleldende Rebengelände schwerfen laßt, dann ricktet in dem benachbarten Mainthale und in den angrenzenden hessischen und nassamschen Landstrichen das Auge des Gärtners und Landmanms sich nicht minder spannungsvoll auf die Aepfclbäume, die mit ihren reifenden Früchten die Landstraßen begleiten, sich vereinzelt wohl auch mit weitverzmeigs tem Eeäste inmitten der Felder erheben oder in gefchlojsener Pflanzung den Hang der Höhenzüge bedecken. Auch hier knüpft sich ein Hoffen und Furchten an einen Herbst, und wenn das Ein-, bringen desselben sich auch weniger ge räuschvoll und heiler vollzieht, als da, ws dir Frucht der Neben gekeltert wird, so ist doch sein Ausfall von nicht zu xnu terschätzendcr wirtschaftlicher Bedeutung für die Landwirchschaft. Bedenke man' doch, daß allein die Frankfurter Gemarkung jährlich gegen 0,000 Hektoliter Aepfelwein keltert. Und so wie hier sieht H noch in vielen Gegenden Deutschlands aus. Wir 'sinden deu Aepfe!r?eiu nördlich bis nach Franken und Thüringen verbreitet; echt eigentliches Vot!-?ge:ränk jrtoch ist er im Äwen. namentlich in Vürlkemberg und S ch Zblsch: Bayern, UNÄ mehr noch in dem schwcizerifchcn Cautsu Thurgau, dem größten AcpfelweinproductionS'Ge? biete in deutschrcdenöen Landen. Den 3!uf besonders guter Herstellung genießt daS volkSmäßige Getränk wie in der Frankfurter Gegend, so auch im Trierer und Luxemburger Land, doch verdankt der Frankfurter Aepfelwein speciell seinen Äi'amcn dem Jahre 1858, in welchem die Parlamentsabgeordneten aus dem Norden und Nordosten Deutschlands ihn kenneu und schätzen lernten, sodaß er von dieser Zeit an ständige Abnehmer u. a. in Berlin gefunden hat. Der Aepfelwein ist ein uraltes deutsche Getränk und möglicherweise in Deutschland schon vor der germanischen Einwanderung heimisch gewesen, wenigstcns haben sich unter den Ueberresten ves P sahlbaues von Robenhausen versteinerte Exemplare einer Aepfelart gefunden, die noch heute zu seiner Herstellung benutzt w:rd. Bestimmt nachweisbar ist der Aepfelwein bei den Westgothen im 4. Jahrhundert, in deren Sprache er ein besonders Wort hat: leithus, wörtlich ocrdorbenes", d. h. gegorenes" Gekränk, im Gegensatze zu dem frischen Moste. Besonderen Werth scheinen indes: die alten Gothen auf den leithus nicht gelegt zu haben, denn ihr Bischof Ulsilas läßt ist seiner berühmten Bibel Übersetzung denselben unter der sehr srugeleit Fastenkost erscheinen, die JohanncZ in der Wüste zu sich nahm (an Stelle drI wilden HonigS" der neueren Ueberse Zungen). Auch in der späteren Zeit, als die gothische Wortform leithus sich in die entsprechende althochdeutsche lit umgewandelt hatte, muß die Vorliebe sür das Getränk mindestens eine getheilte oder sich doch mannigfach wandelnde geliefen sein, denn wenn wir wissen, daß in dem durstigen sechsten Jahrhundert die fränkische Königin Nadegunde sich ihren Obstwein eigens aus dem südlichen Frankreich verschrieb, sagt dreihundert Jahre später der Sänger des Ludwigslieöes, wenn er von feinem Helden melden will, er habe in der Schlacht seinen Feinden gar bittern D.ank zu kosten gegeben, wörtlich, er habe ihnen bitteren Äcpfelwein ausgeschänkt". Später muß der Geschmack sich wohl wieder geändert haben, da das neuere Wort Leit", das sich aus dem alt- und mittelhochdeutschen lit entwickelt hat, uns vielfach geradezu unter der Bedeutung Wein" begegnet, so u. a. in der Form Leikauf" (richtiger Zeitkauf) sür Wcinkaus. Ob der Aepfelwein nach Frankreich und England durch deutsche Stämme gebracht worden ist, oder ob 'er dort in feüherev Zeit schon vorhanden war, ist schwer zu entscheiden; jedenfalls spielt er in beiden Ländern eine weit bedeutendere Rolle, als man bei uns gemeinhin anzunehmen geneigt ist. Von Frankreich erfahren wir in der Regel nur, daß in der DZormandie die Bereitung des Aepfelweies, in der 'Landessprache eiäre oder pommc genannt, in größerem Umfange betrieben wird, wahrend doch ebenso hervorragende Prvductionsqebiete in der m t t r fr Äreragne uno oem sranzonicuen Vasrens lande vorhanden sind. Daß auch in England Aepfelwein gekeltert wird, und daß die 'englische Landwirthfchaft zum Theil ein sehr reges Interesse an der Gew'rnnung dieses Produktes nimmt, hören wir kaum gelegentlich. Und. doch bietet gerade in England die Aexfelweinbereiung so viel des Besonderen und Ursprünglichm dar, daß man davon Kenntniß nehmen sollte. Schon die Ernte ist eine ganz andere und fällt in eine spätere Zeit als in Deutschland. Das Einsammeln der Aepsel beginnt z. B. in Deoonshire, einer durch ihre Obstzucht besonders