Indiana Tribüne, Volume 8, Number 288, Indianapolis, Marion County, 5 July 1885 — Page 2

zszz ztzzL'unz : vü. Der Wunderdoktor. w Slctrsi:: rcn CUe Bcrthet. (0. Fortsetzung ) Lustig vor sich hinweisend '4lUfc vt Wtm stocke in der Lust crumfu)tcld, schritt (obillard durch cie Wtefen,' auf denen drillen und 5)cufchrcckcn ihr frohlichcS Gezirpe ertöne:: ließen. Plötzlich stieß er aus Jobsc,n, welcher ihm dcn Wcg versperrte. Cfcgkich die. AcgeZnung indi:semAugciiblii iell'.-icht nicht ganz nao) seine: Geschmack war, zog Äobillard dennoch seine Mirfcc und es mit seiner gewohntem Munterkeit: Nun, Herr Jobson, wieder unterwegs, um Viel) zu kaufe V Wie ?2ic sehen. Und Sie wollen Zrahrschcinlich wieder Heilsame Kräuter suchen. Nach welcher Richtung werden Ihre botanischen Entdeckungsreisen Sie denn beute Hinführend" Räch dieser hier," vcrse.tzteNobillard, indem cr aif gut Glück nach einem cntf ernten Punkte des Horizontes deutete. Sich da, gerade dahin wollte auch ich gehen, um fette Kiibe zu kaufen wenn Sie erlauben, so gehen wir zusammcu." Bitte recht sehr, ich habe nichts dagegen." NoHllard schlug eine äußerst rasche Gangart an, welche auf dein unebenen Terrain bald ermüden mußte; aber der zähe Engländer hielt ohne Mühe gleichen Schritt mit ihm. Nach einer Weile verlor Nobillard die Geduld und blieb kurz stehen. mir r Jiun, scben Sie wobl, so sind Sie mir bedeutend lieber," versetzte Jobson mit verschmitztem Lächeln, es liegt mir so wenig wi'Jhncn daran, meine Zeit unnütz ;u vertrödeln. Toch Sie aeben jedenfalls nach der Hütte, nicht wahr V Vielleicht und wenn das wäre V In diesem Falle würde ich Sie Intten, Sie begleiten zu dürfen, und untere Wegs könnten Sie mir dann einige Fingerzeige über diesen berüchtigten Eusebius Blanchet geben, den ich hier in der Nachbarschaft verinulhe." Jbre Veruiutbung könnte Sic täuschen." Glauben Sie? Haben Sie mir nicht gesagt, daß, wenn Ihnen der Vogel auch uicht bekannt sei, Sie doch wenigstens das Nest zu kennen glauben V Habe ich das gesagt ? Wenn ich mich dann nur nicht selbst getäuscht habe. Toch, um es kur,; zu machen, dazu muß ich erst die Erlaubniß meines Herrn einbolcn, was mir bei all den Laufereien bis jetzt noch nicht möglich war. Gcdulden Sie sich also noch ein wenig und nun adieu." Er setzte sich von Naiem in Vcwcgung, aber der Engländer blieb an seiucr Seite. Was brauchen. Sie denn den Doktor erst darum zu fragen ''. Hören Sie mich an : Sie wissen, daß ich in ein Unternehmen verwickelt bin, bei dein ich tausend Guineen verdienen kann Ich gebe gern fünfzig davon ab für Tenjcnigen, welcher mir die Mittel liefert, das fragliche Nest und den Vogel zu entdekten. Ja, ich bezahle sogar auf der Stelle in vollgiltigen "Noten der Bank von England." Er zog ein ledernes Portefeuille aus der Tasche, welches reichlich mit Banknoten versehen zu sein schien. Robillard zuckte glcichgiltig mit den Achseln. Was zum Teufel soll ich mit Ihrem Gelde," versetzte cr, mein Meister legt für mich wie für alle seine Leute, Geld in der Sparkasse an, und ich habe ihn noch gar nicht einmal gcfraat, wie groß mein Vermögen schon ist. Mi? genügt es, wenn ich mit einigen Sous in der Tasche klimpern kann ; ich habe gelebt als Zigeuner und will auch als Zigeuner sterben." Sie sind in der That ein komischer Kauz," sagte Jobson, aber wenn ich nun hundert Guineen Qtbc'i" Und cr klopfte mit einem vielsagenden Blick auf seine Brieftasche. Und wenn Sie mir tausend Guineen anböten, ich würde Ihnen kein Wort von der Geschichte sagen, ehe ich nicht die Erlaubniß des Toktors habe. Wenn cr sie mir giebt, so bekommen Sie die Auskunft umsonst." Ter Engländer stockte seilie Banknoten wieder ein. Nun, sagen cie mir doch wenigstens, was Ihnen dieser Doktor Jean gethan hat, daß Sie ein solches vertrauen zu ihm haben und ihm solche blinde Ergebenheit beweisen." Was er mir gethan hat ? Nim, da Sie ja doch uoch eine Weile mit mir gehen, so werde ich es Ihnen zum Zeitvertreib erzählen. Bis zu dem Tage, wo ich das Glück hatte, ihm zu begegnen, habe ich in der bittersten Abhängigkeit, in Mangel und Entbehrung gelebt. Als ' Sohn eines kleinen Handwerkers in Paris besuchte ich ein Gymnasium daselbst, wo ich glänzende Fortschritte machte und wo ich auch jenen Ehrenpreis erhielt, auf den ich heute uoch so stolz bin. Unglücklichcrwcise war ich, als meine Studien beendet waren, zu so gut wie gar nichts 'zu gebrauchen. Meine Neigung zu einem unabhängigen, umherziehenden Lcben verbot mir, mich dem Lehramt zu widmen; ich versuchte es mit tausend anderen Berufsarten, aber keine vcrmochte mich zu fesseln ; ich war abwechselnd Lehrling in einer Apotheke, Zkommis in einem Modewaarengeschäft, Zledaktcur todtgeborencr Zeitunaen, und es glückte mir nirgends, weil es mir an Beständigseit fehlte. m Eine lächerliche Leidenschaft, welche ich für ein unwürdiges Geschöpf empfand, verleidete mir vollends die Lust an jedem ernsten Beruf ; kurz, eines Tages ging ich, verlassen von den: Weibe, welches ich geliebt hatte, verstoßen von meiner Familie, ohne Freunde und HilfsMittel, auf gut Glück in die Welt hinaus. Es würde Sie nicht intcressiren, Herr Jobson, alle die zahlreichen Abmteuer, welche ich auf meinen Wanderungen erlebte, kennen zu lernen. Es war eine lange Neihe von Demüthigungen, Entsagungen und grausamen Täuschungen. Selten wußte ich des Morgens, wo ich zu Mittag essen und wo ich am - Abend mein Hanpt hinlegen sollte. Ich

