Indiana Tribüne, Volume 13, Number 4, Indianapolis, Marion County, 22 September 1889 — Page 7

Der CoealniStnuS,

Ein Vortraz. den der berübmte Arzt Dr. P. Regn' an der Sorbonne, der Pariser Univnsitöt gehalten hat, warnt so eindringlich vor dem Cocain, dm neuen Betäubungsmittel, daß wir im öffentlichen Interesse zu handeln glauben, wenn wir, dem Beispiele der Straß burger Post" folgend, den wesentlichen Ifnftrts ,?K,,vBV tfftrmnifp et carraucyen erzeug? oen vcaxummas, der Minrauch des Alcobols den AlcoholismuI,der des Morphiums den Morphinismns und die unvorsichtige AnmendungdcsCoeains hat denCocainismus zur Folge. So beginnt der französische Arzt und fahrt fort: Vor grade fünf Jahren habe ich in dem großen Hörsaale der Sorbonne einen Vortrag gehalten, in dem ich zeigte, in welche körperliche Zerruttung sich die Pariser hohe Gesellschaft durch den Mißbrauch der Morphiumeins spritzungen gestürzt hat. J hatte damals diese Gifte, die sich unlere Hyperculturmenschen mit Behagen in die Adern sickern lassen, auf einen Tisch gestellt und etwas zur Seite ein Fläfchchen, das eine weiße, puloerisirte Masse enthielt, die in den Arzneischatz kaum Eingang gefunden hätte: es war das Cocain. Ich erinnere mich, daß ich am Schluß meiner Vorlesung meinen Zuhörern zurief: Hier ist ein anderes Gift; es izt noch neu und deshalb noch wenig im Gebrauch, mit einem Wort, noch nicht Modearkikel geworden; aber seien wir darauf ßefaFt, eines Tages auch von dem CocainismuI sprechen zu hören." Ich glanbte damals nicht, daß meine Prophezeiung so baU in Erfüllung gehen würde. Es' ist aber in der That so. Denn in der letzten Sitzung der Biolog!schen Gesellschaft stellte Herr Magnan, Chefarzt des St. Anna-Spitals, den Anwesenden drei von dieser Krankheit befallene Personen vor, und glauben 'sie nicht, daß diese die einzigen sind, die von diesem Uebel heimgesucht worden; es gibt gewiß deren noch mehr, die ihr Leiden verheimlichen. Das Cocain ist ein Alkaloid und der hauptsächlich wirksame Bestandtheil in der Abkochung von Vlätkern deS Erjthroxjlon coca, eineS in Peru und Bolivien wachsenden Baumes. Die Peruaner kennen schon lange die benlhigende Wirkung des Cocains. Sie gebrauchen die Blätter als Thee zu dem nämlichen Zweck, zu dxn sich ihre Nachbarn, die Brasilianer, des Kaffees bedienen. Es ist ganz gewiß, daß die nach eingenommener Mahlzeit getrunkene Abkochung von Eocablattern die Verdauungsthatigkeit zu regeln scheint oder wenigstcns doch die Schmerzen, die dieselbe bei manchen Personen bealeiten, lindert. Aber hiermit hat die Anwendung des Cocains ihr Ende noch nicht erreicht. Man hat nämlich bemerkt, daß das Lllkaloid die Kräfte derer,-die davon nehmen, belebt und sie keine Müdigkeit empfinden laßt' mit einem Wort, ihnen eine große Widerstandsfähigkeit verleiht. Aus diefem Grunde haben viele Indianer, die in den Minen von Peru arbeiten, die Gewohnheit angenommen, während ihrer Arbeit Cocablätter zu kauen, wie bei uns die Matrosen Tabak kauen. Zu diesem Zwecke stellen sie einen Teig aus der ..MM ffiäfrirrii&rä und lerstofceiicit i v u " o Z' v " ocavuttttrn her, den ne t ugeazen .verkleinern. Diese letzteren werden in den Mund genommen und so lange wie möglich darin ' behalten, ohne sie zu schlucken. Es scheint sicher, daß dieses Verfahren sie befähigt, sehr lange zu au benen. Schon im Jahre IV50 gelang es Herrn Niemann, ans den Blättern deS Crythrorylcn ein besonderes Alkaloid zu geinnen, dem er den Namen Cocain gab. Man braucht ungefähr ein Pfund'Blätter, um cm Gramm des wirksamen Stoffes herzustellen. Dies war der Grund, weshalb damals und ganz neulich noch das ' E ocain oder seine Chlorhlzdratverbindn g 25,000fr daö Kilogramm kosteten. seitdem haben die mannigfachen Anwendungen des Cocains den Preis desselben sehr zum Sinken gebracht, was in gewisser Hinsicht zu beklagen ist, denn viele Leute würden schwerlich ein Mittel mißbrauchen, von dem jede Dosis auf ungesähr 100fr zu stehen käme. Die HauvtZ kigenschaft, die man an dem Cocam entdeckte, besteht darin, daß es ganz außerordentlich jchmerzstttend roirkt. Jeder Körvcnhei!, der zur Ausnahme des Mittels sähig ist, wird sofort unempfindlich ; jede? Schmerz Hort auf, ohne daß die andern Thäligkeiten des Organs sichtlich erlchwert scheinen Jedermann weiß, wie empfindlich das Auge ist ; der kleinste Staub kern, das in unser Auge gelangt, verursacy! einen heftigen Schmerz, der uns alles andere vergessen laßt. Doch in Tropfen einer fünsproceutigen Lösung von Cocain-Chkorhydrat genügt, um das Auge sofort unempfindlich zu machen; man kann es dann berühren, ja, sogar hinein stechen, ohne daß sich die Augenlider schließen. Eines der größten Hin dernisse für das Gelingen von Augcnoperatiouen ist das häufige Schließen der Augenlicdcr, fei es während oder nach der Operation, das entweder den Operateur stört oder den mit so großer Mühe bloßgelegten Theilen des Auges Schaden dringt. Wlt Cocain ist nichts leichter als dies: das Auge ist alsdann unempsindlkch; man vollzieht an demselben eine Operation, von der der Besitzer nichts merkt, und nach der Operation verurfachen die Bewegungen des Auges , weder in Prickeln noch sonst einen Schmerz. Mit der Kehle verhalt es sich ganz ebenso. Die Untersuchung der Kehlkopshöhle ist an nervösen Leuten unausführbar eil sie sofort von Erbrechungen befalIm werden, sobald der Kehlkopfspiegel iv ihren Mund eingeführt wird. Auch hier verhütet ein BepiWln.,mlt Cocain diese Un:uträalichkeiten . und , , . . i 1 macht die Untersuchung ganz harmlos. Man wollte natürlich dieWöhlthat dieses Wunderbaren Stosses bei allen kleinen Operationen ausnutzen; man sah sich aberIbalVMdißzem Beginnen gestört und' ÄusgtIMen. Txnn damit das Main zur Wirkung komme, muß es von dem ttsrpknheil, den man unemfsindkich machen wil." selbst aufgcnomMM werden, so wurde es z. B.' nichts Tiütm, eine Dosis Cocain verschlucken zu lasse, wen;; man .eine Fingerspitze im mpfiu.':ch Äachen wollte. Unter UmflanW m 'lmt auch die Haut von dem iu LLasft? au -afiai Stosse nichts auf.

