Indiana Tribüne, Volume 9, Number 243, Indianapolis, Marion County, 23 May 1886 — Page 2

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rVmi VfiVJ, VliVUHV. Novelle von Karl Wsrtendurg. (4. Fortsetzung und Schluß.) s T Und nun, meine Herren." scl'lok grani, uns oic ande zum Abschied cntgegenstreckcnd, wissen Sie, wem Sie morgen einen letzten Dienst erweisen. Das Sprechen bat mich angegriffen, ich bedarf jetzt der iHnhe. Aber es ist mir wohl uin's Herz. Wenn ich morgen falle wrtnnan mich Verunglimpfen sollte, so wissen Sie wer ich war und werden nicht dulden dar. man den Namen eines Mannes beschimpfen wird, der vielleicht Vielfach irrte, der aber sein Vaterland und seine Ueberzeugung mehr liebte, als alles Andere. Und nun nochmals, meine Herreu, gute Nacht und auf Wiedersehen morgen." Wir schüttelten ihm die Hände und gingen bei dunkelndem Abend wieder hinein in den ewig drängenden, geräuschvollen Verkehr der innern Stadt, deren Gaslicht uns durch feinen Schneencbel entgegenleuchtcte. Wir schritten stumm nebeneinander unter dem Eindruck der eben geborten Lebensgeschichte. Es war unsversiändlich geworden, ' wie - dieser Mann, aygcwidert. durch die Kleinlichkeit, Engherzigkeit und Selbstsucht der Menschen, enttäuscht durch den traurigen Ausgang einer großen und idealen Bew'egttng und gezwungen, fern vom Vaxcrlaute in den einsamen Prairien Amerikas zu leben, in seinem' treuen Tbier seinen besten Freund finden konnte, dessen grausamen Tod er blutig zu rächen cntschlössen war. Punkt st eben ilhi Borgens am andern ?ag hielten wir mit einer Droschke vor dein -tuje Franks. H3ir trafen ihn beim affeNnd er lud uns ein, an sei nein Einfachen .Frühstück Therl zu n:hmen. Frank sah angegriffen und überwacht aus, im Ucbrigen war er ruhig und heiter. Ich habe wenig und schlecht geschlafcn," sagte cr, habe bis gegen. Mitternacht geschrieben und als ich mich zu Bett legte, quälten mich Brustschmerzen und Husten, so-daß ich nur einige Stunden Nuhe fand. Indessen, das schadet .nichts," fügte c'r mit einem sanften Lächcln bei, ich werde bald Zeit baben. Alles nachzuholen." Die Anspielung war verständlich und der Kurhce versuchte, ihm den Gedanken auszureden. 2lud machte er noch einmal den Versuch, Frank von den scharfen Duellbcdlngüttgen abzubringen. Doch dieser sollte von allcdem nichts wissen. .Ich habe meinen Freund zu rächen," murmelte cr. Wir stiegen in den Wagen, es war halb acht Uhr. '.Nach dem Fafanenwäldchen !" rief der .Uurhcsse dem Rutscher zu, und vorwäns ging es durch die noch stillen Straßen der Vorstadt in den winterlichen Morgen hinein, in welchen die Frühsonne einen blassen Schein warf. Es war kälter als am vorigen Tage. Die kahlen Bäume und blätterlosen Gesträuche .waren mit tveißem, starken Reif überzogen, über der Landschaft selbst aber lag cm graunlbcrigcr Nebelschleier, durch dessen Maschen hier und da ein schwacher Sonnenstrahl schlüpfte, der an den Aesten und Zweigen lausende von Erystallen aufblitzen ließ. Ringsum tiefe stille. Jlcln Rascheln des Windes, kein Schrei eines Vogels, kein Laut einer menschlichen Stimme.' Selbst die Räder unseres Wagens rollten fast - unhvrbar' auf der Landstraße dahin. .' Wie im Traumschlaf lag Alles ; hinter uns die groe Stadt mit den in der Morgcnsonnc blitzenden Thnrmkuppcln, ringsum Feld, Wald und Vusch. '' Ta bog die Landstraße nach einem Seitenwege ab. Er führte zu dein Fasanenwäldchen. - Wir hatten uns doch etwas verspätet. Unfe? Gegner war.'.iüt seinen Sckundanlen und einem Arzt schon zur Stelle. Sein Wagen tyielW feitwärts' an einer llcinen Wies'," welche von drei Seiten von Buschig umgeben oar. 1 Die Pferde dampften'noch von der schnellen Fahrt und pusteten ihren. 'heien. dumpfigen .Athem in die kalte Ä!orgcnlufc hinaus. Wir begrüßten unsere Gegenpartei. Nur Frank nahm von dem Baron keine Noti;, sondern ging, das Taschentuch vor den Mund haltend, auf dem gefrorenen blasen auf llöd' nieder, die Augen hinein in den Wafo gerichtet, dessen Baumstämme, von silbernen Spinnfäden umwoben, liest glitzert,.' - ( ' t Der iteit hurf einen scheuen Seitenblick auf seinen Gegner. Ich sah, wie . der groc, starke Niese mit dem dunkel acfarbien Gesicht und dein dichten, rothtt blonden Schnurrbart, erbleichte, als cr die Glcicl'ailtiÄeit ' Franks bemerkte. ! an llncniviindlicbkeit streifende Rnhc Franks, hatte sichtlich etwas Un licimliä'cs für ivn. Plötzlich bemerkte j der Varon, da'ich ihn lobacl'tet. Er . ' .- - suchte nun aus crnrnai ein jorgcnwic, unbekümmertes Wesen herauszustecken. I Erzog seinCizarrcnEtui hervor, brannte )() clne Havanna .an und gmg, .cttt Liedcben trällernd und' Ieichl 'mit 'den Finaern schiupvend, auf und nieder. Aber es entging weder mir, noch meinem j Freunde, daß hinter dieser asfekltrten, l glcichgiltizcn Haltung sicheinc umere;, . ?,-,i,'i.' Unruhe Wrf'iim. h lli V I V - " j Die Sekundanten des Barons, der Assessor und ein fsicicr, machten noch M . ' ' 1 m A tft ' einen Vernich, ranl zu milderen et dingungen ;u bestimmen, und wir schlos seil uns ibyen Bcmähungen gleichfalls an, obwohl wir voraussahen, daß es fnicbüos war.';:-; - ; Frank horte die Herren und uns ruhig an. Dann sä'uttelte.cr den Äcpi Es gchtinichtineine- Herren." antwertete cr. wäbrend aus seinen -blauen. . fieberlnf! leuchtenden Auge.n ein Blitz l, nübcrivrana yxum am enlgeaenaeiel,4en cienrand aus und av aeyenden 1 wm der .crr Baron bat meinen trnuki - . S,. -Uvrni t.4 tr.t.ifftt ilC UlUU Vlll VlUll.. ni)ni nv knndantenGrüner's, ebenso überrascht.

