Indiana Tribüne, Volume 9, Number 257, Indianapolis, Marion County, 6 June 1886 — Page 2
Einrussischer Edelmann. Roman von Hnr Greoille. 4? (2. Fortsetzung. ' Die Bauern inachten fca Zeichen des Rrcuzes und küßten dasKruzisir ; Ba grianoff desgleichen. Und jetzt, meine Täubchen, bindet mich los," sagte er erleichtert. Man band ihn los. Er stand auf, lehnte seinen mächtigen Körper und machte einige Schritte. Sein Auge voll tückischer Bosbeit begegnete dem finsteren Blicke Jlmschas. Tiefer -sab sich vergcblich nach einer Waffe um. Wir sind verloren," sagte er zu seineu Begleitern, aber Jbr babt es so gewollt. Adieu!" Er schritt erhobenen Hauptes an dem spöttisch blickenden Bagrianoff vorbei. Vergiß, nicht, Ivas Tu geschworen hast!" "sagten die'Bauern, plötzlich von unbestimmtem Schrecken ergriffen. . Seid ohne, Furcht, meine .Freunde," sagte der Gutsherr, indem er sie bis an die Thüre begleitete. Morgen mit Tagesanbruch zeichnen wir die Uebergäbe meiner Wiesen an die Gemeinde. Hute Nacht !" ' ' Tie Bauern gingen niedergeschlagen binter Jliuscha der. der erhobenen Hauptes stetig dahin schritt, wie Einer, dem Alles gleichgiltig geworden ist. AI sie an einer Biegung des Weges verschwunden waren, öffnete Bagrianoff geräuschlos' die Haustbüre' und ' begab sich nach'' dem Stalle. Er. weckte den Kutscher iunb sprach mit ungewohnter Sanftmuth zu ihm. . Spanne zwei tüchtige Pferde ein," sagte-', er"' umwickle die' Ztäder der Droschke und die Hufe Deiner Thiere mit Heu ; ich habe in der Stadt zu thun, und es ist unnithig. das; man hier nietn Weggehen erfabre." Eine halbe .Stunde später rollte die Equipage leise über den sandigen Weg. Dorf und Haus, in eine schwarte Masse versännolzeu, verloren sich in der Tunkelheit unter dem vom Sturme durchwühlten Hu:5mel. Als sie eben ' die Landstraße nach der Bezirköhauptstadt erreichten, lehnte sieb Bagrianoff lautlos lachend bequem im Wagen zurück. Die Tummkepfe! sagte er balblaut. ' ' ,
4. Zwei Stunden nach dei Aufzange der Sonne erreichte Bagrianoff die Stadt. Er lieh sich sofort zu den BeHorden sichren. Ter Generalgouverueurvon seiner'Ankunft benachrichtigt, empsing ibn kalt. Ihre Bauern haben Sie heute Nacht todten wollen, sagen Sie? Worüber beschwerten sie sich ? Tenn ich vermuthe, das; sie nicht ohne Ursache zu diesem äußersten Mittel gegrifsen haben." Sie wollen weder ihre Abgaben be--zahlen, noch die Schuld, welche sie zur Saatzeit gecn mich, eingegangen sind, und das Mittel schien ihnen eben recht, um sich der Sache zu entledigen." War die Ernte bei Ihnen besser, als bei den benachbarten Gutsbesitzern?" Nein, Ercellcnz," sagte Bagrianoff, sich auf die Kippen beißend. Sie sind Ihr eigener Herr, versteht sich," sagte der Gouverneur weiter, und diese Tinge gehen mich nichts an. Und Sie sagen, daß sie Ihnen das Leben gcschenkt habend Wie Euer Erecllenz es selbst bcurtheilen können." Unter welchen Bedingungen?" Tie Bedingungen sind' gleichgiltig ; jedes versprechen, das gewaltsam und unter Drohungen erpreßt wird, ist dem gemeinen Rechte nach ungiltig." Ganz, richtig," sagte der Gouverneur mir einer zustimmenden Handbewegung. Und ohne Zweifel war die erste dieser gleichgiltigen Bedingungen das Geheimhalten, und .natürlicher Weife sind Sie gekommen,' um sie zu verklagen V Tas überrascht Sie, Ercellcnz?" sagte Bagrianoff in dem spöttischen Tone, der ihm eigen war. Er fühlte, isxt der Zorn unter dem mißachtenden Blick dieses rechtschaffenen Mannes in .ihm aufkochte. ' Nein, Herr Bagrianoff, es überrascht mich nicht'. Sie wünschen also eine Untcrsnchunz ?".'.. Meine Aussaze sollte doch allein schon hinreichen, denke ich? flieht durcyaui' ; aver wenn C: Beweue haben...... Bagrianoffs 'Gesicht verdunkelte sich. Er, der Adcllge, wurde aufgefordert. Beweise zu liefern! Er sollte mit seinen Bauern konfrontirt werden! .. Lassen Sie sie verhören. Ercellcnz, v IUO wird genügen, vermut blieb ; aber unterdecn wünscl'e ich, daß man mich mit bewaffneter Macht gegen diese 91a senden schütze1 ;"; Täs ist'nur zu gerecht Sie wis. sen, daß diesen Unglücklichen, wollte sagen, diesen Elenden Ruthenschläge und Sibirien bevorstehen?" Tas hoffe ich," erwiderte Bagrianofs. Gut, mein Herr, man wird Jbrem Llnfuchcn Rechnung .trägen. Ihr Tors wird ncck heute Abend von Truppen besetzt werden." Ich danke Ew. Ercellcnz." sagte Bagrianofi. intyin er sich zur Thür wandte. Er t rattc! schon die Hand auf der Klinke, "als der Gencralgouverncür in einer plötzlichen Anwandlung von Heftigkcit ein auf dem Rande des Pultes liegendes Buch zur Erde warf. Bagriauoff drehte sich um. Tie beiden Mänucr maßen sich einen Augenblick.' Wissen Sie.-was Herr Bagrianoff," sagte der Gouverneur, da Ihre Bauern nun doch einmal im Zuge waren, so habcn sie,Unrecht"gehab:, Sie nicht wirklich umzubringen." ' ' ' ' Dies ist meine üntertbänigfte Anficht nichk,"-antwortete der Gutsbesitzer ,.Jch bin Ew. .Excellenz ganz, ergebener 7Vimr " - Der Gencralgouverncür ging eine Zeit lang in seinen! Kabinet auf und ab, überwältigt von der Wuth, die rechtliche Menschen überkommt, wenn sie einen Schurken entwischen sehen. Da er keinen Ausweg aus derSituation entdecken konnte, so blieb er endlich stehen, zcrknitterte zornig einige Papiere und sclnieb den Befehl, das Dors Bagrianowka militärisch zu besetzen.
