Indiana Tribüne, Volume 12, Number 316, Indianapolis, Marion County, 4 August 1889 — Page 4
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gnPtana Tribune. Sonntsgs-Ausgabe.
Ofstce t 120 Ost Marylsnd Et?. Naturwissenschaftliche Plaudereien. ;.. , .SZ,ZiA zürnt der Himmel im Gewitter." Gewitter und B li hableiter. - Die gewohnlichsten und bekanntesten ' Ratur-Erscheinnnzen sind nicht immer auch Ut gekanntesten, das zeigt sich uns ' besonders auch beim Gewitter. Seit bald dreitausend Jahren 'studiren Starter nnd Gelehrte deffelbe. Seit 1703 kennen wir durch den Physiker Wall als UrMache der Gewitter die Elekrieität, (Frank'Mit wies durch direkte Versuche dasselbe Mach), heute köimcn wir im Kleinen selbst blitzen und donnern, und doch sind sogar Gelehrte vom Fache gegenwärtiz noch über die wichtigsten Erscheinungen des Gewitters total im Unklaren. Noch bis ins Z 6. Jahrhundert hielt km&n den Blitz, nach der Erklärung des - Aristoteles, sür eine Entzündung brenn- ! barer Dämpfe, durch deren Entzündnng der Donner und die acwsltsamen Wir- , kunzen des Wetterschlazes entstehen i sollten. Damals stand man freilich diejen (xrlchemungcn rath- und thatlos aeaenüber, jetzt aber, da wir wissen, daß : alle Eigenschaften des elektrischen Fun- , kens. auck seinem Sttesenbruder. dem Mlitze, zukommen, giebt uns die Wissen ? schast Mittel an dieHand, die uns Schutz l verheizen. Auf welche Weise die Luftelektricität entzteht, welche Faktoren zusammenWirken, welche Bedingungen erfüllt wer- ; den müssen, um sie zn erzeugen, wo der 'elektrische Scheidnngsproccß eigentlich , vor sich geht, das ist noch eine vielumsirittene Frage, über die es wohl verschie-, dene Annahmen und Vermuthungen gibt, für deren eine ode? andere mehr oder minier große Wahrscheinlichkeit, für deren seine aber zweifellose Gewißheit spricht. ',' Der norwegische Meteorologe Mohn gibt !alS Nesume seiner Gewitterstudien, die Erklärung: Gewitter entstehen, wo man es mit warmen aujsteigenden Lust- ! sirömnngen zu thun hat; wie und wo die Elektricikät entwickelt wird, ist uns unbekannt, und eine weitere Antwort auf die ? Frage nach der Entstehung der Gewitter kaun darum noch nicht gegeben werden 5 .Hohe Temperatur- und Gewitterbiloung gehen Hand in Hand." Hier ß Haben wir demnach die Ursache der letzten Gewitter. Denn eine so abnorme hohe Temperatur über dem Mittel, wie sie uns die letzten Wochen brachten, haben " 'Wir in diesem ganzen Jahrhundert noch frucht erleöt. !; Nach dm neueren meteorologischen Beobachtungen nimni die Häufigkeit der Gewitter im Allgemeinen mit dem Wach1: scn der geographischen Breite und von der Mitte des Festlandes nach der Mceresküste hin, ab. Eine Zunahme der Gewitter gegen smher ist sür Deutschland, Oesterreich und die Schweiz nicht zu finden, dagegen ist die Zunahme der Blitzgefahr und in Folge dessen die Zahl der Blitzschläge in Gebäude bedeutend gestiegen, v. Bezold hat 'dieses zuerst für Bayern bemerkt, Gutwasser und spater Freyberg fanden es im Königreich Sachsen und neuerdings lieferte Holtz dm gleichen Nachweis für ganz Deutschland, Oesterreich und die Schweiz. Der Grund ist nur zum geringsten Theile meteorologischen Einflüssen zuzuschreiben, sondern muß vielmehr in tellurischen Aenderungen gesucht erden, rote -Entwaldung, Ei)cnbahnanlagen, Häufungen von Metallmassen ans Dachern zur Verzierung, sowie Anlage von Gas- und WasserleUungsrohren mr Innern der Gebäude u. s. w. Es kann keinem Zweifel unterliegen. daß sich der Zug der Gewitter nach dem Laufe von Flüssen und nach dem Bestände von Waldungen richtet. Die Walder bieten, obgleich sie die Blitze anziehen, durch die Spitzenwirkung doch für Ge bäude, welche in ihrer Nähe liegen, wieder eine desto größere Ableitung, je mehr Vaumspitzen sie dem Blitze bieten. Aus diesem Grunde ,nuß, unter fast gleichen Verhältnissen, die Gefahr für Häufer dann wamsen, wenn die Llusdehnnng der Wälder eme Abnahme erfährt, und eine solche Abnahme der Forste besteht unzweiselhaft. Andere Begünstigungen liegen in der Thatsache, daß äußere wie innere Einrichtung der Häuser jetzt mehr als früher durch die mannigfachsten metallischen Stücke vervollständigt wird. Die relativ Blitzgefahr nimmt unter sonst gleichen Umständen um so mehr zn, je mehr Häuser zu eine? geschlossenen Ortschaft gruppirt sind. Im Großerzogthum Baden sind die Unterschiede im Betrage der Blitzgefahr der einzelnen Kreise so groß, wie vielZeicht in keinem anderen Theile Deutschlandsz im Heidelberger Kreise erreicht drczelbe nur 24, dagegen rm Waldshuter Lös für eine Million Gebäude. In Hessen sind die blitzgefährdetsten Gegenden die der mittelrheinischen Tiefebene, ivährend.die Berqkreise des Odenwaldcs nnd des Vogelszebirges am wenigsten durch Blitz Schaden leiden. Es scheint somit, daß die geologische Beschaffenheit des Bodens, insbesondere sein Wasserehalt, auf die Große der Alitzgefahr .i'.