Indiana Tribüne, Volume 12, Number 316, Indianapolis, Marion County, 4 August 1889 — Page 6

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Kaiserin Eugenie im Slaalölleide uns im Negligee. : , An einem Augusttag des JahreT mo befanden sich zwei Damen auf Besuch ' bei der Gattin deS damaligen Pariser Polizek-PrSsidentm. Madame Delcssert, ' in der nächst dem Justizpalais und dem Gefangnizz der Conciergerie gelegenen AmtsmohnuNg dieses hohen Beamten, ß Es mag wohl ven der letzten Theateroder Nobennooität die Rede gewesen sein, & als Madame Delesiert durch daS offene d Fenster blickre und ihren Besucherinncn ' hastig zurief: Kommen Sie, kommen Sie, meine Damen, da fährt man den &: Prinzen Louis Napoleon ins. Gesangtu jj ! Alle drei drängten sich zum Fenster. ! Im Hofe sahen sie eine eben angekomme- ! ne Postchaife, staubbedeckt, die Rosse vor , Erschöpfung schäurnend ; aus dem Wagen entstieg zuerst ein Gendarmerie- ' Lieutenant von auffallend großerStatur, :: der mit vieler Höflichkeit einem jungen Mann aus dem Wagen half, der sehr gedruckt aussah und auch an seiner Kleidung einen höchst defecten Eindtuck ; machte. Es war in der That der 5!cffe des großen Kaisers, der zum zweiten Male einen revolutionären Versuch geI macht hatte, sich der Krone Frankreichs f. zu bemächtigen. Das erste Attentat erfolgte im Jahre 1830 in Straßburg, ' zum zweiten Male wählte der Prinz das ; : Gestade Zu Boulogne zum Schauplatze ? setneö ehrgekzlgen Unternehmens )as- . selbe schlug kläglich fehl. Im Jahre 1836 ließ Louis Philippe : Gnade statt des Rechts walten und be1 gnügte sich damit, den Prinzen nach Amerika zu verschicken, diesmal jedoch vurde Befehl gegeben, den rücksälligen Attentater unter sichere? Bedeckung nach Paris zu bringen, wo ihm der Proceß gemacht werden sollte. Nach vierzigstündrgeL Fahrt war der Staatsoerbreche? am Orte seiner Bestimmung angelaunt und unter den Augen der Frau Delegiert und ihrer Gaste wurde er nach dem Thurm der Conciergerie gebracht. Die Vesucherinnen aber waren die pai nische Gräsin Teba von Montijo und ihre vierzehnjährige Tochter Eugenie. 1 So erblickte diefe zum ersten Male ihren künftigen Gemahl, den Kaiser von , Frankreich. Aber weder das schlanke Mädchen mit dem goldblonden Haare, ' noch der Staatsgefangene, der durch den Hof schritt, ahnten wohl, welch' einen Zusammenhang die Zukunft zwischen Beiden schaffen würde. Diese Schilderung der ersten unverr mutheten Zusammenkunft zwischen den - Heiden Zukünftigen", wurde von d?r Kaiserin selbst ihrer Vorleserin und vertrauten Frexndin Frau Carrette-öourct erzählt, die in ihren soeben herausgege.denen Intimen Erinnerungen vom Hose der Tuilerien" diese historische Anekdote wiedergibt. Frl. Bouret, die spater emen Herrn Uarrette henathete, war die Enkelin de3 Admirals Aouret, ' der an den Seekriegen im indischen : Ocean am Ende des achtzehnten JahrHunderts einen ruhmvollen Antheil genommcn hatte. Der Admiral, hochbetagt, lebte sehr zurückgezogen in der :.. bretonifchen Hafenstadt St. Seroan bei k St. 'Malo, als im Jahre 1853 das Kaiserpaar die westlichen Gegenden des Reiches befuchte. In St. Servan stellte sich der Admiral dem Kaiser vor, , ier ihn sehr freundlich empsing und die ,! Absicht äußerte, ihn zum Senator zu , ernennen. Sire", erwiderte der Admiral ablehnend, ich bin schon alt, meine , Laufbahn ist zu Ende, ich bitte Sie, Ihr Wohlwollen auf meine Familie zu ürtragm." Napoleon sagte dies zu und bielt Wort. Der Schwiegersohn des Aömirals, Herr Bouret, der in der Ma-vine-Jnfanterie diente, wurde zum Oberst befördert und als er frühzeitig starb, derief die Kaiserin Eugenie dessen Tochter als Vorleserin und Palastdame in die Tuilerien. Frl. Bouret blieb bis zu ihrer Verheirathung, das heitzt,beinahe sechs volle Jahre stets in der Umgebung der Monarchin ; sie begleitete sie auf ihren Neisen, auf ihren Ausfahrten, auf den GänZen, welche die Gattin Napoleons III. in die Stätten des Elends und des Leidcns führten sie wohnte aber auch all' , den glanzvollen Hoffesten und Ceremo- ." nien bei. Daß die Gestalt und das ganze Wesen deö Frl. Bouret ein sehr anmuthkges waren, erfahren wir aus anderen Werken, als dem von ihr verfaßten. In seinen Denkwürdigkeiten" er- ,, ! zählt zum Aeifpiel'der frühere Abgeord- ',' nete im gesetzgebenden Körper, Her? Darimon, daß er am Tage, wo er der Kai- ,' serin. vorgestellt wurde, von der liebrei- .' zendenErschcinung der Palastdame, welche ; sich m Gesellschaft der Kaiserin befand, derart frorrirt war, daß die Kaiserin es bemerkte und ihm lächelnd zurief: Das ist meine VoUeferin, nicht wahr, wie ; hübsch sie ist." ;" Natürlich weiß Frl. Bouret von ihrer , 1 huldvollen Gebieterin nur das Beste zu ! erzählen, aber ihre Schilderungen sind ! .' lebhaft, verrathen ein wirkliches Erzäh- ; lertalent und sie hat dieselben, um den . Leser nicht nur zu erbauen, fondern um , ihn zu amüsiren, mit so vielen Anekdoten i ,', unterspickt, daß man bedauern muß, daß der Band nicht dicker ausgefallen ist. j, Am 21. April 18ö4 