Indiana Tribüne, Volume 9, Number 156, Indianapolis, Marion County, 25 February 1886 — Page 2

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Das Wetter war kalt, das Zimmer miserabel, das im Ofen prasselnde Feuer .chen höchst harmlos, und die Passagiere fröstelten und waren sehr verstimmt. ; Besagter Mensch aber ein untersetzter Bursche mit widerlichem Gesichtsausdruck, weibischer Stimme und sehr affec lirtem Wesen trug noch bedeutend zur - Verschlimmerung der Situation bei und hatte bald die stille Wuth der ganzen Ge sellschaft gegen sich erregt. Er psiff, er trällerte und führte sich überhaupt genau so auf, als ob er die ganze Gesellschaft .in ihrem Unglück verhöhnen wolle. So etwas in einer Stube einem Halbdutzend halberfrorener Menschen zu bieten, die zwei Stunden lang auf einen Zug zu warten haben! Die Stimmung gegen den Kerl wurde immer fürchterlicher, und man wünschte ihn allgemein in das Pfef ferland, ohne daß man jedoch ein Mittel finden konnte, sich seiner mit An stand zu entledigen. Meine Herren," begann plötzlich die Gesellschaftsplage, ohne eine Ahnung von den schwarzen Gefühlen der Herum sitzenden zu haben, heute vor einem Jahre wurde ich das Opfer eines Aben teuers, das nur wenigen Sterblichen be gegnet ist " Er hielt inne, in der Erwartung, daß - man ihn flehentlich bitten möchte, die Geschichte zu erzählen. Da jedoch Nie mand den Mund aufthat, so fuhr er un verfroren fort : Es war in Silver Gulch, Col. Ich und mein Gefährte Alf Simmons be , wohnten damals eine Hütte am Abhänge deö dortigen Gebirges. Schon seit 10 - Tagen hatte es unausgesetzt geschneit, und hoch über unö bildete sich eine furchtbare Schneelawine, die jeden Augenblick herabzudonnern und unsere Hütte zu be graben drohte. Das Schreckliche kam schneller, als wir erwartet hatten. Beim Mittagesien hörten wir plötzlich einen dumpfen Krach, die Erde bebte und im . nächsten Augenblick hatte die Lawine unsere Hütte wie ein Ei zerdrückt,, unö Beide viele Fuß weit mit fortgenommen und uns unter mindestens 20 Fuß Schnee begraben. Wunderbarer Weise war ich selbst unverletzt, der arme Als jedoch hatte einen Arm gebrochen. Mit . herculischen Anstrengungen gelang eö mir, mich senkrecht aufwärts an das Ta geslicht durchzuarbeiten. Dann lief ich nach Parsons City, um Hilfe für Alf zu erhalten. (!he wir jedoch wieder an oen Fleck ankamen, war eine zweite 5awine auf die erste gestürzt, und Alf mußte mindestens 50 Fuß tief begraben sein." ""Bisher hatte eine unheilverkündende Stille bei den Zuhörern geherrscht, jetzt i aber fragte plötzlich ein stämmig aussehender Herr : Und Sie haben ihn nicht herausgeholt ?" Nein," war die Antwort, er liegt noch jetzt dort. Der Schnee ist im ver gangenen Sommer nicht weit geschmol zen." So?" fuhr der Frager fort, haben Sie ihm wenigstens einen Grabstein dort errichtet?" Nein," erwiderte der Dickhäuter verwundert. Haben Sie sich auch nicht nach Ver wandten des Unglücklichen umgesehen?" Auch das nicht ; ich glaube nicht, daß er welche hatte." . Jawohl hatte er welche," versetzte der Andere mit zorniger Stimme, indem er vom Sitze auffuhr und die Fäuste ballte, Sie müffen wiffen, daß ich Alfs Bruder bin und von Ihnen jetzt Rechenschast für Ihre Gemeinheit haben will. Die Lawinen selbst will ich Ihnen hin ' gehen laffen, aber daß Sie meinen Bru der dabei so schmachvoll behandelt haben, daß Sie ihm nicht einmal einen Grab stein setzten, dafür sollen Sie jetzt büßen." Damit zog der Vierschröter seinen Ueberzieher ab und pflanzte sich drohend vor dem unverschämten Menschen auf, der erschrocken stammelte : Aber um's Himmelswillen, was wol Itn&it denn von mir ?" - Warum haben Sie keinen Grabstein " gesetzt? antworten