-'iv c r , , . . !? einer Biegens ergeoiuTjni umfing uuvübt. , Bezeichnet man diese.Gefahr für , .... iv mJ" : ' . , r ' n ....' r Zkalkboden,, mlt 1, so ist dieiemae für Keuperinergel gleich 2, für Thonboden 7, für Sandboden 0 und für Lehmboden 22. Diesem Umstände theilweise hat der größte Theil SüddeutschlaudS und Oesterreichs seine 1 geringere Aliögefährlichkeit dem l ziorddeutschen Flacklande gegenüber zu V; verdanken. Ein belgischer Statistiker " bat ausgerechnet, daß der vom Blitz am ' häufigsten getroffene Baum di? Eiche -ist, :: ährcnd die -Buche am seltensten vom Blitzschläge heimgesucht wird. Von jener ' zu dieser führt er folgende Reihenfolge '. auf: Eiche, Papzxl, Tanne und Fichte, Birke, Bache und Hegebuche. Betrachten wir den Blitz als ein Marimum von Elektr!citätS;E,ltladnng, welche levtere dadurch zu stände kommt, daß die durch, die äußeren Verhältnisse gestellte Grenze einer atmosphärischen Spannung durch die Zunahme dieser , Spannung überschritten witd, so geben
die Gesetze der Spannungs-ElektricitZt,
welche bei dem Durchgange von 'Lttiincltät durch einen Leiter Anwendung finden, die Mittel an die Hand zur Herstellung einer Alitzabkeitung. Von der Ansicht ausgehend, daß jeder materielle Korper inr erewohnlichen, . normalen Zustande gleiche Mengen positiver wie negativer Elektricität enthält, nennen wir eine Gewitterwolke, welche die Gefahr eines Blitzschlages mit sich bringt, eine derartige gewöhnliche Wolke, m welcher ein Ueberfchuß der einen Elektricitätart entbalten lst. Eine solche Wolke hat nnn das Bestreben, den ihr innewohnenden Mangel .der anderen Elektricitätsart durch entsprechende Zufuhr zu ersehen oder ibren eigenen Ueberschuß abzugeben. Es übt eben die in der Gewitterwolke vorhandene Elektricität nach allen Seiten eme verkettende Wirkung aus, lnocm sie die glcicknamige Elektricität in den T 'I ü' r m f i t. t ' f. umgevenven orxer avjloz;!, oie nngincynamiae aber anzieht. Besonders sind es die unterirdischen Wassermasseil, welche diesem Einflüsse unterliegen und sich dadnrch an ihrer Oberfläche mit derjenigen Elektncitat laden, welche der WolkenElektricität entaeaenaesetzt ist. ' Alle Geaenstande an der Erdoberfläche spielen nun die Nolle von Zwischen leitern. Zwischen der Gewitterwolke und der Erde besteht eine mehr oder mm der große, an einzelnen Punkten sehr r ir. sy C P! f. unglelcye, eietnijcge Spannung mc ncy endlich durch einen machtigen elektrischen Funken den Blitz, nach derjenigen Nichtung hin ausgleicht, wo die Summe der ,elektruchen Widerstände am geringsten ist. Diese Richtung führt aber nicht immer zur Erde hin. vielmehr findet solches nur m den seltensten Fallen' statt. Die meisten Blitze springen zwischen den Wolken über, nur wenige fahren m den Erdboden. Letzteres nennen wir dann einen Einschlag. Man muß aber nicht glauden, daß ein Blitz, der sich ggen die Erde hin entladet, lediglich nur aus der Wolke herabfährt, die elektrische Ausgleichung findet vielmehr nach beiden Richtungen hin statt, von der Wolke gegen den Erdboden und vom Erdboden gegen die Wolke. Einen Einschlag mm entweder ganzlich zu hintertreiben, oder doch wenigstens sur irdische Objecte ungefährlich zu machen, das ist der Zweck eines Blitzableiters. Hieraus und aus der xi und Weise, wie man sich einen ElektricitätsAustausch vorzustellen hat, ergibt sich die Art und Weise, wie ein Blitzableiter beschaffen fein mutz. Der Ausgleich findet erfahrungsmäßig durch solcheMaterialien statt, welche dem Duchgange der Elektricität den geringsten Widerstand entgegenfetzen. Äußer' den Metallen sind dieses vom Wasser feuchte Stoffe, also auch feuchtes Erdreich. Findet der Blitz auf seinem Wege keine derartigen Leiter, und ist er gezwungen, andere Gegenstände, wie Gebäude oder sonstige Hervorragungen über dem Erdboden zu feiner Leitung zn benntzen, fo ist der Einschlag jedesmal mit größeren oder kleineren Beschädigungen und Zertrümmerung dieser weniger guten Elektricitätsleiter verbunden. Wie wir sehen, ruft schon die Nähe einer Gewitterwolke in dem Erdreiche ejne Anhäufung von Elektricität hervor, welche mit der in der Wolke enthaltenen ungleichnamig ist. Das Bestreben nach Ausgleich erzeugt eine elektrische Spannung zwischen Erde und Wolke, der bei größerer allmähliche? Annäheruna derselben sich entweder durch die'Spitzenwirkunz der Auffangestangen des Blitzableiters nach und nach verliert, oder schließlich durch einen AlitzschlaA ihr Ende findet. Sorgt man dafür, dan von dem feuchten Erdreiche aus, entlang der vorhandenen Gebäude oder zu beschützenden Gegenstände bis zn deren höchsten Spitzen und noch über die hinaus, nicht nur ein guter Leiter angebracht ist, sondern auch ein solcher, der unter allen rn der Nahe oesmdllchen, jedoch zu schützenden Leitern der Elektiicität der beste ist, und der außerdem mit diesen in leitender