Es giebt kum noch derartige BöseIvichter," murmelte er, indem er mit wüthender Geberde das Papier unterzeichnete, aber so selten, sie auch jetzt sind, so entehren sie doch unser Land,' in unseren Augen sowohl, wie in denen der Fremden. Hätten sie ihn doch getödtet " tonnte er nicht umhin, bedauernd hinzuzufügen. Bagrianoff fuhr nach dem besten Hotel der Stadt. Es war ein großes, aus Backsteinen gebautes Haus, außen und innen weiß getüncht ; braune Käfer liesen eilfertig auf dem sorgfältig gewafche nen Fußboden umher ; ein unbestimmter, ekelerregender Geruch entströmte den durch den Gebrauch fuchsig gewordenen Roßhaarkanapees; Kellner in rothen Hemden liefen mit seh? schmutzigen Handtüchern über'm Arme dahin und dortbinTheebretter voll Tassen 'in der Höhe ihrer Ohren auf drei Fingern balancirend. -. ; Beim Eintritt Bagrianoffs entstand eine Bewegung der Reugicrde unter den Gästen; an den entferntesten Tischen reckte man den Hals, um den furchtba ren Herrn mit dem Weißen Barte sehen zu können, mit dessen Beschreibung Ammen die Kinder scyreckten, als erzählten sie von einem Ungeheuer. Durch diese Neiigier mehr geschmeichelt, als verletzt, berührte Bagrianoff den Rand seines Hutes. Guten Morgen, meine Herren," sagte er. Ein furchtsames Guten Morgen" antwortete. Wenn sich Niemand bemühte, mit ihm ;u verkehren, so furchtcte doch Jeder, sich seine Feindseligkeit zuzuziehen. ? , . Ein Kellner beeilte sich, mit seinem Handtuchs einen wunderbar rasch geleerten Tisch abzuwischen, und Bagrianoff machte sich behaglich an demselben breit. Das Schweigen im ' Saale dauerte fort ; der Wirth nahte sich, unterwürfig und verbeugte sich bis zur Erde. Was befehlen Euer Gnaden ?" fragte er mit fester Stimme. Meine Gnaden will diniren; das Beste, was Tu hast, und schnell vor Allem." Ein schmackbastes Mcnu war bald bestellt. Hub' eingemachte Früchte," fügte
Bagrianoff hinzu; ich liebe Eingemacyles. Der Wirth verschwand wie ein chincsischcs Schattenbild. Ein Buchhändler, ein angesehener Mann in der Stadt, entschloß sich, eine Unterhaltung anzuknüpfen. . . Run, da sind Sie ja in der Stadt, Gnaden," sagte er, nicht ohne über die eigene Kühnheit zn erstaunen. Wie Tu siehst," antwortete Bagrianoff und reckte sich auf zwei Stühlen. Gestatten Sie uns, anzufragen, ob Sie zu Ihrem Vergnügen oder in Geschaften hier sind," fuhr der Kaufmann, Mmh fassend, fort. Füreines sowohl wie für' andere," antwortete Bagrianoff mir kiebenöwürdiger Miene; aber abkaufen werde ich Dir heute nichts, Andreas Prokowitsch." Oh! ich rede gewiß nicht aus Interesie Also will Euer Gnaden keine Einkäufe machen ?" Das Servirbrett mit dem Diner enthob Bagrianoff eine Antwort. Er sing an mit wahrem Vergnügen zu essen. Die Gemüthsbewegungen der vergangenen Nacht und der kalte Oktobcrtag hatten ihm den Appetit geschärst. Er aß'reichlich, seuch:ete seine Mahlzeit mit einer Flasche Bordeaux an er hatte eine Borliebe für französische Weine, ließ sich eine Taffe Kaffee bereiten und rückte dann bis an die Wand, indem er seinen Stuhl auf einem Bein herumschwang. Bon da warf er einen höhnischen Blick auf die Anwesenden. Und jetzt, meine geliebten Täubchcn," sagte er, möchtet Ihr .wohl gern wissen, warum ich zur Stadt gekommen bin ?" Gewiß, Euer Gnaden", erwiderte ein I großer dlcldacklger Handetsmann, der sich in seiner Rahe befand. Run denn, meine vielgeliebten Vrüder, ich will Eure vkcugier befriedigen. Ich bin gekommen, weil meine Bauern, das Lumpengesindel ! mich heute "Rächt ermorden wollten." . Ein Gemürmel mehr des Erstaunens als des Entsetzens durchlief die Gruppe. 'Sie haben mich ermorden wollen," fuhr der durch den eben genoffenen Wein aufgeregte Bagrianoff. fort, aber ich habe ihnen Alles versprochen, was' sie verlangten, und sie haben mich gehen lassen die Einsaltepinscl! Sag' Tu doch auch, daß sie Dummköpfe sind", sagte er, indem er den aus Armeslänge von ihm sitzenden behäbigen Händler hcstig an. Nie. Wie ein Automat .rückte die . ganze Gruppe sort; sie lachten nicht mehr. Bagrianoff runzelte leicht die Brauen und sah forschend in die ihm zugewcndeten Gesichter; dann besann er sich, daß er sich nicht auf seinen Gütern befand und versiel wieder , in seine behagliche Stellung, an die Mauer gelehnt uno mit dem Stuhle schaukelnd. . Ja", sing er wieder an, sie haben mich leben lassen, und ich bin zum Gencralgouverncur gegangen ; recht liebenswürbig. Euer Gencralgouverncür, ein alter Klotz. Aber da hindert nicht, daß morgen das Torf durch Truppen besetzt sein wird, und daß. die guten Ehristcn, die mich ins Paradies befördern wollten, nach Sibirien gehen werdcn nachdem man ihnen gehörig wird den Rücken gerieben haben. E?eht Ihr, des' halb konnte ich vorhin sagen, , daß ich ebensowohl zu meinem Vergnügen als Wegen meiner Geschäfte gekommen sei." Das eiüge StiUsch:veigen dauerte fort. Te? leere Raum um Bagrianoff batte sich sichtlich erweitert. t He, Kellner", schrie er, mache mir ein wenig Musik ; nach dem Essen 'gefällt nur die Musil". s m. - t ? r i r t cr uzwarrer uuiwle nacy der großcn Drchorgel.welche in jedem russischen Wirthshau e unfehlbar den Hintergrund des vornehmsten Saales einnimmt, und fing an, die schwere Kurbel zu drehen. Schneller", schrie Bagrianoff, ich hebe die Tanzmunr.- abe ich nicht Recht, !t?r Sseute V Er drebte sich um, ein Zeichen der Zustimmunz zu erlangen, aber der Saal war leer. Der Kellner, welcher ihn be
