Indiana Tribüne, Volume 8, Number 288, Indianapolis, Marion County, 5 July 1885 — Page 7
EE
Sx.
Sraorcsfc von i. Materne. Es hatte eine Zeit gegeben, in der Käth- ; chen Sintermann und ihr Vetter Fritz sehr 1 gute Freunde gewesen waren. Das war damals, als Käthchen noch im Flügelkleide in die Akadchenschule ging und Vetter Fritz die baute Studentenmütze trug, die ihm gar nicht übel stand. Käthchen war sehr stolz gewesen aus ihren stattlichen, kecken Ve:ter,auf ihn und seinen riesigen Leonberger Hund, ohne den er sich nicht auf der Straße zeigte. Seitdem hatte sich die Lage der Dinge total geändert. Der Leonberger war gestorben, Fritz hatte das Gut seines Vaters übernommen.und war aus einem flotten Studenten ein simpler Landwirth geworden, der plumpe Stulpenstiefeln und einen formlosen Flausrock trug,und Kätchen hatte seit beinahe einem Jahre die erste Klasse der höheren Töchterschule hinter sich und liebte es nicht, an diese abgelhane Periode ihres Lebens erinnert zu werden. Sie besuchte die Tanzstunde und war Mitglied einesKassekränzchens,das französisch begann und nach einer halben Stunde ins gemüthlichste Deutsch umschlug. . Seit einiger Zeit war Käthchen sehr nachdenklich geworden. Die eine ihrer Herzensfreundinnen hatte sich verlobt, die and"ere,die blonde Hulda Geldern,hatte den Kasinoball mitgemacht und den Kotillon mit einem sehr netten Gerichtsassessor getanzt, an den sie seitdem heimlich Verse richtete, die den Wunsch aussprachen, für ihn und mit ihm zu sterben. Wie gesagt, Käthchen Sintermann war sehr nachdenklich geworden. Sie interessirte sich lebhast sür einen jungen Maler und senkte erröthend das reizende Gesicht tiefe: auf ihre Stickerei, wenn ein gewisser Traaonerlieutenant vorüberritt. Mars oder Apollo? Das war die Frage, mit deren Lösung sie sich in ihrem Tagebuch beschäftigte, denn natürlich besaß sie ein Tagebuch, in das sie ihre geheimsten Gefühle eintrug, ihre Gedanken über die göttliche Weltordnung und ihre Ideen zur Verbesserung derselben. Vetter F?ltz spöttelte über diese Iveihei:ollc Beschäftigung und Kätbchen haßte ihn dafür. Alles an ihm war ihr unangenebm, die Art, wie er sprach und sich gab, .wie er seine Kravatte knüpfte und den Schnurrbart bangen ließ. Dazu hieß er Pätzold! Wie kann ein .anständiger Mensch überhaupt Pätzsld heißen? Sie würde ein viel glücklicheres Leben geführt haben, wenn des Vetters Gut nicht in unmittelbarer Nähe der Stadt gelegen wäre. Man behauptet allgemein, daß du Deinen Vetter Fritz heirathen wirst," sagte eines Tages Klara Santers, die junge Braut, als sie im vertraulichen tete-a-tete neben ihrer Freundin auf dem Miniatursopha saß. Ist etwas an dem Gerücht? Mir darfst Du's sagen. Ich bin Braut!" Kätbchen war außer sich. Sie ihren Vetter beirathen, diesen Fritz Pätzhold mit dem Flausrock und der schiefgeknüpften Kravatte? Welche Idee! Dennoch betrachtete sie den Vetter Abends beim Thee unter diese? neuen Perspektive. Häßlich war er nicht, sie mußte das zugeben. Ohne diesen abscheulichen Flausrock und die verschobene KraWie !... Da ttang mitten in ihre Vetröchwngen binein die Stimme des VetterZ, die vom öUeefutte? und holländische: Rindvieh sprach. Kätl'chen sprang K$i?rt auf und eilte in ihr Zimmer. -,Ür ist ein Barbar." So schrieb sie in ihr Tagebuch. Dann ein leerer Äaum, die Kluft zwischen Himmel und Hölle andeutend und darunter in siböngesckwungenen Lettern: 'Mein Ideal." Wir wollen uns hier nicht unterfangen, in die Geheimnijie des Tagebuches weiter einzudringen und nur verrathen,daß Käthchens Ideal dem Helden eines gewissen verbotenen Romanes zum Verwechseln ähnlich sab, und daß dieser Held aus der 120. Seite bereits das siebente Herz gebrechen hatte. Es das Ideal nämlich besaß unheimliche dunkle Augen und einen mächtigen Vollbart, es ver fügte über ein tiefes, wohlklingendes, Organ, fremdländischen Accent und eine düstere Familiengeschichte. Alles in allein war es eine Ärt 3!äuberhauptmann in Salontoilette. Einige Wochen später wurde im Stadttheater der Don Carlos gegeben. Ein berühmte? Schauspieler gastirte als Marquis Posa. j Zwar nannte Tante Sophie, die an Käthcken Mutterstelle vertrat und dem Rath 'Sintermann die Wirthschaft führte, das Stück ein höchst unmoralisches, zwar versicherte Vetter Fritz, daß dieser besagte Don Carlos in Wirklichkeit ein ganz gewissenloser Mensch gewesen sei, der seinen Schuster gezwungen habe, ein Paar schlechtsitzende Schuhe sammt Schnallen und Absätzen aufzuessen, aber dennoch setzte Näthchen wie immer so auch hier ihren Willen durch. Der Abend der Aufführung fand die gesammte Sintermannsche Familie in einer Orchesterloge des Theaters. Auch Vetter Fritz fehlte nicht und es nrajj konstatirt werden, daß er sich diesmal aller spöttischen Bemerkungen enthielt, weil er zu gutmjUhig war, Käthchens Enthusiasmus zu stören. Dieser Enthusiasmus übnsteigt alles , blsbcr dagewesene. ' Käthchen ging in den nächsten Tagen umher wie im Traum. Es begab sich, 1 daß sie der entsetzten Starte auf eine harmlose Frage daS Ich kann nicht Fürstendiener sein' entgegenschleuderte, und die alte Köchin Susanne wollte gebört haben, daß sie beim Rühren eines Puddings gemurmelt habe : O Königin, das Leben ist doch schön.". Die arvßen Ereignisse jagten sich. Kaum eine Woche nach jenem Theaterabende langte ein goldgerändertes Billet im Sintermannschen Hause an. Kommerzienrath Santers und Gemahlin geben sich die Ehre :c." Kurz es war eine Valleinladung in aller Form. Käthchens Entzücken kannte keine Grenzen. Abends beim Thee zog Fritz ein stark zeiknittertes Exemplar gleichen Inhalts aus der Tasche seines FlausrcckS und erklärte seine Absicht,die Fami-
