Indiana Tribüne, Volume 9, Number 208, Indianapolis, Marion County, 18 April 1886 — Page 6
Aus der glorreichen Walzer-
Lpocke. on touU ixöiiUr. Der Tanz ist der Vater, das Lied die .Mutter aller Jnstrumentalformen; Beide hat das Volk geschaffen, und die Kunstmusiker haben schon früh davon Gebrauch gemacht in ihren Madrigalen für Sing und Jnstrumentalstimmen. Einer der ersten Virtuosen", der groß" in den kleinen Formen war, dürfte Franjois Eouperin (ein Zeitgenosse Bach's und Handels, nur ungefähr 18 Jahre älter) gewesen sein ; dieser berühmte Clavecinist hat innerhalb der Tanzform so feinsinnig empfunden, daß er sogar Portraittänze in seinen Gavotten und Ällemanden lieferte, indem er ihren Charakter geflissentlich demjenigen einer bestimmten Persönlichseit anpaßte oder doch dieser gemäß zu rr t ...ti- an A v- cm iyutu yiuuuic 'Mum iciuu isk icnu5 etten, Giguen, Passepieds u. s. w. aus den Suiten Bachs und Händels und weiß, welchen tiefen Gehalt namentlich der Erstere in die einst modernen, jetzt altfränkischen Tänze hineinlegte. Wie wandelbar die Tanzformen waren, sieht man schon an ihren jetzigen Namen: Walzer, Galpop, Eottilon,PolkaV!azurka, Steyrisch und welche Umwandlung musikalisch in den Tanzweisen vorgehen kann, zeigt deutlich die neuere WalzerEpoche von Lanner und Strauß im Vergleich mit der ihr vorhergegangenen. Mozart, der bekanntlich auch Kaiserlicher Hofball-Komponist war und als sol cher für die Nedoutenbälle neue Tänze zu schassen hatte, komponirte noch Walzer für drei Pas"; das Eins Zwei Drei prägte sich in der Melodie ebenso deutlich aus, tote in der Begleitung. Man 'hat Mühe, noch Tänze aus jener Zeit zu sinden; um aber eine Anschauung der damaligen Walzerart zu erhalten, genügt die Kenntniß der Serenade im Dreiachtelakt aus Don Juan", und zwar ohne dis Zesangsmelodie, nur allein in der Orchesterbegleitung, deren obligate Piz-zicato-Partle einen viel getanzten Walzer lieferte. In Anwendung auf den Tanz klingt das Stück jetzt klein puppenhaft. Etwas später gaben sich die Walzerweisen weniger engbrüstig, doch klingt das Mechanische der Pas noch prosaisch aus der Melodie. Man wird dies z. B. in dem Lieblingswalzer der Königin Luise von Preußen" sinden,welcher aus der Bectboven'schen Epoche stammt; bei aller Grazie darin hört sich eine für das moderne Gefühl befremdend langsa me Dreivierteltheiligkeit heraus der Tanz jener Zeit zeigt sein Formengerippe so deutlich, daß man immer an die Motion der sich regelmäßig hebenden und niedersetzenden Füße erinnert wird. Der moderne Walzer bereitete sich nach und nach in Volk und Gesellschaft vor, indem er immer mehr animirtes Tempo erhielt; aber sein Bau bestand doch noch immer aus zwei achtaktigen Theilen, denen auch ein sogenanntes Trio" von gleicher Eonstruction folgte, wonach dann das da capo eintrat u. s. f., bis man des Tanzes satt war. Mozart's und Beethoven's Valltänze sind (wunderbar genug) ohne Impuls, obschon ijfr5.irt sin rtfrtitnier ir Snnr graziöser fri; ist 1.NZ hie tfrnnfciimf fstr ifm nur i'nBezug auf die Menuet überliefert, in deren Komposition unö allerdings der Meister m seinem Don Juan" ein um vergleichliches Stückchen hinterlassen . , .. r . n ' ' . r ya:, eine umverjal-Menue!, gegen welcye die Tausende von anderen Menuetten sämmtlich verschwunden sind. . Und der Waber erbielt aleickfalls seim . (s w sKif,,r Qwvr heißt dessen 'Aufforderung zum Tanz" nicht Walzer, weil man zu jener Zeit in l j r,r. r 0 - . V. oer voyeren nun . pyare mcci Walzer" machte ; das weltberühmte Stück, das vom 23 bis 23 uli 1319 entstand heißt "Rondo brillant" und bringt La Qäufr mit TiA Aber Alles bann
ist eckt walzerbaft dem Geiste und der icywlngler anzoeincyen, ourcygeiuerer mwmHw wiivcivu8muw Seele nach. '(Man lese, was F. W. Mßchen und ach! Herzchen, großartig Wohnung im Ux snhn& in Wn nmf:,n w.rf stw Epoche machte. Man stand u mit so horte ich denn bet Bier nnd Backhadel
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Wever caruver von ene s an schreibt.) Dieser Walzer wird nie alt, auch nicht neben den neuesten Compositionen. Gehört die Aufforderung" Weber's der Kunstspbäre an, so ist es h.v 1 nsrt, rt s Artjinir a;. vvwt v vv iv vii vvv nmi.u -v wum I ' I 'J . J I ket worden wäre, das bald seine ihm zukommenden Organe zur volksmäßigen Nunsterzeugung erhalten sollte. In der Kaiserstadt Wien gab es ein vaar liebe Buben, die ziemlich wild aufr . ' wuch en, avcr voller MuNch" waren; ' ' - ' ' 'I der eine hie Lanner (geb. 1801), der andere Strauß sgeb. 1804). leitete ein Streichquartett f bnZ iipfipl trslun trat slcrslbi IftlO. slU h ü ..AutrorhrninstiumTön:" 1 - ' . w I w-mwtm -w-mw-v-w ri W m w W W 9 9 m J WW I
geboten wurde, an das Aratschmpult. Tochter des Kaiserlichen Herrn 3!aths heraus auf seinen Borplatz, so leidenSpäter wurden diese beiden Wiener mlt t vornehmer Manier und so platter schaftlich geigend, als ob er längst im