dient hatte, stand furchtsam ihn betrachtend vor ibm, sein Handtuch über dem Arm. ' , Rufe Deinen Herrn !" sagte Bagrianoff Mit donnernder Stimme. Der Wirth erschien mit tiefen Vücklin gen, im Borgefühl eines Unglücks. " Warum sind sie fort ?" fragte der Gutsbesitzer, sich zusammennehmend. Geschäfte, mein Wohlthäter. Es ist heute Markttag " Du lügst", sagte Bagrianoff unbewegt. ;,Es ist heute weder Wochenmarkt noch Jahrmarkt. Ihr fürchtet Euch vor mir, weil ich die Rücken der Bauern, die mich tödten wollten, blutig peitschen lassen will. Ich bedaure nur das Eine, daß Ihr nicht Alle mein seid, u,n Euch sammt und sonders nach Sibirien crpcdircn zu können. Schnell Deine -ötcch-nung, und - man soll anspannen. Da sind mir die Wölfe in unseren Wäldern noch lieber,, als die, blökenden Schafe wie Dn und Deinesgleichen." Vergeblich war das inständige Lureden des Wirthes,' Bagrianoff fuhr unverzüglich weg ; aber er schonte seine Pferde, denn es war ihm nicht darum zu thun, vor der Zeit anzukommen. .Die ersten Strahlen der Äiorguiröthe zeigten ihm die Helme der am Eingänge des Torfes aufgestellten Soldaten. Er rieb sich sachte die Hände, und nach Hause kommend, ließ er sich von seiner Frau, die nach nichts zu fragen wagte, Thee inachcn.' ' ' ' 5. . Die Untersuchung dauerte nicht lange. Die angeklagten Bauern verharrten in einem eigensinnigen Schweigen, das ihre Schuld hinlänglich bewies. Ru? Jliuscha ließ sich herbei, die Lippen zu ösfnen. .-, ',v - .Run, was weiter ?" sagte er zu dem, der ihn verhörte, ich habe meinen Gcbieter tödten wollen. Erstens ehlEuch das gar nichts an. Ihr Stadtlcute kommt zu uns, um uns Hände und Füße zu binden und uns gelegentlich nach Si birien zu schaffen. Wißt Ihr vielleicht, was wir denken, was wir thun und was wir zu leiden haben? Ihr wißt von uns nur, daß wir Uebelthäter sind, zu allem Schlechten geboren. Wie kommt es denn, daß es auch gute Bauern giebt,wie die auf den umliegenden Gütern, die ihre Herren lieben und ihnen treu dienen ? Und warum haben wirnicht schön lange ausgeführt, was wir jetzt thun ivollten ? Doch nur, weil wir mehr Geduld haben, als Schafe. Wir sind auch nicht die Einzigen, die ihren Gutsherrn todt machen wollten, um ihn los zu sein; das hat man schon in alten Zeiten gcsehcn und wird es auch noch sehen, so lange der Heiland kein Erbarmen mit uns Bauern hat." Ter Beamte, der die Sache zu führen hatte, war ein Mann von Kopf und Herz ; seit lange träumte er von Emancipation. Er ließ den Angeklagten ohne Unterbrechung ausreden. Als Jliuscha schwieg, finstere Wuth im Gesicht, die Fäuste an seinen nicdcrhängenden Armen geballt, betrachtete er voll Mitgefübl den Bauern, wollte sprechen, aber besann sich, daß jedes Wort zu viel sei, das nicht von Loskauf und Freiheit reden würde, und schwieg. Die fünf Schuldigen nebst einigen Anderen, deren Feindseligkeit Bagrianoff kannte, und die cr anklagte, u,n ihre Gegenwart los zu werden, wurden Jeder zu zweihundert Iluthcnhiebcn und zur Deportation in die Minen Sibiriens vcrurtheilt, lebenslänglich, das versteht sich. ' 'Sie hörten ihr Urtheil an, ohne eine Miene zu verziehen. Das Dorf ertönte den ganzen Tag von- den Klagen der Frauen und Kinder., Die große Traiier-. botschaft, welche verschiedene'' Hütten
traf, ergonnch ,n-Wehgeschrei nach . ' . L l. L außcn, wie wenn ocr -uo cci oen Hamtllen eliiteort. - . r? " r V v ' Bagrianoff,' der Von seinem Hause das gebende Jainmern der vor ihren Wohnunaen bockenden Weiber hörte, freute sich 'zuerst dieser Verzweiflung, welche leinen Trmmph anzeigte ; aber mit der Zeit empfanden seine Reroen, die doch nicht zu .den zartesten gehörten," eine gewisse Erschütterüng bei ' diesen eintöni gen; schmerzlichen Lauten. , : f Er batte Lust, Rnbe'zu gebieten, aber bei dein ersten Worte,' das er' dem mit der Ausführung des Urtbeils betrauten . ' ... ' vJ .... ' .... ...li lanovot anoeuieie, anlivvlicie riejer kurz : , .... " v Es ist der Gebrauch jo, ich yaoc keine Befugniß. Jhttln Verlangen zu. cntjprccven. Run blieb für Bagrianoff noch die letzte große Freude übrig der Exekution beizuwohnen. Er ließ sich dieselbe auch nicht entgehen. Bor