Indiana Tribüne, Volume 9, Number 257, Indianapolis, Marion County, 6 June 1886 — Page 6

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Jas neue Athen. AIS die Türken am 1. April 1833 die Akropolis den Bayern übergaben, war Athen ein weiter, unmalerlschcr SchuttHaufen, in dem allerdings noch viele uralte griechische ftirchlein und auch schon etliche, über Nacht aufzeschossene Vil lenhäukchen standen. Die zurückkehren den Athener und viele fremde Völker, die herbeizogen, begannen nun schnell neue Bauten aufzuführen, vorerst kleine billige Herbergen, die jetzt zum Theil schon wieder verfallen oder beseitigt worden sind. Ober und unter der vorzeitli chen Kirche der Kapnikaräa, in welcher ' König Otto am 1. Juni 1835 Volljährigkeit und 3tegierungsan!ritt feierte, steht noch ein Stück Straße, das in jene Zeit zurückreicht und jetzt einen Theil der Hermesstraße bildet. Da waren die Speisehäuser, die Hotels", die wenigen Kaufläden und alles, was sich auf höhe ren Erwerb verlegte. Die Hermesstraße, die schon 1833 durchgzbrcchen und eröffnet wurde, schnitt mitten durch die da malige Stadt, sofern man von einer solchen reden konnte. Um dieselbe Zeit entstanden die Aeo lus- und die Athene Straße, welche in rechtem Winkel auf der des Hermes stehen, und mit diesen drei Straßen ist denn das alte Athen, d. h. die Stadt, wie sie unter der Türkenherrschaft bestand, theilweise fahrbar geworden, während man früher durch die engen alten Wege zumeist nur gehen cder reiten konnte. Die alte Stadt Athen ist zwar durch die Akropolis und den Areopaz im Sü den abgeschlossen, aber nach allen anderen Seiten ist freies Feld, und so entstanden denn allmählich außerhalb des alten Umsangs nach allen jenen Seiten schöne breite Straßen und weite große Plätze, wie der Verfassungsplatz, der Eintrachts platz u. a. An diesen weiten Straßen und Plätzen finden sich dann breite Trot toirs. schöne Alleen, auf den Plätzen auch Bänke, Blumenbeete und Gebüsche, Ce dern und Palmen, Pavillons für die Militärmusiken, welche mehrmals spie len u. s. w. Die Gebäude des neuen Athens sind sehr verschiedener Art. Fast das ein fachste darunter ist das königliche Schloß, Welches mit breiter Front von seiner Anhöbe auf die Stadt herniederschaut. Als das schönste wird mit Recht Schliemanns, des berühmten Altherthumsforsches Haus angesehen, das an der Vorderseite zwei prächtige Bogengänge über einan-

der und zahlreiche ichmuaende Bitöiaulen zeigt.' Es fehlt auch nicht an ande ren schönen Bauten. Da ist die Akademie der Wissenschaften, Hansens vielbewundertcs Meisterstllck, die Universität, das noch unfertige Polytechnikum, das Nationalmuseum, das Parlamentsgebäude u. s. w. Die Häuser der Bürger sind in den fernsten Ausläufern der Stadt, die vom Mittelpunkte Wohl eine kleine Stunde abstehen, meist einstöckig, näher heran werden sie zweistöckig und in der Stadt selbst zum Theil noch höher. Dabei sind sie in milden Farben getüncht und sehr reinlichen Ansehens, ja wie aus dem Ei gescbält. Meistens sind sie durch Hof oder Garten von einander ge trennt. Gothische Bauten oder im Ge schmacke der ' Nenaijjance giebts hier nicht. Auch hat die ganze Stadt nicht einen Thurm. In allen diesen Straßen, auf allen diesen Plätzen bewegt sich immer ein reiches Leben. Die Hermesstraße ist eigentlich jetzt schon zu eng für den jetzigen Verkehr. Ueberall stehen zweispännige Wagen, die immer zu thun haben ; dazu kommt ein Tramway, der durch die Hauptstraßen zieht und bis in das Pha leron hinunterreicht, auch weit zierlicher ist, als sein schmutziger Amtsbruder in Eonstantinopel. In der Hermesstraße findet sich Hof und Halle der Eisenbahn, welche die Stadt mit dem Piraeus ver bindet. Des Abends bewegen sich auf der breiten Straße nach Patissia hinaus allerlei elegante Equipagen, mit der Blüthe der Bevölkerung gefüllt, so daß nach Roms Muster und Vorbild sich nun auch in Athen ein Eorso gebildet hat. Man muß nämlich wissen, daß diese junge Hauptstadt sich jetzt schon in der hellenischen Welt tin hohes Ansehen und große Beliebtheit erworben hat. Sie bat jetzt alle anderen Niederlasiungen und Standorte des griechischen Volkes, wie Eonstantinopel, Smyrna, Aleran dria, Odessa u. f. v. weit hinter sich ge lassen. Wer da reich geworden ist und sich seines Lebens freuen will, der macht sich auf und zieht mit seinen Lieben und seinen Millionen nach Athen. Daher giebt es hier sogar schon Stutzer, d. h. junge Leute, die durch Eleganz ihrer Tracht Aufsehen erregen wollen. Auch verlautet, daß die Familien einiger Geldfürsten mehr französisch als griechisch leben. Diese Erscheinungen sind nicht Allen zu Gefallen. Man hört manche klagen, daß die Preise immer steigen, daß Athen bald die theuerste Stadt ' deö Theseus werden wirb.' Ein Wahrzeichen des neuen Athens sind die unzähligen 5kasteehäuser, die an den Hauptstraßen ganz glänzende, in den "Nebenzäßchen sehr ärmliche Lccale einnehmen. Da fast immer die Sonne scheint, so stehen die Tischchen und die Stühlchen fast immer auf den Trottoiren oder auf den Plätzen, wie sie denn den Verfassunasplatz fast zur Hälfte cinnebmen. Das wahre Leben geht freilich erst am Abend auf, wo die Zeitungsbuben erscheinen und die frischen Blätter mit einem Geschrei ausbieten, das schwer zu KherhÄrert ist, 3l!illet& stellen stA VitP