Sie!" Wie kommen Sie mir vor ? Sie sind ja in einen großen Irrthum befangen. Lassen Sie sich doch sagen : die ganze Geschichte war ja nur eine Erfindung zum Zeitvertreib." Keine Flausen, wenn ich bitten darf! . czch bin Alfs Bruder, und ich muß ihn ' rächen. Stehen Sie auf und machen Sie sich kampfbereit. Wird's bald ?" Der Flausenmacher blickte nach Hilfe um, doch keiner der Anderen rührte . sich. Im Nu hatte ihn der Rächer" am Kragen gepackt, an die Thüre ge 'zerrt und ihm einen Tritt gegeben, daß er über die ganze Platform flog. Er kam nicht wieder. Während der siaWn anderthalb Stunden, die man '. noch zu warten hatte, war er in einem ZZrachtwaggon auf dem Seitengeleise versteckt, und man konnte zeitweise sein Zähneklappern hören. - Scköne Aussichten für Schuldner. In verschiedenen Städten 3!ew Aorks bestehen seit Kurzem Zweige einer Gesellschaft, die ,n (Zlmna ihren Sitz hat lrnd sich Uniformed Oollection tJomuany" nennt. Diese Gesellschaft

macht ein Geschäft daraus. tauir Schulden unter allen Umstanden einzutreiben, und zwar nach einem sehr gelungenen System. Der Ge schäftsführer der Gesellschaft für Steu ben-County ertheilte jüngst über die Be triebsweise dieses zeitgemäßen Geschäftes folgende Auskunft : Die Personen, welche unsere Dienste verlangen, haben eine Subscriptionsgebühr von $1 zu bezahlen. Dann erhalten sie Mahnungssormulare, die sie aus zufüllen und ihren Schuldnern zuzu schicken haben. Jedes Formular enthält

eine gedruckte vtotiz, daß, wenn der Schuldner seinen Verpflichtungen nicht nachkomme, die Uniformed Eollection Co." seme Verfolgung rn die Hand nehmen werde. Hat dies keinen Erfolg, so schickt die Compagnie dem Schuldner zu t . " r. jr. riY-i c nacysl emen gewoynncyen ouecior aus den Hals. Kehrt dieser geldlos zurück,so . , rr rt c lomml ein zweuer ouec:or, oer eine sehr auffallende Uniform trägt und. am Hut ein Schildchen bat mit der Aufschrift ..Collector". Dieser Schreckensmensch kommt dreimal. Erfolgt auch dann noch seine Zahlung, )o touo em dritter, gleichfalls unisormirter Mann geschickt, der am Hute den Titel trägt Collector für faule Schul d e n" und von nun jeden Tag kommt, bis das Geld herausgepreßt ist. Die Compagnie nimmt10 15 pCt.daoon. Natürlich machen diese Besuche Unifor mirter in der ganzen Nachbarschaft des Schuldners großes Aussehen, der Letztere kommt allmälig in die Acht, und kein Bäcker, Metzger u. f. w. will ihm weiterhin pumpen. Die Collectoren sind starke Männer, welche es riskiren, mituntel hinausgeschmissen" ?u werden. Das System das zuerst in Canada aufkam bewäblt sich, wenigstens in kleineren Stadien, ausareichnet. Der zuvorkommende Papst. Cs ist bezeichnend, daß gerade die Dr gane der nationalliberalen Partei, die fast allein noch bis in die neueste Zeit die Fortsetzung des sogenannten Culturkampfes gewünscht hat, plötzlich eine: Beendigung desselben das Wort reden. Köln. Zeitung, Frankfurter Journal und ahnliche Blätter begeistern sich in den letzten hier eingetroffenen Nummern für die dem Landtage zu machende kirchenpolitische Vorlage, deren Inhalt ihnen erst mehrere Tage später bekannt wurde. Sie billigten also, was sie noch gar nicht kannten, ryeil es von Aismarck ausging, und jeder Widerstand gegen die Vor schlüge des Kanzlers Obstructionspolitik" heißt. Ueber die Sache selbst sagt die unparteiische Tägliche Rundschau": Der Streit darüber, ob zuerst der Erz bischof von Posen ernannt und dann die angekündigte kirchenpolitische Vorlage dem preußischen Landtage werde' vorge legt werden, oder ob dies in umgekehrter Reihenfolge geschehen werde, läßt den katholischen Blättern noch immer keine Ruhe. Die neuliche Nachricht, daß man im Vatican verstimmt sei, weil