Indiana Tribüne, Volume 9, Number 257, Indianapolis, Marion County, 6 June 1886 — Page 4

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JllZZiana Sriüüuc. SonntagS-AuSgabe. Office : 120 Ost Mattzland Str. . Der Anarchismus.

(AuZ dem Berliner Tageblatt.-) Die traurigen Vorgänge, welche in den letzten Monaten sich m den verschiedenen Theilen der civilisirten Wel: abgespielt haben, und von denen wir eben jetzt wie derum aus Amerika Kunde erhielten, müssen von Neuem den Blick jedes Denkenden auf jene gefährliche Macht lenken, welche, wie eine Ausgeburt der dunkeln Nacht, ihr entsetzliches Antlitz plötzlich von Zeit zu Zeit dem Lichte zeigt. Wenn .man früher Grund zu haben meinte, vor den Gefahren Schutz zu suchen, welche die Socialdemokratie für -unsere Gesellschaftszustände barg, so stehen wir jetzt bereits einer Gewalt gegenüber, im Veraleich zu welcher die schroffste Lehre der c . r.n. nii' t jc v oclaloemoiraile jai wie v:e 'jjiuuj ver frommen Denkungsart erscheinen könnte. Die Sozialdemokratie wurde vom Anarchismus übertrumpft, und die furchtbare Propaganba der That, gewaffnet mit Dynamit und Nitroglycerin, verhöhnt bereits die schwächlichen Anhänger der Lassalle'schen Lehren, die noch den Versuch machen wollen, im Wege der Gesetzgebung eine Umgestaltung unserer Zii stände herbeizuführen. Es ist nicht ohne Interesse, einen flüchtigen Blies auf die Entwickelungsstadien zu werfen, welche die Loslösung des Anarchismus von der Sozialdemokratie in den letzten Jahren durchgemacht hat. Ein kürzlich erschienener Aufsatz im Deutschen Pitaval" giebt uns in dieser Beziehung einen interessanten und klaren Ueberblick. Es war auf dem gemeinsamen Congreß der Jnternationale" im Haag im September 1872, als diese Gegensätze zum ersten Male öffentlich in Zusammenstoß geriethen, und der Erfolg war ein derartiger, daß die Lebensschöpfung Carl Marx die Jnternationale", thatsächlich gesprengt wurde. Dem rücksichtslosen Sozialdemokraten Marx, welcher bereits einen Schritt weiter als Lassalle gegangen war, indem er jede nationale Empfindung verbannt hatte, diesem Manne trat jetzt der Nüsse Bakunin gegenüber, welcher kurzweg die Anarchie, die gänzliche Abschaffung aller Klaffen, aller Staaten, jedes Patriotin . mus, jeder Nationalität, jeder Ungleichbeit der Gesellschaft, bis auf Mann und Weib, predigte. Dieser anarchischen Richtung genügten nicht mehr die Lehren der Marxschen Internationale, und Bakunin gründete in Folge deffen mit seinen Genoffen nach dem Haager Congreß eine neue anarchistische Internationale, die sich bald über ganz Europa, angeblich selbst bis Amerika und Egypten ausdehnte. Der im Jahre 1876 erfolgte Tod Bakunins machte den anarchistischen Bestrebungen keineswegs ein Ende, und bald fanden dieselben auch in den Reihen der deutschen Sozialdemokratie immer mehr Boden. Durch den Erlaß des Socialisten-Ge-setzes wurde hier noch mehr die Treunung von Socialisten und Anarchisten beschleunigt, und es entstand auch hier . jene Scheidung der blauen" und der rothen" Socialisten. Johann Most wurde nunmehr das Oberhaupt' der anarchistischen Propaganda. Von London aus, woselbst er sein Blatt, die Freiheit", redigirte, versuchte er seine Fäden über den Kontinent zu spinnen, und von hier sandte er sejne Emissäre aus, welche berufen sein sollten, im Gegensatz zünden schwächlichen Mitteln der deutschen Socialdemokratie die energische . Propaganda der That" zu verwirkliehen. Die Hochverrathsproceffe, welche sich nunmehr in den folgenden Jahren vor dem Reichsgericht zu Leipzig abspielen, geben ein beredtes Zeugniß von den teuflischen Plänen, welche dieser Agitator in Thaten zu setzen versuchte, freilich nur vermittelst Helfershelfer, während er selbst in feiger Sicherheit vom Auslande her die Fäden lenkte. In dem ersten 1881 stattgehabten Proceß tritt als; interessanteste Persönlichkeit der Belgier Dave m den Vordergrund. Der extrem anarchistischen Richtung angehörig, war derselbe aus Paris ausgewiesen worden, woselbst er die Adreffe an Felix Pyat, die den Fürstenmord als ein verdienstvolles, ruhmreiches Unternehmen anpries, unterschrieben hatte. Im Frühjähr 1830 kam er nach London und knüpfte dort nähere Verbindung mit Johann Most an, um sich sodann als Beauftrager Mosts nach Deutschland zu begeben. Der Thätigkeit dieses Sendlings wurde aber bald durch seine und seiner Mitgenoffen Verhaftung ein Ende gesetzt. In der Nacht vom 19. zum 20. Oktober 1880, am Tage vor der Ankirnst des Kaisers, wurde bekanntlich in Frankfurt a. M. überall von unbekannter Hand das Flugbatt Mosts, Die revolutionäre Socialdemokratie", verbreitet. und die bei dieser Gelegenheit von der Polizei verfolgten Spuren fübrten zur Entdeckung der von Dave in Szene gesetzten Propaganda. In Gesellschaft von 14 Mitangeklagten wurde er vor dem Reichsgerichte angeklagt, und die Beschuldigung ging da hin, daß die Angeklagten ein hochverrätherifches Unternehmen vorbereitet hatten, und zwar durch Bildung von Bereinigungen, sogenannten Gruppen, welche bezweckten, ein von Most geplantes Unternehmen zu fördern, nämlich das Un

