Indiana Tribüne, Volume 13, Number 4, Indianapolis, Marion County, 22 September 1889 — Page 2
y
-:-emi'9mmiMASi :'&"ihtif:0'f SMWiSSS"i! i I " l ; ' TTi vSMiÄ . v. R:! " äip' ; W-s11 r:,' 1 ! ! ' .V'iiiii.-iälffisiiSi ,iSfS BsffTS-iit, jjUj.iiilHj liisillll.i'piiii' m pK .ijyW'jMl' 1, .1?'
'. :--fi"f:, ": i
SiJUi;. v!':i tfc'
tt V cl I 1 I I Int :.! " ?
Französische Weine. Paris, 2. August. Man weiß, daß Weinfälfchung seit den ReblausVerwüstungen in Frankreich einen ungeHeuren Umsang angenommen hat. Was hier Alles unter dem Namen Wein gekauft und getrunken wird, das geht über alle menschlichen Begriffe. Eine Flüssigkeit, die aus Wasser und gepreßten Rosinen besteht; und wie rechtschaffener Traubenmost gebohrt hat, kann sich noch mit Ehren sehen lassen. Der gewöhnliehe Wein, der im Handel vorkommt, ist in vielen Fallen aus Wasser, Zucker, Fuchsin und Weingnst zusammengesetzt. Wenn der Erzeuger dieses schnöden Gebraus es auf Wnntrestern hat.liegen und gahren lassen, glaubt er ein ttebrlges getban zu haben!' Ein Getränk, das aus richtigem Traubensaft gewonnen ist und den 3!amen .Wein verdunen würde, wird wenigstens ! durch allerlei Zuthaten pergiftet. Es wird gesalzen, mit Schnaps ausgesteift, gezuckert und gegipst. Selbst das Gesetz gestattet, daß man 4 dem Wem bis zu 2 Gramm Gips aus den Liter zusetze und ihn dadurch zu einem Malzenverwüster mache, aber natürlich geht der Handel über die gesetzliche Grenze hinaus und schüttet bis zu 4 und 5 Gramm schwefelsauren Kalis in den Liter Wein. Der Weinoerschneider, der blos verschieden? Weingattungen mischt, und der Weintanfer, der dem Nebensafte harmloses Watter zusetzt, sind unschuldige Lämmer neben den ruchlosen Giftmischern, in deren Händen zum großen Theile die Weinerzeugung und'der WeinHandel Frankreichs liegt. Natürlich aibt es noch immer gute alte Häuser, die thren Kunden ehrlichen Wein liefern, und die haben es durchgesetzt, daß in der jüngsten Zeit ein Gesetz gegeben wurde, welches Wein als eine .blos aus geoh- , renem Traubensaft ohne jeden Zusatz" ' bestehende Flüssigkeit umschreibt und es jedem Handler unter Androhung schwerer Strafen zur Pflicht macht, Getränke, welche dieser gesetzlichen Umschreibung nicht entsprechen, als das zu bezeichnen, was sie wirklich sind, also etwa als Kunstwein, als Wein aus getrockneten Korinthen, als Wein mit Zucker, mit Kochsalz, mit Weingeist n. s. w. Die hiesigen Weinwirthe sind über dieses Gesetz, welches bestimmt ist, den schwer gefährdeten Ruf der französischen Weine zu retten, außerordentlich empört. Sie behaupten, es sei ihnen unmöglich, für einen Stoss einzustehen, den sie nicht selbst erzeugen, sondern von einem Händler kaufen, auf dessen Angaben sie sich verlassen müssen. Der Vorsitzende des Syndikats der Pariser Weinwirthe schlägt vor, daß alle seine Verufsgenosse'n in ihren Kneipen große Tafeln mit der Ausschrift anbringen lassen sollcn: Der geehrten Kundschaft wird hiermit erklärt, daß alle meine Weine einen Zusatz von Wasser enthalten." Der schlaue ! Erfindern dieses Votschlags thut, als wäre die vorstehende Erklärung blos eine trotzige Abwehr der möglichen Folgen des neuen Gesetzes, sonst aber nicht buchstäblich zunehmen. In Wirklichkeit ist sie aber nur der Ausdruck des wahren Sachverhalts. Wenn die Weinwirthe jene Erklärung in ihren Schankräumen anschlagen, so werden sie zum ersten Mal in ihrem Leben die Wahrheit, zwar noch nicht die ganze, aber doch einen Theel der Wahrheit, sagen. Neber die häufigen Selbstmorde von Kohlernziehern auf den Dampfern des Norddeutfchcn Lloyd berichtet man der Magdeb. Ztg." aus Bremen, 15. Aug.: 3 der letzten Zeit haben sich die Fälle von Selstmord unter den Arbeitern auf den Dampfern des Norddeutschen Lloyd und zwar speciell unter den Kohlenziehern in auffallender Weife wiederholt. Erst letzthin beschäftigte sich das Seeamt in Vremerhaven mit zwei Fällen, welche im April und Juni auf der Trave" und dem Neckar" vorgekommen sind. In beiden sprangen die Selbstmörder über Bord und alle Bemühungen, sie zu retten, waren erfolglos. Die VerHandlungen des Seeamtes ergaben zwar.
