Indiana Tribüne, Volume 11, Number 52, Indianapolis, Marion County, 9 November 1887 — Page 1
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Jahrgang 11. Ofpee: .Oo. 120 M QqjOIqoö Gfcaßc. Nurmet 52 Tlodispoli0, ScDicca, Mittwoch, d 9. November 1007.
Oajeioßo t dieser Spalte kofteu 6 &ntf per Beile. Anzeigen in welchen Stellen gesucht, oder offerirt teerten, siudeu unentgeltliche Vnsnahme. VsK,' M4ft Tftrt BiS?n. kZe ahn
beschränkt erneuert werden. Unzeiga, welche bis Magß 1 Uhr adg,eba werben, sind noch a seMgtt lagt Cufna&c OeslaJt.
erlangt etn Janitor. reßttHs.
Rachiufregen in der llno
verlangt. Ein Kann für Haularbeit im Etrele VrtH,tk. 19 verlangt: Si gute! deutsche ädchen für tfutoxbtit. Kew asch. achjusragen St. 296 littb Rlbam, ttie. 10
verlangt: in deutsche! Rädchen, ein Waschen mu ügl. l. 128 ord ft Strafe. 9n
Stellegesuche.
Olittftt urti we Stelle in einer FamM für HttZudeit. chiusragen i der Okftee dS. US. 20 9 Zu vermlethen. 8 verniet den: LeikUiii Stschäftihauk. .149xe$l? tid, in ackftitnhau mit 7 Üimmttm, Gtag, an e,cherratze, östlich von latfmlt. S.A. Bargier, 83 vashtngt
GtxU' 88 Zu verkaufen. L vrksen: St Saloon nebst Boardin, hau U um dfchaft tn der ähe bei Union Depot. Der jetzig tgenthümer ist a,ungen, renkheU Ialber da e'chäft asjugebea. ach,nfraaen tn er Offte d.US. C23 15o Verschiedenes.
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Tobes-Wlnzeige.
keradtn und Freunden die traurig achricht.
U unser gelleSter Satte nd ater, Wilhelm G&manxx,
unl an Dienstag, den 8. ovemder, LormiUag nach lge Leid im ter ou 63 Jahren durch den
ntrrffen würd.
Die Leerdigung findet am Donnerstag, den 10.
,, achmUtag 2 Uhr, vom Trauerhause, .IN ESd Jlinoi Straße, (JllinoiS Hau) au, statt, o,u rgebenft einladen Die trauernde Hinterbliebene. Gertrud Olraann, lZattiu. koui (Stmauu, 1 Zosephin Konidilk, aeb. Eßsann,? MtfkmmlHt. Louisa Vtekerso, oc6. Eßmann,? SMia Sgmann, jr.i
NeueS per Telegraph.
lZtttcrauSlie)ten. Washington. 9 Novdr. Regen, dann hübscht Wttter.
Immer mehr Sensation. Chicago, 9. Nov. Zwei Männer vurden unter der Anklage der Verschwö rung verhafttt. Nähere will die Polizei nicht angeben. (Vielleicht veiß sie nichts.) Frederick Korst, der am Samstag verbaf tet wurde, hatte vier Revolver bei sich. E, hatte ein Einverständnib mit Emil Wende, demselben ein Dudend zu liefern. Wende wurde ebenfalls verhastet. Sehr liebenswürdig von ihm. Chicago. 9. Nov. Die .Tribünesagt Richter Gary habe ein Schreiben ausgelebt das gielden vom Galgen retten wird. E heißt, daß Grinnell dem Gouvernör auch einige für Schwad günstige Angaben
gmacht hat.
DrahtnaüriStell. Die gestrigen Wahlen. Die Berichte über die gestrigen Wahlen
find in ihren Einzelheiten noch moger,
doch so viel ist sicher, dab in Ohio die
Republikanee und in New Vork die
Demokraten einen durchschlagenden Er solg erzielten. Die Mehrheit der Demo keaten im Staate Nem Vork ist vielleicht
20,000. DaS ist etwa kolossales und
giebt den Demokraten berechtigte Hoff nung auf einen Sieg im nächsten Jahre.