ausgezeichneten Gegend, nicht vor der ersten Hälfte des Növember. Blickt man zu Anfang dieses Monats über die charakteristischen Hecken in einen der dortigen Baumgarten, so bietet sich einem ein eigenthümlicher, an faugs völlig befremdender Anblick dar. Etwas Nachlässigeres und Unordentliche.eS glaubt man noch nicht gesehen zu haben. Unter den Bäumen liegen, , zu unrezelmäßien Haufen aufgeschichtet, die lzerabgefallenen Aepfel, die uns bald alle die gleiche Färbung, bald ein wahres ZarbenZcmisch zeigen, dunkel- und hellx;t gelb bis zum weißlichen, rothbraun und' grasgrün Treten wir durch die l' tt:fr'iedignlig ein was wir meist unget":5rt dürfen, so smden wir in dem hochnszeschossenen Grase aus schritt und Tritt Apfel bei Apfel. Wie ist es nur möglich, fragen wir uns, dan ein Landmann, dem ein derartiger Obstscgen zu Theil geworden, sich so wenig um denselben kümmert und er alles, was in fünf bis sechs Jahren gewachsen ist, sorglos auf dem Aoden verfaulen läßt? Forschen wir indeß der Sache etwas nach, so erfahren wir, daß daö Faulenlaffen auf dem Boden die beste Art ist, die zur Kelterung bestimmten Aepfel zu der erforderlichen Reife zu bringen. Wenn er so daliegt, , allen

Unbilden des Ortes und der Witterung preisgegeben der aus dem Boden dringenden kalten Erdfeuchtigkeit, den durchwässernden Regengüssen und den Angriffen des kriechenden Gethiers aller Art so erhält er nach einem durch langen Gebrauch erprobten Verfahren jenen Grad von Milde und Zartheit, der ihn zur Kelterung ganz besonders geeignet macht. In Frankreich, in der Normandie und Bretagne, wo fast nur kleine? Grundbesitz vorhanden und der Landmann zu haushälterischem Wesen gezwungen ist, läßt man die Aepfel nur selten am Boden liegen, da dieser dem Vieh als Wüde und den Schweinen und dem Geflügel als Tummelplatz dienen muß. Die Aepfel werden daher schon ziemlich frühe gesaimuelt und unter Dach und Fach gebracht, damit sie dort in trockenerer Luft den Neifeproeeß durchmachen. Dieses sorgsamere Verfahren nöthigt schließlich aber auch zu größere? Arbeitsleistung,denn der französische gros eiäre, wie er bei der ersten Pressung gewonnen wird, ist kaum trinkbar, wenn er nicht einen Zusatz von Wasser erhält. Bei dem e!1r äo gur,der schon etwas Lager durchmachen muß, nimmt man gewöhnsich 1 Liter Wasser aus 15 Liter Most; bei dem Getränke, das bis zum folgenden Sommer ausdauern soll, muß der Zusatz noch größer sein. In den englisehen Apfelwein-Gegenden erhalten die Aepfel den für sie erforderlichen Grad der Feuchtigkeit auf mehr natürlichem Wege durch das Lagern im Freien mitgetheilt, wo der Thau, der Regen und der Wassergehalt dcSAodens ihnen denselben verleihen. Daher in diesen Gegenden das so überaus einfache Verfahren der Mostbereitung, das lediglich darin besteht, daß die Aepfel inBrei"oerwandelt und in einer primitiven Presse so lange ausgedrückt werden, bis der in ihnen entHaltens Saft aus ihnen herausgelaufen ist. Man theilt die englischen AepselweinProducenten gewöhnlich in zwei durch örtliche Abgrenzung von einander geschieden? Classen ein. In der Gegend von Deoonshire, wozu auch Somersetshire und einzelne Theile von Dorset und Eornwall zu rechnen sind, pflanzt man die Bäume ziemlich enge aneinander. Im übrigen überläßt man alles, was zu thun ist. der Natur ; man gräbt weder die Wurzeln ans, noch düngt man den Boden, noch auch hält man eine Auslese untcr den gewonnenen Früchten. Der größere Theil der Aepfel fällt von selbst von den Bäumen, und mit diesen in das letzte Stadium der Reise gediehenen Früchten sammelt man die andern ein, die noch nicht zur Entwickelung gelangt sind. Alte Bäume läßt man mit den Schäden, die sie von der Zeit überkammen haben mit dem aus ihrem Stamme gewachsenen Moose, mit ihren verdorrten oder brandig gewordenen Aesten und ihrer überschweren Kronenlast ruöig neben jüngeren Genossen stehen, die an Stellen gepflanzt worden sind, wo ein Vorfahre gefallen oder der Last der Jahre erlegen ist. Auch in dem Verfahren der Mostbereitung ist kein Unterschied vorhanden. In Deoonshire breitet der Farmer, wenn er die Aepfel in dem Steintroge zerquetscht hat, den gewonnenen Vrei" schichtweise zwischen Strohlagern aus und läßt von einen durch eineHebeoorrich? tung heraufgebrachtes Gewicht darauf einwirken. In dem Bezirke von Hereford, zu dem auch Theile von Worcestershire und Gloucester gehören, geht man vorsichtiger zu Werk und schlagt den Brei" in Tücher von Roßhaargewebe ein, die man in eine Schraubenpresse mit sogen. Kastenverschlusse bringt. Auch sonst wendet man hier größere Sorgfalt aiu Die Bäume werden weiter auseinander gepflanzt und der Boden zwischeu ihnen aufgegraben oder ausgepflügt, wenigstens so lange die Baume uoch jung sind. Zudem läßt man die Baumgärteü nicht Jahrhunderte lang an derselben