oder vielmehr sie nimmt sie ss langsam auf, daß das Alkaloid nicht in genügen der Menge an die Nerven gelangt, um auf diese einwirken zn können. Man hat deshalb in diesen Fällen daran ge; dacht, daS Cocain unter die Haut einju spritzen oder von der letztereu die Oberhaut zu entfernen, die das Haupthinderniß beider Aufsaugung bildn. Deshalb fetzt man nach dem Rathe von Paul Äert vor dem Oessnen von Geschwüren ein kleines Zugpflaster an die Stelle, an der der Schnitt geführt werden soll, und be streicht dann den entblößten Theil mit einer starken Lösung des Alkoloids. Zuweilen spritzt man auch vor. der Operation mit einer Pravazfchen Spritze einige Tropfen unter die Haut des betref senden Körpertheils. Dieses Verfahren hebt jedoch zum Theil die Wohlthat des Mittels wieder auf. In der That wird denn auch nur bei verweichlichten und verwöhntenPersonen das Cocain während so kleiner Operationen, wie Geschwüröfsnungen u. f. w., zur Anwendung gebracht. Aber weil nun dieser leichten Operation eine andere vorhergeschickt wird, verdoppelt sich bei diesen Leuten die Angst und Nervosität. Große Diensie leistet unser Betäubungsmittel beim Zahnausreißen und beim Wochenbett. Wenn nun das Cocain seine Vortheile hat, so hat es auch auf der andern Seite wieder manche Unannehmlichkeit. Man hat Leute gefunden, die in demselben Augenblick, in dem ihnen eine Einfpritzung gegeben wurde, von schweren Ohnmachten und Neroenzuckungen befallen wurden. Bei andern wieder stellten sich wirkliche epileptische Anfälle ein.Das ist die unangenehme Seite der Sache. Es hat dies auch den Eiser der von dem neuen Alkaloid eingenommenen Pefürorter in etwas abgekühlt. Diese schweren Zufälle kennzeichnen den acuten Cocainismus. Denselben reihen sich ans dere an, die ihre Ursache im chronischen Cocainismus haben. Die" erwähnten drei Falle des Hzrrn Maguan wollen roir jetzt etwas niiher erörtern. Der erste Kranke, ein Kaufmann von 48 Jahren, hatte im Jahre 1870 angefangen sich Morphiumeinspritzungen zu wachen, da er an heftiger Nierenkolik litt. Er blieb einige Zeit verständig und gebrauchte das Mittel mit großer Vorsicht. Zwei Jahre später jedoch begann er in einen Anfall von Niedergeschlagenheit von dem Gift taglich zu nehmen, ohne auf die beachtenswerthen Zufälle zu merken, die sich einstellten, wenn er einige Tage seine Einspritzungen vernachlässigte. Es ist das die gewöhn liche Erscheinung bei allen Anfängern dcr Morphiumsucht'. Um sich von diesem Uebel zu heilen, entschloß er sich im Jahre 1886, Cocaineinspritznngen zu nehmen. Zu diesem Zweck mischte er das Cocain anfangs mit dem früher genommenen Gifte. Er brachte es bald auf eine Dosis von einem Gramm den Tag. Zwei Monate später stellten sich die ersten anzeichen des chronischen Co-