das Kaifer- ! ' reich hatte den Höhepunkt seiner Blüthe '( erreicht langte Frl. Bouret, von ihrer s Mutter begleitet, in den Tuilerien an. Ein Thürsteher führte die Damen durch eine lange Galerie in einen mit verschiedenen Portraits Ludwigs XIV. geschmückten und nach diesem Monarchen benannten Salon, wo der achtjährige kaiserliche Prmz m GeZellichast einer englischen Gouvernante, Frl. Shaw, das Frühstück einnahm. Der Präfumtiverbe des Kaiserreiches plauderte seh? heiter aus englisch mit feiner Erzieherin, als er jedoch die fremden Damen eintreten sah, erhob er sich von seinem Sitze und grüßte sie mit feiner, echt kindlicher Grazie. Von dort gelangte die ueue Gesellschaftsdame in die besonderen ApartementS der Kaiserin. Frau Eugenie begrüßte auf des Freundlichste Mutter und Tochter und beruhigte die Erstere darüber, daß ihr Kind vorzüglich aufgehoben fei. Von Ihnen," sagte die Kaiserin zu Frl. Bouret, verlange ich blos Eins Sagen Sie mir Alles was Sie auf dem Herzen haben, frei und offen, als würden Sie zu jjjfirrr Mutter sprechen. Ich hoffe, eZ

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ESSSSC roitd Ihnen hier gefallen, Sie gefallen mir sehr, es wird gut gehen." Wahrend dieses Gespräches war die Thüre des Nebenzimmers offen geblieben, man hörte eine Kinderstimme mit einer ernsteren Stimme, und ein leichter Eiga rettenduft verbreitete siH im salon. Ich verstand, daß der Kaiser und der kaiserliche Prinz im anstoßenden Salon warm. Nach einer Viertelstunde sagte mir die Kaiserin: Bringen Sie Ihre Sachen in Ordnung, ich werde Sie bald fen lassen. Wenn bei Ihnen was fehlt, verlangen Sie es von' Madame Pollct." Letztere war" die Ober-Garderobierc der Kaiferin, eine Spanierin, die einen franzosischen Ossiaer geheirathet hatte. Man hielt deren Einfluß bei der Kaiserin als maßgebend und überhäufte sie mit Präsenten von allen Seiten. Die kluge Madame Pollet nahm mit' beiden Händen, hütete sich aber wohl, ihre Stellung durch compromittirende Eulpfehlungen ode? ungebührliche Forderungen zu gesährden. Frl. Bouret weiß sehr viel und In, teressantes von der Fürstin Metternich zu erzählen, welche am Hof der Tuilerien " t t .... n.r t i. re ,e rv . c unO in oem Parier nign rne eis ayic und waS für Jahre hindurch eine tonangebende Rolle spielte. Jedoch versichert Frl. Bouret, daß die Intimität der Kaiserin mit der genialen Botschafterin nie jenen Grad erreichte, den man derselben im Publikum beigemessen hatte. So wurde auch der Fürstin gegenüber die Etikette beobachtet und sie konnte mit der Monarchin nur bei den Festlichkeiten, zu welchen sie geladen war oder nachdem sie um eine Äudienz nachgesucht hatte, verkehren. Eines Tages hatte die Kaiferin eine Wette mit ihrem Gatten verloren. Madame Eugenie hatte an diesem Tage den geistreichen Einfall, ihre eigene leider häusig berechtigte Eifersucht zu parodiren, indem sie dem Kaiser die Ueberraschung bereitete, zwanzig der schönsten selbstverständlich hoffähigen Damen der Pariser Gesellschaft zu einem Diner einzuladen. Auch die Fürstin MetterniH befand sich unter den Erksrenen und sie wurde dem Kaiser gegenüber neben den jourchabenden Flügcladjutanten placirt. Dieser Ofsizier, ein alter Gendarmerie - Oberst, war überzeugt, daß er den Anforderungen der Galanterie nicht besser genügen konnte, als indem er seiner Nachbarin von allen Weinsorten, die kredenzt wurden, einfchänkte. Die Fürstin, als' echte Wienerin an Quellwasser gewöhnt, wehrte diese bacchischen Zugaben ab. Der Gendarmerie-Obcrst ließ sich nicht irre machen und unterbrach jeden Moment ein interessantes Gespräch, welches die Fürstin mit ihrem Vis-vis angeknüpft hatte, durch sem Anerbieten: Gestatten mir, Durchlaucht", wobei er die fnsch aufgetragene Flasche emporhob. Endlich wendete sich die Fürstin ihrem Ganymedes in Gendarmerie - Uniform r r . ri - r ;u: leoererroeru-, jagre t lym, Jo oft man mir Wein anbietet, muß ich weinen, sie begreifen wohl, daß es hier nicht am Platze wäre" .... Frl. Bouret schildert in ergreifender Welse den Besuch der unglücklichen Kai serin Charlotte in St. Cloud, als sie im Spatsommer 1869 dorthm kam, um vergeblich den Beistand Napoleons zu Gunsten ihres unglücklichen Gatten anzurusen. Die Sache Maximilians war verloren, aber das napoleonische Kaiserpaar wollte der unglücklichen Frau gegenüber die Dehors wahren. Hofeqnipagen holten die merikanische Monarchin vom Grand Hotel", wo sie abgestiegen war, ab, Napoleon und Eugerne kamen ihr ms zur letzten ceppenfprosse entgegen. Wahrend die Kaiserin von Mexiko mit Napoleon und Eugenie konferirte, machte Frl. Bouret zwei Hofdamen der Gattin Maximilians die Honneurs und da .die Hitze drückend war, ließ sie den fremden Damen Erfrifchunaen reichen. Eine der Hofdamen bemerkte, man sollte der Kaiserin etwas Orangeade hineinfchickcn, da sie gewohnt war, solche zu sich zu neh men. Frl. Bouret sendete einen Thürsteher mit einemPlateau in das Geinach, wo die Konferenz stattfand. Drei Tage später kam die Geistesverwirrung bei der unglücklichen Charlotte