IvCllCI MÖV" v ... uv. lieb babe eine alte Rechnung mit ihm von

w r. c ... . . v .inl i.i.mi iinn niif nrnMn

urt anl'l'ialn der auglawt'ii."

wie wir eö gestern waren. Frank aber schnitt jede weitere Erklärung ab. . ' 1 Ja, ich ielf:tc ihn zu gut, um nicht zu rissen, daß wir unversöhnliche Gegner . "

sind. Also, wenn ich bitten darf, meine

crnn! Ich fühle mich nicht ganz wobt. meiner Lunge ist diese Promenade in der . r - , lallen 'corgenlusl Nlcyr zurraglico. vrledigen wir daher rasch unsere Angelegenbeit." Die Herren verbeugten sich stumm und gingen hiüuber $u dem Baron. Rur der Arzt blieb in unserer Nähe. Zu ihm wendete sich Frank, der auffällig blaß während der letzten Minuten aeworden war. ..err Doctor ?" fraate er bH Hut lüftend. Doctor Scl'rader," entgegncte' der Arzt, Franks Gruß erwidernd. Haben Sie vielleicht etwas Efsig bei Nch?" fügte rank haitlg hmzu. ch habe einen faden, süßlichen .Geschmack im Munde. Cr ijt bei mir immer der Vorbote, daß meine Lunge rebellisch wird." Sie leiden an Alutstürzen," saateder Arzt, einen prüfenden Blick auf Frank werfend und dabei ein Besteck aus seinem Flacon ziehend, bier, nebmcn Sie das," und er gab Frank ein tück Zucker, auf Welches er eln paar Tropfen conccntnrte Citronensäure geträufelt hatte. Es lit nur elne Galaensrist," lächelte Frank, aber sie genügt, um diesen Handel zum Abschluß zu bringen," und cr deutete auf die andere Gruppe, die sich jetzt uns näherte. Der Baron rattezwar nock die Eiaarre im Munde, aber aus seinem Gesicht war jedes Atom Blut verschwunden. Er sab aschfarben aus, lvie das böse Gewissen, und leine Blicke ruhten nut sonderbarem Ausdruck auf Frank, der, das Taschentuch vor den Mund haltend, zu ein paar bobcn Birken binausiab, aus deren dünnen, schwanken Zweigen ein paar Vögel saßen, ein paar vorwitzige Staare, die uartiermachcr der großen Zugvogelarmee aus dem Süden. Sie schienen vcrduht über den kalten. winterlichen Empfang, ärgerlich über sich selbst, daß sie zu früh aus den warmen Ländern nach der nordischen Scimatb aufgebrochen waren. Sie saßen still mit ausgepustetem Gefieder da und faben verdrießlich vor sich hin. ' li"s geht den armen Burschen wie Mir," lächelte fri'cmr, ne haben drüben am Tschad - See das .)eimiveb - nacb Deutschland bekommen, wie ich am A!ississtppi. Eine sonderbare .Nrailkheit, über deren Ursprung ich oft nachgesonnen habe, ohne dadurch in's Klare zu kommen. Die Sache ist um ss wunderbarer, da es uns Deutschen, die wir Vorzugsweife an der Krankheit leiden, wahrlich nicht so gut nn aterlande geht, das; wir uns nach ihn desbalb sehnen." Ein Schwärm von Toble'n und Kräben flog laut schreiend über den Wald,. Die Slaare sahen, verwundert über 'die lustigen Kunlpane, zu ibnen empor, als wolllen sie fragen: Waruin seid Ihr schwarzes Volk so fidel bei der Kälte und den Schneewolken droben ?" ' ; ' Ich wünte nicht," wandte sich Frank, dem Fluae der Vöael mit den Auaen iolgcnd, zu mir, und auf seinen Miene erschien ein frohes Lächeln, das mich an die Heiterkeit eines autbernaen Kinder gesichtö. erinnerte, welcher Ton für mich einen größeren Rer, här:e, als der fröhliche Schrei eines Vogels, der in stiller zvrube unter dem Fimmel daylnstreicht. Es ist ein Urlaut der Schöpfung, den ich zu vernehmen glaube. Es ist Gott, desl'eii Stimme ich aus dem Geschrei der Vögel höre. Denn er war es, der ihnen den lebendigen dem cinblies, wie aller Creatur. ch weiß, was Sie sagen wol len." wandte er sich gegen den Kurhessen. Sie wollen mir von der neuen Theorie des Engländers, des Mr. Darwin sprechen. Thun Sie es getrost. Sie kommen mit Darwin wie mit Laplace nur bis an die ersten 5!eime des Lebens. Ueber den Ursprung des Lebens selbst kann weder der Eine noch der Andere Ihnen Aufschluß geben. . Sie sind aber auch viel zu klug, es thun zu wollen, das thun nur die Halbwisser." . Während Frank in dieser Weise .sich ruhig, als befänden wir uns auf emem Spaziergang, unterhielt, hatte sich bei unseren Gegnern, wie wir .später erfuhren, eine andere kurze, aber bedeumngsvolle Scene abgespielt. "Die Sekundanten des Barons hatten diesem die entschiedene WcigerungFranks, nlildcre Kampsbedingungcn anzunehmen, mitgctheilr. : ; ; Wir hielten cs für unsere Pflicht," erklärte der.Assessor, noch einen Versuch , zu machen, um einem Zweikampf vorzubeugen, der für beide Theile nur tödtlich sein kann. Aber cs war umsonst.' Herr Frank sagte, daß er außerdem mit Ihnen noch eine alte Rechnung, von Fruttks'ütt aul Main ber, auszugleichen habe." Von Frankfurt am Main stotterte der Baron, erblassend. Ich verstehe das nicht." . l ' . r Die Sekundante zuckten die Achseln.. Sie hatten den Sinn der Worte ebenso wenig begriffen. - . - Und weiter sagte er nichts?" fuhr der Baron dann fort, dabei in seinen Erinnerungen herumstöbernd, um eine Aufklärung für- die Bemerkung seines Gegners zu finden. Da bemerkten feine Sekundanten, wie er plötzlich erbleichte. ! Sollte dieser Herr Frank " murmelte cr zwischen den Zähnen. Doch nein,' nein," unterbrach er sich, seine Umgebung vergessend und, wie verloren in seinen Erinnerungen, der .hatte einen anderen Ramcn, und dennoch " Er verstummte und starrte, in Gedanken versunken, vor sich bin, bis ibn 'der Assessor erinnerte, daß die Vorbereitungen beendet seien. y ; a . Die geringe Entfernung'. von fünf Schritten war abgesteckt und durch dürre Aaumzweige markirt. Die 'Waffen, glattlänfiae Pistolen, wurden geladen: und den beiden Duellanten gegeben. .Baron Grüner affcktirte nicht mehr seine nachlässige Haltung. Er hielt zwar noch immer.dic Eigarre zwischen den Lippen, doch war ihr Feuer erloschen. Frank hatte in der Rechten die Pistole, in der Linken sein Taschentuch, das er cgen den Alund drückte, um einen Hu stenrei; zu unterdrücken. ' Er sah'so ruhig aus wie im Eafe hinter seinen Zeitungen. Nur als der Aa, ron seinen Platz eiünahm und den Lauf seiner Waffe betrachtete, flog ein drohender Blick aus seinen Augen hinüber zu dem Gegner, scharf, schneidend, tödtlich.