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Sie Haben Etwas aus dem herzen," sagte er spielen wir nicht Verstecken mit einander. Was wollen Sie von

-rt - -??? .".,.1! 1 a x qt als einfacher Handlanger gcarxitet, und Mvcilcn war ich sogar genö i tHgt, von Haus zu Haus zu gehen, um nur ein Stück Brot zu betteln. Allem, ich kann cs mit 'iolz sagen, ich habe trotz -all dieses Elends niemals cine ehrlose Handlung begangen; ich habe der Versuchung widerstanden, wenn ich auch ein armer "Teufel war ; ich war zu stolz, ein Schurke zu werden. Dieses traurige Loss ivar auf die Dauer nicht auszuhattcn. Eines Abends, als ich auf iner langen Wanderung mich auf s Acußcrste angestrengt hatte, um uoch ein gewisses Torf zu erreichen, brach ich vor Entkräftung ant Rande der Straße zusammen. Sctt einigen Tagen hatte ich nur von rohen Kartoffeln gelebt, welche ich auf .den Feldern untertvegs aupg'grabcn hatte ; ich war ohnmächtig geworden und würde ohne Zweifel elend umgekommen sein, wenn der Doktor Jean .nicht zufällig .mit seinen Leuten dort vorbeigefahren wäre. Von Mitgefühl bewegt, stieg er ab und bemerkte dald daß ex Hunger meine einzige Krankheit war. Er flößte mireinigc Tropfen eines auagenskärkendcn Liqucurs cii und nahm mich dann in seinen Wagen auf, um mich nach dem benachbarten Torfe zu .bringen. t Dort sorgte cr in der Herzlichsten Weise für mich ; eine vorzikZÜche Nlahlzeit gab mcin?m Körper die träfte zurück, während seine crmuthigende Worte mein niedergeschlagenes Gemüth wieder aufrichteten. Der Doktor hatte aus den Papieren, ivelchc ich bei mir trug, erfahren, daß ich kein gefährlicher Landstreicher war ; sobald ich im Stande war, ihn zu vcrsteHen und zu überlegen, machte er mir den Vorschlag, in seine Dienste zu treten. Diese umherziehende Lebensweise war durchaus nach meinem Geschmack, und überdies empfand ich für meinen Wohlthäter eine grenzenlose Zuneigung und Dankbarkeit. Ich nahm also seinen Vorschlag an und wurde, was ich heute bin. Seit dieser Zeit fühle ich mich glücklicher, als ich je gewesen bin im Leben. Ich habe meine angeborene Heiterseit wiedergefunden, und w wird cs mir leicht, meinen Pflichten als Possenreißer nachzukommen. Um dieselben zu crfüllen, brauche ich mich blos meines Pariser Jargons und der originellen Einfälle der Pariser Straßenjungen zu erinnern. Im Ucbrigen kümmere ich mich weder um die Gegenwart, noch um die Zukunft; der Doktor ist meine Vorsehung ; erwacht über 'Alles, denkt an Alles und wrgt für Alles." . Nobillard war ganz in Feuer gerathen, während cr sprach. ,.Ah, wissen .Sie, Herr Nobillard," sagte der Engländer, welcher ihm mit Aufmerksamkeit zugehört hatte, in nachdenklichen: Tone, wenn Sie mit dieser so theuer erkauften Erfahrung Engländcr U'ärm, was wären Sie für ein vorzüglicher " Er vollendete nicht. Ein vorzüglicher was denn ?" Das, was ich bin ein vorzüglicher Viehhändler." Während der Unterhaltung hatte man sich der Hütte genähert, deren Schieferdach man bereits in der Ferne bemerkte, während gleichzeitig das eintönige Geräusch des Wasserjalles hörbar wurde. Ncoilliucv der sich durch seine Erinnerung hatte hinreißen lassen, blieb von 'Neuem stehen. Jetzt, mein lieber Herr Jobson," begann cr in ruhigem, aber festem Tone, glaube ich, Ihnen hinlänglich Geduld und alles wünscheiiöwcrthe Vertrauen erwiesen zu haben ; nun gestatten Sie mir Wohl, daß ich mich Ihnen empfehle, cin anderes Mal können wir die Unterhaltung fortsetzen." . tlnd wenn cs mir nun nicht gefiele, auf Ihre liebenswürdige Gesellschaft zu verzichten ' Dünn könnte meine liebenswürdige Gesellschaft sehr unliebenowürdig werden," versetzte Nobillard, seinen Stock mit eigenthümlicher Gewandtheit schwin gcnd, Ich verstehe mich sehr gut auf das Boren nach englischer Mode," sagte Jobson, indem cr die Fäuste ballte und eine vertheidigende Stellung einnahm. Und ich verstehe ausgezeichnet, den Stock 'zu handhaben nach französischer Mode," versetzte Nobillard, indem cr noch energischer mit seinem Stock durch die Lust fuhr. Bielleicht hatte