Indiana Tribüne, Volume 9, Number 243, Indianapolis, Marion County, 23 May 1886 — Page 5
AuS dem Leben eines Ning. kämpferS. Ein Berichterstatter des ,.B. B.C." erzählt : Am Tisch einer Weinstube am Dönhoffsplatz in Berlin, wo sich die Künstler des Reichshallen-Theaters häu sig zusammenfinden, hatte Doublier, einer der vier Ringkämpfer, Platz genommen, die allabendlich unter so großem Beifall auftreten. Auf den ersten Blick hatte dieser Mann mit dem gebrännten Gesicht und dem pechschwarzen Schnurrbart, in dem legeren, etwas schlottrig sitzenden Anuig, der seine herkulischen Formen nicht so hervortreten ließ, wie das Trikot, sehr wenig von einem Athleten an sich. Man würde es seiner schlichten, äußeren Erscheinung nach für unmöglich halten, daß er das ,ttraftkunststück zu Wege bringt, eine Tonne mit drei Männer auf seine Zähnezu heben. Doubier ist ein Südfranzose, der von frühester Kindheit an das Bohemeleben der wandernden Künstler geführt hat. Als wir mit ihm angestoßen hatten, wurde er zutraulicher, und schließlich lenkte die rothgrüne Nosettedes Med-schidje-Ordens, welche Doublier im Knopfloch trägt, das Gespräch auf den wiederholten Aufenthalt des Ring kämpfers in Konstantinopel. Doublier ist zweimal, das erste Mal im Jahre 1880, das zweite Mal 1833, der Gast des Sultans gewesen und zwar unter höchst eigenthümlichen Umständen. Doublier reiste mit seiner Frau, einer Kanonenkönizin. In Pera wurde das Paar verhaftet. Die Polizei hatte nän:lich die sehr schweren Gepäckstücke, welche ihren Verdacht erregten, geöffnet, und da man darin Bomben, Ranonentheile, Gewichtstücke und andere höchst gefährlich erscheinende Utensilien fand, so nah:n, man die Artisten, die man für nihilistische Missethäter hielt, einfach am Kragen. Doublier protcstirte und erklärte, daß er Athlet und Kingkämpfer sei und nur verlange, Beweise seiner Kunstfertigkeit geben zu dürfen. , Die Gelegenheit hierzu sollte ihm schneller geboten werden, als er es erhoff: hatte, und zwar vor keinem Geringeren als dem Sultan Abdul Hamid. Ein Wagen, in welchem auch Beamte der Polizei und des kaiserlichen Palastes Platz nahmen, führte Doublier nach Aildiz Kiosk. Erst als Doublier in einen Salon eintrat, in welchem sich ein kleiner, schwarzbärtiger Herr, umgeben von zahlreichen Türken in goldstrotzenden Uniformen, befand, wurde ihm bedeutet, daß er dem Sultan gegenüberstehe. Doublier führte zuerst eine Reihe von Kraftproductionen aus, die ihm allerdings durch das spiegelglatte Parquet des Saales sehr erschwert wurden. Der Sultan schien höchst befriedigt
und fragte den Franzosen, ob er es auf sich nehmen wolle, mit einigen Türken zu ringen. Doublier antwortete: Ich kenne zwar nur den Ringkampf a la francaise, bin aber bereit, mich auch im Ringkampf nach türkischer Manier zu versuchen." Es dürfte wenig bekannt N sein, daß der Sultan ein großer Liebhaber des Ringkampfes ist. In seinem ' Palast befinden sich beständig sechszehn Türken, so zu sagen die Leibringer des Sultans, die sich in einem besonderen Hofe auf Steinquadern täglich üben und von Zeit zu Zeit vor ihrem Gebieter produziren. Sie tragen die Haare kurz geschoren, ohne Kopsbedeckuna und sind nur mit einer Lederhose bekleidet, die von den Hüften bis zum Knie reicht. Den nackten Oberkörver reiben sie sich vor dem Kampfe mit Oel ein. Jeder der Ningcr verbraucht taglich zwei Liter Oel. Sie werden, da sie zu den Lieblingen des Sultans zahlen, im Palais nicht nur sehr gut verpflegt, sondern erhalten auch Jeder den beträchtlichen Monatsgehalt von sechshundert Francs. Außerdem werden ihnen, so oft sie vor dem Sultan gerungen haben, noch besondere Prämien in Höhe von dreißig bis vierzig Francs ausgezahlt. Monsieur Doublier trat nun also als Ringer in den Dienst des Sultans und verblieb sechs Monate im Palaste. In seinem Verkehr mit den türkischen Kollegen erging es ihm zuerst recht übel. Man brach ihm zwei Rippen, und noch heute hat Doublier insofern an den Folen dieser Verletzung zu leiden, als er beim Ringkampf nur den einen Arm ganz in die Höhe halten kann. Während sei nes Aufenthalts in Iildiz-Kiosk hat , r f r 1 c r- r. ouvlier aucy einmal vor oen cyonen des Harems gerungen. Dteser Nmg kämpf fand in einem mehrere Etagen hohen Hos-Quarree des Harems statt. Durch die vergitterten Fenster drangen bläuliche Zlgarettenwolkchen. Ale Ha remsdamen sind bekanntlich leidenschaft liche Raucherinnen. Die für Doublier völlig unsichtbaren Zuschauerinnen gaben übngens wahrend des Nmakampses wie derholt ihr Jnteresie kund, indem sie nach europaischer Vttte in die Handchen klatschten. Der Sultan war unten" im Hofe, von zahlreichen Eunuchen begleitet, er schienen, doch befand sich kein Pascha, kein Mann in seinem Gefolge. Der Medschidje-Orden wurde Doublier vom Sultan verliehen, als es ihm einmal gelungen war, einen der stärksten Türken, allerdings nur durch einen Zufall, zu werfen. Madame Doublier erhielt auch Eintritt in den Harem und erregte unter den verweichlichten Frauen durch ihre außerordentliche Kraft nicht geringe BeWunderung. Nach mehreren Jahren brachte eine merkwürdige Veranlassung abermals Doublier wieder mit Abdul Hamid in Berührung. In Pera herrschte im Mai des Jahres 1833 in gewinn Kreisen große Aufre gung. Doublier und der Grieche Pa nayi, ein wahrer Niese, standen sich ae genüber als ebenbürtige Gegner. Vor einem endgiltigen Entscheidungskampse schreckte Panayl zurück, denn dei griechi sche Pöbel hätte ihn im Fall des Unter, liegens erbarmungslos ermordet. Sogar die Zeitungen nahmen hitzig für oder gegen Doublier und Panayl Partei, und da diese merkwürdige Polemik sogar in Iildiz-Kiosk ein Echo gefunden hatte, so ordnete der Sultan die Vorführung der beiden Ringer an. An einem Sonnabend Morgen erschienen Doublier und Panavi im Palast vor dem Sultan, der zu dieser veparatvorueuung lernen ganzen Hossiaat eingeladen hatte. Die Rmger begannen mit Krastproduktionen, wobei sich
Doublier entschieden als der Gewandtere!
