Indiana Tribüne, Volume 8, Number 288, Indianapolis, Marion County, 5 July 1885 — Page 3
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Kleber össichlicit
Soa Otto ilremeister. II. Daß die ersten Formen der Höflichkeit ursprünzüch Friedenssignale waren,' ab so dedculcten, was sie ankündigten, und ap sie erst allmälig zu bloßen Höflichleiten abschliffen, wird Niemanden befremden, der mit der Naturgeschichte der symbolischen Gebräuche vertraut ist. Der Brauch überlebt nicht nur das Vedürfniß, dem er das Dasein verdankt, sondern sogar die Erinnerung an diesen Ursprung. Man üb: ihn, weil er herlvmmlicy ist, aber man vergißt, weshalb er herkömmlich wurde. Erst die gelehrte Forschung hat uns wieder gelehrt, daß die lärmenden Scherze, welche noch heute in Europa bei den Hochzeilen vielfach vorkommen, nur Nachhänge der Handgemenge sind, die in alten Zeiten den Mädchenraub begleilcten. Jüa; bitterer ! Ernst gewesen war, wurde ein Spiel der Erinnerung ; allmälig schwand auch die Erinnerung, und nur das Spiel, das äußerliche Zeichen, ist geblieben. Analog Wird der Vorgang bei Festseyung dcr Höflichteitsregeln gewesen sein, wenn schon ich mich nicht anheischig machen möchte, in jedem Falle den Faden des Zusammenhanges auszuklauben. Wie z. B. jener !)cegerbrauch, den Castfreuno an-ufpuckn, auf einen ursprünglichen Sinn zurückzuführen sei, wußte icy nicht zu sagen. Dagegen scheinen viel: weitverbreitete HöstiÄicltsgedcrden unzweifelhaft Abicinntlinge des Zriedcnssignals, welches ja naturgemäß entweder in einer Selbst entwaffne. .g ooer in einer den Waffengebrauch ausschließenden Körperhaltung bestehen muß:e. Man senkte die Was? oder legte sie ab ; man erhob die leeren Hände oder strecke sie dem änderen offen entgegen; man kreuzte die Arme aus der SJruf; man kniete nieder oder man berührke dea ibden mit der Stirn. Wie na:urgc:näß dicse Bewegungen sind, daVon habe ich kürzlich ein modernstes Äcispiel gelesen. In Australien hat vor etwa zehn Jahren eine Räuberbande, gesühr: von den beiden Brüdern iXttly, ein förmliches Schrea'ensregiment geübt, Städte und Dörfer gebrandfchatzt, Waarentranspcrte und Banken geplündert, mit Mord und Brans gewüthet. Endlich gelang es der Polizei und dem aufgebotenen Landsturm, die Räuber zu umzingcln und in ein Blockhaus zu treiben. K2ibtx erst nach einem vicrundzwanzigflündizen Feuergescchte gaben die Belagerten den Vz'.derstand auf. Es waren lauter moderne Rowdicö, mit Hinterladern und !evolvern bewaffnet, wahrscheinlich frei von allen gelehrten 3!eminiscenzen. Was thaten sie, um ihre Unterwerfung anzukündigend Sie machten es genau wie vor Jahrtausenden besiegte Tartaren und Beduinen es auch, gemacht haben werden. Die Leute." sagt der Polizeibericht, traten aus dem brennenden Hause, leglen sich platt auf den Erdboden und streckten dte Hände in die Luft. Da wir. sahen, daß sie keine Waffen hielten, stellta? wir das Feuern ein, u. f. w." Der australische Polizeiinspeltor bedürfte keinc: p2lä:nwlozischen Stndicn, um die urirehliche Geberdensprache zu vcrsteden. Vcriolzen wir das Friedcnssignal, das Zeichen der Unterwerfung, eine Strecke auf dem Wege seiner Geschichte, so gclangen wir, meine ich, zunächst an einen Punkt, wo es zum Symbol der Ehrcrbictug wird. Frieden bietet man vor Allem dem Stärkeren ; Unterwerfung gilt dem Siege? ; der Häuptlinz fordert, daß man ihm ohne Waffen nahe, daß, wo er erscheine, Gewaltthat ferne bleibe. Die Entwaffnung, die unkriegerische Körperhaltung, anfänglich in vollem Ernste qc fordert, dauerte bernacb, als geordnetere Zustände eintraten, ge:vohnbeitömäßig beim Herannahen des Mächtizcn fort, jetzt nur noch als eine Ehrenbezeugunz, nicht mehr als nothwendiges Unterpf.'.nd der Sicherheit. Und weil der Brauch seine praktische Wichtigkeit verIor, so'wuiden die einzelnen Bewegungen übge!urt zu bloßen Andeutungen und erhiehen'eine scharf umrissene Form ; sie wurdcn gewissermaßen heraldisch ftilisirt, manchmal der ursprünglichen Handlung so unähnlich, wie der Wappenadler dem natürlichen.' Man warf sich nur noch einen Augenblick nieder, oder man beugte nur noch den Oberkörper; aus dem Hinkniecn wurde die Kniebeugung, der Knir ; aus der Entwaffnung ein leichtes Senken c'der Fernhalten der Waffe, das wir noch in dem Degengruß des Ofsiciers und in den Honneurs der Schildwache erkenneu; aus dem Lüsten des Helms ward das effnen des Bisirs, welches bei uns im Abnehmen der Kopfbedeckung, beim Militär in dem Handgriffe nach der Stirn fortlebt. In diese Classe gehörtvielleicht 'auch eine wunderliche Eeremonie, die Stanley am oberen Kongo antraf. Der Begrüßende füllt beide Hände mit Sand ' und reibt damit in umständlicher Weise -in bestimmter Reihenfolge Ellenbogen, Hüften u. s. w., bis der Sand alle ist. Jedenfalls ist er wahrend dieser Procedur kampfunfähig. Eine andere Bewandtniß dürfte es mit . der moraenländlschen Sitte haben, welche '.durch Abthun der Schuhe Ehrfurcht r l T Ti. .A-n stt f . vezeugr, irn itiitiejun vrgeniae , zum kovsentblößenden Abendlande. Äie morgenlandische Sitte wird jüngeren Datums Hin, wenn aucy immer nocy uran : sie dcutct