Indiana Tribüne, Volume 9, Number 208, Indianapolis, Marion County, 18 April 1886 — Page 4
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3uöHffla Triöüne. Somltags-Ausgabe. Office t 120 Ost Maryland Str. Märztage. Von HleronymuS Lorm. .
Die Märztage von 1848, obgleich sie uns im welthistorischem Sinne noch so nahe liegen, sind keineswegs so gründlich beschrieben, daß die Nachträge, beträfen sie auch scheinbar geringfügige Umstände, nicht dankbar aufgenommen werden sollten. Denn solche 3!achtrage stammen von Denjenigen, die damals zu politischem Verständniß gereifte Jünglinge waren und heute Greise sind. Bald werden die Augenzeugen jener interessanten Epoche und der ihr unmittelbar vorhergegangenen Geschehnisse ausgestorben sein, und wenn Niemand mehr vorhanden ist, der seine Erlebnisse vor und während 1848 erzählen kann, dann ist dieje--nige Quelle vertrocknet, welche jedem Geschichtsschreiber stets die wichtigste war: die persönliche Erfahrung. Thiers, Mignet, Lamartine, als sie ihre Geschichten der französischen Revolution schrieben, scheuten weder Mühe noch Kosten, um uralte, verkümmerte Existenzen in den entlegensten Winkeln von Paris aufzusuchen, wenn im Geiste der zu Grabe wankenden Zeitgenossen von 1789 noch e ine Spur des Selbsterlebten nachdämmerte. Heute ist der Mann ein pensionirter Professor, der in den Vierziger-Jahrcn ein deutscher Student in Prag war, wo man sich auf die nationalen Brutalitäten des Deutschenhasses dadurch würdig vorbereitete, daß man vorläusig die Juden verfolgte. Eines Tages schlug der reiche Betttzer eines großen Gartens an das Thor desselben die lakonische Proclamation an : Schweinen und Juden ist der Eintritt untersagt." Der erwähnte Student, dem die Natur in Gestalt einer langen Nase den unverkennbarsten semitischen Gesichtsausdruck verliehen hatte, war jenes Liebesbeweises kaum inne geworden, als er sich, seinen Horaz unter dem Arme, in den Garten verfügte und sich lesend auf eine Bank setzte. Der Besitzer schoß wüthend auf ihn zu mit den Worten : Wie können Sie sich unterstehen, Sie Jude, baben Sie nicht gelesen ? " Still," unterbrach ihn der Student, nicht so laut, wir wollen einander nicht verrathen." Nicht so schüchtern, nicht auf dem Umweg der Judenverfolgung begann der Kampf gegen das Deutschthum in Galizien. Dort wendete sich der polnische gegen den deutschen Adel, namentlich wenn der letztere zugleich Beamtenadel war und das Wiener Negierungssystem in dieser Provinz vertrat. Im Fasching, der den Märztagen voranging, gab in einer der ersten Städte des Kronlandes ein deutscher Verwaltungs-Präsident ein großcs Aallfest, zu welchem nurMitglieder des deutschen Adels Einladungen angenommen hatten. Entlang der ganzen langen Front des Palastes glänzten die belli'rleuchteten Spiegelscheiben. Eine große Schaar junger polnischer Edelleute sammelte sich auf derStraße vor demHaus um eine Katzenmusik zu bringen und die Fenster einzuwerfen. Damit jedoch die also begrüßten deutschen Ballgäste nicht der Meinung wären, die lärmende und zerstörende Demonstration ginge von der untersten Schichte, vom Pöbel aus, bediente man sich eines originellen, gewiß nie früher und später vorgekommenen Mittels. Man zerschmetterte die Fenster nicht mit Steinen, sondern mit silbernen Thalerstücken und goldenen Ducaten. Dies geschah einige Wochen, bevor so kostbare harte Geschosse vor dem sanften weichen Papiergeld aus ganz Oesterreich verschwunden waren. Eine reiche Sammlung unbekannter oder verschollener geschichtlicher LebensZüge aus jenen Tagen wäre zusammenzubringen. Ich habe die Märztage in Berlin miterlebt, die große Barricaden-, nacht des 18., in welcher der Vollmond so brennend wie ein früher nie dagewesenes Gestirn über der durch Kampf und Getümmel belebten Stadt lag. Vor Allem wäre es interessant, nachzuweisen, in wie gänzlich verschiedener Art und Stimmung Wien und Berlin ihrer Nevolutionstage gedenken. In Berlin scheint man sich jener denkwürdigen Nacht heute zu schämen ; kein noch so stillerund verborgener Eultus wird den Todten gewidmet, die man von den Barricaden nach dem Friedrichshain brachte. Freilich sind einige der Ziele, die man damals auf Steinhaufen, aus Berliner Pflaster gebildet, ersteigrn wollte, auf ganz anderem Weg und auf ganz anderem Noden erreicht werden. Allein noch eine ziemlich große Anzahl von Zwecken, für welche die Opfer jener Märznacht gestorben sind, bat bis heute noch keine Erfüllung gefunden. Ich sah in jeüer Nacht einen Trupp pommer'scher Füsiliere, die aus Stettin gekommen waren uno einen xyzu oes Weges zu Fuß in angestrengten Eilmärschen zurückgelegt hatten. Die Soldaten waren in der Bärenstraße erschöpft auf das Stranenpttaster gesunken, unoe kümmert darum, daß die Beine in die schmutzigen Goen niederhlngen, die da mals jede Straße von Berlm durchzogen. Der commandirende Lieutenant mußte die Verschmachtenden gewähren lassen Bald sammelten sich vom Barricaden kämpf aufgeregte Volksgruppen um die Soldaten, schon bereit, dem ersten Im puls gehorchend, über die verhaßten Söldlinae vernichtend herzufallen. Da aber sofort die totale Erschöpfung der Leute sichtbar wurde, kehrte sich die Stimmung des Volkes im Nu in hilfsbereites Mitleid. Man zwang einen Victualienhändler, aus den Federn iu kriechen, seinen festverschlossenen Laden zu öffnen und die Soldaten mit Brod und Branntwein zu laben. Das Liebeswerk dauerte so lange, bis die Mannschaft erholt genug war, daß der Lieutenant den Äusbruch commandtren konnte. Kaum waren die Leute auf den Beinen und hatten ihre Gewehre ergriffen, als sie dieselben auch schon auf dieselbe Volksgruppe richteten, die ihnen soeben ein varmyernger amanter gewen H rr "X v
sen war. Wiener ug. Ztg.)
