Indiana Tribüne, Volume 9, Number 243, Indianapolis, Marion County, 23 May 1886 — Page 6
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per verschwundene Aing.
Der junge Graf Gaston du Carnoel ?af mit semer Schtvester Adele in Pari?, jin, nachdem ihr Vater zwei Monc.te orher auf seinem Gute bei Brest ges.or en war. Der alte Herr hatte von.eher twas leichtsinnig wirthschaftet v.nd es . :igte sich bald, daß von seinem jemals , iemlich bedeutenden Vermögen, so gut ' )ie nrchts mehr übrig war. Ijfaaf GaUm ließ durch den alten Jtet'jr der Faul das (vut l?ettausen, Kv-rhaupt AI es, was vorbanden war, Zeld machen 4 ;nd von dem Ertrage gÄr,iffenhaft alle Schulden bezahlen. Ndem dies gechehen, blieben ihm noch 200 l ftancs, die er in sein Brieftasche, bei I ich trug. " Wärer allein HtÄeset, so hätte (Za- ' ton seir.Loos leichte tragen; er tear in begabter sungs: Ä'.ann, hatte Zra' tudirt vnd lonMc wohl darauf rechnn, ei eir.em AdvokaQn oder Notar bald gemgede Beschäsrrzung zu finden. Aber eine Schwefter'?ar ein zartes schwäch liJ hes Wesen vo?: siebzehn Jahren wie " 'ollte er es möglich machen, däzser dUe Sargen und Entbehrungen sornzuhaltnl 1 'Dennoch :rzagte er nicht nd 'machte ! .uh, nachdem sie eine bescheidene,-aber M Lösche Wchnung im vierten Stocke ei ' s HauseS der 3!ue de Msupirard bezozen hatten, alsbald auf km Weg zu früheren Bekannten und Freunden seines Laters. nnt möglichst bald eine Anstel lung oder Beschästlgung zu'ftnden. Nun hast Du Erfolg .gehabt, lieber ' 8rofcer-1" fragte Adele, ls er helmkehr te. .. Erfolg ?" meinte Gaston mit einem Versuch, zu lächeln, das ist wohl zu viel oerlangt für den ersten Versuch ; aber manat mich überall 'sehr gut empfanzen und mir versprochen, an mich zu denken." Dabei blieb es aber auch, so sehr der junge Mann sich bemühte, zum Ziele zu gelangen ; man hatte, wie das in der Welt zu gehen pflegt, die theilnehmend pen und schönsten Redensarten für tr)n aber weiter nichts. So sehr sich Gaston auch bemühte, seine Kümmerniß vor der Schwester zu verbergen, so ahnte diese doch bald, wie es um ihn stand ; auch war die Uebersiedlung aus der köstlichen Landluft in die dunstige und unruhige Stadt nicht ohne nachtheiligen Einfluß auf das zarte Kind geblieben, und so sah Gaston, der sie aus das Zärtlichste liebte, mit tiefer Betrübniß, wie ihre Wangen immer blasser und blasser toux den, und Hörte mit Angst, wie sie des NachtS zuweilen hustete. Eines Morgens belief sich sein Varver mögen nur noch auf '20 Francs, und es " war ihm noch immer nicht geglückt, auch nur die bescheidenste Erwerbsquelle aus sindig zu machen. Schon vor einigen Tagen hatte er in seiner Bedrängniß an den oben erwähnten alten Notar geschrieden, der chm immer em großes Wohlwol ten gezeigt hatte und ihn um Empfehlun gen an irgend einen Advokaten oöer Sachwalter aebeten. Jetzt klopfte es und der Briefträger brachte ihm die Antwort des alten Herrn, der em fehr warmes kmpfehlungsichrel ben für Herrn Bertin, einen der nam ( haftest; und beschäftigsten Advokaten Von Paris, beigefügt war. Als Gaston dasselbe überreicht hatte, stellte ihm Herr Bertin in Aussicht, daß er ihm wahrscheinlich schon in zwei oder drei Tagen eine Beschäftigung werde geben können. Auf die so dringend ersehnte Hilfe in t m . I w m . ver noly yosseno, veranlagte er am Mo gen des dritten Tages seine Schwester, etwas mit ihm auszugehen. Die Beiden hatten sich in letzter üext recht emae schränkt, und Adele, die in einem ver-lchwender:sch-zu nennenden Woblleben aufgewachsene, verwöhnte junae Dame. fühlte sich, recht matt und elend; denn es ward iy? kaum mozlich, die schlechte r. r -.. 1 ' . aot uoer Die Kippen zu vrmgen. rotz dem ließ sie aber keine Klage laut wer den, denn sie wußte, daß ihr braver Ga Iton iHon schweres genug zu tragen y:e. Als Beide dann nach einer kur;en Pro menade wieder heimkehrten,lkonnte sie sich nicht - enthalten, einen Augenblick vor dem Schaufenster eines renommirten Kochkünstlers stehen zu bleiben und einen verlangenden Blick auf eine prächtig garanirte Schüssel mit kaltem Geflügel zu. werfen. Es war ein Moment : aber er aenüate. um Gaston schmerzlich zu berühren. Als sie in ihre Wohnung traten, fand der junge Mann 'dort ein sehr höfliches Schreiben vor, -das zwar nicht die erhoffte Zuweisung einer Beschäftigung, wohl aber für den Mittag eine Einladung zum tvmtx enthielt. Ach Gott' seufzte Gaston, das ist die. alte Geschichte Höflichkeiten, aber weiter, nichts'!" (rinen Augenblick dachte er daran, sich entschuldigen zu lassen : plötzlich aber fuhr ihm ein. anderer Gedanke 'durch 'den Kopf und-er begann, " Toilette zu machen, um sich.pünktlich bei 1 seinem Gönner. einzusinden. s&Z befanden sich etwa fünfzehn oder zwanzig Personen im Salon." Bertin stellte den jungen Grafen seiner Frau - und Tochter, dann einigen von seinen 5unden, welche den verstorbenen Gra seit fce Carnoel gekannt hatten, vor, und Dald.trar Gaston m eme sehr angeregte iinieinairnna rexoiacn. " 5vas Jiner war.yoqjl