Verbindung steht, fo ist der Blitz gezwungen durch diesen Weg den Ausgleich der gespannten Elektricität zwischen Erde und Wolke zn vermitteln. Es kann nicht in unserer Absicht liegen, t)ier Mittheilungen und Rathschläge für die Anlage von Blitzableitern zu geben, mir verweisen in dieser Beziehung auf die vom Elektrotechnischen Verein in Berlin durch Prof. Dr. Bernh. Weber in Breslau gegebenen Vorschriften in der Broschüre ,,Die Blltzgefyhr" und sollen nur noch einige allgemeinere Gesichtspunkte erörtern. Um den Blitz in der Erde zu vertheiken, muß vor allem für eine gute Erdleitung qesorat werden und zu diesem ' c c j - ... '.f Zweae wiro in oer angezogenen rozure die Nothwendigkeit des Anschlusses an Wajjer- und Gasrohren ausgesprochen. Aber fortwährend werden hiergegen Bedenken laut. Vom physikalischen Standpunkte aus und mit Rücksicht auf die VerMinderung der Blitzgefahr, ist aber, ein derartiger Anschluß nothwendig. Jn welcher Weise dabei die technischen Detail Vorschriften zn reaeln sind, ohne ander weitige Uttzuträglichkeiten für das Gasund Wasserrohrnetz, bleibt weiterer Ueberlegung vorbehalten. Die Wirkungen des Blitzes kann man in Phnsikalifche und mechanische unterscheiden. Die physikalischen besteljen zunächst in oeoeuienoer .'armeenlwiaeiung. zekaunt ist ja, daß jeder von Elektricität durch strömte Leiter erwärmt wird. Beim Blitze ist diese Erwärmung so bedeutend, daß dünne Metallstücke glühend, ja sogar geschmolzen und verflüchtigt werden können. Den Sauerstoff der Lust verwandelt der Blitz in Ozon. Daher der Geruch, der häusiq von Unkundigen ali Schwefelgeruch -bezeichnet wir7. , Die mechanischen Wirkungen des Blitzes sind in der Regel von ganz ungewohnter Heftigkeit. Die stärksten Bäume werden im Nu zerschmettert und zersplittert, schlägt der Blitz in ein Zimmer, so zertrümmert er alles, was ihm im Wege steht. Jeder direkte Blitzschlag ist mit nachfolgendem Donner verbunden. 1 Daß es thörichte Menschen gibt, die sich gleich Kindern vor dem Donner fürchten, ist leider wahr.' Schon vom Blitzstrahl gilt jedoch, daß derselbe nicht mehr zn furch-, ten ist, sobald man sein Leuchten gesehen. Nur 0,197402038 Sekunden braucht
T"'!;,i V'V -'K' 'w '"Sä1!1!' ;!!"!?-" fi!!';!::''""'' .ij'r 1 oer . Gestchtssinn, um unerwartete Er-
lchelnungen wahrzunehmen. Blelmehr hat dies der Schall nöthig. Der Donner ist weiter nichts, als die Schwinen ; der durch den Blitz gewaltsam erschütterten Luft. Wenn das Auge den Lichteindruck des Blitzes längst , gehabt hat, dann erst gelangen die Schallwellen an unser Ohr. Die Zeit zwischen Blitz und Donner gibt uns jedoch eist Mittel an die Hand, die Entfernung der Blitzbahn annähernd zn bestimmen. , Man erhält sie in Kilometern, wenn man die zwischen Blitz und Donner liegende Seknndenzahl durch 3 dioidirt. , Denn der Schall verbreitet sich etwa nur mal so schnell, als das Licht. Das einzige Schutzmittel gegen die VlitzgefahrHnd richtig angelegte Blitzableiter, wie dieses auch die Königlich Preußische Akademie der Wissenschaften am 17. Mai 188 ausgesprochen hat. (Berliner Tagbl.) , , . . . . , . : Ueber ein LkebeSdrama im Eise? bayneoupe berichtet 'das Berliner Kl. Journal" vom 9. Juli: Am stillen Sonntagsmors gen, wo fröhliche Meufchen hinaus in die schöne Natur ziehen, sind zwei Liebende freiwillig in den Tod gegangen. In einem Eisenbahncoupä zweiter Elaste des um G Uhr IC Minuten von Moabit nach Wcstend kommenden fahrplanmäöigen Zuges der Stadt undNingbahn, hat der junge Mann zuerst das Mädchen und dann sich selbst erschossen. Knapp an der Biegung zur Einfahrt in den BahnHof Westend, welcher zuder Verbindungsbahn gehört erdröhnten schnell hintereinander zwei Schüfe. Die Detonation war so stark, daß die Passagiere des Frühzuges und das begleitende Beamtenperfonal desselben trotz des Geräusches der Loeomotive sie horten. Kurz vor dem Bahnhof ward der Zug zum Stehen gebracht ; das Fahrpersonal eilte herbei, Passagiere verließen die Eoupss und eiligst suchte .man den Zug ab, denn es war kein Zweifel, daß in einem Wagen desselben die Schüsse abgeseuert sein mußten. Diese Vermuthung fand alsbald eine schreckliche Bestätigung. Aus einem Eoupee zweiter Elaste, dessen Fenster h och gezogen und dafür die Gardinen Herabgclassen waren, drang ein leises Röcheln. Der Schaffner des Wagens riß die Eoupeth5lr auf, und nun bot sich den hinzudrängenden Personen ein fchauerooller Anblick. Das Eoupee war mit Pulverdampf erfüllt, die Wände und die Sitzvolster mit Blut bepritzt. Quer über beiden Sitzreihen lag ein junges Mädchen, eine üpplg schöne Erscheinung mit blondem Haar und lieblichen, von dem bereits eingetretenen Tode kaum berührten Gcstchtszügen. Ein elegantes, reich mit Perlen besetztes Kleid umschloß die vollen Formen der Todten, welche den Kopf hintenüber gelehnt und die Hände wie im Gebet gefaltet hatte. Aus der linken Schlafe