Die Abschaffung der Spielhölle in Monaco wird neuerdings wieder lebhafter erortert und namentlich in Frankreich wird die Möglichkeit der Abschaffung lebhaft besprochen. Man erinnert sich, daß dem französischen Senat mehrere Petitionen von Städten und Ortschaften in der Umgebung Monaco's vorliegen, die alle die Aufhebung des Spiels verlangen. Diese Orte werden nämlich geschädigt, weil sie der unangenehmen Nachbarschaft wegen von zahlreichen Familien gemieden werden. Der Senat hat über die Petitionen noch nicht verhandelt, weil die betreffende Commission noch zu keinem Antrag kommen konnte. In ihrem Schooße bekämpsen sich nämlich zwei Richtungen, von denen die eine behauptet, Frankreich könne das Spiel abschaffen, während die andere auf Grund der Souveränität des Fürsten von Monaco" dte Unmöglichkeit der Abschaffung behauptet. Die Letzteren sind jedoch entschieden im Unrecht, wie ein gründlicher Artikel in der Nep. Fr." nachweist. Hiernach ist nämlich die Souveränität des Fürsten von Monaco völkerrechtlich nirgends geschrieben und nirgends anerkannt ; das Fürstcnthum ist vielmehr ein Protectorat und seine Stellung regelt sich nach dem Herkommen und nach den besonderen Eonventionen. In internationalen Verträgen ist von Monaco zuletzt die Rede im Wiener Vettrag von 1814 und im Pariser Vertrag von 1815. In dem ersteren heißt es einfach : Der Fürst von Monaco wird in seine Staaten zurückkehren." An seiner früheren Stellung hat also der Frieden von Wien nichts geändert ; er erhielt nur sein Fürstenthum wieder, das die französische Republik sich einverleibt hatte. Der Pariser Frieden von 1815 dagegen bestimmte blos, daß über Monaco der König von Sardinien die Rechte ausüben sollte, die bisher der König von Frankreich handhabte. Es kommt also zunächst auf die Frage an, was der Fürst von Monaco vor der Revolution war. Das Fürstenthum bestand ursprünglich aus zwei Theilen, nämlich der Herrschaft von Mentone und Roquebrune, einem Lehen des Hauses Savoyen, für das die Fürsten von Monaco den Herzögen von Savoyen und später den Königen von Sardinien den Eid der Treue leisten mußten,und der Herrschaft Monaco,einem Lehen der Grafschaft Provence, das nach verschiedenen Schicksalen es gehörte einmal den Viscor.ti in Mailand, den Oesterreichern und den Spaniern von 1640 an bei Frankreich blieb. Die erstere Herrschaft ging früher schon vollständig an Savoyen über, für das eigenthümliche Monaco aber schloß Sardinien, nachdem es auf Grund des Friedens von Paris die Oberherrschast erhalten hatte, eine Konvention mit dem Fürsten, welcher die beiderseitigen Beziehungen regelte. Die Konvention wurde 1817 in Stupiniggi geschlossen ; sie ist denjenigen ahnlich, welche die Stellung des Fürsten zu seinen früheren Oberherren regelten. Es ist darin u. A. gesagt, daß der König von Sardinien den Fürsten in derselben Freiheit und Souveränetät erhalten wird, in der er ihn übernommen hat," und daß Monaco von einer piemontesischen Garnison besetzt wird, über welche der Fürst in seiner Eigenschaft als Platz - Gouverneur des Königs von Sardinien" kommandirt. Außerdem wird in zahlreichen Wendungen die Stel-
luna des Fürstentums als untergebene Schutzherrschaft betont und bestätigt. Im Jahre 1860, als Savoyen franzöisch und Monaco eine französische Enclave wurde, gingen die Rechte Sardiniens an Frankreich über. Wie wett diese Rechte sich erstrecken, geht daraus hervor, daß Eisenbahnen, Posten, Telegraphen und Zölle von Monaco durch Frank' reich verwaltet werden; daß Monaco zum Sprengel des französischen Gerichtsboss Air gehört, daß die srarnönschen Soldaten, die auf Urlaub in Monaco ind, nicht als :m Ausland befindlich berächtet werden u. s. w. Und da sollte allein das Spiel der Punkt sein, wo das Recht Frankreichs aufhört und der Fürst von Blanc's Gnaden absolut souverän it? Hossentllch faßt der französische Senat bald einen Beschluß, der dem internationalen Scandal in Monaco ein Ende macht. Durchschlagende Gründe. Gelder muß der Vater senden, wenn der Sohn studiren soll" so heißt es im Liede. Aber trotzdem giebt es an jeder Anna rnater gar viele Musensöhne, die sich mühsam durchschlagen müssen oder gar rn die Lage kommen, wegen Mangels an einem Wechsel die Studien einzustellen. Aus diesem Punkte war auch der ninae Studiosus anaelanat. dessen Mißgeschick und Glück hier erzählt sem soll. Er glaubte, semen Verhältnissen allein noch durch Erlangung eines Stipendiums aushelsen zu können. Und seine Bewerbung war auch von Erfolg begleitet. Er erhielt die Nachricht, daß die Gewährung