aus eine Entstehungszeit, wo Der äuvtlina schon etn tepplcygelchmucr tes Zelt, das Götzenbild einen Tempel mit künstlichem Estrich hatte.. - Freilich that auch auf freiem Felde Moses seine Schube ab, als Jehovah ihm im feurigen Dornbusch erschien; die Sitte hatte ihre urwrünzllche Bedeutung ichon ver aencn. ' Dem Osten und den? Westen gemein- , sam ist der Gedanke, daß Stehen mehr r t . r r 4 i 4" ' i- ..V O ! - , yrsurcy: tn iia? yar, ansitzen un legen. Natürlich scheint es, daß in primitiven leiten, als auch in der Wohnunz des Reichen der Sessel undTeppiche wenige waren, der Geringere ausstehen l mußte, um dem VornehmerenGelegenhert zum Sitzen zu bieten, ode.r auch um ihm den besseren Platz, näher am Herde oder im Schatten, einzuräumen. . Leicht knüpft sich daran die Anschauung, . daß Sitzen dem Höberen, Stehen dem Nie drigeren zukomme, gleichviel, ob 'der
Stühle mehr oder weniger sind. Die Gastfreiheit, die Tugend patriarchalischer Ze.ten, 'wirkte fördernd mit. Der Fremdling, der ganz nach dem Schema der Höflichkeit, um seiner Fremdlingsschaft, nicht um seiner persönlichen Ver-. dienste willen, ausgezeichnet werden soll, tvird an der Thür empfangen ; der Wirth erhebt sich und führt ihn beimÄ!ahle, geleitet ihn beim Abschiede u. s. w. Aus der steten Wiederholung solcher Verläufe wurde schließlich jenes CeremonieU der Ehrenbezeugung, welches noch heute, stark abgeschliffen zwar im großstädtischen, deutlicher im kleinstädtischen und bäuerliehen Verkehr, zu erkennen ist. In altfränkischen Häusern läuft man mitunter noch Gefahr, bei einem gelegentlichen Normittagsbesuche mit' den Hausbewohnern, wenn auch nicht Salz und Brot, doch Wein und Confect theilen zu müssen. Dabei läßt sich wenigstens noch an das Bestreben dem Besucher etwas zu gute thun", denken, während es doch unerfindlich ist, worin das Gute" besteht, wenn der Gast genöthigt wird, sich ins Sopha statt in einen bequemen Fautcuil zu serzen, die Hausfrau statt der Dame seiner Wahl zur Tafel zu fübren und die Treppe hinab, auf welcher kein Schatten von Gefahr droht, sich vom Hausherrn geleiten zu lassen. Vernunft entdecken wir nicht mehr in diesen Dingen, aber kraft unvordenklicher Gewöhnung cmpsinden wir sie ohne weitere Lieflexion als ehrende Behandlung. Und nun frage ich : was würden wir wohl beginnen, wenn .wir dic Erbtheil nicht befäßcn ' Erfinden und decretiren lassen sich diese Symbole nicht, so wenig wie sie sich willkürlich abschaffen lassen. Alle Vereine gegen das Hutabnehmen, j welches dem Hute und seinem Träger j nachtheilig ij'C haben Fiasco gemacht, und auch die mächtige SanitätSschivärmerei unserer Tage hat es nicht vermocht, eine rationellere Bcgrüßungsform durchzusetzen Aller !cg,schen Opposition ungeachtet bleiben Hur der unbemßt entttandcnen Sitte Unterthan. Und im Ganzen stehen wir uns gut dabei : in der Sitte ist mehr verborgene Weisheit, als in der Logik der Individuen. Die Sitte hat eö gefügt, daßder Ehrenplatz bei der Äkahlzeit an der leite der Hausfrau ist ; dort hatte in alter Zeit der Gast die beste Sicherheit, reichlich und gut gespeist zu werden. Heule, wo dieser Grund gewöhnlich wegfällt, scheint es rationeller den Stuhl neben der liebenswürdigsten, oder der geistreichsten, oder der schönsten Dame zum Ehrenplatz zu machen. Aber man bedenke was entstehen würde, wenn vor jedem Diner und jedem Souper das Schiedsgericht des Paris wiederholt werden müßte ! Unter den aufgetragenen Früchten würde der Apfel der Iris nicht selten sich vorfinden. Es ist weit leichter, den Rang, als die natürlichcn Vorzüge zu messen, und selbst um den 9!ang hat es Hader und Haß genug gegeben. Es ist gut daß die Sitte wenigstens weiteren Zank abwendet. Der geneigte Leser findet vielleicht, daß ich mehr von Ehrerbietung, als von Höflichkeit rede, was doch sehr verschiedene Dinge seien. Und der geneigte Leser hat ö!echt : es sind ganz verschiedene Dinge. Höslichkeit im eigentlichen Sinne ist ja völlig unabhängig von der Erwägung, ob Einer hochgeboren, mächtig reich sei, ob er große Tugenden besitze, glänzende Verdienste sich erworben habe. Sie rechnet nur mit Durchschnittsgrößen. So sehr gehört dies zu ihrem eigensten Wesen, daß sie nur gegen Tieferstehende geübt werden kann, nicht gegen Höhere. Es ist nicht Höflichkcit, wenn der Unterthan vor dem Kaiser Front macht, wenn der Subalternbeamte vor dem Minister sich verneigt. Aber es ist Höflichkeit, 'wenn der Kaiser den Gruß erwidert, der Minister seiner-