rann das Blut herab und benetzte das Taschentuch, welches auf dem Schooße des Mädchens lag. An der Seite der Todten ruhte ein haaerer junger Mann, welcher der Kleidung nach ebenfalls den besseren Standen anzugehören schien. In seiner Rechten hielt er krampfhaft einen vierlänsigen Revolver großen Kalibers, in welchem sich noch zwei Schüsse befanden seine linke Hand umspannte den Griff emes kleinen Handjpiegelö, den der junge Mann nnzweifelhaft benutzt, um besser auf sich selbst zielen zn können, denn auch bei ihm rann aus einer an der Schlafe vefrnduchen Schußwunde Blut hinab, welches Kragen nnd Oberhemd färbte. Soweit wir in Erfahrung bringen konnten, ist der junge Mann der Sohn eines Kaufmanns K. in Berlin, welcher in der Pappel-Allce wohnt, das Mädchen die Tochter einer begüterten Familie in Moabit, Namens Si Durch mehrere bei den Leichen vorgefundene kleine Zettel wird die Annahme bestätigt, daß zwei Liebende im Einverständniß miteinander in den Tod gegangen sind. Auf einem dieser kleinen gelblichen Zettel stehen in unsicheren Schristzügen die Worte: Wir suchen Beide freiwillig den Tod und werden ihn, hoffentlich sinden." Äußer,diesen Zetteln wurde bei dem jnngen Manne auch eine Schachtel Gift, vermuthlich Zuckersäure, gesunden. Der Bahnhofsrestaurateur Herr Albrecht zu Westend, und der Kellner des Rejtan rants erkennen in dem Liebespaar einen Herrn und eine Dame wieder, welche am Sonnabend Abend auf dem Bahnhof anlangten und sich lange Zeit in dem Bahnho sssRestaurant aufgehalten hatten. Sie trugen Vcrlobungsringe, duzten sich und behandelten sich gegenseitig äußerst liebevoll. Sie bestellten Abendbrod und tranken mehrere Glas Iiürnberger Bier. Im Lause des Abends begann ihr Benehmen ein unruhiges zu werden, sie sprachen eindringlich mit einander, bestellten dann Feder und Tinte und schrieben mehrere Briefe. Hierbei benahmen sie sich sehr auffallend, 'indem sie über die Schrist immer die linke Hand legten, sobald irgend Jemand in die Nähe des Tisches kam. , . Endlich ries der junge Mann den Kellner herbe: nnd zahlte mit einem Dm-Manstuck, ans welches er nur noch Weniges herausbekam. Dann entfernte sich das Paar, und man nimmt an, daß es von Westend ver Pferdebahn nach Moabit gefahren ist, von wo es eben gestern Morgen mit dem ersten Zuge seine Todesfahrt nach Westend'angetreten hat. Die Nacht scheint das Liebespaar in Moabit in einem Hotel' zugebracht zu haben. Die Angehörigen der jungen Leute; welche aus Berlin und Moabit nach Wcstend herbeigeholt wurden, stehen dem Vorfall , vollständig rathlos gegenüber. Sie wußten wohl von dem Verhältniß der Kinder, können aber irgend eine zwingende Ursache zu einem , so tragischen Lebensabschluß fnichtv: sinden. Umso mehr sind sie von dem Geständniß überrascht, welches in einem Briefe, den der junge Mann geschrieben, gcinacht ist, nämlich, daß er und , feine Geliebte deswegen freiwillig den Tod suchen, weil er zum Herbst seiner Mllltärpflicht genügen ki. rr :li..::i.-:... ".,,:"",,r : T " müsse und weder seine Geliebte noch er selbst diese Trennung ertragen könne. ' Ermähnnngswerth ist übrigens noch, daß dies bereits der achte Fall ist, daß fast genau an ein und derselben Stelle
in WestendAelbstmoW coupe verübt wurden. Die Selbstmörder scheinen in berechneter Absicht .gerade kurz vor derAin gegen sich zn richten, um darnach gleich aufge funden und auf den nahen Friedho f gebracht zu werdend ' ' ' " fre!ii!!:iiii-i!!i!iHl3!L!üH:::-!!irt',:ii!- , " i-''if'SS!: if"! J., ,f l'ii ;..,'!' ?" " ' "" ' , - HIÄ?,e--welche nach den kürzlich beendigten Ver Handlungen gegen die Armeelieferanten Wollanck und Hagcmann gegenwärtig ein aktuelles Interesse gewinnt, erzählt ein Leser dem Berliner Tageblatt" wie
Als ich im zweiten Halbjahr meiner Dienstzeit Untcrossiciersdienst that, wurde ich an emem Spatherbsttage für den plötzlich erkrankten Fourier unseres Bataillons Sergeant Z. zur Annahme von 20 , Wagen, Kohlen commandirt. Da der Kohlenkeller sehr, kühl war und ich meinen eigenen ' Mantel nicht in - der Kaserne hatte, fo zog ich mir einen gewöhnlichen Mannfcha'tsmantel über und war somit nicht als Einjähriger" kenntlich. 5 In Abtheilungen von 3 bis S GespannestAWe mit den letzten Wagen erschien der KohlentäMleD selbst ein kleiner, dicker Herr, und' war ersichtlich überrascht, statt des Sirgeantest Z. eine ihm unbekannte Perso n m it der A b na h me betraut zu sinden. Bei der Mittheilung, daß Z. plötzlich schwer erkrankt ! sei, betrachtete er mich sehr . aufmerksam nnd sing dann eine Unterhaltnng an, in welcher er den Sergeanten Z. als seinen langjährigen guten Freund',vries, mit dem er .immer gut fertig geworden sei. Als man mir meldete, daß alle Kohlen abgeladen seien und die Tragemannschaften abgetreten waren, wollte ich eben dem Händler bemerken, daß ich erst 19 Fuhren: Kohlen ' empfangen hätte, da überreichte er ;mir den Lieferungsschein zur Unterschrist und gleichzeitig einen 5 Thalerschein; sofort verstand ich seine Absicht. 