Indiana Tribüne, Volume 12, Number 316, Indianapolis, Marion County, 4 August 1889 — Page 3
W. Weeson's Testament.
Tfloxan vcn H. RiÄir'Haggard. Ak!rrfrtzuuU don Statt B ieidshr (12. Fortsetzung und Schluß.) CZ war geschehen, sie waren Mann und Frau. Die Fahrt nach dem Hanuo-ver-Squac war kurz und das erste Geficht, was sie begrüßte, war der Knabe von der City (John), begleitet von seinem Bruder, dem Knaben von Pump court (Jamcs), welcher wahrscheinlich mitgekommen wir, ihm den Weg zu zeigen der wahrscheinlicher, weil er dachte, kasi da etwas Eßbares abfallen mußte. Der erstere hielt in seiner Hand ein ganz gcrichtZmnßig ausschauendes Schreiben. Der Brief ist mit erpeij bezeich? net, Sir: und so dachte ich, es wäre besser, ihn hierherzubringen sagte der Knabe und händigte Zohn den Brief ein. John erbrach das Schreiben und Euflachs Züge, dem gerichtliche Schriftstücke höchst antipathisch geworden waren, erhellten sich, als er erfuhr, daß es nur die hosiich? Mittheilung von Seiten des gegnerischen SolizitorS sei, daß keine Berufung eingelegt werden solle. Diese Nachricht erregte allseitige Vefriedigung und in froher Stimmung setzte man sich nieder zum Hochzcitsmahl. Selbst Lady Holmhurst fühlte sich zum erstenmal nach ihres Gatten Tode heiter und glücklich und war wieder lebhaft und gesprächig, vie früher. Und über ihrem munteren Wesen lag in solcher Nciz, daß selbst James seiner Gelehrsamkeit und der Verantwortlichkeit seines hohen Berufes vergaß und redete wie jeder andere Christ. Ja er verstieg sich sogar zu einem Niesenkompliment, das drei Satzperioden umfaßte, deren jede wieder in verschiedene Punkte getheilt war. Schließlich erhob sich Dr. Probate, um die Gesundheit auf die Braut auszu bringen; und er that es allerliebst, wie man es nur von einem Manne erwarten kann, der eine so außergewöhnliche Vertrautheit besitzt mit Eheangelegenheiten. Seine 3!cde war geradezu entzückend und mit klassischen Citaten geschickt verwoben. Ich habe öfter geHort schloß er, las? alle Menschen vom Schicksal in Wahrheit gleich begünstigt feien aus ihrem Lebenswege. Ich habe die Wahrheit dieser Behauptung stets bezweifelt, und nun bin ich von der Unrichtigkrit derselben anz überzeugt. Mr. Eustach Meeson st ein vorzüglicher junger Mann, und es möge mir erlaubt sein, öuszusprechen, auch ein sehr schmucker junger Mann, aber was, mochte ich die Gesellschaft fragen, hat Mr. Meeson mehr als andere Menschen gethan, um sein großes Glück zu rechtfertigen? Warum ist ferner dieser junge Herr unter so vielen jungen Leuten berufen worden, zwei Millionen zu erben, und die reizendste, begabteste und charaktervollste junge Dame, welche mir jemals begegnet ist, heimzuführen eine junge Dame, welche nicht nur zwanzigfach das Glück auf ihrem Gesichte trägt, nein, auch in ihrem Kopf und uf ihrem Nacken und was für eins!! Ja, liebe? Freund," und er verbeugte sich gegen Eustach : Halt fest das Glück, daS Dir hinieden Ist durch der Götter Huld beschieden!" .Ich beglückwünsche Sie, wie alle Menschen einen so vom Glück begünstigten Mann beglückwünschen müssen ; von Herzen wünsche ich Ihnen Glück und von Herzen bitte ich Sie, erwerben Sie, verdienen Sie sich das ungewöhnliche Glück, daß de Vorsehung Ihnen beschickn hat, und vslt werden seines Besitzes doppelt sroh fein!"' Daraus erhob sich Eustach, um eine Ansprache zu halten, die ihm aus dem Stegreif trefflich gelang. Er erzählte, roh er schon beim ersten Blick im Kontor seines Onkels zu Birmingham sich in das holde Antlitz Augujtas' verliebt habe. iSv schilderte, was er empfunden habe, als er nach Birmingham zurückgekehrt sei und feine Liebe ausgeflogcn gefunden habe, und was er gelitten, als er sich sagen mußte, daß sie mit dem Känguruh"' untergegangen sei. Dann kam er auf den glücklichen Tag ihrer Rückkehr und uf die noch glücklicheren Tage zu sprechm, da er entdeckt hatte, daß auch er ihr nicht gleichgiltig sei, und schloß so: Äecto? Probate hat geäußert, daß, ich vom Schicksal besonders begünstigt bin, und ich gestehe die Wahrheit feiner Wemerku?:q zu. In der That, ich bin über mein Verdienst glücklich, so glücklich, daß ich förmlich erschreckt bin. Wenn ich mich umwende und mein treues Weib an meiner Seite sitzen sehe, bin ich besorgt, daß alles nur ein Traum fein möchte und dah mich bei meinem Erwachen eine öde Wirklichkeit um so schrecklicher anstarren könnte. Und dann wieder dies kolossale Vermögen, welches sie mir durch ihren Opfcrmuth erkämpfte, ich kann noch kaum' daran glauben. Doch mit Gottes Hilfe hoffe ich viel Gutes damit bewirken zu können, und werde ich mich stets erinnern, welche Verantwortlichkeit damit mir auferlegt ist. Aber auch sie ist ein Schatz, der in meine Hand gelegt worden ist, ein Schatz von unschätzbarem Werth! Aber. Du lieber Himmel, mit ihrer Hilfe hoffe ich, s zn was Gutem bringen zu können und ich werde stets eingedenk sein, daß mir in ihr ein ßr,ßes Pfand anvertraut ist." Dann giug er auf ein anderes Thema über und brachte die Gesundheit der beiden Zwillinge aus, welche allein stehend, im Kampse so kräftige Schlage ausgetheilt hätten und den General anwalt und feine ganze gelehrte Phalan in die Flucht geschlagen hätten. Daraus erhob sich James zu? Replik, und er ürde in langsthmiger Äeredts samkeit den ganzen Proceß nocheinmal durchgegangen sein, hätte nicht Lady Holmyurft in Verzweiflung ihn am AerNie! gezupft und ihm gesagt, daß er jetzt ihr Wohl ausbringen mülse ; dies that er denn auch mit Begeisterung und Auf richtkgkeit, spielte leicht auf ihrrn Wittvenstand an und desinirke sie als alleinstehende Dame mit allen Rechten und Rücksichten, die eine? solchen zustehen. Alles brach in Aachen aus, auch die , arme Lady Holmhurst selbst, und James setzte sich, nicht ohne Unwillen darüber, dajz die unverständige Welt es wage.