calnlsmus bei lhm em. tet bekam zuerst täuschende Gesichtseindrücke. Es schien ihm, als ob alle Stühle seines Zimmers zu tanzen Ansingen. Eine an einer Wand aufgehängte Tasche bewegte sich auswärts bis zur Zimmerdecke und von da wieder zurück. Außerdem horte er jeden Augenblick an seine Thür klopfen. Aus seinem Schluse wird er durch Stöße und Muskelzucknngen gerüttelt und plötzlich geweckt. Unter feiner Zunge fühlt er schwarze Würmchen, die er durch vieles Kratzen eins nach dem andern zu entfernen glaubt. Vermehrt er die Dosis des Gijtes. so treten auch die Erfcheinungen starker auf. Dann bemerkt er am Ende seines VetteS fratzenhafte Schallten : ein Bienenschwarm umgibt ihn beständig und er hat eine entsetzliche Mühe, sich vor den Stichen dieser Thierchen zu wehren. Alles erscheint ihm klein; die Häufer, die Pferde scheinen ihm über ökacht kleiner geworden; er hat beständig denselben Eindruck, den Gulliver bei den Lillkputanern bekam. Jeden Augenblick glaubt er, man habe ihm leicht auf die Schulter geklopft, und dreht sich deshalb plötzlich auffahrend um. Die Gejühlstäufchung, die er unter der Zunge hatte, dehnt sich auf fei nen ganzen Körper aus ; in seiner Tauschung beschäftigt er sich damit, unter den Mikroben die auf semer Haut sitzen, die Cholera herauszusinden. Ein Apotheker .von 44 Jahren ist der zweite Leidende. Auch er machte zuerst Morphiumeinspritzungen, um dicSchmer? zen von hausfg .auftretenden Leberkoliken zu sindcrn, und auch er wurde von der Morphiumsucht, ergriffen, wie dies nnausbleiblich ist, so day er sich drei Jahre hindurch jeden Tag ein halbes Gramm Morphium einspritzte. , Mm sich hiervon m befreien, griff ex zu dem tzscain, von oem er täglich zwei Gramm nahm. Im Anfang befand sich der Kranke sehr ziemlich w'ohl;aber,.nach einigen Monaten bekam er Muskelzucken und nach Verlaus eines Jahres stellten sich wirkliche evileptische Anfälle ein. ' Zu gleicher Zeit zeigten sich auch die Gefühlstauschungen. Sei Körper schien ihm ganz von. Ungezicser besetzt; .das, Gesicht, die Kleider, die Gegenstände, die ihn umgaben waren mit Mikroben bedeckt. Er riß sich die Haut auf und suchte in den Wunden die Mikroben mit seinen Nageln oder mit der Spitze einer Stecknadel. Die all mälige Unterdrückung der Cocaineinspritzungen, führte nach und , nach das Verschwinden diese? beunruhigenden Erscheinunzen herbei. Der dritte Kranke ist ein Ant von 39 Jahren, der 1832 das, Morphium zum ersten Ra'AegeMUheftigeKof schnierzeAZ gebrauchte. Er 7 setzte j diese Vergiftung -bis zum Jahre 1887 fort. Damals 1 der 1 5 3,1 i c cri Iv;! n f p i nn gcii'1! müde und da er außerdem gehört hatte, daß das Cocain das , Morphium 'ersehen und die Morphiumsucht heilen könnte, sing er an. sich täglich zwei Gramm diescs neuen Alkaloids unter die Haut ein? zusrritzen. Kür;c Zeit darauf wurde er, oon Gehör-und Gesichtstäuschungen befallen. Man nannte hinter ihm seinen Namen, Auf derDtraße sah er vor fthp nem Hause verdächtige Leute sich aushal- ., 1 ''''in ' '" :, .'r it " ten, die ,m Begras waren, bet ,hm emZ zubrechcn. Er weckte seine Frau, welche suchte, , abcrz,,N!emand, ,, fand. In der Dunkelheit sah er dicke Köpfe, welche nach und nach kleiner wurden und sich dann wieder aufblähten, als wenn sie

aus Kautschuk gemacht wären und ab wechselnd aufgeblasen und entleert wür den. Dieselben Gefühlstäuschungen, die feine Vorganger gemartert hatten, ergriffen auch ihn. Er fühlte unter feiner Haut Cocainkrystalle; er kratzte feine Zunge wund und zog sich mit seinen Nägeln die Haut von den Händen und vom Gesicht, um diese Krystalle zu entfernen, die ihn, wie er sagte, sehr belästigten. Seine Haut war fast empfindungslos; er fühlte kaum, daß man ihn mit einer Nähnadel stach. Die Ihnen vorgeführten Falle sind nicht die einzigen, die man kennt. Herr Dr. Jennings hat die Krankengeschichte eines Mannes zusammengestellt, der von denselben unnatürlichen Empfindungen gequält wurde und gleichfalls Würmer in feiner Haut suchte. In der That ist der Cocainismus noch eine seltene Krankheit; aber der Föarnungsruf ist erklnngen, man möge sich vor dem neuen Gift hüten und es nicht Mode-Artikel werden lassen. Da ich gerade daran bin, von den medicinischen Linderungsmitteln zu sprechen, so k'ommt mir ein anderer verheißender Name in den Mund, nämlich der des Antipyrins. Es thnt auch Wunder in Fällen großer Nervosität und wird auch von den Leidenden gepriesen. Aber vergessen Sie nicht, daß es niemals uns bestraft bleibt, wenn man öfter die Nervcnthätigkeit durch eine chemische Substanz störr, wenngleich auch diese Thätigkeit einen sehr heftigen Schmerz zur Folge gehabt hätte. Vor fünf Iahren habe ich Ihnen zug.ernfcn: Hüten Sie sich vor dem CocainiSmys !" Heute rufe ich Ihnen zu: Hüten Sie sich vor dem Antjpyrinismus!"