seits den &ut ziecit. Und man wird finden, daß diese Erwiderung meistens Uch Nicht viel von der Art, wie Gleiche tn zwanglozer Begegnung einander grüßcn, unterscheidet. Um so höflicher ist die Erwiderung des Höhcrn, je weniger Herablassung durchschiminert. Denn G l e i ch n e 1 1 ist das Lebcnselement der Höflichkeit, wie Ungleichheit das der Ehrerbietung. Wenn Einer höflich ist, wo er ehrerbietig sein sollte, wirkt er alsbald komisch, wie der bekannte Einzährige" PrinzFricdrichKarl auf der Straße tnterpellme. Kennen Sie mich nichts Habe nicht die Ehre." Ich bm Prinz Friedrich Karl. Sehr angenehm, mein Nami ist Eohn." Die Geschichte ist lehrreich, weil sie einmal die Höslichkeit in ihrem Rechte zeigt (so lange Eohn den Prinzen nicht kennt, benimmt er sich ganz correct), und dann mit einem Schlage sie ins Unrecht, d. h. in eme Situation, wo sie unpas send wird, versetzt. Eine feinere Nuance bietet die Geschichte, wie Lord Stair vor dem König, wohlgemerkt König Ludwig dem vierzehnten, in den Wagen stieg. Bekanntlich gehörte der Vorzug in der Karosse des großen Monarchen zu fahren, zu den überschwenglichsten Segnungen, die Hoslmas Erdenwallen beglücken konnten. Wenn der Herzog von Samt-Simon (der doch zu den unabhängigen Geistern des Hofs gehörte) von Jemanden zu be richten hat : le Roi le saisait entrer dans son carrosse , so nimmt er ei nen Ton an, als ob er sagen wollte, der Himmel önnete sich ! Eines Tages alio. als die Wagen vor der groyen .errase hielten, um den Hof nach 2.'tanv zu brm gen, und alles athemlos harrte, welcher Glückliche erkoren werden mochte, winkte der König dem neuen Botschafter Eng lands, mit ihm einzusteigen. Der Bot schafter machte seine Reverenz und wollte. wie sich von selbst versteht, warten, bis der König Platz genommen habe. Aber der König blieb am Schlage stehen und saate: Steigen ie em, Mvkord. Und siehe da, ohne einen Augenblick zu Zaudern, uim Entsetzen der Hofgesell schaft, stieg der Botschafter ein, und der große Monarch folgte als Zweiter. Könia Ludwig selbst erklärte hernach seiner entrüsteten .Umgebung das Feine der Sache. Dem englischen Botschafter war der Ruf vorangegangen, daß er der vollkommenste Hofmann sei und in den schwierigsten Siwationen unfehlbar das thue, was sich zieme. Ich habe ihn auf die Probe stellen wollen," sagte der Rö-
nig, und er hat sie bestanden." Die französischen Eavaliere mußten zugeben, daß der Lord, wenn er höflich den Vortritt beanstandet batte, den Konig wie einen Gleichen beyandelt haben würde, und daß er gerade durch Veifeitelafsen der Höflichkeit die Ehrerbietung bewies. Hier muß ich nun eine Einschaltung machen, um mich vor einem Mißverständuisse zu schützen. Wenn ich sage, man könne gegen Höherstehende nur ehrerbietig, nicht höflich sein, so spreche ich nur von den Fällen, wo das Rangverhältniß als s o l ch e s zur Geltung kommt, vom dienstlichen und ceremoniellen Verkehr, nicht von dem Zusammentreffen aus neutralem Gebiet. Im Salon,. an der Tafel, im Club, im Eisenbahnwagen, am Eurorte, auf Rigikulm und am Golf von ieapel kennt der Codex der Sitte nur Ladies und Gentlemen, die berechtigt und verpflichtet sind, einander höflich zu behandeln, resp, höflich zu ignornen, und wennschon unterwürfige Gewohnheit und Befangenheit ihre Devotion auch in die freie Region oft mitschleppen mag und selbst auf dem Montblanc ihre Bücklinge nicht vergessen kann, so sind dies doch nur Ungebührlichkeiten, die man der menschlichen Schwäche zu Gute halten, aber nicht nachahmen soll. Das allgemeine Urtheil verwirft sie; ihm ist es guter Ton, im Verkebr mit Höheren sich einfach und zwangslos zu bewegen; den Kleinstädter, der seinen submiffen Frack nie ablegt, belächelt man wie den König im Märchen, der mit Krone und Scepter spazieren geht. Wenn nun aber Ehrerbietung und Höflichkeit so verschiedene Dinge sind, daß sogar eins das andere ausschließt, wie geht eö dann zu, daß ihre Zeichen und Ausdrücke einander so ähnlich, ja zum Theil identisch sind? Hutabziehen, Aufstehen, Entgegenkommen und Begleiten, Verbängung, Eiiiräumung des Vortrilts, alle diese im Verkehr Gleicher geübten Branche sind, wie wir wenigstens vermutheten, zuerst Zeichen der Ehrerbietung gewesen, und dasselbe gilt von unseren gewöhnlichenHösiichkeitöphrasen: crgebensterDiener, mit ausgezeichnetfter Hochachtung", erzeigen Sie mir die Ehre" u. s. w. Es gilt ja namentlich und nachweisbar von der allgemein gewordenen Anrede Herr".und Frau." Wenn der Bewohner einer anderen Welt uns sprechen hörte, könnte er glauben, daß wir alle gegen einander von Devotion überflöffen, während wir selbst nichts davon merken nnd die Phrasen der Ehr furcht nur gebrauchen, um nicht ungezogen zu erscheinen. Hier liegt dicErklärung nicht in prähistorischen, hhpothctischenVorgängen, sondern im hellen Licht der Geschichte. Zum Theil vor unseren Augen vollzieht sich die Umwandlung des ehrerbietigen in das höfliche Zeichen, und wir wissen genau, wie es dabei zugeht. Da man nicht immer genau weiß, wie viel Ehre der Andre, der ja oft ein Unbekannter ist, mit Recht oder auch mit Unrecht erwartet, so gibt man ihm im Zweifelfalle, r W. T V V rt X'rZ( ."T r rtV