es Jobson nicht so ernst gemeint, denn cr wechselte seine Haltung und fuhr lächelnd fort: Ein braver Kerl, ebenso schlau wie entschlossen. Schade, daß wir uns nicht verständigen können doch seien wir uns nicht böse, und da Sie cs nicht anders wollen, so gehen Sie in Gottes Namen Ihren Geschäften nach." Das lass' ich mir gefallen ; übrigens zieht ein Gewitter herauf und ich fürchte, wir werden noch naß werden." Ja, ja, das Wetter wird ungemüthlich, und ich will machen, daß ich nach Hause zurückkomme doch cin Wort noch, fuhr cr mit gedämpfter Stimme fort, bei Ihrem Geschäft handelt cs sich um cine Liebschaft, nicht wahr?" Sie haben, weiß Gott, cine feine Nase," versetzte Nobillard, obgleich cr jetzt sehr gut wußte, daß diese Vermuthung eine falsche war. Sehe einer an, dieser Doktor Jean, der so ernsthaft aussieht. O diese Franzosen!" Aber zum Kukiik, verliebt man sich denn in England nicht auch ?" Jobson schüttelte dem Possenreißer die Hand und kehrte mit raschen Schritten nach dem Gasthofc zurück. Mag Dicy der Teufel holen," brummte Nobillard. Er nahm seinen Weg erst wieder auf, als der Engländer außer Sehweite war, und auch dann noch wandte er von Zeit zu Zeit den Blick zurück, um sich zu überzeugen, daß jener ihm ;nicht mehr folgte. Der Länge nach auf dem Nucken eines Felsens liogcnd, verfolgte Jobson aufmerksam die Züchtung, welche Nobillard einschlug ; er schien trotz des drohenden Gewitters durchaus nicht daran zu denkcn, wirklich nach dem Gasthof zurückzukehren. Der Bote Velcourt's hatte den hartnackigen Engländer bald vergessen und dachte nur noch daran, seinen Austrag so schnell wie möglich zu erfüllen. Ohne fernerhin Jemand zu begegnen, erreichte

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cr den Fclsblock, unter welchen cr rn Brief niederlegen sollt: und schob ihr. an den bezeichneten Ort. Dann zog er einen wcißcn Lappen hervor und befestigte ihn nachlässig an einem Wachholderstrauch, so daß cs aussah, alö ob ihn der Wind durch Zufall dorten geweht hätte. Nach-

dem cr diese Vorbereitungen getroncn,vcrbarg cr sich n deiUnkraut und beobachtete lXis Schloß, in sich zu überzeugen, ob se Signal bemerkt würde. 5r wartete längere Zeit, aber vergebens. Die Fenner blieben geschlossen ; Vorhang regte sich hinter den Scheiben; dieser Theil des Schlosses schien vollständig verödet zu sein. Bald verlor cr die Geduld. Mein Meisten," so dachte cr, wartct auf die Antwort, weil cr heute Abend noch abreisen .will;' außerdem kann das Gcwitter jeden Augenblick losbrechen, und wenn das Fräulein dann auch wirklich das Signal bemerkte, könnte sie doch nicht nach dem Fellen kommen. So würde der Abend vorübergehen, und wir hätten vierundzwanzig Stunden vcrlorcil." Nach kurzem Bedenken stand er plötzlich auf. Ich kann nicht mehr warten,' sagte er, sehen wir, ob die Gartenpforte geöffnet ist." Er näherte sich fast kriechend dem Baumdickicht, welches das Haus deö altcnViglat umgab. Das klciucGebäude war wie gewöhnlich verschlossen ; die tiefste Stille herrschte rings umher, Nobillard erkannte sehr Wohl die Stelle, wo er sich mit dem Bewohner des Pavillons geprügelt hatte, denn das Gras rings umher war zertreten, und mehrere Zivcige lagen abgebrochcn am Boden. -Trotz der Ungunst des Augenblicks kam cr auf den Gedanken, seinen Hut zu suchen, den er vorgestern auf dem Kainpfplatze gelassen hatte. Vielleicht war cr unbemerkt geblieben, und der brave Bursche, der wie alle Leute, welche gewohnt sind, mit Wenigem auszukommen, auch auf die geringste Kleinigkeit großercn Werth legte, begann auf das Sorgfältigste zwischen den Sträuchen und Wurzeln zu suchen. Ganz verliest in seine Arbcit,merkte er gar nicht,!vie eins der Fenster in der obcrcn Etage verstohlen geöffnet und alsbald wieder geschlossen wurde. Einige Augenblicke später vernahm man cin Geräusch, wie wenn irgend cin Gegenstand gedrückt wird, und dann war Alles wieder still. In Verfolgung seines fruchtlosen Suchcns war Nobillart gerade im Begriff, in den Garten einzudringen, als die Thür des Häuschens sich öffnete und Blaisot auf der Schwelle erschien. TerBuchhalter trug seine gewöhnliche, saubere, bürgerliche Kleidung. Obgleich sein Gesicht mit Beulen bedeckt war und auch im Ucbrigen seine Haltung noch ein gewisses Unbehagen verrieth, hatte cr den Kopf nicht mehr verbunden, und auch die Binde, in welcher cr den Arm gctragen hatte, war verschwunden. Guten Tag, mein lieber Freund," sagte cr lächelnd zu Nobillard. Alle Achtung, an Ihnen habe ich meinen Mann gefunden doch darum keine Feindschaft Sie suchen Ihren Hut, nicht wahr ? Ich habe ihn gestern aufgehoben und werde ihn Ihnen wicdcrgcben, bitte, kommen Sie mit." Ter Spaßvogel hatte einen so freundlichen Empfang nicht erwartet, aber er war selbst von zu geraden: und osfcnherzigcm NaUtrell, als daß ihn ein solches freimüthiges Entgegenkommen nicht hätte rühren sollen. Besten Tank, Herr," versetzte cr in offenem Tone ; ein so lie? benswurdlgcs x'lncvüictcu kann ich mir danloar annehmen. 