'einen so präcisen juristischen Ausdruck in'S Lächerliche zu ziehen. Und danach ging August fort und kleidete sich um, dann folgte ein hastiger Abschied: und um sich der Beobachtung zu entziehe, fuhren sie nach gut englischer Sitte unter einem wahren Hagel von alten Schuhen in einem hübschen Kab von bannen. Noch einmal im Meefon'schen Verlag. Ein Monat ist vcraanaen ein Monat
mit seinen langen Sommertaep und allem Glück, das nur ein liebendes Paar während seines Honigmonds unter günstigsten Verhältnissen an den reizenhm sonnigen Punkten der Inseln des britischen CanalS genießen kann. Während der letzten vierzehn Tage schon waren gewisse Vereinbarungen zwischen Mr. John Short, als autorisirtem Bevollmächtigtem, und den Vertretern der Herren Addison und Noscoe ge troffen worden, des Inhalts, daß der Antheil an dem großen Verlag ben beiden Herren abgekauft würde, und daß Eustach Meeson nun einziger Besther des unermeßlichen Anwesens würde, das er unter seine persönliche Oberaufsicht zu stellen beabsichtigte. Nunwar er, begleitet von John Short, welchen er in die Stelle eines SolicitorS seiner geschäftlichen und privaten Angelegenheiten eingesetzt hatte, und von Au, gusta, beschäftigt, eine formelle Uebernähme der Schlüssel des Hauptdirectors zu vollziehen, welcher im Etablissement allgemein als Nummer Eins bekannt war. Ich mochte die Eontracte der Autoren von Anfang vorigen Jahres nachsehen!" sagte Eustach. Nummer Eins legte ihm dieselben etwas mürrisch vor. Ihm war dieser bestimmt auftretende junge Besitzer mit seinen freien und den Meeson'schen Principien zuwiderlaufenden Ansichten nicht angenehm. Eustach durchlief die Papiere, und dabei stand sein glückliches Weib neben ihm und wunderte sich über die fast kaleidoskovartige Veränderung ihrer Verhältnizze. Als sie zuletzt hier gestanden hatte, vor noch kaum einem Jahre, hatte sie als demüthige Bittstellerin um wenige Pfund gebettelt, um damit ihrer Schwester Leben zu retten, und nun Plötzlich stutzte Eustach, und er nahm ein Document aus dem Bündel und las es durch. Es war Augustas Contract mit Meeson und Compagnie über' Jeminas Gelübde", welcher sie auf sünf Jahre band, der einst all das Unheil und, wie ste selbst glaubte, auch den Tod ihrer kleinen Schwester verschuldet hatte. Hier, mein Herz," sagte Eustach zu seiner Gattin, hier ist ein Geschenk für Dich. Nimm es!" Augusta ergriff es, und als sie es ansah, schauderte sie. Es brachte ihr alle jene schmerzlichen Ereignisse wieder in's Gedächtniß. Was soll ich damit?" fragte sie. Soll ich es zerreißen?" Ja," antwortete er. Doch nein, warte noch," und er nahm es und schrieb quer darüber mit fester Schrift: Wi verrufen," zeichnete und datirte es dann. Da," sagte er nun lassen wir es unter Glas und Nahmen bringen, und es soll hier in dem Büreau hängen als Beweis für die Geschäftsufancen bei Meesons." Nummer Eins rümvfte die Nase und sah bestürzt auf Eustach. Was würde der junge Mann noch Alles in der nach sten Zeit thun ? Sind die Herren in der Halle versammelt?" fragte Eustach ihn, wahrend er die übrigen Documente wieder fortlegte. Nummer Eins bejahte, und sie begaben sich in die Halle, in welcher alle Redakteure, Unterredakteure, Direktoren, Unterdirektoren der verschiedenen Abtheilungen, Elcrks und andere Ange stellt nicht zu vergessen die zahmen Autoren, welche, einblasses und staubiges Regiment, dorthin aus ihren Verschlägen herbeigekommen waren, dazu die zahmen Künstler mit fliegenden Haaren versammelt und wurden von Nummer Eins in Reihen geordnet. Als Eustach, seine Gemahlin und John Short in die Halle eintraten, wo einige Stühle aufgestellt waren, verbeugten sich Alle, während er sie aufforderte, sich zu setzen, eine Erlaubniß, von welcher die zahmen Schriftsteller, welche den Tag über und oft auch einen guten Theil der Nacht in ihren kleinen Verschlafen sitzen Mußten, nicht gern Nnfcrn ju ziehen schienen. Aber die zahmen Künstler, welche 'meistens stehend arbeiten mußten, setzten sich bereitwillig. Meine Herren," sagte Eustach, lassen Sie mich Ihnen zuerst meine Gattin Mrs. Meeson vorstellen, welche in anderer Eigenschaft allerdings nicht gerade zu ihrem eigenen Vortheil mit diesem Geschäft in Verbindung gestanden hat, da sie die beste Dichtung, welche jemals durch unsere Presse gegangen, geschrieben hat" . (hier brachen einige Hitzköpfe in Beifallsrufe aus, und Augusta erröthete und verbeugte sich) und welche, wie ich überzeugt bu?,.uns noch manches vielleicht noch besseres Werk schreiben wird, welches wir die Ehre haben werden, in die Welt hinaus zu senden. l,Applaus.) Dann, meine Herren, lassen Sie mich Ihnen Mr. John Short, meinen SolicUor, vorstellen, welcher' zusammen mit seinem Zwillingsbruder, Mr. James Short, den großen Proceß