ternehmen, die moderne Gesellschaftsordnung mit Gewalt zu zerstören und hierdurch auch die Verfaffung des deutschen Reiches gewaltsam zu ändern." Dave und acht seiner Mitangeklagten -wurden für schuldig befunden und zu langjährigen Zuchthausstrafen verurtheilt. Von Jntereffe ist hierbei die Erwägung, welche das Urtheil des Reichsgerichts in Betreff der erkannten Straf- . art anstellt. Das Reichsstrafgesetzbuch .i . läßt bei dem Verbrechen des Hochverraths die Wahl zwischen der schwersten Strafart, der Zuchthausstrafe", und der leichtesten Strafart, der Festungs.haft". Auf- erstere Strafe soll nur dann erkannt werden, wenn festgestellt wird, daß die strafbar befundene Handlung au einer ehrlosen Gesinnung ent-

sprungen ist. Es kam also bei der Wahl der Strafart darauf an, ob den

verbrecherischen Thaten der Angeklagten ein ideales Motiv zu Grunde liege. Das Reichsgericht hat dies verneint. In der Begründung heißt es : Laffen sich auch schwere Verbrechen dieser Art durch einen idealen Zug motiviren, so ist doch von solchem bei den Angeklagten in keiner Weise die Rede. Die Absicht, ihre gesellschaftliche Lage ohne mühevolle Arbeit zu verbeffern, Eigennutz und daneben Mißgunst und Haß gegen die besitzenden Klaffen sind die Triebfedern ihrer Handlungen. Sie kannten auch das Programm von Most, welchem zur Durchführung seiner Zwecke kein Verbrechen zu rnedng war. Diese erste Niederlage der Most'schen Propaganda in Deutschland reizten den Agitator und seine Anhänger nur noch zu wilderer, ungezügelterer Thätigkeit auf. Der revolutionär-socialistische Congreß zu London m den Tagen vom 14. vts 19. Jull 1831 erklärte, dan die internationale ArbeiterAssociation es für nothwendig befunden habe, an die Propaganda des Wortes und der Schrift die Propaganda der insurrektionellen Thätigkeit zu knüpfen. Thaten, wie unwichtig sie immer erscheinen mögen, wirken mehr auf das Volk, als Tausende von Schriften und schönen Reden, und der Congreß empfiehlt deshalb allen Organisationcn und Personen, welche sich der internationalen Arbeiter-Ajiociation anschließen, das eifrige Studium der technischen und chemischen Wissenschaften, welche der revolutionären Sache schon große Dienste geleistet hätten und berufen seien, noch größere in der Zukunft zu leisten. Unverhüllter und tollkühner war die Absicht, durch Dynamit-Attentate die Gesellschaft in Schrecken zu setzen, noch nirgends ausgesprochen worden, und die nächstfolgenden Prozeffe vor dem Reichsgeriet): gaben davon Zeugniß, auf wie fruchtbaren Boden diese Lehren gefallen. Most, welcher in England eine schwere Freiheitsstrafe hatte verbüßen muffen, weil er in der Freiheit" vom 19. März die Ermordung des Kaisers von Rußland als ein herrliches, nachahmungswürdiges Heldenstück gefeiert und wilde Drohungen gegen die gekrönten Häupter Deutschlands ausgestoßen, begab sich nunmehr nach Amerika, um von dort aus in bisher beispielloser Weise den Kampf gegen Gesetz und GesellschaftsOrdnung zu führen. Das Gesetz als solches ist das Allerletzte, das unsern Respekt herausfordert," schreibt nunmehr. Man wird das ganze Proletariat bewaffnen müffen ; Geschoffe, Waffen, namentlich aber chemische Hilfsmittel, z. B. Congrevesche Raketen, Dynamitbomben u. s. w., man sollte nicht vergeffen, daß nach einer alten Fechtregel die beste Dekkung der Hieb ist u. dgl." Wir geben diese kleine Blumenlese, welche wir dem Deutschen Pitaval" entnommen, hier wieder, um den Zusammenhang noch deutlicher zu machen, der zwischen diesen verbrecherischen Aufreizungen und den Schandthaten obwaltet, welche kurze Zeit darauf die Welt in Schrecken versetzten. Noch hatte man keine Vorstellung davon, mit welcher Eonsequenz und welchem Raffinement diese Mordgesellen ihre Worte und Thaten verwirklichen würden. Als am Abend des 4. September 1833 eine nicht bedeutende Erplosion im Restaurant Willemsen zu Elberfeld vor sich ging,ahnte man nicht, daß dieselbe nur eine kleine Episode in dem fortlaufenden Drama der Verbrechen sei, welche in jenen Tagen in Deutschland systematisch vorbereitet wurden. Aber jene durch den Weber Carl Bachmann ausgeführte Explosion gab die Veranlaffung zur Entdeckung des Hauptverbrechers, welcher in teuflischer Verwegenheit den Plan gefaßt hatte,mit emem Schlage das Oberhaupt des deutfchen Reiches, seinen Nachfolger, einen Theil der deutschen Fürsten, Volksvertreter und Würdenträger zu vernichten. Als der freudige Festzug, in welchem der deutsche Kaiser und Kronprinz ' sich befand, zum vllederwalddenkmal sich vewegte, war bereits der Zündschwamm angesteckt, um die furchtbarste Katastrophe herbeizuführen, von welcher jemals die Geschichte berichtet, der Himmel selbst schien damals die grauenvolle That verhindern zu wollen und mit Recht konnte der Oberreichsanwalt in der Gerichtsverhandlung sagen, daß durch das Cmgretfen- einer höheren Macht die (!xplosion mißlungen war. In der Nacht vor dem Feste hatte es geregnet. Schwamm und Zündschnur waren durchnäßt und der unheilbringende Funke verlöschte, bevor er den Sprengstoff erreichte. Als die Tausende, welche zu dem Freudenfest sich versammelt hatten, in übler Laune das schlechte Wetter betrachteten, ahnten sie nicht, vor welchem schrecklichen Schicksal sie hierdurch bewahrt wurden. Aber die Verbrecher ließen sich durch den mißlungenen Mordversuch nicht abschrecken, sie wollten den Tag doch nicht ganz verloren haben, und als Abends die frohbewegte Menge in der Festhalle zu Rüdesheim versammelt war, wurde nochmals eine Ecplosion in Scene gesetzt, welche glücklicher Weise einen wesentlichen Schaden nicht anrichtete. ' Die Verbrecher des Niederwald-Denk malö hat ihre wohlverdiente Strafe ereilt. Am 7. Februar 1885 bestiegen Neinsdorf und Küchler das Schaffet, Letzterer gebrochen. Ersterer Gaffenbauerlieber singend und mit dem Rufe : Nieder mit der Barbarei, hoch die Anar chie l" Aber wle wenig durch die Vernichtung des einzelnen Verbrechers die Gefahr beseitigt war, das zeigten die Wiener Morde, das zeigte die Resolution Londoner Genoffen", welche sich mit dem von Neinsdorf und Genoffen geplanten und versuchten Attentat vollständig solidarisch erklärte, und davon gab die Freiheit" Kunde, die am 14. Februar 1883 mit Trauerrand erschien. Neinsdorf als einen ihrer Edelsten und Betten pries und die Leser aunorderte. das Werk zu vollenden, das er so kschn vegonnen. Wir werden nach dem Vorgeführten uns leider der Ueberzeugung nicht verschließen können, daß es- sich hier nicht um Nfcie einzelnen Schandthaten verbre'cherischer oder wahnwitziger Individuen

