Indiana Tribüne, Volume 9, Number 208, Indianapolis, Marion County, 18 April 1886 — Page 2

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Schwere Wiche. Criuüncl Slcman ton 23. v. ReinZho,'.

(10. Fortsetzung.) m Marie'S Zähne schlugen heftig aufeinander. Sie sah entsetzlich' bleich au und starrte die Mutter mit weit aufgerissencn Äuge an, als habe sie die .Worte derselben nicht verstanden. Doch dann sagte sie plötzlich in geheinmißvol len: Tone : - Mutter, ich war dem Mörder des .Vaters auf deu Versen Ich habe ihn Qesi:nfccu und werde ihn zur erantwortung ziehen. Der schuldlose soll nicht unter dem schmachvollen Druck lci--den,' der ihn zn Grunde richten" muß." Frau Frank sah ihr Tochter erschreckt cu Allmählich begann eine fieberhafte Rothe ihre Wangen zu bedecken und ihre Äugen glühten förmlich. Das Mädchen sprach offenbar im Fichex. Ach, ulcher neue innrer drohte Über sie hercrnzubrcchcu! Was war göscheheu'5 .. Eie fragte , wiederholt, erhielt aber seine Antwort mehr. Marie blickte die Mutter an, als habe sie cernr Worte nicht verstanden, und das war auch in der That der Falb. Umm laz sie in ihrem Vette , ausgestreckt, so verriethen rasch hervorgestoßene Worte der crschrokicnen Mutter, daß Marie ein heftiges Fieber durchschüttelt:. Mit Tagesanbruch ward zu einem Arzte gesandt und Wochen vergingen, ivährend welcher Zeit Marie am Rande des Grabes schwebte. -Nicht ein einziges Mal erwachte sie zum Bewußtsein und Frau Frank fragte sich vergeben, was geschehen sein konnte. ''Die Fieberpbanlasieen verriethen der angstvoll lauschen' den Mutter zwar uiancherlei, doch nicht den wirklichen (öachveryalt und, so fehlte ihr derFaden,' welcher sie Schlüsse zieden lauen tonnte. Ohne Zweifel hatte Marie den Maim gesehen, den sie für den Mörder ihres Katers hielt, aber wo, wie? Was bedeutete ibr langes Ausbleiben in der sinsteich -Zkacbt 't Wie nach dem Tode des Vaters Mane voller Angst am 'Krankenlager der Mutter saß, so wachte diese jetzt bei ihr Und endlich kam der Tag, an welchem Mariewiece? mit klarem Blick die Augen dnncte und sie mit dem Aufdruck fragender Verwunderung anschaute. Die belle Wintersonne durchrrang eben eine Epalte des zusammengezogenen Vorhangcs und ihre strahlen tanzten auf dem dalb entblöfuen Arm der kranken. Mutter, ich war krank i" tam cs leise von ihren Lippen. Sehr krank, Marie!" Sie lag eine Zeit lang still, wie in Nachdenken versunken. Plötzlich belebte ein Hauch von Ilöthe die marmorblassen Wangen und auch in den Augen spiegelte sich wiederkehrende Erinnerung Mutter, ich war lange krank ?" Mehr als vier Wochen." Mutter, wo habt Ihr mich gefunden ? Wu: kam. ich hierher? D, es war schrecklich! Mutter, hörtest Du nicht, daß der wirkliche Mörder entdeckt ist ?" z Die Mutter blickte' besorgt auf das errkzte Mädchen.' Tu sprachst viel in Deinen Phantasieen davon, aber ich .weih Nichts, gar Nichts. Ich .habe keine Zeitung gelesen und Niemand ist bei mir gewesen. Auch Frau Brand nichts Nein," versetzte die Mutter zögernd. .Sie fürchtete sich, Marie durch die Mittheilung aufzuregen, daß Frau Marianne Brand am Tage zuvor vcn der Polizei in Haft genoinmen worden sei. So hortest Tu nichts, was den Mord betrifft':" Nein, Marie, aber Tu darfst Dich nicht aufregen. Ich will Erkundigungen einziehen !" Zuvor aber, Mutter," unterbrach die Kranke die Bäuerin, mußt Tu wissen, was in jener N'acht vorgegangen ist ; ich sinde eher keine Ruhe!" Umsonst versuchte die Mutter, Marie zu bestimmen, ihre Mittheilungen aufzuschieben ; sie bestand darauf, sich derscl den gleich zu entledigen, und Frau Frank -fürchtete endlich, . sie durch Widerspruch noä' mehr aufzuregen. So gab sie dann nach.' ' : Nun wurde ihr bald Alles klar; sie hatte den Fasen von Marie's Fieberphantasiecn gefunden, und ein Schau der nach dem anderen durchrieselte sie bei dcnc Gedanken an die Gefahr, in welcher Mewie geschwebt hatte ; aber auch andere Gedanken drängten sich der einfachen fiwu auf. Wenn Iran Marianne Brand,' bcl welcher Marie den Mörder . ihres' Vaters gesehen, in der' That festgenommen w'ar,ifo muhte zwischen diej'en beiden Menschen und dem Morde ein Zusaiunlenhang bestehen'. Sie behielt ihre Gedanken indessen sorgsam für sich. Nachdem' Marie ifcrc Erzählung beendet hätte, sank sie mit geschlossenen Augen in die Uissen zurück. Ein langer Schlaf ließ sie erst gegen Abend wunderbar gestärkt erwachen. . Es schien, als ob neuckraft und neuer LedenSmutb ihre Adern durchströmte ; ihre klugen glänzten. Tas Herz der Mutter schwoll vor Dank und Freude. Bereits .vierzehn ..Tage fpäter fubr Marie, mit'dfr Mutter iu die Stadt. (5s .varAbe.j:d in er Dämmerung, als sie vor Vein Hau'e des Amtsrichter ötöhrborn: anlangte, n, und nim schwankte doch ein wenig die zierliche Ä.ädchcngestalt, als sie.' den Wagen verlassend, die wcniiicn Stufen zum Häusportal hinaufeiltc, . v a. . r r- ' l , iiißvollen Abend, nach welchem sie aus's Llrankentäger gesunken, verfolgt, hatte, war der Morjer ihres Baters entkommen und damir.für immer ihrem Bereich, ent- . schlupft?' " ; ' ' . . 2 1 ;' 18. S Stavm das; Marie den Amtsrichter Hehrborn an jenem Abend nach dcr Berfolgung Karl Brand's verlassen, hatte die .Ziudedie der gewiegte - Jurist so lange zur 'Schau getragen, 'schnell einer hcftien Aufregung Platz gemacht. - Seinen Diener zu sich bcscheidcnd, ließ er sick "Mcd und Stock bringen und rciließ allfozleich das Haus. Er begab