führte, in welchen ich in so hervorragender Weise verwickelt war. Und nun habe ich Ihnen zu fagen, warum ich Sie alle hierher geladen yabe. Zuerst, um Ihnen mitzutheilen, daß ich nun alleiniger Besitzer dieses Gefchäftes bin, da ich den Herren Äddison und Noscoe ihren Antheil, abgekauft habe (das ist schon," horte man eine Stimme) und daß ich, hoffe, daß lum gut nnteinander arbeiten werden; zweitens mochte ich ie davon in Kenntniß setzen, daß ich die Geschäftsführung des EtablissementS'von Grund aus umzugestals ten gesonnen bin, (Sensation!), wozu ich unter. Äeihilfe von Mr. Short bereits die Grundlinien eniwörsen habe. Ich weiß von der Gewinnanfstellung. , nach welcher der Verkaufspreis der Antheilte , der Herren Addison und Noscoe berechnet war, daß der durchschnittliche Nettonutzen dieses Hauses während der lebten zehn Jahre sicb auf 57 und unge-
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rade Procent vom angelegten Kapitas belief. Nun, ich bin entschlossen, daß in Zukunft der 9!ettoprosit einer Unternehmung auf folgende Weise vertheilt werden soll: 10 Procent dem Autor des Buches und 10 Procent dem Hause. Dann würde ein Ueberschuß bleiben, welcher in folgender Weise vertheilt würde: Ein Drittel von dem die Hälfte zu einem Penssosfonds verwandt wird für die Beamten des Haust'S, die Antheile in bestimmten Stufen geordnet (großartige Sensation, besonders unter den zabmcn Autoren) und der Nest dem Verfasser des Werkes. Also angenommen, ein Buch würfe 100 Procent ab, so würde ich 10 Procent, die Veamten 20 Procent und die Autoren 04 Procent erhalten." Hier wurde er unterbrochen von Num.ner Eins, welcher seinen Aerger nicht länger bezwingen konnte. Ich verzichte sagte er, ich verzichte! MeeZons sollen sich mit 10 Procent und ohne Spesen begnügen, wähs rend ein Autor ein einfacher Autor 60 erhält! Das wäre eine Schmach!" Wenn Sie zu verzichten vorgehen, ist es mir auch recht," sagte Eustach scharf. Abc? ich möchte Ihnen rathen, sich Zeit zur Ueberlegunz; zu nehmen. Meine Herren fuhr Eustach fort, es mag Ihnen dies als' eine ungeheure Aenderung erscheinen, aber trotzdem kann ich wohl sagen, daß ich kein kopfloser Philantrop bin ! Ich denke, es wird sich auch so bezahlt, gut bezahlt machen. Um damit zu beginnen, werde ich nie ein Werk annehmen, von dem ich nicht glaube, daß es sich bezahlt machen wird. Meine eigenen 10 Procent werden die erste'Abgabe sein; dann die 10 sür die Autoren. Wenn ich natürlich ein Buch auf Spekulation ankaufe und das Risiko mit übernehme, würde sich die Sache etwas anders stellen. Aber ich bin wie andere Geschäftsleute mit einem sicheren Nettoprofit von 10 Procent zufrieden. Und da ich denke, daß ein guter Schrift? steller auf diese Weise im Stande sein wird, ein hübsches Einkommen aus stinem Werke zu erzielen, so erwarte ich, daß alle guten SchMsteller sich in ihrem eigenen Jnteresfe I mir verlegen werden. Aber auch Sie, meine Herren, werden sich am Ende eines Jahres besser dabei stehen, als jetzt. (Jubel!) Dann muß ich noch ein oder zwei weitere Sachen berühren. Zuerst die Kclleroerschlage. Dieselben sind ein Skandal für ein großartiges Etablissement, wie das unsere ist, und werden abgeschasst (Freudenausbrüche der zahmen Autoren) und werden eine hübsche Neihe geräumiger Zimmer an ihrer Stelle errrchtet; ferner, ihre Inhaber werden in Zukunft eine sehr beträchtliche, dauernde Gehaltserhöhung empfangen. (Erneute lebhafte Freudenbezeigungen!) Schließlich will ich dies Svstem dies nnwivige System, die Menschen mit Zahlen zu bezeichuen, als wären sie die Sträflinge und nicht freie Engländer, anfheben. Von nun an wird Jeder in diesem Etablissement wieder seinen eigenen Namen führen." (Lautes Beifallsgeschrei!) Und nun zum Schluß: Ich hoffe, Sie alle heute über acbk Tage bei mir in Pompadour-Hall 'zun Diner zu fehen, wo wir unsere neuen Einrichtungen und die neue Firma einweihen wollen, welche jetzt wie früher als Meeson und Co." bekannt sein wird, denn da wirallc an Einnahmen unserer Unternehmungen betheiligt sind, so können wir es ja auch jetzt wohl noch ein Compagniegeschaft nennen, und zwar hoffe ich ein erspneßs liches und ehrenhaftes Compagniegeschaft, im wahren Sinne des Wortes." Unter nicht endenwollenden Beifallsrufen vcrneigte sich Eustach und seine Gattin, und man geleitete sie an die bereitstehenden Wagen, der sie uach Pom dour-Hall führen sollte. In einer halben Stunde gelangten sie vor die prachtigen Tore, aus welchem kaum ein Jahr vorher Eustach fortgejagt worden war, um ftin Glück in der Fremde zu suchen. Da aus der anderen Seite waren in langen Reihen die Diener aufgestellt, prächtig in Sammt und Seide gekleidet (beim Mr. MeesonS Dienerschaft war noch nicht entlassen worden) und dastand der dicke