lie begleiten zu wollen, worauf Käthchen durch ein Achselzucken andeutete, daß dieser Entschluß zu ihrem eigenen Vergnügen sehr wenig beitragen werde. Natürlich konnte Fritz diese Herausfordcrung nicht ruhig hinnehmen. Er sprach die belerdigende Ansicht aus, daß gewisse Leute vielleicht ihrer Zeit recht froh sein würden, wenn ein hitfsbereiter Vetter sie vor dem Siyenbleiben bewahre. Dieser Pfeil traf sein Ziel nicht. Käthchen lachte den boshaften Vetter aus. Sie besaß ein sehr lebhaftes Selbstbewußtsein, und dieses Selbstbewußtsein nahm zu mit jeder zierlichen Rüsche, die auf das Ballkleid geheftet wurde. Als sie am Abende des Balles ganz in duftiges Weiß gehüllt, vor dem Spiegel stand, würde sie sich gar nicht gewundert haben, wenn irgend ein Äcärchenprinz erschienen wäre, um ihr seine Krone zu Füßen, zu legen. In der Familie war man entzückt von dem Kinde. Die Susanne erklärte, das Fräulein sähe einem direkt vom Himmel herabgestiegenen Engel zum Verwechseln ähnlich, die leichtgerührte Tante vergoß einige Thränen und selbst der Rath gab seine Meinung dahin kund, daß seine Käthe wirklich ein Prachtmädel" sei. Nur Vetter Fritz stand verstockt und unbußfertig daneben. An seinem inneren Menschen hatten Frack und Chapeau bas nichts zu ändern vermocht. Er murmelte sogar etwas von zuviel Salat"und deutete dabei wegwerfend auf die duftigen Garnituren des 'Ballkleides. Es läßt sich denken, daß unter so bcwandten Umständen selbst ein prachtvolles Bouquet, das er mitgebracht hatte, nicht zu seinen Gunsten wirken konnte. Käthchen streifte ibnmit einem hoch-
müthkgen Blicke und hoffte im Stillen, daß die Erde ein Ungeheuer gleich ihm nicht zum zweiten Male aufzuweisen habe. Jedenfalls hatten andere Leute besseren Geschmack. Käthchen war kaum eine Stunde im Festsaale, als sie ganz genau wußte, daß sie Ballkönigin sei. Junge Damen haben in solchen Sachen einen untrüglichen Scharfblick ; sie wissen auö den Blicken der Damen und Herren ein Facit zu ziehen, das immer aufs Haar stimmt. Natürlich war sie selig. Es ist so süß, Königin zu sein, wenn auch nur sür eine Nacht, und an eine geringe Zahl von Untcrthqnen Gnaden ertheilen zu können durch ein Wort, einen Blick,eincn flüchtigen Tanz. Fritz staunte über den Llplomb, mit dem seine kleine Cousine aufzutreten verstand. Er verlor über diesem Staunen sogar seine gewöhnliche spöttische Sicherhcit. Nur zwei Tänze wurden ihm von der kleinen Ballkönigin gewährt und auch diese mit einer Miene, die deutlich verricth, daß man hier lediglich (ine verwandtschaftliche Pflicht erfülle. Seine gute Laune litt darunter; er tanzte überhaupt nicht mehr. Auf Käthchen machte das keinen Eindruck. Sie hatte besseres zu thun, als sich um die Stimmung ihres Vetters zu kümmtttt. Der Maler mit dem interessanten Gesicht und den Coetheaugen ließ sich ihr vorstellen. Leider entsprach er ihren ErWartungen, nicht. Er tanzte schlecht, sprach wenig und schien im Unklaren über den Gebrauch, den man im Zustande der 3!uhe von seinen Händen und Füßen zu machen hat. Als er sich empfahl, war Käthchen um eine Illusion ärmer. Auch der Lieutenant mit dem imposanten Namen fehlte nicht unter Käthchens Bewunderern. Er galt sür unwiderstehlich, hielt sich selbst dafür und besaß ein Knversationstalent sonder glcichen. Mit der -größten Leichtigkeit kam er vom Pattikonzert auf den Türkenkrieg und von da über Ebers Uarda und die vorjährige Saison in Baden - Baden auf die neueste Nummer des Kladderadatsch. Zuletzt verabschiedete er sich mit einem Siegeslächelnsund der Ueberzeugung, daß er wieder einmal einen überwältigenden Eindruck auf das Herz einer jungen Dame gemacht habe. In einer der Tanzpausen flatterte Hulda Geldern wie ein lichtblauer Schmetterling an Käthchens Seite. da," flüsterte-sie. Wer?" Nun, Er." Käthchen begriff. Sie zitterte und ihr Herz schlug stürmisch. Auch Hulda hatte jener Vorstellung deö Don Carlos" beigewohnt, und der göttliche Rodmch" war seitdem der Held ihrer Verse. Er hat den Hamlet gegeben," flüsterte Hulda, deshalb ist er so spät erschienen. Dort steht er ! Ach, sieh nur ! Welche Figur, welche Haltung! Ein Gott in Menschengestalt! Wie alle anderen neben ihm verschwinden! Er spricht mit Clara! O, die Glückliche ! Wer doch an ihrer Stelle wäre ! Jetzt sieht er hierher. Er richtete eine Frage an Klara. Sie lächelt, sie nickt; jetzt winkte sie ihrem Bräutigam. Die beiden Herren kommen hierher ! Ach, Käthchen ! Im nächsten Augenblicke stand schon der berühmte Mime vor den Freundinnen und verbeugte sich mit einer Anmuth, die alles je Dagewesene in den Schatten stellte. Der Schauspieler war ohne ZZraae ein auffallend schöner Mann, wenn schon die tiefen Falten seines ausdrucksvollen Ge sicht? bewiesen, daß die Jugend längst hinter ihm lag. Aber das machte ihn nur noch interessanter. Ganz junge Damen ziehen den narbenbedeckten Achill stets dem tadellos schönen Adonis vor. Da der Künstler am nämlichen Abende den Hamlet gespielt hatte, so war seine Unterhaltung weltschmerzlich angehaucht, und das vollendete seinen Sieg. Als er die glückliche Käthe zur Fran-' oaise entführte, war Hulda nahe daran, in Thränen auszubrechen,und das war ihr durchaus kein Trost, daß ihr treuester Verehrer, der Assessor.Jahrig, sofort herbeieilte, um auch fle in die Reihen der Tanzenden zu geleiten. Käthchens Seligkeit grenzte an Exal-
