Indiana Tribüne, Volume 13, Number 4, Indianapolis, Marion County, 22 September 1889 — Page 3

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Viola.

Cfci msÄern Lebmldlldk, frei nach dem Schwedisch von mtt 3n. (4. Fortsetzung.) Aber dann blieb cr stehen, blickte sie an, a auf den Boden und bewegte sich unruhig hin und her. Er hatte offenbar etwas auf dem Herzen, roas er sich auszusprechen scheute. Doch endlich faßte er Muth, und die ehrlichen Augen fest auf sie richtend, fragte er: Ist Dein Mann gut gegen Dich, Viola?" Sie sah weg. jch habe mich nicht zu beklagen antwortete sie, .er ist immer derselbe." So? Und Deine' Schwieaermut- ? Ist als eine ausgezeichnete Dame bekannt." Er schien von diesen Antworten wenig befriedigt. Du bist also glücklich?" fragte er unsicher. Viola lachte, aber es erklang ihm dies Lachen ganz anders, wie sonst. Set)e ich nicht so aus?" fragte sie statt der Antwort. Er blinzelte mit den Augen. .Nun, ich weiß nicht meinte er zögernd. 0, meine Augen sind scharf." Dann tauschen sie Dich in .diesem Falle ganz und gar," kam es nun fest und bestimmt von Violas Lippen: ich fühle mich sogar ganz ungewöhnlich glücklich." 80 0?" 3So wohnst Du?" fragte sie gleich darauf. Er nannte einen Gasihof in nicht weitcr Entfernung. Du könnt-st noch ein wenig bleiben !" i cai ne. .Nein, ich muß fort, ich habe noch einen GcschaftSWeg." Aber meinen Knaben müßtest Du noch sehen, ehe Du gehst." Jch liebe Knaben nicht besonders. Deine kleine Tochter starb?" .Bevor Ktlrt geboren wurde." .Nun, ich sehe Decken Sohn wohl noch vor meiner Abreise. Du wohnst sehr schon hier," setzte er hinzu, sich in dem eleganten Gemache ringsumsehend. .Aber bei Deiner Mutter daheim iv unserem Dorfe war es viel hübscher." .Es war heimischer," sagte sie stillsinnend, traulicher." Du bist ihr sehr ähnlich geworden, Viola." .Meinst Du?" .Je mehr ich Dich ansehe, desto mehr fallt mir dies auf," sie standen gerade unter dem hellstrahlenden Kronleuchter, dessen Licht die Gestalt und das Gesicht der jungen Frau mit einem weißlichen Scheine übergoß, .mir ist es srüher nie so deutlich erschienen!" .Das machen wohl die Jahre, Fritz!" .Deine Mutter war auch nicht glücklich," sagte er einfach, mit dem Instinkt einer treuen Seele den richtigen Ideengkng verfolgend, fs daß sie ganz betroffen davon wurde. Sie faßte sich indeß bald und geleitete ihren Gast, ihm glückliche Geschäfte wünschend, an die Thür. Er hatte schon bis Klinke in derHand, als sie nochmals bat: '.Aber morgen, Fritz, bleibst Du den ganzen Tag bei mir. Versprichst Du es?" .Ja," antwortete er herzlich. Ach, ich habe Dich noch so viel, so uiel zu befragen!" .Ich werde kommen." .Schon früh?" .Früh schon." .Und ich danke Dir nochmals für Deinen Besuch und für Dein Geschenk. Der Zweig und die Blumen sind mir das Liebste, was Du mir bringen konntest!" Das das .Andere" werde ich morgen in Deine Küche schicken," sagte Fritz noch ein wenig verlegen, denn er mußte an öas Lachen des Hausherrn denken. .Auch das, Fritz, vielen Dank!" .Gute Nacht, Viola." Gute Nacht, Fritz. Auf Wiedersehen!" Er war gegangen. Die junge Frau schritt langsam zurück, mit verjchlungenen Händen blieb sie in der Mitte des Zimmers stehen, so daß das Licht des Kronleuchters goldschimmernde Neste auf ihrem braunen Seidenhaar spielen ließ und das liebliche Haupt wie mit einer Glorie umgab. Sinnend stand sie da, mit den großen blauen Augen vor sich hin wie in eine weite Ferne schauend, dann griff sie langfam in ihren Busen und zog das kleine traußchen mtt dem vprelenzwelg hervor. Sie drückte es wieder und immer wieder und immer leidenschaftlicher und heftiger an ihre Lippen. .Ach, wie sie duften!" rief sie, .Lenz, Tannenduft, Heimath und Glück!" Und ihren stürbenden Thränen nicht mehr gebietend, sank sie stillschweigend in einen Sessel. . . . .So, da bin ich!" rief eine kachende Stimme in der sich öffnenden Thür, und Onkel Malte trat ein. Er bemerkte ihre heftige Bewegung nicht, denn sie war aufgesprungen und machte sich am Fenster zu thun. .Fritz Hennings war hier", sagte der alte Herr, seinen Hut ablegend und näher kommend. .Ich traf Deinen jungen Freund unten vor hem Hause." .Ja, er hatte es eilig und konnte nicht länger bleiben", antwortete sie, ihre Bewegung beherrschend. .Ein Adonis ist er gerade nicht!" meinte Onkel Malte, .aber im guter Kerl, und ehrenhaft wie die Sünde, möchte ich beinahe sagen, denn im Grun de genommen ist die Sünde das Ehrenhafteste, was wir haben sie ist wenig, stens unverfälscht." Sie lächelte. .Du hast Recht", sagte sie. .Nun, bist Du fertig zum Ausgehen, Viola? Das Wetter ist prachtvoll geworden, und uns Beiden wird eln tüchtiger Marsch im Mondschein gut thun!" Da griff sie nach seiner Hand. .Onsei Malte!" bat sie, .laß mich zu Hause bleiben! Fritz Hennings Besuch hak so viele Erinnerungen in mir wachgerufen laß mich ihnen nachhängen, beute, am Bette meines Knaben, unter dem Bilde meiner Mutter!" .Nun, roie Du willst, ifi Kind4, erwiederte der alte Herr, sie gedankenvoll