daß Mängel in der Einrichtung der Schiffsräume nicht die Schuld tragen; aber vielleicht sind brefe Vorkommnisse doch die Veranlassung, daß noch mehr zur Erlttchterung Ier Arbeit m den unte ren wchlsWaumen gethan wnd. '4jer Schreiber dieses Aufsatzes geht um den Kern der Sache wie die 5c'atze um den heißen Brei herum. Was soll . B. das beißen, da Manael in der Errichtung der Schiffsräume die Schuld an den Selbstmorden nicht tragen! Es it fernern Menschen eingefallen, auf die Einrichtung Schiffsräume die Schuld zu schieben, wohl aber wurde mehr als ein Mal behauptet, daß die armen Men ichen selbst in Krankheitsfällen ge zwungen worden sind, übermenschlich zu arbeiten ; daß sie, wenn ihre Kräfte nicht mehr ausreichen und sie den Anforderungen zu erlreaen drohten, körperlich gezüchtigt worden sind, und daß sie deshalb den Tod in den Wellen .gefucbt haben. Wir sagen nicht, daß iite Behauptungen wahr seien, wir wiverholen uur, was schon wiederholt öffentlich gesagt worden ist. Wenn der Schreiber segt, daß vielleicht diese Vor?kommnisse die Veranlassung sein könncken, daß noch mehr zur Erleichterung der Ärbelt l öci unteren ? ausräumen gethan werde, fo deutet er nur schüchtern en wahren Grund der hausizeu Selbstmorde 4in. Wir dächten aber doch, es Wäre die vornehmlichste Pflicht der Presse, lant und deutlich, ohne Vertuschung und ohne Umschweife die Dinge beim richtigen dauern zu nennen und da--rauf zu dringen, dß die Uebelstände abgestellt werden. Patris tische M nemot echnik. Lehrer: Wie? Du wtifrt nicht, wie der Anführer der feindlichen Neger in Afrika heikzt? Nun, wie heißt der Versasser vonMar und Moritz. Schüler: -Busch. Lehrer: Und r5as ! heißt aus lateinisch : werden gegangen werden." Schulet:, In. Also: Büfchiri. Lehrer: Nichtig. Zhr seht also: nomea st omsn. Im Namen liegt es schon, daß Buschiri ge, gangen wird. , ,,,, , - . . M Gemüth tO$ Au t f l ung. Sakra wenn i nur wußt, er mir , eben ein volles Maßkrügel an den Kopf qcworfen hatt' den Kerl möcht i wegen i Verschwendung belangen! i
In ver SommersrisÄe. Von . Hnthub.
Das Meer ergläntte weit hinaus! Das pflegt es fett Heines Zeiten ja gewöhnlich zu thun, aber in diesem So,u mer war das weit hinauöleuchtende Meer ja eine ganz ungewöhnliche Erscheinung und selbst die langweiligen und gelangweilten Gäste, die auf der breiten Veranda des West End Hotels in Lang Branck saßen, schauten verwundert auf, wenn ihnen da beim Aufblicken von i renZeitungen und ihrenSeaSide Novels das wirklich im Sonnenschein weit hinaus glänzende Meer und darüber ein fcuchtblauer Himmel entAegenwinkte, an dem nur ein paar leichte Federwölkchen im frischen Winde dahingezogen, eilig, eisersüch:ig, als ob sie mit den xoti ßen, blähenden Segeln, die ebenfalls pfeilschnell vor der steifen Brise durch die schimmernden Wellen mit den kecken weißen Sturmhclben dahinflogen, eine lustige, übermöthige Wettfahrt veranstalten wollten. Das anmuthige Bild war ihnen fast fremd geworden in diesem Sommer und sie hatten sich allmälig fo an den graue Himmel und das grauk Meer, an den langweiligen Nebel und den melancholisch enNegen gewöhnt, daß der privilegirten Faullenzergemeinde auf der Hotelpiazza diese sommerfrische und farbenleuchtende Abwechselung beinahe unbequem wurde, alldieweilen sie öfter, wie es ihnen lieb war, fast unwillkürlich sich dazu verleiten ließen, die Blicke,' wenn auch gedankenlos, länger auf dem anmuthsvollen Bilde ruhen zu lassen. Nur Einer war darunter, dem sah man es an, haß er ein Fremdling in Israel oder wenigstens noch nicht lange dabei war. Scholl aus dem Umstände, wo und wie dieser Eine saß, ließ es sich erkennen, daß er nicht zu den Uebrigen gehörte; er lag nicht, wie die andern Priester und Pricsterinncn der Gemeinde unschön und unästhetisch um nicht unanständig zu sagen in einem der schaukelnden 'Betstühle der heiligen Faullenzerci und auch nicht möglichst im Hintergrunde der tiefen Veranda im schützenden Schatten des Haufes, sondern er hatte seinen Stuhl, einen gewöhnlichen hochbeinigen und hocharmigen Hotelstuhl mit geflochtenem Sitz, bis unmittelbar an d:e Ballustrade hcrangeschoben und darin saß er aufrecht, nicht einmal die Beine auf die Vallustrade gelegt, fondern übereinandcrgeschlagen, den rechten Arm zwanglos aus die Lehne des Stuhles, den Ellenbogen des ' linken Arms ebenfalls leicht aufgestützt, während die gut gepflegte, zierliche Hand in den schlanken Fingern eine dustende Regalia hielt, die er zuweilen an die Lippen führte, zuweilen auch mit einer fast pedantischen Genauigkeit die Asche der duftigen Nauchrolle an dem äußersten Ende der Armlehne abstreifend. Aristokratisch vornehm war die'ganzt Erscheinung ; ein stahlgrauer Hut, stahlgrauer Anzug, stahlgraues kurzgeschorenes Haar und stahlgraue Augen, tadellos blütheweiße Wäsche,den stattlichen Steh: kragen umschlungen von einer leichten hellrosasarbigen seidenen Schleife, dessen zierlicher Knoten vorn mit einer hübschen, nicht zu aufdringlichen Diamantnadel zusammengehalten wurde ; an weiteren Schmuckfachen waren nirr ein massioer Siegelring an der rechten' Hand und eine feingegliederte goldene Uhrkette, an der als Art Verlogne an einem zierliehen Kcttchen ein ganz kleines goldenes Kinderringlein mit einem blauen Steinchen hing, vorhanden. Ein Blick auf die ganze Gestalt und den ganzen Habitus des Mannes genügte, um in diesem ftahlgrauen, vornehmen Herrn einen eingefleischten und allem Anscheine nach unverbesserlichen alten Junggesellen erkennen zu lasten. So war es auch. Johann Christian Möoins war jetzt fünfzig Jahre alt und sein Haupthaar war bereits, wie wir aesehen haben, stahlgrau geworden, wäh-, rend der kurzgehaltene schnurroart noch so ziemlich seine ursprüngliche schwarze Farbe beibehalten hatte. Von dem Platze aus, den er sich ausgesucht, konnte er bequem den Theil des Strandes, der als Badeplatz für die Gäste des Hotels reservirt war, überblicken, es war gerade um die vormittägliche Stunde der Badezeit 'und das wunderbar herrliche Wetter, das noch die letzte Augustwoche gebracht, hatte die Badenymphen in grötzere? Anzahl in den ziemlich hochgehenden Surj gelockt. Hie und da tauchten m dem WogengebrauS hellfarbige, leuchter.d rothe und blendend weiße Nymphen auf, die in ihren kokett eleganten Badecostümen Augen und Herz erfreuten. Und eine war darunter, die sah ganz besonders reizend aus in ihrem geschmackvollen Costüm, weiße Blouse mit hellrothen Vändenl, die schlanken Arme, die runden Schultern und ein gut Theil der Büste freilassend, das quellende Goldhaar mühsam zurückgehalten unter einem zierlichen rothen Mützchcn ; und diese rothweiße Nymphe war die lustigste und verwegenste der ganzen allerdings eH wenig an Bouaereaus Nymphenbav erinnernden Gesellschaft; sie war offenbar eine brillante Schwimmerin in kühnen Stoßen wagte sie sich elter als die Uebrigen hinaus und sie jauchzte auf, wenn eine besonders mächtige Woge sie spielend emporwarf und im Zurückfallen fit einem Gelichtbade überschüttete und immer aufmerksamer schauten die scharfen stahlgrauen Augen des stahlaraucn clten Herrn dem neckischen Spiel dieser modernen vtajade zu ; er legte auch dle Hand schützend an die Stirn übet die Augen, um besser sehen zu können Sonderbar," murmelte er dann leise vor sich hin, dasselbe Kostüm, dieselbe Gestalt und fast ist mir's auch, als ob eö dieselbe Züc,e wären." Es leuchtete merkwürdig in den alten Augen auf und eigenartig zuckte es um die scharsgeschrnttenen Lippen ;' es mußken merkwürdige Gedanken,, sein, eigene , Erlnnerungen, in die er sich zurück versetzte. Wie lange war's denn her! zehn zwölf ein, dreizehn Jahre ganz richt!g, dreizehn Jahre da hatte er auch eines Morgens fa ungesähr um dieselbe Zeit j und such , so ungefähr , am selben Matze gesessen aber das Haar war damals noch pechschwarz, nnd Johann Christian Möbius war damals in den eleganten Kreisen wegen seiner männlichen vollen Schönheit, seines vsrneh.