Kinder aus dem Bolk vom Glück beqün- . 9 I ftict : sie coinvcnirten neue weisen. grünocien eoer ein eigenes rcyejter und wurden über den ganzen Erdboden , . T . . . . v. i,vu "Vk. 'xnner itrih CtrrMj fnrro in hrnr . ... i r,-iim Pfrffi hereithert imS otr zän'.icbe Umwandlung der Ballmusik voebracbt. Beide l?omvoniften nnd bcrvoraezanaen aus jenen niedern, bock ;.,rr,f,4. ' t,,f,va Wfcil II .ukM,ni 1 wvv'iwur. T AmitRfiA tnrmUM-tZ H, l w .5, j)v....V..wVv .v...vrnv Wiener, lebendiger natürlicher TanzrtrH Vn ihrr Nlr! ,IN G.nlrtftpITitnrr " . & auf untergeordneten Tanzboden sich zu Tanzmusikern ersten Ranges emporardiA i . - , . , ictcrt. Banner unv lrauz; raumlencem öal;cr frisches Leben ein; man erkannte . ' ' 9 v 11, 4t fr v 4 v viitjv .. '' fr v r)v r,r. 's;,M,rnprU. it , triihKr nnjcrnrttnr n! p,? r als eine getf.t.lU4, i.vp'vfry.v., V ' fr meiner)) llas als das eriklo)fcn in den Walzcrweisen vernahm, cs irar die Seele die nun tanzte, und zwar tmi so leichtre.chwmgten Fünen, daß zum niMie. als ob soeben schwere G5e luid'te davon aogeureisr ivoroen waren, . .' r t. . . - ,r.f..-r nn Yn nhneit'xl mM y - I " . " . ' r war nun in langaldmigcr I . . Schw.bung betreu; cte alten anze ' waren fitr enge Zimmer, die neuen für :cn weiten Seal. Hier sidt der Punkt, war. Vän cy frLfrAl,1 symbolisch als ein :! des socialen Menschen, erst in be - v b
un?erä o Concert. Aber Lanner, Strauß, Rossini, vietten fort, ein allgemeiner Aufstand bildeten das glückbrin- erfolgte. Jeder wollte den vergötterten oenn aucb sie haben die musikalische Welt gcnde Kl eblatt Liebling sehen, den so wohlbekannten.
schwärmerei voll, den Vögeln in ihren egacren upigonei:, ox i ruix mix um uoer iein ereganres erren-uno amenSiestern ihre von sclbst" entstandenen Pulver seuerwerkern, daS Jene erfunden Publikum ausspruhend. Nach und nach 'TanMisen vorzeigten und nach und haben. beruhigte man sich, und nun war der ge- ' "V,- - J m . . t . VttrtlfiVjiXI;4 Ast.? lt llVAltAr''
engter, dann in der Freiheitsepoche neh men konnte ; zugleich burlesk und doch wahr, konnte man behaupten, daß die Strauß-Lanner'schen Walzer ein Stück Weltseele", daß die beiden Lieblinge Terpsichore's Freiheitsgenien waren, die allen Völkern den Freudentanz auf spielten und Millionen glücklicher Tanz berauschten unbewußt ein Stückchen Weltgeschichte im aufgelösten Dreivierteltakt aufgeigten ! Der aufgelöste Rhythmus ist nämlich in dem pochenden Herzen der Walzer-Me-lodie der. eigentliche Nerv, in welchem die neue Tanzempsindung lebt. Metrisch gab sich der alte Walzer regelmäßig in den, zu gleichen drei und drei Zeittheilen gegliederten Takten, von denen jedes erste Zeittheil den Accent hatte, während das zweite und dritte sich abschwächten, Diese Form befand sich im alten Walzer durchweg auch in der Melodie derartig, daß sich das Bild, der gleichen Pasfolge
unverkennbar darin abspiegelte: der eine Takt war metrisch genau das Abbild des andern, so daß bei aller Verschiedenheit der rhythmischen Notengattungsfolge im Grunde lauter .einzelne abgeschlossene Takte dastanden. Der neue Walzer hingegen behielt diesen Typus nur als untersten Grund und Boden bei, der eben nur die einfachste Tanznaturform war; aber Lanner und Strauß erhoben sich durch ihre melodischm Rhythmen weit darüber hinaus, sie entfalteten auf diesem Gründe ein ganz neues Leben, indem sie rhythmische Synkopen in die Melodie einführten, welche hier zusammenzogen, dort auseinander hielten und so einen klingenden rhythmischen Widerspruch hervorriefen, der auf die Tanzenden unsäglichen Reiz ausübte und in der steten Accentauflösung der Begleitung, die ihr Erstes stets markirt gab, A , während die Melodietöne auf gute Takttheile" in Pausen fielen und gleichsam im Schweben aufseufzen, bis zur höchsten Lust in der all-augenblicklich neu gewonnenen Konsonanz trieb. Man denke nur an jene Walzer, in denen die Melodie stets in Viertelnoten und Pausen wechseit, die Begleitung aber stets drei Viertel in Tönen abgiebt, und man sindet bei Versetzung der Taktstriche einen Zwei vierteltakt links darin. (Man sehe auch Gounod's Walzer im Faust".) Wo da in der Melodie das erste Viertel ohne Accent bleibt, da ziehen sich zwei Takte zusammen, und diese Sechszeitigkeit der neuen Walzerweiscn ist es eben, welche sich, trotz der Taktstriche, der alten, engen, dreizeitigen gegenüber stellt. Die erste Idee zu dieser Rhythmik dürfte in einem Walzer von Franz Schubert gegeben sein, sie taucht in seinen Tänzen" momcntan auf Lanner-Strauß führen sie, Schubert's Andeutung vielleicht nicht kennend, stetig durch. Der alte Walzer war im Druck eine halbe, mit dem Trio" vielleicht eine ganze Seite lang ; der neue von Lanner und Strauß bildet ein Heft, ist eine Art von Eoncertpiece. Der alte Walzer siel gleich mit der Thür in's Haus ; der neue beginnt vornehm mit einer Jntroduction". die wein Gott in was Alles fübren könnte und die oft so feierlich sind, dän sie früher in katholischen Kirchen w Umzügen gespielt wurden. Diese Feierlichkeil sollte ein Witz sein, denn wennvlödlich ein Walzer daraus hervorsprang, so war das eine komische Ueberraschung, an die naturltch vor nem Strauchen Orchester kein Mensch deuten konnte. s. tX,4,si.7 k.? CTQ ,T,.