Indiana Tribüne, Volume 13, Number 4, Indianapolis, Marion County, 22 September 1889 — Page 6

Zur Geschichte des Bartes. Unter den Vielerlei Freiheiten, welche baS neunzehnte Jahrhundert uns befcheert und von denen wir, dan? her jetzt herrschenden ZeitstrSmung, glücklich wie-, der eine um die andere verloren haben,' dürfte uns Eine 'wenigstens nicht verkümmert werden und ferneren Geschlechtern zum Vortheil bis in das dritte Jahrtaufend hinein blühen. Wir meinen die Bart freiheit ; nicht jene sogenannte Bartfreihcit, welche die europäilchen Armeen genießen und die eigentlich eine bedingte ist, weil sie den P. T. Soldaten blos die durch das Reglement gewährleistete Freiheit verleiht, eine gewisse Sorte von BZrten zu tragen. Nein, von dieser Bartfreihcit" sprechen wir Acht, sondern von jener wirklichen Bartlicenz, welche Königin Mode, die ja auch über das starke Geschlecht ihr weltbeherrschendes Scepter schwingt, dem Männeroolke gnädigst verstattet, die Freiheit nämlich, der Männer höchsten Schmuck,' den Bart zu tragen, wie und wo er einem wächst notabene wenn er einem wächst. Unseren Vorfahren ward diese Freiheit nur in sthr beschränktem Mafje zugemessen oder, besser gesagt, sie bestand im europäischen Kulturgebiete eigentlich niemals Ja, im grauen Alterthum, in den goldenen Tagen von Hellas und Rom, da kannte man freilich die Qualen und Gefahren, welche die Hand eines ungeübten Naseurs dem Nasirobject zu bereiten vermag, nur vom Hörensagen. Nur dann und wann wußte ein Weikgcreistcr von den Männern deS Pharaonenlandes zu erzählen, welche jedes Härchen von ihrem Antlitz mittels des Scheermefserö entfernten aber der Versuch, sich selbst derart zu bearbeiten, ward erst im vierten Jahrhundert der vorchristlichen Aera gemacht, und zwar von einem jungen Elegant, welcher, dem Geschlechte der Alkmäoniden entsprossen, um von sich reden zu machen, einen Araseur direct von den Pyramiden berief und sich nun, wie ein Lamm geschoren, auf dem attischeu Boulevard bewundern ließ. AthenäuS. der uns diese Geschichte erzählt, verschweigt zwar denNamen dieses andiken DarsduI, aber er berichtet, daß derselbe nur einen Heiterkeitserfolg erzielte, auf ihn Spottmedaillen geschlagen wurden und ihm das Volk den auch auf feine Nachkommen vererbten Spitznamen de? Geschorene" iarfrck zuerkannte. Indeß, wie es bei so manchem Ding ergeht, welcbcs Anfangs als lächerlich erkannt, balo von der großen Masse angenommen wird ; die Anfangs verhöhnte Neuerung fand in Athen rasch Nach ahmung. und da die Stadt der ölthene als das klassische Paris allen übrigen Ortschaften des Hellenenreiches die Moden diktirtc, so präsentirten sich bald auch die mesielkjschen Landpomeranzen und die ungeschlachten Spartaner mit glattgefchorener Wange. Etwa ein halbes Jahrhundert später wurde, und zwar in Macedonien, das erste Edikt betreffs de3 Vartoerbotes in dem Heere verlautbart und wurde dasselbe, da damals bedauerlicherweise noch kein ArmeeMormalVerordnungsblatt erisiirte, von Truppe m Truppe ad circulandum geschickt. Der Mann, der das ganze königlich macedonifche Heer unter die Herrfchaft des Rasirmessers stellte, war in gewisser Hinsich! eine noch heute angesehene militärische Autorität ; es war nämlich Alexander der Große. Der welterobernde König ließ sich inGeß bei Verfügung deS Bartverbotes rot niger von ästhetischen oder sanitären Maximen leiten, sondern er diktirte diese Maßregel aus Gründen, welche in der damaligen Gefechtstechnik ihre Erklärung sinden. Zu jener glücklichen Zeit, da es keine Mannlicher-Gewehre gab, die den Leuten auf dreitausend Schritte Dr fianz das Lebenslicht auszublasen vermögen, da selbst der bestgesiederte Pfeil kaum weiter als hundert Fuß flog, bildete das Ringen von Mann an Mann bereits die Einleitung eines jeglichen Gefechtes, und da wollte der große Soldatenkönig seinen Hopliten einen Vortheil schassen gegenüber den langbärtigen Persern, welche von jenen im Handgemenge sofort bei den Bärten gefaßt und durch diesen Griff schon halb kampfunfähig gemacht wurden. Etwa drei Decennien später es war im Jahre 454 nach NomS Erbauung siel auch der römische Vollbart, und zwar auf Anregung des Consuls Maennas, welcher aus feiner siciliaischen Campagne nebst anderer Kriegsdeute auch eine Anzahl numidischer Raseure mitbrachte, die eben in ihrer Kunst aus der trinakrifchen Insel Gastrollen gegeben hatten. Diese schwarzen Figaros fanden in der ewigen Stadt bald zahlreiche Clienten unter dem Patriziat und bald auch bei der Plebs ; bald war fast nirgends mehr ein VoUbart zu erblicken. Selbst der blaublütigste EqueS fand es nicht für anstößig, mit einem