'Um mir aber volle Gewißheit zu verschaffen, steckte ich die 5 Thaler ein nnd fragte, wo denn der 20. Wagen mit' Kohlen bliebe? , : Er lächelte mich verschmitzt an, reichte mir noch zwei harte Thaler und meinte : Sie find strenger, als mein Freund Z., mehr als 7 Thaler kann ich aber in keinem Falle geben." Auch diese 2 Thaler nahm ich; sogleich aber sagte ich ihm, wer ich sei, und daß ich den Vorfall sofort melden, würde. Der Mann schien mich ' nicht zu begreifen, und.- erst auf meine, Wiederholung erkannte er die Lage ; er blickte mich einige Augenblicke enisetzt an, flehte mich dann an, ihn und seine Familie nicht unglücklich zu machen u. .,swMnkls' ich ihm nur mit Achselzucken antwortete, taumelte er rückwärts und sank bewußtlos zur Erbe. , Ich erkannte zu meinem Schrecken, daß ihn ein, Schlaganfall betroffen hatte ; so f o r i r e qiiiirir f c i c ein eri ?tr$ t b er meine Annahme bestätigtes und man brachte den Bewußtlosen nach seiner Wohnung. . Die Sach e hatte in" der Kaserne Aii sehen erregt man .bestürmte mich mit Fragen ; ich schwieg. Erst am Nachmtttag war es mir möglich, meinem ,. "li'll-:.-' ;:;.; ,.--, . :l-- V'i-4, '.-"" anrf.--'r ... . ' Hauptmann den Vorfall zu melden und die empsangenen'7 Thaler abzuliesern. Dieser ersuchte mich, den Namen des Händlers niemals zu nennen, denn seine Strafe hatte ihm der Himmel .selbst ertheilt ; betreffs des Sergeanten behielt er sich selbst Weiteres vor. Ein Weiteres erfolgte aber nicht, denn der Sergeant starb nach 8 Tagen ; der KohlenHändler erlag einem erneuten Anfall nach . cvt V itf:'!"'- .... tt-t ximui jayicii, unu vttyuupuiiuiui ici bei Le Bourget. "! ' .."V'W.. Die kleine Lotterie" in Lesterreich. Aus Wien wird vom , 10. Juli geschrieben: Was vorauszusehen war, ist eingetroffen;! der , große Fischzug des Herrn Melchior Farkas aus Budapest, welcher nahezu, eine halbe Million . Gulden im kleinen Lotto gewann, hat Schule gemacht Die, Welt der Lottöweiber männlichen und weiblichen 'Geschlechtes will es dem glücklichen Farkas ,nachmachen. Seit gestern sind sämmtliche Lotteriekollekturen der Stadt in einer Weise besetzt, wie das seit dem Tode des populärcn Kardinals Rauscher nicht der Fall war. Das Volk drängt sich vor den Kollckturen, daß es beinahe angezeigt wäre, Tourniqucts aufzustellen,, wie bei einer Weltausstellung. ,, AlleS fetzt dieselben Nummern, mit weichender mvsteriöse Herr Farkas sein Glück versucht und erreicht hat.' Für Sonntag ist eine große Wallfahrt uach dem ! Agnesbründl"bei Sicvring in Aussicht gestellt. Das Agnesbründl" ist eine, Art Delphisches Orakel 1 aller i Lottericweiöer ; denn auf dem Grunde dieser nach der hl: AgneS benannten Quelle (auch Jangfernbründl" genannt) licaen Kieselsteine. aus deren geheimnißvollen Zeichen,, die crc....":. t.- m."tf . . ' ' -vyumujic u.i )llli!viweioer jene Ziffern kombinirt, welche nach den Regeln der Kabbala in dieLotterie gesetzt werden "sNcn1;j::ßJ ' Da der Weg nach Sievring, , welches am Fuße des Kahlerberges liegt, einigermaßen beschwerlich fällt und der Generaldirector der Staatseifenbahnen noch immer nicht daran gedacht hat, durch Erbauung einer Flügelbahn zum Jungfernbründl" dem hochlöblichen Lottogefälle dienstfrcundlichst unter die Arme zu greifen, so haben einige schlaue Eollectantenweiber diesem fühlbaren Uebelstand in der Weise abgeholfen, daß sie sozusagen Filialen des Bründls in ihren GeI.t.l.. ,r : . r.r ju)u4cu tiiiiytcicn. c?ic yaoen sofort, nachdem die Nachricht von dem Glücke des Herrn Farkas bekannt geworden, Steinchen von unverfälschter Echtheit aus dem Sieoringer Bründl herbcigebracht und halten dieselben in Kübeln zum Gebrauche für ihre zahlreich herbeieilenden Kunden in Bercitschast. Das hohe Lottoärar wird also, wenn der Rummel so fortdauert, recht bald wieder den Ausfall der lumpigen halben Million wieder hereingebracht haben. Es sei nur hier gestattet, einige statistische Daten über die Entfaltung des kleinen Lotto in Oesterreich anzufügen. In den 70 Iahrcn von 1819 bis 1889 sind über 800 Millionen Gulden in die k. k. Lottocollecturen getragen worden, wogegen sich
: -iiCi ? - ."'ff ':- j ' V m " 1 r ?! die Spareinlagen der Bevölkerung mclusive der capttalisirten Zinsen auf etwa l000 Millionen Gulden bezissern. Zweifellos würden die Ersparnisse der Bevölkerung mindestens doppelt so groß sein, wenn das k. k. Lotto nicht eristirte. Die Spielwuth ist leider immer noch in der Aufnahme begriffen, denn von 3. Millionen Gulden im Jahre 1819 haben sich die Satzgelder successive auf 22,1 Millionen, Gulden im Jahre 884 erhöht. Eharakteristifch ist, daß nicht das jüngste Jahr, sondern mit 22.6 Mill. Gulden das Jahr 1876, in welchem die wirthschaftliche Krisis der Krachperiode CL It .. js. i. r. .n. t r r n .