Hansmeister Johnson, derselbe, welcher einst dem Onkel seine Abschiedsgrüße ausgerichtet hatte. Allmächtiger Himmel ! sagte Augusta uno sah auf die marmornen Thürschwellen, da stnd sechs von diesen großen Lataun. Was sollen nur nur mtt dlesen allen?" Jagen mir sie alle zum Teufel," sagte Eustach' kurz ; der Anblick dieser wohlgenährten Gesellschaft ist mir auch nun zuwider." Und dann geleitete man sie unter Verbeugungen hinein und ele sie es sich versahen, fanden sie sich bei. einem über alle Begriffe luxuriösen Mahl. Es nahm eine Stunde und zwanzig Minuten in Anspruch, oder besser, die sechs Lakaien nsmen'diese Zeit in Anspruch, um die silbernen Schüsseln aus und ein zu tragen. Niemals feit ihrer Verheirathung hatten sich Eustach und Augusta so ungemüthlich gefühlt. Ich kann nicht behaupten, daß mich ber Reichthum sonderlich erfreute!" sagte Augusta, stand auf und ging uf ihren Gatten zu, als Johnson endlich leise die Zrbür hinter sich geschlossen hatte. . ES erdrückt mich." So geht es auch mir," sagte Eustach, und ich sage Dir, woran es liegt, Gusste," und er schlang seinen Arm um sie: Ich kann diese widerwärtigen Gefellen nicht so um mich herumstehen sehen. Ich will diese Besitzung verkausen und dafür ein gemüthliches Heim er werben." Und in diesem Augenblicke kam ein unangenehme Ueberraschimg. Plötzlich und ohne die geringste Ankündigung offncten sich die Thüren auf beiden Seiten des Gemaches. Durch die eine kamen zwei der langen Lakaien mit Kaffee, Rahm u. s. w. und durch die andere Johnson und ein anderes gepudertes Individv.um mit Cognac und anderen Ll-, aueuren. Und Augusta konnte sich vor! Schreck kaum rühren und Eustach h!elt sie noch immer umfangen. '' Erst als sie näher traten, .vermochte sie sich einen Schritt zu entfernen, sie blieb verlegen stehen und selbst Eustach errötete. Die Diener allein zeigten keine Vttfo
genhelt und verschwanden geräuschlos, wie sie gekommen. - :yi4H0 O, ich kann dies nicht aushalten," sagte Augusta mit schwacher Stimme, als sie hinaus waren. Ich gehe zu Bette; ich fühle mich ganz ohnmächtig." Das ist auch das beste," sagte Eustach, was wir in diesem unbehaglichen Hause thun können. Zum Henker! roa-' rum konte auch Short nicht zum Diner kommen? Wenn ich nur wüßte, ob hier wohl eine Stelle ist, wo man eine Pfeife oder Cigarre rauchen könnte!, Ich glaube gar, diese Burschen würden mich merkwürdig anschauen, wenn ich hier meine Pfeife rauchen wollte! Zu meines Onkels Zeit war das. Rauchen perboten, und so mußte ich in der Haushalterstnbe rauchen z aber : das geht, denn doch jetzt nicht mehr.". Warum willst Du denn nicht hier rauchen? Das Zimmer ist so groß, . es würde nicht darnach riechen," sagte Augusta. ; Wenn auch!" sagte Eustach ; denke nur an die sammtenen Vorhänge! Wer kann überhaupt in einem S0 Fuß langen und 30 Fuß breiten 'Saal einsam seine Cigaxre rauchen, ohne den Verstand zu verlieren. Nein, ich werde auch nach oben gehen und dort rauchen:"", Und so that er. Am nächsten Morgen saßen Eustach und Augusta in einem kleinen Zimmer beim Kassee. Das .Licht, strömte durch die reich mit Gold verzierten Vorhänge, welche noch niedergelassen waren. Es siel auf die Kanne von solidem Silber, auf die Decken und Teppiche, auf die werthvollen Möbel und spielte auf den kostbaren goldumrahmten Gemälden. Augusta sah dies alles, und sie dachte, an den früheren Herrn all dieser ungezahlten Herrlichkeiten, wie er sterbend in der elenden Hütte auf Kerguelenland lag. Welch ein Kontrast! ' Eustach," hub sie sanft lächelnd an, Irfi mSJRf TNfr timnct innen ns ff- HtVHH h V jwijfcl.. Nun. was denn?" tagte dieser. Eustach, wir sind zu reich, wirmüssen mit all diesem Gelde irgend etwas beginnen." Gut sagte Eustach, ich bin es zufrieden. Was gedenkst Du denn zu beginnen?" Ich möchte eine größere Summe fortgeben sagen wir zweihünderttaufend, es ist für uns so wenig um ein Institut sür kranke Schriftsteller zu gründen." ES ist mir recht," sagte Eustach, nur mußt Du die Sache in die Hand nehmen, ich kann es nicht mehr auf mich nehmen. Nebenbei fügte er hinzu, erinnerst Du Dich noch dessen, , was Dir der alte Herr vor seinem Tode sagte? Ich glaube, daß nothleidende Schriststeller, welche bei Meesons veröffentlicht haben, erstes Anrecht auf Unterstützung haben müßten." So dachte ich es mir auch." sagte Augusta, und sie setzte sich an den vergoldeten Schreibtisch und begann, einen solchen Entwurf aufzusetzen. .Gussie " sagte plötzlich ihr Gatte. Ich hatte vorhin einen merkwürdigen Traum." w : V, Nun," sagte sie kurz, denn sie war mit ihrem Thema beschäftigt. Was war es denn?" Ich träumte, daß James Short zum Rath ernannt worden sei, zwanzigtausend Pfund jährlich verdiene und Lady Holmhurst gehcirathet hatte." Es sollte mich nicht