Wenn man Eile ha", unter diesem Titel gibt Aurelian Scholl im Pariser Malm" eine allerliebste Plauderei: Die Belgier liefern Frankreich die schlauesten und auch redseligsten Geschäftsleute. Von belgischen Eomriagnien wimmelt es in unsere lu Lande; Gas, Trambahnen, 'Stahlwerke und Kohlengruben gehören ihnen. In ihrem Lande selbst aber sindet man eine Gnt müthigkeit und Naivität, die beinahe spaßhaft sind. Komme ich .da kürzlich ln Brüssel in einen Laden, der die Aufschuft trägt: Handschuhe und Mereerie". Eine Dame in den Vierzigern sitzt hinter dem Ladentisch. Madame," sagte ich höflich, ich wünsche ein Paar Handschuhe." Die Dame grüßt mit verKindlichem Lächeln und erhebt sich langsam. Ein Paar Handschuhe, mein Httr?" Ja, Madame, ein Paar graue Handschuhe. Aber nicht perlgrau, jondern mausgrau." Mausgrau, mein Herr?" Ja, Madame, 7s" Gut, mein Herr, 7S. Haben Sie d.ie Güte. Platz zn nehmen." Ich danke, es ist nicht nöthig; ich habe ein wenig Eile." Sie haben ein wenig Eile?" Ja, man erwartet mich." Nehmen Sie gefalligst Platz." Die Dame geht in den Httttcrgruud des Ladens, wo eine kleine Schnees entreppe emporsteigt, und ruft hinauf: Eugenie!" Eine zuuge, srljche, rerzeude Stimme antwor tet von oben: .Mama!" ,Komm' ein wenig herunter, es ist ein Herr da, der Eile hat!" Ich bin mit Frisinn gleich fertig und komme." Eile dich!" Ja, Mama." Die. Dame kehrt hinter den Ladentisch zurück. So nehmen Sie doch Platz, mein Herr." Ein wenig betreten, aber mit dem Wunsche, Fräulein Eugenie kennen zu lernen, nehme ich den Stuhl an und setze mich. Bleiben Sie lange in Brüssel, mein Herr?" Drei oder vier Tage." Aber Sie kennen die Stadt?" Schon lancze. Brüssel, Neapel und Paris sind he drei angenehmsten Städte Europas." Ich bin auch schon in Paris gewesen, mein Herr. Ich habe dort Jemand geliebt." Ich beneide sein Glück." Aber er war ein Schwindler." Das wundert mich nicht; die Franzosen 'sind im Allgemeinen etwas leichtfertig." So legen Sie doch Ihren Hut ab." Ich danke ; ich fürchte mich zu verspäten." Die Dame wendet, sich' wieder zu der Treppe : Eugenie! Der Herr will fortgehen!" Ich komme, Mama, ich komme!" Blond und mit einem Teint wie Nosen uudLilien, mit Lippen wie ein Herz-AK und mit tU ner tadellosen Reihe kleiner, blendend weißer Zähne erscheint die jnnge Brüjselerin ganz strahlend und fragt mit dem einnehmendsten Lächeln: Was ist gefällig, mein Herr?" Mein Fräulein, ich wünsche ein Paar Handschuhe." - Nehmen Sie gefälligst Platz." Graue Handschuhe." Hellgrau?" - Neu', dunkel." Erlauben Sie, mein Herr, Ihr Hut ist Ihnen unbequem." O bitte, durckaus nicht." Erlauben Sie, ich will lhn hierher auf ten Ladentisch stellen." Meinetwegen, wenn es Ihnen Vergnügen macht." Also Handschuhe, mein Herr, Herrenhandschuhe?" Ja, mein Frau lein.". Welche Nummer?" 7s." Frl. Eugenie wiederholte leise vor sich hin: Graue Handschuhe für Herren, 7s...." Dann sagte sie mtt erheiterndem Lächeln: D!e haben 'wir nichts -mein Herr." Das hatten Sie mir gleich sagen sollen!" Auf ein anderes Mal. nicht wahr, mein Hm:? Und die Dame fügt bei: Eugenie, be gleite den Hetrn Ja, Mama." 0 bitte, bemühen Sie sich nicht!" Ich will Ihnen öffnen. Hier." Danke sehr." Die Ärüsseler Blatter haben Humor genug, diesen Dialog ab zudrücken, und eines derselben fügt die Schlußbemerkung hinzu, dergleichen könne Einem auch in Paris vassiren. -:; "u .A'.K: ' T " r :., '!.,"' . . m m m Echt und unecht. Unbewußt wie Sonnenlicht Und Himmelsthau wirkt, was wir edel , ffi'fa nennen ; Das ist die echte Tugend nicht. Die ihres Handels. Gründe laßt' tx kennen. .'"I;, Der Weg durch's Leben ist nur wen- ! 'gen Neidenswerthen Ein Kiesweg säuberlich, gebahnt durch Blumengärten; Die Meisten müssen auf der Landstraß " sich bewegen Lein Sonnenschein im Staub und dürch den Koth im Regen. Du sagst, Du bist nicht gernallnn Das leuchtet mir vollkommen ein; Willst nicht in schlechter Gesellschaft sein.

Er sucht Gäste. Ein sonderbarerZufall führt im Leben gar oft zur Lösung eines Knotens, zur Aufklarung vielfacher Umstände, zur Beseitigung unüberwindlich gehaltener Hindernisse. So war es auch in der Geschichte, die wir jetzt, vollkommen den Thatsachen entsprechend, erzählen wollen wobei wir lediglich mit Rücksicht auf die handelnden Personen die Namen nicht angeben. Dr. R. gehört zu den rinommi.rtesten Advoeaten von Wien Es, gelang ihm in jungen Jahren schon einen geachteten Namen sich zu schaffen und seine Kanzlei war, was unter den jetzigen Zeitverhältnisten viel beißen will, eine sehr gute. Vor einigen Jahren hatte er nach sattsam durchgekosteter Junggesellenzeit einem Mädchen aus bester Familie die Hand gereicht und alle Welt erzählte sich von dem beiderseitigen Glücke, das in der That ungetrübt auch in der Ehe dem Advdcaten zu lächeln schien. Die Frau war nicht nur'hübsch und wohlerzogen, sie besaö vorzügliche Eigenschaften und liebte ihren Mann über Alles. Und doch besaß sie in den Augen ihres Man neö einen Fehler, einen solchen, an welchem das ganze Glück der Häuslichkeit fast zu scheitern 'drohte. Sie war zu sparsam. Obwohl aus reichem Hause, beschränkte sie ihre Ausgaben auf das Allergeringste, sie sparte in Toiletten, sie suchte keine Vergnügungen, nur damit kein Geld ausgegeben werde. Soweit wäre ihre Sparsamkeit kein Fehler gewesen, allein sie knauserte in einem ganz absonderlichen Maße auch in ihrem Haushalte. Mit einem Dritttheil des ihr von ihrem Manne eingeräumten Monatsgeldes suchte sie das Auskommen zu finden, der Ueberscbuß wanderte in die Postsparkasse. Auf den, Tische erschien taglich als Hauptfpeise Suppenfleisch, und des Abends setzte sie dem Manne stets nur eine Kleinigkeit" vor, weil es nicht zuträglich sei, Abends viel zu nehmen. Gollasch, Nierndl, Veuschl, Leber, gewöhnlicher Aufschnitt wechselten in lieblicher Aufeinanderfolge ab. Im Sommer wollte sie von einem Landaufenthalte durchaus nichts wissen, weil dies Geld koste, und im Winter schien es ihr genug, um das viele Geld nicht für theures Holz und theure Kühlen auszugeben, einmal des Tages, und zwar nur im Speisezimmer, heizen zu lassen und hiezu verwendete sie gar oft lediglich die glüHendel Kohlen aus dem Küchenherde, die dann in den Zimmerozen wandern mußten. War man h Abends in einem