und Stärkere zeigte. Der nun folgende Ringkampf wurde von beiden Seiten mit äußerster Erbitterung und übermenschli cher Kraftanstrengung geführt und versetzte den Sultan in die höchste Aufregung. Einmal ließ sich Wider alle Regeln des Ringkampfes Panavi dazu hinreißen, seinen Gegner an der Gurgel zu packen, wofür er zur Ordnung gerufen wurde. Die beiden Ringer schienen sich in den muskelstrotzenden Armen zu er drücken, aber keiner konnte den geringsten Vortheil gewinnen, und schließlich mußte der Kampf resultatlos beendet werden die beiden Gegner waren einander gewachsen. Der Sultan ließ Doublier hundert türkische Pfund und Panayi fünfzig Pfund einhändigen. Allerdings hatte Panayi von diesem Ringkampfe größeren und dauernderen Nutzen. Besser mit den Konstantinopeler Gebräuchen vertraut als Doublier, hatte er sich vom Sultan als Konzession" das Recht, im Marmarameere zu fischen, erbeten und erhalten. Er verpachtete diese Konzession weiter, so daß er nunmehr bis an sein Lebensende eine jährliche Rente von ungefähr zehntausend Francs daraus bezieht." Schnellzüge nach Station , Ehejochs. Eine Plauderei von HanS Hrinrich Tchefiky. Leonie liebt ihren Eberhard, Eberhard betet seine Leonie an ; die beiden Menschen würden das glücklichste Paar der Welt, wenn nicht irgend ein Umstand, den wir der Phantasie M Dichters überlassen wollen, ihre eheliche Verbindung verhinderte. Was thut nun der findige Romanschriftsteller, der seinem Publikum gegenüber nicht anders kann, als für eine standesamtliche Vereinigung seiner Helden zu sorgen? Ganz einfach : er läßt Eberhard und Leonie die Koffer packen, eine Reise nach Helgoland oder England antreten, und dort wird ohne Weiteres unter Vermeidung . aller Schwierigkeiten die Trauung vollzogen. Doch nicht nur in Romanen wird das Schlußcapitel mancher interessantenLiebschaft auf diese Weise ausgefüllt und zu Ende geführt, sondern auch im realen Leben wird nur zu oft auf diesem Wege eine Heirath erzwungen, der sich aber in Deutschland oder anderswo berechtigte oder unberechtigte Hindernisse entgegenstellen. Der Leser hat sicherlich schon so oft von derartigen Schnellpost-Ehen" gehört, daß es ihn zu erfahren interessiren dürfte, in wie weit die oft durch kühne Märchen entstellten Berichte jener überseeischen Trauungen auf Wahrheit beruhen, unter welchen Bedingungen und Bräuchen diese Kopulirungen vollzogen werden. Man erwarte keine romantischen Schilderungen; eine kirchliche Trauung bei uns, ia selbst die Vermählung durch den Standesbeamten kann mehr Poesie ausweisen, als diese geschäftlichen Abmachungen-, von denen die Rede sein wird. Denn em Geschäft liegt diesen Verbindungen mehr oder weniger zu Grunde, und da zu jedem Geschäft Geld gehört, so dürfen die Liebenden, welche eine oerarttge Hocyzensreije antreten, nicht unterlassen, die nöthigen Banknoten mitzunehmen; sie werden sich überzeugen, daß sie dieselben wohl brauchen können. Früher war das in der schottischen Grafschaft Dumfries gelegene Dörfchen GretnaGrecn der beliebteste Wallfahrts ort aller He,ratyslustlgen, beionders jüngerer Pärchen, denen der Eonsens der Eltern fehlte. In (sretna-Green wurde die Trauung von einem Hufschmied vollzogen, dessen Person bald von einem ganzen Sagenkreis umgeben war. Bei einem fürchterlichen Unwetter, welches die Königin auf der Jagd überraschte, soll sie vor dem niederströmenden Regen in der Schmiede des Mannes Schutz ge funden und in der Unterhaltung mit ihm durch seine Schlagfertigkeit, seinen Witz und seine Klugheit so überrascht worden sein, daß sie ihm als Belohnung das Privilegium verlieb, jedes Paar, wel ches sich unter sein Dach aeflücbtet. auf Wunsch ohne Weiteres mit gesetzlicher Giltigkeit zusammenzugeben. Die Rlch, tigkeit dieser Sage bleibe dahingestellt, ebenfalls steht es fest, daß in ausgie--bigster Weise von diesem Privilegium Gebrauch gemacht wurde und der Hufschmled mit der Zeit emen hohen Wohlstand erlangte. Entkleiden wir die Sache ihres romantischen Ausputzes, so bleibt die Thatsache, daß der Schmied Frie densrichter m Gretna-Green war und somit jede Vermählung ohne Weiteres bewerkltelllgen konnte, da in Schottland die Erlaubniß der Eltern vor dem Gesetz Nicht nothwendig ist, selbst bei unmün diaen. Anders verhalt es sich m diesem Punkt auf dem Felseneiland Helgoland. Hier ereignet es sich fast allwöchentlich, daß ein Liebespaar die Insel verlassen muß. ohne seinen Zweck erreicht zu haben. In Bezug aus Helgoland herrscht namucy der verbreitete Irrthum, daß die Trauung nach dem englischen Gesetz vollzogen wird : dies ist aber nicht der Fall, ob wohl die