anblickend und zärtlich ihre Wange streik chelnd. .ich wäre allerdings gerne heut AbSmitDir Es wird mir wohlthun, heute Abend mit meinen Gedanken allein zu sein!" Er küßte sie auf den braunen Scheitel und machte keine Widerrede mehr. .Ich bringe indeß Kurt zu Bett, und leiste Dir dann noch ein Stündchen Gesellfchaft", fügte die junge Frau hinzu. .Ei, bekümmere Dich gar nicht um mich, ich habe hier meine Zeitungen und werde mich mit ihnen uuterhalten." Mit diesen Worten ließ sich der Nen, bant in ein Fauteuil sinken und langte nach den Zeitungen, während Viola still das Zimmer verließ, um ihre Mutter pflichten zu erfüllen. .Wo habe ich denn meine Brille? sagte der alte Herr, sich im Sessel zurechtrückend. Er zog das Etui hervor und indem er die Brille herausnehmen wollte, entglitt ihm dieselbe und siel auf den weichen Teppich des Fußbodens. Als der Nendant sich bückte, um sie aufzuheben, kam ihm der lange Faden einer Sticknadel in die Finger. .Sieh da, die Waffe meiner Erzfeindin!" sagte er, die Nadel aufnehmend, .nun, meine Waffen stachen besser." Damit steckte er die Nadel in die Innenseite seines Nockes und kehrte zu der Zeitung zurück. .Viel Papier und Druckschwärze," brummte er, .aber herzlich wenig Inhalt." Er hatte noch nicht lange gelesen, da hörte er die Thüre gehen und ein Kleid rascheln. Von böser Ahnung ergrissen, sprang er auf und sah sich der' Rektorin gegenüber. .Herr Nendant!" rief diese, nicht weniger unangenehm überrascht, mit ihrer sonorsten Stimme. .Ich hatte keine

Ahnung, Sie hier zu jmden!" .Das glaube ich," erwiderte er überzeugungsvoll, sonst wäre meine verehrte .Freundin" gewiß wo anders." In der That," sagte sie boshaft lächelnd. .Ja, man wird zuwerlen von so anaenehmen Ueberraschungm heimgesucht!" lachte der vcenoant. Die Nektorin ging ans Fenster und sah sich suchend um. .Die Nadel ist verschwunden!" sagte sie ärgerlich. .Nein, Frau Nektorin," erwiderte er verbindlich, .erlauben Sie mir " er griff in fernen Nock, .sie hat ernstwerlen ihren Platz in ihrem Etui gefunden. Hier ist sie." Mit emer Verbeugung überreichte er ihr die Nadel. Sie nahm dieselbe entgegen und sagte: .Nun ja, Ihre Nadeln haben keine Spitze!" Damit schritt sie, das große Haupt mit den flatternden gelben Haubenbändern vornehm senkend, an ihm vorüber dem Ausgange zu. .Frau Nektorin!" rief er ihr nach, indem sich ein plötzlicher Entschluß in seinem klugen Gesichte spiegelte, .da uns der wunderliche Spaßmacher .Zufall" nun einmal ohne Zeugen hier zusammenführt, so könnten wir beiden alten Bekannten doch ein Weilchen mit einander plaudern." Sie war stehen geblieben, und unter ihren halbgescblosscnen Augenlidern kroch ein verwunderter Blick zu ihm hinüber. .Mir scheint, wir Beide haben nichts miteinander zu sprechen!" cntgegnete sie herb. Er wiegte bedauernd den weisen bufchigen Kopf. .Äh. das war sehr grausam von Ihnen gesagt!" .Oder vielmehr," fuhrdieNcklorin fort, es könnten Worte dabei ausgesprochen werden, die besser ungesagt bleiben. .Weshalb daS? erwiderte er trocken. .Im Gegentheil, Alles was sich sagen laßt, mutz auch stets gesagt werden." Da schien auch die große Frau zu einemEittjchlnß zukommen. . .Nun, wohlan denn," sprach sie in e:iiVjietmieu Tone, so niSgen wir Beide denn einmal mit offenen Slanui spieteil! Mit festem Schritt airnt sie mm So- : i j tiX iott tr ri in fit strf yu tyiv iuj "" 'S., so daß die sich blähettden Seidenfalten chres Kleides rauichtcn. .Ich bin entzückt!" rief der Nendant, sich ihr gegenüber niederlassend. .NeincS Spiel ist das einzige, welches ich betreibe und das ich mit wahrer Leidenschaft spiele." Sie saßen einander gegenüber. Die Nektorin hielt die Blicke gesenkt und spielte mit den Ningen an ihren weißen mageren Fingern. Jetzt seien Sie so liebenswürdig, Frau Nektorin", begann der alte Herr wieder, .mich als Gegner, pardoii .Partnerin! Spiel zu betrachten. Die Karten sind gemischt, beginnen wir!" .Sie haben ausgegeben ?" .Spielen Sie an!" Die Jkektorin fetzte sich kerzengerade in die Hohe und sah ihn von unten an. t Nun denn", begann sie, den Athem an sich ziehend, welche Absicht verfolgen Sie mitfüren fortwäbrenden Anarifsen gegen mich, mit Ihrem beißenden Sarkasmus und Ihren giftigen Vemcrkungen?" Hm!" warf er ein. .Hoffen Sie, mich dadurch aus dem Hause zu treiben?" fuhr sie erregter werdend fort. .Das ist in der That meine Hoffnung", war die ruhige Antwort. Die Nektorin schoß in die Höhe. Ihre Lider hoben sich und ihre Lippen bebten leise vor Zorn. Gleich darauf aber sank der Vorhang wieder vor dre blaßgrauen Augen und um den schmalen Mund lief ein Lächeln. ..Was babe ick Ünen aetban?" lraate sie nach emer Weile mit samster Stimnie.' .Mir?" antwortete der Nendant scharf, indem seine Blicke ihre Lider durchdringen zu wollen schienen, .mir? tn r. it - Ultcyls." , Sie lachte auf, so daß es unangenehm durch das Gemach schallte. .Sie können nur es ia nie verleihen. daß ich vor einigen zwanzig Jahren in die QiaUCIl 0CUUCliauiCll, VIC V21C UUUCICICU, heiße Thränen lockte nicht wahr?" Er antwortete nicht aleich. .Was konnte i$ dafür", . fuhr sie nachlässig fort, .daß ihr Mann mir auf