sein. zx xam bei' demselben neben eine ebenso hübsche 'wie geistvolle Dame $u sitzen, mit der er 'sich gleichfalls aufs Beste unterhielt, bis die Diener einen herrlichen Buter in !Aelce Herumreichten. Da wurde Gufton Einsilbig ' als man ihm die Schüsse! Prä '.sentirte, ließ er nachlässig einweißcs Bruststück und einen Flügel auf seinen l Teller gleiten und arbeitete dann so eis rig mit Gabel, Messer und Zähnen, daß bald nichts mehr auf demselben zu sehen war nicht einmal die Knochen des Flügels. Neim Dessert kam die Nede auch auf 'inen in iünaster Zeit vielbesprochenen Tr jcp, den der Gastgeber soeben gewoninen vaite. Wie," rief der Advokat m bester Laune,"Sie sprechen noch von dem Prozeß, während doch vor Allem rneinKlient ver d:ent,daß man sich mit ihm beschäftige.SeHen Sie nur einmal, was er mir als be
sodereS Zeichen seiner Anerkennung und Hochachtung geschickt fyat
"Ajamxi zog er inen Jiing m iwzm großen Brillanten ton ganz wunderbarem Feuer von 'seinem Fmger und überreichte ihn seiner Nachbarin, Das Prachtstück machte die Runde um die Tafel und wurde überall enusiaticy bewundert. Einiqe Augenblicke darnach hob man sich, um in dem anstoßenden Salon den Kaffee zu nehmen, als plötzlich Bertin auSries-: ,.Und mein Ning. wo dleivt er r Ich habe Ihnen denselben ja soebe ' ' ' . F ? ? ' ;uruarelcyt," mem ieme lacovarm. fta, Votztausend, tao ist er denn t" trief der Advokat, i allen Taschen herm ry.. L ri-? 4r .ri umbuchend. Lc? pncc Nicyis, as doch kurios " Ieöt wurde mn allgemein aus Den Zwischenfall aufmerksam, suchte af und unter dem Tische, aber ohne den kostbaren Nmg zu ?,tdeaen. Werselde war und blieb verschwunden. In diesem Augenblick hatte dcr mnge Graf de Carnoel gern den letzten kleinen Nest seines Vermögens, so nöthig er die paar Francs auch brauchte, darum gegeben, wenn er wieder in seinem Jimmerchen in der Nue de Maupirard hätte sein können, t tis nun," sagte der Hausherr endlich, ..aewib ist es ein verzauberter Nina, der sich nun boshafter- und .verschmitzterr i rx ? - l ... . roeiic in cer aicge eines unier uns verborgen hat. Ich Will Jben einen Borschlag machen, derselbe ist zwar befremdlich, extravagant imeinetwegen unmöglich, so daß Sie ihn,ging er von zeoem Anveren aus, zururrweien wuroen. Da ihn aber der als Original bekannte Bertin macht, so werden Sie nichts dag? gen haben." ..Was ist es für ein Vorschlag?" rief man rings im Kreise. Der Advo- . . l rf i ' ! tat war :n ver .yar aib em ganz origineller Kauz bekannt, und man war da her gar nicht überrascht, 'als er lachend fortfuhr : ..Wir wollen uns flegenettlg Die wa schen durchsuchen ! Vorausgesetzt natür llch, daß !Zttemano Opposition dagegen erhebt. In diesem Falle ziehe ich meine Proposition zurück! Ich bitte also abustimmen." Dies geschah rmter -allgemeinem Gelächter der Anwesenden, nur Gaston Carnoel fühlte, 'wie ihm die kalten Schweißtropfen auf die Stirne traten, er sah, wie sich vor seinen Augen Alles drehte, als ob er betrunken wäre, dann hörte er, wie Einer mach' dem Anderen sich mit dem iuriosen Vorschlage 'des Gastgebers einverstanden erklärte, .was er selbst doch unmöglich -konnte. Dann aber siel ja der schimpflichste Verdacht auf ihn, wie diesem. furchtbaren Dilemma entrinnen ? Nun, Herr Gräf" fragte Berlin jetzt lächelnd, was sagen Sie zu meiner Idee V Ich bedauere," erwiderte Gaston, noch blasser wie vorher werdend, mich nicht damit einverstanden erklären zu kön nen !" Eine peinliche Stille entstand rings umher, Aller Blicke richteten sich auf den Unglücklichen, dann sagte der Advokat : ,Jch bitte Sie wegen meines tollen Scherzes um Entschuldigung, Herr Graf, denn ich würde lieber für hunderttausend Francs Brillanten verlieren, als einen Gast verletzen, der an meinem Tische sitzt. Kommen Sie, meine Herrschaften, der Kaffee wird sonst kalt werden." Der Ton, in dem Bertin dies gesagt hatte, der Ausdruck, mit dem ihn die übrigen Mitglieder der Gesellschaft anfchauten, war für Gaston unerträglich, er fühlte, d,ß er dies nicht länger aushalten könne, und fand jetzt mit einemmale seine Besonnenheit wieder. Als der Advokat in den anstoßenden Saal gehen wollte, näherte er sich ihm und sagte: Ich bin Ihnen eine Erklärung scbul dig, mein Herr, wollen Sie mir gestatten, Ihnen dieselbe unter vier Augen zu machen V4 Der Advokat schien nicht sonderlich erbaut von diesem Ansinnen ; aber er erwiderte doch: Bitte, kommen Sie!" Damit geleitete er den Gast w sein Cabinet ; aber kaum hatte sich die Thür hinter ihnen geschlossen, als man ein unbändiges Gelächter .hinter ihnen vernahm und Madame Bertin eintrat. Da ist Dein Ning," 'sagte sie, ihrem Manne das Kleinod überreichend. Und wo war er denn ?" fragte dieser ganz betroffen. Auf Deinem Teller unter der Ser vierte." Es ist gut, laß' uns 'noch einen Augenblick allein, wir kommen gleich.' Dann wandt? er sich zu dem jungen Manne um und bot ihm beide Hände-; allein dieser, der nach seiner vorigen Blässe feuerroth geworden war, sagte -tief aufathmend : Bitte, hören