Engländer Herren der Insel sind: die Trauung erfolgt iedoch nach ..dänischem Kirchenritus" und dieser macht es den Heirathskandidaten nicht gnnz so leicht, als mangewöhnlich anzu nehmen geneigt ist. Während in England das einundzwanzigste Jahr für die Mündigkeit zur Eheschlietzunz festgesetzt ist, wird auf Helgoland bis zum fünfundzwanzigsten Lebensjahr des Mannes ein Erlaubnißschein des Vaters, beziehungsweise Vormundes gefordert. Das Alter der Braut wird Nicht in Betracht gezo. gen. Die eben erwähnte Bestimmung ist aber in vielen Fällen ein nicht aus dem Wege zu schaffendes Hemmniß, da nur ni oft der Bräutigam die ertorderli chen Fünfundzwanzig" noch nicht erreicht hat ! Was aber versucht die Liebe nicht, wenn es gilt, das ersehnte Ziel zu erreichen? Ein Fall, welcher vor zwei Jahren auf Helgoland sich ereignete und C (T-- Tj 1 l. C i r rt C... oenen lauoivuroigiei! uoer auem qioh sei steht, da er mir von dem Geistlichen selbst berichtet wurde, mag als Beweis t . . ri T. f ' geilen, wie tmi es oen Helratysiuuigen um die' Sache ist, derentwegen sie den aus dem -ivceere ragenden Felsen üusge sucht haben.
Eines Tages trifft ein junger Mann aus Hamburg nebst Braut auf Helgo land ein, begiebt sich zum Pfarrer und'
ersucht ihn um möglichst schnelle Trauung. Wie alt sind Sie, mein Herr ?" Vierundzwanzig Jahre." Bedaure, dann darf ich die Eeremo nie ohne Einwilligung Ihres Herrn Papa nicht vornehmen." Aber ich bitte Sie, ich " Thut mir sehr leid, Sie müssen noch ein Jahr warten." Durch diesen unwillkommenen Bescheid niedergeschmettert, kehrt Eduard zu seiner Kunigunde zurück. Verzweiflung Thränen Klagen, endlich ruhigere Ueberlegung ein Kampf ein Entschluß neue Hoffnung ! Der junge Mann besucht den Geistlichen zum zweiten Male, er theilt ihm mit, daß er sich noch acht Tage auf der Insel aufzuhalten gedenke. alsdann findet Papas Geburtstag statt, er hoffe mit Bestimmtheit, an diesem Tage durchweine Bitte das väterliche Herz zu rühren und auf telegraphischem Wege die ersehnte Einwilligung zu erhalten. Und wirklich, an dem bestimmten Tage brachte er eme Depeiche, welche die frommen Segenswünsche des Vaters enthielt. Der Vermählung stand nun Nichts mehr im Wege, sie wurde vollzogen und das junge Ehepaar trat sofort die Rückreise an. Wenige Wochen später erhält der Geistliche einen Brief aus Hamburg, der von Vorwürfen, Drohungen und Beschwerden strotzt. Sie haben meinen Sohn getraut. obwohl er noch 'nicht das nothwendige Alter erreicht hat, ich werde Sie zur Verantwortung ziehen u. s. w." vlnn stellte es sich natürlich heraus. daß das Telegramm gefälscht, das heißt von einem Freunde des nunmehrigen Ehemannes auf Bestellung" abgesandt war. Der Vater wellte den Sohn nicht vor Gericht bringen, er machte schließlich gute Mlene zu dem bösen Spiel und gab seinen Segen postnumerando! irrn anderes Beispiel, welches dafür spricht, daß nicht immer, selbst wenn sonst alle Bedingungen erfüllt sind, die Trauung ohne Weiteres vollzogen wird. Der Geistliche wurde vor etwa emem Jahre von einem Paar aufgesucht, welches, von dem Vater der Braut begleitet, sich sogar zwei Freunde des Mannes als Trauzeugen mitgebracht hatte. Nach emer langen Unterredung verließ die Gesellschaft das Pfarrhaus und miethete ein Fischerboot, um sofort nach Eurhaven zurückzukehren. Was lag vor? Die Dame, die sich mit ihrem Begleiter trauen lassen wollte, war die geschiedene Frau, eines steinreichen, doch notorisch dem Trunke ergebenen Mannes. Da sie ihren Gatten haßte, erhörte sie einen Anderen, und dies wurde Scheidungsgründ. Ihrer lästigen Fessel ledig, wollte sie sofort dem Anderen" die Hand zum ewigen Bunde reichen, aber da kam das Gesetz nnd schob einen Nie gel vor. Eme geschiedene rau, die durch emen Fehltritt zu der gerichtlichen Trennung der Ehe Anlaß gegeben, darf unter sei ner Bedingung den Mann, der in gewissem Sinne ihr Mitschuldiger ist, ehelieben." Auch auf Helgoland, wo das Paar mit Bestimmtheit ein anderes Gesetz erhonte, war, wie wir seyen, seme Vermählung eine Unmöglichkeit. Der usattt oer Braut vegmg ooenorem die Taktlosigkeit, durch einige Tausendmarkicheme eme günstige Wendung der Angelegenheit erzwingen zu wollen, prallte aber an der Unbestechlichkeit des Geistlichen ab. Das Paar soll später in New Fork verbunden worden sein. Glück zu dem Frieden, den die Mlen stif.en !" Abgesehen von Vorfallen dieser Art haben Viele, sehr Viele sich ihr Glück aus der llemen Insel gesichert, und wenn es uns gestattet wäre, einen neugierigen Blick in das Kirchenbuch zu werfen, wir würden manchen bekannten Flamen aus höchsten reisen, wie aus