Die Mibrbeit der Republikaner in
Ohio beträgt auch uagesähr 20.000 und
zeigt einen bedeutenaen republikanischen
Gewinn.
Was das Arbkitervotum betrifft, so hat
die Union Labor Party in Hamilton
County (Cincinnzti) 12.000 bi 13.000 Stimmen abgegeben. Die Henry George Partei beka n im gl lzen Staate New
Äork etwa 60,000 stimmen, also weniger
als da vorige Mal in der Stadt New
York allein. Die S.ärke der Pcogres-
five Labor Party laßt sich noch nicht er
kennen.
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D. 0. H.
Die rüder der Freu, Loge o. 6Z find hiermit er
5ch.fich a Dannerstag. den 10. vmHer, achmittag t Uhr,t der Logenhalle 4n,ufin
d,a den egrUniZ dt rerftordenen rneer
.kkß bi,uhnn. Die Mitglied der
Schiller Loge 0.Z8I dieselben Ord find den.
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Die Anarchisten. Chicago, 8. Nov. Anwa.t ZeiSler
besuchte heute Lingg auf Ersuchen deS
Advokaten Black um ihn in Bezug auf die in seiner Zelle gefundenen Bomben zu befrage. Lingg sagte er wisse nich-s von den Bomben und fügte dann hinzu:
Ich werde ganz positiv kein Begnadigungsgesuch unterschreiben. Ich und noch einige werden gehängt werden, aber ich werde absolut nichts sagen. waS denen helfen könnte, welche unterzeichnet haben Ich hasse sie deshalb und würde nicht meinen Finger aufheben, um sie zu retten.
Sie unterschreiben nicht.
Cpt. Black besuchte heute zum l.dten Male ParsönS, Fischer und Engel, um sie zu überreden die Petition an den
ouverneur au unteriazeetven. ( war
vergeblich. ParsonS sagte : .Wenn der Staat tl fertig bringen kann, uns zu hängen, dann können w r es auch fiktig bringen, zu sterben. Die Vier waren
unbeweglich, trotzdem erst wenige Augen blicke vorher die Frauen Fischer'S. Par
son'S und Engels in heezzerktiotndek
Weise in Gegenwart der Kinder edenfall
um Unterzeichnung gebeten hatten. . Haben Angst. Die Waffenhändler treffen Beeberei
tungen, um am Tage der Hinrichtung
ihre Waffen vergucken und in Sicherheit
bringen zu können. Eine rührende Szene.
Eine ergreifende, dramatische Scene
spielte sich im Bureau deS Gefäng isseS
ab." Zum ersten Male seit länger als ei nem Jahre umarmten sich einer dee Ver
urtheilten und seine Göttin. Seit län
ger a!S einem Zahre besteht die höchste
Intimität, welche zwischen den Unglück
lichen und ihren Gattinnen möglich ist.
in dem Berühren mit den Fingerspitzen
durch das Gitterwerk hindurch. Da
fügte es sich zufällig, dab Sm Fielden
einige Augenblicke auberhalb der Eisen
stäbe war, und seine geliebt Gattin.
die sich von ihrer Erkrankung wieder eini
germaßen erholt hat, benutzte diese lang und heiß ersehnte Gelegenheit sofort.
Der Steinhändler Johnfton. welcher an der speciellen Bewegung hervorragender
Geschäftsleute zu Gunsten FieldenS her vorragend betheiligt ist, kam in das Ge
sängnib und setzte e ausnahmsweise
durch, daß ihm gestattet wurde, im Bu
reau des Schließer Folz eine Conferenz
mit Fielden abzuhalten. Letztem mußte. um dieses Zimmer zu erreichen, durch das
Gefängnißbureau gehen. Feau Fielden
hatte ruhig im Corridor gesessen und, ihr
kleines Kind im Schooß und einen ölte
ren Jungen zur Seite, mit ihrem Gemahl
geplaudert.