-P K- Qk r"' " ? wv, yui bes Dutzend Akte hatte, kam eme Fi nale", wie tn emer Symphonie; das Fmale war ein Nachklang früherer Molive. Und nun die Musik des neu- und so. hochwohlgeborenen Walzers an'sich, " war sie gespickt im: sclnen, gesangrtrT, WMrtVN? ,,5 f.siks . u".., mit ante!! L ä1.""" . unLalIerIci witzelnden Neckereien! Kem Wunder, daß so etwas wie eine gründliche Wiederaeburt einer neuen Welt voll unbeStrauß Morgens auf und ging mit Lan, ner ui Bett, ihre Walter wurden n cbt nur auf Bällen und Tamböden mit einem Orchester, sondern auch nach stadtreisenden Strakenmusikanten aetamt und aucb sinaend in der Sausflur, in " . . i - 7 C t! V. .rA..t . ... i ? C I ucye uno lnoer,luoe, zu zweien uno Solo, ja man tanzte, sich massenhaft in die Gesilde der ewigen Seligkeit, Amen ! hinüber. Die armen Clavierlehrer hatten es jetzt schwerer als je, was viel sat.:n. v k (rlu..f r r. i . u v" 1- , .. i fr frjZ SY V.il7MMiAaM. . V CT TI. I aue ufüimcu, ,muiiiunu tfiauiein, m , - . t.". liTfti X.a I "3 ?uiij, vic ,mvttttuvic praqe. 'ie ona:cn von iemenu i.. I . lu..Lf C11) . . l. I lva:n wkvmzii, ian ww .Sx . f4ivtrf Sllv, I , iw y v theke. Und Beethoven, Schubert ? Die wurden ;ur vamaliaen ett uveryaupt I rnr Vrr rrnn 'o:itr ftt rn.r irr , ri r . . i ..v.. .v.. jVft,.v.. . len, in herrliches Klangkolortt gekleiceten Melodien der neueren Walzer, so w"? man jetzt noch die neue Aera als Moldjc suhlen und verUeben. Was Und i ' ... . aeaen Lanner und trau, diese Origi- - . , . . , 4 , : . . r nalgenies, oie gieren, wenn aua? noa) i sTtr v v . c v v Wer ntt mit Dsthet war tlt kem ae, müthlichen Wien, tief in der Vormärz lichen Zeit, vermag sich keinen Begriff c rr. rr it zu maczen ron oem reignie" emcs neuen Walzers von Lanner oder Strauß, ä . m . Ich tedte vier Jahre rn der aisertadt I I "V7 '"-i - -" in än.lick rkllitinln ?z,i!?st', I U J i T- -. weiten, die noch keinen Eberub mit flam: mendem Schwert, wie die Brenner und Senger Windischgrätz Jellachic's kannten. as wiener olk lernte ich gründlich kennen. Man lebte damals nur, I i. Ti. :r v n i. . um gu. zu uuo lieg zu vergnu aen. d. ü. Abends entweder ins Tbeater. - c V -L . ir r. r ' , rnionoerycii zu D.cnroyaricyoiz, joI L T" . 71 f ' 7I
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Lanner 1 raouicn niis ai& aizer ipuun. rs verranne? nn oo: ' ,,'Aa, er kommt ür Tänze, A Hr Lehrer, geben'S mir den nei- holt glei!" Während eines Tanzes, nmr. aen Deutschen" (frühere Wiener Bezeich- etwa um 9 Uhr. schon vlöklick Lanner
virwaar man ven .auoer oer orlgina- man uuiic uiw iiußiouu, va ein
dann in den Gastbos zur Goldenen .yells. und war aus gleicye umeroroBirn" zu Lanner, oder in den Sverl" chene Genüsse für den übrigen Skest des
Bv (Sperling) zu Strauß und womöglich bis zum Morgen noch in Daunö Elh1 sium" zu gehen. So trieb es damals
das Wiener Volk, nur ging der Begriff .Volk" zu jsses ZsÄ fe?3 als jetzt : von den leichten &mm der Kaiserlichen Burg bis zum R sprach Alles den Volksjargon:" Setzen's Ihnen"; Lassen's Ihn snfchuen" (0. h. lassen Sie sich bei uns sehen) : Sie sprechen so, daß man Ihnen net verstehen kann, Jhnere ganze Sproch' is falsch, mir sprechen richtig." So lau tete die Rede in den Kreisen der Reichen wie der Armen der Gebildeten wie der Ungebildeten, ES sei beiläusig gesagt, daß das vorerwähnte Elysium" in der That ein wunderbarer Aufenthaltsort war, namentlich aber wohl ganz verschieden von jenem Elysium, das Schiller sich gedacht haben mag, als er der Tochter Freude" eine Heimathsbescheinigung gab. Daun's Elysium befand sich nicht etwa, wie muthmaßlich das Schiller'sche, in höheren Reaionen, sondern in den allerniedriasten :
im Keller. Aber dieser Keller war ein ganzer Complex von Kellern, unter einem alten Kloster gelegen, vielleicht im doppelten Flächenraume des Berliner Schlos' ses; wenigstens schien es so, und auch dem Leser wird es so scheinen, wenn er erfährt, was sich in diesen Kellern befand: die fünf Welttheile. Nachdem man eine stufenreiche Treppe hinabgestie gen war, öffnete sich ein weiter, hoher, prächtiger Saal ; man befand sich in Asien. Woran erkennt der Reisende Asien? An den Elephanten! Folglich waren an beiden Längsseiten je 12 überlebensgroße Elephanten ausgestellt, aus deren Rüsseln die Gasflammen flackerten, Die zahlreiche Bedienung war in richtigem asiatischen Eostüm und führte den Wanderer in den eigentlichen Orient. Woran erkennt man den Orient ? An Harems und Odalisken ! Folglich sah man Beides auf einer Bühne hinter einem goldenen Netz als Vorhang. Daß der Pascha nicht fehlte und daß derselbe nicht ohne Schnupftuch war, ist selbstverständlich. Es ging dann nach Europa, kenntlich an einem Ballsaal und Theater, woselbst immerfort getanzt und immer von einem netten Orchester gespielt wurde. Nebenabtheilungen enthielten Italien mit umherwandelnden Sängern und Jmprovisatoren, bildschönen jungen Männern aus