lyicn, öjvytyMia erreicyl vane, oie ocysle! Einnahme-Zisser des Lottoüefalles lie-! serte. n schlechten Zelten macht die kleine Lotterie die besten Geschäfte. Wie übrigens die Wiener Allg. Ztg." gerichtet, hat die Temeevarer Hanpttref-fer-Affaire eine fensationellr Wendung genommen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß bei der Zahlenziehung, in welcher bekanntlich die von Melchior FarkaS in Wien mit etwa 1500 fl. besetzten fünf Nummen, gezogen wurden, Uncorrektheiten vorfielen. Die polizeilichen Recherchen, welche in Temesvar bezüglich dieser Angelegenheit eingeleitet wurden, haben ein ganz merkwürdiges Resultat ergeben, und man aewinnt fast den Eindruck, als ob bei der Ziehung am Samstaa, ein Betrug verübt worden wäre. Bet der in Frage stehenden Lottoziehuna waren nachstehende Eommissionsmitglieder anwesend: Finanz sekrctär Ludw. Dancskay, von Seite des Steueramtes Baron Kemeny, ferner die Lottobeamten Karl Szobovits und Alexander Toppau. Als Waisenknabe war der zwölfjährige Julius Nkckphor bestimmt. Als der Knabe gegen 2 Uhr in das Ziehungsaebäude kam. trat ein älterer Herr mit einem grauen Bart, der auf einem Fuße hinkte, auf den Knaben zu, führte ihn die Stiege zum ersten Stocke empor, gab ihm zwei Silbergulden und'fagte: Gehe nur rnbig nach Hause, mein Junge, man bedarf deiner nicht. Ein Anderer wird heute die Ziehung vornehmen." Der Knabe ging nun ruhig fort, und als es ur Ziehung kommen sollte, war er Nicht a. Man schickte nun nach zwer anderen Knaben. Allein auch diese zwei Knaben wußte der ältliche, unbekannte Herr durch Geschenke zu bestimmen, daß sie nicht zur Ziehung gingen. Als die Commission - ' t . in r.. ... r. , vergeoens aus me Waisenrnaoen warreie uiid dieselben noch immer nicht kamen, nahm man einen zufällig im Publikum anwesenden Knaben, den jedoch Niemand zu nennen weiß, für die Ziehung und derselbe zog die bekannten Nummern 44, 50, 55, 80 und 88. Als die Nachricht von dem ungeheuren Gewinn nach Temesoar kam, stiegen der Commission Bedenken auf und man erhöh die obenerwähnten merkwürdigen Umstände. Die Erhebungen über den Fall werden mit Eifer fortgesetzt und sind noch lange nicht abgeschlossen. Aus Budapest wird vom selben Tage gemeldet: Mennhard Farkas, das berühmte Glückskind, ist heute Vormittags in der Redaktion des Nein et" erschienen und erklärte, daß 'er die ln der Temesvarer Zichuttg gewonnenen Gelder zum größeren Theile Zur vcechnung andere? behoben hatte. Gleichzeitig übergab er der öcedaktion des Nem zet" 5000 fl. für den Siebenbürgischungarischen Culturverein und 1000 fl. für den JournalistenPensionsfonds. Berliner Kaiser-Slnekdoten. Berlin,' im Juli. Es ist nicht zu leugnen, daß die Persönlichkeit des Kaisers Wilhelm II., die bei seiner Thronbesteigung eine ziemlich räthselhafte, nur durch widersprechende Gerüchte und Schilderungen bekannt war, jetzt festere Contouren gewinnt und auf dem Wege ist, gerade populär zu werden. Wenigstens deutet eine Reihe von Anekdotcn darauf hin, dicin den Berliner Salons eifrig kolporttrt werden. Die meisten dieser Schilderungen entsprechen dem lebendigen, bcrnahe übersprudelnden Eindruck, den der junge Kaiser macht, seiner Ungezwungenheit im Verkehr und jener kurz angebundenen Redeweise, die er sich angeeignet hat und von welcher stets die ersten Berichte über seine Ansprachen und Trinksprüche Zeugniß ablegen. Daß diese urwüchsigen Ausdrücke, wie z. B. das berühmt gewordene auf der Strecke liegen bleiben" und über den Haufen schießen" wirklich geäußert wurden, daran zweifelt in Berlin Niemand. Der Kaiser gibt ja selber zu, daß manches zu drastische Bild einer offiziellen Milderung, bedarf und er soll selbst einmal dem Kanzler gesagt haben: Corrigiren Sie nur darauf los, wenn es sein muß, aber gesagt bleibt gesagt." Die Gruudzüge an dem Charakter des Kaisers sind das eminent ' Berlinerische in feinem Wesen nnd seine durch allerHand kleine Fakta bethätigte Pietät für die Hohenzollern'schen Ueberlieferungen. Beides zeigt sich so recht, wenn, wie es wiederholt in der. letzten Zeit der Fall gewesen, in dem großen Schlosse Hdffestlichkciten stattfinden, in jenem interessanten Riesenbau, welchen der Begründer des kleinen Königreichs Preußenvorsorglich derart herstellte, daß die lebende Prachtfülle des deutscheu Reiches fich in diesen Räumen ganz gehörig und behaglich zu bewegen vermag. Da , leugne man noch den richtigen' Blick in die Zukunft für die Seinen und den eigenen Stamm. : '.IC. t C' Die Lakaien, die unter der Einfahrt dem geladenen Gast den Ueberzieher abnehmen, find so golden galonnirt und reich betreßt, wie es die dienstbaren Geister waren, welche zur Zeit des alten Fritze" hier amtirten. . ' Die beiden Schildwachen treten auch nach der Ordonnanz von 1720 ins Gewehr, indem sie die Beine , weit ausspreitzen nnd mit dem Kolben der Flinte auf, das Parket stoßen ungefähr wie in dem Pariser , Theater durch die berühmten trois coups 1 drr Anfang der Vorstellungen kundgegeben wird. Die künstlerische Einkleidung , der großen Festgalerie hat allerdings eine modernere Gewandung, wenn auch die Architektur und die Ausstattung aus der Entstehungszeit des Hohenzollernthums stammen. Unter den Bildern, die ich hier mit wohlbegreiflicher Aufmerksamkeit betrachten durfte, hebe ich die Portraits der