so eindringliche Weise seine Huldigungen zu Füßen legte?" Er runzelte die Stirn. .Aber daß Sie sie aufnahmen, das war Ihr Vergehen!" sagte er mit bitterer Strenge. .Ich nahm sie nicht ans, ich nahm sie an", erwiederte sie lächelnd. .Ihrem feinen Urtheil, Herr Nendant, dürfte es nicht schwer fallen, den Unterschied zwi? schen Veidem zu entdecken." Er lete die Arme auf den Tisch und beugte sich zu ihr hinüber, indem er jede Silbe betonend sagte: .Erinnern Sie sich, Frau Nektorin, .väS Sie mir antworteten, als ich zu Ihnen von der Verzweiflung der jungen Frau sprach, als ich Ihnen schilderte, wie trostlos einsam und verlassen sie in ihrem Heim sitze, vergessen von dem Manne, der ihr vor Gottes Altar Liebe und Treue geschworen?" Sie zuckte die schmalen Schultern. .Wie kann ich das nech wissen?" warf sie nachlafsiz hin. .Ich will es Ihnen sagen. Sie antwarteten mir, daß diejenige, welche einen schonen.werthvollenVogel besitze und nicht verstände, ihn in seinem Käsig festzuhalten, ihres Schicksals würdig sei." .Ja, das ist auch heute noch meine Ansicht!" .O, es war eine Frivolität von Ihnen ohne Gleichen!" rief der Siendant, schwer 'Athem holend und von der Eriuuerung bedrückt. .Da ich Ihnen leider Ihren Sieg nicht entreißen konnte, schwur ich, Ihnen wenigstens seine Süßigkeit zu verbittern!" Ja," sagte sie, und ein böses Lächeln spielte um ihren Mund, .und Sie hielten Ihren Schwur! Zehn Jahre laug sind Sie mein böser Genius gewesen. Wo ich öging und stand, ver-

folgten le mich mit boshaften Stiche leien, Ihren höhnischen Bemerkungen, Ihren beleidigenden Artigkeiten. Endlkch wurden Sre hierher versetzt, rch athmete auf, und nun muß das Schicksal die grimme Laune haben, mich abermals auf Ihren Weg zu fuhren! und Sie treten nur entacaegen, noch ebenzo rächedurstig, noch ebenso unversöhnlich, wie je zuvor!" Sie hatte dies Alles mumam und stonweise hervorgebracht, erst mit halblauter Stimme und matitiös lächelnd, aber nach und nach wurde ihr Ton lauter und scharfer, das Lächeln verschwand und aus den halbverschleierten Auge sprühteu die yr rv .... c r? . -n r meiner 0C5 aieg ycrvor. Er sah sie ruhig an. Verzeihen Sie, Frau Nektorin." sprach er ernst und Nachdrücklich, .in der ersten Zeit unseres Zusannnentreffens hier war ich, von den langen Jahren nnt allen ihren Zwijchenfallen und Ereiguissen besänftigt und umgestimmt, mild gegen Sie gesinnt und zur Versöhnung geneigt. Erst nachdem ich mich davon überzeugen mußte, wie Sie langsam ganz langsam, aber verhäugnißvoll sicher, die Macht hier im Hause an sich rissen, wie Sie ebenso rücksichtslos, ebenso grausam die Tochter bei Seite schöbe?, wie einst die unglückliche Mutter als ich sah, wie ?le, Lächeln und Honigseim auf den Lippen, aver Gifr und Falfchheit im Herzen, ein junges Menschenglück zu zerstören strebten erst da führte ich meine Batterien gegen Sie auf's Neue auf. Viola soll nicht aeopfert werden!" (sü hatte schwebend znaehört, auch nicht eine Miene zuckte in ihrem Gesicht, und jetzt erschien das Lächeln wieder um ihre Kippen. .Geopfert?" tagte sie. MemGott. das klingt ja gerade, als wäre ich ein Wehrwolf!" Eine Antwort fchwebte ihm auf der Zunge. Er unterdrückte sie aber und fnhr in etwas verändertem Tone ruhiger fort: .Mir scheint, Frau Rektorin. Sie mußten Alles thun, um die Verbindung hres Dohnes mit der Tochter Ihrer L!ebenbuhlerin zu verhindern." Hochmuthlg warf sie lhre Llpven aur und antwortele achselzuckend: .Vlolaö Mutter war rne meme Neben buhlerin!" Ein p teilender Ton kam von rnnen Lippen, denn er sagte : Lasten wir zetzt die Todte ihren Gram verschlafen. Neden wir von der Lebenden. Wie konnten Sie erwarten, daß diese Heirath zum Guten sühren würde, wre durften sie " Ich hielt die Partie niemals für passend," unterbrach sie ihn, .sie war meines Sohnes nicht würdig, und ich that Alles, um sie zu verhindern. Aber leider vergebens. Oswald war gewohnt, jede seiner Launen erfüllt zn sehen, und wurde zudem hierbei von feinem Vater unterstützt, der eine absonderliche Neik gung für dieses unbedeutende 2)!ädchen gesaßt hatte." DeS Nendanten Augen öffneten sich weit bei diesen Worten der Dame, und bitter lächelnd sprach , er: .Laune?! Oswalds Heirath geschah also ans Grund einer .Laune" ? Arme Viola!" .Nennen Sie es, wie Sie wollen; aber sicher ist, daß Viola, ebensowenig wie ihre Mutter, es versteht, ihr Heim zu einem freundlichen und fürdenAcann anziehenden zu gestalten und muß sie sich daher wie ihre Mutter in die Folgen finden." .Was nennen Sie' .freundlich" und .anziehend"? Viola besitzt, wie ihre Mutter, alle Eigenschaften, die eines echten Wttbes würdig sind!" .Ah, wa? verstehen Sie davon?" antworteke sie spöttisch. ' Er achtete nicht ihres Spottes, sondern fuhr in wärmen Herzenstönen fort: .Und doch starb die Arme, Gott dafür dankend, daß ihr Kind unter den Schutz einer liebevollen zweiten Mutter kommen würde!" Jetzt wußt? die höhnisch lächelnde Dame doch verwundert aufschauen. '.Wie? So wußte sie nicht, daß er ?" - - .Nein, Frau Nektorin," sagte er traurig, fit hat es nie erfahren, wer ihr öamals so bitteres Herzleid zugefügt, sie kannte 'die böse Macht nicht, die den geliebten Mann von ihrer Seite lockte. Diese Wunde war ja längst vernarbt, andere brannten schmerzlicher " .Dann begreife ich nicht, daß Sie sie nickt aufklärten und binsicktlick der auten Partie ihrer Tochter aller Illusionen