seinen Augen entbloßte man dir Schultern ' der Elenden, die ihn am Leben gelaffen hatten, man band' sie auf eine Art Pritsche, und in, Gegenwart des ganzen, in einem preise aufgestellten Torfes erhoben die ldatcn die schreckllck'en Stäbe. ' Beim ersten Schrei der Opfer.stieg das Blut in Bagrianoffs. farbloses ' Gesicht. Wilde Freude glänzte aus seinen blauen Augen, die rings unih'cr schauten. Seine auf der Terrasse aufgestellte Dienerschaft bildete seine Leibgarde, aber" 'Madame Bagrianoff war nicht da.' Er trätns Haus zurück, und s.ine todtbleiche, halb ohnmächtige Iran, die er vor den Hcili genbilo'ern kniend gesunden' hatte, an: Arme nach sich schleppend, erschien er wieder' ' . Du hast zu schwache, )?ervcn, meine Theure", sagte er zu ihr, indem cr ihre Rechte, die er fast mit seinen eisernen Fingern zermalmte, neben sich: festhielt, unv es ist immer gut, wenn man Bösewichtcr bestrafen siebt. . Bedenke , doch, nleine Liebe-daß sie DichDemcs Gatten berauben wollten !" - - ' . ; . , Madame ' Bagrianoff stand mit geschlosscncn Augen, aber erbebte bei jedem Schrei. "Roch immer dauerte die Züchtigung fort, und das Stöhnen hatte sich zu einer Art von unausgesetztem Röcheln gesteigert. Die Lippen der bejammernswürdigen Frau murmelten Gebcte,welche sie nicht mehr verstand. '' " Hundert!" . sagte der Stanovoi, der die Hiebe Zahlte. , Hält '? ) . ?. Ist es denn noch nicht vorbei !" siü sterte Madame Bagrianoff.ihrem Manne ihr entstelltes Gesicht zuwendend. . ,. R'och' hundert, meine' Turteltaube." Sei ihnen gnädig, Daniel' Kukitsch,
damit Gott Dich eines Tages in sein Paradies aufnehme, sei gncrdig !" , Du w'ünschtest wohl, daß sie mich getödtet .hätten, nicht, wahr V war des Gutsberrn einzige Antwort. ' Gnade, Gnade !" hauchte sie, ohne zu Wissen, ivas sie sagte. Weiter!- sagte Bagrianoff mit fester Stimnie, die Hand erhebend. Die Iluthcn sausten, ein durchdringender Schrei ertönte, und Madame Ba-
grianoff siel besinnungslos zusammen. Verweichlichtes Ding!" - sagte ' Bagrianoff achsclzuckend.' 7,Tragt Eure Herrin weg. rief er den Dienern zu, und verbrennt eine.' Feder unter ihrer Rase, ein radikales Ätiitel gegen ' Ohnmachten." ; Fort" dauerten die Nuthenschläge, und der letzte fiel unter 'allgemeiner 'Stille Die Frauen schricen ' aus Erschöpfung nicht inchr, einige lasen in wort- und thränenloser Verzweiflung mit dein Gcficht auf der Erde. . Die Verurtbeilten waren zum Theil ohnmächtig, Zum Theil durch die Heftigkeit "der ' Qualen abgestumpft : kaum noch erbebten die Leiber bei jedem Streich ; große Schweißtropfen sielen ihnen von der Stirn, große Blutstropjcn liefen über ihre zerfleischten Weichen t: 2 Als cs zu Ende war, band man sie los und ließ sie ein wenig Branntwein trinken, worauf sie nach der Gemeindekanzlei gcfübrt wurden, die ihnen zum Gefängniß diente. Der Stanovoi, weniger hartherzig als Bagrianofßwiewohl cr an ' derartige Schauspiele gewöhnt war, gestattete, vielleicht aus Haß und Verachtung gegen den Gutsherrn, den armen Fraucn.ihren Männern die Wun den zu verbinden. Gleichwie die. beiligen Frauen des Evangeliums, so schlüpften die Bäuerin nen geräuschlos in das enge, niedrige Gcinachwo die Unglücklichen auf einer Streu herumlagen. Eine Zeit lang mischten sich die leisen Klagen ibrer mitfühlenden Herzen .in- das7 schmerzliche Gestöhne. Ihre hifreichenHände lüiu schen die Wunden mit frischem Wasser. Ein sanster Laut von Küssen flatterte lvie Flüaelschlag durch die Luft, als ob die Enget des Erbannens über dieser Scene des Entsetzens schwebten, den Märtyrern den Balsam mildthätiger Thränen spcndcnd. , . , -f -. .Bagrianoff kam-i.bcnfalls z7)vcdcr aus Mildthätigkeit, noch um irgendeinen Balsain zu spenden , aber zum ersten Male in seinem Leben stieß er aus Widastand. 'Der Stanovoi, der ihn crspähtevcrbot ihm durchaus den Eintritt zum Gefängniß. Ich bin hier zu Hause", sagte Bagrianoff mehr erstaunt als ärgerlich, so seltsam erschien ihm jede Opposition, sie mochte kommen, von wem sie. wollte. 5 v Ich bin augenblicklich Gcfängnißdlreltor", antioortete der brave Äiann, der besser war, als sein Handwerk. Ich erlaube nichts daß man jetzt die Ruhe meiner Gefangenen störe." Ich werde Sie absetzen laffen, Sie können darauf rechnen," cntgegnete Bagrianoff mit Ruhe, indem cr sich von dem, der ihm zu trotzen wagte,, mit einer hochmüthigen Handbewegung. verabschiedete. ' -Ganz nach Belieben, mein Herr, und Sie können sogar um meine Stelle einkommen," sagte ruhig der Stanovoi, ihm den Rücken zudrehend. " - Dieses Trauerspiel hatte noch einen weiteren Akt; , gleich am nächsten Tage wurden die.Schuldigcn, vorschriftsnläßia gefesselt, auf zwcispännige Karreit gcladen. Das Militär umringte die Fuhriverke, und der Stanovoi gab das Zeicheu zur Abfahrt. . ?iun