dem damaligen Wiener italienischen Regiment, die auf Wunsch und ohne alle Bezahlung Romanzen sangen oder über gegebene Themata reimten; die Schweiz mit ihren Bergen und Sennerinnen war gleichfalls vorhanden. In Afrika gab cs Neger und Pyramiden, in Amerika Urwälder mit lebenden Affen und Papageien auf den (zum Theil lebendigen'') Bäumen, und in Australien befuhr man sogar eine (sonst ncch unbekannte) Eisenbahn. Ueberäll erklangen Orchester und waö hätten sie Anderes spielen können, als LannerStrauß'sche Tänze ? Sie waren damals eigentlich, nebst Nestroy's Possen und italienischen Oper die geistige Volks-At-mosphäre Wiens, und diese war sehr, sehr groß und in stürmischer Bewegung, wenn ein neiger Deitscher" von einem der beiden Tanzgötzen entstanden war. Schon bevor man in der Birn", wo Lanner, oder im Spetl" wo Strauß perjön lich" an der Spitze des Orchesters stand. nur einen Ton davon gehört hatte, ging ein Wehen durch alle GeseUschaftsschichten und brachte wahre Schauer von CI i am f X 4 L j 2 Im a 9 pjuwjtiucji in ii iuf . oi yuy; s Ein neiger Deitscher ? Von Lanner ? Von Strauß ? Wann wird er zum ersten Mal gespielt i Wie wird er he:nen i im er schon gedruckt i" u. s. w. ftSrWfnh tiirr ysrVrfiFi0ff ! ?1 lort kamen z. B. die Walzer ,, Donaulieder ohne Worte" und der Marlenwlazer' m me vSitnn imfalnM Weh. urner W stf mv vx.v v vyw i tu ivvll f- x,: v ; - ' "Ä - Polka, sowie verschiedene Quadrillen und Galopps, Sie wurden jeden Abend von Strauß und Lanner gespielt. Die Goldene nel eme der ersten Ausführungen des 'larlenwatzers. )llle er ten" Aunuy rungen dauerten wochenlang, so lange. bis jeder brave Wiener den Walzer zum ersten Mal gehört hatte und seine Melodie von der Kaiserlichen Familie herab . r 1.1 n ri 1. r K.3 11 l4ilin (ilxHUtMAoV wurde. Es war 8 Uhr Abends, das Orchester spielte bereits seit dem späten Skachmittag, der volle Saal mit lauter einzelnen rr- t i. . r - n.cn üpiMen yarrie aoer aus yc, . f . V f. . tTt ff r peinc per,oniia)e rzcyelnung. vtoq t V W Mil einer Nlvilne wie aus vem ooen . . : a. r CT1 ' -t ' m c iyi i uge Ware. Und nun gerleth das Con- . i. r. r n r i m ' . m. cerr- uno l-pei e-Puomum auker ncy vvi yuuüc uuu juowie oern icounge rasend entgegen. Bilr, Weil-, Chamt- er. V .. :..t,n- s. iK.trrl.. vaaner. Comvots und Backbäbnel. Alles I ' f ' ' l u. v,, , . t.Z v: (FZ. i wwi viw (H, muii ivuii uic ti halber Walzer unzehört draufging. venn vas rcyeM spielte lmmerzu und Lanner am allerenrigiten, sich m unausge emen Ziomvnmenten erI ., i , f -, . r 3 schöpfend, em wahres Feucr von Liebes 9 T' KtffX. CVT uu .o?.iqwrzm ugrn l it i n i r (i .r w t a v r v rn iiir n iifi rar f ouiiä v i i v 1 1 vy uuv, im uvuuvt , r. l r v , noch vom vorigen Winter, aber Jetzt kommt der neige, der Manenwol zr . )! i hn I rl so- tll Kt Vrtahrri -tlt r''T X Z- . . I n -r -i i k T neurs und Dandtt der Kalseritadt stelI Taa 4 m m W u(u . k Lau t T A 4 JK w vvs wiw f r r i r . , (y. die Tadeln und Zilnnoacken hatten ?ve. I , . f ... r f. , rien : der neige", das hetZzt noch Nicht sehr bekannte, Walzer begann ; aber man hörte von ihm nur etwa acht Takte, dann brach ein Freudentaumel los, als ob der Himmel ein Füllhorn von ewiger Gnade und Seligkeit über die Zuhörer ausgeschüttet hatte. nachjten acht Takte I Pvv man erst bei der Wiederholung des " 1 Walzers angewiesen, Strau war in seil einen Tänzen sinnlicher, leichter, daher auch noch populärer
als der etwas geistigere Lanner, den man gelehrt" nannte, wie einen FugenHelden, was indessen nicht hinderte, datz bei des Letzteren Leichenbegängnis im Jahre 1843 im April, der in Wien voller Veilchendust ist, 30,000 Leidtragende folgten. Daß damals noch eine Menge anderer Tanzcomponisten wie Pilze nach dem Negen aus der Erde wuchsen und mit den beiden Volkslieblingen rivalisirten, ist erklärlich; doch Fahrbach und Matzek spielten und componirten hübsch, aber eben nicht original. Man ahmte sogar die Manieren der beiden Walzerkönige beim Dirigiren mit der Geige nach (einenTaktstock gebrauchten sie nie), so daß eö' zuweilen affenhaft und widerlich war. Der jetzige Strauß' Sohn" ist der richtige Walzermann ; die Unmittelbarkeit der melodischen Erfindung wird vielfach beeinträchtigt durch den feinen Musifo", der mehr reflektirend so aber freilich glücklich erfindet. Gunal in Berlin war schon ein etwas gedämpfter Walzergeist; obgleich in Strauß-Lanner-schen Bahnen wandelnd, that er dies doch gleichsam blindlings, d. h. er fand sie, ohne sie zu suchen, und so hatten auch seine Tanzweisen etwas von Unmittelbarkeit. Labitzki war in zu wenigen Walzertheilen prägnant, seine glücklichen Einfälle waren zu selten. Eanthal war stark abgeschwächt in der Phantasie; den Tänzen Faust's fehlt der natürliche Adel, viel nobler ist Wallerstein, doch reicht er nicht bis ins Volk. Die Walzer der modernen Operetten sind jetzt an der Tagesordnung; sie werden gesungen, gespielt und geleiert, wo nur ein Plätzchen ist; kurz, der Walzer, der Tanz überHaupt, ist dramatisch geworden.