up-i i, !kM!tl!ilKil! 'iMii!KÜ,
wett arlstokratllU ÄesenS und kseZneS Neichthums ebenso bekannt und geachtet, wie . im Geheimen gehaßt von den Mütlern hcirathssähkger Töchter, die denselden uach Jahre langem Manooeriren endlich als unverbesierlichen Junggesellen mit einem schmerzlichen Seufzer aufgegebe hatten. Man munkelte sic zetegentlich so allerhand in die Ohren,- weshalb dieser schneidige Kavalier einen , sol? chen Nespect vor dem Heirathen hätte; in seiner Jugend soll! er einen sehr schmerzhaften' Herzensroman durchgemacht, ein junges schönes Weib ihn treulos verrathen haben ; in besonders intimm Kasfeeklatschkrcism hieß. es. sogar,
das? er den Buhlen erschlagen und als. Othello sein ungetreues Weib erwürgt habe und daß er deshalb, nach Amerika gekomuien sei. " 11 So hatte die Dame Phantasie' manch schauriges und manch romantijches Märchen in die Vergangenheit des Herrn Johann Christian Movius Hineingewebt, und daß man, sich noch immer mit ihm beschäftigte, hatte wohl seinen Gründ, daß er mitunter plötzlich verschwand und Monate, gelegentlich auch wshl ein ganzes Jahr lang verschwunden blieb, um dann wieder aufzutauchen, ebenso liebenswürdig, ebenso artig und ebenso kalt'ächelno zugeknöpft, sobald man zu neuaieria sich erkundigte, wo in aller Welt er denn so lange gesteckt. Unter den Umstanden war eS a ganz natürlich, daß er schließlich für die Gesellschaft eine Art gehcimntßoolles Räthsel wurde, dessen Lösung man vergeblich versucht und schließlich ausgegeben hatte. Und doch war absolut nichts Geheimnißvolles und Nathselhastes 'an ihm; mit dem angeblichen HerzenSronMn war es larifari, er war noch niemals verheirathet, noch niemals verlobt ge vefen und so hatte er cS auch nicht no,hig gehabt, den frechen Buhlen feines ungetreuen Weibes zu erschießen, sie selbst aber zn erwürgen ; auch mit seinen Reisen hatte es nichts weiter Geheimnißvolles auf sich. Johann Christian MöoiuS war ein rei cher Hamburger Patrizierfohn. Das große Haus im Hamburg besaß in Newoxt eine Filiale und Johann Cyristian war der Chef derselben. Er war in seiner Art Gelchner, ein philosophischer Denker und. die einzige Leidenschaft, die er hatte, war das Reisen ; immer von Neuem trieb es ihn fremde Länder, Völker und Städte zu sehen, doch war es nicht die Neugier und ein unruhiges Hasten, das ihn trieb, sondern ein ernstes, wissenschaftliches Streben, ein Verlangen, seine ethnographischen und geographischen Studien auch praktisch zu erweitem. Das war das ganze Geheiniiß, das ihn umgab. Freilich kannten nur sehr Wenige diese Verhältnisse und das kam daher, daß Johann Christian Movius wohl sehr viele Bekannte, keine intimen Freunde hatte bis aus einen und das war fein Pflegesohn, wie er ihn nannte, Nudolj?h v. Bernier, allerdings wedex ein Hjlcgenoch überhaupt mit hm verwandt, ' sondern nur ein wahrhafter und! intimer Freund. Er war um volle fünfzehn Jahre jünger, aber die Beiden ergänzten sich in wunderbarer Weise und beiden war es länast klar geworden, das; sie eine Freundchaft geschlossen, die 'Niemand trennen, Niemand zerreißen konnte ; auch Nudolph war in einem ähnlichen Geschäfte angestellt, wie Johann Christian, aber seine Stellung war keine so unabhangige, , sondern ein großer Theil der verwickelten Geschäfte lag thatsächlich, auf feinen Schultern. ' -' Es war richtig dreizehn Jahre vielleicht gar auf den Tag! Damals hatte auf der Veranda in seiner Nähe ein junges Mädchen gesessen und an ihrem Stuhl hatte ein kleines vielleicht vkerjähxiges Kind gelehnt den hellblonden Lockenkopf gegen die Schulter des jungen Mädchens gebeugt, ein wunderbar liebliches Bild, das der Hagestolz anfangs gleichgiltig streifte, zu dem die unruhigen Blicke aber unwillkürlich immer wieder zurückkehrten. Das Mädchen war nicht schön, aber ein ganz eigen ctiger, herzgewinnender Ausdruck lag in diesen ruhigen, Vertrauen erweckenden Zügen. Sie hatte sich in einen weiten weichen Bademantel eingehüllt und das Kind steckte ebenfalls in einem reizenden koketten Badeanzug. Ob das wohl' Schwestern sind ? Sie saßen sich offenbar einander sehr ähnlich, aber es konnten ja auch Mutter und Tochterchen sein. Er fühlte es. daß der Gedanke ihm unbequem war, aber gern l wm.. - t m n tt i yane er es vocy mit Ventmmlyelr gewußt, daß es Schwestern waten. Jetzt stand das ältere Mädchen auf und Beide schritten dem Strande zu, an welchem die Wellen sich ebenso ungestüm brachen, wie heute. Bald erschienen die Beiden unten am. Stand, die Aeltere hatte den Bademantel abgeworfen und es war oenau dasselbe reizende Vadekostüm, weiß und roth, das heute da drüben die kecke Schwimmerin trug unwillkürlich hatte