Indiana Tribüne, Volume 12, Number 359, Indianapolis, Marion County, 15 September 1889 — Page 2

DaK Feldzeichen MontezumaS. Das neueröffuete Hosmuseum in Wien birgt unter seinen naturhistorischen Schätzen auch czne Religuie von culturhistorischem Werth, ein Unikum,das noch erhöhtes Interesse gewinnt durch den Umstand, daß es hier zum ersten Male tintm größeren Publikum zugänglich ceworden' ist.- ES ist eine facherartlge Standarte, sehr roirkungsvoll hergestellt us goldlg-gnm schillernden,dann blauen und rothen Federn, einen Kreisausschnitt von 120 Graden bildend, dessen größte Breite 170 Centimeter mißt: Das seltfame, jetzt sorgsam unter Glas und Nahnien ausbewahrte Stück ist das Pallas dium Altmerikos, das Feldzeichen des unglücklichen Königs Montezuma. Die Geschichtsschreibung über die Einnahme des alten Aztekenreichs durch die Kon quistadoren unter Cortez ist bekanntlich eine von Augenzeugen herrührende und -im Wesentlichen genaue. Bernal Diaz, einer der Hauptleute im Heere des Cortez, beschreibt unter Anderem auch die Schlacht bei Otumba, jenen Verzweiflungskampf, den die Spanier am 7. Juli 152u auf ihrem Rückzüge zu den Tlascalanen, den besreundeten Eingeborenen, gegen eine mehr als dreißigfache Uebermacht aufzunehmen gezwungen waren. Die Nacht der Trübsal" war überstanden. Cortez hatte daS feste Land erreicht, aber zwei Drittel seiner Leute, die Geschütze und die ganze Reiterei bis auf fünf Pferde, hatte der die Hauptstadt umaebende See auf seinem Grunde ae-

bettet. 400 Mann, theils erkrankt, fast ausnahmslos verwundet, standen nun da inmitten eines fremden Landes, bedroht von dem bis auf's Aeußerste fanatistrten Volke, aller Hilfsmittel entblöst. Am Morgen des 7. Juli sah sich das O'11- . CL ' Haustein plötzlich einem Heere gegenüber.' 0,000 Mexikaner füllten die weite Ebene und verlegten den Flüchtringen den Weg. Der Tod war nach menschlichem Ermessen den Konquistadoren gewiß, aber mit ihrer so oft erprobten Verwegenheit gingen sie ohne Zögern zum Angriff über. Noch immer standen die Neiter bei den Azteken im Ansehen der Toulos, her unbegriffenen Götter, und ob es ihrer auch jetzt nur noch fünf waren, sie verbreiteten dennoch Furcht und Entsetzen ringsum. Im Uebrigen jedoch fehlte den Spaniern das, was sie früher unnahbar gemacht hatte, die Feuerwafse, denn auch die Puloeroorräthe waren beim , Verlassen der 'Hauptstadt verloren gegangen oder verdorben, so daß die Leute ihre, Musketen als nutzlosen Ballast fortgeworfen hatten. Bald umbrandete, dem wilden Meere gleich, das feindliche Heer die auf ihre Vertheidigmlg mit dem Schwert beschränkten Spanier. Aber ob der Kampf sich auch in wildem Handgemenge über Leichenhügel walzte, noch immer ragte aus dem Ehaos Cortez schwarz-rothes Kreuzbanncr. Nach stundenlangem Ringen nud nachdem so manche tapfere Spanier in den Tod gesunken, erlahmte aber auch den Verwegensten der Muth. Da, als Alles verloren schien, erblickte Cortez in einer Sänfte Cihuaeatzkn, den feindlichen Hcersührer, mit dem königlichen Feldzeih?n. Der Instinkt, der den kühnen Abenteurer im entscheidenden Augenblick noch immer gut geleitet hatte, sagte ihm euch diesmal, daß die eigene Rettung nur mit dem Tode dieses Mannes erkauft werden könne, und, die nächsten seiner Genossen anrufend, sprengte er auf den feindlichen Befehlshaber los, Alles vor sich niederwerfend, was sich ihm entgegenstellte. Von seinem Raufdcgen durchbohrt, fank der Cihuacatzin xvl Boden, mit ihm das Neichspanier. Damit war auch dle Schlacht entschieden. Die Mexicaner flohen entfetzt in wilder Unordnung und Cortez konnte seinen Rückzug fortsetzen, bald neueStrcitkrästc an sich ziehen. und dann Mexico vollständkg unterjochen. Nach der Wudereroherung des Landes schickte der spanische Feldherr das seltsame Feldzeichen mit 8,000 Castellanos in Goldbarrm und mit der Garderobe Montezumas seinem kaiserlichen Herrn Karl V. 'Von diesem kam die Trophäe als Geschenk an den Papst Clemens VII. und weiter an den Erzherzog Ferdinand von Tirol, den Begründer der Ambrassersammlung. Die Echtheit des Stückes hat Hochstetter in einem Bericht an die kaiserliche Akademie der Wissenschaften aus den Werken Kingsbourough's Prescott'S und Anderer überzeugend nachgewiesen. Hochsteter hat sich auch die Restaurirung fernes Fundes angelegen sein lassen. Er übergab die Trophäe Frau Christine v! Lufchautvelche mit der Wiederhersrellung der van den Motten zerfressenen Theile ein wahres Meistermerk schuf. Die langen goldgrün glänzenden Federn waren die Schwanzfedern des Quezalli (Calurus rmraä!Leus),'des Prachttropon aus Guatemala, welche ehemals den Haupttribut bildeten, den man merikanischen Königen darbrachte. Von den etwa 500 Federn, die heute einen Werth von 500 fl. haben, waren 459 noch erhalten; die fehlenden wurden neubeschasst. Die blauen Vandfedern rührfJ 'S '. - ten vom Contlnga-her. Da indeß für die Renovirungsarbeiten nicht genug Contmgabalgk, aufzutreiben waren, mußten als Ersatz 24 Bälge des JagerEisvogels zu Hilfe genommen werden. Jetzt erglänzt das alte Palladium in ursprünglicher Schönheit und bildet eine kulturhistorische Sehenswürdigkeit ersten Ranges h des' naturhistorischen Hofmuseums. . 22gitfe der sich selbst kenn t.. i Ein origineller Vorfall spielte sich unlängst in einer Sitzung des Gemeinderaths von ' Werchnedneprow in Rußland ab. ..Einer der Stadtverordneten hatte einen Vorschlag eingebracht und, versuchte einen ftlnet Collegen zu veranlassen, denselben , zu befürworten) wenn auch nicht im Interesse der Stadt, so doch im Interesse der Moralität", sagte rÄoraufzder Ändere erwiderte: Mas das Interesse der Stadt anbetrifft, so bin ich Ihrer Meinung, im Interesse der Moralität aber kann ich nichts thun. Weder Sie noch ich besitzen dieselbe, also brauchen wir auch nicht in deren Namen zu sprechen. Das Taschentuch ist das Loschblatt der Thränen und ein HunHtttdollarschein ost das der Schmerzen.