Stelle, man legt von Zeit zu Zeit NeuPflanzungen an und zieht die ausgetragenen Obstgärten zu dem Ac(crlande. Ein Farmer aus der Gegend von Hereford hält es nicht unter seiner Würde, die Namen der Aepfelsorren, die er zieht, zn kennen, sorgsam die Erde und jeden einseinen Stamm zu lockern, die Bäume sauber und unter kunstgerechtem Schnitte zu halten und die gewonnen Früchte zu zorlkren. u-'cancymal veranzkaltet er j'ogar eine vollständige Auslese und laßt ein besonderes Getränk sür den Handel und den eignen Bedarf herstellen, während die minderwerthige Waare zur Bereitung des sogenannten Haustrunkcs verwendet wird. Frankreich rühmt sich, die Kunst der Obstweinbereitung früher als England gekannt zu haben; ob mit Recht oder Unrecht, muß dahingestellt bleiben. In Frankreich haben wahrscheinlich ähnliche Verhältnisse geherrscht, wie in Deutschland, und wir haben bereits die Möglichkeit zugegeben, daß hier der Aep feiwein vor der germanischen Einwanderung vorHanden war. Auch der fränkischen Königin Jtodeguude haben wir schon gedacht. Während des Mittelalters wurden jedenfalls auf den dem Clerus gehörenden ländlichen Besitzungen große Mengen Obstweines gezogen : die geistlichen Herren scheinen rnden. sür ihre Person dem Getränke nicht sonderlich hold gewesen zu sein und es ahnlich wie der alte Westgote Ulsikas betrachtet zu haben, denn sie gestatteten, wie wir aus noch vorhandenen Verordnungen wissen, seinen Genuß ausdrücklich an" Fasttagen, an denen der Weingenuß untersagt war. Daß das Wort cidro aus dem Semitischen stamme und der Obstwein von Afrika nach dem Baskenland und von dort aus erst nach dem übrigen Europa kommen sei, ist eine jedcöHalteS cntbehrende Vermuthung. Das Wort ciäre ist aus dem lateinischeu ieora hervorgegangen, und zwar nach demselben Gesetze des Lautwechscls, nach welchem sich aus dem Worte Lazarus die Form ladre gebildet hat. In England mag die Sitte der Obstwelnbereituug auf dieselbe Zeit zurückgehen wie in Deutschland und Frankreich,"doch war der Aepfelwein daselbst wohl früher eigentliches Volksgctränk, als in den beiden andern Ländern. Wenigstens kam in Frankreich der Cider erst im sieb-

zehnten Jahrhundert zu größerer Bedeut tung, und selbst wahrend dieser Zeit hatte er noch einen heftigen Kampf mi der unter dem Namen oerroiso bekannten leichten Bierart zu bestehen. Aehnlich dürfte es auch in Deutschland sich verhalten haben, wenigstens besagt di älteste Notiz, die sich über das Vorhandensein des Aepfelweins in Frankfurt erhalten hat, daß sich daselbst um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts 24 Schankstätten für dieses Getränke befunden hatten. In Frankreich war schon vor der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts der Cider die Hauptquelle für den Wohlstand der Landwirthe in der Normandie und Bretagne, und seit mehr als hundert Jahren hat er unter dcr dor tigen Landbevölkerung erfolgreich den Kamps sowohl gegen Bier wie gegen Wein bestanden. Nach statistischen Ermittelungen sollen sich zur Zeit in Frankreich über 4 MirHonen der Ciderbereitnng dienende Aepfelbäume befinden ; neben einander gepflanzt, würden sie eine Baumreihe von mehr als 4000 Meilen Länge aus machen. Die Gesammtproduction wird im Jahresdurchschnitt auf mindestens 1 Million Hektoliter veranschlagt. Am ertragreichsten ist augenblicklich das Departement Jlle-et-Vikaine in der Aretagne; die drei zunächst in Betracht kommenden Bezirke liegen sämmtlich in der Normandie, und hier ist es auch, wo das am meisten geschätzte Getränk hergestellt wird. Die beste Sorte kommt heute noch aus der Gebend der Stadt Auge, die schon im dreizehnten Jahrhundert wegen ihres Ciders berühmt war. Der Cider von Auge ist von dunkelbrauner Farbe und wird vor dem Trinken oder dem Abfüllen auf Flaschen mit Wasser vermischt. Die zweite Qualität kommt aus Caur und Brau, sowie dem schon erwähnten Departement der Bre? tagne. Sie hat eine helle Bernsteinfärbe und ist gleichfalls zu stark,,um unvermischt getrunken zu werden. Die dritte Qualität wird in der Normandie in der Gegend von Bocage und in einzelnen Theilen der Bretagne hergestellt ; sie ist von bleicher Färbung und hält sich nur bei ganz vorzüglichem Ausfalle der Ernte länger als ein Jahr L. H ol th o f. Französischer Chauvinismus.