der KünstlerWelt, der haute finance, wie dem Gelehrtenstande, in den Rechen der Glück liehen" entdecken. Die Trauung, welche nach Prüfung der Papiere seitens des Gouvernementssekretärs in der. kleinen alten Helgolander Kirche stattfindet, kostet verhältnibmäßig ziemlich viel Geld, überhaupt bringen die Kopulationen den biedern Insulanern, welche vorzüglich zu rechnen verstehen, einen ganz hübschen Schilling. Wer Helgoland während der aison besucht hat, weiß, daß dieser Felsen ein theures Pflaster hat; nun denke man sich, wie die Fremdlinge ..hochgeschätzt" werden, welche außer der Saison an dieses Gestade verschlagen werden. Die wollen heirathen dann können sie auch zahlen !" Sehr richtig ! denn es können sich wirklich nur reiche eute diesen Heiraths sport erlauben. Ganz anders verhält es sich mit den Eheschließungen in England. Hier geht es schnell, glatt und ohne iedes Hinder niß. ES ist gewiß für Manchen eine überraschende Thatsache, daß Sarah Bernhardt ihre Vermählung mit Damala zwei. Stunden, nachdem sie dieselbe be schlössen, in London durcksebte. Und das ganz einfach, ohne jeden Kniff, auf ganz gesetzmäßige Art. Es steht Jedem frei, es ebenso zu machen. Der Weg ist folgender : das betreffende Paar begiebt sich in Begleitung eines Zeugen (für r t nn - x r. zeyn cyiumge oyne cuye zu oeiom men) nach dem Büreau der höchsten Be Horde in Heirathsangelegenheiten, unserem Standesamt ziemlich vergleichbar. Hier macht es seine Angaben, ohne jedoch auch nur emes Dokumentes zu be dürfen, beschwört seine Aussagen, von denen besonders ein Punkt hervorgeho ben wird, nämlich, daß keiner der beiden Theile schon gebunden ist, eventuell also sich des Verbrechens der Bigamie schul dig macht, und löst für etwa drei Pfund eme pecial Iicense, d. y. einen Er laubnißschein, vermöge dessen jeder Pfarrer in London anaewiesen ist, bis zwölf Uhr Mittags auf Verlangen sofort die kirchliche Trauung zu vollziehen. Eine nach zwölf Uhr geschehene Ver mählung ist in England ungiltig. Die Ceremonie m der Kirche ist kurz und em fach; Kirchendiener und Kirchenfrau werden mr Notb als Trauieuaen anaenommen, der Geistliche wirst schnell den
Talar über, das Paar kniet vor dem Al tar, die Braut, welche keine Handschuhe tragen darf empfängt den Ring ; ein kurzes Gebet, und die Liebenden sind vereinigt, aleickviel m welcher Neliaion sie
zählen oder ob ihre Angehörigen für oder gegen die Verbindung sind, vlnn erfolgt Eintragung in das Kirchenbuch und Ausbändiauna des mit einer Stemvelmarke versebenen Trauscheines an die Braut, der gleichsam Quittung über ihre Rechte gegeben wird. Es ist kaum m glauben, wie aroö die itabl derer ist, die alljährlich aus aller Herren Länder nach London zusammenr, e c .r. nr w... siromen, um aus vlesezeiie m oen ersebnten Äafen der Ehe eimulaufen. Die Heirathslust ist ich muß es zur Freude aller noch ledigen Damen feststellen, eine sehr rege,und das ist ja ganz hübsch und anerkennenswerth, nur wäre zu wünschen,daß derartige excentrische Ausflüae tbunlichst vermieden werden, denn nicht immer führt der gar zu schnelle Lauf sicher und gut an das Ziel. Das Aufgebot, welches in Deutschland der slanoesamliichen Trauung vorangeyt,tat feirm wohlbegründeten Zweck ; wenigstens ist es verzeihen Sie, meine Damen, das harte Wort eine kurze, aber r rr r ri angeneyme aigenslin : Ein Besuch bei Pasteur. Einen überaus interessanten Artikel über einen Besuch bei Louis Pasteur aus der Feder ihres Pariser Correspondenten Wilhelm Singer publicirt die Wiener ,yceue Freie Presse." Wir entnehmen hm das Folgende: Ein mittelgroßer, gedrungener Mann, auf deffen breiten Schultern ein rundsicher Kopf ruht, so repräsentirt sich der Akademiker Louis Pasteur. Aus seinem Gesichte würde selbst Lavater keine großen Schlöffe gezogen haben. Pasteur ragt leme Gelehrtenmaske. Er hat nichts Pedantisches, Profefforenhaftes an sich, weder langes, aus den vladtn fal endes Haar, noch eme tief gefurchte Stirn, noch einen zusammengekniffenen Mund, noch eine gewiffe didaktische Breite im ganzen Gehaben. Er pontisinn auch nicht, (beglicht tritt er aus, ohne den Willen, sich von den Anderen zu unterscheiden. Der kurze, graue, sein Gesicht umrahmende Bart, sein fahler Teint, die durch ein Binocle geschirmten. blaugrauen Augen bieten leine aufmerksam machende Auffälligkeit. Wer ihn nicht persönlich kennt, würde ihn für emen Mann von gut bürgerlicher Beschästigung halten, etwa für einen GutsVerwalter, der an rege Thätigkeit gewöhnt ist und immer an etwas zu denken, etwas anzuordnen hat. Blos daß er manchmal aunahrt, als ob er sich plötzlich an irgend