Als Fielden in das Bureau genommen wurde, blieb die armeJeau Ansangt ganz
ruhig und weinte nur in sich hinein, sowie
aber ihr Gatte nach stattgehabter Be sprechung wieder durch das Gefängnik bureau ging, sprang daS Weib, allen Gefängnißregeln zum Trotze, hinzu, warf sich ihm an die Brüst, schlang den einen Arm fest um ihn. während sie mit dem andern den Säugling hielt, bedeckte sein seelenvolleS, wenn auch in der langen hast etwas vewildekteS Aallid mit ftülsen und rief ein über da? andere Mal :
JD Sam, mein Mann, mein Mann !" Dann einte sie krampfhaft vor. Freude und Schmerz. Fielden erwitderle diese Liebkosungen mit gleicher Wärme. Nie mand unter den Anwesenden hatte den Muth, die Beiden auseinander zu reißen. Alle. auch . die abgehärtetsten Gefängniß scherzen und Reporter, waren von dieser Scene sichtlich gerührt. Fielden und seine Gattin würdigten diese Zurückhaltung und trennten sich bald freiwillig wenn auch noch so ungern. Ueberhaupt gilt Fielden unter allen Berurtheilten al der ältlichste Gatte und Bater und selbst seine bitterskn Feinde, die ihn beobachten, können fich einer gewissen Sympatie für ihn nicht erwehren. In der Jail. Die Gefangenen, it Ausnahme Lingg'S, wurden heute Morgen auf eine Stunde au? ihren Zöllen gelassen. Sie wurden bei ihrem Gange durch den Cor ridor unter scharfer Aufsicht gehalten und durften mit keinem and, ren Gefangenen sprechen.- Während deS Frühstücks paß ten die BailiffS sorgfältig auf und nah men gleich nach Beendigung desselben Messer und Gabeln weg. Lingg darf gar nicht mehr auS seiner Zelle. Bloß heute, während dieselbe wiederum durchsucht wurde, durste er
heraus, wurde aber dann sofort wredkr
eingeschlossen.
Keinerlei Eßwaaren dürfen den Ge
sangenen mehr gebracht werden, weil man fürchtet, daß sie vergiftet sein könnten.
Engel händigte heute seiner Gattin eine
Quantität schmutziger Wäsche ein. Man
untersuchte dieselbe und fand einen Zettel,
auf dem geschrieben stand, daß er noch vor
der Hinrichtung Gift nehmen und nicht am Galgen sterben werde.
Die Begnadigungsgesuche.'
Die letzte Delegation reifte heute nach
Speingfield ab. Cpt. Black sprach die
Hoffnung auS, daß Schwab und Fielden
jedenfalls begnadigt werden, für Lingg
habe er gar keine Hoffnung.
Advokat Fostee bemüht sich speziell um
Schwab und Fielden.
Folgende Personen unterschrieben heute
das Gesuch um Begnadigung : Thomas
s. Windes. W K. McAllifter. Richter
des AptllationSgerichtiS; I. I. Healey,
Clerk deS AppellationSgerichteS, Potter Palmer, einer der reichsten Männer der
Stadt. Fielden, SpieS und Schwab unter
schrieben heute eine neue Petition die etwas milder im Ton gehalten ist, als die vorik und worin sie um Gerechtigkeit
nachsuchen.
ParsonS schrieb einen langen Brief an George Schilling. Derselbe wird den
Bries dem Gouverneur OgleSby vor
lesen. ParsonS beschreibt darin seinen
LebenSlaus und besonders seine Agitation
zur Befreiung der Sklaven. Der Brie schliefet wie folgt:
,So wurde ich in meinem ausgedehnten
Landstriche, in den Baumwolle, ttorn
und Zuckerplantagen bekannt als der
Verfechter politischer Freiheit, geliebt von
den Schwarzen, gehaßt von den Weißen
Damals glaubte ich, daß die Schwarze
wirklich frei feien, und daß sie bloß der
Ermuthigung bedürften, ihre. Freihe!
anzuwenden. Aber ich begriff nicht, daß ökomonische Abhängigkeit, d. h. indu
strielle Dienstbarkeit politische Freihei
unmöglich mache. Weder ich noch die Schwarzen wußten, daß bloß die Form
ihrer Sklaverei geändert worden war,
Ich wußte nicht daß ökonomische Freibei
die Basi politischer Freiheit sein müsse, und daß das Lohnsystem Klassen und
ttlassendienftbarkeit bedeute. Und nun,
wie die früheren Heloten, so arbeiten auch
die sogenannten freien Schwarzen in Ge
meinschast mit ihren weißen Brüdern wie
daS Vieh und sterben wie das Vieh in de ewigen Tretmühle der Lohnsklaverei. Abreise der Delegaten.