tation. Sie ahnte den Roman ihres Lebens. Der Künstler hatte sie kaum an ihren Platz zurückgeführt, als Klara herbeieilte und die Freundin in eine Fensternische zog. Nun, wie gefällt er Dir?" fragte sie. Ist er nicht ein schöner Mann und liebenswürdig dazu, nur ein wenig exaltirt. Aber das sind alle Künstler, sagt mein ME. . Denke Dir, daß er irgendwo ein Frau und sieben Kinder hat. Du bist enttäuscht ? Ja, ich war es auch, als ich es hörte. Ein Musterehemann ist er übrigens nicht. Er macht jedem hübschen Mädchen den Hof. Da taucht er eben neben Hulda auf ! Wie sie strahlt ! Das giebt wieder einen ganzen Sonettenkranz. Sie ist auch gar zu sentimental, sagt mein Mar." Käthchen war vernichtet, in ihren heiligsten Empfindungen gekränlt. Eine Frau und sieben Kinder! Das war zu viel des Unglücks auf einmal. Er überwältigte sie. Fritz stand am Büffet im Nebenzimmer und war im Begriff, seinen Aerger in einem Glase Maibowle zu ertränken. Er hatte dasselbe Mittel heut schon mehrmals und immer ohne Erfolg probirt. Diesmal wurde er an der Ausführung gehindert. Eine kleine Hand letzte sich auf feinen Arm und als er sich umblickte, fah er in das blasse Gesichtchen seiner hübschen Cousine. Mir ist nicht ganz wohl," sagte Käthchen, möchtest Du ein wenig mit mir promeniren V . Er bot ihr den Arm. Soll ich Dir ein Glas Eislimonade bringen ?" fragt er besorgt. Nein, ich danke. Ich brauche nichts als frische Luft." Als ob die hier zu haben wäre. Es ist eine hirnverbrannte Idee von dem K'om.merzienrath, im Mai noch einen Ball zu geben und dann die Leute bis nach Mitternacht auf ihr Abendbrod warten zu lanen. Das hält die gesündeste Na-' tur nicht aus." Käthchen war vor einer Glasthür siehen geblieben, die ins Freie führte. Wenn wir ein wenig in den Garten gingen," sagte sie. Unmöglch ! Du könntest Dich erkälten." 9; Fritz, es ist eine schöne Frühlingsnacht. Ich binde mein Spitzcntuch über den Kopf, und Tu holst mir den dicken wollenen Burnus aus der Garderobe! Bitte, lieber Fritz." Er war des sanften Tones so wenig gewöhnt, daß er in der ersten Ueberraschung unwillkürlich gehorchte. Der Galten la.j in Mondlicht gebadet; die Lust war mild und schwer von Blüthenduft, und nur das Plätschern deö Springbrunnens unterbrach die nächtige Stille. . Schweigsam gingen die beiden jungen Leute nebeneinander ber. Ist Dir jetzt wohler, Käthchens fragte Fritz nach einer Pause. Sie nickte stumm ; aber die thränenreiche Niobc kann nicht trostloser dreingeschaut haben, als Käthchen Sintermann es in diesem Augenblicke tbat. Bist Tu müder' fragte Fritz bc-sorgt.
Ein wenig." Er führte sie zu einer Bank, die im Schatten blühender Syringenbüsche stand. Arme, kleine Käthe," sagte er. Sein Mitleid, die sieben Kinder, die köstliche Frühlingsnacht, das alles vereint war zu viel für Käthchens Nerven. Sie brach in Thränen aus. Höchlich erschrocken beugte er sich zu ihr binab. Liebste Käthe," tröstete er, ..sei kein Kind! Welche Thorheit! Weine doch nicht so herzbrechend." Er küßte in zärtlichem Mitleid den kleinen zuckenden Mund, der dem seinen so verführerisch nahe war. Nun hatten die beiden sich oft vorher geküßt, bei Geburtstagen,' bei Weihnachtsbescheerungen und sonstigen festlichen Gelegenheiten, aber nie hatte einer dieser Küsse die seltsame Wirkung des heutigen gehabt. Käthchen fuhr erschrocken zurück und Fritz that im ersten Augenblick unwillkürlich dasselbe. Aber nur . im ersten Augenblick; dann zog er die Wiederstrebende an sich und flüsterte dicht an ihrem Qhre: Süße herzige, kleine Käthe, ich liebe Dich zum Rasendwerden." Als Käthe eine Vietelstunde später den Vallsall wieder betrat, war sie die glückliche Braut ihres Vetters Fritz. Jahre sind seitdem vergangen. Fritz und Käthchen sind längst verheirathet und' ein sehr glückliches Paar, obgleich böse, Zungen behaupten, das der junge Ehemann ern wenig unter dem Pantoffel feiner reizenden Frau stehe. Jedenfalls hält er sich selbst für den beneidenswerthesten Sterblichen und seine Käthe für die Krone der Schöpfung. . Seine äußere Erscheinung hat sehr geWonnen, die Kravattenschleife nimmt jetzt stets den ihr von der Mode bestimmt ten Platz ein und der Flausrock hat die ersten Tage der Verlobung nicht überlebt. Käthchens Ansichten haben sich merkwürdig geändert, Sie ist jetzt fest überzeugt, daß ihr sogenannte schöne Männer eigentlich von jeher ein Greuel gewesen sind und daß ihr Ideal im Grunde stets aschblondes Haar, eine mittelgroße Gestalt und treue blaue Augen gehabt hat, Seit Kmdersüßchen durch das Haus trippeln, liegt das Tagebuch vergessen, wer eS öffnete, der würde sinden, daß viele Seiten dick durchstrichen sind und daß' namentlich der göttliche Nodrnch" unter einem wahren Meere von Tinte begraben liegt. Selbstbewußt. Euer Spotten, Ihr Wichte, Macht mich nicht wanken : Ich denke Gedichte Und dichte Gedanken ! Jedem das Seine!" Wollt an die Forderung man fest Euch nageln. Müßt's Stockprügel regnen und Maulschellen hageln.