einen Gegenstand er' mnerte. Ob er ein wenig hinkt, haben wir uns fragen müssen, als wir ihn wiederholt mit ungleichem Schritt gehen sahen. Wie groß aber wachst seine Persönlichkeit, wenn er spricht! Die tiefe, von gutmüthiger Ruhe durchtränkte Stimme geht unendlich angenehm in's Ohr. Die Sprechweise, etwas gedehnt, ist rund und präcis. Kein Wort zu viel, kein Wort zu wenig. Niemals ein Haschen und uchen nach Ueberraschung und Effecten. Keine Spur von rednerischer Phrase. Klar und bezeichnend kommt der Ausdruck aus dem Munde ; je einfacher und schlichter, desto vertrauenerweckender. Dem Comite kam die Nachricht vom Tode der Russen nicht überraschend. chon lange ist es her, daß Pasteur ihrethalben die ernstesten Besorgnisse hegte und aussprach. Die Wunden wollten nicht heilen. Und dann kamen die Leidenden zu spät an ; das Gift hatte schon zu weite Fortschritte gemacht. Da mals fragte einer der Akademiker : Wäre es denn nicht klüger, diese Ihre Besorgnisse zu veröffentlichen? Wenn der Tod wirklich einträte, würde man darauf vorbereitet worden sein, und das Mißtrauen konnte Nicht auskommen! Pasteur wünschte aber die Berossentll chung nicht. Er wollte die anderen Kranken nicht entmuthigen. . Ohnedies waren ste stets in emer zerknirschten und frömmelnden Stimmung. Und dann verließ er sich aus das entscheidende Ur theil der wissenschaftlichen Welt. Sie wissen," sagte er, was ich fur ein schuch terner Mann gewesen, ehe ich meiner Sache sicher war ; wie sehr ich ieden Cm Wurf, jede Bemerkung, jede Beobachtung ausnahm und pruste, vcun ist es aber anders. Jetzt habe ich' volles, absolutes Vertrauen in meine Methode. Bezüglich derHundevisse bin ich ganz sicher. Bon 100 durch wuthende Hunde gebissenen Personen sterben sonst im günstigsten Falle sechszehn ; wenn es schlimmer geht, mehr als vierzig. Mir ist von weit mehr als siebenhundert von Hunden gebissenen Personen blos eine gestorben, ein Kmd, dessen Schädel förmlich durchlöchert war. Am Znde kann die Mediän ,a Nicht all? Fälle heilen. Genug, wenn durch mein Verfahren eine so groe Zahl von Opfern dem untergange entrissen woroen. rum lasse ich Mich nicht mehr emschuch tern von den Feinden jeder Impfung und den Anti-Vivisectionisten. Weiterhin wollen wir arbeiten, beobachten, forschen. auf dem gewonnenen Boden wetterarbei ten. Die Menge wird mit der Zeit auch überzeugt sein müssen." Glauben Sie nicht, Herr Pasteur, daß es gut wäre. Ihre Gegner von Zeit zu Zeit öffentlich zu widerlegen V Daraus gab er folgende. ihn völlig charaktensirende Antwort: Ich begreife nicht den Uebereifer meiner Gegnerschaft. Was will ich denn Ande res, als eine wissenschaftliche Wahrheit feststellen ? Begreifen Sie, daß Jemand, der selbst zur Wissenschaft gehört, mich daran hindern möchte?" Ob er nun Recht hat mit seine? Methode oder nicht, wie könnte ein Laie das entscheiden? So viel ist gewiß, daß, wer ihn vernimmt, ein Bekehrter ist, Vertrauen zu ihm faßt. Seine hiesigen Fachgenossen und berühmte Aerzte gehen weiter. Sie' sind für ihn voll von aufrichtiger Bewunderung! Bald durch geräumige Avenuen rollt der Fiaker, bald holpert er durch steil an steigende schmale Gassen des Quartier Latin. Vor einem Gitter, in der Nue d'Ulm, einer nichtssagenden Straße in der Nähe des Pantheon, machte er Halt. Da ist das Laboratorium Louis Pasteurs. Sich gegenüber sieht man ein Zschmucklo-
ses Gebäude mit großen Fenstern und
abseits eine Art Pavillon, für deffen Errichtung der Architekt wahrhaftig nicht viel Genie aufgewendet hat. Im Vorgarten vor diesem Pavillon warten die Hilfesuchenden. Die Phantasie hat sich einen Haufen Unglücklicher, Klagender, Schreiender und Tobender vorgestellt, Schreckbilder aus Dante's Hölle, aus der Höhle des Trophonius, welche den für ewig traurig machte, der sie t betreten. Die Herzbeklemmung beim Eintritt weicht aber fast einer angenehmen Ueberraschung über den Anblick des friedlichen Durcheinanders von Vertretern aller Nationalitäten dieser Erde. Wie Leiden doch verträglich machen ! Die scheinen Alle zu einer großen Familie zu gehören. Da hält eine Mutter ihr pausbackiges Mädchen im Arm. Das Kind sieht jeden Neuankommenden mit großen, erstaunten Augen an und regrüßt Manchen plötzlich, wer weiß warum, mit einem hinreißend freundlichen Lächeln. Daneben sucht em spanischer Postilloli sich mehr durch Zeichen als durch Worte mit einem superben,Jtaliener zu unterv v, t y m m r yauen, oer aucy yier olePoze nicyl lassen kann, die er sich von vielem Modellstehen angewöhnt. Bauern und Soldaten verkürzen einander, so gut sie können, die Zeit, und Jungen spielen mit Glas