0 haoen St; denn den Hut V In jener Bude dort, welche mir als Arbeitszimmer dient. Bitte, treten Sie näher !" ,',Sehr gütig mit Vergnügen." Und ötobillard loandte sich dem Eingange zu ; Blaisot trat höflichst zur Seite, um ihn vorbeizulassen'. Wie man sich doch täuschen kann ..." sagte der gutmüthige Spaßvogel zu sich selbst ; ich hatte eine so schreckliche Meinung von diesem Biedermann und nun habe ich nur einige Faustschlägc mit ihm ausgetauscht, und wir sind die besten Freunde. Es giebt Mrnschen, die man erst prügeln muß, wenn Sie Einem gut sein sotten !" Das Erdgeschoß des Pavillons mit den eichenen Fensterläden war, wie man sich erinnert, sehr dunkel, und während Blaisot die Thür schloß, tastete Nobillard sich langsam vorwärts. Warten Sie, ich werde Sie führen," sagte Blaisot, Ihr Hut ist dort oben." Man sieht hier in der That keine Hand vor Augen," sagte Nobillard munter, und wenn ich nicht wüßte, daß Sie eine gute Lampe " Plötzlich fühlte er einen äußerst heftigen Stoß in den Niicke, wie wenn sich Jemand mit voller Kraft auf ihn geworfen hätte, er verlor das Gleichgewicht und stolperte einige Schritt vorwärts; dann wich der Boden unter seinen Füßen, und cr stürzte einen tiefenKellcr hinab, dessen geöffnete Klappe er nicht beinerkt hatte. Einige Minuten war cr außer Stande, zu sprechen odev sich zu rühren. All? Glieder waren ihm wie zerschlagen, und aus mehreren Wunden strömte sein Blut. Endlich stieß cr ein leises Stöhnen aus und versuchte, sich zu erheben. Ein höhnisches Lachen ließ sich von oben vernehmen. Siehst Du, elender Polizeispicsn, jetzt habe 'ich Dich," rief Blaisot. Diesmal soll Dir das Umberschnüffeln hier schlecht bekommen Tu hast Dirne Haut dabei zu Markt getragen Niemand sucht Dich hier in diesem abgelegenen Loche, und ich mache mich in der nächsten Aünute aus dem Staube. Nun sich' zu, wie Du Dich herausziehst !" In demselben Augenblick sicl schmetternd die schwere Fallthür ins Schloß. Zlobillard wollte dein Manne, der ihn in eine so furchtbare Falle gelockt hatte, gute Worte geben, allem Anscheine nach drang seine Stimme aber nicht mehr bis zu seinem Henker. Gleichwohl hörte er über seinem Kopfe noch hin und her gehen, doch dann wurde die Thür klirrend ins Schloß geworfen und Grabesstille herrschte rinas um ibn ,her.

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Es wer in der That ein Grab für Nobillard. Als cs 'ihm trotz seiner Wunden gelang,sich auf Händen und Fü-s-en fortzuschleppen, mußte er sich, bald überzeugen, daß cr sich in einem in den Felsen gehauenen Keller befand, der noch nicht einmal mit einem Loch versehen war, um Licht und Luft herein zu lassen, und in dem sich nur einige verfaulte.dünne Balken befanden. Endlich stieß er auf cine roh in den Felsen gehauene Treppe und' kletterte mühsam hinauf: Oben angelangt, stemmte er sich mit dem Glücken gegen die Fallthür und versuchte, mit allen Kräften sie empor zu heben, aber sie war sehr solide befestigt, und er erkannte bald, daß cs ihm selbst bei vollem Besitz seiner Kräfte unmöglich gewesen wäre, sie zu öffnen. Er sehte sich auf cin Stück morsches Holz und überließ sich den trübsten Gedanken. Er hatte seinem Herrn keinerlei bestimmte Andeutungen über das Gcbäude gemacht, in dein cr sich befand, und cs war möglich, daß. wenn Blaisot seine angekündigte Ncise ins Ausland angetreten hatte. Tage lang sich kein At'ensch hier sehen lassen würde. Wenn Nobillard bis dahin nicht an seinen Wunden gestorben war, so mußte er voraussehen, daß er Hungers sterben oder aus Mangd an Lust ersticken würde. - Er fühlte bereits im Geiste all' das Grauen seines Todcskampfes, und trotz seines Muthes schauderte er zusammen. Plötzlich weckte ihn ein majestätisches Nollen' aus der dunipfen Betäubung, in welche Schmerz und Verzweiflung ihn gestürzt hatten. Das Gewitter war draußen losgebrochen, rs war das Nollen des Donners, welches bis zu ihm in die Tiefe drang. O ! waruia habe ich mich nicht lieber dem Sturm und Unwetter ausgesetzt", murmelte er Gott steh' mir bei Wenn er mir nicht zu Hülfe kommt, dann bin ich verloren." Das Gewitter hatte sich bald verzogen, und nun störte nichts mehr die düstere Nuhe uiid Stille des Gewölbes. Der unglückliche lebendig Begrabene streckte sich auf dem Boden aus. Eine Art dumpfer Verzweiflung hatte sich seiner bemächtigt.'allcin gleichwohl erhob cr von Zeit zu Zeit den Kopf, um zu horchen ; aber sein Ohr vernahm nichts, was auf cine baldige Befreiung hindeutete. Tödtlich langsam flössen die Stunden in bitterer Todesangst dahin, ohne die geringste Hoffnung auf Nettung zu bringen. Eine Familienszenc. 