des Stipendiums seine Uebersiedelung an die Universitätsstadt L. bedinge und dan man ihm dort die curnrne von 360 Mark auszahlen werde. Unser Musensohn machte sich nun mit boffnungerfülltem Herzen und leerer Tasche auf den Weg und als er nach kurzer Fahrt sein Ziel erreicht hatte. nannte er nur noch wenige Nickel sein eigen. . Frohgemuth ging er mit seiner Legitimation zu der betreffenden Behörde und bat den Beamten um Auszabluna der 360 Mark. Dieser aber warf gar sehr bedenkliche Blicke aus das Dokument, drehte es um und um und bat den Herrn Studenten, andern Tages wiederzukommen. Dem armen Studio kam das sehr ungelegen. Am andern Tage stellte er sich pünktlich ein. Wie groß war da sein Schreck, als ihm der Beamte bedeutete. daß er ihm das Stipendium gar nicht auszahlen könne, da dasselbe statuten mäßig nicht praenumerando, sondern postnumerando gezahlt werden dürfe. Es sei ein Versehen, daß ihm das nicht Mitgetheilt worden sei. unser Studen war erstarrt, mittellos in einer fremden Stadt ohne zeden Anhaltspunkt. Als sich diese Ueberzeugung in einzelnen schüchternen Aeußerungen ruft machte, fühlte der Beamte ein menschliches vluy
ren und meinte, daß wohl selbst der Herr Rath, der Curator in dieser Stipendien Angelegenheit sei, hier nichts werde thun können. Da kommt dem Bedrängten ein Gedanke, er läßt sich zu dem Gestrengen führen, und nach kurzer Einleitung greift er in beide Taschen; aus der einen bringt er sein Portemonnaie hervor, macht es auf, stülpt es auf den Tisch und läßt seine ganze Baarschaft, zwei KupferPfennige, auf den Tisch rollen. Aus der anderen Tasche holt er eine Schrippe hervor, legt sie resignirt zu seinem Baar-
vermögen und sagt : Herr Rath, davon soll ich nun vom 6. November bis Mitte März leben ! Wie soll ich das machen ?" Was anfangs Worte nicht vermochten. das brachten die aus dem Tisch ruhenden Beweisstücke der Noth zu Wege der Herr Rath dachte nach. Nach kurzem Besinnen dekretirte er, der Beamte möge dem Studenten das Stipendium auszahen, er wuroe die Summe indessen auseaen. So ward des Musensohnes Fahrzeug wieder flott gemacht. " . rj v (jöcuiner agvl.) Sensationelle Amtsenthebung. Wien, 20. März. Großes Aufsehen macht die außerordentliche Schroffheit, mit welcher der bisherige Direktor der Postsparkassen Dr. Coch in Wien aus seinem Amt entfernt wurde. Der Rechnungsdirektor im Harn delsministerium Hofrath v. Burutzky erschien am 19. März mit einem Secretär in den glanzvollen Räumen des Postsparkassenamtes und überreichte dem Sektionschef Coch den folger'den Erlaß des Vorgesetzten Pußwald als jetzigen Leiters des Handelsministeriums : Ich habe es im Interesse des Dienste für gut befunden, Ew. Hochwohlg. bis auf Weiteres einen Urlaub zu ertheilen. Mit der Leitung desPostsparkasseamtes betraue ch interimistisch den Rechnungsdirekor im Handelsministerium, Hofrath Heinrich Ritter v. Burutzky, welcher beauftragt ist, die Funktion sofort anzureten. Ich bitte Sie, ihm die Amtsleiung, sobald er sich im Postsparkassendepartement einfinden wird, unverzüglich zu übergeben." Weil man besorgte, der unbureaukratische Direktor könnein der ersten Hitze sich weigern, sogleich sem Amt abzugeben, oder es könne sonst ein Zwischenfall eintreten, hatte man sogar, wie in Kreisen des Postsparkassenamts selbst erzählt und geglaubt wird, einen Polizelcommissar mit zwei Beamten unten aufgestellt, um gegebenen Falles die Verhaftung Eochs vorzunehmen. Die Ilechnungsbeamten sind sortdauernd mit Prüfung der Bücher und Kassen derarlg eifrig beschäftigt, als sei ihnen die Entdeckung eines Fehlbetrages oder mindestens irgend eines Fehlers sicher, denn bisher soll niemals eine Untersuchung der Kassen der Anstalt anders als durch Beamte derselben stattgefunden haben. Der Sturz des Dr. Eoch ist iedenfalls beschlossene Sache. Keine vier Jahre ist es her, als dieser Mann noch ein kleiner Pnvatbeamter des Grafen Dürkheim war, und seither zum Sektionschef, Schöpfer und Verwalter einer Anstalt von 300 Millionen Gulden Jahresumsatz emporgestiegen, ist er nun plötzlich, noch voll von weltbewegenden neuen Plänen, von der Höhe herabgestürzt. vielleicht ohne andere Schuld als die, aus einen Handelsminister wie Frhr. von Pino angewiesen gewesen zu sein. Es heißt übrigens, daß, möge auch die Schöpfung des Postsparkassenamts als eme geniale anerkannt werden, die Verwaltung doch eine leichtsinnige gewesen sei. Gegenwärtig bringt die Postspar$mZA Atnam 1TC4 tv OAA CTOfY vv l VUltlil VlilU vvll OVIS JUUUW nen etwa 30 Millionen Gulden in Renten ein. Der Unterschied