VnssisckieScnlationsgeschichten. St. Petersburg ist eine Stadt der Sensations-Assairen. Giebt es dort keine Nihilistengeschichten, keine Attentats, Complote und politischen Processe ud von solchen hat man ja. Gotttob ! seit geraumer Zeit nichts gehört so fehlt es doch nie an anderen dramatischen.pakkenden, erschütternden Vorgängen, macht heut' ein ergreifendes Justizdrama, morgen eine grausige Liedestragödie, heut' ein hochp'ikanter Scandal in vornehmen Kreisen, morgen eine Desraudationsaffaire das größte Aufsehen. Eben bilden drei Vorgänge, von denen ein jeder in seiner Ar: von hohem Interesse ist, in der ?!ordischen Palmyra" das allgemeine Tagesgespräch. Da ist zunächst ein Proceß, der sich vor dem Petersburger Aiilitärgcrichtshof abspielt und in dem ein fünfundzwanzigjähriger Artillerie-Osfi-cicr als Angeklagter sigurirt.- Er ist der Sohn achtbarer, jedoch unbemittelter Eltern, dem es gelungen war, die Liebe eines hübschen, jungen, reichen Mädchens zu gewinnen, welche er auch bald heirathete, und wird als liebenswürdiger Gesellschafter, unterhaltender Eavalier, zärtlicher Sohn geschildert. Und dennoch steht er unter einer fürchterlichen Anklage, der Anklage des Gattenmords. Wenige Monate nach seiner Vermählung entstand das Gerücht, die junge Frau sei während einer in Gesellschaft ihres Manneö unternommenen Bootfahrt auf der Newa ertrunken. Dieses sinstere Gerücht verbreitete sich, doch dann entstanden andere, noch entsetzlichere, noch fürchterlichere, Gerüchte. Man beschuldigte den
jungen Ofsicicr eines grauenhaften, na- i menlosen Verbrechens ; man raunte sich in's Ohr, er habe seine junge Frau ertränkt, um sich ihres bedeutenden Vermögens zu bemächtigen, da sie ihn testamentarisch zu ihrem Universalerben eingesetzt. Alle, die den jungen charmanten Mann näher kannten, lächelten ungläubig bei dieser Schauermär. Die Gerüchte verstummten und Alles schien seinen gewohnten Gang zu nehmen fast zwei Jahre waren seit der furchtbaren Katastrophe verstrichen, da plötzlich wurde der Lieutenant der Festungsaititterie Wladimir Jmschenczkij verhaftet, und heute steht er vor dem Kriegsgericht, um sich gegen die schreckliche Beschuldigung zu verantworten. Fluch dem Gelde ! Wäre die unglückliche junge Dame nicht reich gewesen, Niemand wäre es eingefallen, ihren Gattin eines so fürchterlichen VerBrechens anzuklagen. Doch der Fluch, der am Gelde haftet, reicht noch über's Grab hinaus. Die unglückliche Besitzerin des Mammons wird aus ihrer letzten Ruhestätte gezerrt, um Zeugniß abzulegen gegen den Mann, dem es gelang, ihre Liebe zu gewinnen und der dadurch die materiellen Interessen Anderer geschädigt. Und diese Anderen traten an der Seite des Staats-Anwalts als Civilklägcr auf.und ließen vor dem Gerichte eine Reihe von Zeugen desiliren, die da aussagen sollten gegen den Unglücklichen, die da düstere Schatten werfen sollten auf seinen Eharakter. damit die Ueberzeugung aufkeim.', er sei eines derartigen Verbrechens fähig. Doch während einerseits die Anklage sich bestrebte, darzuthun, daß der Unglückliche durch sein Vorlebm für fähig acbalten werden könne, eine so namenlose Unthat zu begehen, führte die Vertheidigung ihrerseits Zeugen in's Gesecht, die das Gegentheil barthun sollten. So z. V. legte der Bootsmann Jwanoff, der die Frau Imschenczkij aus dem Wasser gezogen hatte, Zeugniß ab, daß der Angklagte fast wahnsinnig vor Schmerz über den Verlust seiner Gattin geworden. Dieselbe Aussage machten auch die übrigen Hausgenossen des Angeklagten. Der Vater der unglücklichen jungen Dame trat gegen den jungen Osficier mit ungewöhnlicher Heftigkeit auf undseine Aussagen sind schwer belastend, wenngleich man sieht,daß sie durch eine persönliche Abneigung gegen den Angeklagten dictirt sind. Neben dem alten Ssibirjakow saß ein junges, schönes, schlankes Mädchen, seine Tochter, die Schwester der Ertrunkenen. Nachdem der Vater seine Aussage gemacht hatte, stand die junge Dame auf, augenscheinlich in der Absicht, den Saal zu verlassen. An der Thüre angelangt, wendete sie sich um und sagte : Nein, Papa, Jmschenezkij' ist nicht schuldig"; das Mädchen wankte und wäre sicher zu Boden gestürzt,wenn nicht ihr Vater und ein nebenanstehender Officier sie aufrecht erhalten hätten. Sie war ohnmächtig geworden Jedoch nach wenigen Augenblicken kam sie wieder zur Besinnung und Wurde von ihrem Vater nach Hause gek ührt. Dleser Zwlschensall brachte aus as Publtlum einen tiefen Eindruck her vor. Demnächst ist es das Märtyrerthum emes armen, schönen Madchens, welches m wetten Kreisen die tiefste Theilnahme erweckt. Hier ihre Geschichte : Der Doc tor D., ein sowohl durch sein Wissen, als durch seine Humanität bekannte? Ant er hielt unlängst einen anonymen Brief, in welchem ihm die Anzeige gemacht wurde, daß ein junges