beraubten!" entgegneke sie impertinent.

DaS wäre doch eine Kleinigkeit gewesen - zur ie Er sah sie scharf an and erwiederte: .Das ist möglich, aber es gibt gewisse - Kleinigkeiten, deren sich ein Mann von Herz nie schuldig macht." Sie bcanuate ich, mit den Schultern zu zucken, dann sagte sie, sich ins Sopha zurücklehnend : .Aber was wollen Sie denn eigentlich, mein Bester? Oswald behandelt doch seine Frau mit größter Güte und Nachsicht?" Sein Ton verschärfte sich, als er antwortete: Diese Güte hat nur einen sonderbaren Beigeschmack, und was die Nachsicht anbetrifft, so dünkt mich, daß diese viel mehr von ihrer Seite geübt wird." .Ah!" rief die Rektorin. .Ihr Sohn nimmt feine Hausväterllchen und Gattenxflichten sehr leicht!" (bK erhob jtolz ven n'ops. .Oswald ist gutmüthig, trenbenia. gesund und ehrenhaft!" fagte sie, .mir scheint, das ist Alles, was eine Gattin wie Viola von ihrem Manne zu verlangen hat. " Mit emem langgedeynten .Hm!" spitzte der Nendant so eigen die Lippen und seine Augen zwinkerten. Nach einer Weile erwiderte er: .Ehrenhaft mag sein. In früherer Zeit wurde die Ehre aus Stahl geschmiedet: zetzt kocht man sie aus Guttavercha , zusammen und ist daher unendlich dehnbar. Oswald hat alle die Eigen? rH t t.eit C iqjqien, oie einen ruingen uno uevenswürdigen Junggesellen ausmachen die aber gleichzeitig einen schlechten Ehemann aeben." J . - M. - -- - Hat Viola sich darüber beklagt?" fragte die Nektorin, sich hoch aufrichtend. Seine blitzenden Augen funkelten sie an. Wenn sie sich bei nur beklagt hatte." bemerkte er in entschiedenem Tone, dann dürften Sie überzeugt fein, daß ich einen viel direkteren Weg einschlüge. Aber daS ist es ia eben, sie hat ern stolzes Herz und einen eisernen Charakter, sie will es nicht zugeben, daß ein menschliches Auge und wäre es das ihres besten Freundes, ja ihres zweiten Vaters, in die Tiefe ihres Herzeleids schaut. Doch das Auae der Liebe sieht scharf, und ich fühle es m der Luft, daß es nicht ist, wie es sein soll!" Sie hatte ihm leite lächelnd und von unten herauf sirireud zugehört, als er nun erregt innehielt, sagte sie : Ihre große .Liebe" blendet Sie, Herr Nendant, und Ihre so überaus lebhafte Einbildungskraft zeigt Ihnen, wie so oft schon, Gespenster." Der alte Herr war sehr weich geworden, und in der Sorge für seinen Liebling vergaß er Alles, was geschehen war und was er von dieser Frau erwarten konnte. War sie doch ein Weib und mußte sie doch weiblich fühlen! .rau Nectorml" begann er sanft und ergriff ihre Hand, die auf dem Tische lag. .Sie haben ja doch ein Herz, und des Weibes Herz ist sanft und weich geschassen! Seien Sie gut gegen Viola. seien Sie ihr ein? wahre Freundin und tuhnen Sie gegen die Tochter, was Sie gegen die Mutter gefehlt haben helfen vsic iyr, oie ycjie ernne neoe imes gaiten zu gewinnen ! Wirken Sie so auf ihn ein, wie nur Sie allein eS vermögen. und ich werde mich aus einem offenen, ehrlichen Feinde zu Ihrem dankbarsten, ergebensten Freunde verwandeln!" Sie entzog ihm ihre Hand und erhob sich. Ihre Stimme klang so ehern und hart, wie der Ton einer gesprungenen Glocke, als sie mit hochmuthlg erhobenem Kopse sagte: .Um aus einen Frledensvorichlag emzugeben, muß man sich besiegt suhlen, und das thue ich nicht ! Im Gegentheil, wir haben einander in die Karten geblickt und das Spiel zwischen uns steht jetzt ganz anders, als früher und ich fordere hören Vie, Herr Nendant! ich fordere, mit der Achtung behandelt zu werden, die Jedermann, Ihren wahnsinnigen Beschuldigungen zum .rotz, mir schuldig ist!" Sie standen sich wieder gegenüber unversöhnt unversöhnbar. ,Al,o Kneg?" fragte der Nendant. .Ich denke an keinen Angriff," antwortete sie, den Ton sänftiqend und die Augen vollends mit ihren Lidern fchlietzend, .aber ich werde mich zu vertheidigen wissen!" ' Er verbeugte jich. Wie es Ihnen beliebt, meine Gnädige," fagte er. .Meine Waffen bleibe. Vke bisher Nadeln!" Die Frau Nektorin war schon an ihm vorübergeschritten. Jetzt hielt sie den Schritt an, und den Kopf zum Nendanten zurückbiegend, erwiderte sie' mit ihrem schärfsten Tone: Hüten Sie sich, Herr Nendant daß nicht die Nadeln, mit denen Sie mich zu durchbohren glanben, gerade diejenigen treffen, die Sie schützen woÜen. Das ist meine Waffe!" 'Damit schritt sie zur Thür hinaus, lndem das graufeidene Gewand, wie zur Bestätigung ihrer Drohung, unheimlich zischend hinter ihr herrauschte. Per Nendant blieb niedergeschlagen mitten im, Zimmer stehen .Geschlagen, Malte, auf allen Punkten geschlagen !" murmelte er vor sich hin. .Du hast übel gespielt, mein alter Junge; man reizt die Löwin nicht, wenn man sie zu zähmen beabsichtigt. Welch ein Weib!" fügte er fast schaudernd hinzu, .ich kannte sie doch noch nicht ganz ach, arme Viola! DaS Ein;ie, was Dein alter Freund noch für Dich thun :ft ... ax. ?.rf.. ... un, ii juc juuucii un juy 5 beschneiden!" :: Und feinen Hut nehmend, schlich er, ohne Viola gute Nacht zu sagen, die Treppe hinunter und aus dem Hause. Drei Tage waren vergangen. ' Der, Morgen brach trüb nnd nebelig an. Ein naßkalter Dünst, lag über den Straßen der Hauptstadt, große Schneestocken wirbetten mit Negenschauern untermischt in ünentwirrbarM Getriebe durch die Luft, so daß die wenigen Menschen in der stillen, vornehmen Straße, in welcher das Haus des BankdirectorS' lag unter itren Negenchirmen oder in ihre Mäntel. ngehüllt, wie Schatten dahin huschte'.!. Und ebenso trübe wie draußen sah eö