handelt, sondern daß alle jene furchtbaren Thaten nur Aeußerungen eines weit ver-

breiteten, wohl vorbereiteten Systems sind. Die Nachrichten, welche jetzt wie der von jenseits des Oceans zu uns herüberdringen, bestätigen, wie weit diese w p r m i w . r verorecyeriicye Propaganda oereus Ausdehnung gefunden hat. Solchen Thaten gegenüber kann von emer Verschiedenheit der politischen Parteistellung nicht die Rede sein, alle werden hier einig bleiben, die Feinde zu bekämpfen, welche unsere rr t . r .. r i rn ganze yuuur zu gesayroen im Begriff ! sind. Im hohen Grade für bedenklich erachten wir es aber, den Anarchismus dadurch vernichten zu wollen, daß man die gemäßigten socialdemokratischen Füh m verhindert, ihre Ideen der Menge mitzutheilen. Wir fürchten, daß hierdurch, der im Geheimen wirkende Anarchismus gerade an Macht gewinnen und die Anhänger Mosts am Ende auch in der socialdemokratischen Bewegung die Oberhand erlangen werden. Die Erfahrung hat gelehrt, daß das Socialistenaesetz die Verbrechen des Anarchismus schlechterdings auch nicht zu verhindern vermocht hat. ' Die Ermordung des französischen Asrikareiscnden Pallat. Ueber den Tod des Lieutenants Pallat sind in Paris genauere Nachrichten eingelaufen. Zwei aus Gahdames kommende Eingeborene haben dieser Tage dem Oberbefehlshaber von Ghardaia umständliche Einzelnheiten über die Ermordung des unglücklichen Ofsicicrs mittheilen können. Dieselben bestätigen die Befürchtungen, welche seit einiger Zeit von unseren Offizieren an der Südgrenze Algeriens geäußert worden sind, daß nämlich jenseits unserer Vorposten eine lebhaste Ausregung unter den Stammen der Wüste herrscht, die sich unserer Autorität entziehen und unter den Schutz des Sultans von Marokko stellen möchten.! Während seines langen Aufenthalts in Durara hatte der Lieutnant Pallat seine Absicht nicht verheimlicht, sich über Tuat und Tikidelt nach Timbuktu zu begeben. Rasch hatte sich die Nachricht im Süden verbreitet, und waren die Häuptlinge der verschiedenen Stämme zu einer Berathung zusammengetreten. Der Kebir der Uled'Acoktar war der Meinung, man solle den Ofsizier kommen laffen, da er allein sei und sogleich Niemandem schaden könne ; allein Si-Mohammed-ben-Sidiel Aabib, Häuptling der Sali, war entgegengesetzter Ansicht, ihm pflichteten der' Häuptling d?r Uled-öa-Hammu bei. Er ist allerdings allein," sagte dieser, wenn wir ihn aber diesmal kommen laffen, so kennt er unser Land und wird später mit zahlreicher Begleitung i r rrv ir wieoerieyren. can verymoere iyn aio, sein Ziel zu erreichen!" Diese Meinung siegte. So begaben sich zwei Angehörige des Stammes U!ed-ba-Hammu Ende Januar von Jnsalah nach Aurara und boten sich dem Lieutenant Pallat als Führer an. Einer derselben war der Neffe des Häuptlings El-Hadj-Abdel-lader-ben-Aadmda. , Pallat nahm ihre Dienste an, gab jedem tausend Franken Handgeld und verließ mit ihnen und einem arabischen Diener Savunnat am 25. Februar. Er hatte sein Pferd verkauft und ritt eines der Kameele, welche das Gepäck trugen. Schon am 27. ge sellten sich zwei andere Individuen wie zufällig der kleinen Karawane zu und marschirten mit ihr. Als man am Abend des vierten Tages bei einem Orte, genannt GantramtaTinzlaiun, anlangte, blieb der Diener des Lieutenants zurück. Der Neffe des Häuptlings der Uled-ba -Hammu ging. iyn zu suchen und kam bald wieder, aber ohne den Diener. Jetzt schöpfte der Lieutenant Pallat Verdacht und stieg von seinem Ziameele herab, um den anderen Führer auszufragen. Während cr sprach, schoßOhmeduld-Abdelkader.'ben-Badjuda von hinten mit einem Karabiner auf ihn. Pallat siel, von einer Kugel unter dem Arm getroffen, hatte aber noch die Kraft, drei 3!evolverschüsse auf feine Umgebung abzufeuern, ehe er verschied. Nachdem der Streich gelungen war, kehrten die beiden Fuhrer nach Jnsalah zurück. Hier war in der Vtimmuna ein ganz kleiner Umschwung eingetreten. Die Häuptlinge hatten nach ihrer Berathung den Sultan von Marokko von dem gefaßten Entschluffe m Kenntniß gesetzt und von ihm die Antwort erhalten : Wenn der Ossizier, der Euch angekündigt ist, nur spaziren gehen will, so laßt ' . - r . . iyn gewayren ; wenn er zu effen verlangt, so speist ihn ; wenn er aber sich im Lande festsetzen will, so jagt ihn hinaus !" Als dieser Brief in Jnsalah anlangte, war der Mord schon verübt. Der Häuptling der Uledba-Hammu ließ im ersten Augenblick, ängstlich geworden, seinen Neffen verhaften, und die Leiche des Lieutenants Pallat mit seinem Gepäck und seinen Papieren nach Jnsalah bringen. Seitdem hat er aber wieder Muth gefaßt, seinen Neffen auf freien Fuß gesetzt und erzählt Jedermann, der Sultan von Marokko t werde die Sache für ihn ins Reine bringen. Diese Zuverficht wird übrigens von allen Wüstenbewohnern getheilt, welche seit der Niedermetzelung der Mission Flatters die Ueberzeugung gewonnen haben, daß alle außerhalb unseres Gebietes begangenen Verbrechen ungestraft bleiben. Jnsalah ist zur Stunde der Mittelpunkt einer gegen Frankreich gerichteten muselmännischen Bewegung und droht, ein Herd der Empörung sowie die Zufluchtsstätte aller rebellischen Stämme Algeriens zu werden." Stilblüthen. AusdemBericht eines österreichischen Schätzungskommiffarius : Das Federvieh ist eine blöke Nebenquelle der Weiber, daher nicht besonders ausgedehnt." Die Gärten haben aus langet an Kcnntni - sen keine Obsterzeugung und auch schlecht einwirkende Froste, sind aber emes guten Grasfutters fähig." Hier kommen einige sehr betagte Gebäude vor, welche auf die ehemals bestandene graue Vorzeit schließen laffen." Uebergroße Höflichkeit. Ach, mein Gott, nun sind Sie gar die Treppe hinuntergefallen !" O, thut nichts ! ich hätte ja ohnedies 'runter