. Hv ! - j u " 7 I " " "7 j zahlreichen Lustros ein, d. h. kleine, hoch. j siens zehnjährige Jungen, welche, wie in l Italien, die Stiefel, die allerdings im ?ner staubig sind, wieder hell und glän

- zeno zu maqen ureoen. Aber so viele Leute da auch sitzen mö gen und so angelegentlich sie plaudern, i so wenig verzehren sie doch. Das Publikum spricht das Re&t an, auf des ! Eafetiers Stühlen zu rasten, ohne einen ; ; Eent dafür auszugeben. Die meisten, 5 namentlich die Damen, nehmen gar nichts, viele nur ein Glas Wasser, we " ein Tär.cben Kaffee, welches eiaent

Iich nur aus einem Schluck besteht, da ' I die größere Hälfte Bodensatz ist. So ,' sah man auch am ktzten Ostertage, als ganz Athen auf den Beinen war und in heiterster Stimmung um dem Theseus

tempel, den Areopag, den Tempel deS ZeuS herumsaß, fast nur Asceten und Ascetinnen, die sich jedes Genusses enthielten, dann einige Uepvige, die ein Glas Wasser und einige Verschwender, die eine Tasse Kaffee tranken. Vom Weine ist in Griechenland sehr wenig die Rede. Namentlich des Abends fragt Niemand, wo man einen guten trinkt." Der Grieche auS den gebildeten Ständen erlaubt sich höchstens bei der Mahlzeit ein Gläschen, etwas mehr nur bei Feierlichkeiten, bei Hochzeiten oder Kindstaufen. Des Abends nimmt er nur Kaffte, Thee oder Wasser, im Som mer auch Eis. Was wir Fiübschoppen oder Abendtrunk nennen, kennt er nicht. Doch sind die Weine, die in öffentli chen Localen geboten werden, durch schnittlich sehr gut. Der rotbe im Hotel d'Athenes schien mir recht lobenswerth, ebenso die von Eephallonia und Zante kommenden Weißen und rothen in der Philadelphia, der Gesellschaft der jungen Deutschen. Fast seltsam könnte man es bei so bewandten Umständen finden, daß in den Straßen auffallend viele Schilder über Weinhandlungen schweben, welche Weine von Thracien, von Bithynien, von Tinos, Eypern u. s. w. anbieten. Wer soll sie trinken ? Von jener Mäßig keit rührt es aber her, daß Männer oder gar Frauen, mit denen Nachmittags nichts anzufangen ist," hier gar nicht zu finden sind. Dadurch wird viele Zeit erspart, welche auf geistige Beschäftign gen verwendet werden kann, so daß auf Athens literarischen Feldern ein sehr reges Leben herrscht. Aber obgleich die neuen Athener nur wenig Wein trinken, so wissen sie doch den ihrigen mit Rcclame anzupreisen. Man sieht da und dort die reizendsten Flaschen an den Fenstern stehen, deren Bedeutung durch Zeichnung und Malerei weithin verkündigt wird. Man sindet auf den Etiketten die angenehmsten Göt ter, die lieblichsten Göttinnen und Nym phen, die in Nosenlauben sich gütlich thun und den Vorübergehenden einladen, ihrem Beispiele ohne Bedenken zu fol gen. Dabei liest man naürlich auch, welche Sorte die Olympischen trinken, und zwar in französischer Sprache, die wohl auch die Götter verstehen. So heißt es z. B. Coies du Parnes, und ist der Parnes ein schon erwähnter Berg, der im Norden von Athen steht. Der Mann oder Großhändler, von dem die meisten dieser Flaschen ausgehen, nennt sich übrigen Solon, und wenn man den Namen dieses unsterblichen Weisen auf den Etiketten glänzen sieht, so erlahmt der Widerstand gegen ihre Lockungen noch um so sicherer. Eine andere, ebenso unschuldige Ne

clame liegt in der Uebung, allen öffent lichen Gewerben, Buden, Werkstätten, Schenken noch einen zweiten Namen , zu geben. So heißt es nicht blos Zuckerbäckerei des X, sondern auch noch Zum Minos"; jenes Kaffeehaus Zum Zeus", ein anderes Zur schönen Welt" ; diese Badestube nennt sich Lacedämon" oder PeloponneS". Ein bemerkenswerther Zug ist es auch, daß die neu:n Athener sich nicht gern für Arbeiter ausgeben, sondern sich lieber als Besitzer von industriellen Anstalten aufspielen. Es heißt z. V. nicht Georgios Lerios, Schuhmacher, sondern Schuhmacherei". Auch in Athen wird jetzt mehr Bier als Wein aetrunken ; das bairische streitet ruhmvoll mit dem Pilsener und dem Wiener Gebräu. Neben den Flaschen, die von München über- das Ionische Meer hierher kommen, haben zwei Bai crn mit Glück versucht, in Athen einhei mische Brauereien zu errichten. Der ei ne, Herr Fischer, gründete auf dem Wege nach Patissia die erste dieser Anstalten, gav ryr nach oaierlscyer Weise emen schattigen Garten mitTischen und Spring brunnen bei und erlebte viel Glück. Da steht auch ein hübsches Häuschen, oben im Giebelfeld eine Scheibe mit der Inschuft zum grünen Baum". Drinnen ist auch die Büste des Herrn Fischer selbst zu sehen, eine Physiognomie, die unver kennbare Anlage zur Bierbrauerei verräth. Ueber der Gartenthüre weist eine große Tafel die Ausschrist : I. Fyser, k. Hofbrauer. So lange Herr Fischer selbst den Garten überwachte, war er in gutem Schwung und Tag für Tag sehr stark besucht, jetzt aber, da er ihn, um sich mehr Ruhe zu gönnen, an einen Grie chen verkauft hat, zeigt er nicht mehr die alte Zugkraft. Ein anderer Unternehmer aus Aschaf fenburg, der dort das bairische Bier zu Ehren gebracht hat, ist Hr. Fir. Auch er nennt sich Hoflieferant und wird seine Anstalt am südlichen Fuß des Lytabet tus selbst von Griechen gern besucht. Uebrigens sei, um Alles zu erschöpfen, auch noch des Herrn Aernudatis gedacht, der in der Phocions Straße ein Bierstübchen mit Gärtchen hält und dort Münchener Bier ausschenkt, wovon das QuartglaS 55 L. kostet, so daß sich ein baierischer Gast, der unter drei Liter nicht zu Bette gehen will, leicht arm trin ken kann. In der Stube hängen zwei große Glaßtafeln, deren eine in großen Buchstaben verkündet : Gesänge werden nicht gestattet die andere aber: Credit wird nicht gegeben. Obgleich Hr. Bernudatis meistcntheils von Deutschen besucht und in seinem Flor erhalten wird, so kann man viel leicht doch entschuldigen, wenn er die Deutschen nicht singen lassen will, da chre Gesänge den Wohllaut der gnechi schen schwerlich je erreichen werden, aber weniger feinsinnig erscheint es, sie ge wiffermaßen des leichtsinnig Schuldenmachens zu zeihen. Uebrigens sind die Keller, trenn sie vorhanden, durchschnittlich schlecht, und da das Eis zu theuer ist, um zur Kühlung verwendet zu wer den, so sind die griechischen Biere nach unserem Geschmacke viel zu warm. Nachdem wir nun, vielleicht nur zu gründlich, von den Getränken gehandelt, wollen wir auch einiges über die griechi schen Speisen sagen und ?uvc?de'rst be merken, daß sich der Tafelfreundcn balber Niemand nach Athen zu bemühen braucht. Als Hcmeros sang, aßen die Griechen allerdinas nicht allein Schafe, son dern auch Rinder, Schweine, Nebe. Hirsche und allerlei Geflügel, worunter dle (danse namentlich ausgeführt werden, allein von ibren berübm ten Symposien wissen wir nur, was