im Innern des eleganten 'HeimS aus Dir junge Hausherr war schon srühreiiig durch einen Brief, ,dcn ein- erpresse? Bote gebracht, von seinem Lager eniporgejagt worden ; hastig und ohne die gewohnte untadelhafte Eleganz gekleidet, war er davongestürmt unv hatte sich in seinem Privatbüreau mit dem Procuristen eingeschlossen. Viola saß an dem Bette ihres Knaben. Kurt fieberte stark ) mit hochgeröthetem Gesichtchen lag er in den weißen Kissen und klagte über Schmerzen im Halse. In ängstlicher Sorge harrte die junge Mutter auf Las Erscheinen des Arztes, nach dem sie alsbald geschickt, und vorgebeugten Hauptes lauschte sie angstvoll auf den schwer gehenden Athem des kranken Kindes. Die Nektorin schritt in übelster Laune in ihrem Zimmer auf und nieder. Trotz des Sieges, den sie neulich über ihren Gegner errungen, fühlte sie sich doch im höchsten Grade mißgestimmt; die mancherlei Wahrheiten, die sie so unverblümt hatte anhören müssen erregten in peinlicher Erinnerung ihren heftigen Zorn nnd den Wunsch, sich rächen zu können. Endlich griff sie, wie sie stets zu thun pflegte, wenn .ihr inneres Glcichgewicht" gestört war, zur Bibel; denn die Rektorin Biedermann war, im unbegreiflichen Widerspruck der menschlichen Skatur, fromm uud versäumte uie den Besuch der Kirche. Nachdem sie kaum ein Kapitel gelesen, urde sie durch ein schnelles und heftiges Aufreißen der Thür ihres Zimmers erschreckt. Sie. blickte auf und sah ihren Sohn hereinstürmen, blaß, mit wirrem Haar und angstvoll starrenden Augen. Die sonst so peinlich sorgfältige Kleidung war vernachlässigt und in Unordnung gerathen, das zerdrückte Taschentuch preßte er krampfhaft in den Händen. Die Stektorin erschrak ernstlich, als sie den jungen Bankdirektor, ohne scheinbar Notiz von ihr zu nehmen, im Zimmer umherirren sah und mit gerungenen Händen ausrufen hörte: .O, mein Gott! Mein Gott! Was sollich thun?" .Oswald! Um des Himmels willen, was ist geschehen?" rief die atte Dame in höchster Besorgniß uud wollte sich von ihrem Sitz erheben. Aber im nächsten Augenblick fühlte sie die Arme ihres Sohnes um sich gefchlungen, der sie in den Sessel zurückriß und den Kopf in ihrem Schooße bergend, vor ihr niedersank. Einen Moment saß die Nektorin ganz regungslos vor Schreck. Dann hob sie seinen Kopf in die Höhe und sagte gepreßten Athems : .Oswald, rede doch! Was ist denn geschehen?" Er sah mit entstelltem Gesicht zu ih: auf und rief stöhnend: O, Mama! Mama!" Was ist geschehen? So sprich doch I Er sprang, auf. Was geschehen ist? Dein Sohn ist verloren entehrt !" Auch die Nektorin stand auf und Klickte ihn mit verschleierten Augen fassungsund verständnißlos an. .Mein Sohn entehrt? Mein Sohn?" stammelte sie. Er faßte ihre Hände und sprach mit fliegendem Athem: .Du kennst nnd verstehst mich, Mutter. Du wirst begreisen, daß ich nie daran gedacht habe, zu betrügen, die Kasse zu berauben .Still!" rief sie entsetzt. Sie legte ihm unwillkürlich die Hand auf den Mund, als wollte sie ihm das Weitersprechen verwehren ; dann eilte sie an die Thür, blickte scheu einen Augenblick hinaus nnd verriegelte sie darauf. .Sprich leise!" flüsterte sie, zu ihrem Sohn zurückkehrend. Er sah ihrem Beginnen fast mechanisch zu und fuhr dann, ihr gehorchend, in gedämpftem Tone fort: Es war nur eine Anleihe, nicht wahr, Mutter, Du glaubst mir? eine Anleihe, die ich .Was soll das heißen?" unterbrach sie ihn. Drucke Dich kurz aus!" .Sieh, Mama," sprach er leise und schnell weiter, .das Leben in der Residenzstadt kostet viel Geld, und in den Kreisen, in denen ich zu verkehren gezwungen bin, hat man ohne glänzende Mittel wenig Ansehen und ich wollte angesehen sein! Genug, ich machte Schulden, unterschrieb mehrere Wechsel, die ich am Versalltage einlösen mußte. Wo sollte ich das Geld hernehmen? Zu sparen war mir bisher bei meinem Ge? halt unmöglich meine Stellung in der Bank machte es mir leicht, an an das Geld zu gelangen und mit einem Worte, in einer unglücklichen Stunde lieh ich mir, was ich gebrauchte Dir verstehst Mutter" Ja, ja, ich, verstehe," hauchte die Nektorin athemlos. .Und jetzt?" Er beugte sich ganz nahe an ihr Ohr uud ächzte: Und jetzt hat mein Procurist die Sache entdeckt er' schrieb mix heute Morgen einen Brief und verlangte mich augenblicklich zu sprechen. Er hielt mir die Beweise uuwiderlealich vor Augen