Zaren Nikolaus und Alexander II., des Kaisers Franz im weißen Unisormfrack und des Kaisers Franz Josef in der Uniform seines preußischen Regiments hervor. Auch einige andere Souveräne ge ringerer Machtgattung sind hier cusgestellt; dabei sei bemerkt, daß sämmtliche Portraits persönliche Geschenke der betressenden Potentaten sind.... An diese Bilder reiht sich A, v. Weniers KaiserProklamation in Versailles" an, und dazu gesellt sich ein anderes, durch die Photographie seitdem stark vervielfältigtes Bild: Die Rückkehr König WilHelms, Moltkcs und VismarckS aus Böhmen im Jahre 1806, als sie, nach-
dem sie Mitten in dem wildesten, unversöhnlichen Confliklskampf ausgezogen waren, von weißgewaschenen" Jungfrauen eingeholt wurden. Hier in diesem Prachtfaale liebt es der junge Kaijer bei feierlichen Anlässen feine Familie und die Granden des Reiches zu versammeln. Während sich Alle der strengsten Observanz, der peinlichsten Etikette befleißen und an ceremonieller Steifheit nichts wünschen lassen, bewegt sich der Kaiser mit der größten Ungezwungenhelt, plaudert mit diezem und Jenem, lacht sogar hell auf, so daß dem wundervollen und verknöcherten Vertreter des HofcercmoniellS, dem hente pcnsionirten Oberhofmarschall Graf Pcrponcher die wenigen Haare zu Berge stehen. Im Publicum kümmert man sich vielfach um das Verhältniß des Kaisers zum Kanzler, Bekanntlich ist der heutige deutsche Kaiser, was Staatskunst und politische Gewandtheit anbetrisst, ein Zögling des großen Staatskanzlers. Namentlich in dem Jahre vor der Thronbesteignng, als die Krankheit Friedrich des Edlen den Zeitpunkt immer näher rückte, wo der damalige Prinz Wilhelm deutscher Kaiser werden sollte, vermehrten sich die Lektionen", welche Fürst Bismarck dem sehr gefügigen Schüler angedeihen ließ. Als der Zögling Kaiser von Deutschland wurde und der Lehrmeister sich als Kanzler zum ersten allgehorsamsten und unterthänigsten" Vortrag cinfand, wies der junge Monarch ans einen Stuhl. Entschuldiaen. Majestät", erwiderte der Kanzler, ich befinde mich bier nicht blos vor memem König, der jünger ist als ich, der mir seine Freundschaft nebst seinem Vertrauen zuwenden mag. Aber ich kann nicht vergessen, daß ich vor dem Vertreter des königlichen Pnnlps bm und vor diesem darf ein preußischer MinNer nur stehend Vortrag halten." Der junge Kaiser blieb einen Äuaenblick nachdenkend, dann reichte er dem Kanzler beide Hände." In der That tragt Fürst Btsmarck, wie er es gewohnt.war, stehend vor, aber der Kaiser nimmt die Vorträge ebenfalls steheno entgegen. Zwischen dem Grafen Herbert und dem Kaiser ist das Verhältniß ein sehr vertrauliches. Wilhelm II. behandelt mitunter den ältesten Sohn des Kanzlers mit einer ans Kameradschaitliche streiken den Freundlichkeit. Namentlich war dies während der italienlscheu Reise der Fall. Viele Persönlichkeiten wollten sich dieses zu Nutzen machen und trachteten den Grafen Herbert, mit dem sie verwandt oder näher bekannt waren, für ihre Wunsche und Ansprüche zu gewmnen. Der Sohn des Kauzlers war vorsichtig genug, sich diese Protektlonsbe dürftigen vom Leibe zu halten nur ein mal lien er sich zu einem Fürwort verleiten. Ein dem Hofstaate des Kaisers Friedrich zugetheilter Baron R. war nach dem Tode des Kaisers und der Auflösungder Cour desselben beschäftigungsloS. Um nicht ganz zu einer Null herabzusinken, hatte Baron N. den lebhaften Wnrnch; wieder in das Regiment Garde dn Corps einzutreten, dem er früher angehört halte. Dem Kaiser allein als Ehef des Neaiments gebührte d!e Entscheidung, und den vielen Bitten und Drängen des Barons und seiner Familie nachgebend, entschloß, sich end lich Graf Herbert Bismarck, das Gesuch des Garde du Corps-lustiaen Edelmanncs dem Kaiser mitzutheilen. Es war das erstemal, daß er mit dergleichen kam, und es dürste wohl das letztemal gewesen sein. Der Kaiser hörte den Grasen sehr kühl an, und nachdem er geendet hatte, erkundigte er sich: Gehört dies auch zu Ihrem Vortrag?" Damit war die Sache erledigt freilich nicht in dem Sinne, den Baron R. gehofft hatte. Originell war die Art und Weise, wie der Chef des Militärkabinets, General v. Abedyll, seineu