wahren Stoppelfelde im Antlitz herumzugehen, und erst der berühmte Feldherr isctplo Asnkanus machte, xoit Punlus -uns berichtet, seine Landsleute mit den Genüssen des täglich Naftrtmerdens ver traut. Die Söhne des Nömulus be schämten nun, ob alt, ob jung, jeden vormärzuchen Hosraty an Vlattwanalg kcit und nur die Philosophen von Professisn, die man sich ohne wallenden Vollbart fchlechterdinas nicht denken konnte. sowie Originale, wie MariuS, welcher den Vollbart trug, emancipirtm sich von der Herrschast der Tonsores; nur mehr r -.1 JL V O f Im V flUUl eiujcu Vfi jciuucv ticp mu ki Vollbart stehcn, welcher, nachdem er durch nahezu ein halbes Jahrtausend auf den Inder gesetzt worden war, erst um die Mitte des zweiten Jahrhunderts unserer Aera durch Kaiser Hadrian wieder zu Ehren kam. Dieser Monarch wollte nämlich einen Schönheitsfehler,' zwei bäßliche, recht entstellende Gesichtswarzen den Augen seiner gelubken Unterthanen entziehen und darum ließ er den Bart m Wange, Lippen und Kinn sprießen, in Beispiel, welches von dem RömerVolke sofort nachgeahmt wurde. Hadrians Ertmpel befolgten auch anbere Imperatoren, wie die uns überkommenen Kaiserbilder in Erz und Marmor beweisen, ja, sie entfalteten einen förmlichcn Bartcultus, wie beispielswelse Caracalla, der nickt weniger als drei Stun"den taglich sich oen Handen seines Bart kräuSl'ers überließ und einen vielfach ge zackten, in taufende LZckchen und Flechten geschnörkeltcn Bart trug. Daß die Mode-

aecken dem von dem Kaiserhofe gegebenen

Impulse folgten, braucht nicht erst her-; vorgehoben zu werden, ja, einige von ihnen üvervoten nocy oen ouveran, rnoem sie entweder nach Assvrerart lhren Bart mit Perlen- oder Korallenstrahnchen durchflochten, oder ihn, wie die Perferkönige, mit Goldplättchen förmlich bepanzerten. aT v i .1 i t i mm iüie grope 2ialtone!nanopar!te, Völkerwanderung genannt, brachte außer neuen Typen, Gebräuchen und Moden auch neue Bartformen auf'S Tapet; viele dieser Volker trugen seltjame, bisher in Europa noch nie gesehene Bärte, wie die Vandalen, welche die ihrigen in Scheerenform zugestutzt trugen. Die Franken, Gothen u. A.' hinwieder hatten Lippe und Kinn glatt geschoren und uur die Oberlippe umschattete ein dichter, von den Mundwinkeln niederfließenden Schnurrbart; dieser Bart durfte übrigens nicht so mir nichts dir nichts getragen werden, und wer damit Parade machen wollte, der mußte erst auck den BefähigungSNachweis erbracht, vaS heißt, einem beliebigen Feinde den Garaus gemacht haben. So weniustenS wurde es bei den Katten gehalten, bei denen der Schnurrbart den Tapferkeltsmedamen unserer Tage gleichkam. Unter oen Merovingern und ihren Rechtsnachfolgern, den Carolingern, hatte die Ceremonie des Bartstutzens einen qewissen religiösen Beigeschmack und ging unter Entfaltung eines gewissen Pompes vor sich. Wer sich zum ersten Male rasiren ließ, der nahm, dazu einen Gevatter, der durch Annahme vucs Ehrenpostens nicht nur die Verpflichtung hatte, o gut oder so übel er es vermochte, dem Andern den Bart zu scheeren, sondern der durch diese Handlung auch in eine Art BlutSsreundschast zu dem Nasirten trat. So kamen selbst Könige daiu, den Naseuren in's Handwerk zu psuschen, wie beispielsweise Liutprand, der Longobardenkönig, welchem van Karl Martel die ehrenvolle Misston ward, de5etzteren Sohn, Pipin den Kurzen, zu raflren ; man weiß, wie sich der Sohn Pipins, Karl der Große dafür revanchirte, indem er den Longobardenkönig Desiderms von Hauö und Hof vertrieb und ihn zu guter Letzt auf Nnmmer Sicher setzte. Im zehnten Jahrhundert siel der Schnurrbart dem Scheermesser zum Opfer; imter den Ottonen trug sich fckonürst und Edelherr bartlos und nur der Handwerker, der Ackerbauer, der Hörige, selten schon der Bürger ließen sich den Bart stehen, der unter den Hohenstaufen nach dem Beispiele, welches Kaiser Friedrich I., der Rothbart, gab, für kurze Zeit wieder in Mode kam, um in der Blüthe des hösigen Zeitalters wieder von den Gesichtern vollends zu verschwinden. Der Vornehme, der Nitterbürtige, trug sich glatt rasirt und wer von ihnen sich den Bart wachsen ließ, gab damit Kunde, daß er irgend ein heiliges Gelübde zu erfüllen habe. Auch der abendländische Klerus, der zu gewissen Zeiten die Tilgung des Bartes als eine Gottlosigkeit verbannt hatte, begann, um gegen die mit wallendem Bart daherstol zirende orientalische Geistlichkeit zu demonstnren, sich glatt zu ranren, ja man ging im Occident so weit, sogar die Heiligenbilder ihres Vartschmuckes zu entkleiden. Die Bildnisse der Apostel und Kirchenväter aus jener Epoche weisen kein Härchen im Antlitz auf. Die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts brachte eine gewisse, jedoch erst im Zeitalter der Nesormation erweiterte Bartfreiheit; der Vollbart kam wieder in Mode, um nack etwa einem Säculum dem Schnurr- und Kinnbart zu weichen, welcher von dem io punoto Herreumoden tonangebenden Spanien aus nach Vcordund Mitteleuropa verpflanzt wurde. In Deutschland erfand man für den Kinnbart ein Dutzend Spitznamen, das Volk taufte den hispanischen Bart: Dotterbärtel, Schneckenbartel, spanisch Aärtel, Zwiebelbart, Schnlrkelbart, Entenwädele u. f. w.; aber das hinderte nicht, daß man den Bart trug und noch ein paar neue Nuancen, auf welche die Madrider Barbie nicht verfallen waren, ersann. Der Kinnbart hielt sich noch eine zeitlang nach dem westphälischen Friede, bis er, immer dünner und dünner zugestutzt, gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts nur mehr die Form einer an der Unterlippe hänqendm Fluge" annahm, ein paar Jahrzehnte später gänzlich verschwand und von dem ganzen Bartschmuck nichts anderes übrig blieb als der Schnurrbart. Den Impuls hierzu gaben die Franzosen, um ihren bartlosen Monarchen Ludwig XIV., dem blos ein winziges Schnurrbärtchen wuchs, nachzueifern und diese Mode fand natürlich rafch von Paris ihren Weg nach dem übrigen Europa. Bald siel nun auch das letzte Bartrestchen, der Schnuubart, dem Nasirmesscr zum Opfer. Ebensowenig wie sich die Haartour des siebzehnten Jahrhunderts, die Allongeverrücke mit dem Vollbarte vertrug, ebensowenig konnte sich im Zeitalter des Zopfes dieser ünd der Haarbeute! mit einem Bart überhaupt vertragen. Er heischt gebieterisch, daß der Mann die Wange glatt erhalte, und nur alte Kriegsgurgeln, die sich den blauen Teufel um die Satzungen der Mode kümmerken, trugen trotz Wevel und Puderbüchfe ihren wohlpomadisirten Schnauz bart. Die Heeresrealements der damaligen Epoche nehmen sich im Allgemeinen auch liebend des alten Schuurrbartes an, der in der Friedericianischen Armee von den Grenadieren, Hußaren und Bosniaken" so nannte ver alte Fritz seine gut preußischen Uhlanen getragen werden durste. Sie genossen dies Privilegium selbst dann noch, als nach dem Hubertsourger Fneden der wrnaus größte Theil des königlichen Heeres zur coMpleten Bartlosigkeit vermtheilt wurde. In Oesterreich waren dieses Vorrechts gegen Ende des vorigen Jahrhunderts nur die ungarischen Truppen und die polnischen Lanzenniter theilhaftig. Erst in den Befreiungskriegen keimten wieder, nachdem schon längere Zeit der Haarbeutel in die historische Rumpelkammer geworfen worden war, schüchtern die ersten Barthaare. Vorerst wagte sich der Väckcnbart, der anfangs freilich blos bis zu den Ohrläppchen reichte und erst mälig,, die Wangenpartie bis zu den Mundwinkeln occuxirte. ans Tageslicht.