die ErWartungen des Papstes bezüglich des neuen kirchenpolitischen Gesetzes sich nicht erfüllt hätten eine Meldung, die von katholischen Blättern verbreitet wurde hat sich als unrichtig erwiesen. Es wird berichtet, daß der Papst von dem besten Willen beseelt sei, den Frieden herbeizuführen, und daß er die Zuversicht habe, diese Absicht auch verwirklicht zu sehen. Die Ernennung des Propstes Dinder ist thatsächlich bereits erfolgt, und die Entsagung des früheren Erzbischofs Ledochowski nicht zu bezweifeln. Der Papst hat in der That im vorliegend?n FallG Selbstverleugnung geübt und seine frühere Absicht, nur einen Polen auf den Erzbischofssitz von Posen gelangen zu lassen, aufgegeben. Von der Bereitwilligkeit der preußischen Negierung, dieses Entgegenkommen durch Abänderung der kirchengesetzlichen Bestimmungen zu erwidern, ist man in vatikanischen Kreisen überzeugt. Es wird sich nur darum bandeln, ob die Zugeständniffe, welche Preußen zu machen lm Stande ist, dem Papste genügen. Eines von ihnen ist augenscheinlich die Aufhebung des kirchlichen Gerichtshofes. Weit wichtiger sind jedoch die in Betreff der Priestererziehung schwebenden UnterHandlungen. Daß der Fürst Bismarck in kirchenpolitischer Hinsicht genau dieselben Ansichten hegt, die er vor 30 Iahren bekundet hat, ist nun noch neuerdings erst von ossiciöser Feder versichert worden. Hiernach kann er schlechterdings nicht so weit gehen, der römischen Kirche Rechte des Staates abzutreten. Daß er aber zu weitgehenden Zugeständnissen innerhalb jener Grenze bereit ist, hat neulich eine römische Meldung der Post" bezeugt. Mißtrauen g'gcn den Kronprinzen. Schon ost ist das Gerücht ins Publi turn gedrungen, daß der deutsche Krön Prinz mit dem Fürsten Aismalck in vielen Dingen nicht übereinstimme und als Thronfolger eine liberalere Politik einschlagen werde. Immer wieder aber werden diese, Meldunzen als müßige Ersindungen bezeichnet, und um ihnen ganz die Spitze abzubrechen, rief Bismarck vor einigen Jahren den preußischen Staatsrath wieder ins Leben, an dessen Spitze er gerade den Kronprinzen stellte. Letzterer sollte auf diese Weise für die Maßnahmen Bismarcks mitverantwortlich gemacht werden.' Als Kaiser und König, so durste man glauben, werde er das nicht rückgängig machen, was er' als Kronprinz seldlt gebllllat habe. Doch es gewinnt den Anschein, als ob dieser Schachzug vollständig mißlungen Ware. Der Kronprinz nahm zwar die Ehre an, aber der Staatsrath ist thatsächlich nie wieder in's Leben getreten. Neuerdinas nun bringt die Post" einen offenbar vom Kanzler selbst eingegebenen Artikel, in welchem sich Bismarck über den KrönPrinzen offen beklagt. y Es wird darin erwähnt, daß Fürst m ' -s r r n T. Bismara r.euncy ver emer cacytijcyl Unterhaltung geklagt habe, daß die Theil nähme an den Verhandlungen des StaatsrathS den Betheiligten bereits lastig würde. Es möge dahingestellt sein. ob diese Aeußerung Bismarcks sich auf die auswärtigen Mitglieder bezogen, oder nicht vielmehr nach emer ganz anderen Stelle gezielt habe. Damit dieser Wink Mit dem Zaunpsahl noch deutlicher wird, fährt der Artikel dann fort : ..Wichtiger

noch' erscheint es, daß die indem Staatsrath liegende Möglichkeit, die Thron erben an den Geschäften des Staates in leitender Stellung zu betheiligen, nicht unbenutzt bleibe ; die andernfalls durch das konstitutionelle System bedingte Nichtbetheiligung derselben führt naturgemäß zunächst zur Entfremdung gegenüber den leitenden Gesichtspunkten der Regierungspolitik und ihren Trägern und in Konsequenz davon alsdann nur zu leicht zum Gegensatze gegen beide. Die Geschichte der meisten Länder, insbesondere auch Preußens, weist