sie dabei gesprochen, nicht was sie dabei gegessen haen. Immerhin ist es mög lich, daß diese ihren Reiz doch mehr aus attischem Geist und Witz als aus der attischen Küche gezogen. Wenn man die jetzigen Zustände bis in's Alterthum zu rückjchieben darf, so möchte man anneh men, daß die Hellenen hauptsächlich doch immerdar von Lammsbraten gelebt, vom sogenannten Ami psito. Dieser, von Zwiebeln und Knoblauch umgeben, begleitete die Griechen durch den trojani schen und den peloponnesischen Krieg, durch die römischen und türkischen Zei ten, und . als die langersehnte Freiheit erschien, war er auch wieder da. Theseus, Perikles, Phidias, Sokrates, alle großen Männer Griechenlands wußten ihn zu schätzen und vergnügten sich an seinem Duft. Seit es in Griechenland Speifekarten . giebt, hat sie immer das Ami mto beherrscht. Hin und wie der zeigt sich allerdings ein Ochse oder ein Kalb auf der Karte, aber von die sen Ereaturen ist in Griechenland im mer eine magerer als die andere, und der Franke läßt bald ab von ihnen. Im Laufe der Zeiten ist die griechische Küche übrigens mit der türkischen ganz und gar verwachsen und eins geworden. Rind und Kalbfleisch ißt der Türke nicht, weil er die Thiere lieber zum Ackerbau verwendet; ebenso der Grieche. Enten, Gänse, Truthühner, Wildpret, Schweinefleisch ißt der Zürke nicht, weil das alles unrein ist ; der Grieche aber ißt es nicht, weil es der Türke nicht ißt. Austern,