Um 11 Uhr 20 Min. heute Abend reifte
die Haupt.delegation nach Springfield ab
Präsident Oliver und andere Mitglieder
der Amnestie Association waren zeitig am
Bahnhof. Sle führten einen kleinen
Koffer und mehrere Handtaschen voll Do
kumente mit. Unter Denen, welche die Delegation begleiteten, befand sich die
alte Frau SpieS. M,ß Sketchen SpieS
die drei Brüder August'S: Ferdinand
Henry und ChrigianSpieS.FrauSchwab,
Frau Fischer und Mib Marie Engel
Frau Engel und Frau ParsonS gingen
nicht mit. auch Nina Van Zandt nicht. Zda.Müllek. die Geliebte Lingg'S ent
schloß sich noch im letzten Augenblicke
mitzugehen.
Capt. Black wird daß Wort für die
Delegation führen, Solomon, Diron, Rohrback. Streeter und. Andere werde jedoch ebenfalls Reden halten. Heute Nachmittag entsarsen die LegiS laturmitglieder George F. Rohrback. W. P Wright. George W. Smith. M. I Dwyer,- Leo P.. D.wver. Thomas Mc Elliott. Jame O'Connor. C. G. Dixon. Daniel McLaughlin und A. I. Streeter ein Gesuch um Begnadigung, unter allen
Umständen aber um einen Aufschub von
dreißig Tagen.
Die Auffindung von Bomben.
Wal schon vor mehreren Tgen, an
äßlich drr Schauergeschichten von PittS
bürg und Washington, vorhergesagt wurde, nämlich': daß tnai sich in den
nächsten Tagen noch auf viel sensotionel-
ere Schauergeschichten gefaßt halten önne, da hat stch inzwischen .glänzend-
beahrheitet. Der' gestern gemeldete
angebliche Fund' von 4 Bomben . in
Lingg'S Zelle wird heute noch gehörig
ausgebeutet. Gesehen .hat die Bomben
bis jetzt Niemand, ausgenommen die
Polizei, welche die Geschichte selber in
Umlauf gesetzt hat und welcher man aui'S
Wort glauben soll, sowie der .Chemiker", der die Bomben angeblich prüfte, dessen
Name aber ebenfalls den Zeitgenossen
verschwiegen wird! Der Sheriff sagt heute, dieser unbekannte Chemiker habe gesagt, die Bomben enthielten wirklich und wahrhaftig Dynamit.
Wenn sie in einer Seifenschachtel wie
die Polizei behauptet, eingeschmuggelt wurden, und zu Selbstmordzwecken die
nen sollten, mußten eS jedenfalls ganz
kleine Dinger sein.
Und diese Geschichte erscheint noch
windiger durch den Umstand, daß die Personen, welche behaupten, die Bomben
eien gefunden worden, sich hinsichtlich
deS Charakters derselben auf' Schroffste
widersprechen.
Alle diese Umstände zwingenden kühler
Denkenden zu der Annahme, daß entwe
der die ganze Geschichte eine jener vielen
Erfindungen ist. welche daraus berechnet sind, die BegnadigungSbewegung zu
schädigen (gegen welche ein Theil dir
Ch'cagoer Polizeileit einigen Tagen alle
Hebel in Be-oegung setzt), oder daß die
Bomben mit Wissen und Willen wacht habender Personen eingeschmuggelt wur
den. Ein Dritte glebt e nicht! Auf die wenigen ruhig denkenden Menschen
macht daher die neueste .Bombensevsa
rion" nur einen komischer Eind uck
Mittlerweile dauern die Bombensunde
lustig fort. ES verlautete heute gegen
Abend, daß die Polizei wieder elf Dyna
mitbomben in dem Hause eineS Anarchi
sten in der Nähe der Gaswerke an der
West Diviston Straße gefunden habe.
Diese Gerücht verursachte wieder riesige Aufregung. Indeß- wird weder irgend
ein Name genannt, noch wurde irgend Jemand verhaftet, noch hat irgend Je' mand die Bomben nur von Weitem ge sehen.