dann ttat Kübfch langsam, nnd zwar zuerst be! der uniformirten Menschheit der Schnurrbart in seine Rechte und so schwand eine nach der anderen von jenen Beschränkungen, welche die Mode dem Mannergeschlechte im Punkte des Bartes auferlegt hatte. Die Mode gab end lich volle Bartfreiheit, nicht so gewisse vielbesorgte Landesväter, welchen selbst diese Sorte Freiheit zu gewahren gesährlich schien und die auch für ihre nicht uniformirten Unterthanen Bartregle ments erließen, wie beispielsweise der brave Kurfürst von Hessen, Wilhelm, der den drolligen Einfall hatte, fein cursürstlicheö Monogramm jedem männlichen Hessenantlitz aufzuprägen und der deshalb bei harter Ahndung Jeden, dem der Bart wuchs, beauftragte, denselben sich in der Form eineS römischen Y gedeihen zu lassen. Das Jahr 3843 brach auch diese Fesseln; der Vollbart, früher nur das kritische Merkmal eines Erzdemokraten und professionellen WühlhuberS gewann, immer größere Verbreitung. Die Bärte wurden immer breiter und länger in demselben Maße als die früher beliebten Toupets und Lockenkünsteleten sehr zur Betrübniß der Friseure schwanden, die immer weniger Objecte zum Frisiren und Rasiren bekamen. Der glatten Gesichter werden immer weniger und heute überliefert nur mehr derjenige sein Antlitz dem Scheermesser, der als Mime oder Geistlicher muß oder der just dazu Lust hat. Carl Winter. Eingegangen!

Ein Gutsbesitzer hatte eines schönen Tages auf feinem Gute am Rhein eine Quelle entdeckt, deren Wasser die ältesten Magenkatarrhe wegzuschwemmen und die staubigsten Luftwege rein zu waschen geeignet erschien. Die nach gewissenhafter chemischer Untersuchung in die Welt versandte Flüssigkeit machte den Eigenthümer bald zum reichen Man. Nach einiger Zeit sprach Graf Z., der Gntsnachbar des Quellenbesitzers, bei letzterem vor und macbte demselben die wichtige Mittheilung, daß auch in seinem Grund und Boden" der sich ja so nahe be! der berühmten Quelle befinde, ein fogenanntes inneres Erdbeben walten müsse, dem es nur an den nöthigen Ausfluß fehle; er erklärte weiter, daß er bereits emer Quelle auf der Spur sei und sie gewiß an's Tageslicht fördern werbe. Kam schon die Ankündigung einer Concurrenz dem Gutsbesitzer sehr ungelegen, so war er vollends niedergeschmettert, als ihm sechs Monate später der Nachbar eine versiegelte Flasche mit folgendem Begleitschreiben übcrschickte: Lieber Freund! Die Quelle ist gefunden. Anbei sende ich Dir eine Flasche des neuentdeckten Wassers und bitte Dich, dasselbe einer genauen Analyse unterziehen zu lassen. Ich verlasse mich Zanz'auf Deine Erfahrung in Mineralwässern und bitte Dkch, mir das Gutachten umgehend zukommen zu lassen." Der Empfänger dieses Vneses schnitt ein Gesicht, als hätte er eben drei Liter Bitterwasser getrunken, und war nahe daran, die Flasche m Scherben, zu schlagen. Man kann sich denken, welcher Art das Gutachten war, das er in dieser Stimmung zu Papier bringen ließ, und in der That 6c fand sich bald darauf der Graf in dem Besitze einer Analyse, welche besagte, daß das nach bestem Wissen und Gewissen untersuchte Wasser im höchsten Grade gesundheitsschädlich sei, daß es eine Reihe der gefährlichsten Substanzen enthalte, und daß zwölf Flaschen genügen, einen ganzen Welttheil zu verseucheu ! Nach einigen Tagen sahen sich der Gutsbesitzer und der Graf wieder und es entspann sich folgender Dialog: Gutsbesitzer: Nun, bist Du über Deine merkwürdige Entdeckung jchon getröstet!" Graf (lächelnd) : Um so mehr, als ich nie eine qemacht hatte." Gutsbesitzer: Was lst's denn mit DeinerQuelle?" Graf: Eine solche hat es auf meinem Gute nie gegeben." Gutsbesitzer: Und woher stammt denn das Wasser, welches Du mir zur Untersuchung geschickt?" Graf: .Das war aus Deiner Quelle! Der arme Gutsbesitzer war wie vom Schlage gerührt, und der boshafte Graf zeigt nun Jedermann das von Herrn K. über dessen eigene Quelle abgegebene Gutachten. Vorjtkhenoe Geschlchte beruht auf Wahrheit, sie stammt aus guter Quelle. Die Farbe der Pferde halten die Beduinen für etwas sehr Wesentliches. Weiße Pferde ertragen keine große Hitze; schwarte bringen Glück, kommen aber auf steinigem Boden nicht vorwärts, und braune sind die geschmindesten. Auch dunkelgraue werden hochgeschätzt, während man Schecken" verachtet, denn sie sind Geschwister der Kub", wie eS sprichwörtlich heißt. Es wird erzählt, daß Ben Dajab, ein berühmter Wüstenhäuptling, mit seinem Sohne vor Saad ben Zenati floh., .Welche Pferde sind bei den Feinden voran?" fragte er. Welße," antwortete sein Sohn. Darauf sagte der Vater: .So laß uns in der Sonne.,reiten, und sie werden dabinschmelzen wie Butter." Einige Zeit darauf fragte er abermals seinen Sohn: .Welche Pferde sind nun die vordersten?" Die'Antwort lautete SHmarze." Gut, so laß uns über steinigen Boden fliehen und wir haben nichts zu fürchten: sie sind wie die Neger, die mit ihren bloßen Füßen nicht auf Kieseln gehen können." Bald ließen sie die Feinde hinter sich, und zum dritten Male wiederholte Ben 'Dajab seine Frage. Diesmal waren dunkelbraune und dunkelgraue Pferde voran. .Dann," rief der Flüchtling, .laßt uns ausgreifen und unferen Pferden die Sporen geben, denn die Pferde könnten uns vielleiHt einholen, wenn wir nicht glücklicherweise die unsrigen den ganzen Sommer mit Gerste gefütterk hätten." Abkühlung. .Schatze mich äußerst glücklich, gnädiges Fräulein, da Sie mich gleich wieder erkannt, obwohl es drei Jahre her ist, seit wir uns hier rm Bade trafen. Darf ich fragen, wodurch sich mein Bild so lange in Ihrer Erinnerung erhielt?" .Sehr einfach, Sie tragen ja noch denselben verwachsenen Rock und den unmodernenCylinder, ie vor drei Jahren ! , ,