die am Bosporus so billig, kommen im Piräus gar nicht vor. Fische, die schon Homer nicht zu schätzen wußte, erscheinen nicht auf der Karte, nur eine gewisse kleine Gattung wird, wie bei uns die Würstchen, als Einlage in den Suppen verwendet. Also Ami -psito ! In ganz Italien giebt es meines Wis sens keine Stadt, die eine genießbare Umgebung besäße, so nämlich, daß die Einwohner an Sonn und Feiertagen über Land gehen, sich in schattigen Gär ten zum Trunke setzen und sich ihres Le bens freuen könnten, wie das durch ganz Deutschland ein altehrwürdiges, in Goe the'S Faust so lieblich gefeiertes Herkom men ist. In diesem Stücke haben sich nun aber die Athener mit voller Liebe den Deutschen angeschlossen, so daß auch hier an Sonn und Feiertagen, nament lich im Frühjahr, die halbe Stadt auf dem Lande ist. Hierher gehören schon, obwohl sie mehr ein Auswuchs sind, die Wegeschenken, die Cassenia an den Stra ßen, bei denen, wie schon oben ausge führt, alle Kutscher halten, während der Pilger, der da allenfalls auf eine sei lerfrische Halbe" gerechnet, zur namhaften Enttäuschung nur schlechten Kaffee und ein Glas Naki genießen kann. Bes ser ausgebildet und einladender sind die neuen Gründungen in der nächsten Nähe von Athen, zumal am Tempel des Zeus, an den hochclassischen Gestaden des Jlissus, an der Quelle Kallirrhoe. Da ste hen in langer Reihe allerlei Gärten, de nen man natürlich lauter großartige Titel gegeben, so daß der eine der Mu sengarten heißt, der andere der det Grazien u. s. irr. An warmen Sommer abenden versammeln sich da die Athener und die Fremden mit ihren Gattinnen und Töchtern, und lassen sich von böhmi schen oder italienischen Spielleuten bei derlei Geschlechts mtt Gesang und Sai tenspiel ergötzen. Hier sind auch zwei oder drei Sommertheater aufgeschlagen, die aber jetzt ihr Geschäft noch nicht eröffnet haben. Ein andermal fuhren wir nach Kolo kythu. einem Ort, der eine Stunde von der Stadt unten am Kephissos liegt. Hier ist eine ganze Niederlassung von Gartenwirthschaften, alle noch sehr jung, aber nicht obne Zukunft. Hier gab es kühlen Schatten und guten Wein, und meine griechischen Begleiter fanden die Marulia, eine Art Lauch, sehr wohl schmeckend. Noch energischer ist aber Phaleron, der alte berühmte Hafen, vorgeschritten. Dieser war früher ein öder Meeresstrand, der an eine einsame Haide grenzte. Wir ritten ' zuweilen hinunter, um zu baden, und ich erinnere mich noch, wie wenn es heute Ware, daß eines Abends mehrere Kameeltreiber da herkamen, daß die anderen weitir,jozen, einer aber sich mit Erlaubniß zu uns setzte und ansing : Lucian sagt Wie ? was ? Lucian? Wer ist denn der Lu cian?" Ein griechischer Schriftsteller, den ich gelesen habe, da ich einst Gram mati'os zu werden hoffte."' Wir waren sehr überrascht über diesen kameeltrei benden Schriftgclehrten, aber es zeigte sich bald, daß er den Lucian und auch noch andere Autoren wirklich gelesen hatte. Um aber auf das heutige Phaleron überzugehen, so verspricht oder droht dasselbe ein wahres Bajä zu werden. Dahin fährt nicht allein eine Eisenbahn, sondern auch ein Tramway, und da giebt's nicht allein schön geordnete und getünchte, in einer langen Zeile aufge reihte Badehüttchen, sondern auch sonst allerhand Ueppigkeiten, einen Gasthof, Restaurationen, auf einer künstlich auf geführten Rotunde unter hölzernem Ve ristylos einen Rundsitz. wo im Sommer dem neuen Gott Gambrinus geopfert wird, Gondeln u. s. w. Im Sommer thut sich auch ein Tagestheater auf. An den felsigen Gestaden, die früher Weltverlasien trauerten, zeigen sich jetzt neue Gartenanlagen und schöne Villen, einige mit Wartthürmen ausgestattet. Und an dem Tage, da wir hinuntergekommen, feierte der athenische Jockey-llub sogar ein Nennen, welches so viele Zuschauer herbeizog, daß es auf dem Heimwege der Enge halber in unserem Eoupe fast zum Raufen kam. Da das schöne Athen zwischen Neapel und Konstantinopel ungefähr in derVkitte liegt, so vergleicht man mitunter im Geiste, wie sich das Volk da und dort auf der Gaffe zeigt. Man erinnert sich an den lästigen, bettclyaften, aufdringlichen Pöbel jener beiden Großstädte, an jene zerriffenen, schmutzigen, nicht loszuwer denden Gestalten, an ihr ohrenzerreißen des Geschrei, und gesteht sich mit Bergnügen, daß die jüngste Schwester denn doch die vornehmste ist unter den dreien. Der mindere Athener ist, wie Bädeker mit Recht sagt, freundlich und gefällig, aber keineswegs zudringlich. Man kann in den Straßen ruhig gehen, ohne bestän dig von Hausircrn nnd Lungerern aller Art belästigt zu werden. Das Geschrei

hält sich in den engsten Grenzen, der Straßendiebstahl, der sich in Neapel so mächtig ausgebildet, daß man alleAbende davon zu reden hat, ist hier ganz unbe kannt, und an Sonn- und Feiertagen erscheinen auch die ärmeren Leute in reinlicher Tracht. Uebrigens ist zur Zeit die Stadt auch in einem ungeheuren, wahrhast amerika nischen Aufschwung begriffen. In allen Straßen wird gebaut, und man behaup tet, daß fortwährend gegen hundert Häu ser im Entstehen sind. Athen zählt jetzt über 80,000 Einwohner. In einem gewissen Stücke unterschei den sich die Griechen sehr vortheilhaft von den gescr:mten oder wenigstens von den deutschen Abendländern. Wenn nämlich in unseren Zonen das Land oder die Gemeinde z. B. einen Zipfel Erde braucht, so verlangt der Eigenthümer, auch wenn er sonst Patriot -ist, drei oder viermal mehr, als er außerdem erhalten könnte, während der Grieche in einem solchen Falle den Zipfel umsonst her schenkt und. wenn ein Bedürfniß vorhan den, noch so viel als nöthig dazuschießt. Für Kunst und Wissenschaft hatte das