muffen!"

Metallkuren.

Geen Ende der Vierziger Jahre standen die Leute im Banne eines merkwürdigen medizinischen Aberglaubens, Allen voran die Stadt Wien, in deren Mitte spekulativer Apotheker die sogenannten magnetischen Ketten als einzig sicheres Heilmittel gegen alle Art von Muskelaffektionen oder Gliederkrankheiten, wie Rheumatismus und Gicht, verkaufte. Einer raunte es dem Andern zu: Es hilft !" und Hoch und Nieder, die Ungebildeten und die Intelligenz wanderten schaarenweise in die Himmelpfortgaffe, um sich dort für den Preis von fünf Gulden eine magnetische Kette zu verschassen. Diese Ketten, eine Composition aus Zink und Blei, wurden um den Hals getragen und sollten einfach hiedurch die Krankheit zum Weichen bnn gen. Das Geschäft ging brillant. Der Kranke, bei dem die ärztliche Kunst nichts mehr vermag, ist für zede Kur empfang lich, von der er sagen kann: Hilft's mchts, so schadet es nichts, und selbst ge bildeten Kranken lauft der Verstand mit emer, wenn auch noch so entfernt liegenden Hoffnung auf Genesung bereitwillig davon. Aber auch den magnetischen Ketten schlug ihre Stunde. In einer Versammlung der Stadtverordneten erhob sich der Vorgänger Zelinka's im Bürgermeisteramt, Kaspar Seiler, und erklärte, es sei eine Schmach für das Wiener Publikum, daß es sich von einem so auf der Hand liegenden Humbug bethoren laffe, eine Schmach -r. r c p- c rr r . i . insoeionoere .für oic oberen lanoe, welche in Schaarcn, wie die Mckka-Pil-ger, in die Waldheim'sche Apotheke wanderten und dem ungebildeten Theile des Volkes, welchem derartige Neigungen eher u verzciben seien, das böse Beispiel des Aberglaubens gäben. Insbesondere konnte der Bürgermeister darüber seilten Unmuth nicht verbergen, daß bereits ausländische Blätter sich über den neuesten Wiener Hokuspokus lustig machten. Dieser stadtväterlichen Enunziation folgte ein behördliches Verbot und die magnetischen Kettenkuren nahmen ein Ende. Die rheumatischen Schmerzen aber und das Gliederreinen sollen dann, wie einige Gläubige aus Nachsucht behaupteten, einen ungeahnten Aufschwung genommen haben, namentlich bei denjenigen, welche sich nicht entschließen konnten, das Zeichen der Galeerensklaven zu tragen. Um dieselbe Zeit herum trat ein Dr. Brück mit der Behauptung hervor, daß es ihm gelungen sei, Nerven krankheiten durch blones Auflegen von Metallplatten auf die Haut der Kranken zu heilen. Er beobachtete aber hiebe:, daß nicht jeder Kranke für. das gleiche Metall empfänglich sei, sondern 'daß eines diesem, ern- anderes jenem helfe. Das war im Jahre 1848. Dr. Brück wurde als verrückter Acensch erklart und seine Entdeckung blieb dem Gespötts der Mit- und Nachwelt preisgegeben. Mittlerweile vergingen zwei Dezennien, als einer der angesehensten französischen Kliniker, Professor Eharcot zum Erstaunen aller Welt die Frage der metallischen Kuren neuerdings in Fluß brachte. In der Soclete de Biologie bestätigt er mit allem wiffenschaftlichen Ernste die Behauptungen Dr. Bruck's. Durch zahlreiche Beobachtungen hatte er gefunden, daß bei Hysterischen das Auflegen einer Platte von bestimmtem Metall auf den in Folge der nervösen Störungcn unempfindlich gewordenen Körpertheil thatsächlich die Wirkung hatte, die Unempsindlichkeit nach und nach verschwinden zu machen. Auch an den Sinnesorganen vermochte er die Wiederherstellung der Empfindlichkeit zu konstatiren. So erlangte ein farbenblind gewordenes Auge wieder seine Empfindlichkeit für die Farben, zuerst für blau, dann für roth, nachher für grün und endlich für violett. Auf diese Mittheilung Charcot's hin ernannte die Societe de Biologie' eine Kommission zur Prüfung dieser Dinge. Die letztere konnte nicht nur Charcot's Beobachtungen als unwiderleglichen Thatsachen entsprechend bestätigen, sondern ergänzte dieselben noch durch Entdeckung einer neuen, ganz wunderbaren Erscheinung. Es zeigte sich nämlich in vielen Fällen, daß. wenn durch Auflegen der Me tallplatte die krankhafte, unempfindlich gewordene Seite des Körpers wieder ihre Empfindlichkeit erlangt, gleichzeitig die letztere auf der entsprechenden ande T ... C ft". . ,...r j - fi.. '.A.I.. ren gefunoen Körperteile verfc?n?inoei ; ja, daß, wenn das linke Auge seine verlorene Empfänglichkeit für Farbensehen wieder gewinnt, das andere gesunde Auge farbenblind wird, und 'zwar verschwinden die Farben in einer Reihenfolge, welche sich umgekehrt zu derjenigen verhält, nach welcher sie im erkrankten Auge wiederkehren. Die Commission bezeichnete diese Erscheinung als UebertraguNg" der Empfindlichkeit. Nach solchen von einer wiffenschastlichen Gesellschaft ersten Ranges gemachten Beobachtungen, bei welchen überdies zur Vermeidung psychischer Beeinfluffung der Kranken die letzteren ohne jedes Vorwiffen über den Zweck der mit ihnen angestellten Versuche blieben, ging es nicht mehr an, von Humbug oder Täuschung zu sprechen ; man mußte sich daran gewöhnen, mit feststehenden Thatsachen zu rechnen, und sollten sie auch noch so wunderbar sein. Vielmehr trat jetzt die Aufgabe an die Physiologie heran, dieselben des Mystischen zu entkleiden durch den Versuch einer natürlichen wiffen schaftlichen Erklärung. Solche Versuche wurden denn auch von mehreren Forschern unternommen, . ohne ' daß einer derselben zu genügen vermochte, bis Dr. Schiff mit seiner Theorie der harmonischen Schwingungen" eine Erklärung des Phänomens . der metallischen Wirkung auf das Nervengewebe ausstellte, die, wenn auch hypothelisch, doch ziemlich befriedigend die merkwürdige Thatsache aufzuhellen vermag. Ich theile diese Erklärung nach einer Darstellung Profeffor Herzens in der Zeitschrift Kosmos" in kurzen Zü' gen mit. 'Nach den Lehren der Chemie und Physik sind die, Atome eines jeden Körpers in eigenthümlichen, unsichtbar kleinen Schwingungen begriffen. Es scheint nun, daß nach der Auffassung Schiff's diese Schwingungen der Atome eines fremdenlörpers unter gewissen Bedingungen sich dem Nervensystem b:-