flumu iviuit nun vvu c'uuyvv vvvv schüchterner Gemüthsart ist, lieber zu viel als zu wenig. Das Plus wird allmälig gewohnheitsmäßig (kostet es doch nichts), und nun izt jchwi unhöflich, wert . r Niger als zuviet zu geoen. caturtich hört die Auszeichnung auf, Auszeichnung u sem, wenn sie jedem ersten Besten zu Theil wird ; von Stund' an ist sie nur mehr einfache Höflichkeit. Wie Papiergeld, wenn es zu häusig vorkömmt, im Course sinkt, so geht es mit Titulaturen, Ceremonien und Phrasen. Wenn irgend ein sociales Gesetz nachweisbar ist, so ist es dieses, daß die Höflichkeit nach und die Zeichen der Ehrerbietung für sich usurpirt, sie in immer weiteren Kreisen umlaufen läßt und dadurch cntwerthet, daß dann die Ehrerbietung nothgedrungen für ihren aparten Gebrauch neue schönere Zeichen ausgiebt, und daß über ein Kleines die Höflichkeit-auch dieser neuen Auflage sich bemächtigt und ihre alten abgegriffenen vlcttn außer Ecurs setzt. . , Kein xou bat auf diesem Felde eme so unerschöpfliche Erfindungsgabe gezeigt, wie die Deutschen in den letzten drei oder vier Jahrhunderten, auch die Chinesen Nicht, die sich .conservativ mit den tausendjährigen Regeln behelfen. Kein grö ßerer Kontrast als der zwischen den Schnörkeln und dem Schwulste unserer Umgangsformen und dem der beiden Völker des Alterthums, auf deren Cultur doch unsere so vorwiegend beruht. Sinn für seine Lebensart gebrach sicherlich weder Hellenen noch Römern; die Worte civil und Urbanität" Weizen ja un mittelbar auf Rom und seine Bürger. Aber der Stil ihrer Lebensart war einsach, knapp und keusch wie ihr Baustil. Sie haben nie einen Menschen anders als Du genannt ; Wendungen wie ich erlaube mir u. dgl. kommen in ihren Komödien, ihren Dialogen und Briefen nicht vor. Sie verlegten die Höflichkeit m das Benehmen, nicht m eine absonderliche Syntar und Grammatik; sie sprachen mit Perules und König Aleran der, mit Scipio und Julius Cäsar in den nämlichen Satzblldunaen wie Mit dem temen urger. ene svrmaie iani, welche das Ziel der Höflichkeit ist, ward i i i . oi rv L f . m f j. t. von den Alten erreicht, indem sie den Vornehmen nicht höflicher einredeten als rv i c CW C . den Atieorlaen : ole loocrnen, umge kehrt, erstreben die Gleichheit, indem sie den Niedrigen so anreden, als ov er vor nehm wäre. Diese moderne Methode, das Hinauf schrauben von unten nach oben, hat, seitdem die Barbaren Nordeuropa's die Weltherrschaft angetreten, allerdings un ter dem Einflüsse byzantinischer Hofsitte, erst langsam, dann immer schnellere Fort schritte gemacht bis in die neueste Zeit, t ,... ia fc! ... X-.-tn Älnerua oerens vis zu einem gieieyen Niveau für alle Weißen, inEuropa dem selben Ziele sich stark annähernd. Von Herr" und Frau" sprach ich schon. Der Titel Herr, Domino, Seigneur, Lord, aebübrte ursprünglich nur den Häuptern der Dynastengeschlechter, die Keinen über sich hatten : allmälig ge währte man ihn den großen Vasalen und Prälaten im späteren Mittelalter, auf dem Continent schon allen Ritter bürtiaen und allen Geistlichen, die ein bedeutenderes Amt bekleideten. Die Doctoren, die Patrizier, die Rathsmit alieder in den Städten, dann überhaupt . T'r .r mr?! : w e Die uoeraien Preionen unv vz ungqe
hensten Bürger wurden im Verlaufe der Zeit mit dem adligen Titel beehrt; heute wird er im mündlichen Verkehr den meisten, im schriftlich Allen zuerkannt. In meinem väterlichen Hause", d. h. vor fünfzig Jahren wurden Schuster, Schneider und Tischler ganz unbefangei? Meister" angeredet ; wir nennen ebenso unbefangen unsere Handwerker, selbst die Gesellen Herr". In meiner Jugend hießen die jungen Damen bürgerlichen Standes Mamsellen auf den Theaterzetteln stand : Zerline Demoiselle Sonntag", Heute schreibt man der Köchin Fräulein" vor den Namen und nennt alle Damen gnädig" die r r. ' ' r r r?
iscyauspieierinnen eingeiaonen. In Frankreich ist es ahnlich ergangen. Von den drei aus dem lateinischen se nior entsprungenen Formen des Herrntitels, seigneur, bire und Sieur, hat Seigneur am längsten als Auszeichnung des hohen Adels, Lire als Anrede an den König sich behauptet, Lieur die Wanderung nach unten angetreten wie unser Herr". Nicht das wenigst Ergotzllche in dem wundervollen Memowenwerke des Herzogs von Saint-Simon ist die tiefe Trauer, mit welcher der Pair von Frankreich die einreißende Vermen gung der Titel als Vorbotin des WeltUnterganges an zahlreichen Beispielen illustrirt. Schon, sagt er, entblöden die Minister sich nicht,sichÄ0Q8eineur anreden zu lasien! wohin kommen wir? alle Grenzmarken göttlicher und menschlicher Ordnung werden weggespült. Daß gleichzeitig der Bürger sich nicht cntblödete, sich lonLieur anreden zu lassen, anstatt Initre, wie es ihm zukam, das ärgerte den Herzog nicht so sehr ; ihm lag nur an dem Privilegium des hohen Adels. Einige Mcnschenalter später spulte dann in der That die große Sündsluth den hohen Adel hinweg, ehe der Titel Leineur Zeit gehabt hatte, sich so zu encanailliren wie das Uonsieur". Sonst hätte es geschehen können, daß die Franzosen alle sich lonLeiAneur nennten, wie Italiener und Spanier wirklich thun und wie wir alle Herren" geworden sind. So ist .Monsieur allein stehen geblieben, und nur vereinzelt, Prinzen und Kirchenfürsten gegenüber, wagt das feudale Pradicat sich noch hervor, lonsieur ist zwar auch feudaler Abkunft, aber es hätte, als die Sündfluth kam, schon so bereits bürgerllcheserraln gcwonnen,daß es sich aeacu die demokratischen Puristen behaupten konnte. Aber merkwürdig ist es doch, daß diese Puristen einige ahre lang sich schmeicheln durften, gegen ie französische Höflichkeit und den französischen don sens ihr gcschmackvolles citoven durchzusetzen. Der Gleichheitsfanatismus schien mächtiger als die höfliche Gewöhnung, und in seiner Blindheit begriff er nicht, das gerade die Allgemeinheit des Titels .Monsieur ein Triumph der Gleichheit sei. Wenn ich Ihr Herr bin, mein Herr, und Sie mein Herr sind, wo bleibt da die Ungleichyett?" sagte Beaumarchais. Im Wesentlichen sind alle Völker Europa's denselben Gang gewandelt, aber keinS ist so beflissen gewesen, wie das deutsche, für die Entwerthung des Herrentitels der Eitelkeit der vornehmen und der Niederen immer neuen Ersatz zu schaffen durch immer neue, schwerfällige k. r. rt:r.t. . ai.sw:..i. rr : . . r. . : unv uviuvuiiit; .