zum Äusbruch und die erste Aeußerung des Zustandes war, daiz man ie in st. Elond mit die ser Orangeade vergiftet habe. Paul d'Abrest. Ueber das Alter der Vö gel wird vielfach gestritten. Der das höchste Alt:r erreichende Vogel ist der Schwan. Es wird behauptet, daß er bis zu 300 Jahren leben könne. Knauer erzahlt in feinem Naturhistoriker", daß er mehrere Falken gesehen habe, von denen einer 162 Jahre alt geworden war. Auch die Geier und Adle? leben sehr lange. Im Jahre 1819 starb ein Seeadler, welcher im Jahre 1715, also 104 Jahre zuvor, gesangen wurde und selbstverständlich damals schon ein Alter von mehreren Jahren hatte. Ein weißköpsiger Geier, welchen man im Jahre 1706 sing, starb im Vogelhans des kaiserlichen Lustschlosses Schönbrunn bei Wien im Jal)re 1824, das Thier hatte also allein in der Gefangenschaft 118 Jahre zugebracht. Papageien können von der Zeit an, in der sie gefangen und gezähmt worden sind, noch über 100 Jahre leben. Die See- und Sumpfvogel haben eine Lebenslänge, welche mehrere Generationen übertrifft. Die Gänse und der Kuckuck erreichen ein vorgefchrittenes Alter, die ersteren natürlich nur dann, wenn sie nicht vorher gebraten werden! Auck die Naben leben, wie versichert wird, über 100 Jahre. Die Elstern dagegen erreichen, wenn sie in Gefangenschaft gehalten werden, ein Alter von nur 2025 Jahren, in der Freiheit aber ein viel höheres. Der Haushahn kann 15 20 Jahre seinen Weckruf erschallen lassen. Die Tauben können bis zu zehn Jahren leben, di$ kleinen Singvögel 8 18 Jahre ihre Lieder in der Luft fchmettern. Relativ kurz lebt die Nachtigall, die in der Gefangenschaft höchstens 10 und die Amsel, die höchstens II Jahre alt wird. Die , bei uns gezüchteten Canarienvögel können 12 15 Jahre, die auf den Kanarischen Insel im Freien lebcnden ein höheres Alter erreichen. Neidisch. Dame: Wa3 mustern Sie meinen Schatten so genau, Herr Referendar? Herr: Ich beneide ihn, dag er Ihnen zu Füßen fallen darf !

Der getanzte Thakespeare.

Paris, im Juli., Stn htt Großen Over gelangte das Ballet Der Sturm", dessen Sujet dem gletchnamlgen Shakcspeareschen 'rama - 1 m ... : i. i. .... Vs ,, B Mrtti 5s, FllWIUJUiUVtt 1)1, illll Wtl iW4JUr vii broise Thomas zur Auffuhrung. cyon wiederholt hat der greise Direktor des VarifcrKonuroatoriumS von dem großen nt . r r . ..f..fi f .. Zürnen tcn angezogen gesumr. u icwu Oper Der Sommernachtstraum macyr er Sbakesvcare mm Mittelpunkt der Aktion; Ambroise Thomas ist es auch, welcher Hamlet singen läßt. Diesmal 1 , . ' n ...... geht er nocy etwas weller, uno er iuyi Shakcspcarc'sche Figuren mimen und tanzen. Mit der Librettisten Geschicklicbkeit. wclöe ules Barbier auszeichnet, hat dieser die gewaltige dra'.natische Dichtung zu einem Tanzpoem umgewandelt ; ane Ztcihe der hauptsächlichsten r, n t. t '-r r, rit.. gestatten wuroe veweyanen, o nvan und Aricl. Daacaen fchnd der Proper aus. Es bleibt uns indessen seine Gcmahlin. welche soaar als singende Person" eingeführt wird, und zwar in den es. . '..er... jr . .... r . tz. laloa. oe en Wcyauvtau oev jjimuici ijr, wo sie me ngei nver auf eine wüste Jnfel ausgesetzte Miranda zu wachen. Die Engel beschützen sie aeaen Ariel und Caliban, welche sie Ferr, r . . ? . rt-.. . rr.Ci J'.C . V. I dinand entreißen möchten, und in einer Ehe beschließt sich 'glücklich die Kette der oofen Abenteuer. Zu diesem Tanzpoem hat mm Am broise Thomas-die Musik geschrieben; aber der verdienstvolle Kompositeur hat damit kaum ein unverwelkliches Blatt in seinen Icuhmeskranz einaeflochten. So bemerkenswcrthe vereinzelte Schönheiten die Partitur auch ausweisen mag, so leidet doch das Ganze daran, da eS keine Musik ist, welche sich dem Wesen des Ballets anichmlegt. Es liegt wenig Hinreißendes, wenig Tanzrhothmlsches in dieser Komposition, die schließlich durch den fast akademisch feierlichen Grundzug, der sie beherrscht, monoton und ernüchternd wirkt. Das war der allgemeine Eindruck, welchen das Puvltkum empfanacn, so sehr es sich des Reizes und Wohllautes der Nummern und Partien inne wurde, denen man, wie aesaat. stellenweise bcaeanet. Unter diefen besonders anzuführenden und auch wirklich mit lebhaftem Beifall aufgenommcnen Nummern seien in erster Linie erwähnt: die Introduktion, die Arie der Frau im Prologe, welche eine junge Anfangcrm, Fraulem Pack, sehr hübsch sang ; ein Enscmblepas im ersten Akt; der kleine Entr'act des zweiten Aktes; ein liebenswürdiaes Flotenmoti im dritten Akte. Sehr interessant akkompagnirt ist auch der musikallZche Part die Pantomime und namentlich aus drucksvoll aestaltet sich dadurch die Begegnungsscene zwischen Ferdinand und Mlranva. Unbestritten großen Erfolg hatte die dekorative Ausstattung des Balletö, und zwar insbesondere die Azurgrotte, vor Allem Anderen aber die Ankunft deS Schiffes, von dessen Wunderherrlichkeit schdn lange vor derlusführung viel ge saat und aesunaen wurde. Nun, die Erwartnnaen wurden nicht getäuscht. Dieses Schisf ist in der That durch seinen Umfang und die imposante Geichicklich keit, mit