Ich weiß nicht, ob auch die Anderen die sen Blick sahen, der der Ku'gi:! voraneilte. Hatten sie ihn bemerkt, so sagte er ihnen, daß sie nicht auf eine Grojnnuthsscene rechnen durften,' ' daß Frank vielleicht, nachdem er den Baron unter derlMi'mdung seiner Waffe hatte beben sehen, in die Luft feuern würde ! Es war Alles fertig. Der Unparteiische nahm seinen Platz ein. Frank drückte mir und dem Kurhcffen noch einmal die Hand, die Augen des Barons starrten mit einem unheimlichen, entsetzten Ausdruck auf seinen Gegner. Wenn die beiden Gegner ihre Arme gerade ausgestreckt hätten, so würden sich die A!ündungen ihrer Pistolen berührt haben, so gering war der Abstand. Fertig !" commandirte der Unpar teiische mir halblauter Stimme. Lautlose Stille lag über der Wiese und dem Wätdcheil. . . Fcuer!" ' ' : Ein Schuß krachte. Die beiden Staare flogen erschrocken auf, eine dünne Pulver Wolke zcrflaitcrte in der A!orgenluft. ; schlechte Munition," murrte Frank, dem Unparteiischen seine Pistole zurückgebend, das Zündhütchen hat versagt." Dabei drückte er sein Taschentuch gegen die linke Halsseite. ...... DerBaron hielt sein rauchendes Pistol gesenkt in der bebenden Hand. Er sah verstört aus. . Ja, seine Hand hatte gezittert, sonst wäre Frank verloren gewesen. ' So hatte die Kugel nur Franks Hals gestreift, wie wir bemerkten, als dieser das-Tuch auf einen Augenblick entfernte. ' r Der Arzt untersuchte die Wunde. JD, es. ist nichts," lächelte Frank verächtlich, eine leichte Schramme. Wir können fortfahren." Er sagte es, als handele es sich um eine Partie Billard. .DieSekundanken des Barons meinten indessen, es sei genug die Ehre sei gesühnt. ' ' Die Ehre " rief Frank, und eine dunkle ölöthe schoß über sein bleiches Gesicht. Glauben Sie, meine Herren, ich bin gekommen, um hier einen EhrenHandel auszufechten? Der Herr Baron hat meine Bedingungeil angenommen, Kugclwechsel, bis einer der Gegner kämpfunfähig wird... Ich bin es nich5. Sollte