zahlreiche Beispiele eines zumeist auf diese i Ursache zurückzuführenden Gegensatzes zwischen dem gegenwärtigen und dem zukünftigen Regiment auf. Für Deutschland und Preußen aber, und zwar namentlich für das Reich ist die Continuität der Regierungsprincipien von der allerhöchsten Bedeutung. Alle Fäden, welche die Gegenwart mit der Zukunft verbin den, bedürfen im Interesse der gedeihlichen und stetigen Fortentwickelung des Reiche der sorgsamsten Pflege. Gerade unter diesem Gesichtspunkte haben wir seiner Zeit, und zwar im Interesse der Gegenwart nicht minder wie dem der Zukunft, die Wiederherstellung des Staatsrathes freudig begrüßt ; dieselben Erwägungen zwingen in Verbindung mit Wahrnehmungen äußerer Natur zu der dringenden Vkahnunz, der Institution des Staatsraths die sorgsamste Aufmerksamkeit zuzuwenden." Deutlicher als in diesem Artikel bat Bismarck wohl noch nie die Besorgnisse ausgesprochen, die er wegen des vielleicht nahe bevorstehenden Thronwechsels hegt. Hieraus, und nicht aus dem Gedanken, daß er selbst nicht mehr lange leben werde, erklärt sich seine Wuth, seine innere Politik möglichst schnell abzuschlieöen. . Vom Inland e. Das Bohren nach DtX und natürlichem Gas geht jetzt auch im wei lichen Mary land los, und man sieht einer ziemlich reichen Ausbeute entgegen. In Cumberland hat sich bereits eme große Actiengesellschaft zu diesem Zwecke ge bildet. Ein durchgehendes Pferd iaate neulich in St. Paul, Minn., in einen Leichenzug und krachte mit voller Ge walt gegen den Leichenwagen, dessen Kut scher emen unheimlichen alui mortale auf das Straßenpflaster machte, während der Sarg m Folge der Erschütterung aus sprang, so daß die Leiche sichtbar wurde. Kaden, Betrunkene und Neger haben bekanntlich beim Fallen das Glück, immer auf die Fuße zu kommen. In Savannah, Ga., stürzte neulich ein farbiger Zimmermann von emem sel)r hohen Baugerüst. Er überschlug sich rn der Luft, landete wohlbehalten auf seinen breiten Füßen, guckte sich einen Augenblick sehr verwundert um und kletterte dann wieder auf das Gerüst. Eine Const itution, um die ihn ein Riese beneiden könnte, scheint ein Mann Namens John Simmens aus Forsyth, Ga., zu haben. Derselbe sprang neulich, in einem Anfall von Bcrfolgungswahn, Ins Wasser und blieb, nur mit dem Kopfe hervorschauend. Stunden lang in demselben stehen, bis man ihn endlich mit Gewalt herauszog. Noch nicht einmal der leiseste Anflug eines Schnupfens hat sich bis jetzt bei ihm gezeigt. ZurBereitung vonPapier masse werden jetzt auch Bananen verwendet, und sie sollen sich dazu sehr gut eignen. Gedeiht die neue Industrie, so werden hoffentlich auch die gemeinge fährlichen Bananenschalen von den Straßen verschwinden. Die Jünger Aescu laps freilich dürften darüber nicht gerade sehr erbaut sein, denn die Bananenscha' len habea ihnen schon manch' hübschen Beinbruch eingebracht. Im Brooklyner Postamt langte neulich mit anderen Postsachen eine Pappschachtel an, aus welcher, gerade als ein Postbeamter sie in der Hand hatte, ein kleiner Alligator kroch und sich eiligst davon machte. Nachdem die Clerks sich von ihrem Erstaunen erholt, machten sie Jagd auf das 10 Zoll lange und sehr bewegliche Reptil und singen es wieder ein. Die Schachtel war an eine on.the Hill" wohnende junge Dame adressirt, und diese wurde von der An kunft deS Thieres benachrichtigt. Dit Versenduna lebendiger Alligatoren unfe ähnlicher Reptile durch die Post ist durch Gesetz verboten. . Der Pittsburaer Millionar Andrew Carnegie ist auch einer von denen, die sich aus der niedrigsten Stellung zu Reichthum und Ansehen emporgearbeitet haben. Er begann seine Laufbahn als Laufjunge in der Office des Obersten Thomas A. Scott, wurde aber später Telegraphist an der