Sie mich erst an, ehe Sie ein Wort zu mir reden." Dann schilderte er in kurzen, aber w fieberhafter Erregung hervorgestoßenen Worten seine Lage und seine fruchtlosen Bemühungen; er erzählte, was ergelitten habe, indem er seine Schwester leiden sah, und schilderte dann die kleine Scene vor dem Schaufenster von heute Morgen. Und nun mögen Sie rsahren," schloß er, weshalb ich mir die Taschm nicht 'visitiren lassen konnte, selbst uf die Gefahr bin, für einen Dieb angesehen zu werden. Sehen Sie, ich hatte dies hier für Adele eingesteckt, wollte aber nicht eingestehen, daß die Schwester des Grafen de Carnoel vor Hunger und Entbehrung krank ist!" Damit zog er das Bruststück und den Flügel, die auf seinem Teller gelegen hatten, aus der Tasche. Der sonst so kaustische Advokat hatte m paar, dicke Thränen in den Augen, als er den schlichten Bericht des jungen Mannes angehört hatte. Er schloß ihn in seine Arme, küßte ihn und zog ihn dann mit sich, indem er murmelte : Ihrer Schwester, mein Herr, soll fortan nichts mehr fehlen !" Beim Eintreten in den Salon aber rief er den übrigen Gasten entgegen : Meine Herrsaaften, ich stelle Ihnen hiermit den trefflichsten jungen Mann vor, den ich kenne. Ich habe ihn soeben zu meinem Privatsekretär gemacht." Es bedarf wohl keiner weiteren Versicherung,.daß es an diesem Abend zwei
glückliche junge Mensch in der Nue de Maupirard gab. Not' und' Sorge waren jetzt von ihnen genommen: Comtesse Adele blühte bald wieder aus wie eine in besseres Erdr.ich versetzte Pflanze, und ihr Bruder.ist heute der Schwiegersöhn und AHie Bertin's, der ihm an seinem Hochzeitstage den verhängniß vollen N mit dem herrlichen Brillanten zum beschenk machte. Jer Lsel des Karaöolko. Meister Ugo da Santa Sosia, ein ge"lehrtr Veronese, stand in dem Nufe, sich
mehr als jeder Andere rnf deu Laus und den Stand der Gestirne zu verstehen, und aus dem, was am Firmament vorgeht, die Zukunft vorhersagen zu können. Untcr Anderem wurde von ihm erzählt : er habenden Tod des Königs Nobert von Neapel vorher verkündigt und daß dies Königreich von einer Frau beherrscht werden würde; daß das Neich der Ungarn sich bis nach Griechenland erweitern, die Grenze von Troja berühren. und bald eine verheerende Pest ausbrechen werde, welcbe auch wirklich im Jahre 1348 auf dos Entsetzlichste wütbete. Hierdurch hatte sich sein 3luf durch ganz Europa ausgebreitet und es gab kaum einen Fürsten, der sich bei ihm nicht Nath geholt hätte. Und durch dieses so außerordentliche Zutrauen,jdas er erwor ben, gewann solch ein Selbstbewußtsein, dak er davon überzeugt war, sich in seinen Prophezeiungen niemals irren zu können. Dieser weltberühmte Verkünder der Zukunft begab sich nun eines Tages auf sein Landgut, wo er, als ein großer Liebhaber der Landwirthschaft, zur Erntezeit sich aufzuhalten pflegte. Kaum war er angelangt, als er von seinem Nachbarn, einem alten Landmann, der wegen seines lahmen Beines sich beständig eines Esels bediente, einen Besuch erhielt. Ihr werdet Euch wundern", sagte der Bauer, daß ich Euch schon jetzt meine Aufwartung mache, da Ihr 'kaum vom Pferde aestiegen seid; doch hier ist Gefahr in Verzug. Laßt, ich bitte Euch, wenn Euer Korn Euch lieb ist, es sogleich in die Scheunen schassen ; denn nach Verlauf von einer Stunde, das versichere ich Euch, wird es so gewaltig regnen, als ob es mit Mulden gösse. Meister Ugo fragte verwundert, wie er dies glauben oder vermuthen könne, da doch am ganzen Himmel kein einziges Wölkchen sichtbar sei? Und als derBauer dennoch bei der Behauptung blieb, bevb achtete er den Stand der Sonne ; aber auch hier konnte er nichts entdecken, was auf einen so nahen und heftigen Regen schließen ließe. Er wandte sich daher ärgerlich an den Negenpropheten. indem er rief : Gott und die Natur können wohl Negen schassen, aber die Natur allein nicht !" Man stritt nun über diesen Punkt und Meister Ugo verlangte zuletzt, der Bauer solle die Gründe anführen, die er für seine unglaubliche Be hauptung habe. Der Bauer blieb aber halsstarrig bei seiner Behauptung, vhne Gründe anzugeben, und bat den Nachbar nochmals dringend, seinem guten Nathe u folgen. Meister Ugo befahl nun seinem Diener, ihm .den Quadranten und seine astrologischen Bücher zu bringen, und sing an, den Himmel nach allen Seiten zu beobachten. Aber nirgends bot sich ihm ein Zeichen dar, wel ches die Behauptung des Bauers bestätigt hätte. Er hätte eher geglaubt, daß sich die Berge in Ebenen verwandeln und die Flüsse bergan fließen würden, als daß heute noch ein Gewitterregen zu erwarten wäre. Der Bauer, des Streites überdrüssig, verabschiedete sich; doch kaum war er in seinem Gehöft .angekommen, als er ein leichtes Wölkchen her, aufsteigen sah, das vom heftigen Winde fortgetrieben, plötzlich den ganzen Himmel mit einem grauen Schleier überzog. Von Norden fuhren gewaltige Blitze durch die Luft, von Osten zogen regenschwere Wolken herauf, die sich, von sausenden Stürmen gejagt, im Westen fürchterlich entluden. Die ganze Natur