stimmter Individuen mitzutheilen im Stande sind. Diese Bedingungen hängen theils von den Schwingungen des Körpers (Metallplatte), theils von dem

Zuftande des -ilcervensystems ab. Ist das letztere normal, so ist es dem Einfluffe der schwingenden (.Metall-) Atome viel : t .:jti .. r . weniger ieir zugangua), a:s wenn es f. 't I 1, r . n m. t oerens euren einen krankhaften Zustand an Widerstandskraft verloren ' hat. So bilden denn auch die günstigsten Fälle zur Beobachtung dieser Einflüsse jene hyflenfcyen Störungen, wo em semem Wesen nach noch unerkannter krankhafter Prozeß in einem bestimmten Gebiete der Nervencentren, ohne jede sichtbare ma- , V m . . ' neue Veränderung xm Nervengewebe, eme ,?unltlonsjtorung verursacht, wo mit anderen Worten ohne Zweifel eine Veränderung der Lage und Schwmgun gen der Atome stattfindet, indem die Schwingungen verstärkt oder geschwächt oder ganz aufgehoben werden, und so der betreffende Nerv dann anders fungirt, als im gesunden Stande, oder überHaupt zur Funktion ganz untauglichalso der Empsindungsnerv unempfindlich, der Bewegungsnerv gelähmt wird. Nach der Erklärung Dr. Schiff's kann nun unter solchen Umstanden, m ganz bestimmten Fallen, die Zuführung ge wiffer Schwingungen (der Metall-Atome) von bestimmter Stärke den gelähmten Nerven-Elementen das Vermögen, so zu schwingen, wie es vor der Erkrankung geschah, wieder geben und m unem vfindlich gewordenen Theilen die Zm psindlichkeit, in krampfhaft zusammengezogenen oder völlig lahmen Theilen die Beweglichkeit von neuem hervorru fen. Auf diese Weise ungefähr würde sich das erste Wunder der Metallotherapie erklären ; das zweite die Uebertragung auf die correspondirende Körperseite-kann man sich folgendermaßen zurechtlegen: Das Nervensystem der dem Einfluffe der Metalle zugänglichen Kranken befindet sich in emem dermaßen schwankenden Gleichgewicht, leistet den geringsten An stößen wenig Widerstand, daß dieselben Schwingungen, welche durch Auflegen des Mrtalls sich den Nerven der kranker Site mittheilen und hier den normalen Zustand rm Nervensystem wlederherstel len, zugleich genügen, um bei ihrer Aus breitung in die gleichnamigen Nerven der gesunden Seite auf dieser die Schwingungen der normalen -Zcerven elemente zu hemmen, so lange die Ein Wirkung von außen dauert, so daß nun die krankhasten Symptome aus der ue funden Seite in demselben Maße zum Vorschein kommen, als sie auf der kranken verschwinden, um jedoch ihren ursprünglichen Sitz wieder einzunehmen, sobald der Einfluß, welche sie verscheucht hatte, zu wirken aufhört. Dieser Erklärungsversuch Dr. Schiff's wird gestützt durch eine Anzahl von Untersuchungen desselben Forschers über die Leitung in den Nervenbahnen, ein Gebiet, auf welchem, wie es scheint, die alten Anschauungen der Physiologie sich nicht mehr zu halten vermögen und neuen, die Theorie der Nervenleitung durchaus umgestaltenden, Platz machen müffen. Vielleicht hat einer oder der andere Leser an eine Analogie der Schiff'schen Hypothese mit jener gedacht, welche anläßlich des Auftretens Cumberland's in Wien viel von sich reden machte. In beiden Fällen handelt es sich allerdings um die Mittheilung von bestimmten Atomschwingungen eines Körpers auf einen anderen Körper. Aber abgesehen davon, daß beim sogenannten Gedankenlesen Elektricität im Spiele sein und die Uebertragung von Nerv zu Nerv (Handauflegen auf die Stirne) gehen sollte, handelte es sich hier um ein psychologisches Resultat, während durch das Auflegen der Metallplatte