Indiana Tribüne, Volume 12, Number 352, Indianapolis, Marion County, 8 September 1889 — Page 3
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Viola.
C&l woSuntl LebenZbiZÄ, kni nach btat Schwedisch:? ro Vmil JsnaS. (2. Fortsetzung.) Unterdessen, stand Frauleln Sophie drüben im Salon, Mit -der Anordnung der Mittagstafel beschäftigt, und bielt dabei folgendes Selbstgespräch : Auä; eine neue Crsindung, hier .den Tisch zu decken. So! Hier machen sich die jchö nen Vasen am besten wundervolles Porzellan! Und das Silbergeschirr ist wirklich kostbar. Ja. reiche Leute!" Hier machte sie eine Pause, übersah zufrieden! Blicks ihr Werk und kicherte dann vor sich hin. Herr Gott, was ist die Frau doch für eine dumme Person! Nein, da ist doch die alte gnädige Frau ganz anders, viel befjerl Sie kann wenigstens sprechen und antworten, wie ein Auch, und gibt Trinkgelder. Und nun erst der Herr! Ja, das ist ein Mann! So schön, so nobel und vornehm, und so liebenswürdig so, daß daß man ihn gleich aufessen mochte vor Liebe." Und wieder kicherte sie. Und die besten tzZläfer ebenfalls," fuhr sie fort, indem sie dieselben hervorholte, krystallgeschliffene! versteht sich, nun das thut nichts wenn es zu Ehren der rau Rektorin ist! So, mm fehlt uur noch Brod, Butter und Käse. Da, jetzt ist Alles fertig. Jetzt können sie kommen, nun. ich glaube, da sind sie schon der schöne Herr mit mit seiner unpassenden Frau!" Sie trat bei Seite. Oswald und Viola kamen herein. Nachdem der Hausherr das Arrangement des Tisches mit einem zufriedenen Blicke überflogen hatte, begann er eilig, die verschiedenen Geschenke auf dem Ehrenplatze der kleinen Tafel, dem Sitze einer Mutter, auszubreiten und zu ordnen, die prachtig duftenden BouquetS stellte er in die Vasen. Viola schaute stumm zu. Habe ich Alles gut gemacht, gnädiger Herr?" fragte das Mädchen geziert. Sehr gut, Sophie!" lobte der BankDirektor. Nun machen Sie aber schnell v.n bitten Sie meine Mama, zu uns herüberzukommen." - Sophie machte ihren zrerlichsu Knir und schlüpfte hinaus, die gnädige" Frau Rektorin, den hochgeehrte Gast des Hanfes, herbeizuholen. Die Rektorin Biedermann war vor ungefähr einem Jahre Wittwe geworden und wenige Wochen darauf aus der mittleren norddeutschen Stadt, wo ihr Gatte länger als ein Menschenalter gelehrt und Gewirke hatte, in das Haus ihres einzigen Sohnes, des Vankdirectois in der deutschen Neichshauptstadt, übergesiedelt, wo sie bald eine Alles beherrschende Macht und verhängnißoollen Einfluß ausüben sollte. Sie war eine große, hagere Frau, fast so hochgewachsen, wie ihr Sohn, der aber sonst im Aeußeren wenig Ähnlichkeit mit ier Mutter zeigte. Die Augen allerdmgs waren dieselben blaßgrauen, kalien, stahlharten j nur daß die ihrigen die Eigenthümlich kett hatten, unter den halbgesenkten Lidern hervor gleichsam von unten nach oben zu schauen. Ihr Gesicht war lang und schmal, und die vervortretenden Backenknochen sowie die starkgebogene, Nase und die schmalen Lippen des Mundes gaben ihm etwas RauboogelartigeS. Ihr Haar war grau, und sie trug es in großen Puffen um die hohe Stirn. Die Stimme tönte sonor, konnte aber, wenn sie es für nöthig erachtete, in Molltönen erklungen. Das war die Frau, die, m hellgraue, raschelnde Seide gekleidet, jetzt gravitätisch über die Schwelle des Salons schritt. Guten Morgen, Kinder!" rief sie -aus, indem sie näher trat und ihrem Sehn die Stirn zum Kuß bot, wahrend sie Viola die Hand entgegeureichte. Vloka berüyrte dieselbe nur flüchtig, guten Morgen" flüsternd, obgleich ihr Gatte ihr schon mehrmals bedeutet hatte, daß es ihre ehrenvolle Pflicht sei, die so gnädig dargereichte Hand zu küssen. Auch traf sie jetzt dafür ein strafender Blick aus Oswalds Augen. Jch fürchte, heute etwas länger als geniöhiüich geschlafen zu haben," fuhr die 3tcktoriir fort, sich anscheinend hochüberrascht umschauend, aber was bedeutet denn das? Was will die Pracht hier sagen?" Oswald küßte ihr feierlich die Hand. Das will sagen, liebste Mama, daß Deine Kinder Dir aus innigem, warmem Herzen zu Deinem Geburtstage gratulireu," sprach er in pathetisch bewegtem Tone. Ein Tag, welcher mrr in diesem Jahre doppelt theuer ist, wo ich zum erfieri Male das Glück das schmerzliche Glück," verbesserte er sich, habe, ihn an meinem eigenen Heerde feiernzu können. Möge Gott meine verehrte Mutter fegneu,' und möge es U!rsvergonnt sein, ihr das neue Heun, nach dem fchmerzlichen Werluft, den sie erlitten, so einladend und lieb zu macheu, daß sie ohne allzu große Entbehrung au das alte denfen könne!" Die Äteoe war vortrefflich mit Gefühl vorgetragen und übte ihre Wirkung. Die Rektorin führte ihr gesticktes parfümkrteS Taschentuch an die Äugen und umarmte gerührt ihren Sohn. Da?, mein Sohn, Dank!" sagte sie in ihren weichsten, bewegten , Tonen. Ietzt, wie immer, bereitest Du mir nur Freude. Du bist mein Stolz!;, Aber