Königreich Griechenland bisher sehr we nig auszugeben, es traten überall die Stammgenoffen ein. Die Sternwarte und die Akademie der Wissenschaften, zwei prächtige Gebäude, hat Baron Sina in Wien hergestellt, das Arsaikon, eine höhere Schule für Lehrerinnen, ein Herr Arsakis, das Barbakion; ein ganzes Gymnasium, ein Herr Barbakis die Augenheilanstalt und das bürgerliche Spital, das Centralmuseum, das Poly technikon sind ebenfalls milde Stiftun?,en; Bilder, Sammlungen, Bibliotheen werden geschenkt, um dem Vaterlande eine Ehre anzuthun und die Bildung des Volkes zu fördern überall sindet man die Zeichen dieses schönen Zuges. Man hat es dem Fragmentisten mit Recht ver dacht, daß er um diese edle und hervorragende Eigenschaft der Griechen sein Leben lang scheu herumging und sie hervor zuHeben sich nie recht entschließen konnte. Niemand wird sich wundern, daß die Athener auf ihre junge Stadt sehr stolz sind. Bei jeder neuen Vorstellung war die erste Frage sicherlich : Nun wie gefällt Ihnen unser Athen? Und wenn sie erst erfuhren, daß ich schon vor fünfzig Iahren da gewesen, tauchte gewöhnlich eine harmlose Ironie auf, etwa in den Worten: Nu, meinen Sie nicht, daß wir Fortschritte gemacht? oder: Sie werden es etwas verändert finden ! oder : Gefällt's Ihnen jetzt nicht besser als damals ? Als Einer, ein junger Enthusiast, vernahm, daß ich eben vom Bosporus komme, sprach er emphatisch : Konstant! nopel ist mit all seinem türkischen Plun der eine alte Vettel, aber Athen xt eme junge Hebe, die täglich schöner heranwächst und bald die Freude von ganz Europa sein wird. Zu jener athenischen Ueppigkeit, zu der genußreichen Hauptstadt, steht aber das griechische Land, die griechische Provinz in einem abschreckenden Gegensatz. Hier bat das halbe Jahrhundert, das seit der öürkenherrschast verstrichen, hier haben die Freiheit, die Presse, die Bildung, die Wissenschaft' sehr wenig gewirkt. Man reist unter Kalmücken und Baschkiren mit ebenso viel oder mehr Comfort, als unter den Enkeln des PerikleS und des Phidias. Leidliche Gasthöfe habe:r nach Bädeckers sehr verlässigem Führer durch Griechenland außer Athen nur Zante, Patras, Piraeus und Syra in allen ander? Orten muß man das Lager, die Lebensnothdurft und das Getränke selbst mitbringen, alle Emvsindlichkeit für Schmutz und Unflath zu Hause lassen und namentlich das Insektenpulver nicht vergessen, da das Ungeziefer, das überall gefunden wird, die Begeisterung für den classischen Boden ganz gewaltig ab zukühlen vermag." Anö dem Tagebuch eines Ne porterö erzählt die Köln. Ztg." folgenden kustigen Scherz: Das geneigte Lesepublikum der Zeitungen will wissen, was jeder Tag in Stadt und Land Neues bringt, und der Reporter soll es also auch wissen. Wenn dahir irgend etwas auch nur halbWegs Interessantes passirt, muß er mit dabei sein. Marschirt an einem Nachmittag ein solcher über den Neumarkt. An einer Droschken Haltestelle sieht er inen Schutzmann, welcher sehr energisch mit mehreren Kutschern spricht und diesen schließlich mit einer Handbewegung befiehlt, wegzufahren. Die Droschken kutscher, fünf an der Zahl, springen auf den Bock, der Schutzmann steigt in den letzten Wagen und fort geht es in schnel ler Fahrt nach der Neustadt hin. Den fünf Wagen bat sich noch ein sechster an geschlossen. In diesem sitzt der Neporter; 5 Wagen auf einmal vonderPolizei nach einem Ort hin dirigirt. da muß es doch etwas für seine Feder geben, da muß er mit dabei sein. Die Fahrt geht in schnellem Lauf durch die Neustadt. Am Panorama steht schon eine lange Drosch kenreihe, .dabei eine große Menschenmenge. Unsere fünf Wagen schließen sich den übrigen an. Der Reporter steigt aus. Was giebt's ?" fragt er, Notizbuch und Stift aus der Tasche ziehend, einen Umstehenden. Hier werden von der Polizei die Wagen revidirt. Ah, sagt unser pflichteifriger Mann der Tagesneuigkeiten, bezahl seine Fahrt und schiebt zu Fuß wieder ab. Der Redaktions laufbursche erscheint in der drei Treppen hoch gelegenen Redaktion des Morning Deluge", um Mr. McFinnegan, dem Lokal Redacteur, vom Eigenthümer des Blattes die Botschaft zu bringen, daß er als bald unten im Geschäfts okal erscheinen möge. Mr. McFinnegan, in dessen Lokal-Spalten sich in der Nacht vorher allerlei Dinge eingeschlichen haben, die ihm eine sofortige Begegnung' mit dem Boß" nicht gerade 'wünschenswerth erscheinen lassen, erwiedert dem Jungen : Sag' ihm, ich wäre noch nicht da !" -Das habe ich ihm bereits von selber gesagt," antwortet der Junge, aber er begnügt sich damit nicht. Er hat mir befohlen, Sie auf alle Fälle sinden zu gehn!" Nun gut, so gehe, mich einfach wo anders zu sinden!" ruft der ingeniöse Redakteur. Hat er Dir etwa besohlen, gerade hier herauf zu kommen V

Zier Iruhsmgsruser. Bis in den grauen Nebel der Mythe gilt der Kukuk bei den Menschen für den Frühlingsrufer. Hesiod ermahnt den Landmann, daß er den Pflug zurüste, so bald dieser Vogel seinem Ruf von dem Eichbaum erschallen läßt. In weiterem Sinne gilt er dann bei den Helenen überhaupt als der Wecker einer neuen Lebensphase. Deßwegeu wird er so gern auf den Denkmälern der sitzenden Hera, der Beschützerin der Heirathen und Geburten, beigegeben. Bei den Deutschen nimmt er gleich der Schwalbe in der Anschauung des Volkes die Stelle des Frühlingsboten ein. Ein. altes deutsches Mailied begrüßt ihn darum mit den Worten : Der Kukuk mit seinem Sänge macht fröhlich Jedermann." Da diesen Vogel aber Niemand fortziehen sieht, so glaubt man, daß er sich zur Winterszeit in einen anderen, gewöhnlich meinen Falken, verwandelt. Der Volksglaube nahm sogar an, daß immer derselbe Kukuk jahraus jahrein im Walde rufe. Da er nun niemals stirbt, muß