2?ir müssen jetzt erzählen, was Joseph ine abhielt, das Zeichen Nobillard' zu bemerken. Lucius war nach einer neuen Unterhaltung mit Blaisot finsterer und niedergeschlagener als je zurückgekehrt. Als er hörte, daß seine Frau und die übrige Familie sich int Salon befanden, begab cr sich ebenfalls dorthin. Victoria' saß neben Joscphine, und Beide arbeiteten an einer Stickerei. Keine der beiden Schwestern sprach cin Wort, und nur zuw'cilcn blickte die Eine oder die Andere mit schwerem Seufzer auf. Der alte Jolivct, niedergedrückt durch die" schwüle Luft, war, wie ihm dies öfter vorkam, in fernem Sessel eingeschlafen, während Leon am Tische saß und sich im Schreiben übte. Bei dem Eintritt ihres Schwagers crhob sich Joscphine) um sich zurückzuziehen. Seit dem gestrigen Tage flößte ihr Lucius einen unüberwindlichen Abscheu cin, und außerdem wollte sie auch nachsehen, ob nicht cin Zeichen draußen irnd cine Botschaft von Bclcourt ankündigtc. Bleib', mein Kind," sagte Lucius in sanftem Tone, ich habe Wichtiges mit Victoria zu besprechen, und Dein 3tath kann uns vielleicht von 'Nutzen sein." Fräulein Jolivct nahm schweigend wieder Platz. Victoria konnte cine Bewegung der Unruhe, ja fast des Schreckens, nicht unterdrücken. Mein Gott, was hast Tu denn fragte sie. Nichts Böses," versetzte Lucius rasch, im Gegentheil da ich weiß, daß Du gerne reisest, will ich Dir cine kleine Erholung vorschlagen, die sicherlich Deinen Beifall finden wird." Aber mir licgt gar nichts daran ich habe nie Vergnügen am Nciscn gefunden," sagte Victoria. Sind wir in den letzten Jabren nicht genug in der Welt umhergercist? Ich bleibe viel licber hier bei meinem Vater und meinem Sohne." ' Du weißt nur noch nicht, wo wir bin wollen, liebe Victoria ; cs geht nicht wieder nach dem nebeligen England, dem lärmendcn-London mit seinen langwci ligcn Sonntagen. Was meinst Tu zu einer Ncise in die Schweiz, wo Du nach Herzenslust Berge und Gletscher besteigen kannst. Hast Du mir nicht schon oft gesagt, daß Du gern einmal die schöne Schweiz kennen lernen möchtest, von der wir überdies nur wenige Meilen entfernt sind." Ach, nach der Schweiz vielleicht auf acht Tage ! Nun, da könnten wir ja später einmal sehen, aber erst muß ich mich von den Llnstrcngungen der letzten Rcise.noch etwas erholen." Wenn tvir überhaupt reisen wollen, so müssen wir so bald .wie möglich ab reisen." Wann denn ?" fragte Frau Lucius. Morgen wenn möglich, sogar noch heute Abend." Heute Abend ! Wo denkst Du hin ? Haben wir so lange gewartet, so können wir auch noch einige Tage -länger warten." Ich bedauere, sagte Lucius, sich abwendend, ich habe . zwingende - Gründe, die Abreise zu beschleunigen. Gewisse Geschäfte von hoher Wichtigkeit fordern gebieterisch meine Anwesenheit dort." In diesem Falle. muß ich Dich bitten, allein zu reisen, meine Anwesenheit würde Dir in diesem Falle doch nur hinderlich sein." ,, - ;: . . : . Lucius runzelte die. Stirn. . Ah," fagte er trocken, das ist ja ganz etwas Neues ! Du warst ja sonst bedeutend entgegenkommender und fügsamer." Frau Lucius, die in der That gewohnt war, vor ihrem Manne zu zittern, war auf dem Punkte, nachzugeben, als ein

Blick Jvscphincns ihr neuen Muth einflößte. Verzeihe," sagte sie, aber ich wüßte in der That nicht, wie ich Dir nützlich sein könnte, und möchte mich wirklich gern einmal in dcr Familie ausruhen ; ?. mir mmff(itÄ ' mvfi riniiii 'j'ilvIC i uviiiivm' iiv -"y 1 Zeit, und wenn cs dann unumgäng- j lich nothwendig ist, werde ,a Dich begleiten.!...." Es ist mir unmöglich, die Abreise aufzuschieben, ich werde bis morgen warten aber ...... vielleicht muß ich meine Nachgiebigkeit noch bereuen." Aha, cr will sich aus dem Staube machen," sagte cine schneidende spöttische Stimme ; ich habe- cs ja gleich gesagt, daß cs so weit mit ihm kommen würde." Es war der alte Jolivct, welcher, aus seinem schlafe erwacht, nch plötzuch in das Gespräch mischte. Frau Lucius crbebtc ; gleichwohl schien aber keiner der Anwesenden die Bemerkunz des kindischen Greises gehört zu haben. Da ich Dir doch nun einmal durchaus nicht nützlich sein kann." fuhr Victoria fort, wannn bestehst Du denn..." Nun, begreifst Tu denn gar nichts mehr V fuhr Lucius, auf's Aeußerste erregt, fort. Makjt Du denn gar nicht, daß ich in Deinem eigenen Interesse auf die schleunigste Abreise dringe ? Ich habe Dir doch schon gesagt, wenn ich hinabstürze in den Abgrund, dann reiße ich Tich mit." ' Diese räthselhaftcn Worte versetzten alle Anwesenden in die höchste Bestürzung. Frau Lucius schien jedoch , besser als die Anderen ihren tnn zu vcrftchcn und