ich mußte ihm AlleS zugestehen, und nun nun bin ich verloren ! " Die Nektorin athmete tief und schwer. .Weiß Jemand darum?" 'fragte sie. .Außer Arnsburg. dem Procuristen, aoch Niemand," antwortete er. .Sie holte tief Athem., Gott fei gelobt!" rief sie, wie von einem Alp erlöst. .Ich schwöre Dir, Mutter," nahm er, seine Nede wieder, auf, .daß ich nie daran gedacht habe, das Geld zn, nehmen; ich habe nur die Wiedererstattung von Tag zu Tag verschoben" : ,ij 'nrn- . ' ! fi i ' . , '. ', r C.i VSSit giOB !! oie üummer sragle die Mutter jetzt. .. .. . .Ungefähr fünftausend Mark, glaube r . 1 Auf das bisher fo bleiche Gesicht Her Nektorin trat du, Nöthe des Zorns. . ' ' ,Und um einer fo erbärmlichen Summe willen hast Du vielleicht eine Fälschung begangen, Unglückseliger l'' rief sie emrüstet. , '-. - ; : . ? .Wer, Mutter, so hört doch l bat ttim ' , : . .' .:' ' ' " ;;; ' t Vi . Wie Zange hast Du Aufschub erhal 19 w i .Bis morgen." vj,- -r:r.vU, ' Die Nektorin schritt, die, Augenbrauen finster zusammengezogen, mehrere Male auf und nieder, dann blieb sie vor ihm

stehen, sah ihn von untenan und sagte in festem Tone: ' .Das Geld muß angeschasst werden hörü Du. es muß!" Er seufzte tief und schwer. .ES ist unmöglich in so kurzer Zeit!" stöhnte er, die Hände krampfhaft in einander schlingend, .mein Credit ist bereits überangestrcngt, und und" .Unmöglich?" unterbrach sie ihn, zornig auflachend, hier darf von .unmöglich" nicht die Nede sein. Du wirst daS Geld leihen!" .Er sah ihr angstvoll in's Gesicht und fragte fassungslos: .Leihen? Und von wem denn?" ,Du hast Freunde" .Freunde ?" lachte er bitter und schmerzlich, .nein, Mutter, der Unglückliche hat keine Freunde ich habe nur. Trintgenosscn und Splelgesellen!"' .Du ,mußt es versuchen !" Ich habe es versuchtes fters schon o, ich habe keinen Freund l nicht einen einzigen!" .So vcrpsände Deine Möbel.", Sie sind noch nicht bezahlt, sind nicht mein." ' Sie schlug die Hände zusammen, als ob sie ihren Ohren nicht traute. .Also bist Du ruimrt!" rief sie verzweiflungsvoll, .ruinirt l Und ich wußte ahnte es nicht!" Er ächzte, als läge cr auf der Folter. .Nein, nein, nicht ruinirt!" stammelte er. noch bin ich es nicht! Aber