welch entzückende Blumen! und welch prächtige Handschuhe, deren ich fchr wohl bedarf wie immer triffst Du das Nichtige. Ach und mein Lieblingsparfüm! Nein, nein, das ist gar zu viel. 4- Und hier, dieser " wundervolle - Shawl, wie reizend gestickt von .Deiner Hand, Biola?" ;; . ' a ' ' Viola antwortete nicht. Du hast Dir diese Mühe gemacht, liebes Kind?" fragte die V!ektoriü wjeder, .sprich doch, darf; ich mich, darüber freuen, in Werk Deiner knüstfertigeu Hand zu besitze,?" - Wieder traf ein strenger? auffordernder Blick aus Oswalds Augen die junge 8 1 "' ! - " rau. j ;. " ' . i-m-u Was sollte ja sagen? Lügen konnte -sie nicht, und hier am! allerwenigsten. Sie schwieg dHe? und senkte deä Dlick n ' 4 ' ""' ' ä '' ' , zu Boden. , $t$rj .Viola ist zu schüchtern und bescheiden, " Mama," beeilt: er sich, einzuwerfen, "' " ! " "' ' '"' - i ' ' : '
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.der Shawl ist von ihrer Hand gestickt. Meine kleine Frau ist glücklich darüber, Dir dieses schwache Zeichen ihrer Ergebenheit und Verehrung darbringen zu können." Ein Blick der blaßarauen Augen unker den Lidern hervor streifte die junge Frau, dann wandte sich die Mama voll Entzücken wieder dem Shawl zu. .Wie danke ich Dir für dieses Geschenk, liebste Viola!" rief sie, .ach, wie so weich und leicht er ist! Hilf mir, ihn umzulegen, Viola!" Mechanisch und mit unbewegtem Gesicht kam die junge Frau dieser Ausforderung nach, wobei sie es nicht veryindern konnte, daß die Schmiegermutter leicht ihr kastanienbraunes Haar mit den Lippen streifte. . Nein, K inder, Ihr verzicht mich wirklich beide ja, Ihr alle beide!" sagte die Rektorin, indem sie sich lächelnd, mit dem weißen Shawl drapirt, im Sopha niederließ. Schnell war der Sohn an ihrer Seite. fAls ob irgend etwas gut genug wäre für meine liebe Maina!" Er künte ihr zärtlich die Hand, welche die seinige festhielt. Vkola," sagte er darauf, bitte, schelle nach Sophie!" Viola that, wie ibr geheißen. Dem stink eintretenden Mädchen befahl der Hausherr, daß das Mittagsmahl pünktlich in einer Stunde aufgetragen werde.' lind heute wollen wir zur Feier dieses schönen Tages ein paar Flaschen son dem alten köstlichen Madeira trinken, den ich unten im Keller habe," setzte der junge Bankdircctor hinzu. Wie Ihr mich ehrt! Wie Ihr mich ehrt!" flüsterte die alte Frau weich. Dann wandte sie sich plötzlich an Viola: .Wo ist Kurt?" .Kurt ist ein wenig mit Marie ausgcgangen." In diesem Wetter? Ei, ei, wie unbesonnen. Bei einer Temperatur unter Null Grad dürfte der Kleine überhaupt nicht der freien Luft ausgesetzt werden !" Als ich so alt war, w:e Kurt, lief ich schon auf dem Eise herum und baute mir? Schneemanner," schaltete. Oswald lachend ein. Ja, Du, .mein Sohn!" sagte die Rektorin würdevoll, .Du warst auch ein starkes und gesundes Kind ! " O, Kurt ist ebenfalls gesund, wenn er auch ein wenig zart ist!" vertheidigte die junge Mutter den Liebling ihres Herzens. Und er ist immer so glücklich, wenn ergspazieren gehen darf!" Die a!te Frauszhustete. Jmmer dieser Widerspruch!" murmelte sie, dann wandte sie sich ihrem Sohne zu. Daß wir am Dienstag zu Holenbergs zum Diner geladen sind, weißt Du doch?" sagte sie. .Natürlich werden wir Alle Drei erscheinen." Ich nicht!" sagte Viola kurz. Und weshalb nicht?" Dn willst nicht mitkommen?" fragte die Rektorin, verwundert die Augen brauen hochziehend, .und aus welchem Grunde, wenn man fragen darf?" Wl ich große Gesellschaften nicht, liebe, und außerdem will ich Kurt nicht verlassen." Die Rektorin lachte. .Niemand kann in höherem Grade Deine rührende Liebe für.Dein Heim bewundern, als ich, liebe Viola," sate sie spöttisch, oder viel--' mehr für die Kinderstube! Aber, mein' liebes Kind, man hat mehr als eine' Pflicht im Leben zu erfüllen, und man muß vor allen Dingen an die Schicklichkeit denken." .An die Schicklickkeit?" fragte Viola. Ja, es schickt sich. nichts daß Oswald stch so ost ohne Frau' zeigt." Richt? Violas Stimme klang bitter und schneidend. Nein, nein, Mama hat Recht!" siel der junge Mann rasch ein. ES schickt sich wirklich nicht, und es ist mir höchst peinlich und unangenehm, so oft als unverheirathet zu gelten nnd den Zudringlichkeiten koketter Schönen ausgesetzt zu sein." Jn der That?" sackte Viola, indem ihre Lippe zuckte. Sie mußte an die üppige Dame in dem verführerischen Kostüm, an Omphale" denken! Ja, und deshalb wirst Du am Dienstag uns begleiten," entschied Oswald. Viola senkte den Kopf, die finstere Falte zwischen ihren Augen erschien wieder. Und außerdem ist es nützlich für eine junge Frau, ein wenig ins Leben hinauszukommen," setzte dieRektorin hinzu. .Glückliche Zeit! Du weißt, Oswald, daß ich Dir nie ein passendes Vergnügen versagt habe." .Ich weiß, daß meine Mama stets die klügste und nachsichtigste der Mütter gewesen ist!" Wieder küßte er ihr die magere, weiße, mit Ringen bedeckte Hand. Dn-ziehst natürlich ein hellfarbenes Kleid zu dem Diner an, Viola " wandte