Qe Ausland. Ein tragikomistheSGtt schichtchen, das zugleich beweist, wie eis rig gewisse Aerzte in Cholerafallen" machen, gibt in Rom gegenwärtig viel Stoff zur Unterhaltung. Philomena Giabetta, die Direktrice des Marionettentbeaters beim Arco bei Saponari, wurde vor einigen Tagen plötzlich von heftigem Uebelsein und Erbrechen hefallen. Der Arzt wurde schleunigst geholt ; er warf nur einen Blick auf die Kranke und erklärte mit Bestimmtheit, dies sei ein Fall .fulminanter" Cholera, wobei alle Hilfe vergebens sei. Man möge der Kranken übrigen alle Viertelstunden Laudänumtropfen eingeben. Kaum hatte sich der Jünger Aeskulaps entfernt, als der Gehilfe dor Direktrice, der im Marionettentheater die schwierige Maske des Rugantino innehat, das Laudanumfläschchen zum Fenster hinauswarf und seiner Herrin einen Malven-Thee kochte, der aus die Kranke eine solch beruhigende Wirkung ausübte, daß alle .verdachtigen" Symptome aufhörten und die anqeblich Cholerakranke einschlief. Gegen Mitternacht erschütterten plötzlich heftige Schlage das kleine Häuschen ; man blickte hinaus. Wer war eö? Der Transvortwagen für Choleratodte ! Nun drang, so erzählt die W. Allg. Ztg.", die Cholera-Commission" ins Haus ein: ein Municipal - Commissar, ein Arzt, twei Wachleute und zwei Todtengräber. Während diese sich anschickten, die .Choleratodte" aufzuheben, begannen die Wachen alle Räume des Hauses zu deSinsicrren, bis die 'Fäuste der erbitterten Hausbewohner der Commission den Beweis führten, daß die angeblich Choleratodte lebe und ihre ganze Krankheit nur durch einen verdorbenen Magen infolge allzu reichlichen Genusses von Fisch Ragout entstanden sei. Z u einem Aufsehen tx regenden Conflict zwischen Grafen Schack und Paul Heuse emerseitS und der Münchener Gcneralintcndantur andererseits schreibt man dem .Berliner BörsenKurier" aus München: Unlängst mackte die Mittheilung die Runde durch die deutsche Presse, daß Paul Heuse und Lrak Scbaö ihren Austritt aus dem Ca-
Dr.BlT
Arzt, Z3undarzt und eAeötttsZekfer. Office und Wohnung: ZZo. 280 JDtt Market (Ztrage. Eprechftnnden: 2 4 Uhr Nachmittags. 7 8 Uhr Abend. tT Telephon 220
vitel des bayrischen. ManmilianordenS, dessen Inhaber beide waren, anzeigten. Ein, durchaus berechtigter Grund hatte die beiden Herren zu diesem Schritte veranlaßt: Der von ihnen zur Aufnahme in das Ordenscapitel vorgeschlagene Dichter Anzengruber war zurückgewiesen worden. Man hatte hinzugefügt, daß in Zukunft die neuaufzunehmendcn Ritter nur noch dem Vorschlage des PrinzRegenten unterstehen würden. Es hat an Versuchen nicht gefehlt, Heuse und Schack, oberen Namen dem Orden zur bohen Ehre gereichen, zu bewegen, ihren Austritt zu annulliren; beide Dichter haben diesen, Bitten nicht willfahrt. DaS Satyrspiel ließ nicht lange warten. Baron von Persall, der General-Jntendant deS Münchener HoftheaterS, hat beiden Dichtern im eiaenhändlgen Schreiben mitgetheilt, daß ihre Stellungnahme gegenüder . dem Mirimiliansorden ihm, dem Leiter der Hofbühne, wenigstens für die nächste Zeit die Llufführung neuer Werke dieser beiden Dichter verbiete. Aus die sem Grnnde wurde Paul Heyses Lustspiel: .Gott schütze mich vor meinen Freunden", des Grafen Schacks Schauspiel .Walburga" zurückgewiesen ! DaS willkürliche Vorgehen deS Herrn von Perfall erregt hier natürlich das allgemeinste und peinlichste Aufsehen; denn eS handelt sich hier nicht um unbequeme junge Autoren, welche