anderen Haufe geNven, dann wurde daheim gar nicht geheizt,wobci die Frau nie zu betonen vergaß, wie sehr ein Arzt sie auf die Zuträglichkeit des Schlafens in einem ungeheizten Zimmer aufmerksam gemacht habe. ES ist leicht begreiflich, daß selbst dem liebendsten Manne, zumal wenn er, wie Dr. R., sehr gut zu leben gewohnt war, ein solcher Zustand nicht als das Ideal des geträumten Eheglücks erscheinen konnte. Da jedoch alle Mittel, die Frau von dieser übergroßen Sparsamkeit ab zubringen, vergeblich waren, versiel der Advocat auf ein eigenthümliches Mittel, sich .wenigstens an ein oder zwei Tagen in der Woche daS Leben im Haufe etwas besser zu gestalten. Er wußte, dasseine Frau sicherlich keine Pflicht der 5!epräsentation außer Acht lassen würde, besonders wenn sie sah, daß es imJnteresse ihres Mannes geschehe. Ueberdies hatte er mit ihr festgesetzt, daß sie, wenn Gäste im Haufe erscheinen, die Kosten für die AewlNlzuna derselben als usckun tu . ihrem Monatsgelde erhalte. . er J, v. r r' e . rtrr um n veoagllcyer zn.suylcn und im Hause gut essen zu können, suchte der Advocat Gaste. Er lud, soweit es anging, Bekannte, Freunde, Clienten zu Tische und im Laufe dcr Zeit hatte er schon geradezu einen Tmnus eingeführt, um zweimal in der Woche durch die Anwesenkeit eine Kaste s?lki mn?, N,ss,s I ' y ' f . "( . 1 1 . . . 41s rsvrtsfn (ZZtet& trrnf?f v jj. W . wtw .vpiv v. iitikt jiutt begreiflich zu machen, daß diese oder jene Einladung eine Nothwendigkeit für die Kanzlei sei, und verwies die Frau auf die Kosten, die durch Gäste erwachsen, dann erörterte er ihr in überzeugendstem Tone, wieviel Nutzen solch' ein Besuch ihm bringen werde. So ging es einige Zeit ganz prächtig fort. Das Hauswesen kostete mehr, aber zweimal in der Woche war der Advocat wenigstens in seinem Hause vollauf zufrieden. Der Sommer kam; Freunde und Ackannte traten UrlaubsreiZen an oder lieJen sich nur ungern einladen, und Clicnten, die man als Gäste haben konnte, kamen auch nur wenig. Sorgenvoll ging der Advocat umher, seit einerWoche hatte er keinen warmen Gast zu erhaschen vermocht. Mißgestimmt betrat er zu Beginn der verflossenen Woche seine Kanzlei, auch der Sonntag hatte keine Abwechslung in das schmale Menu gebracht. Er suchte einen 1 Gast und fand keinen. In der Kanzlei erwartete ihn unter Anderen ein rumänischer Kaufmann, der zum ersten Male daselbst erschien. Ein Geschäftsfreund hatte dem' Kaufmann Dr. N. empfohlen und, wiewohl der Rumäne Bedenken äußerte, daß die Abwicklung des NechtsgeschafteS bei dem renommirten Adoocalen zu kostspielig sein werde, ihn doch' vermocht, diesem seine Rechtssache zu übergeben. Der Advocat nahm die Information des neuen Klienten auf, er besprach mit ihm genau alle Details dem Klienten ward es immer heißer, weil er mit jeder Minute das Wachsen der ErpenSnote zn sehen glaubte. Endlich die Information ist fertig. , Der Rumäne will sich entfernenA Da fährt sich der Advocat mit der Hand über die Stirne ein besonderer Einfall scheint ihn zu beschäftigen. .Wo speisen Sie cute? fragt dtt Advocat. In irgend einer NestaUration." I: Wollen Sie nicht mein Gast sein? Es wird mich und meine Frau sehr sreuen." , Der Klient ist ganz überrascht von der Mundllchkeit des Rechtsanwalts, er nimmt die Einladung in das Haus eines so vielgenannten Mannes an und stellt sich pünktlich wieder rlnj Advoeaten sich in das Haug einführen zu lassen. Dieser hatte schleunigst seine Frau verständigt, daß er einen alten Klienten, einen feiner größten, der soeben wieder ein ganz besonders großes

Geschäft habe, zu Tische geladen habe, die Frau möge nur ja daS Schönste und Beste besorgen, welchem Wunsche diese auch nachkam! J ! Der Advokat betritt mit seinrm Gaste die Wohnung, er stellt diesen seiner Frau vor. Doch, was ist das? Beide scheinen in größte Verlegenheit zu gerathen, Vläsie und Nöthe wechseln i en zwei Gesichtern. Die Begrüßung ist mehr alS förmlich, nicht einmal ein Händedruck.. Bei Tische geht eS sehr stille zu ; es gelingt nicht; die Frau und der Gast fcheinen die Stimme verloren zu haben. Der Advocat setzt die Verlegenheit auf Kosten der Neuheit der Bekanntschaft und ist selbst ganz glücklich, als der Gast endlick das Haus verlassen kann. Fragend sieht er seine Frau an, doch diese scheint aus das Tiefste niedergestimmt; keine Auskunft, keine Antwort ist von ihr zn erhalten. Mißmuthig verläßt der Mann das Haus, diesmal hat , der Gast ihm keine Freilde gebracht. Er sucht und grübelt der Ursache des seltsamen Benehmens seiner Frau und des Gastes. Jetzt fällt ihm auf, daß seine Frau, gegen die sonstige Gewohnheit, für eineü Moment in die Kücbe geschaut" hatte; er glaubt, bemerkt zu traben, daß die Frau, als der Gast sich verabschiedete, ihm dennoch die Hand gereicht ; er will gesehen haben, daß sie ihm ihm einen Papierstreifen in die Hand gegeben; und wenn der Zweifel nno der Argmohn einmal ihren Einzng gehalten, dann reißen sie bekanntlich das Gehirn immer weiter. Es waren bange Stunden für den Advoeaten. Am Abend loste sich das Räthsel. Es kam zu einer Auseinandersetzung unter den Ehegatten. Der Gast war einmal der Bräutigam der Frau gewesen und war von der Heirath abgestanden. Es war dem Advokaten nicht bekannt gemesen, daß seine Frau früher einmal die Braut eines Ander? gewesen war, er horte es jetzt zum erstenmale aus ihrem Munde und sie gestand auch, dem Gaste einen Zettel zugesteckt zu haben, auf welchem stand : Mein Mann weiß es noch nicht." Äas nun folgte, ist rafch erzählt. Der Advokat löste das Räthsel des Erschunens dieses Gastes und die Frau schwor, in Zukunst ihr HauS so zu gestalten, daß der Mann es nicht mehr nöthig haben werde, fremde" Gäste zu suchen. Sie willigte sogar in eine Erholungsreise und jetzt, wo diese Zellen erscheinen, sind die Ehegatten nicht mehr fern vom Eiffelthuntte. Der Advokat sucht hoffentlich keine Gäste mehr " (N. Wiener Tagebl.) Der Lordecrkranz.