zwischen der Verzinsuna der Einlagen mit 3 Procent und dem Zinsenerträgniß der Rente, sowie die Cursstelgerung der Rente bilden die Gewinne, deren Abführung an das Finanz - Ministerium dieses beansprucht. Bisher sah es jedoch von diesem Gewinne nichts, der zu Reservefonds, zur Abzahlung eines Staatsvorschusses und angeblich auch zu übertrieben verschwenderischen Anlagen verwendet wurde. So habe Coch, nachdem er erst unlängst das Dominikanerkloster mit einem Aufwands von 60,000 Gulden eingerichtet, sich dann das ehemalige Blbltothekgebäude einräumen und mit aber maligen Kosten von 1-10,000 Gulden ausstatten lanen, obwohl dieses (sebaude vom Wiener Magistrat zum Abbruch bestimmt sei. Anö dem Leben einer Großstadt. Jennie Woods war ein schönes und intelligentes Mädchen. Vor einiger Zeit kam sie aus (leveland nach Chicago. Ihre Heimath ist irgendwo in denNeueng-land-taaten. Dort wurde sie erzogen und erhielt, wie die meisten Töchter ame- ' 'p spLt i o c ir rr. rilanncyer liiern in ienemanoesiyeiie. eme gute Schulbildung. Ihr Vater, der früher eine gute Stelle in einer Spinnerei bekleidet hatte, war durch eme neue Erfindung überflüssig geworden und verlor seme Arbeit. An Jenrne trat nun die Ausgabe heran, für sich selbst zu sorgen. Sie versuchte es nach besten Kräften, aber es ging nicht. Sie konnte in der Fabrik mit anderen Mädchen, welche ungebildet", aber auf ibre Arbeit eingeschonen waren, nicht concurriren und dann verdiente sie bei der angestrengtesten Arbeit Nicht einmal 82.00 die Woche. Davon konnte sie doch nicht eristiren Im Westen, sagte man ihr, sei es besser. Ein intelligentes Mädchen habe dort keine Schwierigkeiten, sich durchzuschlagen. Da gebe es allerhand Gele genheiten, ein anständiges Leben zu machen." Jennie kam nach Chicago. Das Glück war ihr hold; sie erhielt eine Stelle als Verkäuferin. Eine Zeit lang müsse sie für 83.50 die Woche arbeiten, später werde sie mehr bekommen, sagte ihr der r t r r i. ' rrs rrr aoenoenyer. ,'as war vor Weiynacy ten. Nach den ??eiertaaen wurde sie entla? sen. Das Geschäft ging schlecht und man 'brauchte nur eine geringe Zahl von r" m S" -derlauserinnen. eie könne aber, wenn sie wolle, ibre Adresse kinterlassen. kiell leicht komme etwas vor. Jennie lief sich
die Füße wund. Sie mußte auf alle Fälle Arbeit finden, ihr Geld war alle, und wovon sollte sie ihre nächste Miethe bezahlen ! Aber wo sie auch vorsprach, Arbeit hatte man nicht für sie. Am dritten Abend nach ihrer Entlas sung sprach ein Herr bei ihr vor ; man hatte ihm erzählt, daß sie in Noth und dafc sie eine würdige Person sei ; er werde in einigen Tagen wieder vorsprechen, inzwischen möge sie ein kleines Geschenk annehmen, damit sie nicht gar Noth zu leiden brauche. Am nächsten Abend sprach der Herr wieder vor und von da an regelmäßig. Jennie sah die Unmöglichkeit ein, Beschäftigung zu erhalten. Dann war der Herr ja auch so gut, bemühte sich so sehr, wie hätte sie sich undankbar erweisen, ihm eine Bitte abschlagen dürfen ! Wäre er nicht gewesen, was wäre wohl aus ihr geworden! Diese Frage stellte sie sich häufig und, wenn der Gedanke an die Eltern und Freunde in Maine Gewissensskrupel bei ihr wachriefen, dann pflegte sie diese damit zu beschwichtigen, daß der Herr ja versprochen hatte, sie sobald zu ehelichen, als er sein Scheidungsdekret erlangt habe Eines Tages kam der Herr nicht mehr, Jennie wartete mehrere Tage auf ihn, aber er blieb aus. Sie erwachte aus ihrem Taumel ; er hatte sie verlassen, ohne ein Wort zu sagen, verlassen. Was sollte sie anfangen ! Und nicht nur das sie erschrak vor sich selbst, wenn sie daran dachte was aus ihr geworden. Endlich raffte sie sich auf und eilte hinaus in die kalte Luft, auf die Straße, wo sie sich von den kalten, herzlosen Menschen, die an ihr vorübergingen, verhöhnt und verachtet glaubte. Dieser Tage in aller Frühe hielt vor einem Hause in der Madison - Straße eine Kutsche. Darin saßen zwei Personen, ein Herr und eine Dame. Die Letztere lag bleich wie eine Todte da: sie