ihre Erstlingswerke schüchtern der Intendanz einreichen ; es handelt sich um zwei der vornehmsten litterarischen Namen, welche Deutschland besitzt, um zwei Dichter, deren Werke auszuführen jedem Theater, und sei es selbst die Münchener Hofbühne, zur Ehre gereicht. . GrafWilhelm von Bismarck hat dieser Tage mit seiner Gemahlin und der Gräsin Nantzau das Münchener Hofbräuhaus besucht. Das .Berliner Tageblatt", berichtet über den Besuch: Die Witterung war zu kalt, um noch 'im Hofraüm zu 'kneipen, weshalb sich Graf Bismarck mit den Damen an die SchSnke begab und sich dort zwei Maß Bier geben ließ. Der Stoff mundete dem Grafen, doch vermochte er die zweite Maß nicht mehr zu bewältigen und bot den Nest derselben, eine gute Halbe, der unter dem Namen .dicke Zeitungs pepi" bekannten Kolporteurin, als ihm diese ihre Hofbräuhausliteratur anbot, zum Trinken' mit den Worten an : .Wollen Sie mal austrinken?" .Ja sreili, Herr, aber die Damen da wollen doch auch noch ttirken?" erwiderte die dicke Zeitüngspepi mit einem bescheidenen Sei-tenblicke-auf- die beiden Begleiterinnen des Grafen. .Nein," erklärte dieser, .die Damen trinken nicht, die trinken nur Schnaps ! " .Ja freili ! " rief die allzeit muntere Pepi. aus, .die Damen werden Schnaps trinken, jetzt, wo er so verthuiert worden ist I " jtfic y& i aerstniau Aa U7l, der auch in Berliner akademischen Kreisen Förderung. Wohl bemerkt wurde es bei der letzten Universitätsfeier, daß der jetzige Prorektor Geh. Rath Wahlen in seiner Berichterstattung Fremdwörter geflissentlich mied. Da gab es keine .Relegation" mehr, sondern eine Entfernung", kein cm!linm abeundi", ondern Androhung der Entfernung", und aus den .akademischen Akten" murden .häusliche Feste". 'Jit,it einem B erltner on ginal der merkwürdigsten Gattung wV die ,Allg. Fleischerztg." zu erzählen. Einen Fanatiker der Hygiene konnte
man ihn nennen, diesen Polizeibeamten a. D., der natürlich Junggeselle ist und in seiner kleinen' Wohnung ein ganzes
zvcuseum nummerrrter Knochen u. Flerschstückchen besitzt. Trotzdem er nämlich in dem von ihm mit seinem Vertrauen beehr-
ten Restaurant nun bereits eine Reihe
von Jahren spast, hat er doch noch Mtß-
trauen gegen den. Wirth; deshalb ißt er
ferne Portionen niemals ganz auf, sonder läßt stets einen kleinen Rest Knochen, Fleisch, Aisch :c. übrig, die er sorgsam nummmrt, mit dem Datum des Eingangs versieht, .-egistrirt und zeitweise ' nachsieht Aber er ' richtet seine
Vorsichtsmaßregeln nicht nur auf Essen
und Trmren, sondern auch auf Kleidung. Er fürchtet allerlei Krankheiten durch Ansteckung, er verkehrt daher nur mit der allernoth wendigsten Umgebung und würde sich niemals entschließen können, mit einer Wäscherin, durch deren Hände die Wäsche so vieler Menschen, darunter auch die. Kranker, gehen muß, zu sprechen oder überhaupt in ihre Nähe zu kommen. Natürlich ließe er seine Wasche auch nicht' mit der Anderer waschen so ist er denn allmählich dazu gekommen, gar keine Wäsche mehr u tragen ; denn die Wäsche selbst zu waschen, wäre für ihn vielleicht ungesund und sie einem Anderen anzuvertrauen könnte leicht eine Nnfteckunaskrankheit herausbeschwören.
Und so erklart eS sich auch, weshalb er
stets m sehr fragwürdiger Kleidung ein-
leraedt. Er furchtet aucd brer eme An-
leckuna durch die Schneider und beanüat
ich daher, so lange es irgend angeht, rnt
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