rief verzweifelt aus : Hin Gottes Willen, solltest Tu wirklich so leichtsinnig gewesen sein. Ich habe schon oft daran gedacht ; Du hast mich seit einiger Zeit häusig zu seltsamen uud gehcimnißvollcn Besorgungen verwandt, die ich Dir in meiner Unwissenheit und meinem Vertrauen zu Dir nicht abzuschlagen vermochte. Barmherziger Gott, was hast Tu gemacht, und wenn Tu Unrecht gethan hast, wie kann man dann von mir darüber "Ncchcnschaft derlangen." So sprich doch," sagte auch Josephine bestürzt, was haben wir denn zu fürchten "?" Aber was ist Euch denn nichts," stotterte der Hüttenbcsitzcr, aber man kann doch manchmal nicht wissen Es können plöt'.licbe Ereignisse eintreten " Der alte Jolivct war aufgestanden, Zorn und UnU'ille hatten ihm, wie es schien, seine geistige Thatkraft wiedergegeben, und mit gcröthetem Gesicht und flammenden Blicken rief cr aus : Der Elende, dcr Feigling ! Es fehlte blos noch, daß cr meine unglückliche Tochter auch noch zum uilfreiwilligen Komplicen seiner Schurkeustrciche machte." In seiner tödtlichen Verlegenheit beeilte sich Lucius, diese Einmischung des Altai als Ablcnkungsmittcl zu benutzen. Wie denn," i'agte cr'in verächtlichem Tone, solche Beschimpfungen soll ich mir gefallen lassen, weil dieser alte Lohgcrber seine fünf Sinne nicht mehr beijamnicn hat Die Scbwcstcrn suchten zu vermitteln. Ich bitte Dich...... Lucius," sagte Victoria, die Hände faltend. Du solltest doch etwas mehr Nachsicht zeigen gegen chicn Mann, an dem Tu Dich so schwer versündigt hast," sprach Josephine in festem Tone. & 0 x Kaum kehrte Blaisot in sein Zinuncr zurück, nachdem cr den armen Nobillard in die Falle gelockt hatte, als cr in höchstcr Hast und Eile seine Sachen in eine Handtasche zusammenpackte, cin sür seine Flucht schon vorbereitetes Portefeuille mit Geld zu sich steckte und ohne, daß Jeinand davon eine Ahnung hatte, seinen Weg zur nächsten Bahnstation nahm, um nach der Schweiz zu entfliehen. Blaisot war jetzt vollkommen überzeugt davon, daß sowohl 3iobillard, als auch dcr Dr. Jean, nur wegen ihm sich in dcr Gegend befanden, um ihn und sein Thun und Treiben auszukundschaften. Deshalb entschloß cr sich, ohne Lucius davon zu verständigen, die Gegend zu verlassen. Seine Flucht Ware ihm -auch gelungen, wäre cr nicht von dem Engländer Jobson beobachtct worden. Als Jobson im Begriffe war, sein Logis aufzusuchen, sah cr Blaisot mit einer Ncisctasche bewaffnct, mit großen Schritten den Weg nach der Bahnstation einschlagen und er beschloß, ihm zu folgen. Er ging in allcr Eile in sein Hotel, packte einige nothwendige Gegenstände zu sich, machte sich unkenntlich und betrat einige Augenblicke später ebenfalls die Bahnhofshalle. Der Engländer mar in die Vorhalle des Bahnhofes eingetreten wo sich mehrcre Leute'aus dcr Gegend befanden, um ilre Billets zu nehmen. Es wurde ihm nicht schwer, Blaisot wieder zu erkennen, der sich, die Neisctasche in der Hand, mit den Anderen nach dem Billctschaltcr ' drängte. Jobson suchte in. seine unmittelbare Nähe zu kommen. Als Blaisot an die 3!cihe kam, beugte er sich so tief wie möglich zu dem Schaltcrbeamte'n herab : Zweiter, Genf," flüsterte cr. So leise cr auch gesprochen, Jobson hatte ihn sehr wohl verstanden, und fünf Minuten später, als der Zug Pch in Bewegung setzte, saß cr mit Blaisot allein in einem.Koupee zweiter Klasse. Einige Augenblicke herrschte Schweigen, und Jobson zeigte durchaus keine Eile, cine Unterhaltung anzuknüpfen ; er begnügte sich damit, Blaisot diejenigen kleinen Aufmerksamkeiten zu erweisen, welche höfliche Neiscnde für einander zu haben Pflegen. Indessen verlor er ihn keine Minute, aus den Augen, und bei dem Scheine dcr Lampe fchien er die geringsten Kleinigkeiten an der Person seines Nachbars zu studiren. Nach einer Weile öegann Jobson mit gelangweilter Miene, wie ein . Mensch, der nicht lange schweigen kann : Kommen Sie vielleicht auch von der Messe in St. Simeon, wenn ntan fragen darf ? Ich? Nein!" versetzte Blaisot und wandte den Kopf nach der anderen Seite. Wieder durcheilte der Zug eine ziem-

lich lange Strecke, ohne daß die beiden Reisenden cin Wort gewechselt hätten. Endlich stellte sich jobson, als ob cr die Abneigung seines Nachbare, cine Unter Haltung mit ihm anzuknüpfen, vergessen hätte;" cr fuhr in feinen: glcichgiltigen Tone fort : Ich bin Viehhändler und gehe nach der Schweiz, um Milcbkühe zu kaufen. Gehen Sie auch nach derSchweiz, Herr Nach bar?" "Nein, ich gehe nicht nach der Schweiz," antwortete Blaisot und rückte sich in der Wagenecke zurecht, wie wenn er schlafen wollte. Hm," dachte Jobson, schwatzhaft ist er gerade nicht." Er richtete sich ebenfalls zum Schlafen ein, aber er sctzte sich unmittelbar an die Ausgangsthür, so daß dcr Andere unmöglich den Wagen verlassen konnte, ohne von ihm bemerkt zu werden. Ter Tag begann zu grauen, und man