eS ihn damals ans Ufer gelockt und er befand sichln einer hochgradigen Auftegung die er sich gar nicht zu erklären vermochte; die Wogen gingen hoch, die rühnH,ikSn hatte sich weit'hinausgewagt, und die Kleine, die auf den Schulternder Aelteren hockte, jauchzte vor Vergnügen aber Himmel, was war das?, Ein Schrei, er sah die Aeltere schwanken und. die Arme hoch werfen, ;sah; yie eme schwere Woge über sie hinrollte und sie wie oie Kleine hilflos hinausgerisscn wurde in's offene Meer ! Wie es ihm möglich gewefen, so rasch in seinen vollen Kleidern den schäumenden Surf zu durchbrechen er wußte es nicht, eben grade im letzten Morrent, als weder eine neue schwere Woge das bereits sinkende Kind uoch weiter hinausschleus Hern wollte, hatte er es mit fester Hand ergriffen und auf den Arm genommen, und die Kleine, die noch bei voller Besinnung war, hatte ihn mit ihren großen Augen angeschaut und dann die beiden nackten ' Aern: chen ? fest ,, um seinen ' Hals geschlungen. Mit leichter Mühe hatte er das 1 Kind dann an's Ufer getragen, wo viele Hä,lde vnd Arme sich ihm schon entgegenstreckten und ihm die süße kleine Bürde abnahmen. DieMelten,! wastebenfallslin. Sicher- ;! (! I N . i ji'tvy V;! Bl :' I "äi''v 't hett gebracht f sie hatte, wie I man ihm sagte, einen Knnnp san fall be kommen ob er sie sehen kö'nne? Nein, aber sie besinde sich außer oller Gefahr und liege im Badehaus ec solle aber selbst ma. ,
j
-f ..;,;; I i -, I ft fti er in'Ä AnfT FSrn snnst miirke t
w y rvv 0 w-w-mfw er sich in seinen nassen Kleidern bis auf den Tod erkalten ; dasselbe Gefühl hatte er auch, gesehen hatte er die Aeltere, die Schwester gar zu gern, aber da war auch der Arzt hinzugekommen und hatte ihn mit Gewalt in's Hotel, in's Bett getrieben Er mußte wohl sehr lange geschlafen habei,, denn als er endlich die ?lugcn ausschlug, da sing es bereits an zu dunkeln. Natürlich, sie mußte ja in dem Hotel wohnen, er mußte sie doch jetzt sehen und da er sich nach dem langenSch läse frisch und wohl iühlte, verwmwte er eine ganz besondere Sorgfalt auf die Toilette und ein glückliches Lächeln umspielte seine, Zuge als er zwischen den nassen Kleidein, die noch auf dem Boden lagen und djeer jetzt aufhob, ein kleines goldenes Klndcrringlein entdeckte; das gehörte offenbar der Kleinen und es hatte sich, während sie die Aermchen um seinen Hals schlang, abgeschoben; es war ein kleines bescheidenes Jiinglein mit einem blauen Sternchen und neben dem Steincheu war der Name Emmy" eingravirt. Lächelnd steckte er das Ninglein in die Westentasche und trat, nicht ohne einiges Herzklopfen von wegen dcS Widersehens, aus den Hotelkorridor hinans. . Der Wirth begrüßte ihn herzlich und dankte ihm dreses Billet habe die Dame für ihn zurückgelassen schon fort? ja mit dem sechs Uhr Boot nach New Jork. Mit etwas unsteten Fingern hatte er das Billet erbrochen nur wenige Zeilen - eine kleine zierliche Handschrift: Werther Herr! Meinen herzlichsten, tiefgefühltesten Dank dem hochherzigen Netter. Leider muß ich sofort nach New S)ork zurück aber morgen komme ich wieder hinaus und da hoffe ich, persönlich das Vergnügen zu haben, Ihnen zu sagen, wie glücklich Sie mich gemacht! La lleconnaissantc "?: tc Dankbare! Weiter keine Unterschrift ! Kein Name ! Sonderbar ! Auch im Hotel kannte sie Niemand; zwei Tage hinterernander war sie da gewesen, mit dem Morgenboot war sie gekommen und mit dem Abendboot wieder zurückgekehrt. Nun, morgen wird sie ja wicdcrko:nmen l Johann Christian schlief in der Nacht sehr schlecht und träumte ganz tolles Zeug zusammen. Als das Morgenboot kam, war er natürlich am Pier und hatte hes tigeS Herzklopfen, aber sie war nicht unter den Passagieren, vielleicht war die Kleine hinterher noch krank geworden, auch das Abendboot' brachte sie nicht, ebensowenig die Eifenbahnzüge; am nächsten Tage ebenfalls nicht und auch nichl am dritten, und um eS kurz zu machen, Johann Cyristian war wirklich verliebt in die Unbekannte und zum .Andenken an den unglücklichen Tag ließ er sich das kleine Ninglein mit einem feinen Kettchen an seine Uhrkelte befestigen; jetzt hatte er wieder das Ninglein in der Hand; die Buchstaben neben dem blauen Sternchen hatten sich mit der Zeit etwas abgeschlissen, aber den Namen konnte mau doch noch deutlich lesen: Emma!" Sonderbar, das hatte er doch nicht gesagt? Nein, da kam ja auch eine Antwort: 9!.idi!" Manm ist nach Sea Bricht gefahren und kommt erst später zurück wir wollen hier luuchen." Gut. Nudi, in einer halben Stunde bin ich wieder da." Die Stiminen klangen hinter ihm und als ex sich langsam, ie im Traume, umwandte, da verschwand gerade im Das meneingang des