-piuuuuu. ,0:1c uvrigen Nationen übergehe ich mit Schweigen, nur von einer, weil sie am strengsten die alten Unterscheidungen festgehalten hat, will ich einige Worte sagen, von den Englandern. hnen ist wie im Mittelalter noch heute nur der Mann des hohen Adels und der Prälat der Landeskirche ein Herr" (Lord). Auch den obersten Richtern und denBürgei'meistern von zwei oder drei bevorzugten Städten gönnen sie diesen Titel. Jeder Andere ist Meister" (Mister) geblieben, wenn er nicht als Inhaber der Ritterwürde auf das Prädwat dir (das normanni sche Aeg'ivalent für das angelsächsische Lord) Aiijpruch hat. Aber auch in diesem eonservativen Lande macht sich jenes nivellirende Gesetz, von dem ich sprach, geltend. Den Lordstitel hat es nicht angetastet, aber schon seit Jahrhunderten Sir" angeredet wie ein Ritter. Jede Mehrheit von Mannern nennt man in der Ansprache (ntleinen", ob sie zur Gcntry gehören oder nicht. Alle Damen sind ohne Unterschied Lndies"; nur ? . . - os c e' rrv r- , V r IN oer nnreoe an oie einzelne nnn oieie, wenn sie nicht zu den Privilegirten gehört, zur Madam", in der dritten Person zur Äistress" herab. Au? BriefadreNen schreibt man statt Mi8ter" ziemlich allgemein Esquire", d. h. Schildknappe, ohne im entferntesten an die Bedeutung des Worts als einer feudalen vtangbezelchnung zudenken. elbit königlichen Prädwaten ist es nicht anders ergangen. In den späteItcn Zeiten des weströmischen Lieiches sing man an, den Kaiser anstatt mit Du mit lua clernentia anzureden, auch ab und zu mit tua rnajestas. Während des Mittelalters verblieb die Majestät" ausschließlich den römischen Kaisern; andere V!onarchen mußten sich mit der Gnade" begnügen. Die Könige hießen auch wohl Hoheit" und die großen un ter ihnen, Spanien, Frankreich, England wurden seit dem sechzehnten Jahrhundert am eigenen Hofe Majestät" genannt. Bei Shakespeare werden sie abwechselnd grace, higlinessmajesty titulirt. Der Kaiser sträubte sich lange, den größeren Monarchen die Majestät zu geben ; schließlich mußte er sich darem finden und sich damit trösten, daß er die einzige kaiserliche Majestät" sei. Der Herzog von Samt- Simon fand es unverschämt und lächerlich, daß der König vonDänemark es versucht hatte, in irgend ein Vertagsinstrument sich als Majestät einzuschmuggeln, und er tadelt die Versailler Kanzlei, daß sie aus Gutmüthigkeit ihm zu A.lie38e" noch serenissiine" gegönnt habe. Mit welchen Gefühlen würde er unsere vorkpmmenen Zu stände betrachten! AUe3se heißen heute die kleinen landsäffigen" Fürsten die nicht einmal inParis sind, undEw.Gna den" ist in Wien und in Madrid Jeder, der einen anständigen Rock trägt. Nur in England, ist. Ew. Gnaden (yoiir ffrace) eine Auszeichnung geblieben, freilich nicht der Könige, aber doch der beiden . Erzbischofe : und der Herzöge. Der lateinische Süden hat die Ercellen zen und Signorien aufgebracht und streut sie mit vollen Handen aus Alles nieder,
was Symptoms von Zahlungsfähigkeit Zeigt.' Deutschland hat die Excellenz und die Magnificenz impoitirt, aber daneben einen förmlichen Wuchergarten heimischer Gewächse angelegt, Hoheit, Durchlaucht und Erlaucht, Hoch-, Hochwohl-, Hoch-edel-. Edel- und Wohlgeboren, Hochund Wohlweisheit, Hochwürden Ehr würden undHochehrwürden, eine sinnverwirrende FüL? von Geschmacklosigkeiten, deren Perle mir Ew. Liebdcn" zu sein scheint. Daß auch diese Titulaturen immer tiefer Heiabsteigen, ist bekannt: Hochwohlgeboren ist bereits ein leeres Anhängsel geworden. Wohlgeboren beinahe eine Insult?, wie das geistliche Ehren", das man früher den Landpastören gab. 3!eben solchen Vcrschnörkelungen kann es nicht mehr Wunder nehmen, daß Ehrerbietung und Höflichkeit selbst die Grammatik verschraubt und verdrechselt, Singularis in Pluralis, zweite Person in dritte Person verunstaltet hat. DieSitte, Ihr statt Du zu sagen, ist nach Jakob Grimm zuerst im neunten Jahrhundert nachweisbar, aber er citirt selbst eine Quelle aus dem fünften, in der es (ganz ungeschichtlich natürlich) heißt, man habe Julius Cäsar geihrzt, um- ihn zu ehren". Auf das Ehren war es jedenfalls abgesehen : der Angeredete sollte für mehr gelten als für eine Person. Der Brauch verbreitete sich über ganz Westeuropa, aber schon im späteren Nkittelalter war das Jhrzen einfache Höflichkeit ; das Du galt nur gegen Geringere und im vertraulichen Verkehr; sonst empfand man es als Kränkung. 