entrang sich ein Stöhnen jeder Brnst." Tas ganze -Torf, Manncr und Weiber, weinte um die Brüder, die fern Von der lieben Hcimath sterben würden, fern vomTorfe,, wo das .Lehen - so hart ivar, abcr wo man. doch gelte br,wnid?. Die Vcrbaiinten hatten leine Thränen mehr :' die Einen vom Fieber dnrchfrö-, stclt, die Ändern durch .dle g.rcßen Schme zen folgende Stnmpfhcit eingelullt,' lie-' ßen die. Zurückbleibenden weinen. Als der Zug sich eben in. Bewegung setzen wollte, trat derGeistllche, barhäpptig, das lange Haar auf die'Sckmltern berabfalleiid, das Kreuz in.der Hand, aus der .Kirche. ...Sein Gesicht ttug den Ansdruck säst prophetischeu Gottrcrtrauens ; er trat. an deir ersten. Karren heran : ' 'DerHerr'hat uns befohlen," sagte er, für .die zu bcteit,. welche zu Land oder zu Wasser reisen. Sein- Segen sei mit Euch !' . . . , Das' Kreuz von schwarz cmaillirtem Silber hob sich über die Häupter der Schül'dlgcn, und Verzeihung senkte ,sich auf die Märtyrer herab. ' - ' Ä!it gekreuzten Armen 'ah Bagrianoff dieseni Schauspiel voll immer wachsenden Erstaunens zu.' Sein, Priester, sein eigener Priester .im.. Brode seiucr.Kirche, untcrsittg sich, ohne seine Erlaubniß zu reden. Mit ' seinem Kreuze: segnete cr Menschen,' die ihn' hatten ermorden wolUn ! War denn die Welt nuf den Kopf gestellt? Er nahm sichvorl.dicft srifcb dein Seminar e!ittto,,imcncn .uHgerlep der zur Ilede zu stellen.' . Als cbcn die Pferde . anzogen, ...fand Jlüscha die Kraft, den schweren Kopf zu heben': .'...-.. Höre, gnädiger Herr," schrie cr, wir haben Dir .vergeben. Du hast uizöer-. rathen, Aildere werden cs machen wie wir, aber sie werden Dich. nicht, wieder loslassen." ' ' ' i. Das ganze Torf begleitete dierurtheilten, soweit , ihre -Beine .ihnen i nicht den Dienst . verfaßten .Rur, die ganz kleinen Kinder unter der öbhut'der Greise und die Kranken blieben in den Verschlossenen .Häusern ;.die auf K'i Platz gebliebenen Hunde stießen ' ein 'unheim liches Geheul aus. i BaAtianoff' warf mit Steinen nach . ihnen und jagte sie zn die Flucht ; darauf Vrehte' cr sich um und blickte nach- dem gegenüber" der Kirche liegenden Pfarrhause. Auf der Schwelle siebend, betrachtete ' ihn ruhig ber Geistliche. ' ' -; :' ' - ' -' ' , Die Blicke der beiden Männer kreuzten sich,' der des Gutöherrn' w'ar hart und abweisend, begeistertuttd.beinabedro bcnd'in heilige r .Entrüstuüg war der des Priesters. Bagrianoff that einen Schritt vorwärt. ' : .' ' . , . Wladimir Andreitsch," sagte cr, wer sind Sie?" -
Ern demuthsvoller Diener Gottes und seiner Kirche," sagte der Priester, indem er die Hand sinken, ließ, die er aus den Drücker seiner Thüre gelegt hatte. -,. Sie sind außerdem der Diene? mciner Kirche, so viel ich wciß?" ;,Jit der That, Euer Gnaden, ich diene Gott in der Kirche, welche Sie ihm, cr richtet haben." Wisicn Sie, daß ein guter Priester sich nur um kirchliche Angelegenheiten zu kümmern hat, und niemals unt die seincs iHerrn ' ' Ich weiß es und mische mich in Riemaadcs lugelegenheiten." Ich sinde im Gegentheil, daß Sie sich in die meinigcn viel zu sehr mischen. Jbr Gebabren mißfällt mir, Wladimir
Andre itsch ; ich rathe Ihnen, es sich zu. überlegen. Die Pfarrer' ist' gut TodesWe sind hier keine Seltenheit," fügte Bagrianoff hinzu, auch heirathet und taust man ziemlich oft ...... Ihre Frau ist guter Hoffnung, glaube ich ?" ' Der Geistliche'bejahte. Ich denke, Sie ' thun wohl daran, hier zu bleiben ; aber deshalb müssen Sie lIhr Betragen ändern!., Ich gebe Ihnen acht Tage zur Uebcrlcgung. " Tcr Priester verbeugte sich und trat, ohne zu antworten, in sein Haus.Scine Frau hatte nach ihm ausgespäht und lief iiUli. herbei, um sich. weinend air seinen Hals zu werfen Es war cinc ganz junge Frau von kaum achtzehn Jahren, weiß und rosig, sehr zart und augenscbcinlich durch ihren, vorgeschrittene Zustand angegriffen. Was bat er denn zn Dir gesagt, der schlimme Manil V fragte sie ihren Gatten, q lurcytiam an ihn ichmiezend. ' Ich glaube, Ä!arie, uir. -müssen daruuf gefaßt sein, abzureisen." Abreisen ? Oh ,nein Gott L Und , das Kindchen, das , noch nicht -geboren ist ! Und der Winter vor der Thüre!. Wenn wir fort -müssen, wo gehen wir hm?" r ' Ich weiß cs. nicbt, meine Geliebte, wie Gott bcfieblt. Er hat Acht auf die kleinen Bögcl unter dem Himmel, er wird pch lauch des lndlclns arbarmcn, das geboren, wenden soll.-" ir) Sage, Walcdia, giebt cS kein Mittel, sich mit ihm zu einigen ? Du weißt. Du inachst ibn bvse,' wenn Dui gegen seinen Willen 'bandelst ...... Kvuntest, Tu nicht?" ' ' 1 Der Priester legte die; rechte Hand auf das Haupt seiner juügcli'. 