sie sich wieder an die Schwiegertochter, das Trauerjahr um Deinen theuren, unvergeßlichen Schwiegervater ist ja vorüber." .Ich trage nie wieder eine andere Farbe, als schwarz," entgegnete Viola. Das ist wahr," meinte Oswald, schon seit Kurts Geburt, das will also sagen, seit drei Jahren, hat Viola die Nonne gespielt und zwar gegen meinen Willen, das muß ich gestzhen. Mir ge fallen nun einmal nur Frauen nd Frauentoilctten mitChkc". Nimm Dir ein Beispiel an Deiner Schwiegermama. Mit welchem Geschmack und welcher Eleganz ist sie doch wieder gekleidet! Sie beschämt wirklich jetzt noch die, jüngsten Frauen." v t . . . ', . .' ' . .Schmeichler!" sagte dir Nectorin lächelnd, ihm mit der Hand, liebkosend durch deu schonen blonden Vollbart streichend. . tf . ., 4 r .Also, Viola, erspare uns .noch hezrte. diesen düsteren Anblick Deiner kleinen Verson. Zur Feler, des Tages - kleide Dichum!" .Ich bin -in die für mich passendste Farbe gekleidet," . antwortete die junge, Frau mit ruhigem, festen , Tone, auch ist schwarz am billigsten.", . 7 r Ihr Gälte lachtet die Rectorin fand es aber für gut, , abzulenken. ' ; Z ''' .Eine kleine Laune! . sagte sie geringschätzig, aber Launen pflegen vorüberzugehen. ' v Jedenfalls werde ich ,: zum Dienstag für eine passende Toilette DeiiHl; : ; lliS: i-H ifii!'? '!' ;-:,::';;;i"P? !i 1 ., '' i' . - (j , , , -.'. jjjji: j;-:-v 'MZ ' , . . .- v.; ! 'aijSii ü,,,!,,?.,,,
ner Frau sorgen, mein Sohn ; und dann werden wir ja weiter sehen. Dein hellblauseidenes Hochzeitskleid übrigens, Viola, ist noch ,so neu und frisch, wie am HochzeitSmorgen " .Gibt es wohl in der Welt so etwas Kluges und Umsichtsvolles, als meine, liebe Mama ! Das Schicksal ßat es gut mit Dir gemeint, Viola dag eS Dir einen solchen Mann und ne solche zweite Mutter geschenkt hat," lachte Oswald. In diesem Augenblicke borte man ein polterndes Geräusch vor der Thür zum äußeren Zimmer. Diese flog auf, und herein über die Schwelle stolpernd flog in halbwüchsiger Junge, augenscheinlich der Laufbursche aus einem Geschäft, der eine große, wunderschön gearbeitete Vase auf dem Kopfe trug, welche zweifellos dabei in tausend Stucke zerschellt wäre, wenn sie nicht der HinterHerkommende, ein kleiner, alter, wunderlich bewegliche? Herr, geschickt aufgefangen und im kritischen Moment vor dem Untergang gerettethätte. Onkel Malte!" rief Viola freudig bewegt mit halblauter Stimme, von ihrem Sitze ausspringend. Ihr Gatte erhob sich viel langsamer unv bedächtiger, während die Rektorin wie eine thrsuende Majestät auf dem Sopha sitzen blieb. Halloh,, Junge, stehe fest auf Deinen Beinen!" rief der Eintretende mit einer hochliegenden, tönenden Stimme, Du bist noch ein viel zu kleiner Geschäftsmann, um jetzt schon auf die Nase zu fallen. Guten Morgen, meine Herrschaften, guten Moraen!" wandte er sich jetzt zu den Anwesenden. t Rasch nahm er darauf dem Burschen die Vase ab, setzte sie auf einen kleinen Nebentisch, legte ein Veilchenbouquct von riesigen Dimensionen, das er in der Hand trug, und mehrere Packete, sowie ein Buch in prachtvollem Einbande, die er aus seinen Taschen zu Tage forderte, dazu und drehte sich wieder dem kleinen Vafenträger zu. Wie viel bekommst Du nun für den Weg?" fragte er.Fünfzig Pfennig !" sagte der Junge. Fünfzig Pfennig ? Weißt Dn auch, mein Sohn, was fünfzig Pfennig bedeuten?" O ja. Das bedeutet ein rundes Geldstück, auf der einen Seite mit dem Reichsadler, auf der anderen die Zahl fünfzig", war die prompte Antwort. Der kleine alte err lachte. ,,Falsch, mein Junge!" erwiederte er. Ich will Dir sage, was fünfzig Pfennig zu bedeuten haben pro prima, ein ordentliches Frühstück pro seounäo, ein or? dentliches Mittagsessen, und da es in der Bibel .zsteht, daß man sein Brod im Schweiße feines Angesichts essen soll, so verbietet mir mein Gewissen, Dir sowohl Frühstück als MittaZbrod für eine Arbeit zu geben, welche auch nicht eine Ahnung von Schweißtropfen auf Deinem Angesicht hervorgerufen hat. Der Junge sah ihn einen Augeüblick' verblüfft an, dann entgegnete er nafeweis: Aber nicht Jeder kann die Vase so schön balanciren!" Und dabei zu Falle kommen, das ist wahr. Na gut, hier hast Du fünfundzwanzig Pfennig für Deine Mühewaltung. Bist Du nun zufrieden?" Nem, damit hin ich nicht zufrieden. Für fünfundzwanzig Pfennig können Sie stch allein die Vase auf dem Kopse tragen!" , repllcirte keck der Junge. Das ist schön, mein Bursche," kicherte der alte Herr, mm, das ist wirklich schön! Du wirst mit der Zeit ein großer Manu werden, denn große Manner sind niemals zufrieden.' . So, hier hast Du dein unbiblifch verdientes Fünfzigpfennigstück. Und da ist auch noch ein blanker Nickel extra für Deine gediegenen Antworten. Nun aber packe Dich. Marsch!" und mit einem Schwünge der