wundern, wenn eö wahr würde" antwortete Augusta und kaute an der Spitze des Federhalters. Dann trat wieder eine Pause ein. Gussie," sagte Eustach plötzlich, bist Du ganz glücklich? Ja, wirklich, ich bin es; daS heißt, ich wäre eö ohne diese Lakaien und silbernen Wassergcfäße. ,v Das wundert mich,", sagte der Gatte. Warum?" . ;v (V ;-. Weil nun, wegen des Testaments auf Deinem Nacken. Jch hatte , nicht oeglaubt, daß eine Frau ganz glücklich sein könnte, welche nicht bei Hofe erscheinen kann." , ' '; . ;', - Augusta aber lit ihre Feder fallen und war in einem Augenblick an, seiner Seite. ; . Du thörichter Mann 'sägte sie . Ih chelnd und schlang die Arme um seinen Hals, was soll mir ein anderer Hof? Ist hier nicht mein König und strenger Gebieter? Und wo er weilt, ist da nicht auch mein Königshof?!" i: Eine Er inn e r u n g a n Goethe ist kürzlich aufgefunden worden. Wie man dem Oberl.Volksbl." schreibt, ist auf dem Balmberg oberhalb Sols thurm in einer alten Gade ein Tischlein entdeckt, auf welchem folgender Vers in aothischen Buchstaben eingeschnitten steht fGoethe hat vor 119 Jahren dort eine Bergluftkur gemacht) : nuö Dorninl nfrnrT wr ! ' : J VXJV. X. .v . ; Der große Meister Gsethe ist ! ;, ! Allhier zu Tisch gesessen ' ! , Und hat wie jeder andere Christ ; , Supp', Fleisch. Gemäss gegessen. Wie fröhlich klirrten Gabel und Mes- . ser, , DaS Essen war gut, der Witz noch des- . h:..v- ... iiiF'iijvi; Er hat uns Solothurmer hochgehalten, D'rum ehren ; wir ihn auch, den Alten ! Der e lg st f$IMX$i ti Arabin war berühmt wegen der Ausspräche, ,d!e ost seinem gelehrten Munde entflossen. Zu einem Ängeklagten i er u. A.: Wenn es je einen schlimmeren Fall von Dicbstahl gab, als 1 diesen Fall, so ist es dieser Fall." Einettt überführten Verbrecher, führte er die Milde de5 gefällten Urtheils in , den schönen Worten zn Gemüthe: Der Gerichtshof wäre berechtigt , gewesen, Sie auf eine, weit Ihre Lebenszeit überschreitende Zeitdauer zur Transportation zu verurthcilen, aber in seiner Milde will er soweit nicht gehen." Einem gelinder davonaekommenen Sunder bemerkte er: Ich will Ihnen , Gelegenheit geben, Ihren guten Nüf derz unwiederbringlich verloren ist, wieder zu gersinnen." Widerlegung. Was sagen Sie zu, dem Benehmen unseres Gastfreundes? Das ist doch zu miserabel. Wie können Sie sein Benehmen tadeln, er hat doch keins. Ein Don Juan hat j ebenfalls viel Trene aensssen. Sontt würde I er sie obl nicht brechen.
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Humoristisches aus dem Leben
t: i eines Reisenden. Zu den bekanntesten und berühmtesten Forjchungsreisenden unserer Zeit zählt der russische Staatsrath Dr. Gustav Nadde in Tistis. Ein geborener Danziger, lebt er seit 1852 in Nußland bezw, in dessen astatischen Bcsttzungen, und hat während dieser 37 Jahre Sibirien und dle unteren Amur-Geblete, tlentralajten, den Kaukasus und die neuen Besitzunczen Rußlands östlich vom Kaspi auf das Eingehendste und Gründlichste erforscht. Die wissenschaftlichen Ergebnisse seiner Untersuchungen sind in großen Werken nieder gelegt, während die anthropologischen und geographischen Gesellschaften sich der unausgesetzten Mitarbclterschast des Dr. Nadde erfreuen. So angesehen, bekannt und geachtet unker diesen Umständen aber auch sein Name bei uns ist, so sind doch nur Wenige mit ihm in persönliche Berührung gekommen, da er, seit er die Hcimath verlassen, eben nur noch selten und für kurze Zeit dieselbe wieder aussuchen konnte. Deshalb begrüßt? man jetzt umso freudiger die Nachricht, daß er an der Jnlisitzung der Berliner Gesellschaft für Erdkunde, zu deren Ehrenmitglied er im Marz d.J. ernannt wurde, theilnehmen würde. Nachdem dep Vorsitzende, Professor Freiherr von Nichthofen, Sr. Ercellenz mit warmen Worten die Urkunde über die Ehrenmitgliedschast eingehändigt hatte, bestieg Dr. Nadde, eine mittelgroße starke Gestalt mit buschigem Schnurrbart iudem ebenso ausdrucksvollen wie jovialen Antlitz, die Rednertribüne, um einen Ueberblick über sein Leben und seine Reisen zu geben. Im Laufe so vieler Jahre hat er sich völlig die eigenthümliche Aussprache der Russen angeeignet, beherrscht aber sonst die Sprache meisterhast, wechselt in geradezu dramatischer Art oft dle Betonung und giebt seinen Worten Nachdruck durch lebhafte Bewegungen, so daß er zu den besten und interessantesten Rednern gehört. Mit Vorliebe wird er humoristisch, und in bezeichnender Weise erwähnte er selbst mehrmals seinen lustigen Mnnd". Was er bot, war kein wissenschaftlicher Vortrag, sondern eine Fülle fesselnder Einzelheiten, interessanter Bilder. Daß er während so vieler Wanderjahre manch' lustiges Abenteuer neben vielem Ernsten erlebte, kann man sich denken und wie er selbst in seinen Erzählungen die Lichtfeiten