unl) lk)re.i)atto zttlertk, als ne ylc)tocle zog. Welche . Nachricht . barrtc ibrer 'i Was der, Mann,; den sie an dem vcrbäna

sich sofort nach dem Haupt-Polizeiamt, , tvo er eine längere Besprechung mit mch rercn als die tüchtigsten bekannten Beamten hatte. m Der nächste Morgen führte den Amts richte? in Erinnnalangelegcnhcitcn auf's Land. Erst gegen Abend kehrte cr zurück. Er fand einen Polizisten seiner wartend. Derselbe brachte ihm Nachrichten, doch nicht die günstigstem Das Haus, in welchem Karl Brand gesucht werden sollte, hatte der Polizei schon viel zu schaffen gemacht, nnd man lvar in sei ncm Fall zu einem Resultat gelangt, obgleich Alles angewendet worden war. um den Verbrechern auf die pur zu koinmcn. Man wußte mit Bestimmtheit, dan dieses Haus eine Schenke war, in welcher die gefährlichsten Elemente der Bevölkerung ihre Zusammenkünfte abblelten; wiederholt waren gemeingefährliche Verbrecher daselbst verhaftet worden, aber diese Berhaftungen hatten dennoch zu Nichts weiter geführt, als zur vorläufigen Beseitigung einzelner Individuen. Es war überhaupt unmöglich, unter irgend einer Verkleidung in diesem Hause Zutritt zu erlangen. Die Polizei hatte bereits zu allen nur erdenklichen Mitteln ihre Zuflucht genommen und so konnte der Beamte nur mit dem Kopfe schütteln, als der Amtsrichter ihm den Vorschlag machte, irgend einen besonders schlauen Detektiv in einer Verkleidung an Ort und Stelle zu senden. Unmöglich, Herr Amtsrichter, bereits in der letzten Nacht ist das Haus umstellt worden und eine genaue Durchsuchung aller Zläumlichkeitcn ist vorgenommen, aber wir haben durchaus "Nichts gefunden." , Sie baben keine Spur von dem Gesuchten?" Der Wirth gab nur zu nnd zwar sehr offen,' daß ein Mann wie der Beschriebene in seinen: Hause aus- und eingcgangen sei. Seiner Meinung nach sei es ein Hafenarbeiter gewesen ; er habe auch keine Veranlassung gegeben, daß man ihn hätte verdächtigen können. Seit gestern aber sei er nicht wiedergekehrt und da der Gesuchte die Absicht ausgesprechen, nach Amerika überzusiedeln, so sei anzunehmen, daß cr mit der englischcn Bark Allright", die gestern in See gestochen sei, Europa verlassen habe." Der Amtsrichter schritt einige Male hastig in dem Gemach auf nnd nieder. Dann blieb er vor dem Polizeibcamten stehen. 'Die Möglichkeit ist ausgeschlossen.

Meiner. Sie wissen, daß Karl Brand gestern Abend noch gesehen worden ist und zwar gerade in dem Augenblick, als er in das genannte Haus verschwunden ist." Nun trat eine Pause ein. Herr Amtsrichter, mir kommt eine Idee !" sagte plötzlich der Polizcibeamte. Nun?" Nicht wahr, ich habe ganz freie Hand, den Fuchs aufzuspirren ? Es toiumt auf die Zeit nicht an V Wenn sie nicht die nächsten vierzehn Tage überschreitet." Ich brauche keine vierzehn Tage. Wenn ich des Schurken habhaft werde, welche Belohnung kann ich versprechen ? Nicht für mich, selbstverständlich. Ein Schurke läßt sich nur mit Geld, ein Frauenzimmer mit Schmeicheleien kaufen!" 9, ich denke, Sie können ziemlich weit gehen." Der Amtsrichter dachte an Marie Frank. Ihr würde kein Geldopfcr zu hoch sein. Zum ersten Mal dachte er auch an Herrn Gerhard Reinsberg. Dicht vor den Polizisten hintretend, sprach er : ' Werden Sie Karl Brand's habhaft und fordern Sie, was Sie wollen. Aber gehen Sie vorsichtig zu Werke. Der Fuchs ist schlauer als zehn Detektivs und der Preis, der auf dem Spiele steht, ist ein hoher. Es gilt ein unschuldig verurtheiltes Menschenleben !" Das Haus, in welches Marie Frank Karl Brand hatte verschwinden sehen, gehörte zu den unscheinbarsten und vcrfallenste Bauten des ganzen Stadttheils. Man gelangte in dasselbe durch einen langen Gang, in welchem selbst am Tage die tiefste Dunkelheit herrschte. Nur an besonders hellen, glänzenden Sommertagcn, wenn es der onne gelang, einmal über die Häuser hinwegzuschauen, konnte man sehen, wie es eigentlich im Innern aussah. Ein mittelgro s'.cr Mensch konnte nicht einmal aufrecht darin stehen. Seitwärts in dem Nkauerloch befand sich ein kleines, rundes Fenster, nicht größer, als um einen Blick hlnauswerzen zu können, aber cs war vielleicht noch von Niemandem bemerkt worden, ntcht einmal von den scharfen Augen der Pollzci. Durch den Gang gelangte man in elnen von niur- oder sechsnöcklgen Hausern begrenzten Hofraum, in welchem glelchsalls allzelt Dämmerung herrschte. Im Winter und Sommer fand man daselbst zerlumpte Kinder, denen das Elend iu den bleichen, verkommenen Gesichtszugen ge chrleben stand. Schmäh? und Scheltworte schallten unablässig aus allen buren und zvenstern. Die .oben in der Luft schwebenden .rockenanstalten für fragwürdige Wäich und Kleidungsstücke wehrten auch im Hochsommer der Sonne den Zutritt und eln feuchter Moderdunst legte nch beklem inend auf Herz und Lungen, wenn drau ßen die Welt von Luft, Licht und Son ncnglan; erfüllt tvar. Krankheit, Un glück, Elend und Verbrechen suchten in dieser Umgebung unablässig ihre Opfer. So war es stets gewesen und so war cs noch heute. In den Häusern, welche den Hofraum begrenzten, wohnten zahlreiche Familien ; nicht nur Sünde und verbrechen fanden hier ein.: Unterkunst, sondern auch unverschuldetes Unglück, und gerade darum wurde den .Slchcr heitöbchörden die Ueberwachung dieser Stätte besonders erschwert. Da gab cs Lahme und .Krüppel, Wittwen und Wenjon und unter dlczen wieder Pcrwnen. welche die Polizei auf das Verschlagenste irre fübrtcn und unter dem Deckmantel grenzenlosen ElendsVerbrechen auf Vcrbrechen häuften. Es war an einem froftbellen Dezem bermoraen und draußen lag der Schnee I auf allen Wegen und Stegen, n den