Mädchen, Sophie Pawlowna O., das die höheren Bestu!hen)'i schen Frauencurse absolvirt und in die Helenen'schen Accoucheurcourse emgetreten sei, in Pargolowo in einer Bauernhütte des Hungertodes sterbe. Die Unglückliche besindet schon während einiger Tage ohne gliche Nahrung Wid es ist leicht möglich, daß, wenn Sie dieftn Brief bek ommen, sie nicht mehr am Leben ist o hieß es unter Anderem in dem Bti-.f. Anfangs glaubte Dr. D. an eine ?,!ystisication, aber sein humanes Gefühl trug den Sieg davon und er beaab sich nach Pargolowo, wo es ihm erst. nach vielem Suchen gelang, die bezeichncte Bauernhütte zu finden. Der Arzt trat ein und ein entsetzliches Bild bot sich ihm da. Am Fenster, auf zwei zusammengeschobenen, mit verfaultem Stroh bedeckten Holzbänken lag unbeweglich ein junges Mädchen, dessen wunderbare rührende Schönheit trotz der bleichen abgehärmten Züge den Besucher frappirte. Kurze blonde, über die Stirne und Wangen hängenden Haare umrahmten ein Gesicht, daß wie in Marmor gemeißelt erschien, so entsetzlich blutleer erschien es; die Augen waren geschlossen, die eine wachsbleiche Hand hing fast bis an die Diele herab, während die andere die
Lumpen, die ihr als Decke dienten, festzuhalten schienen. Man hätte sie für todt halten können, wenn nicht ein convulsivisches Zucken der Lippen bekundet hätte, daß in diesem Organismus noch ein Lebensfunken glühe. Es gelang dem Arzt, sie zum Bewußtsein zu bringen, Tank Mcdicamentcn.und kleinen Dosen von Nahrung. Und nachdem sie sich gestärkt und im Stande war, zu sprechen, erzäblte die Unglückliche ihre traurige Geschichte. Sophie Pawlowa O. ist die Tochter ziemlich wohlhabender adeliger Eltern, war früh verwaist und im Institut auf Kronskosten erzogen. Das Streben nach höherer Ausbildung führte sie nach Petersburg, wo sie fast ohne jegliche Mittel anlangte. Wie sie diese zwei Jahre lebte ist wahrlich ein Räthsel. Zu stolz, um die öffentliche Mildthätigkeit in Anspruch zu nehmen, ohne Freunde und Bekannte, bestand sie einen fortwährenden entsetzlichen Kampf mit dem Hunger, der sie selbstverständlich auch der Möglichkeit beraubte, ihren Wissensdrang zu.befriedigen. Doch sie ist eine, trotz ihrer
zarten Jugend, eiserne Natur, von einer ! Energie, die geradezu staunenswerth ist. Hunger und Entbehrung, Elend und Noth (sie wußte oft nicht, wo sie ihr müdes Haupt niederlegen würde) hatten ihre Thatkraft nicht gebrochen, waren nicht im Stande, ihren rosigen Hoffnungen den Todesstoß zu versetzen. Sie fuhr fort, gegen ein widriges Schicksal anzukämpfen, bis ihr die physische Kraft untreu ward und sie unterlag. Die Unglückliche erkrankte am Typhus, ward von demselben geheilt, beklagte sich aber über Brustleiden, worauf ihr der Arzt anrieth, Petersburg zu verlassen und sich nach dem Süden zu begeben, da sie sonst in Gefahr laufe, daß sich bei ihr die Schwindsucht entwickle. Bon emerFahrt nach dem Süden konnte eben so wenig die?!ede sein, als von einer3!eise nach dem Monde. Sie zog nach Pargolowo, wo ste sich be: einem armen Bauer emquartirte, der mit ihr seine Brodrinde theilte und ihr auch etwas Milch gab. Das war aber auch Alles. Eine solche dilrftige Nahrung in ungenügendem Quantum erschöpfte den Organismus, und selbst diese Brocken mangelten, da der Bauer auch nichts hatte. Die Unglückliche Ware sicher des Hungertodes gestorben, wenn sich nicht ein anonymer Woblthäte? gefunden hätte, der den Dr. D. von der entsetzlichen Lage, in welcher sich das junge Mädchen befand, Kunde gethan hätte. Sofort als diese furchtbare Thatsache bekannt wurde, strömten von Seiten der studnenden männlichen und weiblichen Jugend milde Gaben für die Acrmste ein, die jedoch derselben nicht mehr bedarf, da Frl. Ssibirmkow, die Tochter des bekannten Millionärs und Goldminenbesitzers, der bekanntlich emen lebhaften Antheil an der Nordpol-Erpe-dition Nordenskjöld's nahm, sich für die Unglückliche interemrt und nicht nur alle Kosten übernommen, die ihr Unterhalt und die ärztliche Behandlung erfordern, sondern auch ihre Bereitwilligkeit ausgesprochen hat, sobald das junge Mädchen genug gekräftigt wird, dasselbe für den ganzen Sommer nach der Krim zu schikken, damit es sich von dem jahrelangen Kampf mit Hunger und Elend, der entsttzliche Verwüstungen in dem jungen Organismus angerichtet hat, erhole. Zum dritten hat es nicht geringe Sensation erregt, daßder Lordmavor von Petersburg, Herr Glasunow als Angeklagte? in Sachen der Mißbräuche der städtischen Ereditbank zur Rechenschaft gezogen werden soll. Jeder in Petersbürg, der Herrn Glasunow keiint, weiß, daß das ein sehr ehrenwerther und rechtschanener Mann ist, den Niemand für fähig halten kann, einen Unterschleif zu begehen, sich fremdes ()ut anzueignen. aber trotzdem ist seine Verantwortlichkeit unleugbar, da die Mißbräuche in