'kaum dein Km desaltcr entwachsenen Frau. ) i,Der Diener Gottes bat die nämlichen Pflichten wie jeder andere Mann, Marie," sagte er Zzu ihr, And außcrdcm soll cr der Unbill .steuern. Sprich .mir nie wieder von solchen Dingen; t ('wäreeine Sünde. Sieh hier," fügte 'er hinzu, indem cr seine ganz in Thränen aufgelöste Frau vor. einBild an der Wand führte, das die Flücht nach Egpten vorstellte, w'cnn cs sein mußwden wir fortziehen, wie .diese, und cs wird unserm Kinde ebensowenig wie dem Sohne Gottcs an einem Obdach fehlen." 'Halbgetröstet legte die junge! Frau ihren Kopf auf die Schulter ihres Marnus und ließ sich mit zärtlichen Wortai zur Ruhe. bringen. . ... ; : '.. .., n ' ' . , I Bagrianoff hätte zufrieden sein sollen, und doch war er cs nicht. Tie '.'lrt und Weise, wie die Schuldigen, und noch einige Unschuldige dazu, , bestraft workcn waren, schien ihm nicht hinreichend. Es lobnt sich .wirklich. ,ncht der Mübe, sie mit Ruthen peitschen und nach 'Siöi-! rien deportlren ;n laiien, wenn das allgemeine Mitgefühl sich auf sie erstreckte, anstatt bei ihm stehen zu bleiben ! Wie ! werden die Unglücklichen, wie tan damals in lußland Gefangene nannte, nicht in jedem Torfe frisches Wasser,' Milch, Kwaß, Tabak, heißen Thee, ein paar Pfennige finden, welche, ihnen die mitleidigen Bauern eifrig zutrugen' Die Soldaten würden dieses Mißbrauch dulden, von Dorf ü . Torf an die äußersten Grenzen der Eivilistivn, UNd er,.Bagrlanoff sollte sich untcrdeffen das hochmüthige Wesen einiger erbärmlichfn Beainten gefallen lassen ! .. Er ging dann im Geiste noch einmal 'alle die Unannehinlichkeiten durch, welche ihm diese Geschichte zugezogen hatte, die unliebenswürdige .Bemerkung des ßleneralgouverncurs, die barsche ZurückWeisung dcs Stanovoi, seine Bereinsam ung im. Gasthause, und endlich die sreche Haltung dcö Geistlichen, der ihni öfsentlich Troh geboten hatte. Jedesmal, loenn seine Einbildungskraft ihm den Priester vorführte, wie cr mit erhobenem Arme'die elenden Bcrurtheilten segnete, kannte - sein Aerger leine Grenzen. Bon allen, die ihn beleidigt hatten,' konnte cr diesen allein züchtigen ; des-, halb übertrug sich denn auch seia Zorn auf ihn. Hatte der Unverschäinte nicht, seit er ins Dorf gekommen war, , das Haus des Gutsherrn bei jeder Gelegenhcit gemieden ? Wenn cr' aufgefordert wurde, dort zu bctcu uild die Wohnstatt zu segnen, hatte inan ihn je zu Tisch ' zm rückhaltcn können ? Der frühere Geistliche, ein 'unterwürsigcr Greis von wenig .Intelligenz und noch wc'nigcr Energie,' hatte AllcS mit geschlossenen Augen über sich ergeben lassen; der gnädige Herr war der Gebieter, was cr that, gig die Psarrei nichts an. Als dcr gute Alte todt war,' hatte man ' Bagrianoff diesen eben vom Seminar Entlassenen geschickt, dcr seit kauin ciitcut Jabre verbeiraibet , !vär und das Herkonimen nicht .kannte ; vielleicht kannte er es auch ' rechr gut und hatte nur ' vorgegeben, mit Allem' unbekannt zu sein. . Wie konnte man voraussehen, daß er nicht' gewußt hatte, daß der Priester der Hausfreund des Gutöbesitzers'sein sott, glücklich über eine Einladung, bereit und willig, seinem Herrn Alles zu Gefallen "zu inm, und hauptsächlich dazu da, durch Wort und Beispiele.alsoluteii Gho.rsanf'gegen deii betreffenden Gulsbesiver ' zu predigen, der die Vorsehung auf Erden repräsentirt. Aber, willkürlichoder sticht, diese Uitw'issenheit . au und für. sich j war jeden; falls ein Frevel. Dazu kanl noch, daß dieser seltsame .Pastor. ..statt durch ein Uebernlüß an unterihäniger Höflichkeit seine Mängel vergessen zu machen, sich einfallen ließ, seine Lämmer zu beklagen, sie in extremis zu segnen,als obGott zugebe könne, daß man seinen Segen über Menschen ausspreche, die .ihren Herrn hatten umbringen wollen !
Die Gewißheit, sich an diesem Prlester rächen zu können, sobald er wolle, verschaffte ihm eine Art von Besänftigüng. Um diese Freude voll zu genießen, beschloß er, ihn nicht sofort zu trefsen. während er, durch die unter ihnen gewechselten Worte vorbereitet, allen Borkommnissen entgegensah, sondern zu einem Zeitpunkte, wenn das Gewitter sich verzogen zu haben schien, wenn sein sorgfältig bewahrter Groll nur die Erinnerung einer unbestimmten Drohung zu rückgelaff?n haben würde. Er setzte nichtsdestoweniger eine Klageschrift an den Erzbischof auf, kopirte sie in feiner fchönsten Handschrift, siegelte sie sorgfältig zu und legte sie in ein Fach seines Schreibtisches, bereit, sie bei der ersten Eingebung abzusenden. '-Nachdem diese Angelegenheit in Ord-' nung war, fühlte Bagrianösf ' sein Herz erleichtert. Run -blieben' noch die Bauern, welche' die Kühnheit gehabt hatten, die Unglücklichen zu beinitleiden. Einen Augenblick hatte er die Idee, alle jungen Acädchen ixt einem Haufen zu verkaufen ; aber er mußte . sich jagen,, daß ej nicht leicht einen Liebhaber. sinden würde. . . Es blieb ,ihm jedoch ein großer-Trost : die : lckrutenausbebung. " Dank dem wohlthätigen 'Gesetze, welches ibm gestattete, selbst'' die Soldaten zu' bezcichnen, welche sein großmüthiges Herz dem Baterlance bot, konnte er nach Blleden diese oder jene Familie in Bervciflung stürzen. Dieser Gedanke beschäftigte zwei ganze Monate lang feinen G.ist": Mit Muße wählte er ein Duyend der schönsten Bursche, seiner Güter zur AusHebung, aus den Familien, derer, die er sür den Rcst ihres Lebens auf StaatsUnkosten hatte mit Nahrung, Kleidung und Wohnung versorgen lassen. Ich bin der Regierung wohl die Entschädig gung schuldig, sagte er'sichnit liebcnswürdigem Lächeln. Als Bagrianoffs Absicht bekannt wur