war besinnungslos. Man trug sie in ein Zimmer, das sie Tags zuvor gemiethet hatte. Man rief einen Arzt herbei; als dieser eintraf war das schone Madchen eine Leiche. Belebungsversuche fruchteten nichts. Das Herz hatte ausgeschlagen. Wie ist das gekommen? fragte der Doctor den fremden Herrn, der ihn hatte rufen lassen. Ssq wurde vor einigen aatn mit ihr bekannt ; sie schien sich sehr zu grämen über etwas. Sonst war sie ein liebes Mädchen. Gestern Abend besuchte ich sie und da fragte sie mich, ob ich je Opium geraucht habe. Sie wolle Opium . ot r c r .. c e . raucyen. Wir gingen nacy oer uoeiie. auften uns m der Elarkltraße von einem Chinesen für 50 Cents Opium und erfuhren hier, wo eine Nauchstube sei. Dorthin begaben wir uns. Es ist ein chinesisches Lokal. Mir ward übel nach den ersten paar Zügen, und so eilte ich hinaus m die frische Luft, sie aber rauchte mit wahrer Todesverachtung und als ich spater zurückkehrte, war sie beäubt. Als sie längere Zeit Nicht zu sich kam, lieü ich einen Doktor rufen, allein derselbe konnte ihr nicht helfen. Dann haben wir sie m die Kutsche gesetzt, sind hierher gefahren und da ist sie denn vor einigen Minuten gestorben." Der fremde drückte hieraus dem Xou tor eine Bill" in die Hand und verabschiedete sich. Wer er ist, weiß man nicht. Es wurde in Erfahrung gebracht, daß der Vereinigte Stacr ten-Gesandte, Freden H. Wmston ,n Persien, das unglückliche Mädchen kannte, einst um ihre Hand anhielt, indessen abgewiesen wurde. Unter den Effecten der Verstorbenen fand man nämlich einen Brief, datnt : Chicago, ll., den 26. Dez 1333." Das Schreiben ist F." unterzeichnet, an Jennie gerichtet, und strotzt von zärtlichen, fast väterlichen ErMahnungen. ..F." beschwört das Mädchen, um Himmeli'.willen nicht vom Pfade der Tugend zu weichen, ein rechtschaffenes Leben zu führen und nicht zu verzagen, da sich noch Alles zum Besten wenden könne. Das Schreiben endet mit folgenden Worten : Ich hoffe und bete noch immer, daß Du ein rechtschaffenes Weib werden wirst. Ich weiß, daß es nutzlos ist, nochmals Alles zu erwähnen, was ich so oft schon gesagt habe. Aber um Eins bitte ich Dich: Gedenke meiner im Glück ode' Unglück, gedenke meiner guten Ermah nungen und befolge sie, denn Du weißt ja, wie sehr Dein Wohlergehen mir am Herzen liegt. Vielleicht sehe ich Dich in dieser Welt Nicht mehr, Jenrne, doch yosse icy nur immer urnitt? von ir zu r r- ' r rrt , i hören. Ich werde bis zum 12. Januar in der Stadt bleiben, und dann meine 3!eise nach Persien antreten. Lebe wohl, Gott schütze Dich. Dein iS Jennie war einst eine gefeierte Schönheit in Cleveland und hatte eine Menge Verehrer, aus denen sie sich indessen wenig oder nichts zu machen schien. Vor drei Jahren betrat sie die Bühne, und im November 1834 kam sie nach Chicago, wo sie die Bekanntschaft emes Gamblers machte, der sie bewog, r r w litt) in i2ylcaao nleoerzma en. Von da ab stand sie im Rufe eines leichtsinnigen Mädchens,und in der That sank sie auch lanasam von Stufe zu Stufe, ohne daß ihre Schönheit Einbuße erlitten hätte. Ihr fesselndes Wesen und ihr einnehmendes Aeußere schufen ihr eine Menge von Freunden und Verehrern. Winston's Bekanntschaft machte sie in Kinsley's Restaurant, wo er ihr von einem Frl. Morris vorgestellt wurde. Frl. Morris erklärte, Winston habe Jennie innig geliebt und mehrmals um ihre Hand angehalten, doch habe Jennie nichts von einer Heirath wissen wollen. Winston sorgte für Jennie stets in ausgiebigster Weise. Ei n schwieriger Posten. Weinhändler (zu seinem Reisenden) : Herr Mehlmann, was ist Ihnen denn plötzlich eingefallen, daß Sie mich um Ihre sofortige Entlassung ersuchen 'i Ich habe Sie doch immer anständig behandelt." Reisender : Das schon aber ich bin aus Gesundheitsrücksichten gezwungen, Ihr Haus zu verlassen, denn wo ich nur hinkomme mit meinen Mustern, verlangen die Leute, ehe sie davon kosten, dak ick erst davon trinke und das halte ich für die Dauer nicht aus !"
Ein Anarchistenbrief. Man schreibt eus Paris : Gallo, der ein Attentat auf das Lebender Pariser Börsenbesucher versuchte, hat die Unverschämtheit gehabt, aus seinem Gefängniß heraus an die Redaction des Cri du peuple" folgendes Schreiben zu richten, welches das anarchistische Blatt mit sichtlichem Wohlbehagen seinen Lesern auftischt. Paris, Gefängniß Mazas, Zelle No. 50, 10. März, 1886. Bürger Redacteur! Obgleich Ihr Blatt, dessen eifriger Leser ich stets war. nur einen lauen Eifer für die anarchistische Sache zeigt, wage ich anzunehmen, daß Sie mir in der schwierigen Situation, in welcher ich mich gegenwärtig befinde, den Platz zu einer Antwort auf vielerlei gegen mich aufgetauchte Verleumdungen einräumen werden. Mein zigentlicher Name ist in der That Gallo und nicht Petrowitsch, ich bin in Belle Jsle-en Mer und nicht in Polen geboren. Von Profession bin ich Chemiker, aber es ist nicht wahr, daß ich mich nur dem Studium der Chemie zugewandt hätte, um zu lernen, wie man Sprengbomben und ähnliche Zerstörungswerkzeuge fabriciren kann. Aber es ist wahr, daß ich als eifriger Anhänger der anarchistischen Sache es für nothwendig hielt, den Bourgeois einen Schrecken einzujagen ; überzeugt von dem demnächstigen Entstehen einer großn revolutionären Bewegung, meinte