Die .Berliner Post theilt eine, WilHelm Blau, Neiuickendorferstraße 17, unterzeichnete Zuschrift über Vorgänge in dem belgischen Seebade Blankenberghe mit, worin es heißt: Meine Frau, die zur Zeit bei meinem Schwager, Herrn Fabrikbesitzer Karl Bloem aus M.-G!adbach, in Blankenberghe weilt, wo dieser an der Digue sich eine Villa gebaut hat, schreibt mir von dort: Am Sedantag hatten sich Bloem's Gladbacher Bekannte geladen ; wir waren 25 Personen zusammen, 3 Herren nebst ihren Frauen und Kindern. Auf dem Balkon hatte Schwager Bloem etwa zwölf Lampions angebracht; feit frühem Morgen schon hingen drei deutsche Flaggen hinaus, einige Häuser meiter hatten Andere auch deutsche Fahnen hinansgesteckt. Um 9 Uhr Abends kamen unsere Gäste; nach einiger Zeit hielt Herr E. eine Rede, in welcher er auf die Bedeutung des Tages hinwies und zum Schluß ein Hoch auf den Kaiser ausbrachte, worauf wir Alle Heil Dir im Siegerkranz" sangen ; sodann sangen die jungen Mädchen und Kinder Lieder, z. B. Deutschland, Deutschland über Alles", aber auch andere, nicht vaterländische Lieder. Da die Villa eine offene Loggia hat, mußte wohl der Gesang draußen gehört sein ; es sammelten sich dort einige Vorübergehende, die ab und zu zischten, später verlief sich Alles und wir saßen höchst gemüthlich beisammen. Da, gegen Zll Uhr, als der Ort schon im Scklaf lag, hörten wir plötzlich von weitem ein wüstes Getöse. . Geschlossen in zwei Gliedern, die ganze Breite der Digue einnehmend, kamen junge und alte Leute an, die Marseillaise singend ; pfeifend und zifchend blieben sie vor unserem Hause stehen und machten einen Hollenlärm, dann zogen sie weiter. Nach Kurzem kamen sie wieder zurück, stellten sich in Haufen auf, schimpften, psiffen und kreischten. Es mußten wohl über 100 Mann sein, meist gut gekleidete Leute mit weißen Strandmützen, alles Franzosen, Badegäste, so gut wie wir. Wir blieben still auf dem Balkon und thaten, als kümmere uns der Spektakel nicht; plötzlich sing die Bande auf Commando an zu schreien les ärareaux! Iss ärapeaux!" Wir sollten du deutschen Fahnen einziehen und auch die Lamvions abnehmen. Schwager Bloem und die anderen vier Herren, von denen zwei schon in den siebziger Jahren stehen, erhoben sich nun zur Abwehr, da kam ein Herr in den Flur, ein Polizist, der sagte, wir sollten nur nachgeben und die mißliebigen Fahnen einziehen, denn die Polizei wäremachtlos, uns zu schützen. Plötzlich warf einer von der Bande drau ßen mit einer Schleuder einen Stein an nnem langen Bindfaden über den Draht und riß mit einem Ruck die ganzen Lampions herunter. Bloem zog nun die Fahnen ein. Das darauf folgende widerliche Geheul hättest Du hören Müssen ! Wie besessen tanzten sie im Kreise herum und ogm endlich mit unseren Lampions als Trophäen ab. Die Nordamerikaner, bemerkt die Nat.-Ztg." dazu, feiern in jedem Lande, auch in England, von dem sie sich losgerissen, ihr Unabhängkgskeitsfest. Wenn Franzosen in Blankenberghe oder sonstwo außerhalb Frankreichs den 14. Inli feiern, roird es keinem Deutschen einfallen, dagegen zu demonstriren. Ebeaso berechtigt waren Deutsche, in dem belgischen Badeorte in ihrer, Wohnung. wenn auch bei offnen Fenstern, den "Sedantag zu feiern, auch deutsche Fahnen aufzuziehen. Die, Ortsbehörde scheint dies za auch nicht bezweifelt. sondern sich nur nnfähig erwiesen zu haben, die Ercesse der Franzosen zu verhindern. Indeß, wo solche Unfähigkeit, Deutsche in der Ausübung eines Rechtes zu schützen, hervortritt, dahin sollten Deutsche nicht wieder gehen. Es , gibt deutsche Nordseebäder, welche den Vergleich mit Blankenberghe in jeder Beziehung aushalten können. , ,

Mne interessante Neise-Ve. fanntssast.

Von . dou Bütow. Zwei junge Leute gingen, den Nachtschnellzug erwartend' auf dem Perron eier thüringischen Eisenbahnstation anf und nieder. Sie waren in eisriges Gesprach vertieft. Du mußt Dir wirklich das Leben ein bischen leichter machen, sate der eine. Dürste ich nur wie Du meine Studien in der Residenz beenden, solltest 'mal sehen, wie ich mich amüsiren würde. Vor Allem natürlich mil den Mädels." Ja, wenn das Examen nicht wäre," wandte der andere ein. Ach, was ! Examen hin, Examen her! Hast Du ein wenig Geistesgegenwart und Grips, so kann eö Dir nicht fehlen, doch muß man sich aber nicht über den Schmökern dumm arbeiten, sondern flott ins Gedränge der Welt stürzen. Jmmer mitten mang", wie der Berliner sagt." Das sagst Tu wohl, Paul ; aber Du kennst unseren mit zwei ausschlaggebenden Stimmen betrauten Justizrath nicht. Der grimme Alte ist von einer sürchtcrlichen Strenge.