"Dom Laöen. Drei edle Himmelsgaben sind es, die dem Staubgeborenen gegen die Bitterkeiten des Erdenlebens mit auf den Weg gegeben wurden : der Schlaf, die Hoffnung und das Lachen. Und in der That, sind das nicht die glücklichsten Menschen, die auch das schwerste Ungemach nicht bis zu ihrer Nachtruhe vordringen lasten, niemals die Hoffnung auf bessere Tage verlieren und noch immer zu lachen verstehen, auch wenn sie in der Lotterie des Lebens Niete auf Niete ziehen? Was das Lachen betrifft, so hatte Chamford jedenfalls Recht, wenn er sagte : Der Tag, den wir am meisten als Verloren beklagen müssen, ist der,an welchem wir nicht gelacht haben. In den Mühsalen, Sorgen und Aergerlichkeiten des Alltagslebens ist eine verlachte Stunde ein Gewinn, der uns nur zu oft mit den übrigen drei und zwanzig aussöhnen muß. Lachen ist das wahre Oel der Lebensweisheit, es erfrischt Leib und Seele, und der Volksmund sagt gewiß nicht zu viel, wenn er es schlechthin als gesund" bezeichnet. Jedes Lächeln, meinte der Humorist Sterne, setze dem Leben eine Stunde, jedes Lachen einen Tag zu. Die Welt durch die trübe Brille wie ein Jammerthal anzusehen, bringt wahrlich keinen Gewinn. Ein heiteres Gemüth setzt sich leichter über die Schattenseiten hinweg, die Jeder beim Eintritt ins Leben mit in .tf aus nehmen muß ; Frohsinn, ist die natürlicheStimmung eines geistig und körperlich gesunden Menschen, und das Mouffeux in dem Becher der Lebensfreude ist das Lachen. Wahrlich, es fragt sich noch sehr, ob die Philosophen nicht Recht haben, die den scheinbar barocken Satz ausstellten, die Erzieher müßten die Jugend vor Allem lachen lehren, sie würden diese damit vernünftiger und glücklicher machen. .Klagen doch Bäter und Schulmänner übereinstimmend, daß unsere Lehranstalten allzusehr darauf lossteuern,dieKinder vorzeitig altklug und zu trockenen Verstan desmenschen zu machen. Leute, die recht heiter und aus Herzensgründe zu lachen verstehen, bekunden damit die Reinheit ihres Gewissens, sie sind ebenso ungefährlich, wie die, welche singen und von denen Seume sagte, daß man sich ruhig bei ihnen niederlassen könne. Frohsinn und Heiterkeit des Geistes helfen uns aber nicht nur alle Uebel leichter tragen, sie erhalten uns auch jene Klarheit des Bewußtseins, welche den Verstand leicht die Wege aufsinden läßt, auf denen er sich aus Noth und Ungemach hcrausziehen kann. Nur dem Menschen allein soll von allen lebenden Wesen der Schöpfung die Gabe zu lachen verliehen ftin, während sie der Thierwelt versagt ist. So nimmt man wenigstens ziemlich allgemein an. Ist es wirklich so, dann, du beneideter liomo sapiens, hast du um so mehr Ursache, dich dieser bevorzugten Ausnahmestellung zu freuen und den ausgiebigsten Gebrauch davon m machen. Uebrigens ist der Satz bekanntlich nicht ohne Anfechtung geblieben. Es fehlt nicht an Naturforschern und Thierfreunden, die zum Theil auf Grund langjähriger Beobachtungen die Ueberzeugung gewannen, daß wenigstens gewissen Thieren eine dem Lachen ähnliche Stimmungsäußerung möglich -ser. Freilich muß das echte befreiende Lachen aus dem eigenen Innern kommen. Daß man auch durch Ansteckung zum Lachen gebracht wird, hat wohl Jeder schon an sich erfahren. Die Elaqueurs von Profession wissen das, und wenn ein neues Lustspiel gegeben wird, dem ein großer Erfolg bereitet werden soll, so vertheilen sie vor Allem eine Anzahl GeHilfen im Theater, die auf Commando zu lachen haben. Das reißt auch gewöhnlich die übrigen Zuschauer mit fort. Man lacht oft mit Lachenden, ohne recht zu wisten warum. Wer möchte auch allein bii ernsten Mienen bleiben, wenn Alles um ihn lacht? Der Mensch lacht überbaupt selten, wenn er allein ist und der Vernunft Gehör geben kann. Und wen berührte es nicht im Innersten, wenn er Jemand so recht herzlich lachen hört? Manche haben in dieser Vezie buna ein beneidenswerthes Talent. So erzählt man von Ludwig Tieck, daß er ein wahrer Meister im Lachen gewesen sei, und wenn es bei seinen Vorlesungen Gelegenheit dazu gab, wu vie srn, wie er gelacht, von geradezu unwiderstehlicher Wirkung auf das Auditorium gewesen sein. Schauspieler beneideten ihn darum, und der berühmte Dörins ging
eingestandener Maßen nur deshalb zu Tieck, um ihn lachen zu hören. Freilich weiß man auch von gegenthei ll'gen Beispielen, von Leuten, die das Lachen ganz oder doch fast ganz verlernt hatten. König Philipp II. soll nur zweimal in seinem Leben gelacht haben, einmal bei einer ebenso künstlich wie grausam hervorgebrachten Katzenmusik, das andere Mal vor Freude, als er die Nachricht von der Pariser Vluthochzeit empfing. Ebenso wird von seinem Feldherrn Alöa behauptet, daß der düstere Ernst aus seinen A!ienen nie gewichen sei, und von Karl XII. berichtet man, er habe nur ein Mal gelacht und dies habe 'ein altes einfältiges Aauernweib dadurch zu Wege gebracht, daß es nach der Ueberreichung einer Bittschrift vor dem Könige stehen blieb, und denselben unverwandt anblickte, obwohl der Monarch sich bereits von ihr abgewendet hatte. . Was wollt Ihr noch?" fragte Carl XII. barsch, als er es bemerkte. Es geht das Gerede," sagte die Frau in ihrer Naivetät, Ew. Majestät hätten nie gelacht Von einem so gnädigen und erhabenen Herrn kann ich das gar nicht glauben Bitte, bitte, Majestät, lachen Sie einmal, damit ich die Leute Lügen strafen kann !" Und der König wurde von diesem seltsamen Verlangen in der That so komisch berührt, daß er in heiteres Gelächter ausbrach. Auch Cromwell und Napoleon BonaParte sollen es nie über ein flüchtiges Lächeln gebracht haben, und darüber wird sich gewiß Niemand wundern, während Friedrich der Große sehr gern und häusig lachte. Dem englischen Philosophen Hobbes ferner war das Lachen so zuwider, daß er es für eine Gebrechlichkeit der menschlichen Natur erklärte, die jeder denkende Mensch zu überwinden bestrebt sein müsse und der Graf von Chesterfield scheint die Probe an sich gemacht zu haben, wenigstens rühmte er sich, seit er