gerieth in Aufruhr, Thürme krachten nieder, Eichen stürzten zu Boden, Häuser sielen ein, die Ufer der Etsch erbebten. Da wurde auch Ugos Glaube an die Astronomie heftig erschüttert, und er be reute nun, der Warnung des weisen Landmanns keinen Glauben geschenkt zu haben. Er warf Quadranten. Astrola--bium und alle magischen Bücher weit von sich und konnte vor Ungeduld die Zeit kaum erwarten, wo das Gewitter ausgetobt hätte, um sich bei dem Bauer näher zu erkundigen, wie er bei heiterem Himmel diesen fürchterlichen Negen habe voraussehen können. Endlich war der Gewittersturm vorüber und er ging nun zum Nachbar, den er dringend bat, ihm doch zu sagen, wer ihn zu einem solchen unfehlbaren Wetter-Verkünder gemacht habe ? Niemand anders", erwiderte der Bauer, als mein Esel; denn dieses kluge Thier, das Ihr wohl kennt, ist mein Quadrant und Astrolabium, und was ich von den Erscheinungen des Himmels vorHerzusagen weiß, verdanke ich allein ihm und keinem Andern. Ihr mügt wissen, Meister, daß, wenn sich die Witterung ändert, -und war vom Guten zum Schlechten, so richten sich seine Haare auf dem Stücken in die Höhe und er steckt den Schweif zwischen die Beine. Ist bloßer Negen ohne Donner und Blitz zu erwarten, so schlägt er die Seiten mit dem Schweife; giebt es aber einen heftigen Gewitterregen, so richtet er die Ohren empor und schlägt mit allen vier Füßen die Erde, etwa so, wie wenn ihn Bremsen und Fliegen stechen. Und über dies Älles dürft Ihr Euch eben so wenig verWundern, als über, den Hahn, der die Stunden ankündigt, als hätte er eine Uhr im Kopfe, und wenn es Euch nicht wunderbar scheint, daß die Delphine durch ihren gekrümmten Rücken den Seefahrern einen nahen Sturm verkünden, so kann Euch auch das kein Märchen dünken, Was ich Euch von mernem Esel erzählt habe." Als ein nachdenklicher Philosoph stellte nun Meister Ugo über die prophetischen Gaben des Esels seine tiefen Betrach tungen an ; er ärgerte sich und konnte es nicht verschmerzen, daß der ksel des Carabotto sich besser, auf die Astrologie verstehe als er, der sein ganzes Leben ihr gewidmet hatte; er bat den Carabotto inständigst, dies Alles geheim iu halten. damit sein Nuf nicht leide. Dcr Bauer ! versprach zu schweigen und hielt auch sein
. zzt Versprechen gewissenhaft. Leider waren aber auch Ander Zeugen der ganzen Geschichte gewesen, welche sie weiter verbreiteten, so daß viel darüber gelacht und gespottet wurde, und man sich in der ganzen Lombardei erzählte, wie der Esel des Carabotto 'ein besserer Sterndeuter und Wetterprophet sei, als der weltberühmte Meister Ugo da Santa Sosia. Ja, es wurde sogar unter den Bauern zum Sprichwort, daß man, wenn Jemand zu fest auf seine Meinung bestand, zu sagen pflegte : Ja, Du bist ein besserer Wetterprophet, als der Esel des Carabotto !" und der Andere antwortete dann: Und Du verstehst Dich schlechter auf's Wetterprophezeien, als Meister Ugo da Santa Sofia!" Als nun der arme Mann hörte, wie seine Geschichte in der ganzen Lombardei bekannt geworden, gerieth er tin solchen Zorn, daß er seine sämmtlichen astrologischen Bücher, 2000 Scudi an Werth, verbrannte, mehrere schöne T Quadranten, Weltkugeln und andere dergleichen Instrumente zerbrach.
und von nun an nie mehr nach den Sternen guate. Ostern in Syrien. Unter allen von der griechischen Kirche in Syrien gefeierten Festen ist keines, selbst Weihnacht nicht ausgenommen. so fror) und mbelreich, so freudig begrüßt von den Menschenherzen und so wunder bar verherrlicht auch durch die . catur, als Ostern. Die lieblickzen Töne der Osterglocken vermischen sich in den gesegneten Landstrichen der alten biblischen Aram mit dem balsamischen Dufte der Pmien und Nosen, welche überall tn üp pigster Fülle an den, die weiten Maulbeerpflanzungen eingrenzenden Hecken blühen. Durch die in leuchtender Schöne daliegende Morgenlandschaft pilgern die Schaaren der frommen Beter, mit freudigen Worten einander begrüßend: Ehrlst ist erstanden, er ist wahrhaft erstanden !" in ihrem pittoresken Kostüm eine reizende Staffage gebend zu dem sonnigen Schöpfungsbilde ringsum. Gleichwie der Schmetterling die Larve abstreift, vertauscht das syrische Volk am Ostermorgen die dunkeln Bußgewänder der strengen Fastenzeit mit seinen lichten, bunten Sommerkleidern, deren vorHerrschendes zartes Weiß sinnig auf das Verklärungslicht der Auferstehung hindeutet und mit dem etwas gebräunten kräftigen Teint des Volkes und den lebhaft bunten Farben der übrigen Kleidung seltsam und wirkungsreich kontrastirt. - Nachdem die kirchliche Feier des Tages geendigt, beginnt namentlich das Landvoll zener Ge genden unter dem wolkenlosen Zelt des tiefblauen Himmels in harmlosen Scherz und Frohsinn allerlei Kurzweil zu treiben. Aus einem freien Wiesenplan tummeln sich die jungen Männer im muthigen Ningkampse, wahrend bic alteren ringsum auf niederen Polstern sitzen und rauchend, bald lobend, bald tadelnd dem Spiele zusehen. Dazwischen jubeln und lauchzen die fröhlichen Kmderschaaren im Spiel mit ihren