engen Hofraum hatte er sich in Schmutz

ausgelöst. Der zrljche stwuid, welcher über die Dächer strich, hatte stauch und Qualm hlnuntergetneben und hielt ihn mn Zwilchen dx'm düsteren Gemäuer nie der, so daß es hier vollständig dämmerig war. JlcchtS von dem dunklen Eingang, venn man den Hofraum betrat, befauden sich zwei größere Fenster, die einen inerkwürdigen Kontrast zu der ganzen lmgcbunq bildeten. Dieie enster Vrangten Winter und Sommer im kost'.chen Blumenschmuck, obgleich Nie an Sonncnstrabl bis bierber drang, und dinier einem dieser Fenster sah man Tag ür Tag cm frisches, blühende grauenantlitz, das seltsam gegen die gesammtc Umgebung abstach. Auch am heutigen Tage scbaute hinter Hvacintbcn, Krokus, Tulpen und Veilchen das hübsche A!ädchenantlltz hervor, aber nicht frisch und rosig, sonder blas; und mit ängstlichem Ausdruck der Züge und der großen Augensterne, die unablässig auf den dunklen Eingang gerichtet waren. etzt schlüssle eine arope Äcannesgestatt quer über den Hofraum. Tas Mädchen am Fenster fuhr erschrocken beim Anblick derselben zusammen. Im nächsten Augenblick stand ihr der Mann gegenüber. Lorle, Du mxt mich vcrberaen ! Die Polizcispione sind mir auf den Fersen. Weiji der Teufel, sie haben Wind bekommen, dan :ch noch hier bin; das Weib hat mich verrathen !" Wie sollte sie Deinen Aufenthaltsort erfahren haben ? Es kann nicht sein, Wilm!" Und dennoch ist es so, aber es soll ibr nicht viel nützen.' In vierzehn Tagen lasse lch mir das Geld bolcn und dann in die Welt hinaus!" ' Und bis dabin, Wilm? Glaubst Du, ich würde Dich so lange verbergen können i Du wirst es müssen, Lorle. Der schuftige Wirth hat mich hinausgewiescn!" Und Wenn man Dich rner ändc ?" In den Augen des Aiadchens blitzte es auf. Wllm lachte spöttisch. Seit wann bist Tu furchtsam acworden v Das hübsche Mädchen war von ihrem Sitz aufgestanden - und vor den Sprccber hingetretcn. eit scnem Abend, cder vielmehr sei: jenem Morgen, als Tu mit dem blutbe " Teufel, Weib, willst Du schweigen!" Er battc seine Hand so fest auf ibrcn Mund gelegt, daß sie zurücktaumelte. Wieder blitzte eö voller Haß in ihren Augen auf. 'agte ich Dir nicht, wabcr das Blut gekommen sei? Eine Schlägerei zwischen Matrosen und mir," fügte cr zoriibebeiid und doch unsicher hinzu. Das Mädchen aber stand jefct trotzig vor ihm. Jlübre mich noch einmal an, Wilm, und Tu sollst sehen, daß ich noch den Mund zur rechten Zeit aufthun kann. Mir glaubst Tu das einreden zu können? Wie seltsam doch, daß die Schlägerei in derselben Nacht stattgefunden hat, als draußen der Bauer -" Das Mädchen sprach nicht aus, was sie sagen wollte ; sie trat zurück vor dem Blick, der sie auö den Augen des Manncs traf. Sie bereute, ihre tiefinncrsten Gedanken verrathen , zu haben. Was war diesem Manne ein zweiter Mord 'i Wilm batte sich jedoch sebembar ge faßt ; ein spöttischer Ausdruck umspielte seinen breiten Mund. Das lst, wlc Welber denken !" höhnte er. Doch gleichviel! Höre mich an. kurz und gut. In vierzehn Tagen schiffe ich mich nach Anierika ein. BlS dabin wirst Du mich verborgeil halten, hier sucht mich 'Niemand." Und wenn man doch hier nach Dir' suchte, Wilmr Zum Henker, meine Geduld ist zu Ende. Hier bleibe ich, oder Er iah ne Mit einem verständnisvollen Blick an und das Mädchen seufzte tief auf. (rs kostet mich cm Wort und Joseph Heiner ist seinem Schicksal verfallen! Die Beweise sind gegen ihn !" Tas Mädchen sprach kein Wort mehr; sie war auf ihren Sitz zurückgesunken und sah todtcnbleich aus. Ehe dieser Mann ihr gegcnübcrtrat, war cs anders gewesen. Seitdem Joseph Heiner mit ihm zusammen bei einem Einbruch ertappt worden war, der Himmel mochte wissen, wie es möglich gewe scn, daß cr in diese Gesellschaft gckommen, seitdem hatten Frieden und Ruhe von ihr Abschied genommen und auch der leyte Rest von Muth tvar von ihr gewi chen. Sie wagte auch jetzt keinen Widerspruch. So blieb Wilm in dem kleinen Zimmer und saß beobachtend hinter dcn Blumen. Im Hofraum ließ' sich Nichts schen. Die Kinderschaar spielte und zankte sich ungestört weiter und ab und zu fuhr aus einem der umliegenden Fenster eine scheltende Stimme dazwischen.' Joseph Heiner kam Mittags nicht heim, aber Lorle hatte den Bruder auch nicht crwartet. Er blieb oft auf der 'Zimmerstätte und kam dannAbcnds eine halbe Stunde früher. Aber heute kam er auch Abends zur gewohnten Stunde nicht. Wilm schien durch das Ausbleiben seines Genossen beunruhigt. Er durchwanderte ruhelos den kleinen ökauni und dabei fielen seine Blicke nicht selten auf das junge Mädchen, welches mit einer Näharbeit beschäftigt war und ihm auf seine Fragen nur knappe Antworten gab. Endlich, etwa um acht Ubr, kam Joseph Heiner, offenbar in aufgeregter ,T . fZ.immun g. vic war sia;uia unangenehm von der Gegenwart des Mannes überrascht, der sich seiner Schwester als Gesellschafter aufgedrängt und die Mitthcilung desselben, daß cr sich hier zu verbergen gedenke, erweckte bei ihm unvcrkennbar großes Mißvergnügen!" Man fahndet auf Dich, Wilm !" Ich weißes." Der Wirth hat Dich ausgewiesen. Er will die Gefahr nicht auf sich nehmen, wclck'e in Deiner Anwesenbdt liegt." Der Wirtb ist ein Schurke!" Ich, an Deiner Stelle, würde mich so bald wie möglich aus dem Staube