seme Vernunft zu gebrauchen gelernt habe, habe ihn Niemand mehr lächeln gesehen. Wer möchte diese verzwickten Apostaten der Lebensfreude um ihren StandPunkt beneiden? Daß es manchen Leuten nicht leicht wird, zu lachen, ist allerdings eine Erfahrung, die wir im täglichen Leben oft genug machen können, und auch die Geschichte ist nicht ohne Beispiele dafür. Während der Regierung König Heinrich des Dritten von England erhielt Jeder, der dem König ein Lächeln abgewann, einen Kronthaler ; ja, unter der Herrfchaft Eduard des Vierten wurde die Erregung der Heiterkeit des königlichen Herrn sogar mit vier Krönthalern honorirt. Die Hofhaushaltungsrechnungen von damals führen diesen Posten öfters auf. So findet sich für das Jabr 1477 die Nota : Wäbrend des Aufenthalts des Königs zu Wollmir an den Jagerburschen Maris, welcher bei der Jagd vor dem Könige ritt und öfters vom Pferde herunterpurzelte, worüber der Monarch herzlich lachte, acht Kronen verabreicht" Was für ein glückliches Volk müssen dagegen die alten Thyrienthier gewesen sein, die zu ihrer Seit fast wie ein Weltwunder angestaunt tvurden, weil sie so zu sagen aus dem Lachen gar nicht mehr herauskamen und durch ihre angeborene Lachlust zu jeder ernsten Beschäftigung unfähig waren. Nach Theophrast trachteten sie einst, durch ein vom delphischen Orakel zu diesem ZweFe gebotenes Opfer den seltsamen Hang loszuwerden, vermochten aber trotz des ausdrücklichen Verbotes nicht einmal während der heiligen Handlung ernst zu bleiben. Wie verschieden kann das Lachen sein ! Welch' eine Stufenleiter von dem Lachen aus vollem Halse, jenen Purzelbäumen des inneren Wohlbehagens, bis zu dem Lächeln unter Thränen; vom Hohngelächter der Hölle" bis zu jenem riden do dicere verurn, das jedem ächten Lustspieldichter zur Richtschnur dienen soll! ' Es hat Leute gegeben, die sich das Lachen zum Studium ihres Lebens gemacht haben. Im Jahre 1662 verkündete ein italienischer Astrolog, der Abbe Damaseno, in einer besonderen Broschüre das weltschütternde Ereigniß, daß er aus der Art des Lachens das Temperament eines Menschen zu erkennen vermöge. Ihm zu Folge lachte der Melancholische hi, hi, hi, der Eholerische ha, ha, ha, der Sanguinisehe ho, ho, der Phlegmatische he, he, he. Welch ein Scharfsinn! Ein anderer Lachgelehrter klassisizirt die Sache fo : Der Freimüthige läßt beim Lachen den Selbstlauter a ertönen, der Phlegmatiker 6 und i, während a und o verbunden auf eine freigebige und dreisteSinnesart schließen lassen, s und u aber den Geizhals andeuten. Personen, von denen die eine a und o, die andere a und i beim Lachen hören lassen, sympathisiren mit einander und können, falls sie zweierlei Geschlechts sind, ein gutes Paar abgeben." Auch dieser Mann hat offenbar tiefe Blicke gethan,und unsere heirathslustigen Leser werden sich seine Winke sicher nicht entgehen lassen. Eigenthümlich ist auch das Sachregister, das Monteequiem ausstellt. Obenansetzt er das unbändig ausgelassene und ungeberdige Lachen, vu! Grinsen; dann kommt das anmuthige Lachen oder das Lächeln ; das würdevolle oder das der Protektion ; das alberne, das man nicht mit dem rein treuherzigen verwechseln dürfe; dann das Lachen der Eitelkeit ; das dir Höflichkeit und der Eonversation; das offene, reine, unbefangene, daß sich über das ganze Gesicht verbreitet; das heuchlerische, erkünstelte ; daS hämische ; das verbissene, wobei man sich Gewalt anthun müsse, um es zu unterdrücken ; ferner das gezwungene, blos physische, das auch durch körperlichen 5litzel erzeugt werden könne; und endlich das unwiderstehliche Lachen, dessen schon Homer gedenke, daß man nicht unterdrücken könne und das in den Seiten, im Halse und im ganzen Körper eme krampfhafte Bewegung hervorbringe, die man nicht zu beWältigen im Stande sei. Man sieht, die Männer der Wissenschaft haben sich s redlichen Schwein kosten las sen, in das Geheimniß deö Lachens ein zudringen. ' So viel steht fest, daß das ächte und rechte Lachen em unwillkürlicher Alt ist. daß man vielfach lacht, wo die Vernunst