5!aiscr Friedrich der Erste wurde noch vom Papste geduzt, was er seinerseits nur im Zorne zu erwiedern wagte. Heute ist das Ihr" tief von seiner Höhe gesunken. In England hat es das Duzen so vollständig verdrängt, daß man selbst Säuglinge, ja Pferde und Hunde mit you anredet. Es ist nicht Höflichkeitsform mehr ;, aber Wenigstens haben die Engländer es dabei bewenden lassen, ohne, wie andere devotere Nationen, statt der erloschenen eine neue zu entwickeln, von der zweiten auf die dritte Person überzuspringen. Weit früher hat der sklavische Orient denselben Sprung von der ersten Person auf die dritte vollführt : Siehe, dein Knecht hat Gnade gefunden vor deinen Augen und du hast ihm geholfen", was den Eindruck macht, als werde es mit ehrfürchtig abgekehrtem Antlitz gesprechen, als getraue der 3!edende sich nicht zu dem Mächtigen wie ein Ich zum Du zu sprechen. Gewiß von einem Ühnlichen Gefühle geleitet, sagte der Abendländer, anstatt dein Knecht bittet dich", ich bitte den Herrn, mir seine Befehle kundzugeben". Solche Art zu reden galt für feiner als das Jhrzen, und drang im sechzehnten Jahrhundert aus Italien und Frankreich in Deutschland ein. Aber in Deutschland vertiefte man den Bückling
noch erheblich. Die Ehrfurcht heischte, daß der Herr ein Pluralis sei, und man sagte deshalb : wie der Herr befehlen", wünschen der Herr zu speisen". Das Pronomen machte dann den tieferen Bückling mit, und aus er" wurde sie" das zu mehrerer Feierlichkeit mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben werden mußte. Dies schreckliche, naturwidrige, schleppende Sie"sind wir nicht wiederlos geworden; es herrscht imGegentheil jetzt nahezu allgemein, und nur der vertrauliche Umgang bleibt ihm unzugänglich. Im vorigen Jahrhundert kämpfen noch Ihr, Er und Sie den Kampf um das Dasein, mit zunehmendem Ueberwiegen des schlechtesten Pronomens. König Friedrich Wilhelm I. von Preußen nannte brieflich seinen Kronprinzen ihr, andere Leute er ; der Prinz gab ihm Sie zurück. Die Meinung, es sei dem alten Fritz eigenthümlich und eine Art Grobheit geWesen, Minister und Generale er zu ncnnen ist irrig ; der Brauch war allgemein bis ansEndc des Jahrhunderts und hatte im Munde eines Königs nichts Kränkendes', so wenig es heute verletzt, wenn der Fürst dem Unterthanen gegenüber Herr" fallen läßt. In Lessing's, Goethe's und Schillers Dramen wechseln Er, Ihr und Sie in einer (beiläufig gesagt für die Nuancirung desDialogö sehr wirksamen) Weise, welche zeigt, daß der Gebrauch noch in der Entwicklung sich befand. Schiller selbst ward von seinem Vater er angeredet, ohne allen verächtlichen Nebensinn. Aber natürlich, je mehr das Sie sich einnistete, um so mehr verlor das Er im Course, um so mehr klang es geringschätzig, und das Selbstgefühl des gebildeten Mannes begann alsbald sich gegen disserenzielle Behandlung- in diesem Punkte zu sträuben. - Vom Schwiegervater ließ man sich das Er allenfalls noch gefallen, wie Vossens Luise" lehrt ; aber Gellert's bekannter Leberreim beweist, daß die gute Gesellschaft ansing gegen die dritte Person Singularis zu reaglren.' Wie Sprech weise in Kabale und Liebe" würde heute unmöglich sein. Der Präsident nennt den Secretär, Ferdinand den Vater seiner Geliebten, diese ihren- Vater er; Lady spricht der Präsident zuLulfen. Nur in der Bauernsprache behielt die Anrede in der dritten Person Singularis ihren höflichen Sinn ; im Uebrigen beschränkte sie sich auf den Verkehr mit dem gemeinen Mann, Dienstboten und Soldaten, neben dem vertraulichen Seit 1848 verschwand das Er auch aus dieser seiner letzten Domane ; im Revolutionsiahre forderte der gemeine A!ann das Sie mit solchem Nachdruck, daß selbst die Unterossiciere sich fügen munten, und die Sitte hat hernach diese Errungenschaft besiegelt, zum Glück aber r . ry I c den pracygevraucy ver .'cannne uno oer Kameradschaft nicht, wie in Enaland, angetastet. Im Gegentheil, aus diesem Gebiete, von dem sie vordem vereng einiae Provinzen an sich gerissen hatte, ist sie wieder ausgewisen worden. Voc L . W ' hundert ayren nannten nmoer lyn Eltern, Brautleute und selbst Gatten einander. Sie, Väter ihre Söhne Er. Das wenigstens hat die Revolution die mit Rousseau begann, wieder wieder weg gespült. Ich habe uoch als Kind gehört, mit Verwunderung, als etwas sehr Dro'l liges, wie mein Vater zu seiner alten is f rm 1 f c i r a uicuner jagie: Wie oennoensie ncy r Mir scheint, daß von den westeuropäi Völkern die Franzosen vn besten aefah ren . sind. . Sie ' haben von natürlichen Grazie dn Sprache am wenigsten der
Höflichkeit geopfert. Allerdings stehen sie d '-n Engländern darin nach, daß' sie die A.nrede in dritter Person, d.ie in Eng land nr ganz vereinzelt in Wendungen wie you r Jordship erscheint, nicht so mündlich ausgemerzt baben. 5nden