machen. Wenn man Dich hier fände, cs könnte schlimme Folgen haben." Nichtsdestoweniger werde ich hier bleiben. Tu iveißr, ich kann erst am Tonnerstag in acht Tagen das Geld bekommen." Ich würde es Dir nachsenden, Wilm." Das hieße den Wolf zum Schafhüter einsetzen ! Besser ist besser ; man wird mich hier nicht suchen." Joseph Heiner 'mühte sich vergebens, Wilm zu überzeugeu,' sich früher nach Amerika einzuschiffen. Er bcharrte bei seinem Entschluß, überzeugt, daß Heiner und seine Schwester ihn nicht verrathen würden. Sie ioaren beide in seiner Gewalt und cr ious;te diese auszunutzen und sie sich gefügig zu machen. Einmal war der Wirth in der Dämmcrung herübergekommen z - man hatte Haussuchung bei ihm gehalten und jeden Winkel durchstöbert. Selbstverständlich war nichts Verdächtiges gefunden worden, wie überhaupt noch nie. Man suchte in Wilm ohne Zweifel einen gemeingefährlichen Berbrechcr und der Wirth behauptete, daß man sein Haus kaum aus den, Augen lasse. Drei Tage waren vergangen. In dem Stübchen Lorle's wurde ec den Tag über kaum hell und um drei Uhr Nach mittags mußte sie bereits Licbt auzünden. Aus dem Herzen des Mädchens lastete cs wie ein Alp und sie hatte Joseph wiederholt gebeten, den Tag über nicht fortzugehen. Aber er konnte seine Arbeit nicht im Stich lassen und es war ihm unmöalicb, dem Manne gegenüber