Bauernrettgion" in Oester. tcidn

Veitsame Uederreste von Heidentlzum. rloker VlNÄmasch in der ..persöulichenNe, liglon." Verierrung der irchenleyren.Mißbrauch der HettieAerek,rng. Ge spenster und Hexenglaube. AUerlet ttttn eiliges. Skachttsfkgkelt der Geistliche gegenüder liefen Varstellungnu . Ueber diesen Gegenstand veröffentlicht Dr. WillibaldNagl auf Gmnd zahlreicher Erfahrungen, die er namentlich im südöstlichen Nicderöperreich gesammelt hat, einen interessanten Aufsatz, dem Folgendes entnommen ist: Das Volk, welches wir hier zunächst im uat haben, bekennt stch durchaus zur katholischen Religion und ist, mit den allerwenigsten Ausnahmen, streng orthodorv Und auf den ersten Anschein möchte man wirklich glauben, daß die Landleute ganz in "ihrer Nelizion aufgehen, daß all' ihr Thun und Lassen vom ötatholicismuS bestimmt und getragen ist. Und doch steht die praktische Neligionsbcthätigung vielfach im Gegensatz zu dem theotischen Katholicismus, und man würde die katholische Religion entschieden verkennen, wenn man ihr alles das , jn die Schuhe schieben wollte, was im Landvolk entweder noch aus dem Heidenthum zurückgebliebcn ist, oder was ihw, jeweiligen Zeitanschaunngen gemäß,, von weltlichen und geistlichen Autoritäten Fehlerhaftes beigebracht, oder was 'endlich aus der Bauernschaft selbst stch entwickelt haben mag. Ich habe über dieses Thema sehr oft mit Gestlichen gesprochen und betont, wie wichtig es wäre, daß das Verhältniß der persönlichen Volksreligion" zum sachlichen NeligionSbekennkniß dem Durchschnitt nach festgestellt würde. Die einen gaben mir recht, andere meinten, die persönliche Religion sei sehr ungleich, man könne an ihre Darstellung nicht denken.' Für Städte und Märkte, wo die verschiedensten Gestnnungsrichtungen vertreten stnd, mag diese Einwendung ihre Richtigkeit haben. Anders ist es bei der ländlichen Abgeschlossenheit, in der sich eine tiefgehende Vereiühcitlichung der Geister vollzogen hat. Allerdings sind die Geistlichen nicht allemal in der Lage, ein verläßliches Bild der pexsönlichen Religion ihrer Pfarrkinder zu entwerfen, denn gerade ihnen kehrt der Bauer meist, sogar im Beichtstuhl, seine Manierseite" zu ; und wenn der Geistliche' nicht ein Einheimischer ist, oder wenn er bei seinen Studien das Verständniß für das Volk eingebüßt hat, kann er nicht hinter diesen Manicrmantel dringen. Und doch ist die genaue Kenntniß der Volksreligion eine Grundbedingung für die richtige Beurtheilung des Volkscharaktcrs im Allgemeinen. Wie in den Religionslehren selbst, so begegnen wir auch in den besonderen Anschauungen und Gewohnheiten der Bauern vielen der sinnlichen Natur fremden Motiven, d. h. Meinungen oder Verrichtungen, auf welche derMensch nicht durch natürliche Ueberlcgung verfällt; dieselben sind theils aus der katholischen Religion entnommen, aber verzerrt, theils stammen sie noch aus dem Heidenthum, theils sind sie wohl auch aus der eigenen abenteuerlichen Willkür bäuerlicher Mo-ral-und Weisheitskrämcr entsprungen. Die Landl:ute suchen ihre sittliche Stärke darin, gut katholisch zn sein. Sie besuchen fleißig den Gottesdienst, üben aXe vorgeschriebenen und empföhlenen kirchlichen Gebräuche, versäumen keine Predigt und sind dabei doch unwissend im Glauben. Vielleicht drei Vierthcile von sämmtlichen Dogmen, welche sie als direkte gottliche Offenbarung zu glauben hätten, sind ihnen ihrem Wejen nach gänzlich unbekannt! Was über das Ausgehen des heiligen Geistes vom Vater und dem Sohne, was über die verschiedenen Arten der Gnade 4. w. als Dogma festgesetzt worden ist, der Bauer strebt nicht, sich etwas davon zu merken. Die guten Leute beruhigen sich damit, daß die Geistlichen schon wissen würden, was recht sei. Was aber die Bauernreligion", mit dem reinen Katholicismus' verglichen, auf der einen Seite zu w e n i g hat, das bringt sie auf einer anderen Seite gar reichlich wieder ein. Werfen wir z. V. einen Blick auf die Passionsgeschichte, wie sie, (ich in der persönlichen Volksrellgion ba:siellt. Das Leiden Christi ist natürlich allen Bauersleuten bekannt. Man sollte denken, so vieles Leiden, wie es in den Retigionslehren überliefert wird, müßte selbst der rafsmirteiten Grauzamkeit, selbst der rohcsten Phantasie schon czcnug sein. Man sollte denken, der Christ müßte sich mit einer gewissen Peinlichkeit und Angst dem Gedanken verschließen, eine so smnpathischc Erscheinung, wie die Person des Heilandes, hätte noch schrecklicher gelitten. Und 'doch ist es gerade den Frommeren unter den Bauern und Bällerwnen- recht, wenn ihnen von irgend einer Seite noch Gräßlicheres vorgestellt wird. Wir haben hier zunächst das heimliche Leiden Christi im kirnte, welches in den Köpfen der Bauersleute spukt. Christus wurde wohl nach dem Verhör bei Annas und Kaiphas über Nacht nackt an 'eine Säule gebunden, wo er dem ärgsten Frost ausgesetzt wax: Nach ha bekannten Krönung wurde ihm ein Naael durch die Lippen geschlagen : meine Eltern haben selbst ein altes Glasbild r rr " ff 'fl... . cect, wetcyes .yrrirus mir cer Dornenkrone, dem Spottmantel und dem Nagel durch die Lipven darstellt. Mit dem Kreuze ist Christus siebenmal unter den. Stoßen der Schergen niederaesallen. Die Geistlichen," wird gesagt, reden vor .dem Volke nur von einem dreimaligen Fall, weil.daS einsältige Volk nicht soviel fassen könne." Dabei vergißt freilich der 'bäuerische et nt r . c r ' ' r . v ,;.::, ' Heuieyer, oazz er -etgenkttcy aucy zu ven Einfaltigen" geHort und den siebenfachen Fall doch begreifen" könne. 11 (Da habe ich ein merkwürdiges Auchlem bei Bauersleuten aufgegrissen. l Es betitelt sich: Ein schöner und wohl approbirter H. Segen zu .Wasser,, und zu Lande. '!-W ider alle seine Feinde fo ihm begegnen aus allen seinen Wegen und Stegen. I. H. 3. Erstlich Gedruckt zu Prag," ohne Jahreszahl. In diesem Büchlein steht u. St.: Eine schöne Offenbarung, fo Christus denen H. H. Frauen, Elisabeth,