der Eredltgesellschaft, an deren Spitze er stand, nicht in Abrede gestellt werden können. Die vier zur gerichtlichen Verantwortung berangezogenen iviltgueder der ehemali aen Direction wurden, wie man sagt. für die Summe von 720,000 Rubel belangt. Siebenhundertzwanzigtausend Rubel sind jedenfalls viel Geld. Doch die Schmach, als Angeklagter zu fungiren, ist noch größer und wird nicht da durch vermindert, das man nicht der Ehrlosigkeit, sondern nur der Sorglosigkeit, nicht des Mißbrauches, sondern um des Mangels an Einsicht, nicht der Spitzbü berei, sondern nur der Unkenntniß beschuldigt wird. Vor Jahren ist Marie Geistinger Folgendes passirt : Sie kam eben von einer anstrengenden Rolle er schöpft nach Hause. Als sie die Hand nach dem Glocken:ua, der zu ihrer Wohnung führte, ausstreckt, stößt sie einen Schrei ' L , n t t. - f.-.L aus, ver iyre egieiierm o ercyrear, daß die Arme sich zitternd am Trep pengeländer anhalten muß, um nicht hinabzustürzen. Die Ursache des Entsetzens der beiden Damen stand in Gestalt eines Kinderkorbes, auö dem das holdselige Antlitz eines jungen Staatsbürgers herauslugte, vor der Wohnungsthv. Die Künstlerin befiehlt ihrer Begl-üerin, dem nächsten Kommisssiü die Anzeige von dem lebenden Funde" zu machen. Schon wollte die Duenna dem Befehl Folge leistet als die Geistinger, welcher es aufsiel, daß das Kind sein stereotypes Lächeln aar nicht änderte, sich auch nicht im Geringsten bewegte, dasselbe genauer besichtigte und entdeckte, daß sich in dem Korbe nichts befinde als eine riesige Puppe mit einem der Natur täuschend nachge formten Wachsgeslchtchen. Das Entsetzen verwandelte sich in laute Heiterkeit, und die frohe Stimmung erreicht ihren HöhePunkt, als man die eben nicht unangenehme Entdeckung machte, daß der ganze Körper der Puppe aus den kostbarsten Brüsseler Spitzen zusammengesetzt war. Die Anzeige bei der Polizei unterblieb natürlich. Den Nachforschungen der Künstler in ist es auch gelungenen unnatürlichen Vater des weggelegten Spitzenkindes zu entdecken. Solche Kinder," soll die Geistinger ausgerufen haben, adoptire ich herzlich gern!" Man spracht von e:nem bekannten Librettisten. Ein geschickter Mensch, der Z., er benöthigt nicht einmal ciTcrx a 5?tt.sZ Ki!f? Cin(Il4tVU7'ltlV(i. wvnuuunyivu lich erstaunlich bei seiner Vielgeschäftig keit." Ja, er schreibt eben seine Wer te selber ab.
Daöschöne Madchenvon Vonjongo.
Der Specialberichteistatter der Köln. Ztg.", der auf dem ihm zur Verfügung gestellten Küstendampfer Dualla" von Kamerun aus in Begleitung von einer Schaar Kru-Ncgern einen Ausflug nach Viktoria machte, um von dort einen Streifzug in das Innere zu untcrnehmen, erzählt von seiner Begegnung mit einer schwarzen Schönheit, die in der dortigen Gegend allgemein als das schöne Mädchen von Bonjongo bekannt ist. Er schreibt : Bisher waren wir auf unserem Marsche nur wenig Menschen begegnct. Jetzt aber begann der Weg belebter zu werden. Denn es war in Victoria Markttag, und aus den Ortschaften Bongala und Bonjongo, die, wenn sie auch noch nicht förmlich annektirt sind,' doch in einem fehr freundschaftlichen Ver-! Hältnisse zu Victoria stehen, Pflegen bei solcher Gelegenheit sehr viel V!enschen und namentlich Weiber zur Küste herunterzukommen. Von all' diesen Weibern interessirte mich blos eine, deren Lob ich seit Wochen hatte singen hören und nach der ich denn auch durch meinen schwarzen rr ? r'r. . r. -er wiener uva recyr enrlg aus cyauen ließ. Nicht weniger als vier, und zwar drei verschiedenen Nationen angehörende Weiße hatten mir im Vertrauen mitgetheilt, daß sie in Mundjua, das schöne Mädchen von Bonjongo, das sie drunten in Victoria kennen gelernt hatten, sterblich verliebt seien.' Drei von den Vieren hätten sie' zum Weibe nehmen mögen, wenn nicht der hohe Kaufpreis von 50 Pfund Sterling, der für das Mädchen verlangt wurde, sie zurückgeschreckt hätte. Acundiua , sagte man, steht unter dem Einflüsse der Mission, und die schwarzen Heiligen von Victoria verstehen sich auf den Schacher mit schönen Mädchen noch weit besser, als die Heiren-Häuptlinge des Gebirges." Wir hatten gerade auf eine kleine ädeile Halt gemacht und uns, die mitgenommenen Trinkflaschen prü: send, auf umgestürzte Baumstämme gesetzt, als von der Front her athemlos ein Bursche mit der Nachricht herbeikam. daß Mundjua uns begegnen werde. Als Silva das hübsche Kind zu mir führte, reichte ichvihr, mich vom Sitze erhebend was Negern gegenüber eine ganz außergewöhnliche Höflichkeit ist die Hand und sagte, was mir beim Anblick der auffallend schönen Erscheinung vom Herzen kam: Man hat mir erzählt, Mundjua, Du seiest das schönste Mädchen m diesem ganzen Gebirge. !ch finde, daß man mir die Wahrheit gesagt hat und möchte wünschen, daß Du eine kleine Weile bei uns bliebest. Wenn Du mit uns