zustehen, den er eben so sehr haßte, als ' wie er demselben verfallen war. Lorle wußte den Elenden in ihrer Nähe und koilnte sich nicht von seiner Gegenwart befreien. Ja, schlimmer noch ; er hielt es ihr stündlich vor, daß sie ihm nach Amerika würde folgen müssen, wie sie ihm damals versprochen, als er Barmherzigkeit an ihrem Bruder geübt. Sie war entschlossen, siä ihm zu entiehen, aber wie ? Dieser Mann ließ kein pfcr fahren, welches er einmal umkrallt hielt. . - : ; Den klaren Frosttagen folgte starker Schneefall und Lorle konnte den Tag hindurch ihre Lampe nicht ausgehen lassen. Sie sas; mit einer Arbeit beschäf tigt am Tische, und beim Ofen hinter einem alten Ofenschirm saß Wilm und wärmte sich. Den Tag hindurch wurde kein Wort gesprochen, um die Nachbarsleute nicht aufmerksam zu machen, und so verbrachte Lorle ibre Tage in nie gekannter Furcht und Sorge. Bisweilen war es ihr, als fühlte sie die Augeir des Mamies, vor dem sie zitterte, tvie der Bogel vor der Schlage, auf sich rnhen und dann ging es wie ein Schüttelfrost durch ihre Glieder. Wann sollte die Qual ein Ende nehmend Es war am Abend des dritten Tages, als plötzlich draußen im Hofranm ein wirres Durcheinander von Stimmen entstand, dazwischen Hilferufe und nun ein gellender Aufschrei. Derartige Tumulte waren nichts Ungewöhnliches und Lorle würde demselben kaum irgend welcheAufmerksamkeit gewidmet haben, wenn nicht Schritte auf dem Gang, ein Vorwärtstappen im Dunkeln sie darauf aufmerksam gemacht hätte, daß eZ besser sein würde, die Thür zu schließen. Lorle sprang rasch von ihrem Sitz auf, aber ehe sie die Thür noch erreicht hatte, wurde dieselbe schon aufgestoßen und herein stürzte ein Mann in zerrissener Kleidung. Verbergt mich, ich habe einen Polizisten erschlagen; draupen liegt er auf dem Hofe." orle wich unwillkürlich einen Schritt zurück. Sie kannte den Mann, der ihr da gegenüberstand, als einen der verwegensten Einbrecher; er gehörte mit zu Denjenigen, welche sie in dieser furchtbareu Gesellschaft fest hielten. Nun, wird cs bald ? fragte er. Tu weißt " Lorle zitterte am ganzen Körper; Thränen schimmerten in ihren Augen; sie wagte keinen Widerstand Wie Hilfe suchen, schaute sie sich um. Im nächsten Augenblick war der Fremdc hinter der 5kammerthür neben dem Kamin verschwunden. Lorle stand eine Weile regungslos, angstvoll lauschend. Draußen hörte sie laute, befehlende Stimmen. Ohne Zweifel war diePolizei zur Stelle, um den Kameraden fortzubringen. Stunden vergingen ; im Hause war Alles in Ausregung. Jeder Winkel wurde durchsucht, nichts Übergängen. Auch bei Lorle warf man einen Blick in das kleine Stübchen, welches jetzt, da man nicht die Aussicht auf den schmutzigen Hofraum hatte, einen behaglichen Eindruck machte. Die Geschwister Heiner waren im Ucbrigen als fleißige, ordentliche Menschen bekannt, die allerdings länge Zeit der Polizei verdächtig gewesen waren, weil sie hier ihre Wohnung genommen, die sich aber trotzdem nicht das Geringste hatten zu Schulden kommen lassen. Aufs neue verstrichen Stunden und im Hause war nach und nach Alles ruhig geworden. Joseph kam und das angstbedrückte Mädchen athmete erleichtert auf. Sie ging dem Bruder entgegen, ihm sorgsam die innere Angst und Unruhe verbergend, welche sie empfand. Sie machte, indem sie ihm die Hand zum Willkommen bot, mit den Llugen ihm ein Zeichen, ruhig zu sein und sich jeder Aeußerung zu enthalten. Mit ruhigen Worten erzählte sie ihm dann, was vorgegangen war. In Joseph's' Augen glühte es unhe nmlich aus bei ihren Worten. . Und diesen Mörder verbergen wir vor den Augen des Gesetzes. Nun ist cs aber genug! Mögen sie thun, was sie wollen " Er stockte vor dem Blick voll Todesangst, welcher ihn aus oes Mädchen Augen traf. . ' Um Gottes Barmherzigkeit willen, Joseph, schweige !" raunte sie ihm zu. Doch schon war cs zu spät; sowohl Wilm, als auch der Zweite, dem Lorle Aufnahme gewährt, erschienen auf der Schwelle des-Nebengcmachs. Ha, jetzt paßt Dir die Gesellschaft nicht mehr!" zischte der Erstere zwischen den fest auf einander gepreßten Zähnen hervor; gleichzeitig blitzte schon ein Tolchmesser in seiner Rechten, während

seine Linke Joseph's Genick umspannte. Einen Laut und Tu bist ein Kind des Todes !" Lorle wollte aufschreien, aber der zweite Verbrecher ergrisf sie am Arme und drückte ihr ein Tuch vor den Mund. Joseph Heiner hatte sich gefaßt. Er sah die Gefahr, in' welcher nicht nur er, sondern auch seine Schwester schwebte. Bist Tu toll, Wilm ' Soll man sich am Ende noch gar darüber freuen, daß Ihr kommt, um einen Menschen in einen falschen Verdacht zu bringen? Nininidie Hand weg !" Mit einem kräftigen Nnck hatte sich der kleine, schmächtige Joseph srei ge macht. ' Habt Ihr mir so lange auf dem Halse gelegen, können cs auch noch vierzehn weitere Tage sein, aber zur Freude und Ehre gereicht cs mir nicht. Ich mnß schweigen. Brauchte ich cs nicht, fürwahr, ich wollte schnell genug Sorge tra-