zunächst eine rein physiologische oder eigentlich physikalische Wirkung zu erzielen gesucht wird. Dann aber wurde beim Gedankenlesen nach einer Erklärung gegriffen, welche selbst ebenso wunderbar erschien, als die Thatsache selbst, die sich nach neueren Versuchen Prof. Preyer's in Jena auf höchst interessante aber einfache Weise'zu losen scheint. Es wird noch vieler Studien bedürfen, ehe die Metallotherapie nach allen Seiten vertrauenswürdig durch eine wiffenschaftliche Erklärung gestützt werden kann. Vorläufig müffen wir uns mit der kulturgeschichtlich merkwürdigen Erscheinung selbst noch genauer bekannt machen', einer .Thatsache, welche erst Aberglaube, dann wissenschaftliche Frage geworden ist, wie es übrigens nicht das erstemal in der Welt geschieht. Wenn Unvorsichtige und Schwärmer daraus den Schluß zögen, daß eine Kreuzspinne, in einer Nuß um den Hals getragen, Zahnschmerzen heilt, so müßte man das allerdings sehr voreilig nennen. Solchen Leuten ist überhaupt nicht zu helfen. AuS Venezuela. (eorrcZpondenz der ,?!. I. Ctaatszcitung".) Colonie'Tovar,'19. April 1836. Nach der . statistischen Zusammenstellung von 1883, welche das Ministerium de Fomento hat publiziren, laffen) hat Venezuela . eine Bevölkerung von über zwei Millionen auf einem Gebiete von sechzehnhundert und vierzigtausend Quadrat - Kilometer wovon 382,000 Quadrat - Kilometer in Privateigenthum übergegangen, das Uebrige noch öffentliches Land .ist. Das Gebiet wird in drei Zonen, die Landbau-, die Weidenund die Wald-Zone, eingetheilt. Auf 340.000 Hectares wird der kultivirte Boden im ganzen Staate geschätzt. Die agricole Zone hat circa 350,000 Quadrat-Kilometer, wovon 1 23,000 QuadratKilometer in Privat-Besitz. Zieht man die Zahl der städtebewohner ab, so bleiben 150.000 Seelen als eigentliche Landbevölkerung dieser Zone, eine Schätzung, die mir Wohl hoch erscheint. Willkürlich und ich möchte sagen, mehr pour la bonne fagon, ist jene ZonenEintheilung. Sie deutet den gegenwärtigen Culturzustand des Landes an, und, vielleicht mit Ausnahme der Savanen im Flußgebiete des Orinoco, gründet sich dieselbe weder auf klimatische Verschiedenheiten (wie z. B. die 3 Zonen in Alt.Mezico) noch auf andere Bodenverhaltniffe, welche auch künftige, bestandene

Bebauungs- und Benutzungsarten bedingen möchten. Das Küstengebiet wird I? jm.lY O r . jf i crr o

iu uguuc Jvnr oezeiner. Warum s Es wurde zuerst angesiedelt, hat die dichltl roi3f c c -jri.. :r.-- ' c uc -oeiHuutunfl unv veryaiiniVinabig einstweilen noch das meiste cultivirte uuv, uui uiz f vv MwC eiaiienyeil V . 3 " i O-f -r-, c? . P . - l r, ' r I nvvm wmivvvnvu vUfc. iüJUlll auf der scharfkantigen Höhe des fcim Nl: i vs; i:-OT..SC-.4; man Picach .vyv vv VIU II. Vifc IVVUt 4US UlUi herumschweifen läßt, so hat man vor sich, (rt hirsa i.J Z. wähnte wirre Gewebe von steilen Bergen mit den in allen Richtungen sich verlerncas immer mehr; mehrere Flüffe beschützen reiche tropische Culturen gegen die Dürre. ' iV UVV 4IUJ VVU ViUU Näher westlich sich wendend,' verfolgt das Auge leicht die, das meistens gut ,.,..cttwT .iMv.-tl v,vv "Vv". vm ivm. vAuch ermnert man sich, auf der Durchreise hinter diesem oder, zenem jrAo ftdvi?srt4ttv.A v r.rr ort. VV.öV.VUlVVmMjU.UU ,W4v (lll' r " r t .. r rm I yangen, logar IN uelnen eoenen jaseitungen Zuckerrohrfelder angetroffen zu haben ; dazwischen, wie wenn jeder benutzbare Fleck Erde ausgesucht worden, manche elende Hütte auf kleinen Conucos, die Wohnungen von piones?, schmutzige i . r- r .' u.