ich, m Uebereinstimmung mit meinen, ebenfalls dem anarchistischen Communismus ergebenen Freunden, daß die Eman-, cipation des Proletariats nur bei dem ! Zusammenkrach der Deputirtenkammer und bei dem Widerschein des Vrandes des kapitalistischen Vagnos, welchen man die Börse nennt, vor sich gehen kann. Ich glaubte dem Volke und der socialen Revolution zu dienen, wenn ich meinen Angriff gegen jene Agioteure richtete, welche an der Börse auf das Elend des Volkes speculiren. Ich schlug dafür mein Leben und meine Freiheit in die Schanze, aber auf das Leben Jener, welche ich als die eigentlichen Urheber alles socialen Elends betrachte, hatte ich keine Ursache3!ücksicht zu nehmen. Zu diesem Zweck hatte ich mich entschlossen, ein ansehnliches Quantum von Blausäure anzufertigen, um damit die Börsenbesucher zu begießen, namentlich schleuderte ich den Inhalt der Flasche nach jener Richtung, wo sich die Agents de Change und die großen Bankhäuser befinden. Verschiedene Umstände, namentlich der Mangel an Geld, haben mir nicht erlaubt, mein Vorhaben nach Wunsch (!) zur Ausführung zu bringen. Da mir aber in jedem Falle daran lag, etwas zu thun, griff ich schließlich zum Revolver ; alle übrigen Punkte werden durch die Discussion vor Gericht aufgehellt werden. Ich bitte Sie, Bürger 3tedacteur, nach Kräften das von einigen Seiten colportirte Gerücht, daß ich ein Narr sei, zu demcntiren. (!) Dem Untcrsuchungsrichte? ist niemals ein solcher Gedanke gekommen, im Gegentheil, er bat erklärt. in Mir das Gedächtniß, die Nuhe und die Auffassungsgabe eines Mannes gefunden zu haben, der im vollen Besitze seiner geistigen Fähigkeiten ist. Ich hoffe, Bürger Redacteur, daß Sie diesen Zeilen die Aufnahme nicht versagen werden, und ich bin gespannt, wie die öffentliche Meinung emen Mann richten wird, der die Aushungerer des Volkes durch die einzig ihm praktisch erscheinen den Mittel bekämpft hat. In der Hoffnung, daß Sie die revolutionäre Solidarität trotz der verschiedenen Richtungen, deren wir angehören, aufrecht erhalten werden, bitte ich Sie, Bürger Iledacteur, die Versicherung meiner Hochachtung zu genehmigen." Deutsche Militärpflichtige in den Ver. Staaten. Daß die deutsche Regierung denjenigen ihrer Unterthanen, welche, obwohl körPerlich dazu befähigt, sich der Leistung ihrer Müitarpfucht zu entziehen suchen, keine freundlichen Gefühle entgegenbringt, weiß man und kann man ihr das auch nicht weiter verdenken. Deshalb brauchte sie aber nicht Denjenigen das Leben zu erschweren, welche den ehrlichen Wunsch haben, ihrer Pflicht zu genügen, aber Grund zu der Annahme haben, daß sie nicht tauglich sind. Veranlassung zu diesen Bemerkungen giebt uns folgende auf desfallsige Anfrage unsererseits erfolgte Zuschrift des hiesigen deutschen Consuls, Baron von Nordenflycht : ,.Ueber die Dienstpflicht deutscher Mili tärpflichtiger, welche ihren dauernden Aufenthalt im Auslande haben, kann endgiltig entschieden werden, ohne daß ihr persönliches Erscheinen vor den Ersätzbehörden erforderlich ist, wenn sie durch glaubhafte ärztliche Zeugnisse nachweisen, daß' sie dauernd untauglich oder nur bedingt tauglich sind. Als glaubhaft im Sinne dieser Bestimmung werden die Zeugnisse nur derjenigen ausländischen Aerzte angesehen, welche vom Reichskanzler speziell zur Ausstellung derartiger Zeugnisse ermächtigt worden sind. Innerhalb der Ver. Staaten besindet sich nur in Rew Jork u. in San Francisco je ein mit einer solchen Ermächtigung versehener Aizt. Die ärztliche Untersuchung, welche der Ausstellung des Zeugnisses vorauszugehen hat, hat in Gegenwart eines deutschen Consularbeamten stattzufinden. . In New ?)ork ist der erste Sonnabend, in San Francisco der erste Montag jedes Monats für die Vornahme solcher Untersuchungen bestimmt. Der Militärpflichtige, welcher sich bezüglich seiner Diensttaugllchkett untersuchen zu lassen wünscht, hat sich an das betreffende Consulat unter Vorlegung der zur Feststellung seiner Identität dienlichen Papiere zu wenden. Die Identität ist - auf dem ärztlichen Zeugnisse durch den Eonsul zu beschern! gen. Die durch die Untersuchung ent stehenden oder damit zusammenhängen den Kosten, einschließlich des Arzthono rars, dürfen auf amtliche Fonds nicht übernommen werden, fallen vielmehr den die Untersuchung nachsuchenden Militär pflichtigen zur Last. Die Gebühr für die consularische Bescheinigung beträgt S2.16."