ß Er faßt ein kleines Vorurtheilchen gegen Dich stellt ein paar krause Fragen, und schwubb bist Du durchgeflogen." Nun, wenn ihr da wirklich einen solchen Massenmörder unter den Examinatoren habt, so ist das Beste, Du versöhnst im Voraus die Manen des Alten. Mach' artig Visite, küsse der Frau Gemahlin recht ehrerbietig die Hand und poussire die Töchter, die älteste und garsiigste vor allen." Ich glaube, er hat gar keine Töchter. Aber wenn auch, da wäre nichts zu gewinnen. Der alte Jupiter ist ein fanatisches Mitglied des Verems zur Hebung der Sittlichkeit. Ehe der Jüng ling bei den Eltern um die Jungfrau geworbeu, darf er sie am liebsten überHaupt nicht ansehen." So spiel' Dich auf den Ehrsamen hinaus, was Dir sehr leicht sein wird, mein guter Walter. Schlag züchtig die Augen nieder, sobald ein weibliches Wefen auf der Vildftäche erscheint, aber halte Dich schadlos, wenn Du außer Erreichweite bist. Bleibst Du so fort, wie bisher, ein moralisches Baby, an dem Schnullen der frommen Denkungsart lutschend, so machst Du Dich den Frauenzimmern gegenüber einfach lächerlich." Der Zug kam in die Bahnhalle gebraust und machte die Unterhaltung ein Ende. Sieh, die einzelne Dame im Nichtraucherkoupee!" rief mein Freund. Da fetz' Dich dazu, das kann ganz pikant werden." Er versuchte die Wagenthür zu öffnen und nahm artig grüßend die Mütze ab, als die Inhaberin des Koupees sich umsah. Auch Walter grüßte. Das hochnäsige Ding hält es nicht der Mühe werth, einen Gruß zu erwidern," raisonnirte Paul. Durch Grobheit fassen wir uns schon lange nicht roeggraulen. Nun setzest Du Dich erst recht zu ihr!" Um Gottes willen, Paul! Sprich leiser! Sie kann ja jedes Wort verstehen!" Kommen Sie weiter nach vorn, meine Herren!" rief im Vorübergehen der Schaffner. Walter wollte Folge leisten; aber Freund Paul hielt ihn am Aermel zurück. Laß ihn laufen! Hier ist ja Platz genug, und im Nichtraucherkoupee hast Du ebenso gut ein Recht zu fahren, wie die Dame. Adieu, alter Junge! Benutze Deine Zeit! Die Gelegenheit ist günstig." Klopfenden Herzens stieg Walter ein, und als der Schaffner unwirsch herbei eilte, war der Zug im Begriff abzufahren. Der Redliche hatte der schönen Reisenden versichert, er würde während der Nachtstunden keine Herren einlassen, nun aber war bis zur nächsten Haltestelle nichts zu machen. Paul schwenkte noch einmal die Mütze, und fort schnob der Zug in die dunkle Nacht hinein. Neugierig schielte Walter nach der lässig in der Wagenecke lehnenden, offenbar sehr eleganten Schönen. Ob er es jemals wagen würde, sie anzureden?! Wie er Paul um dessen Unverfrorenheit beneidete ! Doch siehe, die Dame kam ihm zu Hilfe. Erst sah sie, aus dunklen Spitzenhüllen vorlugend, forschend nach ihm hinüber. Dann sagt? sie: Das waren ja freundliche Bemerkungen, die Ihr sie benswurdiger Freund eben zum Besten gab." Und sie lächelte auf eine Art, die ihm dunkle Nöthe ins Gesicht trieb. Wie? Hatte sie etwa gar Pauls weise Rathschläge angehört und glaubte sie nun. ihn eu daZateUs behandeln zu kö.tum? Er wollte aber zeigen, daß er nicht der grüne Junge war, für den sie ihn halten mochte. Dies überlegene Lächeln sollte ihr doch vergehen ! Ich verstehe Ihre Anspielung nicht ganz, meine Gnädigste," jagte er, den näselnden Lieutmantston affektirend. .V!ein Freund beneidet mich mit Recht um das Glück, die Fahrt in so charmanter Gesellschaft machen zu dürfen." Sie öffnete ihre nachtschwarzen Sammetaugen etwas verwundert. So? hm. Er trug die Eorvsburfchenmütze. Sind Sie auch Studeut?" ' Nicht mehr, meine Gnädigste," schnurrte Walter, dessen Muth durch den glücklichen Anfang wuchs, .ich bin Lieutenant." Wirklich? Und bei welchem Reg!ment?" Er nannte ein Berliner Garde-Regi-ment. Da fahren Sie wohl auch nach BerUn zurück?", Zu dienen, meine Gnädigste. Die schone Zeit des Urlaubs liegt hinter mir. Ach, daß sie ewig...." Er vollendete das Citat nicht, weil ihm das Wort grünen" als Stein des Anstoßes in den Weg kam. Dagegen verließ er seine entfernte Ecke und fetzte sich neben sie. .;"; ". ...:'r:"t ' . ; Sie zog die Angenbraunen in die Höhe. Nun? was soll das?" Treiben Sie mich nicht fort," bat er. Die unmittelbare Nähe holder Weib-

Uchkeithat.... ist...." Hier verlorn den Faden. Sie waren vermuthlich bei Ihren Eltern?" franke sie ruhig, f .Doch nicht." beeilte 'er sich zu versichern. ..Ich habe meiner Nerven wegen Waldluft gekneipt. Famose Gegend, dieser Thüringer Walb ! Hochfeudale alte Burg auf jedem Hügel ! Kapitaler Menfchenfchlflg! Ich bin selbst eine Thutingerin", bemerkte sie lächelnd. Gnädiges Fraulein hatten gar nicht nöthig, das zu sagen. Gnädiges Fräulein konnten überhaupt nur eine Thüringerin sein." Warnm?" fragte sie belustigt. Augen wie die von gnädigem Fräulein gibt es überhaupt nur iu diesem Lande. Muß wohl die Nähe von Wtadame Venus sein, die sich vor einigen Jahrhundertchen, als die ollen Irischen herunterkamen, im Hörsclbera eiugemiethet haben soll." Sie lachte, und Walter war diesmal mit sich zufrieden. Er hatte Msfekt gemacht. Da haben Sie sich gewiß ungern von dem Venuslande getrennt?" meinte sie. , Ich gestehe, dan ich in dem idyllischen Kurort nicht gerade mönchisch gelebt habe," sagte er mit schlauer Miene. Der Abschied war nicht leicht, da es galt, Nosenfesseln