Wie er entstaub, Niederlagen erlebte, Triumphe feierte und endlich begraben wurde, das alles geschah innerhalb acht Tagen. Mit sieberhaftcr Hast flocht ein armes Mädchen beim Schein einer trüben Gasflamme die Blätter zusammen, um Mitternacht war sie fertig. Am andern Morgen früh wurde er abgeholt. Die junge Gattin eines Schriftstellers legte ihn auf den Kasfeetisch. . .Das ist verfrüht, Aurelie", sagte der bleiche Mann fast ärgerlich. Dann aber blickte er die Fran an, welcher die Thränen in die Augen traten, und er umarmte sie zärtlich. Es wird ein glänzender Triumph werden, Walter, wir Frauen haben ein gewisses Ahnungsvermögen." Walter lächelte gezwungen. lind wie sollte es auch nicht! Hast Du nicht an diesem Drama Deine beste Kraft vergeudet Dir gebührt der Lorbeer wie keinem andern." Und sie fetzte ihm den Kranz auf das Haupt. An demselben Abend flog der Kranz tus dem Fenster auf den Hof hinaus. Zum Glück wohnte unten ein Gärtner. Der Kranz kam ihm sehr gelegen, er war noch ganz neu. Eine Schauspielerin hatte mehrere Bouquets und einen Lorbeerkranz bestellt. Sie wurden ihr von guten Freunden zugeworsen. Es war aber ganz unnothig gewesen,die Schauspielerin hatte sehr gefallen und erhielt ein halbes Dutzend Lorbeerkränze. Jetzt kann ich auf meinen Lorbeeren ruhen," sa.qte sie übermüthig in der Garderobe und warf sich aus die Kränze hin. Dadurch kam unser Kranz in ,eine sehr gedrückte Lage, er wurde am andern Tage ausrangirt' und mußte auf den Müllhaufcn wandern. Ein Lumpensammler nahm sich seiner an und verkaufte ihn für wenige Pfennige an einen Vorstadtgärtner., Der nahm den Kranz auseinander und stellte, mit Hilfe frischer Blätter ein neues Exemplar her. Eine Köchin kaufte den renovirten Kranz und befestigte ihn über der Stubenthüre nebst einem bunten Willkommen". Ihre Herrschaft kam aus dem Bade zurück.Das Erste, was die Köchin hören mußte, war eine lange Strafpredigt der Gnädigen. Daher riß sie gleichkam anderen Tage das Willkommen"., das ja ohnehin wenig aufrichtig gemeint war, mit dem Lorbeerkranze ab. , Sie wollte den Kranz eben verbrennen, als die Gnädige in die Küche trat, sich der Lorbeeren bemächtkgte und in die Stube ging. Was meinst Du, Mann, wenn wir hier eine Atlasfchleife mit .Ruhe sanft anbringen ließen . Ach, für den Trauersxieldichter,' der gestern gestorben ist? Ja, da ist er noch gut genug." ,fi$i8m So wurde der Lorbeerkranz begraben. Mar Hirschscld. D e r W ü r g e n g e l. Der Schulinspector war in einem rheinischen Orte eingetroffen und hatte bereits in ein Classe d!e Besichtigung begonnen. Der Lehrer ejnerz anderen wünschte benachrichtigt zu werden und sandte an seinen Collegen einen Zettel ! mit! der geheimnißvollen Frage: .Ist der Würgengel da?" Der Kleine, der als Bote diente, steckte den Kopf zum Classenzimmer herein, fuhr aber rasch zurück, als er sah, daß der Schulinspector schon anwesend. war. Komm 'mal her, mein Söhnchen, was hast Du denn da?" Verlegen kam der Kleine herein: Ene Zettel, da soll ich dem Herr Lehrer gebe." Der Gestrenge nimmt ihn, liest und sagt dann freundlich zu dem verblüfften Kna, ben: Bestelle dem Herrn Lehrer, der Würgengel wäre schon dl"