O, diese QUpttanttnl Eine wahre Ä5e g e ö e n h e i 5. diese Elephanten," meinte bei'm zehnten Schoppen der Reisende von Schwarze & Grüne (Import und Erport), Arthur Weiße, .das sind ganz verflucht intelligente Bestien ! Da kann ich Ihnen gleich ein merkwürdiges Beispiel zum Besten geben. Es war, wenn ich nicht irre, im Jahre 1833, da war ich in Geschästsangelegenheiten in Wien. Nachdem ich dieselben erledigt, ging ich mit einigen Freunden Abends in eine Restauration im Prater, um meinen Magen durch ein feines Abendessen und den Geist durch die lünstlerischen Genüsse eines dort etablirten Variete-Theaters zu stärken. Die Marietta sang colossal, der Akrobat war famos kurz, wir unterhielten .uns pyramidal. Der Glanzpunkt des Abends

war mdeen die ProducNon des gelehrten Elephanten Sambo. Denken Sie sich, meine Herren, ein Mordoieh oon einem Elephanten mit Füßen wie ein Amboß, auf einem Bicycle fahrend! Sie wissen, daß ichVicepräsidentdes .Cyclists Club" bin und daß ich die Sache verstehe, ich muß Ihnen aber sagen, daß so Mancher die Straße uusicher macht, der nicht so gut fahren kann wie der Dickhäuter, und ich hätte nicht den Muth gehabt, das Vieh zurückzuweisen, wenn es die Ambition gebabt haben würde, in unseren Club einzutreten. Es fuhr, läutete und rauchte seine Cizarette, wie ein richtiger Vicyclist, und blrnzelte mich dabei mit seinen listigen kleinen Augen so verflucht spottisch an, 'als wollt es sagen: Siehst, Alter, das Radsahrer trifft Unsereiner auch noch. Zwei Jahre darauf hatte ich unfere Niederlage in Angra Pequena zu organisiren. Es dauerte längere Zeit, bis ich die drei Schiffsladungen Glasperlen und Vaumwollzeug gelöscht und das Personal eingedrillt hatte ; mittlerweile richtete ich mich in dem vechschwarzen Nest häuslich ein und ermh mir eine Stammkneipe, das Wirthshaus, zum .blauen Gorilla", wo ich jeden Abend, nachdem ich die Bude zugesperrt, in Gesellschaft.von fünf bis sechs besseren NegerkSnigen und einigen Reifenden von europäischen Geschäftshäusern, meinen Humpen Palmwein trank. Eines Abends nun fragt mich mein Freund, König Bim-Bam, ob ich wohl so 'ne kleine. Elephantenjagd mitmachen wollte ; er habe mit einer Londoner Firma xer Ultimo 20,000 Kilogramm Elfenbein abgeschlossen und wolle jetzt einen Posten zur Ablieferung bringen. Nun müssen Sie wissen, daß ich allezeit ein leidenschaftlicher Jäger war und nie eine größere Reise mache, ohne meinen Jagdanzug und mein Gewehr mitzunehmen, ebenso wie ich auch stets meinen Nadfahrer-Dreß und mein Bicyle mitführe. Die anderen Reisenden, schneidige Jungens und gediegene Sportsmen gleich mir, waren ebenfalls Feuer und Flamme für das Unternehmen und so brachen wir denn am nächsten Tage schon um vier Uhr Morgens hoch zu Rad, Jagdanzug und Etephantenbüchse am Rücken, von Angra Pequena auf. Um halb sechs Uhr waren wir beim Urwald Jdschischi, wo uns König Bim-Bam schon erwartete. Hier lehnten wir unsere Bicycles an die nächsten Bäume, zogen unser Jagdkostüm an denn de richtige Dreß, meine Herren, ist bei jedem Sport die Hauptsache und loS ging's in d.en Urwald hinein. Daß es in dieser Gegend von Elephanten förmlicb wimmelt, das weiß ein jedes Mohrenkind, und kaum hatten wir einige Schritte gethan, so hörten wir schon verdächtiges Geräusch im Dickicht; möglich sogar, daß wir von den schlauen Bestien beobachtet wurden. Vorsichtig schlichen wir eine halbe Stunde lang vorwärts, bis wir auf eine kleine Anhöhe kamen, von wo guter Ausguck möglich war. Wie ich nun meinen Blick umherschweifen lasse, kriegt ich auf einmal vom Konig Bim-Bam einen kräftigen Rippenstoß und sehe, wie sich dieser mit Vehemenz zu Boden wirst. Jnstinctiv ahmen wir sein Beispiel nach und, einem Winke folgend, sehen wir nun in einer Entfernung von S 6000 Schritten vier Stück Prschtelephanten, je Deckung benützend, behutsam gegen die Waldlisisre schleichen, offenbar in der Absicht) sich zu salviren. Fieberhaft erregt greifen wir zu unserem Gewehr. .Herrgott von Mannheim," schreit König Bim-Bam in seiner Muttersprache, .nicht. schießen ! " Aber es war zu spät, der dicke Christian Pappe hatte bereits abgedrückt und einen junaen Palmbaum todtgeschossen. Die Elephanten aber rannten in Earriöre davon; wir natürlich aus Leibeskrästen nach. Die Elephanten hatten Vorsprung, überdies liefen sie besser; in mir dämmerte indessen in Folge deS UmstandeS, daß die Thiere aus dem Walde liefen, eine stille Hoffnung auf. Ich dachte mir, an der Waldlisiöre da liegen unsere Räder und habe ich die erreicht, ss will ich die Thierchen schon einholen. Athemlos kommen wir zur Stelle, ws wir uusere Bicycles ließen Herrgott, die waren verschwunden! Doch horch, bekanntes Geklingel vor uns und eS ist kaum glaublich da fahren unsere Ele phanten in einer Entfernung von 100O 1200 Schritt ganz gemächlich auf unseren eigenen BicvcleS davon und da schaut sich noch der eine um ich will verdämmt sein, enn's nicht der Sambo war, dessen Gelehrsamkeit ich !n Wien dewundert hatte gnnst böhnisch, und wahrhaftig er machte nur eine lanqe Nase. Solche vsissige Luder sind die Elephanten!" Humbug. In kleinen Dingen sind wir streng ' Und trauen nie dem äußern Schein; Doch ist der Hmnbug groß geplant, Dann geht der Klügste darauf ein. Sonst jetzt. Borttkt sak wrarnnr Vrtir- ' a i w .hin, STCWtt Cfinfr rp sttf sirt. NN.:, - ff vytv "Cllil i Es staunt das heutige Geschlecht. Spricht Einer wo: .Der Wein ist echU A Am lavrer. Zwei Damen saßen am Klavier; , Die eine spielte mit Plaisir, U)ie and're sprach: .Helene, Mir gcht's durch Mark und Beene!"