Hotels eine in einen weiten Bademantel gehüllte Dame mit einem rothen Mützchen auf dem Kopf; sie hatte den Kopf zurückgewandt, . nur einen Moment lang sah er ihre Züge und wie elektrisirt sprang er auf war'S denn ein Blendwerk der Holle oder ein Himaielsbetrug gewesen? Das war ja sie selbst, die ihn vor dreizehn Jahren beinahe wahnsinnig gemacht und in deren Erinnerung er jetzt noch zuweilen in fchmerzlick)er Wehmuth schwärmte! Sie hatte einem Lltenschen, der ihm den Nükken zugewandt, freundlich zugenickt und als dieser Mensch sich jetzt umdrehte, da wäre er beinahe in einen Stuhl zurücks-e-funken, denn dieser Mensch war sein einziger Freund, Nudolph v. Bernier! Und der! Und die! Ihm schwindelte und er mußte sich an der Lehne seines SrnhleS festhalten; und bann hatte Nudolph ihn erkannt;, mit inem Satze war er bei ihm. Bist du es denn wirklich, Johann Christian? Wirklich und wahrhaftig? Wo um des Himmels und der Hölle willen kommst du denn wieder hergeschnelk? Kein Mensch in der ganzen Welt hat. wieder seit einein Jahre gewußt, wo du steckst; aber wie siehst du denn aus was fehlt dir? Bist du krank? t Wer war das eben?" frug Johann Christian mit hohler Stimme, die Dame in dem Bademantel?" , ., Mein liebes Weibchen, du Herzenssunge!" Du bist verheirathet ?" Und das weißt dit nicht? Nun ja' letzt kann ich mir's denkendahabea wir wieder deine Thorheit, niemals,, einem Menschen zn schreiben, wo du dich aufbältst. Ein ganzes Jahr bist' du jetzt' fort; Verlobnngs-, uld HelratMnzelge" habe ich nach Hamburg geschickt, aber weimal hat mir dein Bruder Ernst gechrieben, daß Niemach ,n?eiß, wo duwien r. u ' ' ' 7 -'"i - der steckst." , l Und wie lange bist du denn schon verheirathet?" : ,MDM Seit drei Monaten." ,'.' Und wie alt ist deine Fran? Das kanonische Alter hat sie noch nicht, du sonderbarer Kauz,, aber wenn bu'S genall wisieu willst, drei Tage nach unserer Hochzeit ' feierte Emmy ihren achtzehnten Geburtstag bist du'5 nun zufrieden?" HAK 1 Sonderbar entschuldige meine Aufreguna., aber wie ich soeben deine Frau mit einem flüchtigen Blicke sah, glaubte ich feine alte Bekannte in ihr zu entt ": " a ' 1 ' ,!:" : ' 1 " '"'i!' ""! decken." . Eine alte Bekannte, da mochte ich doch bitten, übrigens wohl kaum möglich; sie ist erst seit einem Jahr im Land, bis dahin wohnte fte jn,. Hannover,' und soweit ich imA',,ennnere hast du dich dort niemals aufgehalten, wird alfo wohl optische Täuschung gewesen sein." Glaub' eö selbst jetzt," sagte Johann Christia sichtlich erleichtert, .aber jetzt il il i , i, !!,;,. N'ii iSiiiiiviSi'SI P , I , ,
erzähle mir, wie denn das so schnell gekommen ist." , Sl Aber vorerst sag' mir mal, wie eS dir geht? Wann bist du zurückgekommen? Wo hast du gesteckt?" Gestern bin ich zurückgekommen und gesteckt habe ich in Afrika habe mir unsere schwarzen Eolonien einmal an-
gejehen. Sieht dir ganz ähnlich. Apropos, du lunchest doch mit uns?" Wenn du erlaubst." Also jetzt laß dir schnell erzählen, wie ich zu meiner Frau gekommen bin. Im vorigen December lernte ich Emmi) bei Bredas kennen; der Zufall befcheerte sie mir zur Tischnachbarin, und wenn du Emmv erst kennen gelernt, wirst selbst du alter Hagestolz begreisen können, daß ich mich gleich prima xht& in sie verliebte. Sie ist eine geborene Barmin, ihre Mutter wohnte früher in Amerika, in Chicago, aber vor zwölf oder , fünfzehn Jahren starb ihr Mann plötzlich, und kurze Zeit später siedelte sie zu Verwandten nach Hannover über, kam aber vor etwa Jahressrist wieder hierher doch, da ist ja Emmy selbst " Erwartungsvoll sah Johann Christian der eleganten Dame, die mit leichten und elastischen Schritten auf sie zuschritt, entgegen ; aber je näher sie kam, desto mehr überzeugte er sich, daß er sich geirrt; einige Aehnlichkeit war wohl da, aber es war doch ein ganz anderes Gesicht und eine ganz andere Gestalt Jetzt rath' emmal, Emmy, wer das ist?" Offen und frei, mit einem glücklichen Lächeln auf den rosigen, frischen Lippen, schaute sie dem alten Herrn in die Augen dann zuckte es schelmisch in ihren Züg,en auf und, rafch auf ihn zutretend und beide Hände ihm entgegenstreckend, sagtt sie herzlich : Seien , Sie mir herzlich willkommen, Sie treuester und bester Freund meines Nudi, der eigentlich gar nicht werth ist, einen so braven Mann, wie Johann Christian Möoius, zum Freund zu haben ; herzlich willkommen ! " , Warte, Du kleine Schlange!" In der That, gnädige Frau, ich hu wundere Ihren Scharfblick; wie haben Sie mich denn erkannt?" Nun, Nudl hat Mama und mir so viel von Ihnen erzählt, daß ich mir unwillkürlich die richtige Vorstellung von Ihnen gemacht habe." Das war eine fröhliche