es vielleicht der txx Baron sem ? Er. sieht allerdings sehr blaß aus." Der versteckte, aber beißende Spott dieser Worte trieb dem Baron alles Blut nach dem Gesicht. MeiiK Herren, ich bitte," rief cr mit einer Stimme, die rauh und heiser klang, keine unnvthigen Bemühungen." Die Seknndanten sahen, daß jcdc weitere Vermittelung überflüssig war. Die Waffen wurden wieder in Stan! gesetzt. Dieselbe bange Stille) wie beim ersten Gang, dann rasch hinter einander die halblaulcn Eommandorufc : Fertig ! Feuer!" 1 , . Zwei Pulverblitze, ein fast gleichzeitig ges Krachen der Pistolen, das durch die feuchte Rebelluft gedämpft wnrde, ein unterdrückter, -dumpfer Aufschrei, ein schwerer. Fall und. der weiteGang war vorüber. Nichtiger, es war Alles vorüber. Wieder wogten ein paar dünne RauchWolken über-den fahlen, braungrünen blasen, auf welchem der Baron lag. den Oberkörper etwas erhoben und die rechte Hand in dieSeite gestützt, schiver athmend, die Augen halb.geschlossen. Frank stand aufrecht, seine Waffe hatte er bei Seite geworfen. Sein Gesicht sah noch einen Schein bleicher aus wie sonst. Aber in seinen Augen war weder Mitleid noch Bedauern über däs Geschehene zu lesen. 9!ur eine gewisse Spannung drückten seine Mienen aus. Der Arzt untersuchte, unterstützt von den Sekundanten des Barons, die Wunde des Letzteren. Die Kugel war unterhalb des rechten Achselrings eingedrungen. Man sah einen kleinen bläulichen Flecken und wenige Blutetropfen. Von Weste und He'md waren einige Fetzen i,i die Wunde eingedrungen. Die Untersuchung war. schmerzhaft der Baron biß die Zähne zusammen, daß sie knirschten. Die Kugel wurde nicht gefunden. ' Der Doctor legte einen -Ikotbvcrband an. Unterdcffen kam der Wagen des Barons heran und man hob den Verwundeten langsam und vorsichtig hinein. Ist die Wunde gefährlich e forschte der Kurhesse den Doctor leise - aus, während die Sekundanten des Barons zu diesem in den Wagen stiegen. Der Arzt zuckte die Achseln. '','Der Schulterknochen ist verletzt, und es kann'Bllitvergiftung eintreten, lveim die Kugel sich tiefer senken sollte." ' Frank hatte die letzten Worte gehört.': Mit einem bitteren, ironischen Läcbeln wandte cr'sich nach mir und dem Kurhes' sen und! sagte halblaut, dem langsam fortrollenden Wagen nachsehend : Dem, Einen vergiftet man das Leben durch schändliche Verdächtigung und Angeberei, dem Andern das Blut durch eine bleierne Kugel. Was ist schlimmer? Doch der dorr wird Rieinand mehr todtsch lagen, und Keinem, mehr .das Leben vergiften," fügte er binzu, dem Wagen' des Barons einen drohenden Blick nachsendend., Aber wenn ich bitten .darf, meine Herren, so steigen wir 'ein," sehte cr mit nervöser Ungeduld hinzu, 'ich fühle " Er vollendete nichts Sein Gesicht cntfärbte sich, cr fuhr mlt'd'em Taschentuch gegen den Miuid, an welchem sich einige blutige Schaumperlen zeigten.. Der Arzt, der . im Begriff wär," dem' Wagen des Verivundeten nachzueilen, fprang hinzu und sing den Schwankenden .in .seinen Arme:r. anf. v -X ' '.Geben ie mir das Flacon da," rief der Doctor uns bastig zu, auf den kleinen Medicinkasten, der noch, auf dem Zlasenj stand, deutend. Der Kurhefse reichte ihm denselben, aber noch ehe der Arzt das. Flacon an den Mund Franks bringen konnte,' entquoll ein starker Blutstrom deffen Brust. Das ist der Tod," flüsterte der .urheffe bei 'dem Anblick dieses erbleichenden Gesichts und der halb geschlossenen ugcn.- . , ,jV . Der Arzt antwortetet Nichts, ra Holen Sie die Decke gus dem Wa gen." raulite er dem Kurhessen zu, während er und ich den. Sterbenden ' in idcn Arnien kielten. Die Decke wurde auf dem blasen ausgebreitet, und wir ließen Frank langsam rnederglaten.

Der Doctor wischte ihm wiederholt das Blut vom Munde und suchte', ihm. etwas Essig einzuflößen, der rotheLe-. bensström aber kam dadurch nicht in's Stocken. '. . Es ist vergebens," murmelte der Arzt,' .,eine große Arterie ist zerrissen." V Ein Sonnenstrahl drang durch den grauen 9!ebclschleier, der noch an den Spitzen der Bäume hing, und huschte über die nassen Gräser, an denen tausend Perlen glitzerten. .. Ein paar Krähen flo gen hoch oben unter den Wolken mit.lauteilt Schrei dahin. ? ' Der Sterbende schlug die Augen auf. Er rang nach Luft. . Das Alut sickerte nurnoch in. einzelnen Tropfen über.die blauen Lippen7...7. " - V Die Bögel fliegen mir voran,"siüskerte er kaum hörbar.' Ich folge mei nein alten treuen Freunde bald. Er wird sich freuen. Ich danke Ihnen. Es ist wie in der Nacht vor Fridericia." Ein'Schauer, ein Strecken der Glieder und es war zu Ende. Ticf erschüt tert standen toi? um den Todten. Der Kutscher warf einen scheuen, ängstlichen Blick herab und die Pferde, denen all Blutgeruch Zuwider ist,'Wau1öerszu-', sammen und wieherten Ängstllch. Dginr. hoben wir den Leblosen auf und trugen ihn auf der Decke in den Wagen. Kennen Sie den Freund, von deni er sprach Z" fragte der Arzt Uit den KurHessen.. . - : Ja, eS war sein Hund, den der Baron erschlug. Sein Begleiter in die Verbannung." Langsam fuhren wir der Stadt zu, mit dem todten stillen Mann neben unö auf den Kiffen. , '