Vngita und Mechtildis mündlich offen. : baret.' Erstlich sprach er: Wisset, liebe Töchter, Ich habe hundert und zwey Maultaschen von den Juden empfangen. 2. Bin Ich von ihnen im Garten 30 mal mit der Faust auf den Mund geschlagen worden. 3. Bin ' Ich- in des Annas Haus siebenmal niedergesunken. (Ver schieden vom siebenfachen Fall mit dem Kreuze.) 4. Hab ich auf das Haupt, Arm und Vrnst 30 Stich einpfangen. 5. Auf den Schultern meines Leibs und Schenkeln habe ich 30 Stich empfangen. 6. ' Bin ich bei dem Haar 30 mal aufgezogen worden 10. Hab ich 0000 Streich in der Geißlung empfangen. I I. In das Haupt babe ich von der dörnern Krön taufend Stich empfangen. 12. An dem Crcuh hab Ich drei tödtliche Dornen-Spitzen, fo durch das Haupt

gegangen, empfangen. 13. nur s mal ins Angesicht gespenet worden. 14. Haben sie mir in meinem ganzen Leib 5475 Wunden gemacht. 10. Blutstropfen, so aus meinem Leib geflossen, seund 30.430." Die Landleutc merken sich allerdings nicht die angeführten Zahlen der Wunden und Schläge und Seufzer u. s. w. Aber der ganze Charakter dieses heimlichen Leidens" welches eine viel rafnnirtere Graufamkeit wiederspiegelt, als das Leiden Christi in den Evangelien, bleibt tief in den Baüerngemüthern stecken. Und wehe dem, der über die alten Bücherf charteren; welche solchen Kram unter die Leute bringen, nur ein Bedenken äußern wollte! Er wäre ein Un glä ub i g e r, ein dem Teufel in die Hand arbcitendcr Feind dir Religion; denn die Landleute machen nicht! die Unterschiede zwischen Dogma, , frommer Meinung, Legende u. f. w., ! welchcZ)!e Theologen machen. Beiden Bauern ist,A ll e s. was sie von solchen ' Legenden und Hellsehereien gehört oder gar gelesen haben, Dogma. Zu diesen Banerndogmen" gehören auch die Marrergeschichtcn der Heiligen, welche ebeusallS in solchen privaten Nachrichten theils mündlicher, theils schriftlicher Art mit raffinirter Grausamkeit erzählt sind, thc'lweisc noch grausamer, als die Leivenszeschichte Christi. : Von deü Legenden gehen wir über zur V e r e h r u n g der Heiligen, die ebenfalls im Volke vielfach anders zu Tage tritt, alS sie in der Kirche gelehrt wird. Es wird den Landleuten von der Kanzel herab gesagt, daß sie die Heiligen nicht a n b e t e n; sondern nur verehren sollen. ; Aber beim Bauer kommt man 'mit solchen logischen Unterscheidungen nicht auf. Und in den verschiedenen Nöthen ruft' der Bauer die einzelnen Heiligen .sogar lieber an, als Gott selber: denn jeder der Heiligen hat sozusagen sein s p t e i e l l e s Fach, m welchem seine Hilfäbercitschaft schon mehrfach erprobt worden ist. ' So wird die heilige Apollonia gegen Zahnschmerzen angerufen, der heilige Aloisins in 'fleischlichen Versuchungen, der heilige Florian gegen Feuerögefahr, dle heiligen Patricius und Leonhardus Segen die Viehseuchen u. s. w. Und es ist auffällig, wie sich die Heiligen in der Wahl ihres Specialgebiercs öfter von ihrem Namensklang leiten lassen ; der heilige Valentin (sprich Fallentin) hilft gegen die fallende Sucht, der heilige Donatus gegen Donner und Blitz, der heilige Augustin (sprich Aug'nschtini) schenkt in der Kirche zu St. Johanns bei Ncunkirchen den Augcnkranken williges Gehör. Wenngleich die Vorstellung vorherrscht, das; die Heiligen ihre Macht, zu helfen, in jedem Falle immer wieder von Gott erbitten müssen, den Bauern :nteressirt doch zunächst nur das, daß der Heilige geholfen habe.. Merkwürdigerweise kehrt sich aber häusig euch der W i h deS frommen Bauern gegen diese Dinge. Es ist, älS wurde der bäuerliche Geist in nüchternen Augenblicken bewußt, in welcher bedenklicher Nähe er sich zur Abgötterei befunden habe. Dieser Bauernwitz hat z. B. folgende Anekdote erfunden: Ja einem Wallfahrtsorte ist einmal der heilige Sebastian, d. h. ,sein Standbild, vom Hochaltar heruntergefallen und in tausend Splitter zerbrochen. Zur größten Verlegenheit des Pfarrers und Meßners waren für den nächsten Tag Wallfahrer angefagt. Was thun? Ein neuer heillger Sebastian war in dieser kurzen Zeit nicht zu bekommen, und die Wallfahrer konnte man doch auch nicht enttauscht abziehen lassen. Weißt was," sagte der Pfarrer zum Meßner, stell du dich hinauf statt deS heiligen Sebastian und halt dich recht ruhig, bis die Andacht vorüber ist." Gut, der Meiner thut's, die Wallfahrer kommen und erweisen dem heiligen Sebastian ihre Verehrung. Aber halt die Weiblein mit ihrem verfllrien Brauch l Kommt richtig eine daher und klebt dem Heiligen ihr brennendes Kerzlein an die Zehe. Und die Andacht will kein Ende nehmen, der Pfarrer dreht sich, nichts ahnend, vor dem Altar hin und wieder, da springt auf einmal der heilige Sebastian herunter und schreit: Der Teufel kann's aushalte!:, ik mein Zehen schon halb verbrennt!" Im Anschluß hieran ist die bäuerische Verehrung geweihter Gegenstände und der Glaube an die Krast gewisser Gebete von Interesse. Wohl i bedient sich Me, Kirche der Sacramenraliett" und Ablasse, um in den Gläubigen den frommen Eifer zu mehren; nie wird aber von der Kirche die religiöse krast in diese Dinge an sich gelegt, sondern stets vorausgesetzt,,, daß erst der M e n s ch mit Geist und Wille das Verdienst sich aneigne zu welchem ihm' durch die geweihten Gegenstände ü f sÄ!nur'W G e l e g e n h e i t i geboten i i st: Aber was kummern sich die Bauern viel um diese Unterscheidungen? ., Da trifft man auf dem Lande ganze sonderbare Dinge: Mmuletsk Breverl"Rellqüienü! s.w., ! t r ' i . ) iteHJ ,i,V n l.r"',,:v welche nur 4um Mittragen bestimmt Und und schon denjenigen, der sie trägt, dadurch vor allerlei Schäden bewahren. Ich habe mit einem Freunde einmal ein geschlossenes Amulet geölsnet; was fand sich darin? Ein lateinisches Gebet allergewöhnlichsten Inhaltes auf einem weißen Papierzettel, dann ein Sammelsurium von Erde, Holzsplittern, Kleiderfäserchen, das Ganze nicht unähnlich i -. , r-, . einem Bruttlee, wie man imi oelm Krämer zu kausen bekommt, nur daß noch ein weißleinenes Kreuzlein und ein BenedictuSpfennig aus der interessanten