Abschied erhielt. Ein Korpskommando war frei geworden nnd wiederholt hatte General v. Abedvll sich erknndigt, ob es dem Kaiser genähm wäre, die Vorschlage sür Wiederbesetzung dieses hohen milikärischen Postens entgegenzunehmen. Der Kaiser hatte immer ausweichend geantwertet, bis er eines schönen' Morgens nach einer Parade dem verblüfften Chef der militärischen Kabinetskanzlei zurief: Herr General, ich gratulire Ihnen, Sie sind zum Kommandanten des Korps ernannt und dürfen , unverzüglich Ihr Kommando antreten." Der Gencral v. Abedhll, dem es durchaus nicht darum zn thun war, Berlin zn verlassen und feine maßgebende Stellung aufzugeben, stammelte einige,, von' größter Verblüffung zeigende ' Redensarten. Diese wicö der Kaiser sehr kurz zurück. Lieber Abedyll," sagte er ihm, Sie haben volle dreizehn Jahre regiert, lassen Sie mich auch ein bischen d'ran kommen." Bekanntlich liebt es der Kaiser die verschiedenen ,', Regimenter der Berliner, Potsdammer und Spandauer Garnison zu alarmiren und einer eingehenden Inspektion zu unterwerfen. Nach gethaner Arbeit pflegt der Kaifcr mit dem Offizierskorps in der Menage zu frühstücken. Er merkte jedoch bald, daß die Offiziere sich in besondere Unkosten stürzten, was er verhindern wollte. Als er im Laufe des letzten Winters einer Kavallerie-Ka-ferne in üblicher Weise den Bauch abgestattet, versagte er stch in die Menage". Dort waren in aller Eile alle möglichen Delikalessen aufgetragen worden und die Champagnerflaschen ruhten in den Kübeln., Der Kaiser betrachtete die Leckerbissen mit anscheinendem Besremden. Oho," sagte er, Sie halten heute Galatgs'cl, meine Herren, wem zn Ehren?" und da die Antwort auf fich warten ließ " doch nicht meinetwegen ? Ich frühstücke gewöhnlich Butterbrod und
Bier, das ist nicbkS für mich. Und zur selben Stunde verließ er die Menage", die Galatafel ihrem Schicksale überlas-
send. fk cl-j xm MKLMT iä3k M M IM. ""V sfe jSl. Jl TR ADE iM MARK. 11 m&?-& k?'lss 'l E das alte deutsche Bltttreinignttgsmittel. tt: lernte und d;Llgs,e M,dm f.kgcn rZkrdanvngSheZchwkrdc. TyHl,csilk.Soxf?meri allknlkScn. sAdlütipkkit. Hautkrankheilku. lrtch'UÄk, asicklege. Uebkikrik. Z?rdnlktdkv, cschÄüre uS anZrrk rsukhrilrädrS MagcnZ, der Leber oder dcö'VluteS. SbenZogezeadie ' Stiim des wtldllchen e schlecht. VreiZ SS ssrntS; l enplhrke zuhab k. TKZ CNAELES 4. V0CELER CO., EaHlmorB. avuLfcS Das grofze Schinerzettheilmittek Nhemuatismtts, eißen im Gesicht, Glkedkrreißen, ffrofS beulen, Gkcht, Herensckuö, Kreuz. nth und Hüftknlelden. Asikkenschmerzen, ' Verstauchungen, Steksen Hat, Frisch Wuilden, SchnittmunBen, Quetsch, ungen und Vrühungen. Zahnschmerzett, Kopfweh, Brandmuttden, Gelenkschmerze, Ohrenweh, Aufgesprungene Hände. nd alle Schmerzen, welche eia äußerliches Mit tel bensttzigen. VretS ZO ÜtntS; in allen AKelhrten ,n lz,te. rus cnim.Ks k. voLere cg.. LMmyr,. . Mne borpglichc Gelegenheit zur Ucl erfahrt zwischen Teu?schland und Llmerika bietet die bewahrte und beliebte Bal imore Linke des Nord deutschen Slo yd. Die rühmlichst bekannten, neuen und erprobten Postdampser dieser Lm!e fahren rege!naßig wöchmllich zwischen Baltimore -und Bremen diese t .nd nehmen Passagiere zu sehr billigen Pre'ifen. Gute Verpflegung! Größtmöglichste? Sicherheit! Dolmeifcher begleiten dke Ein 'Wanderer auf der Ncizc nach dem Westen. 'Bis Ende 1883 wurden mit Lloyd-Tampsern i,nsz,riz Passagiere glücklich über den Ocean befördert, gewiß ei gutes Zeugniß sür die Beliebtheit dieser &me Weitere Auskunft er'chellen : . Schumacher Je ?s , Eniera!Agenten, No. L Eüd löay Str.. Ba!ttore, Wd. Hder deren Vertreter im Jnlande. F. WILL. PAKTIER, Apotheker, Frische Arzneien. Mäßige Preise Recepten besondere SorMt. 54 West Washington - Straf: ev , Unter dem VateHeus. Ilahe der Transker.Car. ku CubePs Saloonnebft Kegelbahn. Prachtvoller Garten für Famikienaufenthalt. Gute Getränke, aufmerksame Bedienung. ft. 333 Süd Meridian Strafe. fT3tfn Sauistag Abend ausge? zeichueter Lunch. ... t : ; 1 i - COMPANY, No. 10 Süd Mcridian.Strabe. &mttx Um Merchaui Nat. Sani.) Absolut dicbs-u. feuerfest James F. Failey. G. G. Cornelius, Prisidrt. ViccxrSstden O. R. Frenzel, Secretar. i S,h5"n ittTN ustewadr, von Qerihpaterru jeder; L ktten und auZwttR iihrilch oermultzer. N,szart-Ha.N-Joyn ZI Koenkger, Agent. -".MM . Das größte, schönste nnd älteste derartig Lokal in der Etadt. Die geräumiZe nn!' schön eingerichtete Halle sieln Vereinen, Lo gen und Prwaten zur Abhaltung von VäÜen, Concertln und Vtrsaznni!ungc:r unter liberalen Bedingungen zur VerfuZung. ürllÄil CP Me .Stund rn: N0. 197 H. ALABAMA - STRASSE TiZ 8:30 SorrniltS lind den 12 bis 2 . C'1 9?crf)mitffls;3.
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