keinen Antheil daran hat, ja, daß man ihr oft zum Trotze lacht, und daß aller dings die Art und Weise des Lachens sowohl auf das Temperament wie auf den Bildungsgrad des Menschen einen gewissen Schluß gestattet. Ein Jeder hat seine spezielle Naturanlage, hat seine eigene Welt von Begriffen, nach denen lr Alles ansieht, beurtheilt und behandelt und die auch auf sein Lachen bestimmend einwirken. Man vergegenwärtige sich nur den verschiedenartigen Effekt von komischen Auftritten im Theater und bei sonstigen Anlässen. Was den Ungebildeten zum Lachen reizt, bringt bei dem Gebildeten oft die gegentheilige Wirkung hervor und der Eine preist als gelungenen Witz, was der Andere als takt- und geschmucklos von sich weist. Ja, vielfach sind die Arten, des Lachens, und wenn wir sie uns alle vor Augen halten und vergleichen, welchem gebührt wohl der Preis? Unseres Erachtens dem Lach:n jenes höheren, verklärten Humors, der, wie Gutzkow einmal bemerkt, die Welt wie eine Nußschale ansehen kann, die zum Verznügen kinderlicher Götter im Aethermeere schwimmt. Hoch erhaben über dem beißenden Witz und der schneidenden Satire steht der Humor, die Blüthe jener ebenso durch geistigten wie gemüthvollen Weltanschauung, welche zwar die Schwächen und Thorheiten der Menschen mit scharfem Blick erfaßt,aber den Erdenpilgern nichtsdestoweniger ein Herz voll warmer Liebe
entgegenbringt und das eigene Selbst immer als zu dem Ganzen gehörig mit in Betracht zieht. Dieser Humor ist es, der so recht eigentlich unter Thränen lächelt, aber selbst da, wo er in volles Lachen ausbucht, immer klingt der versöhnliche Ton des Herzens durch. Humor ist weit seltener als man gewöhnlich annimmt, und oft wird er angerufen wo er gar nicht zu finden ist. Wo er sich aber zeigt, da bezwingt er die .Hörer im Sturm, da zaubert er Heiterkeit auf die trübsten Gesichter, da wirkt er erquickend wie frischerThau auf ein durstiges Ackerselb. Und wie mancher Stein des Anstoßes im öffentlichen Leben, der weder dem Ernste der Moral, noch der Vernunft weichen wollte, ist einfach hinweggelacht worden: er verschwand, sobald ihn der Witz dem Gelächter preisgegeben hatte. Wie viele Beispiele dafür enthält allein unsere komische Literatur ! Bände ließen sich füllen, wollte man alle Thorheiten der Menschen aufzählen, die dem Lachen zum Opfer gefallen sind. Wie könnte uns aber ein so kostbares Göttergeschenk wie das Lachen beschicken lern, oyne vap die menschliche Cultur hm dankbar emen Denkitem im Kalen der errichtet hätte ! Fastnachten mit ihrem Mummenschanz und Narrentreiben sind von Alters ber das bobe iveft des Lachens, das selbst der ewige Wechsel der code nicht zu erschüttern vermocht hat. Uulederum haben wir dieses Fest ge feiert, wiederum standen wir im .eichen der Schellenkappe und Narrenpritsche. Vre gewöhnliche Wcrktagsphysiognomle ward in die Acbt erklärt. Äkaskenscbe und Carnevalslust waren die Parole des Tages, Humor, Witz und Laune regiert c r i n . . ren, oenn aua? oas gramiicyne Annrtz glättete stch gern rm Anblick all der drolligen Fastnclchtspossen, die zu Zwecke das allgemeine herzerquickende Lachen haben. yeodor Wlnkler. Zwei Trinker. Zur Zeit Friedrichs III. von Dänemark war das Zutrinken am dortigen Hofe allgemeine Hofsitte, der sich Jeder fügte. Vorzüglich wurde der Trunk Fremden gebracht, die oft nicht mehr stehen konnten, wenn die Tafel aufgehoben wurde. Auch an dem polnischen Magnaten Boguslav Sternitzki, Woywode von Plok, halten sich die dänischen Herren gerieben ; aber es war Keiner zu finden, der es mit dem Sarmaten hätte aushalten können. Vergebens wurde das ganze Heer durch forscht, ob unter den Officieren einer wäre, der es mit diesem Wein-Herkules auf nähme. So Viele kampfmuthig in die Schranken sprengten. Jeder hatte bisher hinausgetragen werden müssen. Das ist eine Schande für Dänemark, wenn dieser Pole Sieger bleibt!" rief derKö- - nn t. i rtr p Nlg. Man wanoie nun cie Augen aus das Volk und entdeckte einen Schmied, dessen Name uns leider nicht aufbewahrt ist, der aber ern gewaltiger Trinker war. Der wurde nun in Hoftracht gesteckt nnd mit der Sitte vertraut gemacht, zu d r nur die beiden französischen W)rte : Yous r nöthig waren. Der Abend kam, der Schmied ward neben den Polen gesetzt. A. Vous!" rief Sternitzki und leerte seinen Pokal, der eine Flasche Wein enthielt. A Vous!" antwortete der Schmied und kam dem Andern nach. Bald hatte Jeder sechs Flaschen geleert, da wurde dem Dänen dieses Zutrinken zn langweilig. Er deutete a f einen Kübel, in dem man vier Flascheu kühlte, und befahl, ihn mit Rheinwein zu füllen. Er setzte das Gefäß an und trank es aus. Noch einmal," kommandirte er. Es geschah, und er reichte dem Kühler dem Woywoden : A Wu !" Boguslav setzte gleichfalls an uno zog und zog aber die Bowle war zu groß. Mit einem Seufzer sank er auf einen Stuhl und dann unter den Tisch. Am folgenden Tage verließ er beschämt Kopenhagen. Zweideutig. Gutsherr (bei der Aufnahme eines neuen Dieners): Bevor ich mich von Seiner Verwendbarkeit nicht überzeugt habe, kann ich Ihm für die erste Zeit nur einen ganz geringen Lobn bieten. Ist Er zufrieden da mit? Diener: Ganz zufrieden. Euer Gnaden ! Ich nimm Alles mit, wenn's nur halbwegs anständig ist. Widerspruch. O r t s v o rsicher : Und so erheben Sie denn noch einmal mit mir Ihre Gläser, meine Herren, und lassen wir den Herrn Landrath leben! Landrath (zu dem neben ihm sitzenden Arzt): Mit dem ewigen Lebenlassen bringen einen die Kerle reineweg um. Eisele: Wissen S ie, wer der ungalanteste gegen die Damen ist? Beisele: Ich doch nicht? Eisele: Nun, die Grammatik, denn diese räumt dem männlichui Geschlechte immer den Vor zug ein
Eine schauerliche Blutthat.