Osterschätzen, den ountgemalten Eiern, deren kein Haus, keine Hütte am Ostertaae ermangeln darf. Die Mädchen jedes Dorfes aber ziehen unter Anführung einer gesangslundlgen Alten, die als Primadonna ihres Dorfes in hohen Ehren steht, vor das Haus der Gutsherrschaft und führen hier unter dem hölzernen Balkon, im Kreise um die altere Begleiterin, welche den Tanz mit ihrem Gesänge leitet, iinen muntern, von natürlicher Anmuth belebten Neigen auf. Die hübschen Mädchengestalten mit ibren malerischen bunten Gewändern und dem reichen Kopsputz, welcher, mit goldenem Zierrath und frischen Blumen geschmückt, die glänzend schwarzen, in langen Flechten herabhängenden Haare, die edeln Gesichter gar kleidsam umschließt, geben in den graziösen Bewegungen des Tanzes ein an den Zauber der persischen Märchenwelt erinnerndes Bild. Vom Balkon herab schauen Gattin und Tochter des Gutsherrn sinnend dem Tanze zu, in der Nähe schimmern, wie ein flüssiger,glänzend gefaßter Saphir in der herrlichen Landschaft,die blauen Wellen der Bai von Antiochien, aus der Ferne aber keuchten und glühen, von der untergehenden Sonne in rosiges Gold getaucht, die eisgekröntm Höhen des mächtigen Libanon, als wollten sie weithin über die Lande verkünden, daß die Natur, sobald die Herzen nur ihren reinen Freuden offen und zugänglich sind, aller Orten wohl bemüht ist, dem Ä!enschen das verlorene Paradies zu ersetzen. Ein unverhoffter Empfang. (Anekdote aus dem Leben eines italienischen Offiziers). Es war zu Ende der Karnevalszeit 1342. Die reizende Marchesa von Nancano wollte dieselbe nicht ungefeiert vorübergehen laffen, ein Maskenball sollte in ihrem Schlöffe zu Nigerano den piemontestschen Adel der Nachbarschaft vereinigt sehen. Um das Fest aber durch den Zudrang des unge ladenen Volkes vor Störung zu bewahren, erbat sie von dem Platzkommandanten einige wachehaltende, Soldaten. Derselbe sandte ihr auch gefälligst vier Mann vom Negimente der Königin,denen er den folgenden Tag zum Dienste nicht anrechnen wollte. Das kostbare Fest verlief in der besten Ordnung. Die Säle erstrahlten tageshell' im Glänze eines Lichtermeeres, der Champagner floß in Strömen und auch den Kriegern vom Regiment der Königin wurde ihr Theil an Speisen und Getränken. Als nun der Dienst für die Mannschaft sein Ende erreicht hatte, schlug einer derselben, Camillo Giordano, seinen Gefährten vor, den letzten Tag des Carnevals in Mai land zuzubringen. Der morgige Tag gehöre a ihnen. Auf nach Mai land !" riefen die Krieger, und fröhlich marschirten sie mit ihren Uniformen und Waffen von dem Schlöffe der Marchesa ab. Unterwegs wurde daS Wetter jedoch so schlecht, daß sie ein Unterkom' men suchen mußten. Unter strömendem Negen erreichten sie nicht mehr weit von Mailand einen einzelnstehenden PachtHof. Sie pochten an, und die Pächterin, welche ihren Mann erwartete, ließ sie eintreten und sich an dem Feuer des Ka.mins trocknen. Im Laufe des Gespräches äußerte die Frau, daß sie um ihren ausbleibenden Mann Besorgniß empsinde, derselbe kehre mit dielem Gelde zurück, und man spreche davon, daß die Landstraßen nicht sicher
seien. Die Soldaten spotteten über die Furcht; Banditen gebe es in Italien
nicht mehr. Bald daraus kam der Pächter, äußerte aber, daß er nur der Schnelligkeit seiner Pferde . die Nettung verdanke. Wieder wollten die Soldaten scherzen, als draußen eine Stimme Eintritt begehrte, Wer seid Ihr?" fragte der Pachter. Zehn ehrliche und wehtbewaffnete Leute, welche Euch den Nath geben, uns nicht zu reizen, da wir sonst Gewalt anzuwenden gezwungen sind. Wir wiffen von EurerEinnahmeunddaß Ihr nur einen Knecht besitzt Wiederstand ist also die reine Tollheit." Diese Sprache ließ nichts an Deutlichkeit zu wünschen. Ihr sollt empfangen werden, wie Ihr verdient," sagte Giordano zu seinen Kameraden, denen er einen Wink gab. Die Bier machten sich zum Kampfe fertig. Oessnet jetzt das Thor!" bifahl, der Krieger, und tretetdann zurück." DaS geschah, die Banditen stürmten herein; doch knallten ihnen vier Schüsse entgegen, welche ebenso viele ihrer 'vchaar niederstreckten. Dann warfen sich die Soldaten mit gefälltcm Bajonett auf sie. Dcr Kampf war nur kurz, sechs Räuber lagen todr oder schwer verwundet am Bodens zwei baten au den Knieen um ihr Leben nur zwei waren entkommen. Am folgenden age zogen die Sodatenmit ihren Gefangenen in Mailand ein, wo sie auf das Freudigste empfangen wurden, wie auch ihre That ihnen in der Heimath hoch angerechnet wurde. Man will den Zufall nicht gelten laffen," pflegte Giordano zu sagen, wenn er auf diese Räubergeschichte kam. Nun, nennt Ihr es, wie Ihr wollt. Ohne unsere heitere Laune, ohne den 3legen, ohne die Pachterwohnung, ohne die Banditen wäre ich niemals Ofsizier geworden. Ein merkwürdiges Fett. Im Jahre 1453 gab Philipp der Gute, Herzog von Burgund, zu Fille in Flandern ein Fest,deffen Andenken aufbewahrt zu werden verdient. Die Beranlaffung dazu war eine Gesandtschaft, die von dem griechischen Kaiser zu Konstantinopel kurz vor