de, hatte dcr Zorn dcs Dorfes keine Grengen. Ävit ; w fimv jiu; iuu;i camii oegnügt,. seinen Eid. zu brechen den türmen Christi, den cr zum Zeugen, genom; inen batte, . zu schmähe,:, '.. Unschuldige sammt den Schuldiaeil auszuliefern, bta ,. VH? . ! Uil. CIA. : j. i. v . f doch ihn verschont hatten ! . Er wollte die nämlichen Familien noch einmal treffen, den Sohn raubeu da, vo er schon den Bater -genommen. hatte, den kräftigen, jüngeren Bruder da, wo der ältere schon syrt. war! Wollte er denn den allgemei' nen . luitt', den Tod Aller . : ; Als Bagrianoff zum ersten Male' n'ack' dtin Bekanntwerdeil seiner Beistiunnun' ' , . . . .' gen in ocr zcira'e erianen, tonnte er nid;-: umhin, die Haltung seiner Bauern zu be merken - . : Aisher hatten sie sich gesenkten Haup. tcs, mit auf den Boden gehefteten Augen tief vor ihm verneigt, obne etwas Anderes zu. verrathen-als die vo.llkommenste Unterwurngtelt ; deute begegnete cr Alicken, d:e lich forschend, nach ihm Wandten, lttlge jogar jchlenen ihm zu trotzen. ' ' " '' Bon seinem durch eine Stufe erhöhten Platze in der VuiIk des Tabernakels ließ r r .x " cr icuic -üiizc noer oie unrumge U'lenge schweifen, die sich, den Gebeten folaend. bekreuzigte, und seine grilninign. Augen sahen, daß andercAugen seine blicke aushielten.'. Es wären dkje Augen nicht. zornig, sondern vielmehr fragend auf ihn gcrichrct. lange, schienen sie 'zu sägen, wirst Tu noch mit der mcnschll-' che Sce!e Dein Spiel treiben? ' . . Es thut ihnen ein Exempel ?!olh," sagte'sich Bagrianoff. 'Bic füblen den Zügel und schlagen aus. Wir werden ihnen zeigen, daß sie nicht die Stärkeren sind." . , . Räch beendigte::! Geb.te ließ ,cr die Menge sich verlaufen; langsam durch die Kirche schrcitend.lvschte cr hie und .da die kleinen auf Lichtstöcken vor den Heilig genbildern aufgesteckten Kerzchen.die großen richtete cr da und dort gerade, und ging endlich mit' dem Geistlichen hrnans, welcher vcrg.bcns diefes Zusantmentref-' sen zu vermeiden gesucht hatte. . -. ;: ' ' Uebrigcns schien Bagrianoff feine frühere Unzufriedenheit gänzlich vergessen zu haben... Die. drei seit.dcittverfloffenen Monate schienen zwischen ihn und die srühcreU Bclcidlgung'en ' eine ' Schicht Schnee gelegt zu haben, ebenso dick, wie die, welche den Erdboden bede'ckte. ? " Der gnädige Herr erkundigte sich bei dem Priester nach seiner sebr angegriffen nen.-krattlen Kaü; .dann fragte cr nach deü 'Kirchengeräthen, von denen einige abgenutzt sein imußten,' uud während er so allein fortrcdcte, denn der Priester antwortete nur einsilbig, erreichte cr. die Mitte des P'atzes, wo. die Bauern vor dem Heimgehen mit cittandcrplau0er:ctt. , 'Bei seincin Herannaben nabinen sie ?llle ' die ' Mützen ' ab.'' Bagrianoff betrachtete sie eine gute Weile, wie 'sie so bloßen.Kopfes in dein rauhen Rordwii!: de standen, der ihnen um die hr;u Psisf. Es war furchtbar kalt; der starse. Januärfrost7 den mait dettEpiphaNiaofrost nennt, wüthete in seiner ganzen Strenge; dcr harte Sckmee knarrte unter den Füjzcndcrwcißliche, sich in Wirbeln über den geschwärzten Holzhüttcn erhebende 3lauch. wurde, vom .Winde, in' lausend Fetzen zerrissen, und dcr Guisherr, in seinen warmen Pelz gehüllt, seine 'Zobelmütze auf dein Kopfe, betrachtete, ebne ein Wort zu .'agcn, die ar:nen Selcn." denen dcr Frost Wangen -und jähren blau und. rcth- beizte. , z 'luch da begegnete er wieder dem Blick, der ihm in der Kirche aufgefallen war. Einige aus der barhäuptig vor ih,n stebendcnBiebbcerde hatten menschliche Augen, welche ibn caliszusorfck'cn schienen. Er schrieb'sie sorgfältig in sein Gedäch:'niß ein. : .'Fortsctzungfolzt.'. ' .i; WC - ; -i ' D t i ' 1 & 1 0 1 1 d e r T u g e Hösscbauspielerin : Einige Gastrollen wäre üb geneigt auf Ihrer Bühne zu geben, aber das angebotene Honorar .genügt mir nicht." Provinz-Direktor : Mehr kann ich aber nicht zahlen: Be denken Sie doch die Verhältniffe in so einer kleinen Stadt. Hofschauspiele rin: Lächerlich! Verhältnisse! Als ob ich .dort Kelche anknüpfen Küre! Nem, Verehrtester, die bringe ich mir aus der Residenz mit. t-nui ' f '. EinDi le it'ant ist ein Neiter,der oft von seinen Steckenpferde abZtworfcn wird.