Lunchstunde, das war ein Fragen und ein Erzählen und ein Erklären, das wollte gar kein Ende nehmen. Den Kysfee tranken sie auf der Veranda. Wie alt waren Sie eigentlich, als Sie von Amerika fortgingen?" Ich glaube, so vier oder fünf Jahre, doch kann ich mich eigentlich auf nichts mehr besinnen ; so ganz dunkel ist es mir freilich, als ob mir das Abenteuer, das ich gerade hier als Kind erlebt haben soll, wirklich noch vorschwebt." Und was war das für ein Abenteuer, wenn ich fragen darf?" Ich wäre hier beinahe ertrunken, wenn mich nicht ein braver Mann mit eigener Lebensgefahr gerettet hatte; aber so richtig besinnen kann , ich mich nicht mehr darauf." Dafür weiß Mama es noch desto deutlicher, liebe Emmy ; sie hat mir gestcrn die Geschichte nochmal erzählt. Mama ist eine ebenso gewandte Schwimmerin wie du, und sie hatte an dem Tage dich tollkühn weit mit hinausgenommen; dann bekam sie einen plötzlichen Trampsanfall, und das Töchterchen wäre ünrettbar verloren gewesen, wenn ein fremder Herr sich nicht kühn in die Wogen ge stürzt uns das Kind gerettet hätte. Leider hat sie ihren Netter nie gesehen, noch zur rechten Zeit hatte man sie aufgeznfsen und sie dann in'S Vadehaus gctragen, und als sie am Nachmittag Mit dem Boot wieder nach New )ork zurückfuhr, da war , der Netter noch nicht wieder er-, schienen, und sie hatte ihm ein paar Dankeszeilen zurückgelassen ; r in New ZZork findet sie dann ein Telegramm vor, daß ihr Gatte schwer erkrankt sei ; nöch am selben Abend reiste sie ab, aber als sie in Chicago ankam, war der Gemahl leider schon todt, und bereits vier Wochen später siedelte sie nach Deutschland über." Es war nur gut, daß das junge Ehepaar nur für sich selbst Augen hatte, sonst wäre den Beiden , doch w.ohl die sonderbare Veränderung ausgesallen, die bei dieser Erzählung, mit dem älteren Freunde- vor sich gegangen.. Also die jetzige Frau seines Freundes hatte er damalö gerettet, und die ältere Schwester war eine verheirathete Frau, die Mutter der Kleinen, gewesen! Nicht umdie Welt hätte er sich jetzt verrathen, aber cr wußte wenigstens, wie er daran war. . ,, Nudi, da M Hemal'ries.Mdle,, junge Frau lebhaft, sprang auf und' winkte mit dem Taschentuch einem eleganten Wagen entgegen der' jetzt vot dem Portal hielt. - : ' - v: Entschuldige mich einen Augenblick!" rief Nudolph K und sprang Emmy nach, i die bereits über den 'Nasenplatz hinüber auf das Portal zulief. . , v. ,. Johann Christian hatte sehr scharfe Augen, und man kann sich denken, mit welcher Spannung er dieselben jetzt auf die Dame indem osfenen, eleganten Landauer richtete. : t Freilich war das nicht mehr die jugend? liche. thaufrische Gestalt, die ihm seit Jahren vor Augen geschwebt, aber eine stattlich 4 imposante Erscheinung, eine Frau anscheinend in der Mitte, VeeHeelßiger, tme'Mlz re!feSHonhe:t die ihn zuerst "etwas fremv und eigenartig anmuthete, da ja das Bild, das er seit dreizehn Äahren in seinem Herzen d herumtrug,; in der Zeit :sür ihn nicht älter gewordett war; aber als er in den etwas gereifteren Zügen sosort die alte Liebewiedererkannte, da sagten es ihm sein Herz und das mit stürmischer Gewalt in den Adern pulsirende Blut, ,, daß er seine alte Liebe noch immer liebe. Johann Christian kam aber dadurch in eine ganz eigenthümliche Lage; trotzdem, ihn die Entdeckung, daß es die junge Frau, und zwar seines einzigen Freundes junge Frau, gewesen bie er damals MteteAhn mächtig bewegt, hatte er eS doch meisterlich verstanden, sich zu beherrschen; der Vorsicht halber hatte er sogar das kleine Ningelein in die innere Seite der Weste hmeinpract!c!rt und war zu dem Ents 'SIW llfäfl'fflllllviiiirilnE:''
'' 1 , !,. ;., . :.M, pi-jj , , . - , ' . : : ... . .fM,j!7HM.''-i ' 01-I !KMMirps, Ä, ;
schluß gekommen, ruhig dle Entwickelung der Dinge abzuwarten. Inzwischen hatte er den Wagen nichl zus den Augen gelassen; die beiden jum gen Leute redeten eifrig auf die Fra Mama ein, offenbar erzählten sie oo ihm; nnd als die Dame dann ausstieg und mit ihren beiden Kindern" auf das Hotel zuschritt, blieb ihm natürlich nichts Anderes übrig, als auszustehen und der Dreien entgegenzugehen. Nudolph besorgte die Vorstellung z Johann Christian nahm alle Kraft zusam: men, den Muth und auch den Schmerz, aber es war offenbar, sie" hatte ihn nich, wiedererkannt; die Begrüßung war tim äußerst hosliche, auch sie hatte ja so viel von ihm gehört und als sie nach der Vor, stellung ans dem breiten Kieswege wiede, zu ihrem Tische zurückgingen, da war es ja selbstverständlich, daß er ihr" seinen Arm reichte ; wie ein elektrisches Fluidnn , durchzuckle es ihn,- als sie ihren voller i ."' t ' . ?