Hand praktizirte er den grinsurden Jungen vor die Thüre. Und jetzt komme ich erst dazu, Sie recht zu begrüßen. Ergebener Diener, meine Herrschaften!" sackte der originelle Ankömmling mit tir ttefen, beinahe zn tiefen Verbeugung. Onkel statte, reets der pensionirte Königliche Kassen-Nendant Konstantin Malte, war un kleiner Herr von fünfzig bis sechzig Jahren, so genau konnte man das Alter bei ihm nicht tariren. Sein mageres, glatt rasirtes Gesicht war von einer fast rosigen Frische überzogen, die Züge desselben waren außerordentlich beweglich und ausdrucksvoll; unzählige feine Faltchen spielten ihm um Mund und Angen. Diese letztereu waren aber das Merkwürdigste in dem kleinen beweglichen Gesicht. Hellbraun und nicht gerade sehr groß, besaßen sie doch ein außerordentliches Leben und ein, intensives Feuer, welches sich so verschärfen könnte, daß er Einem, den er fest mit dem Blicke faßte, bis in das Innerste seines Herzens zu dringen schien. Sein Haar war schneeweiß und erhöhte noch die fondcröarenKontraste seiner äußeren Erscheinung, er trug es bürstenförmig emporgekämmt über der klugen Stirn. 'Seine Bewegungen waren rasch und jugendlich. , ' , Onkel Malte!" sagte Viola, ihm herzlich beide Hände hinreichend. . Er küßte jie auf die Stirn. , s i Die Rektorin im Sopha nahm eine äußerst verbiikdliche Miene an und sprach im Mollton: - Daß SZe, Herr Ncndant, sich meines Geburtstages erinnern würden, ist mehr, als ich erwarten durfte!" j - j Der Renoamt sah sie mit zwinkernden Augen an, verbeugte sich feierlich und erwiederte:.,.--,7,'-: . , ', , . ". Aber wie können Sie mich so verkennen, Frau , Rektorin! !Äei einer 'Frau, wie Sie sind, rechnet man nicht nach Iahren, , sondern nach , Jahrhunderten!, Nein, cö ist ,, eine, .viel anspruchslosere Blume, ejn armes kleines Veilchen , x , das ist V tola,;. wie Sie wissen der ich hiermit meine Huldigung ; erbiete, wenn sie dieselbe annehmen will.,!, , , ;- Die Anwesenden sahen überrascht auf. Mutter :;7ttstVi Sohn wechselten I einen raschen, , verständnißvollen Blick, Viola aber schlang iir freudiger Rührung ihre ArmeMn,,ben neinen?Herrn.nd,,Uü sterte ' tm,.,i. 11 -i1-.!--" vewegt: , , n,:. , , ; ,; Lieber, guter Onkel!" ! ,'. n : '; ,, Er küßte ste auf Stirn und Wangen. ,GojtKMeDlch!Ä er mit weicher Stimmt Und mögen -t. ,,, ' (lt , ,f . . . , '!!,..::
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feit nächsten vierundzwamig Jahre DereS Lebens weniger prüfungSooll sein, sXi die vergangenen, daS ist' mein Wunsch!" Die Rektorin erhob sich. Ist Violas Geburtstag auch heute?" fragte sie mit süßsaurer Miene. Ja," erwiederte der Nendanr, da Schicksal hat mitunter wunderliche Launen: Zwei Frauen, die im Uebrigen so wenig, so gar nichts mit einander gemein haben denn was sind Sie, Frau Rektorin, für eine Frau gegen meine arme kleine Viola haben denselben Geburtstag, 's ist wunderlich, und ich glaube, der liebe Gott muß sich da geirrt haben." Sie hielt es unter ibrer Würde, darauf zu antworten, sondern wandte sich zu ihrem Sohne: .Das hättest Du mir doch mittheilen sollen, Oswald!" Dieser zuckte die ölchseln. Es thut mir leid", sagte er mit einem Anflug von Verlegenheit, aber ich habe wirklich ganz vergessen " Daß Du eine Frau hast!" siel Onkel Malte scharfein, indem er dem jungen Bankdirektov voll in die Augen sah, so daß dieser dieselben doch senken mußte. Ja, ja, das geschieht wohl bisweilen." Inzwischen war die Rektorin gravitätisch ,n ihrem raschelnden Seidenkleide herangetreten, hatte eine der Vasen mit den Nosenbouquets vom Mitteltisch genommen und sie zu Violas , übrigen Geschenken, die der örendant mitgebracht, auf das Seitentischchen gestellt. Erlaube mir, liebes Kind," sagte sie so sanft wie nur möglich, zu ihrer Schmiegertochter, daß ich Dich au daö Herzlichste beglückwünsche. In meinem und Oswalds Namen nimm diese kleine Gabe an, der Werth derselben beruht in den Gefühlen, mit welchen sie dargebracht wird." O, um Alles in der Welt, Frau Rektorin!" rief der Nendant, was thun Sie mit hrem ausgeprägten Sinn für
Schönheit und Harmorne? Ihre Vase paßt nicht zu dieser hier, sehen Sie denn nicht, daß sie- unharmonisch wirkt?" Und ohne Weiteres nahm er die Vase mit dem Rofenbouquet und stellte ste auf den Mitteltisch zurück. Die Rektorin fah ans wie eine erzürnte Gottheit, sie biß si aber auf die schmalen Lippen und erwiderte nichts. Sie rauschte auf ihren Sophasitz zurück. Inzwischen war auch Oswald näher getreten, hatte ViolaS Hand, die kalt in der seinen ruhte, ergriffen und sagte: Mein Vergessen thut mir wirklich aufrichtig leid, Viola, aber es ist doch beinahe verzeihlich. Siehst Du, wenn man seit Jahren Ja, gewiß, gewiß!" siel der Rendant im überzeugungsvollsten Tone ein, das verbessert die Sache bedeutend." Und im Ganlen genommen," fuhr Oswald fort, gehört auch die Feier der Namens- und Geburtstage