frühstücken tyillst, so werde ich allerlei hübsche Seidenstoffe für Dich beraussuchen la nen, die ?u dann zum Andenken an den weißen Mann, dem Du heute zum ersten und wahrscheinlich zum letzten Male begegnet bist, mit Dir nehmen kannst." Ein kokettes Lächeln überflog das liebliche Gesichtchen, jedoch ohne daß sie eine Antwort gegeben hätte. Aber icy nen oic nernc meioje ano nicyi eyer wieder los, als bis sie zustimmend mit rt, . . t . k. cr. a dem Kopse qemat batte. Alles dies erwähne ich so ausführlich, nicht blos weil es ein anmuthiges Zwischenspiel in jenem rauhen und wilden Leben bildete, das ich nun schon fett langer Zeit gesurrt batte. sondern auch, weil das Interesse, welches dieses Mädchen einflößte und einflößen mußte, wett über den Ren des Augen blicks hinausging. Mundjua war nicht blos die schönste Negerin, die ich jemals gesehen habe, sondern hatte auch, wenn ihre schwarze am urplötzlich wem ge worden wäre, noch immer eine Schönheit aenannt werden müssen. Man denke sich einen Kopf, mit lauter kleinen, sorg sam frisirten Loachen und darunter eine mäßig hohe Stirn. Dann kommt zwischen ein paar mandelförmigen schelmisehen Augen eine wohlgeformte Nase, die der schärfste Kritiker nicht anders als eine ariechische hätte nennen können. Darunter ein kleiner rosiger Mund mit zwei beim Lachen sich zeigenden Reihen schneeweißer .äbne. Sals, Büste und Wuchs des iunqfräulich schlanken KörVers sind tadellos und die nackten Füße so klein, wie man das sonst blos bei Mulatten, aber fast niemals bei Negern zu sehen gewohnt ist. Im Gegensatz zu den übrigen. Weibern reicht das saubere rosarothe Hüftentuch bis wett uder die jugendliche Brujt, solcher Gestalt bemühe die Form emer ro mischen Toga annehmend. Und dieses Mädchen war schwarz, sogar em wenig tätowirt. Aber das Schwarzbraun ihrer Hautfarbe war von emer vornehmeren Art, als man es sonst bei Negern sindet. Man würde sich sehr täuschen, wenn man glaubte, daß es unter Negern keinen -unu", leine größere oder geringere Zartheit der Haut gäbe. Es herrscht in rr. r m r r dieser Hinucyr cie gleiche erscyieoenyei Wie be: uns. Meine Kru-Leute waren aröbbäutig wie deutsche Matrosen, aber Mundjua zeigte den zarten, durchschimmcrnden Teint einer nordamerikanischen Salondame. Woher dieses Naturspiel ? Wie kam die Negerm zu dem Wuchs und dem Gesichtöausdruck einer blaublütigen Kaukasierin ? An Blutvermischung war nicht im Entferntesten zu denken, denn die Hautfarbe war so schwarz, wie man sie sich nur irgendwie wünschen konnte. Aber es war auch blos einzig und allein die Farbe und außerdem noch das krause . r i er . . . . ! .if. Haar, was nocy cic negerm verrieiy. Von allen anderen typischen Merkmalen der KgwNasse nicht die leiseste Spur : weder dicke, wulstige Lippen, noch eme breite, plattgedrückte Viase, noch auch der vorstehende Unterkiefer. Hatte die Natur sich geirrt, indem sie einem zur Europäerin bestimmten Mädchen die schwarze Aautfarbe der Negerin verlieh 5 Solche Naturspiele, dachte ich, kann man sich gefallen lassen. Mundjua war, wie gesagt, unter allen Negerinnen, die ich gesehen habe, die einzige, die ohne jede Uebertreibung eine Schönbeit aenannt werden konnte. Äer huv schen" Negerinnen sind mir dagegen schon mehr zu Gesicht gekommen. Aber auch bei diesen war stets der eine oder andere Anklanq an die Eigenthümlich leiten der weißen Nasse unverkennbar. Nur traten diese Anklänge mcht so un vermischt und alleinherrschend auf, .wie bei .dem schonen BakwirvKlnde. n Mapanja habe ich später noch eme 20bis 25jähnge, schwere Lasten tragende
- i
und gänzlich verwelkte Frau (die ehema-I ' lige Geliebte eines inzwischen verstorben' nen Missionärs) gesehen, in deren ver-j gilbten Zügen die Spuren einstiger, . Schönheit so tief einaearaben standen.. daßjch mir veranschaulichen konnte, sie: mue in ivrer fugend etwas Aebnliches gewesen sein, wie Mundiua. ' Auch Mundjua besaß nicht einmal die ßeaute du diable, sie war im vollnen Sinne vcv Voiles eine iniagszcyonyeit. JUt . 3 Ctn -i . rs' m -r r . - r woyl höchstens 15 Jahre zählend, zeigte sie doch chon die ersten, aam leisen Spuren jenes Verwelkens, das bisweilen sogar schon vor der Neife zu beginnen Pflegt und unter dem Einfluß harter Arbeit die armen Mädchen recht eigentlich um ihre Blüthen- und Nosenzeit betrügt. Ein Familiendrama. Nudolphsbeim in Wien war vor eini-l.. gen Tagen der Schauplatz einer äußerst ! ausregenoen zene, die alsbald eme rieige Menschenmenge anlockte. Ter Ae-k' itzer des alten Gasthauses ..3u? beiliaen Dreifaltigkeit"- daselbst war in den Nach-; t !il Pi l. l r miiiagsnunoen gerace im wantlokale anwesend, als seine Gattin von einem l: Besuche ihrer Eltern zurückkehrte und ihm i die Mittheilung machte, daß dieselben i Cr-r..i. m-iv r. rv... r c 1 uuüiui lein vycio meyr