kugeln, wahrend em kleines Mädchen emen Kogel zu erhäschen sucht, ,smd diese auch Patienten V Ja. Es sind Leute, deren Wunden bereits vernarbt, und die bald das Heilverfahren durchgemacht haben werden." Im Vorsaale zu Pasteur's Cabinet, da sieht es freilich schon mmder heuer aus. Hier stehen m den Winkeln stumm und in sich gekehrt die Besorgten und Furchtsamen. Da sitzen aus den Banken rmgsherum die Verwundeten mit Schwären und Pflastern im Gesicht und am Halse, mit verbundenen Händen und eingewickelten Beinen. Wie ein Trupp Schafe bei Gewitter, so schaaren sich die Kranken eines und desselben Landes zu einander. Am leidendsten sehen die von denWölfcn gebissenen bärtigen Russen aus, Bilder duldender Unterwürsigkeit.. Alle Sprachen erklingen in dem von dem scharfen Gerüche chemischer Reagentier durchzögenen Raum, den geschäftige Aerzte und Laboranten in raschem Schritte durchmessen. Als wir der Impfung beiwohnten. War der erste der Aufgerufenen ein aufrechter, blitzäugiger, brauner, spanischer Bursche, der laut grußend eintrat und vor Allem über seine Wohnung und seme Verpflegung zu sprechen begann. Nachdem diese Frage zu seiner Zufriedenr i rn , ...itiif.i. : I yeil aeivsl war, enivivpre er em wenig den Korper am Gürtel. Professor Grancher führt die seme Spitze des klemen Instruments in die Haut em ein Druck, und die Operation ist vorüber ; sie dauerte kaum emige Secunden. Unter graziösen Complimenten entfernt sich der Spanier, um einem großen, 'blonden Nordfranzosen Platz zu machen, der schweigend an den Doctor herantritt, stumm seine Impfung empfängt und sich, ohne ein - Wort zu sprechen, entfernt. Ihm folgt demüthig ein-Nuffe, begleitet von einem russischen Arzte, und so geht es in rascher Folge weiter. Selten dauert eine Impfung länger als zehn Secunden. Interessant ist, die Gesichter der Patienten während des Empfanges und der Impfung zu studiren. Der Eine blickt die Anwesenden fragend und forschend an, als wollte er ergründen, ob sein Zustand nicht bei ihnen mitleidige Besorgniß errege ; der Andere zeigt eine Befriedigung, als bekäme er einen kostbaren Schatz und nicht ein Bischen Gift aus dem War! eines toll gewordenen Thieres. Ein Dritter hält wie auf dem Sprunge den entblößten Theil seines Körpers dem Doktor entgegen, auf dem Gesichte malt sich der Wunsch, nur möglichst rasch wieder hinaus zu können. Nur Wenige zucken unmerklich zusammen, wenn Professor Grancher die Spritze einführt. Für die halbwüchsigen Jungen scheint es geradeu ein Vergnügen zu sein. Stolz gehen sie vor Pasteur vorbei, als hätten sie, und nicht er, das Heilverfahren erfunden. Schlimmer geht es nur mit den kleinen Kindern. Sie weinen schon, sobald sie ins Zimmer treten. Und da sieht man den alten Pasteur die liebevollsten Künste für ihre Begütigung aufwenden. Ein Pariser Arbeiter bringt sein Töchterchen. An der Thürschwelle drängt er : Sag's, sag's, sag' es schön!" . Mit weinerli chem Gesichtchen stammelt die Kleine : .jour M'ssieu." Bon jour, chene", entgegnet Pasteur hätschelnd und greift nach einer Silbermünze. Da schau', mein Kind !" Die Thränen hindern die Kleine nicht, ihr Hand chen nach der Münze auszustrecken. Oh, nicht so! Du mußt mir erst versprechen. nicht zu weinen. Da kannst Du Dir viel Bonbons kaufen. Für einen Augenblick ist das Kind ae tröstet. Kaum aber wird es zu Professor Grancher gebracht, beginnt es laut zu schreien. Pasteur lauft herber und strer chelt und beruhigt eine Mutter kann nicht gütiger sein! Ein Bauer in blauem Kittel bringt seinen Jungen, der im Borsaale laut geschrieen. Der kleine Bengel zappelt und heult, als ihm der Professor dieSpntze einfuhrt. Nach der Operation trägt der Bauer seine junge lärmende Bmt im Arme wie ein Schafchen davon, im Hofe nimmt er ihm ver gnügt die Silbermünze ab, die Pasteur dem Kinde in die Hand gedrückt. Ein kleines, spanisches Bübchen. Seine Eltern sprechen ihm unter un zähligen Gesten Muth zu, zeigen gegen den Himmel und schlagen dabei die Au gen auf, wie die Heiligen auf den Bil dern von Murillo und Ribeira. Das Bübchen aber scheint in diesem Falle zum Himmel nur ein mäßiges Vertrauen zu besitzen. Denn es stößt einen Schrei aus, so heftig, als wäre ihm wirklich etwas Schmerzliches geschehen. Ihm f v , m r r soigl cm Itammiges uriqqen aus oer Viormandie. Das tritt zwar muthig vor, fängt aber auch zu weinen an, als der Professor nur die kleme Spritze zeigt. Vovoris", begütigt Pasteur, toi qiri est si courageux!" Ein eleganter Pariser dankt mit vornehmem Compli ment für die Operation und ; giebt den Arm einer kleinen Französin aus der besten Gesellschaft.