näherte sich dem Städtchen Bellegarde, der letzten französischen Station, wo zu jener Zeit alle !l!eisende, welche nach der Schweiz ivolltcn, ihre Pässe' vorzeigen oder auf andere Weise ihre Identität nachweisen mußten. Zahlreiche Grenz, bcamte und GenSdarmcn übten auf dieser Station eine sehr strenge Kontrolle aus. Unsere Ncisenden waren jetzt teide munter. Als. dcr Engländer bemerkte, daß dcr Zug bald dcn Bahnhof erreicht hatte, wandte er sich von "Neuem an seinen 3ieisegcfährtcn. Wie langweilig!" sagte er; hier muffen wir aussteigen, um uns zu lcgitlmiren. Haben Sie einen Paß'" Versteht sich," versetzte Blaisot. Nun, da sind Sie glücklicher als ich ; ich habe meinen leider vergessen uiid werde vielleicht una.'.genehme Schwierigkeitcn haben. Fatale Geschichte." Der Zug hielt an und sämmtlich? Neisende mußten in einen großen Saal treten. Sie wurden dort eingeschlossen und dann .incr nach dem Anderen dem Po lizci-Jnspektor vorgeführt, welcher Allen, welche Frankreich verließen, ihre Papiere abforderte. Blaisot mit dcr Ncisctasche in der Hand und der Engländer mischten sich unter die Menge. Da Jobson sicher war, daß sein Gefährte ihm jetzt nicht cntschlüpfcn konnte, lo wandte cr nch baitia an die sen : Um jeden Aufentbalr zu vcrmei den, muß ich sehen," sagte cr, daß ich mich mit dem nfpektcr verständige. Auf Wicderfehen, Herr Nachbar ......" Anen," antwortete Blaifot brum mcnd. Jobson eilte fort und dcr Buchhalter sä'loß fich der langen Neibe an, welche alsdann vor dem Inspektor defiliren munte. Es dauerte eine halbe Stunde, bis er an die Neihe kam. ' Al5 er schüchtern die Augen erbob, bemerkte er lunter dem Inspektor und seinen Hilfsbeamten einen mit feiner Schärpe bekleideten Kriminalcommissär. Dcrsclbe unterhielt sich in flüsterndem Tone mit dem angebli chen Viehhändler jobson. " "i 01 t . vrtne un ucre nnnuna oammerte :n Blaisot's Geiste auf ; cr schaucrtc zusam mcn und schien zurücklveichcn zu wollen. Allein die Menge schob ihn vorwärts, und unmittelbar an seiner Seite befand fich ein zwei Victcr langer Stadtfergeant. Ucbrigcns hatte Jobson bereits die Aufmerksamkeit des Kommissärs, des Inspektors und aller seiner Beamten auf ihn gelenkt. Haben Sie einen Paß V fragte man ihn. ......... Ältte sehr, hier ist Und mit zitternder Hand überreichte Blaisot einen dem Anschein nach vollständig ordnungsmäßigen Zlcisepaß, wclchcr auf den "N'amcn Eharlcs Earpenticr, HandlungsgcHilfe in Paris," lautete. TcrPolizei-Jnspcktor warf einen Blick auf das Papier und schien nichts daran auszusetzen zu finden ; allein der Kriminalkommissär nahm cs ihm aus der Hand und er und Jobson begannen es ebenfalls zu prüfe, wobei sie sich leise mit cinander unterhielten. Endlich näherte sich der Kommissär, den Paß in dcr Hand, dem Geländer, . tvclchcs das Publikum von den Bcamtcn trennte. Sind Sie EharleS Earpentier?" fragte er Blaifot. Ja wohl, Herr Kommissär." Es ist gut. Nehmen Sie diese Mann hier einmal fest," ivandte er sich dann zu dcn Beamten, sein Paß ist gefälscht.' Der Pseudo-Buchhalter fühlte cine schwere Hand auf seinem Arm. In demselben Augenblick wurde cine Thür in dem Geländer geöffnet und gleich oarauf befand sich Blaisot, fortgezogen von dem riesigen Stadtsergeanten, in dem Bureau des Polizci-Jnspcktors. Dcr Vorfall hatte eine gewisse Vewegung unter dcn Neiscnden hervorgerufen ; allein dieselbe war nur von kurzer Dauer. Die Revision dcr Papiere wurde fortgesetzt, während Blaisot in ein nach rückwärts gelegenes Zimmer geführt wurde, wohin Jobson und der Kommissär ihm folgten. Man ließ ihn Platz nehmen und dcr Kommissär wollte ihn verhören; aber Jobson, der cin großes Ansehen zu genicßen schien, flüsterte ihm leise einige Worte ins Ohr. Der Bcamte verbeugte sich und dcr vorgebliche Viehhändler näherte sich dem Gefangenen. Nun) Aconsicur Blaisot," sagte cr, indem er auf den Paß deutete, da haben Sie wieder einmal cin wahres Meisterstück gemacht ! Das Papier, die Unterschrift, dle Stempel, Alles ist von einer erstaunlichen Vollkommenheit, und Sie hätten alle Welt dcunit getäuscht, lvcnn ich Ihnen nicht in die Quere gekommen wäre. Sie haben in der letzten Zeit cntschieden Pech, Herr Blaisot." Ich heiße doch nicht Blaisot," versetzte der Gefangene. (Fortsetzung folgt.) In der Jnstrukti ons stunde. Offizier: Was ist die erste Pflicht des Soldaten? Einjähriger A.: Tapferkeit! Off.: Falsch ! Einjähriger B.: Treue ! Off.: Falsch ! Einjähriger C.: Gehorsam ! Off.: Falsch ! Dreijähriger v.: Putzen l Off.: Unsinn ! Ihr wißt es Alle nicht. Die erste Pflicht des Sol. daten ist die, baß er ins stehle Heer eintritt.

Die Hvrsäle der berlinert .