welcher es in Bewegung gesetzt und manövrirt wird,ebenlo sehr ein Meisterstück der Bühnenmaschinerie, als es durch seine aus Ballerinnen geformten Guirlanden eines der reichsten und geschmackvollsten Ausstattungsobjekte, bils det,' die fe auf dem Theater gescheit wurden. Es sollte uns nicht wundern, wenn dieses Schiff mit Allem, was d'rum und dran hängt, das Ballet auch noch lange über die Dauer der Weltausstellung hin? aus retten würde, die der Großen Oper schon um ihres monumentalen Baues willen gegenwärtig ohnehin allabendlich mehr Besuche zugeführt, als das Hau verträgt. Erhält sich der Shurm auf dem Repertoire, dann darf freilich auch die erste Täu;erin Rosita Mauri das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, zu diesem Erfolge durch ihre chorcogra phische Kunst und ihren verführerischen Reiz beigetragen zu haben. Dieinter nationalen Gau nerbanden, welche durch ihre listigen und verwegenen Einbrüche leider so oft große Erfolge erzielen, sind keineswegs eine Ausgeburt der Neuzeit. Davon wissen insbesondere auch die Annalen der Leipziger Messen zu berichten. So brachen m der Michaelismesse deS Jahres 1630 dergleichen Spießgesellen ut großer Schlauheit in Laden ein, aus welchen sie kostbare Seidcnwaaren und für 20,000 Thlr. Edelsteine entwendeten, lhre Spur wies nach Galizien. Erwischt wurden sie nicht ; wohl aber fand man die gestohlenen Seidenstoffe in Hamburg auf. Zur Ncujahrsmesse 1487 brachen Diebe in der Jcicolaistraße im Blauen Hecht" ein und brachten 3,000 Thlr. weg. Sie wurden aber, als sie eben die Ätadt verlassen wollten, gefaßt und verhastet. Es waren drei Juden und zwei verabschiedete Soldaten. Emer oer Ju den hina lich im Gefananl. Mit den übrigen -Verbrechern machte man nach damaligem Brauche kurzen Proceß. Der Anführer der Bande, ein polnischer Jude, wurde an den Galgen gehenkt. Die drei Naubgcscllen peitschte der Henker um den Markt, durch die Katarlnenstraße, den Brühl und die Rittcrstraße, zum Grimmaischen Thore hinaus blS ans ZuchtHaus an der Johanniskirchc , wo sie . . r r ... ... ::. zu leoenkiangilazer Zwangsaroelr emge kerkert wurden. Bienen als G e w i t t e r -anzeige?. In der Natur'hat der SeminarlehrerEnimerich hie allgemeine Aufmerksam keit auf den llmstand gele daß daß Verhalten der Biene das H-ran-nahew eines Gewitters mit der größten Sicherheit verkünde. Schon Stunden lang vor einem Gewitter, selbst wenn noch kein Wolkchen am Himmel ist, zeigen sich die Bienen außerordentlich stechlustig und gereizt, während bei drohenden Gewitterwolken, wenn sich das Unwetter nicht in dieser Gegend entladen wird, die Bienen vollkommen ruhig sich verhalten und ungestört ihrer Thätigkeit nachgehen. Urtheil. WaS halten Sie von dem Redakteur Leim? Er ist einer dex größten klebenden Schriftsteller.

Der ttud

ist wohl selten drolliger desinirt worden, ' , . ' . ais von einem , cmettscyen canoarin, welcher zur Zeit die Culturwelt Europas i.'i . . " .-. a. . ' m r.M. nuolrr uns vor urzem emen cricyl über die Sitte des Küssens, die ja in unserem Leben eine nicht unbedeutende Rolle spielt, ,' nach .seiner Heimath gesandt hak. Allem Anscheine nach hat der 5?un dem gelehrten Beamten viel Kopfzerbrechcn gemacht, denn rnirabile dictu er ist im Reiche der Mitte nicht bekannt. Seine Desmition jenes uralten Zeichens der Liebe und Freundschaft ist folgende: Küssen ist nur eme , Hoslichkeltsdezeugung, , die darin besteht, daß man seine Lippen auf das Kinn seines Gegners drückt und ein Geräusch hervorbringt. Vorzuaswelie vsleaen die Kinder ihre Eltern dadurch zu ehren, daß sie mit ihren Lippen auf dem Gesichte der Alten t t ... l r. - r ... xt . ein jajmatzeuoes eraujll) eroororingen."' azz es haulrg vouitandig erwachsene Kinder sind, die ihre Lippen nicht aur dem Kinn, sondern aus den Mund gegenseitig drücken, scheiitt dem well eil Mandarin entaanaen zu stlu. Zweifellos ist es eigenthümlich, daß in .- . . e t . . iLmna oas zcuzzen unverannl lzr, uno es namentlich der deutschen unverheiratheten Frauenwelt so erscheinen müsse, die sich wohl den Kopf darüber zerbrechen wird, wie sich ein Liebespaar ihre Stunde der Em amkett" vertreibt. Wle lit es möglich, eine interessante Novelle in Ehtna zu versalzen, da doch in derselben der Kuß der qrößte Knalleffect, nicht angewendet werden kann! In der Mhthologi: der Griechen und Vtömer spielt der Ku eine bedeutende Rolle. Ebenso wird der Handkuß als Ceremomel bet den hochgestellten Perso nen gebraucht, um befonvere Verehrunq. namentlich dem schönen' Geschlechte gegenuber, an den Tag zu leaen. freilich steht der Umstand.daß dasKüssen bei den .Chinesen nicht bekannt ist, ganum Ein rlange mir der vcatur dieses wunderbaren Volkes, welches a das nüchternste und prosaischste de? Welt ur. Ob die bezopf ten Sohne oder diemandeläuaiacn Töch ter des Reichs der Mitte jemals dem Kuß Geschmack abgewinnen? Warum mcht? Kannten doch auch die Schwe binnen das Küssen nicht, als Bulstrode WUfitHnrPj Itt ltrnmtlsä Wnrfr Xit UtVXlIVtH VJMIJ VVII schwedischen Hof besuchte und