er folgerichtig viel gesehen haben. Was Wunder also, wenn er im ganzen Mittelalter und noch jetzt für einen prophetischen Vogel gilt. Vielleicht bezieht sich diese Anschauung auch auf die Lieblingsstellung, welche der Kukuk nach mytholo gischer Ueberlieferung in der Gunst der Götter einnahm. Das klingt auch in dem plattdeutschen Kinderreime des nörd lichen Deutschland wieder, wo der Vogel Kukuk van Häven" (vom Himmel) genannt wi'd. Er ist also ein Weiser Vo gel ; was wir selber nicht wissen, das weiß der Kukuk". Und gern steht dieser mit seiner Sehergabe dem Sterblichen zur Verfügung. Wer von uns hat nicht schon den gefiederten Propheten Aus kunft wegen der Zukunft abverlangt! Wie. schon oben angedeutet worden, fra gen in den. alten niedersächsischen Gegend noch heute die Kleinen : Kukuk van Höfen, Wie lange fall ick läven?" ' Und wie weit verbreitet dieser Glaube an die Sehergabe unseres Frühlingsru fers ist, lehrt folgende reizende Apostro phe an den Kuluk, von der Grimm's Mythologie bei den Neugriechen berichtet : Mein Kukuk, kukuke mir, wie viel Jahre ich noch leben werde. Natürlich antwortet der Vagel auf jede Frage, welche man an ihn richtet. Er weiß den Kindersegen der Eltern, welche einen Nachwuchs herbeisehnen, eben so sicher wie die Anzahl der Jahre, welche die heirat hslustige Maid noch harren muß. bevor sie, mit Myrthe und Schleier geschmückt, vor den Altar treten darf. So von allen Seiten mit Fragen bestürmt, irrt er sich wohl auch einmal. Oder er treibt seinen Spott mit den neuaierigenMenschenkindern, mmal Verliebten gegenüber, welche nicht die Zeit erwarten können, bis sie unte? Hymen's Joch gelangt sind. Dann will der Ruf garnicht verstummen, so das dem armen Mädchen nichts übrig bleibt, als nach thüringischer Sitte die lange Reihe der Jahre in Monate zu verwandeln. Der Ruf selber ist für das Volk von größter Bedeutung. Hat man beim Beginn desselben im Frühling kein Geld in der Tasche, so mangelt es daran während dis ganzen Jahres. Bei dun Gegentheil fehlen natürlich diese Glücksgüter nicht. Auch von allerhand komischen Episoden, welche sich auf den Kukuksruf beziehen, weiß die Ueberlieferung zu melden. In der alten Chronik des Klosters Heisterbach vom Jahre 1221 erzählt der Abt Theobald von einem reumüthigen Sünder, daß derselbe, als er zu fällig einen Kukuk zweiundzwanng Mal rufen hörte, plötzlich schrie: Ei, Wenn ich noch so lange leben werde, weßhalb soll ich mich dann noch die ganze' Zeit in einenz Oxden kastei' en! Ich kehre lieber in die Welt zurück, Uiit zwanzig Jahre mich derselben zu freuen. Die beiben letzten kann ich dann ja Buße thun!" Die Volkssage hält den Kukuk aber auch oft genug für einen losen Vogel", auf dessen Se Hergabe man nicht allzuviel geben darf. Schon die Art und Weise, wie er mit den Menschen Versteckens spielt, fiel der Nai vetät des Volkes auf. Kaum glaubten wir, ihm nahe gekommen zu sein, so neckt er uns schon wieder mit seinem Rufe aus weiter Ferne. Daraus entstand wohl die Meinung, daß er ein böses Gewissen habe, sammt den anderen Sagen, welche sich an den Ursprung unseres Vogels und seinen onomatoprietischen)tamen knüpfen. Die am meisten verbreitete melket Folgendes : Zur Zeit einer großen Theuerung habe ein Bäcker armen Leuten von den ihm gebrachten Teige tüchtige Stücke gestohlen und dabei jedesmal, wenn er ein solches abzupfte : Guck, guck," (ei sieh) gerufen. Deshalb habe i5n Gott zur Strafe in einen Rauboogel verwandelt, der fortwährend diesen Ruf ausstoßen müsse. An diesen Ursprung des Kukuks soll auch noch das fahle mehlige Gesieder gemahnen. Nach einer Legende ging Christus einst an einem Bäckerladen vorüber, wo eben frisches Brod duftete. Er sandte einen Jünger hinein, um eines zu erbitten. Der Bäcker aber schlug es hartherzig ab, wofür er dann in einen Kukuk verwandelt wurde. Ueberhaupt hat sich die Sage oft und gern mit diesem Vogel beschäfn'gt. Dabei ist eö merkwürdig, daß er bei einem Volke eben so viel Tadel, erntete, wie bei dem anderen Lob. Das größte Ansehen genoß er bei den Indern. Wie die deutschen Dichter wetteifernd den holden, seelenvollen Gesang der Nachtigall fei' ern, so erklangen an den Ufern des Ganqes laute Hymnen zum Preise des Kukuks. Die Eultbücher der alten Inder segnen ihn mit der Formel, daß kein Falke ihn treffe, kein Geier, kein Bogen schütze mit Pfeilen; daß er der unbeilvollen westlichen Seite des Hasses nicht minder als der glückverheißenden östlichen seinen segensreichen Ruf spende." Die Dichter des Gangesthales ' nennen seinen Gesang" bezaubernd. Der Vogel selbst wurde dem Gott Jndra beige sellt. Denn dieser' so meldet die egende, hat sich einst in einen Kukuk ver wandelt und in solcher Gestalt neben einen Sänger gesetzt, der durch das Verdienst seiner Gesänge in den Himmel gehoben werden sollte. ' Das Sebcrauge des weisen Mannes erkannte jedoch sofort in hm Vogel den Gott und pries ihn in seinen schönsten.Hvmncn."..

Aehnlich wie Jndra liebte auch der Olympier Zeus den Kukuk. In der Gestalt desselben eilt er, umtobt von Stürmm und Regenschauern, in den Schooß seiner Gattin Hera. Die harrt seiner auf den blumengeschmückten Gesilden Jlions, während auf der Wiese am Stamandros die Schlacht wogt zwischen den Trojanern und Achäcrn. Wenn Ler Kukuk später, wie schon oben erwähnt ist, auf den Gebilden der Plastik der Hera beigesellt wurde, so schwebte den Künstlern dabei jedenfalls diese Stelle aus dem Homer vor der Erinnerung. In feiner Ironie mögen sie deßhalb auch dem Zeus selber statt seines königlichen Adlers einen Kukuk beigesellt haben, weil sich der Vater der Menschen und Götter" ja in diesen, um unerkannt zu bleiben, verwandelt hat. Uebrigens wird der Kukuk auch heute noch scherzweise mit seinem stolzen Luftgenossen verwechselt. In Hannover nennt man diesen gern den preußischen Kukuk". Natürlich liegt in diesem Ausdruck absolut keine Erinnerung angedeutet an zene klassischen Auffassungen der hellenischen Künstler. Aber