Eine zwölfjährige Mörderin

Vor der Ferienstraskammer des Lübekker Landgerichts wurde ein Fall verhaudelt, der lebhaft an einen ähnlichen erinnert, der vor wenigen Jahren ein Berliner Gericht beschäftigte. Yeide warm von der erschütterndsten, Gott sei Dank, seltensten Art. Damals hatte ein dreizehnjähriges Mädchen seinen Pflegling aus dem zweiten Stock des Hauses über's Treppengeländer auf den Hausflur gestürzt. Jetzt hat ein zwölfjähriges Mädchen seinen Pflegling in den Kissen eines BetteS erstickt. Beide Handlungen geschahen mit grausamem Vorbedacht, mit gräßlicher Ueberlegung. Vor der Anklagebank auf einem Stuhl sitzt das Schulmädchen Margarethe Albertine Behrens, geboren am 30. April 1877 zu Lübeck, unter der Anklage, die neun Momite alte Tochter der Eheleute Schomann zu Scelnendors vorsätzlich getödtet und die Tödtung mit Ueberlegung ausaefübrt iu haben. Das Mädchen macht auf den ersten Anblick einen durchaus harmlosen Eindruck; es vuat ruykg im Saale umher. Bei schärferer Prüfuna bemerkt man, daß eö im Wachs thum hinter seinen Jahren um etwas zurückgeblieben ist, und daß sein Gesicht durch die vorspringenden stark eutwickelten Mund- und Kinnpartien einen stumpfsinnigen Ausdruck erhält. Wie wir hören, hat das Mädchen eine blödsinnige Schwener. Der Vater sitzt wegen Brandstiftuna im Gefängnisse. Die Vererbung krankhafter Charakterbildung kcheint also bet der Angeklagten w Be tracht zu kommen. DerPräsident. Gerchtödtrcctorvlauz: fen, beginnt das Verhör mit der Angeklagten. Es liegt ihm zunächst daran, fest;ustelleu. wie die aeistkae Entwickelung der Angeklagten beschaffen ist. Das Mädceantwortet ziemlich laut und klar auf seine ssraaen. .Gehst Du zur Schule Kennst Du die zehn Gebete?" .Ja." .Gibt es ein Gebot, welches lautet: Du sollst nicht tödtcn?" .Ja, das fuuste." .Und doch hast Vu getodtct?" .Ja." .Warum hast Du cetodtet?" Ich wollte mehr spielen." .Was bekommt Der, welcher tödtet?" Strafe.? Der Präsident holt nun allmaug aus der Angeklagten die näheren Umstände der That heraus. Das Madchen versteht nicht immer den Sinn der Fragen. Hat sie ihn aber erfaßt, so antwortet sie lchilell. Im März d. I. sei sie zu tzschomanns in Reincndorf in Kost und Pflege gegeben, ihre Arbeit dafelbst habe Hauptsächlich in Aufwartung der drei Kinder bestanden, von denen das älteste ein Knabe sechs Jahre und das jüngste dreiviertel Jahre alt gewesen sei. Durch die Wartung des jüngsten Kindes sei sie lehr am Spiele verhindert, und um mehr Zeit zum Spielen zu gewinnen, habe sie sich vorgenommen, die kleine Emma Schomann zu tödten. Am 1. Juni seien die Eheleute Schomaun vom Hause abwesend gewesen, und sie sei mit dem sechs Jahre alten Wilhelm Schomann. der acht Jahre alten Wilhelmine Teske und der Emma Schomann alleln tu der Wohnnnq gewesen. Sie habe nun zunächst Wilhelm Schomann aus dem Zimmer entfernt und die Zimmerthür von innen zuaehänat. Darauf habe sie die Emma aus der Wiege genommen, in das Bett aeleat und mehrere Kltten auf den Kopf des Kindes gedeckt, die Kissen auch nut den Handen heruntergedrückt. .Warum legtest Du ihr das Kissen auf den Kopf?" .Damit sie todt bleiben sollte." .Warum mußte sie denn todt blcibeiy" Das Mädchen versteht lange nicht, was der Präsident wissen will. Endlich saat sie: Damit es stikken sollte." .Hast Du das mit dem Kissen nicht schon früher einmal versucht?" .Ja, am Tage vorher." .Warum tödtetest Du das Kind damals nicht?" .Es schrie, und da that es mir leid." .Also damals hatte Dein junqes Herz noch Mitleid mit dem kleinen Wesen. Hast Du nun, als Du den Mord begmgst, wohl unter das Kissen gesehen, ob das Kind schon todt war?" .Ja, viermal. Die ersten Male lebte es nock. Das letzte Mal war es todt. .War außer Dir und der Gemordeten sonst noch Jemand im Zimmer?" .Ja. Wilhelm Schomann und Wilhelmine Teske." .Was sagten die. als Du die Kissen auf das Kind legtest?" .Ich sollte die Kissen fortnehmen. Ich sagte, sie sollten noch warten. Dann gingen sie hinaus, und ich hakte die Thür zu .Hast Du nicht schon einige Tage vor der That zu dem kleinen Wilhelm und anderen Kindern gesagt, das Kind würde bald sterben, es hätte sich erbrochen?" .Ja." Hatte es sich denn erbrochen?" Ncin." Als das Kind todt war. ist die Angeklagte zu der in der Nähe wohnenden HanShälterinDeucker gelaufen und hat erzählt, das Kind sei krank geworden und habe gebrochen. Aus den Zeuaenaussaaen aehtibervor. daß die Angeklagte das schwere Berbrechen in der That lange vorher geplant hat. Interessant sind noch die Aussagen der Ehefrau Schomann, der Mutter des getödteten Kindes. Am Tage vorher hat ihr die Angeklagte erzählt, die kleine Emma sei beinahe gestorben, denn Anna Schwester der Gemordeten habe sie so fest mit Kissen zugedeckt, daß sie nahe am Ersticken gewesen sei. Sie, die Angeklagte, habe die Kissen noch rechtzeitig fortgerissen. Zeugin hat die Angeklagte darauf gelobt und gemeint, sie passe ja schön auf? dann könne sie, die Mutter, in Zukunft ruhig fortgeben. Als Frau Schomann sich wieder aus ihren Platz begeben hat, blickt sie die Angeklagte weinenden Auges vorwurfsvoll an. Nun bricht auch diese, die bis dahin gefaßt war, in Schluchzen aus. Der Staatsanwalt beant ragte eine Gefängnißstrafe von fünf Jahren.Der Vertheidiger bittet, auf drei Jahre zu erkennen, die Angeklagte habe erst vor wen!vr , i rfi. nr.r.....J'i':, gen Wochen vas zmoilie xeocnsiayr uyerschritten. Der Gerichtshof erkennt auf sieben Jahre Gefängniß. Ein G i b ! l d e ter. Professor : Warum streichen Sie das Katheder weiß an, das sieht ja gräßlich aus. Anstreicyer: z)canu, man zpricyr vorn immer io .''' viel von naiyeoerwelVyett.

Eine tJjährige Giftmischer!