Mischung herauSschimmertcn. Solch ein Awulet nun, auf dem bloßen Leibe getragen, ist ein kräftiger Schirm gegen Krankheit und Pestilenz, wie gegen Verzaubcrung und Blitzschlag. Was denkt sich aber der dabei, der's trägt ? Gewiß ist in ihm die abergläubische Scheu vor dem seltsamen Ding größer, als die sitt liche Absicht, mit welcher er, nach der Lehre der Kirche, diesen Gegenstand bei sich fuhren mag. Mir liegt ein Gebetbüchlcin vor, nel ch es ick) bei einer Bauern familie gefünden 'habe) .und welches von dieser Ms angeblich och geweiht" verehrt wird. Darin steht,, neben vielen anderen curiosen Dingen D 'V u ch st a b e n, g e g e n d i c P e st zu trag en. Es bezeuget (??) Herr Franciscus Solerins, Bischof zu Salamania (!), daß im Concilio zu Trient Anno 154 , über zwanzig Bischöse und Ordcnsgcnerälc an der Pest gestor-

ven, da habe der Pitilarch zu Antlochla allen gerathen, folgende Buchstaben, so von dem H. Zacharia, Bischof zu Jerusalem mit ihrer Auslegung und Beschworung (!) hinterlassen , worden,' als ein gewisses Mittel gegen die Pest btt sich zu tragen.' Und als Diö geschehen, da ist kein einziger mehr an der Pest gesterben. Und wann man dieselbigenBuchstaben über eine Thür geschrieben, so seynd alle in seinem Haus wohnende für die Pest bewahrt worden, f N. f D. I. A. f B. I. Z. s S. A. B. j Z. H. G. P. f B. F. N. S." Weiters folgt gar keine Erklärung, und der andächtige Träger dieser Buchstaben kan n nicht einmal wisien, was sie bedeuten. Solche Beifpicle ließen sich noch massenhaft anführen. Auch mit dem Weihwasser wird manchmal in bäuerlichen Kreifen ein Mißbrauch getrieben, der gar nichts mchr mit der kirchlichen Lehre zuthun hat. Eilt weiterer Punkt, der außerhalb der reinen kirchlichen Lehre steht, ist der G e sp en ster g l a n b e, der hierzubcrst üppig entwickelt ist. Für die Kinder wcrden als Schreckmittel der MoMo", der Wauwau, der Mklo mit.seincm Krampul. der böse Wasser-nann, die wüthige Acrscht u. 's. m. benutzt. Aber auch die Alten müssen ihre Schrecknisse für sich habcn. Ihre Anmeldungen" und Irrlichter", ihr Todtevogcl" und ihr nachtwandelnder Nainschinder" sind auch nicht besser, als die Mo-Moö und die WanWanZ der Kinderwelt. Und dieser Gespcnsterglanöe der Alten macht sogar Versuche, sich an den kirchlichen Glauben anzulehnen. Die Geiztlichen würden gerneKdiesen , , Dingen, ein-, gegcntrcten, aber es ist das eine undankbare, meist geradezu unmögliche Ausgabe, da alle Glaubensvorstellungen dieser Bauern ein sestzusammenhängendcs Ganze bilden. Ein ganz charakteristisches Gespenst ist die Xxxt d," welche direct dem Heiden tbum entstammt, eine nächtliche Unholvin, deren besondere Liebhaberei cS ist, sich schlafenden Personen in allerlei furchtbaren Geiialten recht breit und schwer auf die Brust zu setzen und ihnen jene ängstliche Empsindung zu vernrfachcn, die man aitdcrsws den Alp oder das Alpdrücken nennt. Als Schutzmittel gegcil die Trnd dient der Tr u d e nf u ß. Es gibt einen einfachen und einen doppelten; ersterer bildet einen Stern mit fünf, letztner einen sollen mit acht Ecken. Der Trndenfuß niuß mit einem Zug an die etiwand oder sonst in die. Nahe des Bettes gezeichnet werden, dann hat die Trud keine Gewalt über Densettigen, der im Bette schläft. Die männlichen Gespenster sind wahrscheint! ch erst jüngerer Erfindung. Der Trnd scheint indeß schon in alter Zeit ein männlicher Unhold, der Schratt e l, entsprochen zu haben. UcbrigcnS scheint der Volksglaube in der Zulassung solcher Gespenster zn den Mensche n dereinst sehr züchtig gewesen zu fein und den Schratte!" mir bei Männern, die Trud nur yei Frauen geduldet zu haben. In unserer Zeit aber halten sich nicht einmal