ich brauche Zeit Zeit! Das ist Alles." s... s. r. . t .nrnsourg mug vewogen weroen, vorlänstg zu fchwcigcn." .Er ist unerbittlich " .So muß er bestochen werden!" .ArnZburg ist unbestechlich." .So will ich es versuchen." .Es ist umsonst, Arnsburg ist so streng und hart, wie das Schicksal. Er glaubt schon mehr gethan p haben, als er thun durfte, indem er mir die wenigen Stunden bis morgen früh zugestand." Und wieder kam das ganze Bewußtsein seiner trostlosen, verzweifelten Lage in ihrem vollen Umfang über ihn. Laut stöhnend rang er die Hände, warf sich in das Sopha und drückte dann bang aufschluchze'nd das angstverzerrte Anilitz in die Kissen. Die Mntter betrachtete ihn eine Weile indignirt, beinahe verächtlich. Thränen geziemen einem Manne nicht," fagte sie herbe, .und weibische Klagen helfen wenig!" - Er hörte nicht auf sie. Da klopfte es leise an die Thür. Fast gewaltsam riß sie ihn jetzt in die Höhe. Nimm Dich zusammen ! " zischte sie ihm p. .Fasse Dich, Niemand darf Dich in diesem Zustande sehen." Dann ging sie zur Thür, schob den 'Niegel zurück und trat hinaus, um zu !ehen. was es gäbe. Es war Sophie, die im Auftrage deö Nendamen Malte erschien und meldete. der alte Herr warte drüben im Salon und wolle den gnädigen Herrn sprechen. Sie habe den Herrn Bankdirector schon überall vergeblich gesucht, und da habe sie gedacht, ob nicht die .gnädige" Frau Ztectorin .Mein Sohn ist unwohl," unterbrach die alte Dame den Redeschwall des Mädchens, .aber bitten Sie den Herrn Nenbanten, ein paar Augenblicke zu verweis len, der Herr Bankdirector wird alsbald erscheinen." Das Mädchen eilte hinweg, und die Frau Nectorin kehrte gedankenvoll in das Zimmer zurück. .Was mag er wollen?" dachte sie bei sich selbst, .nnd so srrch schon ! Sonderbar!" Gleich darauf erhellte sich ihre Miene ein wenig. Hier galt es keine Wahl, der eigene Stolz mußte schweigen, die Klugheit und oie Selbsterhaltung geboten es. - Der Nendant lebte in geordneten Verhältnissen, er hatte zahlreiche Freunde und Bekannte, bei denen er in hoher Achtung stand vielleicht ja, vielleicht konnte manseinem Feind? eine Brücke bauen. Uno dieses erwägend, ging sie zu ihrem Sohne hin, der auf gestanden und an's Fenster getreten war, wo er trüblinnig dem phantastischen Siel der Schneeflocken in der Lust zusah. .Malte ist drüben," sagte die Nectorin bedeutungsvoll. .Du mußt hinüberzehen und bei ihm' Dein Heil versuchen!" ' Er sah empor, ein schwacher Hofftungsschunmer glomm in seinen Auge? auf. Du meinst ?" fragte er zögernd. Warum nicht? Der Alte ist nicht ohne Mittel, er mag Dich im Grunde gut leiden und hat seine schwachen Seiten. Nan muß es probieren!" .Nun aut, lch gehe zu ihm!" .Aber sei vorsichtig entdecke Dich ihm nicht gleich. Die volle Wahrheit braucht :r überhaupt nicht zu erfahren. Im geeigneten Moment werde ich Dir schon secundiren!" ' Wie? Du wolltest, Mama ?" , .Was thut man nicht für sein Kind !" Antwortete die Nectorin mit Emphase. Sie hätte hmznzetzen sollen: und sur seln eigenes Wohlergehen ! Dann schritt der Bankdirector. gefolgt von seiner Mutter, in den Salon hinüber., 1 Dort saH . her Nendant am lodernden Kamin feuer und verfolgte gedankenvoll sinnend mit 'den Augen dem Zeiger der kunstvoll gearbeiteten Ncnaissanceuhr, der langsam von der Stelle rückte. ' t.r.n iÜVlijuuvj jviyu Schusterjungen - Stolz. Zwei Schusterjungen treffen einander, von ' denen der eine die Nase sehr hoch trägt. Erster Junge: Du Aujust, warum lhujt Du Wir denn so dicke? Zweiter Junge: Na siehste denn nich, daß mer mei Vater ne neie Weste aus seine alten Hosen hat machen lassen? Erster Junge: Du Jlicklicher! E i n Di l em ma. Student: Wenn ich studire, so freut sich mein Alter. . w-:, . .7 ' . , ,r l . , , ' z . . r. x liiscirn IQ nicni ilUOiere. 10 argen lieg. Wenn ich eS nur anzufangen wüßte, daß sich mein Alter nicht zu ärger 'und ich nicht' zu studieren brauchte ! . Der K na l l p r o '4 imTheo- . e r. Er (zu Ihr, nach dr Ouvertüre): Was meinst D' Alte7 nar's nkcht nobler. wenn mer jetzt figingen und unsre L , I, n "' r ' 4 " n I m ,..!'. Platz' leer Zteyen HBn i r