piajniajui Arm in oen i einigen legre uni er mujzte seine ganze weltmännische Ge: wanstbeit zusammennehmen, um sich z beherrschen. An dem kleinen Tische auf der Veram da war bald die lebhaftere Unterhaltune im Gange. Unser lieber Freund dinirt natürlich heute mit uns, ekörs -Mama, BredaZ kommen auch heute heraus, ich hatte ei: gentlich die Absicht, AredaS hier zu er, warten, aber jetzt ist es wohl vernünfti: ger, du fährst mit unserem Freund vor: aus und Emma und ich fahren mit Bre, das nach." Ern ganz gescheuter Gedanke von dir, Nudi," mcmte Emmy, und da auch Mama nichts einzuwenden hatte, wurde die Equipage hcrbeicitirt und Madanu BanniiZ uns Herr Johann Christian Möoius fuhren zufam'.acu uach der etwa zwei Meilen weiter hinauf liegenden Villa, die das junge Ehepaar mit der Frau Schwiegcrmnma bewohme. In der Villa angekommen, sührte sie ihren Gast in den Empfangssälen. Weiiii Sie mich freundlichst entschuldigen wollen, muß ich Sie jetzt für ein paar Augenblicke verlassen, ich habe noch einige Arrangements zu treffen " Johann Christian verneigte sich schweiß gcnd und Madame Vormin schrill dei ins Innere des Hauses sührendm Thür VA, aber in dem Augenblick, als sie. die schwere Portiere zurückschlagen wollte, klang cs hinter ihr in einem ganz eigenartigen Tone: Gnädige Fr! Sichtlich erstaunt, wandte sie sich um, und da sah sie, wie ihr Gast in offenbar höchster Ausregung auf sie zukam: Bitte, verweilen Sie noch einen Au? genblick, gnadige Frau ich ich Nun, Herr Möoins? " Erinnern Sie sich gar uicht, daß Sik utich früher schon gesehen haben?" Ich, Äe? ich wüßte in der That nicht " Erinnern Sie sich nicht eines schrecklichen Momentes, den Sie vor dreizehn Jahren grade hier in Long-Branch durch: lebt, als Ihr Töchterchen Um des Himmels Willen, Herr Movius ! wäre es möglich Sie? Sie! Ja, jetzt entsinne ich mich des Namens wieder. Sie also, waren es, der mein Emmy gerettet?" Kennen Sie diesen kleinen Nina noch?" Großer Gott , Emma's Ning SieEmmy's Srctter? " sie wußte selbst nicht, was sie that, aber im Momente dieser so plötzlich auf sie einstürmende Entdeckung vergaß sie sich selbst und siel dem edlen Manne um den Hals Mle soll ich Ihnen danken, Sie edler Mann?" Dadurch, daß Sie mich ruhig am hören." Beschämt hatte sie sich wieder losgeris sen, 'aber er legte sanst den linken Arm über ihre Schulter und ergrisf mit einem zärtlichen Drucke ihre Rechte. Dann erzählte er ihr m einfach schlichten Worten leine erste Begegnung mit ihr, wie, ihn sofort ein wunderbares Gefühl zu ihr hingezogen, wie er ihr gefolgt sei zum Strand und wie glücklich, unsäglich glücklich er gewesen, daß er die Kleine, die er damals für ihr jüngeres Schwesterchen gehalten habe retten können; wie er dann das Ninglein gefunden nnd wie ihn ihr Billet gefreut habe, wie er sie erwartet voller Sehusucht von Tag zu Tag, und wie er sie nimmer habe vergcssen können , Anfangs hatte sie staunend seinen Wor ten gelauscht; es wurde ihr gar wunderbar zu Muthe und als sie dann aufschaute und in die treuen, in unsagbarer Liebe sich in die ihren versenkenden Äugen sah, da wußte sie gar nicht,, wie ihr zu Muthe war und sie wehrte ihm nicht, als erste inniger an sich zog und seinen Arm fester, um sie schlang. , Dreizehn Jahre habe ich Ihr Bild in meinem Herzen getragen, immer hoffend, daß daS Schicksal Sie mir noch einmal in den Weg führen würde. und jetzt ist dieser heißersehnte und immer gehoffte Moment da und verzeihen Sie - mir, wenn dieser Augenblick mich überwältigt hat und wenn ich jetzt im kühnen Muthe alle gesellschaftlichen Schranken bei Seite schiede und ' ich frei und offen frage: ? Willst du mein Weib sein?" Kr batte sie fest und innia an sich äe. 7 ; i - . " ß den treuen, stolzen Mannesaugen! Und sie schaute , hinunter bis auf den tiefsten Grund seines edlen) goldenen Herzens, und als die. schimmernden Thränen ihr aus den Augen brachen, da löste sie sanft ihre Hand ans der fernen und schlang den Arm um seinen Ncken und die Lippen fanden sich zum langen, berauschen den Kusse . . Das war natürlich ein wunderbares Diner,, welches , nun folgte und als Nu dolph beim Champagne? den ersten Toast auf das jugendliche .Brautpaar ausbrachte, da sprang , Emmy mit blitzenden Augen auf, schlang die beiden vollen Arme um den Nacken Johann Christian Mövius und küßte , ihn herzhaft mit den schwellenden Kippen auf den Mund: - So habe ich damals an deinem Halse gehangen, aber ich habe sicherlich damals den Dankcskuß vergessen, nimm ihn jetzt, ku lieber, guter Papal Ä: M fr fjsiMSp.:'f'f ffßpiXfp--HS :,i;::7l!;il,; IfilsiiifftfP ::;!!; : n:;,11: l:;::1;:;: i;:!1::: .'i'1' !i--:;:!: liv : : 1 j!: 'ivi .:. j--V : ':: !!! : -' : ; V : -::!:..-; '-. ,i!' ; : :'llii('ii:!i!!Hsli-"t '! ' - j; ".-'U,,i:i.t.jU.":i?:-i; --'l:'i:ti-::!-J." - i.!-:.S::H!(:Fi-'ih'ii'!lii' V "'."it!'.y!; i;'. ,,,sj.- --- ' - - jti-.