die Gespenster mehr an solche Unterschiede. An die Trud" reiht sich die Her", welche aus eigennützigen Gründen ihre Zauberei verübt und nur gelegentlich aus Rache für erfahrene Veleidigung auch einen muthwilligen Schabernack ausfuhrt. Die Heren" sind lauter Frauenzimmer mit Fleisch und Blut, welche aber dem Teufel ihre Seele verschrieben habe; damit er ihnen behilflich sei, den Nutzen der. fremden Habe in unnaturlicher Weise vorwegzunehmen. Zahlreich , sind die Mittel gegen Hexen. Es ist kein Zweifel, daß rolr auch in diesem Herenczlauben ein Nccht der altheidnischcn Mnthologie vor uns haben. Der Name stammt aus dem althochdeutschen Worte hagezissa"' welches wieder mit dem Zeitwort hugian" 'hügen", denken, zusammenhängt und eine Person bezeichnet, die sich auf etwas versteht," d. i. die allerlei Gehe im mit tel kennt. Bei allem Vorschub, welchen in früheren Zeiten einzelne 5 kirchliche Organe dem Hexenglauben geleistet haben (freilich nur ; in der Absicht, die Hexen zu beseitigen) muft hervorgehoben werden, daß kein kirchliches Doma vorhanden ist, welches diesen heidnischen AberglaUben irgendwie .rechtfertigt. In Verbindung mit dem Herenglauben werden natürlich auch dem Teusel eine Menge der merkwürdigsten Dinge zugeschrieben, von denen nichts in den kirchlichen Lehren steht. Neben den b ö f e n Geheimkräften und unnatürlichen Wirkungen deS Satans, sowie nlenfchlicher Gehilfen und Gehilfinnen und der Geister weiß der Volksglauben natürlich auch wieder wo h l tha tige Geheimmittel sich zu Nud zu machen. Man könnte darüber allein ein dickes Buch schreibend Daran re!hQ,sich"eZ gkäDscherVorstellNngeN, die weniger in das Leben , einzreisen z.l V.. daß die O stersuppe besonders gut ist für rissige Hande,wcnn,man dieselben damit wäscht, tf ' ! ' " !' in -t i, ' in ' ' u. f. s. serner ein gutes Stuck naturges schichtlichen Aberglaubens lNattern mit zaübcrkräftlgeMKro Drachen" , s.' ro.). sowie ein Sternenund Wittcrungsaberglaube, und .endlich eine medicinische Verwendung der rothen Schnecke gegen Hühneraugen, des Maulwurfs gegen den Schwund), u. f. f., ganz abgesehen von der Kartenschlagerei, Lotteriel)hilosoxhie und anderen alltaglichen Dingen. Fraqen wir, schließlich noch, in welchem S . : ' .:;' .ÄMii!!

Grade denn der Aberglaube dle Geister der Landleute ergreift. Da ihnen Allen ; schon von Jugend auf diese Wahnvorstellunen beigebracht wurden, ohne daß ihr Geist so leicht in die Lage kommt, sich krästig dagegen zur Wehre zu setzen, so ist, wenn mir ein Vergleich des Geisteslebens , mit einem See gestattet ist, der Grund dieses Sees mitungeschlachten Steinblöcken des Aberglaubens bedeckt. So lange das Wasser dieses Sees hoch steht,, so lange der Bauer sich gesund und wohl fühlt, und ihm nichts fehlt, so lange kommen iene.Vlocke nicht in bedenklicher Weise zum Vorschein ; erst wenn das Wasser sinkt, wenn das Wohlsein und dle Ruhe sammt der damit verbundenen Ueberlcgung verschwindet, dann treten dieselben rn ihrer bizarren Form heraus, und fast jeder Bauer gleist in seiner Ai?gst, neben den ihm vorgeschriedenen Mitteln, auch zu abergläubischen oder wird von abergläubischem Argwohn gegen sich besser besindende Nachbarn gequält, ?Mh- 8F 5Der Aberglaube hat auch eine Menge Gebote. Nach dem letzten Gebetlauten soll man sich nicht mehr vor die Dachz traüfe hinauswagen, denn von dieser Abendstunde an herrschen draußen , die Heren und können Jeden, der ihnen mißliebig ist, über Stock und Stein verschleppen. Das Brot darf man nicht, ohne Hilfe der Hände, blos mit den Zähnen halten und auf diese Art langsam hineinessen: denn der böse Feind setzt sich auf das aus dem Munde hervorragende Ende des Brotstückes, und schon Mancher hat so den Teufel mit verschluckt und ist besessen worden. Den Brotlaib darf man nicht überdrehen, so daß er auf seine gewölbte Seite zu liegen- käme, denn es müßte eine arme Seele dadurch leiden. Das Messer darf man nicht mit der Schneide nach , aufwärts auf den Tisch legen, denn die armen Seelen müßten darauf reiten. Man sieht es allen diesen Geboten und Verboten au, daß sie eigentlich praktische Zwecke verfolgen ! Kleine Ursachen, große Wirkung n. Eine heitere Geschichte von den Wirkungen eines Kiirderspielzeuges, einer kleinen Gießkanne, vcröffentlicht ein Apotheker aus Hechingen in der Hcilbronner Zeitung." Die Sache hat, wenn man der Darstellung des Apothekers glauben darf.wochenlang die Bewohner der guten Stadt Hechingen in Aufregung erhalten. Nach der Erzahlung des Apothekers ist der Sachverhalt knrz folgender... Ein Landrichter in Hechingen geht mit seiner Gattin über den Marktplatz, auf welchem eine Schaar Kinder mit einer kleinen Gießkanne spielt. Hierbei soll der Gattin des Landrichters ein wenig Wasser ins Gesicht gespritzt sein, was der Apotheker übrigens bestreitet. Der Herr Landrichter läuft spornstreichs zum Nathhause und nach kurzer Zeit erscheint bei dem Vater des kleinen Missethäters, unserem Apotheker, der Polizeidieucr und kündigt diesem ohne jegliche Untersuchung eine Ordnungstrafe an. Der Apotheker antwortet mit ötecht, daß er über den Sachvcrhalt erst Erkundiaunaen einziehen müsse.