nur der Kindheit an." ' Sehr wahr gesagt. Und das will heilen, daß :D Deine Mama wieder auf's Neue als Kind betrachtest!" rief der,Ne,üant mit einem Blicke auf den reich mit Geschenken geladenen Platz der Rektorin. : ' , Oswald wurde ein wenig ärgerlich. -O, ras ist etwas ganz Anderes!" meinte er. . Meiner Mutter zn huldijte, ist eine liebe alte Gewohnheit, der rch immer treu bleiben werde. Indessen, liebe Viola, gebe ich Dir die Erlaubniß,. Dir bei Gersott die schönste Promenadentoilette, welche Du dort finden kannst, auszusuchen, obwohl Dn eigentlich Strafe anstatt der Belohnung verdientest, weil Du mir Deinen Geburtstag verschwiegest, trotzdem Dir doch bekannt sein mußte, wie vergeßlich ich in solchen Sachen bin." Die Wunde, die man geschlagen, mutz ziemlich groß sein wenn sie mit so und so viel Ellen Seidenstoff zugedeckt wird!" warf der Nendant ein. Verzeihen Sie, lieber Onkel, was sagen Sie da? Ich verstehe nicht" entgegnete der junge Hausherr. O, nichts, nichts; ich machte da nur eine kleine chirurgische Bemerkung." Sophie erschien und trug die Suppe auf. Noch ein Couvcrt, Sophie!" befahl die Nectorin, der Herr Nendant Aiebt uns doch wohl die Ehre, uuser geschätzter Mittagsgast zu sein?" Onkel Malte wollte ablehnen, aber ein bittend auf ihn gerichteter Blick Violas hieß' ihm bleiben. Setzen Sie die-Kasfeemafchine hierher. Sophie! Mein Sohn liebt es, gleich nach Tisch ein Täßchen starken Mocca zu trinken, und Niemand darf ihm denselben bereiten, als meine Hand!" wandte sich die alte Dame an deii Rendanten. .Hm, rührende Mutterliebe!" begnügte sich dieser zu erwiedern. Viola hatte für den alten Herrn einen Stuhl herbeigeholt. Nein, nein," wehrte Oswald ab, .Onkel Malte muß auf dem Ehrenplatze, auf dem Sopha neben Mama sitzen!" .Danke, danke!" meinte der Rendant. Aber ich fürchte, daß es mir zu warm dort wird. Ich lasse mich lieber hier neben der Kafseemaschine nieder; sie siedet, aber sie siedet nicht über! Das ist es gerade", fetzteer, sich die Hände reibend hinzu, was den Unterschied so, groß macht" 1 .Welchen Unterschied " fragte die Rektorin, unter den gesenkten Lidern emporfchaucnd. ,. , ' ' teC" kci .39; 0. it ineV - öemBnlidS KaffeeVlfH!neund'd!esun , Patentirten Kasfeekocher,' meine, ich. ' - Ich habe eine solche zu Hause, die mich' fast täglich der Gefahr des Verbrenneus', bei lebendigem Leibe aussetzt ' Danke,, danke, liebe Viola, fülle mix den Teller nur halb! JH fürchte, die KuppM, in ,d iescm vonresflichen .Hause gekocht wird,' ist zu stark für meinen ganz gewöhnlichen Ma? fipn " ' " ' ' '" "' ,t i,! ,' ; , 1 :- : ': U" ' ' :' iCiJJ' ' ,f i - ' VDiScel tonii, sah it.rdir unten nach oben an. ,, Ich , habe in der That stets auf einen, guten und kräftigen Tisch ge-' r ii' K u r , '9 '" -, :,!., .1 ji- ,. j halten," sagte ue. -f :z:r ' . .:; Uebrigens, Onkel!" rief Oswald, seine .Suppe löffelnd,' ,Sie äußerten vorhin in Jbrem Glückwunsch an Violas daß Sie hojjte, die kommenden Jahe würden weniger prüfunasvoll für ste em, als die vergangenen. Was wollten Sie 'V4i0km?" - -. ' iiiV' ":i;Ml"Ü-i1 -,; ( i,?TT :;ri;l'f i ! j iju!1 j:ii:i:i;ii!ihij;;r: t!.!;;;.'i i"i L-fi'.' 1 li' !.: i !".'.'.: : V '?!s!S'i,l!::jH:iii,?l,1:l,":'i-"l iSrt'iS tStf
Onkel Malte lehnte sich in felnem Stuhle zurück und zwinkerte den Fragenden an, dann sagte er: Zu einer solchen Aeußerung glaube ich wohl berechtigt zu sein. - Ich für meinen Theil kann mir wenigstens keine größere Prüfung denken, als verheirathet zu fein!" Oswald lachte. Ja, Sie, Onkel!" sagte er, daö ist auch etwas Anderes!" Nun, und welche Meinung soll matt denn äußern, wenn nickt seine eigene?" Sie dürften allerdings in dieser Sache keine Meinung haben, Herr Rendant!" bemerkte die Nectorin in ihrem sonorsten Tone. Erlauben Sie," entgegnete dieser, wenn sich zum Beispiel die Familie vermehrt, wie t)ier dabei sirirte r mit seinem durchdringenden Blicke der Rectorin, die aber in diesem Moment die Äratenschüssel aus Sophies Hand empsing und nicht Zeit hatte, aufzusehen. Wir haben ja nur ein Kind," warf Oswald ein, indem er eine Flasche des berühmten Madeira entkorkte und die Gläser füllte. Ach ja, das ist wahr!" rief Onkel Malte, ich dachte, während ich spreche, immer an Neumann, Deinen Buchhalter, der ihrer zehn hat. Aber mitunter kann eine Vermehrung auch ebensogut für zehn zählen. Oder wie meinen Sie, verehrte Frau Rektorin?" wandte er sich in ausgesucht höflichem Tone nach dem Sopha. Die also Apostrophirte warf die gelbseidenen Bänder ihrer Haube zurück und sagte: Die Warme aus dem Kamin ist wirklich peinlich! Bitte, Viola, stelle mir doch den Ofenschirm vor." Viola gehorchte schweigend. Diese Art von Hausgeräth erinnert an die Schilde der Alten," fuhr Qnkel Malte fort, an seinem Glase nippend, welche man als Schutz gegen wohlgezielte Pfeile benutzte." Die Rektorin hustete. Die blaßgrauen