PennsylvaniaEisenbahn. Er verstand eS ausgezeichnet, nach dem Ticken deS Apparates den Inhalt des Telegramms zu erkennen und rettete durch seine Geschicklichkeit eineS Tages in der Nähe von Altoona viele Menschenleben. Er befand sich nämlich auf der Lokomotive eines Personenzuges, der langsam an der Telegraphenstation vorbeifuhr, und hörte an dem Ticken des Apparates, daß ein Zug in einer Entfernung von wenigen Meilen sich getheilt habe, und der eine Theil in rasender Schnelligkeit auf dem abwärts laufenden Geleise wieder nach der Station zurückkomme. Er theilte dieS dem Locomotiv Führer mit und es war gerade noch Zeit, den Zug auf ein Seitengeleise zu brin gen, ehe die durchgebrannten Wagen an gesaust kamen. Ein urgelun genes Mißver ständniß hat neulich einer jungen Frau, die in Washington auf Besuch weilte, einen schönen Abend verdorben. Sie war zu einem Ball eingeladen, der schon am nächsten Abend stattfinden sollte. Sofort telegraphirte sie an ihrem Mann, er möge ihr per Expreß ihr weißes Kleid schicken. Am nächsten Tage bekam sie eine Kiste, aus der, ihr - ein webmü thiges Winseln entgegenklang. Voll banger Ahnung hob sie den Dekkel, und entgegen sprang ihr ihr reizender kleiner Seidenpudel. DaS Kleid blieb aus,' das Vergnügen wurde zu Wasser. Und wie kam daS AlleS. Der Telegraphist hatte aus Verstehen statt "äress" "dog" geschrieben, und der gehorsame Gatte hatte sich zwar sehr ge wundert, was seine Gattin mit dem Sunde anfangen wollte, hatte schließlich

aber doch das Thierchen emgetteckt unv fortgeschickt. Der Seidenpudel soll von seiner Herrin noch nie so unliebenswürdig empfangen worden sein, als an jenem Tage. j Der Photograph Bishoy in Milwaukee hatte neulich ein aus drei Personen bestehendes Gruppenbild zu !

nehmen", wie schwerlich schon jemals eines durch einen Photographen genommen worden ist. Ein Zuchthauscandidat Namens Thomas Horan sollte für die Verbrecher-Gallerie in der PolizeiCentralstation photographirt werden, und er wurde zu solchem Zwecke durch den Pollzeisergeanten Kranich und den Pou zisten D uieil zu dem Photographen Blshop geführt. Sobald der Bursche aber erkannt hatte, um was es sich handelte. protestirte er heftig gegen die Aufnahme. semer Gestchtszuge, und nur Mit Gewalt konnte er zum Sitzen" gebracht werden. Man band ihm die Hände auf den Rük-. ken, die Beine und den Oberkörper fest an den Stuhl, er aber saß dennoch nicht still, sondern bewegte fortwahrend den Kopf hin und her, auf und ab, sodaß nichts Anderes übrig blieb, als ihn an beiden Ohren und im Genick festzuhalten. So ist er denn in einer Gruppe mit dem Sergeanten Kranich und dem Polizisten O'Neill zusammen photographirt worden, aber O'Neillhält ihn an beiden Ohren, und Kranich mit festem Griff am Genick. Toboggan-Nutsch-Partien sind für mich nichts Neues," sagte kürz lich ein alter Jäger aus Shandaken, der von Zeit zu Zeit nach Kingston kommt und dort ein Jagerlatein preisgiebt, das Herrn von Ä)!ünchhausen Ehre machen würde. Schon vor zehn Jah ren jagte ich einmal einen alten Bären mit 6 Hunden und trieb ihn nach einer Stelle, die von 2 Seiten durch Felsen, von der dritten durch einen Abhang 6e grenzt war. Schon dachte ich memenPetz sicher zu haben, als er sich plöhlich in eine Kugel zusammenrollte und mit einer Geschwindigkeit, die mich oben schwindeln machte, die 600 Fuß hinabrutschte. Die ser Bär muß seinen Kameraden begreiflich gemacht haben, was für ein Vergnü gen Schlittenfahren ist, denn als ich in diesem Winter auf einem Berg-. Pfade in halber Höhe bei dem Abhänge ankam, wurde mir ein Anblick zu Theil, der sogar mich alten Kerl in Staunen setzte. Sssssst ßt gings an mir vorbei und ein, zwei, drei, vier Bären fuhren