Daraufhin kommt, wie der Apotheker wörtlich erzählt, der Herr Landrichter an demselben Abend vor 0 Uhr noch einmal an, Haus für Hansj wurde ausgefragt, Leute, isclche bereits geschlossen hatten, wurden hcransgeschellt, aber die Zeu? gen waren rar." Der Apotheker fährt fort wie folgt: Einige Tage war nun Pause, dann wurden Herren vor Gericht geladen, die mit der Sache eigentlich gar nichts zu thnn hatten, sie waren nur bekannt als Stammgäste dieser oder jener Wirthschaft, und matt wollte von ihnen wissen, was im Wirthshaus gesprochen werde, ob meine Ausdrücke alle wohl bedacht, gemessen waren u. f. w." .... Jetzt, kam die Reihe an die Bewohner des Marktplatzes, nacheinander wurden sie vorgeladen im Ganzen lö 20 Zeugen wegen des auf dem Marktplatz stattgehabte groben "Unfugs." Von denMännern war nichts erauszn-; bringen, .heShalb. prooirte, man es iit ; dem zarten Geschlecht. Die Aufregung wuchs, manche Thräne wurde vergossen, eine Iran von 01 Jahren, welche zum erstenmal schworen mußtet alterirte sich so, daß geistliche und ärztliche Hilfe nöthig wurde." Nach der Erklärung des ; Apothekers in der Heilbronner Zcitun7 ist die Sache noch nicht abgeschlossen. Aber selbst wenn der, geärgerte Apotheker in seiner Darstellung etmaseübertricbcn ) haben - sollte. , so 3l schreibt der , ,Ne!chL-1 freund,7 ist die Geschichte mit dem Gießkannchen doch immerhin recht lehrreich. ! ZnrGeschichtedes Schlei-1 ers. Schon im alten germanischen Göt-! terglauben spielte der Schleier ine Nol- j le. Frigga, die Gemahlin Wolan's, auch Fran Fridt Frau Bertha oder Perchta, Frau Holda oder Holle genannt, dachte man sich mit langem weißen Ge- j wand und weißem Schleier, und in norddeutschen Gegenden heißt' es! nochijetzy ! wenn wahrend der ganzen Woche Negenweiter war, daß zu Ende derselben es gut werdet wei l Frau Ho lle ja zum Sonn-! taa ihren , Schlclec trocknen müsse, undi .zwar pflege sie ihn auf Nosensträuche zu Z 2? . rrt r , ! - k m v KM A i . I . k K , yangen, ontt:tt,ic )iucji , viuycu, , vciui Frigga ist ja bekanntlich die Natur, die Göttin des Lebens und der Liebe, sowie! die Hütecm des bäuslichen Glückes und , der Ehe.' . ' Auch als Sinnbild . ehelicher Gütergemeinschaft galt daher bet unseren Vorfahren in alter Zeit der Schleier! Mann und Frau legten Hut und Schleikr auf den Altar nieder, wovon das Sprichwort: Schleier be, Hut und Hut , bei Schleier", stammt, denn diese fymbolische Handlung sollte so viel bedeuten, daß,' falls der eine Ehegenosse früher als, Ker andere sterbe, denselben kinderlos zurücklasse, für diesen Überlebenden dasiri.t'l. 1. 't 1 1 . r. . . s: jt, ':f : w'. . f JLi : . c r : . lqamuwutjtiuyuiH jiu iu uujuyut jus ches verwandeln solle. Zerriß aber in alter Zeit der Mann den Schleier, so bedeutete das so viel daß der Ehebund geI- -ll'r r .- -m -.il'lt ü, -uih, W 1 trennt werden sollte. $m Sonderbar c Zei k einthei ln ng. Sludent: Merkwürdige Idee von unserem Professor, um 7 Uhr Moraens Kolleg zu lesen! Da schläft doch! zedervernünstige Mensch schon!"' " Auch ein Eindruck. .Waren Sie schon in der Kunstausstellung?" .Ja! Da i'st prächtig d'rin! Ich sag' Ihnen, da hangt nur ein Bild so neben dem endern!"

Der Handschuh.