wurde jüngst in der Person des Dienstmadchens Anna Marie Luise Stolz der III. Ferienstrafkammer des Berliner Landgerichts I. aus der Untersuchungsyall vorgeluytt. as blonde, ansehniiche Mädchen sah recht dreist in den Gerichtssaal hinein und beantwortete alle an sie gerichteten Fragen mit einer ihrem Alter wenig angemessenen Bestimmtheit. Sie wird beschuldigt, den Versuch gemacht zu yaden, lyrer .ante, der ftrcm Buchbinder Molgedei, Gift beizubringen, um sie an ihrer Gesundheit zu beschädigen ; es besteht der Verdacht, daß sie eine gleiche Unthat bei einem ihr anvertrauten kleinen stinde geplant hat, und außerdem fallen ihr mehrere kleinere Unterschlagungen zur Last. Präs.: Wie bist Du mit der Frau Molgedei vcrwandt? Angekl. : Sie ist die Schwester meiner Stiefmutter. Präs.: Du kamst Anfangs März zu Deiner Tante, Dieselbe nahm Dich so lange bei sich auf. bis Du einen Dienst bekommen haben würdest. Dein Onkel und Deine Tante haben Dir also Gutes erwiesen. Siehst Du das ein? Angekl.: Ja wohl, Herr Gerichtshof! Präs.: Am 1. April kamst Du zum Fabrikanten Bieter, Du erhieltst dort als Mädchen für Alles einen Lohn von SO Mk. und hattest besonders mit den Kindern der Familie zu thun. Da ist auch schon mal eine sehr verdächtige Geschichte vorgekommen. Angekl.: Herr Gerichtshof, ich bestreike das Alles. Präs. : Nun, am 9. April solltest Du dem kleinen Kinde der Frau Vieler eine Flasche mit Hafergrütze xtU chen und die Grütze hatte dann plötzlich einen gaiz eigenthümlichen Gezchmack. Angekl.: Ich habe mit der Flasche gar nichts gemacht. Präs.: Das ist auch nur zur Illustration angeführt. Angekl.: Das muß schon in der Flasche gewesen sein. Präs.: Am 19. April hast Du an Deine Stieftante, Frau Molgedei, einen Brief geschrieben, etwa folgenden Inhalts: Liebe Frau Molgedei, nehmen Sie sich nur mit Ihrem Kinde in Acht. Gestern ist wieder eins nach Bethanien gebracht worden. Geben Sie dem Kinde nicht eher die Brust, als bis Sie einen halben Eßlöffel der Flüssigkeit eingenommen haben, die ich Ihnen in einer Kiste zu4wsFtl ,n?r? iTrnii TTi"ittVss st-.n jwiuvii vv.Vk. (jttl. tuitvil ()IUU Mündel war die Hebamme, welche die Frau Molgedei bedient hatte? Angekl.: Ja wohl, meine Tante sollte glauben, daß die Karte von der Sebamme derrührte. Präs. : Du hast dann auch wirklich an Deine Tante eine Kiste geschickt, welche zwei Apfelsinen und zwei Fläschchen enthielt. Angekl.: Ja wohl, das ; stimmt. Präs. : Welche Absicht hattest Du dabei? Angekl.: Ich wollte mich an meinem Stiefonkel rächen, welcher sich an mir vergangen halte. Präs.: Davon hast Du seinerzeit aber Niemand etwas gesagt. Angekl. : Herr GerichtsHof, ich habe mich geschämt. Präs.: Und heute schämst Du Dich nicht, solche Lügen zu ersinnen ? Nach den Akten bist Du eine dreiste Lügnerin. Angekl. : Ich kann es Ihnen nicht anders sagen, Herr Gerichtshof. Präs.: Du hast keinen Streit mit Deinem Onkel und Deiner Tante gehabt, dieselben haben Dich freundlich aufgenommen, bis Du eimn Dienst hattest. Soll das nun der Lohn für diese Wohlthaten sein? Angekl.: Ich kann es doch aber nicht anders sagen! Präs.: Was hat es für neu Sinn, daß Du die Tante für ein angebliches Ver gehen deö Onkels bestrafen wolltest? Angekl.: Ich habe geglaubt, die Tante sei Mitwisserin. Präs. : Mädchen, wie kannst Du so verstockt sein? Sage die Wahrheit, denn Du kannst doch nicht annehmen, daß wir Dir das glauben? Angekl. : Und ich muß doch dabei bleibeu ! Präs. : Du wußtest doch, daß die Tante Unannehmlichkeiten von der Flüssikeit haben würde. Angekl. : Ja, das