an mir vorüber mit einer Geschwindigkeit, daß nur mein geprüftes Auge überhaupt Bären in den Kerlen entdecken konnte ; dabei gaben sie jenes eigenthümliche, in hoher Tonart gehaltene Brummen von sich, das sie nur aussto ßen, wenn sie lachen wollen. Ich war tete, bis noch einer vorbeifahren sollte, um ihm eins aufzubrennen, doch vergebens ; darauf ging ich zu dem Fuße deS Abhanges und fand zu meinem Erstau nen dort lange Baumrindenstücke vor, die die Bären als Schlitten benutzt hat' Un, um ihre Pelze zu schonen l" Vom Auslande. Unter der Ueberschrift Der Held einer merkwürdigen Wette" erzählte in Berliner Corresvondent die solgende Geschichte: In einem Berliner Gasthofe wohnt seit einigen Tagen ein englischer Schauspieler, Hastings mit Namen, der Jedem, der es hören will, in ziemlich gutem Deutsch eine Episode auS seinem Leben erzählt, wie sie nur in England möglich ist, und die so außergewöhnlich, so romantisch klingt, daß man sie kaum glauben möchte, wenn nicht das Aeußere des Mannes seine Erzählung einigermaßen erklärte und bestätigte. Der Schauspieler zählt noch nicht vierzig Jahre und sieht aus wie ein Siebziger, seine Haltung erscheint gebeugt, sein Gang unsicher, seine Gesichtsfarbe leichenähnlich, seine Augen erloschen. Und das Alles in Folge einer Wette. Im Jahre 1869 saß Herr Hastings, wie er erzählt, mit Lord s. in einem Londoner Clubhause beim Abendessen, und das Gespräch kam unter Anderem auf die Einzelhaft in den Gefängnissen, wobei Hastings die Vkeinung aufwarf, er halte dieselbe gar nicht sur so w.s Schreckliches und Unerträgliches. Der Lord widersprach, und nach englischer Manier entwickelte sich nun eine der absonderlichsten Wetten, die wohl je in der Welt eingegangen worden sind. Lord S. bot dem Schauspieler eine notariell festgesetzt te Summe von 10,000 Pf. Sterl., wenn er sich zehn Jahre lang in einer dunklen Zelle einsperren ließe. Sofort richtete der Lord in seinem Schlosse m der Nähe Londons eine dunkle Kammer ein, die IS F.Länge und 10 F. Breite, aber gar kein Fenster hatte, und die der Schauspieler bezog. Er durfte Licht brennen, erhielt auch Bücher, Papier, Feder und Tinte, einmal täglich eine kräftige Nahrung von unsichtbarer Hand durch itt kleines Schiebefenster, bekam aber nie einen Menschen zu sehen und zu sprechen. Und Hastings hielt dieses . Leben in der That zehn volle Jahre aus und gewann die Wette. Er ist jetzt ein reicher Mann und zieht seit Jahren in der Welt umher, wobei er auch schon wiederholt Berlin berührt hat, und soll namentlich in Paris und St. Petersbarg eine allbekannte und immer wieder kehrende Erscheinung sein. Die Polendebatte im preußischen Abgeordnetenhaus scheint auf einen armen Irrsinnigen in Warschau besonders ausregend gewirkt zu haben. Der Nordd. Allg. Ztg." schreibt man von dort : Während einer Vorstellung des hiesigen Vaudeville TheaterS" erhob sich plötzlich einer der Zuschauer, in dem man später einen an partieller Geistesstörung leidenden Gutsbesitzer, Namens Orlowski, erkannte, und rief mit lauter Stimme: Meine Herren! eö ist beschlossen, Polen wieder von Meer zu Meer vereinigen," u. zu dem Orchester sich wendend, fügte er hinzu: Auf Befehl des Generalgouverneurs, spielen Sie Polen ist noch nicht verloren !" Der Mann wurde hinausgeführt. Das Pu' blikum verhielt sich ruhig." Die Vermehrung deS Eisenbahnregiments in Deutschland soll Thatsache werden. Es lieat in der Absicht, unter Auflösung des NegimentsstabeS und Hinzufügung von zwei neuen Bataillonen das bisherige Eisenbahnre giment von zwei Bataillonen in eine Brigade von vier Bataillcnen zu verwandeln. Die Nothwendigkeit dieser Mäßregel (so führt die Kreuzztg." aus) liegt auf der Land, da allgemein bekannt ist, vaß ein