Die Schauspielkunst-alS ein tta pitet der Seelenknnde" behandelt Ernst Theinert-Mlckley in einer kleinen Schrift, welche in anziehender und gemeinfaßlicher Weife die Ergebnisse zusammenstellt, die aus den anthropologischen und psychologischen Forschungen oer setzten Jahrzehnte für die Wesensdeutung der darstellenden Kunst zu gewinnen sind. Die Schauspielkunst ist wie Theinert ein Wort EduardDevrieut'S treffend ergänzt,die Kunst der Mensches darstellung durch Geberde und 3!cde ; si soll durch die rein äußerlichen Zeichen der Geberdensptache, durch die Belonuno der Worte, durch den Vortrag der roi. dem Dichter seinen Gestalten in be.k Mund gelegten Rede ein vo!lko,umenes Bild des menschlichen Charakters, also ein rein innerliches, ein seelisches vecan? schaulichen, das keinen Zweifel läßt weder. über die Absicht des Schauspielers, noch die des Dichters. Ueberquellende Empfindung und Phantasie bilden auch für den Schauspieler die Grundlage sei nes Schaffens; in zweiter Reihe ist aber seine Leistung durchaus abhängig von den körperlichen und geistigen Mitteln, über die er verfügt. . Theinert verweist in dieser Hinsicht aus folgendes klassischcs" Beispiel. Vogumil Dawison und Ludwig Desioir spielten Beide mit besonderem Erfolg dieTitelrolle in ShakeSpearcs Richard III." Damiso.r verfügte über ein mächtiges Organ nd eine für die Bühne recht brauchbare mittelgroße Gestalt; Dessoir hatte weder das Eine noch das Andere ; nur ein großes dunkles Auge, das jedes seelischen Ausdrucks fähig war, verrieth äußerlich an ihnl den großen Künstler. Was mujzte die Folge davon sein für die schauspielerische Durchführung des dlv chard" Zunächst war Dessoirgenöthigt, sein Organ bis gegen den Schluß zu schonen, und dann mujzte er an einzelnen Stellen, wie in der Werbescene um die Königin Anna, aus all' die Wirkungen verzichten, die sich Dawison bei seinem viel geschmeidigeren Wesen und Organ gestatten konnte. Wenn beispielsweise auf Vuckinghams Frage, was mitHastings (III ; a) zu thun sei, im Falle er sich Glosters , Thronbesteigung widersetze, Dcffoir die Worte: Den Kopf ihm abhau'n, Freund, das ist zu thun" mit einem kaum merklichen Achselzucken und mit ; fast , phlegmatischer Ruhe sprach, so donucrle Dawison delelbcn Worte mit einer Macht hervor, als wolle Richard, jcyt das erste Mal die Maöke dcr Demuth abwerfend, sich endlich in seiner wahren Gestalt zeigen. Wer nun von Beiden hatte, recht? Dcr Eine so viel wie der Andere Mail kann sich Shakespeares Richard so gut nach dem Bilde Dawifons, wie nach dem Dessoirs vorstellen. Und das ist das Entscheidende ; die Bettlihcilung einer schauspielerischen &U stung soll sich einzig nach dcr Thatsache richten, ob die Darstellung mit den Worten des Dichters vereinbar ist und in sich selbst übcreiustimmt, in sich selbst folge: richtig erscheint. Darüber kann jedoch allein auf Gnmd des vom Schauspieler gebotenen Vortrageö und der von ihm gezeigten Geberde geurtheilt werden. Das eigentliche Problem in der Aesthetik

der Schauspielkunst lautet daher: Gibt es unumstößliche und allgemein giltige Gesetze, nach denen man die einzelnen Abstufungen im Tone der Rede und die verschiedenen Zeichen der menschlichen Geberdensprache als untrügliche, äußere Merkmale für bestimmte den Menschen beseelende Empfindungen und Gedanken zu erkennen vermag? Theinert bejaht diese Frage, indem er ms Grund der Untersuchungen Darwin's über die Art des Ausdruckes der Gemüthöbcweaunacn bei Menschen und Thieren festgestellt, daß unsere gesammte Mimik und Gcberdensprache auf ererbten Vorstellungen beruht, und als instinktiver Ausdruck unsrer E,npsmdungen ganz bestimmten Naturgesetzen gehorcht. Daraus ergiebt sich, daß eine Geberde,welche nicht von einer Empsindung hcroorgerufen wurde, werthlos und deshalb vom Standpunkt der 5runst überflüssig und ein gehler ist. Die Kunst des Darstellers aber ist es, die Empsindungen und damit die Geberden, die den Alltagsmenschen instinktiv überkommen, willkürlich hervorrufen zu können. Die schauspielerische Technik umfaßt infolge dessen drei sehr verschiedene, Fächer: erstens volle Herrschaft des Schauspielers über jedes seiner Gliedmaßen; ferner die sich daran schließende und daraus ergebende Herrschaft über Gesichtsausdruck und Geberdensprache. und endlich eine vollkommene Gewalt über Organ und Ausdruck in Sprache und Vortrag. Der dramatische Dichter hört beim Schaffen in seiner Phantasie znnachst die Worte, die seine poetische Gestalt spricht; der Schauspieler dagegen sieht aus Grund dieser Worte in derselben Weise das, was man ie Maske, deu Charakterkopf nennt; ferner Gang, Bewegung und Stellung in jedem einzelnen Augenblick der Rede. Während seines immer eingehenderen Studiums erscheint ihm die dichlerische Gestalt in Worten, Geberde, Mimik u. f. w. in solcher körperlichen Deutlichkeit, daß er zuletzt nur mit und aus seinem eigenen Körper revrodüzirt, was die von feiner Einbildungskraft geschaffene Gestatt ihm vormacht.' Und das wiederholt er durch Studium 'und Darstellung so häusig daß zuletzt bei jedem Satze, ja bei jedem Worte des dichterischen Textes die dazu einftndirte Färbung des Tones, der dazu im Geiste,,vernommene Ausdruck l in Rede und Vortrag, sowie die zu beiden gehörigen Gebcrden und Bewegungen sich ganz von selbst einstellen. Dies Alles ist gerade so tn der Vorstellung des Schauspielers miteinander verbunden,wie etwa beim Klavierspiel die Vorstellung öder Anschauung einer bestimmten Nos tenschrist sich mit der bestimmten Vewegung der Hände des Spielenden verbunden und ajsoziirt hat. Daher kommt es denn auch, daß die meisten bedeutenderen Schauspi-ler die einmal ausgearbeiteten Rollen beinahe immer bis in die i kleinste Einzelheit hinein in ganz gleicher Welse zur Anschauung bringen. Theinert erläutert diese Sätze durch eine Reihe von Beispielen aus der Vühncnpraris. , 5i: M od ern. ,""! . Schutzmann : Kommen Sie mit Sie Strolch, Sie Vagabund, Sie Strojner: Was, Sie beleidigen ich ftil km Ihre Karte!

Qin origineller Jmprefarlo. Von einer originellen Art eines Imprefarjo, seine Künstler zu prellen, erzählt die in Stuttgart erscheinende Neue Musik-Zeitung" wie folgt: Jene Sänger, die ihr Beruf nach Italien nd auf die Bühne der italienischen Oper geführt hat, erinnern sich wahrscheinlich dcö berüchtigten Impresario Peccuri", von., dem man heute noch in Florenz, inÄe nua, in Mailand und in Neapel die . tollsten Geschichten erzählt, denn Peccuri war in Bezug auf seinen Vortheil, ein genialer Geschäftsmann. Er war, beiläufig gesagt, der Erste, der darauf versiel, den Chor bei transatlantifchen Gastspielen zur Ersparung der theuren z Dampferfahrt per Segelschiff an den Ort der BestilNFtUng nach Amerika oder Australien zu verfrachten; daß sie eine langwierige und strapazenrciche Fahrt ertragen mußten, kümmerte Deccurjz nict. Auch er lavirte sein Leben lang zwischen Mißerfolg und glänzenden Ge- , sch ästen hin und her. Mit einem traurigen geschäftlichen. Resultat schloß die Stagione in Bologna, Peccuri bcrech' nete. das: wenn er seiner Truvve die Ga-