stimmt. , Präs. : Sie sollte wohl sterben? Angekl,: Nein, nein, sie sollte blos krank werden. Präs.: Wo hast Du die Flüssigkeit her? Angekl.: Die habe ich von dem Eimerspinde aus der Bteler'schen Küche genommen. Präs. : Das ist wieder eine Lüge, denn bei Bieler's auf dem Küchenspinde stand nur giftfreies Zuckersäuresurrogat, wayrend die von Dir abgesandte Flüssigkeit verdünnte Schwefelsäure war. Angekl.: Herr Gerichtshof, und wenn Sie alle was anderes sagen, so bleibe ich doch dabei stehen ! Aus den Vernehmungen der Bieler'schen und Molgedei'chen Ehe leute ergibt sich, daß die Angeklagte trotz ihres noch so jugendlichen Alters schon ein höchst dreistes GesHopf ist. Sie wird von Vieler als ein zehr helles und aufgewecktes Mädchen geschildert, bei welcher irgend welche Spuren einer Geistesstörung nicht sichtbar waren. Sie hat sich mit großer Verschlagenheit beim Einkaufen von Eßwaaren ihre .Schmugro scheu" gemacht und während des Dienstes mancherlei Niederträchtigkeiten beaana.cn. So trafen bei der lZrsu Bieler mehrmals des Mittwoch Hinteremander Karten' ein! welche auaebliÄ von der Tante der Angeklagten herrührten, thatsächlich aber von dem Mädch-cn nef i. ' " ' ' '. rrs... r ,P 'i lajncucu ioiucn. jix nyml vkezer Karten ainq immer dabin, hak dock dem Mädchen ein Urlaub ainri Besuch von Verwandten gegeben werden sollte. Als dies ein eimiaes Mal abaescklaaen warden war, trnf wieder eine mit dem Namen der 'ante unterzeichnete Karte ein, welche an das Mädchen felbft oeriAt war, aber ber Frau Vieler in die Hände . fX. t !l- 43 : I r M sttl vieler amt wurde immer nur von der Uen" gesprochen und dem Mädchen angeralhen'der Ollen nichts j.:' . .-, 'WiT':l. -.- ,. ' j". ., :. . ' oavon m rnaoun, oafc ,e m lebten Sonntag bei de? Tante Kinder.' welche die 'Masertt batteN. abaemartet hohe. rc:aA ??. sti r Viim. viuuii) WUUC rn' 3J. TU kk.:- ei . i i utiitc? juiur cuit HlaMe mli arers grützbrühe zurecht gemacht, sich selbü durch Kosten derselben überzeugt und die Flasche dann der Angeklagten gegeben, damit sie dieselbe dem Kinde reichen joAe. Schon nach dem ersten Schlucken schrie das Kind heftig, verweigate kräftigst die weitere Nahrung und als man nun die Hafergrütze kostete, zeigte dieselbe einen scharfen, säuerlichen Geschmack. Das Mädchen wurde scharf ins Gebet genommen, da sie aber immer und immer wieder versicherte, daß sie mit der Flasche nichts gemacht habe, ließ man schließlich

k die Sache ans sich beruhen. Ein entschliche? Verdacht stieg aber bei Herrn Vieler auf, als er am 13. April einen Gang zu dem Onkel des Mädchens machte, um dort einige Klagen über das letztere anzubringen. Gerade, eis er bei Vkolgcdei eintraf, tarn dort nämlich auch die oben mitgetheilte Karte und das Kistchen mit dem Fläschchen an und da Herr Bieler sosort erkannte, daß das K'stchen aus feinem Haushalt herrührte, so war es bald klargestellt, daß die Sendung nicht von der Hebamme, sondern von der Angeklagten herrührte. Letztere wurde sofort herbeigeholt, und als ihr der Onkel laute Vorwürfe darüber machte, daß sie seine Frau habe vergiften wollen, stürzte sie ihm zu Füßen und bat um Verzeihung. Die verdächtigen Flaschen wurden zugesiegelt und dem Gerichtschemiker Dr. Bischofs überantwortet, das Mädchen aber 'in Haft genommen. Die Angeklagte verblieb heute mit großer Unserfrorenhelt bei der von ihr erfundenen Fabel und beschuldigte auch wieder ihren Onkel, einen ruhigen, anständigen Mann, daß er sich unpassend gegen sie benommen habe. Der Zeuge Mol t r r t rtn t f . if