dem Ende des griechischen Kaiserthums an die vornehmsten europäi schen Fürsten gelangte, um Hilfe gegen die Türken zu erbitten. Der griechische Kaiser mußte den Herzog von Burgund entweder für einen der mächtigsten Fürsten oder denjenigen halten, der sich am bereitwilligsten zeigen würde, ihm zu helfen. Philipp der Gute wurde von ihm mit der kaiserlichen Bitte beehrt. öv fand sich dadurch so geschmeichelt, daß er der griechischen Gesandtschaft den Beistand, den sie von ihm verlangten, mit der größten Feierlichkeit zusagen zu müssen glaubte. Er veranstaltete zu diesem Zwecke ein großartiges Gastmahl. Alle seine Vasallen und Edeln wurden geladen. Drei Tafeln wurden in einem großen Saale hergerichtet. Die mittlere hatte die Form eines Hufeisens und trug als Schaugerichte eine Kirche, ein Schiff und andere Gebäude. An dieser Tafel saß der Herzog selbst. Auch die beiden Seitcntische waren mit kunstreichen, zum Theil allegorischen Figuren besetzt. Ein gewaltig großer Aussatz hatte die Form einer Pastete. In dieser Koloffalpastete steckten in Lebensgröße die Musikanten, die zu dem großen Schmause aufspielen mußten. Am Ende des Saales, dem Herzog gegenüber, war ein Theater angebracht. Das Stück, welches zur Aufführung kam, war die Eroberuna des 1 goldenen Vließes durch Jason und feine Argonauten. Aber mit dem Schluffe dieses Schauspiels sing die Pracht des Festes erst recht an. Denn nun trat,zum Erstaunen der Gäste, ' ein Niese in türkischer Tracht in den Saal. Der Niese führte einen Elephanten, dieser trug eirn Thurm, in welchem eine verschleierte Dame saß. Die .Dame stellte die christliche Kirche vor. Der Zug machte vor dem Herzog Halt. Die Dame im Thurm erhob ihre Stimme und sang ein rührendes Triolet; als sie'ausgesungen hatte, hielt sie eine Rede in Versen, um den Herzog zu bewegen, sie, die christliche Kitche, gegen die ungläubigen Barbaren zu schützen. Diese Rede war das Signal zu dem Gelübde, das nun von dem Herzog und seinen Vasallen abgelegt werden sollte. Der Herzog winkte dem Herold deö Ordens des goldenen Vließes, und ein schönes Fräulein, eine Tochter des Herzogs, trug mit eigenen hohen Händen das Hauptgericht auf, einen Fasan mit vergoldeten Füßen. Dieser Vogel vertrat die Stelle des Evangeliums um auf sich schwören zu laffen. Der Herzog machte den Anfang, indem er feierlich folgenden Schwur auf den Fasan ablegte: Ich gelobe Gott und seiner Mutter, der heiligen Jungfrau, daß, wenn der König von Frankreich, mein Lehnsherr, oder andere christliche Fürsten sich mit dem Kreuze bezeichnen wollen, um gegen den Türken zu ziehen, ich ihnen folgen und mit dem Sultan selbst Mann gegen Mann streiten wir wenn er dazuLust hat." Das heroische Gelübde des Herzogs setzte alle anwesenden 3!itter und Edle in Bewegung. Keiner wollte seinem Fürsten an Muth und Tapferkeit nachstehen. Es wurden auf den Fasan Gelübde über Gelübde gethan,'.doch zum Glück oder Unglück Mancher, wurde aus dem ganzen Kreuzzuge nichts ; denn ehe man noch inarschfertig war, lief schon die Nachricht von der Eroberung Konstantinopels durch die Türken und von dem Ende des griechischen Kaiserreichs ein. Im Kaffeehause. Ein ernsthaftes Gespräch zwischen mehreren Herren, in das sich ein etwas bejahrter Geck hineinmischt. Der eine der Herren sagt: Mein Verehrtester, Sie reden wie ein alter Narr !" Der Geck (wüthend): Was? Wie? Sie wagen es, mich so zu beleidigen?" Der Herr: Beruhigen Sie sich doch nur! Ich ziehe alt" zurück." Der Geck: Ah! Dann ist Alles in Ordnung !" Ein neuer Stand. In einem vor dem Frankfurter Landgericht verhandelten Prozeffe wurde dieser Tage ein Mann nach seinem Stande gefragt. Pensionirter Ehemann", antwortete er. Nach vielem Hin- und Herfragen erfuhr man, daß der Mann von seiner Frau, von der er geschieden ist, eine lebensläng liche Rente von 3600 Mark jährlich erhält. 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Aer amerikanilche Spollvogel.l
Crurdn ixljg'smi ; Moqucur ; Mocling Birl.j Nicht blos dasAuge wird ergötzt, wenn der öteisende sich den Wäldern Amerikas naht, wenn er das Heer der so prächtig gefiederten Vögel erblickt, nein ! auch dem Ohre wird ein Genuß zu Theil, ein Genuß, wie selbst die 3!achtigall uns nicht zu gewähren vermag. Wir nennen unsere Nachtigall die Königin des Gesanges ; wir glauben einer ausgezeichne ten Sängerin die größte Ehre zu erweisen, wenn wir ihre Stimme mit der 'der Nachtigall vergleichen ; wir wäbnen uns bezaubert, wenn die herrlichen Töne de? Nachtigall in ihrer ganzen Fülle der Kehle entströmen, und doch findet sie noch ihren Meister, der sie und alle Vöfiel durch seine Zaubertöne übertrifft. Mögen die Töne der Nachtigall es sein, die uns am meisten entzückten in den va terländischen Wäldern, mag sie mit Necht bei uns die Königin des Gesanges genannt werden, erre weit höhere, herrlichere Stelle gebührt doch noch einem Vogel Amerikas. Es ist der amerikanische Spottvogel, der durch die Mannigfaltig keit, durch die reiche Fülle seiner Töne Alles übertrifft, was