Vor einem halben Jahre war der As, sessor Franz X. nach Berlin berufen won den, weil er vermöge seiner unermüdli, chcn Arbeitskrast und seines büreaukrati, schen TalckUs zu bestimmten Hossnnnge, berechtigte. Borläusiz hatte man ih, als Hilfsarbeiter in den großen Verwal? tungskOrganiSmuS eingereiht, die definitive Anstellung konnte nicht lange auj sich warten lassen. Und das war eS, was der Ehrgeiz des Assessors ertaumte! In der Provinz hatte er vegetirt, in de, Landeshauptstadt saß man an den Qnel lcn, hier lebte man. Als' Beamter i der genußfreudigen Metropole das Da sein auskosten zu dürfen, dünkte ihn dai Ziel aller erstrebenswerthen Wünsche. Denn Herr Franz X. besaß neben feinen sonstigen Vorzügen auch denjenigen, vor. der Welt, wie sie ist, entzückt' zn sein, und die Früchte ant Baume des Lebens verstüttdnißvotten BlickeS zu betrachten. Auf feinem Programm stand mit deutli, chey Letter das alte Horazifchc: earpe äiem! Und er genoß den Tag! Seit mehreren Wochen war dem Älssessor im ..... Theater ein Stern aufgegangen, den er zunächst nur aus gebührendek Entfernung bewunderte, bis es schließt lich feiner verliebten Beharrlichkeit ae lang, über die Arabesken eines persischen Teppichs zu ihr heranzuschreiten, welche die Eigenthümerin deS Salons war, zu Fräulein Margot, und der Dame zu versichern, welch' eine Künstlerin sie sei. Die junge chauspieleriu nahm diese Versicheruug recht kühl auf. Dcr Gentleman, der in )o höflichen Worten redete und den der einschmeichelnde Zug um den Mund so gut kleidete, gesiel ihr trotz allcdem nicht. Sie wuszte selbst rncht, warum. Fräulein Margot zählte sei nesweas zn den ernsthaften Priesterinnen derVesta, ein: Thatsache, die stad:bekannt war, aber nicht Jedermann wußte, daß den leichtgeschürucn Ketten, mit denen die schönste der Göttinnen sie so ost zu umwinden kanl eine niüßige Laune oder ein ans dem Nichts geschöpftes Äorurthell siegreichen Widerstand entgegensetzen konnte. , Als der Assessor mit der schürnchelhaften Versicherung gegangen war, er werde sich ein zweites Mal die Ehre geben, stand Margot lange Zc:t in tiefem Nachdenken. Je länger sie sich die Xisio'gnomie des soeben entschwnttdmcn Cavaliers in'S (Gedächtniß znrückrief, um so gewisser wurde es ihr, dag sie diesen charakteristisch ausgeprägten Zügen schvn einmal im Leben begegnet sein mutzte, und zwar in einer Verbindung, welche dazn gedient hatte, ihre ganze Anthipathie gegen den Träger wachzurufen. Aber wie die Dame auch hin und her sann, ue konnte den Schlüssel nichk sin den, um das richtige Fach in ihrer Erin nerung auszuschließen. Seit diesem Tage erschien der Assessor Franz X. öster in Margot's Salon und immer saß ihm die Schauspielerin gegenüber und zer.nartete ihr Gedächtnis;. Der Jurist war anmaßend genug, um ans der Passivität der Angebeteten, auf ein demnächstiges bedeutendes Avancement feiner kühnen Hoffnungen zn schließen. Das Ideal, welches ihm dabei vorschwebte, war ein Souper, allein mit ihr, ein Souper, weltentrückt und weltocrschwie gen, wo der Klang der Kelchgläser jedes Bedenken einwiegte. So standen die Sachen Franz contra Margot, als die Letztere eines schönen Tages eine merkwürdige Entdeckung machte. Sie war kurz' zuvor von einem kleinen GcbirgsAusflug zurückgekehrt, welchen ihr die Theaterferien gestatteten, und stand nun im Begriff, die Zkeiseutensilicn wieder an Ort und Stelle zu placiren. Bei dieser Beschäftigung siel ihr ein kleines verstaubtes Packet in die Hände, das sie, einer plötzlichen Eingebung folgend, aus den Tiefen des Schubfaches herausnahm, um sich in vergangene Zeiten zur5ckzuverfetzen. Das, Packet enthielt verschiedene Briesschasten und Andenken an ihre vor einigen Jahren in jugendlichem Alter verstorbene Schwester, die sie zärtlich geliebt hatte. Sie loste die Schnur, that die 'Umhüllung fort und betrachtete den vor ihr liegenden Nachlaß mit webmüthigen Blicken. Sie liest einige feilen, sie wendet einige Blätter, da gleitet etwas zwischen ihreFinger eine Photogra-Z phie, die, Pyotographie , eines jungen Mannes. Und in diesem nämlichen Augenblicke stößt Margot einen Schrei aus und starrt, um sich z "Überzeugen, daß sie recht gesehen, fast eine volle Minute auf das Bild. Dasselbe trug die shlgetrossenen Züge des Assessors Franz Der Schlüssel war gefunden. Margots lebensfrohes Gesicht verändert seinen Ausdruck, die Augen sprühen Zorn und Berchtng und hinter den dicht zusammengezogenen Brauen sitzt der Haß.' Einigemale schreitet sie lautlos durch daS Zimmer, dann thut 'sie Photographie, und Packet in den Schubkasten zurück und öffnet ein ; Fenster,' um Kühlung hereinzulassen. . Der Geheimrath A. ist sein Vorgesetzter, der muß die Rache üben !" murmelle sie. Zwei Tage später wurde Herrn Franz T. eine große Freude zu Theil. Fräulein Margot trat aus ihrer Reserve ihm gegenüber heraus sie dar liebenswürdiger und machte ihm zweifelsohne Avancen,' Za auf eine geschickt eingeleitete UnterHandlung in Betreff des sehnsüchtig erwarteten Soupers, reagirte die. zunge. Dame, in , erfreulichster Weise und nach mehreren Präliminarien einigte man sich dahin, das betreffende Abendbrot nächsten Donnerstag einzunehmen. ' Somit sah der Jurist thatsächlich den Himmel offen.' Es war verabredet worden, daß Franz an dem gedachten Termin gegen acht Uhr zu Margot kommen und sie abholen sollte. Und so geschah eö. Der Assessor stieg zur bestimmten .Stunde' in einer Stimmung die Treppenstufen empor, um die ihn die Götter hätten beneiden konnen. , Margot empsinz ihn mit anmu-, ihiger Vertraulichkeit und reichte ihm die Hand, die er an die Lippen führte. - Soeben will die junge Dame ihren Besuch bitten auf einige Minuten Platz zu nehmen, bis sie sich zum Ausgehen fertig gemacht hat, als die Entreeglocke ertönt. Die Zofe kommt ins Zimmer und meldet: .Geheimrath A." Etwas verblüfft endet sich der Assessor zu Margot. .Geheimrath A. ? Der alte Herr mit den grasgrünen Handschuhen und der goldenen Brille?" Die Schauspielerin lä.

chelt: Derselbe! Alle Teufel.mek direkter Vorgesetzter ! In seiner Hand ruht mein Wohl und Wehe! Wenn er mich hier Aber Morset weih Rath.