aeoel qmi oen eroacyk p yaven, oaj; das Mädchen nicht ganz richtig bei Verstände ist, denn er theilte mit, daß dasselbe oftmals unpassende Gassenhauer von Jack, dem Aufschlitzet, und dgl. gesungen, ihn auch mehrmals mit der Behauptung geängstigt habe, da ß sie von einem Manne mit einem Messer verfolgt worden sei, oder daß ein Mann unter ihrem Bett liege. Sie sei dann immer sehr ängstlich gewesen und habe sich nur schwer überzeugen lassen, daß sie sich etwas Falsches einbilde. Der Sachoerständige, Gerichtschemiker I)r. Bischest, bekundet, daß er in der betreffenden Flasche eine Flüssigkeit gefunden habe, welche ö,ö Procent reine Schwcselzäure in Wasser enthalten habe, ein Gemisch, welches in den Handlungen als vcrdünnte Schwefelsäure, oder Putzwasser" verabfolgt werde. Eine geringe Quantität Zucker, welche ebenfalls in der Flüssigkeit gesunden wurde, sei darauf zurückzuführen, daß die Flasche früher Ungarwein enthielt, von dem ncch ein kleiner Nest zurückgeblieben sein mochte. Durch das Gutachten des medicinischen Sachverständigen, Sanitätsrath Dr. Mittcnzweig, erhielt die Verhandlung eine unerwartete Wendung. Derselbe erklärte zunächst, daß zehnprocentige Schwefelsäure unZweifelhaft als Gift anzusehen sei. selbst wenn die Zeugin Molgedei nur so viel von der Flüssigkeit zu jich genommen hatte, wie ihr voraezchrieven worden war. Das Gemisch sei immerhin atzend genug, um im Darm eine Entzündung hervorzurufen, und wenn dies mcht geschahe, könne doch eine Blutvergiftung entstehen. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob der Sachverständige die Angeklagte für vollstandla zurechnunassamg halte, erklärte der Gefragte, daß es für ihn wichtig sei. darüber Aufschluß zu erhalten, ob m der Familie der Angeklagten schon Geisteskrankheiten vorgekommen feien. Der Zeug? Molgedei vermochte hierüber Aus kunft zu aeben. Er bekundete, oau. zwei Schwestern der Mutter der Angeklagten qelsteskrank gewesen men und auch die Mutter der letzteren habe an hochgradi ger 3!eroosität gelitten. Daraushin erklärte de? Sachverständige, es sei anzu nehmen, daß die Angeklagte an einem Zustande leide, den man in !ucrer Zeit als moralischen Irrsinn" zu bezeichnen pflege, und wenn man hinzurechne, as die Angeklagte über die angeblichen Versolgungcu mitgetheilt habe, denen tie ausgesetzt gewesen, sowie die Geistes krankheiten in ihrer Familie, so müsse er Bedenken tragen, dieselbe als vollkcuimen zurechnungsfähig zu erklären. Aus Grund dieses Gutachtens beschloß, der Gcrichtsbor die Verhandlung zu vertagen und oie Angeklagte zwecks eingehen der Beobachtung einer öffentlichen Jrreaanstatt zu überweisen. Daß ein Fürst i m A r m e n Haus stirbt, dürfte zu den Seltenheitm gehören. Ueber einen sotchen Fall berichtet man auZ Hamburg vom L3. Aug. Der Fürst Demetrius Jwanowitsch von Chiwa, welcher eine sehr bewegte Vergangenheit hinter sich hat, ist in vorletzter 'Nacht im Altonaer Armen- und Siechenbause gestorben. , Jwanowilsch;. ein wirklicher Fürst, aus den Donauländern, spielte einst in Paris am Hofe der Kaiserin Eugenie eine große Rolle. Ndch und nac verlor er jedoch sein Vermögen im Spiele uud gerieth in zweifelhafte Gesellschaft. Nachdem er sein Geld vollständig durchgebracht hatte, sprach er zuerst vornehmlich die. regierenden Fürsten, so besonders den ?erstorbenen König Ludwig II. von Bayern, den er in den Bettelbriefen Durchlauchtigster Herr Vetter- anredete um Unterstützung, an. Als diese. Quelle jedoch bald vbrsieote, sank der. Fürst? zum Hochstapler hrab, indem er seinen Darlehngebern vorspiegelte, er ha!-.c. nen diesem ,oder jenem Fürsten große Summen Geldes zu, erwarten. In den letzten zehn Jahren tauchte der inzwischen alt geworbene Mann in Hamburg, u:rd Altona, dem Schlupfwinkel mancher problematischen ?!atur, auf.. Zuletzt beging er gewöhnliche Loaisschwinwleien und wiederholt machie er die Bekanntschast mit dem Gefängniß.. Um ihn vor weiteren Ankechtung,n zu. bewahren, steckte vm Jwanowitsch b SiechenhanS, aus dem ihn nunmehr der Tod er lösthat. Eine eigenartiFe Ehr: fteht. Cslumbus bevor gelegenlt ich seiner ÄerhundertjährigM JMlseier. wie der . Kraust. Nta." aus Madrid neickrikben wird. Achthundrrt Erzbischöfe, Bischöfe, Patriarchen und, andere Würdenträger .. ' .. : .. J-W- " . . der katyoUlctzt K119 spanleNZ und von Spanisch-Amcrika haben dein Papsfc eine Bittschrift übersandt, in welcher für Columbus Ver Titel Ehrwürdeu" gejordertwird,ds femeVerdieuste umieKirche. der er durch die Entdeckung AmkrikaS viele Millionen neuer Bekenner zugeführt habe, !hn dieserAuszeichniiNI woyl iu big machten. Die Initiative zu dem Schritt des spanisch-amenkanischen Cleruö geht von dein Grafen de Noselly de Lorques, dem Versager mehrerer Schriften über den groM Seemann, aus.

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