selbst in Berlin vertauscht man gern diese beiden Vögel im Munde des VolkeS. Eine noch unaufgehellte Weisheit von der Gasse nennt den Rothen Adler Orden überall an der Spree den gelben Kukuk". Dagegen stand der Vogel zu Rom in einem recht üblen Rufe. Man wußte, daß er als Vater so gewissenlos ist, die Sorge um seine junge Brüt anderen Vögeln zu überlassen, während er sich selber abenteuerlustig im Walde umhertreibt. So wurde das Wort cucuIih bei den Römern geradezu als Beleidi gung angesehen. Dieselbe Austastung hat sich auch in die deutsche Sprache herüber gespielt: Wen juckt es nicht bisweilen an der Stirn, Wenn er sich Kukuk grüßen hört." . und Shakespeare singt in ähnlichem Sinne : Wenn Maßlieb bunt und Veilchen blau, Schneeglöckchen blühen silberweis ' Und Kukuksblümchen Wies' und Au Mit Gold bestreu'n in weitem Kreis, Von jedem Baum der'Kukuk dann Neckt singend einen Ehemann : Kukuk ! Kukuk, Kukuk ein böser Laut, Darob verliebten Ohren graut !" Die deutschen Dichter des Mittelalterö schelten unseren Vogel denn auch weid: lich. Sie stellen ihn als böses Beispiel hin, wenn sie auf Gattentreue und Kin dererziehung zu sprechen, kommen. Ei nen sinnlosen und unwissenden Gauch heißen sie ihn nrnvise, sinnelose Gouch und stellen ihn sogar mit dem Vater aller Lügen auf eine Stufe. Das beweisen auch die zahlreichen sprichwörtlichen Ausdrücke, in welchen die Sprache unseres Volkes des Kukuks ej wähnt. Geh' zum Kuknk !" Hol' dich der Kukuk !" Man möchte des Kukuks werden," selbst das schon oben erwähnte Das weiß der Kukuk" sind im Grunde nur Euphemikmen, in welchen der an sich harmlose Vogel direct den Teufel er setzen soll. Der derbere Volksmund trägt auch absolut nicht Bedenken, in diesen Redensarten den Gottseibeiuns beim wirklichen Namen zu nennen. Der Sinn und die Ueblichkeit derselben leiden durch einen solchen Tausch keinerlei Schaden. Natürlich weiß das Volk ganz genau anzugeben, wann unser Vogel nah:. In England erwartet man ihn den U. April, in Deutschland erst einen Tag später. In der Eifel heißt es deshalb : Am 15. April der Kukuk singen soll. Und müßt er singen aus einem Baum der hohl." In Westfalen legt man ihm die Worte in den Mund oder vielmehr in den Schnabel : Je! (Ihr) könnt räup.'n lrufen),wanneer datseiwillt, Jk raupe nit eher bis den feifteintcn . April." Noch früher-btteits den 8. April erwartet man die Ankunft des Vogels in Italien. In Venedig singen um diese Zeit die Gondoliere, wenn ihr Boot durch die Lagunen schießt : Am 3. des Aprils da soll der Kukuk kommen. Kommt er am 8. nicht, so ist er todt oder gefangen. Und kommt er am 10. nicht, so ist er gefangen im Zaun, Und kommt er am 20. nicht, so ist er ge fangen im Korn, Und kommt er am 30. nicht, so aß ihn der Hirt mit Polenta." Trotz der Beliebtheit, welche der Kukuk als Verkünder des Frühlings bei Groß und Klein, bei Alt und Jung genießt, betrachtet man ibn, wie gesagt, anderer seit? als einen Unglücksvogel. Als sich auf den Speer des neugewählten Longobardenlönigs Hildebrand ein Kukuk setzte, erblickten die versammelten Mannci. Va rin ein böses Wahrzeichen; man glaubte, daß seine )!egierung wenig Gutes bringen werde. Noch heute vermutbet der deutfche Landmann ein schweres Unglück, zu' meist sogar einen Todesfall, wenn sich der Kukuk auf das Dach seines Hauses setzt. Der Frühlingsrufer wird somit zum Boten aus dem Schattenreich ein Beweis, daß nicht nur den Menschen, fonderii auch den gcsiederten Turchseg lern der Lüfte unter Umständen zwei Seelen in der Brust wohnen. Silvester Frey. Scene: Ein großes Ellen-waarcn-Geschäfk, das aber des abscheulichcn 2etters halber so gut, wie leer ist. Eine Dame hat trotzdem den Muth gefunden, vorzufahren und nicht nur eine große Anzahl Einkäufe zu machen, sondern sich beim Bezahlen noch in eine kleine Unterhaltung mir dem Elerk ein zulassen. Wie schlechtes Wetter wir heute haben," bemerkt sie herablassend, dasselbe schadet natürlich Ihrem Ge schäft?" Schaden,"" ruft der Elerk, das ist gar kein Wort dafür, Madame es bringt das Geschäft geradezu um. Taix das ruppigste Publikum ist bei solchem Regen herauszubekommen, oder glauben Sie etwa, daß sich .cheute -auch nur eine einzige Dame .schon hätte bei uns bücke lassen

Zum Gedächtniß Otto'S v. Guerikc.