abzuwerfen. Noch vor einer halben Stunde gab ich mich wehmüthigen Erinnerungen hin, fetzt aber ist das Vergangene aus der Tafel meines Herzens gelöscht, einer angekreideten Wirthsrechnung vcrgMbLr, die man bezahlt hat." Sie blinzelte Zhn schelmisch an. Kommt das vor?" Es ist schon passirt, und als seltener Fall bleibt der Eindruck lebendig." Und sonst vergessen Sie so schnell?" Er blickte sie schwärmerisch an. Es gibt Augenblicke, die uns Alles vergessen machen!" Sie scheinen mir aber doch ein ganz schlimmer Don Juan zu sein!" meinte sie. Er hatte ihre Hand ergriffen und neigte sich ihr zu. Armer Don Juan ! Was können wir dazu, wenn die Frauen uns zu willenlos sen Sklaven ihrer siegreichen Schönheit machen?" Sie wandte einen Moment das Gesicht ab. Was mochte sie ihm verbergen wollen? Es ist doch nicht schon", begann sie nach einer kurzen Pause, so auf gebro. chenen Frauenherzen einher zu schreiten." Er hatte ihr behandschuhtes Handchen an seine Lippen gezogen und war auf ein Knie gesunken. Schönste der Frauen k Seid Ihr die Königin aus dem Hörselberg selbst und reist inkognito, um Eure treuen Knechte zu inspiziren?" Aber bester Herr Lieutenant, sehen Sie sich doch wieder! Der Boden ist gar nicht schr sauber." So laß mich liegen ohne Ende!" declamirte Walter schmachtend. Er war wirklich in Zug gekommen. Sie Kindskopf!" murmelte die Dame. Stehen Sie auf! Wir halten eben in Gotha, und von hier an werde ich, um mich bequem aus strecke zu können, den Schlafwagen benutzen." Sie ließ ihn in' einem Taumel von Entzückcnzurück. Das war doch ein echtes galantes Abenteuer gewefen, und wie brillant hatte er seine Rolle gespielt! Schade, daß es schon zu Ende war. Wer weiß, ob es nicht noch vor Tagesanbruch zu einem regulären Kuß gekommen wäre ! Jedenfalls konnte es nichts schaden, wenn er in dem an seinen Freund Paul abzusenden Siegesbulletin den Kuß beifügte. In den ersten Tagen seines Berliner Aufenthaltes durchstreifte Walter ohne Ruhe die Straßen des Westens, um seiner Venus ansichtig zu werden. Die Fortführung der Bekanntschaft freilich war ausgeschlossen, da sie sein Gestunker an den Tag gebracht und !hn unsterblich blamirt hätte. Aber einmal sie sehen! Indessen legten sich der Liebe Wellen und machten den Eramensorgen wiederum Platz. Seufzend stieg er in seinen schwarzen Rock und stattete dem gefürchteten Justizrath eine höfliche Visite ab. . Leider zeigte sich der alte Herr zugeknopster als je. Schon ließ Walter alle Hoffnung für diesmal sinken und verabschiedet sich, um einen günstigeren Tag abzuwarten. Da wurde die Thüre zu dem Kabinet des Donnerers5 rasch ae-

öffnet, und herein trat in eleganter Straßentoilette m inkognito reisende Venus aus dem Schnellzug. Nie hat Jemand leidenschastlicher gewünscht, in ein Mauseloch kriechen zu können, als in diesem Augenblick.Walter! Seine Gefühle und sein Aussehen dabei mit Worten zu beschreiben, wäre gar nicht möglich ! Du bist schon wieder zurück, Lukretia?" sagte der Donnerer, offenbar angenehm überrascht. Und als er die großen schwarzen Augen etwa? erstaunt auf den anwesenden Jüngling gerichtet sah, fügte er hinzu: Ah, pardon, Stud.lur. v. K. meine Frau.", Wakrer überlegte, .während er, sich stumm verbeugte.' mit fieberhafter Ge dankenschnelle, wie er , sich am raschesten einen Revolver verschaffen könnte, um seinem ruimrten . Dafein ein Ende zu machen. Aber als er sich bleich wie ein Wetttuch in die Höhe richtete, traf ihn aus den verführerischen, Sammetaugen der Näthin ein verständnißoollerund gütiger Blick. : ' : Herr von K.," rief sie; weißt Du, lieber Mann, daß ich ihn auf der, Reise kennenlernte?" Ich war sehr angenehm berührt, in ihm einmal einen jungen Mann, von ernster Ziichtung und soliden beinah allzusoliden, Grundsätzenzu finden." i Ein interessirter, von, innigem Wohlollen verklärter Blick des Jupiter ruhte auf dem geknickten Jüngling. ,; , I, i! Sieh da, mein junger Freund! Wer hatte das unter den krausen Locken vermuthet?! Und er, schlug Walter eisrig aus die Schulter. , Meinst , Du nicht, liebe Frau, wir , sollten Deinen liebenswürdigen Reisegefährten bitten, zum Essen bei uns zu bleiben?" ,, , "-' y-pf , -,-:4't sJ;111

. MS nach einer Woche Walter mit Glanz aus dem Eramen hervorging, sagten feine Gefährten: Einem, der so hoch in der Gnade des alten Jupiters steht, konnte es ja garnicht fehlen. Walter verkehrt viel und gern im Hause deS Justizraths und läßt sich von der klugen Frau sehr beschcidentlich und gelehrig in der großen Kunst des Lebens unterweisen. So oft er jedoch dabei seines ersten Versuchs gedenkt, gelobt er sich mit einem leichten Schaudern : Nre wieder!" Ein Opfer ver Wissensüiast. Es gab einmal einen kühnen deutschen Forscher, dem es gelang, fast unglaubliche Schwierigkeiten zu überwinden und unter der Maske eines frommen Muhamedaners in das Merheikigste des ISlam, die Kaaba von Mekka, mit dem Pilgerzuge der Hadschks einzudringen.