von StockHolm aus seine schwedischen Berichte schrieb. Wie aber allqemeln bekannt. haben die Schwedinnen den Reiz des Küssens seitdem herausgefunden, und es würde sicherlich das wunderbarste Euriosum dieses Erdenrundes sein, falls ihre .lllieniumgen" Geschwl ter im Blu menreich" des fernsten Ostens nicht über kurz oder lang in eine ähnliche Passion die, einst angenommen, nie wieder abgelegt werden kann versauen soll ten. Eine Franz SchubertNummer, Sie in Wort, Bild und Ton den Großmeister der musikalischen Lyrik behandelt, gab jüngst die Neue Mustk-Zeitung" in Stuttgart heraus. Dieser reiche illuztrirten Nummer entnehmen wir die, nächstehende Schubert-Anekdote: Wie mir Generalmusikdirektor Dr. Franz Lachner, der jetzt L6jahrige, liebenswürdige Greis, erzählte, kam er im Jahre 1L22 nach Wien und wurde gleich am ersten Tage sunes dortigen Aufenthaltes mit Franz Schubert in einem Gasthause bekannt. DiebeidenTonkünstler fanden aneinander wechselseitig Wohlgefallen und blieben seither unzertrennliche Freunde. Vormittags komponirte Schubert und ließ, wahrend er arbeitete, Niemanden bei sich eintreten. Wie mir der noch immer geistig frische Komponist der Oper Katharina Eornaro" rühmte, hat Franz Schubert feine Tonwerke mit großerRazchheit und Leichtlgkeit gefchajfett, U::d keine Note wurde an dem einmal niedergeschriebenen Tonstück geändert ; der genialen Gestaltungö kraft Schubert'S entfprangAlles im ersten Wurf in scharfumrissener, keiner Korrektur mehr bedürftigen Form. Nachmittags gingen Schubert und Lachner, beide begeisterte Naturfreunde, in der Umgebung von Wien spazieren. Einst schloß sich ihnen ein etwas aufdringlicher, von seinem Unübertrefflich keit als Sänger tief überzeugter und in Wien damals in der That berühmter Bassist, Namens Siebert, an. Die beiden Tondichter konnten diese ebenso berühmten als unausstehlichen Persönlichkeit nicht loswerden und beschlössen, durch einen listigen Angriff auf die Eitelkeit derselben sich zu helfen. Beschlossen, gethan. Die beidenFreunde waren gewohnt, allein die Wälder im Weichbilde , Wiens zu durchstreifen und Aussichtsstellen auf Hügeln zu erklimmen. Siebert wich nicht von ihrer Seite. Da führten ihn denn die beiden Komponisten auf einen ziemlich hohen Berg, dessen Abhänge bewaldet waren. Auf dem Gipfel angekommen, ersuchten Lachner und Schubert den Bassisten Siebert, doch einige Lieder und dramatifche Arien ihnen mit seiner wunderfchönen Silberstimme vorzusingen. Siebert war sehr geschmeichelt und willigte sofort ein. Doch erbaten sich die beiden Heo ren, die Lieder und Arien Siebert's im Walde anhören zu dürfen, wo das Verhallen seiner Stimme geradezu magisch wirken, müßte. Siebert gab entzückt seine Erlaubniß. Eine halbe Stunde lang sang nun der eitle Bassist auf dem Berggipfel der Nalur vor. Die beiden Komponisten entfernten sich rasch durch den Wald und hörten lange, lange seine immer mehr verklingenden GefangSvortrage, bis sie des Verlassenen Stimme nicht mehr erreichte. Sie waten gerettet. .,;,.5äi?!iiE!iiiS " '. '.v:. . ' 1 Kun st kr U tiker. Die , Frau Kommerzienröthin hat nch bei einem renommirten Portraitmaler malen lassen und zwar steckt ihre graciöse Gestalt au f t dem Gemälde in einem prächtigen, olivgrünen Kostüm. Wie das Bild nun fertig , im Salon hängt, führt Papa den fünfjährigen Paul vor dasselbe: Nun was ist das, Paul ? M fragkI der Kommerzicnrath. Paul: Das ist., das ist., das neue Kleid von Mama!" Zeitgemäß. Kaufmann: Haben Sie Proben von neuen Heringen?" Neisender: ,Nrin nur Photogra? phieen!"

! Zames Garvey. welÄer vor dem Lon? doner Eentral Eriminal Eouruuter der Anklage des Einbruchsdiebstahls tteht, hatte trok seiner verbaltninmäklaen Jugend (er war erst 27 Jahre alt) eine . J . emt,cu vewegte Vergangenheit hinter sich. Besser allerdings könnte man von einer sitzenden" Vergangenheit sprechen, denn es war ihm zur freien Bewegung (Xtr t.'i. f t wmiij vycn:ijciu;eu gewayrr, nacyoem er bereits zehn schwere Vorstrafen wegen Verbrechen gegen das Eigenthum und anderer gemeingefährlicher Delikte erlitten hat, die zwischen mehrjähriger Zuchthausstrafe und schwerer Gefängnißstrafe variirtcn. Schon seine früheste Jugend - verbrachte er innerhalb der Mauern des Kerkers, deren düstere Einförmigkeit bei noch so schmaler Kost seine gute Laune nicht zu trüben vermochte. Selbst auf der Tretmühle einer bei den Verbrechern Englands in höchster Ungkiade stehenden Strafe summte er leise ein Liedchen vor sich hin. Noch ein IZjähriger Bursche, hatte er unter den seinen Nücken zerfleischenden Nuthenhleben hell aufgelacht. In der That, so gründlich war er verdorben, so wenig hatte er mehr den Willen, sich aus dem gewohnten Verbrecherzustandezu befreien, daß man hier von einer "monil insanity" hätte reden können, wenn englische Nichter und Geschworene auf solche Spekulationen einzugehen überhaupt geneigt waren. , , Einer seiner früheren Vertheidiger - er hatte immer einen solchen, und zwar recht tüchtigen bestellt und erklärte oft, daß ihm nichts fo großes