Professor Grancher empfängt sie mit liebenswürdigem Lächeln. Grazibs und als ob es sich eine Eetillonsigur han delte, beginnt sie eine Pof? anzunehmen. Da ruft Pasteur in scherzendem Tone: Die anwesenden Herren werden ersucht, draußen im Hofe die wunderbare Baumreihe anzusehen." Alles wendet sich um, bis auf die Frauen. Thut es weh, Madame ?" fragt ein fremder Arzt. Gar nicht." Haben Sie nachher eine unangenehme Empfindung ?" Bis jetzt war es nicht unangenehm." Entzündet sich, wie bei den Blattern-Jmpfungen, die Impfstelle?" Bis jetzt merke ich nicht viel." Nur in den letzten Ta gen," fügt Pasteur hinzu, bildet sich eine rothe, übrigens bald verschwindende
und keine Schmerzen verursachende Au reole um die Impfstelle. Das ist das Ganze, was man auszustehen hat." Eine französische Ostergeschichte. Das Pariser Petit Journal" bringt als Unterhaltungsgabe zum Osterfeste eine Geschichte, deren kurze Jnhaltsangäbe wir unseren Lasern nicht vorenthalten wollen. Der Erzähler befindet sich in Algier. Während er bei einer Tasse Mokka auf das verworrene Treiben der Straße blickt, zieht heiße Sehnsucht nach dem schönen Frankreich durch sein Herz. Ein herkulisch gebauter Neger tritt herein und thut allerlei, wodurch er die allgeme'n? Aufmerksamkeit erregt; unter Anderem gießt er von sämmtlichen Likören, die zu haben sind, je ein Glas in ein Gefäß und trinkt die Mischung fröhlich hinunter. Ein alter Oberst rühmt die Heldenthaten dieses selisamen Negers, der im Jahre 1.870 Turko gewesen und sich jetzt noch darin gefällt, täglich eine andere französische Uniform zu tragen. Es fallen Andettiungen von einer glorreichen und verdienstvollen That, um derenwillen der Oberst dem alten Turko mancherlei Anerbietungen macht, z. B. ihm ein Geschäft einzurichten. Dieser aber hat bisher Alles zurückgewiesen und nimmt nur die tägliche Spende der Li-kör-Mischung an. üllö der Oberst sich entfernt hat, erzählt endlich der Neger fein großes Verdienst. Es war bei Weißenburg. Die tapferen und unbesiegten Turkos halten mit dem Gewehrkolben Tausende von Preußen hingemäht. Endlich singen sie auch an zu bluten, denn die Uebermacht war zu ungeheuerlich. Gegen Abend rückten die Preußen vor, um die verwundeten und wehrlosen Turkos vollends abzuschlachten. Da nimmt der Tapfere sei nen Hauptmann auf die Schulter, fest entschlossen, ihn diesemrüilichen Schicksal zu entreißen. Plötzlich fühlt er einen Säbelhieb im rechten Fuß, stürzt zu Boden und erblickt einen preußischen Haupt.ii .. rw 7 . " ileuienani" mit vionoem Van. iiuälicherweise ist dies kein Wütherich (e spricht sogar französisch ohne jeden Accent, wie ausdrücklich hervorgehoben wird), schlachtet also die Wehrlosen nicht ab, sondern nimmt sie nur aefanaen. Aber mit Entrüstung ruft der edle Turko dem nordischen Barbaren zu: Ich kennte mich nicht vertheidigen !" Sein Zorn wird noch vermehrt, als er sieht, wie der feige Preuße sich freut, den ttesigen Feind mit so leichter Mühe gefällt zu haben. Er schwört ihm furchtbare Rache. Nach dem Kriege wird der TurkoThierbändiger und durchreist als solcher das südliche Frankreich. In Marseille betritt ein Fremder zu einer Zeit, als leine Vorstellung stattfindet, die Menagerie. )ver ylervanoiger wuat m ya : Der feige Preuße von Weißenburg ! Mit der ganzen Wuth eines afrikanischen Wilden stürzt er sich auf ihn, zerschmet- .. r v .J ' rerr lym vle öiinnoaaen, um iyn am Hilferufen zu hindern und zerschlägt ihm dann Glied für Glied. Der unvermeidllche Btutgeruch regt ihn und die Bestien im Käsig noch furchtbarer aus er wirft den Preußen, der noch Lebenszeichen ti. ' st- , e...e gicct, in ven vweniasig, vie z-oiven Tiq sen den Berrüther auf und Weißen burg ist geracht ! Mit emer Elgarette im Munde sieht der Turko lächelnd zu, wie Stuck für Stuck seines Feindes ver schwindet. Unbehelligt reist sodann der Edle nach Algier, sindet den geretteten Eapitän als Oberst wieder, sonnt sich in der Bewunderung seiner Kameraden, läßt sich die tägliche Liqueurspende gut schmecken und erfüllt schließlich den Er zähler des Petit 'Journal" mit ehr furchtsvollem Staunen über die Größe r ' m jemes Palri0!lsmus. . Polizeiliche Willkühr.. Die Leipziger Bürgerzeitung" brachte folgende wahrheitsgetreue Geschichte zum Abdruck, wofür der betreffende Nedac teur zu400M. Geldstrafe und den Kosten, ev. zu 40 Tagen Hast verurtheilt wurde : Frau nennen wn sie Müller de ren Mann in einem auswärtigen großeren Etablissement, wenn auch nicht gerade lucrative, so doch lohnende Arbeit gefunden hat, ist unterdeß auch nicht etwa "i t - er . . fr r j. . j zu jauic mupig ; )ie vermp; na? niqr auf die kleine Summe, die ihr Mann wöchentlich zur Bestreitung des Haus Halts schickt, sondern legt selbst fleißig mit Hand an, den Verdienst zu vergrö ßern. Wie es aber so geht, bald langt es doch einmal nicht recht zu und so sieht sie sich denn aenöivigt, den schonen neuen Mantel, den ihr der liebende Gatte erst vor wenigen Wochen gekauft, zumPfandleiher zu tragen, honend, daß sie ihn bei der nächsten Geldsendung des fernen Ernährers wieder einlösen könne. O, hätte ste geahnt, was ste sich damit sur eme böse Suppe eingebrockt hatte, sie Ware lieber diesen Abend hungrig zu Bett gegangen, obgleich sie sich schon angegrifsen fühlte und für den nächsten Tag ernsteres Unwohlsein befürchtete. Gegen sieben Uhr mochte es sein am nächsten Molgen, da klingelte es an der Saalthür der genannten Frau und das , Töchterchen, welches geöffnet hatte, kam bald mit dem Bescheid zurück : Es ist ein Mann da, Mama, der will dich sofort mitnehmen." Um Gottes Willen, was soll denn das heißen?" rief die Frau entsetzt, indem sie trotz ihres Uebelbesindens aus dem Bett sprang und nach den Kleidern haschte; laß ihn nur nicht her ein," setzte sie hinzu, als sie polternde Schritte unmittelbar vor der Thür hörte.