einmal besiränkt sich in Frankreich diese Anrede Monsieur est servi" auf besonders ceremonlösen Umgang, während v 0 r s das herrschende Pronomen geblieben ist, und zweitens haben die Franzosen sia as unschätzbare Du, das in England nm noch bei den Quäkern als Rarität cr nfttt irt wird, nicht nur erhalten sondern arch, wie wir, seine Grenzen weitergerückt Besondere Devotionsfüttvörter, wie' wir sie babm. Hochdieselben, Allerhöchj? ihre, Derou. s. w. hat selbst der Veriller Hof nicht gezeitigt. AuS der guten, alten Zeit. Dis Chroniken haben uns Bescbreibung von fürstlichen HochzcitSÄ früherer Zen ausoewayri,vie in emenr Aufwand r . . r . . i . . l begangen wurden, der jetzt unglaublich erscheint. Eines der glänzendsten Hochzeitöfcste des fünfzehnten Jahrhunderts hielt Herzog Georg von Landshut in Schlesien mit der Prinzessin Hedwiq von Posen. Das Fest, welches volle 3 Tage dauerte, kostete 77,766 Dukaten; als Gäste waren erschienen Kaiser Friedrich und sein Sohn Maximilian, 16 Fürsten mifc ihren Gemahlinnen, 40 Reichsgrar trrr. r'rx-r i rt sen, o virzvnaMe uno eine Anzahl gewöhnlicher 3titter. Verbraucht wurden 300 ungarische Ochsen, 62,000 Hühner. 5000 Gänse, 75,000 Krebse, 74 Wildschwere, 162' Hirsche, 1370Fäsier aeroöhnlicher Wein und 70 Fässer italienischer Wein. Täglich mußten 9360 Pferde gefüttert werden,welche 17,720 Schcffel Hafer verzehrten. Bei der im Jahre 1602 vollzogenen Vermählung des Kur-fürsten-Christian II. von Sachsen wur den durch L Tage 184 Tische bloß für die gewöhnliche Dienerschaft gedeckt. Als Veweis daß aber nicht bloß Fürsten einen Luxus dieser Art trieben, möge sol gcndes Beispiel hier angeführt werden. Im Jahre 1403 verheirathete ein Augsburger Aaacr, Veit Gundlinger, seme einzige Tochter an einen Zinkenbläser, Namens Bauch, der aber, weil solche Musiker bei weitem nicht den Rang eines Burgers hatten, seinen musikalischen Erwerd aufgeben und Bürger werden mußte, um von dem Gelde seiner Frau zu leben und nebenbei einen Weinhandel zu treiben. Die Ehe erschien überhaupt in den Augen der AuJsburger Bürger als eine Mesalliance, die Affenliebe des Vaters gab hierzu nur aus dem Grunde die Einwilligung, weil die Tochter nun einmal von dem Zlnkenbläser nicht ablanen wollte. Das Brautkleid bestand aus lauter einzelnen, zusammengesetzten Stücken Stoff und blauem Seidenzeug. Alle Nähte waren mit goldenen Span gen besetzt, um den Saum des Nöckleins" ging eine breite Goldspange und der Unterrcck war mit köstlicher Arbeit gar fein genaht. Um die Taille trug die Braut ebenfalls eine Goldspange und die Armbänder waren mit edlem Gestein" besetzt. Die Strümpfe hatte sie mit güldenen Fädlein" gebunden und die Schuhe reich mit Silber beblecht. Kurz, die Braut war so reichlich geputzt und mit hochzeitlichem Schmuck geziert, daß die Leute aus der. Gasse ne in das Gesicht lobten und an dem köstlichen Vräutlein sich 'nicht satt sehen konnten." Der Zlnkenbläser Bauch hatte, wie der Chronist meldet, ein grünes Röcklein an, große Schnäbel an den Schuhen und eine breite Goldspange um seinen Hut. Nach der Trauung,welche Mittags um 12 Uhr stattfand, wurde an 60 Tischen gespeist, und an jedemTischlein saßen 12 Märnr lein und Frauen", daher 720 Hochzeitsgäste. Von diesen waren aus der Verwandtschaft des Bäckers 213,des Zinkenbläsers 157; der Bäckerknechte, die man weidlich" bewirthete, waren 170; die Uebrigen waren Rathsherren und vornehme Herren und Frauen". Das Geläge dauerte volle acht Tage. Man aß und trank, schwärmte und tanzte so, daß am siebenten Tage, schon Viele wie todt hinsielen und nur durch den Spektakel der Uebrigen wieder, in's Leben gebracht wurden. Auch die Minne wurde bei dieser Gelegenheit nicht vergessen und die Rathsherren kosten gar lieblich mit, den Frauen und Töchtern der Burger". Der Brautvater Gundlinger hatte zu diesem Gelage in's Haus gescharrt 20 Oechs lein, 49 Zicklein,500 Stück verschiedenes Federvieh, 30 Hirsche, 15 Auerhähne,46 gemästete Kalber, 900 Stuck, Würsteund 96 verschiedene Fische". Kurz im.Gan zen war ein für jeneZeit nicht unansehn liches Vermögen verhochzeitet worden. Eine Pariser G esch ich be. Es gab einmal einen Pariser Edelmann wir wollen ihn Graf Erupere. nennen , der in intimen Beziehungen zu einer WittweNamens Chateaupecq stand. Es war das ein offenes Geheimniß für ganz Paris. Eines Tages stellte sich das Paar gleichzeitig in dem Salon einer Weltdame im.Fauboura Sainr.Honore ein Der Diener, ohne sich- etwas Böses dabei zu. denken, kündigte an Der Graf Exupere und Madame de. Chateaupecq". Man ahnt die Wirkung dieser Ankündigung. Das Paar war. verwirrt und die Anwesenden gaben sich alle Mühe, ihr höhnisches Lächeln zu verbergen. Nachdem die Gesellschaft gegangen war, ließ sich die Dame des Hauses den Diener kommen. Franois", sagte sie. für die Folge kündigen Sie den Grafen Eruvere allein an und Madame de Chateaupecq erst nach einer kleinen Pause" r, . r. r , rtt r e ct ransois veripricyr icooriam. AM loni menden Empfangsabend sieht er den. Grafen eintreten, und mit dem grötmöglichsten Wohllaut der Stimme kündigt er an : Der Graf Erupere!" Nach einer Weile: Madame de Chateaupkcq!" Tableau! Letztere war nämlich, gar nicht erschienen. Am nächsten. Tage erhielt FranLvis die Kündigung. cvr rs t m ÄUs einem Zvrieoyos ,n der Provinz Bologna ward kürzlich ein Denkmal errichtet, bestehend aus einem riesigen Marmorblock, welcher die Form cn r ot t 11 or c C r em Riesen-Thrane hatte. . Aus leser Thräne las man die Jmchryt : An die. ser Thräne konnt Ihr ermessen wie sehr w" uns geliebt.