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fenden Verzweigungen und den engen 0"ien Jr ÖS eThälern und Schluchten. Zwar, erwei- h W den Pflanzer, deffen Begehren ort fi-.VsRstr; und Bedingungen sie sich gefallen lassen

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puipenas, wenige AiorslHasten uno ilu W eigeinyumiiHe eStädte wie La Victoria. Und im Süd- sttz von eigenem Lande auf Arbeitsamkeit,

Westen scheinen die Berge etwas auseinander zu gehen : dort breitet sich der bekannte Valencia-See aus. um welken verschiedenartige Culturen blühen, ein

wohlthuender Anblick, sonst aber nichts aus. . als steile Berge, enge Thäler und wüste Warum, wird man fragen, folgen Thalkeffel, auf der Nord oder Meerseite nicht mehrere dem guten Beispiele nach der Hauptstraße mit dichtem Urwalde be- und suchen durch Erwerbung von Land wachsen, lm Süden von Wald entblößte sich eine unabhängigere Stellung zu ver-' Kamme und Abhänge, mehr als fünf schaffen? Eine theilweise Antwort auf Tagereisen wett. So sieht von der diese Frage sindet sich in der Thatsache, Hohe des Picacho, emem Centralpunkte daß der dritte Theil des zur agricolen m der Küsten-Kette, der mittlere und Zone gehörenden Gebietes bereits Eigengrößte Theil der angeblichen Agricolen- thum einer Anzahl von Patrioten ist: Zone aus. Die anderen Bezirke habe daß derselbe offenbar der beffere, durch ich noch nicht besucht. Lage, Güte des Bodens, Waffervorrath Wegen Mangel an Waffer kann man- u. dgl. begünstigte und leicht bebaubare ches Stück guten Landes nicht urbar ge- Theil ist. - Große Ländereien liegen unmacht und bebaut werden. Der regel- cultivirt, gleichsam in todter Hand, und mäßigen trockenen Jahreszeit wegen ist es hält schwer, davon kleine Parzellen zu die Berieselung der Felder durchaus erkaufen. Außer dem natürlichen Winothwendig. Aber in mehreren Thälern derstrebcn der Großbesitzer, entstehen giebt es keine hinreichenden Wafferquel- Schwierigkeiten aus den verwickelten len. An anderen Orten gehen diese aus, Verhältnissen, welche die Erwerbung von sowie das Ausroden des Waldes zur Ve- Land in den ehemaligen spanischen BeNutzung des. Bodens beginnt. Man sitzungen unsicher machen. Für große nennt mir verschiedene Käffeepflanzungen, Ländereien eristiren keinerlei Titel,auper welche deshalb verlaffen worden sind, dem nominellen Besitze. Wo genügende Bäche das Thal hinunter Für viele gründet sich das Recht des fließen, müffen oft sehr kostspielige Be- vorgeblichen Eigenthümers auf eine wäfferungs. Anstalten, Kanäle und Koncession, der vormaligen spanischen t P Y ä t t CY P L .. . . V T

Vyieuien, erricyier weroen. eonoere Reglements ordnen die Benutzung des Waffers rnrt deffen Vertheilung unter die anstoßenden Eigenthümer, und specielle Beamte wachen über die Befolgung dieser polizeilichen Vorschriften. Deffen ungeachtet entstehen häusig Streitigkeiten zwischen den interesstrten Pflanzern, und Klagen über Waffermangel werden fortwährend laut. Der steinige und sandige Boden verschluckt sehr viel, die Sonne saugt den Rest auf, so daß gewöhnlich l. r rk f m r nur vle am overen ause emes Äacyes liegenden Güter gehörig bewäffert werden können, und für die weiter unten liegenden Pflanzungen kein Waffer mehr stießt. Die Art und Weise, wie man mit den Muldern verfabrt. Iafct keine Re57ern7 r m . .v m dieser Bezieyung erwarten. Weite Strecken des nördttcken mhhcnneZ k?

Hauptgebirgszuges sind, wie gesagt, noch ten zu verbleiben. Ein energisches Einmit llrmMh Firff .fcnrt ri schreiten der Staatsgewalt zur Verein,'

Quellen und die Feuchtigkeit ist so groß, i. f - r. f r rr. ' i . I ocR.es oft jsyr icywlerlg wlro, oas zu neuen Eonucos oder sonstiger Anpflan zung gefällte Hol; zu verbrennen. Beiläusig gesagt, es wiederholt sich da die im nordamerikanischen Felsengebirge beobachtete Erscheinung : selbst zur Win-ter-oder trockenen Zeit entladet sich die dem Meere entstiegene Feuchtigkeit bei-' nahe täglich rn Regengüffen am hohen bewaldeten Bergabhange, während weiter unten am 3)ceeresufer und besonders südlich von zcner Küste die ganze Pflan zen-Welt von der Dürre leidet. Da er scheinen alle Höhen kahl, höchstens mit Farren und niedrigem Gestrüppe bedeckt. So . sab es in früheren Zeiten offenbar nicht aus; -aber Sorglosigkeit und Unverstand des Menschen haben die schützen den Walder durch das Feuer- zerstören laffen. Nrü heut zu Tage sieht man häufig, wo Abholzungen zu neuen Conucos geschehen, das Feuer den umgebenden Wald ergreifen, in der dicken Schicht von Abfällen und Wurzelgeweben sich verbreiten Und die größten Bäume tödten. Ein Stück Wald nach dem andern verschwindet Von diesem Schutze beraubt, wird die humusreiche Erde von den Abhängen durch vlegengüffe weggeschwemmt. Auf dem steinigen. Boden wächst kein Wald mehr auf sondern nur Farren und wüstes Gestrüpp. Daß die Quellen immer kleiner werden, unregelmäßig fließen, ja ganz versiegen, brauche ich nicht zusagen. Ich will nur noch beifügen, daß in mehreren Bezirken die Waldzerstörung so weit stattgefunden hat, daß Holzmangel fühlbar wird. Ein großer Theil des Bauholzes wird aus Nordamerika eingeführt. In einem so gebirgigen Lande kann von der Benutzung "von Feld-Maschinen, die heutzutage für die Landwirthschaft unentbehrlich sind und diese Industrie lohnend machen, keine Rede sein. Höchstens kann in den ebenen ZuckerrohrFeldern der Pflug gebraucht werden. Sonst muß die ganze Bebauung durch Handarbeit geschehen. Dies wäre, seit der Abschaffung der Sklaverei, wenigstens auf größeren Besitzungen, ohne die vielen Pions, welche an die Stelle von Sklaven getreten, geradezu unmöglich. Hier berühre ich einen wunden Fleck in der Venezuelanischen Republik, über welchen ich mir einige Erörterungen erlauben muß. Die Klaffe der Besitzlosen, aus welchen der Stand der Pions besteht, existirt in allen spanischen Republiken, aber Wohl nirgends in so starkem Zahlverhältnisse zu den Grundeigenthümern, wie in Venezuela. Ich spreche von der Landbevölkerung in der sögenannten Ackerbau-Zone. Es fehlen zu-