Es ist aus obigem Schzsiben erficht lich, daß die Annahme, die Untersuchung könne vor einem jeden Bernfs-Consul (consnl missuZ) erfolgen, eme irrthümliche ist. , Daß letzteres ermöglicht werde, wäre in hohem Grade wünschenswerth, denn wenn schon für Manchen, der weit im Nordwesten oder Südwesten wohnt, eine Reise nach Chicago, Cincinnati oder St. Louis ein Geld- und Zeitopfer verlangt, das in vielen Fällen die Grenze des Erfchwingbaren übersteigen wird, wie viel mehr muß das der Fall sein, wenn New Vork und San Francisco die einzigen Orte sind, wo man sich stellen kann. Die Aerzte zu finden, welche schon der Ehre halber die Ernennung zum untersuchenden Consular-Arzt annehmen würden, dürfte nicht schwer sein, und vielleicht bedarf es nur einer Anregung beim deutschen auswärtigen Amte, um die so sehr wünschenswerthe Reform zu veranlassen. Daß die deutschen Militärlisten dadurch viel reinlicher werden würden, läßt sich nicht bezweifeln. Denn ganz natürlich werden Leute, welche allen Grund zur Annahme haben, daß sie nicht tauglich sind, sich nicht nach 3!ew Jork oder San Francisco begeben, und ein kleines Vermögen opfern, um sich die Bescheinigung davon zu holen. Angenommen, ein in St. Paul angestellter junger Deutscher müsse nach New L)ork, um sich untersuchen zu lassen. Die Reisekosten sind, gelinde gerechnet, mit Verpflegung unterWegs 840, Aufenthalt in New Nork $10,
Gebühren 55, Rückfahrt zusammen $95 oder fast 400 Mark nach deutschem Gelde. Wie viele junge Leute können eine solche Summe erschwingen? Nothgedrungen werden sie es über sich ergehen lassen müssen, in Deutschland als Deserteure angesehen zu werden, während sie gerne diesen Flecken von ihrem Namen fernhalten würden, wenn es im Bereich ihres Vermögens läge. (Jll. Staatsztg.) Daö Leben ist schön, aber kost spielig. Ein Fremder fragt einen, im offenen Parterrefenster seine lange Pfeife rauchenden Herrn : Entschuldigen Sie aütigst, wohnt nicht in dieser Straße der Uhrmacher Ticktack i Wen habe ich die Ehre? O, bitte, hier ist meine Karte, ich bin der Brauer Malz aus Hopfenthal, logire im Hirschen! Ich wünsche des Uhrmachers Ticktack Wohnung zu erfragen ! Schön, er wohnt No. 14, das zweite Haus links ! Danke sehr I Keine Ursache, ich bin der Nechtsanwalt Schröpfer l Malz tritt in das Lokal des Uhrmachers, den er bittet, ihm das von seinem Chronometer herausgefallene, aber unbeschädigte Glas zu befestigen. Herr Ticktack führt das bestens aus, weigert sich aber, für diese geringe Mühe eine Bezahlung anzunehmen.Jns Hotel zurückgekehrt, findet Herr Malz eine Liquidation des Ztechtsanwalts Schröpfer Honorar für eine Consultation, 7 Mark 50 Pf. 'vor, welchen Betrag letzterer durch seinen Schreiber sich vom Oberkellner bereits hat auszahlen lassen. Die ersten, über die belgischen Unruhen vorliegenden Postberichte weisen direkt auf eine AnarchistenProklamation als erste Veranlassung hin. Es heißt: Ein in Lüttich veröffentlichter Aufruf der Anarchistengruppe an die Arbeiter weist direkt darauf hin, daß die Genossen in London, in Amsterdam, in New Jork bereits ihre Wünsche gegenüber der egoistischen Bourgeoisie" geltend gemacht haben. Sollen wir in Ewigkeit', heißt es in dem Manifest, die Bourgeoisie alle Rechte, alle Privilegien genießen, sowie andererseits jede Gerechtigkeit und Freiheit denjenigen verweigern lassen, welche sie ernähren, das heißt der Klasse der Producenten? Weiter wird auf den 18. März, den Jahrestag des Pariser Kommune-Aufstandes, hingewiesen, bei welchem die heldenmüthige Bevölkerung von Paris sich für die Emancipation der Volker erhob, ein Vermch socialer Wiedergeburt, welcher im Blute von fünfunddreitzigtausend Arbeitern erstickt wurde." Dieser fanatlsche Ausruf erzielte denn auch feine Wirkung. In allen großen Eafes im Mlttelwunkt der Stadt wurden die Fensterscheiben zertrümmert, in einem derartigen Etablissement wurden kogar deutlich die Kugelspuren festgestellt. Sistirt wurden am ersten Abend 49 Versonen, von denen w auch in Haft behalten wurden. Angekündigt wurde zugleich, daß die Ruhestörer aus Brüssel, aus Antwerpen und aus Gent Zuzug erhalten würden. Andererseits wurde die Vesorgniß gehegt. daß in Jemeppe (unWelt Lüttlch an der Maas aeleaen), sowie in Seraing ahnliche Rubeftörungcn stattsinden würden. An beiden Orten ist die Fabrikbevölkerung sehr zahlreich , auch wurde dieselbe unablässig durch aufrührerische Prokla mationen in Aufregung versetzt. Als Probe der Ansprachen, welche von den Agitatoren (unter denen ein gewisser Wagener von Hcrstal besonders hervorgehoben wird) diene : ,,yr yao: nun die reichsten Straßen der Stadt durchzogen ihr babt die Magazine gesehen, die von Kostbarkeiten strotzen. Alle diese Reichthümer habt ihr erzeugt mit eurem fZZJiAlZ v; f-v Wrfott t 1lnX tarrä Sckweik. mit eurer Arbeit ! Und was V V v Ihr seid nackt und babt ihr davon? hungrig! Ihr Alle seid Feiglinge!" ("lassacre, inassäcro!" hörte man nach dieser Ansprache aus der 'Menge rufen.) Wagener selbst empfahl AnWendung des ynamus ais oes veuen Mittels zur Lösung aller socialen Fragen. Auch bezüglich der nachgefolgten Unruhen werden durchwegs Anarchisten als die Anstifter angeführt und überdies noch hervorgehoben, daß hervorragende Mitglieder der äußersten Linken der französischen Deputirtenkammer die FS den der Verschwörung in Händen hätten. Im Affect. Herr: ..-.. Bit wollen mn Ihre Liebe entziehen, vom tesse? Wagen Sie es nicht ich würde mich todten !" Comtesse : Nun.dann ist das letzte Band zwischen uns zerrissen! Weisen ie von vinncn inu einem Selbstmörder könnte ich nie leben !"
Beim Haidenschenken. (Aus j, ttcdermappe tiixl fJbrmdt Schülers).