gen, da;; ich von Euch befreit würde!" Diese Worte waren mehr als alles Andere im Stande, auf die beiden Genossen einen beruhigenden Eindruck auszuüben. Wilm sehte, sich'aüf einen Stuhl nieder und der Andere folgte seinem Beispiel. Das wirst Du so wie so müssen, spöttclte der Erstere. Gnade Dir Gott bei dem ersten Versuch, mich zu hintergehen. Tu weiht, ich habe .Nichts zu verlieren; nicht einmal mein Leben gehört mir noch. Darum Vorsicht!" Wieder waren Tage nach diesen Vorfall vergangen. Joseph Heiner hatte den Bitten Lorle's, zu schweigen, nach gegeben, obgleich er sich danach sehnte, die Bergcslast, welche auf ihm lag von sich abzuwälzen. Er war kein Verbrecher, sondern konnte frei sein Haupt erheben. Und wenn man ihn selbst auch vcrurthcilte, so würde doch sein gutes Gewissen ihm die Qual, ein Gefangener, Verurtheilter zu sein, ertragen helfen ; besser so, als durch Schweigen zum TheilHaber von Schurken werden. Wilm und Pbilipp, der zweite Vcrbrechcr, mochten eine Ahnung .von Dem haben, was in Heiner's Seele vorging. Sie hatten sich wenigstens nicht sicher gefühlt und ihn gezwungen daheim zu bleiben. Lorle mußte den Bruder als erkrankt bei seinem Arbeitgeber cntschul digen, doch schriftlich. Die beiden Genossen wollten der Sicherheit wegen das Geschwisterpaar nicht aus den Augen laffcn. : , So schwand eine 'Woche dabin, für Lorle und Joseph eine qualvolle Zeit. Die Besorgungen, welche Lorle zu machen hatte, wurden durch ein Nachbarskind ausgeführt und inzwischen saßen in der Hinterstube Wilm nnd Philipp, zechend und Kartell spielend. Wilm verließ das Haus überhaupt nicht, aber Philipp machte sich allabendlich auf ein paar Stunden davon, wie er sagte, um Nachforschungen nach einem Kameraden anzustellen, der gleichfalls die Fahrt mitzumachen beabsichtigte. Er schien überHaupt keine Furcht zu kennen. Eines Abends brachte cr noch einen A!anil mit. . Wilm maß den Ankömmling mit mißtrauischen Blicken. Er hatte ihn nie im Leben gesehen. Jedoch der Fremde machte einen sympathischen Eindruck auf ihn. Er war ein Mann von mittlerer Größe, kräftig gebaut, aber von bleicher Gesichtsfarbe. Die etwas schielenden Augen hatten einen unheimlichen, lau ernden Ausdruck und lagen unter schwarzen, buschigen Brauen tief in ihren Höhlungen. Eine Glatze zog sich von der Stirn bis über den Hinterkopf hin. Den übrigen Theil des Hauptes bedeckte glattes, kurzgeschnittenes Haar. Er trug schwarze, abgeschabte Kleidung, eine farbige Plüschwcste und saubere Wäsche. Das Aeußere des Maiines hatte etwas Auffallendes und doch begegnete inan ähnlichen Persönlichkeiten ' gewiß nicht selten im Leben. Philipp, wer ist dieser Mann?" fragte der Glattgescheitelte in etwas vcrdrießlichem Tone. Tu hast mir gesagt, daß ich mit keinem Menschen zu sammentreffen würde." O, das ist ein guter Freund, der wird Dich nicht verrathen. Die Polizei sitzt Wilm wabrbaftig nicht minder auf den Hacken als Dir." Ah, ich freue mich, Ihre werthe Bekanntschaft zu machen," sprach der Neuangekommene im verbindlichsten Tone. Ich höre den Namen Wilm nicht zum ersten Mal im Leben. Sie wollen wieder nach Amerika zurück s" Vermutblich, ich weiß es nicht. Fragen Sie nicht so viel, sondern erzählen Sie erst einmal etwas von Ihrer cigencn Person." Die drei Genosien hatten sich in kurzester Frist befreundet und spat in der Nacht noch saßen sie beim Kartenspiel beisammen, ein Glas um das andere auf eine glückliche Flucht leerend. ,19.Philipp kam zwei Tage darauf mit der Nachricht nach Hause, daß das Schiff Die Schwalbe" bereits einen Tag frü her segeln würde. ' Alles war zur Abreise vorbereitet. Die drei Genossen wollten als blinde Paffagicre reisen. Ein Heizer hatte ihnen eine Unterkunft im Kohlenraum verheißen, tvo sie sich so lange hinter Feuerungsmaterial verborgen halten sollten, .bis die hohe See cr reicht sein würde. Später wollte er ihnen ein besseres Plätzchen anweisen. So wirst Du morgen das Geld bolen, Philipp ;, ich traue mich nicht hinaus," meinte Wilm am vorletzten Abend der Abreise. Du iveißt, was Du zu thun hast, wenn sie nicht gutwillig herausgiebt." Philipp warf dem Dritten im Bunde einen verständnisvollen Blick zu ; dieser schien nicht einmal gehört haben, waö die Beiden sprachen. Lorle wurde herbeigerufen, um das saubere Kleeblatt mit Speisen und Getränk zur Abschiedsfcicr zu versehen, die noch am hcutigeil Abend begangen werden sollte. Alsbald hatte sich der Drei e'ne heitere Stimmung bemächtigt, aber Wilm fand', .daß weder, Philipp, noch Graser den nothwendigen Durst bezeigtcn, um vergnügte Fcstgenosscn abgeben zu können. Dasür trank er das Doppclte. Jetzt stand Philipp auf und erhob sein Glas.

Auf eine glückliche Fahrt !" Die Drei stießen an ; Wilm's Gla zersprang klirrend in Stücke. Teufel, was ist das V kam es übe Wilm's Lippen. Er war bleich gewor den, wie die weijzgctünchte Mauer. Auch Philipp schien erschrocken. Zum Henker, ein schlimmes Zeichen! Tu solltest vorsichtig sein, Freund Wahrhaftig, ich habe so ein Mäuschen pfeifen börcn. Der Reinsberg soll in Wirklichkeit schnldlos gewesen sein; die Leute erzäblen es sieb auf den Gassen." Der Ncinsbcrg Neinsberg T lallte Wilm, aber seine rollenden Augen waren weit aus ihren Höhlungen hervorge-. treten. , Wcr sagt es, daß icl ich es war?" " ' . " 0, Niemand, s.cw'lß Niemand !"