zur HUyrung des Geschäftes vorstrecken wollten. Diese Nachricht wirkte auf 'den Wirth, welcher der Ankunft seiner Frau ohnehin in großer Aufregung entgegen gesehen und der nun seine letzte Hoffnung auf Rettung der finanziellen Kalamitäten durch die Weir I7 3-, ' r. r r . i. gerung semer cyivlegerellern schwmocn sah, derart, daß er einem Verzweifelten , r . w . glelcy im Nlaie umyer rannte. Plotzlich stürzte er in die Küche, crariff dort ein großes Messer und einem Wahnsinnig gen gleich drang er in seine Wohnung ein, welche sich anstonend an das Wirthsgeschäft befindet. Er suchte seine Gattin, welche er auch un Schlafzimmer beim Umkleiden traf. Mit .ae:ücktem Messer stürzte er auf sie los und drohte. sie sammt ihrem Kinde zu erstechen. Die unglückliche Frau, von namenloser Angst ersaht, setzte sich lrastig zur Wehre und stieß Hülferufe aus. Das allarmirte Dienstpersonal eilte herbei und kam qerade noch zurecht, um die Vedrobte aus den Händen des Wüthenden ZU retten. Nach einiger Anstrengung gelang es, den Wirth zu bändigen und ihn so lange festzuhalten, bis ihn die herbeigerufene Wache in.Gcwahrsam nahm und auf die Wachstube eskortirte. 'Während man aber emen Wagen herbeiholte, um ihn in das Polizeigefängniß in der Theobaldgasse zu transportiren, benutzte er emen gunpigen Äugenrlla, entsprang aus dem Wachzimmer und eilte wieder zurück in seine Wohnung. Hier wurde er neuerdings-festgenommen und unter starker Bedeckung ins Gefangenenhaus überführt und von dort Abends dem Landesgerichte eingeliefert. Trunksucht und das verfehlte Prinzip, durch maßlose Schleuderpreise Konkurrenz zu bieten, -hatten den Wirth schon etlichemal? ganz ruinirt, und immer wieder war es sein alter Vater, der ihm half, sich neuerdings' zu etabliren. Als er im Vorjahre trotz dieser wiederholten Unterstützungen neuerlich zu Grunde ging und auch sein Vater hierdurch nahezu an den Bettelstab gebracht war, nahm sich der alte Mann das so zu Herzen,' daß er den Tod in den Wellen der Donau suchte. Man fand bald darauf eine Kappe und einen Rock am Donau-Ufer, welche als Eigenthum des alten Vaters agnoszirt wurden. Pariser Leren. Ein Scandalprozeß, der die Pariser rnonde" in großcErregung versetzt, gelangte vor der neunten Strafkammer des Zuchtpolizeigerichts zur Entscheidung. Auf der Anklagebank saß der Vicomte de Tredern, ein noch junger B!ann, von seiner Frau, einer' in der Gesellschaft der Seine-Metropole wegen ihrer schönen, vornehmen Erscheinung und ihres Gesangstalents wohlbekannten Dame, der Körperverletzung angeklagt. Der Sachverhalt war folgender : Die KlägeS rt- . l r 1 m,
rin, Tochter des großen Parlier juaer ' i raffineurs und Millionärs Suy, in erster . j ; Ehe mit dem Grafen. .Eosse-Ärissac ver- i ;
heirathet, hatte nach dessen Tode den Werbungen 'des Vicomte 'de Tredern Gehör.'geschtnkt und war seine Gattin geworden. ; Diese Ehe war mit zwei Kin dern gesegnet.: und .'anfangs außerordentlich glücklich ; . später entstanden aber ernste Mißhelligkeiien zwischen den beiden Gatten) ohne Schuld'' der Dame, wie die Blätter der möftile" behaupten, während andere dieser Versicherung ein Fragezeichen anhangen. Man einigte sich gütlich über eine Trennung dergestalt, daß die Kinder der Vicomtesse verbleiben, aber wöchentlich einmal bei dem Vicomte zu speisen hatten. Eines Tages "- . r r . NUN wurde lie Älcomiesie von iyrem Diener benachrichtigt, daß ein Mann, der ein Bote ihres Vaters zu sein vorgebe. sie in einem wichtigen Auftrage zu sprechen wünschte. Die Dame ließ den Mann eintreten und erkannte in ihm zu ihrem Erstaunen ihren Gemahl. Um jeden offenen Eklat zu vermeiden, schickte sie den Diener hinweg und blieb allein mit ihm. Es soll nun ohne ihre Schuld x r.' f.. v . .f . j - zu einer yesligen Äuseinanoerieung gep . rL or ! r . kommen sem, die oaio in paliicyieiren seitens des Gatten ausattkte. Die
Dame wurde jedenfalls ohnmächtig, mit j , j ;f imFipfcMitMiVm Nerlekunaen im
Gesicht und an den Händen aufgefunden und mußte mehrere Tage das Bett hü. ten. Wie sie behauptete, hätte sie gern eine öffentliche Erörterung dieser cene vermieden, aber sie bedürfe der Eonstatirung derselben und der Verurtheilung des Vicomte seitens des Gerichts, um ihre. gerichtliche Scheidung durchsetzen zu ten nen. ' Der Vicomte bestritt alle ihre Angaben auf's bestimmteste, und der Gerichtshof konnte daher in Ermangelung, jeglicher Zeugen der Dame den Gefallen nicht thun, ihren Gatten zu verurtheilen, und sprach ihn frei. Natürlich ist die
Medisance angenchts dieser interenanten U QsiA tU ti&rt tV rtr r??ihft ttrfi ' '
44Ullt IMy1' V vg', 17 über die Vicomtesse allerhand pikante Details, die indessen nicht gut össentlich wiedergegeben werden können. D e f,i n i't i o n. Was ist Trcue ? Wenn kein Anderer kommt !
U . ! r i: !;
! V i