Hie Heidelberg ! Hie Karlsruhe 5
Ueber die proiektirten Scbeffel-Tenk mäler schreibt das Berliner Tageblatt": cr-jL r . t. c 1 ..." . to(9 lange rotto o:e oeutZche Muse mit traüerumflortem Sauvt an dem Grabe ihres Lieblings, Joseph Viktor cyessel, roemen; Udeutjchland betrauert in ihm einen Dichter, der sich seinen Söhnen und Töchtern tief in's Herz gesungen hat, und so lange noch n t v n..n r. r-r. ... m , i ieoes-eio unouzl in zuen a'iaccten: über Berg und Thal hinausklingt undvon Thal und Berg als flüsterndes Echo . ,1 . t. r . ... zuruareyrr, rotto eyesset s deutsche weh, müthige Weise unvergesien bleiben, sein. -1. l ...ils.t.- r r- r- r ' eeyi vousiyumilcyer ieojprucy : Behüt' Dich Gott, es wär' zu schön ge--.rc. . . . , . . . , Wesen, . Behüt'- Dich Gott, es hat nicht sollen : ; sein." Und in Nord und Süd, wo nocb ein. flotter Bursch sich am Früh- und Abendschoppen erfreut, wo beim Gläserklirren. und Hieberschwirren der alte akademische Humor seine--übermüthigen Blüthen treibt und allem Philistertum in Leben und Welt, auf dem Katheder wie in der Kneipe, in der Kunst wie in der Eelehr ,mrnt em cynrppcyen schlagt wird es sür olle Zeiten heißen: "Güiideamas!" Ottheinrich' der Pfalzgraf bei ' Nheine, der Herr v. ?lcdenstein mit ' seinen wilden Gesellen, wie die vorgeschichtlichen Saurier mit ihrer echt akademischen Lebensweise . vom nordischen Königsberg bis zu den schweizer Alpen und zu unseren österreichischen Brüdern hinüber sind sie gleich beliebt und bewundert ohne daß ein partikulari stiscber Gedanke Alldeutschland : diesen Besitz bisher verkümmert hätte. Scheffelö Dichtungen, sein Ekkehard, sein Trompeter, wenn sie auch ihrem Stcffe nach südlichen Geländen entsprossen sind, sie gehören der nationalen Literatur an. und kein' spezialisirendcr Kritikus wird für. oder gegen, sie eine neue literarische Mainlinie..' Flne .Grenzsperre crrichtcn könnenl Kaum einen Monat ruht der sangesfrohe Dichter ,m heimischer Erde, da dringen seltsam verworrene. Sjimmen zu. uns herüber. Aus des Neckars lustigen Wogen summte es : in meinem klaren Spiegel hat der Dichter sein Antlitz am liebsten geschaut, in meinem Alt-Heidel-berg hat er seine schönsten Lieder gesungen. Dazwischen rauscht es aus dem. Düster des Haardtwaldes : meine Stäm-. me-habe jch'zu .seiner Wiege, gespendet,, bei mir sind die Bäume gewachsen, aus denen sein Sarg gezimmert worden. Hie Heidelberg ! Hie Karlsruhe ! Ein Scheffeldenkmal für die alrna rnater ! Ein Scheffeldenkmal für die Residenz ! .Zwei -Comites haben sich bereits-ge bildet, zwei Aufrufe gehen uns mit derBitte um Veröffentlichung zu, mit bered ten 'Worten wird -in beiden das Rechte. auf den verstorbenen deutschen Sänger behauptet, bewährte und bekannte Namen stehen unter beiden. WiYtm Norden 'stehen diesem vcn se der Seite gutgemeinten, aber UN es offen zu sagenunnützen Wettstreite un? parteiisch, gegenüber.' , Wenn Schiller in seiner schwäbischen 'Heimath und in der deutschen Ztetchshauptstadt im Denkmal. verewigt worden, wenn Goethe in seiner Geburtsstädi, wie" in Weimar und Ber lin sein Standbild erhielt, wenn man Lessing in Wolssenbüttel und in Hamburg und nun auch in. Berlin durch Bild säulen feiert, e so 'liegt- keine .Rivalität darin, daß man unseren Klassikern mehrere Denkmäler setzt. Aber Heide! berg und Karlsruhedemselben Lande, demselben Stamme gehören sie an, undschon - jetzt, " gewissermaßen mit philolo gisch-specialisirender Genauigkeit kritisch unterscheiden wollen, welcher vön bei den Städten Scheffel am meisten ver dankt, welche von ihnen an seiner Ent Wicklung, an dem was er uns Allen geworden ist, am meisten Verdienst, hat,, wie pedantisch und kleinlich wäre das! Darum.mahnen wir, ehe wir- die bei den Aufrufe'in unseren' Spalten veröf sentlichen und wir glauben uns darin ntit der großen Scheffelgemeinde, die ganz Deutschland umfaßt, in lieberem ttimmüna ? die beiden Comites mögensichverschmelzen und'gemeinsäm vor das' deutsche Volk treten, denn : es kann nur ein echtes, würdiges Scheffel-Denkmal geben. . - ' A u lh -eine' Teuf e l s b e s ch w ö r u n g. Einer unserer Mitbür ger,schreibt die Tägl. Rundschau", in Berlin, fand beim Durchstöbern eines erkauften alten Schreibtisches unter allerHand alten Manuskripten folgende An weisuna zur Citirung des Teufels : ... Wer den teassel wil beschwoera, der darf sich an gar niemanden kern ; des neumonds naechtena um 12 uren ausersten, nnsl nllpin in die. dunklen stuben , t . f tt-, .. ' gen ; ". 1 . : ; ;; : aldorten ein vaterunser beten und dan vor den spigel treten, dort ein licht anzuenden und hineinschaun, das andre wird sich von selber finden." Der guteMänn war neugierig und abergläubisch. Hatte aber eine gute Portion Muth. Es verlangte ihn, einmal dera Teufel selbst ins Antlitz zu schauen." So that er denn genau nach bc Vor schriften des alten Manuskripts, standleise auf, trat in die dunkl: Stube, betete sein Vaterunser", was allerdings sehr stockend ging, trat vor den Spiegel, zun dete das Licht an' und blickte hinein;, aber mit einem Schrei des Entsetzensfubr er zurück, obwohl er doch auf fehr Erschreckliches? gefaßt wari' .AuS.dem. Spiegel blickte ihn das Antlitz seiner Schwiegermutter entgegen, die .chn hatte: aufstehen hören, und ihm leise nachge schlichen war. ' Ein unangenehmer Name. Es dürfte gerade' in diesem Augenblicke, injeressiren, zu'erfahren, woher der sonderbare Name des griechischen MinisterPräsidenten Delyannis (richtiger Deli Aannis) stammt. Dieser Name ist kein rein griechischer, sondern aus dem türklschen Worte: Wen (narricy) und dem griechischen.. Jannis (Johann) zusammengesetzt, und , bedeute somit : Tkp närrische Johann".