Augen wurden immer stahlharter, das Lächeln um den schmalen Mund aber immer verbindlicher. Sie waren gestern Nicht zum Festessen in der Loge?" lenkte der junge Hausherr ab. Hatte keine Zeit." Was hatten Sie denn zu thun, mein lieber Onkel, wenn man fragen darf?" . Ich saß daheim und stocherte in den Zähnen." Sie stocherten in den ?" Ja, das ist jedenfalls das Hauptresultai aller Festessen, und zu diesem Resultat bin ich noch all meine Zeit gekommen." Oswald lachte, sein, Glas austrinkend. Wie viele Thoren waren ihrer denn ?" Thoren ? Kein einziger ! " Na, dann war eS ja gut, daß ich nicht hinkam. Ich hätte am Ende geglaubt, an einen unrechten Ort zu gerathen. Und was trieb man?" O, der Dicke machte einen Witz Ach, was Du sagst! Das hätte unangenehm genug erden können." ' ' Wieso?" Es hatte ihm ergehen können, wie es einem meiner Freunde erging. Der hatte sich vlötzlich eine Perrücke angeschafft,
uns als er damit rn die Gesellschaft kam, erkannte ibn kein Mensch wieder, und er wurde an die Lst gesetzt." Oswald lachte aus vollem Halse Das ist köstlich!" rief er, das muß ich morgen in der Loge erzählen. Hahaha." Das Gespäch flog noch eine Weile so hin und her, wobei der kleine Stendant m seiner Weise fortwährend versteckte Angriffe und offene Seitenhiebe nach der Rektorin und ihrem Sohne austheilte. Die Erstere hielt es aber nicht für opvortun", die bald mehr, bald minder deutlichen Anspielungen zu verstehen, geschweige denn zu erwidern; sie saß und lächelte verbindlich und wartete auf ihre Zeit". Waö den jungen Bankdirektor betraf, so war er bereits in eine gemüthliche Stimmung gerathen, um den wiederholt hingesch'leuderten Fehdehandschuh aufzuheben. So ging die Mahlzeit vorüber, dank her dritten geleerten Flasche, und der Kaffee wurde herumgereicht. Ein Täßchen gefällig, 'Herr Nenbaut?" Nein, ich danke, Kaffee ist nicht gesund für alte Leute." Nein, cr vermehrt die Galle!" sagte die .Nektsrin mit liebenswürdigem Lacheln. Ist denn Kurt noch nicht zurück von seinem Spaziergang, Viola?" fagte die Rektorin zn dieser gewendet, es wäre doch wahrhastig an der Zeit', daß er herein käme, seine Großmama zu begrüßen ! " Viola stand auf und verließ das Zimmer, im Vorbeigehen dem .Rendanten, der ihr liebevoll zunickte, einen dankbaren Blick sendend. Oswald schob seinen Sessel zurück. Ich glaube, wir wechseln, die Platze!" sagte er, ein abgegraster Tisch ist ebenso unangenehm, wie eine verwelkte Schönheit." Indeß Sophie und Thirese hereinkamen und rasch den Tisch abzudecken begannen, irat der Nendant vor das Sopha, machte seine schönste Verbeugung und sagte in vollendet chevalereökem Toue und Anstand: ' Gestatten Sie mir, Frau Rektorin, Ihnen meinen Arm anzubieten d Höflichkcit gegen Damen ist meine Losung ! Es lchclnt mir, als ob Sie bisweilen dieser Losung untreu würden,'Herr Renda,t!" erwiederte die Dame indem sie sich würdevoll erhob, die raschelnden Fal-, ten des grauen Seidenkleides aüseinanverstrich und dann mit der Huld einer Königin ihre beringte Handln den Arm des Stendanten legte.' 1 Der kleine Mann reichte ihr kaum an HeDchulter, und herablassend lächelte sie 'auf ihn herunter, als er sie jetzt nach dem bequemen Schau lelst :': r " ' j .Eine Juno ist; ja " ron einem armen Sterblichen lilcht zu verwunden," Zagte er dabei," zu ihr emporblinzelnd. ' - " ' r ' Besonders wenn feine Waffen , Stecknadeln sind ! ; erwiederte die erhabene Dame' 'in den Sessel sinkend und eine angefangene Stickerei aus der Tasche ihres Kleides ziehend.'",, ,; Und glauben' Sie nicht, 1 daß die nölhige Mengevon Stecknadeln schließZich einen Fand aus dem Hause zu vertreiben im Stande ist?" , W t! Kaurn' sagte sie in einem Tone, der MilchenDiirundMo ! '",.! i"!r . L ii!" ;", ! , mi;, -.1". ,:: k, ,!,,;! .... t s 'v i t,, .-u .i:.ih.:,isi. z !,!,gz,z Wi-'S iil. Ii-.,. ";iiiiv .iiiSt''ilil'ii-r!!1'1 :,? ; Xk "-"T
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sie jetzt ihre Lorgnette vordle Augen hielt und den Vorgangen auf der Straße ihre Aufmerksamkeit zuwendete. .Du erlaubst doch, Mama, daß ich mir, eine, Eigarette anzünde?" rief Oswald jetzt aus seinem Stuhl in der Kaminecke. demselben, in welchem Viola an diesem Morgen. so bang geträumt hatte. Sans gnc, mein Sohn!" war die huldvolle Antwort. Schon kräuselten sich blaue Ringe in der Luft, wahrend der Rauchende gedankenlos Onkel Malte zuschaut?, welcher die kleinen Präsente auf Violas Tisch, die sie noch gar nicht einmal ordentlich in Augenschein hatte nehmen können, suSzupacken und zu ordnen begann. m Wissen Sie nicht, lieber Onkel sing Oswald an, ob es wahr ist, daß Lindenberg sich mit dem windschiefen Fräulein Marks, der Tochter des reichen Holzhändlers verlobt hat? Sie soll 500,000 Mark Mitgift haben, und eine solche Summe macht ja manche unebene Seite gerade!" Nein, daS glaube ich nicht war Onkel Maltes Antwort, denn