versitat ieten auch außerhalb des Lerngcb manches Wisscnswerthe. In dusL Stätten der ernsthaftesten wissenschaftli-' . chen Beschäftigungen haben auch die neckischen Kobolde Witz ' und Humor sich Eingang zu verschaffen gewußt. Die Pulte in den Hörsälcn sind es nämlich, r l 1 r 1 r. cri. auf oenen die aiascmifcye ugcno längen Jahren die Ausbrüche ihrer übersprudelnden heiteren Laune und das, was ihr Herz bewegt, in Bild und Wort überreichlich aufgespeichert hat. Schwerlich würde ein Platz zu finden fern, der aar keine Spur dcr Schaffenskraft dieser Art trüge, im Allgemeinen aber kann man die Beobachtung machen, daß die einzelnen Pulte im Verhältniß zur Entfernung vom Professoren - Katheder eine größere Fülle von Erzeugnissen deö jugendlichen Humors aufweisen, gewisse Bänke besonders in so reichlichem Maße, daß sie aus einiger Entfernung bemalten. Tapeten nicht unähnlich sehen. WaSfmdet sich nun alles darauf vor : iboir allem Anderen fallen die zahllosen Ver-, bindungsznkel ins Auge, die der üppige Fuchs zu semem Privatvergnügen und zu seiner Uebuna in allen erdenklichen Variationen hinzuzaubern pflegt und so die kahlen Banlslacyen mtt dekorativen. Emblemen versieht. Es lft unmöglich, sich in diesem Wirrsaal in sich verschlun gener Monogramme zurecht zu finden Acongramme, die nicht nur alle die zahlreichen berliner Verbindunzen, sondern eine noch arönere Zahl von auswärtigen darstellen. Wenden wir uns deshalb dem verständlicheren Gebiete des Gotteö Amor zu. Was in herzinnigen Studentcn-Lie-besliedern gluthvoll wiederklingt, auf den Bänken der Universität hat es in tausend Zeichen einen lebendigen, bildlichen Ausdruck gewonnen, denn wo man . hinblickt, überall Mädchennamen, flammende Herzen, Liebespfeile und dem cntsprechend Inschriften, klassische und solche, die nicht beanspruchen, cs zu sein. . Anna zu Dir ist mein liebster Gang," und Magdalene i'or ever" weebseln ab mit Du bist mein Gedanke bei Tag und bei Nacht," Ich hab' Dein Bild im Traum geseh'n" und anderen, die man selbst lesen 'muß. Ein indiscrcter Musensohn hat die Vornamen seiner successiven'Licbsch'aften auf eine Bank zu ewiger Erinnerung hingeschrieben, bei einzelnen -dieser Namen befindet sich ein vielsagcndes Ausrufzeichen. Das Interessanteste dieses Genres bilden aber die Illustrativnen. Wir finden da eine äußerst reichhaltige, abwcchslungsvolle und ergötzlicheGalerie schöner Frauengestalten undFraucnköpfe, die bei ihrem verschiedenartigen Ursprünge durchweg den Eindruck sehr origineller Skizzen machen. Da ist ein liebreizendes sentimentales Mädchengesicht, gleich, daneben eine schalkhaft lächelnde Tänzerin in verführerischer Stellung, dort wieder cin mit unverkennbarer Gründlichkeit und vielem Witz gezeichnetes Eremplar de ces darncs, die mit seitwärts gerichtetem Blick die Eroberung eines hinter ihr tanzelnden Stutzers versucht. Auch - an Karikaturen, besonders der Mode, felt es natürlich nicht. Da sieht man eme kleine Dame mit weitem 3!eifrock auf un geheuren Absätzen trippeln, einen hau hohen Hut auf dem Kopf und mit riesi-V gen Puffärmeln. Dort verschwindet ein winziges Herrchen in einem lächerlichen Frack fast unter seinem Evlinder u. s. w. Einzelne er weiblichen Figuren geben an Freibcit dcr Behandlung derjenigen Makart's ttb der klassischen Bildhauer nichts nach. Im Allgemeinen muß man auch sagen, daß die Zeichnungen dicset Art sich meist durch geschickte Technik, oft sogar durch überraschende Kunstfcrtia.kett und originelle Auffassung und Dürstellung rühmlich auszeichnen. Es scheint hierin ein gewiffer esjrnt de corps zu herrschen, wie die burschikose Inschrift einer schön bemalten Bank besagt. Dieselbe lautet : Schlechte Schmierage ist bei 10 bis 100 Stunden Kolleg verboten. Von Rechts Wegen." Neben den Skizzen nehmen die schriftlichen Aufzeichnungen unser Interesse in Anspruch. Ganze Gedichte, Schnadahüpfl und Inschriften in allen Mundarten sind da zu stnden. Mancher Bruder Studio hielt es für nöthig, seinen werthen Namen in allerlei 3erschnörkelungen auf den Bänken zu verewigen, um auf diese billige Art sich einen bekannten Namen zu machen. Zahlreiche Pandektenzitate und Verse aus klassischen Werken in der Ursprache beweisen die Belesenheit ihrer Verfasser. Ein frommer Theologe war es jeden-' falls, der in sittlicher Entrüstung hinschrieb : Israel, das Maß Deiner Sünden ist voll !" Ein anderer veröffentlicht die Entdeckung : .Der sechste Sinn heißt Siumfsinn!" worunter ein neugieriger Commilitone die bescheidene Anfrage richtet: Wohl aus eigener Erfahrung. . geschöpft?" An vielen Stellen begegnet, man der Mittheilung : Hier ist eine: vorzügliche Schlafstelle zu vermiethen. Näheres bei Professor H." Und so gehp es mit mehr oder weniger Grazie in . infinitum. (Nat.-Ztg.) - In dem Dorfe Aulebe'u bei Nordhausen kat man eine Diebeshohle entdeckt, wte sie wohl selten aus gestattet ist. Die geschiedene Frau Do rothea Koch besitzt in Auleben ein Hauschen, sie nährt sich aber im Umherlungern vom Hausbettel und stiehlt dabei wie ein: Nabe. ' Kürzlich wurde sie festgenommen und dann, ihr Haus durchsucht. Hier' fand man ein großes Waarenlager aller möglichen Materialien im Werthe voneinigen tausend Mark, sowie in Strömpfen. Betten und Möbeln versteckt, 10,000 Mark baares Geld in Gold und Silber und 5000 Mark in Staatspapie ren. Die schlaue Bettlerin und Diebin ging allwöchentlich nach Nordhausen und ! Sondershausen, sammelte unterwegs ' Feldblumen :c, formte dieselben zu Bou- -quets und bot sie an genannten Orten ') zum Verkaufe an, wobei Frau' K. in ' höchst raffinirter Weise die Diebstähle ' ausführte. j Stoßseufzer eines Po' dagristen. Herrgott, wie dank' ich Dir. dan Du mick nur mit zw?;

7 " " H hast auf die Welt kommen.lassen !" ...