Heiß &a? der Tag, und müde Ging h am Wanderstab Durch Sonnenbrand und Dürre Das Land thalauf thalab. Mit allen seinen Liedern War längst verstummt mein Mund ; Ein fieberhaftes Dursten Glüht' mir im trocknen Schlund. Da winkt' o sei gepriesen Du glücklich Ungefähr ! Der grüne Kranz des Schenken Vom Wegesrand daher. Ich doppelte die Schritte So schnell mein Fuß mich trug Und grüßt' mit lautem Jauchzen Den hochwillkomm'nen Krug. Gar bald saß ich im Schatten In stiller, süßer Ruh' Und trank der Abendsonne Den kühlen Schoppen zu. Das flinke Schenkenmädel Saß dicht an meiner Seit' Und lauschte froh den Liedern Aus meiner Burschenzeit. Wie war so schön ihr Antlitz, Umrahmt von braunem Haar, Wie kußlich ihre Lippen Und tief ihr Augenpaar. Da zog ein wildes Sehnen Jn's volle Herz mir ein. Ich wurde ernst, und seufzend Ging ich in's Haus hinein. Dort streckte ich die Glieder 'Im traulichen Gemach Und schlief, bis durch die Wolken Das goldne Frühroth brach. Da hab' ich Stock und Ziänzel Schnell von der Wand gehakt Zur Furcht vor meiner Liebe Zu jener holden Magd. ' Doch an des Hauses Schwelle Ich just auf Gretel stieß. Die nimmer wollte dulden. Daß ich den Krug verließ. O lass' mich zieh'n,Du Süße!" Rief ich in bitt'rem Weh, Wir können uns nicht haben. Drum beer ist's ich geh !' " Sie aber schüttelt's Köpfchen Vom krausen Haar umwallt : Bardong, mei' kutes Herrchen, Se hamm noch nich' bezahlt !" Martellus. Wie gerndieWienerinnen Lotterie splclen, beweist eine Anekdote, welche in derPhäakenstadt an der Donau über diesen Punkt umläuft, sei diese nun wahr oder erfunden. Vor einigen Iahren wendete sich ein Industrieller aus Massachusetts, der eine größere Kartonnage Fabrik besitzt, um weibliche Arbeitkräfte an das Wiener General-Konsulat der Ver. Staaten. Man engagirte fünfzig junge Oesterreicherinnen, die sich unter den gebotenen günstigen Bedingungen bereit erklärten, die Reise über den Ocean anzutreten. Kaum waren zwei Jahre verflossen, so langte ein neuerliches Ansuchen des amerikanischen Fabrikanten ein, in welchem derselbe berichtete, daß sich zu seinem größten Leidwesen fast sämmtliche fünfzig Arbeiterinnen aus Oesterreich vortheilhaft verheirathet hätten, und daß er sich daher genöthigt sehe, abermals um die Anwerbung von fünfzig Oesterreicherinnen,die in seiner Branche sehr verwendbar wären, anzusuchen; nur möge man ihm diesmal ja keine jüngere hübsche Mädchen, sondern recht häßliche ältere Personen senden. Die gewünschten Kandidatinnen waren binnen wenigen Tagen gefunden. Bevor sie jedoch auf die ihnen gestellten Bedingungen eingingen, sollen sie sich bei dem General-Konsul erkundigt haben, ob es denn in Massachusetts auch eine kleine Lotterie" gäbe, und als ihnen dies verneint wurde, hätten sie insgesammt auf das im Uebrigen verlockende Anerbieten verzichtet. Die Heilsarmee in Lon don beging am 25. März den fünften Jahrestag der Einleitung ihre? Propaganda in Frankreich und der Schweiz durch ein öffentliches Meeting in Ereter Hall. Fräulein Booth (La Marechale Acoth von Paris) führte den Vorsitz und unter den übrigen Rednern befand sich Oberst" Elibborn. Die Betheiligung der Salutisten an dem Meeting war enorm. Ter Jahresbericht hebt hervor, daß in 1863 und 1831 die Zahl der Stationen der Heilsarmee in den genannten zwei Ländern etwa verdoppelt worden, während sie voriges Jahr sich wieder in demselben Verhältniß vermehrt hätte. In Lyonsei ganz kürzlich eine große Halle eröffnet worden und in Frankreich wurden fünf neue Stationen hergestellt. Ein zweites Eorps sei in Genf gebildet worden und vier neue Stationen wurden in der französischen Scbwei,; eröffnet. In diesem Jahre habe die Heilsarmee ihre Operationen aus die deutsch sprechende Schweiz ausgedcbnt. Zürich, die Stadt, welche bisher allen Anstrengungen der Heilsarmee durch intolerante Dekrete Trotz geboten hat, sähe jetzt drei Armeecorps seiner Bürger im Besitz einer Halle i c o-r.fr . rz.' ... an jedem User oes iues. znt, weitere deutsche Station wurde im nächsten . .-c. -iCT!! .i en ttarnen erossnei um naiyonien ms gekehrte. Im Kanton Neuchatel sei die Armee trotz allen Widerstandes auf zwei weitere Thäler vorgedrungen, und in denselben wurden blühende Corps acbildet, von denen eines, als es auf eigenen M r-t t fcir .i. frugen nano, einen Vorpouen nacy einem benachbarten anton vorgeschoben. Wie man 's nimmt. Hauptmann von der hohen Nummer : Mttn gnädiges gramem, darf ich um den nächsten Walzer bitten rauleln von Faber-Hochmutysdors ! ehr gern, Herr Hauptmann. Denkel Sie mal, Sie sind der erste Ofsicier von der Linie, mit dem ich tanze. Hauptmann : Ja, das ist wirklich merkwürdig ! Was haben Sie denn an sich, daß die Ossiciere von der Linie nicht mit Ihnen tanzen wollen?