kräftiger Offensivkrieg mit ven großen Armeemassen der Heutzeit nur noch auf dem Untergrunde der eisernen Verkehrs Wege durchzuführen ist, und daß die Truppenverschiebung, wie schnelle Ope rationen, die aanze Verpflegung der Ar mee, wie der Munitions-Ersatz, nur dann gesichert sind, westn die Bahnen den Raum überwinden und die Mitte! deS Krieges und die Produkte des Landes den sich vorwärts wälzenden Kolossen rechtzeitig nachfikhren. Daß zu dem Zwecke vernichtete Bahnen neu zu beleden, die Strecken mit neuen. Strängen

zu durchziehen sind und Thäler über druckt, so wie Sümpfe mit eisernen Llnien überschritten werden müssen, liegt auf der Hand, und ebenso, daß eine durchgebildete Truppe vorhanden seinmuß, um diesen vielseitigen Anforderungen in einer Zeit gerecht zu werden, wel che die neueste Kriegsführung so kurz wie möglich bemißt. Jede Stärkung dieser Truppe kommt der deutschen Offensivkraft und damit der Stärkung des deutschen Neiches zu Hilfe. Ein Denkmal für NapoIcon III. sollte dieser Tage in Mailand errichtet werden. Obschon, wie bekannt, Mailand seine Befreiung von der öfter reichischen Herrschaft in nicht geringem Maße Napoleon verdankt, so erhob sich doch in ganz Italien ein solcher Unwille gegen die Errichtung des Denkmals, daß dieselbe nun von der Negierung verboten worden ist. Die Erinnerung an das. Was Napoleon Italien Gutes erwiesen, wird eben speciell in Nom aufgehoben durch die Erinnerung an die Zeit der französischen Besetzung Roms und die damit verbundene Neaktionswirthschast. Galizische Blätter b erichten : Der Zwiespalt in der russischen Armee, besonders zwischen Ofsizieren deutscher und russisch er Nationalität wird immer größer, auch die bestehenden Verböte von Duellen sind nicht im Stande, dem zu steuern. Zwischen Ofsicieren des in der Festung Modlrn stationirten Artillerie Regiments sind dergleichen Zwistigkeiten aus nationalen Gründen kntstanden, welche mit neun Duellen en digen werden. Zwei Duelle wurden in Warschau in einem Hotel in Folge In tervention der Polizei, die hievon rechtzeitig Kunde erhielt, vereitelt, die übrien werden demnächst unbekannt wo stattinden. Als Sekundanten der Russen iguriren Russen und Polen, der Deutchen ausschließlich Deutsche. Man er vartet aus Petersburg eine Erneuerung des bestehenden Verbotes von Duellen in der russischen Armee. Ueber den Nothstand in Meerane waren durch ein süddeutsches Blatt verschiedene alarmirende Nachrichten in die deutsche Presse gelangt. Der Stadtrath ' von Meerane veröffentlicht jetzt einen ausführlichen Nachweis, wonach nicht nur der allgemeine Gesundheitszustand der Stadt ein guter ist i'unter 283 Todesfällen nur ein einziger an Typhus), sondern auck die Nachrichten über den angeblichen Mangel an Betten sich als aus der Luft gegriffen heraus stellen. Sogar die 160 Almosenempfän ger der Stadt sind sämmtlich im Besitz von Betten. Was endlich die Lage der Industrie betrifft, so hat aus Rücksichten der Mode und wegen des Rückganges der Wollgarnpreise eine Verminderung der Production stattgefunden, doch sind die dortigen Fabrikanten immer noch in der Lage, nicht nur keine Herabsetzung des Lohnes zu bewirken, sondern sogar Auf, besserungen zu gewähren. Als vermuth licher Zweck der falschen Nachrichten wird bezeichnet, die milden Regungen des Mitleids für unlautere Zwecke ir Bewegung zu fetzen." Eine Erneuerung der olympischen Spiele steht bevor. Das Königreich Griechenland veranstaltet bekanntlich im Herbste 1887 eine nationale Ausstellung in Athen. Wie nun yriechische Blätter melden, sollen anläßlich die' ser Ausstellung die alten olympischen Spiele wieder aufleben und in Zukunft alle vier Jahre fortgesetzt