Es war des andern Tch in der -abettd.-lichen Dänlnlerstunde. Derurheffe' ich und emige andere Bekannte- vyn . der Tafelrnnde des Eafe national hatten uns in der Rähe des kleinen Hauses auf dem Sternwartenweg versammelt, um dem heimgekehrten Flüchtling das Geleitc zur letzten 3kuhestätte zu geben. Der Kurhesje ging mit mir hinaus;, in das Wohnzinlmer Franks, wo dieser aufgebahrt im Sarge lag"; In dein Zimnier brannten zwei '.Kerzen und. warfen ihr trübes, flackerndes Licht auf das fricdliche, stille Antlitz des Todten.' " Die'Leichenfrau und die alte .Wirtbin Franks wachten bei' der Leiche. . Die Wirthin saß am Tische nnd las im Gesangbüche, während . die Leichenfrau an ' - e'incm schwarzen Struinpf strickte. In dem Zimmer warisonst Lichts vLrändert l Auf dem Schreibtisch lag ein zusammcngesaltctes und versiegeltes - Schriftstück mit der Älufschrift : Das ist mein letzter Wille.'' Reben dem Ofen stand ein Tisch mit Gläsern und einer Flasche Branntwein für die Leichenträger. Da polterte cs draußen auf der.engen Hölzernen Treppe. , , c- ' ,,' - Das sind die Leichentraget)" meinte die alte Wirthin, daö Gesangbuch weglcgend und die Brille abnehmend. Aber statt der Leichenträger erschienen zwci .Polizelbeamte in Uniform in der geöffneten Thür. Bei dem Anblick deS SargeS-mitder Leiche stutzten sie. Dann .fragte der Vorderste:'. u Wohnt hier . ein' gewisser Walter Frank aus Nordamerika t" Er wohnte hier, ja, Herr Commissär," sägte die alte Frau, sich die Augen wischend. . :;,',.: :; Wo ist er?" . Dort." und sie zeigte auf den Sarg. Die Polizeibeamten blickten sichtlich. ir'. rit r r' i! r t vel rossen, valv uns, valo vle elwe an. Danil sagte der, EonlNlisjär, sich an uns wendend : ' Spricht die Fran die Wahrheit?" Es ist die Wahrheit." . Tann ist unser' Auftrag erledigt," wandte der Beamte sich zü seinem Begleiter, fügte aber, .gegen uns sich kchrend, hinzu . ' r A Der Äkann lebte hier unter einem falscben -Zkamen. Er war steckbrieflich' verfolgt- wegen ' Betheiligung an dein Morde des Fürsten Lichnowsk?."' Der- ZZurhesse zeigte auf pftillen,, friedlichen Zuge 'des Entschlafenen. . ,Jst das 'Änllitz eines-' Mörders, Herr Eommisjär ? Der Mann,., den Sie suchen, steht jetzt vor ein:m Züchter. Aber ich sage Jbnen,fÄ'p'Ä die Seele eines Kindes das' Herz' eines ' tapferen Mannes hatte, '.Und seine Hand rein von jenem Blule war. Wer erhob diese Anllage gegen ihn ?" Der Polizcicommiffär schwieg, uns firirend.' Dann antwortete e,' wie zur Elttschuld'igung!: ' ) "" ; ,,Sie mögen stecht haben, aber es war unsere Pflicht. Wir erhielten 'eine anonyine Anzeige. Voil wem diese Anzeige kam. wußten wir,-doch wir schwiegen." Da polterten wieder Männertntte draußen auf Treppe und Vorfaal. Diesmal waren es die. Leichenträger. - Auf dem stillen Friedhof senkten wir ihn ein und sprachen ein Fahr wohl." Vom dunklen Abendhimmel schwebten Schneeflocken nieder, sie sielen auf den Lorbcerktanz,!dcN wir dem edlen Todten auf's Grab gelebt, und hüllten bald den frischen Erdhügcl in einen lvcißen Mantel ein. ; y... i;)j:i!fij . v , . i 4 , !: i iriil U iii:.U ' -,'. Walter Frank hatte Recht. Der Baron Grüner vergiftete teurem das inehr und ichlug' Niemand 'wieder 'todt. Er lag mehrere Monate ein der Wunde auf dem Siechbett, dann starb er an Blutvergiftung. ' Was' aus 'Frank Hinterlaffenschaft geworden, darüber habe ich lange nichts erfahren. können. Aber ,yixk hörte ich) ;daß! seZfte VeNvaiiÄÄl seiil Testament, ' welches nicht formell recbtsaillig gewesen, anaeariffen bätten. ..Von ibm .selbst. halten sie sich einsdlls ' ii r ".' Vi ; i -l aeiagt. caa) einem wem avcr. gruscn sie mit gierigen Händen. Wenn ich recht berichtet tun, w, leben sie, beute. nock unk ' erfreüe!i !nch der? ' volle n Ächtung -iore Acitdürger und der Erbschaft des unvraklischcn Schwärmers, ,w,ie- sie. ihn liannten. V I i Eudc. I . . r'L . . . I i 1 il (f iFraueS' H'crüles - ftürf i Hausarzt) : "Zas, Voktor, Sle dichten ai&r Der. Gefragte ..Hm-wid wie der, in müßigen' Stundet?,' -um dieZekt :u todten!" Madame: Um die Zeit ;u todten, ich verstehe, das.Negt irn Bemil" H ? : '