luischte sich (Gräser glatt und gcschlueidig ein. Man kann Tir ja Nichts beweisen, Freund, niemals. - Laz) Dich nur nicht irre maä'en. 'Jieiii, niemals ! Das Beil, Jeder kann es geno'.ntt'.cn baben. der ölelns berg und nock ein Dutzend Andere ! Mich soll Keiner fragen, denn Niemar.d hat mich qcseuen!" Ich glaube cs schon, aber ick' freue mich doch, daß ioir übermorgen in See steche, memte Oirascr. Es ist gut, wenn Dich Keiner mehr trifft. Sie wollen wissen, das; Tu das Beil gehübt hast !" setzte Philipp hinzu. Wilm besann sich offenbar, auf eine Antwort, aber es wollte ersichtlich nichl menr klar in seinem Kopse werden. Das Beil ? Wer sollte cs wissen : Es war dunkel, -Niemand hat mich im Hause gesehen und auch nachher, ich konnte nicht einmal den Weg finden !" yiim, sprechen wir nickt weiter dar über ; sie können Tir sicher Nichts anhaben, aber selbst wenn es der Fall wäre, übermorgen haben sie das )!achsehcn. Es thut mir nur leid, daß Du die Gelegcnheit nicht besser benutzt hast. Der alte Bauer bat nicht weniger als zcbn tausend Mark in dem Schubfach des 'vsches gehabt, welcher in dem Zimmer stand, in welchem Dein Schlag ihn traf, und zwar hatte er das Geld in Banknoten dort versteckt, ein kleines Päckchen, welches Tu zur 3!oth in Deine Westen rasche hättest stecken können. In Wilm's Augen qlübte es gierig. Zehntausend Mark ! Wenn ich cs ge wum hätte " lallte cr. Warnm nahmst Tu Nichts ? Du bist doch nicht darauf ausgegangen, mit lce ren Händen zurückzukeyren ; oder hattest Du ein Hühnchen mit dem Alten zu pflücken?" Ich hatte ihn nie zuvor gesehen." Warum nahmst Tu denn kein Geld miU" Ich hörte ein Weib schreien; ich dachte, ich sei verrathen. Wenn ich es gewußt hätte ! Zum Kuckuck, ich äße heute nicht mehr hier!" Philipp schenkte die Gläser wieder voll und cö wurde von Neuem angestoßen. 'Nicht lange währte cs, da sank Wilm wie ein Todter vom Stuhl und Philipp und Graser schleppten den sinnlos Betrunkenen auf sein Lager. Dann begaben sie sich in das angrenzcnde Zimmer ; ein triumphireiides Lä cheln umspielte nicht minder Philipp's breiten Mund, als denjenigen Graser's. Du wirst in derselben Stunde Deinen Lohn in Empfang nehmen, in welcher Du Deinen Auftrag bei der Frau Brand erledigt hast," flüsterte der Letztere. Wir haben den Mörder Johann Frank's ; inzwischen warne ich Dich jedoch über einen Punkt : Versuche cs nicht, das begonnene Spiel umzudrehen uut Deinem Genossen Beistand zu leisten, damit er den Kopf aus der Schlinge ziehe. Entkommt Karl Brand, so wirst Du nicht allein den ausbcdungenen Lohn nicht erhalten, sondern auch der gerechten Strafe für Deine nicht geringen Bergehen gegen das Gesetz nicht entschlüpfen. Tu hast die Wahl ! Ich mache Dich noch daraus aufmerksam, daß Du von diesem Augen' blick au unausgesetzt von einer ganzer Schaar von Tetectivs umgeben sein ivirst, die bei dem ersten Versuche, uns zu täuschen, Tich sofort in sicheren Gewahrsam bringen werden, wo Tu gezwungen wirst aussagen zu müssen, was Dir zetzt nur großen Lohn cinbringer kann, denn Du darfst sicher darauf rechnen, daß Herr Gerhard Neinsberg Deine Aussagen mit Gold aufwiegeu wird." Derjenige, ivelcher diefe Worte gesprochen und sich Graser genannt, legte sich auf daö Sopha nieder, scheinbar in der Absicht, zu schlafen, aber Ruhe wollti nicht über ihn krmmen. Philipp hatte sich zu Bett begeben mit seine tiefen Athemzüge verkündeten bald, daß er fest eingeschlafen war. Graser schloj; kein Auge. Er saß an dem Tische und machte 'Notizen ; neben ihm lag eine geladene Waffe. Es war Morgens gegen drei Uhr, all von außen kaum hörbar ail das Fenste, gepocht wurde. Geräuschlos erhob sich Graser und die Wasfe in der einen Hand, in der anderen die Notizen, nähcrte er sich der Thür. Sie knarrte ein klein wenig in ihren Angeln und Graser stand minutenlang athemlos lauschend. Alles blieb still. Tiefe, schnarchend? Athenüge kamen aus dem Raume, wo Karl Brand sich niedergelegt hatte, mn seinen Rausch auszuschlafen. Nun trat Graser auf den Gang und dann in der Hosraum hinaus. Mcbrcre dunkle Gestalten wurden sicht bar. Amerika !" sagte eine Stimme. Schwalbe!" cntgegnete Grafer. Einer der Märnier trat dicht an Gra? ser heran. Besorgtdie Notizen, Ihr wißt, wohin Mit Tagesanbrnch mnß die Bewachnn zur Stelle sein, die andere heute Abent um fünf Uhr in dem Gebüsch zwischer beiden Besitzungen." . Verlassen Sie sich auf uns, Hen Eom-" t!" unterbrach die Stimme Gra--ser's den Unbesonnenen. (Fortsetzung folgt.) Unzuverlässig. Onkel : Weißt Du, Schwägerin, Dein Mann ist durchaus unzuverlässig. Man hat mir seinen Zustand so arg geschildert, daß ich eigens hierher reiste, um ihn zum letzten Male zu sehen, und jetzt ist er doch nicht gestorben !

Abenteuer eines Wieners.