hervorhob und über'die Schatten flüchtig hinwegglitt, so wollen auch wir hier versuchen, aus der Masse j einer Mittheilungen vorwiegend die Humorist!schen wiederzugeben, die, unter behaglichem Lächeln vorgetragen, in der gelehr ten Versammlung Stürme der Heiterkeit erweckten. In solcher Weise wirkten schon seine ersten Worte: Schone Damen, liebe Herren", da keine Damen die nur vereinzelt in den Logen erscheinen der Gesellschaft angehören. Von Zeit zu Zeit siebt man den Alten gern", fuhr er sort, und so ginge es ihm hier. Wenn die Arbeiten erledigt seien und die wunderschonen Jagden im Kaukasus vorbei, dann erfrische ihn wohl-die russische Regieruttg durch Austräge, welche sein Gewissen nicht zn schwer drückten und es ihm ennoglichlen, wieder nach dem Westen, nach Europa zu kommen. Seine Jugend sei lart, arbeitsam und dunkel gewesen. Nicht leicht war s Sohn eines Schulmeisters zu sein. Machte man's nach dem Willen des Vaters, so prügelten Einen die Jungen ; machte man's ihnen recht, so schlug der Vaters Der Anblick eines seltenen Jnsectes, das sich in einer aus Spanien geschickten Sammlung befand, brachte ihn zu dem Entschlüsse, auch Naturforscher zu werden. Aber in Spanien gab's Räuber". So begab sich Nadde 1852, ausgerüstet mit einigen Kundert Tbalern. welcke ibm die Naturforschende Gesellschaft, wie edle Gönner aeaeben, 1652 von Danzig nach der rim, wo er bei dem berühmten Botani? ker Stevens Aufnahme fand. Er wan äderte dann von einem Gut und einem Weinkeller, zum anderen, überall die Jphtgenle" deklamlrenv und sammelnd, erlebte den Krimkrieg, ward dann von einem reichen russischen Gutsbesitzer aus acht Tage eingeladen und oiico auf der Besitzung 11 Jahre. Er hatte Wagen. Diener, Alles, und der Freund sagte: Blech bei m:r, Brüderchen, bis zu Deu nem Ende" aber er wollte selbständig werden. Langsam fuhr er nach Petersbürg, bei den Bauern fastend, bei den Altgläubigen im Kalten schlafend und nicht rauchend, überall die Sitten beobachtend und mitmachend. In Petersbürg meldete er sich zu einer ostsibirischen Expedition. Die Gesgraphische Gezellscüaft fragte nach seinen Bedingunaen Ich, damals noch ein unverdorbener Jüngling, wußte keine zu stellen und sagte: Gebt mir einen Militärmantel und schickt mich, wohin kein Anderer geht." Das imponine. Er ward angenommen und erforschte mit wenigen Begleitern Alles Sträflinge, Mörder, Näuber vnd Brandstifter, die ein Kosak führte den Baikals. Das Aeußere desselben hätte nur Lenau richtig schildern können. Von Bucht zu Bucht dunkle Föhren, Felscnufcr, ganz klares, eiskal? teS und doch tiefschwarzes Wasser, im Juli 4 Grad Neaumur, viel Negen, aus unermeßliche Strecken hin kein Mensch. Dann ward ein zweiter See aufgesucht, um aus diesen! eine dort lebende blutrothe Forelle milzunehmen Um an oen ee zu gelangen, mußte man age lana. wenn man nicht acrade einen Bärenpfad traf, von Felfen zu' Felsen springen. Erhitzt, "trank N. eiskaltes Wasser u::d erkrankte sofort lebensge'jährlich am gastrischen Fieber. 1856 durchforschte, er die Mongole!. 1837 lebte er mtt , drei Kosaken im Urwalde am Amur ein Lcbcn ähnlich dem deS Robinson. Der nächste Nachbar war ein alter Tunguse, der auf einer Strecke von 00 Meilen noch zehn " Untergebene bakte, sonst kein Mensch, nur ss'hr, viele Bären. Jch fällte,, selbst die Bäume undzimmerte ! mein , Haus, schoß Wild,! sing Fische, bereitete mir Speisenund Kaviar, errichtete einen russischen, Backofen! und backte von , dein initgebrachten d!itl)l alle acht Tage Brot mtt Hilfe von Sauerteig, den ich während , der Woche anfertigte. Hier ist es etwas bequemer, aber auch theuerer zu lebend dort war's billiger." Der März war der Hungermonat. Der alte Kosak, der sehr gut
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schoß, war gestorben, an das Wild kam man nicht heran und Fische konnte man nicht fangen,' da auf dem Amur daS EiS noch meterdick war. Selbst der Tungufe, der sich eine große Wanne in das Eis geharen und in das Loch einen Kasten gesetzt hatte, um von dort aus Lachse zu Harpuniren, konnte während mehrerer Tage nichts erbeuten. Da kam er zu Nadde und bat: Mache mir einen neuen zZott, mem alter ist ichwach geworden. Dieser Gott bestand aus dem Bilde eines alten Mannes, der zwei Kinder füttert! N., der selbst Hungerönoth befürchtete, erwiderte : Es ist sehr schwer, aber ich will Dir in acht Tagen einen neuen Gott machen, wenn Du mir künftig von allem Wild und den Fischen, die Du durch ihn erbeutest, die Hälfte giebst." ..Ja. Herr! Aber gieb dem Gotte doch einen schwarzen Bart, damit er starker wird." Das geschah, und zwei Tage spater brachte der Tunguse einen riesigen Lachs mit den Worten: Dein Gott ist sehr starkjHerr!" Im Sommer machte später ein anderer Tunguse jn