Äon tausend Gefahren umringt, mit ve-. nen ihn der Fanatismus bedrohte, gelang es dem Freiherrn von Maltzahn denn dies war der wirkliche Name jenes frommen Manghrebi , der Völkerkunde und der Geographie unschätzbare Dienste zu leisten. Sein tollkühnes Unterfangen hat, wie zu erwarten, nur vereinzelt Nachahmung gefunden. Und doch läßt sich kaun: ver kennen, daß bei der immer mehr um sich greifenden Herrschaft des Islam im Innern Afrikas ein Giaur" (Ungläubiger) einen äußerst schwierigen Stand haben wird, sobald er versucht, in das Völkerleben und die Gewohnheiten der dortigen Stämme einzudringen. Ein sranzösischer Forscher. Eamille Douls, war der letzte jener Märtyrer der Wissenschaft, welcher, anfangs zwar glücklich, doch die Wiederholung feines Versuchs, in der V e r k l eid u n g e i n es a r ab i s ch e nWt n se l m a n n s in das Innere der Sahara einzudringen, mit seinem Leben bezahlen mußte. Die Nachricht, daß er auf der Reise nach dem Haupthandelsplatze des Sudan. Timbuktu, von seinen Führern ermordet wurde, ist kürzlich leider bestätigt worden. - Douls war ein entschlossener, thatkräftiger Mann von L5 Jahren, dabei beseelt von glühender Liebe zur Wissenschaft. Die Erforschung des bisher völlig bis auf die Küstenstriche unbekannten Westens der Sahara und des südlichen Marokko hatte Lr sich zur Lebensaufgabe gemacht. Er erlangte die arabische Sprache, indem er sie in Nordafrika in stetem Verkehr mit den eingeborenen Ärabern studirte und erwarb sich außerdem eine gründliche Kenntniß des Alkoran. So ausgerüstet, begab er sich nach dem Ziele seiner Forschungen, äußerlich einem arabischen Tauschhändler völlig ähnlich. Es dauerte nicht lange, als er auf einen Zug Kameele stieß, welche von arabischen Hirten ach dem Jnuern getrieben wurden. Unter dem Vorgeben, vom rechten Wege abgekommen zu sein, schloß er sich ihnen an und erzählte ihnen eine lange Geschichte über seine Abenteuer. Doch seine Erscheinung erregte Verdacht. Ein Fanatiker streckte ihn durch einen Säbelhieb besinnungslos zu Boden, und als er erwachte, fand er sich in Ketten und Banden. Der Anführer der Karawane beschloß jedoch, die Ansichten erfahrener Scheiks einzuholen, ehe er den Fremden sür einen Betrüger erklärte. Zunt Glück "für Douls trafen seine Peiniger nach einigen Tagen auf den angesehenen W!ekkapilaer und Derwisch Ibrahim, dem der schwierige Fall zur Entscheidung vorgelegt wurde. Ibrahim unterzog den Fremdlina einem genauen Eramen in den Lehrendes Koran, aus welchem Douls glänzend hervorging. Die Folge war, daß Ibrahim erklärte, er sei zweifellos ein türkischer Muhamedaner, xxwh daß von nun an jedes Mißtrauen gegen Douls völlig schwand. So durchstreifte er mit .den. Nomaden jene Einöden der westlichen Sahara, die vorher keines Europäers Fuß betreten hatte, auch besuchte er die Sandwüste von Uran und den Sklavenmarktvon Tenduf. Das Vertrauen feiner Begleiter ihm wuchs mehr und mehr, und schließlich verlobte man ihn mit der zwölfjährigen Tochter eines angesehenen Scheiks. Unter dem Vorwande, reiche Brautgeschenke kaufen zu wollen, gelang es ihm, seine bisherigen Genossen zu verlassen und nordwärts nach Marokko abzureisen. Die Erforschung dieser Gegenden war langst sein Wunsch gewesen. Die Provinz Sus, reich an Kupfer- und Silberminen, in welcher er sich jrtzt befand, war den Europäern stets verschlossen gewesen, da der Sultan ihre Habgier fürcht tete. Während Douls in dem geheimnißvollen Gebirgslande feine Beobachtungen und Forschungen anstellte, wurde er als verdächtig verhaftet und in Ketten nach der stadt Marokko transportirt. Glücklicherweise rettete ihn die rechtzei? tige Dazwischenkunft des britischen Ge sandten Sir William Greene vor dem fast sicheren Tode. . , Gleich nach seiner Befreiung machte sich Dottts daran, seine Beobachtungen und Erlebnisse zu Papier zu bringen. Er gehörte keineswegs zu jener Klasse von Abenteurern, welche mit eiuer oberflächlichen Bildung versehen, nur auf da Sensationelle Jagd machen und dereu Erlebnisse o'jne jeden wisjeuschasilichen und bleibenden Wertl, sind. Er hatte es verstanden, seine nothwündigsten wissenschastlichen Instrumeilte und seine Notizen den Ärguöaugen seiner Beobacht ter zu entzieben. und diese wahrhaft unschätzbaren Nskizen bildeten die Grundläge, seines Werks übadic westliche Sahara und Südmarokko", welches seinen ?!amen in der Wisienschast unsterblich gemacht hat. Doch rociv sein Forschungstrieb noch nit befriedigt. Ungcwc.rnt durch seine bisherigen Schicksale, versuchte er zunr zweiten Mal, ins Innere Afrikas ein zudringen und, i wenn möglich, den ö!ige? zu erreichen Es,, sollte ihm nicht vergönnt sein, das Ziel , seiner Sehnsucht, dos , große, ,Emporium JnnerafrilaS zu schauen. , Unter den verrathcrischcn Streichen . seiner, habgierigen Diener hauchte der kühne Reisende seinen Geist aus. ,, Feldweb el (zu einem Rekruten, der einen Knops nicht zugeknöpft Jessas, 's ,is nur gur, daß i a Mannsbild un kei' Frauenzimmer bin! I müßt ja bei Dei'm Anblick sonst vor Scham velgeh'n!"