Vergnügen machte, als zuzuhören, mit welcher Fülle der Beredtsamkelt und Warme der Ueberzeugung dieser seine Unschuld zu bcweisen strebte hatte aus Anlaß eines ihm zur Last gelegten Verbrechens ihn als unzurechnungssähig hinstellen wollen. Allein als Garvey dies hörte, wurde er wild und verbat sich, indem er seinem ehrenwerthen Vertheidiger das Wort abschnitt, solche Beschimpfungen". Ich will nicht in's Irrenhaus" erklärte er in cnnischer Weise sondern in's Zuchthaus," welch letzterem Verlangen der Vorsitzende Nichter auch in einem Maße entsprach, daß Garvevs sehnsüchtigste ErWartungen überstieg. Und dabei- einmal Sträfling verrichtete er im ganzen Widerspruche mit seiner Natur seine Arbetten mit einer solchen Pünktlichkeit und Pflichttreue, daß er trotz seiner Verkammenheit das Lob der Vorgesetzten ein, heimste. So war er zuletzt zu fünfjähriger Strafknechtschaft verurthcilt worden und führte sich so gut, daß erfcho nach wenigen Jahren als Uekot of leave man" das Zuchthaus verließ, um allerdings seine verbrecherische Thätigkeit von neuem zu beginnen. Den ihm nunmehr zur Last gelegten Einbruchsdiebstahl gesteht er kurzweg zu. Bei seiner Verhastung hatte er stch dem Constabler gewaltsam widerfetzt und diefen zu Boden geworfen. Als man ihn endlich widerstandsunfähig gemacht hatte, fand man in feiner Tajche eine ganze Collektion von Sperrhaken und anderen DiebesWerkzeugen. Ihr seid doch ein unverbesserliches und sicherheitsgefährliches Individuum bemerkte der Vorsitzende Nichter. Es ist das Beste, Euch auf eine längere Zeit unschädlich zu machen. Garvey verbeugt sich vor dem Nichter. Ich danke Ihnen, Mylord ! Vorsitzender: Wie? Sie danken mir, noch ehe Sie das Urtheil wissen? Das ist denn doch zu stark! Haben Sie denn keinen Funken von Neue mehr? Auch nicht mehr Furcht vor der Strafe? Garvey: Ich habe den Ernst der Strafe in zu frühen Jahren kennen gelernt, als da ich noch Furcht haben sollte. Hätte man mich im zarten Alter mehr geschont, hatte man damals, als man mich mit der Nuthe zerfleischte, mir Mitleid und Schonung bewiesen, so wjrde ich heute Neue (nach einigem Nachdenken) oder doch Furcht vor der Strafe empfinden. Ich weiß, daß ich meinem Schicksal nicht entgehe! Vorsitzender: Ja wohl, das führt Euch zum Galgen, wenn Ihr so fortfahrt. Doch wozu hier unnütze Worte verlieren ? Auf Euch bleibt doch Alles öhne Eindruck. Ich verurtheile Euch wegen der vorliegenden That zu zwanzig Monaten Gefängniß. Das gesprochene Urtheil befremdete ; so mild hatte man es nicht geglaubt, langjährige Zuchthausstrafe hatte man sicher erwartet. Und doch Hien es. daß der erkennende Nichter das Wort Zuchthaus" schon auf den Lippen hatte, und daß er nach einer kurzen Pause des Nachdenkens, in welcher der Hinweis des Angeklagten aus seine in der ersten Jugend erlittenen allzu schweren Strafen auf den ernsten, denkenden Nichter den Eindruck nicht verfehlte, das Wort Zuchthaus" in Gefängniß" umwalldelte. Zwanzig Monate! ruft Garvey Hohnlachend aus, zwanzig Jahre meinen Sie, Mylord! Und nur Gefängniß nicht Zuchthaus!? In der That, das hatte ich vo:? Ihnen erwartet. Sie haben sich im Ausdruck geirrt. Vorsitzender: Nicht doch ich habe Sie zu zwanzig Monaten Gefängniß verurtheilt. Und Garvey lacht abermals laut auf. Zwanzig Monate Gefängniß das ist ja nichts; (plötzlia) nachdenkend werdend:) für mich nichts, der ich an härtere Strafen gewohnt bin, den man mit sechzehn Jahren in's Zuchthaus sperrte, nachdem man ihn schon Jahre vorher im Gezängniß hart büßen ließ Mylord, das ist in der That jetzt zu wenig! Damals, ja, damals hätte es noch anders werden können ! Vorsitzender: Ich bin nicht schuldig. Euch die Gründe meines vielleicht ich gebe es selbst zu allzu ,nilden Urtheils anzugeben. Allein ich bin zur Ueberzeugung gekommen, wenn man mit 27 Iahren , so grundocrdorben geworden ist wie Ihr, daß die strengen und abschreckenden Strafen nichts ' gefruchtet haben. Ich will es einmal, mit Milde versuchen! Garvey (ernst):' Mit Milde? Wirklich,Mylord, Sie wollten das (gerührt:) Sie wollten mir in der That noch einen Beweis Ihrer Menschlichkeit geben? Nun denn ich nehme die zwanzig Monate dankbar an. Ich lache nicht mehr, Mylord ! Sie sehen, ich bin ernst

Nur zwanzig Monate Z

geworden! Sie nannten mich anrnd

verdorben" ? Nnn denn sraaen Sie .. . . i rv"i . was in zwanzig u.'lonaten aus mir geworden sein 'wird, ob Garvey noch grundverdorben ist? Garvey wird his dahin ein .anderer Mensch gewotden sein das Mylord verspreche ich Ihnen aus Dank für diesen Strahl Ihrer Milde und Menschenfreundlichkeit, und an Stelle der Jahre des Zuchthauses, 'die Sie Garvey geschenkt haben werden zwanzig Jahre, wird der Nest meines Lebens treten, in dem ich meine unselige Vergangenheit durch gute Thaten zu sichneu bestrebt sein werde. Ich danke Jhuen, Mylord ! Garvenö Lachen war verstmnntt. Laut schluchzend, so daß diese Nührung die Anwesenden ergriff, ließ er sich aus der Dock" abführen. Nur zwanzig Monate trennen Garvey von der Schwelle eines neuen redlichen Lebens