je durch seine Stim me uns entzückte. Dieser Vogel hat nicht nur einen ihm eigenthümlichen vortrefflichen Gesang, sondern besitzt auch die Gabe, die Lieder anderer Vögel aus's Täuschendste nachzuahmen, ja zu verschönern. Auch begleite: er seinen Gesang mit einem gewissen Ausdruck in Mienen und Bewegungen, undZeint überhaupt von den innigsten Gefühlen dabei durch drungen zu sein. Fängt er ein Lied an. so hebt er seine Flügel allmälia in die c- i:f.i r?.v ... ri i. . oye, ic oann mir oem urne wieder sinken und gibt durch Tänze und Pantomimen dem Gesänge mehr Lebhaftig keit. , Versucht seine Kehle gewagte, flüchtiae Läufe, so schwebt der kühne Sänaer in schlangenförmigen Kreisen in der Luft herum ; schmettert er schnell und gewallig, so hüpft er im Fluge ebenso lebhaft ; fällt dann sein Ton in eine kunstvolle Cadenz, so schlägt er mit den Flügeln den act dazu und schlleßt sie endlich so, daß er den vollsten Ton und die reii:nd ste Melodie allmälig leiser und immer leiser werden und gleichsam hinsterben laßt ; so. werden m eben dem Grade, als der Ton abnimmt, die Flügelschläge immer gelinder und schwächer und endlich scheint er, wie im Entzücken verloren, in der Luft unbeweglich mehr zu hängen als zu schweben. Feurige Liebe und Sehnsucht scheinen diese Ströme von Tönen zu verkünden, und der entzückte Zuhörer, Alles um sich her vergessend und nur lau schend auf den holden Sänger, glaubt in ein liebliches Zauberland sich versetzt zu sehen. Mit Recht nennen die Amerikaner, wegen der Mannigfaltigkeit seiner Tone, diesen ?dogel den vierhundertstimmigen. Auch bei diesem Vogel zeigt sich. wie bei unserer Nachtigall, daß unter einem schlichten Nocke oft das Edelste verborgen ist. Sein Gesieder ist sehr einfach. (:s ist obenher aschgrau, untenher blässer. Flügel und Schwanz sind schwarz ; auf erstem ist cm weißer leck, und die äußern Federn des letztern sind auch weiß. Die Länge des Vogels ist 9 Zoll und die Flügelweite (die Weite von einer Spitze bis zu der andern der ausgebreiteten Flügel) ist 13 Zoll. Sein Vaterland ist eigentlich Nord amerika ; doch hat er sich jetzt fast in ganz Amerika verbreitet und kommt nun im Süden beinahe noch häusiger als im Norden vor. Bittere und klebrige Bee ren, besonders die Samen der . Eeder, Myrthe, Stechpalme u. s. w., sind .seine 3cahrung. In dcr Wlnterjahreszeit fressen sie Insekten, besonders Fliegcnarten, nach denen sie sehr lüstern sind und die sie mit großer Geschicklichkeit zu fangen wiffen. Die Zeit, zu welcher der Spottvogel sein Nest zu bauen beginnt, ist je nach der Breite, in -welcher er sich aufhält, verschieden. In den Niederungen von Georgien fängt er frühzeitig im April zu bauen an; in Pennsylvanien hingegen selten vor dem 10 Ä!ai, und in New Jork und den Staaten von Neuengland noch spater. Es gibt verschiedene Stellen, die'e? andern vorzieht. Ein einsamer Dornbusch, ein fast undurchdriNgliches Dickicht, ein Orangenbaum, eine Eeder oder Stechpalme sind seine Lieblingsstellen, diese wählt er am häusigsten. Auch läßt er sich keineswegs abhalten, an den genannten Stellen zu nisten, wenn sie sich auch zufällig in der Nähe einer Meierei oder eines Wohnhauses befinden sollten; ja ! stets bereit sein Nest zu ver theidigen und niemals allzu ängstlich besorgt, es zu verbergen, baut er ost in einiger Entfernung von einem Hause, und nicht selten in Birnen- oder Acpfelbäume ; selten höher als sechs oder sieben Fuß vom Erdboden. Die Nester dieser Vögel sind nicht immer von gleicher Bauart, ein Umstand, der von dem größeren oder geringeren Vorraihe an passenden Materialien abhängt. Die Anzahl der Eier beläuft sich auf vier bis fünf und ihre Farbe ist graublau mit braunen Flecken. Das Weibchen brütet jährlich zwei Mal und werden die Eier ihm genommen, wohl auch drei Mal. Es brütet die Eier in 14 Tagen aus. Katzen und andere Thiere, vorzüglich aber Schlangen sind ihre Feinde, die besonders den Jungen und den Eiern nachstellen. Doch das kühne Männchen fürchtet sie nicht. Muthig greift eö die Katzen wie die Schlangen an. Merkwürdig ist besonders der Kampf mit den letzteren. Nahet sich eine Schlange dem Neste, so schießt das Männchen mit Blitzesschnelle auf sie los, zielt nach ihrem Kopfe und verwendet sie sicher und wüthend mit sei.nem Schnabel. Bald gewahrt die Schlange die Gefahr und schnell sucht sie zu entfliehen ; doch der gereizte Vogel läßt sie sich nicht so leicht entfernen ; er verfolgt sie, verletzt sie immer gefährlicher mit tüchtigen Schnabelhieben, schlägt mit den Flügeln auf sie los und setzt dies so lange fort, bis die Schlange ermattet, ja endlich ganz vernichtet ist. Freudig fliegt dann der muthige Kämpfer auf den Gipfel eines Baumes und läßt eine Siegeshymne erschallen, die den aufmerk samen Beobachter, der . im Verborgenen den Kampf belauschte, für die Angst, die er erst, ungewiß des Au?gangcs, um den lieblichen Sänger, um den treuen Wäch ter seiner Jungen hatte, reich belohnt.
Thierbändigcr Geheimnisse. Mitgctbeilt von arl Weiß.