betrunkenem Zustande einen Mordversuch auf N. Dieser riß ihm Luntengewehr und Messer weg, ließ ihn binden, und hielt am nächsten Tage, um den Menschen für immer einzuschüchtern, eine Art von Gericht ab. Er legte auf den Tisch ein rothes Tuch, zündete zwei Kerzen an, und legte auf das Tuch zwei alte Majors-Epauletien. , Dann ward der Gefangene herungebracht und ihm erklärt, daß die beisen Epauletten der Weiße Zar und dessen Gemahlin wären. Da sank der Tunguse in die Kniee und sichte heulend um Gnade, die ihm nach längeren Ermahnungen auch zu Theil ward. Er schlief die Nacht hindurch noch vor dem Haufe (nicht in demselben, weil es ihm da zu heiß gewesen wäre) und überreichte am nächsten Morgendem großmüthig'en Gegner, ehe er aufbrach, zwei Nennthierrippen als Geschenk. ' Nach weiteren Neisen ward Nadde in Tistis angestellt und lebt seit 1863 im Kaukasus, den er überall erforscht hat, ebenso wie Jnnerasim und Armenien, wobei er anch den Elbrus und den Arrarat bestieg. Auf einer Neise nach Transkaspicn mußte er da, wo jetzt Krasnowodsk liegt, in einem russischen Lager vier Wochen bleiben, weil man Angriffe der Turkmenen befürchtete. Es war die Hölle auf Erden: alle 24 Stunden gab es eine Flasche Trinkwasser, die Wäsche konnte nicht gereinigt werden, es wimmeltc von Ungeziefer, Fliegen, Skorpionen und Giftschlsngen,.Schnaps war die wichtigste Nahrung, ables Andere fast ungenießbar. Aber man kann auch das schlechteste Zeug herunterwürgen, wenn man nur den Gaumen nicht bewegt. Da legte eines Tages ein großer Dampser an, es entstieg ihm der GroßfürstStatthalter, und Nadde, der Majorsrang hatte, ward ihm vorgestellt, mit Du ein Zeichen des Wohlwollens angeredet und zur Tafel an Bord befohlen. Das war ein Uebergang. Dasaß er, schmutzig, voll Insekte.., bis an den Hals zugeknopst, an der von Silber und Krystall strotzenden Tafel. ), diese Speisen uno Weine! Und als ich unter den vielen schönen Schnäpsen auch Danziger Goldwasscr fand, da ging mir das Herz auf! Und wie ich erst mit meinem lustigen Munde zwei Witze gemacht hatte, mußte ich inich neben di; Großfürsten setzen!" , N. erhielt dann von den Adjutanten Kleider und Wäsche, ward vom Großfürsten aufgefordert, diesen zu begleiten, und machte eine Fahrt mit, welche oft : die Wunder von 1001 Nacht übertraf. Im Kaukasus besuchte er später ein noch ganz wildes Volk, die Vetsuanen. Dieselben schlagen ihren Feinden die linke Hand ab und nageln sie an die Schießschatttn ihrer Burgen ; die Kinder lernen ant redcn'und fechten. DaS ganze Volk betreibt Bierbrauerei (mittels Hopfen) und Biertrinkcn als Gottesdienst. Sodckin erforschte N. die neuen Besitzungen in Turkcstan. In Merw waren um 9 Uhr 33 Grad Celsius, um 11 Uhr 42, um 2 Uhr 52, mehrmals 54 und 60 Grad sogar. Schrecklicher noch war die Hitze auf einem späteren Zuge durch die Wüsten zur afghanischen Grenze. Bier aus Astrachan, das stark mit Glyznin versetzt war und 1,20 Rnbel die Flasche kostete, schmeckte köstlich, war aber gleich verbraucht. Der Wein ward sauer, das Wasser, in Schläuchen von Ziegenlcder, ungenießbar, Schatten gab es nur unter den Pferden; so war das einzige Labsal der Schnaps, der in der furchtbarsten Hitze wie bei schrecklichster Kälte immer noch wirkt. Nach entsetzlichen Strapazen glaubte man endlich Kosaken zu treffen, fand aber Afghanen, da die Grenzen verändert waren, und wurde von diesen aus russisches Gebiet zurückgebracht. Unterwegs trank N. kaltes Wasser, lag nach zwei Stunden schon im Fieber und traf schwerkrank in Serakhö ein. Aber nach drei Tagen war er wieder gesund und auf dem Bataillonsfeste so lustig, daß ihn i die dankbaren Soldaten vor Freude einen halben Fäden in die Luft warfen. 1883 folgt wieder eine märchenhaft schone Neise mit dem Großfürsten. Im Winter führt N. ein ofsenesHans in Tistis und kann dann nicht viel arbeiten. Im Sommer aber, wenn feine Familie auf dem Lande , weilt und Tistis leer ist, w:dn:ct er sich bei 26 Gr. C. im Schatten. ,m dürftigsten Kostüm am Schreibtisch sitzend, seinen wissenschaftlichen Studien. , Während des nächsten Jahres will der, unermüdliche Neizende wieder eine Hochgebirgsfahrtunternchmen. ' Als cr mit Worten des Dankcö an alle Annzescnden endete, lohnte minutenianaee rauschender Btlsall seine fesselnden Schil. derungen. , , .,, " ' ''. -, S in n sv ru ch. Ein Weib'überhort viel eher im Wachen Des springenden Pulverthurms Krach ' - ; ;,; , $ sicherlich ö ;i '' Als, von der tiefsten Ohnmacht befangen, Den allerleisesten Spruch über sich! 1 :r;:;'i!;,:;;:V:'i yl dff: -' Fataler Druckfehler. (Aus einer AeltunaSrecension.j Fräulein Amanda Bläulich" erfreute darauf das Auditorium durch den Chopin'schen Wal-, zer, den sie mit vieler Wärme und glän? zender Fingcrfettigkcit zum Vortraa krackte.