nur zwanzig Monate voll der Leiden und Entbehrungen, und, Garvey kann beweisen, daß er nicht grundverdorben" ist. Ein ntttcl)olerayeilverfahren. Prof. Wilh. Löwenthal, welcher in der Eharge eines franzosischen Marinearztes nach Tonking gehen soll, um dort sein Choleraheiloerfahrcn an lebenden Menschen zu prüfen, veröffentlicht in den letzten Nummern der Deutschen Medic. Wochenschrift" die bacteriologischen und Thierverfuche, welche ihn zu seinem Heilverfahren geführt haben. Diese Ver? suche geben den ersten Einblick in das Wesen der Choleraerkrankung, lassen die Bedeutung der von Nobert Koch als Ursache der Ehalera entdeckten Kommabaeilen klar erkennen und weifen der Heilkünde einen rationellen Weg zur Bekäinpsnng der furchtbaren Seuche. Pro'. Lowcnthal (früher Professor der Medizin un der Akademie in Lausanne) hat seine Versuche auf Anregung des Geheimraths Koch in dessen Laboratorium in Berlin im Mai 1888 begonnen und später bei Professor Carnil in Paris fortgesetzt. Nach vielen mühevollen Vorprüfungen stellte er sich ein Gemisch zusammen aus 200 Gramm gehacktem Schweininesilet, einer vom Fett befreiten und ebenfalls fein gehackten Bauchspeicheldrüse vom Schwein, 10 Gramm Pcpton und 5 Gramm Kochsalz. Diese Masse wird unter Zusatz von Wasser im offenen Topf über einer Gasflamme gerührt und zum Binden" des Breies (wie der Küchenausdruck lautet) etwas Mehl zugefügt, bis das Ganze einen flüfsigen, gleiü)artigen Brei bildet, welchen man dann alkali'sirt (durch Kalilauge) und in sterilisirte Glasröhren füllt. Dieser Brei, der sich beim Stehen noch etwas eindickt, wird mit ein bis drei Kubikcentimeter Neinkultur von Cholerabacillen vcrimpst, welche mit Hilfe einer dicken Platinnadel in dem Brei verrührt werden, worauf dieser auf 48 stunden in den Brütschrank kommt und dann durch einstündiges Verweilen im kochenden Wasferbade sterilisirt wird. Schließlich wird derVrei durch ein reines Leinenläppchcn durchgeseiht, und man erhält dann einen dünnflüssigen Vreisaft. Mäusen, welchen ein Subikcentimeter dieses Saftts in die Bauchhöhle gespritzt wurde, erkrankten sofort und starben nach wenigen Stunden. Daß, diese Wirkung einzig und allein der Bauchspeicheldrüse zuzuschreiben ist, beweist die Thatsache, daß bei Kontrolloersucheu, in denen derselbe Saft ohne Zusatz jener Drüse bereitet wurde, die Thiere gesund blieben. Das Wesen der Cholera erklärt sich nun folgendermaßen: Haben die Kommabacillen Eingang in den Verdanungskanal gefunden und über den Magen hinaus sich in den Dünndarm fortgeschleppt, so treffen sie in dem alkatischen, stttssigbreiigm Inhalt desselben einen sehr günstigen Nährboden für ihre Entwickelung und Vermehrung, dem ständig der Vauchspeicheldrüfenhaft zufließt. Dieser Saft erzeugt durch einen chemischen, vorläufig noch nicht naher be-. kannten Proceß aus den Cholerabacillen einen gisligen Stoff, welcher, während die Vacillen sich nur im Darmkanal verbreiten, durch die feinen Milchgefäße der Darmschleimhaut ins Blut übergeführt wird, auf diese Weise den ganzen Körper vergiftet und den Tod herbeiführt. Zu seinem Choleraheilverfahren kam nun Professor Löventhal auf folgende Weife : Er vermischte den mit Cholerabacillen verimpften Bauch speicheldrüfendrei mit Salol, einem der neueren außerordentlich vielseitig wirkenden ArzneiMittel. Nach kurzer Zeit ließ sich feststellen,, daß die Cholerahäcillen in dem Brei zu Grunde gegangen waren und Einspritzungen dieses Breies n die Bauchhöhle von Mäuftn tödteten. diese Thiere nicht.,. Man kann sicher annehmen, daß im menschlichen Darmkanal dieselben Verhältnisse vorliegen,, wie bei den bacteriologischen Versuchen. Das Salöl wirkt wahrscheinlich in der Weise, daß es die Giftbildung aus den Kommabacillen entweder direkt durchVetyichtüng der Kommabacillen selbst oder durch die Aushebung der Wirkung des Bauchspeicheldrüsensaf!es , hindert. Für den praktischen. Gebrauch schlagt Prof. Löwcnthal die Anwendung des Salols in der Weise vor, i, daß bei. dem Herrschen einer Choleraepidcmie. gefährdete.. Perfönen vorbeugend zwei Gramm Salol während der drei Hauptmahlzeiten des Tages einnehmen, Eholerakranke selbst ber stündlich ein Gramm. ? - Alles schon dagewesen. Die selbstthätigen Verkaussapparate, die nelieste Mode in der Mechanik, . scheinen bedeutend alter zu sein, als allgemein angenommen wird. In der Electric World- veröffentlicht Prnfessor E. S. Houston einen kleinen Artikel, in welchem er ein Buch aus dem 16. Jahrhundert erwähnt, das die Beschreibung eines Vorläufers nnseres modernen Eau de Eo-logne-Spritzapparates enthält Derselbe behandelt eine Spielerer) welche die alten ägyptischen Priester! benutzt haben sollen. Warf, man in ein größeres Metallgefaß oben ein Geldstück von ,J Drachmen hinein, so floß unten aus einem kleinen Ausflußrohre eine kleine Quantität Wasser aus, welches von den frommen Besuchern des Tempels als Weihwasser benutzt wurde. Das einfallende Geldstück öffnete ein Ventilchen, durch welches aus dem Gefäße ein kurzer Wasserstrahl entlassen wurde.