Vor dem Landgericht in- Tarnopol (Galizien) wurde eine schauerliche Blutthat verhandelt, die sich im letzten SomTl r r ' rr r mer in lemooia vei lujic ereignete. Die dortige Schenke bot am Morgen des 29. August vorigen Jahres einen erschreckenden Anblick dar. Da, lagen sieben Personen grüßlich hingeschlachtet mit gespaltenen Schädeln in Blutlachen, an den blutgefärbten Wänden klebte ver spritztes Gehirn. Schränke und Koffer waren erbrochen und ihres Inhaltes entleert. In der Nacht vom 28. auf den 29. August waren die Mörder mit Aerten und anderen Mordwerkzeugen eingedrungen und hatten zuerst den Schänker Mechel Haller erschlagen, dann dessen Frau Golde, ihre 16jährige Tochter Perl, den 19jährigen Sohn Moses sammt dem 5 Jahre alten Söhnchen Wolf, ferner die 21 Jahre alte Anverwandte Ehaje Jütte und endlich den.lLjährigen Kinderlehrer Mechel Leib Baron. Das einjährige Kind Pini starb bald darauf an den erhaltenen Wunden. Als dringend verdächtig wurden schon an demselben Tage die Bauernburschen Iwan Schmiegl und Semen Gorasz, der Schuster Iwan Melnik und der Koch Wasyl Tymczyszyn gefänglich eingezogen und stehen jetzt vor den Schranken des Gerichtshofes, um sich wegen des besagten Verbrechens zu verantworten. Die wie durch ein Wunder am Leben gebliebene 13jahrige Tochter des ermordeten Schänkers, Lea, erzählt 'die schauervolle Scene folgendermaßen: ,,m i-chankzimmer lagen mein Vater, meine Schwester Hude und die Brüder Michel und Wolf, in der Küche meine Mutter mit dem Kinde Pini, im dritten Zimmer ich und die Anverwandte Ehaje und Jütte im Bette und der Be'lfer (Kinderlehre?) Mechel Leib auf der Erde bei der Thür auf einem Strohsacke. Ich erwachte durch ein Geräusch am Fenster und sah durch dasselbe zwei Männer, einen gronen unv emen kleinen, hereinsteigen ; sie schlichen hin, wo der Vater und die Mutter schliefen, ich hörte Beide ermorden; der Vater ächzte: Goldes Golde!" Dann ermordeten sie meine Brüder, welche Todesschreie ausstießen und dann war Alles still. Ich lag da und konnte nicht schreien, die Kehle war mir zugeschnürt. Da kamen die zwei Gesellen, die ich früher durch's Fenster hereinsteigen sah, auf unser Bett zu ; die Lampe brannte noch und ich konnte die Gestalten ganz gut seben ; der Kleine hatte einen weißen Leinwandkittel an, einen Strohhut, weiß und schwarz geflochten, mit einem Bande und nach unten hängenden grünen Streifen und am Hemde einen glänzenden Stahlknöpf. Der größere Mann ergriff meine Schlafgenossin Ehaje mit starker Hand; sie sprang aus dem Bette, kniete vor dem Mörder, flehte ihn an, ihr das Leben zu lassen, sie sei nur als Gast gekommen, habe ein kleines Kind zu Hause umsonst, er drückte sie nieder und erschlug sie wie einen Hund. In demselben Moment wurde auch der Belfer ermordet. Als die Mörder zu uns eintraten, verkroch ich mich unter den Strohsack, den Kopf unter das Kissen so ließen sie mich liegen, denn sie dachten, es sei Niemand mehr im Bette. Die Mörder packten alle Habe ein und gingen fort. Als es zu tagen ansing und Alles längere Zeit ruhig war, hörte ich meine jüngere Schwester sagen: Lea, Du lebst T Und ich antwortete ihn. Sie hatte das zu Tode verwundete frftind auf dem Arme ; wir kleideten uns schnell an, liefen in's Dorf und erzählten alles Erlebte dem Dorfschulzen und dem Gensdarmen Friedrich." Als man den Melnik und Tymczy szy n arretirte, fand man bei Ersterem auch die von Lea beschriebene Kleidung, den Weißen Kittel mit Blut gefärbt,- den Hut und das Hemd mit dem bekannten glänzenden Stahlknopfe. Die Sacken wurden auch im Gerichtssaale dem Melnik vorgezeigt und von diesem als die seinigen anerkannt. Auch die neun Jahre alte Hude, die ebenfalls auf wunderbare Weise gerettet wurde, erzählt, was sie in der Todesangst gesehen, in folgender Art: ,J3ch hörte spät in der Nacht einen Leiterwagen vor dem Fenster anlangen, ich blickte hin und sah den Gorasz, den ich von früher kannte, durch's Fenster in's Zimmer schauen. Auf dem Wagen saßen noch zwei Männer. Ich dachte an nichts Bösen und schlief wieder ein. Als ich wieder erwachte, rief ich : Vater, ich will Wasser! Aber er antwortete mir nickt (er war schon todt) ; da kam Einer aus lein Lager zu und erschlug mit Einem Schlage seines Mordinstruments mein neben mir schlafendes fünfjähriges Brüderchen Wolf. Ich verkroch mich hinter die Decke, und so entkam ich glücklich dem Verhängnis. In der Decke war ein Loch, und durch dieses Loch sah ich deutlich den Schmigl bei der Schublade und den Melnie beim Koffer Kleider herausnehmen." Die genannten drei Mörder wurden in andere Kleider gesteckt, aber von Hude mitten unter den fünf Angeklagten fogleich erkannt. Auch der Bauer Wasyl Sawzik, bei dem Schmigl und Goraz nach der Mordthat die paar Stunden, bis es Tag geworden, von der Nachtarbeit ausgeruht haben, erscheint mitangeklagt. Der Gensdarm Friedrich sagt aus, daß er bei der Verhaftung Schmigl's dessen Nock und Beinkleid und auch die Hand mit Blut befleckt fand. Die Mörder jedoch verharren im Leug nen. .Plaidoyers und Urtheil folgen nach. Auö Dr. Ulks Tagebuch. Der Frühling ist noch nicht da ! sagt die frierende Menschheit. Ueberall der Kampf um's Dasein ! ! Daß es mit unserer Mutter Erde zur Zeit nicht ganz richtig ist, beweisen u. A. die in - Spanien und Süddeutschland verspürten Stöße und Erschütterungen ; zum mindesten 'ist sie aus dem Wetterhauschen. ifc V"Nach Abschluß des Friedens soll der serbische Ministerpräsident in den Nuhestand versetzt werden. Ob dem Lande Serbien Gleiches wiederfahren wird, bleibt abzuwarten. Der längste Weg ist nicht immer der beste.