wrfSl Einen lustigen trclch fpielte jüngst Frau Musica so wird der Straß. Post" aus dem Landkreise Metz geschrieben einem biederen Bürqer von Pont:ü:Mousson. Vtsgter Franzmann ist, darf mau seiner, eigenen Versicherung glauben, ein leihnschastlicher Musikfreund und schwört demgemäß nur bei der PolyHmnnts. Seine Werchrung für die hehre Muse äußert sich allerdings zuweilen in recht absoitderlicher Werze, wobei er vermuthftch von seinem nicht übermäßig ästcthisch?n, im übrigen aber durchaus ehrbaren und nicht minder einträglichen Beruf geleitet wird. Er handelt nämlich im geÄhnlichen Leben mit Käse. Der gute Mann hatte also in einem deutschen Grenzorte ein lekerkastenähnliches Jn strument eingehandelt,und zwar ein sogeuannleS Ari'ston", welches in einer dortigen m Wirthschaft geraume Zeit hindurch daS Entsehen Verzeihung! das Ergötzen der Gaste gewesen war. Das moderne Musik-Jnstrument (verzeiht, ihr Musen, daS frevelnde Wort!) mit dem ' klassischen Namen gelangte wohlbehalten nach Pont-u-Mousson ; der glückliche Besitzer und mit ihm eine Anzahl geladcner Freunde schwelgen längst im Vorgefühl deS seltenen Kunstgeuusses. DaS erste .Notenblatt", eine durchbrochene Pappscheibe, wird kunstgerecht eingefügt; die Spannung ist aufs Höchste gestiegen, einige Kurbcldrehungen und Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben" scholl hell und muuter die Meloiie des Preußenliedes durch die Straße deserzfranzosischen Städtchens. Keinem der zunächst am Konzerte" Vetheiligten ist die W!elodie näher bekannt. Di frische, fröhliche Weise gefiel ihnen und dem Wunsche, sie des öfteren wiederholt zu sehen, wurde gern stattgegeben. Neber den weiteren Verlauf der musikalischen Aufführung zeigen die verschiedenen Berichte wenig Uebereinstimmung. Nur das haben sie gemeinsam, daß das Konzert eine jähe Unterbrechung erlilt und sich unter anderen ungebetenen Gästen auch ein Diener der heiligen Herman dad bei demselben ein fand. Nach der einen Lesart - geschah letzteres, um mit aller Strenge des Gesetzes gegen solch unerhörten politischen Unsug ein'zuschrciten, während die andere Lesart wissen will, der Gkndarm sei zunächst nur zum persönlichen Schutze des Kon:ertgcbcr3 eingetreten, da die auf der Straßesich angcsamknelte johlende Menge Miene machte, das verdachtige Haus zu stürmen, die zur Erkenntniß gelangten Freunde aber in auflodernder Entrüstung nicht übel Lust bezeugten, den fchnödcn Gastgeber kurzer Hand zu lynchen. ,Da5 Schicksal des Ariston ist in Dunkel gehüllt, Mt Liebhaberei des Musikfreundes aber soll seit jener Zeit einen argen Stoß erlitten haben. m m i Zwischen N ierstein und Oppenheim, in hcrrlicherLage amRheine, liegt das altbekannte Gelbe Haus", der ehemalige Versammlungsort vieler Fürsten und Grasen. Nicht allein weil eZ auf einem von der Natur sehr bevorzugten Fleckchen Erde liegt, sondern auch wegen des in seiner Nahe sich befindenden Nömerbades, im Volksmund Si-rona-Quelle genannt, galt es von jeher alL beliebter Aufenthaltsort. Das ,tx wähnte Bad ist zwar noch ziemlich gut erhalten, auch noch die Schwefelquelle, jedoch, da nichts sür die Erhaltung des selben gethan wird wird es im Laufe der Zeit dem Versalle immer mehr entgegen gehen und schon deshalb, weil sich ca. 2 Fuß Wasser in dem ganzen Raum befinden. Man schreibt dem Kaiser Ner die Gründung dieses Bades zu, wie denn ja überall in den vsn den römischen Le gionen eroberten Ländern Bäder errichte! worden sind. Wahrscheinlich ist es, daß der berühmte Weinort Nierstein seinen Namen von dieser Quelle hat ; ein vor Kurzem in dem Bade entdeckter Ste! mit der Aufschrift Aa.ua Neri" laßt darauf schließen. Die Einrichtung eines Nömerbades hat viel Aehnlichkcit mit der türkischen und russischen. Aul 23 Stufen gelangt man in das Heizzims mer und von da in das Chaldarium, in welchem wahrscheinlich theils Schwitzbäder, theils irkliche heiße Wasserbäder sialtfanden. Dieser Raum, dessen Wän, de, durch verschiedene Inschriften, eini von sehr hohem Alter, geziert werden und dessen gewölbte Decken noch hier und da Spuren von Malereien zeigen, ist ss eingerichtet, daß sich in ihmdie vcm Heizzimmer entströmende Wärme nach allen Seiten verbreiten konnte; denn der Fußboden ist hohl, ebenso' scheinen es auch 2 Seitenwände gewesen zu sein. In diesem gewölbeähnlichen Badezimmerbesinden sich die 2 Hauptquellen, ferner verschiedene Bassins, zu welchen 6 steinerne Stufen führen und an zwei Wänbcn zieben sich steinerne Bänke entlang, wahrscheinlich um den Badenden 'die Wahl zwischen der höheren und niederen Temperatur zu lassen. Bon dem Heizzimmer oder Hvpocaustum gelangt man in verschiedene kleine Kammern, in welchen das Salben und Oelcn des Körxers vorgenommen würbe. Dem größeren Aufschwünge anderer Bader mußt die Sironaquelle weichen, jedenfalls ist es von allgemeinem Interesse, wenn man , auf das Vorhändensein dieses alten , Baues aufmerksam macht. Wenn sich auch nicht mit voller Gewißheit bestim- , men läßt, daß der große Corse das Bad benützt hat, so wird dies doch von alteren Leuten allgemein behauptet; aus einer Inschrift geht hervor, vaß unter dem Eonsulat Napoleons am 24. Mai im 11. Jahre des Bestehens der französischen Republik das Bad auss neue wieder hergestellt wurde. I m me r I u r ist. r , Ant pfclg nein Patienten): Sie sind damit einrerstanden daß ich nicht um Sie zu äugstlgen, sondern zu meiner eigenen Beruhigung, ein Paar Eollegen zum Eonsilium einlade?" Richter: Wenn Sie glauben, daß hierin sür Sie ein mil derndcr' Umsiänd liegt, so bringen Sie nur her die Mitschuldigen I U n a n g e n e h m e r D r u ck f e h: 1er. Weine aller Sorten 'tauft u.nd verkauft. Sch.' ,M!ercr, Cömmlssio,:är "lMMMA.-z.KMM Der b e r'l h m t e H u t ni a ch e r. Wer war Nembrandt ? , Ein Hutfabrikant, denn man spricht doch immer vor. Nembrandthüten.