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Auldsamkeit. J V",. Von Hebwig Sog. . Kinder, laßt uns einmal etwas über die , Duldsamkeit lesen, es ist eine so schöne Tugend," sagte eine Frau, die sich durch ihren klaren Kopf und ihr warmes Herz auszeichnete, als sie fühlte, daß ihre Geduld und iyr Gleichmuth durch allerlei unangenehme Erfahrungen etwas in's Wanken beriethen. - Es wird am Ende für Keinen von uns ganz überflüssig .sein,weyn: wir über denselben Gegen stand einige Betrachtungen anstellen. Wie die Menschenfreundlichkeit und das Wohlthun, so sollte.- auch die Duldsamkeit'zu Hause) in der Familie, anfangen. ..Wenn wir mit deck.Unsrigen keine Geduld haben, wo Z anders" können ' sie darauf rechnen,? . Wie klingt es schlecht, wenn Eheleute, Geschwister und andere Verwandte schonungslos ,und hart .über gegenseitige Fehler' sich aüssprechen, 'und wenn dann daraus gar ein Zank mit bösen, leidenschaftlichen Ausdrücken ent steht.' Wir wollen doch Alle so gern fein und vornehm erscheinen, sind in Gesell Schaft sorgfältig in Bezug auf Kleidung, Sprache, Benehmen, aber wie ganz das Gegentheil von fein, und vornehm sind unduldsames. -Wesen, Zank und Streit. Es ist zu verwundern, . daß nicht solche Rücksichten Manche zurlNäßigung bewegen, Ivenn unglücklicher Weise die höhe ren Antriebe der Moral und Menschenfreundlichkeit wenig Einfluß auf. sie ha ben. Der gutgeartete Mensch bedarf freilich keiner anderen : ihm muß es einl leuchten, wie wahr und treffend eS bei ' ' t errti .. t ' . " annar lvore rjeipi: small unkindnesä is a great os- . 1 - - i i '' - . fense, Xarge bounties to bestow' we wish ' :. ; in vain But all may sliun - tlie guilt of giving pain. .m i, . ,, Wie lächerlich unbedeutend sind oft die Anlässe zur Unertraglictkeit, besonders beiden Frauen Ob ein Kuchen nach rechts oder links gerührt wird, ein Stuhl so oder anders steht, ob die Nachbarin einige Papierschnitzel und Spähne gegen den Hof der andern kehrt, ob zwei kleine Jungen, die gleich darauf wieder miteinander lachen und spielen, sich ein we nig gerauft haben, das Alles kann eine Ursache lang dauernden Unfriedens werden.' ' Wir erinnern uns gewiß Alle an einzelne Vorkommnisse, wo es zu gericht lichen Klagen, und blutigem, ja tödtlicheni .Streit gekommen ist über kleine Ae'.astigungen durch Katzen, Hunde oder Hühner; wie sollte man sich hüten, den ersten Funken anzufachen, aus welchem folche' verzehrende Flamme entstehen kann.' " ; Zu welch entsetzlichen Folgen jbie 'Un duldsamkeit in der Religion, in der PoIltis führt, das. wissen wir Alle, theils aus der Geschichte, und theils haben wir es schaudernd miterlebt. Wir - wollen uns aber hier .auf die mehr gewohnlichen Erscheinungen im täglichen Verkehr beschränken. ' ... Wenn nun eine Gesellschaft von Frauen für einige Stunden zusammenkommt, giebt es oft schon Gelegenheit. Duldsamkeit zu zeigen.. Es soll damit nichts Tadelndes ' gegen Kaffeebesuche gesagt sein diese sind im Allgemeinen viel besser, als' ihr Ruf, so wie ihn we nigstens die Männer ihnen zusprechen. Die Gegenstände der Unterhaltung sind meistens solche, welche für die Frauen von Rechtswegen intereffant sind, mögen esnun Haushaltsangelegenbeiten sein, oder Modesachen.Sheatcr, Musik oder Literatur. Jeder KüNstter schätzt ja das Urtheil der Frauen,- sie können und sol len mitgenieen, auä) wenn siewiY die Männer meinen, auf- diesen Gebieten selbst nichts Ausgezeichnetes leisten.' Es ist eigentlich sonderbar, daß . eine Frau nie ein gutes Drama geschrieben, ein großes musikalisches Werk geschaffen hat, da Frauen doch für die Schönheiten sol cher Schöpfungen eine so große Begeisteruna baben. Dafür wetteifern 'sie mit den Männern in Romanen in der Darstellüng der Kunst,, uni jedenfalls.dürfen sie bei. Allem mitsprachen. u' '.! i ;; ! 1 r', vcun boren sich sremch canche gar zu gern'selbst reden, und den Zuhörern geht die Geduld? aus.' l' (Eigentlich sollte das nicht so sein. Es ist eine in der Gesell schaft , sehr 'beliebte Kunst, das gut Zu hören. - Wer nicht wahrhaft Antheil nimmt, und sich ziemlich gut in die Seele Anderer versetzen kann,, wird nicht leicht . .. i . .. C . l c r ' . 1 serrlg ystmii, uno oocy rann man mmer dabei lernen. . Jede hat ihren besonderen Gedankengang, ihre eigene Ausdrucksweise, 1 es giebt launige . Bemerkungen, trenende Sprüche, oft auch unfreiwillige Komik,' und die Zuhörer,. welche solchen Redefluffcn lauschen,' und nicht ..selbst gleiche! Zungenfertigkeit besitzen, ..dürfen ganz zufrieden sein, daß sie zu den Ko-. sten der Unterhaltung . so wenig beizusteuern haben. , . , . i Manche Leute verdenken es den Müt tern, wenn sie - gern und oft von ihren Kindern, ' deren Wesen und Anlagen, ihrer Behandlung reden,, nnd doch giebt es gar kein besseres, kein wichtigeres Then'a für.Frauenc..' ' Alle wahrhaft weiblich gesinnten Frauen lieben die Kinder, nicht nur ihre ei f..c k . f!.1.'1' ' :.:" genen, sonoern aue junerr. sino ,ilnen hoch interessant, knV wer wollte - nicht gern eine Ätutter sagen hören, was ihr so von Herren kommt worüber sie nach gedacht hat wss. sie 'versteht? -Wenn eine Frau überhaupt unserer Theilnahme uev iuituuurt uti v;iiu dung skr den vernünstigen Asenschcn eine so hohe Bedeutung bat, als ein aufwachsendes, bildungsfähiges Menschen Und. j Unter freunden bat gerade die Pe sprechung $cs Persönlichen derr meisten' Reiz; aber immer wird, der Ton sehr herabgestimmt, wenn abwesende Bekann te, und deren Fehler und . Mängel' durch die Hechel gezogen werdeu. ?. Es giebt Frauen,' un sie sind, wahre P.riesterinnen der Duldsamkeit, deren Züge gleich einen Ausdruck des Unbehagens,, der Abwehr, der Bitte zeigen tvenN däs' Gespräch in die Bahnen des Klatsches lenkt, welche immer schoende'.besüjiaene Worte' fini den, und 'meist' mit Geschick und Erfolg eine Wendung zum Unversöhnlichen her, beisühren. Man wird' nicht schl gehen

wenn man bei ihn noch viele a.".ere gute Eigenschaften "voraussetzt. Dagegen kann man auch in Kreise gerathen, wo sich die Gesichter beleben, die Zungen lö sen, und die Ohren spitzen, wenn Aus sichten sind) daß die Versammlung zu einer stvffreichen Lästerschule ävird. Die Theilnehmerinnen müssen dann immer mit der Besorgniß 'auseinandergehen, daß der so gestreute, böse Samen früher oder später., nochgiftig'e . Blüthen .erzeugt. Oft ist der Nd die Ursache der Unduldsamkeit, und doch könnten wir Alle wissen, daß keines Sterblichen Loos wirklich beneidenswerth ist. Goethe sagt, das beste Mittel, um große, bedeutende Men schen nicht u beneiden, sei, sie recht von Herzen -zu lieben, 'und öon sich.selbst et" klart er : '"' 1 i ''' Gar manche Wege bin ich gelösten ' Auf dem Neidpfade hat mich noch Keiner .. .betroffen." Um noch einmal auf die Frauengesell schasten zu kommen, so sind, solche immer die angenehmsten, bei denen ein zu erstrebe'ndes gules Ziel die Grundlage der Ge spräche bildet. Dabei läßt man sich mit der einfachsten Erfrischung genügen, und findet sich behaglicher und angeregter, als bei den mit großen Vorbereitungen in's Werk gesetzten Gesellschaften, in welchen auf .Aeußerlichkeiten der meiste Werth ge legt.wjrd. .... . : . -ru i ' Es giebt eine Unduldsamkeit ' der .Ge bildeten . gegen, die .Ilnbildunz, . welche keineswegs., eine., liebenswürdige . Ge. müthsart' verräth.' In den wenigsten Fällen ist Mangel an .höherer Schulbildung die Folge geistiger Trägheit und Unlust, sondern es liegen ihr ungünstige Verhältnisse in der Jugendzeit zü Grunde, und es kleidet nicht schön, wenn man sich überhebt, weil es Einem -von Kindheit auf besser geworden 'ist, als Anderen.' Oft findet man bii ganz schlichten Leuten so viel Takt und Herzensgüte, daß Man cher, der sich für äußerst gebildet hält, von ihnen lernen könnten " - Eine berühmte Frau hat gesagt, wenn wir Alles . vollkommen begreifen und ein sehen könnlen, so würden wir Alles ver zeihen, jedenfalls würden, wir, oft . Entschuldigungen finden. . Mit manchen Fehlern finden sich gute. Eigenschaften verbunden, 'so 'mit der Herrschsucht die Kraft der Ausführung, mit dem Eigensinn die .Beharrlichkeit auch im Guten, mit dem heftigen Wesen die Versöhnlich kell. . ;.v. ; i .' i ' Eine 'Grenze muß die Duldsamkeit. ' haben, wenn es , sich um Schlechtes und Gemeines, ,, handelt. Wenn - es sich aber um a'erinaere