gen auszahlte, für seinen Theil so viel wie gar nichts übrig bleibe, und in dieser Situation sann er sich einen StreichW der so abenteuerlich ist, daß er einer Erfindung ähnlich sieht ; zum Glück aber leben da und dort Zeugen sür die Thatsächlichkeit. Die Sänger der italienischen DpcrnceseÄschaften erhalten ihre Gagen in Raten. Das erste Viertel des Gcsammtbetrages nach dem Abschluß des Contra cts u. s. w., das letzte nach der Schlußoor, stelluug ; so auch bei Peccuri. Wie, gesagt, in Bologna war's, und,,,, die Stagione näherte sich ihrem Ende, der Termin des flehten Viertels" kam heran. Da verbreitete sich die Kunde von einer' Erkrankung Peccuris, man sprach foflap von einer ernsten Gefahr, und das .,Ge rücht hatte wohl Recht, denn eines Morgenö erfuhren die Mitglieder, ihr Im,, presario sei deS Nachts gestorben. Und. so war es. Peccuri lag aufgebahrt in seiner Wohnung im schwarzen Gewände, mit weißen Handschuhen, sehr feierlich, von Blumen umgeben. Die Mitglieder, seiner Truppe versammelten sich an seiner Bahre, sie waren tief ergriffe, denn, ach, sie hatten ja noch ein Viertel Gage zu fordern ! Aber wer fordert etwaS von einem Todten! In dieser Niedergefchla 'genheit löste sich die Truppe auf, der Eine ging dahin, der Andere dorthin. Und als die Luft rein war, verließ Per? curi seinen Sarg, nahm das Geld, weh ches unter dem weißseidenen Kopskissen lag, hervor und verließ gleichfalls und in aller Stille Bologna. Er hatte seine Sänger wieder einmal geprellt. Schmuck derHänd Bei den Römern war eine hü' Hand, ein hübscher Fuß eine große Schönheit. Man gestikulirte beim Sprechen absichtlich recht viel, um die Hand in jeder schönen Bewegung zu produciren. Da man damals noch keine Handschuhe' trug, so hielt Man desto mehr auf das Zierliche der bloßen Hand. Vor Allem mußten die Nägel gehörig glatt und rund abgeschnitten fein, und glanzend scheinen. Ovid sagt in seiner Kunst zu lieben: Eine Schöne mit großen Fingern und rauhen Nägeln muß uicht so viel gcstiku-' liren." Eine besondere Sklavin besorgt die Finger- und Nägel-Ordnung. Au den, Nägeln ward, statt der Schcere, ein klclnes Messer verwendet. Der Nägelab-' schnitt wurde aufbewahrt und zu smnpathifchen Kuren gebraucht. Plinius sagt: Man mische Mgelabschnitte mit Wachs, mache davon ein kleines Päckchen und klebe es an die Thür eines fremden Hauses, so geht das Fieber unfehlbar 'M unserem Hause nach jenem Hause hin l Wer nicht so reich war, sich Sklavinnen halten zn können, ging zu einem Bartscheerer, der die P siege der Nagel mit besorgte. Niemand gab sich selbst die Mühe. Schließlich nahm man zur Verschönerung der Hand auch das Ringetragen an. Der Ursprung dieser Sitte ist so alt, daß er sich in das Dunkel der Vorzeit , verliert. Sie kam aus Aegypten zu den Griechen, von diesen zu den Elrnskern und so zu den Römern. Die ersten Ninge waren von Eisen und wurden nur' Von Kriegern getragen, und zwar am vorlehten Finger der Hand ; dieser hieß denn auch der Ringfinger, woraus später," als man goldene Ringe trug, der Name Goldsinger entstand. Daö letztcrewar schon zur Zeit der Schlacht bei Cannä der Fall, nach welcher Hannibal dem karthä-,! gischen Senat rinen ganzen ScheMlvoll Ringe, sandte. Die römischen Senatoren trugen auch goldene Ringe ; und FforNs j. erzählt, daß namentlich nach jener Schlacht der römische Senat nur noch das Gold seiner Rinze besessen :habe. Bald singen die Plebejer euch an, die Mode mitzumachen, aber zuerst Mts eifernen Ringen ; goldene' erhielten sie Zur bei Auszeichnungen. Unter den Regierungen der Kaiser jedoch sah man bald Soldaten, sa selbst ; Freigelassene,, mit goldenen Ringen. Letztere dursten sie anfangs nur tragen, wenn sie dieselben, aus der Hand des Kaisers erhielten. Iustinian , indessen ward der vielen Bitt--stellereien bald überdrüssig , und erlaubt Jedem, sie zu tragen -Man 'trug daher, bald fast lauter goldene oder vergoldete Ringe. Man sindet .deren eine Menge in alten Sammlungen. - ',, in i m Gut bedien r. ' Eine Dame läßt sich in einem Modegeschäft , Stoffe) vorlegen. Der Commis, welcher die Dame bedient, hat bereits einen Hanscik:, von Sto ssen aller Art QusMhürlnt Hnö, daß die Käufcrm zu einem Entschluß get YcUix '.zik fc,:f!T:.r::' luuiiiuii iinur. iiyuuj ui i.nc : Ätoss aber aucy in ccr 2?cooe im vsna dige Frau," antwortet i der Commis mit : großer Liebenswürdigkelt ''alsWieanck o-.tr-. l... i .avtcauz fr , Beim Abschied. dame, wie Man die Dienstboten chikanirt das hab' ich bei Ihnen gelernt! Wenn ich einmal eine Frau werde, dann mögen sich meine Mägde gratuliren!"

iä.if;: jiMäa l-iillai ü i : .! liÄiilsss, i .Äfililf'i1:!? ! ; . " '( ,,pif fM-r ''''' '''i'''-" : ! ' ' t'. 1 '; .iiivisiffli Si.i hMi'MM'ih H.fer G

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