ich sah ihn gestern, wie er vor feinem Schneider den Hut 'zog ah, sieh da, der junge Herr!" Dieser Ausruf galt dem kleinen öohn des Hauses, der jetzt an der Hand seiner jugendlichen Mutter den Salon betrat. Kurt sah in seinem blauen Sammetrockchen, die Wangen von der frischen Winterlust sanft geröthet und das blonde Kraushaar von sorglicher Mutterhand zierlich geordnet, reizend aus, wie er, mit den blauen Itinderaugen lachend im Kreise umherschauend, an Violas Hand durch das ZiMiner trippelte, zu der großen Frau ain Fenster hin. Guten Tag, mein lieber Junge!" sagte diese, bcn Knaben zu sich heranziehend. Kurt strebte zurück und barg sein Köpfchen zwischen, den schwarzen Kleiderfalten Violas. Sei nicht unartig, Kurt!" zürnte die Großmutter. Komm her und gieb mir die Hand." Der Knabe sah sehr unglücklich aus, und daS Weinen zuckte ihm über das hübsche Gesichtchen. In diesem kritischen Moment kam Onkel Malte ihm zu Hilfe, indem er ihn mit einem Ruck zu sich in die Höhe hob und auf feinen Armen hin- und herschwenkte, so daß rasch ein vergnügtes Lachen den vorigen bangen Ausdruck verscheuchte. Guten Tag, kleiner Schmetterling!" fagte der Nendant dabei. Es ist ein wenig zu' früh, ihn schon Schmetterling zu nennen!" warf OSwald aus der Kaminecke herüber. Wie so?" meinte Onkel Malte, hat er nicht seine Nahrung aus dem Kelche, eine Viola, also eines Veilchen, geholt, und schenkt ihm nicht ein Veilchen Schutz- gegen jeden unsanften Leidenshauch?" ' Viola lächelte. Die Rektorin aber sagte scharf: Ja, man sieht die Früchte dieser Erziehung. Der Knabe ist weibisch erzogen ynd sehr eigensinnig!" Kleiner Schmetterling, gieb Deinem alten Patheu einen Kuß!" Der Nendant hatte sich gesetzt und ließ das Kind auf seinem Knie reiten. Kurt schüttelte den Kopf, aber er lachte dabei. ". Wie. Du willst nicht? Na, da schau her!" Onkel Malte nahm aus seiner Westentasche ein blankes Zehnpfennigstück. Willst Du jetzt? Kannst Du noch widerstehen?" Kurt langte vergnügt nach dem Geldstück, dachte aber nicht an den begehrten Kuß. Sein alter Pathe lachte und fagte: Das konnte ich mir denken, bist, ja der Sohn eines Bankdirektors ! Da hast Du Deinen Nickel, aber Deinen Kuß kannst Du jetzt behalten, Du Schlingel l Gekaufte Küsse mag ich nicht, und andere kann ich nicht bekommen, wie es in dem Liede heißt." Damit stellte er den Knaben auf den Boden. Komm hierher, Junge!" rief jetzt Oswald, Dein Papa bittet nicht, um Küste, er nimmt sie sich das ist stets seine Maxime gewesen." Erstreckte die Hand nach dem Knaben hin. Viola ührte diesen ernst und schweigend seinem Vater zu. Ach so!" sagte der Letztere wieder, wenn ich das Mienenspiel meineZ Herrn Sohnes recht verstehe, so beabsichtigt er, uns mit einem Sopransolo zu beglücken, das mau eine Meile weit hören kann. Aber so nimm ihn doch, Viola. Still, Junge, still! Niemals weinen, wenn Papa es hart, das weißt Du ja! Führe ihn hinaus, Viola, bevor seine Musikanläge auss Neue erwacht!" Viola nahm den Knaben an die Hand und führte ihn stillschweigend fort. Komme bald zurück, mein Kind, ich habe Dir ei große Neuigkeit zu erzählen!" rief ihr Onkel Malte nach, und sich sodann zns Zimmer zurückwenoend, setzte er hinzu: Inder That, eine schone Erziehungsmethode das! Mit dem Vater lachen und mit der Mutter weinen auf diese Weise werden alle Gaben normal entwickelt" Sagen Sie einmal, Onkel Malte," begann Oswald, den Dampf seiner Eigarette vor sich, hin Paffend, warum haden Sie eigentlich schon Ihren Abschied genommen?" ... .Ich habe ihn bekommen!" war die Antwort. . ." ' ' '
Im Gegentheil, ich habe gehört, daß Ihre Vorgesetzten sowohl, wie Ihre Kollegen Alles getyan yaven, um &ie zum Bleiben zu veranlassen." ' ,, :., (Fortsetzung folgt.) ' i .S i e z e i g en schon wieder an, daß Ihnen ein Hund entlausen ist ;,,daS ist ja schon der dritte feit einem MoneN" Mein der Teufel l Seit meine Toch ter' Gesangsunterricht ' nimmt, haltt' kein Koter der uns aus." ; fit di e u nri chNgeAdrefs e Bettlerin: , Ach, gnädiger Herr, haben Si ''ErbaÄen inir'imr,' ich habe gar mcyls zum oelizen! M,yure yrau, oa. ." ' i.j'iv. .. V . V . r ii. ' f'.'r.. a " .rv'. . , ! l rann lcy ynen oocn nicyr geizen, oa gehSSie'zum M -v; ' ' k ,,Se lbstb ewu'tzt sein. , Ich würde dem Herrn Lieutenant rathen.einen anderen Hut auszuwählen dieser kleidetSie gerade nicht Zortheilhasts" Gefällt m i r aber ; die Welt wird sich den an kn Anblick gewöhnen müssen!" y .'S,!!; Ihfe ililiiB
. UnfeUK NoveNen. Eine Vorlesung von großem allgemelntm Interesse Hielt kürzlich der berühmte englischePsychologe Sir ErichtonBrcwne in der Britischen Medicinilchm Gesell. , schaft zu Lceds über den Einfluß der