zogen, aber sie beugte den schonen Kopf zurück und schaute ihm fest in die Augen. Wie das leuchtete und wie das fluthete in
AUS dem Leven veö verstorbenen französischen SÄriftsttklers und vielseitigen Prätendenten Villiers d l'Jsle-Adam. bringt der .Temps" nachstehende bemerkcnswerthe Züge: Der Graf kam sehr jung nach Paris, im Ve sitze eines kleinen väterlichen ErbtheilS, das bald aufgezehrt war. Von nun an iuhrre er die unsichere Existenz eines Bo heme. Unsahia, materielle Schwierig' keiten zu überwinden und sich nne Eri stenz zu gründen, lebte er stets inmitten seiner Traume. Der Verdienst aus feiuen Werken war nicht groß, denn sein Talent wandte sich nur an einen engen Kreis; auch war er selbst nicht im Stande, die Banknoten, die ihm seine Werke einbrachten, lange bei sich zu behalten. Das Geld schien zu seinem Temperamente gar nicht zu passen. Es war ihm so zu sagen Bedürfniß, wie der Vo gel auf vem Zweig zu Üben, seine Arlnuth stimmte zu seinem Charakter, und
wer ihn gekannt hat, dem war es rein unmöglich, ihn sich reich zu denken. Doch hat auch dieser Dichter nach, oem Glück gestrebt, freilich unker ganz besonderen Umständen. Er, der Abkömmling von Großmeistern des Malteser-Ordens, verlangte eines Tages, wie es hieß, von Napoleon III. den Thron von Griechenland als die ihm zukommende Erbschaft seiner Ahnen. Ein anderes Mal soll er von Lord Salisbury eine von den reich dor tirten englischen Sinekuren gefordert haben. Man behauptet segar, er habt eine Jeise nach England gemacht, um die Tochter eines Lords und mehrfachen Millionärs zu heirathen. Villiers de l'Jsle, Adam hatte in der That seine Glücksträume in txn gewöhnliches Leben eingeführt, und er selbst erzählte mit lcijer, einschmeichelnder Stimme alle seineAbenteuer und PhJntastereien als wirklich. Nichtig war cs dagegen, dafj er mit Naundorf, dem bekannten Uhrmacher, der sich für den Sohn Ludwigs XVI. ausgab und auf den Thron Frankreichs Anspruch machte, eng liirt war; er hatkt rhm sogar einen feierlichen Vasallen-Eid geleistet. Er nahm sich übrigens gegen leinen Lehnsherrn" manche Freiheiten heraus, indem er ihn eines Tages zum Beispiel hart tadelte, als er ihn traf, wie er in einer Wirthschaft in Hemdärmeln Kegel schob. Wie Villiers de l'Jsle, Adam eigentlich lebt, das wußte Niemand. In seiner Wohnung war er höchst selten; dafür traf man ihn in den letzten Jahren um so sicherer in einer Wirthschaft des Faubourg Montmarlre. Da war er wirklich daheim und benahm sich auch wie zu Hause. Er sprach gern und viel, und man hörte ihm auch gern zu; zu seinen Vortragen aber hatte er die Begleitung von Wirthshausgemurmel uud die Einhüllung mit Tabakrauch nöthig. Er war von mittlerer Große und trug lange, glatre, ftitwarts gescheitelte Haare; seine Augen waren kellblan und unruhig, und eme gewisse Unruhe verrieth auch die beständige ner? vöse Bewegung seiner feinen weiblichen Hand, mit der er die spärlichen Strähnen seines Haupthaares strich. Er konnte Stunden laug sprechen, mit eine? Stinn me, die wie aus der Ferne klang, und die man nur verstand, wenn man fach gegen ihn neigte. Von was er am liebsten xv dete, das waren seine literarischen Entwürfe. Er schilderte die Personen feiner Einbildung mit ihren Worten ifttö Handlungin, ging ihren Intriguen nach und setzte ihre Pläne auseinander. Wenn er dabei die wissenschaftliche Möglichkeit darstellte, den Erdball zu zerstören, ohne Kosten", oder eine ganze Stadt zu vergiften, indem man ein todtliches Parfüm über ihr verbrennt, so konnte bei der überzeugenden Weise, mit der er dies Alles vortrug, den Zuhörer ein förmliches Gruseln überkommen. Das Erdenken von entsetzlichen Katastrophen war eine der Seiten feines Genies, ebenso die Beobachtung des Grausamen, wie in Tribulat Bonbomct", dessen Held langsam Schwäne tödter, um den Schwanen: gesang zu hören. Seine Hauptwerke Mhmen jedoch ein ernstes reines Genie und sind zudem in einem unvergleichlich edlen Stile geschrieben, und aus diesem Grunde hat er ans die moderne Literatur einen großen Einfluß ausgeübt; die Symbolisten" und die DecadeNts" verehren in ihm sogar einen ihrer .Meister". Seine letzten Monate sind die ra; higsten seines sonst sehr bewkgten Lebens gewesen. Mehrere Freunde hatten es sich zur Pflicht gemächt, ihn gegen Elend zu schützen. Er starb an einer langwierigen Krankheit, man weiß nicht, an welcher. Und' auch dieser Umstand ist für das merkwürdige Wesen des Mannes bezcichnend. Bofe Ahnung. Meine Herren, Sie glauben nicht an Ahnungen? 3wn, ich will Ihnen etwas erzählen. . Etwa vor drei Jahren stand ich eines Morgens auf, hatte schlechte Traume uns den ganzen Tag trübe Ahnungen ; ricktigi wir bekamen "ein ' furchtbares Gewit-" ter, alle Augenblicke kam ein ht fuger Blitzschlag. Wir fetzen uns zn Tische, fangen an zu essen, da plötzlich Schlagt der Blitz ein?, Nein, aber da fand ick ein Saar in der Surre und 1 konnte vor Ekel nicht weiter essen ! ' 'Ari stokratischer Wun fch: Frättüm v.'H. (ruft freudig bewegt): Mama. Mama, sehen Sie. da kommt tr ,rt ...... iA . st VV mr " " Welt erinnern, daß Du bürgerliche Muttermilch getrunken? 0 uon dien ! Wann wetdm wir endlich adlige, Ammen bekommen?! A l ke rdings. A." : Ihre Putzseife tanzt nichts; ich habe genau achj der Anweisung verfahren, aber daß Wetz schirr ist nichl Mmt ZmvrrLNA.:, Dann traben Sie nicht' dt'ÄnwciÄ ;:,! sung gehandelt A.: Wie ,,VergcheLW7 das' : In derselben steht: . Man putzt so lange, bis das Geschirr blank 1 ! , '. -i i "" !'k v!i(i;-'i:: ist," das haben Sie rncht gethan, .j t . W en n sie k o ch t. Junge Frau: Wie hat Dir denn der Kuchen geichine t ; Alois. den ich Dir, auss Bureau geschlar habe? Ehemann: JchhabeHn nicht versucht, Nebe H-nriette. Junge Frau: Ja was haft Du denn dann damit angefangen? Ehemann: Ich dachte, ich soll lhn als BricfbeschVtter vemenden. ii. !:;.: -iäNfe !l!?ll1WlM ' :! ' j ?;t pH 'ff:.':;. " - ' '.- -r
l
1 il;-. 'i ' wf. : il,;' : ;, " f !; :l .!'. -:. -!(. ; . .I"'1 J;"::!'A : ? il . f -' 'Il . ' j - r-i'; Ä, 'i 'I. H" ''! ! . I ;f:s ii f I ; z,!, - '! -' .. 'i . ' ä!' ij I . y t - f r t bZ,. u! iinii.i ff t , VW :y 5 .l !, .i i '''if !is''! ;ä.,.il '"! il'iwSin ji$ß$$il ifi ' i1!': t ,iitii; ,j 's I ;'':,:':lVjl!iiiiiliiiii ' l" -:h j l''!1!: I1 !' jfl'jljiijf;',-'-1!! I "'XMt iiiSi11 ;:i!iitir:is
NlMichmi -
MW?? ' . t'( . ' ,1 ..!!' ",, , ;,,?k!?!'!!!.ii''il'.'l chWH,!
0mi