Berliner GerkchtSseenr, .Ein Freund des NatürZich en" stand, des groben Unfugs und der thätlichen BeleidiJung angeklagt, in der Person deö HausirerS Otto Kahlenberg vor der 89. Abtheilung des Berliner p Schöffengerichts. Vorz.: Nun. Ange 1 klagte?, was sagen Sie zu dieser Beschuldizung? Als alter Prartikus ,'n den Gerichtsjälkn dürften Sie kaum um eine Ausrede verlegen sein! Angekl. : Del merkt een Pferd, det mir der Herr Jerichtöhof durch diese Ansprache vor del jeehrte Publikum hier ufziehen will. Wenn ick et ooch nich aus der Well schaffett kaun, det ick een paar Mal von wejen Kleenigketen verdonnert wurde, U jlobe ick als fchteuernberappende, , Staatsbürger ; denn doch det heilijt Necht zu besitzen, mir jegen so war weh ren zu können. Ick brauche da ich mll eener Ausrede mang zu xlahen, wo icl den Beweis meiner Unschuld führ kann. Vors.: $a, das ist Ihr altes Pech, daß Sie immer unschuldig in solche unangenehme Geschichten verwickelZ weroen. Diese hier in Frage stehend, Nohheit hat gewiß wieder Ihr Doppelganger verschuldet. Angekl.: Wenn der Herr Gerichtshof det Nohheit nennen will, wenn een Mann wie icke, der ick mich im .materialistischen" Zeitalter noch fo ville Schonheitsjesühl bewahrt habe, reformatorisch uf det Publekum wirken mcchte dann bin ick mit meiner Weisheit zu Ende. Wenn ick diese vorigte Andeutung von wejen der Doppelfängerei absichtlich überjehe, so erloobe ick mich aber zu betonen, dat ick mich die zur Last jelegte .Nohheit" nur deshalb besangen habe, weil ick een ebenso ehrlicher Schtaatsbürger wie een leidenschaftlicher Liebhaber von's wuhre Natürliche bin. Vors. : Das sind ja höchst sonderbare Entschuldigungen! W.r sind gespannt auf Ihre näheren Ausführungen. An, Aekl.: O, bitte, et wird mich een Verjnügen sind, Ihnen über de näh'ren Umschtände ufzu klären. Alfa, ick wurde verdenunzirt, wnl ick uf offener Schtraße een Mädchen blamooren, det Nachweislich druf ausjeht, mit ihre falsche Nadur de dummen Mamier in't Jarn zu ziehen. Vorsi. : Ich u öchte Sie bitten, sich verständlicher auszudrücken! Angekl.: Wat, noch verichtändlicher? Herr Jesses, ick will mch jlooben, bat der Herr Jerichtshof in dieser Beziehung ooch schon eenen Wink rnit'u Zaunpfahl braucht! Ick meene, et is wirklich schon jenug, wenn ick mir zu der Bezeichnung .falsche Natur".verfchteige. Vors.: Ja, diese beiden Worte sind es eben, die wir gern näher auseinandergesetzt haben mochten. Angekl. ; Meinetwejen, Herr Jcrichtshof, ick ferchie mir nich, obwohl ick wecß, dat ick bei de anwesenden Damen mit meine Erklätung uf eene wunde Schtclle komme. Meine Herreu, wissen Se schon, dat 6:i ecnem Framnzimmcr heut zu Tage Alles falsch is, wat se zriW ; et is merschiendheelS ooch Talmi Haare von de dodten Menschenleichen, Oogmbraumn jefärbt, uf det Jesichte AllenS Lichncr, de Zähne von de dodte Karnickels, de Lippm von de Pomade rothjefärbt, von eeneu natiers lichen Vufen keene blasse Ahnung nich, da is Allens aus Draht und Wolle. Vorf. : Herr, ich bitte Sie, hören Sie auf, wir haben genug. Angekl.: Wat, jetzt schon! im ick bin erst uf de Hälfte von so een zartet Exemplar? Warten Se man, wenn ick noch een Bissen weiter komme, denn verseht Ihnen der Appetit janz jewiß. Vorsitz.: 5ch mutz nun !i ganz entschieden darum bitten, daß Sie ur Sache kommen. Angekl. : Je zloobe, ick bitt ja scon mitten mang. Vors.: Sagen ie uns, wie kamen Sie dar.u, dem Fräulein Elise Glaser einen Schlag auf die Tournüre zu geben und ihr dann noch einen Stoß rn's Gesicht zu versetzen? Angekl.: Det dhat ' ick aus dem Jruude, um eenen jungen Burschen, der mit dct Mächen uff een '" paar Meter Dischtangs passtrZe, ven's Ninfallen zu retten. Vors. : Was hattcn Sie denn für einen Grund, sich als ?teitungs enget aufzuspielen? Angell.?

Nettungsengcl! Nee, lieber Herr Je richtshöf, ick dhat dunnemalß. schon mehr Nachedeibel sind. Ick will Ihnen m sagen: Sehn Se, meine Herren, wenn ick so en Mächen ankieke, det druf ausjeht, als ene franzesische Zierpuppe mit falsche Waden, .Kieh" un weeß Iott noch Allens so eenen deitschen Jingling wegzukaxern, dann wurmt mir et vom Kopp bis runter zu de zroße Zeh. So'n Junge, der for Jott und Vaterland schließlich seine jraden Beene opfern muß, verdient ooch en Mächen mit richtige Waden und eener richtigen anderveitlgen reellen Natur, und deshalb hat ick et mich zu meinem Lebensberuf jemacht, allüberall resormatorisch ufzutte ten, wo ick eenen jungen Mann ou de Echtheit so 'ner schönen Larve uberzc,gen kann. Aus jenem Jrunde hab ick och det schöne Mächen een bisken abjekloppt, und dat ick mir dann wehren dhat als se mich mit ihre Habichtsklaue in't Jesicht fuhr, det werd ick doch noch kennen. Wenn Se mich nich jlooben, Herr Je-: richtshof, Kann lassen S an den schS- ! .. rr" j- - nen mget. mneren, ver Beritten Veq nich, wat ick Ihnen sagte von wejen htt4 falschen Natur. ; Der Gerichtshof IhXk es ous Grund ) oeS Gestcmdnisses eme eitere Beweisaufnahn nicht für nöthig und verurtheilte den bisherroegenderaleichen Misse- . . , .. . . r n r. " .m . , . lyaren nocy niqr. ejiraen merrer unwissender Jünglinge zu einer Geldstrafe vonS Msre. - Gebankensvlitter. Wer dichtet, weil die Muse es gebot, ? : Der sind c: schönes neu stets aulgeschry - - tet; '-z Doch wer da schreiben muß au5 Su&Ilji Der findet stets daS Beste weggedWet! Versorget in der Jugend euch, Sonst geht's im Alter spärlich Man kommt auf einen grünen. Zwei k, i e r r t t r : v ' m Winter oocy woyr zczweruq. Willst du wissen, ob einer rech und H ebrt. - -.;-!! I: 3 Sich', reit xxsx fremden Hvje mit ihrn ' man versahrtM Doch roenn'ö, ob er gMich zu wissen ! ' l' ' dich drängt, Sieh', wie man ihn, w seinem Hause ern 1 -:'-J '' ?säNgt. : -

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