Trösten Sie sich, ich werde Sie ver schwinden latzen, und zwar m jenen Schrank dort! Er ist geräumig genug. Wenn Sie sich hübsch ruhig verhalten, wird' man Sie nicht entdecken ! Hcrr Z. verliert kein Wort weiter und während der Gehcimrath eintritt, lehnt sich hinter dem flüchtigen Assessor die Schrankthür an. Die Situation ist ja allerdings keine beneidenswerte, aber hier in diezen lebenslustigen Ltäumcn dem alten sittenstrengen Geheimrath zu begegnen, das wäre noch ungemüthlicher! Der alte sit tenstrenge Geheimrath! Franz X. beißt ingrimmig die Zähne zusammen. WaS will denn der eigentlich in diesem lauschigen Boudoir? Diese Frage soll ihm bald beantwortet werden, von seinem Versteck aus 'kann er jedes Wort verstehen, das im Zimmer gesprochen wird. Schon willkommen, mein lieber Rath, Ich schrieb an Sie, weil ich Verlangen trug nach einem geistvollen Dialog. Doch ich bitte jetzt unr Verzeihung, wenn ich nicht fröhlich erscheine, alte Familien ermnerungen tragen d:e Schuld, die mich urplötzlich heimsuchten, als ich von ungefähr auf diefcö Bild stießt Margot nimmt aus . einem Schubfach ihres SchreibtifchcS eine Photographie und hält sie dem alten Herrn hm. Wie?" ruft dieser und rückt seine Brille zurccht, während er den rechten grasgrünen Handschuh auf den Tisch legt, ist das nicbt ? Er sieht erwartungsvoll m Margot's Augen. .Kennen Sie etwa diesen Mann?- frägt die junge Dame mit trefflich gespieltem Erstaunen. Dann würden Sie mich zum Dank verpflichten. wenn Sie mir seinen Namen nennten!" Der Gcheimrath lächelt verbindlich. Es ist ein Hilfsarbeiter von mir, der Assessor Franz X., ein Jurist, der zn den schönsten Hoffnungen berechtigt. Er wurde ns D. hiehcr berufen und wird über kurz oder lang in der Residenz seine feste Anstellung erhalten!" Nun," ruft Margot mit lauter Stimme, so erkläre ich Ihnen, daß Herr X. ein Schurke ist und daß ich ewig Ihre Schuldnerin bleiben werde, wenn Sie dieses Subject wieder in die Provinz zu rückfpediren. Hören Sie ! Ich hatte eine Schwester, die ich innig liebte. Ihr näherte sich ein junger Mann Namens Fritz M., welcher vorczab, Sohn des reichen Fabrikbesitzers M. zu sein. Unter Heitathsversprcchungkn bethorte er daö arglose Herz. Nachycr verlie er die Stadt, ohne irgendein Lebenszeichen von sich zu geben. Angestellte Recherchen ergaben, daß der reiche Fabrikbesitzer M. gar kcinen Sohn besitzt, meine Schwester hatte einem Elenden vertraut. Sie kannte, fand ich nebst den gravirenden Briefschaften in ihrem Nachlaß!" Der alte Beamte runzelte die Stirn. ES ist mir lieb, daß sie so aufrichtig waren. Ihr Wunsch soll erfüllt werden. DerSlssessor gcöt in die Provinz zurück, ich werde ihm jeinrn Lebensplan zerstören!" Margot springt auf. Sie nähert sich ihrem Gast, und mit ihrer weitsten Stimme spricht sie flüsternd, doch 'laut genug, um jenseits der Schrankthür verstanden zp werden: Diesen Abend möchte ich bei Dresscl zu Zwuensou pircn. Sie bestürmen mich schon lange, mein Freund, heut gebe, ich nach!" Entzückt küßt der Geheimrath die kleine Saud. Jeht gleich?" Sofort!" Fn zwei Mu,ntcn ist die Schauspielerin mit dem glücklichen Gast verschwunden. Halbohnmächtig vor Wuth und Scham über die moralische Niederlage, die ihm Margot absichtlich bereitet, verlaßt dex Asseljor den Schrank. Er taumelte Lurchs Zimmer bei der spöttisch lächelnden Zofe vorüber bis an die Thür. .Herr Assessor. Sie haben Ihren Handschuh vergesfcn!" Erfühlt etwas weiches, in ftincr Hand, und stürzt pie, ein Nachtwandler die Treppen herab. Am folgenden Tage sah der Assessor Franz X. sehr vortheilhaft aus. Seine Augen leuchteten und sein ganzes Gesicht trug den Stempel siczesgewizscr Zuoer.sichl. Gegen 12 Uhr trat der KanzleiDiener Müller an seinen Tisch und mclbete; daß der Herr Geheimrath ih,l um zehend zu sprechen nünschte., , Der Affcskor erhebt sich, er legt die Feder weg und bürstet .seinen Schnurrbart um ; noch einige Linien kecker. Er durchschreitet iro große -Säle und klopft an e'.ne Zchur;. Jlk der nächsten Secunde steht er vor dem Gestrengen. Dieser Idyat nachlässig an einem clezantkn Pult und wirft auf den Ekntrctrnden ritten gemcfsenen Blick. Jeder Zoll zeizt die kalte, nüchterne Höflichkeit , des hohen Beamten. Uknxm Sie Plah, Herr Assessor. ich bitte ! ie sind keht'ungesähö'citt halbes Iqhr. zn meinem Nessort; Ich habe Jbre,.,,,Arbeitcn. sorgfällig gcplüjt und halte es für meine Pflicht, 'Ihnen iL"I" 'V .7 ' '( . mitzutheilen " kf' Franz macht eine Weneg:u!J. Eincn Augenblick, Herr Gcheimraty, vok: demDeicbaflZichen eine kleine Privatsache! , Gstatten Sie. daß ich Ihnen dikö üöerrkiche!" Das Gesicht des alten Herrn verliert mit einmal jeden Ausdruck. Sprachlos starrt er den Assessor an, der ihm mit liebenswürdigster Miene kntaegenlächelt. Endlich findet er Worte. .Wo wo fanden Sie dies?" .Viel kann ich darüber nicht sagen, die TiScretion gehört zu meinen vornehmsten Tuenden. Ich fand eS auf einem persijchen Teppich in einem vierftastrigen Salon und ich nahm e .mit, rseil ich glaubte, da es daß es dort nicht hingehörte! Darf ich nun bitten, Herr Gehcimrath, , daß Sie Ihre Mittheilung 7,!, "I t'ff'.-'.'Kj.t, if?JJ ..,, :r ,kn zortzchen? 'Äle sprachen von mei ! 'i - ' m 'w n.i. i " ä . I nen Arvctten . , Der alte Herr setzt sich. , er ist sehr erchopst.' wem m aus den Lippen eneö jungen Mannes, der von sich selbst aate. da er discret sei. Endlich dran. sen sich lMmt folgende Worte aus der r ' ct rc ..'i.... :'':': ... zeeyie: ?re roelirn raoen miaj zu der Ueberzeugung geführt daß Sie ein außerordentlich befähigter Beamter sind. In spätestens vier Wochen rsird Ihre definitire Anstellung erfolgen!" Der Assessor Franz X. Verbeugte sich tief und verlaßt das Gemach. Ein rasgrüner Handschuh hatte sein Glück besieaelt.

überlebte ihre Schande nicht, sie gab sich selbst den Tod. Aber die Photographie ihres Verführers, den ich pcriönlich nickt

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