Vor einigen Tagen trat ein in Worms sich aushaltender angesehener Kaufmann B. aus Wien in einen Laden und kaufte sich eine Halsbinde. Die Verkäuferin, die sich allein im Laden befand, war ein sehr hübsches und freundliches 2sladchen, mit der Herr B. ein Gespräch anknüpfte. Der Käufer verließ dann den Laden, um elnen kleinen Ausslug zu unternehmen kehrte jedoch noch Abends zurück; sem Weg sührte ihn an dem in Rede stehenden Laden wieder vorbei. Vor demsel ben hatte sich zu semer Verwunderung eine große Ä!enschenmenge angesammelt, deren Betragen darauf hindeutete, daß sich etwas Ungewohnllches zugetragen haben müsse. Eben wollte V. nach der Ursache des Auflaufes sich erkundigen, als ein. Polizeikommissär und mehrere Schutzleu te laut miteinander sprechend an ihm vorbeieilten. Die Worte des Einen lauteten : Also im Hotel H. muß er lozi ren, hoffentlich finden wir ihn." Ten Fremden, der in dem Hotel sein Absteigequartier aufgeschlagen, deschllch eine geHerme Furcht und er eilte in seine Wohnung. Naum war er dort, so erschien auch die Polizei, die ihn sofort verhaftete. Vor dem Hotel hatte sich indeß eine neugierige Menge . angesammelt und B., dem man anfänglich den Grund seiner Verhaftung nicht mittheilte, sollte durch dieselbe hindurch auf die Polizeiwache geführt werden. Die Fürsprache der Hotelbesitzerin, welche betheuerte, daß Herr B. ein höchst achtbarer Mann sei und seit mehr als fünfzehn Jahren bei ihr einkehre, bewirkte, daß man hiervon vorläusig Abstand nahm. Nun erfuhr Herr B. auch, daß er verdächtig sei, dasJMäd chen, bei welchem er die Kravatte gekaust, vergewaltigt und ermordet zu haben. Ein Eisenwaarenhändler, dessen Laden direkt gegenüber dem des unglücklichen Mädchens gelegen war, hatte erklärt und behauptete dies beschwören zu können, daß. nur ein einziger Herr, dessen Signalement genau auf Herrn B. stimmte, den Laden betreten habe. Der Wiener betheuerte seine Unschuld, mittlerweile war der Polizeikommissär an den Ort der That gegangen, B. unter sicherer Bedekkung zurücklassend. Er kehrte alsbald zurück und setzte den Verhafteten sofort in Freiheit. Das Mädchen war nämlich nur durch Chloroform betäubt worden nnd durch ärztliches Eingreifen wieder in's Leben zurückgerufen worden ; es hatte sofort erklärt, der Wiener Kaufmann sei völlig unschuldig. Der Laden, in welchem die That vollführt wurde, hatte zwei Eingänge : einen von der Straße, den zweiten von einem Thorwege aus. Fräulein N., die Angefallene, erzählte : Kaum hatte der Wiener Herr mein Geschäft verlassen, so öffnete sich rasch die nach dem Thorwege führende Thüre. Ein großer Mann sprang auf mich zu, schnürte mir die Kehle zu und hielt mir einen Schwamm unter die Nase. ' Ich verlor das Bewußtsein. Jedenfalls hätte der Morder, der sich Chloroforms bediente, seinen teuflischen Plan völlig aueführen können, hätte nichteine kleine Glocke, die beim Oeffnen des Eingangs, der nach dem Thorweg führt, ein Zeichen gegeben, auf das stets dre Wienerin des Madchens sofort vom ersten Stock herab in den Laden zu kommen hat.. Das AnnaHern des Mädchens hatte den Mörder vor Ausführung seines Vorhabens verscheucht. Niemand hat ihn jedoch kommen oder davoneilen sehen." Aller Wahrscheinlichkeit nach - hatte man es hier mit einem gemeinen Akt der Rache zu thun. Welche schlimmen Folgen die Sache für den gänzlich unschuldigen Wie ner Kaufmann hätte . haben können, auf dem ja in Folge jener unglücklichen Ver knüpfung der Umstände ein gewisser Verdacht lastete, läßt sich unschwer ausdenken. . Auf dem Armenkirchhof. Wir traten lärmend zum Kirchhof ein, Wo die Armengräber stehen, Wo um's Hochkreuz über den Hügelreih'n Feuchtkühle Lüfte wehen. Einen wacker'n Arbeiterführer barg ' ' ' Die blumenverhüllte Truhe ; Vier Demagogen brachten den Sarg Zur ewigen Kirchhofsruhe. shrrtsfcpn frinn SrtFi?fr link s5il?isfb?it " i r -i-- j - - v viel An der gesenkten Bahre, Von ihrem Völker-Beglückungsziel Und der Aussicht kommender Jahre. Ich starrte über die Gräberreih'n Und dachte : Nicht im Leben, Im Reich des Todes nur allein Kann's völlige Gleichheit geben. . Das Leben bleib ein ewiger Krieg, Doch erkämpfen Arme wie 3teiche Mit verschiedenen Massen denselbenSieg.. Das Endziel ist das gleiche ! Marimilian Bern. Aus dem Soldatenleben. I. Unterossizier : Wie viel Brodrationen kennt der Soldat ? Rekrut Hofleber : Zwei Nationen ; die große Brodration und die kleine. Wann erhält der Soldat die kleine und wann die große Ration ? Er erhält die kleine 3tatron für gewöhnlich, die große im Feld, auf Märschen und beim strengen Arrest. Rieh tig ! Und warum wohl erhält er beim strengen Arrest die große Portion? Zur Strafe ! II. , i p nnr i.t.l r rt umeros slzier : Älsv papl einmal aus! Wenn ihr in einer Reihe nebeneinander steht, so heißt allemal der letzte Mann auf jeder Seite : Flügelmann. Also Du, Wintrich, bist der letzte Mann am rechten Ende vom Glied, Du heißt also der rechte Flügelmann. Wie heißt nun wohl der Kerl da, der am linken Flügel der letzte ist? Rekrut Wintrich: Mügge ! Was ist daö Glück? Ein leicht Geschick, Ein leichtes Herz, Ein leichter Schmerz, Ein leichtes Brod, Ein leichier Tod.