Fehler und Mängel handelt, , um Meinungsrierschledenheiten und nnausbleibliche Aergernisse im Verkehr, da ist eS gewiß immer recht lobenswerth und lebensklug, daß wir die Ueberzeugung Anderer achten, ihre Gefühle schonen- und die Zunge im Zaume halten. Doch es 'ist Wohl die Geduld des Lesers jetzt bald zu Ende ; hoffentlich meint er nicht, daß Vorliegendes aufdringliche moralische Betrachtungen, sind, nur ge münzt auf Andere, nicht angewendet auf die eigene Person. Wir alle sind ja noch weit entfernt von dem, was wir sein sollten; vielleicht fördert es doch etwas, wenn wir uns gegenseitig zum Guten anfeuern und darin bestärken. Neber neue Excesse in Odessa wird von dort unterm 27. April gefchrie ben: Gestern um 8 Uhr Abends, als das hiesige russische Theater gelegentlich der zweiten Vorstellung der hier gastiren den deutschen Theater-Gesellschaft des Directors Paradies aus Moskau unter Mitwirkung des Schauspielers Aarnay als Othello 'massenhaft besucht war, machte sich plötzlich eine außerordentliche Bewegung im Publikum bemerkbar, wel. che dadurch veranlaßt worden war, daß der Stadtgouverneur ' auffallend rasch seine Loge verlaffen hatte, und daß auch einige Polizeibeamte sich; von ihren Plätzen entfcrnlen. Alsbald verbreit ste sich das Gerücht,'-daß iu der Stadt Unruhen ausgebrochen' seien und die meisten. Fa 'mitten beeilten sich,. noch vor dem Act schlusse das ' Theater zu verlassen und ! nach Hause zurückzukehren. ' ; ' . Als sie aus die Straße gelangten,' bot die Stadt bereits ein außergewöhnliches Bild. Von ..den Thürmen sämmtlicher Polizei-Neviere, leuchteten je. zwei rothe Laternen' nach allen Seiten hin, wss den Ausbruch' von Unruhen und. die Eonsig nirung. der MilitärtrUpven zu signalisiren Pslgt. Die wichtigsten Stadttheile Waren bereits mit Militär belekt, das auf den Plätzen aufgestellt war,, von, wo a ni.i ... ( r .... i. ane t aus urroulucn' zu w . uno zu Pseroe die umliegenden Strafen durchstreiften. Von Unruhen selbst war jedoch, in der Stadt nichts zü sehen, uni AlleK fragte daher! die Polizeiposten nach der Ursache dieser - außerordentlichen Maßregeln. Gehen Sie nach Hause," lautete die stereotype Antwort der Polizisten, denn in .den Vorstädten 'haben bereits Judenhetzen begonnen und dieselben können sich sehr bald in die Stadt verpflanzen." In Wirklichkeit hatten ' sich mehrere Banden der sogenannten "J3o33a komrnaiidä" (Barfüßler), etwa fünf bis sechshundert Mann aufden,.Kuli!owofelde einem großen Platze? vordem Bahnbofe, üsäm ' ct "-p 1 - mengerottet und Excesse gegen: einige Ju den begonnen. Als die Excedenten von bttittenen Kosaken, verjagt wurden, ,liefen sie Unter Hürtahgeschre! und Gejohle in die nächstaeleaenen Straßen und pkün derten 'mehrere Tabakläden . (andere Lougen die epoch Kosa'en nachsolaten und in die Menge hineinritten, so zerstreute sich dieselbe sehr rasch, und nur hier und tauchten ein zelne , Banden 'auf welche Thüren und Fenster : der niedrigen Häuschen demolirten.' aber ' diitch söfortigeö ...Emsch reiten des 'consignirten Militärs am Plündern verhindert wurden. Doch waren bei dem Excege ' zwei? Juden schwer' 'verwundet worden, und erlitten- auch det Polizeimeiste? Major Böninsowie der Pristaw deS Alexander-NevierS -gefährliche Verletzungen.- als sie :von ' Menge mit Steinen,beworfen wurd?n. SiZ Landw irt hsschaftl ich es. " Ich weiß nicht, meine spanischen Hühner i wollen gar nicht legen.' . Wahrscheinlich, weil sie zu stolz sind.