verlässige statistische Angaben : die Re genten haben gegenwärtig noch kein 5nr . , .1' ' v.

lerere, die wayre Sachlage allgemein bekannt zu machen. Aber landeskundige orn - J Scanner neymen an, auf einen Grundeigenthümer 10 bis 60 Besitzlose lommen. ,..;-.... . ' r c r er, , täWjJ Fesit. Zungen der Pflanzer oder anderer Eigenit,",. ' f t " (- , , - , f m'r, in tl enden Hütten auf kleinen Hechten (conacos), die sie so wett beals s das Nothbedürftigste lUmJlebenJUt U"b XH Familie er- ??"? :nn Jlf i0" L0 verdräng werden wollen Sie sind m vielen Fallen in solche Abhängigkeit ".fr , f. ' nrr '.' W'mcht Q"ien )eoe lMllon pndet da immer men berei will gen Anbang zu irgend ' inem Anschlag gegen die offen licheOrdnun m"wj o . ....... .. r . Cvfc V 1 T .4.f .1 .T.!X... J. 11 up vi uU44uyu glcliHen riil ?lt mit dem materiellen Elend, welches die Milde des Klimas erträglich macht, werde ich in der nächsten Mittheilung it Thatsachen belegen. Es giebt Aus nahmen, welche den wohlthätigen EinCT.tC , . ! I . i r i r ert monomischen binn und Sittlichkeit hat. e wenigen Pwns, wetcye zu etwas Grundbesitz gelangten, zeichnen sich bald durch solche moralischen. Eigenschaften vleglerung, worüber die öffentlichen Bücher schweigen. Andere sind diesem oder jenem Generale von irgend einer Revo lutionsregierung geschenkt worden, eine Abtretung, welche von der nachfolgenden ' Regierung nicht bestätigt oder geradezu " annullirt worden ist. Oder der ur. sprünglichste Berechtigte ist längst gestorben, eine Theilung der Verlaffenschaft" hat nie stattgefunden, die Erben sind zum Tbeil unbekannt und tauchen erst auf, wenn das Land durch Verkauf einen" - ' Zerth für sie erhält. Auch erhebt bisweilen die Kirche Ansvrüche auf rückständige Gefälle aller Arten, oder es kommen unbekannt geliehene Erundpfandrechte oder sonstige Lasten zum Vorschein. solche Erfahrungen ermabnen den Kautlustigen zur Vorficht, und dienen dem I tra(tn tÄf 17 vrt fvt. t vt flrn "."".V'"""' begabten pi0H zum Vorwande, beim Al. ?ung der Eigenthumsverhältniffe, betref 9rtT If n&T.t TW ?IC"tVrt- - ( inKAVitlilH send unbekannten Vrivat Ländereie,? Wäre von großem Nutzen. Es sind bereits Gesetze in dieser Absicht erlassen worden, die aber nicht durchgreifend, genug sind und nicht überall 'gehörig vollzogen werden. ' Wahrscheinlich würde die Auferlegung einer Grundsteuer auf solches Land den Uebelständen bald abhelfen, die Vertheilung des Bodens unter Mehreren befördern, und dem Staatsschätze, der immer in Nöthen ist, eine nicht zu verschmähende Quelle eröffnen. Aber es steht zu befürchten, daß es der Negierung an der nöthigen Macht zu solchen Maßregeln gebricht. Dazu kommt, daß diejenigen, welche an dortigen Verbesserungen das größte Jntereffe hätten, nämlich die große Zahl der Besitzlosen so sehr demoralisirt sind, daß die Regierung im Kämpfe gegen die Großeigenthümer keine Unterstützung bei denselben fände. In ihrem Mangel an Thatkraft, an Unternehmungsgeist, an Rührigkeit, in de? Indolenz und Leichtfertigkeit, mit der sie in den Tag hinein leben, erwacht in ihnen kein Streben nach Unabhängig keit ; sie fcheinen nicht die geringste Lust zu fühlen, aus ihren armseligen Verhält nissen zu treten.' Ein lustiges S k atpo em mit der Ueberschrift Ueberall Skat" finden wir in der Hall. Ztg. : . Al an das kaspische Meer ich trat, Da standen drei Männer darinnen. Die spielten während des Badens .Skat Und einer schien zu gewinnen. Der Skat dabei auf dem Waffer schwamm. Mir aber dünkte das wundersam.Und als ich kam in die Vaumannshöhl' Da fand ich wider Erwarten Drei Männer unten, bei meiner Seel', Dasitzen über den Karten. Die reizten einander beim Grubenlicht ; Ich ging davon, mir gesiel das nicht. Und als ich kam auf des Faulhorns Höh' Wohl über Klippen und Grate, Da fand ich drei Männer im ewigen Schnee, Die saßen schon lange beim Skate. Der eine gab eben zum hundertsten . Mal ' Da floh ich schaudernd hinab ins Thal. Es sitzen da im geheimen Rath ' Drei strenge vllchter der Todten ; Q!! ZTs ? k! V.3i . stitdTor sf UUvll V VUl, HJUj VV IIHV W4l Obgleich es Pluto verboten. O sagt, wohin kann der Mansch noch gehn Um nicht drei Männer beim Skat zu sehn?'

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