Deutsche inNuKland.' Ueber die Zahl der in Nußland angesiedelten Deutschen wird geschrieben: In den Qstseeprovinzen, welche stets als die Stätte des alles überwuchernden Germanismüs angefeindet werden, stehen die Deutschen an Zahl weit hinter mehreren anderen Gouvermmcnts zurück. Wahrcnd noch die Volkszählung von 1881 unter 2j Millionen Emwcchnern 200, 000 Deutsche und 65,000 Russen ergab. Zählt heute Livland nur noch 55,000 Deutsche (6 pCt. der Bevölkerung), Kurland 40,000 Deutfche (7 pCt. der Bevölkerung) und Esthland nur noch II,

SOO Deutsche oder 2 pCt. der Bevölkerung. Die Russen sind dagegen während dieser acht Jahre auf etwa 100,000 gestiegen, abgesehen von der immer weiter vorfchreitenden Nussisicirung der Esthen und fetten. Allerdings bilden die m vlesen Provinzen noch verbleibenden 100,000 Deutschen den baltischen Adel und alle gebildeten und zum Theil auch wohlhabenden Kreise der Städte ; doch könnte ein weiteres Jahrzehnt der jetzigen Rufsisiciruug das Deutschthum bis auf einen verschwindenden Bruchthcil der Bevölkerung zurückbringen. -In Petersburg leben 00,000 Teutsche, in Moskau 8000, in Kiew kaum 1000, und in den übrigen noch bedeutenderen Städten Nußlands sind nirgends die Deutschen stärker vertreten. Die Gesammt umme derselben in den Städten der Ostseeprooinzen und des ganzen Reick)cs beläaft sich daher nicht hoher als auf.200,000. Eine ganz andere Bedeutung haben dagegen die deutschen Ackerbau-Kolonien in der südlich enHalste des Reiches. Solcher Kolonien sind seit dem Erlaß des Manifestes von 4. Dezember 1702, durch welches die Kaiserin Katharine II. die Ausländer zur Ansidelung in Nußland einlud, nicht weniger als 450 begründet worden. Zur Zeit Katharinas waren die Gouvernements Samara und Saratow, ein Gebiet, so groß wie das Königreich Bayern, noch völlig öde und' unbewohnte Stcppcngebiete. Alsdann aber wurden in Samara 79 Kolonien von Deutschen und Deutschschweizern angelegt, die zene Gegend zu einer der fruchtbarsten Kornkammern Europas umschufen. Heute werden die Deutschen auf 140,000 Seelen geschätzt, während sich die ganze Bevölkerung des Gouvernements auf 2$ Millionen gehoben hat. Das Gouvernement Saratow zahlte im Jahre 1773 bereits 23,184 Deutsche, während russische Ackerbauer noch nicht vorhanden waren; im Jahre 1L70 zählte man 120,026 Deutsche, nachdem die Bevölkerung auf 2 Millionen gestiegen war. Ein ähnliches Verhältniß besteht im Gouvernement Taurien,wo 40,000 deutsche Kolonisten leben ; selbst im Kaukasus haben cinzig'nnd allein die dort nach einander angesiedelten 6000 Deutschen eine rationelle Landwirthschaft eingeführt und damit den wirthschaftlichen Werth jener Provinz geschaffen. Bedeutend sind ferner die deutschen Kolonien in Vcssarabien mit 30,00 j Bewohnern, im Gouvernement Cherfon mit 46,000 Kolonisten, in Jekaterinoslaw mit 23,000 Deutschen und in Kowno mit 10,000 Deutschen. In den übrigen Gouvernements beläuft sich die Gesammtzahl der deutschen Kolonisten auf 30,000 Seelen. Eine Riesenlampe, das stärkste Einzellicht der Welt, ist auf dem vor Kurzem aufgerichteten Leuchtthurme von Hanstholm (auf einem Hügel an der Küste Jütlands) aufgestellt worden. Der Leuchtthurm, von welchem Engincerung" eine Beschreibung gibt,isd von Ingenieur Fleischer entworfen und ganz vorzüglich emgenchttt ; zwel DampfMaschinen von je 35 Pferdekräften, die in einem Anbau des Erdgeschosses aufgestellt sind, dienen zum Betrieb zweier magnetelektrifcher Maschinen des verbesserten Systems de Möritens. Diese Maschinen liefern die Wechselströme zum Betrüb der riesigen elektrischen Lampe, welche die Laterne des Leuchtthurms enthält. Es ist nämlich nur eine Lampe vorhanden, deren Negulrrung nach dem Syltem Le Baron durch ein Uhrwerk in Verbindung mit Elektromagneten erfolat, 10 zwar, da der Lichtbogen durch das Abbreunen der sehr starken Kerzen nicht nur hinsichtlich seiner Länge mcht beeinflußt wird, sondern auch stets an derselben Stelle im Naum erscheint, d. h. die Lampe hat konstanten Brennpunkt. Die Leuchtkraft des mächtigen Lichtbogens ist aus zwei Millionen -)cormalkerzen angegeben. Eine sür den Wärter äußerst angenehme Einrichtung ist damit geschaffen. daß durch ein System von Prismen und Lmsen em Bild des Lichtbogens aus einen im Wärterzimmer des Erdgeschofses aufgestellten schirm geworfen wird, so daß es nur iu Fällen von UnregclMäßigkeiten, fowie zum Ersatz von Kohlenkerzen, 'nöthig wird, den Thurm zu ersteigen. Die übrige Bedienung der Lampe, In- und Außerbrandsetzung, Ncgulirung der Leuchtkraft und des Platzes des Lichtbogens, kann von unten aus vorgenommen werden. Die DampfMaschinen sind außer mit den Wechselstrommaschwen noch mit großen Luftpumpen zu verbinden, welche die zum Betrieb zweier Nebelhörner nöthige Druckluft zu liefcru haben. Alles in allem ist der Leuchtlhurm von Hanstholm eine, sehr praktische Anlage und besonders wegen des ungeheuren Lichtes bcmerkenswerth, welches erkennen läßt, was di Elektricität auf dem Gebiete , der Lichterzcugung zu leisten vermag. Es bestehen zwar schon feit einiger Zeit Leuchtthürme mit ebenso starker Lichtausgabe, ,, oder sogar, wie bei der Statue der Freu' heit im Re Jorker Haftn, noch größer rer, die aber nicht in Vergleich gezogen! werden dürfen, da sie nicht mittels , einer,, Lampe, sondern durch, 3cebeneinander?k reihen mehrerer jene Helligkeit,! hervor-' bringen. Die größter Einzellampen waren bisher wohl die auf Kriegsschiffen verwendeten, deren z. V. das englische Thurmschiff Devastation eine von . . f - , i 5UU,uuu merzen Viarre ocziyr. , Gedanken sind zoll frei und doch wird in diesem Artikel so viel gelchmuggelt.

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