Vine Mill onenErbsckaft,or dcrn. Schwurgericht in AugSbnrg. Wer hat nicht schon einmal von der holländischen MillionenErbschaft gehört, welche nun schon über 200 Jabre in Deutschland, besonders in Aaiern spukt ? Ein interessantes Licht auf diese Erbschaflsgeschichte warf dieser Tage wieder eine Verhandlung, welche vordem Schwurgerichte '..in... Augsburg geführt wurde. Angeklagter war der Redacteur und Mitbesitzer des Nürnberger Anzeiger", Friedrich Dornbusch ; derselbe hatte in seinem Blatte vor einigen Monaten einem Artikel Aufnahme gewährt, in welchem die Beschuldigung erhoben war, daß aus dem Augsburger Staatsarchiv Akten verschwunden stielt,'' aus "welchen das" Recht der Erben hervorgegangen wäre. Im Magistrate wisse man um dieses Verschwinden, thue aber doch nichts, die Sache aufzuklären. - Auf Grund dieses Artikels hatten sowohl der Augsburaer Magistrat' wie der Städtarchivar Dr.. Vuff Strafanträg' wegen Beleidigung gestellt, nach zwölfstündiger GerichtsverHandlung Verneinten 'indeß die Geschwo renen die Schuldfrage, worauf die Freisprechung des Redacteurs Dornbusch erfolgte. Wasnun 'den' Kern der,Sache, die! Millionenerbschaft anbelangt, so wurde von einer Reihe von Zeugen übereinstimmend festgestellt,' daß der Augsburger Magistrat niemals etwas mit der Sache zu thun, daß er weder (Felder noch Akten gehabt habe, daß also letztere auch kx dem Archiv nicht verschwunden sein köUnen.' Die Sache, welche sich um die . Erbschaft gesponnen hat, weist nämlich aus Augsburg hin. 'Die. fabelhaften, von einem gewissen Georg Schieber und noch einigen anderen Person? vor 200 Jahren in Amsterdam hinterlassenen Gelder sollen im Jahre 1808 an ein Augsburger Bankhaus zur Aufbewah rung gekommen, jedoch unterschlagen Worden fein' worauf dann später' auch' jenj Akten aus dern Archiv verschwunden seien: ?.N;'z )l .: ; : i j ; .- .-, ' ' , Allerlei sonstige mysteriöse Geschichten knüpfen sich noch an die Erbschaft, die eine .Höhe von" 60, nach anderer Lesart sogar von 500 Millionen Gulden erreicht haben soll. So heißt es z. B., ein Dragoner Martin Edenhofer habe im Jahre '. in Antwerpen vvn den Jesuiten ein Packet erhalten; i er sei mit diesem nach München gekommen, dort aber habe man ihiuin einem Gafthause trunken gemacht und' ihm das Packet abgenommen. Aei. der 'jetzigen S'chwurgerichtsderhandlunz ' waren auch als Zeugen zwei General

I Bevollmächtigte" der Erben" geladen ; rtr r , 9 r i mv ieoer?oereloen yar ; ncjj vie .lerntgieu von einer Million verschreiben lassen für den Fall, daß die Erbschaft flüssig wird. Beide Herren Bevollmächtigte scheinen übrigens einander selbst' nicht recht zü trauen, wenigstens hat der eine, ein Eisenbündler Kaiser aus München, den and'ern einen Metzger Hilmer aus Mün r ' ' .T- r. r. - cyen, in einem cyrisluua als eln unsauberes Element" bezeichnet, welches man, der Sache fern halten müsse. Die Aussagen dieser beiden Zeugen lieferten einen 'sprechenden Beweis dafür, wie diese' Erbschaftsgeschichte die Gemüther der Betheiligten umstrickt hat. Sie haben sich ein ganzes System zurecht gelegt, in welchem Gerüchte, Beruntreuungen, '.Verdrehungen -und dergleichen als unumstößliche Thatsache zu einem festzefügten Ganzen verarbeitet sind. Daß eine ganze Reihe einfacher,' nackter Thatsachen und beschworener Zeugenaussagen der , hochachtbarsten Männer diesem künstlichen Bau widerspricht und , ihn umstößt für diese Erkenntniß sind und bleiben sie vollständig unzugänglich. Und so wird Wohl, trotz aller Klarstellungen der jetzigen Gerichtsverhandlung, die Sache nach wie vor. weitergehen und der Augsburger Magistrat 'noch fernerhin allerlei Scherereien und Anschuldigungen seitens der nun einmal in ihrem Erb schaftswahne unrettbar Befangenen zu erdulden haben. ' ? X U . I i Der alten Sjtimztb. . , WUhelmiMüller. :inck,nau,l Oh-s. . ' 1 1 Ob' ich dich liebe, Land der Eichen, Das mich mit seiner Kraft' genährt? Die Zeit mag meinen .Schädel bleichen, '. Doch was mir deine Huld gewährt :' Den 'freien Blick für alles Schöne, Die heiße Liebe zur Natur, Den freien Sinn, den Trost der Töne, .,,. . . , ' '. A)as snrvd mit.meinem herzen nur.Ob du' mir theuer, hcil'ge Zunge, ' " Der ich im Mutterarm gelauscht,' ' ' " In welcher mich im Heldenschwunze" ' I! ' i-ftt XJVi OVVijCU WUll 4ili(i.U.UU-4 . Die Gluth des' Zornes soll es sagen) - ' Die lodernd :nemem Aug' entsprühr,:' ' Sobald ein ftiger Wicht voll Zagen Dich m der Ferne schnöd verrieth. ' . - Db ich das teiie Licht verehre) S ? t Dem demtr Sänger Lied entstammt ' ' Und welches deiner Denker Lehre, Ein Heller Gottesblitz, durchflammt ? Ihr habt im alten Heim gesündigt Noch iünzst am Geist der Menschlichkeit, - Den'Lessing 'seinem Bolk -verkündigt, Uns ? btb er heilra alle Atit. .... '. . 1 . - . .v.j. - ' ' Wie o?i. wenn der Gemeinheit Wellen Im wilden Schwalle mich umrauscht, Hab".an der Dichtung Gnadenstcllen Dem 'Wort des Heiles-ich gelauscht !: ' " Da schwand der Groll der 'mich veroit- ' tert Und, von der Erde Staub. befreit,. . ZC,Un IAk CZiol mir ifmtattfprf (ltt lUf vtv wwv Vom Hauche der Unsterblichkeit. f , . . j. '" i - . i . : 4 . . - ' . i i ; Und deiner sollt' üb ie. veraenen,? - e li Du Lano, von Sagenglanz erhellt? Der jenen Tadel ausgemeffen, ... , Hat seinen Spruch im Zorn gefällt. ' Hell strahlen uns des Westens Sterne Im Glanz der Freiheit, ungetrübt, -. r . is..-?; 'C,.: rv ? . ' ' )Voq wer ver eimaiy in ocr rne Sich schämt der hat sie.nie geliebt ! , ! 5 ;c:i;?v Dein denk' ich immer, Land der Eichen, Das mick mit seiner Kraft aenäbrt ' -v j r -r H ' " , , , Die Zeit mag meine Locken bleichen, w5 mir Yif'xnt JfSiild aewäbrt - V BV4r wm-w Den freien Blick für alles Schöne, Die heiße Ljebe zur.Nawr, 5 .? Den frohen Sinn, den. Trost der Töne, Das stirbt mit meinem Herzen nur !