Am 11. Mai 1636 verschied zu Hambürg der verdienstvolle Naturforscher und treue Berather seiner Väterstadt Mazdebürg, Otto v. Euerike, den die gebildete Welt als Ersinder der Lustpumpe, des Manometers (zur Messung der Lustdichtigkeit), und namentlich der ElektrisirMaschine kennt und ehrt. Am 20. November 1602 geboren und in der Stadtschule zu Magdeburg unter dem berühmten Nector Nollenhagen wissenschaftlich vorgebildet, bezog Otto v. Guerike schon als Fünfzehnjähriger die Universität . Leipzig, sodann die Jenaer Hochschule, um die Rechtswissenschaft zu studiren. Seine Lieblingsstudien: Mathematik, Mechanik und Festungsbau, sowie die fremden Sprachen, betrieb er jedoch mit größtem Eifer und Erfolg in Leyden, bereiste dann England und Frankreich und ließ sich, heimgekehrt, in Magdeburg nieder, wo er, als Raths- und Bauherr in den Magistrat gewählt wurde. Die Ereignisse des 30jährigen Krieges gaben O. v. Guerike nur zu vielfältige Gelegenheit, seiner Vaterstadt mit Rath und That in allerlei Bedrängnissen nützlich zu sein. Als Tillv im Jahre 1631 Magdeburg eingeschlossen hatte und an L r r m i . n vieler raor cie velannren Zeruorunze greuel verüben ließ, konnte sich Otto v. Guerike mit mit Mühe, ganz mittellos, Zl ern . : c v. ... . mu veiv uno Nino siucyren. zi war frob, als ihm ein kaiserlicher Orn zier für die Reparatur einer Taschenuhr emen Dukaten schenkte. Erst nach Jahresfrist konnte Guerike nach Magde7 y r l. - . vurg zuruaieyren uno als ngenteur beim Wiederaufbau der Stadt mitwir ken. Zum Bürgermeister derselben erwählt, vertrat er Magdeburgs Sache nachdrücklich aus dem Friedenscongreß zu Osnabrück, dann als Abgesandter am ' kaiserlichen Hof zu Wein, Prag und aus t rn r . y oem Alelchstag zu egensvurg, tonnte aber mcht verhüten, daß die Stadt ge zwungen wurde, dem Kurfürsten von Brandenburg zu huldigen, auf die Eigenschaft einer freien Reichsstadt also zu verzichten. Uebrigens erhob sich Magdeburg unter der gerechten und wohlmeinenden Regierung des großen Kurfürsten zu neuer Blüthe, und Guerike's Thatkraft wurde für die Verbesserung der inneren Ver waltung, zur Hebung des Schulwesens und Erwerbslebens eingesetzt. In seinen Mußestunden betrieb Otto von Guerike die physikalischen Studien mit epochemachendem Erfolg und legte alle Resultate seiner wissenschaftlichen Forschungen in einem umfangreichen Werke : Experimente Nova Magde burga nieder, durch welches er sich um die Erweiterung der Kenntnisse seiner Zeitgenossen in der Physik sehr verdient gemacht. Die Er sindung der Luftpumpe durch Otto v. Guerike fällt in das Jahr 1 650, und er machte während des Reichstags zu Re gensburg großes Aufsehen durch Production seiner sogenannten Magdeburgi schen Halbkuaeln, denen er durch Auspumpen der Luft einb merkwürdige Eohäsion verliehen hatte (16 Pferde konnten die zwei halbenHohlkugeln nicht auseinander ziehen). Mit Hilfe feines Wettermännchens" prophezeite er 1660 einen heftigen Sturm, der wirklich eintraf. Seine Elektrisirmaschine endlich, so einfach sie construirt war, gab den Anstoß zu späteren wichtigen Entdeckungen. Otto v. Guerike hinterließ auch eine Sammlung von Sinnsprüchen in deu verschiedensten Sprachen, die den sittlichen Ernst seiner Lebensanschauung bekunden. Nachdem der tressliche Mann seiner Vaterstadt ein halbes Jahrhundert hindurch treu gedient hatte (er wurde in Anerkennung seiner Verdienste 1666 in den Adelspand erhoben), lebte er bis 1631 seinen wissenschaftlichen Studien und zog dann zu seinem Sohne nach Hambürg, in dessenArmen er am 11 Mai vor L00 Jahren aus dem Leben schied. Er war einer der besten Söhne des Vaterlandes. Vegetarianers Frühlingslied. Die Lerche singt, es grünt die Saat, Am Markte gibt es schon Salat, Auch rothe und weiße Radieschen, Und allerlei Gemüschen. Ich bin so froh, mir ist so wohl Warte, bald gibt's frischen Kohl. Zweierlei. Wir bellen Beide !'' spricht der Hofhund Zum Schooßhund, daß es hallt und schallt. Doch du zu deiner Unterhaltung Und ich zu meinem Unterhalt !" . Ein Elephantenstückchen, das sich thatsächlich ereignet und noch nicht seinen vollständigen Abschluß gefunden, wird vom Reuen Wiener Tageblatt" erzählt: In die Bach'sche Menagerie im Prater kam während der letzten Nachmittage eine alte Dame, welche sich damit vergnügte, dem gelehrten Elephanten ihre mit Schnupftaback gefüllte Dose unter den Rüssel zu halten. Der' Elephant schnupfte den Inhalt der Dose mit rapider Schnelligkeit auf, was der Dame viel Svan verursachte. Künlicb hatte die Besucherin vergessen, die Dose zu füllen, trotzdem reichte sie dieselbe dem Rielentbiere." Der Elevbant scbien un zufrieden über den Entgang der TabaksPortion, denn er schenkte der )ame viesmal keine Aufmerksamkeit. Diese ver wahrte die silberne Dose in der Tasche ihres Jaquets ; doch kaum war ne oorr aeboraen. als der Elephant mit seinen Rüssel in die Tasche fuhr, die Dose hervorholte, rn das caut neaie uno verslana. Die Dame war aan; außer sich. denn die Dose war ein Erbstück und sie wollte um jeden Preis wieder in deren Besitz gelangen. Man beruhigte die ..' " l. .... jr i.:. sli.nx.. alte ürau, iNvem man iyr vie eri'erung gab, das die Dose auf natürlichem Wege wieder zum' Vorschein kommen werde. Seitdem sind drei Tage verstrichen, die Verlustträgerin hält stets persönlich Nachschau aber die Dose besindet sich immer noch im Magen des Elephanten. Es ist kaum mehr Hoffnung T ' i p c'r?-r-- V ov . voryanoen, oaß ore oze vo em voe des ' Elephanten der untröstlichen Dame oder ihren Erben wird zurückgestellt werden können. ' '