Allna von Goethe. Noch einmal ha.t die Coethe'sche Fa niliengruft zu We.'nar sich aufgethan, icch einmal nahm sie theure Neste auf, )ie Ueberreste Einer, die Wolfgang von Äoethe auf seinen Stnm gewiegt, die seinen Lebensabend verschönte und von den Strahlen eines großem Dichternamens ihr, ach! so früh beschlossenes Erdenstin beschienen sah. Zur Seite ihres Bruders Walter, des ftngst geschiedencn Enkels und letzten Nachkommen des Dichtersürsten ist Alna von Goethe, dir in der Blüthezeit der Jgend, im vollen Glanz, der Schönheit dahin geraffte Jungfrau, in der Familiengruft . zu Weimar beigesetzt. ES war zunächst ein äußerer Anlaß, der zu der Exhumirung und UeberführunF ihre? Leiche geführt ; der Frkdhof des Wiener Vororts Währingen, auf welchem Alma von Goethe zur vermeintlich letzten Ruhe aebettet wurdk,.soü demnächst verschwm-
den, und um die Gebeine ver bciübmten Personen, die auf diesem Frirdhoft ruhen. an lenntticher statte zu kargen, wurde ihre Ezhumirung und' Ueforfubnraa auf andere Friedhöfe beschlössen : die Üdsorge r. ? -r " r.f n -ri t rv yiersur w lyeils oen WMlllRrangkyorigen, tysils der Wiener ormnune zu. Die Exwmirunz der Leiche Alma von Goethe's-fand am 8. J-,ni -in aller Stille und in höchst einfacher Weise statt. Um 9 Uhr -vcorgens wurden im Beisein des Vorstandes der deutschenBotschaftskanzlei Karl Wuchert und des Landcs-Sanitäts-rathes für Niederösterreich Dr. . Andreas Wlllacll von Vediensteten der- Concordia" die massiven Steindeckel-der Doppelgrust gehoben. Inmitten- derselben bemerkte man den vollitändia ;er?allcncn Holzsarg, welcher vor cinundvier?ia Jahren die sterblichen Ueberrcste der Entelin Goethe s ausgenommen hatte. Nach Beseitigung der Sargbcstandtheile crblickte man das Gerippe der irühzeitiS Verstorbenen. . Die goldblonden langen. Haare hingen aufgelöst von der Schädeldecke herab. Das Gerippe, welches ein. noch gut erhaltenes weißes AtlaSlleidtheilweise umhüllte, wurde aus der Gruft, gehoben und in einen bereit gestellten, dunkelbraun polirten Holzsarg gelegt welcher unmittelbar darauf verzinnt unddann in einen lichten Metallsarz gestellt wurde. Nachdem 'über die Exhumirung. ein Protokoll ausgenommen worden war, hob man den Sarg in einen einfachen, von der ' Concordia" beigestellten zweispännigen Fourgon, welcher sich alsbald nach dem Nordwestbahnhofe in Bewegung setzte. Noch im Laufe des Tages erfolgte dte Ueberführung der sterblichen Ucberreste Alma's nach Weimar. Alma von Goethe, die Enkelin des Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe, war al drittes Kind seines seit 1817 mit Ottilie von Pogwisch vcrheirathetcn SohneSAugust in Goethe's Hause zu . Weimar, am 29. November 1627 geboren Ueberdas Wesen der kleinen Alma als Kink theilt in einem Briefe aus Weimar vom 19. Juni 1831 Johann Wolfgang von Goethe an die Schwester seiner Schwiegcrtochter, an die sonst im Hause lebende.Ulrike von Pogwisch, die damals mit. ihrer Großmutter in Karlsbad weilte. Folgendes mit : Das Mädchen ist allerliebst und als ein echt geborenes Frauenzimmerchen schon jetzt incalculabel, mitdem Großvater im besten und liebevollen Einvernehmen, aber doch, als wenn es nicht wäre, ihre Herkömmlichkeiten verfolgend ; anmuthig, indem sie bei entschiedenem Willen sich ablenken und beschwierigen läßt, übrigens keinen Augenblick ruhig, lärmig, aber leidlich undmit einigem Scherz gar bald in Ordnung und Zucht gebracht." Ottilie von. Goethe, die Schwiegertochter des Dichterfüxsten, die im Jahre 1830 ihren Gatten in Rom und zwei Jahre später ihren über Alles verehrten Schwiegervater verloren hatte, zog im Anfange der vierziger Jahre wegen der Fortsetzung der in Leipzig begonnenen musikalischen Studien ihres dafür begabten ältesten Sohnesnach Wien, wo sie bis gegen, die Mitte der sechziger Jahre' blieb. Ueber den Wiener Aufenthalt der Frau von Goethe berichtet Neumann-Strela : Frau Ottilie sah sich umdrängt, gefeiert. Ihr, der Trägerin eineöGoethe-Namens, legte der Adel Oesterreichs seine Verehrungzu Füßen, selbst das Kaiserpaar empsing sie in der Hofburg. Wie glückliche Stunden verlebte Alma mit den Kaiserlichen Prinzen und Prinzessinnen im- Garten zu Schönbrunn ! Wie ein Lilienstengel, kurz bevor die Blüthe sich bildet, plötzlich mit wunderbarer Schnelligkeit empor schießt, so warf- auch jetzt.Alma mit einem Mal die Kinderschuhe hin, und wie ein ! Lauffeuer ging's durch ganz. Wien hin : Was sie schön ist !" Im Theater wurden auf sie zuerst die Gläser gerichtet, rollte sie in offener Caroffe durch den Prater, so sprengte manch' besternter Reiter heran und gab ihr das Geleite ; auf den Hofbällen blieb ihretwegen manchcs Fräulein sitzen. Aber trotz alledem nistete kein Hochmuthsteufelchen in ihrem Kopfe. Nie vergaß, sie über der viel gefeierten, viel umringten Jungfrau die Unschuld und Herzensgüte des Kindes. Ach, gewiß, in Wien urs schon, aber in Weimar beim Großpapa und bei meinen Puppen war's eben so schön !" soll sie kurz vor ihrem Hingange ausgerufen haben. Der Tod der reizenden, einzigen Tochter sie starb am Nervensieber war für die in den lichtesten Lebenskreis. gestellte und dabei, doch jetzt wie frü? ?er schwer geprüfte, edle Frau ein ebenso unerwarteter, als schrecklicher Schlag. Die Leiche der Enkelin Goeche'S wurde in einer Gruft des WährÄaer Ortsfrdhofcö beigesetzt. Wenn man vom Eingangsthore emporschritt fand man das Grab auf der rechten ScitL den Ruhestätten her beiden Tondichr Beethoven und Schubert ungefähr zeaüber Der Wasserspiegel des Bo densees ist gegenwärtig mit eern gelben Mehl bedeckt, das eine sammenhängende dünne Schicht bildet und nach ta gelangem Umherschwinien verschwindet. . Diese Erscheinung rührt von fcrt gewehtem Blüthenstaub der Wald- und rr.Tif. c r . .rrr i - st iwn vuniy jv, . uitwv v wvv k t ele hundert Meter weit mit tzm a.tU hen, zarten Häutchen überkleidet. All. jtl unt z. 3eit mi de? , ee, wie es im Bolksmund beißt.. 5 i niTniiii Tn v npr mfm ni? 5"- i'pti i ; 1 1 i-ir