Wohl Jeder hat schon Geleacnbeit aehabt, sei es in einem Eircus oder in einer Menagerie, die Dressur der verschiedenartigsten Thiere zu bewundern und sich daran zu ergötzen ; nur weniae der Beschauer denken aber an die unsäg i:. i)..r.. v: s -n.i. ot: nu;t iviiuc, vic l. liiere uoerHaupt, besonders aber wilde Tbicre und vor allen Raubthiere zu zähmen oder zu dressiren. Nur mit ganz außergewöbn111..- m....i cm:cr" '.- 9 K : . , iuy vycüuio, luensnarle uno ourcy die größte Sorgfalt ist es möglich, derariigen )euii etwas beizubringen. Ueber die Art und Weise der Zähmung TrriTlIV fr 1 Ayn -! 11 TT ! vi VUjJV JVt'UCII IÜU nun in Nachstehendem einiges mittheiien, m cer annähme, dafe es gewiß viele unserer Leser inleressirt, etwas aus den Geheimnissen der Thierbändigcr zu ersayrcn. Junge Löwen und Leoparden sind durch gute Worte und freundliche Behandlung verhältnißmäßig leicht zu dressiren ; sie verstehen schnell, was man will, und iaen ncy.ourcy gungcs Zureden zu allen Handlungen heranziehen ; selbstverständlich muß in der Zahl der ihnen beizubringenden Kunststücke immer ein gewisses Maß eingehalten werden und ist ' C ' V IX L f,. c . ... ' giciuci yaraiier ces zewemg zu zähmenden Thieres sehr genau zu beacyien. Am willfährigsten sind dieselben, wenn man sie etwas Hunger leiden läßt, na türlich nicht übermäßig ; man übergeht sie vielleicht bei einer Mahlzeit, tritt dann eine kurze Zeit darauf in den Käsig, und hält den Bestien einen kleinen Köder vor die Nase, um sie dahin zu brmgen, wohin man sie haben will, streichelt sie dabei und gibt ihnen schmeichelnde Worte ; immerhin aber muß man dabei das Thier fest im Auge behalten, jede seiner Bewegungen verfolgen und die Peitsche stets zur Hand haben, ohne dieselbe jedoch zwecklos dem Th'.er zu fühlen zu gehen ; die Peitsche darf das Thier blos als Straf- oder Züchtigungsmittel kennen lernen. Bei erwachsenen und frisch eingefangenen Thieren ist die Prozedur natürlich viel schwieriger und mit großer Gefahr verbunden. Nur mit größter Vorsicht und mit Anwendung vieler Mühe kann es gelingen, eine im wilden Zustande gefangene Bestie zu dressiren oder zu zähmen ; man geht damit zum Beispiel auf folgende Weise zu Werke: Man stellt sich dicht vor den Käsig, beobachtet das Thier eine Zei lang, jede seiner Bewegungen scharf ver folgend und ihm stets und unverwand in die Augen blickend, indem man dabei eine ruhige Haltung und einen kalten, beherrschenden Blick bewahrt. Wenn nach einiger Zeit das Thier sich an den Anblick der Person gewöhnt hat, steigt man ruhig, das Thier im Auge behaltend, die Stufen am Käsig empor und öffnet die Thür desselben möglichst schnell ; springt nun das Thier auf den Eindringlinz zu, so ist die Mühe vergeblich gewesen und die Prozedur später zu wiederholen; zeigt sich aber das Thier etwas erschreckt, so stellt man sich in die geöffnete Thüre, langsam den Kopf und den Oberkörper erhebend, bis man aufrecht in derselben steht, macht rasch einen Schritt vorwärts, die Thüre hinter sich zuwerfend. Es ist dies der gefährlichste und entscheidende Moment. Man bleibt dann einige Sekunden stehen, geht langsam bis in die Mitte des Käfigs vor, wo man wieder ruhig stehen bleibt, jede Bewegung des Thieres beobachtend ; durch das Gitter läßt man dann ein Sprungbrett hereinrcichen und treibt das Thier, zum Beispiel einen Löwen, vorsichtig mit der Peitsche zum Sprunge an. Macht das Thier diesen ersten Sprung, so ist man Sieger und das Thier bezwungen ; zeigt sich das Thier unwillig, so wird es durch drei bis vier kräftige Hiebe abgestraft ; langsam und rückwärts gehend verläßt man dann den Käsig ; dieser Versuch muß natürlich so oft als nur möglich wiederholt werden. Natürlich sucht sich das Thier gegen die Hiebe zu wehren, es ist daher nöthig, während der ganzen Zeitdauer dieser Prozedur stets die größte Vorsicht walten zu lassen, und müssen sich an dem Käsig immer Leute besinden, die durch bereitgehaltene Eisenstangen sofort Hilfe zu bringen im Stande sind, um auf diese Weise das Thier am Sprunge auf den Thierbändiger zu hindern, und im schlimmsten Fall mit einer Schußwaffe zu todten. Schon manches werthvolle Thier ist auf diese Weise zu Grunde gegangen. Das gelehrigste und am leichtesten zu dressirende Thier ist unstreitig der Elephant, zumal m semer Jugend ; das schwerste Kunststück begreift er leicht und macht es fehr willfährig; bat er es aber erst einmal gelernt, so wird er leicht störrisch und will, ehe er arbeitet", Vorausbezahlung, das heißt etwas zu naschen, eine Untugend, die man ihm durch empfindliche Strafen abgewöhnen muß. Den Elephanten straft man bekanntlich mit einer Lanze, an welcher sich vorne ein Haken befindet, die Spitze ist für den Rüssel, der Haken für die Ohren bestimmt ; auch mit Peitschenhieben zwischen die Füße wird er abgestraft; die indischen Elephanten sind leichter zu zähmen, als die afrikanischen. Die afrikanischen Elephanten sind, nebenbei bemerkt, viel seltener, als die indischen. Assen jeder Art kann man leicht durch Darreichung von Leckerbissen abrichten. Am gefährlichsten und oft unmöglich ist die Dressur von Panthern und Jaguaren, vor allem die des schwarzen Sundapanthers. Bedenklicher Ausspruch. Er : Also Ihr Sohn ist Thierarzt geworden ? Hat er es denn zu etwas ge bracht V1 Sie : D, ich bin stolz auf ihn ; denn was Professor Virchow unter den Menschen ist, das ist er unter den Thieren." -7 Zur größeren Sicherheit. Nein, wie diese beiden Brüder Weichselhuber einander ähnlich sehen, das ist beinahe unglaublich ! Ich verwechsle sie immer. Sie kennen doch die Brüder Weichselhuber?" Gewiß; ich bin sogar mit einem von ihnen per Tu. Aber da ich sie auch nicht von einander unterscheiden kann, so duze ich der Sicherheit r;aü ber den andern auch."