Qut Charakteristik Schillers. Der wiener Unioersitätsprofestc'r Ja kob Minor, der sich durch zahlreiche luerargefchichtlkche Untersuchungen üb?r di: klassische und romantische Periode m dient gemacht hat, giebt in der 'iertcljahrSschrift für Literaturgeschchte- einen interessanten Beitrag zur Eharal,eristik Schiller'S. Den meisten Lesern wird eS neu fein, daraus zu erfahren, daß Schiller in feinen jungen Jahren als !eracteur einer politischen Zeitung thäkiq gewesen ist. Er rcdigirte nämlich während des Jahres 17S1 die in Skuktzmk tx scheinenden Nachrichten zum Nutze lind Vergnügen." Min? hat sich die Mühe gknomuien, diesen Jahrgang, der sich in der stuttgarter Bibliothek findet, durchzusehen und zwar mit besonderer Nncksicht auf die redactionelle Thätigkeit Schillers. Im allgemeine ist freilich der Eindruck, - den diese Zeitung nach Ättnor'S Schilderung macht, ein durchaus unerquicklicher. Ein großer Theil derselben wird ausgefüllt durch Hofnachrichten, die in einein widerwärkig bombastischen Tone gehalten sind. Besonders der Herzog Karl, der bekanntlich sonst nicht eben, weder im späteren Leben Schiller's, noch als württembergischer Lalkdesoater eine glänzende NoUe jviett, wird übermäßig gefeiert. Jede Wohlthat des Herzogs, seine Besuche iu Instauten. Schulen und wohlthätigen Stiftungen werden überschwänglich gepriesen, während noch die Dankaltäre der erquickken Armen rauchten." In einer Ode auf die glückliche 'Wicderkunst unseres gnädigsten Fürsten", die im übrigen so so schwach wie möglich ist, leistet sich ber Dichter folgende Strophen: .Der Fürst ist da! Sagt Thäler eS den Hügeln, Nas's Erde, ruf zu dem Olymp emporl Zurückgeführt auf Eherubincn Flügeln, Zieht er jetzt ein in unser Freudenthor. Er kommt zurück, bringt Glück sür seine Kinder Bon Volkern mit, die er gesegnets ah. Der Frühling fliegt voran, Sem herrlicher Verküuder, Jauchzt Bürger, jauchzt ! Karl und der Lmzistda!" Doch ist nicht anzunehmen, daß Schiller selbst diese Tiradcn ernsthaft nahm. Er nahm überhaupt seine Thätigkeit in dieferStellung nicht ernsthaft. Nichtsdestoweniger zeigen sich auch hier die Spnrcn deS Löwen. Auch ein freierer Geist, der nur wegen der Censur sich nicht hervorwagen darf, klingt doch hie und da durch. Wer merkt nicht den bittern Hohn, wenn aus Anspach unter dem I. März berichtet wird: Am 4. März wurden aus Anspach die nach Amerika bestimmte Truppen eingeschifft. Kurz vor dem Ausmarsch hatte diese Residenz

das uiounevolle Entzücken, Ihren angebetetm Landesvater und Regenten im besten j Wohlsein von der Reise nach der Schweiz ; zurückkommen zu sehen," Aber im alli - . n jn t . . .. t . . gemeinen ijr cyluer mer nocy ouraaus unfertig und vom Standpunkt der Nachweit ist es ein großes Glück für ihn gewesen, daß ihn ein hartes Schicksal aus den gewohnten Bahnen riß, um ihn in dem harten Daseinskämpfe zu der Erkenntniß feiner künstlerischen Eigenart und der elementaren Kräfte in seinem Innern zu führeil. El Mißverständnis. Der Techniker Oskar Windlich hatte nach langer Mühe es durchgesetzt, daß sein reicher Onkel sich bereit erklärte.ibm VmtA.ffr ... i.iL k yuuuill iVVHi. lllifUl, U1U 4.U9 ViEU gen eines neuen technischen Unternehmens zu ermöglichen. Nach langer ; Mühe d enn da der junge Mann durch- ! aus sich nicht näher über die betreffende Sache erklären wollte, bis Alles gelungen hatte den alten Onkel schließlich nur der ehrgeizige Gedanke breitgeschla gen, dermaleinst als Gönner eines bedeutenden Mannes der Weltgeschichte ges nannt zu werden. Im Geheimen aber nahm er sich natürlich vor, Erkundigungen einzuziehen ; denn daß der liebe Öskar, der sonst ein recht flotter Junge war, das Geld vielleicht ganz wo anders anlegen könnte, schien nicht so ausgeschlossen Ja, sein Mißtrauen wuchs, als der Herr Neffe eine Woche lang sich nicht einmal hatte sehen lassen. Das war in der That verdächtig und der Alte eilte zu einem Kol? legen Oskars, mit dem er ein sehr ernstes Gespräch hatte. Dann setzte er sich hin und schrieb folgenden Brief : . Lieber Oskar! Ein College von Dir hat mir ganz Seltsames über Dein jetziges Treiben erzählt, daß Du für em Unternehmen von mir Gel entliehen, geäußert, er hätte aus deinen Aeußerungen den Eindruck gewonnen, daß Du Dich hier citire ich wörtlich ! wohl mit plumpen Ersindungen abgibst. Also das ist der Dank, von Deinem Onkel pumpst Du unter dem Vorwaud eines Unternehmens Geld, ersindest also ganz plump etwas; doch genug, ich will vergessen, daß ich einen Nesten gehabt. Dein Onkel Theodor." Ein Paar Tage später. Heute ist der Geburtstag desAlten und dieHausHäklerin erschien mit zierlichem Sliüxtn leierte ihren Glückwunsch gerade, als die Klingel heftig gezogen wurde und man hörte, wie gleich darauf dic Thür geSsfnet wurde. Dann klopfte es und herein trat Oskar. Onkel ,Tucodor war sprachlos, aber dieser begann: Zuerst, lieber Onkel, meinen herzlichften Glückwunsch...." Und dann? lind dann bringe ich Dir das Geld zurück!" Das Geld? Woher l,ast Dn denn das? Sage mal, gibst Du deun nun ossen jene plumpen Ersindungen zu?" Ja, Onkel, mit Freuden!" Wa äs? Und Du lachst auch noch?" Jawohl ? über nein Patent!" Patent?" Natürlich, sür meine Erfindung von Plumpen!!!" 31h" ! machte der brave Alte. Und in den Armen liege sich Beide Und weinen vor, Schmerz und v Freude!