Aber zu spät ; schrn trat ein Mann breitspurig in's Zimmer und ran;te die nur aufs dürftigste bekleidete Krau an: Sind Sie Frau Müller? Sie muffen ' sofort mit mir nach dem Naschmarkt. Ich bin Polizeibeamter." Die Worte schallten so laut, daß sie durch diz offen gelassenen Thüre an die Ohren der draußen schon neugierig die Köpfe zusammenstekkenden Nachbarn drangen. Frau Müller nun wandte ein, daß sie sich keiner Schuld bewußt sei, daß sie sich krank fühle, daß sie ihre Kinder zur Schule ankleiden und ihnen Kaffee kochen müffe, daß sie selbst erst etwas genießen müsse, um nicht unterwegs zusammenzubrechen. Nichts half, auf nichts ließ sich der Beamte ein. Nach schneller, oberflächlicher Ordnung des Anzuges mußte ' die Frau das Logis und die Kinder stehen lassen, wie ein jedes gerade war, und an der Seite des unliebsamen Begleiters zum Naschmarkt wandern. Dort empsing man sie nur noch ein wenig unzarter, als sie bisher behandelt worden war ; das war der ganze Unterschied. ,Lo haben Sie diesen Mantel gestohlen, den Sie gestern bei . velsetzt haben V Den habe ich nicht gestohlen ; den bat mir
mein Mann gekauft." Ihr Mann ? Sie leben ja getrennt von Ihrem Mann." Mein Mann arbeitet nur auswärts ; er hat ihn für m Mark bei p. & W. gekauft." Für 20 Mark ? Das machen Sie uns nicht weiß ; der kostet ja viel mehr. Also jetzt rasch heraus damit und lügen Sie nicht ferner so Halsstarng." ,,ch kann nichts weiter sagen, als ich Jhn?n schon gesagt." In dieser Weise ging das Verhör noch eine Weile fort, während deffen man die arme -Frau entsetzlich quälte, sie wie eine überführte Diebin behandelte, sie einmal über das andere Lügnerin schalt und sie hungern und frieren 'ließ, obgleich sie mehr als einmal einer Ohnmacht nahe war. Als man es endlich aufgeben mußte, aus ihr em Gestandnlß herauszuprefien, wurde sie wir erzählen kein Märchen ' in ein enges Gelaß mit einem Dutzend zerlumpter Kerls, die man über Nacht aus der traße ausgelesen hatte, zusammengesperrt. Sie, die einzige Frau unter einer Rotte verkommener Individuen; und doch merkte sie bald, daß sie sich dort noch verhältnißmäßi wohl fühlen könnte, denn von den jetzigen Stubengenoffen wurde sie wenigstens nicht verhöhnt, wie bei dem vorhergegangenen Warten im Corridor durch den arretirenden Beamten, der frohlockend seinen College die Hei denthat erzählte, sie aus dem Bette geholt zu haben. Nach Verlauf einer weiteren Stunde ertönte das barsche Wort in die Gefangenenstube : Müller! Herauskommen ! Marsch, da hinein !" Und nun wurde sie abermals scharf ver hört und dabei in der rücksichtslosesten Weise behandelt. Endlich nach mehr als 4 Stunden der Qual, wurde sie von zwei Beamten, von denen einer das corpus delicti, den Mantel, trug, und der andere sie instruirte, daß sie jetzt das Maul halten müffe und keinen Mucks thun dürfe, hinunter geführt auf die Straße und zum Gaudium der Vorübergehenden nach dem Geschäfte eseortirt, das sie als Kaufstelle angegeben hatte. Dort angelangt, blieb sie unter der Bewachung des einen Schutzmannes'' in der Thür zurück, der andere unterhandelte mit dem Inhaber des Ladens. Bald kehrte er mit merkwürdig verlängertem Gesicht zurück. Jetzt war sie auf einmal Frau Müller und jetzt begegnete man ihr auch auf dem Polizeiamte, nach welchem sie zurücktransvortirt wurde, mit demjenigen Grade von Höflichkeit, dessen Polizeibeamte überhaupt fähig sind. Noch ein paar Minuten, und sie war entlaffen und durfte frei nach Hause gehen, denn es hatte sich herausgestellt, daß der Mantel ihr wohlerworbenes Eigenthum war. Und was nun ? Eine Sühne, eine Genugthuung ? Gott bewahre. Die Polizei hat sich eben geirrt gehabt ; daß dabei eine anständige Frau in der schauderhastesten Weise malträtirt worden ist, daß ihr Gemüth zerfleischt,' ihr Schamgefühl mit Füßen getreten worden ist, das hat Alles nichts zu bedeuten. Obstbaumzucht in Versen. Man schreibt aus Bern: In Betreff der Förderung der Obstbaumzucht sind die Direktion des Innern und die Oekonomische Gesellschaft des Cantons Bern auf einen originellen Gedanken gekom men. Sie ließen nämlich auf Karton die zwölf Grundregeln des Obstbaues in leicht einzuprägenden Reimen drucken, so daß sich das Setze, das Beschneiden, das Putzen, kurz die ganze Pflege des Baumes nach den schönsten Versen voll zieht. An alle Wirthschaften des Kantons wurden die Kartons versandt und man fand die poetischen Lehren so vortrefflich, daß auch von auswärts Bestellungen erfohten. Von den Strophen hier einige Proben. Für das ' Setzen des Baumes ist folgend Anweisung gegeben : Die Grvoe mache metertief. Den Stamm darin nicht halte schief! Die Rasenstücke kommen unten. Den Stamm nicht allzufest gebunden. So senket er sich mit dem Boden ; Und, daß ihm nicht zu trocken werde. Mach' schüsselförmig rings die Erde ! . . Jedes Spätjahr streiche dann Die Bäume auch mit Kalkmilch an ; Das macht eine glatte Rinde, Ungeziefer tilgt's geschwinde. . Hast du einen alten Baum, Der hervorbringt Früchte kaum. Doch von wohl bewährter Sorte : Laß ihn steh'n an seinem Orte ! Doch diejlangen Aeste stutze. Krumme, sterbende wegputze ; So verjüngt wird Kraft ihm bleiben. Daß er noch mag Früchte treiben ! Und am Schluß, nach all' den ertheil :en iegem, yeißr es : Folgst du, Freund, nun diesen Winken So wird Segen viel dir blinken ; Wird der Bäume Werth sich zeigen, Wenn sie, früchteschwer, sich neigen, rvK. l f .
icy erfreu n mit wper iiot, ; Laben such mit autem Most.
Dir bringt's großen.Nutzen ein. Andern wirft ein Vorbild sein.