werden. Die .Spiele werden jedoch statt in Olympia in dcr Nähe Athens stattsinden. Welch entsetzliche Schädigung der Volksaesundheit durch den Genuß des Fuselbranntweins zugefügt wird, möge man auS einem demFrankf. Journal" zur Einsichtnahme verstatteten Privatbriefe einer in Schlesien lebenden Dame ersehen, welche, als Gattin eines dort domicilirten ehemaligen höheren Verwaltungsbeamten und noch in letzter Session Mitgliedes der nationalliberalen Partei im preußischen Abgeordnetenhau se, aus eigener, zehnjähriger Anschauung und Kenntnißnahme über die schreckliche geistige und körperliche Verkommenheit, die der durch Generationen genossene Branntwein auf die Bevölkerung ausübt sich äußert : Ein elendes, klei neS Geschlecht mit widerlichen Gesichts, ügen, skrophulös und verkommen ; vas sind unsere Leute hier, lebend von Kartoffeln und SchnapS. Die kleinen Kinder bekommen einen Lutschbeutel mit Schnaps, damit die Mutter Ruhe hat, die Schulkinder früh einen SchnapS statt des Kaffees, denn daS ist ja bequemer als das Kochen. Sie glauben kaum, wie empört ich mich ob des dritten Gläschens" fühle, das ein Fortschritts mann neulich so ungern den armen Arbeitern genommen sehen wollte, denn dies dritte Gläschen hat mir in meiner Wirth schast und ebenso Anderen schon viel Unheil gebracht übrigens wollen wir ganz von Gläschen" schweigen und constatiren, daß die Leute am Tage ein bis zwei Liter trinken und zwar auS Wasser gläsern. Der Branntwein oder vielmehr das aus Schwefelsäure gemischte Gift ist so billig, daß die Leute sich diesen ,,Lu xus" wohl gestatten können und ob daheim ein DutzendKinder hungernd,daS ist ja gleich, dafür können Andere sorgen. ES ist hier am Orte ein gräßliches Proletariat ; nicht durchzusinden durch das Elend und die Liederlichkeit, obgleich unendlich viel geschieht und zwar von allen ' " Bern. Wonnegm. ARCHITECT, Vanee Block, Akrnmer Tfr. 69 7 ltr. d Vkgiuia ve. ud Qashwgt, Str.

Politische Anzeigen. Für County-Clerk. AurelinS I. Jovce, unterworfen der Entcbeidung d:r republikanische Souaty Eonvevtton 18S5.

Jobn N. Clinton, unterworfen der Entscheidung der rexublttantsche Eount? vevtion 1SS6. i Edward H Dean, nterworfen der Entscheidung dir republikanischen Tount Konvention. Für Countli'Allditor. Jobn W. Pfaff. unterworfen der Entscheidung der re?ubliknischen Eounty Convention. Für Sheriff. Henrv H. Oeville, unterworfen der Entscheidung der republikanische ounty venno 1&6. 5Itckard S. Golfer, unterworfen der Entscheidung der rexublikinischen ountu onointurn. iStotat H. Carter, unterworfen der' Entscheiduug der demokratische 5nentln. Für County - Recorder. (Eugene Saulcy, nnterworsen der Entscheidung der rexublikaki'chtn Eount, Enntin. UXSX'? Magnolia Bahn is a secret aid to beauty. Many a ladyowes hersreshness to it,who wotild rather not teil, andyou carit teil. Gebrüder Frenzel, i S.W.Ecke Washington und Mesidianftr. V lSfsOge zu dm Niedrigsten Vreisen ! Ninder'Wägen, Vogelkäfige, Staubbürsten, Korbwaaren. ZZask, größte An,ask l Ökas.Mayör&Oo. SV und so WeKWaMgtooSttaKc. Dr. O. G. Pfaff, Qrzt, üIundarzt und Geburtshelfer. Office: 4 Aladisozi Arro Sp,chft d, : ,rg, o S i Uh achmMagl von 3 MI S Uhr. , T Hl I Nhr. CT el,bo S8S Qohng : 141 55. Alabama St. ?K,do VSv. Dr. C. C. Everts, Deutscher Zahnarzt. (achfolg 9n ,,. . Tcstm &.C3.:C?e Qasbington tu Dttmsbloanta Otrt Z !,, lt. A.BOECEB,jr.,; jts5e Bank - Haus, $t t. uud Vine Straße, Oinolzmatl, O. Wollmachten ach Deutschland Oesterreich , ei chwet, gefertigt. Semsulseifche U eglauitgnuge besorgt. . s. . xrpt muh sich, tUUfftrt. Lertrkter t Jn,tap,ltg : Philip Bappaport, Ho. 120 Oft artzland SKaß.

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