Phantasie und Einbildungskraft auf daS menschliche Wohlbesinden." Danach bildet die Lectüre unterhaltende Schriften,' der Besuch der Gcmäldegallenen, der, Anblick schöner Landschaften, ein wohlthätiges und nothwendiges Gegengewicht gegen die aufreibende und ertodkende , Monotonie des Alltagslebens, aegen die sich immer mehr steigernde Arkeitsth eilung. welche den Menschen . schließlich zur Mafchine herabwürdigt. Eine Nothmendigkeit von diesem Standpunkt aus ist daher die leichte Lectüre, welche die Einbildungskraft ange nehm beschäftigt und namentlich jugend- j liche Gemüther über die rauhe und prosaische Wirklichkeit erhebt. j Oessentliche Bibliotheken, welche an. fänglich dies Genre gänzlich ausgeschlos-, sen hatten, sahen bald ihren Fehler ein und ergänzten ihren Bücherschatz durch Einführung der Romanliteratur. In Birmingham z. B. wurden an wissenschaftlichen Werken 7,000,. an Unter-! haltungslectüre dagegen 350,000 Werke im Jahre 1883 entliehen. In Schottland hatte man anfänglich jenen Fehler begangen, doch beträgt jetzt der Procent-! satz der Belletristik 03 Pracent. Aus einer weiteren Mittheilung des Vortragenden ging hervor, daß dieEntnähme dieser Bücher am stärksten im Frühjahr, am schwächsten dagegen im Herbst ist. Daß der Grund hiersür h dem Erwachen der Liebe zu suchen sei. oder wie Heine es ausdrückt: Im wunderschönen Monat Mai, t Als alle Knospen sprangen, Da ist in meinem Herzen auch Die Liebe aufgegangen: l!! oder in anderen Ursachen, das mag dahingestellt bleiben. Mag dieser poetischen Vermuthung deS geistreichen MedieinerS die sehr prosaische Thatsache gegenübergestellt werden, daß die Zahl der Eheschließungen in ganz genauem Verhältniß zu der Höhe der Kornpreise steht. Man könnte also auch sagen, daß im Herbst so wenig LiebeSgeschichten gelesen werden, weil viele bisherige Freunde und Freundinnen dieser Lecture inzmi schen in den heiligen Stand der Ehe getreten stnd und nunnlehr ihr poetisches Sehnen entweder befriedigt oder gründlich curirt worden ist. Dem Hlesk sein Schmerz. Q TÄnsbahupfl.Ton zu finzen.) Ach, was soll auf der Erden Aus mir doch nur werden, ..Ix Denn i bin so verliabk, . H ' Wic's koan Zweiten net g!ab U : jj it::' Und dem Großbauern sei Liesel, So stink wie a Wiesel, -ijf Die möcht i schon gern , Aber's wird wohl nix wer'nl ' Und dem Jaga sei Rost, Z! Das isch a samosi, $l Die freit' i mir glri Wär' a Haken net dabei! 'fg ' Jri'','ist Und dem Kleinbauern fei Lenk, j Die lisb i net weni, Sie isch so adrett MrAber heiraten kann i s' net! iB:' Und dem Pfarra sei Nichte, Die hat's im Gewichte, Wiagt zweihundert Pfund - j Die nahm i zur Schtund ! Ja i that au wohl allen Den Diarndl'n gefallen, j Doch ! hab großi Noth: Mei Weib isch net todt!" Bei der Musterung. In einer kleinen Garnison ist ökonomische Musterung. Alles lauft gut ab, und der Herr Ärigade-Kommandeur wünschi zum Schluß noch daS MunitionSkMa gazin zu besichtigen. Der mit der Beufsichtigung desselben betraute Offizier, im Vollgefühl der vortrefflichen Instruktion, die er dem dort stahonirien Posten ertheilt, sowie der Zahlmeister begleiten die hohe Musterungscommistion nach dem Patronenhaus. Der Posten macht eine tadellose Ehrenerweisung, und der Herr General fragt ihn leutselig: .Nun, mein Sohn, kann ich denn hier hineingehen?" Nein, Herr General", lautet kurz uud bündig die Antwort. , Und warum nicht?" Herr General müssen erst den Säbel ablegen und Filzschuhe anziehen", leiert der Musketier seine Instruktion her; Recht so, mein Sohn!" lobt der General, legt den Säbel ab und beobachter aufmerksam, wie der Zablmeister eilfertig mehrere Paar Filzschuhe aus einem Behälter nimmt. Plötzlich aber stutzt der Gewaltige. .Sagen Sie 'mal, Zahlmeister", fragt er, wann sind eigentlich diese Filzschuhe angeschafft worden?" Vor vier Jahren. Herr General!" - .So, . so! Nun denn, Herr Äeutnant", und dabei streift diesen ein seltsamer Blick des. Brigadiers, wollen Sie mich, einmal aufklären, wie man eS anfängt, mit diesen Dingern in daS PulverhsLS zu fpagieren!" Von einer schlimmen Ahnung durchschauert, tritt der Lieutnant näher und was steht er? Die Filzschuhe hängen sämmtlich och, wie sie aus der Fabrik gekommen sind, paarweise an den Fußspitzen mit Faden verbunden aneinander. Der Herr Lieutnant soll einige Tage lenz nicht zu sprechen gewesen sein. - Hk4 . . ' . ' 'l,il;:fri:';:' Z wei h ü b f ch e , Kün st k e r- , k b onmots. Zur Gallmel)er äußerte ein bekannter Staatsmann: - JU fenne nur zwei Künstlerinnn'die''Aediglich 1! Vorzüge und gar keine Fehler rauben." Wie heißt die Andere ? 'mmißto i merer, sich verneigend. Helmerding, ! der noch unersetzte Berliner Komiker. ?! trat einst in einer höchst 'MMeiligen ö Novität auf ; - schon nach dem zweiten Acte leerte sich sast,daSKganzeWausK Als der Vorhang zum dtten Male "tvdi, voraina,' stand er mit dr Partnerin tCJ lein, auf dea Bühne,,elche'ffihm' de Rolle gemäß zuflüsterte: Sind wir allein?"l Helmerding Fars! einen lrostlsZen Blick in's Parterre, und rief tragikoiisH , . Ja. fast z alltt!' ,; : ISi
